Zu Unrecht (fast) vergessen: Die Frauenrechtlerin Else Falk

Else Falk hat diesen Aufruf für die Durchsetzung des Frauenwahlrechtes unterzeichnet, Bild: Raimond Spekking
Else Falk hat diesen Aufruf für die Durchsetzung des Frauenwahlrechtes unterzeichnet, Bild: Raimond Spekking

Die Frauenrechtlerin Else Falk wäre stolz gewesen: Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März wurde in unserer Stadt erstmals der „Else-Falk-Preis“ vergeben. Erste Preisträgerin ist die Kölner Aktivistin Frauke Mahr. Mahr setzt sich seit mehr als 30 Jahren für die Interessen und Belange von Mädchen und jungen Frauen ein. Der Else-Falk-Preis wird an Frauen, die in Köln „eine Vorbildfunktion erfüllen und durch ihr Engagement in herausragender Weise für Geschlechtergerechtigkeit gewirkt haben.“ verliehen. Ganz in der Tradition von Else Falk, die vor etwa 150 Jahren geboren wurde und wegweisende Projekte für Frauen in Köln initiiert hat.

Aktiv für Frauen und Mädchen

Else Falk wurde am 25. April 1872 als Else Wahl in Barmen geboren. 1898 zog sei mit ihrem Mann, dem Juristen Bernhard Falk, nach Köln. Genau wie zum Beispiel Marie Juchacz kämpft auch Else Falk für das Frauenwahlrecht. Sie engagiert sich bei verschiedenen Kölner Institutionen, und die Liste ihrer Tätigkeiten ist lang:

  • Schatzmeisterin der Kölner Nationalen Frauengemeinschaft,
  • Vorsitzende vom Stadtverband Kölner Frauenvereine,
  • Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Stadtverbände von Rheinland und Westfalen,
  • Vorsitzende des Kölner Vereins Fünfter Wohlfahrtsverband und Vorstandsmitglied des Landesverbandes,
  • Gründung und Leitung des Vereins Müttererholung und Mütterschulung,
  • Initiierung von vier Rentnerinnenheimen für durch Krieg und Inflation verarmte Frauen,
  • Begründung der städtischen Blindenbibliothek,
  • Mitwirkung im Vorstand der Kölner „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ (GEDOK).

Besonders beeindruckend war ihre pragmatische Art, einfach anzupacken. So richtetet sie 1918 die öffentliche Kölner Kriegsblindenbibliothek ein. Um den Bestand an Büchern zu vergrößern, stanzte sie mit einer Gruppe von Frauen Bücher in Brailleschrift aus. Ebenfalls leitete sie eine Schusterwerkstatt. Diese Werkstatt diente dazu, Kriegsinvaliden ein Einkommen zu sichern.

Notleidende Kinder unterstützte sie in der Vereinigung für Kinderspeisungen. Ihr Einsatz für verarmte Witwen führte zum Bau von Wohnungen für Kleinrentnerinnen. Ab etwa 1925 galt ihr Einsatz auch der Fürsorge berufstätiger Mütter. Sie gründete den Verein für Müttererholung und Mütterschulung, welcher speziell berufstätigen Frauen Mütterkuren ermöglichte. Auch die Errichtung der Riehler Heimstätten wurde durch Falk maßgeblich unterstützt.

Repressalien und Demütigungen durch die Nationalsozialisten

Bereits 1932 ahnte die Jüdin Else Falk, welche besorgniserregende Entwicklung von den Nationalsozialisten ausgeht. Sie gehörte zu den Mitunterzeichnerinnen eines Aufrufes der Kölner Frauenvereine gegen Hitlers Wahl zum Reichskanzler.

Else Falk wurde bereits im März 1933 gezwungen, vom Vorsitz des Stadtverbandes Kölner Frauenvereine zurückzutreten. Trotz der wachsenden Repressalien gegen Juden setze sich Else Falk im Rahmen der „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ (GEDOK) für die jüdischen Künstlerinnen ein, die aus dieser Vereinigung ausgeschlossen wurden.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen musste sie mehrfach in Köln umziehen. Bereits im Jahr 1933 hatte sie einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Ihrem Sohn Fritz, ein promovierter Jurist am Oberlandesgericht in Düsseldorf, wurde wegen seiner jüdischen Herkunft die Arbeitserlaubnis entzogen. Gedemütigt durch die Ausgrenzung beging er am 11. Dezember 1933 Selbstmord.

Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 wurde ihre Wohnung verwüstet. 1939 floh die Familie nach Belgien, Freunde beschützten sie in Brüssel vor den Nazis. Nachdem ihr Mann 1944 in Brüssel starb, folgte Else Falk ihrem Sohn Ernst, der sich in Sao Paolo niedergelassen hat. Else Falk starb 1956 im Alter von 83 Jahren in Brasilien.

EDELGARD ist ein Präventionsprojekt für Frauen und Mädchen in Köln und will zu mehr Sicherheit im öffentlichen Raum beitragen.
EDELGARD ist ein Präventionsprojekt für Frauen und Mädchen in Köln und will zu mehr Sicherheit im öffentlichen Raum beitragen.
Ein „Arsch huh“ für Frauen

Ganz im Geist von Else Falk würdigt der neue Else-Falk-Preis außergewöhnliches Engagement von Frauen bei der Gleichstellung von Frauen und Männern oder Mädchen und Jungen.
Frauke Mahr ist die stolze und würdige erste Preisträgerin dieses Preises. Genau wie Else Falk ist sie aktiv und ganz pragmatisch für Frauen und Mädchen in Köln tätig. Sie gründete in Köln das erste Frauenhaus in Deutschland und hat das Projekt Edelgard ins Leben gerufen. Edelgard schützt Frauen und Mädchen. Sie finden bei Belästigung und akuter Bedrohung Orte, wo sie durchatmen und ihre nächsten Schritte planen können.

Doch Frauke Mahr denkt schon an die nächsten Aktionen. In einem Interview des WDR spricht sie von einem „Arsch huh für Frauen und Mädchen in Köln, es gibt reichlich Anlässe dazu.“.
Glückwunsch an Frauke Mahr zu diesem Preis – ganz im Sinne einer Else Falk.


Weitere Portraits wichtiger Frauen für Köln findet ihr in der Rubrik „Starke Frauen“ 


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