Der Kalkberg – ein unkalkulierbares Risiko

Der Kalkberg im März 2016, Bild: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0
Der Kalkberg im März 2016, Bild: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0

Heute gibt es das Rezept, wie man ein städtebauliches Vorhaben so richtig gegen die Wand bzw. in den Matsch fährt. Man nehme

  • 10 Liter Wackelpudding und
  • eine mindestens 5kg schwere Hantel.

Den Wackelpudding kochen, abkühlen lassen und stürzen. Dann einfach die Hantel obendrauf platzieren und warten. Ihr fragt euch: Was soll das? Das hält doch keine fünf Minuten. Ganz richtig.

Nur die Kölner Stadtverwaltung glaubt, dass das halten könnte. Um das zu beweisen, hat die Stadtverwaltung das Experiment auch im ganz großen Stil nachgebaut. Und ist grandios gescheitert.

Eine Deponie voller chemischer Abfälle

Allerdings hat die Stadt nicht kostengünstig mit Wackelpudding experimentiert, sondern gleich mit einem großen Berg aus Industrieabfällen. Dieser Berg ist der Kalkberg, idyllisch an der Stadtautobahn gelegen und wird von den Menschen aus Kalk und Buchforst liebevoll „Monte Kalk“ genannt. Dabei handelt es sich um keinen natürlichen Berg sondern um eine Abfalldeponie der Chemischen Fabrik Kalk. Diese mittlerweile geschlossene Fabrik hat bis 1972 Abfälle aller Art so lange aufeinander geschüttet, bis der gut 30 Meter hohe Kalkberg entstanden ist. Was genau dabei alles verklappt wurde, kann niemand mehr sagen. Allerdings sind bereits Arsen, Blei und PCB nachgewiesen worden. Eine um das Jahr 2000 aufgetragene Lehmschicht sollte verhindern, dass diese Gifte durch den Regen ins Grundwasser  geschwemmt werden. Der Berg ist, insbesondere durch die bis zu 20 Meter dicken, weichen Kalkschichten, nicht besonders stabil und insbesondere für eine Bebauung vollkommen ungeeignet. Somit ist diese Altlast schon problematisch genug. Doch die Stadtverwaltung setzte – im wahrsten Sinne des Wortes – noch „einen drauf“: 2012 startete der Bau einer Flugbasis für Rettungshubschrauber direkt oben auf dem Kalkberg.

Unkalkulierbares Risiko

Und genau wie bei dem Wackelpudding-Experiment konnte das nicht funktionieren. Die Station, mit Landeplatz, Treibstofftanks und Sozialräumen, sackte ab. Der Stadtrat verfügte im Dezember 2015 einen sofortigen Baustopp und Sicherungsmaßnahmen. Eigentlich keine Überraschung, hatte doch Hans-Jochen Hemsing, Leiter des städtischen Rechnungsprüfungsamts, bereits im Oktober 2011 erklärt: „Das Risiko, welches mit dem Kauf auf Dauer übernommen wird, ist nicht sicher kalkulierbar.“ Wie recht er doch hatte. Während man im November 2011 noch von Kosten in Höhe von knapp 11 Mio. Euro ausgegangen war, wurden bis zum Baustopp bereits 15 Mio. Euro investiert. Die kurzfristigen Sicherungsmaßnahmen schlugen mit 1,5 Mio. Euro zu Buche. Jetzt erst wurde ein Gutachter engagiert, die tieferen Schichten des Kalkbergs zu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass der ganze Berg akut einsturzgefährdet war. Seitdem laufen Sanierungsmaßnahmen, die bislang weitere 17 Mio. Euro verschlungen haben und noch nicht abgeschlossen sind. Das ganze Projekt entwickelt sich zum Fass ohne Boden.

Die Hubschrauberlandestation 2015, mitten im Bau, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Die Hubschrauberlandestation 2015, mitten im Bau, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Der große Gewinner bei der ganzen Sache ist die GSE – Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Die hatte das Industriegelände samt Altlast Mitte der 90er Jahre von der BASF gekauft. Mit dem Verkauf an die Stadt war sie nun sämtliche Haftungsrisiken los.

Alternative Pläne für den Kalkberg

Die Bürgerinitiative Kalkberg setzt sich dafür ein, den Berg für die Bürger zu nutzen. In einem dicht besiedelten Umfeld könnte der Kalkberg als Aussichtspunkt und Grünfläche dienen. Boris Sieverts, Sprecher der Bürgerinitiative dazu: „Ein Ort mit Fernsicht zum Träumen, der Stadt entrückt und doch mittendrin. Ein Ort für alle, an dem vieles geht: Feiern, Tafeln und Spielen, Theater, Konzerte und Sommerkino.“ Die Notwendigkeit der Station für die Rettungshubschrauber bezweifelt Sieverts nicht. Doch dafür gäbe es unterschiedliche Alternativstandorte, wie z.B. die Parkdächer der Kölner Messe, den Köln-Bonner Flughafen oder den Sportflughafen Kurtekotten in Flittard.

Momentan herrscht weiter Baustopp am Kalkberg. Und in der Stadtverwaltung die geballte Ratlosigkeit, wie man mit diesem selbstverschuldeten Wackelpudding-Dilemma weiter umgehen soll. Umso mehr wünsche ich der Bürgerinitiative VIEL ERFOLG dabei, den Kalkberg einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.


Die Website der Bürgerinitiative Kalkberg bietet ausführliche Infos und Bilder. Ein großes DANKE an Boris Sieverts, der mich bei diesem „Köln-Ding der Woche“ unterstützt hat.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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Silvesterfeuerwerk am Dom – FROHES NEUES JAHR!

Zugegeben – ich bin etwas neidisch: Mein Nachbar Thomas war pünktlich um 12 Uhr auf dem Vierungsturm des Doms – es gibt in Köln keinen besseren Platz, um das Feuerwerk zu sehen. Gleichzeitig bin ich ihm aber auch dankbar, dass er uns alle daran teilnehmen lässt.

Ich wünsche euch allen ein FROHES NEUES JAHR.

Uli

Der Lommi – die „Kölscheste aller Kölsch-Kneipen“

Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Superbass
Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Superbass

Es gibt unzählige Anekdoten über diese Kneipe. Bernd Imgrund bezeichnet sie völlig zu Recht als „kölscheste aller Kölsch-Kneipen“. Die Geschichten um Bill Clinton, bezahlte Ansteher, die dicksten Koteletts, Telefonbücher als Sitzpolster und natürlich den Wirt Hans Lommerzheim sind legendär und wahr.

Dabei geht es ja „nur“ um eine Kneipe in Deutz. Aber was für ein Laden. Vollkommen aus der Zeit gefallen – und mit einem damals unfassbaren „Renovierungsstau“- manch einer sprach auch von einer überfälligen Totalsanierung. Und gleichzeitig war der „Lommi“ auch Kultkneipe. Passt das zusammen? Ja – und wie!

Kneipe ohne Schnickschnack

Eigentlich war das Lommerzheim, von den Kölnern liebevoll „Lommi“ genannt, nur eine recht kleine Gaststätte in der Siegesstraße in Deutz, hinter der Jugendherberge, nicht weit weg vom Deutzer Bahnhof. Bewirtschaftet wurde der Laden von Hans und Annemie Lommerzheim. Eine Kneipe ohne Schnickschnack. So suchte man dort vergeblich einen Fernseher, anscheinend heute Standardausstattung jeder Kneipe. Selbstverständlich gab es auch keine Musik im Hintergrund. Spielautomaten hätten in diese Laden so gut reingepasst wie Anstand beim FC Bayern München. Auch ein Zigarettenautomat war für den Wirt überflüssig, ebenso wie eine Kasse. Hans Lommerzheim rechnete die Deckel im Kopf aus. Flott und zuverlässig. Die Farbe der sich von der Wand ablösenden Tapete konnte man nur noch erahnen, sie changierte zwischen braun und dunkelbraun, jahrzehntelang gefärbt durch den Zigarettenrauch der Gäste.

Und dann gab es die legendären Koteletts: Dick wie eine Bibel, jedoch immer durch und saftig. Dazu Päffgen-Kölsch, wenn man es denn bekam. Denn der größte Fehler, war es, Hans Lommerzheim anzusprechen und zu bestellen. Dann wurde man konsequent ignoriert. Der Wirt brachte das Kölsch dann an den Tisch, wenn er es für richtig hielt.

Kult-Lokal, dank Empfehlungen in den Reiseführern

Nach einem Bericht in der Stadtrevue wurde der Lommi in verschiedenen Reiseführern als Geheimtipp gehandelt. Und so strömten neben den Kölnern auch Touristen und Messegäste aus aller Welt in diesen Laden. Lange Schlangen vor der Tür waren der Normalfall, bereits vor der Eröffnung. Und es ist tatsächlich wahr, dass Studenten als Ansteher und Platzhalter für später ankommende Gäste bezahlt wurden. Gerne mit Kölsch. Wenn dann allabendlich der Platz knapp wurde, ging Hans Lommerzheim in den Hof, holte ein paar leere Wasserkisten. Zusammen mit einem Telefonbuch als Polster dienten diese umgedreht als zusätzliche Sitzgelegenheit.

Ende 2004 war dann Schluß beim Lommi. Aus gesundheitlichen Gründen musste Hans Lommerzheim sein Lokal schließen, im Juni 2005 verstarb er im Alter von 75 Jahren. Die Päffgen-Brauerei kaufte das Haus mitsamt Inventar von der Witwe. Nach einer tatsächlich behutsamen Renovierung mit Erweiterung wurde das „Lommi“ 2008 wiedereröffnet. Ein Besuch lohnt sich!

Und wie war das mit Bill Clinton? Der amerikanische Präsident war 1999 beim Weltwirtschaftsgipfel zu Besuch in Köln und wollte unbedingt eine echte Kölsch-Kneipe besuchen – eben das Lommi. Allerdings sollte das Haus an dem Tag aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Lommerzheim lehnte mit den Worten ,Nä, dat jeiht nit!“ ab – denn dann würden die Stammgäste ja vor verschlossenen Toren stehen. So landete Clinton schließlich (ganz spontan – wer es glaubt) in der Malzmühle am Heumarkt.


Die Band Miljö hat der „kölschesten aller kölschen Kneipen“ mit dem Song Sulang beim Lommi die Leechter noch brenne … ein musikalisches Denkmal gesetzt.


Der Lommi-Brunnen zeigt Hans Lommerzheim bei der Arbeit, Bild: Willy Horsch
Der Lommi-Brunnen zeigt Hans Lommerzheim bei der Arbeit, Bild: Willy Horsch

An Hans Lommerzheim erinnert heute der in der Nähe der Gaststätte verlaufende Hans-Lommerzheim-Weg und der Lommi-Brunnen, zu finden im Biergarten des Lommerzheims.


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Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal!

Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort, : Das Raderthaler Funkhaus, Bild: Peter Funk

    Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort: Das Funkhaus in Raderthal, Bild: Peter Funk

Köln ist eine Medienstadt. WDR, RTL, ntv, Deutschlandradio, weitere Radiosender sowie zahlreiche Verlage haben ihre Heimat in unserer Stadt. Und das hat eine lange Tradition: Schon 1927 gab es einen Sender der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG), eine Vorläuferin des heutigen WDR in Köln-Raderthal.

Adenauer holt Sender nach Köln

Während der Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg war der Bau deutschsprachiger Sender verboten. Erst nach dem Abzug der britischen Truppen Anfang 1926 war es erlaubt, Sendeanlagen aufzubauen. Und so ging am 15. Januar 1927 der WERAG-Sender in Langenberg (Velbert) auf Sendung. Für die Kölner Radiohörer eine Zumutung: Statt Musik nur Rauschen und Knirschen – die Sendeleistung in Langenberg reichte nicht aus, um auch den Kölnern einen störungsfreien Empfang zu ermöglichen. Also: Ein neuer Sender muss her. Oberbürgermeister Konrad Adenauer legte sich mächtig ins Zeug und bot den WERAG-Verantwortlichen ein Gelände in Köln-Raderthal an, direkt am Park gelegen. Bereits im Mai 1927 begannen dort die Bauarbeiten für ein Sendehaus und die mächtige Sendeanlage. Diese bestand aus zwei Sendemasten mit 80 Metern Höhe, gefertigt aus speziell präparierten Kiefernholz, da Eisenmasten einen negativen Einfluss auf die Sendeleistung haben. Zwischen die Masten wurde Drähte gespannt – die eigentliche Sendeanlage.

Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Wechselvolle Geschichte des Funkhauses

Ab 1932 wurde die Sendeleistung des Senders Langenberg massiv ausgebaut – und somit der Kölner Sender überflüssig. Der Sendebetrieb wurde am 14. März 1932 eingestellt, die Sendeanlage abgebaut. Das Sendehaus aber blieb erhalten und stand zunächst leer.

Um das Jahr 1950 begann in Raderthal – rund um das Funkhaus – eine rege Bautätigkeit. Für die in Köln stationierten britischen und belgischen Offiziere wurden großzügige Häuser angelegt. Und auch das Funkhaus wurde von der Britischen Rheinarmee requiriert, in die Siedlung einbezogen und für Veranstaltungen verwendet. Anwohner berichten noch heute von dem großen Saal mit Parkettboden, Kronleuchtern und rauschenden Festen im Funkhaus. Im Jahr 1997 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Seit dem Abzug der Rheinarmee wird das Funkhaus von der Stadt Köln genutzt, zuletzt als Notunterkunft für Flüchtlinge. Heute steht Haus leer, aber die Jahre sind nicht spurlos  vorbeigegangen. Das Dach ist undicht, das gesamte Gebäude ist sanierungsbedürftig, die Fenster notdürftig mit Blechen zugeschlagen.

Teilansicht des Funkhauses, links der Eingang zur großen Halle, Bild: Heinz Reutersberg
Ein Bild aus besseren Tagen, heute verschandeln Bleche das Haus, Bild: Heinz Reutersberg
Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“

Fraglich ist, wie es mit dem diesem geschichtsträchtigen Objekt weitergeht. Es besteht die Gefahr, dass der Denkmalschutz aufgehoben wird, die Stadt das Areal an einen Investor verkauft und dort Wohnungen errichtet werden. Damit wäre das Schicksal des Sendehauses endgültig besiegelt und Köln würde wieder ein Stück Geschichte unwiderruflich verlieren.

Ein Lichtblick ist die Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“.  Die Idee ist, das Haus zu sanieren und das in Köln bestehende Radiomuseum im Raderthaler Funkhaus unterzubringen. „Wir wollen das markante Gebäude wieder einer ursprungsnahen Nutzung zuführen.“ so der Sprecher der Initiative, Andreas Henseler. Zahlreiche Initiativen, Vereine und Bürgerpersonen haben sich dem Netzwerk bereits angeschlossen.
Ich wünsche dem Netzwerk dabei VIEL ERFOLG!


Im Dezember 2018 hat der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. das WERAG-Funkhaus zum Denkmal des Monats erkannt. Weitere Infos dazu in diesem Video:


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Das „Kölner Brückengrün“ – oder „Adenauer-Grün“

Die Severinsbrücke im "Kölner Brückengrün", Bild: Rolf Heinrich
Die Severinsbrücke im „Kölner Brückengrün“, Bild: Rolf Heinrich

Wer täglich den Rhein überqueren muss, kennt das Drama um die Brücken in Köln: Zu voll, ständig Baustellen, Staus und lange Wartezeiten. Dabei könnte man die Wartezeit im Auto oder in der Bahn auch einmal damit verbringen, sich die Brücken anzusehen. Schnell fällt auf: Was ist das denn für eine Farbe? Irgendwie „grün“, aber was ist das denn für eine grüne Farbe?

Das ist – wir sind schließlich in Kölle – nicht irgendein Grün sondern das „Kölner Brückengrün“ oder auch „Adenauer-Grün“. In dieser durchaus speziellen Farbe sind die Brücken, die von der Stadt unterhalten werden, sowie die Rodenkirchener Autobahnbrücke gestrichen:

  • Die Mülheimer Brücke,
  • die Zoobrücke,
  • die Deutzer Brücke (hier allerdings nur der ältere Stahlteil und nicht der neuere Betonteil) und
  • die Severinsbrücke.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass die Stadt einfach noch flott alle Farbreste aufbrauchen will, bevor man die Brücken auch mal in anderen Farben streicht. Weit gefehlt!

Nein, die Stadt will nicht die Farbreste für die Brücken loswerden; Hier ein Farbeimer mit originalem "Adenauer-Grün".
Nein, die Stadt will nicht die Farbreste für die Brücken loswerden; Hier ein Farbeimer mit original „Adenauer-Grün“.

Chromoxidgrün – lichtbeständig und wetterfest

Diese Farbe wurde ausdrücklich von Konrad Adenauer ausgesucht. Adenauer, damals Kölner Oberbürgermeister, wünschte sich für die 1929 eingeweihte Mülheimer Brücke eine patinagrüne Farbe. Und die Bayer-Werke kamen diesem speziellen Wunsch nach. Damit nicht alle paar Monate nachgestrichen werden musste, wählte man ein spezielles Chromoxidgrün (amorphes Chrom(III)-oxid Cr2O3), welches als besonders lichtbeständig und wetterfest gilt. Obwohl die exakte Mischung der Farbe bekannt ist, lagern beim Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau immer noch Musterplatten. So kann das Adenauer-Grün immer exakt neu angemischt werden.

Im Vordergrund die Zoobrücke, im Hintergrund die Mülheiemr Brücke. Beide im "Adenauer-Grün", Bild: Gerd Franke, (http://www.ebertplatz.de/)
Im Vordergrund die Zoobrücke, im Hintergrund die Mülheimer Brücke. Beide im „Adenauer-Grün“, Bild: Gerd Franke, (http://www.ebertplatz.de/)

Adenauer-Grün für die Ewigkeit

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche, die Brücken auch einmal in einer anderen Farbe zu streichen. So sollte die Zoobrücke, 1966 eingeweiht, blau gestrichen werden, doch der zuständige Ausschuss der Stadt lehnte dieses Vorhaben denkbar knapp mit vier gegen fünf Stimmen ab. Hauptargument war das „harmonische Gesamterscheinungsbild der Stadt Köln“. Schon lustig, so etwas vom Stadtrat zu hören, deren Nachfolger seit Jahren am Dom eine riesengroße blaue Mülltüte (wird auch als „Musical Dome“ bezeichnet) dulden oder aktuell auf dem neugestalteten Breslauer Platz ein Containerdorf für die Polizei errichten lassen.

Tatsächlich stehen mittlerweile alle Kölner Brücken bis auf die Zoobrücke unter Denkmalschutz. Und somit bleibt uns das durchaus gewöhnungsbedürftige „Adenauer-Grün“ wohl für die Ewigkeit erhalten. Es soll ja schließlich ein „harmonisches Gesamtbild der Stadt“ entstehen. Bitte unbedingt im nächsten Stau auf einer der Brücken dran denken. Und angesichts eines Blicks auf die große blaue Mülltüte nicht in lautes Lachen ausbrechen.


Bevor wir Kölner uns jetzt zu viel auf „unsere“ Farbe einbilden sei der Hinweis erlaubt, dass es auch das „Braunschweiger Grün“, das „Bremer Grün“ und das „Schweinfurter Grün“ gibt.


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Neue Lotsentour: Zeitreise zurück in das Köln im Jahr 1908

Die Hohe Straße im Jahr 1912
Die Hohe Straße im Jahr 1912

Es ist lange her. Und man kann es kaum glauben: Vor den Zerstörungen des 2. Weltkriegs und den anschließenden „Modernisierungsmaßnahmen“ der Stadtverwaltung sah unsere Stadt tatsächlich einmal schön aus. Herrschaftliche Häuser, viele Bäume in der Stadt – Köln war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Metropole mit Flair.

Und das ist unwiderruflich verloren.

Oder nicht? 

Stellt euch vor, wir könnten eine Zeitreise machen:

  • Wir könnten uns das Stadtbild vor den Zerstörungen des Krieges ansehen.
  • Wir würden die Stadt sehen, bevor die ersten Autos unterwegs waren  und noch Pferdekarren das Straßenbild bestimmen.
  • Statt lauten Düsenjets würde majestätisch ein Zeppelin am Himmel seine Kreise ziehen und auf dem Rhein sehen wir Dampfschiffe.

Neue Lotsentour „Zeitreise“

Und dieser Zeitsprung ist jetzt tatsächlich möglich: Die neue Lotsentour „Zeitreise“ macht es möglich. Mit dem TimeRide machen wir einen Zeitsprung zurück in das Köln zur Kaiserzeit um die Jahrhundertwende. Und das per Straßenbahn. Klingt verrückt – und ist absolut beeindruckend. Mittels „Virtual Reality“ (VR) fährt man mit einer der ersten elektrischen Straßenbahnen quer durch die Innenstadt im alten Köln. Auf dem Kopf hat man eine spezielle VR-Brille und genießt einen 360 Grad Blick aus der Straßenbahn.

Mit Virtual Reality in das alte Köln reisen, Bild: TimeRide
Mit Virtual Reality in das alte Köln reisen, Bild: TimeRide

Und anschließend machen wir den direkten Vergleich: In einem entspannten Stadtspaziergang von ca. 1,5 Stunden folgen wir der Route der historischen Straßenbahn. Wie sieht die Stadt heute aus? Was hat sich verändert? Wo entdecken wir noch heute die Spuren von vor 100 Jahren? Zwischendurch spülen wir den Staub der Jahrhunderte mit frisch gezapften Kölsch runter.

Und wenn wir dann am Ostermannbrunnen stehen und leise hören Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ wird uns klar: Der Willi Ostermann hat recht gehabt. Köln war tasächlich einmal schön.


Die Lotsentour „Zeitreise“ dauert insgesamt etwa 2,5 Stunden und beinhaltet eine Fahrt mit dem TimeRide und anschließend den dazu passenden Stadtspaziergang.


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Der Düxer Bock – oder Romeo und Julia auf der Schäl Sick

Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel
Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel

Obwohl es heute um einen Ziegenbock geht, handelt diese Geschichte nicht vom ruhmreichen 1. FC Köln. Vielmehr geht es, wie bei Romeo und Julia, um die Liebesgeschichte zweier junger Menschen und ihrer verfeindeten Familien. Ort der Handlung ist nicht Verona, sondern die Schäl Sick. Erfreulich ist aber, dass diese Geschichte einen weit weniger tragischen Ausgang hat als bei Shakespeare. Und es ging um profanere Dinge wie Singvögel und einen Bock.

Es war einmal in Deutz, auf der „Schäl Sick“ …

Es gab einen armen Schneider in Deutz. Um sein kärgliches Dasein aufzubessern, züchtete der Mann Singvögel. Nicht unüblich in vergangenen Zeiten. Allerdings haben Singvögel einen entscheidenden Nachteil: Sie singen. Und das bevorzugt am frühen Morgen. Dies missfiel dem Nachbarn des armen Schneiders, einem reichen Steuereintreiber. Der wollte gerne länger schlafen, konnte dies aber wegen der singenden Singvögel nicht.

Und anscheinend wurden schon in vergangenen Zeiten Nachbarschaftsstreitigkeiten ausgetragen wie heute: Erst Zank, dann Schreierei und dann ging es vor das Gericht. Doch der arme Schneider hatte Glück: Da auch der Richter Singvögel züchtete, unterlag der Steuereinnehmer vor Gericht. Doch dieser konnte noch immer nicht klein beigeben. So kaufte er sich einen Ziegenbock und setzte diesen bei geringem Futter in einen Korb vor sein Fenster. Wo heute nach zwei Stunden der Tierschutz eingeschritten wäre, war damals nur Häme zu spüren: Das Tier meckerte laut den ganzen Tag und war über die ganze Straße zu hören. Und der arme Schneider wurde nur noch „Schneidermeckmeckmeck“ gerufen. Als das bemitleidenswerte Tier verendete, hoffte der Schneider vergeblich auf Ruhe und Frieden in der Nachbarschaft. Doch da hatte er die Rechnung ohne seinen reichen Nachbarn gemacht. Der hatte zwischenzeitlich einen Steinmetz beauftragt, einen Bock aus Stein am Haus anzubringen. Alles Bitten und Flehen des Schneiders war vergeblich: Der Bock blieb genauso an der Wand wie der Spott im Veedel. Der Schneider gab klein bei und verließ Deutz.

Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Aber: Wo die Liebe hinfällt

Doch es gibt noch eine Liebesgeschichte in der Geschichte vom Bock. Während sich die Väter bitter stritten, hatte Gertrud, die Tochter des Schneiders, ein Fisternöllchen mit Fritz, dem Sohn des Steuereintreibers. Als die Familie des Schneiders Deutz verließ, war Fritz unglücklich – hatte er doch seine große Liebe verloren. Da wir aber in Kölle sind, wo et noch immer jood jejange hät, kam Gertrud viele Jahre später zurück nach Köln. Anders als bei Romeo und Julia heiraten Fritz und Gertrud, kaufen das Haus des Steuereintreibers und leben glücklich zusammen.

Ein Funken Wahrheit in der Geschichte?

Tatsächlich stand schon im 16. Jahrhundert auf der (heutigen) Siegburger Straße in Deutz ein Haus „Im Bock“. Dort war ein Bock über dem Hauseingang angebracht. Dieses Gebäude wurde 1936 abgerissen, um Platz für die Auffahrten zur Deutzer Brücke zu schaffen. Die Stadt hatte damals den Deutzern versprochen, ein neues Denkmal aufzustellen, Doch es sollte noch bis 1964 dauern, bis der von Gerhard Marcks gestaltete Ziegenbock auf einer 2,5 Meter großen Säule auf einem kleinen, namenlosen Plätzchen an der Lorenzstraße aufgestellt wurde. Und noch weitere 53 Jahre, bis sich die Deutzer durchgesetzt hatten und dieser Platz den Namen „Am Düxer Bock“ erhielt. Der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke hätte den Platz gerne anders getauft „.. aber die Deutzer Bürger sind dem Bock ähnlich – ein bisschen dickköpfig. So habe ich mich denn der demokratischen Abstimmung geschlagen gegeben.“, so Hupke in einem Interview der Kölnischen Rundschau.

Initiative "Bock auf Garten" aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/
Initiative „Bock auf Garten“ aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/

Bock auf Garten

Treiber dieser Idee war die Deutzerin Olga Moldaver. Sie hat die Initiative „Bock auf Garten“ gestartet. Heute lädt der gemütliche Platz am Düxer Bock mit einem Bücherregal und einer Sitzecke ein, einfach mal ein paar Minuten oder Stunden mit und an dem Düxer Bock zu verbringen.

 

 

 


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Kölner Pegel

Der Kölner Pegel, Bild: Dietmar Rabich
Der Kölner Pegel, Bild: Dietmar Rabich

Die aktuelle Hitze bringt uns alle ins Schwitzen. Temperaturen von über 30 Grad sind wir in Köln nicht unbedingt gewohnt. Tiere, Pflanzen und Menschen leiden. Und auch die Schifffahrt auf dem Rhein ist betroffen: Niedrigwasser im Rhein führt nicht nur auf der „Deutzer Platte“ zu Problemen. Vor zwei Wochen  ist ein Frachtschiff in der Höhe Porz auf Grund gelaufen. Erst nachdem man Teile der Ladung umgeladen hatte, konnte das Schiff freigeschleppt werden.

Für die Rheinkapitäne ist es daher von entscheidender Bedeutung, ständig Informationen zum aktuellen Wasserstand zu erhalten. Diese werden von einer ganzen Reihe von Pegeln entlang des Rheins geliefert. In Höhe des Stromkilometers 688, in der Kölner Altstadt, steht der Kölner Pegel. Zusammen mit dem Pegel in Kaub ist dies der für die Rheinschiffart bedeutendste Pegel.

Wasserstandsmessungen sind keine neue Erfindung. Schon seit 1771 wird – mehr oder minder systematisch – der Wasserstand in der Domstadt gemessen. Bis 1816 wurde der Wasserstand im „Kölnischen Fußmaß“ gemessen, der Pegel orientierte sich dabei am tiefsten jeweils gemessenen Niedrigwasser. Die Preussen brachten dann ab 1817 mit der „Preußischen Maß- und Gewichtsordnung“ Ordnung in die Messung. Seit dem liegt der Nullpunkt des Kölner Pegels bei ziemlich genau 35 Meter über Normalnull.

Wichtig ist, dass man den Pegelstand und den Wasserstand unterscheidet. So bedeutet ein Pegelstand von „Null“ nicht, dass der Rhein ausgetrocknet ist, sondern dass in der Hauptfahrinne die Wassertiefe immer noch mindestens einen Meter beträgt. Gemessen wird über einen Schwimmkörper im Pegelturm. Die Messwerte werden auf die große Pegeluhr übertragen. Der kleine Zeiger zeigt die Meter, der große die Dezimeter des Wasserstandes an. Der „normale“ Pegel Köln liegt bei 3,20 Meter. Historische Hochwasser haben zu Höchstständen von mehr als 13 Metern geführt, das Rekordtief stammt vom September 2003 mit einem Pegel von 0,81 Meter.

Pegelstand des Kölner Pegels am 27. Juli 2018, Quelle: Pegelonline
Pegelstand des Kölner Pegels am 27. Juli 2018, Quelle: Pegelonline

Aktuell liegt der Pegel bei 1,50 Meter. Der Trend geht allerdings leicht nach unten – eventuell bis ca. 1,40 Meter. Hoffen wir also, dass es bald wieder regnet. Das wäre gut für die Tiere, die Pflanzen und die Rheinschiffer.


Ständig aktuelle Pegelstände liefen die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB). Details zum Kölner Pegel gibt es auch bei Pegelonline. Hier werden auch die Pegelstände im Zeitverlauf dokumentiert.


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Unbekannte Oase in der Großstadt: Der Garten der Religionen

Der Garten der Religionen - Ruheoase mitten in der Großstadt, Bild: Uli Kievernagel
Der Garten der Religionen – Ruheoase mitten in der Großstadt, Bild: Uli Kievernagel

Es sind gerade mal 400 Meter Luftlinie vom Barbarossaplatz, Kölns hässlichster Platz, zu einem der schönsten und zugleich unbekanntesten Plätze der Domstadt: Dem „Garten der Religionen“.

Versteckt, nur durch einen Durchgang zwischen den Häusern zu erreichen, liegt diese Oase der Ruhe. Noch bis 1999 haben hier Jesuiten ihren Klostergarten gepflegt – abgeschieden von der Welt außerhalb des Klosters. Heute lädt der Garten jeden ein und hat trotzdem die klösterliche Ruhe behalten.

Symbole weisen den Weg zu den einzelnen Religionen, Bild: Uli Kievernagel
Symbole weisen den Weg zu den einzelnen Religionen, Bild: Uli Kievernagel

Der Verein IN VIA Köln – Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit – hat den Anstoß zu diesem außergewöhnlichen Ort gegeben. Auf knapp 1.800 Quadratmetern und somit immerhin halb so groß wie ein Fußballfeld, wurden jeder der fünf Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus) eine spezielle Fläche zugeordnet. Der Besucher entdeckt bei seinem Rundgang diese nacheinander. „Hier hat jede Glaubensrichtung ihren Platz“, so die Geschäftsführerin des Vereins, Sybille Klings, im Kölner Stadt-Anzeiger.

Keine Belehrung, sondern Dialog

Lehrtafeln und Erläuterungen der Religionen sucht man vergebens. „Wir wollen nicht über Religion belehren, sondern Religion ins Gespräch bringen“, so der Theologie-Professor und Pfarrer Joachim Windolph, der als geistlicher Beirat das Projekt unterstützt. Die Idee dahinter ist, das Thema Religion in die Öffentlichkeit zu bringen. Dabei ist „mitmachen“ hier besonders gefragt: So wird mit Kreide auf dem Pflaster gemalt oder kleine Holzscheiben, auf welche die Besucher ihre Sorgen geschrieben haben, verwandeln sich im Osterfeuer in Rauch. Sogar ein Grillplatz ist vorhanden. Durch die Verwendung unterschiedlicher Baumaterialien und Bepflanzungen bietet der Garten der Religionen ein genauso abwechslungsreiches Bild wie die Religionen.

Feuerstelle im Garten der Religionen, Bild: Uli Kievernagel
Feuerstelle im Garten der Religionen, Bild: Uli Kievernagel

Und so vergisst man bei einem Rundgang glatt, dass man wirklich mitten in der Großstadt ist. Der Barbarossplatz ist gefühlt tausende Kilometer entfernt. Und dabei doch so nah. Gerade mal 400 Meter entfernt.


Der Garten der Religionen befindet sich im Innenhof des Gebäudes Stolzestraße 1a und ist von der Straße aus nicht zu sehen. Besucher müssen durch die Toreinfahrt in den Innenhof gehen. Der Garten ist von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr frei zugänglich. Zusätzlich ist ein Besuch auch an ausgewählten Samstagen möglich. Für Gruppen bietet IN VIA Köln Führungen und Seminare an. Dieses Angebot haben bis heute schon mehr als 850 Gruppen angenommen.


Für alle, die sich mit dem Thema „Interreligiöser Dialog“ beschäftigen, empfehle ich den „Kalender der Kulturen“  . Dieser Kalender ist ein speziell für Kinder und Jugendliche konzipierter Schuljahreskalender. Der Kalender erklärt anschaulich und verständlich die wichtigsten Feiertage der verschiedenen Kulturen.


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Die Deutzer Platte

Der schwimmende Eimerkettenbagger auf dem Rhein, Bild: Silke Kievernagel
Der schwimmende Eimerkettenbagger auf dem Rhein, Bild: Silke Kievernagel

Nein: die „Deutzer Platte“ kann man nicht essen. Das wäre auch etwas viel – immerhin ist das Ding mehr als 700 Meter lang. Und mit 1 Mio. Euro pro Jahr auch etwas teuer.

Tatsächlich handelt es sich bei der Deutzer Platte um eine für die Schifffahrt durchaus gefährliche Untiefe im Rhein. Diese liegt zwischen der Severinsbrücke und der Deutzer Brücke. Also genau in Höhe der Uferpromenade auf der linksrheinischen Seite und dem Rheinboulevard auf der rechtsrheinischen Seite.

Untiefe führt zu Havarien

Für die Rheinschiffer wird über dem gesamten Rhein eine Fahrrinne mit einem Tiefgang von 2,50 Meter garantiert. Dafür muss der Rhein an verschiedenen Stellen regelmäßig vertieft werden. Das Problem mitten in Köln: Der Rhein ist in Höhe der Altstadt fast 400 Meter breit. Zusätzlich gibt es die Hafenausfahrten zum Deutzer- und zum Rheinauhafen. Die dadurch auftretenden ungünstigen Strömungsverhältnisse führen dazu, dass sich genau dort Sand und Kies ablagern – die Untiefe „Deutzer Platte“ entsteht. Und diese hat auch schon zu Havarien geführt. So lief zuletzt im Juni 2014 hier ein Frachter auf Grund.

Um diesen Unfällen vorzubeugen, werden jährlich ca. 30.000 Kubikmeter Sand und Kies von speziellen schwimmenden „Eimerkettenbaggern“ dort abgetragen. Das entspricht immerhin dem Inhalt von 1.500 LKW. Das abgebaggerte Material ist für den Rhein aber nicht verloren. Es wird an anderen Stellen als Ausgleich für sogenannte „Übertiefen“ wieder in den Fluß gekippt, unter anderem auch, um Uferböschungen zu schützen. Diese Arbeiten kosten etwa 1 Mio. Euro pro Jahr.

Wer jetzt immer noch Appetit auf Deutz hat, sollte die „Deutzer Platte“ im Deutzer Brauhaus essen: Für knapp 25 Euro gibt es dort Käse, Schinken und Flönz für vier Personen. Bitte dabei das notwendige Kölsch nicht vergessen!


Der von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes betriebene Elektronische Wassersstraßen-Informationsservice (ELWIS) bietet einen detaillierten Lageplan der „Deutzer Platte“.


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