Zurück zu den Wurzeln – der Rusemondachszoch soll im Kreis laufen 

Rosenmontagszug auf dem Neumarkt, Gemälde von Simon Meister, Köln 1836
Rosenmontagszug auf dem Neumarkt, Gemälde von Simon Meister, Köln 1836

Die Corona-Krise hat auch große Auswirkungen auf den Fastelovend. So wie wir den Karneval kennen, wird 2021 nicht gefeiert. Keine großen Sitzungen, keine ausschweifenden Bälle und Parties, kein lautes, gemeinsames Mitsingen der Karnevalshits und kein Rosenmontagszug.

Moment – kein Rosenmontagszug?

Vielleicht wird es doch einen Zoch geben! Das Festkomitee prüft gerade verschiedene Möglichkeiten, wie ein Zoch unter Corona-Bedingungen doch noch stattfinden könnte. Eine Idee war, einzelne Wagen an zentrale Plätzen zu stellen. Dann kütt der Zoch nit zo dä Lück – dann kumme die Lück zum Zoch. Keine schlechte Idee.

Eine andere Idee ist, den Zoch tatsächlich gehen zu lassen. Und zwar im Müngersdorfer Stadion. Dort, wo sonst der ruhmreiche 1. FC Köln um Punkte für die bald bevorstehende Meisterschaft kämpft, soll der Zoch in Kreis laufen und die Jecken erfreuen.

Auch 1823 ging der erste Zoch „nur“ im Kreis

Sollte diese Idee Realität werden, wäre das „Karneval wie damals“. Der allererste Zoch ging an Rosenmontag auch nicht quer durch die Stadt, sondern rund um den Neumarkt. Dort feierten am 10. Februar 1823 insgesamt 15 Gruppen1Darunter die Roten Funken und das Reiterkops Jan von Werth. die „Die Thronbesteigung des Helden Carneval“. Heute unvorstellbar: Die Vorbereitungszeit betrug gerade mal zwei Wochen.

Auszug aus dem Programm des ersten Kölner Rosenmontagszuges vom 10. Februar 1823
Auszug aus dem Programm des ersten Kölner Rosenmontagszuges vom 10. Februar 1823

Das frisch gegründete Festkomitee hatte die Zeit genutzt und ein strenges, zwölf Paragraphen umfassendes, Reglement für diesen ersten Zoch verfasst. Genauso, wie es die gut organisierten preußischen Besatzer gerne sahen:

„Der in ganz Teutschland einstens so berühmte kölnische Carneval soll durch das Zusammenwirken mehrerer Verehrer alter Volksthümlichkeit in diesem Jahre durch einen allgemeinen Maskenzug erneuert und auch gefeiert werden. Die dabei zum Grunde gelegte Idee ist die Thronbesteigung Carneval’s gedacht als König des Volksfestes.“
§1 Ablaufplan Rosenmontag 1823

Sollte der Zoch also wieder im Kreis gehen, wenn auch im Stadion statt am Neumarkt, wäre das eine tatsächliche Rückbesinnung auf die Wurzeln.

Noch keine Details für 2020 bekannt

Zugleiter Holger Kirsch bestätigte im Kölner Stadt-Anzeiger2vom 1. Oktober 2020 die Planungen: Seit zwei Monaten befasse man sich mit „konkreten Planungen für ein Rosenmontagszugsfest im Stadion.“, so Kirsch. „Aber derzeit ist es für eine Veröffentlichung dieser Planungen aus unserer Sicht eigentlich noch zu früh.“ Die cleveren Karnevalisten halten sich noch bedeckt, weil sie erst die Testphase der Fußball-Bundesliga abwarten wollen. Auf diesen Hygienekonzepten könnte dann die Planung für dä Zoch im Stadion aufbauen.

Neue Konzepte – und Rückbesinnung auf den leiseren Karneval

Nach dem immer „größer – weiter – lauter“ der vergangenen Jahre ist die Rückbesinnung des Karnevals auf die Wurzeln eine positive Entwicklung. Schade nur, dass es durch die notwendigen strikten Einlassregeln nicht mehr jedem Jeck möglich sein wird, einfach hinzugehen, sich an die Straße zu stellen und den Zoch zu sehen.

Und ich bin sicher, dass noch weitere kreative Ideen kommen, wie Karneval unter Corona-Bedingungen gefeiert werden kann. Es ist nur keine Auszeichnung für den kölschen Fasteleer, dass es für diese Kreativität erst einer weltweiten Pandemie bedarf.


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