Cilly Aussem – ein kölsches Mädchen gewinnt Wimbledon

Cilly Aussem, Tennisstar der 1930er, Bild: Agence de presse Meurisse – Bibliothèque nationale de France

Lange vor Steffi Graf und Angelique Kerber gab es bereits eine deutsche Wimbledonsiegerin: Cäcilia Edith, genannt „Cilly“, Aussem konnte bereits im Jahr 1931 das Turnier des „All England Lawn Tennis and Croquet Club” für sich entscheiden. Ein kölsches Mädchen gewinnt in Wimbledon.

Cilly Aussem wurde am 4. Januar 1909 in Köln geboren. Ihr Vater Johann „Jean“ Aussem war als deutscher Generalverteter der französischen Käsemarke Gervais sehr vermögend. Ihre Mutter Ursula nannte sich „Helen“ und wollte ihre Tochter auf Biegen und Brechen in die Weltspitze des Tennis bringen. Die ersten Schritte auf dem Court machte Cilly im Jahr 1923 beim Tennisclub Rot-Weiß Köln und zeigte schnell ihr Talent: Bereits im Sommer 1924 konnte sie gleich ihr erstes Turnier gewinnen.

Eine schwierige, ehergeizige Mutter

Cilly schlug sich danach auf diversen Turnieren in ganz Europa durchaus respektabel – und wäre da nicht ihre über-ehrgeizige Mutter gewesen, hätte sie sich auch in Ruhe entwickeln können. Doch „Helen“ Aussem machte ihrer Tochter das Leben durchaus schwer. Bei einem Turnier in Hamburg beschuldigte sie die Gegnerin, Cilly hypnotisiert zu haben. Dieser Vorwurf mündete in einer wüsten Schlägerei zwischen „Helen“ Aussem und der Gegnerin von Cilly, Paula von Reznicek.  Kolportiert wird auch, dass Cillys Tennistrainer Bill Tilden auf die Frage ihrer Mutter, wie Cilly eine wirklich große Spielerin werden könnte, geantwortet habe „Indem Sie, Frau Aussem, den nächsten Zug nach Deutschland nehmen!“.

Cilly gewinnt in Wimbledon

Das Training von Bill Tilden war erfolgreich: Cillys harte Vorhand war auf dem Tennisplatz gefürchtet. Und so schlug sie 1931 im Finale von Wimbledon Hilde Krahwinkel und war somit die erste Deutsche, die das prestigeträchtige Turnier gewinnen konnte. Adenauer, damals noch Oberbürgermeister von Köln, schickte ihr per Telegramm „Cilly, ganz Köln gratuliert zum großen Sieg. Ihre Heimatstadt ist stolz auf Sie“. Und tatsächlich wurde ihr nach dem Wimbledon-Sieg ein triumphaler Empfang in ihrer Heimatstadt bereitet.

Leider konnte ihr Körper die Strapazen des Leistungssports nicht aushalten. Eine verschleppte Blindarmentzündung und ein schon früher auftretendes Augenleiden machte es ihr zunehmend schwerer, an die Spitzenleistung des Jahres 1931 anzuknüpfen. Im Jahr 1935 beendete Cilly ihre Karriere.

Köln vergisst seinen Tennisstar

Ein Jahr später heiratete sie den italienischen Offizier Graf Fermo Murari dalla Corte Brà und zog mit ihm nach Ostafrika. Dort infizierte sie sich mit Malaria, gleichzeitig verschlechterte sich ihre Sehkraft rapide und zusätzlich trat eine starke Überempfindlichkeit gegen das Sonnenlicht auf. Cilly zog mit ihrem Mann nach Italien, ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich massiv und sie zog sich, mittlerweile fast blind, völlig von der Öffentlichkeit  zurück. Cilly Aussem starb am 22. März 1963 im Alter von nur 54 Jahren. Ihr Grab ist auf dem Friedhof San Giorgio im Nobelort Portofino.

Nur per Zufall wurde in Deutschland überhaupt bekannt, dass Cilly Aussem gestorben war. Ein Journalist erkannte, dass es sich bei der Todesanzeige einer gewissen „Gräfin Cecilie Editha Murari dalla Corte Brà“ um den deutschen Tennisstar der 30er Jahre handelte.

Briefmarke „Cilly Aussem“ (1988)

In ihrer Heimatstadt Köln war die ehemals prominente Sportlerin mittlerweile völlig vergessen. Immerhin erinnert eine 1988 erschienene Briefmarke an die erste deutsche Wimbledonsiegerin.


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Zwischen Halbwelt und Glamour: Die Sporthalle

Um 1960 - Luftaufnahme des Kölner Messegeländes und der Sporthalle, Copyrights © Koelnmesse GmbH.
Um 1960 – Luftaufnahme des Kölner Messegeländes und der Sporthalle,   Bild:  Koelnmesse GmbH.

Sie hat sich bis zum letzten Moment gewehrt. Erst die zweite Sprengung brachte sie zum Einsturz: Die Kölner Sporthalle, eingeweiht am 13. Dezember 1958.

Bis zu 8.000 Zuschauer fanden auf den unbequemen Holzklappstühlen und im Innenraum Platz. Und ihnen wurden eine Menge geboten – hier haben sie alle gespielt: Unter anderem die Stones, Led Zeppelin, Queen, David Bowie, U2, Depeche Mode und insgesamt 23 Mal (!) BAP.

Eintrittskarten zu Konzerten von Keith Richards (1992) und Melissa Etheridge (1996) in der Köln-Deutzer Sporthalle.
Eintrittskarten zu Konzerten von Keith Richards (1992) und Melissa Etheridge (1996) in der Köln-Deutzer Sporthalle.
Urheber unbekannt / Knöchel, Franz-Josef (Repro) / CC-BY-SA 3.0

Die Kölner haben ihre Sporthalle geliebt, auch und besonders wegen der Karnevals-Kultveranstaltung „Lachende Sporthalle“. Wie noch heute in der „Lachenden Kölnarena“ war es schon damals erlaubt, Essen und Getränke selber mitzubringen. Und so schleppten die Karnevalsjecken hunderte Fässer, kiloweise Frikadellen und viele, viele Eimer Kartoffelsalat nach Deutz. Allein der Vorverkauf zur „Lachenden Sporthalle“ war schon eine einzige Party: Tagelang haben die echten Fans vor der Vorverkaufsstelle am Neumarkt mit Schlafsack und Gaskocher campiert um an die begehrten Tickets zu kommen.

Dank der fest installierten Radrennbahn mit 166 Meter Länge und wahnsinnig hohen Steilkurven war die Sporthalle auch Veranstaltungsort der Kölner Sechstagerennen. Im rauchgeschwängerten Innenraum traf sich hier gerne auch die Kölner Halbwelt bei Champagner und Lachsschnittchen.

Politische Bedeutung erhielt die Sporthalle durch das Konzert von Wolf Biermann am 13. November 1976. Biermann spielt vor ausverkauftem Haus. Doch seine kritischen Anmerkungen wurden ihm vom SED-Regime als „grobe Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ ausgelegt. Und Biermann, nach SED-Verständnis ein „Feind des Sozialismus“, wurde kurzerhand ausgebürgert.

Freitag, der 13. Dezember 1974 – Herstatt-Gläubigerversammlung

Dramatisch war auch die Gläubigerversammlung der durch Devisenspekulationen in Schieflage geratenen Herstatt-Bank im Dezember 1974. Ausgerechnet am Freitag dem 13. trafen sich mehr als 3.000 Gläubiger,  zum größten Teil private Kleinsparer, in der Sporthalle. Und sie mussten zähneknirschend einen unattraktiven Vergleich annehmen, um nicht gänzlich leer auszugehen: 65% ihrer Spar-Einlagen wurden ihnen ausgezahlt. Und das auch nur, weil Hans Gerling in letzter Minute mehr als 200 Mio. DM in die Vergleichsmasse einzahlte.

Klaus "Major" Heuser rockt mit BAP die Sporthalle (1996), Bild: Tina Niedecken
Klaus „Major“ Heuser rockt mit BAP die Sporthalle (1996), Bild: Tina Niedecken
Wolfgang Niedecken mit Background-Sängerin Karen Schweitzer-Faust bei einem BAP-Konzert in der Sporthalle (1991) , Bild: Achim Scheidemann
Wolfgang Niedecken mit Background-Sängerin Karen Schweitzer-Faust bei einem BAP-Konzert in der Sporthalle (1991) , Bild: Achim Scheidemann

Ende der 80er Jahren verlor die Sporthalle ihren Glanz. Der Ruf nach einer neuen, moderneren Arena wurde laut. So entstand die im Herbst 1998 eingeweihte Köln-Arena. Echte Kölsche weigern sich übrigens nach wie vor, „Lanxess-Arena“ zu sagen. Mit bis zu 20.000 Plätzen ist diese immer noch Deutschlands größte Mehrzweckhalle. Finanziert übrigens vom Oppenheim-Esch-Fonds, doch das ist eine andere Geschichte.

Nach einer großen Abschiedsparty im August 1998 mit mehr als 6.000 Zuschauern war es dann soweit: Mit einer Sprengung sollte die Sporthalle am 13. März 1999 morgens um 7 Uhr abgerissen werden. Vergebens. Die „Sporthall“ war einfach zu zäh. Erst eine zweite Sprengung am gleichen Tag brachte das gewünschte Ergebnis.


Sehenswerte Bilder der Sporthalle bietet das Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.

Mit dem Lied „Hück ess sing Band en der Stadt“ hat BAP der Sporthalle eine musikalische Hommage erwiesen. Und auch die Bläck Föös besingen diese legendäre Spielstätte. (DANKE an Andreas für diesen Hinweis).


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Die Kölsch-Konvention

Mit Siegel: Die Kölsch-Konvention der Kölner Brauer, Bild: Kölner Brauerei-Verband e.V.
Mit Siegel: Die Kölsch-Konvention der Kölner Brauer, Bild: Kölner Brauerei-Verband e.V.

Puh – Glück gehabt: Zwar hat unser geliebtes Kölsch bundesweit nur einen Marktanteil von 3,8% am gesamten Biermarkt ABER damit liegen wir immer noch weit vor dem Düsseldoofer Alt, welches es nur auf 2,5% Marktanteil bringt.

Dass es überhaupt ein einheitliches „Kölsch“ gibt ist tatsächlich recht jung: Erst am 6. März 1986, also letzten Dienstag vor 32 Jahren, haben sich die Kölner Brauer auf die „Kölsch-Konvention“ geeinigt. Diese Konvention legt die wesentlichen Bestimmungen zu Kölsch fest. Kölsch muss demnach

  • obergärig sein, das bedeutet, dass der Bläschen des Hefeschaums bei der Gärung oben schwimmen, und sich nicht wie z.B. beim Pils, auf dem Boden absetzen,
  • hell sein,
  • gefiltert sein (also nicht naturtrüb),
  • hopfenbetont sein und
  • darf ausschließlich in Köln hergestellt werden. Ausnahme: Brauereien außerhalb des Stadtgebiets von Köln, die bereits vor Inkrafttreten der Konvention Kölsch gebraut haben. Dazu gehört zum Beispiel das Zunft-Kölsch der Erzquell-Brauerei in Wiehl-Bielstein.
  • Außerdem verpflichten sich die Brauer, Kölsch nur in der sogenannten „Kölsch-Stange“ (Kölner Stange) auszuschenken. Damit sind die von Bayern scherzhaft als „Reagenzgläser“ bezeichneten 0,2-Liter Kölsch Gläser gemeint.

Grut- und Dollbier im Mittelalter

Vor der Kölsch-Konvention gab es einen regelrechten „Wildwuchs“ an Bier in Köln. Bier wurde im Mittelalter statt mit Hopfen mit „Grut“ gewürzt. Grut ist eine Kräutermischung aus Beifuß, Rosmarin, Thymian, Salbei, Lorbeer, Anis, Kümmel, Wacholder und weiteren Kräutern. Na Prost – wer das heute mal probieren will, kann ja mal „Porse“, ein „Grut-Bier“ der Ricklinger Brauerei (ricklinger-landbrauerei.de, in der Nähe von Bad Segeberg) probieren. Gut für den Kölner Erzbischof, der ein Monopol auf Grut besaß und die Einfuhr von Hopfenbieren verbot. Noch interessanter wäre es, heute mal ein sogenanntes „Dollbier“ zu probieren. Dieses wurde mit berauschenden Kräutern wie zum Beispiel Bilsenkraut versetzt. Zwar war der Ausschank dieser Biere in Köln verboten – für den findigen Kölner war das aber kein Problem: Einfach mal schnell raus aus der Stadt, durch die Stadtmauer durch und schon konnte das „doll machende Bier“ gekauft und genossen werden.

Ab 1918 war es dann die Sünner-Brauerei, die als erste mit dem Begriff „Kölsch“ für ihr Bier warb. Und das erfolgreich bis zum 2. Weltkrieg. Danach gab es zunächst nur zwei Kölsch-Brauereien: Dom und Sünner. Bis in die 80er Jahre wuchs die Zahl der Kölsch-Brauereien wieder auf 24 an. Hans Sion, der wesentlich die Kölsch-Marke „Sion-Kölsch“ prägte, erkannte früh das Potenzial dieses regionalen Bieres und war wesentlicher Treiber der Kölsch-Konvention. Im März 1986 wurde dann – im Hotel Excelsior – feierlich die Kölsch-Konvention unterschrieben. Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem Reissdorf, Gaffel , Früh, Sünner und Sion. Heute ist Kölsch eine durch EU-Recht geschützte Spezialität. Zwar ist es erlaubt, nach kölscher Brauart Bier herzustellen, allerdings darf dieses dann nicht Kölsch genannt werden. Dies führte zu Wortschöpfungen wie Bönsch (Bonn) oder Mölmsch (Mühlheim).

Ganz schlimm wurde es dann aber an Weiberfastnacht 2018: Monheimer Brauer stellten einen Zwilling aus Alt und Kölsch her – Költ. Ganz ehrlich: Dann würde ich schon lieber das Dollbier aus dem Mittelalter trinken…


Die Kölsch-Konvention im Volltext gibt es beim Kölner Brauerei-Verband.


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Nächster Halt: Jahrhundertwende – Mit der Straßenbahn 100 Jahre zurück

 

Mit Virtual Reality zurück ins Jahr 1904, Bild: TimeRide Köln
Mit Virtual Reality eine Zeitreise 100 Jahre  zurück unternehmen , Bild: TimeRide Köln

Mein ganz besonderer Tipp für alle, die Köln auch einmal in „schön“ erleben wollen: Der “TimeRide“ am Alter Markt.

Dabei handelt es sich um eine virtuelle Zeitreise in das Köln zur Kaiserzeit um die Jahrhundertwende. Und das per Straßenbahn. Klingt verrückt – und ist absolut beeindruckend. Mittels „Virtual Reality“ (VR) fährt man mit einer der ersten elektrischen Straßenbahnen quer durch die Innenstadt im alten Köln. Auf dem Kopf hat man eine spezielle VR-Brille und genießt einen 360 Grad Blick aus der Straßenbahn.

Wunderschönes Panorama und Blick auf die „Schwimmbrücke“

Am Rhein entlang, bis zum Dom und dann rüber bis zum Alter Markt geht die gemächliche Fahrt, die einen Blick auf viele Details des historischen Kölns bietet. Sound inklusive: Dank Kopfhörer bekommt man die kölschen Sprüche des Straßenbahnfahrers mit, hört, wie die Marktfrauen ihre Ware anpreisen und die Zeitungsjungen lautstark ein Extrablatt an den Mann bringen. Der Blick auf die alte Schwimmbrücke über dem Rhein und die wunderschönen, herrschaftlichen Häuser in der Altstadt ist täuschend echt – man taucht tatsächlich in eine vergangene Zeit ab.

Vielleicht geht es euch nach der Fahrt wie mir: Als ich die VR-Brille abgelegt und die Bahn verlassen hatte, stand ich auf dem Alter Markt, habe mich umgeschaut und gedacht: „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“.


Der TimeRide Köln am Alter Markt (direkt gegenüber vom Jan von Werth-Denkmal) ist täglich von 10-20 Uhr geöffnet. Im Eintrittspreis von 12,50 Euro ist auch ein kurzer Film über die Entwicklung Kölns in den letzten 2000 Jahren und eine Auswahl von 3D-Bildern(Kölner Ansichten im Vergleich damals und heute) enthalten. Plant für euren Besuch insgesamt etwa 45 Minuten ein.


Die Lotsentour „Zeitreise“ beinhaltet eine Fahrt mit dem TimeRide und den passenden Stadtspaziergang anschließend.


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