„Glück auf“ mitten in Köln

Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Blick in den Barbastollen,  Bild: Merle Hettesheimer

Preisfrage: Wo liegt in Köln ein Untertage-Bergwerk?

Wer die Antwort nicht kennt, braucht sich nicht zu schämen: Der „Barbarastollen“ liegt mitten in Sülz, direkt unter dem Hauptgebäude der Uni. Und das ist auch nur Insidern bekannt.

In den 1930er Jahren angelegt sollte der 40 Meter lange Stollen den Studenten den harten Arbeitsalltag der Kumpel veranschaulichen. Und geriet danach schlichtweg in Vergessenheit. Erst in den 80er Jahren wurde der Barbarastollen zufällig bei Bauarbeiten wiederentdeckt.

Mit funktionstüchtigen Maschinen, echter Steinkohle an den Wänden und sogar einem Förderkorb stellt der Stollen die Bergwerkstechnologie der 1930er Jahre dar. Und genau das war auch das Ziel dieses Anschauungsobjekts: Die Studenten sollten einen möglichst genauen Einblick in die harten Arbeitsbedingungen der Kumpels unter Tage erhalten. Selbstverständlich wurde hier nie Kohle gefördert, es handelt sich nur um ein „Schaubergwerk“. Kurios: Obwohl der Barbarastollen nur etwa 10 Meter unter Erde liegt – statt bis zu 3.000 Meter Tiefe bei „echten“ Bergstollen – unterliegt dieser dem Bergrecht. Somit ist die Uni nicht Herr im eigenen Haus, sondern unterliegt zumindest unter Tage dem Bundesberggesetz.

Zurück zur Preisfrage: Zwar ist der Barbarastollen Kölns einziges Bergwerk, welches noch besichtigt werden kann, tatsächlich gab es aber in Kalk, unter dem Gelände der heutigen Sünner-Brauerei an der Kalker Hauptstraße und in Höhenberg „echte“ Bergwerke zur Braunkohleförderung. Allerdings wurde dort mehr Wasser als Kohle gefördert und der unrentable Betrieb bereits in den 1850er Jahren eingestellt.


Radio Köln hat einen kurzen Beitrag (1 Minute 30 Sekunden)  über den Stollen veröffentlicht. Besonders schön: Am Ende des Beitrags, ab 1 Minute 15 Sekunden)  komme ich zu Wort. Hört mal rein.


Für alle, die auch mal unter Tage einfahren wollen, bietet die VHS Rhein-Erft Besichtigungen des Barbarastollens an.


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Monte Troodelööh – der kölsche Everest

Die Erstbesteiger des Troodelöh

    Die Erstbesteiger des Troodelöh: Friedrich DEdden, Kai LÖHmer und Michael TROOst (von links). Bild: Der treue Sherpa Llongway

Heute auf den Tag genau vor 18 Jahren ist in Köln LEGENDÄRES passiert. Machen wir einen Zeitspung: Wir befinden uns im Jahre 1999 AD. Es ist der 12. November. Ganz Köln ist noch vom Sessionsauftakt tags zuvor im Delirium. Ganz Köln? Nein! Eine Seilschaft von drei unbeugsamen Kölnern und ihr treuer Sherpa Llongway machen sich auf, um Kölns höchsten Punkt zu erkunden.

Die Namen dieser Hasardeure lauten Michael Troost, Friedrich Dedden und Kai Löhmer. Gemeinsam mit dem zuverlässigen Llongway kämpfen sie sich durch den unwirtlichen Königsforst bis zu einem noch unentdeckten Punkt: Der höchsten Stelle Kölns. Der rechtschaffene Llongway ermittelt exakt die richtige Stelle: Die höchste Erhebung unserer geliebten Domstadt ist genau 116,70 Meter hoch. Später wurde diese Höhe auf 118,04 Meter korrigiert – den gewissenhaften Llongway trifft hier aber keine Schuld!

Die erschöpften Männer – Entdecker im Rang eines Kolumbus, Amundsen oder Hillary – haben das schier Unmögliche erreicht: Ohne Sauerstoff, nur mit Minimalvorräten an Kölsch und Enzian, direkt ohne Basislager und Akklimatisation auf den Gipfel. Voller Stolz blicken sie sich um und errichten das erste, noch provisorische, Gipfelkreuz. Und sie taufen den kölschen Everest – im Angedenken an die Seilschaft der ruhmreichen Erstbesteigung – auf den Namen Monte Troodelöh – TROOst, DEdden, LÖHmer. Nur für den edlen Llongway blieb hier kein Platz. Das Los eines Sherpas.

Mittlerweile ist der Monte Troodelööh ein beliebtes Ausflugsziel. Das erste Gipfelkreuz wurde durch ein zweites und mittlerweile durch einen Findling ersetzt. Es gibt ein Gipfelbuch mit zahlreichen launigen Einträgen und eine Bank, um nach der Höchstleistung der Besteigung ein wenig rasten zu können. Ein Besuch auf dem „Dach von Köln“ lohnt sich!


Eine wunderbare Beschreibung der alpinistischen Meisterleistung bietet die Website der Monte-Troodelöh-GmbH („Gesellschaft mit besorgniserregender Höhenangst“).

Und sogar bei Google Maps ist der Monte Troodelöh zu finden.


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„Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper

Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.
Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.

Der Karneval und das Dritte Reich sind ein dunkles Kapitel. Zu den lobenswerten Ausnahmen gehört der Büttenredner Karl Küpper. Als „Ne Verdötschte“  machte sich Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen über die Nazis lustig. Ein Klassiker waren seine Auftritte, die Hand zum Hitlergruß ausgetreckt und die Frage in den Raum „Is et am rääne?“ oder auch „Su huh litt der Dreck bei uns im Keller.“

Seine subversiven Auftritte blieben nicht ohne Folgen. Im Jahr 1939 belegten die Nazis ihn mit einem lebenslangem Rede- und Auftrittsverbot. Einer Verhaftung umging er mit seiner freiwilligen Meldung zur Wehrmacht. Das Redeverbot wurde aufgehoben und Küpper spielte im Fronttheater.

Zurück aus Kriegsgefangenschaft war Küpper wieder Redner im Karneval – und prangerte die Einflussnahme der alten Nazis in Wirtschaft und Gesellschaft an. Und wieder wurde er Opfer der vermeintlichen Eliten und mit einem faktischen Auftrittsverbot im Karneval bestraft. Küpper beendete 1960 seine Karriere als Büttenredner und wurde Gastwirt in Köln-Kalk. 1970 verstarb Karl Küpper im Alter von 64 Jahren. Sein Grab ist auf Melaten zu finden.

Im Jahr 2011 hat die Stadt einen Platz in der Innenstadt nach Karl Küpper benannt (https://goo.gl/maps/8V3yjtNgesx). Die aber wohl schönste Ehrung für Küpper stammt von der Stunksitzung: Präsident Jürgen Becker hat eine Rede des „Verdötschten“ im originalen Wortlaut vorgetragen.


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