LIVE-Podcast mit Dirk Wissmann – Präsident der Roten Funken

Ein Abend mit dem „Appelzien vun d’r Ülepooz“

Wer bei den Roten Funken unterwegs ist, braucht nicht nur eine Uniform, sondern irgendwann auch einen ordentlichen Funknamen. Und da ist die Auswahl durchaus bemerkenswert: „Knocheflecker“, „Hümpelchepümpelche“, „Zündkääz“ oder „Schöckelpääd“ sind nur einige Beispiele.

Unser nächster Gast beim Live-Podcast kann da locker mithalten: Dirk Wissmann trägt den schönen Namen „Appelzien vun d’r Ülepooz“. Doch wir wollen an diesem Abend natürlich nicht nur klären, wie er zu diesem Namen gekommen ist.

Am 25. September 2026 geht „Das Köln-Ding der Woche“ zum dritten Mal live vor Publikum. Und mit Dirk Wissmann haben wir uns einen Mann eingeladen, der den Kölner Karneval aus einer ganz besonderen Perspektive kennt: Er ist Präsident und Kommandant der Roten Funken.

Dirk Wissmann, Präsident und Kommandant der Roten Funken, Bild: Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.
Dirk Wissmann, Präsident und Kommandant der Roten Funken, zum live-Podcast kommt er aber ohne Uniform, Bild: Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.

Wie wird man eigentlich Roter Funk?

Wir wollen hinter die Kulissen eines der traditionsreichsten Kölner Korps schauen. Wie wird man überhaupt Roter Funk? Kann jeder mitmachen? Was hat es mit den vier „Knubbeln“ auf sich? Und wie sieht ein richtig heftiger Samstag mitten in der Session aus?

Natürlich geht es auch um Tradition. Die Roten Funken stehen wie kaum eine andere Gesellschaft für die Geschichte des Kölner Karnevals. Aber muss deshalb wirklich jede Tradition für alle Zeiten erhalten bleiben? Und was würde wohl ein Roter Funk aus dem Jahr 1823 sagen, wenn er heute vor der Ülepooz stehen würde?

Der Mensch hinter der Uniform

Uns interessiert aber auch Dirk Wissmann persönlich. Warum ist er zu den Funken gegangen? Warum wollte er Präsident werden? Wie viel Zeit verschlingt dieses Amt – und bleibt im Fastelovend zwischen Sitzungen, Auftritten und Organisation eigentlich noch Platz für ein Privatleben?

Wir freuen uns auf einen kölschen Abend mit Geschichten, Einblicken und sicherlich reichlich Spaß. Denn eines soll der Abend ganz bestimmt nicht werden: bierernst.

Zollstocker Hof, Logo
 

Auch du kannst LIVE dabei sein – der Eintritt ist FREI 

Das alles gibt es am 25. September 2026 um 19 Uhr live beim „Köln-Ding der Woche“ im Zollstocker Hof (Vorgebirgstr.  189, 50969 Köln).  

Bitte unbedingt anmelden!

Eine dringende Bitte: Wenn du zu uns an dem Abend in den Zollstocker Hof kommst, medle dich bitte vorher an. Die Plätze sind begrenzt, wir wollen niemanden vor der Tür stehen lassen.
Zur Anmeldung reicht ein kurzes e-mail an uli@koeln-lotse.
Wir freuen uns auf euch alle! 

Frank & Uli vom „Köln-Ding der Woche“ 


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Das Pittermännchen – 10 Liter köstliches Kölsch

Jede Menge Fässer, die kleinen 10-Liter-Fässer sind die Pittermännchen, Bild: Superbass
Jede Menge Fässer, die kleinen 10-Liter-Fässer sind die Pittermännchen, Bild: Superbass

 


VORSICHT!  Bitte nicht verwechseln:
Der „Drüje Pitter“ ist ein Brunnen, der „Decke Pitter“ ist die Petrusglocke und das „Pittermännchen“ ist ein 10-Liter-Fass


Viel trinken ist gesund! Doch die in Köln so geliebten Kölsch-Stangen sind (zugegeben) recht klein und bei richtig großem Durst auch schnell immer wieder leer. Wie gut, dass es das beliebte Pittermännchen gibt: Zehn Liter Kölsch, gut gekühlt in einem handlichen Faß. Gerne auch für zu Hause. Ein Traum. Und die Kölsch-Stange lässt sich immer wieder mit frisch gezapftem Kölsch auffüllen.

Bleibt aber die Frage, wie das Pittermännchen zu seinem Namen gekommen ist. Vorab: Die exakte Namensherkunft lässt sich nicht eindeutig klären. Allerdings können mittlerweile einige Legenden über diesen Namen widerlegt werden.

Legende I: Vatertagsumzüge

Angeblich hat es früher zu Peter und Paul am 29. Juni Vatertagsumzüge gegeben. Und – wie praktisch – im Bollerwagen konnten die feierwütigen Väter kleine Fässer mitnehmen. Und zu Ehren des Heiligen an diesem Tag haben diese Fässer den Namen Pittermännchen bekommen.

Allerdings hat es die Umzüge an Peter und Paul nie gegeben, sondern am Vatertag, also Christi Himmelfahrt. Und diese Vatertagsumzüge sind erst seit etwa 100 Jahren bekannt. Also – keine Erklärung für das Pittermännchen.

Das Relief des Petrus vom Mailand am Brauhaus Früh. Besonders auffällig: Das Schwert im Kopf, welches mit seiner Hinrichtung und nicht mit dem Konsum von Kölsch zusammenhängt. Bild: Raimond Spekking
Das Relief des Petrus vom Mailand am Brauhaus Früh. Besonders auffällig: Das Schwert im Kopf, welches mit seiner Hinrichtung und nicht mit dem Konsum von Kölsch zusammenhängt. Bild: Raimond Spekking

Legende II: Petrus von Mailand

Bereits seit 1396 gibt es die St. Peter-von-Mailand-Bruderschaft. In dieser Handwerkergemeinschaft haben sich die kölschen Brauer zusammengetan. Der Heilige Peter (oder Petrus) von Mailand ist der Schutzheilige der Brauer.

Und so könnte es sein, dass das Pittermännchen an genau diesen Peter erinnern soll. Aber: Bewiesen ist auch diese Legende nicht. 

 Legende III: Französisch „petit“

Wir haben in Köln viele französische Begriffe eingekölscht. Zum Beispiel „plümerant“ für schwindelig, „Plümmo“ für das Federbett oder „Paraplü“ für den Regenschirm.

Daher könnte es ja auch sein, dass sich aus dem französischen Wort „petit“ für klein auch der Begriff „Pittermännchen“ für ein kleines Fass Kölsch ableitet. Doch leider findet sich für diese Herleitung kein belastbarer Beleg.

Das 10 Liter-Fass von Früh trägt den Namen "Pitter", Bild: Früh Kölsch
Das 10 Liter-Fass von Früh trägt stolz den Namen „Pitter“, Bild: Früh Kölsch

Legende IV: Flämische Mönche und „Petrus“

Eine wunderschöne, aber vermutlich falsche, Erklärung liefert das Mitmachwörterbuch der rheinischen Umgangssprache. Demnach sollen Mönche in Belgien Bier in kleinen Fässern verkauft haben. Doch die Käufer brachten die Fässer nur sehr unzuverlässig zum Kloster zurück, daraufhin kennzeichneten die Mönchen die Fässer mit „Petrus“ – dem Patron der Brauer. Und aus Petrus wurde dann der Pitter und das Pittermännchen. Allerdings, so der Sprachforscher Peter Honnen, haben die Mönche früher das Bier nicht verkauft und außerdem ist das Wort „Pittermännchen“ im Niederländischen nicht bekannt.

Fazit

Auch wenn wir bis heute die genaue Herkunft dieses wunderschönen Wortes nicht kennen, schmeckt das Kölsch aus diesen kleinen Fässern ganz besonders gut. Prost!


In der „Kölsch-Konvention“ haben sich die Kölner Brauer auf die wesentlichen Bestimmungen zu Kölsch festgelegt.


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Fritz Schumacher – Der Mann hinter Kölns Grüngürtel

Innerer und äußerer Grüngürtel, Köln

Wer heute am Aachener Weiher sitzt, durch den Inneren Grüngürtel spaziert, am Decksteiner Weiher seine Runde dreht oder auf der Jahnwiese einem Ball hinterherläuft, macht sich vermutlich wenig Gedanken darüber, warum mitten in einer Millionenstadt überhaupt so viel Platz für Grün geblieben ist.

Dabei hätte Köln auch ganz anders aussehen können: dichter bebaut, steinerner und mit deutlich weniger Luft zwischen den Häusern. Dass es nicht so gekommen ist, hat viel mit einem Mann zu tun, der eigentlich gar kein Kölner war und nur drei Jahre hier arbeitete: Fritz Schumacher.

Der Architekt und Stadtplaner kam 1920 nach Köln. Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte ihn an den Rhein geholt. Schumacher blieb nur bis 1923 – doch diese kurze Zeit reichte, um Köln bis heute zu prägen.

Fritz Schumacher um 1916, Bild: Radierung von Leopold von Kalckreuth, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Fritz Schumacher um 1916, Bild: Radierung von Leopold von Kalckreuth, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ein Bremer kommt über Hamburg nach Köln

Fritz Schumacher wurde am 4. November 1869 in Bremen geboren. Seine Kindheit war ungewöhnlich international: Einige Jahre verbrachte er in Bogotá und New York. Später studierte er in Berlin und München, arbeitete im Leipziger Stadtbauamt und wurde 1901 an die Technische Hochschule Dresden berufen. 1909 wechselte er schließlich als Baudirektor und Leiter des Hochbauwesens nach Hamburg.

Dort machte er sich einen Namen als Architekt und Stadtplaner. Schumacher dachte nicht nur über einzelne Häuser nach. Ihn interessierte das große Ganze: Wie funktioniert eine wachsende Stadt? Wo wird gewohnt, wo gearbeitet? Wie bewegen sich die Menschen? Und vor allem: Wo bleibt zwischen all den Straßen und Häusern noch Platz zum Leben?

Genau solche Fragen beschäftigten zu dieser Zeit auch Köln. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Stadt vor gewaltigen Veränderungen. Die alten Festungsanlagen hatten ihre militärische Bedeutung verloren. Gleichzeitig rechneten die Verantwortlichen mit einem enormen Bevölkerungswachstum. Köln sollte wachsen – aber möglichst nicht zu einem endlosen Häusermeer werden.

Konrad Adenauer suchte deshalb jemanden, der nicht nur einzelne Bauprojekte plante, sondern Köln als Ganzes betrachten konnte. Und dieser Mann war Fritz Schumacher.

Köln darf keine Steinwüste werden

1919 ließ Adenauer einen Wettbewerb zur Gestaltung des ehemaligen Inneren Festungsrayons ausschreiben. Schumacher setzte sich mit seinem Entwurf durch. Ein Jahr später holte Adenauer ihn nach Köln. Dafür ließ sich der Hamburger Baudirektor für drei Jahre von seinen dortigen Verpflichtungen beurlauben.

Schumacher sollte einen Generalsiedlungs- beziehungsweise Generalbebauungsplan für Köln entwickeln. Dabei ging es nicht mehr nur darum, einzelne Straßen zu ziehen und Grundstücke aufzuteilen. Er wollte die Stadt als zusammenhängenden Organismus betrachten. Industrie, Verkehr, Wohnen und Erholung mussten zusammengedacht werden. Vor allem die Grünflächen waren für Schumacher keine hübsche Dekoration zwischen den Häusern. Sie gehörten zur Struktur der Stadt.

Eine historische Chance

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ergab sich durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags eine historische Chance für Köln: Die Forts der beiden Festungsringe mussten geschliffen werden. Dadurch entstanden zwei große halbkreisförmige, unbebaute Flächen: Der Innere und der Äußeren Grüngürtel.

Diese beiden grünen Ringe sollten wiederum durch radiale Grünzüge miteinander verbunden werden. Damit entstand eine Idee, die jeder Kölner heute ganz selbstverständlich kennt: Grün sollte nicht irgendwo am Stadtrand liegen, sondern sich durch die ganze Stadt ziehen.

Der Plan für den Inneren Grüngürtel, Bild: Stadt Köln
Der Plan für den Inneren Grüngürtel, Bild: Stadt Köln

Vom Festungsgürtel zum Grüngürtel

Das Geniale an der Planung war, aus einem Problem eine Chance zu machen. Über Jahrzehnte hatten die Festungsanlagen die Entwicklung Kölns geprägt. Nun verloren sie ihre Funktion. Wo vorher militärische Flächen lagen, konnte etwas völlig Neues entstehen.

Der Innere Grüngürtel wurde zwischen 1922 und 1924 angelegt. Dabei wurden nach der weitgehenden Schleifung der militärischen Anlagen auch Arbeitslose im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms eingesetzt.

Schumacher wollte dort allerdings nicht einfach nur eine große Wiese schaffen. Seine ursprünglichen Vorstellungen gingen wesentlich weiter. Der Grüngürtel sollte Teil einer neuen Stadterweiterung werden. Wohngebiete und öffentliche Gebäude waren vorgesehen, am Aachener Weiher sogar ein zweiter Hauptbahnhof.

Doch die wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik machten vielen dieser Pläne einen Strich durch die Rechnung. Aus heutiger Sicht war das für das Kölner Grün möglicherweise gar nicht so schlecht. Denn große Teile des Inneren Grüngürtels blieben unbebaut. Von der geplanten umfangreichen Bebauung wurde letztlich nur wenig verwirklicht. Das Grün setzte sich durch. Und genau davon profitiert Köln noch heute.

Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking
Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking

Grün nicht zum Angucken, sondern zum Benutzen

Dabei änderte sich auch die Vorstellung davon, was ein Park eigentlich sein sollte. Grünanlagen waren lange Zeit vor allem Schmuck. Man spazierte auf Wegen, betrachtete Blumenbeete und hielt sich ansonsten besser an die Regeln. Der Kölner Grüngürtel sollte anders funktionieren.

Hier sollte Platz für Sport, Spiel und Erholung sein. Im Äußeren Grüngürtel entstanden Sportplätze, Wälder, Kleingärten und im Raderthaler Volkspark ein Freilichttheater, eine Freiluftbibliothek und der „Reigenplatz“. Teile der ehemaligen Festungswerke wurden erhalten und als sogenannte „grüne Forts“ weitergenutzt. So wurde der Grüngürtel tatsächlich zu einem Park für alle. Was heute selbstverständlich klingt, war Anfang der 1920er Jahre revolutionär.

Der entscheidende Gedanke lautete: Eine Großstadt braucht nicht nur Wohnungen, Straßen und Arbeitsplätze. Sie braucht Räume, in denen Menschen durchatmen können. Oder ganz praktisch auf Köln übertragen: Man muss auf einer Wiese eben auch mal Fußball spielen dürfen.

Verbindungen zwischen den „grünen Ringen“

Besonders clever war Schumachers Idee, den Inneren und Äußeren Grüngürtel nicht isoliert nebeneinander bestehen zu lassen. Grüne Radialen sollten die beiden Bereiche verbinden. Ein besonders markantes Beispiel entstand mit dem Lindenthaler Kanal. Aber auch Flächen wie zum Beispiel der Vorgebirgspark stellen eine Verbindung zwischen den Großflächen dar. Das ist der eigentliche Clou von Schumachers Planung: Es entstand kein einzelner Park, sondern ein ganzes Grünsystem. Die konkrete Umsetzung der Grünanlagen übernahm Gartenbaudirektor Fritz Encke.

Wer sich heute vom Inneren Grüngürtel nach Westen bewegt, erlebt diese Struktur noch immer. Aachener Weiher, Lindenthaler Kanal, Stadtwald und schließlich der Äußere Grüngürtel erscheinen wie einzelne Grünanlagen. Tatsächlich folgen sie aber einer gemeinsamen städtebaulichen Idee. Köln sollte nicht nur wachsen. Die Stadt sollte dabei durchlüftet und aufgelockert bleiben.

Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking
Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking

Für den Grüngürtel musste gekämpft werden

Ganz freiwillig machten allerdings nicht alle mit. Gerade beim Äußeren Grüngürtel gab es handfeste Konflikte. Viele Grundstücke gehörten Landwirten, die ihre Flächen keineswegs begeistert an die Stadt abtreten wollten. Die Auseinandersetzung ging so weit, dass Grundstücksbesitzer damit drohten, keine Milch mehr zu liefern.

Erst das 1920 verabschiedete Reichsrayongesetz gab der Stadt die Möglichkeit, Enteignungsverfahren einzuleiten. Die Eigentümer konnten finanziell entschädigt werden oder Ersatzgrundstücke im Umland erhalten. Auch hier zeigt sich: Der Grüngürtel, den wir heute als selbstverständlichen Teil Kölns betrachten, fiel nicht einfach vom Himmel.

Er musste geplant, politisch durchgesetzt und gegen Widerstände verwirklicht werden. Adenauer spielte dabei eine entscheidende Rolle. Doch Schumacher lieferte das städtebauliche Konzept. Und auch heute noch wird um jedes Stück grün im Grüngürtel gerungen – schon seit Jahren versucht der 1. FC Köln rund um das Geißbockheim zusätzliche Fußballplätze anzulegen.

So wird es einmal im "Inneren Grüngürtel" aussehen: Die Parkstadt Süd. Die rote Markierung kennzeichnet die aktuelle Lage des Pionierparks, Bild: Lenzen, Landschaftsarchitekturbüro RMP, Markierung: Uli Kievernagel
So wird es einmal im „Inneren Grüngürtel“ aussehen: Die Parkstadt Süd. Die rote Markierung kennzeichnet die aktuelle Lage des Pionierparks, Bild: Lenzen, Landschaftsarchitekturbüro RMP, Markierung: Uli Kievernagel

Und auch der Innere Grüngürtel wird sich durch die „Parkstadt Süd“ wesentlich verändern. „Parkstadt Süd“ ist das große Stadtentwicklungsprojekt im Kölner Süden. Bis zu 4.000 Wohnungen, Büros und Ladenlokale sollen im „Inneren Grüngürtel“ zwischen Bayenthal, Raderberg, Zollstock und Sülz entstehen 

Selbst Schrebergärten gehörten zum Plan

Schumachers Vorstellung vom grünen Köln war ausgesprochen praktisch. Dazu gehörten auch Kleingärten. Die Nachfrage nach solchen Parzellen war besonders während und nach den Kriegen groß. Bei der Planung des Äußeren Grüngürtels wurden Kleingärten deshalb von Anfang an berücksichtigt. Vorgesehen waren sogar 12.000 Dauerkleingärten mit einer durchschnittlichen Größe von 300 Quadratmetern. Eine der ersten Anlagen entstand an der Gleueler Straße.

Schumachers sozialer Gedanke hinter der Planung: Das Grün sollte nicht exklusiv sein. Es ging nicht um repräsentative Anlagen für einige wenige, sondern um nutzbare Freiräume für die Bevölkerung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen manche dieser Flächen sogar eine ganz andere Bedeutung. In zahlreichen Kölner Schrebergärten entstanden zeitweise Behelfsunterkünfte für Menschen, deren Wohnungen und Häuser zerstört worden waren. Erst später kehrten die Anlagen wieder zu ihrer ursprünglichen Nutzung zurück.

Nicht alles blieb grün

Natürlich hat Köln Schumachers Erbe nicht immer mit Samthandschuhen behandelt. Spätestens mit der Idee der „autogerechten Stadt“ gerieten Grünflächen unter Druck. Zeitweise gab es sogar Pläne für eine Stadtautobahn quer durch den Inneren Grüngürtel. Andere Eingriffe wurden tatsächlich umgesetzt. Anfang der 1970er Jahre entstanden das Autobahnkreuz Köln-Ost und das Gremberger Kreuz – mit entsprechenden Folgen für die Merheimer Heide und das Gremberger Wäldchen. Trotzdem blieb die Grundidee erhalten.

Eingezwängt zwischen Autobahn und S-Bahnstrecke: Das Gremberger Wäldchen. Der geplante Ausbau der A4 gefährdet die Gedenkstätte, Karte: OpenStreetMap
Eingezwängt zwischen Autobahn und S-Bahnstrecke: Das Gremberger Wäldchen. Der geplante Ausbau der A4 gefährdet das Wäldchen und die NS-Gedenkstätte dort, Karte: OpenStreetMap

Das Kölner Grünsystem überdauerte Jahrzehnte, politische Systeme, Kriege und wechselnde Vorstellungen von moderner Stadtplanung. Es wurde weiterentwickelt und schließlich auch wegen seiner Bedeutung für die Frischluftzufuhr aus dem Umland in die Innenstadt unter Landschaftsschutz gestellt. Und vielleicht ist genau das die größte Leistung von Schumachers Konzept: Es war stark genug, um die Veränderungen der letzten 100 Jahre auszuhalten.

Drei Jahre, die Köln bis heute prägen

1923 endete Fritz Schumachers Zeit in Köln. Er kehrte nach Hamburg zurück, wo er zum Oberbaudirektor ernannt wurde. Bis 1943 lebte er dort und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten über Architektur und Städtebau. Am 5. November 1947 starb er in Hamburg. Gerade einmal drei Jahre hatte er unmittelbar für Köln gearbeitet.

Das klingt nach einer kurzen Episode in einem langen Berufsleben. Tatsächlich aber hinterließ Schumacher in dieser kurzen Zeit etwas, das bis heute zum Lebensgefühl der Stadt gehört. Denn der Grüngürtel ist längst mehr als eine städtebauliche Planung aus den 1920er Jahren.

Ein Luftbild der Jahnwiesen, Heimat der "Bunten Liga Köln", Bild: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Ein Luftbild der Jahnwiesen, Heimat der „Bunten Liga Köln“, Bild: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Hier wird gejoggt, spaziert, Fußball gespielt, gepicknickt oder einfach auf der Wiese gelegen. Aachener Weiher, Jahnwiese, Decksteiner Weiher, Lindenthaler Kanal und die großen Grünflächen gehören für viele Kölner so selbstverständlich zur Stadt wie Straßen, Plätze und Häuser.

Wer also demnächst im Grüngürtel unterwegs ist, kann sich kurz daran erinnern: Dass Köln an vielen Stellen eben keine „Steinwüste“ geworden ist, verdanken wir auch Fritz Schumacher, einem Bremer, der eigentlich in Hamburg arbeitete – und für gerade einmal drei Jahre an den Rhein kam.


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Der Bismarck-Turm: Kölns steinerner Ritter am Rhein

Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.de
Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.net

 Vor ein paar Wochen in der Linie 16: „Wat is dat eijentlich für e Ding?“ fragt ein mittelalter Herr die neben ihm sitzende Dame, als wir an der Haltestelle Bayenthalgürtel halten. „Dat is e Stöck vun d´r ahle Stadtmauer“ entgegnet sie. Und liegt damit leider völlig falsch. Das vermeintliche Stück Stadtmauer ist der Bismarck-Turm am Rhein. Und dieser hat mit der Stadtbefestigung definitiv nichts zu tun.

Bauwerke zu Ehren des „Reichsgründers“

Zu Ehren Otto von Bismarcks wurden zwischen 1869 und 1934 insgesamt 240 Bismarcktürme und -säulen im deutschsprachigen Raum errichtet. Davon sind heute noch 174 Exemplare erhalten. Einer davon ist der Bismarck-Turm bei uns am Rheinufer. Diese Türme sollten die Verdienste Bismarcks bei der Gründung des Deutschen Reichs deutlich machen.

Jörg Bielefeld betreibt die Seite Bismarck-Türme und erläutert die Besonderheit dieser Denkmäler: „Die Bismarcktürme wurden meist vom Bürgertum durch Spendensammlungen finanziert und finden sich an exponierten Standorten. Oft wurden diese mit einer Feuervorrichtung versehen, die an bestimmten Tagen entzündet wurde. Die Türme sehen nicht alle gleich aus. Vorbild ist der im Jahr 1899 entstandene Bismarckturm-Entwurf „Götterdämmerung“ in Form einer wuchtigen Feuersäule“. Allerdings, so Jörg Bielefeld, wich man aus verschiedenen Gründen in vielen Orten vom Einheitsentwurf ab und beauftragte einen eigenen Architekten. So entstanden Bismarcktürme mit sehr unterschiedlichen architektonischen Formen. Dazu gehört auch der Kölner Bismarck-Turm, einer der ungewöhnlichsten Bismarcktürme.

Kölner Darstellung als Rolandsfigur 

Der Kölner Turm sollte individuell sein. Und so entschied man sich für einen Entwurf des Architekten Arnold Hartmann. Bismarck wurde hier als „Rolandsfigur“ dargestellt. Mit einer Rüstung wie ein Ritter und einem großen Schild wacht der 15 Meter große Bismarck über das Reich. Ab 1900 wurde mit der Sammlung von Spenden für einen Bismarckturm begonnen, größter Einzelspender war der Kölner Schokoladeproduzenten Heinrich Stollwerck. Er wohnte in der Villa Bismarckburg, fast um die Ecke.

Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.de
Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.net

Bereits im Juni 1903 wurde der Turm feierlich eingeweiht. Allerdings konnte aus Geldmangel der ursprünglich geplante breite Sockel nicht realisiert werden. Aber es gab eine Befeuerung des Turms durch Öl. Dieses Öl qualmte allerdings mehr als es einen echten Feuerschein entwickelte. Daher wurde der Turm bereits 1907 an eine Gasleitung angeschlossen. Doch auch damit war man unzufrieden, und man verwendete wieder Öl zur Befeuerung. Im Jahr 1939 brannte auf dem Turm letztmalig ein Feuer.

Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Vorschlag: Nutzung als Kletteranlage

Im Jahr 1980 wurde der Turm unter Denkmalschutz gestellt und ab 2001 regelmäßig saniert. So flossen mehrere Hunderttausend Euro in das wenig bekannte und nicht wirklich beliebte Denkmal. Das findet nicht nur der Kölner Historiker Martin Stankowski befremdlich. Er wohnt an der Bottmühle in der Südstadt, nicht weit vom Bismarck-Turm entfernt und hat 2015 in der Technischen Hochschule einen Wettbewerb zur Umnutzung des Turms angeregt. Die Studenten waren äußerst kreativ. Ihre Vorschläge gingen von der Einrichtung gastronomischer Betriebe, einer mit einem gläsernen Aufzug zu erreichende Aussichtsplattform über eine Kletteranlage bis hin zum Abriss des Turms – nur der steinerne Bismarck sollte übrig bleiben.

In einem Interview mit der Stadtrevue lobt Stankowski insbesondere die Idee mit der Kletteranlage: „Aus städtebaulicher Sicht erfüllt das Denkmal noch immer eine Funktion, weil es den Abschluss des Gürtels bildet. Politisch und künstlerisch hat es aber keine Bedeutung“. Und mit der Kletteranlage, so Stankowski, hätten die Menschen immerhin etwas davon.

Wir sind aber in Köln. Passiert ist – bis auf die Pflege der Grünanlage rund um das Denkmal – nichts. Und solange werden auch die Kölschen damit wenig  anfangen können. Und den Bismarckturm fälschlicherweise der Stadtmauer zuordnen.


Website „Bismarcktürme“

Ein großes DANKE an Jörg Bielefeld von der Website „Bismarcktürme“ , der mich mit Informationen und Bildern bei diesem Artikel unterstützt hat. Auf seiner Seite sind auch noch mehr Bilder und sehenswerte alte Postkarten  vom Kölner Bismarckturm zu finden.


Die als "Bismarckburg" bekannte Villa Stollwerck am Bayenthalgürtel, Bild: gemeinfrei
Die als „Bismarckburg“ bekannte Villa Stollwerck am Bayenthalgürtel, Bild: gemeinfrei

Die Bismarckburg

Noch bis in die Mitte der 1930er Jahre stand neben dem Bismarckturm die „Bismarckburg“ – eines der ungewöhnlichsten Privathäuser Kölns. Eine burgartige Villa mit Turm, Zinnen und mittelalterlichem Flair. Ihr Bauherr war der steinreiche Schokoladenfabrikant Heinrich Stollwerck.

Alle Informationen zu diesem außergewöhnlichem Bauwerk:
Die Bismarckburg: Kölns verschwundenes Schloss am Rhein


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Das „Kölsche gleich“ – die dehnbarste Zeiteinheit der Welt

Die berühmte KVB-Minute: Ob die Linie 12 nach Zollstock tatsächlich in einer Minute kommt, ist völlig ungewiss. Bild: Uli Kievernagel
Die berühmte KVB-Minute: Ob die Linie 12 nach Zollstock tatsächlich in einer Minute, in einer Stunde oder in einem Tag  kommt, ist völlig ungewiss. Bild: Uli Kievernagel

Jeder Kölner kennt sie: die KVB-Minute.1Für die Nicht-Kölner: Mit „KVB“ ist die Kölner Verkehrs-Betriebe AG gemeint, in Köln allerdings besser bekannt als „kommt vielleicht bald“. DANKE an Mario für diese Ergänzung. Laut Anzeige soll die Bahn in einer Minute kommen. Fünf Minuten oder fünf Stunden oder fünf Tage später steht dann immer noch „1 Minute“ auf der Anzeige. Aber irgendwann rollt die Bahn tatsächlich ein.

Diese eher flexible Einteilung von „Zeit“ ist typisch kölsch. Denn der Kölner hat eine völlig andere Beziehung zur Zeit als der Rest der Welt,

Zeit ist in Köln erstaunlich elastisch

Wer neu nach Köln zieht, lernt schnell zwei Dinge. Erstens: Einen „Halven Hahn“ sollte man niemals wörtlich nehmen. Und zweitens: Das kölsche „gleich“ hat mit dem hochdeutschen „gleich“ nichts gemeinsam. Im Hochdeutschen bedeutet „gleich“ meist: sofort oder in wenigen Minuten. In Köln dagegen ist „gleich“ eher eine freundliche Absichtserklärung.

So versteht ein Norddeutscher den Satz „Ich komme gleich.“ als verbindliche Zeitangabe. Ein Kölner hört dagegen vor allem eines: Ich komme. Der Zeitpunkt bleibt dabei flexibel.

Das kann in fünf Minuten sein. Vielleicht in einer halben Stunde. Oder eben später am Nachmittag. Oder nächste Woche. Das sogenannte „Kölsche gleich“ beschreibt deshalb weniger einen exakten Zeitpunkt als vielmehr einen Zeitraum mit bemerkenswerter Dehnbarkeit.

In Köln gehen die Uhren oft anders - der Begriff "Zeit" ist äußerst dehnbar. Bild: Uli Kievernagel
In Köln gehen die Uhren oft anders – der Begriff „Zeit“ ist äußerst dehnbar. Bild: Uli Kievernagel

Es geht um Menschen, nicht um Minuten

Wer daraus mangelnde Pünktlichkeit ableitet, greift zu kurz. Hinter dem „Kölschen gleich“ steckt vielmehr eine Haltung. Denn wenn unterwegs ein Nachbar den neuesten Verzäll aus dem Veedel loswerden will, ein Freund auf ein Kölsch einlädt oder der Köbes ungefragt das nächste Kölsch hinstellt, dann verschiebt sich das „gleich“ eben ein wenig. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil Begegnungen und Genuss wichtiger sind als die Stoppuhr. Vielleicht erklärt gerade dieses kleine Wort das kölsche Lebensgefühl besser als viele wissenschaftliche Abhandlungen.

So gesehen ist die KVB-Minute eigentlich die kleine Schwester des „Kölschen gleich“ . Beide gehorchen nämlich derselben Logik: Zeit wird nicht auf die Sekunde genau verstanden, sondern mit einer gewissen Gelassenheit betrachtet. Während die KVB-Minute beschreibt, wie sich eine Minuten überraschend ausdehnen kann, schafft es das „Kölsche gleich“ sogar, ganze Stunden oder Tage in einem einzigen Wort unterzubringen.

Eine kölsche Maßeinheit

Vielleicht müsste man das rheinische Gleich tatsächlich als eigene Zeiteinheit einführen. Sie läge irgendwo zwischen „sofort“ und „irgendwann“, wäre abhängig von der Zahl zufälliger Begegnungen, spontaner Brauhausbesuche und der aktuellen Verkehrslage der KVB. Physiker würden vermutlich verzweifeln. Kölner hingegen wüssten sofort, was gemeint ist.

Vergleich "Kölsches gleich" und "Hochdeutsches gleich"

Denn am Ende zählt nicht, ob etwas exakt um 14.03 Uhr geschieht. Entscheidend ist nur, dass es überhaupt passiert. Oder, wie man in Köln wohl sagen würde:

„Et weed alles fäädisch – nur nit unbedingt jliich.2“Es wird alles fertig – nur nicht unbedingt gleich.“


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Der „Kölsche Boor en Iser“: Spenden sammeln durch Nägel einschlagen

Der Kölsche Boor in Iser, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölsche Boor in Iser, Bild: Uli Kievernagel

 

Er ist stattlich, massiv, wehrhaft. Und mehr als drei Meter hoch. Und genau das wird ihm jetzt zum Verhängnis: Der „Kölsche Boor en Iser“ passt nicht in das Übergangsquartier des Stadtmuseums im ehemaligen Kaufhaus Sauer. „Man würde keinen Museums-Neubau so planen.“ sagt Stefan Lewejohann, Kurator im Stadtmuseum, und meint damit, dass ein ehemaliges Kaufhaus nur bedingt als Museum genutzt werden kann. Derzeit ist offen, was mit der geschichtsträchtigen Figur des Kölschen Boors passiert.

Spenden sammeln durch Nägel einschlagen

Vielleicht könnte man dä Boor wieder dort aufstellen, wo die ganze Geschichte im Jahr 1915 begann: Am Gürzenich. Dort wurde am 20. Juni 1915 die 3,25 Meter hohe Statue aus vergoldetem Lindenholz in einem Pavillon aufgestellt. Es handelte sich um eine der zu dieser Zeit populären Nagelfiguren. Solche Figuren wurden aufgestellt, um Spenden zu sammeln. Die Idee stammte aus Österreich, wo man in Wien das Ritterstandbild „Wehrmann in Eisen“ aufgestellt hatte. Jeder konnte für einen bestimmten Betrag einen Nagel in die Figur schlagen.

Plakat von Franz Brantzky zum Kölsche Boor
Plakat von Franz Brantzky zum Kölsche Boor

Die Variante in Köln, der „Kölsche Boor in Iser“ („Der Kölsche Bauer in Eisen“), entpuppte sich als gigantischer Spendensammel-Erfolg. Nach zwölf Monaten wurden bereits mehr als 700.000 Reichsmark an Spenden eingenommen, bis 1919 verdoppelte sich diese Summe auf ca. 1,5 Millionen Reichsmark. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse wären das mehr als 14 Millionen Euro.

Die gesammelten Spenden gingen vorrangig an Kriegswaisen und Kriegswitwen., zum Teil abe4r auch an dei Rüstungsindustrie.

Eine Schulklasse im Jahr 1916 vor dem "Kölsche Boor". Auf der linken Seite sind noch Teile des Schriftzugs "Witwen- und Waisenfond" zu erkennen, rechts steht eine Geschütz-Lafette. Bild: Privatbesitz Michael Osieka
Eine Schulklasse im Jahr 1916 vor dem „Kölsche Boor“. Auf der linken Seite sind noch Teile des Schriftzugs „Witwen- und Waisenfond“ zu erkennen, rechts steht eine Geschütz-Lafette. Bild: Privatbesitz Michael Osieka

Symbol der Wehrhaftigkeit der Stadt

Dabei war es kein Zufall, dass ausgerechnet der „Kölsche Bauer“ als Galionsfigur für die Spenden-Kampagne in Köln ausgewählt wurde. Bis heute steht der Kölner Bauer für die Wehrhaftigkeit und Unsterblichkeit der Stadt. Auch der Bauer im Dreigestirn verkörpert diese Eigenschaften.

Wer meint, dass dieser Bauer nur einen harmlosen Landwirt darstellen soll, liegt vollkommen falsch. Der „Kölsche Boor“ repräsentiert die Wehrhaftigkeit der Stadt. Er trägt ein Kettenhemd, auf sehr alten Darstellungen auch ein Schwert. Der schwere, eisenbewehrte Dreschflegel des Bauern ist weniger dafür gedacht, Korn zu dreschen, sondern eher die Feinde der Stadt zu Brei zu schlagen. 

Ne staatse Buur! Deutlich zu erkennen: Das Kettenhemd. Bild: Norbert Bröcheler
Ne staatse Buur! Deutlich zu erkennen: Das Kettenhemd. Bild: Norbert Bröcheler

Ostermann schreibt patriotisches Marschlied  

Die Nagelfigur des Kölsche Boor ist schnell über und über mit Nägeln gespickt, nur noch der Kopf zeigt die ursprüngliche goldene Lackierung. Wieviele Nägel es tatsächlich sind, kann niemand sagen. Neben der „Nagel-Spende“ werden die Kölner auch im nahegelegenen „Geschäftslokal des Kölschen Boor“1Bitte nicht mit der schönen Gaststätte „Em Kölsche Boor“ am Eigelstein verwechseln, diese beiden Einrichtungen haben nur den Namen gemeinsam.zur Kasse gebeten. Waren es anfangs noch Spenden für die Witwen und Waisen der aus Köln stammenden gefallenen Soldaten, sollten die Kölner in dem Geschäftslokal Gold gegen Papiergeld tauschen, um die Rüstungsindustrie bezahlen zu können.

Größere Spender werden per Plakette namentlich genannt und in einer eigens zu diesem Zweck erscheinenden Wochenzeitschrift aufgeführt. Der Besuch beim Boor und die entsprechende Spende wurde zur patriotischen Pflicht hochstilisiert, Spendenunwillige werden als Vaterlandsverräter verunglimpft.

Im Zuge dieser Euphorie dichtet Willi Ostermann 1915 das Marschlied „Dä kölsche Boor en Iser“:

„Kölschen Boor, do ließ dich kamisöle,
kölschen Boor, wat ließ do dich vernäle;
dat es rääch, do kölschen Boor, halt Stand!
Et jeiht för dich un för et Vaterland.

Et es nit jedemein jejevve,
met vören an der Front zo sin.
Doch jeder, der doheim jeblevve,
jitt wat hä kann met Freuden hin. …“

Übersetzung:
Kölscher Bauer, du lässt dich verprügeln,
Kölscher Bauer, was lässt du dich vernageln;
Das ist recht, du Kölscher Bauer, halte Stand!
Es geht um dich und um das Vaterland.

Es ist nicht jedem gegeben,
mit vorne an der Front zu sein.
Doch jeder, der daheim geblieben,
gibt was er kann mit Freuden hin.

Der User „Swanny Swenumsen“ hat dieses Lied auf YouTube veröffentlicht.  Swanny Sewmunsen dazu auf YouTube: „Tatsächlich ist dies die einzige Platte, die mir in allen Jahren begegnet ist. Der Text ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß man 1915 noch an einen Sieg in diesem Krieg glaubte und sich der Schrecken der folgenden Materialschlachten noch nicht gezeigt hatte.“

Wohin jetzt mit dem Koloss?

Im Januar 1919 wurde der von oben bis unten mit Nägeln beschlagene Kölsche Boor in den Gürzenich gebracht, anschließend stand er im „Haus der Rheinischen Geschichte“ am Rheinufer. Seit 1984 ist er im Stadtmuseum zu finden. Doch wohin mit dem Koloss nach dem Umzug ins Übergangsquartier?

Ist doch ganz einfach: Bringt ihn dahin zurück, wo er herkam: In den Gürzenich.


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Kölsche Vornamen erklärt: Tünn, Drück, Züff & mehr

Kölsche Vornamen, Bild: Uli Kievernagel
Kölsche Vornamen, Bild: Uli Kievernagel

Es ist weit über die Stadtgrenzen bekannt, dass der kölsche „Jupp“ der hochdeutsche Josef ist. Und auch der „Tünn“ kann ohne große Schwierigkeiten als „Anton“ identifiziert werden. Kein Problem. Aber woher kommt der Döres? Wie heißt Drück auf hochdeutsch? Und wer is et Züff?

Lateinischer Klang im Mittelalter

Viele, aber bei weitem nicht alle der typisch kölschen Vornamen lassen sich aus der Latinisierung im Mittelalter herleiten. So war es durchaus üblich, Vornamen einen lateinischen Klang zu geben. So wurde aus dem Albert der Albertus, aus dem Jakob der Jakobus oder dem Reiner der Reinerus.

Damals gab es noch keine „Kölsche Sprache“ nach unserem heutigen Verständnis. Erst ab etwa dem frühen 17. Jahrhundert wurde in Köln zunehmend die sich entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache verwendet. Einhergehend damit ist auch eine Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache zu beobachten – die Kölner Mundart, wie wir sie heute kennen, entsteht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war dann Kölsch die Umgangssprache in der Domstadt.

Und in dieser Umgangssprache wurden auch die Vornamen „verkölscht“. Bevorzugt aus den Endungen der vormals lateinischen Fassungen wurden die kölschen Namen gebildet: Der Theodorus wird zum „Döres“, der Jakobus zum „Köbes“ und der Albertus zum „Bätes“. Tatsächlich erklärt das nicht alle kölschen Namensschöpfungen. So ist insbesondere bei den weiblichen Vornamen festzustellen, dass diese meist stark verkürzt werden, oft auf eine einzige Silbe: Aus der Cäcilie wird et Zill oder aus der Katharina et Tring. Ein großes DANKE an meine kölsche Lieblingslyrikerin Juliane Poloczek für diesen Hinweis. 

Um eine Übersicht der kölschen Vornamen zu bekommen, habe ich eine Liste zusammengestellt. Selbstverständlich ist diese Liste nicht vollständig. Habt ihr weitere Kölsche Namen? Schickt sie mir rüber. Ich ergänze diese Liste regelmäßig.

Traditionelle Namen bei heute Neugeborenen

Bei den im Jahr 2025 Neugeborenen ist ein traditioneller Name bei den Mädchen Spitzenreiter: Sophia (Züff). Es folgen 

  • Emilia
  • Emma
  • Mia
  • Lina
  • Mila
  • Lia
  • Hannah
  • Clara
  • Ella

Bei den Jungs führt im Jahr 2025 Noah, es folgen

  • Matteo (Matthes)
  • Henry (Heinrich, somit Hein oder  Drickes)
  • Leo
  • Paul
  • Luca
  • Elias
  • Mohammed
  • Theo (Düres oder Döres)
  • Felix

Liste Kölsche Namen

Adam = Addi

Ägidius = Jilles oder Gilles
auch Jiljen oder Jid, im ländlichen Bereich auch Gelis, Jelis, Gilliß, Gilleß, Giel, Egil, Gick

Agnes = Nieß
Agnes Margaretha Roeckerath, geb. Schmitz war die Namensgeberin der Agneskirche

Andreas = Drickes oder Andres(s)1Danke an Günter für diesen Hinweis.

Anna-Maria = Annemie

Anna, Änne, Anja = Änn, Änni, Ännsche

Annette = Nettche, Nett

Antonio "Tünn" Dos Santos, Wirt des "Brauhaus am Kloster" in Raderberg, Bild: Uli Kievernagel
Antonio „Tünn“ Dos Santos, Wirt des „Brauhaus am Kloster“ in Raderberg, Bild: Uli Kievernagel

Antonius, Anton = Tünn, Tünnes
Mein Lieblingswirt kommt aus Portugal und trägt den schönen Namen Antonio Dos Santos. In unserem Veedel ist er aber nur als der Tünn bekannt. Und dass er als Portugiese ein typisch Kölsches Brauhaus betreibt, wundert keinen. Auch dafür liebe ich mein Veedel.

Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater
Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater

Ein ganz anderer „Tünnes“ ist Anton Schmitz, DER Tünnes aus dem Hänneschen. Das Hänneschen beschreibt die Figur wie folgt:  Tünnes ist ruhig, gutmütig, versöhnlich, hilfsbereit, einfach, geradeheraus, bäuerlich bieder, doch nicht dumm, humorvoll, aber mit einer Schwäche für Alkohol. Er repräsentiert den bäuerlich-biederen Typ aus dem Kölner Umland.

Appolonia = Plünn

Der Musikant Arnold Wenger, bekannt als Fleuten-Arnöldche, auf dem Karl-Berbuer-Brunnen Bild: Uli Kievernagel
Der Musikant Arnold Wenger, bekannt als Fleuten-Arnöldche, auf dem Karl-Berbuer-Brunnen Bild: Uli Kievernagel

Arnold = Nöll
In Köln bestens bekannt ist das „Fleuten-Arnöldche“

Et Bärbelchen uss dem Hänneschen-Theater, Bild: Hänneschen-Theater
Et Bärbelchen uss dem Hänneschen-Theater, Bild: Hänneschen-Theater

Barbara = Bärbelche
Et Bärbelchen ist eine der wichtigsten Figuren im Hänneschen-Theater. Dabei spielt sie eine Doppelrolle: In den Aufführungen für Kinder ist sie die Schwester vom Hänneschen, in den Abendstücken für die Erwachsenen die Geliebte und Verlobte vom Hänneschen.
In der Version für erwachsene Frauen wird aus dem „Bärbelche“ et „Bärb“. 2Danke an Mario für diesen Hinweis.

Bartholomäus = Bätes oder Bartel3Danke an Bätes für diesen Hinweis.

Bernhard = Bätes

Bruno = Pünn

Das Zillchen-Balett im Jahr 2024 im Stück "Zillche in Gefahr", Bild: Kölner Männer-Gesang-Verein
Das Zillchen-Balett im Jahr 2024 im Stück „Zillche in Gefahr“, Bild: Kölner Männer-Gesang-Verein

Cäcilie, Cäzilie = Zill, Zilla, Zilli, Zillche
Die Bühnenspielgemeinschaft „Cäcilia Wolkenburg“ ist eine „Tochter“ des Kölner Männer-Gesang-Vereins und bringt jedes Jahr das Divertissementchen auf die Bühne. Die Kölschen nennen das Divertissementchen liebevoll „Zillchen“.

Christian = Chriss, Kreß

Christina = Stina oder Sting4Danke an Bätes für diesen Hinweis.
Die wohl bekannteste Stina spielt die Hauptrolle in Willi Ostermanns Lied „Et Stina muß ’ne Mann han, et weed die höchste Zick!“ Dort lautet es weiter
„Et Stina muß ’ne Mann han, söns wähde mer’t nit mie quitt
Et Stina muß ’ne Mann han, ov alt hä oder jung,
denn bliev et Stina setze, wör’t schad för dat Fazzung.“

 

Cornel Wachter, Künstler, bekennender Kölner und Fortuna-Fan, Bild: Cornel Wachter
Cornel Wachter, Künstler, bekennender Kölner und Fortuna-Fan, Bild: Cornel Wachter

Cornelius = Nelles, Cornel
Immer aktiv für seine Stadt: Der renommierte Künstler Cornel Wachter aus der Südstadt.  

Elisabeth = Liß, Liss, Lissbätt

Georg = Schosch oder Schorsch

Gertrud = Truud, Traudt, Draut, Traudtsche, Drück, Drügg

Gregor = Görres5Ein großes DANKE an Rainer für diessen Hinweis.
Der deutsche Gregor war im lateinischen der Gregorius. Nimmt man nun, wie bei so vielen Namen, die erste Silbe weg, bleibt “Gorius“. Ein historisch bedingter Lautwandel macht aus dem „o“ ein „ö“ und dann ist es nur noch ein kleiner Weg zum „Görres“.

Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Grete, Margret = Griet, Jriet
Die Marktverkäuferin Griet spielt alljährlich die weibliche Hauptrolle im Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz.

Hans "Jean" Löring, Bild: Deutscher Fußball Bund
Hans „Jean“ Löring, Bild: Deutscher Fußball Bund

Hans = Schäng
Hier denkt nicht nur jeder Fan von Fortuna Köln natürlich sofort an den Präsident und Mäzen des Vereins: Hans „Jean“ Löring, genannt „Schäng“.

Heinrich, Heinz = Hein, Drickes

Herbert = Bätes, Bäätes
Der Herbert ist einer der vielen Namen die auf -bert enden und im Kölschen einheitlich zum Bätes oder Bäätes werden.

Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater

Hermann = Manes
Ein sehr bekannter „Manes“ ist Hermann Speichel, besser bekannt als Speimanes aus dem Hänneschen. Der Speimanes stottert, hat einen Buckel und spuckt, insbesondere beim „B“ und beim „P“. 

Jodokus = Dökes6Danke an Günter für diesen Hinweis 

Die Sängerin Marita Köllner ist in Köln besser bekannt als "Et fussisch Julche". Bild: Oliver Abels (SBT), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Die Sängerin Marita Köllner ist in Köln besser bekannt als „Et fussisch Julche“. Bild: Oliver Abels (SBT), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Julia = Julche
Jeder kölsche Jeck kennt dei Sängerin „Et fussisch Julche“ Marita Köllner . „Fuss“ steht für rothaarig. 

Klara / Clara = Klör
Im Lied „Am Dude Jüdd“ von Willi Ostermann hat auch eine Klara als „Seife-Klör“ ihren Auftritt:
Et Schäfersch Nett, et Schruppe Zillige,
et Leppenbell, dat danz gewöhnlich d’r Kadrillje,
et Seife-Klör em Sonndagsstaat,
alles War vum Tietze Leienad,
et Schmitze Plünn em fußfrei Röckche,
et fussich Julche met de lila, lila Söckcher
un et „Juß“, o stäänekränk,
meschtendeils d’r Dreitritt schwenk.

Norbert = Bäätes

Ein Köbes bei der Arbeit, Bild: Privatbrauerei Gaffel
Ein Köbes bei der Arbeit, Bild: Privatbrauerei Gaffel

Jakob = Köbes
Köbes ist auch der Sammelbegriff für die Bedienung im Brauhaus. Wobei „Bedienung“ nicht der korrekte Begriff ist: Nicht der Gast, sondern der Köbes ist König. Er alleine entscheidet, ob und wann man das nächste Kölsch bekommt.

Geißbock Hennes, Das Maskottchen des 1. FC Köln, hier Hennes VIII. mit seinem Betreuer Ingo Reipka, Bild: Nicola, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Geißbock Hennes, das Maskottchen des 1. FC Köln, hier Hennes VIII. mit seinem Betreuer Ingo Reipka, Bild: Nicola, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Jean, Johann, Johannes = Hennes, Schäng, Hännesje
Dass der ruhmreiche 1. FC Köln auch weiter erfolgreich Fußball spielt, ist weniger den Akteuren auf dem Platz, sondern mehr dem Maskottchen neben dem Platz zu verdanken: Der Geißbock Hennes IX. sorgt für erfolgreichen Fußball.

Josef = Jupp
Man solte unbedingt den „Appel-Jupp“ kennen. Das war ein ganz besonderer kölscher Heiliger, dem am Waidmarkt ein Brunnen gewidmet wurde. Außerdem findet man wegen ihm regelmäßig frische Äpfel in St. Maria im Kapitol. 

Julia = Jul

 

"Finchen", die legendäre Straßenbahn, Bild: ManuelFranz, CC BY-SA 4.0
„Finchen“, die legendäre Straßenbahn, Bild: Manuel Franz, CC BY-SA 4.0

Josefine, Josephine = Finche
Den Namen „Finchen“ trägt eine durchaus eigenwillige historische Straßenbahn aus dem Jahr 1911. Im Juni 2016 machte sich das Gefährt, nachdem der Fahrer nur kurz auf Toilette war, selbstständig und rollte ohne Fahrer etwa zwei Kilometer das abschüssige Stück vom Thielenbrucher Straßenbahn-Museum zum Dellbrücker Mauspfad. Aber Finchen war umsichtig: Niemand kam zu Schaden.

 

Die Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring von 1901, Bild: KG Schnüsse Tring
Die Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring von 1901, Bild: KG Schnüsse Tring

Katharina = Kättche, Tring
Et „Schnüsse Tring“ war ein selbstbewusstes Dienstmädchen aus Ossendorf. Der Komponist Joseph Roesberg widmete ihr bereits 1859 das „Lied der Schnüsse Tring“. Ihr zu Ehren wurde 1901 die Karnevalsgesellschaft „Schnüsse Tring“ gegründet.

Im Hänneschen stiftet et „Zänkmanns Kätt“ regelmäßig Unruhe. Die Dame sieht alles, hört alles und versteht trotzdem alles falsch.

Liselotte = Lottche7DANKE an Willi für diesen Hinweis

Das Funkemariechen wird auf "Händen getragen", Bild: Raimond Spekking
Das Funkemariechen wird auf „Händen getragen“, Bild: Raimond Spekking

Maria = Marie, Marieche
Das „Funkemarieche“ wird in Köln regelmäßig auf Händen getragen.

Maria Sibylla = Maritzebill

Marianne = Marielche, Mariejelchen
Ein sehr selbstbewusstes Mariejelchen besingen die Höhner in ihrem Hit „Ich ben ene Räuber“. Sie versetzt dem Macho Pitter nach nur einer gemeinsamen Nacht mit den Worten:
„Ich ben och ene Räuber, leeve Pitter.
Ben ne Räuber durch un durch.
Ich kann nit treu sin, läv en dr Daach ren.
Ich ben ne Räuber, maach mir kein Sorch.“

 

Der Zinte Mätes verteilt traditionell Weckmänner an die Pänz, Bild: Flammingo, CC BY-SA 3.0
Der Zinte Mätes verteilt traditionell Weckmänner an die Pänz, Bild: Flammingo, CC BY-SA 3.0

Martin = Mätes
Am 11.11. ist nicht nur Sessionsbeginn sondern auch „Zinte Mätes“ – Sankt Martin. Der Zinte Mätes verteilt dann traditionell Weckmänner an die Pänz.

Matthias = Mattes, Mattschö

Der Kopf des Nikolaus Gülich von der abgerissenen Schandsäule, heute im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen, Bild: Willy Horsch CC BY 3.0
Der Kopf des Nikolaus Gülich von der abgerissenen Schandsäule, heute im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen, Bild: Willy Horsch CC BY 3.0

Nikolaus, Klaus = Klööß
Nikolaus Gülich war „Der kölnische Rebell“ und kämpfte gegen den Klüngel.
Und ein Finger des Heiligen Nikolaus rettete im Februar 1347 Köln vor den Fluten des Rheins. 

Der "Drüje Pitter" macht auf diesem Bild hier seinem Namen alle Ehre: Mit "drüsch" oder "drüg" meint der Kölsche "trocken", Bild: Uli Kievernagel
Der „Drüje Pitter“ macht auf diesem Bild hier seinem Namen alle Ehre: Mit „drüsch“ oder „drüg“ meint der Kölsche „trocken“, Bild: Uli Kievernagel

Peter = Pitter
Bitte nicht verwechseln: Der „Drüje Pitter“ ist ein Brunnen, der „Decke Pitter“ ist die Petrusglocke und das „Pittermännchen“ ist ein 10-Liter-Fass.

Sibylla, Sibille = Billa, Bill
Und alle Kölschen haben direkt die Melodie von Willi Ostermann im Kopf
„Jetz hät dat Schmitze Billa
en Poppelsdorf en Villa.
Et hät en eigen Huhs,
et Bill es fein eruhs!“

Sophia = Züff, Soffi

 

Der Kölner Oberbürgermeister Theo "Döres" Burauen, Bild: Bundesarchiv
Der Kölner Oberbürgermeister Theo „Döres“ Burauen, Bild: Bundesarchiv

Theodor = Düres, Döres, Düüres, Dööres
Ein ganz wichtiger Döres für Köln war der Kölner Oberbürgermeister Theo Burauen (geb. 1906, gestorben 1987). Der überaus beliebte Politiker wurde von den Kölnern nur „Döres“ genannt und hatte eine Menge Erfolge zu verbuchen, unter anderem den Neubau des Opernhauses, der Sporthochschule sowie der Severins– und Zoobrücke. Und der Döres hatte auch das legendäre Kamelrennen in Weidenpesch eingefädelt.

 

Eine Ursulabüste mit Schauöffnung. Die Büsten sind hohl, der Deckel in Form des Kopfes kann abgenommen werden. Gefüllt werden die Büsten mit einem Schädel oder anderen Knochen, Bild: Raimond Spekking
Eine Ursulabüste mit Schauöffnung. Die Büsten sind hohl, der Deckel in Form des Kopfes kann abgenommen werden. Gefüllt werden die Büsten mit einem Schädel oder anderen Knochen, Bild: Raimond Spekking

Ursula = Öschel, Oorschel, Ürschel
Das Martyrium der Heiligen Ursula und der damit verbundene Reliquienkult hat der Stadt viel Ruhm und Pilger und den Kölschen viel Geld gebracht.

Das Sankt Vinzenz-Hospitals in Nippes (2021), Bild: Sebastian Löder / CC BY 4.0
Das Sankt Vinzenz-Hospitals in Nippes (2021), Bild: Sebastian Löder / CC BY 4.0

Vinzenz = Zenses 8Ein großes DANKE an Rainer für diesen Hinweis.
Der „berühmteste Vinzenz“ in Köln ist das St. Vinzenz-Hospital in Nippes. 

Werner = Neeres, Neres

Wilhelm = Wellem, Will, Willi

Wilhelmine = Mina


Selbstverständlich ist diese Liste nicht vollständig. Habt ihr weitere kölsche Namen? Schickt sie mir rüber. Ich ergänze diese Liste regelmäßig.


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Alfons Mauser: Der friedliche „Zaunkönig“ aus Köln

Das repräsentative Familiengrab Mauser auf dem Kölner Südfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Das repräsentative Familiengrab Mauser auf dem Kölner Südfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Der Name Mauser lässt viele sofort an Waffen denken. An Gewehre, Militärgeschichte und an das berühmte Motto „Si vis pacem, para bellum“„Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor“. Ausgerechnet ein „eingekölschtes“ Mitglied der Familie Mauser stellte dieses Prinzip auf den Kopf: Alfons Mauser.

Alfons Mauser, Sohn des Mitgründers der ältesten und international bekannten deutschen Waffenschmiede Mauser, wollte nicht den Krieg vorbereiten, sondern den Frieden. Er nannte seine erste Firma deshalb bewusst „Para PacemBereite den Frieden vor“. Statt Gewehre zu bauen, entwickelte er Gartenzäune und Metallfässer. Und Köln wurde zur Heimat dieses ungewöhnlichen Unternehmers.

Geboren wurde Alfons Mauser am 25. Mai 1872 im schwäbischen Oberndorf am Neckar. Sein Vater Wilhelm gehörte zu den Gründern der berühmten Gewehrfabriken. Doch Alfons schlug einen anderen Weg ein. Zwar lernte er zunächst alle Bereiche des Familienunternehmens kennen und wurde von seinem Onkel, dem legendären Konstrukteur Peter Paul Mauser, nach England und in die USA geschickt. Dort beschäftigte er sich mit modernen Fertigungstechniken bei führenden Industriebetrieben wie Pratt & Whitney oder Waffenherstellern wie Remington.

Alfons Mauser (1872-1972)
Alfons Mauser (1872-1927)

Verbesserungsvorschläge wurden abgelehnt

Zurück in Deutschland studierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart und brachte neue Ideen mit. Doch sein Onkel Paul, der die Geschäfte der Mauser Werke verantwortete, wollte davon wenig wissen. Alfons Mauser hatte unter anderem eine verbesserte Schlagbolzenkonstruktion am Mauser-Gewehr entwickelt. Doch seine Verbesserungsvorschläge wurden abgelehnt, die Zusammenarbeit mit seinem Onkel Paul Mauser endete im Streit. Für Alfons Mauser war das ein Wendepunkt in seinem Leben.

Mit nur 24 Jahren gründete er 1896 seine eigene Fabrik für Stahlblechwaren. Sein bekanntestes Produkt trug einen fast poetischen Namen: „Zaunkönig“. Hinter der Marke verbargen sich kunstvoll gefertigte Stahlzäune, Tore und Gitterelemente, die Sicherheit schaffen sollten, ohne bedrohlich zu wirken. Eine bemerkenswerte Idee für jemanden, dessen Familienname eigentlich mit Waffen verbunden war.

Ehrenfeld als bedeutender Industriestandort

Nur zwei Jahre später zog es Mauser nach Köln-Ehrenfeld. Das Viertel war damals ein pulsierender Industriestandort. Hier entstanden Maschinen, Lokomotiven, Motoren und Chemieprodukte. Zwischen all diesen Fabriken fand auch Mausers friedliche Idee mit den Zäunen ihren Platz.

Doch er blieb nicht beim Gartenzaun stehen. Die Industrialisierung verlangte nach neuen Transportlösungen. Chemische Rohstoffe wurden häufig in großen Glasballons befördert, die empfindlich und schwer zu handhaben waren. Mauser entwickelte dafür robuste Körbe aus Stahlband, die den Transport deutlich sicherer machten.

Das "Mauser-Patent-Fass", Bild: treffpunkt-kunst.net, Public domain, via Wikimedia Commons
Das „Mauser-Patent-Fass“, Bild: treffpunkt-kunst.net, Public domain, via Wikimedia Commons

„Mauser-Patent-Fässer“

Sein größter Wurf folgte 1903. Er konstruierte ein luftdicht verschließbares Stahlfass aus Eisenblech. Was zunächst unspektakulär klingt, revolutionierte den Transport von Chemikalien und Erdöl. Die „Mauser-Patent-Fässer“ wurden zum Exportschlager und fanden weltweit Abnehmer. Noch heute erinnern moderne Industriefässer an die Konstruktionen, die einst in Köln entwickelt wurden.

1921 kaufte Mauser eine ehemalige Karbidfabrik im hessischen Waldeck und baute sie zu einem modernen Produktionsstandort um. Dort entstanden nicht nur Stahlfässer, sondern auch Gasflaschen, Tanks, landwirtschaftliche Geräte und sogar Möbel. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber der Region.

Ehrendoktorwürde als späte Anerkennung

Ein Jahr später verlegte Alfons Mauser den Firmensitz von Köln-Ehrenfeld nach Brühl und benannte das Unternehmen in Mauser-Werke GmbH um. Die Verbindung zu Köln blieb jedoch bestehen. Hier hatte seine Erfolgsgeschichte begonnen, hier entstanden die entscheidenden Erfindungen.

1922 erhielt er von der Technischen Hochschule Stuttgart die Ehrendoktorwürde. Eine späte Anerkennung für jemanden, dessen innovative Ideen im Familienunternehmen einst abgelehnt worden waren.

Selbstverständlich nicht ohne den "Ehrendoktor": Die Grabinschrift für Alfons Mauser auf dem Familiengrab, Bild: Uli Kievernagel
Selbstverständlich nicht ohne den „Ehrendoktor“: Die Grabinschrift für Alfons Mauser auf dem Familiengrab, Maria Mauser, geb. Zwick-Sieber, war seine Ehefrau, die Ehe wurde 1897 geschlossen. Bild: Uli Kievernagel

Alfons Mauser starb am 11. August 1927 im Alter von nur 55 Jahren in Köln. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Kölner Südfriedhof. Aus einer Familie, die weltberühmt für Waffen wurde, stammte ein Mann, der mit seiner Firma „Para PacemBereite den Frieden vor“ den Frieden zum Unternehmensziel erklärte und der lieber Zäune als Gewehre baute und Fässer statt Gewehre erfand.


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Das Kölner Stadtmodell: „Klein-Köln“ oder „Kölsches Miniaturwunderland“

Fast die ganze Stadt auf einen Blick: Das Kölner Stadtmodell. Bild: Uli Kievernagel
Fast die ganze Stadt auf einen Blick: Das Kölner Stadtmodell. Bild: Uli Kievernagel

Von der Südbrücke bis zum Gürzenich sind es nur ein paar Schritte. Auch vom Barbarossaplatz zum Rathausturm ist es nur ein Katzensprung. Einfach fantastisch: Eine Stadtbesichtigung im Schnelldurchlauf. 

Möglich macht dies das Kölner Stadtmodell. Dabei handelt es sich um ein Modell der Innenstadt im Maßstab 1:500. So werden die 1,5 Kilometer von der Kölnarena zum Schokoladenmuseum zu gerade mal drei Metern, von der Hohenzollernbrücke zum Südstadion sind es nur sechs Meter. Und wie bei einem Rundflug über Köln kann man große Teile der Stadt auf einen Blick erfassen.

Im Modell gute 30 cm hoch: Der Kölner Dom, im Vordergrund der Hauptbahnhof, Bild: Uli Kievernagel
Im Modell gute 30 cm hoch: Der Kölner Dom, im Vordergrund der Hauptbahnhof, Bild: Uli Kievernagel

1993 entstehen erste Teile des Modells

Das Kölner Stadtmodell ist ein detailgenauer Nachbau der Stadt – ein Kölner Miniaturwunderland. Bereits seit den 1950er Jahren wurde von Architekten über ein solches Projekt diskutiert. Die Idee: In einem solchen Modell können Bauprojekte im städtebaulichen Zusammenhang geprüft und beurteilt werden bevor die Bagger rollen.

Doch erst im Jahr 1991 wurde die Idee für ein solches Stadtmodell von den beiden Architekten Dörte Gatermann und Kaspar Kraemer1Kraemer ist auch der Architekt von Kölns größtem Wasserstandsmelder: Dem Pumpwerk Schönhauser Straße. konkretisiert. 1993 entstanden die ersten jeweils 1 x 1 Meter großen Platten des Modells. Danach unternimmt das stetig wachsende Modell – es umfasst 1996 bereits 30 Platten – eine wahre Odyssee durch die Stadt. Aufstellungsorte waren die alte Druckereihalle des Stadthauses und die Halle des Technischen Rathauses in Deutz. Seit 2004 steht das Modell im Spanischen Bau des Rathauses.

Aktuell umfasst das Modell 64 einzelne Platten und deckt den innerstädtischen Bereich zwischen Mediapark und Südbrücke (Nord-Süd-Richtung) sowie Kalk und Belgisches Viertel (Ost-West-Richtung) ab.

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Modellbau ist aufwändig

Zu den ersten Modellbauern gehörte Christof Krautwig. Obwohl schon längst im Ruhestand kümmert er sich immer noch liebevoll um das Modell. Alleine seine regelmäßige Reinigung des gesamten Modells dauert etwa zwei Monate.

Heute baut seine Nachfolgerin, die Aachenerin Anikó Krén, weiter an dem „Klein-Köln“. Sobald neue Veedel in das Modell aufgenommen werden, nutzt die Architektin und Modellbauerin zunächst die bestehenden Pläne. Zusätzliche Luftaufnahmen geben eine Information über Gebäudehöhen und Dachformen. Um auch wirklich alle Besonderheiten zu berücksichtigen, fährt Anikó Krén zu den Veedeln in „echt“ und fotografiert Fassaden, Gebäude und Straßenzüge. Erst dann beginnt der aufwändige Modellbau.

Im Modell wird die besondere Architektur sichtbar: Der Mediapark im Kölner Stadtmodell, Bild: Uli Kievernagel
Im Modell wird die besondere Architektur sichtbar: Der Mediapark im Kölner Stadtmodell, Bild: Uli Kievernagel

Die Gebäude im Modell werden aus speziellen Kunstharzen (Ureol oder Ecpocel) hergestellt. Die durchgängig weiße Lackierung hilft, den Überblick zu behalten. Um Neubauvorhaben umsetzen zu können, sind die Modelle aller Gebäude so auf den Platten verschraubt, dass diese sehr einfach ausgetauscht werden können.

Ausgewählte Bauwerke werden detailliert ausgeführt. Dazu gehören zum Beispiel die Kölnarena, die Brücken, die romanischen Kirchen und selbstverständlich der Dom. Allein die Dom-Nachbildung besteht aus über 20.000 Einzelteilen.

Die Kölnarena im Kölner Stadtmodell, Bild: Uli Kievernagel
Die Kölnarena im Kölner Stadtmodell, Bild: Uli Kievernagel

Dieser Aufwand hat seinen Preis: Die Erstellung eines Quadratzentimeters des Modells kostet 1,50 Euro, eine ganze Platte 15.000 Euro. Deswegen ist der Trägerverein des Modells auf Spenden angewiesen. Spender können zum Beispiel den Modellnachbau ihres eigenen Hauses, den Bau ausgewählter städtischer Gebäude oder eine gesamte Modellplatte finanzieren.

Als Spender ist man in guter Gesellschaft – bisher haben mehr als 200 Personen, Unternehmen und Initiativen das Modell unterstützt. Die Liste reicht von A wie ADAC über K wie Kaufhof bis hin zu Z wie Züblin Bauunternehmung AG.

Die neue, noch nicht realisierte, Bebauung des Deutzer Hafens ist im Kölner Stadtmodell bereits zu sehen. Bild: Uli Kievernagel
Die neue, noch nicht realisierte, Bebauung des Deutzer Hafens ist im Kölner Stadtmodell bereits zu sehen. Bild: Uli Kievernagel

Planung von Neubauprojekten

Besonders spannend ist der Einsatz des Modells für geplante Bauprojekte. Mit Hilfe des Modells können Planungen sehr frühzeitig im Gesamtzusammenhang visualisiert, überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. So ist schon heute der geplante Endausbau des Deutzer Hafens mit der ehemaligen Ellmühle im Modell integriert. Das Modell dient Bauherren, Rat und Architekten als praktische Entscheidungshilfe im Städtebau.

Und für den interessierten Kölner ist es einfach spannend, Orte wie das Südstadion, den Volksgarten oder die Messe von oben zu sehen ohne in ein Flugzeug steigen zu müssen.


Hinter diesem Eingang des Spanischen Baus (Rathausplatz) befindet sich das Kölner Stadtmodell, Bild: Raimond Spekking
Hinter diesem Eingang des Spanischen Baus (Rathausplatz) befindet sich das Kölner Stadtmodell, Bild: Raimond Spekking

Besichtigung des Kölner Stadtmodells

Das Kölner Stadtmodell kann während der Öffnungszeiten des Rathauses im Spanischen Bau besichtigt werden, der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten:
Mo., Mi., Do. 8.00 –16.00 Uhr
Di. 8.00 – 18.00 Uhr
Fr. 8.00 – 12.00 Uhr


Logo Trägerverein Kölner Stadtmodell

Spenden an die Initiative Kölner Stadtmodell

Träger der Initiative ist der Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V. Die Bankverbindung für Spenden lautet:

IBAN: DE60 3705 0299 0000 0199 94
Kreissparkasse Köln, BIC: COKSDE33
Stichwort „Kölner Stadtmodell“

Auf Wunsch wird eine steuerrechtlich anerkannte Spendenbescheinigung ausgestellt.


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Cilly Aussem – ein kölsches Mädchen gewinnt Wimbledon

Cilly Aussem, Tennisstar der 1930er Jahre, Bild: Agence de presse Meurisse – Bibliothèque nationale de France

Lange vor Steffi Graf und Angelique Kerber gab es bereits eine deutsche Wimbledonsiegerin: Cäcilia Edith, genannt „Cilly“, Aussem konnte bereits im Jahr 1931 das Turnier des „All England Lawn Tennis and Croquet Club” für sich entscheiden. Ein kölsches Mädchen gewinnt in Wimbledon.

Cilly Aussem wurde am 4. Januar 1909 in Köln geboren. Ihr Vater Johann „Jean“ Aussem war als deutscher Generalverteter der französischen Käsemarke Gervais sehr vermögend. Ihre Mutter Ursula nannte sich „Helen“ und wollte ihre Tochter auf Biegen und Brechen in die Weltspitze des Tennis bringen. Die ersten Schritte auf dem Court machte Cilly im Jahr 1923 beim Tennisclub Rot-Weiß Köln und zeigte schnell ihr Talent: Bereits im Sommer 1924 konnte sie gleich ihr erstes Turnier gewinnen.

Eine schwierige, ehrgeizige Mutter

Cilly schlug sich danach auf diversen Turnieren in ganz Europa durchaus respektabel – und wäre da nicht ihre über-ehrgeizige Mutter gewesen, hätte sie sich auch in Ruhe entwickeln können. Doch „Helen“ Aussem machte ihrer Tochter das Leben durchaus schwer.

Bei einem Turnier in Hamburg beschuldigte sie die Gegnerin, Cilly hypnotisiert zu haben. Dieser Vorwurf mündete in einer wüsten Schlägerei zwischen „Helen“ Aussem und der Gegnerin von Cilly, Paula von Reznicek.  Kolportiert wird auch, dass Cillys Tennistrainer Bill Tilden auf die Frage ihrer Mutter, wie Cilly eine wirklich große Spielerin werden könnte, geantwortet habe „Indem Sie, Frau Aussem, den nächsten Zug nach Deutschland nehmen!“

Cilly Aussem auf einem Ölgemälde von Leo von König (1932), Bild: Raimond Spekking
Cilly Aussem auf einem Ölgemälde von Leo von König (1932), Bild: Raimond Spekking

Cilly gewinnt in Wimbledon

Das Training von Bill Tilden war erfolgreich: Cillys harte Vorhand war auf dem Tennisplatz gefürchtet. Und so schlug sie am 3. Juli  1931 im Finale von Wimbledon Hilde Krahwinkel und war somit die erste Deutsche, die das prestigeträchtige Turnier gewinnen konnte.

Adenauer, damals Oberbürgermeister von Köln, schickte ihr per Telegramm „Cilly, ganz Köln gratuliert zum großen Sieg. Ihre Heimatstadt ist stolz auf Sie“. Und tatsächlich wurde ihr nach dem Wimbledon-Sieg ein triumphaler Empfang in ihrer Heimatstadt bereitet.

Leider konnte ihr Körper die Strapazen des Leistungssports nicht aushalten. Eine verschleppte Blindarmentzündung und ein schon früher auftretendes Augenleiden machte es ihr zunehmend schwerer, an die Spitzenleistung des Jahres 1931 anzuknüpfen. Im Jahr 1935 beendete Cilly ihre Karriere.

Briefmarke „Cilly Aussem“

Tod im Nobelort Portofino

Ein Jahr später heiratete sie den italienischen Offizier Graf Fermo Murari dalla Corte Brà und zog mit ihm nach Ostafrika. Dort infizierte sie sich mit Malaria, gleichzeitig verschlechterte sich ihre Sehkraft rapide. Zusätzlich trat eine starke Überempfindlichkeit gegen das Sonnenlicht auf.

Cilly zog mit ihrem Mann nach Italien, ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich massiv und sie zog sich, mittlerweile fast blind, völlig von der Öffentlichkeit  zurück. Cilly Aussem starb am 22. März 1963 im Alter von nur 54 Jahren. Ihr Grab ist auf dem Friedhof San Giorgio im Nobelort Portofino.

Köln vergisst seinen Tennisstar

Nur per Zufall wurde in Deutschland überhaupt bekannt, dass Cilly Aussem gestorben war. Ein Journalist erkannte, dass es sich bei der Todesanzeige einer gewissen „Gräfin Cecilie Editha Murari dalla Corte Brà“ um den deutschen Tennisstar der 30er Jahre handelte.

In ihrer Heimatstadt Köln war die ehemals prominente Sportlerin mittlerweile völlig vergessen. Immerhin erinnert eine 1988 erschienene Briefmarke an die erste deutsche Wimbledonsiegerin. Und der Energieversorger RheinEnergie hat in seiner Zentrale alle Konferenzräume nach kölschen Persönlichkeiten benannt – und so trägt einer der Räume den Namen „Cilly Aussem“.1DANKE an Sebastian für diesen Hinweis.


Das Vereinsheim des KTHC findet sich am Olympiaweg in Müngersdorf, Bild: Jörg Michell, lindenthal.blog
Das Vereinsheim des KTHC findet sich am Olympiaweg in Müngersdorf, Bild: Jörg Michell

Erinnerungen an Cilly Aussem beim KTHC

Im Vereinsheim von Rot-Weiß Köln, direkt neben dem Müngersdorfer Stadion, sind Erinnerungsstücke an Cilly Aussem ausgestellt.2DANKE für diese Info an Maik aus Bonn.


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