Joode Zigge – Schläächte Zigge

Immer gut gelaunt: Meine kölsche Lieblingslyrikerin Juliane Poloczek
Meine kölsche Lieblingslyrikerin Juliane Poloczek

Es sind seltsame Zeiten.
Unsere gewohnte Lebensweise, immer aus dem Vollen zu schöpfen und ein Leben zu führen, in welchem immer alles möglich ist, wird durch die Corona-Krise unvermittelt gestoppt. Wir wollen einander nahe sein, müssen aber, um aufeinander aufzupassen, auf einmal Distanz wahren.
Eine wirklich seltsame Zeit.

Meine kölsche Lieblingslyrikerin Juliane Poloczek hat sich Gedanken zu dieser speziellen Situation gemacht und diese Gedanken in ein kölsches Gedicht gepackt. Meine Empfehlung: HÖRT REINJuliane spricht und schreibt in einem wunderschönen Kölsch. Falls ihr einzelne Worte nicht versteht, ist das kein Problem.  Ich habe weiter unten ein paar Übersetzungen beigefügt.

Ein großes DANKE an Juliane, dass ich euch dieses Gedicht vorstellen darf.


Joode Zigge – Schläächte Zigge
(Juliane Poloczek)

Nohm Kreech jebore, keine Hunger jekannt.
Wat hatte mr et joot en unserem Land!
Mr hat Klütte em Keller un Ääpel jenooch.
Un keiner moot friere, nä, jar kein Frooch.
De Lück hatten Arbeit; et jing immer vüraan.
Et joov alles ze kaufe; mr trook sich schick aan.
Jetz wor alles möchlich, alle Dürre woren op.
De Freiheit unendlich, do stunnte mr drop.
Mr kunnt liere, studiere. Mr fung dann nen Job
Et wood joot verdeent. Keiner maat sich nen Kopp.
Jeder kunnt jetz verreise, wollt övverall hin.
Immer wigger un wigger. Maat dat dann noch Sinn?

Un dann janz urplötzlich –  do stunnt alles still.
Keiner hät mich jefrooch, ov ich dat och will.
Zom eeschte Mol vür enem leere Rejal.
Op eimol es Lück treffe illejal.
De Schulle, Fabrike un Lädens sin zo.
Jeder bliev en dr Bud: sei un ich un och do.
Beim Spazierjang öm dä Nächste ne Bore jemaat.
Bloß am Telefon weed de Schnüss noch jeschwaad.
Die herrlije Freiheit, es die jetz am Eng?
Mr wesse et nit. – Bieß zesamme de Zäng.
Rieß dich jet am Reeme. Et weed nit jeschannt.
Och nit op de Rejierung. – Et es e joot Land!


Ein paar Erklärungen zu ausgewählten kölschen Wörtern

  • Zigge = Zeiten
  • Kreech = Krieg
  • Klütte = Brikett
  • Frooch = Frage
  • Lück = Leute, Menschen
  • joov = gab
  • Dürre = Türen
  • Mr kunnt liere, studiere = Wir konnten lernen, studieren
  • Immer wigger un wigger = Immer weiter und weiter
  • do stunnt = da stand
  • ne Bore jemaat = einen Bogen (drumherum) gemacht
  • weed de Schnüss noch jeschwaad = wird noch miteinander gesprochen
  • Rieß dich jet am Reeme = Reiß dich am Riemen
  • Et weed nit jeschannt = Es wird nicht geschimpft.

Wer mehr von Juliane hören & lesen will:


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Der Bismarck-Turm – Abschluss des Gürtels am Rhein

Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.de
Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.de

Vor ein paar Wochen in der Linie 16: „Wat is dat eijentlich für e Ding?“ fragt ein mittelalter Herr die neben ihm sitzende Dame, als wir an der Haltestelle Bayenthalgürtel halten. „Dat is e Stöck vun d´r ahle Stadtmauer“ entgegnet sie. Und liegt damit leider völlig falsch. Das vermeintliche Stück Stadtmauer ist der Bismarck-Turm am Rhein. Und dieser hat mit der Stadtbefestigung definitiv nichts zu tun.

Bauwerke zu Ehren des „Reichsgründers“

Zu Ehren Otto von Bismarcks wurden zwischen 1869 und 1934 insgesamt 240 Bismarcktürme und -säulen im deutschsprachigen Raum errichtet. Davon sind heute noch 174 Exemplare erhalten. Einer davon ist der Bismarck-Turm bei uns am Rheinufer. Diese Türme sollten die Verdienste Bismarcks bei der Gründung des Deutschen Reichs deutlich machen.

Jörg Bielefeld betreibt die Seite Bismarck-Türme und erläutert die Besonderheit dieser Denkmäler: „Die Bismarcktürme wurden meist vom Bürgertum durch Spendensammlungen finanziert und finden sich an exponierten Standorten. Oft wurden diese mit einer Feuervorrichtung versehen, die an bestimmten Tagen entzündet wurde. Die Türme sehen nicht alle gleich aus. Vorbild ist der im Jahr 1899 entstandene Bismarckturm-Entwurf „Götterdämmerung“ in Form einer wuchtigen Feuersäule“. Allerdings, so Jörg Bielefeld, wich man aus verschiedenen Gründen in vielen Orten vom Einheitsentwurf ab und beauftragte einen eigenen Architekten. So entstanden Bismarcktürme mit sehr unterschiedlichen architektonischen Formen. Dazu gehört auch der Kölner Bismarck-Turm, einer der ungewöhnlichsten Bismarcktürme.

Kölner Darstellung als Rolandsfigur 

Der Kölner Turm sollte individuell sein. Und so entschied man sich für einen Entwurf des Architekten Arnold Hartmann. Bismarck wurde hier als „Rolandsfigur“ dargestellt. Mit einer Rüstung wie ein Ritter und einem großen Schild wacht der 15 Meter große Bismarck über das Reich. Ab 1900 wurde mit der Sammlung von Spenden für einen Bismarckturm begonnen, größter Einzelspender war der Kölner Schokoladeproduzenten Heinrich Stollwerck. Er wohnte in der Villa Bismarckburg, fast um die Ecke.

Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.de
Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.de

Bereits im Juni 1903 wurde der Turm feierlich eingeweiht. Allerdings konnte aus Geldmangel der ursprünglich geplante breite Sockel nicht realisiert werden. Aber es gab eine Befeuerung des Turms durch Öl. Dieses Öl qualmte allerdings mehr als es einen echten Feuerschein entwickelte. Daher wurde der Turm bereits 1907 an eine Gasleitung angeschlossen. Doch auch damit war man unzufrieden, und man verwendete wieder Öl zur Befeuerung. Im Jahr 1939 brannte auf dem Turm letztmalig ein Feuer.

Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Vorschlag: Nutzung als Kletteranlage

Im Jahr 1980 wurde der Turm unter Denkmalschutz gestellt und ab 2001 regelmäßig saniert. So flossen mehrere Hunderttausend Euro in das wenig bekannte und nicht wirklich beliebte Denkmal. Das findet nicht nur der Kölner Historiker Martin Stankowski befremdlich. Er wohnt an der Bottmühle in der Südstadt, nicht weit vom Bismarck-Turm entfernt und hat 2015 in der Technischen Hochschule einen Wettbewerb zur Umnutzung des Turms angeregt. Die Studenten waren äußerst kreativ. Ihre Vorschläge gingen von der Einrichtung gastronomischer Betriebe, einer mit einem gläsernen Aufzug zu erreichende Aussichtsplattform über eine Kletteranlage bis hin zum Abriss des Turms – nur der steinerne Bismarck sollte übrig bleiben.

In einem Interview mit der Stadtrevue lobt Stankowski insbesondere die Idee mit der Kletteranlage: „Aus städtebaulicher Sicht erfüllt das Denkmal noch immer eine Funktion, weil es den Abschluss des Gürtels bildet. Politisch und künstlerisch hat es aber keine Bedeutung“. Und mit der Kletteranlage, so Stankowski, hätten die Menschen immerhin etwas davon.

Wir sind aber in Köln. Passiert ist – bis auf die Pflege der Grünanlage rund um das Denkmal – nichts. Und solange werden auch die Kölschen damit wenig  anfangen können. Und den Bismarckturm fälschlicherweise der Stadtmauer zuordnen.


Ein großes DANKE an Jörg Bielefeld von der Website „Bismarcktürme“ , der mich mit Informationen und Bildern bei diesem Artikel unterstützt hat.


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Et ärme Dier han – Melancholie auf kölsche Art

Leere Kneipen. Da bekommt nicht nur der Stammgast et ärme Dier.
Leere Kneipen. Da bekommt nicht nur der Stammgast et ärme Dier.

Die Corona-Krise hat uns alle fest um Griff. Weder der EffZeh noch Fortuna Köln spielen, alle Theater haben zu, Konzerte werden abgsagt. Das öffentliche Leben kommt zum Stillstand. Selbst unser geliebtes Kölsch sollen wir nicht mehr in unserer Stamkneipe sondern lieber alleine zu Hause trinken. 

Da bekommt der Kölsche schnell „et ärme Dier“. Wortwörtlich übersetzt bedeutet das „Das arme Tier haben.“. Eigentlich kein wirklich sinnvoller Satz. Der Kölsche jedoch versteht direkt, was damit gemeint ist: Eine allgemein trübsinnige Stimmung. Gepaart mit etwas Melancholie und Traurigkeit.

Et ärme Dier tritt mit oder ohne konkreten Auslöser auf

Es gibt weder eine Erklärung, wo diese Redewendung herkommt noch welches Tier denn nun genau mitleidenswert ist. Klar ist nur, dass et ärme Dier nicht unbedingt einen konkreten Auslöser haben muss. So kann zwar eine Krankheit oder Umstände wie ein gerade erlebtes Unglück zum ärme Dier führen: „Däm Jupp singe Onkel ist dut. Dä Jupp hät jetz schwer et ärme Dier.“ (Übersetzung: Josefs Onkel ist gestorben, der Josef ist jetzt ganz traurig.). In diesem Fall ist es ein besonders gravierender Fall von Traurigkeit, weil dä Jupp ja schwer et ärme Dier hat.

Aber dat ärme Dier kann auch völlig ohne nachvollziehbaren Anlass auftreten. Dann handelt es sich eher um Weltschmerz und der Trübsinn wie ins diesem Fall: „Dat Billa kütt nit mieh uss däm Huus eruss. Et hät wohl et ärme Dier.“ (Übersetzung: Sibylle verlässt das Haus nicht mehr. Sie hat wohl eine melancholische Phase.).

Muuzich oder jömelisch sind ähnliche Gemütszustände

Bei uns zu Hause wurde für eine allgemeines  Stimmungstief auch der Begriff jömelisch verwendet. Bei meiner üblichen Theken-Umfrage in meiner Stammkneipe war dieser Begriff aber nicht geläufig. Gängige Umschreibungen waren hier trorich (traurig) oder muuzich (mürrisch).

Besonders schön ist der Ausspruch des kölschen Musikers Gerd Köster „Lackier dat ärme Dier vür d`r Düür.“ Wortwörtlich bedeuet das „Lackier dein armes Tier vor der Tür“ und bedeutet: Lass deine schlechte Laune draußen, die hat hier nix zu suchen.

Alle Fälle vom ärme Dier sind aber immer von einer echten Depression zu unterscheiden. So weit geht et ärme Dier dann nicht. Irgendwann scheint wieder die Sonne un däm Jupp un dä Billa geht es dann auch besser. Corona ist dann Geschichte und die Kneipen sind wieder voll.

So ist das ärme Dier eher nur ein zeitweilige Erscheinung. Was für ein Glück!


Meine Nachbarin Juliane Poloczek hatte wegen der aktuellen Corona-Krise schwer et ärme Dier.  Am 20. März 2020 hat sie ihre Gedanken in dieses Gedicht gepackt:

Et ärme Dier
(Juliane Poloczek)

Wesst ihr, wat dat es, et ärme Dier?
Dat hat ich hück. Doch! Jläuvt et mir.
Jeschlofe hat ich och ald schlääch.
Wie ich opstunnt, wor mir janix rääch.
Aan einem Stöck hät ich kriesche könne.
Dä Zostand dunn ich keinem jönne.
De janze Zick wor ich muuzisch bloß
Un hat för övverhaup nix Los‘.
Ich wollt nit erus, un  dat wor joot!
Denn em Momang, do hält mr uns koot.
Mir Ahle, mir sollen nit mieh erus.
Dr janze Daach soll mr blieve ze Hus.
Hück fung ich dat richtisch, do passten et mir.
Denn hück hat ich wirklich et ärme Dier.

Ein großes DANKE an Juliane, dass ich ihr Gedicht hier veröffentlichen darf. Ein anderes (fröhlicheres) Gedicht von Juliane hatte ich bereits Weihnachten veröffentlicht.


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Zu Unrecht (fast) vergessen: Die Frauenrechtlerin Else Falk

Else Falk hat diesen Aufruf für die Durchsetzung des Frauenwahlrechtes unterzeichnet, Bild: Raimond Spekking
Else Falk hat diesen Aufruf für die Durchsetzung des Frauenwahlrechtes unterzeichnet, Bild: Raimond Spekking

Die Frauenrechtlerin Else Falk wäre stolz gewesen: Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März wurde in unserer Stadt erstmals der „Else-Falk-Preis“ vergeben. Erste Preisträgerin ist die Kölner Aktivistin Frauke Mahr. Mahr setzt sich seit mehr als 30 Jahren für die Interessen und Belange von Mädchen und jungen Frauen ein. Der Else-Falk-Preis wird an Frauen, die in Köln „eine Vorbildfunktion erfüllen und durch ihr Engagement in herausragender Weise für Geschlechtergerechtigkeit gewirkt haben.“ verliehen. Ganz in der Tradition von Else Falk, die vor etwa 150 Jahren geboren wurde und wegweisende Projekte für Frauen in Köln initiiert hat.

Aktiv für Frauen und Mädchen

Else Falk wurde am 25. April 1872 als Else Wahl in Barmen geboren. 1898 zog sei mit ihrem Mann, dem Juristen Bernhard Falk, nach Köln. Genau wie zum Beispiel Marie Juchacz kämpft auch Else Falk für das Frauenwahlrecht. Sie engagiert sich bei verschiedenen Kölner Institutionen, und die Liste ihrer Tätigkeiten ist lang:

  • Schatzmeisterin der Kölner Nationalen Frauengemeinschaft,
  • Vorsitzende vom Stadtverband Kölner Frauenvereine,
  • Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Stadtverbände von Rheinland und Westfalen,
  • Vorsitzende des Kölner Vereins Fünfter Wohlfahrtsverband und Vorstandsmitglied des Landesverbandes,
  • Gründung und Leitung des Vereins Müttererholung und Mütterschulung,
  • Initiierung von vier Rentnerinnenheimen für durch Krieg und Inflation verarmte Frauen,
  • Begründung der städtischen Blindenbibliothek,
  • Mitwirkung im Vorstand der Kölner „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ (GEDOK).

Besonders beeindruckend war ihre pragmatische Art, einfach anzupacken. So richtetet sie 1918 die öffentliche Kölner Kriegsblindenbibliothek ein. Um den Bestand an Büchern zu vergrößern, stanzte sie mit einer Gruppe von Frauen Bücher in Brailleschrift aus. Ebenfalls leitete sie eine Schusterwerkstatt. Diese Werkstatt diente dazu, Kriegsinvaliden ein Einkommen zu sichern.

Notleidende Kinder unterstützte sie in der Vereinigung für Kinderspeisungen. Ihr Einsatz für verarmte Witwen führte zum Bau von Wohnungen für Kleinrentnerinnen. Ab etwa 1925 galt ihr Einsatz auch der Fürsorge berufstätiger Mütter. Sie gründete den Verein für Müttererholung und Mütterschulung, welcher speziell berufstätigen Frauen Mütterkuren ermöglichte. Auch die Errichtung der Riehler Heimstätten wurde durch Falk maßgeblich unterstützt.

Repressalien und Demütigungen durch die Nationalsozialisten

Bereits 1932 ahnte die Jüdin Else Falk, welche besorgniserregende Entwicklung von den Nationalsozialisten ausgeht. Sie gehörte zu den Mitunterzeichnerinnen eines Aufrufes der Kölner Frauenvereine gegen Hitlers Wahl zum Reichskanzler.

Else Falk wurde bereits im März 1933 gezwungen, vom Vorsitz des Stadtverbandes Kölner Frauenvereine zurückzutreten. Trotz der wachsenden Repressalien gegen Juden setze sich Else Falk im Rahmen der „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ (GEDOK) für die jüdischen Künstlerinnen ein, die aus dieser Vereinigung ausgeschlossen wurden.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen musste sie mehrfach in Köln umziehen. Bereits im Jahr 1933 hatte sie einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Ihrem Sohn Fritz, ein promovierter Jurist am Oberlandesgericht in Düsseldorf, wurde wegen seiner jüdischen Herkunft die Arbeitserlaubnis entzogen. Gedemütigt durch die Ausgrenzung beging er am 11. Dezember 1933 Selbstmord.

Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 wurde ihre Wohnung verwüstet. 1939 floh die Familie nach Belgien, Freunde beschützten sie in Brüssel vor den Nazis. Nachdem ihr Mann 1944 in Brüssel starb, folgte Else Falk ihrem Sohn Ernst, der sich in Sao Paolo niedergelassen hat. Else Falk starb 1956 im Alter von 83 Jahren in Brasilien.

EDELGARD ist ein Präventionsprojekt für Frauen und Mädchen in Köln und will zu mehr Sicherheit im öffentlichen Raum beitragen.
EDELGARD ist ein Präventionsprojekt für Frauen und Mädchen in Köln und will zu mehr Sicherheit im öffentlichen Raum beitragen.
Ein „Arsch huh“ für Frauen

Ganz im Geist von Else Falk würdigt der neue Else-Falk-Preis außergewöhnliches Engagement von Frauen bei der Gleichstellung von Frauen und Männern oder Mädchen und Jungen.
Frauke Mahr ist die stolze und würdige erste Preisträgerin dieses Preises. Genau wie Else Falk ist sie aktiv und ganz pragmatisch für Frauen und Mädchen in Köln tätig. Sie gründete in Köln das erste Frauenhaus in Deutschland und hat das Projekt Edelgard ins Leben gerufen. Edelgard schützt Frauen und Mädchen. Sie finden bei Belästigung und akuter Bedrohung Orte, wo sie durchatmen und ihre nächsten Schritte planen können.

Doch Frauke Mahr denkt schon an die nächsten Aktionen. In einem Interview des WDR spricht sie von einem „Arsch huh für Frauen und Mädchen in Köln, es gibt reichlich Anlässe dazu.“.
Glückwunsch an Frauke Mahr zu diesem Preis – ganz im Sinne einer Else Falk.


Weitere Portraits wichtiger Frauen für Köln findet ihr in der Rubrik „Starke Frauen“ 


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