Das Kastell Alteburg – Hauptquartier der römischen Kriegsflotte in Germanien

Das Flottenlager Alteburg, Zeichnung: Erich Hermans
Das Flottenlager Alteburg, Zeichnung: Erich Hermans

Heute flaniert man durch die Straßen der Marienburg. Große Bäume säumen die breiten Straßen, noble Autos der Marienburger stehen am Straßenrand. Kein Müll liegt herum, keine Plakate verschandeln die Landschaft. Die noblen Villen mit ihren gepflegten Vorgärten lassen einen glatt vergessen, dass man sich immer noch Köln befindet.

Vor 2.000 Jahren sah es hier ganz anders aus: Das Flottenkastell Alteburg war das Hauptquartier der römischen Kriegsflotte in Germanien. Heute erinnert kaum noch etwas an dieses große römische Kastell mit einer Stammbesatzung von mehr als 1.000 Mann. Lediglich die Straßennamen „Auf dem Römerberg“ und „Am Römerkastell“ lassen darauf schließen, dass es hier eine der wichtigsten römischen Verteidigungsanlagen am Rhein gab.

Da es kaum schriftliche Belege zu dem Kastel Alteburg gibt, kann auch die exakte Gründung nicht bestimmt werden. Die Römische Rheinflotte kann ab 13 v. Chr. nachgewiesen werden. Ganz im Sinne einer modernen Armee führten die Römer kombinierte Landeunternehmen der Flussstreitkräfte mit der Landarmee durch. Auf Patrouillenfahrten wurde der Rhein als wichtigster Verkehrsweg gesichert – immerhin war die Colonia Claudia Ara Agrippinensium ein extrem wichtiges Handelszentrum und der Rhein die Lebensader. Folglich ist es verständlich, dass die Flotte zum Schutz der Colonia und des Rheins auch ein entsprechendes Lager benötigte. Dieses Flottenkastell wurde etwa Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. im heutigen Marienburg errichtet.

Unterkünfte für mehr als 1.000 Soldaten

Es gibt wenig gesicherte Erkenntnisse zu dem Lager Alteburg. Lediglich Grabungen aus den Jahren 1926/27 und später in den Jahren 1995/96 und 1998 bieten Informationen zu diesem strategisch bedeutsamen Lager. Das Kastell hatte eine Fläche von ungefähr sechs Fußballfeldern. Hier wurden Werkstätten, Unterkünfte, Verwaltung und auch ein eigener Tempel für die Soldaten errichtet. Zunächst nur in einfacher Lehmwerktechnik, später als Steinbauten.

Ansicht der Alteburg von Osten, Zeichnung: Erich Hermans
Ansicht der Alteburg von Osten, Zeichnung: Erich Hermans

Dabei waren die Marinesoldaten privilegiert: Sie hatten bessere Unterkünfte und es ist auch davon auszugehen, dass sie besser versorgt wurden. Bei Grabungen wurden neben Keramik und Tierknochen auch Waffen, Werkzeuge und Geräte gefunden. Eine Besonderheit des Kastells Alteburg waren die von den Archäologen gefunden großen, schweren Webgewichte. Diese kamen bei Webstühlen zum Einsatz, auf denen grobe Stoffe hergestellt wurden – Segel für die auf dem Rhein verkehrenden Kriegsschiffe.

Rekonstruktion eines römischen Flusskampfschiffs im Museum für Antike Schifffahrt in Main, Bild: Martin Bahmann [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
Rekonstruktion eines römischen Flusskampfschiffs im Museum für Antike Schifffahrt in Main, Bild: Martin Bahmann [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
Zerstört durch die Franken

Das Kastell wurde im dritten Jahrhundert n.Chr. bei einem Angriff durch die Franken zerstört. Da auch der Rhein in den Jahrhunderten immer wieder sein Bett verlassen hat, wurden die Gebäude vernichtet. Zumindest das, was die Kölner davon übriggelassen haben. Denn es ist davon auszugehen, dass Teile der Steingebäude abgerissen und diese als Baumaterial an anderer Stelle wieder eingesetzt wurden.

Und so erinnert heute in dem friedlichen Stadtteil Marienburg – bis auf die Straßennamen – nichts mehr an das Hauptquartier der römischen Kriegsflotte in Germanien.

Plan des Flottenlagers Alteburg, Zeichnung: Erich Hermans


Im Jahr 2017 ging der Geisterzoch unter dem Motto „Dr römischen Flott ze Ihre: Öm de Alteburch eröm“ vom Chlodwigplatz aus bis zum ehemaligen Kastell und zurück.  


Ein großes DANKE an Erich Hermans, der mir erlaubt hat, die Zeichnungen des Flottenlagers für diesen Beitrag zu verwenden.


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Un wer is dat schuld? Dä Nubbel!

Ein typischer Nubbel am Eingang einer kölschen Kneipe, Bild: Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Ein typischer Nubbel am Eingang einer kölschen Kneipe, Bild: Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Jetzt hängen Sie wieder über den Kneipen: Die bemitleidenswerten Nubbel. Das sind Strohpuppen, die in der Nacht zu Aschermittwoch verbrannt werden, um uns von allen (Karnevals-)Sünden zu befreien. Zugegeben: Das ist recht praktisch! Wir feiern heftig Karneval, schlagen über die Stränge und schuld ist immer nur dä Nubbel.

Die ersten Nubbel wurden im Rheinland ab etwa Anfang des 19. Jahrhunderts verbrannt. Allerdings ist der Begriff „Nubbel“ recht neu und stammt aus den 1950er Jahren. Bis dahin war der Begriff „Zachaies“ geläufig. Gleiches Prinzip, nur anderer Begriff: Eine Figur muss für die Verfehlungen einstehen. Dabei steht der Nubbel jedes Jahr wieder neu auf, er entsteht also aus seiner eigenen Asche.

Der Nubbel trägt die Schuld – an allem!

Der Ablauf der Nubbel-Verbrennung ist immer weitesgehend gleich: Die bereits vor Weiberfastnacht aufgehängte Puppe wird in der Nacht zu Aschermittwoch abgenommen. Ein als Geistlicher oder Bestatter kostümierter Jeck liest dann die Anklageschrift mit den Sünden des Nubbels vor. Mit jeder Verfehlung wird das anwesende Volk gefragt: „Un wer is dat schuld?“ Die Antwort ist – na klar – der Nubbel. Klassische Anklagen des Nubbels sind:

  • Wer is et schuld, dat mer noh Fastelovend all malad und blank sin?
    (Wer ist es schuld, dass wir nach Karneval alle krank und pleite sind?)
  • Wer is et schuld, dat dä Eff Zeh alt widder su schläch jespillt hät?
    (Wer ist es schuld, dass der ruhmreiche 1. FC Köln schon so bescheiden gespielt hat?)
  • Wer ist et schuld, dat die bedrissene Autobahnbröck immer noch kapott es?
    (Wer ist et schuld, dass die Autobahnbrücke der A1 über der Rhein immer noch defekt ist?)

Das anwesende Volk antwortet auf jede Anklage immer lauthals mit „Dä Nubbel“. Am Ende der Anklage wird der Nubbel angezündet und verbrannt. Durch das Feuer werden alle Jecken, die Stadt, der FC und wer auch immer von ihren Sünden befreit. So lässt sich anschließend hervorragend weiterfeien – bis zum Morgen des Aschermittwochs. Erst dann ist wirklich Schluss.

Auch dieser Nubbel von einer Kneipe auf Severinsstraße wird Karnevalsdienstag brennen, Bild: Dstern at German Wikipedia [Public domain]
Auch dieser Nubbel, von einer Kneipe auf der Severinsstraße, wird Karnevalsdienstag brennen, Bild: Dstern at German Wikipedia [Public domain]

In der Südstadt wird der Nubbel zum Rebell

Kölns größte Nubbelverbrennung ist im Quartier Latin, im Studentenviertel an der Zülpicher Straße. Dort fährt eine alte Leichenwagen-Kutsche durch die Straßen und sammelt die Nubbel der verschiedenen Kneipen ein. Die eigentliche Verbrennung ist dann vor Hellers Brauhaus auf der Roonstraße. Mehrere Tausend Jecken beschuldigen den Nubbel aller Sünden und singen nach der Verbrennung gemeinsam „In unserem Veedel“ bevor es zurück in die vielen Kneipen des Viertels geht.

Auf der Merowinger Straße in der Südstadt wird der Nubbel vor der Kneipe/Restaurant Filos verbrannt. Der Pfarrer der nahegelegenen Lutherkirche, Hans Mörtter, leitet diese Verbrennung. Hier steht der Nubbel aber nicht für die begangenen Sünden, sondern für das letzte Stück Rebellion in uns allen: Rebellion gegen Intoleranz, Rassismus und Hass. Folgerichtig wird die Asche des verbrannten Nubbels in kleine, durchlöcherte Säcke gefüllt und an mit Helium gefüllte Ballons gebunden. Beim Aufstieg in den Himmel soll dann die Asche des Nubbels auf uns niederrieseln und den Geist der Rebellion anfachen. Daher hofft man auch, dass Südwind herrscht. So kann sich die Asche vorrangig über die Nobelviertel Marienburg und Hahnwald verteilen.

Sündenverbrennung in Raderberg

Einen ganz anderen Weg geht der Bürgerverein RADERBERG und -THAL im Kölner Süden: Bereits weit vor Karneval verteilt der Verein im ganzen Viertel „Sündenkarten“. Hier können die Jecken ihre individuellen Sünden eintragen und an die Pinnwand „Beichtstuhl“ im Brauhaus am Kloster hängen.

RADERBERG und -THAL, Sündenkarte 2020
RADERBERG und -THAL, Sündenkarte 2020

An Karnevalsdienstag kommen dann mit Klaus Eberhard, dem evangelischen Pfarrer der Gemeinde, und Thomas Frings, einem katholischen Geistlichen, zwei echte Profis, die gemeinsam die „schönsten“ Sündenkarten zitieren, die Sünden einordnen und dann verbrennen. Auch hier ist der Sünder somit befreit von der Sündenlast und kann unbeschwert weiterfeiern. Dies ist Kölns schönster Karnevalsabschluss. Vorbeikommen lohnt sich unbedingt.
Übrigens: Ich werde auch dort sein.


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Su läuft dat he. Loht unser Leeder en Rauh!

Und dann ist es passiert: Spätestens 2018 haben die Rechten angefangen, auf ihren Veranstaltungen kölsche Musik zu spielen. Auf einmal erklang auf AfD-Demos „In unserem Veedel“ oder „Mir sin eins“. Aus den Kehlen der Glatzenträger mit Springerstiefeln bekommen diese Texte auf einmal eine ganz andere Bedeutung. „Das ist wie damals bei den Nazis ein schleichender Prozess. Ganz perfide gemacht.“ so der Kölner Musiker Arno Steffen in einem Interview im Express. 

Die Bands sind mit der Verwendung der Titel durch die rechtsgerichteten Gruppen selbstverständlich nicht einverstanden. Die Bläck Föös dazu, dass „In unserem Veedel“ bei einer Veranstaltung der rechtsgerichteten „Internationalen Kölschen Mitte“1Was für ein euphemistischer Begriff für ein Gemisch aus Personen, welches aus gewaltbereiten Rassisten der Hooligan- und der Türsteherszene stammt. gespielt wurde: „Bei uns wurde weder eine Genehmigung zur Verwendung der Lieder angefragt noch hätten wir diese erteilt.

Bands wehren sich mit Musik

Doch die betroffenen Bands wehren sich. Und das mit der besten Möglichkeit, die sie haben: Musik. Arno Steffen hat mit Hannes Schöner von den Höhnern den Song „Su läuft dat he“ komponiert. Der Song besteht aus Zeilen, die alle Kölschen kennen. So lautet es gleich am Anfang:

Für en superjeile Zick bruch mer richtich jode Lück die e Hätz han
för dä ahle Mann vür dr Weetschaff, op dr Eck
Wenn et Trömmelche jeit ston se parat, all die Jecke
Un Spetzebötzje drät bei uns sujar dä Kölsche Jung

Jeder, der auch nur ein bisschen kölsche Musik kennt, kann mit diesen Zeilen sofort etwas anfangen. Das Lied soll, so die AG Arsch huh, als Kampfansage verstanden werden. Daher lautet der Refrain:

Doför stommer all he zesamme
ohne Hass un nit nur für dä FC
un bei uns sin Minsche einfach Minsche
all simmer jlich – su läuf dat he, su läuf dat he,

Lasst unsere Lieder in Ruhe!

Falls einer von euch Nazis dies lesen sollte: Wenn wir unsere Lieder singen, geht es um Solidarität statt Ausgrenzung, Integration statt Abschottung, Toleranz statt Diskriminierung und eine offene, freie und vielfältige Gesellschaft.
Deswegen: Loht unser Leeder en Rauh!
(für die nicht-Kölschen: Lasst unsere Lieder in Ruhe! )


Bei der Aufnahme des Songs waren viele kölsche Musiker dabei, unter anderem von den Höhnern, Brings, Kasalla, den Bläck Fööss, Paveier und Cat Ballou. Das Video gibt es bei YouTube, den vollständigen Liedtext auf der Arsch huh Website. Im Kölner Stadt-Anzeiger ist am 3. Januar 2020 ein großes Interview mit den Musikern der AG Arsch huh zu diesem Song erschienen.

Was mich persönlich besonders freut: Der Song ist bei „Loss mer singe“ (LMS) auf der 2020er-Liedauswahl zu finden. DANKE an LMS dafür.


Letztes Jahr haben sich bereits rechte Kräfte an einem Kölner Idol vergriffen:  Die AfD wollte einen „Karl Küpper Preis“ für die beste politische Büttenrede der Session ins Leben rufen. Also eine Partei, die eindeutig rechtes Gedankengut vertritt, will einen erklärten Gegner für ihre perfiden Zwecke missbrauchen. Dazu mehr im Köln-Ding „Is et am rääne? – Büttenredner Karl Küpper“.


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„Du bes Kölle“: KEINE einfache Liebeserklärung an Köln

Der kölsche Musiker und Entertainer Tommy Engel, Bild: Manfred Esser
Der kölsche Musiker und Entertainer Tommy Engel, Bild: Manfred Esser

„Du bes Kölle“ von Tommy Engel gehört wahrscheinlich zu einem der am meisten missverstandenen Liedern über unsere Stadt. Wenn an Karneval in jeder Kneipe dieses Lied läuft, grölen alle mit und meinen, dass es sich um eine bedingungslose Liebeserklärung an die Stadt und ihre Bürger handelt.

Nein – so hat das Tommy Engel nicht gemeint.

Tommy Engel, immerhin Gründungsmitglied der Bläck Fööss und unbestrittener Kenner der kölschen Seele in einem Interview 1Kölner Stadt-Anzeiger vom 06.10.2012 „Das ist, wenn man genau hinhört, gar keine distanzlose Liebeserklärung an Köln. Obwohl das viele nicht begriffen haben. Da gibt es die Zeile „Du bist suuuuuuupertolerant“. Warum betont der Sänger das so? Weil er das so meint? Oder meint er damit vielleicht etwas ganz anderes. Es gibt nichts Langweiligeres als Texte, die man eins und zu eins nehmen kann. Die Leute müssen doch was zum Nachdenken haben, wenn sie es denn tun.“

Außerdem habe ich festgestellt, dass viele den Siegertitel der „Loss mer singe-Kneipentour 2007“ zwar lauthals mitsingen, aber keine Ahnung haben, wer zum Beispiel „Zimmermann, dat Ei“ ist oder was es mit „Oppenheim und Cie“ auf sich hat. Höchste Zeit für etwas Aufklärung.


Tommy Engel „Du bes Kölle“

Text: Thomas R. Engel & Helmut Seliger
Musik: Jürgen Fritz

Du bes Oberbürjermeister
Du bes die KVB
Du bes och dä FC

Aus dem Oberbürgermeister ist mittlerweile eine Oberbürgemeristerin geworden, die „KVB“ sind die Kölner Verkehr Betriebe, der FC hat zwischenzeitlich eine Reihe von Auf- und Abstiegen hingelegt.

Du bes Prinz, Buur un Jungfrau

Regelmäßigen Lesern des „Köln-Ding der Woche“ sollte das Dreigestirn, bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau gut bekannt sein.

Du bes Tünnes, Schäl un Meisner
D´r Heinzelmännchebrunne

Mir ist kein Lied bekannt, welches es schafft, Tünnes und Schäl, die beiden legendären Figuren aus dem Hänneschen-Puppentheater,  und unseren in der Stadt stark umstrittenen, erzkonservativen Bischof Joachim Meisner in eine Zeile zu packen. Eigentlich müsste man das Lied umtexten. Seit 2014 ist Meisners nicht minder umstrittener Nachfolger Rainer Maria Woelki im Amt. Meisner verstarb im Juli 2017, zehn Jahre nach der Veröffentlichung von „Du bes Kölle“.

Bläck Fööss, Brings un Höhner
Un dem Herrjott jot jelunge

Mit Bläck Fööss, Brings un Höhner spielt Engel auf unsere kölschen Bands an. Heute müsste die Zeile wahrscheinlich lauten:
Bläck Fööss, Brings, Kasalla, Miljö, Lupo, Planschemalöör, Cat Ballou und … und … und … „
Die kölsche Musik hat in den letzten 15 Jahren einen sagenhaften Schwung erlebt. Gut so.

Du bes Ihrefeld, Nehl un Neppes
Bes Sinnersdorf un Esch
Bes Kalk, ja joot, och Bergheim
Häs Jlöck un bes och Pesch

Hier geht es um die kölschen Veedel. Sehr schön ist, dass Tommy Engel mit einem Augenzwinkern auch Bergheim eingemeindet. „Pesch“ ist kein Schreibfehler sondern ein Stadtteil im Nordwesten von Köln.

Du bes Kölle, op de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kein Kölsche jit
Du bes Kölle, Du bes super tolerant
Nimps jeden op d´r Ärm un an de Hand

Wenn ihr das Lied hört, merkt ihr, dass Tommy Engel die Zeile „suuuuuuuper tolerant“ stark dehnt. Spätstens hier sollte klar werden, dass „Du bes Kölle“ keines der „Rhein – Dom – Sunnesching – alles super“-Lieder ist. Und die Kölschen müssen sich kritisch fragen, wie weit denn ihre doch so oft beschworene Toleranz wirklich geht.

Du bes Fastelovend
Du bes janz nevvenbei
Blootwoosch, Kölsch un Levverwosch
Un Zimmermann dat Ei

„Zimmermann – dat Ei“ ist wahrscheinlich nicht jedem bekannt. Dabei handelt es sich um Hans Zimmermann, eine Hälfte des legendären „Colonia-Duetts“. Zusammen mit dem genialen Musiker und Entertainer Hans Süper waren die beiden von 1974 bis 1990 auf Kölns Karnevalsbühnen unterwegs. Dabei traf Süpers anarchischer Witz auf die steifer angelegte Figur Zimmermanns. Der „running gag“ war die ständig wiederholte Beleidigung Supers: „Zimmermann – du Ei“.

Du bes d´r Neven un DuMont
Du bes Oppenheim und Cie

Diese Strophe widmet sich der Wirtschaft und der Kultur.
Neven DuMont ist das große Kölner Verlagshaus, hier werden unter anderem die Tageszeitungen „Kölnische Rundschau“, „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Express“ verlegt.
Oppenheim und Cie. war die große Kölner Privatbank, welche im Zuge der Quelle/Arcandor -Pleite mit in den Abgrund gerissen wurde. Nur am Rande: Auch der DuMont-Konzern erlebt gerade turbulente Zeiten. In letzter Zeit wurden drei Tageszeitungen verkauft, der Konzern ist mitten in einer Restrukturierung.

Du bes kein Weltkulturstadt
Dir deit nix mih wih

Bereits 2004 ist Kölns Bewerbung zu Kulturhauptstadt krachend gescheitert. Völlig zu Recht. Es reichte den Juroren nicht, einmal durch den Dom geführt zu werden und anschließend auf einer Bötchenfahrt Flönz und Kölsch serviert zu bekommen. Das Rennen machte damals einstimmig (!) Essen. 

Du bes och de Vringsstroß
De Nordsüdfahrt suwiesu
En Düx bes Du die Freiheit
Dat Alles dat bes Du

Diese Strophen vereint wichtige Kölner Straßen: Die Severinsstraße ist das Herz der Südstadt, die Nord-Süd-Fahrt eine in den Nachkriegsjahren brutal in die Stadt geschlagene sechsspurige Straße. Die Deutzer Freiheit ist eine Einkaufsstraße in Deutz.

Du bes Kölle, op de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kein Kölsche jit
Du bes Kölle, Du bes super tolerant
Nimps jeden op d´r Ärm un an de Hand

Du bes dat jrößte Dorf
Häs dä jeilste Arsch der Welt
Du bes Laache un och Kriesche
Un häs de Musik bestellt

Alle Kölner wissen es, wollen es aber irgendwie nicht wahr haben: Köln ist keine Metropole sondern leider nur „ein Dorf“. Aber immerhin: Das „größe Dorf“.
Der geilste Arsch der Welt ist eine Schwulen-Hymne auf unsere Stadt.

Wenn dir dat all noch nit jenoch es
Dann bes de och noch d´r Rhing
D´r Dom, d´r Zoo, d´r Bahnhofsklo
Em Hätze Sonnesching

Immer mehr, immer weiter. Tommy Engel in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers dazu „Köln ist die Stadt, die nie satt wird, die nie genug kriegt. Die immer mehr will. Die nie zufrieden ist. Wenn dir das alles nicht genügt? Du bist alles das hier. Wir alle sind Köln.“

Ne halve Hahn, ne janze Käl
Schloofmötz un Filou
Du janz allein bes Kölle
Janz Kölle dat bes Du

Du bes Kölle, op de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kein Kölsche jit
Du bes Kölle, Du bes super tolerant
Nimps jeden op d´r Ärm un an de Hand


Hört euch das Lied in Ruhe an. Hier findet das sehenswerte YouTube-Video dazu.


Im Wahljahr 2017 wurde unter Motto „Du bes Kölle!“ von Kölner Künstlern eine Kampagne gestartet. Ziele dieser Kampagne waren

  • Sich einmischen und politisch aktiv werden
  • Wählen gehen
  • Rechtspopulisten und Rechtsextremisten entgegentreten

Im Rahmen diese Kampagne sind auch sehenswerte Videos zur (vermeintlichen) Toleranz entstanden. 


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Warum rufen wir „Kölle Alaaf“?

Wir Kölner sind mit unserem Ruf „Alaaf“ zu Fastelovend nicht alleine. Quer durch Deutschland rufen alle Jecken viele unterschiedliche karnevalistische Schlachtrufe. Zu meinen persönlichen Lieblingsrufen gehören:

Hoorig, hoorig – isch dia Katz lautet der Ruf der Narrenzunft Zell am Harmersbach.

Der Ruf in Westernhausen (Hohenlohekreis) wird spätestens nach dem achten Bier auch für geübte Zungen kritisch: Houlzschlaichel ferschi.

Ha-Tschi ruft der Fellbacher Carneval Club 1981 e.V.

Im Dietfurter Chinesenfasching ruft man Kille-Wau.

Wer mal Karneval in Würzburg-Unterdürrbach gefeiert hat, kennt auch „Schnüdel Klar“.

Nicht alle Düsseldorfer rufen „Helau“: In Unterbach lautet der Ruf „I-a“

Mein persönlicher Favorit ist aber Öleme Öwwäh aus dem wunderschönen Dorf Ulmen in der Vulkaneifel. Das geht eindeutig nur nach dem zehnten Bier.

Zweigeteilter Narrenruf

Der klassische Narrenruf besteht aus zwei Teilen: Zunächst etwas, was gewürdigt werden soll, meistens ein Ort, eine Person oder ein Karnevalsverein und dann der der eigentliche Ruf. Ganz klassisch ruft ein Redner den ersten Teil und die Jecken im Saal oder auf der Straße antworten mit dem Narrenruf. Der Ruf wird in de Regel dreimal wiederholt. In Köln bedeutet das regelmäßig: Der Vorrufer ruft „Kölle“ und alle antworten „Alaaf“.

Unzählige viele falsche Herleitungen von Alaaf

Aber woher kommt dieses schöne Wort „Alaaf“? Der Kölner Philologe Heribert Augustinus Hilgers (1935-2012) hat in seinem Buch „Alaaf! Ein Kölner Hochruf“ mit allerhand Fehlinterpretationen aufgeräumt. So schön die Geschichten auch sein mögen, sie sind leider alle falsch.

Nicht richtig ist zum Beispiel, dass Alaaf vom keltischen Wort „alef“ („Glück“) abstammt. Schön aber ebenso falsch ist die Geschichte, dass sich Alaaf auf das Tarotspiel bezieht, weil der jüdische Buchstabe „aleph“ der Karte des Narren zugeordnet sei. Auch die Herleitungen aus dem alemannischen „A Laaf´n“, dem spanischen „alaber“ oder dem syrischen „hadegel“, sind alle, so Hilgers in seinem Buch, nicht haltbar. Und auch wenn wir aus der französischen Besatzungszeit viele Wörter in die kölsche Sprache übernommen haben, stimmt es auch nicht, dass sich Alaaf von „eleve-toi, cologne“, also „Erhebe dich, Köln“ ableitet.

Alaaf ist viel älter als der institutionalisierte Karneval

Im Rheinland gab es den Begriff „Alaaf“ bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Und damit knapp 300 Jahre vor dem institutionalisierten Karneval. Tatsächlich wurde im Jahr 1951 ein Krug mit der Inschrift „Allaf für einen goden Druingk“ also „Nichts geht über einen guten Trank“ gefunden. Dieser Krug stammt ungefähr aus dem Jahr 1550. Und Alaaf war ein durchaus üblicher Ruf, nicht nur als Trinkspruch.

Also – liebe Karnevalisten: Ruft gerne oft und laut Alaaf, denkt aber daran, dass dieser Ruf älter als euer wunderschönes Fest ist. Und es ist durchaus erlaubt, auch mal andere schöne Narrenrufe zu benutzen.

Darauf ein dreifaches „Öleme Öwwäh“


Eine andere Geschichte versucht, die Entstehung von „Alaaf“ und „Helau“ gleichzeitig zu erklären. Diese Legende bezieht sich auf das Stapelrecht, also die Pflicht für alle Kaufleute, alle über den Rhein transportierten Güter in Köln zu einem festgelegten Preis anzubieten. Dabei galt immer der Befehl: Alaaf – also „Alles abladen!“

Ein Kaufmann aus Mainz wollte sich mit den Worten „Ik will he lau fahrn“ dem Stapelrecht nicht unterwerfen. Der arme Mann wurde, so die Legende, bei dem Versuch, das Stapelrecht zu umgehen, tödlich verwundet und im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth beerdigt. Von ihm sei heute nur noch der Ruf „Helau“ übriggeblieben.


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