Der Stadt Bestes – Das Gute in der Krise

Toni Schumacher hat das ruhigere Leben genossen, Bild: Studio157.info
Toni Schumacher hat das ruhigere Leben genossen, Bild: Studio157.info

Lockdown – Impfneid – Inzidenz – Aerosole: Noch vor etwas mehr als einem Jahr hätte niemand verstanden, was diese Begriffe bedeuten. Und auch das, was damit zusammenhängt. Wir erleben Einschränkungen unseres Lebens, kranke Menschen, Isolation. Jeder hat seine ganz persönliche Geschichte mit der Pandemie.

Doch so schwer das zu glauben ist: Es gibt auch positive Aspekte. Und diese positiven Seiten hat der Fotograf Thomas Ahrendt aus Dellbrück gesammelt. Seine Idee ist bestechend: Er will, dass wir alle mal überlegen „Gab es nicht doch bei all der Misere etwas Positives, was uns so ein Stück weit aus der Krise hebt? Damit wir eben auch positiv in die Zukunft blicken können.“ Ahrendt hat deswegen prominente und unbekannte Kölner gefragt: Was war das Gute in der Krise? Begonnen hat er damit im Oktober 2020. „Ich wollte Köln als Keimzelle eines neuen Optimismus zeigen, einer Bewegung von Menschen, die Mut machen wollen.“, so Ahrendt.

Biggi Wanninger hält schlechte Laune für Zeitverschwendung, Bild: Studio157.info
Biggi Wanninger hält schlechte Laune für Zeitverschwendung, Bild: Studio157.info

Bekannte und unbekannte Kölner stehen Rede und Antwort

Ahrendt hat den Menschen ganz konkrete Fragen gestellt:

  • Wie haben Sie selbst persönlich die Krise wahrgenommen?
  • Was haben Sie aus der Krise Positives mitgenommen oder ist Ihnen durch Dritte widerfahren?

Auf seine Fragen haben mittlerweile 70 Personen Rede und Antwort gestanden, darunter FC-Legende Harald „Toni“ Schumacher, Entertainer Guido Cantz, Künstler Cornel Wachter oder Biggi Wanninger, Präsidentin der Stunksitzung. Aber auch „Lück wie ich und du“ haben vor der Kamera gestanden und erzählt. Darunter die bewegende Geschichte von Angelika Reitz, deren Mann an Covid-19 gestorben ist. Sie betont, ihre Dankbarkeit gegenüber den Pflegerinnen und Pflegern: „Ich fand das so berührend. Man hat gesehen, wie liebevoll und achtsam die Pflegerinnen und die Ärzte mit ihm umgegangen sind.“

Der liebevolle Umgang der Pfleger und Ärzte mit ihrem sterbenden Mann hat Angelika Reitz berührt, Bild: Studio157.info
Der liebevolle Umgang der Pfleger und Ärzte mit ihrem sterbenden Mann hat Angelika Reitz berührt, Bild: Studio157.info

Mit jeder fotografierten Person hat Fotograf Ahrendt ein Interview geführt. Daraus hat Mitinitiator Ulrich Kock-Blunk, evangelischer Pfarrer der Christusgemeinde in Dellbrück, die prägnantesten Zitate ausgewählt. Und jeder Teilnehmende wurde für ein Ganzkörperportrait fotografiert. Jeweils mit einem Gegenstand, welcher zum Kerngedanken passt. So zeigt Biggi Wanninger stolz einen Schwingschleifer und meint „Auch in diesen ver-rückten Zeiten ist schlechte Laune Zeitverschwendung. Ich habe alles abgeschliffen, was nicht bei drei auf dem Sperrmüll war.“ Und Pit Hupperten von den Bläck Fööss freut sich, dass „Leute Musik wieder anders gehört haben. Ich hoffe, dass die Menschen sich auch besser zuhören, das wäre ein schöner Nebeneffekt.“ Alle Fotos sind in einer virtuellen Ausstellung der Evangelischen Christusgemeinde in Dellbrück zu sehen.

Cornel Wachter sieht die Welt auch nach der Pandemie noch in bunt. Bild: Studio157.info
Cornel Wachter sieht die Welt auch nach der Pandemie noch in bunt. Bild: Studio157.info

Noch ein positiver Effekt: Die Ausstellung nutzt die größte Galerie Kölns

Ihre volle Wirkung zeigen die 2 x 1 Meter großen Portraits, wenn man diese „in echt“ sehen kann. Und so kamen die Macher von „Der Stadt Bestes“ auf die Idee, die Lanxess-Arena zu nutzen. Denn: Auch in der Lanxess-Arena herrscht seit Monaten gähnende Leere – Corona hat den Betrieb lahmgelegt. Aber wieso sollte man die Arena trotz Corona nicht doch nutzen? Und so ist die Arena noch bis zum 20. Mai Kölns größte Galerie. Dafür wird das gläserne Foyer genutzt: Besucher dürfen zwar nicht rein – aber von draußen reinschauen ist erlaubt. So hat Arena-Chef Stefan Löcher der Ausstellung #derstadtbestes einen idealen Raum gegeben.

Guido Cantz bleibt Optimist, Bild: Studio157.info
Guido Cantz bleibt Optimist, Bild: Studio157.info

Und bei euch? Was bleibt positiv im Gedächtnis?

Und so kommt jeder selbst in Grübeln: Welche positiven Aspekte hat die Pandemie gebracht? Vielleicht seht ihr das genau wie Guido Cantz:

Ich wünsche uns allen mehr Zeit für weniger Abstand.


Uli Kievernagel dankt der Nachbarschaft, Bild: Kievernagel
Uli, der Köln-Lotse, dankt der Nachbarschaft. Dieses Bild ist nicht Bestandteil des Projektes und auch nicht der Lanxess-Arena zu finden.  Bild: Kievernagel

Auch meine Frau und ich waren Corona-positiv und fast drei Wochen in Quarantäne. Meine ganz persönliche positive Erfahrung aus der Pandemie ist, dass wir eine wahnsinnig tolle Nachbarschaft haben, die sich während der Quarantäne rührend um uns gekümmert hat. Auch hier noch einmal ein großes DANKE an Christa, Eva, Gabi, Jasmin, Jürgen, Norbert, Henning und alle um uns herum, die mit aufmunternden Worten und Care-Paketen Licht in die Quarantäne gebracht haben. 


Alle Infos zu „Der Stadt Bestes“ gibt es auf der Website von Thomas Ahrendt und unter den Hashtags #derstadtbestes | #thomas-ahrendt |#studio157.


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Der Kölner Stapel – ein gutes Geschäft für die Kölner

Das Stapelhaus war lange Zeit ein wichtiger Umschlagsplatz für verderbliche Güter, insbesondere Fisch, Postkarte von ca. 1900, Wizico Verlag
Das Stapelhaus war lange Zeit ein wichtiger Umschlagsplatz für verderbliche Güter, insbesondere Fisch, Postkarte von ca. 1900, Wizico Verlag

Stellt euch mal vor, ihr wärt ein Winzer in Mainz. Und ihr hättet Kunden in Amsterdam, die bei euch 20 Fässer Wein bestellen. Ihr packt den Wein in Mainz auf ein Schiff und dann geht es ab nach Amsterdam. Doch in Köln müsstet ihr erstmal den ganzen Wein ausladen und mindestens drei Tage allen Kölnern zum Verkauf anbieten, bevor ihr mit den nicht verkauften Resten nach Amsterdam weiterfahren dürftet. Klingt verrückt – war aber von der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts bis ins neunzehnte Jahrhundert gelebte Praxis in Köln und nannte sich Stapelrecht.

Der Kölner Stapel

Der 7. Mai 1259 war für die Kölner ein Tag zu Freude. An diesem Tag gewährte der Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, der Stadt das Stapelrecht. Vereinfacht ausgedrückt bedeutete das Stapelrecht: Alle Waren, die durch Köln transportiert wurden, mussten den Kölner Bürgern drei Tage lang zum Kauf angeboten werden. Tatsächlich gab es bereits lange vorher spezielle Zollregeln. Doch neu war, dass auch die Waren, die nur im Transit und somit nicht für Köln bestimmt waren, angeboten werden mussten. Der Begriff Stapelrecht leitet sich davon ab, dass die Händler ihre Waren zum Verkauf stapeln mussten, daher auch der Begriff „Kölner Stapel“.

Vergleichbare Stapelreche hatten auch andere große Handelsstädte, zum Beispiel Mainz, Frankfurt am Main, Erfurt, Wien und die Hansestädte Hamburg, Lübeck oder Rostock. Allerdings hatte Köln einen ganz entscheidenden Vorteil: Mit dem Rhein verlief auch der wichtigste Transportweg des Reichs mitten durch die Stadt. Und das Stapelrecht wurde auch auf alle Waren angewendet, die auf dem Fluss transportiert wurden.

Kupferstich von Abraham Hogenberg (1578-1653)
Kupferstich von Abraham Hogenberg (1578-1653)

Zwar gab es trickreiche Händler, die das Stapelrecht umgehen wollten, indem sie Waren weit vor der Stadt und außerhalb des Stapel-Privilegs von den Schiffen ausluden. Die Waren wurden auf Karren um Köln herum transportiert und danach wieder auf Schiffe geladen. Beliebt waren dafür die Häfen in Zündorf und Mülheim. Noch heute erinnert der „Mauspfad“ (als Ableitung von „Mautpfad“) an diese Praxis. Allerdings war diese Variante teuer und zeitaufwändig.

Umschlag von Nieder- auf Oberländer

Neben dem Stapelrecht gab es auch noch das Umschlagsrecht. Hier spielten die Bedingungen der Schifffahrt auf dem Rhein den Kölnern in die Karten. Auf dem Weg von der Nordsee bis nach Köln konnten Schiffe mit größerem Tiefgang eingesetzt werden – sogenannte Niederländer. Allerdings konnten diese nicht rheinaufwärts durch das enge und felsige Mittelrheintal fahren. Deswegen wurden die Waren auf sogenannte Oberländer umgeladen. Oberländer sind Frachtschiffe mit geringem Tiefgang, die besonders gut für die schwierigen Stromverhältnisse im Mittelrheintal geeignet waren.

Der Schiffstyp "Oberländer", perfekt geeignet für Fahrten durch das Mittelrheintal, Bild: Ausschnitt aus der Stadtansicht von Anton Woensam, 1531
Der Schiffstyp „Oberländer“, perfekt geeignet für Fahrten durch das Mittelrheintal, Bild: Ausschnitt aus der Stadtansicht von Anton Woensam, 1531

Die Niederländer fuhren in etwas bis Höhe Salzgasse. Dort stellte die Stadt spezielle Möglichkeiten zum Umladen auf die Oberländer und umgekehrt zur Verfügung. Auf der Stadtansicht von Anton Woensam aus dem Jahr 1531 kann man die verschiedenen Schifftypen sowie ein abgeschrägtes Holzgestell als Trennlinie zwischen den Oberländer und Niederländer Schiffen gut erkennen. Noch heute erinnern die Kölner Straßennamen „Niederländer Ufer“ und „Oberländer Ufer“ an diesen speziellen Warenumschlag.

Sogenannte "Niederländer" für Fahrten auf dem Rhein bis zur Nordsee. Am linken Bildrand ist das Holzgestell zu erkennen, welches die Anlegestellen der Ober- und Niederländer trennt, Bild: Ausschnitt aus der Stadtansicht von Anton Woensam, 1531
Sogenannte „Niederländer“ für Fahrten auf dem Rhein bis zur Nordsee. Am linken Bildrand ist das Holzgestell zu erkennen, welches die Anlegestellen der Ober- und Niederländer trennt, Bild: Ausschnitt aus der Stadtansicht von Anton Woensam, 1531

Mittelsmänner für den Warenumschlag und der „Kölner Brand“

Für die Kölner war das Stapelrecht eine hervorragende Möglichkeit, nicht nur an die besten Waren zu kommen, sondern auch Geschäfte zu machen. Denn das Stapelrecht regelte auch, dass die Händler von außerhalb nicht untereinander Geschäfte machen durften, sondern dafür einen Kölner Mittelsmann brauchten. Hier boten sich die Wirte an, bei denen die Händler, die in Köln ihre Waren stapeln mussten, untergebracht waren. Und diese ließen sich für diese Tätigkeit gut bezahlen.

Die Stadt profitierte aber auch von den unterschiedlichen Abgaben in Zusammenhang mit dem Stapelrecht: Steuern, Benutzungsgebühren für die Kräne, Wiegegeld und Ha­fen­ge­bühren füllten die Stadtkassen. Außerdem wurden Qualitätskontrollen für sogenannte „Ventgüter“ eingeführt. Zu den Ventgütern gehörten empfindliche und verderbliche Waren wie zum Beispiel Fi­sch, But­ter oder Speck. Bei dieser Kontrolle wurden diese Waren geprüft und umgepackt. Nach dem Umpacken erhielten zum Beispiel Fässer mit Heringen, die neu eingesalzen wurden, ein spezielles Brandzeichen: Drei Kronen, den „Kölner Brand“. Auch für dieses Qualitätskennzeichen wurden Gebühren an die Stadt fällig.

Das Kölner Stapelhaus heute, Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0
Ein wichtiger Umschlagplatz für Ventgüter, insbesondere Fisch, war das Stapelhaus. Über speziell Abflussöffnungen konnten Abfälle direkt in den Rhein gespült werden, Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0

Die „Zweite Rhein­schiff­fahrts­ak­te“ löst das Stapelrecht auf 

Ab etwa Mit­te des 16. Jahr­hun­derts verlor das Kölner Stapelrecht an Bedeutung. Doch die Kölner hielten trotz gegenteiliger Bestimmungen daran fest, obwohl das Stapelrecht spätestens ab etwa 1800 nur noch als Umschlags­recht ausgeübt wurde. Erst die „Main­zer Rhein­schiff­fahrts­ak­te“ vom 31. März 1831 beendete nach immerhin 572 Jahren offiziell das Stapelrecht.

Ganz umsonst mussten sich die Kölner aber nicht von ihrem geliebten Kölner Stapel verabschieden: Preußen zahlte eine Entschädigung in Höhe von 50.000 Talern pro Jahr. So erwirtschaftete die Stadt immerhin noch 232.000 Ta­ler, bevor die „Zweite Rhein­schiff­fahrts­ak­te“ im Jahr 1868 ganz offiziell das Umschlags- und Stapelrecht auflöste.

Und so trauern die Kölner heute noch immer einem Recht nach,
welches ihnen wirklich gut gefiel:
Wenig machen, dafür aber viel Geld kassieren.


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