Nicolaus Otto und der Ottomotor: Eine kölsche Erfindung

Der Erfinder Nicolaus Otto
Der Erfinder Nicolaus Otto (1832-1891)

Okay – der erste von Erfinder Nicolaus Otto gebaute Motor hatte nur 3 PS. Das war im Jahr 1877. Bei diesem Motor handelte es sich um einen sogenannten „Flugkolbenmotor“, welcher sich noch wesentlich vom Prinzip des Ottomotors unterscheidet. Wenn wir heute vom Ottomotor sprechen, geht es um einen „Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung“. Der Begriff „Ottomotor“ wurde erst 45 Jahre nach dem Tod des Erfinders eingeführt.

Weltweit erste Motorenfabrik war in Köln

Nicolaus Otto war, zusammen mit Eugen Langen, der Gründer der weltweit ersten Motorenfabrik. Diese Fabrik, gegründet 1864 als „N.A. Otto & Cie“ in der Servasgasse gleich hinter dem Kölner Hauptbahnhof, bildete die Keimzelle der Deutz AG, heute ein Konzern mit mehr als 4.600 Mitarbeitern und etwa 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Abbildung einer Otto-Gaskraftmaschine von 1876, (aus dem Lexikon der gesamten Technik, 1904)
Abbildung einer Otto-Gaskraftmaschine von 1876, (aus dem Lexikon der gesamten Technik, 1904)
Otto, Maybach und Daimler entwickeln gemeinsam den ersten Viertaktmotor

Die Anfänge der Motorenfabrik waren eher bescheiden. Der Erfolg stellte sich erst ein, als sich das junge Unternehmen auf der Pariser Weltausstellung 1867 präsentierte. Der dort vorgestellte Motor war wesentlich sparsamer und benötige nur ein Drittel des Kraftstoffs der vergleichbaren Motoren seiner Zeit. Der Erfolg führte zum Umzug des Unternehmens und zur Gründung der „Gasmotoren-Fabrik Deutz AG“. Wesentliche Investoren waren die Brüder Eugen, Gustav und Jacob Langen sowie Emil und Valentin Pfeifer. Wem diese Namen jetzt bekannt vorkommen, der sollte mal im Küchenschrank nachschauen, ob er nicht auch Zucker von Pfeifer und Langen verwendet.

Weitere bekannten Namen waren als Mitarbeiter in dem Deutzer Unternehmen tätig: Die beiden Konstrukteure Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler waren maßgeblich an der Weiterentwicklung bis hin zur Serienreife des ersten Viertaktmotors beteiligt. Dieses im Jahr 1876 entwickelte technische Prinzip bildet bis heute die Grundlage für jeden konstruierten Verbrennungsmotor.

Nicolaus Otto – ein Autodidakt

Nikolaus Otto, geboren am 14. Juni 1832 in Nassau, hat, anders als zum Beispiel Maybach oder Daimler, nie eine Hochschule besucht. Sein Vater starb früh und so musste er seinen Teil für den Unterhalt der Familie beitragen. So arbeitete er tagsüber in einem Kolonialwarenladen. Erst abends konnte er sich seiner eigentlichen Leidenschaft widmen: der Technik. Die Zeiten waren gut für Otto. Die Welt veränderte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant: Die Telegrafie kam auf, Eisenbahnen erschlossen das Land und Maschinen übernahmen zunehmend die vorher von Mensch und Tier geleistete, kraftraubende Arbeit.

Der Erfolg seines Unternehmens führte Otto auch zu seinem privaten Glück. Er hatte bereits im Jahr 1858 an Karneval  – wie sollte es in Köln auch anders sein? – Anna Gossi-Rouply kennengelernt. Doch an eine Heirat war zunächst nicht zu denken. Der nahezu mittellose Otto konnte erst mit dem Aufstieg der Firma über ein Einkommen verfügen, welches die Familie absicherte. So heirateten Anna Gossi-Rouply und Otto erst 1868.

Briefmarke von 1952 zu "75 Jahre Otto-Motor"
Briefmarke von 1952 zu „75 Jahre Otto-Motor“
Späte Ehrung: Der Begriff Ottomotor

Im Unternehmen gab es persönliche Auseinandersetzungen zwischen Otto auf der einen Seite und Maybach und Daimler auf der anderen Seite. Beide verließen 1881 das Unternehmen. Gleichzeitig führten Patentstreitigkeiten dazu, dass 1884 Ottos Patent für den Viertaktmotor annulliert wurde. Seine Verdienste als Motoren-Entwickler sind allerdings unbestritten. Zu seinen Ehren werden seit 1936 alle Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung als Ottomotoren bezeichnet.

Nicolaus Otto starb am 26. Januar 1891 in Köln. Sein Grab ist auf dem Melatenfriedhof zu finden, seine Motoren in der ganzen Welt. Und heute auch mit wesentlich mehr als nur 3 PS.


En originaler "atmosphärischer Gasmotor“ zur Erinnerung an Nicolaus Otto am Deutzer Bahnhof Bild: Tohma [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]
En originaler „atmosphärischer Gasmotor“ zur Erinnerung an Nicolaus Otto am Deutzer Bahnhof, Bild: Tohma [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]
Jeder Kölner kennt den Ottoplatz in Deutz. Aber kaum einem ist klar, dass es bei dem hier geehrten „Otto“ um Nicolaus Otto handelt. Und dann fragt sich auch noch jeder : „Wat is dat denn?“ Auf dem Bahnhofsvorplatz in Deutz steht ein originaler, zwei Tonnen schwerer „atmosphärischer Gasmotor“ von Nicolaus Otto. Weitere Infos zu diesem Denkmal gibt es im Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.


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Eau de Cologne von Farina: Ein Duft, der den Geist inspiriert

Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Abfälle auf der Straße, geleerte Nachttöpfe im Rinnstein, Gerber, die mit Urin das Leder behandelten, kaum gekühlte Heringe auf dem Markt – in den europäischen Städten hat es noch bis zur vorletzten Jahrhundertwende bestialisch gestunken. Und glaubt man den Berichten von Zeitzeugen, war Köln die am schlimmsten stinkendste Stadt in Europa.

Dabei hatte der Stadtrat bereits sehr früh erste Versuche unternommen, die Stadt sauberer und somit geruchsfreier zu halten, auch durch die Reinigung von Wasserabflüssen und Rinnsteinen. Allerdings war dies Sache der Anlieger, die ihre Aufgaben wohl nicht so richtig ernst nahmen. In einem Ratsprotokoll vom 9. Juli 1688 lautet es: „Die Straßen seien mit Kot und Mist angefüllt, auch dieselben widerwilligs mit Umgehung dieserhalb erlassener Verordnung nicht gesäubert werden“.

Johann Maria Farina der Mann mit der „goldenen Nase“

Kein Wunder, dass in einem solchen Gestank Duftwasser sehr begehrt sind. In Köln sind um 1830 insgesamt 64 Produzenten von Duft- und Heilwasser bekannt, darunter auch das Haus Klosterfrau der geschäftstüchtigen Nonne Maria Clementine Martin und natürlich das Kölnisch Wasser von Johann Maria Farina. Und dieser Mann hatte eine „goldene Nase“. Geboren am 8. Dezember 1685 in Norditalien wurde er bereits mit 14 Jahren zu seinem Onkel, einen Händler in Maastricht, zur Ausbildung geschickt. Bei seinen Geschäftsreisen quer durch Europa bis nach Konstantinopel erkundete er fremde Städte und Länder hauptsächlich mit seiner feinen Nase. Farina war begeistert von Düften und experimentierte mit Duftstoffen, bis er 1709 den Duft kreierte, der ihn unsterblich machen sollte und den er später im Jahr 1742 – zu Ehren seiner Wahlheimat – „Eau de Cologne“ nennen wird. Er selber schrieb über eben diesen Duft „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten und Kräuter meiner Heimat. Er erfrischt mich und stärkt meine Sinne und Phantasie.“

Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.
Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.

Das Rezept hält das Haus Farina streng geheim – bis heute. Dabei ist die größte Herausforderung, den richtigen Duft jedes Jahr immer wieder exakt zu reproduzieren. Denn die verwendeten Grundstoffe, unter anderem Jasmin, Lavendel, Limette, Bitterorange, sind Naturprodukte, deren Intensität mit jeder Ernte anders ausfällt. Der Journalist und Historiker Christoph Driessen erklärt das Geheimnis der Herstellung so: „Darum ist auch nicht so sehr eine starre Rezeptur das große Geheimnis von Farina, es sind seine Arbeitsanweisungen, wie man den Duft herstellt muss, auf was man zu achten hat.“1Quelle: Eigentum aktuell, 02/2017, Seite 20

Eine Flasche kostet das halbe Jahresgehalt eines Beamten

Mit diesem Duft trifft er im allgemeinen Gestank seiner Zeit exakt den Geschmack seiner gutbetuchten Kunden. Dazu gehörten insbesondere die europäischen Königshäuser, die auch den geforderten Preis für das Eau de Cologne zahlen konnten: Eine Flasche kostet so viel, wie ein Beamter in sechs Monaten verdient.

Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Selbstverständlich hat ein solches Produkt unmittelbar viele Nachahmer, darunter hat sich einer durch sein ganz spezielles „Marketing“ hervorgetan: Wilhelm Mülhens. Dieser gewiefte Kaufmann bezahlte einem gewissen Franz Maria Farina aus Bonn Geld dafür, dass er unter seinem Namen Duftwasser vertreiben durfte. Bis auf den Nachnamen hatte dieser Bonner Farina nichts mit Erfinder Johann Maria Farina zu tun. Aber egal: Der Markenname Farina zog die Kunden an. Übrigens hatte dieser Wilhelm Mülhens seine Produktion und Verkaufsstätte in der Glockengasse, Hausnummer 4711. Diese Geschichte wird irgendwann mal ein eigenes „Köln-Ding-Woche werden.

Johann Maria Farina, der Mann mit der goldenen Nase, starb am 25. November 1766. Sein Unternehmen hat ihn überdauert und ist bis heute in Familienbesitz. Der Name des aktuellen Chefs: Johann Maria Farina. Tradition verpflichtet!


Ein großes DANKE für die Bilder geht an Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH seit 1709. Im Farina-Stamhaus ist auch das Duftmuseum untergebracht. Hier kann man 300 Jahre Duftgeschichte erkunden.

Das Nachahmer-Produkt „4711“ gibt es im Brunnen in der Sparkasse sogar umsonst.


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Das schwul-lesbische Köln und die CSD-Parade: „Der geilste Arsch der Welt“

Der "David" in Köln anlässlich des CSD 2006, Bild: Zoonar, Walter G. Allgöwer
Der „David“ in Köln anlässlich des CSD 2006, Bild: Zoonar, Walter G. Allgöwer

Am kommenden Wochenende um den 6./7. Juli geht es in Köln wieder richtig rund. Die LGBT-Szene2 Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender mischt die Stadt so richtig auf:

„Hier geht man gern verlorn,
Köln ist von hinten und von vorn,
die Stadt, die hat was uns gefällt!
Leben kann man überall,
doch für uns, auf jeden Fall,
der geilste Arsch der Welt!“

singen Claus Vinçon und Stephan Runge. Und tatsächlich ist Köln für Schwule und Lesben ein echter Anziehungspunkt. Doch warum ist das so?

Großstadtleben, Medien und die kölsche Toleranz

Jürgen Domian behauptet im Kölner-Stadt Anzeiger: „Köln ist, neben Berlin, das Beste, was einem Schwulen oder einer Lesbe passieren kann“. Die Gründe für Köln als Homosexuellen-Metropole liegen grundsätzlich darin, dass es sich um eine Großstadt handelt. In der Atmosphäre einer Millionenstadt fühlen sich Schwule und Lesben offensichtlich wohler als in einem sauerländischen Dorf mit 300 Einwohnern. Gleichzeitig ist Köln eine Medienstadt. Und in den Medien arbeiten überdurchschnittliche viele homosexuelle Menschen. So ziehen die Kölner Fernsehsender, Verlage, Radiostationen Schwule und Lesben an.

Und dann gibt es noch die oft gepredigte kölsche Toleranz. „Jeder Jeck ist anders“ sagt der Kölner. Und anscheinend leben die Kölner diese Toleranz auch. Alen Popovic, ein aus Bottrop stammender Bänker bestätigt dem Express gegenüber, dass er in Köln schnell Anschluss gefunden hat: „Es liegt an der Art der Menschen, sich schnell kennenzulernen. Das merkst du schon auf der Straße, wo die Menschen sich angucken, während in Hamburg weggeguckt wird.“ Gerhard Malcherek, engagiert in der Kölner AIDS-Hilfe, sieht die oft zur Schau getragene Kölner Offenheit und Toleranz etwas nüchterner: „Die Kölner sind nicht tolerant, sondern gleichgültig. Aber das ist sehr angenehm.“

Schwule und Lesben bringen Geld in die Stadt

Etwa jeder zehnte Bürger Kölns ist nach eigener Aussage lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter oder queer. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 6,9 Prozent. Und die große LGBT-Szene schafft sich ihr eigenes, großes und breitgefächertes Angebot. Egal ob Café, Kneipe, Disco bis hin zum Darkroom – für jeden Geschmack findet sich die passende Location.

Rein wirtschaftlich betrachtet sind die LGBT ein relevanter Faktor für die Domstadt. Eine Studie, welche die Stadt auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender in Auftrag gegeben hat, weist nach, dass Schwule und Lesben über höheres Einkommen als der Durchschnitt verfügen – und dieses Geld auch ausgeben. Besonders gerne in der Gastronomie. Fazit: Der Kölner feiert gerne – und erkennt auch schnell das Geschäft mit der Feierei, so die Historikerin Muriel Gonzales.

Bunt und schrill - CSD in Köln, Bild: Sven Volkens, CC BY-SA 4.0, Link
Bunt und schrill – CSD in Köln, Bild: Sven Volkens, CC BY-SA 4.0, Link
Am Sonntag: Kölle Aloha

Diese Feierei findet am Sonntag mit der Parade zum Christoph Street ihren Höhepunkt. Für manche ist das Karneval im Sommer, für andere ein politisches Statement. Letzteres könnte dieses Jahr überwiegen, immerhin sind die Ausschreitungen auf der New Yorker Christopher Street dieses Jahr genau 50 Jahre her.

Mein Wunsch: Geht hin, schaut euch das bunte Treiben an. Für alle die zum ersten Mal die Parade sehen: Der allgemeine Ruf lautet „Kölle Aloha“. Und damit hat es dann doch wieder irgendwie einen Hauch von Karneval. Gut so.


Alle Informationen zur Cologne Pride mit allen Parties und Veranstaltungen findet ihr hier.  Speziell zur CSD-Demonstration (dem Umzug) geht es hier entlang.


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Das Pittermännchen – 10 Liter köstliches Kölsch

Jede Menge Fässer, die kleinen 10-Liter-Fässer sind die Pittermännchen, Bild: Superbass
Jede Menge Fässer, die kleinen 10-Liter-Fässer sind die Pittermännchen, Bild: Superbass

Hui – das war ja recht heiß in den letzten Tagen. Und an solch heißen Tagen soll man unbedingt viel trinken. Ist sehr gesund. Doch unsere geliebten Kölsch-Stangen sind (zugegeben) recht klein und bei richtig großem Durst auch schnell immer wieder leer. Wie gut, dass es das beliebte Pittermännchen gibt: 10 Liter Kölsch, gut gekühlt in einem handlichen Faß. Gerne auch für zu Hause. Ein Traum. Und die Kölsch-Stange lässt sich immer wieder mit frisch gezapftem Kölsch auffüllen.

Bleibt aber die Frage, wie das Pittermännchen zu seinem Namen gekommen ist. Vorab: Die exakte Namensherkunft lässt sich nicht eindeutig klären. Allerdings können mittlerweile einige Legenden über diesen Namen widerlegt werden.

Legende I: Vatertagsumzüge

Angeblich hat es früher zu Peter und Paul am 29. Juni Vatertagsumzüge gegeben. Und – wie praktisch – im Bollerwagen konnten die feierwütigen Väter kleine Fässer mitnehmen. Und zu Ehren des Heiligen an diesem Tag haben diese Fässer den Namen Pittermännchen bekommen. Allerdings hat es die Umzüge an Peter und Paul nie gegeben, sondern am Vatertag, also Christi Himmelfahrt. Und diese Vatertagsumzüge sind erst seit etwa 100 Jahren bekannt. Also – keine Erklärung für das Pittermännchen.

Legende II: Französisch „petit“

Wir haben in Köln viele französische Begriffe eingekölscht. Zum Beispiel „plümerant“ für schwindelig, „Plümmo“ für das Federbett oder „Paraplü“ für den Regenschirm. Daher könnte es ja auch sein, dass sich aus dem französischen Wort „petit“ für klein auch der Begriff „Pittermännchen“ für ein kleines Fass Kölsch ableitet. Doch leider findet sich für diese Herleitung kein belastbarer Beleg.

Das 10 Liter-Fass von Früh trägt den Namen "Pitter", Bild: Früh Kölsch
Das 10 Liter-Fass von Früh trägt stolz den Namen „Pitter“, Bild: Früh Kölsch
Legende III: Flämische Mönche und „Petrus“

Eine wunderschöne Erklärung liefert das Mitmachwörterbuch der rheinischen Umgangssprache. Demnach sollen Mönche in Belgien Bier in kleinen Fässern verkauft haben. Doch die Käufer brachten die Fässer nur sehr unzuverlässig zum Kloster zurück, daraufhin kennzeichneten die Mönchen die Fässer mit „Petrus“ – dem Patron der Brauer. Und aus Petrus wurde dann der Pitter und das Pittermännchen. Allerdings, so der Sprachforscher Peter Honnen, haben die Mönche früher das Bier nicht verkauft und außerdem ist das Wort „Pittermännchen“ im Niederländischen nicht bekannt.

Auch wenn wir bis heute die genaue Herkunft dieses wunderschönen Wortes nicht kennen, schmeckt das Kölsch aus diesen kleinen Fässern ganz besonders gut. Und wenn es richtig heiß ist, müsst ihr viel trinken. Prost!


In der „Kölsch-Konvention“ haben sich die Kölner Brauer auf die wesentlichen Bestimmungen zu Kölsch festgelegt.


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Der Williamsbau: Weil jet Spass brudnüdig es!

Plakette am ehemaligen Standort des Williamsbaus - mit einem kleinen Fehler: Der Abriss war erst 1956, Bild: Uli Kievernagel
Plakette am ehemaligen Standort des Williamsbaus – mit einem kleinen Fehler: Der Abriss war erst 1956, Bild: Uli Kievernagel

Köln 1947 – die Stadt liegt buchstäblich in Schutt und Asche. Ausgebombte Ruinen säumen die notdürftig freigeräumten Straßen. Mehr als 70% der Wohnungen sind zerstört, die Menschen leiden Hunger und frieren im bitterkalten Winter. Gleichzeitig sehnt man sich nach Normalität und nach einem Leben, welches mehr sein soll als nur das Überleben:
Weil jet Spass brudnüdig es!  

Elefantenmist im Tausch gegen Baumaterial

Dieser Spaß, welcher so nötig wie das Brot ist, findet der Kölner im Karneval. Bis zum ersten Zug dauert es noch, dieser geht erst im Jahr 1949 wieder durch die Domstadt. Gefeiert wurde aber schon vorher. Nicht im fast völlig zerstörten Gürzenich, welcher erst 1955 wiedereröffnet wurde, sondern  bereits ab 1947 im Williamsbau. Dieser halbfeste Winterbau des Zirkus Williams stand an der Ecke Aachener Straße / Innere Kanalstraße, gegenüber dem Aachener Weiher. Der Bau dieses Veranstaltungshauses war in der Nachkriegszeit überhaupt erst durch die kreative Beschaffung von Baumaterial möglich. So tauschte der Zirkus den stark nachgefragten Dünger Elefantenmist gegen Baumaterial. Fast 2.500 Besucher fanden in diesem größten Kölner Saal der Nachkriegszeit Platz und erlebten, wie alle Dreigestirne bis zum Jahr 1955 hier proklamiert wurden, wie der Boxer Peter Müller boxte oder Louis Armstrong ein umjubeltes Konzert gab.

Der FC kommt im Williamsbau zu seinem Maskottchen

Die Hausherrin Carola Williams war es übrigens, die im Februar 1950 dem damals noch jungen 1. FC Köln während einer Karnevalssitzung im Williamsbau als Scherz einen Geißbock überreichte. Hennes Weisweiler, damals Spielertrainer, und der Geißbock waren wohl beide von der Situation überfordert. Ob es stimmt, dass der aufgeregte Geißbock Weisweiler tatsächlich über die Schuhe pinkelte, ist umstritten. Fakt ist aber, dass der FC so zu einem Maskottchen und das Maskottchen zu seinem Namen „Hennes“ kam.

Zu Ehren der Hausherrin wurde der Weg im Inneren Grüngürtel in "Carola Williams-Park" umbenannt.
Zu Ehren der Hausherrin wurde der Weg im Inneren Grüngürtel in „Carola Williams-Park“ umbenannt.
Falsche Jahreszahl auf der Gedenkplatte

Mit dem Wiederaufbau der großen Veranstaltungssäle in der Stadt wurde das Provisorium Williamsbau zunehmend überflüssig und 1956 abgerissen. Heute erinnert nur noch eine Stele mit einer bronzenen Plakette daran, dass hier einst inmitten von Ruinen Karneval gefeiert wurde. Kurioses Detail: Erst die Recherchen von Reinold Louis und Wolfgang Oelsner deckten auf, dass die Plakette einen Fehler enthält – auf der Stele steht, dass der Williamsbau bereits 1955 abgerissen worden sei.


Reinhold Louis / Wolfgang Oelsner: Williamsbau, Erinnerungen an ein Zentrum Kölner Unterhaltungskultur, erschienen im Marzellen Verlag
Reinhold Louis / Wolfgang Oelsner: Williamsbau, Erinnerungen an ein Zentrum Kölner Unterhaltungskultur, erschienen im Marzellen Verlag

Das Buch „Williamsbau 1947-1956 – Erinnerung an ein Zentrum Kölner Unterhaltungskultur“ von Reinold Louis und Wolfgang Oelsner enthält viele Bilder und Anekdoten zu diesem in der Nachkriegszeit so wichtigen Veranstaltungsbau.


Eine anderer, geschichtsträchtiger Veranstaltungsbau in Köln ist Sporthalle.


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Vorsicht Suchtgefahr: Das KölnDuell

KölnDuell - ein Quiz rund um die schönste Stadt der Welt
KölnDuell – ein Quiz rund um die schönste Stadt der Welt

Aufmerksame Leser des „Köln-Ding der Woche“ kennen die Antworten auf diese Fragen selbstverständlich. Ab sofort könnt ihr mit diesem Wissen aber auch ganz groß herauskommen: Beim KölnDuell.

Fragen aus dem KölnDuell. Für regelmäßige Leser des Köln-Ding der Woche kein Problem. Bild: Quiz-Duell
Fragen aus dem KölnDuell. Für regelmäßige Leser des Köln-Ding der Woche kein Problem.

Ein Quiz für Köln-Anfänger und Experten

Das KölnDuell ist ein Quiz speziell rund um die schönste Stadt der Welt. In unterschiedlichen Kategorien, zum Beispiel „Karneval“, „Prominente“ oder „Sprache“ könnt ihr direkt gegen andere Menschen zocken. Zu jeder Frage gibt es vier Antwortvorgaben. Je nachdem, wie ihr euch in den Duellen schlagt, bekommt ihr Punkte und könnt euch vom Köln-Anfänger bis zum Köln-Experten hocharbeiten. Momentan warten mehr als 3.000 Fragen darauf, von euch beantwortet zu werden. Und es werden täglich mehr. Das Spiel gibt es momentan leider nur als App für das iPhone, die Macher arbeiten aber an der Android-Version.

Spielt gegen mich - und gewinnt ein Kölsch!
So sieht mein Nutzerprofil beim KölnDuell aus. Spielt direkt gegen mich!

Wer schlägt den Köln-Lotsen?

Besonders schön: Ihr könnt euch Listen mit Freunden anlegen und euer Köln-Wissen direkt untereinander messen. Und wer sich mit mir messen willen, findet mich in der App als „Köln-Lotse“.
Fordert mich direkt heraus.  Los geht´s!


Weitere Infos gibt es auf der KölnDuell Website.


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Der Kölnisch-Wasser-Brunnen: Echtes 4711 für alle

Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse am Neumarkt, Bild: Uli Kievernagel

Wer echtes Kölnisch Wasser will, muss dies bei 4711 in der Glockengasse teuer bezahlen. Oder man geht zur Kreissparkasse und bekommt es dort gratis – am Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse am Neumarkt.

Tatsächlich ist die Schalterhalle an sich schon sehenswert. Auf 1.800 Quadratmetern, das entspricht etwa der Fläche von drei Turnhallen, kann man dort seine Bankgeschäfte erledigen. Und direkt am Eingang plätschert der Kölnisch-Wasser-Brunnen.

Der Bienenkorb als Symbol der Sparsamkeit

Dabei handelt es eigentlich um den „Sparbrunnen“, welcher den Kreislauf des Geldes symbolisiert und einem Bienenkorb nachempfunden ist. Der Bienenkorb steht dabei als Sinnbild für Sparsamkeit und Fleiß. Im oberen Teil legen junge und alte Menschen ihr Geld in den Bienenkorb. Dieses Geld fließt dann in eine große Schale und wird dort gesammelt. Aus dieser Schale mit dem angesammelten Kapital wiederum werden Gewerbetreibende wie z.B. das Handwerk, die Landwirtschaft oder der Handel mit Darlehen versorgt. Diese Gewerbegruppen tragen – als Sockel – den Brunnen.

Hier fließt echt Kölnisch Wasser, Bild: Uli Kievernagel
Hier fließt echt Kölnisch Wasser, Bild: Uli Kievernagel
Edles 4711 für Kunden und Besucher

Ganz besonders sollte man allerdings den kleinen Fisch beachten, der in Richtung Schalterhalle schaut. Aus dessen Maul ragt ein kleines Rohr und aus diesem Rohr tropft unaufhörlich Echt Kölnisch Wasser. Hält man die Hand direkt unter den Fisch, kann man das kostbare Kölnisch Wasser auffangen. Ganz umsonst. Und das mitten in einer Bank.
Su jet jitt et nur in Kölle.


Der Brunnen ist während der Öffnungszeiten der Schalterhalle (Montag-Freitag 9.00 – 18.30 Uhr) frei zugängig.

Tatsächlich gibt es in der Schalterhalle noch mehr zu sehen: Die Köpfe von Tünnes und Schäl im Foyer, das Hänneschen-Fenster am Neumarkt und eine Ausstellung historischer Tresore und Zahlungsmittel. Außerdem ist in dem Gebäudekomplex auch das Käthe Kollwitz Museum der Kreissparkasse zu finden.


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Von Prunk bis Stunk – Sitzungen im Kölner Karneval

Für jeden etwas dabei: Karnevalssitzungen in Kölle
Für jeden etwas dabei: Karnevalssitzungen in Kölle

Früher, bis etwa Mitte der 1980er Jahre, war das ganz einfach, wenn man zu einer Karnevalssitzung wollte: Frack oder Abendkleid anziehen und ab zur Prunksitzung im Gürzenich oder im Kostüm zu einer der zahlreichen Pfarrsitzungen im Gemeindesaal im Veedel.

Heute ist (gottseidank!) das Angebot an Karnevalssitzungen viel breiter gefächert. Und es gibt für nahezu jeden Geschmack das passende Format. Erstaunlich: Egal wie alternativ die Sitzungen auch sind, das Grundgerüst einer „klassischen“ Sitzung mit Präsident oder Präsidentin, einer Abfolge von Nummern wie in einer Revue, bleibt bestehen. Lediglich ein oft sehr steifer  Elferrat und die endlose Begrüßung der Ehrengäste gehören zum Glück heute fast immer der Vergangenheit an.

Doch welche Sitzung ist die richtige für mich?
Wo fühle ich mich wohl ?
Wie will ich Fastelovend feiern?
Antworten auf diese Fragen gibt diese Übersicht „Von Prunk bis Stunk – eine Erläuterung der wichtigsten Karnevalssitzungen in Kölle“.


Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild Niklasi58
Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild Niklasi58

Stunksitzung

DIE Mutter aller alternativen Karnevalssitzungen. Seit 1983 bringen die Stunker Schwung in den Karneval. Zuerst in der Alten Mensa an der Universitätsstraße, heute im E-Werk. Und das mit einem unglaublichen Erfolg: Die insgesamt etwa 65.000 Tickets sind regelmäßig binnen Minuten ausverkauft. 
Im Internet: http://www.stunksitzung.de/


Auch die Kehrmännchen treten in der Puppensitzung auf, Bild: Kölsch Hänneschen
Auch die Kehrmännchen treten in der Puppensitzung auf, Bild: Kölsch Hänneschen

Puppensitzung

Diese Sitzung muss jeder Kölsche mindestens einmal im Leben gesehen haben. Und es ist so schwer an Karten zu kommen. Schon 24 Stunden vor dem offiziellen Vorverkauf im September richten sich die ersten Jecken am Eisenmarkt vor dem Hänneschen-Theater auf die lange Wartezeit bis zum ersehnten Ticketkauf ein. In der Sitzung selber persiflieren die Puppenspieler liebevoll den traditionellen Karneval. Und haben dabei alle Größen des Fastelovends auf der Bühne: Bläck Föös, Kasalla, Brings, das Dreigestirn, Funken in allen Farben und viele mehr. Und alle mit Holzköpfen. Denn selbstverständlich treten die genannten Personen und Gruppen nicht persönlich, sondern als Puppen auf. Dass hier ausschließlich tiefstes Kölsch gesprochen wird, ist selbstverständlich. Für die Kinder gibt es eine spezielle Puppensitzung. Nachdem der WDR die Puppensitzung nicht mehr überträgt, ist RTL eingesprungen und zeigt die Sitzung als Stream im Internet.


Prunksitzung

Kalte Ente, Abendkleid, Frack, Weinzwang, Preise wie im Pascha: Die klassische Prunksitzung erfüllt regelmäßig alle Vorurteile. Egal ob im Sartory, Gürzenich oder Maritim – hier trifft man sich nicht unbedingt, um eine Sitzung zu sehen, sondern weil man gesehen wird. Vorsicht beim Kartenkauf, denn dieses Format tritt auch schon mal als „Festsitzung“ oder „Galasitzung“ auf. Und ganz besondere Vorsicht, wenn auf dem Ticket „um Abendgarderobe wird gebeten“ steht. Aber wer es mag …


Röschen Sitzung

Hier, so die Macher dieser schwullesbischen Alternative zum klassischen Karneval, tummeln sich „warme Jecken aus aller Welt“. Gestartet als Rosa Sitzung stellte der WDR 2004 die TV-Übertragung ein. Wegen der wegbrechenden Fernsehgelder konnte diese Sitzung nicht mehr finanziert werden. Die Macher konzentrierten sich auf ihre Wurzeln und feiern seitdem eine kleine, aber feine Sitzung in Mülheim op dä Schäl Sick.
Im Internet: http://www.roeschensitzung.de/


Pfarrsitzungen sind bunt, bodenständig und bezahlbar, wie hier in St. Pius, Köln-Zollstock, Bild: Uli Kievernagel
Pfarrsitzungen sind bunt, bodenständig und bezahlbar, wie hier in St. Pius, Köln-Zollstock, Bild: Uli Kievernagel

Pfarrsitzungen

Die regelmäßig wunderschönen Pfarrsitzungen sind eine der Grundfesten des kölschen Fasteleers. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Kostümsitzungen, die in den Veedeln gefeiert werden. Hier schunkelt die Nachbarschaft miteinander – übrigens vollkommen unabhängig von der Religion. Bei Eintritt und auch Bewirtung zu normalen Preisen können sich diese Sitzungen die Top-Bands und Redner des Karnevals nur selten leisten. Sehr lobenswert: Einige Karnevalisten bieten speziell diesen Sitzungen günstigere Preise an, denn so Jörg Runge, der als „Tuppes vom Land“ über die Karnevalsbühnen zieht: „Sterben die kleinen Vereine, stirbt das Fundament des Karnevals.“.  Und wenn es dann doch eng wird mit der Programm, steigt eben der Kirchenvorstand oder sogar der Pfarrer selber in die Bütt. Meine Empfehlung: Werft mal einen Blick in die Schaukästen der Gemeinde in eurem Veedel und holt euch (falls noch verfügbar) Tickets. Das lohnt sich immer!


Die Hausband der Immisitzung rockt das Bürgerhaus Stollwerck, Bild: Jassin Eghbal
Die Hausband der Immisitzung rockt das Bürgerhaus Stollwerck, Bild: Jassin Eghbal

Immisitzung

Unter dem Motto „Jeder Jeck ist von woanders“ feiern die Immis seit 2010 im Bürgerhaus Stollwerck. Als „Imi“ (abgeleitet von „imitiert“) werden in Köln alle Zugezogenen oder „unechten“ Kölner bezeichnet. Bei der Immisitzung kommt das zweite „m“ hinzu. Hier sind tatsächlich Menschen gemeint, die nicht in Köln geboren wurden sondern „Immigranten“. Sehr sympathisch (und sehr Kölsch) wird der „Immi“-Begriff hier sehr weit ausgelegt, sogar Immis aus Bayern und Düsseldorf arbeiten im Ensemble mit Menschen aus acht weiteren Nationen unter der souveränen Leitung von Myriam Chebabi als Immi-Mymmi I. zusammen.
Im Internet: https://www.immisitzung.de/


Flüstersitzung

Die Flüster- oder Nostalgiesitzungen sind der Gegenentwurf zum „Party-Karneval“. Statt lautem Remmi-Demmi gibt es hier die leisen Töne. Alle Musiker spielen „usjestöpselt“, den Rednern wird tatsächlich zugehört (was auf anderen Sitzungen nicht immer der Fall ist). Hier treten auch oft Künstler auf, die eigentlich schon im karnevalistischen Ruhestand sind, wie zum Beispiel der Kölsche Schutzmann Jupp Menth.


Herrensitzung

Okay – einmal sollte man das mitgemacht haben. Man trifft sich, in der Regel sonntags zur besten Frühschoppenzeit, trinkt die ersten Kölsch („vorglühen“) und geht dann gemeinsam zur Sitzung. Dort steht oft das Kölsch als Getränk und nicht als Sprache im Vordergrund. Die Bands stellen ihre Verstärker etwas lauter und ab geht es. Redner haben hier spätestens ab der zweiten Stunde keine Chance mehr. Und regelmäßig sorgen die leicht bekleideten Nummerngirls für Ärger mit den Offiziellen des Karnevals.


Damensitzung

Zugegeben: Kenne ich nur vom Hörensagen. Ist das Pendant zur Herrensitzung, nur stehen hier „Kleiner Feigling“ und Prosecco im Vordergrund. Und statt des Nummerngirls gibt es auch schon mal einen Nummernboy.


Nur an Karneval wird die Lanxess-Arena zur "Kölnarena"
Nur an Karneval wird die Lanxess-Arena zur „Kölnarena“

Lachende Kölnarena

Eine echte Besonderheit im Sitzungskarneval: Hier ist es erlaubt, Essen und Getränke selber mitzubringen. Und so schleppen die Karnevalsjecken hunderte Fässer, kiloweise Frikadellen und viele, viele Eimer Kartoffelsalat nach Deutz. Mit etwa 10.000 Besuchern für jede der 15 Veranstaltungen (in der langen Session 2018/19) ist die Lachende Kölnarena das Schwergewicht unter den Sitzungen. Und hier spielen wirklich ALLE wichtigen Akteure. Besonders schön ist der „Mini-Rosenmontagszug“ zu Beginn jeder Sitzung. Hier ziehen Gruppen und Korps aus dem Fastelovend einmal durch das Rund der Arena – mit dem Dreigestirn als Höhepunkt.
Im Internet: https://www.lachende-koelnarena.de/


Jeckespill

Jeckespill – de Weetschaffsitzung

Bereits im zehnten Jahr tourt diese Sitzung mit Krätzjer, Klaaf un Kalverei durch verschiedene Kneipen in Köln. Immer restlos ausverkauft, immer „ballermannfrei und viel mit dem Publikum.“, so Erfinder und Sitzungspräsident Helmut Frangenberg. Dazu gehört auch das gemeinsame Singen von Karnevalsklassikern, die (fast) schon in Vergessenheit geraten sind.
Im Internet: http://www.jeckespill.de/


Das 2019er Motto von :Loss mer singe lautet "Mer levve uns Leeder"
Das 2019er Motto von :Loss mer singe lautet „Mer levve uns Leeder“

Loss mer singe-Sitzung

Mitsingen, Mitfeiern, Mitstimmen, Mitmachen. So einfach und genial kann Karneval sein. Entstanden in einer Wohnküche, wo Erfinder Georg Hinz seine Freunde für den Kneipenkarneval textsicher gemacht hat, ist „Loss mer singe“ (LMS) fester Bestandteil des kölschen Fasteleers. Durchaus fraglich ist es, ob Bands wie Kasalla, Cat Ballou oder die Klüngelköpp ohne LMS den Durchbruch geschafft hätten. 2006 war dann klar, dass auch LMS eine eigene Sitzung veranstaltet. Und das Konzept, gemeinsames Singen mit den traditionellen Elementen des Karnevals zu verbinden, funktioniert. Ein echtes Highlight ist der regelmäßige Auftritt des „Raketenmanns“, der immer dann auftritt, wenn ein Künstler eine ganz besonders gute Leistung auf die Bühne  gezaubert hat.


Kindersitzungen

Auch die Jüngsten werden kindgerecht an den Karneval herangeführt. Immer im Kostüm und mit viel Platz für die notwendige Bewegung geht es mit den Pänz in den Sälen hoch her. Neben Clowns und viel Musik ist regelmäßig der Besuch des Kinderdreigestirns Höhepunkt dieser Sitzungen. Mit der „Puppensitzung für Kinder“ bietet das Hänneschen eine spezielle und unbedingt empfehlenswerte Sitzung.


Fatal Banal - alternativer Karneval aus Ehrenfeld
Fatal Banal – alternativer Karneval aus Ehrenfeld

Fatal Banal

Garantiert „tuschfrei“, gerne mit (lokal-) politischen Seitenhieben und herrlich respektlos wird seit 1992 im BÜZE / Bürgerzentrum Köln-Ehrenfeld frecher, alternativer Karneval gefeiert. Mit „Spielmann’s Zoch“ hat diese Sitzung eine hervorragend aufgelegte Hausband. Übrigens: Nach dem offiziellen Sitzungsprogramm wird immer gemeinsam weitergefeiert.
Im Internet:  https://fatalbanal.de/


Deine Sitzung wird im Klettenberger Brunosaal und in den Bolloni-Hallen gefeiert
Deine Sitzung wird im Klettenberger Brunosaal und in den Balloni-Hallen gefeiert

Deine Sitzung

Die einzige Sitzung mit dem „Winkemariechen“, welches auf der Bühne das Publikum zum Mitmachen animiert. Auf dieser Sitzung wird mit dem gemeinsamen Ausruf „Backen, Hacken uuuund Mett!“ dem kölschen Grundnahrungsmittel Mett gehuldigt. Es werden METTleys gesungen, dieses Jahr unter dem Motto „God save the Mett“. Das „Orchester der Liebe“ spielt mit Inbrunst Lieder wie „Mett is in the air“ und die Sitzungspräsidentin Karolin Kebekus kommt als Mettwoman auf die Bühne.
Im Internet:  https://www.deine-sitzung.de/


Fremdensitzung

Ich dachte eigentlich, das gäbe es heute nicht mehr. Bis ich bei der Recherche die „Große Prunk- und Fremdensitzung“ der Ehrengarde gefunden habe. Tatsächlich hat man früher auf Fremdensitzungen die kölschen Elemente und insbesondere die Verwendung der kölschen Sprache auf ein für „auswärtige Gäste“ vertretbares Maß heruntergeschraubt. Und das, obwohl doch eigentlich immer die Kölschen den größten Teil der Gäste gestellt haben. Wer  ausgelassen Karneval feiern will, ist hier nicht richtig aufgehoben, so lautet es in der Ankündigung der Ehrengarde: „Auch diese Sitzung eignet sich insbesondere für unsere auswärtigen Gäste. Abendgarderobe bzw. Smoking ist wünschenswert. Achtung: keine Kostümsitzung!“


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Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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Silvesterfeuerwerk am Dom – FROHES NEUES JAHR!

Zugegeben – ich bin etwas neidisch: Mein Nachbar Thomas war pünktlich um 12 Uhr auf dem Vierungsturm des Doms – es gibt in Köln keinen besseren Platz, um das Feuerwerk zu sehen. Gleichzeitig bin ich ihm aber auch dankbar, dass er uns alle daran teilnehmen lässt.

Ich wünsche euch allen ein FROHES NEUES JAHR.

Uli

Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal!

Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort, : Das Raderthaler Funkhaus, Bild: Peter Funk

    Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort: Das Funkhaus in Raderthal, Bild: Peter Funk

Köln ist eine Medienstadt. WDR, RTL, ntv, Deutschlandradio, weitere Radiosender sowie zahlreiche Verlage haben ihre Heimat in unserer Stadt. Und das hat eine lange Tradition: Schon 1927 gab es einen Sender der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG), eine Vorläuferin des heutigen WDR in Köln-Raderthal.

Adenauer holt Sender nach Köln

Während der Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg war der Bau deutschsprachiger Sender verboten. Erst nach dem Abzug der britischen Truppen Anfang 1926 war es erlaubt, Sendeanlagen aufzubauen. Und so ging am 15. Januar 1927 der WERAG-Sender in Langenberg (Velbert) auf Sendung. Für die Kölner Radiohörer eine Zumutung: Statt Musik nur Rauschen und Knirschen – die Sendeleistung in Langenberg reichte nicht aus, um auch den Kölnern einen störungsfreien Empfang zu ermöglichen. Also: Ein neuer Sender muss her. Oberbürgermeister Konrad Adenauer legte sich mächtig ins Zeug und bot den WERAG-Verantwortlichen ein Gelände in Köln-Raderthal an, direkt am Park gelegen. Bereits im Mai 1927 begannen dort die Bauarbeiten für ein Sendehaus und die mächtige Sendeanlage. Diese bestand aus zwei Sendemasten mit 80 Metern Höhe, gefertigt aus speziell präparierten Kiefernholz, da Eisenmasten einen negativen Einfluss auf die Sendeleistung haben. Zwischen die Masten wurde Drähte gespannt – die eigentliche Sendeanlage.

Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Wechselvolle Geschichte des Funkhauses

Ab 1932 wurde die Sendeleistung des Senders Langenberg massiv ausgebaut – und somit der Kölner Sender überflüssig. Der Sendebetrieb wurde am 14. März 1932 eingestellt, die Sendeanlage abgebaut. Das Sendehaus aber blieb erhalten und stand zunächst leer.

Um das Jahr 1950 begann in Raderthal – rund um das Funkhaus – eine rege Bautätigkeit. Für die in Köln stationierten britischen und belgischen Offiziere wurden großzügige Häuser angelegt. Und auch das Funkhaus wurde von der Britischen Rheinarmee requiriert, in die Siedlung einbezogen und für Veranstaltungen verwendet. Anwohner berichten noch heute von dem großen Saal mit Parkettboden, Kronleuchtern und rauschenden Festen im Funkhaus. Im Jahr 1997 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Seit dem Abzug der Rheinarmee wird das Funkhaus von der Stadt Köln genutzt, zuletzt als Notunterkunft für Flüchtlinge. Heute steht Haus leer, aber die Jahre sind nicht spurlos  vorbeigegangen. Das Dach ist undicht, das gesamte Gebäude ist sanierungsbedürftig, die Fenster notdürftig mit Blechen zugeschlagen.

Teilansicht des Funkhauses, links der Eingang zur großen Halle, Bild: Heinz Reutersberg
Ein Bild aus besseren Tagen, heute verschandeln Bleche das Haus, Bild: Heinz Reutersberg
Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“

Fraglich ist, wie es mit dem diesem geschichtsträchtigen Objekt weitergeht. Es besteht die Gefahr, dass der Denkmalschutz aufgehoben wird, die Stadt das Areal an einen Investor verkauft und dort Wohnungen errichtet werden. Damit wäre das Schicksal des Sendehauses endgültig besiegelt und Köln würde wieder ein Stück Geschichte unwiderruflich verlieren.

Ein Lichtblick ist die Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“.  Die Idee ist, das Haus zu sanieren und das in Köln bestehende Radiomuseum im Raderthaler Funkhaus unterzubringen. „Wir wollen das markante Gebäude wieder einer ursprungsnahen Nutzung zuführen.“ so der Sprecher der Initiative, Andreas Henseler. Zahlreiche Initiativen, Vereine und Bürgerpersonen haben sich dem Netzwerk bereits angeschlossen.
Ich wünsche dem Netzwerk dabei VIEL ERFOLG!


Im Dezember 2018 hat der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. das WERAG-Funkhaus zum Denkmal des Monats erkannt. Weitere Infos dazu in diesem Video:


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