Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil II)

Über die Entwicklung der kölschen Sprache bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte dieses Köln-Ding der Woche informiert: Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil I). Heute werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Föös dabei hatten.


Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste Köln ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. Neue Erfindungen wie zum Beispiel die Gasmotoren von Nicolaus Otto und die Entwicklung Kölns zum Eisenbahnknoten im Westen führten zu einem großen Bevölkerungswachstum. Lag die Einwohnerzahl zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bei etwa 40.000 Bürgern, wuchs Köln bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf etwa 375.000 Menschen. Mit dem Zuzug von Menschen aus allen Teilen des Deutschen Reichs bis hin nach Polen ergab sich die Notwendigkeit, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Zudem waren in der Garnisonsstadt Köln unter preußischer Verwaltung etwa 8.000 Soldaten inklusive Familien stationiert. Und die – nach dem Empfinden der Kölner steifen –  Preußen sprachen Hochdeutsch. Kölsch verschwand aus dem Alltag.

Auch nach dem 1. Weltkrieg bis in die 1930er Jahre wuchs Köln weiterhin rasant: Die Anzahl der Kölner Bürger stieg bis 1939 auf fast 750.000 Bürger. Mundartsänger wie Willi Ostermann beklagten dann auch „dä fremde Krom“ in der Stadt und das Aussterben der Muttersprache. In dem Lied „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ lautet es:

Dä fremde Krom, et es doch ze beduure,
als ahle Kölsche schöddelt mer d’r Kopp

Der zweite Weltkrieg war eine Zäsur. Die fast totale Zerstörung der Stadt führte zu einer Renaissance der Kölschen Sprache. Sprache ist Heimat und Kölsch zu sprechen war identitätsstiftend und gab ein Gefühl von Zusammengehörigkeit in der schweren Nachkreigszeit.

Von der Gossensprache zur Kult

Ab den 1970er war es damit aber vorbei: Kölsch war die Sprache des Proletariats und des kriminellen Milieus. Kölsche Unterweltgrößen wie Schäfers Nas oder Dummse Tünn sprachen Kölsch – in den Familien hingegen wurde Kölsch verpönt. Kein Wunder, dass Peter Brings (Jahrgang 1964) in dem Hit „Kölsche Jung“ singt:

Deutsch Unterricht, dat wor nix för mich
denn ming Sprooch die jof et do nit.
„Sprech ödentlich“ hät de Mam jesaht
di Zeuchniss dat weed keene Hit.

Op d´r Stross han ich ming Sproch jeliehrt.

Die Renaissance der kölschen Sprache kam erst mit den Bläck Föös und ihrem wunderbaren Umgang mit unserer Sprache. Die Musiker machten Kölsch auch außerhalb der Karnevalssäle wieder salonfähig. Die kölsche Band BAP sorgte ab Anfang der 80er Jahre dafür, dass Kölsch als Sprache in der Popkultur bundesweit bekannt wurde. Und mit den neuen Bands wie Kasalla, Cat Ballou, Miljö & Co. wurde Kölsch auch in jüngeren Zielgruppen wieder verstanden und teilweise auch gesprochen.

Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel
Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel

Eine Sprache lebt

Heute wird Kölsch in Köln und Umgebung von – hier sind sich die Sprachforscher sehr uneinig – 250.000 bis 750.000 Menschen gesprochen. Das Problem ist, dass die Unterschiede zwischen „echtem Kölsch“ und dem „Rheinischen Regiolekt“1Ein Regiolekt ist eine Umgangssprache, welche zwischen Basisdialekt und Standardsprache liegt. Das ist dann in unserer Region eher „Rheinisch“ mit dem typisch kölschen Tonfall, was von Außenstehenden für „Kölsch“ gehalten wird. fließend sind.

Sprachpuristen regen sich dabei über die Veränderung der kölschen Sprache auf und versuchen, diesen Prozess anzuhalten. Dabei wird vergessen, dass eine Sprache nur überleben kann, wenn sie auch tatsächlich gesprochen wird. Und somit unterliegt diese ständigen Veränderungen. Eine Sprache ist kein Museum, eine Sprache ist gelebter Alltag.

Daher: Loss se doch schwaade.


Eine Übersicht wunderschöner kölscher Ausdrücke findet ihr hier in meiner Rubrik „Kölsche Wörter“.


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Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil I)

Dieser Witz spiegelt das Selbstverständnis des Kölners wider: Unter der „göttlichen Sprache“ machen wir es schon gar nicht. Dabei ist die kölsche Sprache streng genommen kein Dialekt. Der Unterschied zu anderen Mundarten liegt darin, dass sich die deutschen Dialekte immer an hochdeutsche Texte anlehnten. Das bedeutet, dass vorhandene Texte in Mundart übersetzt wurden. Die kölsche Sprache hatte aber immer ihre eigenen Texte, die bestenfalls zurück ins Hochdeutsche übersetzt wurden und immer noch werden. Somit ist Kölsch eher eine eigenständige Sprache und kein Dialekt.

Der „Rheinische Fächer“ – Grenzen zwischen Sprache, Bier und Karneval tun sich auf

Köln, als ursprünglich römische Stadt, kam etwa Mitte des 5. Jahrhunderts unter fränkische Herrschaft. So wurde das offizielle Latein durch das germanische Fränkische verdrängt, allerdings mit regionalen Unterschieden. So entstand im Rheinland der „Rheinische Fächer“ mit den lokal verschiedenen Ausprägungen des Fränkischen.

Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Die am Rhein wohnenden Franken wurden Ripuaren1ripa = Flussufer genannt. In Köln wurde daher Ripuarisch, eine Variante des Fränkischen, gesprochen. Linguistisch gesehen ist Kölsch eine Variante des Ripuarischen.

Eine besondere Beachtung verdient die „Benrather Linie“ (im Bild oben mit „B“ bezeichnet) die auch als „maken-machen“-Linie bezeichnet wird. Genau an dieser Linie scheiden sich nicht nur sprachlich die Geister. Denn Köln liegt südlich, Düsseldorf nördlich von Benrath. Während man in unserer schönen Domstadt bei vielen Wörtern den „ch“-Laut wie in „Kachel“ spricht, wird daraus in dem Dorf weiter nördlich ein „k“-Laut: Das kölsche „Daach“ wird weiter nördlich zum „Daak“ oder der kölsche „Koche“ zum „Kock“.

Ziemlich genau an der Benrather Linie verläuft übrigens auch die Kölsch– und Altbier-Grenze. Und während der Kölsche mit dem korrekten Alaaf Karneval feiert, ruft der Düsseldorfer Helau. Hier wird die Benrather Linie zum Alaaf-Helau-Äquator.

Kölsch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert

Ripuarisch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert. Adam Wrede, der „Kölsche Sprachpapst“2Verfasser des Standardwerks „Neuer Kölnischer Sprachschatz“ geht davon aus, dass es noch bis zum 12./13. Jahrhundert gedauert hat, bis sich so etwas wie eine schriftliche Stadtsprache entwickelt hat.

Eindrucksvollster Beleg für diese Stadtsprache ist die Reimchronik des Gottfried von Hagen im Jahr 1270 – auch wenn das verwendete Ripuarisch für unsere Ohren heute kaum kölsch klingt. Wenn Gottfried von Hagen zum Beispiel „Häufig gibt es Regen nach Sonnenschein.“ ausdrücken will, schreibt er „ducke komet regen na sunne schine“. Da klingt immerhin so etwas wie „Sunnesching“ durch. Das wiederum versteht der Kölsche.

Auszug "Kölnische Reimchronik" (1270) von Gottfried von Hagen
Nachdruck „Kölnische Reimchronik“ (erschienen 1270) von Gottfried von Hagen

Ab etwa dem frühen 17. Jahrhundert wurde in Köln die niederfränkische Schriftsprache aufgegeben und zunehmend die sich entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache verwendet. Einhergehend damit ist auch eine Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache zu beobachten – die Kölner Mundart nach unserem heutigen Verständnis entsteht.

Umbruch in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Kölsch die Umgangssprache in der Domstadt. In dem Buch „Ausflug nach Köln“ äußerte Johanna Schopenhauer „Verstehen und sprechen muss diese Volkssprache jeder Einwohner von Köln.“

Nicht nur auf der Straße im Alltag wurde Kölsch gesprochen. Auch der „Kölsche Adel“, also alteingessene kölsche Familien, pflegten ihre kölsche Sprache. So soll der reiche Bankier Abraham Schaafhausen, Vater der Rheingräfin Sibylle Mertens-Schaafhausen und immerhin Präsident der Handelskammer, auschließlich kölsch gesprochen haben. Auch bei Verhandlungen am Gericht wurde kölsch gesprochen, genau wie bei Sitzungen des Stadtrats.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat dann plötzlich eine Wende ein. Mit dem Fortschreiten der industriellen Revolution kamen sehr viele Arbeiter nach Köln. Und diese sprachen Kölsch. Dadurch wurde die kölsche Sprache zur Sprache der Arbeiter. Das Bürgertum wiederum wollte sich von den Arbeitern auch mit der Sprache abgrenzen und sprach Hochdeutsch.

(wird fortgesetzt)


Im Teil II „Die Kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt“ werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Föös dabei hatten.


Wer echtes Kölsch lernen will, kann sein Kölsch-Diplom an der „Akademie för uns kölsche Sproch“ machen.  Hier können Kölner und Nichtkölner einen Einblick in die kölsche Sprache und Kultur erhalten.

Etwas weniger aufwendig ist mein Tipp: Geht mal in eine kölsche Weetschaff op d´r Eck und stellt euch an die Theke. Spätestens nach dem fünften Kölsch klappt das auch mit der Sprache. Und falls ihr doch nichts verstehen solltet,  habt ihr zumindest Spaß gehabt.


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Trude Herr: Niemals geht man so ganz

"Dat Pummel" - Trude Herr als kölsche Ulknudel, Bild: Trude-Herr-Fanclub
„Dat Pummel“ – Trude Herr als kölsche Ulknudel, Bild: Trude-Herr-Fanclub

„Niemals geht man so ganz
irgendwas von mir bleibt hier.“
(Trude Herr)

Dieses Lied gehört auf einer kölschen Beerdigung schon fast zum Inventar. Und auch als Zitat schmückt es viele Todesanzeigen in Köln & drumherum. Trude spielte im Jahr 1987, bereits schwer krank, diese kölsche Hymne zusammen mit Wolfgang Niedecken und Tommy Engel ein, die Single klettert in den deutschen Charts auf Platz 20. Trude Herr selber starb – nach einem bewegten Leben – am 16. März 1991.

Kindheit in Mülheim

Ihre Kindheit verbringt Trude überwiegend in Köln-Mülheim. Ihr Vater war Mitglied der KPD und wurde 1933 wegen seiner politischen Gesinnung von den Nationalsozialisten verhaftet und für viele Jahre in ein Konzentrationslager verschleppt. Die Familie litt schwer unter dem Verlust, Trude wurde von ihrer Mutter und der sieben Jahre älteren Schwester Agy großgezogen. Der von Trude geliebte Vater starb 1961. An seinem Grab singt sie auf seiner Beerdigung das für ihn geschriebene Lied „Papa“ 1Hier in einer sehr schönen Version von Anne Haigis.

Die Familie wird 1943 ausgebombt und in das hessische Ewersbach evakuiert. In Dillenburg arbeitet sie als Schreibkraft im Krankenhaus, später im Einwohnermeldeamt. Nach dem Krieg kehren die Herrs wieder in das zerstörte Köln zurück und Trude arbeitet bei der der von der KPD herausgegebenen Zeitung „Die Volksstimme“.

Lange hält es die temperamentvolle Trude nicht am Schreibtisch aus: Bereits 1946 schließt sie sich einer Aachener Wanderbühne an und 1947 heuert sie beim großen Willy Millowitsch an. Doch der „Pummel“, wie Trude wegen ihrer schon damals stattlichen Figur, genannt wurde, wollte mehr und gründete im Jahr 1949 zusammen mit Gustav Schellhardt die „Kölner Lustspielbühne“. Leider ohne wirtschaftlichem Erfolg – das Theater musste schon kurz danach Konkurs anmelden und Trude verdiente sich ihren Lebensunterhalt im „Barberina“, einer Schwulen-Bar an der Hohe Pforte.

Als „Madame Wirtschaftswunder“ im Karneval

Erfolgreicher waren ihre Auftritte im Karneval. Als „Madame Wirtschaftswunder“ oder „Besatzungskind“ eroberte sie zwar ab Mitte der 1950er Jahre die Bühnen der Karnevalssäle, aber ihre oft vulgäre Art und die Gesellschaftskritik in ihren Büttenreden waren den konservativen Funktionären im Karneval ein Dorn im Auge. Als sie sich dann noch mit ihrer Nummer „Die Karnevalspräsidentengattin“ unmittelbar über die spaßbefreiten Frackträger lustig machte, war schnell Schluss mit lustig. Weitere Auftritte als „Präsidentengattin“ wurden ihr untersagt.

Trude Herr in den 1960er Jahren, Bild: Trude-Herr-Fanclub
Trude Herr in den 1960er Jahren, Bild: Trude-Herr-Fanclub

Somit war der Weg frei für die große Stadt: 1958 Trude wurde für das Revuetheater „Tingel-Tangel“ in Berlin engagiert. Dieses Engagement und ihre Präsenz in Berlin ebnete ihr auch den Weg ins Kino. In mehr als 30 Filmen mimte sie die rheinische Ulknudel, darunter auch Kassenschlager wie „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ oder „Drillinge an Bord“ mit Heinz Erhardt. In dieser Zeit entstand auch mit „Ich will keine Schokolade“ ihr größter Hit.

Trude Herrs größter Hit "Ich will keine Schokolade"
Trude Herrs größter Hit „Ich will keine Schokolade“

In dieser Zeit reiste Trude Herr öfters nach Afrika und verliebte sich in den Tuareg Ahmed M’Barek. Doch die 1969 geschlossene Ehe war nicht besonders glücklich und wurde 1976 geschieden. Glücklicher waren von 1970 bis 1976 ihre Inszenierungen mit eigenem Ensemble im Millowitsch-Theater. „Scheidung auf kölsch“, „Familie Pütz“ oder „Pflaumenschwemme“ waren erfolgreiche Stücke und führten gleichzeitig zu Streit mit Willy Millowitsch. Der eher deftige Humor Trude Herrs vertrug sich nicht mit Millowitschs Verständnis von Volkstheater.

Theater im Vringsveedel: „Ruhm hatten wir immer genug, nur kein Geld.“

Diese Konflikte führten dazu, dass Trude ihr eigenes Theater gründete. 1977 pachtete sie ein ehemaliges Kino auf der Severinstraße und gründete das „Theater im Vringsveedel“. Schnell wurde ihr Theater – gemessen an der Auslastung – zum erfolgreichsten in ganz Nordrhein-Westfalen. Gemessen am finanziellen Erfolg war es ein Flop. Trude Herrs lakonischer Kommentar dazu „Ruhm hatten wir immer genug, nur kein Geld.“ Nachdem sie vergeblich versuchte, städtische Zuschüsse zu erlangen, musste sie das Theater 1986 schließen.

Für Trude Herr selber, mittlerweile 59 Jahre alt, war es auch die Chance, etwas Neues zu machen. Sie ging ins Tonstudio und coverte auf der Platte „Ich sage, was ich meine“ internationale Hits. Aus „I Want To Know What Love Is“ wurde „Ich weiss jenau wat de meinz“ und „Beast of Burden“ wird zur „Hipp vum Nümaat“. Auf dieser Platte ist als letztes Stück auch „Niemals geht man so ganz“. Dieses Lied war ihr Abschiedsgeschenk an ihre Heimatstadt.

Trude Herr stirbt in Südfrankreich an Herzversagen

Die schwer kranke Künstlerin zog noch im Jahr 1987 auf die Fidschi-Inseln und lernte dort ihren letzten Partner Samuel Bawesi kennen. 1991 kehrte sie für wenige Wochen noch einmal nach Köln zurück, um dann im Februar 1991 in die Nähe von Aix-en-Provence zu ziehen. Trude Herr starb dort am 16. März 1991 an Herzversagen.

Trude Herr ist tot – aber ihr Lied „Niemals geht man so ganz“ ist unvergänglich. Nicht nur auf kölschen Beerdigungen.


Trude-Herr-Schule im Mülheim

Im August 2020 hat die „11. Kölner Gesamtschule Mülheim“ verkündet, in Zukunft den Namen „Trude-Herr-Schule“ zu tragen. Weitere mögliche  Namenpatronen für die Schule waren die Edelweißpiratin Gertrud „Mucki“ Koch oder die von den Nationalsozialisten ermordete Ärztin Lilli Jahn. 

Es war kein einfache Entscheidung, so Schulleiterin Monika Raabe in einem Bericht der Kölner Stadt-Anzeigers. Man habe sich für Trude Herr entschieden, weil die in Mülheim aufgewachsene Künstlerin für Bodenständigkeit stehe, genau wie die Schule. 


 

Das Trude-Herr-Denkmal in der Kölner Südstadt, Bild: Raimond Spekking
Das Trude-Herr-Denkmal in der Kölner Südstadt, Bild: Raimond Spekking

Ähnlich turbulent wie ihr Leben ist auch die Geschichte um das Trude-Herr-Denkmal direkt am Bürgerhaus Stollwerck. Ohne schützende Glasur wurde dieses Denkmal im Jahr 2002 aufgestellt und verrottete. Gerettet wurde es erst 2012 durch eine Spende des Trude-Herr-Fanclubs.

Gedenktafel für Trude Herr vor ihrem ehemaligen Theater (heute das Oden-Kino) auf der Severinstraße
Gedenktafel für Trude Herr vor ihrem ehemaligen Theater (heute das Oden-Kino) auf der Severinstraße

Vor ihrem ehemaligen Theater in der Severinstraße ist seit 2012 eine Bronzetafel angebracht, welche an das „Theater im Vringsveedel“ und seine Gründerin erinnert.

Ein muskalisches Denkmal für Trude Herr setzte die Band L.S.E. mit dem Stück „Trudi“ auf dem Album „Für et Hätz un jä¬jen d’r Kopp“.

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 Dort lautet es:

Wä kennt en Kölle die Superfrau
Met däm unwahrscheinliche Körperbau?
Wä hät jedanz, jesunge un Theater jemat
Un keinem noh d’r Schnüss jeschwaad?

Diese Beschreibung hätte Trude Herr gefallen.


Ein großes DANKE an den Trude-Herr-Fanclub. Ich durfte für dieses Köln-Ding der Woche deren Bilder verwenden.


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Der Kölner Wasserkrieg: Streit um den Duffesbach

Das Wasser des Flusses wird genutzt, um den Wassergraben des Herrenhauses „Weißhaus“ in Klettenberg zu füllen. Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Das Wasser des Duffesbachs wird auch genutzt, um den Wassergraben des Herrenhauses „Weißhaus“ in Klettenberg zu füllen. Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Duffesbach ist heute, da unterirdisch und kanalisiert, fast unbekannt. Das war in früheren Zeiten ganz anders. Das Wasser des Bachs war für die Kölner extrem wichtig. Schon ab etwa 1320 gab es daher einen städtischen „Bachmeister“ mit der Aufgabe, für eine ausreichende Menge Wasser im Duffesbach zu sorgen.

Dieser Bach läuft, bevor er nach Köln kommt, durch Hürth. Und auch die Hürther nutzten intensiv das Wasser des Duffesbachs. Nach Sicht des Kölner Bachmeisters unerlaubt, da es sich beim Duffesbach nicht um einen Fluss sondern um ein künstlich im Fluss gehaltenes Gewässer handeln würde, dessen Quellen sich im Besitz der Stadt Köln befinden würden. Folglich musste eine Vereinbarung getroffen werden.

Unter Woche Waser für die Kölner – am Wochenende für die Hürther

Eine erste Einigung über die Wassernutzung mit den verschiedenen Grundeigentümern am Verlauf des Bachs gab es bereits im Jahr 1321. Diese Einigung bestand darin, dass die Grundeigentümer in Hürth immer nur samstags und sonntags das Wasser des Duffesbachs, der in Hürth „Hürther Bach“ hieß, nutzen durften. So wurde sichergestellt, dass werktags für die Kölner Handwerker wie Gerber oder Färber ausreichend Wasser zur Verfügung stand.

Die Hürther Bäche um 1800, Fotograf/Zeichner: Tranchot / von Müffling / Public domain
Die Hürther Bäche um 1800, Fotograf/Zeichner: Tranchot / von Müffling / Public domain

Diese Vereinbarung hielt. Mehr als 200 Jahre lang gab es nur kleinere, eher unbedeutende, Reibereien zwischen den Hürthern und den Kölnern um das Wasser. Doch im heißen Sommer 1560 nutzten die Hürther auch unter der Woche das Wasser mit der Folge, dass die Kölner Handwerker kein Wasser mehr zur Verfügung hatten. Zur Klärung machte sich der Kölner Bachmeister  mit einer kleinen Abordnung auf den Weg nach Hürth. Dort wurden die Kölner vom Hürther Schultheiß Damian Bell von Efferen und einer Horde mit Mistgabeln und Knüppeln bewaffneten Bauern empfangen und gefangen genommen.

Der Kölner Wasserkrieg entbrennt

Das konnte die stolze Reichsstadt Köln nicht hinnehmen und stellte mit 1.000 Mann eine große Streitmacht auf, die den Bauern zeigen sollte, wer in der Region das Sagen hatte. Schwer bewaffnet ging es Richtung Hürth in den „Kölner Wasserkrieg“. Zu einer Schlacht kam es allerdings nicht. Damian Bell wurde gefangen genommen und in den Kerker geworfen.

Damit hätte der ausgebrochene Wasserkrieg bereits am gleichen Tag beendet sein können, wenn nicht beide Seiten den juristischen Streit in dieser Sache gesucht hätten. Kern des Problems war dabei allerdings weniger der Tatbestand des „Wasserdiebstahls“ sondern vielmehr, welches Gericht zuständig war. Köln als Reichsstadt wollte den Streit vor das Reichskammergericht bringen. Die Hürther hingegen unterstanden den Herzogen von Brabant und wollten Fall vor deren Hof in Brüssel verhandeln. Und schon zog der „Kölner Wasserkrieg“ eine vorher nicht absehbare Welle nach sich.

Ferdinand I., (1503 - 1564), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und römisch-deutscher König, Bild: Dominicus Custos / Public domain
Ferdinand I., (1503 – 1564), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und römisch-deutscher König, Bild: Dominicus Custos / Public domain

Die Argumentation der Hürther: Da Brabant dem spanischen König unterstand, könne nur dieser als Gerichtsbarkeit anerkannt werden. Die Kölner wiederum berufen sich auf Kaiser Ferdinand I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und römisch-deutscher König, der jeden anderen Gerichtsstand als das Reichskammergericht schlichtweg ablehnte.

Und dieser juristische Streit sollte mehr als 50 Jahre lang währen. Erst 1617, nach unzähligen Klagen, Schriftsätzen und Verhandlungen, kam es zu einer Einigung, die sehr bekannt vorkommt: Die Hürther durften am Wochenende das Wasser des Duffesbachs nutzen, die Kölner unter der Woche.

Das hätte man einfacher haben können.


Etwas früher, bereits 1369, kam es zum „Kölner Flaschenkrieg“.


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Dreimol „Huh“ op de Frisöre! Gedanken und Bilder zur Corona-Krise

Die Sehnsucht nach dem Friseur wächst, Bild: Martin Jäger / pixelio.de
Die Sehnsucht nach einer ordentlichen Frisur wächst, Bild: Martin Jäger / pixelio.de

Die Corona-Krise hat uns fest im Griff. Und verändert unseren Alltag. Dabei sind Gesichtsmasken und das „sich-aus-dem-Weg-gehen“ hoffentlich nur vorübergehende Erscheinungen. Genau wie der temporäre Klopapapier-Notfall. Mittlerweile gibt es, zumindest in meinem bevorzugten Supermarkt, sogar 16er-Pack vierlagig wieder zu kaufen. Gottseidank – das „Geschäft“ ist gerettet.

Interessanter sind aber die Effekte, die niemand vorher auf dem Zettel hatte:
Zootiere langweilen sich – es fehlen ihnen die Besucher zum Anschauen. Und die Birkhühner in den Wäldern können endlich in Ruhe balzen. Beim Menschen ist die Frage der Balz noch offen: Wird es gegen Ende des Jahres einen Baby-Boom geben oder steigen die Scheidungsraten?

In Köln-Raderberg wird für die Helfer in der Corona-Krise geklatscht. Hier ein leider etwas dunkles Video vom 26.03. um 21 Uhr in der Raderberger Straße), Video: Uli Kievernagel
Abends um 21 Uhr wird für die Helfer in der Corona-Krise geklatscht. Hier ein leider etwas dunkles Video vom 26. März 2020, Video: Uli Kievernagel

Auch interessant: Gerade Väter stellen fest: „Mensch – ich habe Kinder. Und die muss ich beschäftigen.“ Gut zu beobachten in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Außerdem: Einbrecher will man in diesen Tagen bestimmt nicht sein. Genau wie Pfleger im Altenheim, Paketfahrer oder Kassiererin im Supermarkt. Es wurde zwar geklatscht – aber das macht den 10-Stunden-Tag im Aldi hinter Plexiglas auch nicht erträglicher.

Es gibt aber auch positive Erlebnisse, hier ein paar Beispiele:

  • Am kreativsten sind mal wieder Kinder. In meiner Nachbarschaft haben die Pänz Briefkästen gebastelt und an die Gartenzäune gehangen, um sich gegenseitig Nachrichten zu schreiben.
  • Menschen bieten ihren Nachbarn Unterstützung an. In vielen Hausfluren hängen Zettel mit dem Angebot, Einkäufe für Nachbarn zu erledigen.
  • Experten gehen davon aus, dass durch den fast kompletten Wegfall des Flugverkehrs bis zu 100 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden. Auf einmal ist Deutschland wieder nah dran am Klimaziel – Corona sei gedankt.
  • Es werden Gabenzäune für die Menschen errichtet, die mit dem Kurzarbeitergeld nicht über den Monat kommen.

Öffnung der Frisöre steht bevor! Nicht nur die Frauen jubeln.

Und morgen, Montag, 4. Mai, ist dann auch der Tag X für alle, die sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen können: DIE FRISEURE ÖFFNEN WIEDER! Zwar unter strengen Auflagen, aber egal: Es heißt endlich wieder „waschen – föhnen – legen“ . Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich dieses Thema massiv unterschätzt habe. Fragt gerne dazu bei Gelegenheit mal meine Frau – für sie ist ein Friseur systemrelevant.

Auch meine kölsche Lieblingslyrikern Juliane wartet sehnsüchtig darauf, dat de Hoor widder Fazung kreje. Diese Sehnsucht nach ´nem neuen Kopp hat sie in das Gedicht „Systemrelevante Hoorspalterei“ gepackt und sie hat das Gedicht auch wieder selbst eingesprochen. Härlisch. Unbedingt anhören.
Vell Freud domet.


Systemrelevante Hoorspalterei
Juliane Poloczek

Ich hald‘ et nit us! Wie sinn ich bloß us!
Un dat alles bloß durch dä blöde Virus!
De Hoor nit mieh brung, janz ohne Fazung.
Jetz sinn ich alt us, nit schön un nit jung.

Wie jään ich jetz wör beim mingem Frisör!
Ich bruche janz dringend jet neue Kolör.
Mingen Aansatz es jries, dat fingen ich fies.
Met dä schäbije Pürk föhlen ich mich ärch mies.

Wat maachen ich jetz? Nen Hoot opjesetz?
Fastelovendsdreispetz? Oder leever en Mötz?
Om Däätz nen Turban? Dat hööt sich joot aan.
Koppdooch oder Burka – dat wör doch ne Plan.

Doch baal määt hä op, dä Frisure-Shop.
Dann krijjen ich widder ne „neue Kopp“.
Met Packung un Färverei un janz vell Hoorspray.
Es et endlich vorbei met dä Hoorspalterei.

Dreimol „Huh“ op de Frisöre!


Wie immer ein paar Erklärungen zu ausgewählten kölschen Wörtern

Fazung = Form
schäbije Prück = wörtlich übersetzt: armselige Perücke, hier sind aber tatsächlich die eigenen Haare und keine Perücke gemeint
ärch = sehr
Däätz = Kopf
baal = bald
krijjen = bekommen


Mehr von Juliane Poloczek gibt es auch hier:


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