Der Bismarck-Turm – Abschluss des Gürtels am Rhein

Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.de
Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.de

Vor ein paar Wochen in der Linie 16: „Wat is dat eijentlich für e Ding?“ fragt ein mittelalter Herr die neben ihm sitzende Dame, als wir an der Haltestelle Bayenthalgürtel halten. „Dat is e Stöck vun d´r ahle Stadtmauer“ entgegnet sie. Und liegt damit leider völlig falsch. Das vermeintliche Stück Stadtmauer ist der Bismarck-Turm am Rhein. Und dieser hat mit der Stadtbefestigung definitiv nichts zu tun.

Bauwerke zu Ehren des „Reichsgründers“

Zu Ehren Otto von Bismarcks wurden zwischen 1869 und 1934 insgesamt 240 Bismarcktürme und -säulen im deutschsprachigen Raum errichtet. Davon sind heute noch 174 Exemplare erhalten. Einer davon ist der Bismarck-Turm bei uns am Rheinufer. Diese Türme sollten die Verdienste Bismarcks bei der Gründung des Deutschen Reichs deutlich machen.

Jörg Bielefeld betreibt die Seite Bismarck-Türme und erläutert die Besonderheit dieser Denkmäler: „Die Bismarcktürme wurden meist vom Bürgertum durch Spendensammlungen finanziert und finden sich an exponierten Standorten. Oft wurden diese mit einer Feuervorrichtung versehen, die an bestimmten Tagen entzündet wurde. Die Türme sehen nicht alle gleich aus. Vorbild ist der im Jahr 1899 entstandene Bismarckturm-Entwurf „Götterdämmerung“ in Form einer wuchtigen Feuersäule“. Allerdings, so Jörg Bielefeld, wich man aus verschiedenen Gründen in vielen Orten vom Einheitsentwurf ab und beauftragte einen eigenen Architekten. So entstanden Bismarcktürme mit sehr unterschiedlichen architektonischen Formen. Dazu gehört auch der Kölner Bismarck-Turm, einer der ungewöhnlichsten Bismarcktürme.

Kölner Darstellung als Rolandsfigur 

Der Kölner Turm sollte individuell sein. Und so entschied man sich für einen Entwurf des Architekten Arnold Hartmann. Bismarck wurde hier als „Rolandsfigur“ dargestellt. Mit einer Rüstung wie ein Ritter und einem großen Schild wacht der 15 Meter große Bismarck über das Reich. Ab 1900 wurde mit der Sammlung von Spenden für einen Bismarckturm begonnen, größter Einzelspender war der Kölner Schokoladeproduzenten Heinrich Stollwerck. Er wohnte in der Villa Bismarckburg, fast um die Ecke.

Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.de
Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.de

Bereits im Juni 1903 wurde der Turm feierlich eingeweiht. Allerdings konnte aus Geldmangel der ursprünglich geplante breite Sockel nicht realisiert werden. Aber es gab eine Befeuerung des Turms durch Öl. Dieses Öl qualmte allerdings mehr als es einen echten Feuerschein entwickelte. Daher wurde der Turm bereits 1907 an eine Gasleitung angeschlossen. Doch auch damit war man unzufrieden, und man verwendete wieder Öl zur Befeuerung. Im Jahr 1939 brannte auf dem Turm letztmalig ein Feuer.

Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Vorschlag: Nutzung als Kletteranlage

Im Jahr 1980 wurde der Turm unter Denkmalschutz gestellt und ab 2001 regelmäßig saniert. So flossen mehrere Hunderttausend Euro in das wenig bekannte und nicht wirklich beliebte Denkmal. Das findet nicht nur der Kölner Historiker Martin Stankowski befremdlich. Er wohnt an der Bottmühle in der Südstadt, nicht weit vom Bismarck-Turm entfernt und hat 2015 in der Technischen Hochschule einen Wettbewerb zur Umnutzung des Turms angeregt. Die Studenten waren äußerst kreativ. Ihre Vorschläge gingen von der Einrichtung gastronomischer Betriebe, einer mit einem gläsernen Aufzug zu erreichende Aussichtsplattform über eine Kletteranlage bis hin zum Abriss des Turms – nur der steinerne Bismarck sollte übrig bleiben.

In einem Interview mit der Stadtrevue lobt Stankowski insbesondere die Idee mit der Kletteranlage: „Aus städtebaulicher Sicht erfüllt das Denkmal noch immer eine Funktion, weil es den Abschluss des Gürtels bildet. Politisch und künstlerisch hat es aber keine Bedeutung“. Und mit der Kletteranlage, so Stankowski, hätten die Menschen immerhin etwas davon.

Wir sind aber in Köln. Passiert ist – bis auf die Pflege der Grünanlage rund um das Denkmal – nichts. Und solange werden auch die Kölschen damit wenig  anfangen können. Und den Bismarckturm fälschlicherweise der Stadtmauer zuordnen.


Ein großes DANKE an Jörg Bielefeld von der Website „Bismarcktürme“ , der mich mit Informationen und Bildern bei diesem Artikel unterstützt hat.


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