Der kölsche Knast Teil III: Die „Bleche Botz“ in der Schildergasse

Das ehemaligen Kölner Frauengefängnis "Bleche Botz" auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons
Das ehemaligen Kölner Frauengefängnis „Bleche Botz“ auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons

Wenn man über einen Menschen sagt, „Der is in de Blech“, bedeutet das nichts Gutes. Auch Pänz, die sich nicht benehmen, wird damit gedroht “Pass upp, sonst küsste in de Blech.“ Die wörtliche Übersetzung ist einfach: Blech ist Blech, also gewalztes Metall. Aber die Bedeutung dahinter ist eine gänzlich andere. Wenn der Kölsche von „de Blech“ spricht, ist damit das Gefängnis gemeint.

De Bleche Botz – das ehemalige Frauengefängnis

Durch die während der französischen Besatzungzeit in Köln durchgeführte Säkularisierung wurden Kirchen und Klöster aufgehoben. Der Staat übernahm kirchlichen Besitztümer wie Land oder Vermögen, aber auch Gebäude, um diese weiterzuverkaufen oder anderweitig zu nutzen. Darunter war auch das bereits 1637 errichtete Klarissenkloster „Zu den Schutzengeln“ auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, ganz in der Nähe des Neumarkts.

Dieses Gebäude wurde ab 1802 zu einem „Arresthaus“, also einem Gefängnis, umgebaut. An dem Umbau waren der Blechschläger1Heute würde man ihn als man Bauklempner bezeichnen. Alexander Hittorff, genannt der „Blecherne Alexander“, und der Maurermeister Johannes Butz beteiligt. Beide Namen zusammengesetzt und verkölscht ergeben „De bleche Botz“, also die „blecherne Hose“. Weil der Kölsche ja bekanntlich sehr bequem ist, wurde aus „de Bleche Butz“ irgendwann nur noch „de Blech“.

Das 1907 auf dem Gelände der "Bleche Botz" errichtete Polizeipräsidium auf einem Bild aus dem Jahr 1912, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons
Das 1907 auf dem Gelände der „Bleche Botz“ errichtete Polizeipräsidium auf einem Bild aus dem Jahr 1912, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons

„Weiberanstalt“ noch bis 1904

Es zeigte sich allerdings schnell, dass das ehemalige Kloster auf Dauer nicht den Anforderungen des Strafvollzugs entsprach und ständig überbelegt war. Daher begann man 1835 mit den Bauarbeiten am Klingelpütz, einem der damals modernsten Gefängnisse. Als 1838 dort die ersten Gefangenen einzogen, konnte die „Bleche Botz“ auf der Schildergasse in ein reines Frauengefängnis umgewandelt werden – mit der preussisch korrekten Bezeichnung „Königliche Straf- und Besserungsanstalt für weibliche Gefangene“. Für die Kölschen war es aber nur die „Weiberanstalt“, welche 1904 geschlossen und abgebrochen wurde. An dieser Stelle wurde dann das Polizeipräsidium gebaut. 

Der Kölsche geht nicht in den Knast, sondern en de Blech

Die Formulierung „en de Blech“ gehen hat aber überdauert und wurde im gesamten Rheinland zum Synonym für ein Gefängnis. Und daher gehen noch heute alle, die in den Klingelpütz oder sonstigen Justizvollzugsanstalten einfahren, en de Blech.  


Die Geschichte und Geschichten zum Kölschen Knast 


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Die Hochwasserkatastrophe im Westen

Treibgut bei Hochwasser, Bild: Hans Braxmeier, Pixabay
Treibgut bei Hochwasser, Bild: Hans Braxmeier, Pixabay

Die Bilder aus den Hochwassergebieten machen mich sprachlos. Ich kenne Erftstadt sehr gut, habe Familie und viele Freunde dort. Die Katastrophe in Blessem ist nicht zu beschreiben, genau wie die Bilder und Berichte aus den anderen betroffenen Gebieten im gesamten Westen.

Um zumindest einen kleinen Teil beizutragen, werde ich ab sofort bei jeder Tour für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer 2 Euro an die Hochwasseropfer in Erftstadt spenden.

Falls du auch helfen willst:

  • Welche Hilfen jetzt sinnvoll sind
    Remagen im Landkreis Ahrweiler, der Kreis Euskirchen und auch die Stadt Bonn bitten darum, keine Hilfslieferungen mehr vorbeizubringen – die Annahme und Sortierung der Hilfslieferungen binden zur Zeit zu viele Kräfte. Auch die Stadt Erftstadt bittet darum, keine weiteren Sachspenden vorbeizubringen.
  • Spendenkonto Erftstadt
    Die Stadt Erftstadt hat ein Spendenkonto eingerichtet. Die IBAN lautet
    DE20 3705 0299 0190 2794 24, Stichwort „Hochwasser“.
    Auf dieses Konto werde ich auch meine Spenden überweisen.
  • Der Westen hält zusammen – WDR hilft helfen
    Der WDR nutzt seine Kanäle um Hilfsgesuche und -angebote zielgerichtet zusammenbringen.

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Köln-Ding der Woche

Jede Woche sonntags per e-mail ein Detail zu Köln. Lerne die Lieblingsplätze des Köln-Lotsens kennen, erweitere deinen kölschen Wortschatz und dein Wissen über prominente und unbekannte Kölner. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen. Und immer rund um die schönste Stadt der Welt. 

Inhalt

  • 2.000 Jahre Köln: Historisches
    In Köln ist in den letzten 2.000 Jahren viel passiert. Hier findet ihr ein paar der vielen, vielen Geschichten aus der Kölner Geschichte.  
  • Bauwerke & Plätze
    Auch die im 2. Weltkrieg so stark zerstörte Stadt Köln hat wunderschöne Bauwerke, Orte und Plätze. Oft sind diese allerdings gut versteckt.
  • Ein paar Fragen an …
    In meiner Reihe „Ein paar Fragen an …“ befrage ich Menschen aus Köln, die etwas zu sagen haben.
  • Karneval
    Selbstverständlich nimmt die 5. Jahreszeit einen breiten Raum in unserer Stadt ein. Un et is härrlisch, Fastelovend ze fiere!
  • Köln im Krieg
    Der Krieg hat tiefe Wunden in der Domstadt hinterlassen. Zur „Stunde Null“ waren 80% der Gebäude in der Innenstadt zerstört.
  • Kölsche Persönlichkeiten
    Die alte Stadt am Rhein hat in den letzten zwei Jahrtausenden viele Persönlichkeiten hervorgebracht.
  • Kölsche Stöckelche
    Wenn der Kölsche von „Stöckelche“ spricht, dann meint er damit Anekdötchen.
  • Kölsche Tön
    Es gibt wahrscheinlich keine Stadt auf der Welt, die so oft besungen wird wie Köln.
  • Kölsche Wörter
    Die kölsche Sprache bietet wunderschöne Wörter. Und ein paar davon werden hier erklärt.
  • Kunst & Kultur
    Auch wenn es angesichts mancher Fehlplanungen oft schwer zu glauben ist: Köln ist auch eine Kulturstadt. 
  • Stimmen zum Köln-Ding der Woche
    Ein paar Abonnenten haben mir eine Rückmeldung zum „Köln-Ding der Woche“ gegeben. 
  • Karte zum Köln-Ding der Woche
    Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.

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Kölsche Originale: De Läsche Nas – eine riesengroße Nase als Markenzeichen

Die Läsche Nas, Bild: Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer
Die Läsche Nas, Bild: Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer

Es muss ein unvorstellbarer Gestank gewesen: Auf der Aachener Straße, kurz vor Melaten, konnten die Menschen zeitweise nur mit einem Tuch vor der Nase am Haus von Andreas Leonard Lersch, genannt „Läsche Nas“, vorbeigehen. Selbst auf dem Friedhof herrschte noch ein unvorstellbarer Gestank.

Quelle allen Übels war der Ofen von Läsche Näs. Dort kochte der berühmt-berüchtigte städtische Hundefänger zuvor eingefangene und getötete Hunde aus. Das so produzierte Fett verkaufte er in seinem Laden mit dem hochtrabenden Namen „Diätisches Mineralwarengeschäft und Kurheilanstalt“ als probates Mittel zur Schwindsucht. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet an dieser Krankheit verstarb Läsche Nas etwa zehn Jahre später. Vorher aber musste er sein Gewerbe wegen der massiven Geruchsbelästigung der Trauernden und der Besucher auf Melaten noch nach Ehrenfeld in die Nußbaumer Straße verlegen. Anscheinend war dort der Gestank eher geduldet.

Von der Bühne über den Deutsch-Französischen-Krieg zur Polizei

Als Andreas Leonard Lersch am 8. Januar 1840 geboren wurde, lag die Karriere als städtischer Hundefänger noch in weiter Ferne. Nach einer Lehre als Metzger zog es ihn im Alter von 19 Jahren auf die Theaterbühne. Der Mann mit der unübersehbar großen Nase wurde zu dieser Zeit bereits „Läsche Nas“ genannt, und die Theatermacher spekulierten darauf, den überdimensionierten Riechkolben zur Marke zu machen. Vielleicht wäre ja sogar ein großer Schauspieler aus ihm geworden. Doch die Einberufung zum Militär und die Schmähungen der Kritiker, die sich auf seine große Nase bezogen, beendeten die hoffnungsvolle Theaterkarriere bevor diese richtig starten konnte.

Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg (1870–1871) kehrte Lersch zurück nach Köln. Seine militärische Erfahrung ebnete ihm den Weg zur Polizei. Doch auch hier stand ihm seine große Nase im Weg: Lersch sollte als verdeckter Ermittler für die Polizei arbeiten. Doch wie kommt man unerkannt an die Spitzbuben ran, wenn ein riesengroßes Riechorgan trotz aller denkbaren Verkleidungen unverwechselbar ist? Außerdem ging er wohl nicht gerade zimperlich mit Festgenommenen um. Folglich war auch dieses berufliche Kapitel schnell beendet. Als Läsche Nas seinen Dienst bei der Polizei quittierte, protokollierten die Beamten die Rückgabe folgender Gegenstände: „Zwei sechsläufige Revolver, Dolchmesser, Schlagring, Bleistock und Gummischlauch.“1Quelle: Reinhold Louis: „Kölner Originale“, Greven-Verlag

Es folgte ein kurzes Intermezzo als Wächter für die Bahn bis Lersch eine neue Aufgabe fand: Er wurde städtischer Bezirksabdecker. Es herrschten grauenvolle Zustände in der Domstadt: Die Kadaver verendeter Tiere wurden auf den Wiesen entlang des Rheins einfach vergraben. Und jedes Hochwasser spülte regelmäßig das Erdreich weg, und die halbverwesten Tiere wurden wieder freigelegt. Den Auftrag der Stadt, stattdessen ein geeignetes Gebäude für eine professionellere Tierkörperverwertung zu finden, konnte Lersch nicht erfüllen.

Wenig zimperliche Methoden als Hundefänger

Mehr Erfolg hatte er mit seiner zweiten Tätigkeit als städtischer Hundefänger. Unendlich viele Streuner verunreinigten die Stadt und brachten die Gefahr der Tollwut mit. Ab 1878 ist Andreas Leonard Lersch ausgerüstet mit Netz und einem vergitterten Karren unterwegs, um im Auftrag der Stadt Hunde einzufangen. Dabei fing er wohl – neben den Streunern, die keiner vermisste – auch manchen Haushund ein. Und dann war das Geschrei groß. Glücklich waren die Hundebesitzer, die noch rechtzeitig ihren Hund gegen ein ordentliches Trinkgeld auslösen konnten.

Läsche Nas war wenig feinfühlig mit den eingefangenen Hunden. Alle kamen in einen einzigen Käfig. Gerade die kleinen Hunde überlebten die gemeinsame Gefangenschaft mit größeren Tieren eher selten. Aber auch für die überlebenden Hunde war das Ende nah: Lersch brauchte deren ausgekochtes Fett für sein Wundermittel.

Sein rabiater Umgang mit den Tieren war stadtbekannt. Kinder verscheuchten die Streuner, wenn Läsche Nas mit seinem quietschendem Karren ankam, und auch die Erwachsenen waren mit den brutalen Methoden nicht einverstanden. Lersch trat daher regelmäßig mit zwei Polizisten auf, die ihn bei seiner Arbeit schützten. Aber zumindest die Stadt war zufrieden mit Lerschs Arbeit und übertrug ihm 1885 zusätzlich auch noch das Amt des Scharfrichters, welches er aber nie ausübte.

Mit großem Eifer energisch den Dienst versorgen

Schon zu Lebzeiten wurde Läsche Nas öfters für tot gehalten. Daran war er auch selbst schuld: Bereits zu Lebzeiten hatte er sich einen Sarg anfertigen lassen und alle Bedingungen seiner Beerdigung inklusive der Kleidung seiner Leiche festgelegt.

Am 3. Mai 1887 verstarb Läsche Nas – ausgerechnet an Schwindsucht, gegen die doch sein eigenes Mittel so vortrefflich helfen sollte. In seinem Totenzettel war zu lesen „… In ihm verliert die Stadt einen tüchtigen Beamten, welcher stets bemüht war, mit großem Eifer energisch seinen Dienst zu versorgen …“.

Wie auch immer: Die Hunde in der Stadt werden sich gefreut haben.


Der Nasenbrunnen zu Ehren des fleißigen städtischen Hundefängers Andreas Leonard Lersch, besser bekannt als "Läsche Nas", Bild: Horsch, Willy - HOWI, CC BY 3.0
Der Nasenbrunnen zu Ehren des fleißigen städtischen Hundefängers Andreas Leonard Lersch, besser bekannt als „Läsche Nas“, Bild: Horsch, Willy – HOWI, CC BY 3.0

Es passiert eher selten, dass Beamte von der Stadt ein eigenes Denkmal bekommen. Anders bei Läsche Nas: Vor dem Bezirksrathaus Ehrenfeld an der Venloer Straße steht der Nasenbrunnen zur Erinnerung an den eifrigen Beamten. Der Brunnen besteht aus zehn übereinanderliegenden Ringen mit zehn unterschiedlichen Nasen: Große, kleine, runde oder lange Nasen.


In dem Lied „Fastelovend im Himmel“ erinnert Karl Berbuer unter anderem auch an Andreas Leonard Lersch. Dort lautet es:

Un et Arnöldche fleut,
un dr Herrjott hät sing Freud,
un der Läsche Nas ehr Nas wed nass,
weil Kölle nit unger geiht.

Berbuer spielt mit dieser Zeile darauf an, dass selbst, wenn Läsche Nas unter einem Regenschirm stehen sollte, die riesengroße Nase trotzdem nass wird.


Michael Waßerfuhr von den Kölschgängern erzählt die Geschichte von Läsche Nas auf der Website der Kölschgänger in einem wunderschönen Kölsch. Schaut mal rein, lohnt sich!


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Kölner Brücken: Die Rodenkirchener Brücke – ein Hauch Kalifornien in Köln

Die Rodenkirchener Brücke, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Die Rodenkirchener Brücke, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Wenn da nicht das „Adenauer-Grün“ wäre, könnte man meinen, Köln liegt in Kalifornien – und die Rodenkirchener wäre die Golden Gate Bridge in San Francisco.

Beide Brücken sind sich in der Konstruktion sehr ähnlich: Alle 10,5 Meter legen sich Vertikalseite in Schlaufen um das Tragkabel. Aber spätestens bei der Farbe ist Schluss: Während die Golden Gate Bridge (Länge 2737 Meter) sich dunkelrot präsentiert, zeigt sich die kleinere Kölner Schwester (Länge 567 Meter) im bekannten Kölner Brückengrün.

Kleine und große Schwester: Links die Rodenkirchener Brücke vor der Verbreiterung 1994, rechts die Golden Gate Bridge, Bild: Frank Schulenburg / CC BY-SA 4.0 (im Original nicht schwarz-weiß)
Kleine und große Schwester: Links die Rodenkirchener Brücke vor der Verbreiterung 1994, rechts die Golden Gate Bridge, Bild: Frank Schulenburg / CC BY-SA 4.0 (im Original nicht schwarz-weiß)

Die ähnliche Konstruktion beider Brücken ist kein Zufall. Bauleiter der Kölner Brücke war Fritz Leonhardt (1909-1999). Leonhardt hatte Mitte der 1930er Jahre im Rahmen eines Stipendiums Nordamerika bereist und dabei Pläne der Golden Gate Bridge gesehen, die zu dieser Zeit im Bau war und 1937 eröffnet wurde.


Steckbrief Rodenkirchener Brücke

  • Autobahnbrücke mit Fahrradwegen an den Seiten
  • Länge: 567 m
  • Breite: 52,3 m
  • Fahrzeuge pro Tag: 135.000
  • Baubeginn: 1938/1952/1990
  • Fertigstellung: 1941/1954/1994
  • Eröffnung: September 1941

Gebaut als „Adolf-Hitler-Brücke“

Die Rodenkirchener Brücke wurde 1941 als „Adolf-Hitler-Brücke“ eröffnet. Das ab März 1938 erstellte Bauwerk war zu dieser Zeit die größte Hängebrücke Europas. Die Brücke verfügte damals über zwei Spuren, einem Radweg in der Mitte und zwei Fußgängerwegen außen.

Die Brücke war nicht nur Teil des geplanten Kölner Autobahnrings, sondern verband auch die rechtrheinische „Hafraba“ (Hamburg-Frankfurt-Basel, heute A 3) und die 1932 eröffnete Autobahn Köln-Bonn.1Quelle: „Rheinbrücke Rodenkirchen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-89010-20140324-3 (Abgerufen: 30. Mai 2021)

Die Rodenkirchener Brücke im Jahr 1985, noch mit vier Fahrstreifen, Bild: G.Friedrich, CC BY 3.0
Die Rodenkirchener Brücke im Jahr 1985, noch mit vier Fahrstreifen, Bild: G.Friedrich, CC BY 3.0

Wiedereröffnung 1954

Durch Bombentreffer am 14. Januar 1945 wurde die Brücke irreparabel beschädigt und ab 1952 optisch weitgehend unverändert wieder aufgebaut. Großes Glück dabei: Die Pylone der Brücke konnten wiederverwendet werden, was die Bauzeit beschleunigte und die Baukosten massiv senkte. So wurde die wiederaufgebaute Brücke bereits am 9. Dezember 1954 eingeweiht.

Die denkmalgeschützte Rodenkirchener Brücke, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2009, Bild: A.Savin
Die denkmalgeschützte Rodenkirchener Brücke, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2009, Bild: A.Savin

Eine Brücke wird „verdoppelt“

Der stetig wachsende Verkehr erforderte den Ausbau des Kölner Autobahnrings. Daher wurde bereits in den 1980er-Jahren mit dem sechsstreifigen Ausbau dieses wichtigen Verkehrswegs begonnen. Nadelöhr dabei war die Rodenkirchener Bücke, die für die sechs Spuren zu schmal war.

Die Lösung war die wundersame „Verdopplung“ der Brücke. Zwischen 1990 und 1994 wurde die Breite der Brücke durch eine Zwillingsbau auf der nördlichen Seite verdoppelt. Der Clou: Durch den Einbau einer neuen Stahl-Leichtfahrbahn konnte das Gewicht des Bauwerks massiv gesenkt werden und es wurde trotz Verdopplung der Breite nur ein drittes Tragkabel und ein dritter Pylon benötigt.

Auf den Tag genau 40 Jahre nach der Einweihung der wiederaufgebauten Brücke erfolgte am 9. Dezember 1994 die Einweihung der „verdoppelten“ Brücke.

Eine Bücke als Aufenthaltsort mit Biergarten und Spielplatz, Bild: CDU Rodenkirchen
Eine Bücke als Aufenthaltsort mit Biergarten und Spielplatz, Bild: CDU Rodenkirchen

Zukunft als „Party-Brücke“?

Heute brausen etwa 135.000 Fahrzeuge täglich über die Rodenkirchener Brücke. Bis 2030 rechnet man sogar mit knapp 160.000 Fahrzeugen pro Tag. Daher soll der Kölner Autobahnring erneut verbreitert werden – auf acht Spuren. Und wieder bildet die Rodenkirchener Brücke das Nadelöhr. Eine erneute Verbreiterung ist statisch nicht mehr möglich. Einem Abriss steht der Denkmalschutz entgegen, die Brücke steht seit April 1996 unter Denkmalschutz.

Die CDU Rodenkirchen hat eine Idee zur Lösung dieses Dilemmas vorgelegt. Dieser Vorschlag sieht vor, einen Tunnel für die Autos zu bauen und die denkmalgeschützte Brücke zum begrünten Aufenthaltsort mit Biergarten und Spielplatz umzugestalten. Oliver Kehrl, der CDU-Stadtbezirksvorsitzende, will damit „eine Nutzung als begrünte Fußgänger- und Fahrradbrücke mit enormer Aufenthalts- und Naherholungsqualität“ ermöglichen.

Auch hier sind die Vereinigten Staaten wieder Inspirationsquelle. Die „High Line“, eine etwa zwei Kilometer lange stillgelegte Bahnstrecke auf Stelzen in Manhattan, wurde bis 2019 zur Parkanlage umgebaut. Und ist heute ein attraktiver Anziehungspunkt für New Yorker und Touristen aus aller Welt.

So schließt sich der Kreis: Von der ursprünglichen Konstruktion entsprechend der kalifornischen Golden Gate Bridge könnte die Rodenkirchener Brücke entsprechend eines New Yorker Vorbilds umgebaut werden.

Und da sag noch einer, wir in Köln wären provinziell!


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

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