Weckschnapp – Folterstätte am Rhein

Die Weckschnapp am Rheinufer, Bild: Uli Kievernagel
Die Weckschnapp,, Bild: Uli Kievernagel

Die Weckschnapp ist eigentlich nur ein kleines Türmchen am Rhein, welches dem Abriss der Stadtbefestigung im Jahr 1891 nicht zum Opfer gefallen ist. Und gleichzeitig ist die Weckschnapp der Sage nach doch so viel mehr: Eine grausame Hinrichtungsstätte.

Doch der Reihe nach: Mit „Weck“ bezeichnet der Kölner ein (eigentlich süßes) Brot, „schnappen“ bedeutet fangen. Und das soll Folter sein? Aber ja! Gefangene wurden im oberen Stockwerk des Weckschnapps eingesperrt. Dieser Turm war direkt über dem Rhein gebaut. Selbstverständlich erhielt der Gefangene kein Essen. Von der Decke baumelt, in der Mitte des Türmchens an einen Strick befestigt, der besagte Weck. Wenn nun der Gefangene vor lauter Hunger nach diesem Weck „schnappt“, öffnet sich eine Falltür in der Mitte. Der Delinquent fällt durch Falltür direkt in einen Schacht. Dieser Schacht ist mit Messern bestückt, welche den hungrigen Gefangenen wird in feine Scheiben filetieren. Den Rest erledigt der Rhein. Nur ein einziger Gefangener soll es geschafft haben, der Weckschnapp lebend zu entkommen: Er war bereits durch die längere Haft so dünn, dass er einfach durch die Messer fiel, ohne von diesen berührt zu werden.

Der Kölner verwechselt Kunibertsturm und Kunibertstürmchen

Gruselige Geschichte – der Wahrheitsgehalt darf aber stark bezweifelt werden. Ganz sicher kann ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem heute als Weckschnapp bezeichneten Turm um diese Hinrichtungsstätte handelt. Denn: Dieser Turm liegt reichlich weit entfernt vom Rhein. Tatsächlich verwechselt der Kölner hier den 1891 abgerissene Kunibertsturm mit dem heute noch erhaltenen Kunibertstürmchen. Der Kunibertsturm war Teil der Kunibertstorburg. Zu diesem Ensemble gehörten auch ein in den Rhein hineinragender Teil, ein sogenannter „Ark“.

Gut zu erkennen: Das Tor, der Turm und der Ark der Kunibertstorburg
Gut zu erkennen: Das Tor, der Turm und der Ark der Kunibertstorburg

Wenn an der Sage vom Weckschnapp etwas dran sein sollte, dann kann es sich bei dem Turm mit der Falltür nur um diesen Ark gehandelt haben – der Rest der Kunibertstorburg und insbesondere das Kunibertstürmchen standen nicht im Rhein. Allerdings hat der Rhein – beim großen Hochwasser 1784 –  die gesamte Kunibertstorburg mitsamt Ark zerstört. Nur das Türmchen blieb übrig und so wurde die Sage vom Weckschnapp einfach darauf übertragen.

Heute ist das Kunibertstürmchen ein Wohnhaus. Mitsamt einem Anbau kann man hier auf ca. 160 Quadratmetern leben. Fast ganz ohne Ecken, dafür aber mit vielen Stufen: Vom Turm oben runter sind es satte 87. Ganz ohne Messer.


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Highland Cathedral – schottische Klänge im Kölner Dom

Auszug aus dem Video "Highland Cathedral - eine Ode an den Dom", Quelle: www.koelner-dom.de
Auszug aus dem Video „Highland Cathedral – eine Ode an den Dom“, Quelle: www.koelner-dom.de

Nur ein kleines Mädchen mit einer Blockflöte. Ganz alleine im riesigen Kölner Dom. Und die Melodie kommt einem auf Anhieb bekannt vor. Leise singt man mit:

„Du bess die Stadt, op die mer all he stonn
Du häs et uns als Pänz schon aanjedonn
Du häs e herrlich Laache em Jeseech
Du bess die Frau, die Rotz un Wasser kriesch“

Dann stimmt die Orgel in die Melodie ein. Laut erklingen die Töne in der lichtdurchfluteten Kathedrale. Organist Winfried Bönig spielt an der großen Orgel und wir sehen den Dom aus bisher unbekannten Perspektiven. Ein sehr sehenswertes Video – nicht für Kölner.

Kein urkölsches Lied – aber auch kein urschottisches Lied

Die Kölschen kennen das Lied als „Du … bess die Stadt“ von den Bläck Föös. Die Kultband hat das Lied auf Kölsch gecovert. Im Original handelt es sich um „Highland Cathedral“ und wurde speziell für den Dudelsack komponiert. Und auch wenn selbst die Schotten glauben, dass es sich um ein uraltes schottisches Volkslied handelt, liegen diese falsch: „Highland Cathedral“ stammt aus den 1980ern und wurde von den beiden Deutschen Ulrich Roever und Michael Korb 1982 komponiert. Die Schotten sind so verrückt nach diesem Lied, dass es sogar schon als schottische Nationalhymne vorgeschlagen wurde.

Dudelsacklänge im Dom

Im Dom spielt die Orgel weiter majestätische Töne, für uns Kölsche klingt es nach

„Du bess die Stadt am Rhing, däm jraue Strom
Du bess verlieb en dinge staatse Dom“

Plötzlich erklingen dann auch Dudelsacktöne. Erstaunt schaut man sich um – doch es ist kein Dudelsackspieler zu sehen. Domorganist Winfried Bönig erklärt dies im Interview des Domradios so: „Es gibt bestimmte Orgelregister, die ähnlich gebaut sind wie der Dudelsack. Das sind alles Blasinstrumente: Egal, ob ich das jetzt mit dem Mund blase oder ob die Orgel das mit dem Blasebalg macht. Deswegen kann man das sehr gut imitieren.“

Die Kamera fährt vorbei am Richter-Fenster. Die Quadrate im Fenster werfen bunte Lichteffekte in den Dom.

„Du bess en Jungfrau un en ahle Möhn
Du bess uns Stadt un du bess einfach schön.“

Wer will da schon widersprechen?


Das kleine Mädchen mit der Blockflöte ist übrigens die Tochter von Domorganist Bönig. Das Video wurde hauptsächlich am frühen Morgen gedreht, bevor der Dom für die täglich 20.000 – 30.000 Besucher geöffnet wird.


Das vermeintlich urschottische Lied „Highland Cathedral“ hat es weit gebracht: Unter anderem wurde es gespielt, als am 30. Juni 1997 der letzte britische Gouverneur bei der Übergabe von Hongkong an die Volksrepublik China die britische Flagge einholen ließ. Die Pop-Sängerin Madonna heiratete im Jahr 2000 zu den Klängen dieses Lieds den Filmregisseur Guy Ritchie. Die Website „Highland Cathedral – Das Original“ berichtet von insgesamt 882 Varianten dieses Songs. Eine sehr eindrucksvolle Variante spielt auch das „Orchester der Nationen“ auf der  Bremer Musikschau der Nationen.


Ich habe zu diesem Beitrag eine ganze Reihe positive Rückmeldungen bekommen. Dafür vielen Dank.

Ganz besonders habe ich mich über die Rückmeldung von Michael Korb, einem der beiden Komponisten von Highland Cathedral, gefreut. Er schreibt:
Sehr geehrter Herr Kievernagel!
Vor vier Tagen, am 1. Mai 2019, wurde das Video: Highland Cathedral – eine Ode an den Dom veröffentlicht. Erfreut von den enormen Resonanzen über unsere Komposition „Highland Cathedral“ mit dem neuen Orgelarrangement, hatte ich soeben Ihren tollen Beitrag gefunden. Über Ihren wirklich sorgfältig und gewissenhaft recherchierten Artikel hatte ich mich ganz besonders gefreut, da dies leider nicht mehr oft so selbstverständlich ist.
Mit herzlichen Dank und freundlichen Grüßen
Michael Korb

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Der Kölnisch-Wasser-Brunnen: Echtes 4711 für alle

Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse am Neumarkt, Bild: Uli Kievernagel

Wer echtes Kölnisch Wasser will, muss dies bei 4711 in der Glockengasse teuer bezahlen. Oder man geht zur Kreissparkasse und bekommt es dort gratis – am Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse am Neumarkt.

Tatsächlich ist die Schalterhalle an sich schon sehenswert. Auf 1.800 Quadratmetern, das entspricht etwa der Fläche von drei Turnhallen, kann man dort seine Bankgeschäfte erledigen. Und direkt am Eingang plätschert der Kölnisch-Wasser-Brunnen.

Der Bienenkorb als Symbol der Sparsamkeit

Dabei handelt es eigentlich um den „Sparbrunnen“, welcher den Kreislauf des Geldes symbolisiert und einem Bienenkorb nachempfunden ist. Der Bienenkorb steht dabei als Sinnbild für Sparsamkeit und Fleiß. Im oberen Teil legen junge und alte Menschen ihr Geld in den Bienenkorb. Dieses Geld fließt dann in eine große Schale und wird dort gesammelt. Aus dieser Schale mit dem angesammelten Kapital wiederum werden Gewerbetreibende wie z.B. das Handwerk, die Landwirtschaft oder der Handel mit Darlehen versorgt. Diese Gewerbegruppen tragen – als Sockel – den Brunnen.

Hier fließt echt Kölnisch Wasser, Bild: Uli Kievernagel
Hier fließt echt Kölnisch Wasser, Bild: Uli Kievernagel
Edles 4711 für Kunden und Besucher

Ganz besonders sollte man allerdings den kleinen Fisch beachten, der in Richtung Schalterhalle schaut. Aus dessen Maul ragt ein kleines Rohr und aus diesem Rohr tropft unaufhörlich Echt Kölnisch Wasser. Hält man die Hand direkt unter den Fisch, kann man das kostbare Kölnisch Wasser auffangen. Ganz umsonst. Und das mitten in einer Bank.
Su jet jitt et nur in Kölle.


Der Brunnen ist während der Öffnungszeiten der Schalterhalle (Montag-Freitag 9.00 – 18.30 Uhr) frei zugängig.

Tatsächlich gibt es in der Schalterhalle noch mehr zu sehen: Die Köpfe von Tünnes und Schäl im Foyer, das Hänneschen-Fenster am Neumarkt und eine Ausstellung historischer Tresore und Zahlungsmittel. Außerdem ist in dem Gebäudekomplex auch das Käthe Kollwitz Museum der Kreissparkasse zu finden.


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Der Kalkberg – ein unkalkulierbares Risiko

Der Kalkberg im März 2016, Bild: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0
Der Kalkberg im März 2016, Bild: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0

Heute gibt es das Rezept, wie man ein städtebauliches Vorhaben so richtig gegen die Wand bzw. in den Matsch fährt. Man nehme

  • 10 Liter Wackelpudding und
  • eine mindestens 5kg schwere Hantel.

Den Wackelpudding kochen, abkühlen lassen und stürzen. Dann einfach die Hantel obendrauf platzieren und warten. Ihr fragt euch: Was soll das? Das hält doch keine fünf Minuten. Ganz richtig.

Nur die Kölner Stadtverwaltung glaubt, dass das halten könnte. Um das zu beweisen, hat die Stadtverwaltung das Experiment auch im ganz großen Stil nachgebaut. Und ist grandios gescheitert.

Eine Deponie voller chemischer Abfälle

Allerdings hat die Stadt nicht kostengünstig mit Wackelpudding experimentiert, sondern gleich mit einem großen Berg aus Industrieabfällen. Dieser Berg ist der Kalkberg, idyllisch an der Stadtautobahn gelegen und wird von den Menschen aus Kalk und Buchforst liebevoll „Monte Kalk“ genannt. Dabei handelt es sich um keinen natürlichen Berg sondern um eine Abfalldeponie der Chemischen Fabrik Kalk. Diese mittlerweile geschlossene Fabrik hat bis 1972 Abfälle aller Art so lange aufeinander geschüttet, bis der gut 30 Meter hohe Kalkberg entstanden ist. Was genau dabei alles verklappt wurde, kann niemand mehr sagen. Allerdings sind bereits Arsen, Blei und PCB nachgewiesen worden. Eine um das Jahr 2000 aufgetragene Lehmschicht sollte verhindern, dass diese Gifte durch den Regen ins Grundwasser  geschwemmt werden. Der Berg ist, insbesondere durch die bis zu 20 Meter dicken, weichen Kalkschichten, nicht besonders stabil und insbesondere für eine Bebauung vollkommen ungeeignet. Somit ist diese Altlast schon problematisch genug. Doch die Stadtverwaltung setzte – im wahrsten Sinne des Wortes – noch „einen drauf“: 2012 startete der Bau einer Flugbasis für Rettungshubschrauber direkt oben auf dem Kalkberg.

Unkalkulierbares Risiko

Und genau wie bei dem Wackelpudding-Experiment konnte das nicht funktionieren. Die Station, mit Landeplatz, Treibstofftanks und Sozialräumen, sackte ab. Der Stadtrat verfügte im Dezember 2015 einen sofortigen Baustopp und Sicherungsmaßnahmen. Eigentlich keine Überraschung, hatte doch Hans-Jochen Hemsing, Leiter des städtischen Rechnungsprüfungsamts, bereits im Oktober 2011 erklärt: „Das Risiko, welches mit dem Kauf auf Dauer übernommen wird, ist nicht sicher kalkulierbar.“ Wie recht er doch hatte. Während man im November 2011 noch von Kosten in Höhe von knapp 11 Mio. Euro ausgegangen war, wurden bis zum Baustopp bereits 15 Mio. Euro investiert. Die kurzfristigen Sicherungsmaßnahmen schlugen mit 1,5 Mio. Euro zu Buche. Jetzt erst wurde ein Gutachter engagiert, die tieferen Schichten des Kalkbergs zu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass der ganze Berg akut einsturzgefährdet war. Seitdem laufen Sanierungsmaßnahmen, die bislang weitere 17 Mio. Euro verschlungen haben und noch nicht abgeschlossen sind. Das ganze Projekt entwickelt sich zum Fass ohne Boden.

Die Hubschrauberlandestation 2015, mitten im Bau, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Die Hubschrauberlandestation 2015, mitten im Bau, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Der große Gewinner bei der ganzen Sache ist die GSE – Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Die hatte das Industriegelände samt Altlast Mitte der 90er Jahre von der BASF gekauft. Mit dem Verkauf an die Stadt war sie nun sämtliche Haftungsrisiken los.

Alternative Pläne für den Kalkberg

Die Bürgerinitiative Kalkberg setzt sich dafür ein, den Berg für die Bürger zu nutzen. In einem dicht besiedelten Umfeld könnte der Kalkberg als Aussichtspunkt und Grünfläche dienen. Boris Sieverts, Sprecher der Bürgerinitiative dazu: „Ein Ort mit Fernsicht zum Träumen, der Stadt entrückt und doch mittendrin. Ein Ort für alle, an dem vieles geht: Feiern, Tafeln und Spielen, Theater, Konzerte und Sommerkino.“ Die Notwendigkeit der Station für die Rettungshubschrauber bezweifelt Sieverts nicht. Doch dafür gäbe es unterschiedliche Alternativstandorte, wie z.B. die Parkdächer der Kölner Messe, den Köln-Bonner Flughafen oder den Sportflughafen Kurtekotten in Flittard.

Momentan herrscht weiter Baustopp am Kalkberg. Und in der Stadtverwaltung die geballte Ratlosigkeit, wie man mit diesem selbstverschuldeten Wackelpudding-Dilemma weiter umgehen soll. Umso mehr wünsche ich der Bürgerinitiative VIEL ERFOLG dabei, den Kalkberg einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.


Die Website der Bürgerinitiative Kalkberg bietet ausführliche Infos und Bilder. Ein großes DANKE an Boris Sieverts, der mich bei diesem „Köln-Ding der Woche“ unterstützt hat.


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Silvesterfeuerwerk am Dom – FROHES NEUES JAHR!

Zugegeben – ich bin etwas neidisch: Mein Nachbar Thomas war pünktlich um 12 Uhr auf dem Vierungsturm des Doms – es gibt in Köln keinen besseren Platz, um das Feuerwerk zu sehen. Gleichzeitig bin ich ihm aber auch dankbar, dass er uns alle daran teilnehmen lässt.

Ich wünsche euch allen ein FROHES NEUES JAHR.

Uli

Der Lommi – die „Kölscheste aller Kölsch-Kneipen“

Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Superbass
Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Superbass

Es gibt unzählige Anekdoten über diese Kneipe. Bernd Imgrund bezeichnet sie völlig zu Recht als „kölscheste aller Kölsch-Kneipen“. Die Geschichten um Bill Clinton, bezahlte Ansteher, die dicksten Koteletts, Telefonbücher als Sitzpolster und natürlich den Wirt Hans Lommerzheim sind legendär und wahr.

Dabei geht es ja „nur“ um eine Kneipe in Deutz. Aber was für ein Laden. Vollkommen aus der Zeit gefallen – und mit einem damals unfassbaren „Renovierungsstau“- manch einer sprach auch von einer überfälligen Totalsanierung. Und gleichzeitig war der „Lommi“ auch Kultkneipe. Passt das zusammen? Ja – und wie!

Kneipe ohne Schnickschnack

Eigentlich war das Lommerzheim, von den Kölnern liebevoll „Lommi“ genannt, nur eine recht kleine Gaststätte in der Siegesstraße in Deutz, hinter der Jugendherberge, nicht weit weg vom Deutzer Bahnhof. Bewirtschaftet wurde der Laden von Hans und Annemie Lommerzheim. Eine Kneipe ohne Schnickschnack. So suchte man dort vergeblich einen Fernseher, anscheinend heute Standardausstattung jeder Kneipe. Selbstverständlich gab es auch keine Musik im Hintergrund. Spielautomaten hätten in diese Laden so gut reingepasst wie Anstand beim FC Bayern München. Auch ein Zigarettenautomat war für den Wirt überflüssig, ebenso wie eine Kasse. Hans Lommerzheim rechnete die Deckel im Kopf aus. Flott und zuverlässig. Die Farbe der sich von der Wand ablösenden Tapete konnte man nur noch erahnen, sie changierte zwischen braun und dunkelbraun, jahrzehntelang gefärbt durch den Zigarettenrauch der Gäste.

Und dann gab es die legendären Koteletts: Dick wie eine Bibel, jedoch immer durch und saftig. Dazu Päffgen-Kölsch, wenn man es denn bekam. Denn der größte Fehler, war es, Hans Lommerzheim anzusprechen und zu bestellen. Dann wurde man konsequent ignoriert. Der Wirt brachte das Kölsch dann an den Tisch, wenn er es für richtig hielt.

Kult-Lokal, dank Empfehlungen in den Reiseführern

Nach einem Bericht in der Stadtrevue wurde der Lommi in verschiedenen Reiseführern als Geheimtipp gehandelt. Und so strömten neben den Kölnern auch Touristen und Messegäste aus aller Welt in diesen Laden. Lange Schlangen vor der Tür waren der Normalfall, bereits vor der Eröffnung. Und es ist tatsächlich wahr, dass Studenten als Ansteher und Platzhalter für später ankommende Gäste bezahlt wurden. Gerne mit Kölsch. Wenn dann allabendlich der Platz knapp wurde, ging Hans Lommerzheim in den Hof, holte ein paar leere Wasserkisten. Zusammen mit einem Telefonbuch als Polster dienten diese umgedreht als zusätzliche Sitzgelegenheit.

Ende 2004 war dann Schluß beim Lommi. Aus gesundheitlichen Gründen musste Hans Lommerzheim sein Lokal schließen, im Juni 2005 verstarb er im Alter von 75 Jahren. Die Päffgen-Brauerei kaufte das Haus mitsamt Inventar von der Witwe. Nach einer tatsächlich behutsamen Renovierung mit Erweiterung wurde das „Lommi“ 2008 wiedereröffnet. Ein Besuch lohnt sich!

Und wie war das mit Bill Clinton? Der amerikanische Präsident war 1999 beim Weltwirtschaftsgipfel zu Besuch in Köln und wollte unbedingt eine echte Kölsch-Kneipe besuchen – eben das Lommi. Allerdings sollte das Haus an dem Tag aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Lommerzheim lehnte mit den Worten ,Nä, dat jeiht nit!“ ab – denn dann würden die Stammgäste ja vor verschlossenen Toren stehen. So landete Clinton schließlich (ganz spontan – wer es glaubt) in der Malzmühle am Heumarkt.


Die Band Miljö hat der „kölschesten aller kölschen Kneipen“ mit dem Song Sulang beim Lommi die Leechter noch brenne … ein musikalisches Denkmal gesetzt.


Der Lommi-Brunnen zeigt Hans Lommerzheim bei der Arbeit, Bild: Willy Horsch
Der Lommi-Brunnen zeigt Hans Lommerzheim bei der Arbeit, Bild: Willy Horsch

An Hans Lommerzheim erinnert heute der in der Nähe der Gaststätte verlaufende Hans-Lommerzheim-Weg und der Lommi-Brunnen, zu finden im Biergarten des Lommerzheims.


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Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal!

Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort, : Das Raderthaler Funkhaus, Bild: Peter Funk

    Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort: Das Funkhaus in Raderthal, Bild: Peter Funk

Köln ist eine Medienstadt. WDR, RTL, ntv, Deutschlandradio, weitere Radiosender sowie zahlreiche Verlage haben ihre Heimat in unserer Stadt. Und das hat eine lange Tradition: Schon 1927 gab es einen Sender der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG), eine Vorläuferin des heutigen WDR in Köln-Raderthal.

Adenauer holt Sender nach Köln

Während der Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg war der Bau deutschsprachiger Sender verboten. Erst nach dem Abzug der britischen Truppen Anfang 1926 war es erlaubt, Sendeanlagen aufzubauen. Und so ging am 15. Januar 1927 der WERAG-Sender in Langenberg (Velbert) auf Sendung. Für die Kölner Radiohörer eine Zumutung: Statt Musik nur Rauschen und Knirschen – die Sendeleistung in Langenberg reichte nicht aus, um auch den Kölnern einen störungsfreien Empfang zu ermöglichen. Also: Ein neuer Sender muss her. Oberbürgermeister Konrad Adenauer legte sich mächtig ins Zeug und bot den WERAG-Verantwortlichen ein Gelände in Köln-Raderthal an, direkt am Park gelegen. Bereits im Mai 1927 begannen dort die Bauarbeiten für ein Sendehaus und die mächtige Sendeanlage. Diese bestand aus zwei Sendemasten mit 80 Metern Höhe, gefertigt aus speziell präparierten Kiefernholz, da Eisenmasten einen negativen Einfluss auf die Sendeleistung haben. Zwischen die Masten wurde Drähte gespannt – die eigentliche Sendeanlage.

Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Wechselvolle Geschichte des Funkhauses

Ab 1932 wurde die Sendeleistung des Senders Langenberg massiv ausgebaut – und somit der Kölner Sender überflüssig. Der Sendebetrieb wurde am 14. März 1932 eingestellt, die Sendeanlage abgebaut. Das Sendehaus aber blieb erhalten und stand zunächst leer.

Um das Jahr 1950 begann in Raderthal – rund um das Funkhaus – eine rege Bautätigkeit. Für die in Köln stationierten britischen und belgischen Offiziere wurden großzügige Häuser angelegt. Und auch das Funkhaus wurde von der Britischen Rheinarmee requiriert, in die Siedlung einbezogen und für Veranstaltungen verwendet. Anwohner berichten noch heute von dem großen Saal mit Parkettboden, Kronleuchtern und rauschenden Festen im Funkhaus. Im Jahr 1997 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Seit dem Abzug der Rheinarmee wird das Funkhaus von der Stadt Köln genutzt, zuletzt als Notunterkunft für Flüchtlinge. Heute steht Haus leer, aber die Jahre sind nicht spurlos  vorbeigegangen. Das Dach ist undicht, das gesamte Gebäude ist sanierungsbedürftig, die Fenster notdürftig mit Blechen zugeschlagen.

Teilansicht des Funkhauses, links der Eingang zur großen Halle, Bild: Heinz Reutersberg
Ein Bild aus besseren Tagen, heute verschandeln Bleche das Haus, Bild: Heinz Reutersberg
Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“

Fraglich ist, wie es mit dem diesem geschichtsträchtigen Objekt weitergeht. Es besteht die Gefahr, dass der Denkmalschutz aufgehoben wird, die Stadt das Areal an einen Investor verkauft und dort Wohnungen errichtet werden. Damit wäre das Schicksal des Sendehauses endgültig besiegelt und Köln würde wieder ein Stück Geschichte unwiderruflich verlieren.

Ein Lichtblick ist die Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“.  Die Idee ist, das Haus zu sanieren und das in Köln bestehende Radiomuseum im Raderthaler Funkhaus unterzubringen. „Wir wollen das markante Gebäude wieder einer ursprungsnahen Nutzung zuführen.“ so der Sprecher der Initiative, Andreas Henseler. Zahlreiche Initiativen, Vereine und Bürgerpersonen haben sich dem Netzwerk bereits angeschlossen.
Ich wünsche dem Netzwerk dabei VIEL ERFOLG!


Im Dezember 2018 hat der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. das WERAG-Funkhaus zum Denkmal des Monats erkannt. Weitere Infos dazu in diesem Video:


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Das „Kölner Brückengrün“ – oder „Adenauer-Grün“

Die Severinsbrücke im "Kölner Brückengrün", Bild: Rolf Heinrich
Die Severinsbrücke im „Kölner Brückengrün“, Bild: Rolf Heinrich

Wer täglich den Rhein überqueren muss, kennt das Drama um die Brücken in Köln: Zu voll, ständig Baustellen, Staus und lange Wartezeiten. Dabei könnte man die Wartezeit im Auto oder in der Bahn auch einmal damit verbringen, sich die Brücken anzusehen. Schnell fällt auf: Was ist das denn für eine Farbe? Irgendwie „grün“, aber was ist das denn für eine grüne Farbe?

Das ist – wir sind schließlich in Kölle – nicht irgendein Grün sondern das „Kölner Brückengrün“ oder auch „Adenauer-Grün“. In dieser durchaus speziellen Farbe sind die Brücken, die von der Stadt unterhalten werden, sowie die Rodenkirchener Autobahnbrücke gestrichen:

  • Die Mülheimer Brücke,
  • die Zoobrücke,
  • die Deutzer Brücke (hier allerdings nur der ältere Stahlteil und nicht der neuere Betonteil) und
  • die Severinsbrücke.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass die Stadt einfach noch flott alle Farbreste aufbrauchen will, bevor man die Brücken auch mal in anderen Farben streicht. Weit gefehlt!

Nein, die Stadt will nicht die Farbreste für die Brücken loswerden; Hier ein Farbeimer mit originalem "Adenauer-Grün".
Nein, die Stadt will nicht die Farbreste für die Brücken loswerden; Hier ein Farbeimer mit original „Adenauer-Grün“.

Chromoxidgrün – lichtbeständig und wetterfest

Diese Farbe wurde ausdrücklich von Konrad Adenauer ausgesucht. Adenauer, damals Kölner Oberbürgermeister, wünschte sich für die 1929 eingeweihte Mülheimer Brücke eine patinagrüne Farbe. Und die Bayer-Werke kamen diesem speziellen Wunsch nach. Damit nicht alle paar Monate nachgestrichen werden musste, wählte man ein spezielles Chromoxidgrün (amorphes Chrom(III)-oxid Cr2O3), welches als besonders lichtbeständig und wetterfest gilt. Obwohl die exakte Mischung der Farbe bekannt ist, lagern beim Kölner Amt für Brücken und Stadtbahnbau immer noch Musterplatten. So kann das Adenauer-Grün immer exakt neu angemischt werden.

Im Vordergrund die Zoobrücke, im Hintergrund die Mülheiemr Brücke. Beide im "Adenauer-Grün", Bild: Gerd Franke, (http://www.ebertplatz.de/)
Im Vordergrund die Zoobrücke, im Hintergrund die Mülheimer Brücke. Beide im „Adenauer-Grün“, Bild: Gerd Franke, (http://www.ebertplatz.de/)

Adenauer-Grün für die Ewigkeit

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche, die Brücken auch einmal in einer anderen Farbe zu streichen. So sollte die Zoobrücke, 1966 eingeweiht, blau gestrichen werden, doch der zuständige Ausschuss der Stadt lehnte dieses Vorhaben denkbar knapp mit vier gegen fünf Stimmen ab. Hauptargument war das „harmonische Gesamterscheinungsbild der Stadt Köln“. Schon lustig, so etwas vom Stadtrat zu hören, deren Nachfolger seit Jahren am Dom eine riesengroße blaue Mülltüte (wird auch als „Musical Dome“ bezeichnet) dulden oder aktuell auf dem neugestalteten Breslauer Platz ein Containerdorf für die Polizei errichten lassen.

Tatsächlich stehen mittlerweile alle Kölner Brücken bis auf die Zoobrücke unter Denkmalschutz. Und somit bleibt uns das durchaus gewöhnungsbedürftige „Adenauer-Grün“ wohl für die Ewigkeit erhalten. Es soll ja schließlich ein „harmonisches Gesamtbild der Stadt“ entstehen. Bitte unbedingt im nächsten Stau auf einer der Brücken dran denken. Und angesichts eines Blicks auf die große blaue Mülltüte nicht in lautes Lachen ausbrechen.


Bevor wir Kölner uns jetzt zu viel auf „unsere“ Farbe einbilden sei der Hinweis erlaubt, dass es auch das „Braunschweiger Grün“, das „Bremer Grün“ und das „Schweinfurter Grün“ gibt.


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Neue Lotsentour: Zeitreise zurück in das Köln im Jahr 1908

Die Hohe Straße im Jahr 1912
Die Hohe Straße im Jahr 1912

Es ist lange her. Und man kann es kaum glauben: Vor den Zerstörungen des 2. Weltkriegs und den anschließenden „Modernisierungsmaßnahmen“ der Stadtverwaltung sah unsere Stadt tatsächlich einmal schön aus. Herrschaftliche Häuser, viele Bäume in der Stadt – Köln war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Metropole mit Flair.

Und das ist unwiderruflich verloren.

Oder nicht? 

Stellt euch vor, wir könnten eine Zeitreise machen:

  • Wir könnten uns das Stadtbild vor den Zerstörungen des Krieges ansehen.
  • Wir würden die Stadt sehen, bevor die ersten Autos unterwegs waren  und noch Pferdekarren das Straßenbild bestimmen.
  • Statt lauten Düsenjets würde majestätisch ein Zeppelin am Himmel seine Kreise ziehen und auf dem Rhein sehen wir Dampfschiffe.

Neue Lotsentour „Zeitreise“

Und dieser Zeitsprung ist jetzt tatsächlich möglich: Die neue Lotsentour „Zeitreise“ macht es möglich. Mit dem TimeRide machen wir einen Zeitsprung zurück in das Köln zur Kaiserzeit um die Jahrhundertwende. Und das per Straßenbahn. Klingt verrückt – und ist absolut beeindruckend. Mittels „Virtual Reality“ (VR) fährt man mit einer der ersten elektrischen Straßenbahnen quer durch die Innenstadt im alten Köln. Auf dem Kopf hat man eine spezielle VR-Brille und genießt einen 360 Grad Blick aus der Straßenbahn.

Mit Virtual Reality in das alte Köln reisen, Bild: TimeRide
Mit Virtual Reality in das alte Köln reisen, Bild: TimeRide

Und anschließend machen wir den direkten Vergleich: In einem entspannten Stadtspaziergang von ca. 1,5 Stunden folgen wir der Route der historischen Straßenbahn. Wie sieht die Stadt heute aus? Was hat sich verändert? Wo entdecken wir noch heute die Spuren von vor 100 Jahren? Zwischendurch spülen wir den Staub der Jahrhunderte mit frisch gezapften Kölsch runter.

Und wenn wir dann am Ostermannbrunnen stehen und leise hören Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ wird uns klar: Der Willi Ostermann hat recht gehabt. Köln war tasächlich einmal schön.


Die Lotsentour „Zeitreise“ dauert insgesamt etwa 2,5 Stunden und beinhaltet eine Fahrt mit dem TimeRide und anschließend den dazu passenden Stadtspaziergang.


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Der Düxer Bock – oder Romeo und Julia auf der Schäl Sick

Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel
Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel

Obwohl es heute um einen Ziegenbock geht, handelt diese Geschichte nicht vom ruhmreichen 1. FC Köln. Vielmehr geht es, wie bei Romeo und Julia, um die Liebesgeschichte zweier junger Menschen und ihrer verfeindeten Familien. Ort der Handlung ist nicht Verona, sondern die Schäl Sick. Erfreulich ist aber, dass diese Geschichte einen weit weniger tragischen Ausgang hat als bei Shakespeare. Und es ging um profanere Dinge wie Singvögel und einen Bock.

Es war einmal in Deutz, auf der „Schäl Sick“ …

Es gab einen armen Schneider in Deutz. Um sein kärgliches Dasein aufzubessern, züchtete der Mann Singvögel. Nicht unüblich in vergangenen Zeiten. Allerdings haben Singvögel einen entscheidenden Nachteil: Sie singen. Und das bevorzugt am frühen Morgen. Dies missfiel dem Nachbarn des armen Schneiders, einem reichen Steuereintreiber. Der wollte gerne länger schlafen, konnte dies aber wegen der singenden Singvögel nicht.

Und anscheinend wurden schon in vergangenen Zeiten Nachbarschaftsstreitigkeiten ausgetragen wie heute: Erst Zank, dann Schreierei und dann ging es vor das Gericht. Doch der arme Schneider hatte Glück: Da auch der Richter Singvögel züchtete, unterlag der Steuereinnehmer vor Gericht. Doch dieser konnte noch immer nicht klein beigeben. So kaufte er sich einen Ziegenbock und setzte diesen bei geringem Futter in einen Korb vor sein Fenster. Wo heute nach zwei Stunden der Tierschutz eingeschritten wäre, war damals nur Häme zu spüren: Das Tier meckerte laut den ganzen Tag und war über die ganze Straße zu hören. Und der arme Schneider wurde nur noch „Schneidermeckmeckmeck“ gerufen. Als das bemitleidenswerte Tier verendete, hoffte der Schneider vergeblich auf Ruhe und Frieden in der Nachbarschaft. Doch da hatte er die Rechnung ohne seinen reichen Nachbarn gemacht. Der hatte zwischenzeitlich einen Steinmetz beauftragt, einen Bock aus Stein am Haus anzubringen. Alles Bitten und Flehen des Schneiders war vergeblich: Der Bock blieb genauso an der Wand wie der Spott im Veedel. Der Schneider gab klein bei und verließ Deutz.

Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Aber: Wo die Liebe hinfällt

Doch es gibt noch eine Liebesgeschichte in der Geschichte vom Bock. Während sich die Väter bitter stritten, hatte Gertrud, die Tochter des Schneiders, ein Fisternöllchen mit Fritz, dem Sohn des Steuereintreibers. Als die Familie des Schneiders Deutz verließ, war Fritz unglücklich – hatte er doch seine große Liebe verloren. Da wir aber in Kölle sind, wo et noch immer jood jejange hät, kam Gertrud viele Jahre später zurück nach Köln. Anders als bei Romeo und Julia heiraten Fritz und Gertrud, kaufen das Haus des Steuereintreibers und leben glücklich zusammen.

Ein Funken Wahrheit in der Geschichte?

Tatsächlich stand schon im 16. Jahrhundert auf der (heutigen) Siegburger Straße in Deutz ein Haus „Im Bock“. Dort war ein Bock über dem Hauseingang angebracht. Dieses Gebäude wurde 1936 abgerissen, um Platz für die Auffahrten zur Deutzer Brücke zu schaffen. Die Stadt hatte damals den Deutzern versprochen, ein neues Denkmal aufzustellen, Doch es sollte noch bis 1964 dauern, bis der von Gerhard Marcks gestaltete Ziegenbock auf einer 2,5 Meter großen Säule auf einem kleinen, namenlosen Plätzchen an der Lorenzstraße aufgestellt wurde. Und noch weitere 53 Jahre, bis sich die Deutzer durchgesetzt hatten und dieser Platz den Namen „Am Düxer Bock“ erhielt. Der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke hätte den Platz gerne anders getauft „.. aber die Deutzer Bürger sind dem Bock ähnlich – ein bisschen dickköpfig. So habe ich mich denn der demokratischen Abstimmung geschlagen gegeben.“, so Hupke in einem Interview der Kölnischen Rundschau.

Initiative "Bock auf Garten" aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/
Initiative „Bock auf Garten“ aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/

Bock auf Garten

Treiber dieser Idee war die Deutzerin Olga Moldaver. Sie hat die Initiative „Bock auf Garten“ gestartet. Heute lädt der gemütliche Platz am Düxer Bock mit einem Bücherregal und einer Sitzecke ein, einfach mal ein paar Minuten oder Stunden mit und an dem Düxer Bock zu verbringen.

 

 

 


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