Neue Lotsentour: Zeitreise zurück in das Köln im Jahr 1908

Die Hohe Straße im Jahr 1912
Die Hohe Straße im Jahr 1912

Es ist lange her. Und man kann es kaum glauben: Vor den Zerstörungen des 2. Weltkriegs und den anschließenden „Modernisierungsmaßnahmen“ der Stadtverwaltung sah unsere Stadt tatsächlich einmal schön aus. Herrschaftliche Häuser, viele Bäume in der Stadt – Köln war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Metropole mit Flair.

Und das ist unwiderruflich verloren.

Oder nicht? 

Stellt euch vor, wir könnten eine Zeitreise machen:

  • Wir könnten uns das Stadtbild vor den Zerstörungen des Krieges ansehen.
  • Wir würden die Stadt sehen, bevor die ersten Autos unterwegs waren  und noch Pferdekarren das Straßenbild bestimmen.
  • Statt lauten Düsenjets würde majestätisch ein Zeppelin am Himmel seine Kreise ziehen und auf dem Rhein sehen wir Dampfschiffe.

Neue Lotsentour „Zeitreise“

Und dieser Zeitsprung ist jetzt tatsächlich möglich: Die neue Lotsentour „Zeitreise“ macht es möglich. Mit dem TimeRide machen wir einen Zeitsprung zurück in das Köln zur Kaiserzeit um die Jahrhundertwende. Und das per Straßenbahn. Klingt verrückt – und ist absolut beeindruckend. Mittels „Virtual Reality“ (VR) fährt man mit einer der ersten elektrischen Straßenbahnen quer durch die Innenstadt im alten Köln. Auf dem Kopf hat man eine spezielle VR-Brille und genießt einen 360 Grad Blick aus der Straßenbahn.

Mit Virtual Reality in das alte Köln reisen, Bild: TimeRide
Mit Virtual Reality in das alte Köln reisen, Bild: TimeRide

Und anschließend machen wir den direkten Vergleich: In einem entspannten Stadtspaziergang von ca. 1,5 Stunden folgen wir der Route der historischen Straßenbahn. Wie sieht die Stadt heute aus? Was hat sich verändert? Wo entdecken wir noch heute die Spuren von vor 100 Jahren? Zwischendurch spülen wir den Staub der Jahrhunderte mit frisch gezapften Kölsch runter.

Und wenn wir dann am Ostermannbrunnen stehen und leise hören Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ wird uns klar: Der Willi Ostermann hat recht gehabt. Köln war tasächlich einmal schön.


Die Lotsentour „Zeitreise“ dauert insgesamt etwa 2,5 Stunden und beinhaltet eine Fahrt mit dem TimeRide und anschließend den dazu passenden Stadtspaziergang.


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Kölsche Schimpfwörter, Teil I; Von Aaapefott bis Flabes

Schimpfen auf Kölsch, derb aber grundsätzlich liebevoll
Schimpfen auf Kölsch, derb aber grundsätzlich liebevoll

Jede Mundart hat ihr jeweils eigenes Repertoire an Schimpfwörtern. So auch die kölsche Sprooch. Von Ähnzebär bis Wibbelstätz – für jede Person und Situation gibt es  ein geeignetes Wort. Allerdings sind die meisten dieser Schimpfwörter  – so derb sie manchmal auch klingen – oft liebevoll gemeint. Schwester Antonia umschreibt ihr Lieblingsschimpfwort „Lötschendötsch“ zum Beispiel so „Es hat in einer kölschen Form noch einen sympathisch-liebkosenden Unterton und lässt den Angesprochenen nicht verzweifelt zurück.“. Schöner kann man es nicht sagen. Werfen wir heute und in den kommenden Wochen einen Blick in das große Repertoire kölscher Schimpfworte.

Aapefott
Ein „Aap“ ist ein Affe, die „fott“ ist das Gesäß. Pack beides zusammen und es geht (höflich ausgedrückt) um einen Affenhintern.

Ähzebär
Der Ähzebär (Erbsenbär) ist ein Karnevalskostüm und verkörpert den Winter. Als Schimpfwort ist damit eine griesgrämige, schlecht gelaunte Person gemeint.

Babaditzje
Grundsätzlich ist dieses Wort die neutrale bis positive Bezeichnung für ein kleines Kind.Nä, wat es dat für e lecker Babaditzje“ ist ein typischer Ausdruck der Omas und Opas für ihre Enkel. In Zusammenhang mit einem Erwachsenen ist dabei aber eine Person gemeint, die sich kindisch, unreif, benimmt.

Blötschkopp
Eine dumme Person, bei der eine „Blötsch“ (eine Delle) am Kopf dafür verantwortlich ist, dass diese Person nicht richtig denken kann.

Botzedresser
Ein Hosenscheisser, also jemand, der sich schnell vor Angst in die Hosen macht.

Büggelschnigger
„Büggel“ ist der Beutel, „schniggen“ bedeutet schneiden. Als „Beutelschneider“ wurden Diebe bezeichnet, die den Geldbeutel, der früher mit einem Riemen am Gürtel befestigt wurde, abschnitten. Heute meint man damit aber keinen Dieb, sondern jemanden, der zu teure Waren verkauft, also einen Wucherer.

Drießkerl oder auch Drisskerl
Menschen, die sich unverschämt verhalten und immer nur das Beste für sich rausholen wollen, sind (wörtliche Übersetzung) Scheißkerle.

Drömeldier
Ein Trampeltier. Jemand, der sich normalerweise ohne böse Absicht ungeschickt verhält.

Drüje Manes
Die kölsche Kurzform für Hermann ist „Manes“. Und „drüje“ oder auch „drüsch“ bedeutet trocken. Somit ist ´ne „Drüje Manes“ ein eher trockener und schweigsamer Zeitgenosse. Denn wer nicht viel redet, ist dem Kölner zunächst mal suspekt.

Fiese Möpp
Dem „Fiese Möpp“ geht man lieber aus dem Weg. Dabei handelt es sich jemanden, der unredlich ist. Der „Möpp“ ist übrigens das kölsche Wort für Hund. So kann man den „Fiese Möpp“ auch als „Linken Hund“ bezeichnen. Wird übrigens auch gerne in der Form „widerliche Möpp” verwendet. Hat aber dieselbe Bedeutung.

Flabes, Flaabes, Flabbes
Ein nicht ausschließlich negativ gemeinter Ausdruck für einen Menschen, der naiv, dümmlich, ungeschickt oder einfach nicht ernst, dabei aber grundsätzlich liebenswert ist. Der Begriff wird aber manchmal auch für einen sehr großen Menschen verwendet, im Sinne von langer Lulatsch.


Nächste Woche geht es weiter! Wenn ihr selbst noch Vorschläge für schöne kölsche Schimpföwrter habt – immer rüber damit. Ich freue mich über jeden Beitrag.


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Der Düxer Bock – oder Romeo und Julia auf der Schäl Sick

Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel
Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel

Obwohl es heute um einen Ziegenbock geht, handelt diese Geschichte nicht vom ruhmreichen 1. FC Köln. Vielmehr geht es, wie bei Romeo und Julia, um die Liebesgeschichte zweier junger Menschen und ihrer verfeindeten Familien. Ort der Handlung ist nicht Verona, sondern die Schäl Sick. Erfreulich ist aber, dass diese Geschichte einen weit weniger tragischen Ausgang hat als bei Shakespeare. Und es ging um profanere Dinge wie Singvögel und einen Bock.

Es war einmal in Deutz, auf der „Schäl Sick“ …

Es gab einen armen Schneider in Deutz. Um sein kärgliches Dasein aufzubessern, züchtete der Mann Singvögel. Nicht unüblich in vergangenen Zeiten. Allerdings haben Singvögel einen entscheidenden Nachteil: Sie singen. Und das bevorzugt am frühen Morgen. Dies missfiel dem Nachbarn des armen Schneiders, einem reichen Steuereintreiber. Der wollte gerne länger schlafen, konnte dies aber wegen der singenden Singvögel nicht.

Und anscheinend wurden schon in vergangenen Zeiten Nachbarschaftsstreitigkeiten ausgetragen wie heute: Erst Zank, dann Schreierei und dann ging es vor das Gericht. Doch der arme Schneider hatte Glück: Da auch der Richter Singvögel züchtete, unterlag der Steuereinnehmer vor Gericht. Doch dieser konnte noch immer nicht klein beigeben. So kaufte er sich einen Ziegenbock und setzte diesen bei geringem Futter in einen Korb vor sein Fenster. Wo heute nach zwei Stunden der Tierschutz eingeschritten wäre, war damals nur Häme zu spüren: Das Tier meckerte laut den ganzen Tag und war über die ganze Straße zu hören. Und der arme Schneider wurde nur noch „Schneidermeckmeckmeck“ gerufen. Als das bemitleidenswerte Tier verendete, hoffte der Schneider vergeblich auf Ruhe und Frieden in der Nachbarschaft. Doch da hatte er die Rechnung ohne seinen reichen Nachbarn gemacht. Der hatte zwischenzeitlich einen Steinmetz beauftragt, einen Bock aus Stein am Haus anzubringen. Alles Bitten und Flehen des Schneiders war vergeblich: Der Bock blieb genauso an der Wand wie der Spott im Veedel. Der Schneider gab klein bei und verließ Deutz.

Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Aber: Wo die Liebe hinfällt

Doch es gibt noch eine Liebesgeschichte in der Geschichte vom Bock. Während sich die Väter bitter stritten, hatte Gertrud, die Tochter des Schneiders, ein Fisternöllchen mit Fritz, dem Sohn des Steuereintreibers. Als die Familie des Schneiders Deutz verließ, war Fritz unglücklich – hatte er doch seine große Liebe verloren. Da wir aber in Kölle sind, wo et noch immer jood jejange hät, kam Gertrud viele Jahre später zurück nach Köln. Anders als bei Romeo und Julia heiraten Fritz und Gertrud, kaufen das Haus des Steuereintreibers und leben glücklich zusammen.

Ein Funken Wahrheit in der Geschichte?

Tatsächlich stand schon im 16. Jahrhundert auf der (heutigen) Siegburger Straße in Deutz ein Haus „Im Bock“. Dort war ein Bock über dem Hauseingang angebracht. Dieses Gebäude wurde 1936 abgerissen, um Platz für die Auffahrten zur Deutzer Brücke zu schaffen. Die Stadt hatte damals den Deutzern versprochen, ein neues Denkmal aufzustellen, Doch es sollte noch bis 1964 dauern, bis der von Gerhard Marcks gestaltete Ziegenbock auf einer 2,5 Meter großen Säule auf einem kleinen, namenlosen Plätzchen an der Lorenzstraße aufgestellt wurde. Und noch weitere 53 Jahre, bis sich die Deutzer durchgesetzt hatten und dieser Platz den Namen „Am Düxer Bock“ erhielt. Der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke hätte den Platz gerne anders getauft „.. aber die Deutzer Bürger sind dem Bock ähnlich – ein bisschen dickköpfig. So habe ich mich denn der demokratischen Abstimmung geschlagen gegeben.“, so Hupke in einem Interview der Kölnischen Rundschau.

Initiative "Bock auf Garten" aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/
Initiative „Bock auf Garten“ aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/

Bock auf Garten

Treiber dieser Idee war die Deutzerin Olga Moldaver. Sie hat die Initiative „Bock auf Garten“ gestartet. Heute lädt der gemütliche Platz am Düxer Bock mit einem Bücherregal und einer Sitzecke ein, einfach mal ein paar Minuten oder Stunden mit und an dem Düxer Bock zu verbringen.

 

 

 


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Kölner Baumkataster: Weißt du wie viel Bäume stehen?

Ein Bild aus besseren Zeiten: Sattes grün an Kölner Bäumen sucht man aktuell vergeblich, Bild: jennip / pixelio.de
Ein Bild aus besseren Zeiten: Sattes Grün an Kölner Bäumen sucht man aktuell vergeblich, Bild: jennip / pixelio.de

Bei den aktuellen Temperaturen haben sie es echt schwer: Die kölschen Bäume sind im Hitze-Stress. Normalerweise verdunstet so ein Baum bis zu 400 Liter Wasser am Tag. Im Moment versucht aber jeder Baum, Wasser zu sparen und wirft Blätter ab. Deshalb sieht es in vielen Straßen so unordentlich aus wie sonst nur im Herbst – alles voller Laub.

Dabei hat in unserer Stadt alles seine Ordnung. Das betrifft auch die Bäume.  Im „Kölner Baumkataster“ sind die Kölner Bäume erfasst. So gibt es zu Beispiel 367 Gingkobäume, 1.762 Kirschbäume oder 1.211 Eichen in Köln. Verantwortlich für diese Aufstellung ist Peter Schmidt vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln. Allerdings kennt selbst der „Herr der Bäume“ nicht alles Grün in der Stadt: „Wie viele Bäume es in der Stadt gibt, kann nur der liebe Gott sagen“, so Peter Schmidt in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers. Dafür kann Schmidt aber exakt die Zahlen der bereits erfassten Bäume benennen: Aktuell umfasst das Baumkataster exakt 132.321 Bäume. Und das sind nur die Bäume, die auf öffentlichen Flächen, z.B. in Parks oder an den Straßen stehen. Bäume, die im Privatgelände oder den Wäldern, die der Stadt gehören, stehen, wurden nicht erfasst.

Vielfalt der Bäume im "Forstbotanischen Garten" in Rodenkirchen, Bild: Udo Sodeikat / pixelio.de
Vielfalt der Bäume im „Forstbotanischen Garten“ in Rodenkirchen, Bild: Udo Sodeikat / pixelio.de

Allerdings gibt das Baumkataster interessante Einblicke in die kölschen Rekordbäume. So stehen die höchsten Bäume am Rhein in Rodenkirchen und die ältesten Bäume auf Melaten und im Schlosspark Stammheim. „Die Eichen im Schlosspark Stammheim gehören zu den ältesten Bäumen des öffentlichen Grüns in Köln“ erläutert Peter Schmidt im Stadt-Anzeiger-Interview. Der Park wurde bereits im 19. Jahrhundert angelegt, so sind viele Bäume über 170 Jahre alt. Diese Bäume werden als Baumdenkmäler bezeichnet und stehen somit unter Naturschutz. Diese Ehre wurden den Bäumen auf den Bonner Straße nicht zuteil: Für den Bau der Straßenbahn wurden dort letztes Jahr 300 Bäume gefällt. Gut, dass die Straßenbahn nicht über den Gürtel geführt wird: Die Allee, bestehend aus 185 Platanen auf dem Bayenthalgürtel, wurde vor 120 Jahren angelegt. Wünschen wir diesen Bäumen ein langes Leben.

Und jeder, der jetzt den hitzegeplagten Bäumen etwas Gutes tun will, sollte für Wasser an den Bäumen vor seiner Tür sorgen. Vielleicht steht dann ja – bei guter Pflege – demnächst auch ein kölscher Rekordbaum vor Tür.


Das Kölner Baumkataster ist online abrufbar.


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