Cilly Aussem – ein kölsches Mädchen gewinnt Wimbledon

Cilly Aussem, Tennisstar der 1930er Jahre, Bild: Agence de presse Meurisse – Bibliothèque nationale de France

Lange vor Steffi Graf und Angelique Kerber gab es bereits eine deutsche Wimbledonsiegerin: Cäcilia Edith, genannt „Cilly“, Aussem konnte bereits im Jahr 1931 das Turnier des „All England Lawn Tennis and Croquet Club” für sich entscheiden. Ein kölsches Mädchen gewinnt in Wimbledon.

Cilly Aussem wurde am 4. Januar 1909 in Köln geboren. Ihr Vater Johann „Jean“ Aussem war als deutscher Generalverteter der französischen Käsemarke Gervais sehr vermögend. Ihre Mutter Ursula nannte sich „Helen“ und wollte ihre Tochter auf Biegen und Brechen in die Weltspitze des Tennis bringen. Die ersten Schritte auf dem Court machte Cilly im Jahr 1923 beim Tennisclub Rot-Weiß Köln und zeigte schnell ihr Talent: Bereits im Sommer 1924 konnte sie gleich ihr erstes Turnier gewinnen.

Eine schwierige, ehrgeizige Mutter

Cilly schlug sich danach auf diversen Turnieren in ganz Europa durchaus respektabel – und wäre da nicht ihre über-ehrgeizige Mutter gewesen, hätte sie sich auch in Ruhe entwickeln können. Doch „Helen“ Aussem machte ihrer Tochter das Leben durchaus schwer.

Bei einem Turnier in Hamburg beschuldigte sie die Gegnerin, Cilly hypnotisiert zu haben. Dieser Vorwurf mündete in einer wüsten Schlägerei zwischen „Helen“ Aussem und der Gegnerin von Cilly, Paula von Reznicek.  Kolportiert wird auch, dass Cillys Tennistrainer Bill Tilden auf die Frage ihrer Mutter, wie Cilly eine wirklich große Spielerin werden könnte, geantwortet habe „Indem Sie, Frau Aussem, den nächsten Zug nach Deutschland nehmen!“

Cilly Aussem auf einem Ölgemälde von Leo von König (1932), Bild: Raimond Spekking
Cilly Aussem auf einem Ölgemälde von Leo von König (1932), Bild: Raimond Spekking

Cilly gewinnt in Wimbledon

Das Training von Bill Tilden war erfolgreich: Cillys harte Vorhand war auf dem Tennisplatz gefürchtet. Und so schlug sie am 3. Juli  1931 im Finale von Wimbledon Hilde Krahwinkel und war somit die erste Deutsche, die das prestigeträchtige Turnier gewinnen konnte.

Adenauer, damals Oberbürgermeister von Köln, schickte ihr per Telegramm „Cilly, ganz Köln gratuliert zum großen Sieg. Ihre Heimatstadt ist stolz auf Sie“. Und tatsächlich wurde ihr nach dem Wimbledon-Sieg ein triumphaler Empfang in ihrer Heimatstadt bereitet.

Leider konnte ihr Körper die Strapazen des Leistungssports nicht aushalten. Eine verschleppte Blindarmentzündung und ein schon früher auftretendes Augenleiden machte es ihr zunehmend schwerer, an die Spitzenleistung des Jahres 1931 anzuknüpfen. Im Jahr 1935 beendete Cilly ihre Karriere.

Briefmarke „Cilly Aussem“

Tod im Nobelort Portofino

Ein Jahr später heiratete sie den italienischen Offizier Graf Fermo Murari dalla Corte Brà und zog mit ihm nach Ostafrika. Dort infizierte sie sich mit Malaria, gleichzeitig verschlechterte sich ihre Sehkraft rapide. Zusätzlich trat eine starke Überempfindlichkeit gegen das Sonnenlicht auf.

Cilly zog mit ihrem Mann nach Italien, ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich massiv und sie zog sich, mittlerweile fast blind, völlig von der Öffentlichkeit  zurück. Cilly Aussem starb am 22. März 1963 im Alter von nur 54 Jahren. Ihr Grab ist auf dem Friedhof San Giorgio im Nobelort Portofino.

Köln vergisst seinen Tennisstar

Nur per Zufall wurde in Deutschland überhaupt bekannt, dass Cilly Aussem gestorben war. Ein Journalist erkannte, dass es sich bei der Todesanzeige einer gewissen „Gräfin Cecilie Editha Murari dalla Corte Brà“ um den deutschen Tennisstar der 30er Jahre handelte.

In ihrer Heimatstadt Köln war die ehemals prominente Sportlerin mittlerweile völlig vergessen. Immerhin erinnert eine 1988 erschienene Briefmarke an die erste deutsche Wimbledonsiegerin. Und der Energieversorger RheinEnergie hat in seiner Zentrale alle Konferenzräume nach kölschen Persönlichkeiten benannt – und so trägt einer der Räume den Namen „Cilly Aussem“.1DANKE an Sebastian für diesen Hinweis.


Das Vereinsheim des KTHC findet sich am Olympiaweg in Müngersdorf, Bild: Jörg Michell, lindenthal.blog
Das Vereinsheim des KTHC findet sich am Olympiaweg in Müngersdorf, Bild: Jörg Michell

Erinnerungen an Cilly Aussem beim KTHC

Im Vereinsheim von Rot-Weiß Köln, direkt neben dem Müngersdorfer Stadion, sind Erinnerungsstücke an Cilly Aussem ausgestellt.2DANKE für diese Info an Maik aus Bonn.


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Laura von Oelbermann: Die reiche und wohltätige Frau vom Ring

Laura von Oelbermann (1846 - 1929), Bild: Archiv Evangelischer Kirchenverband Köln und Region
Laura von Oelbermann (1846 – 1929), Bild: Archiv Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Wenn man heute über den Hohenstaufenring spaziert, ist von den einstigen Prunkpalais auf dieser Straße kaum noch etwas zu sehen. Geschäftshäuser und Autoverkehr dominieren die Ringe. Und doch stand hier einmal eines der imposantesten Privathäuser Kölns – und davor sammelten sich Menschen, nur um einen kurzen Blick auf Laura von Oelbermann zu erhaschen. Wenn die „reiche Frau“ das Haus verließ, brachte dies regelmäßig den Verkehr vor der Tür zum Erliegen. Jeder wollte dieses Spektakel sehen.

Geboren wurde sie am 18. Mai 1846 am Alter Markt – mitten im geschäftigen Herzen der Stadt. Dass sie einmal zu den reichsten und einflussreichsten Frauen Kölns gehören würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt.

Vom Alter Markt in die Welt

Laura von Oelbermann wurde als Laura Nickel geboren und wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Bürstenwarenhändler, die Familie protestantisch. Das war eher schwierig im zumindest damals deutlich katholisch geprägten Köln, wo Protestanten noch als „Blauköpp“ bezeichnet wurden. Laura besuchte das evangelische Lyzeum – eine für Mädchen ihrer Zeit bemerkenswerte Bildungslaufbahn.

1866 heiratete sie den Kaufmann Emil Oelbermann. Sein beruflicher Weg führte früh über den Atlantik: Handel, Versicherungsgeschäfte, deutsch-amerikanische Netzwerke. Immer wieder wird berichtet, dass er auch in den amerikanischen Sklavenhandel verwickelt gewesen wäre. Nach Aussage und Recherchen von Peter Oelbermann, ein entfernter Verwandter, entbehrt diese Aussage jeglicher Grundlage, da dazu bis heute kein wissenschaftlicher Beleg vorliegt.1Laura von Oelbermann – eine „bemerkenswerte“ Frau, Stellungnahme von Peter Oelbermann, https://www.udo-w-hombach.de/texte/Laura-von-Oelbermann-eine-bemerkenswerte-Frau.pdf, abgerufen am 27.02.206

Laura folgte ihrem Ehemann nach New York, nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und bekam dort mehrere Söhne. Köln blieb jedoch Lebensmittelpunkt, spätestens als die Familie 1878 dauerhaft zurückkehrte.

Das prunkvolle Palais Olbermann am Hohenstaufenring, Bild: Rheinisches Bildarchiv, Public domain, via Wikimedia Commons
Das prunkvolle Palais Olbermann am Hohenstaufenring, Bild: Rheinisches Bildarchiv, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein prunkvolles Palais für die Neustadt

1891 bezogen die Oelbermanns ihr neues Stadtpalais am Hohenstaufenring 57. Entworfen vom Architekten Hermann Otto Pflaume war das freistehende Gebäude im Stil der italienischen Renaissance ein architektonischer Ausreißer in der geschlossenen Ringbebauung. Zeitgenössische Berichte sprechen vom „großartigsten Privathaus der Neustadt“. Schmuck, Kunst, Personal, großer Hausstand – Laura Oelbermann war sichtbar wohlhabend. Und offensichtlich zeigte sie ihren Reichtum gerne, wie ein Zeitgenosse berichtete:

„Da stauten sich zu früheren Zeiten so um die Mittagsstunde vor ihrem großen Hause am Hohenstaufenring die Menschen, und wenn man einen Schutzmann erwischen konnte und ihn oder auf der Elektrischen den Schaffner fragte, was denn eigentlich los wäre, ob es einen Krawall gäbe oder einen Zusammenstoß, so wurde einem ziemlich von oben herab geantwortet, als ob man das wissen müßte: „Die reiche Frau Oelbermann jeht aus“. Das war damals ein Ereignis.“2 Schmidt, Klaus, Laura von Oelbermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/laura-von-oelbermann/DE-2086/lido/5dc018ad4661e2.56554166 (abgerufen am 27.02.2026)

Ältere Kölner erinnern sich auch noch an den Spruch »Bin ich denn de Frau Oelbermann, dat is mir zo dür!«3Übersetzung: „Bin ich denn die Frau Oelbermann, das ist mir zu teuer!“ wenn Dinge unerreichbar teuer waren.4DANKE an Irene für diesen Hinweis.

Reichtum und Verlust – ein tragisches Familienleben

Hinter der glanzvollen Fassade lag jedoch ein Leben voller Verluste. 1897 starb ihr Mann Emil. Noch im gleichen Jahr verunglückte der jüngste Sohn Harry auf Korsika. Vier Jahre später starb ihr ältester Sohn, weitere drei Jahre später, im Jahr 1904, der mittlere und letzte überlebende Sohn Alfred. Keiner ihrer Söhne wurde älter als 30 Jahre.

Laura Oelbermann war nun Multimillionärin und allein. Ein mondänes Leben mit Reisen und Festen hätte sie sich leisten können. Stattdessen entschied sie sich für einen anderen Weg und engagierte sich im sozialen Bereich – Köln sollte davon stark profitieren.

Soziale Arbeit mit persönlichem Einsatz

Ihr Engagement beschränkte sich nicht auf Überweisungen. Laura Oelbermann ging selbst in die Wohnungen armer Familien, vor allem in evangelisch geprägte Milieus. Sie fragte nach dem Bedarf an Lebensmitteln, Schuhen, Betten oder Schulgeld und sorgte dafür, dass Hilfe unmittelbar ankam.

Ein zentrales Projekt war die Frauenhilfe des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins, die sie ab 1900 mit aufbaute und lange leitete. Bis zu 250 Familien wurden jährlich mit Krankenpflege, Armenspeisung, Erholungsaufenthalten und der Vermittlung von Heimarbeit unterstützt. Frauen sollten sich selbst helfen können – ein Gedanke, der für seine Zeit bemerkenswert modern war.

Das Evangelische Krankenhaus Weyertal im Jahr 2009. Bild: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Das Evangelische Krankenhaus Weyertal im Jahr 2009. Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das evangelische Krankenhaus Weyertal

Zu den sichtbarsten Spuren ihres Wirkens gehört das Evangelische Krankenhaus. Mit enormen Summen ermöglichte sie den Bau des ersten linksrheinischen evangelischen Krankenhauses Kölns, eröffnet 1902 am Weyertal. Mehr als ein Viertel der erforderlichen Gesamtsumme spendete Laura Oelbermann.

Ihre Stiftungen reichten weit über Köln hinaus. Besonders bedeutend war ihre Millionenspende für die Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg in Jerusalem, aus der das bis heute bestehende Hospital hervorging. 1910 reiste sie selbst dorthin – ein außergewöhnliches Erlebnis für eine Frau ihrer Zeit.

Das Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem um 1910, Bild: Fotoabteilung der American Colony oder deren Nachfolger, dem Matson Photo Service; gemeinfrei, über Wikimedia Commons
Das Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem um 1910, Bild: Fotoabteilung der American Colony oder deren Nachfolger, dem Matson Photo Service; gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Für ihr Engagement wurde sie am 15. August 1918 von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. Aus Laura Oelbermann wurde Laura von Oelbermann. Kurz darauf endete das Kaiserreich. Kurios: Sie war eine der letzten Personen, die noch in diesen Stand erhoben wurden. Darüber hinaus wurde sie mit vielen Orden und Ehrungen ausgezeichnet. Darunter waren:

  • das Ehrenzeichen für Kriegsfürsorge,
  • das Lippischen Kriegsverdienstkreuz,
  • das Ölberg-Kreuz,
  • das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen in Gold,
  • das Verdienstkreuz für Kriegshilfe,
  • der  Sachsen-Meiningschen Verdienstorden für Frauen und Jungfrauen in der Kriegsfürsorge,
  • der Luisenorden Erster Klasse,
  • der Wilhelm-Orden,
  • die Rot-Kreuz-Medaille,
  • die Schaumburg-Lippischen Kriegs-Ehrenmedaille.
  • die Schwedische Medaille in Gold für Kunst und Wissenschaft am blauen Bande.5Schmidt, Klaus, Laura von Oelbermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/laura-von-oelbermann/DE-2086/lido/5dc018ad4661e2.56554166 (abgerufen am 27.02.2026)
Das Grabmal der Familie Oelbermann auf Melaten. Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Das Grabmal der Familie Oelbermann auf Melaten. Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Tod, Vermächtnis und das Ende eines Hauses

Laura von Oelbermann starb am 3. Juni 1929 im Alter von 83 Jahren, sie wurde auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Ihr Testament regelte alles genau: Zunächst die Versorgung der Angestellten, dann finanzielle Mittel für ihren Hund.  Der weitaus größte Teil des Vermögens aber ging an ihre Stiftungen.

Das große Palais am Hohenstaufenring wurde zur Unterkunft für berufstätige evangelische Frauen. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Erhalten blieb das Grabmal auf dem Melaten-Friedhof.

Wo Köln sich dankbar erinnert

Seit 2005 trägt eine Promenade im Rheinauhafen ihren Namen. Sie erinnert an eine Frau, die ihren Reichtum nicht versteckte – sondern einsetzte. Und deren Vermächtnis bis heute fortdauert: Die Emil-und-Laura-von-Oelbermann-Stiftungen bestehen weiterhin. Das Stiftungskapital liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Das Krankenhaus am Weyertal genießt einen guten Ruf, das Hospital in Ostjerusalem versorgt vor allem palästinensische Patientinnen und Patienten.

So hat sie nicht nur in Köln soziale Strukturen hinterlassen, die bis heute wirken.


Blick in das Haus Oelbermann um 1895, Fotograf unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Blick in das Haus Oelbermann um 1895, Fotograf unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Das Oelbermannhaus – ein züchtiges Haus! 

Gabriele Kaspar hat als Auszubildende im Oelbermann-Haus gelebt und mir geschrieben:
 
Ich habe von 1968 bis 1972 im Oelbermannhaus, Hohenstaufenring 57, gewohnt.  Zu dieser Zeit lebten überwiegend Studentinnen im Haus.
Ich hatte ein eingerichtetes Zimmer mit Waschgelegenheit. Handtücher wurden gestellt und gewaschen, das Zimmer gereinigt. Auf jeder Etage gab es gemeinschaftlicher Nutzung Toiletten, und eine Küche. Letztere hatte neben Kochgelegenheiten auch Kühlschränke in dem jede Mitbewohnerin ein abschließbares Fach hatte. Für jede Etage war eine Mitarbeiterin zuständig, die zum Teil auch im Haus wohnten. Es gab auch weitere Gemeinschaftsräume und Waschmöglichkeiten.
 
An die Höhe der Miete, die bar bei der Hausleitung bezahlt werden musste, kann ich mich nicht erinnern. Sie beinhaltete alle vorher genannten Leistungen sowie Strom und Heizung. Im Winter war sie wegen der Heizung etwas höher. Sie war jedenfalls sehr günstig und in meinem Fall sogar reduziert, da ich am Anfang noch in der Ausbildung war.
 
Neben diversen Hausregeln, die unbedingt eingehalten werden mussten, sonst bekam man eine Ansprache, hier eine die mir in Erinnerung geblieben ist.
An der von 8:30 oder 9:00 bis 22:00 Uhr besetzten Hauspforte lag ein Besucherbuch aus. In dieses musste sich jeder Besucher eintragen. Herrenbesuch war erlaubt, allerdings nur bis 21:30 Uhr und soweit ich mich erinnern kann auch nur für vier Stunden. 
 
Eingehende Post wurde an der Pforte gesammelt, die Zimmerschlüssel sollten dort abgegeben werden. Falls man später als 22:00 Uhr nach Hause kommen wollte erhielt man einen Haustürschlüssel und seinen Zimmerschlüssel. Länger Abwesenheit musste angegeben werden.
 
Ein im ganzen „züchtiges“ Haus.
 
Gabriele Kasper

Vielen Dank an Gabriele Kasper für diese Informationen! 


Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Der Geusenfriedhof

Fast direkt am Krankenhaus Weyertal liegt der Geusenfriedhof. Dies ist der älteste evangelische Friedhof des Rheinlands. Die erste Beerdigung fand dort im Jahr 1584 statt. Und bis weit in das 19. Jahrhundert war dieser Friedhof die einzige mögliche Begräbnisstätte für Protestanten in Köln. Auf diesem Freidhof wurde 1875 die letzte Bestattung durchgeführt. Und danach geriet diese Fläche in Vergessenheit – bis 1981. Der Friedhof wurde unter Denkmalschutz gestellt und die evangelische Gemeinde hat sich der verwilderten Fläche angenommen, Grabsteine wieder aufgerichtet und die Wege wieder hergestellt.  

Adresse: Kerpener Straße 13.

Öffnungszeiten:

April – September: 9 -19 Uhr
Oktober: 10-17 Uhr
November-März: geschlossen
ACHTUNG:  Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen: 10-17 Uhr


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Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen

Die "Rheingräfin" Sibylle Mertens-Schaafhausen (1797 - 1857)
Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797 – 1857)

Historikerin, Numismatikerin, Musikerin, Mäzenatin, Archäologin, Kunstsammlerin, Mitgründerin des Kölner Dombauvereins – Sibylle Mertens-Schaaffhausen war „eine der bemerkenswerten Frauen des 19. Jahrhunderts“.1Monika Salchert in ihrem Buch „Schräge Typen der Kölner Stadtgeschichte

Wäre Sie ein Mann gewesen, so würden wir heute nach ihr benannte Plätze, Straßen und Schulen kennen. Doch Sibylle Mertens-Schaaffhausen war eine Frau. Noch dazu eine Frau, die Frauen liebte. Und das in der hausbackenen und konservativen Zeit des Biedermeier. Ungeheuerlich.

Ein Mädchen der besseren Gesellschaft

Sibylle Mertens-Schaaffhausen wurde am 29. Januar 1797 in Köln geboren. Ihr Vater war der Bankier Abraham Schaaffhausen, einer der reichsten Männer des Rheinlands. Ihre Mutter Anna, geb. Giesen, starb wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter Sibylle.

Entsprechend der finanziellen Verhältnisse der Familie wurde sie als Mädchen der „feinen Gesellschaft“ erzogen. Sie sprach neben Italienisch auch Französisch und spielte hervorragend Klavier. Alles Attribute, die ein Mädchen aus der besseren Gesellschaft auszeichnen. Und so teilte sie auch das Schicksal vieler junger Mädchen der damaligen Zeit: Sie wurde im Rahmen eines Ehe-Arrangements im Alter von 19 Jahren mit dem fast doppelt so alten Bonner Kaufmann Ludwig „Louis“ Mertens verheiratet.

„Höllenehe“

Von Liebe war in der Ehe keine Spur zu finden. Louis Mertens teilte keine der feinsinnigen Interessen seiner jungen Frau. Aber er war Geschäftsführer in der Bank ihres Vaters.

Die Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff gehörte zum Freundeskreis von  Sibylle Mertens-Schaaffhausen. In einem Brief bezeichnete sie die Ehe ihrer Freundin als „Höllenehe“, Sibylle wäre vom ersten Tag der Ehe an an unglücklich gewesen. Aus der unglücklichen Ehe gingen aber sechs Kinder hervor. Kinder, die später das Lebenswerk ihrer Mutter vernichten sollten.

Zumindest erlaubten die finanziellen Mittel der Familie, dass man sich aus dem Weg gehen konnte. Man wohnte zwar offiziell zusammen im repräsentativen Haus der Familie in der Trankgasse in Köln, jedoch verbrachte Sibylle zunehmend mehr Zeit in ihrer Villa in Bonn, in ihrer Wohnung in Rom oder in ihrer Sommerresidenz auf dem Petersberg, wo heute das Hotel Steigenberger Grandhotel steht. 

Liebesbeziehung zu Adele Schopenhauer

Zwei Dinge wären im Leben von Mertens-Schaaffhausen undenkbar gewesen: Eine Scheidung und ein Coming-out. Damit wäre die von ihren Freunden zur „Rheingräfin“ geadelte Sibylle gesellschaftlich geächtet gewesen.

Mit Adele Schopenhauer, dee Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, pflegte Mertens-Schaaffhausen einen sehr engen Umgang: Die beiden waren ein Paar, was dem Gatten selbstverständlich nicht gefiel und er Adele Schopenhauer Hausverbot erteilte.

Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841
Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841

Doch Sibylle war in Adele so sehr verliebt, dass sie in ihrem Tagebuch notierte:

„Stürbe sie, so spräng ich jetzt in den Rhein,
denn ich könnte nicht ohne sie bestehen.“

Um den gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen, waren die gegenseitigen Besuche und das Leben unter einem Dach immer als Pflege getarnt. Sobald eine der beiden erkrankte, was regelmäßig vorkam, zog die jeweils andere zu ihr und pflegte sie.

Nach einer zwischenzeitlichen Entfremdung – mehr als sieben Jahre gab es kaum Kontakt zwischen den beiden – sollten die beiden Frauen wieder zueinander finden. Schopenhauer zog in die Bonner Villa von Sibylle Mertens-Schaaffhausen und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1849.

Sibylle Mertens-Schaafhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons
Sibylle Mertens-Schaaffhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons

Erfolge als Denkmalschützerin und Archäologin

Sibylle Mertens-Schaaffhausen engagierte sich leidenschaftlich für Musik, Kunst und Denkmalschutz. In ihrer Bonner Villa veranstaltete sie Konzerte und unterstützte das Beethoven-Denkmal. Sie förderte den Kölner Dom und den Wiederaufbau des Rolandsbogens. In Genua pflegte sie während einer Choleraepidemie im Sommer 1835 Kranke, wofür sie mit einer Medaille geehrt wurde. Sie notierte damals „Ich bin an die­sem un­ge­heu­ren Elend geis­tig ge­sun­det, er­kann­te sie. “ 

Nach dem Tod ihres Mannes 1842 blieb Sibylle Mertens-Schaaffhausen länger in Italien. In Genua erforschte sie mit dem Künstler Santo Varni mittelalterliche Kunstschätze. 1836 erkannte sie dort ein Fragment des Mausoleums von Halikarnassos. Später lebte sie in Rom und entdeckte 1846 ein Fragment der „Fasti Capitolini“2Eine Inschrift mit einer Liste römischer Konsuln und Feldherren, das heute in den Vatikanischen Museen aufbewahrt wird.

Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaafhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

Vernichtung des Lebenswerks

Bereits 1842 war Louis Mertens verstorben. Die sechs gemeinsamen Kinder bestanden darauf, sofort ihren Erbteil ausgezahlt zu bekommen. So wurde Sibylle Mertens-Schaaffhausen gezwungen, große Teile ihres Vermögens  zu veräußern, um die Erben auszuzahlen.  

Die „Rheingräfin“ verstarb am 22. Oktober 1857 in Rom. Sie wurde auf dem Friedhof „Campo Santo Teutonico“, dem Friedhof der Deutschen und der Flamen, neben dem Petersdom in Rom bestattet.

Grabtafel für Sibylle Mertens auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Grabtafel für Sibylle Mertens-Schaaffhausen auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nach ihrem Tod wurde alles, was an Vermögensgegenständen übrig war, von ihren Kindern verkauft. Dazu gehörten unter anderem

  • ihre wertvolle Bibliothek,
  • kostbare Möbel,
  • mehr als 1.800 Gem­men,3Eine Gemme ist ein Schmuck- bzw. bzw. Edelstein.
  • 50 Sta­tu­et­ten aus Bron­ze und in Edel­me­tall,
  • vie­le all­täg­li­che Ob­jek­te (Ge­wich­te und Waa­gen, Par­füm­kap­seln),
  • cir­ca 6.000 Mün­zen,
  • Glä­ser, El­fen­bei­ne und Ton­ge­fä­ße,
  • die mit­tel­al­ter­li­che Samm­lung mit wich­ti­gen El­fen­bein­re­liefs (eins be­fin­det sich heu­te im Vic­to­ria and Al­bert Mu­se­um in Lon­don) und
  • 60 historische Waf­fen.4Quelle: Fabbri, Francesca, Sibylle Mertens-Schaaffhausen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/sibylle-mertens-schaaffhausen/DE-2086/lido/65e706849c1845.63339519 (abgerufen am 16.04.2025)
Der Umgang ihrer Kinder mit ihrem Vermächtnis kommt einer Vernichtung aller Erinnerungen nahe. So wurde das Erbe einer selbstbestimmten Frau, die den Konventionen in der damaligen Zeit trotzte, in alle Winde verstreut. Ganz im Interesse ihrer Nachkommen, die alle Erinnerungen an ihre Mutter auslöschen wollten. Wie gut, dass Sibylle Mertens-Schaaffhausen bereits zu Lebzeiten ihre gesamte Korrespondenz der Bibliothek der Bonner Universität vermacht hat.
 
So sind – sehr zum Verdruss der Erben – viele zum Teil intime Briefe und Tagebucheinträge heute noch erhalten.

Das "Zeitzeichen" des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR
Das „Zeitzeichen“ des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR

Zeitzeichen zum 225. Geburtstag der Rheingräfin

Der WDR hat in seiner Sendung Zeitzeichen vom 30. Januar 2022 eine hörenswerte Sendung zu Sibylle Mertens-Schaaffhausen veröffentlicht.


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Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

 Consumer Centric, Brand Awareness, Storytelling – alles Begriffe aus dem modernen Marketing. Die selbsternannten Experten wollen uns allen immer das Gefühl geben, sie alleine hätten das Marketing erfunden. Weit gefehlt. Experten für die Vermarktung von Produkten gibt es schon ewig. Und in Köln hat sich eine Marketing-Expertin besonders hervorgetan: Maria Clementin Martin, die „Erfinderin“ von Klosterfrau Melissengeist. Diese Frau hat bereits vor fast 200 Jahren geschafft, ein Produkt perfekt zu vermarkten, dass es noch heute gibt: Klosterfrau Melissengeist. Dabei hat sie alle Register des Marketings gezogen: Klösterliche Herkunft des Rezepts, Verwendung vom königlichen Wappen, Platzierung als medizinisches Produkt und Abmahnungen gegen Wettbewerber, die dies auch behaupteten.

Eine selbstbewusste Unternehmerin

Köln im Jahr 1826. Im Schatten des noch unvollendeten Doms tut sich was: Maria Clementine Martin gründet unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihr Unternehmen. Mit einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung bewarb sie ihr selbst destilliertes Kölnisch Wasser:

„Ein sich selbst empfehlend ächtes Kölnische Wasser,
ist zu haben auf der Litsch Nro. 1, die große Flasche zu 6 Sgr. 3Pf.“

Das Gründungskapital stammt aus einer königlichen Rente, welche sich Maria in der Schlacht von Waterloo bei der Pflege von verletzten Soldaten verdient hatte.

Wundermittel gegen alle möglichen Beschwerden

Die 1775 als Wilhelmine Martin geborene Unternehmerin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich Erfahrungen in verschiedenen Klöstern mit der Krankenpflege und mit Heilpflanzen machen können. Diese Kenntnisse setzt sie jetzt in bare Münze um. Besonders ihr neues Produkt, eine spezieller Melissengeist, wird noch heute bei Beschwerden aller Art empfohlen:

  • Bei Erkältung und grippalen Infekt,
  • bei Magen-Darm-Beschwerden,
  • bei Wetterfühligkeit, Spannungs- und Erregungszuständen,
  • bei innerer Unruhe und
  • bei Schlafstörungen.

Kein Wunder, dass bei einem solchen Wundermittel der Markt hart umkämpft war. In der Domstadt buhlen immerhin 64 Hersteller von Heilwassern und Kölnisch Wasser um Kunden. Deshalb strebte Maria bereits im Jahr 1828 eine „Prüfung und Bescheinigung der Qualität des von ihr verfertigten Melissenwassers durch die königliche Medizinal Behörde“ an. Leider vergeblich – die Behörde wies darauf hin, dass die Ähnlichkeit mit bestehenden Produkten zu groß sei und tatsächlich jeder Apotheker ein solches Heilwasser herstellen könne. Auch ein zweiter Versuch im Jahr 1831, den nur als Parfum zugelassenen Melissengeist als Arznei zuzulassen, scheiterte. Trotzdem positionierte die findige Unternehmerin dieses Produkt durch Hinweise auf die Heilwirkung mehr oder weniger deutlich als Arznei. Und ging gleichzeitig mit Abmahnungen gegen Wettbewerber vor, die dies ebenfalls taten – Marketing mit harten Bandagen.

Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Das königliche Wappen als Wettbewerbsvorteil

Ihr größter Marketing-Erfolg war aber die Anfrage bei König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1827: Dieser gestatte Ihr, das preußische Wappen auf dem Etikett ihrer Produkte zu führen. Andere Unternehmer mit vergleichbaren Produkten klagten vergeblich darauf, auch dieses Wappen nutzen zu dürfen. Tatsächlich schmückt dieses Wappen noch heute das Etikett jeder Flasche Klosterfrau Melissengeist.

Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus
Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus

Maria Clementine Martin starb am 9. August 1843. Ihr Unternehmen gibt es noch heute unter dem Namen „Klosterfrau Healthcare Group“. Und die erfolgreiche Tradition wurde fortgesetzt: Heute stellen ca. 1.000 Mitarbeiter 220 unterschiedliche Klosterfrau-Produkte her.


Die erste Adresse des Unternehmens im Jahr 1826 war durchaus prominent: „Auf der Litsch“ war eine Gasse an der Westfassade des Doms. Diese wurde bei der Domvollendung komplett abgerissen. Der Dom hatte damals die Adresse „Auf der Litsch 2“. Heute kann jeder dem Dom unter der Adresse „Domkloster 4, 50667 Köln“ schreiben.


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Ein paar Fragen an Annette Imhoff vom Schokoladenmuseum – Köln ist immer ein Zuhause

Anette Imhoff leitet das Kölner Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum
Anette Imhoff leitet das Kölner Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum

 

Diese Folge vom „Köln Ding der Woche“ ist diesmal nicht in unserem Studio entstanden, sondern ein Auswärtsspiel: Im Schokoladenmuseum, mit Blick auf Rhein, Dom und Riesenrad.

Wir dürfen mit Annette Imhoff sprechen. Sie ist die Chefin des Hauses. Und natürlich versorgt uns Annette bestens – auf dem Tisch liegt Schokolade, bevor überhaupt jemand „Aufnahme“ sagen kann.

„Museum für Schokolade? Das ist doch völlig verrückt!“

Annette erzählt die Geschichte, als wäre sie schon immer da gewesen – aber am Anfang stand eine ziemlich verrückte Idee. Ihr Vater, Hans Imhoff, übernimmt 1972 das marode Traditionsunternehmen Stollwerck, rettet alte Maschinen, Schilder, Sammelbilder und Akten vor der Verschrottung und lagert alles erstmal in Porz ein. Ein bisschen wie ein Sammler, der sagt: „Wegschmeißen? Auf keinen Fall! Das hat doch Geschichte!“

Daraus entsteht zunächst nur eine interne „Schokokammer“. Aber Imhoff denkt größer. Er wettet mit sich selbst: Wenn zu einer großen Jubiläumsausstellung im Gürzenich genügend Besucher kommen, baut er ein echtes Museum. Die Ausstellung wird ein Volltreffer – der Gürzenich voll mit Schokolade, der erste Schokoladenbrunnen, der anfangs eher Explosion als Installation ist. Die Schokolade spritzt bis an die Decke, die Flecken kann Annette Jahre später in einer Doku noch zeigen. Wette gewonnen, Ausrede weg: Das Museum muss her.

Die Stadt ist anfangs alles andere als begeistert. Ein Museum für Kunst? Klar. Für Stadtgeschichte? Auch gut. Aber für Schokolade? „Dat kann doch nix werden“ so einige Miesmacher aus der Stadtgesellschaft.

Annettes Mutter bekommt von ihrem Mann den Auftrag: „Such uns einen Standort.“ Sie findet die Rheinauhafen-Spitze – damals noch eher Baracke als Designviertel. Dass heute genau diese Lage ein Schlüssel zum Erfolg ist, erzählt Annette mit einem leisen Schmunzeln. Man merkt: Da oben sitzt einer auf einer Schokoladenwolke und freut sich, dass die Skeptiker von damals neidisch auf sein Museum schauen.

Das Schokoladenmuseum bietet einen Blick in die "Weltreise des Kakaos". Bild: Schokoladenmuseum
Das Schokoladenmuseum bietet einen Blick in die „Weltreise des Kakaos“. Bild: Schokoladenmuseum

Vom Tropenhaus bis zur Trembleuse – Schokolade mit allen Sinnen

In dem Gespräch führt Annette uns nochmal gemeinsam durch das Museum. Los geht es für Besucher im Foyer, dann direkt in die Tropen: Anbaugebiete, Schattenbäume, feuchte Luft. Man schwitzt, die Brille beschlägt, und Annette erklärt, dass Kakao zwar Sonne mag, aber nicht unbedingt die pralle Hitze – daher die Schattenbäume. Im Tropenhaus wachsen echte Kakaopflanzen, die Früchte werden sogar geerntet und zu Schokolade verarbeitet. Mehr Gag als Massenproduktion, aber total echt.

Dann geht es weiter: Plantagen in Afrika und Lateinamerika, der Kreislauf von Armut, kleine Anbauflächen, Kinderarbeit – und gleichzeitig positive Beispiele, wie versucht wird, etwas zu verbessern. Ein echtes Holzboot, mit dem früher Kakaosäcke zu den Schiffen gebracht wurden, steht mitten im Museum. Kein Deko-Objekt, sondern Zeitzeuge.

Die Reise führt dann in die Industie: Wie kommt der Kakao nach Europa? Was passiert in Hamburg im Hafen? Warum sind die Weltmarktpreise für Kakao aktuell völlig verrückt? Im Museum läuft ein Live-Ticker, der die aktuellen Preise zeigt – und Annette meint trocken: „Darüber könnten wir einen eigenen Podcast machen.“

Ein echtes Holzboot, mit dem früher Kakaosäcke zu den Schiffen gebracht wurden, steht mitten im Museum. Kein Deko-Objekt, sondern Zeitzeuge.
Ein echtes Holzboot, mit dem früher Kakaosäcke zu den Schiffen gebracht wurden, steht mitten im Museum. Kein Deko-Objekt, sondern Zeitzeuge.

Danach stehen die Zutaten im Mittelpunkt: Wie wird aus Kakaobohnen Milch-, Zartbitter- oder weiße Schokolade? Unten im Haus gibt es eine kleine echte Fabrik, in der Mini-Täfelchen produziert werden. Der Clou: Ein Roboterarm fischt auf Knopfdruck eine Tafel aus der laufenden Produktion – wenn man im richtigen Moment drückt. Das ist schon allein vom Spieltrieb her genial.

Oben wird es feiner: handwerkliche Manufaktur, Schokoladenfiguren, Pralinenherstellung, Dragees mit Nüssen oder Espressobohnen, selbst gestaltete individuelle Tafeln. Annette grenzt es charmant ab: Unten ist Industrie, oben Handwerk – und alles dazwischen ist ein Schokotraum.

Die gläserne Schokoladenfabrik im Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum
Die gläserne Schokoladenfabrik im Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum

5000 Jahre Schokolade, barocke Schaumshow und ein Zäunchen fürs Bett

Annette holt im Interview weit aus: Als das Museum 1993 eröffnet wurde, sprach man von 3000 Jahren Kulturgeschichte der Schokolade. Heute weiß man durch Funde in Ecuador, dass es eher 5000 Jahre sind. Und genau das will das Museum zeigen: nicht nur die Süßigkeit aus dem Supermarkt, sondern die ganze Kultur dahinter.

Ein Highlight ist der neue immersive Raum, intern „Holodeck“ genannt. Vier Projektoren, Surround-Sound, und plötzlich steht man mittendrin. Weiter geht es. Man kann den Weg des Kakaos nach Europa und die Geschichte dahinter erkunden, wie aus einem rituellen Getränk ein Luxusgut für den Adel wurde.

Eine Reise durch 5000 Jahre Geschichte des Kakaos, Bild: Schokoladenmuseum
Eine Reise durch 5000 Jahre Geschichte des Kakaos, Bild: Schokoladenmuseum

Dann kommt eine von Annettes Lieblingsgeschichten: Warum sind alte Kakaotassen so schlank und hoch? Früher wurde das Fett der Kakaobohnen nicht getrennt, der Kakao war also richtig fettig und bildete oben eine Schicht, wie bei einer Vinaigrette. Also musste man kräftig schäumen. Schlanke, hohe Tassen sorgten dafür, dass man nicht nur Schaum trank – Kölsch-Fans fühlen sich hierverstanden.

Und dann die „Trembleuse“ – eine Tasse mit Zäunchen in der Untertasse, damit bei der Aufstehzeremonie der Dame im Bett nichts verschüttet wird.  Die Kombination aus Bett, Adel und Kakao hat irgendwas herrlich Übertriebenes.

Natürlich kommt Annette nicht daran vorbei, auch über dunkle Kapitel zu sprechen: Kolonialismus, rassistische Figuren wie der „Sarotti-Mohr“, historische Werbung. Das Museum zeigt diese Dinge nicht nostalgisch verklärt, sondern kritisch und einordnend. Man spürt: Hier soll niemand mit blinden Zuckerglasaugen durch die Geschichte stolpern.

Zum Finale eines Besuchs im Schokoladenmuseum wird es bunt. Bild: Schokoladenmuseum
Zum Finale eines Besuchs im Schokoladenmuseum wird es bunt. Bild: Schokoladenmuseum

Ganz oben endet der Rundgang dann mit einem lauten, bunten Finale: Markenwelten, Milka-Kuh, Ü-Ei, Ritter Sport und Co. Es blinkt, es rauscht, es ist ein bisschen Instagram-Playground, ein bisschen Kindheitserinnerung – und einfach der perfekte Ort für Selfies nach so viel Input.

„Lindt“ steht  am Haus – eine besondere Partnerschaft

Die Frage, warum draußen am Museum groß „Lindt“ steht, kommt natürlich. Annette erklärt nüchtern: Stollwerck wurde verkauft und Lindt aus Aachen ist der neue Partner geworden.

Partner des Schokoladenmuseums ist der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli. Bild: Schokoladenmuseum Köln GmbH
Partner des Schokoladenmuseums ist der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli. Bild: Schokoladenmuseum Köln GmbH

Die Kooperation ist eng, aber klar geregelt: Im Museum wird mit Lindt-Masse produziert, der Name steht am Gebäude – inhaltlich bleibt das Museum unabhängig. In den Ausstellungen tauchen auch andere Marken auf, im Shop werden viele unterschiedliche Hersteller präsentiert. Es ist kein Lindt-Showroom, sondern ein Schokoladenmuseum mit besonderer Partnerschaft, sagt Annette – und man hört raus, dass ihr diese Unterscheidung wichtig ist.

Wer kommt – und wer erstaunlich selten

Auf die Frage nach dem „typischen“ Besucher lacht Annette fast ein bisschen. Das Bild sei extrem bunt: Schulklassen, Familien, Technikfans, Nachhaltigkeitsmenschen, Akademiker, Leute, die noch nie in einem Museum waren und hier zum ersten Mal erleben, dass Kultur nicht weh tun muss.

Fast die Hälfte der Gäste kommt aus dem Ausland. Kölsche dagegen? Nur etwa sechs Prozent der Besucher kommen aus einem Umkreis von zehn Kilometern. Für ein Haus, das so bekannt ist, findet Annette das „ein bisschen wenig“ – und nutzt den Podcast charmant als Steilvorlage: „Ihr könnt ruhig öfter kommen. Es ist alles neu!“ Seit 2020 wurden über zwölf Millionen Euro investiert, viele Bereiche komplett umgebaut. Wer „vor Corona“ das letzte Mal da war, erkennt vieles nicht wieder.

Keine Zuschüsse, aber eine Menge Wirkung

Ein spannender Teil des Gesprächs dreht sich um die Struktur: Das Museum ist eine Kultur- und Bildungseinrichtung – aber ohne städtische oder staatliche Zuschüsse. Es funktioniert wie ein mittelständisches Unternehmen, zahlt Miete an eine Gesellschaft, die zu großen Teilen der gemeinnützigen Imhoff-Stiftung gehört.  In Gastronomie, Shop und Museum werden rund 300 Menschen beschäftigt..

Die Imhoff-Stiftung wiederum fördert in Köln, was oft hinten runterfallen würde: Freizeit- und Therapieangebote, Kunst- und Kulturprojekte, Bildungsinitiativen, Karnevalsprojekte, Unterstützung für Menschen, die es schwerer haben als andere.

Zum 25-jährigen Jubiläum hat die Stiftung die „Bessermacher von Köln“ ausgezeichnet – 25 Vereine und Initiativen, deren Geschichten aus über 600 Einsendungen ausgewählt wurden. Alle schwärmen noch vom Gala-Abend im Rathaus: viel Emotion, viel Stolz und ganz viel Köln-Gefühl. Annette fasst es pointiert zusammen: „Wir verdienen mit dem Museum einen Teil des Geldes, das wir in der Stiftung wieder ausgeben.“

Für die Bescucher des Schokoladenmuseums heißt das: Wer ein Ticket kauft, bezahlt nicht nur den Besuch am Schokobrunnen, sondern unterstützt indirekt Projekte in der ganzen Stadt.

Hans Imhoffs Vermächtnis: Das Schokoladenmuseum, Bild: Raimond Spekking
Hans Imhoffs Vermächtnis: Das Schokoladenmuseum, Bild: Raimond Spekking

Zukunftspläne, Besuchertipps – und ein Versprechen in Schokolade

Zum Schluss geht der Blick nach vorne. Die Partnerschaft mit Lindt läuft langfristig, der Hafenweihnachtsmarkt bekommt einen neuen Betreiber, es stehen Umbauten an: neue WCs, moderne Garderobe, ein komplett neu gestalteter Shop. Bei den Besucherzahlen will man nochmal zulegen – vor allem an den Tagen, die bisher nicht völlig überfüllt sind.

Auf die Frage, ob die eine Million Besucher im Jahr drin wäre, sagt Annette: Rein rechnerisch ja – wenn alle ein bisschen weniger auf die Idee kämen, gleichzeitig am zweiten Weihnachtstag zu kommen. Januar-Montage dagegen hätten noch Luft nach oben.

Praktischer Tipp von ihr: Online Zeitfenstertickets buchen, besonders an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien. So wird niemand weggeschickt, weil „heute leider ausverkauft“ ist – und drinnen tritt man sich weniger auf die Füße.

Ein Versprechen:
Der millionste Besucher in einem Jahr wird in Schokolade aufgewogen

Zum Abschied wird es dann noch einmal herrlich kölsch: Unseren Vorschlag, den einmillionsten Besucher in einem Jahr in Schokolade aufzuwiegen nimmt Annette sofort begeistert auf:  „Dafür wäre ich sofort.“ 

Und vielleicht sitzt irgendwo da oben wirklich Hans Imhoff auf einer Schokoladenwolke, guckt runter auf Rhein, Dom und sein Museum – und ist stolz auf sein Lebenswerk.


Annette Imhoff im Gespräch mit Frank und Uli vom Köln-Dng der Woche, Bild: Uli Kievernagel
Annette Imhoff im Gespräch mit Frank und Uli vom Köln-Dng der Woche, Bild: Uli Kievernagel

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Annette Imhoff zu den „Kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Ich lebe sehr gern hier. Hier lebt meine Familie, die meisten meiner Freunde wohnen hier, meine Arbeit ist hier. Aktuell wüsste ich nicht, wo ich sonst leben könnte.

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Vielleicht die kölsche Mischung aus Bodenständigkeit und Offenheit.

Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Im Wahlkampf1Annette meint den Kommunalwahlkampf 2025 ist viel darüber geredet worden. Ich glaube, Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit sind sicherlich die großen Themen. Dazu noch bezahlbarer Wohnraum und weniger Baustellen in der Stadt. Aber die Umsetzung ist ein dickes Brett und ich wünsche unserem neuen Oberbürgermeister Torsten Burmester Mut und Ausdauer.

Einer der schönsten Plätze Kölns: Die Terrasse des Schokoladenmuseums,. Bild: Schokoladenmuseum
Einer der schönsten Plätze Kölns: Die Terrasse des Schokoladenmuseums,. Bild: Schokoladenmuseum

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Mit einem Cappuccino bei uns im Schokoladenmuseum auf der Terrasse – mit Blick auf den Rhein.

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst / beeindruckt?

Mein Vater Hans Imhoff mit seiner Freude am Unternehmertum und seiner Entscheidungsfreude hat mich stark geprägt.

Hans Imhoff - Vollblutunternehmer mit einem "Herz aus Schokolade". Bild: Schokoladenmuseum Köln
Hans Imhoff – Vollblutunternehmer mit einem „Herz aus Schokolade“. Bild: Schokoladenmuseum Köln

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Der Straßenkarneval reizt mich nicht, bis auf den Rosenmontagszug. Ich durfte bereits dreimal dort mitgehen. Und das ist großartig. Wenn man das einmal miterleben darf – das ist hochemotional und extrem beeindruckend.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Den Rest des Lebens.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Das ist eine schwierige Frage. Ich versuche immer positiv und mit Optimismus in die Zukunft zu schauen. Die Frage nach „jood jejange“ richtet sich eher auf die Vergangenheit. Ich denke eher an das, was vor uns liegt. Hier sollte jeder seinen Beitrag zu leisten. Ich zum Beispiel habe einen gestalterischen Anspruch und möchte Verantwortung übernehmen und Dinge besser machen.

Wo drüber laachs de dich kapott?

Wenn jemand mit viel Selbstironie über sich selber lachen kann.

Rievkooche, Klaus Steves / pixelio.de
Frisch gebackene Rievkooche sind Annettes kölsche Lieblingsessen, Bild: Klaus Steves / pixelio.de

Was ist dein kölsches Lieblingsgericht?

Eindeutig Rieevkooche.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Fiese Möpp.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… ein Gefühl! Auch ein bisschen chaotisch, sehr herzlich und immer ein Zuhause.


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Elisabeth Treskow – Die Goldschmiedin, die Köln Glanz verlieh

Die Amtskette des Kölner Oberbürgermeisters - ein Werk von Elisabeth Treskow, Bild: Raimond Spekking
Die Amtskette des Kölner Oberbürgermeisters – ein Werk von Elisabeth Treskow, Bild: Raimond Spekking

Als Torsten Burmester Anfang November 2025 zum ersten Mal als frisch gewählter Oberbürgermeister im Kölner Rathaus vortrat, war da ein Detail, das sofort ins Auge fiel: die Amtskette. Dieses strahlende, wuchtige, kunstvolle Stück, das mehr wie ein tragbares Museum wirkt als wie ein Schmuckelement, hat eine ganz besondere Geschichte. Und sie führt direkt zu einer Frau, die Köln bis heute prägt, obwohl viele Menschen ihren Namen erst hören, wenn sie ihn am Rheinauhafen lesen: Elisabeth Treskow.

Die von Elisabeth Treskow geschaffene Amtskette ist eines dieser Objekte, das man nicht einfach anschaut, sondern beinahe studiert. Jede Plakette, jeder Stein, jede Gravur erzählt einen Teil der Stadtgeschichte. Burmester trägt damit nicht nur ein Zeichen politischer Verantwortung – er trägt ein Werk, das aus den Händen einer der bedeutendsten Goldschmiedinnen Deutschlands stammt. Einer Frau, die so leidenschaftlich und kompromisslos arbeitete, dass man ihre Energie bis heute in ihren Werken spürt.

Die lange Reise einer Meisterin – von Bochum nach Köln

Elisabeth Treskow wurde am 20. August 1898 in Bochum geboren. Dass sie später als „Grande Dame des deutschen Goldschmiedehandwerks“ gefeiert werden würde, war damals noch nicht abzusehen. Doch ihr Talent zeigte sich früh. Nach der Schule suchte sie gezielt Ausbildungsstätten, die zu den besten im Land gehörten. In Schwäbisch Gmünd lernte sie die Grundlagen, in München perfektionierte sie ihre Techniken, und schon als junge Frau leitete sie eine eigene Werkstatt im Ruhrgebiet.

Der Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen, Bild: Thomas Beez, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen, Bild: Thomas Beez, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ihre große technische Meisterleistung war die Wiederentdeckung einer fast verlorenen Kunst: der etruskischen Granulation. Eine Technik, bei der winzige Goldkügelchen – oft kaum mit bloßem Auge erkennbar – auf eine Goldfläche aufgeschmolzen werden, ohne zu zerfließen. Eine Wissenschaft für sich, die viel Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert.

Treskow kämpfte sich durch Fehlversuche und Rückschläge, bis sie das Ergebnis perfektioniert hatte. Ihr Stil war geboren: kunstvoll, historisch, präzise – und mit einer Eleganz, die sich sofort von allem abhob, was in den 1930er Jahren geschaffen wurde. Und Köln sollte ihre bedeutendste Wirkungsstätte werden.

Köln ruft – und eine Künstlerin findet ihre geistige Heimat

1948 beriefen die Kölner Werkschulen sie zur Leiterin der Gold- und Silberschmiedeklasse. Und so kam Treskow nach Köln – in eine Stadt, die noch immer in Trümmern lag, aber voller Aufbruchsstimmung war. Hier wirkte sie bis 1964 und hinterließ Generationen von Schülern, die ihre Liebe zum Handwerk in alle Richtungen weitertrugen.

Die Werkschulen, damals ein vibrierender Ort der Moderne, boten ihr die Freiheit, die sie brauchte. Sie war streng, aber inspirierend; fordernd, aber fair; traditionell in der Technik, aber mutig in der Gestaltung. Wer unter Treskow lernte, lernte nicht nur Goldschmieden – er lernte auch Haltung, Präzision, Geduld.

Dass heute im Rheinauhafen ein Platz nach ihr benannt ist, wirkt wie ein stiller Gruß an diese Zeit. Ob es sich dabei um einen schönen Platz handelt, sie dahingestellt. Aber dieser Platz ist direkt in der Nähe ihrer ehemaligen Wirkungsstätte in der Hochschule am Ubierring.

Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln. In der Mitte gur zu erkennen: Die Heiligen Drei Könige, Bild: Raimond Spekking
Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln. In der Mitte gut zu erkennen: Die Heiligen Drei Könige, Bild: Raimond Spekking

Die Amtskette: Eine Stadtgeschichte in Gold

1954 erhielt Treskow den Auftrag, die Kölner Amtskette neu zu gestalten. Die letzte Amtskette wurde ein Opfer des Feuersturms im Zweiten Weltkrieg, es waren nur noch geschmolzene Klumpen übrig.

Dass sogar der Düsseldorfer Oberbürgemeister eine solche Kette tragen konnte, aber der Kölner nicht, liess dem Stadtrat keine Ruhe. Es war zwar kein Geld da – aber für solch ein Prestigeprojekt fanden sich vermögende Kölner Sponsoren. Deren Geld war sehr wilkommen, immerhin kostete die Kette am Ende exakt 29.241,81 Deutsche Mark. 

Und jede Mark davon hat sich gelohnt. Das Werk von Elisabeth Treskow ist ein kleines kölsches Wunder. Die Kette beginnt mit Agrippina, der Stadtgründerin. Eine antike Münze mit ihrem Porträt bildet den Auftakt. Gleich daneben ihr Ehemann, Kaiser Claudius, liebevoll und mit augenzwinkernder Ironie beschriftet: „Gemahl der Stadtgründerin“.

Es folgen Szenen und Symbole aus römischer Zeit, dem Mittelalter, der kurkölnischen Epoche. Dann ein kleines, aber intensives Relief: Köln in Flammen, die brennende Stadt im Zweiten Weltkrieg. Auf einer der Medaillen steht :

„Köln, durch Bomben zersprengt und verbrannt, schien tot
zu neuem Leben ward es erweckt durch Liebe und Kraft seiner Bürger“.

Den Abschluss bildet die wohl berühmteste Szene: die Heiligen Drei Könige, die Miniaturkrippe, die das Stadtwappen trägt. Ein Symbol, das tief mit der Kölner DNA verwoben ist.

Handwerklich ist die Kette ein Meisterstück: Granulation, antike Münzen und neueste Metalltechniken. Wenn der Kölner Oberbürgemeister diese Kette heute trägt, trägt er ein Stück Köln – und auch ein erhebliches Stück Gewicht. Denn mit fast einem Kilogramm macht die Amtskette „die Würde, aber auch die Bürde deutlich, die das Amt eines Oberbürgermeisters mit sich bringt“, so Fritz Schramma, Kölner Oberbürgemeister von 2000 – 2009.

Die DFB-Meisterschale - aus der Werkstatt von Elisabeth Treskow, Bild: Foto: JCS
Die DFB-Meisterschale – aus der Werkstatt von Elisabeth Treskow, Bild: Foto: JCS

Die „Salatschüssel“ des DFB

Wenn am Ende der Saison mal wieder die Bayern die Meisterschale in die Luft recken, denken viele Kölner Fußballfans, dass dieses „Salatschüssel“ eigentlich nach Köln gehört. Denn: Entworfen wurde die Schale von Elisabeth Treskow im Jahr 1949 – das berühmte Silberstück aus immerhin fünf Kilogramm Sterling-Silber – stammt aus ihrer Kölner Werkstatt.

In Köln restaurierte sie außerdem Teile des Dreikönigsschreins, eines der wertvollsten Goldschmiedearbeiten des Mittelalters. Diese Arbeit führte sie zur Leidenschaft für antike Gemmen – kunstvolle geschnittene Steine, häufig aus römischer Zeit. Über 130 davon übergab sie dem MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln, was das Museum heute zu einer wichtigen Adresse für Gemmenforschung macht.

Treskow blieb aber stets bodenständig. Sie arbeitete lieber im Stillen, in der Werkstattluft aus Metall, Feuer und Konzentration, als auf Bühnen geehrt zu werden. Und doch erhielt sie 1956 als erste Frau in Deutschland eine Professur im Goldschmiedehandwerk an den Kölner Werkschulen – ein Meilenstein für die Kunstlandschaft des Landes.

Dort hat sie bis 1964 zum Eintritt in den Ruhestand gewirkt – und tiefe Spuren hinterlassen. Zu ihrem Abschied würdigte der Direktor Friedrich Vordemberge das Werk Elisabeth Treskows:

„Mit viel Mühe und Ausdauer, großem pädagogischem Geschick, gepaart mit einem meisterlichen Können, haben Sie in dieser Zeit zahlreiche Talente gefördert, von denen viele die Selbständigkeit erworben und sich bereits bewährt und hervorgetan haben. Wir alle möchten Ihnen ganz herzlich danken für die Zeit der gemeinsamen Arbeit und für so verständnisvolle und menschliche Art, die stets von Ihnen ausstrahlte. Durch die vielen Aufträge haben Sie erheblich mit dazu beigetragen, das Ansehen der Schule nach außen zu erweitern und zu festigen.“1Ausschnitt aus einem Brief von Direktor Friedrich Vordemberge an Elisabeth Treskow, Quelle: TH Köln

Eine Künstlerin, deren Werk weiterlebt – am Rheinufer und im Rathaus

Elisabeth Treskow starb am 6. Oktober 1992. Ihr Name steht im Rheinauhafen, im MAKK, im Domschatz – und auf der Amtskette, die unser jeweiliger Oberbürgemeister trägt. Ein goldener Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Und vielleicht, wenn im Rathaus das Licht auf die Kette fällt und die Gravuren zu leuchten beginnen, ist da ein Moment, der an ihre Arbeit, Hingabe, Kunst und vor allem Fleiß erinnert:

„Meine Versuche zu warten, bis die Musen mich küssten, sind immer fehlgeschlagen. Ich glaube, sie küssen lieber die, denen der Schweiß heißen Bemühens die Stirn feuchtet, als jene, die ihre Ankunft untätig schwärmend erwarten.“ 2Quelle: Elisabeth Treskow: Über meine Arbeit und mich. In: Zeitschrift für Goldschmiede, Juweliere und Graveure. 1943, Nr. 3, S. 30–31.


Das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch auf dem Elisabeth-Treskow-Platz, Bild: Rolf Tippner
Das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch auf dem Elisabeth-Treskow-Platz, Bild: Rolf Tippner

Kunstwerk „Leuchtturm“

Auf dem Elisabeth-Treskow-Platz befindet sich das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch. Dabei handelt es sich um eine 23 Meter lange silbergrau lackierte Stahlstele. Auf der Spitze dieser Stele dreht sich ein Quadrat von 3 x 3 Meter mit einer roten und einer grünen Seite. Damit greift der Künstler die Farben von Backbord und Steuerbord der Schifffahrt auf. Der „Leuchtturm“, seine Farben und die Maße sind exakt auf die umliegende Bebauung abgestimmt.

Diese Visualisierung zeigt den Blick von der rechtsrheinischen Seite über die geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke am Ubierring, Bild: Stadt Köln, Illustration: sbp SE
Diese Visualisierung zeigt den Blick von der rechtsrheinischen Seite über die geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke am Ubierring, Bild: Stadt Köln, Illustration: sbp SE

Schwierig könnte es werden, wenn tatsächlich die geplante Fußgängerbrücke über den Rhein realisiert werden würde. Dann könnte es ein, dass für das Kunstwerk kein Platz mehr ist – in jedem Fall würde sich aber auf dem veränderten Platz sein Charakter verlieren.3Danke für diesen Hinweis an Rolf Tippner von der Kulturinitiative RESPEKT. Ein ganz ähnliches Problem besteht auch bei dem Kunstwerk Standortmitte – ebenfalls von Lutz Fritsch.


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Urania Theater in Ehrenfeld: Drei Frauen, eine Familie, eine Mission

Urania Theater Ehrenfeld
 

Urania spielt ab sofort im neuen Spiegel-Palast

Alle Produktionen des Urania-Theaters werden seit Ende September im ganz besonderen Flair des Spiegelpalasts in der Peter-Huppertz-Straße (direkt neben dem I/D cologne Parkhaus) Köln-Mülheim gespielt. Das Urania Theater in Ehrenfeld ist vorübergehend geschlossen. Hintergrund ist, dass es bei Bauarbeiten im Theatersaal in der Platenstraße zu unerwarteten Komplikationen kam. 

Die neue Spielstätte: Urania im Spiegelpalast

Die neue Spielstätte:
Urania im Spiegelpalast
Peter-Huppertz-Straße
51063 Köln-Mülheim


Im Urania Theater fühlt man sich direkt wie zu Hause. Ob für einen schnellen Kaffee im kleinen Café, zum Schmökern in den Büchern auf der Treppe oder für die große Bühne – hier ist man immer willkommen. Durch die Glasfront blitzt die Bar, draußen lockt der kleine Biergarten am Bürgersteig. Ein Platz zum Hängenbleiben, Quatschen, Staunen.

Drei Frauen machen (das) Theater

Und wer steckt dahinter? Keine Heinzelmännchen – auch wenn man das meinen könnte. Sondern drei Frauen: Regisseurin Bettina Montazem, Sopranistin Lea Montazem und Schauspielerin Rosa-Halina Dahm. Mutter und Töchter. Drei Frauen, eine Familie, eine Mission: Theater machen ohne staatliche Kohle, dafür mit Herzblut.

Bettina erzählt beim Begrüßen gerne die Anekdote, wie ein Freund sie mal fragte: „Hast du eigentlich ’nen Förderverein?“ – Hatte sie nicht, also zack, gegründet. Heute lachen die Gäste drüber, und viele tragen nach der Show direkt den Antrag auf Mitgliedschaft heim. Die Begrüßung ist immer persönlich: erst am Eingang, später vor dem Publikum – und da schwärmt Bettina dann stolz von ihren Töchtern, die abwechselnd auf der Bühne stehen.

Herausragende Künstler:innen bilden erfolgreiches Ensemble

Vier Eigenproduktionen gibt’s pro Jahr. Im Frühjahr 2025 ging’s mit „Broadway – Musical meets Varieté“ nach New York: 100 Jahre Musicalgeschichte, große Stimmen, Artistik zum Staunen. Hits von „Phantom der Oper“ bis „The Greatest Showman“. Lea mittendrin, ihre Stimme wie Samt und Gänsehaut zugleich. Bettina setzt derweil mit einem Obdachlosen-Charakter eine poetische Klammer: Geschichten vom Scheitern, Träumen und Wiederaufstehen, verbunden mit Artistik und Musicalklassikern wie an einer Perlenkette.

Die Begrüßung im Urania Theater ist immer persönlich, Bild: Roland Breitschuh
Die Begrüßung im Urania Theater ist immer persönlich, Bild: Roland Breitschuh

Und genau darin liegt die Faszination des Urania Theaters. Den drei Frauen gelingt es jedes Mal, herausragende Einzeltalente aus Musik und Akrobatik zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenzustellen. Da bleibt einem der Mund offenstehen, wenn Kasia Florczuk zuerst Pirouetten auf einem Eiskreisel von etwa einem Meter Durchmesser dreht, bevor sie sich am Trapez in die Lüfte schwingt.

Sandeep Kale hingegen ist Meister im „Mallakhamb„. Dahinter verbirgt sich eine traditionell indische Sportart aus Yoga, Wrestling und Poledance. Wenn Kale am schwebenden Holzpfahl scheinbar kinderleicht die Schwerkraft überwindet, hält das Publikum den Atem an.

In „Piaf à Paris“ glänzte dann Rosa-Halina als große Piaf. Ihre Stimme: kraftvoll und zerbrechlich zugleich. Im Pariser Bühnenbild wickelt sie das Publikum mühelos um den Finger.

Urania Theater, Maskenball in Venedig

„Maskenball – Oper meets Varieté“

Und jetzt, Ende August, steigt die nächste Premiere: „Maskenball – Oper meets Varieté“. Ein Clown verirrt sich in Venedig und entdeckt mit Lea Montazem an seiner Seite die Schönheit des Lebens. Dazu gibt’s Weltklasse-Acts: das Jonglage-Duo Kris und Harrison Kremo, Luftakrobatin Amelie Kamps, Contorsionist David Meraz und Seifenblasen-Magier Olekseij Sherbluk. Im prachtvollen Bühnenbild erklingen die Stimmen von Mezzosopranistin Paula Meyer und Bassbariton Claus Renzelmann – und die Kostüme von Atelier Maria Lucas machen die Reise an Canal Grande und Rialtobrücke perfekt.

Im Urania Theater sitzt man auf jedem Platz wie in der ersten Reihe, genießt die einzigartige Atmosphäre und entschwindet für zwei Stunden in die himmlische Welt des Varietés.


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Ein paar Fragen an Susanne Imhoff – 25 „Bessermacher“ für Köln

Susanne Imhoff leitet seit 2018 die Imhoff-Stiftung. Bild: Imhoff-Stiftung
Susanne Imhoff leitet seit 2018 die Imhoff-Stiftung. Bild: Imhoff-Stiftung

 

In Köln sind es oft nicht die großen Politik-Räder, sondern die kleinen Zahnräder der Zivilgesellschaft, die dafür sorgen, dat et kölsche Hätz nicht stehen bleibt. Vereine, gemeinnützige Organisationen, Ehrenamtler*innen – und: Stiftungen.

Stiftungen? Tatsächlich! Diese etwas abstrakt klingenden Konstrukte, die aber ganz viel mit dem zu tun haben, was Köln wirklich ausmacht: Zusammenhalt, kulturelle Vielfalt, jecke Ideen und verdammt viel Herz. Von der Anzahl her ist Köln die Hauptstadt der Stiftungen in NRW. Aktuell existieren etwa 500 Stiftungen in Köln, die sich der Förderung des Gemeinwohls verschrieben haben. Zählt man das Umland hinzu, steigt die Zahl der Stiftungen auf ca. 1.150.

Und mittendrin: Die Imhoff-Stiftung. Diese Stiftung feiert im Jahr 2025 ihr 25-jähriges Bestehen mit einer ganz besonderen Aktion: Die „Bessermacher für Köln“. Und darüber gibt Susanne Imhoff, Vorstandsvorsitzende der Imhoff-Stiftung, gerne Auskunft.

Köln ohne Stiftungen? Wie Karneval ohne Kamelle!

Viele Themen – von Kultur über Bildung bis Denkmalpflege und das Brauchtum – wären ohne private Stiftungen nur sehr schwierig zu realisieren. In Zahlen klingt das dann so: 1,3 Millionen Menschen im Regierungsbezirk Köln profitieren pro Jahr von den Aktivitäten kölscher Stiftungen. Insgesamt 300 Millionen Euro jährlich fließen in gemeinnützige Projekte. 

Eine Auswahl der über 500 Kölner Stiftungen
Eine Auswahl der über 500 Kölner Stiftungen

Man fragt sich: Warum wissen das so wenige? Und warum hält sich so hartnäckig das Vorurteil, dass Stiftungen nur dazu wären, Steuern zu sparen? „Ja – eine Stiftung spart tatsächlich Steuern.“ entgegnet Susanne Imhoff  „Aber das Geld ist einem damit ja auch aus der Hand genommen. Der Stifter oder seine Familie kommen nie wieder an das Stiftungskapital und die daraus erwirtschafteten Erträge heran.“

Das Besondere an einer solchen gemeinnützigen Stiftung ist, dass eine Stiftung weder aus Mitgliedern besteht, noch existieren Gesellschafter. Eine Stiftung hat somit auch keinen Eigentümer, sondern gehört sich selbst. Susanne Imhoff vergleicht eine Stiftung mit einem Apfelbaum: „Ich stifte Geld für einen Apfelbaum. Jedes Jahr trägt dieser Baum neue Früchte, die allen zugutekommen. Die Verantwortlichen der Stiftung sind dabei die Gärtner, die dafür sorgen, dass dieser Baum auch regelmäßig reichlich Früchte trägt.“

Was macht die Imhoff-Stiftung konkret?

Die Imhoff-Stiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mehr als 22 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet. Und was hat das mit Schokolade zu tun? Na, einiges!

Die Imhoff-Stiftung fördert Projekte in Köln

Nach dem Verkauf seines Unternehmens hat Hans Imhoff das Gebäude des Schokoladenmuseums mit seinen umliegenden Flächen und einen Großteil seines Vermögens in die Imhoff-Stiftung eingebracht. Mit den Erträgen aus diesem Kapital werden seitdem gemeinnützige Projekte in Köln ermöglicht, gefördert und unterstützt.

Die Imhoff-Stiftung fördert Projekte in den Bereichen:

  • Kunst und Kultur,
  • Bildung und Kulturvermittlung,
  • Therapeutisches Reiten,
  • Gesundheitspflege,
  • Wissenschaft und Forschung,
  • Heimatkunde und Denkmalpflege 

Beispiele sind Projekte für Menschen mit Demenz, der Ausbau des EL-DE-Hauses, Therapeutisches Reiten auf dem Frohnhof e.V., Förenander do – die Caring Community Köln stärkt die Kölner*innen im Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben/Tod und Trauer oder „Der Elfte Elf“, ein Theaterprojekt für Kinder.

„Wir sind eine klassische Antragsstiftung“, sagt Susanne Imhoff. Zweimal im Jahr werden die Förderanträge gesammelt und ausgewertet – mit viel persönlichem Kontakt, Bauchgefühl, Wertekompass und ja: mit einer Portion Herzblut. „In der Entscheidungszeit schlafe ich oft schlecht“, gesteht sie. Kein Wunder, wenn man darüber nachdenkt, welche Projekte man unterstützt – und welche eben nicht.

Keine Bürokratie, kein Theater (außer es wird gefördert)

Der große Vorteil von Stiftungen gegenüber staatlicher Förderung? Schnelligkeit. Menschlichkeit. Agilität. Und ein Blick für Details, den kein Amt je so hinbekommt. „Wir entscheiden nicht nach Aktenlage“, sagt Imhoff. Es gibt kein Anrecht auf Förderung – aber dafür ganz viel Raum für Visionen.

Die Antragsteller*innen kommen aus allen Ecken Kölns, oft mit kleinen Budgets, aber großen Ideen. Und genau da greift die Stiftung ein. Ohne großes Tam-Tam, ohne Gremien-Marathon, ohne sieben Unterschriften. Dafür mit einem klaren Blick auf das, was gebraucht wird.

Imhoff vor seinem wahr gewordenen Traum: Der Schokoladenbrunnen in seinem Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum Köln
Hans Imhoff hat die Imhoff-Stiftung  im Dezember 2000 gegründet, Bild: Schokoladenmuseum Köln

Im Zentrum all dessen steht der ursprüngliche Gedanke von Hans Imhoff: Etwas zurückgeben. Nicht nur, weil man es kann – sondern weil man es will. Diese Haltung zieht sich durch die Arbeit der Stiftung bis heute. „Es ist klassisches bürgerschaftliches Engagement“, erklärt seine Tochter. „Von unten gewachsen, nicht von oben verordnet.“

25 Jahre Imhoff-Stiftung – und 25 Bessermacher für Köln

Gegründet wurde die Stiftung im Jahr 2000 – ein Vierteljahrhundert Imhoff-Stiftung – das will gefeiert werden. Aber anders als bei klassischen Geburtstagen hat sich die Imhoff-Stiftung etwas Besonderes überlegt: Sie macht anderen ein Geschenk.

„Wir wollten uns nicht selbst feiern“, sagt die Stiftungsvorständin. „Das wäre irgendwie unpassend. Wir entscheiden ja nicht jedes Jahr neu, ob wir etwas Gutes tun – als Stiftung müssen wir unser Geld ausgeben. Warum sollten wir uns dafür feiern lassen?“ Die Frage, was man stattdessen tun könne, führte schnell zur eigentlichen Mission der Stiftung zurück: Menschen und Organisationen in Köln zu unterstützen.

Mit Hilfe aller Kölnerinnen und Kölner vergibt die Imhoff-Stiftung 25 Jubiläumspreise an #BessermacherfürKöln

Eine Idee mit Herz: Die „Bessermacher für Köln“

Der Gedanke entstand schnell: Wenn schon 25 Jahre Imhoff-Stiftung, dann sollte der Dank an jene Menschen gehen, die wirklich etwas bewegen. Und so wurde die Idee zu den „Bessermachern“ geboren: Warum nicht die Menschen in Köln fragen, wem sie Danke sagen möchten? Gesucht wurden Geschichten, die zeigen, wie jemand das Leben anderer Menschen besser gemacht hat – ganz gleich ob groß oder klein.

Und jede*r kann mitmachen: Bürgerinnen und Bürger reichen Geschichten ein, in denen sie sich bei einer Organisation, einem Verein oder Projekt bedanken möchten, das ihr Leben berührt oder positiv verändert hat. „Es geht nicht nur um die großen Veränderungen – oft sind es die kleinen Dinge, die zählen“, sagt Susanne Imhoff.

Imhoff-Stiftung, Bessermacher für Köln

Die Aktion hat bisher großen Zuspruch erhalten. Über 300 Beiträge1Stand: 29. Juli 2025 wurden bereits eingereicht – viele davon bewegend. Der Einsendeschluss ist der 31. August 2025. 

Wichtig dabei: Vereine dürfen sich nicht selbst vorschlagen, sondern müssen von anderen nominiert werden. Es geht um persönliche Geschichten, nicht um Bewerbungen mit dem Hinweis „Wir machen gute Arbeit und brauchen Geld“. Die Stiftung legt Wert darauf, dass nicht Zahlen, sondern Wirkung zählt.

Wie geht es weiter?

Nach dem 31. August 2025 beginnt die Auswertung. Zunächst wird geprüft, ob die vorgeschlagenen Vereine die Voraussetzungen erfüllen – etwa die Gemeinnützigkeit per Freistellungsbescheid vom Finanzamt und die Übereinstimmung mit den Stiftungszielen. Auch ein kurzer Hintergrund-Check gehört dazu.

Diese Informationen gehen dann an eine unabhängige Jury, die aus rund etwa 20 Personen besteht. Jedes Jurymitglied vergibt an jeweils zwanzig Vereinen Punke: 20 – 19 – 18 – 17 – etc. Die 20 Vereine mit den meisten Punkten sind automatisch unter den „25 Bessermachern“. Drei weitere werden per Social Media-Voting bestimmt, zwei erhalten eine Wildcard von der Stiftung.

Und was gibt’s zu gewinnen?

Die 25 ausgewählten „Bessermacher“ erhalten eine Einladung zur großen Abschlussveranstaltung im Dezember. Jeder der eingeladenen Bessermacher bekommt sicher 5.000 Euro.

Mit Hilfe aller Kölnerinnen und Kölner vergibt die Imhoff-Stiftung 25 Jubiläumspreise an #BessermacherfürKöln

An dem Abend entscheidet dann das Los, welche drei Vereine jeweils 25.000 Euro erhalten. Susanne Imhoff: „Das Los entscheidet, weil man die Projekte nicht miteinander vergleichen kann. Wie soll man ein Familienhörbuch gegen ein Senioren-Café werten? Das geht nicht.“

Wer ist in der Jury?

„Die Jury besteht aus Menschen, denen wir zutrauen, einen empathischen und umfassenden Blick auf die Stadt Köln und ihre Menschen zu haben“, so Susanne Imhoff. Die Jury ist vielfältig und lokal verankert.

In der Jury sind u.a. Cathrin Dauven, Gaby deMuirier, Annette Frier, Sabine Heinrich, Elvis Katticaren, Uli Kievernagel, Angela Maas, Wolfgang Oelsner, Elisabeth Raffauf, Rodney Ranz, Monika Salchert, Elfi Scho-Antwerpes, André Scymkowiak, Ulrich Soénius und das Team der Stunksitzung.  

Und wie kann ich mitmachen?

Noch bis zum 31. August 2025 können Vorschläge eingereicht werden – ganz unkompliziert über die Website: www.imhoff-stiftung.de/bessermacher. Susanne Imhoff fordert ausdrücklich dazu auf, sich zu beteiligen:

„Wir freuen uns über jede Geschichte. Und es bereitet uns große Freude zu sehen, wie viele Menschen in Köln jeden Tag etwas besser machen – ganz still und leise.“


Podcast-Aufnahnme mit Susanne Imhoff
Podcast-Aufnahnme mit Susanne Imhoff, Bild: Mara Lorsche

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Susanne Imhoff zu den „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Bis jetzt habe ich noch nichts gefunden, was für mich eine echte Alternative wäre. Aber tatsächlich finde ich die Toskana sehr schön. Da lebt meine Tochter und heiratet demnächst. Aber wenn ich ehrlich bin, wüsste ich jetzt im Moment nicht, was ich da den lieben langen Tag machen soll.

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Jeder Jeck ist anders.

Was würden du morgen in unserer Stadt ändern?

Den Ebertplatz.

Kein städtebauliches Idyll: Der Ebertplatz, Bild: Land NRW (2017)
Kein städtebauliches Idyll: Der Ebertplatz, Bild: Land NRW (2017)

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte – außer den Ebertplatz!

Ich glaube, wenn man Großstadt nicht mag, dann sollte man gehen. Und wenn man eine Großstadt mag, die so klein wie möglich ist, dann bleibt man hier in Köln.

Die Südbrücke in Köln, Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0
Die Südbrücke in Köln, einer der Lieblingsplätze von Susanne Imhoff. Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0

Wo ist dein Lieblingsplatz in Kölle?

Das ist definitiv auf einer Rheinbrücke bei Sonnenuntergang.

Welche Kölner*innen haben dich beeinflusst?

Beeinflusst hat mich tatsächlich in hohem Maße mein damaliger Theater AG Leiter vom Gymnasium Kreuzgasse Werner Kronenberg.

Welche Kölner*innen haben dich beeindruckt?

Besonders beeindruckend finde ich die Edelweißpiraten – ohne, dass ich je einen persönlich kennengelernt hätte. Aber diese Gruppe von Menschen mit ihrem Mut und alle Menschen, die es heute noch gibt, die auch nur ansatzweise diese Eigenschaften haben, beeindrucken mich zutiefst.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Dann bin ich mal hier in Köln – und auch mal weg. Also eigentlich eher lieber weg.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Dann bin meistens hier und versuche, das Beste zu machen.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Die Erfahrung, dass man immer wieder aufstehen kann, auch wenn man nicht auf die Füße gefallen ist.

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich lache mich kaputt darüber, dass ich mal gedacht habe, dass wenn man alles richtig macht, es auch bestimmt gut wird.

Rievkooche - Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Rievkooche – Susanne Imhoff kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Dein kölsches Lieblingsessen?

Eindeutig Rievkooche.

Deine kölsche Lieblingskneipe?

Das Früh am Dom. Immer wenn mein künftiger Schwiegersohn aus der Toskana zu Besuch ist, will der ins Früh gehen. Ihn dort zu erleben ist einfach zum Wegschmeißen.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Knüselskopp

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… nur dann irgendwie zu verstehen, wenn man es erlebt hat.


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Ein paar Fragen an Louise Farina – Zwischen Tradition & Innovation

Louise Farina vertritt die 9. Generation der Familie Farina, Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Louise Farina vertritt die 9. Generation der Familie Farina, Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

 

Farina – was für wohlklingender – und vor allem wohlriechender – Name: Die Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH ist die älteste bestehende Eau-de-Cologne- und Parfüm-Fabrik der Welt. Tatsächlich wurde das Eau-de-Cologne hier erfunden.

Das Unternehmen ist seit der Gründung 1709 im Familienbesitz. Noch leitet Johann Maria Farina in 8. Generation das Unternehmen. Doch mit Louise Farina steht bereits die 9. Generation bereit, um nach und nach die Leitung des Unternehmens zu übernehmen. Ein Novum in der über 300jährigen Tradition: Zum ersten Mal wird eine Frau an der Spitze des Unternehmens stehen, welches ursprünglich mit der „Ziffer 1“ im Kölner Unternehmensregister stand.

Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Intensive Vorbereitung

Louise tritt ihre Aufgabe nicht unvorbereitet an: Nach einem Bachelor in Chemie an der Kölner Universität hat sie in Grasse und Paris zwei Jahre Parfümerie und ein Jahr in Padua Betriebswirtschaftrslehre studiert. 

Aktuell ist sie als „Head of Innovation and Development“ damit beschäftigt, die Marke Farina in die Zukunft zu führen. Gleichzeitig entwickelt sie auch eigene Düfte und bringt neue Ideen in die Vermarktung von Farina ein. Dazu gehört auch das neue Angebot der Duftseminare.

Die neuen Duftseminare – das Fragrance Atelier von Farina

Wo einst der Ursprung des berühmten Eau de Cologne liegt, entsteht nun ein neues, sinnliches Erlebnis: Farina öffnet die Türen zu dem brandneuen Duftatelier – einem Ort, an dem Duftgeschichte lebendig wird und Kreativität freien Lauf hat.

In den Farina-Duftseminaren können Besucher unter Anleitung ihre eigenen Düfte komponieren. Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
In den Farina-Duftseminaren können Besucher unter Anleitung ihre eigenen Düfte komponieren. Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Unter fachkundiger Anleitung tauchen Besucher in die faszinierende Welt der Parfumkunst ein. Sie lernen, wie Düfte komponiert werden, erfahren Spannendes über Duftfamilien und erschaffen am Ende ihre ganz persönliche Komposition.

Der individuell kreierte Duft – 50 ml eigene Kreativität – darf mit nach Hause genommen werden. Ein besonders Andenken an ein Erlebnis, das Tradition und Innovation auf duftende Weise vereint. Weitere Informationen gibt es dazu auf der Website des  Fragrance Atelier von Farina

Louise im Podcast

Frank und Uli vom Köln-Ding der Woche haben mit Louise unter anderem über

  • die Vergangenheit – mehr als 300 Jahre Farina,
  • die Gegenwart – Herausforderungen in der von Baustellen geprägten Innenstadt und
  • die Zukunft – Louises eigene Duft-Serie und das neue Duftatelier

gesprochen. 

 

 

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Louise Farina zu unseren „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Diese Frage bekommst nur du gestellt, die haben wir noch keinen anderen gestellt: Nach was riecht Köln?

In diesem Haus riecht es nach unseren wunderbaren Düften, draußen riecht Köln nach Kölsch.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Das ist eindeutig Paris, die, wenn es um Kunst und Kultur geht, schönste Stadt der Welt

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Ich denke, das ist Weltoffenheit. Bei uns im Haus arbeiten Menschen aus ganz vielen Nationen und Altersklassen zusammen. Wir sind also eine sehr ganz bunte Mischung und darüber bin ich sehr froh

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Ich kenne nur einen Grund: Dann kann man wiederkommen.

Was würden du morgen in unserer Stadt ändern?

Darüber könnte ich länger reden, aber um es auf den Punkt zu bringen: Die Verkehrspolitik.1Zum Hintergrund: Das Farina Haus ist seit Jahren „eingezwängt“ in ein Baustellenchaos. Bei uns sind während Corona die gesamten Parkplätze vor der Tür weggefallen, wofür ich ja noch Verständnis habe. Das schafft Platz für die vielen Menschen, die hier vorbeikommen, da müssen dann keine Autos auf der Straße stehen. Da aber der Lieferverkehr im selben Zuge weggefallen ist, können wir – und die anderen Läden – zu keiner Uhrzeit, an keinem Tag der Woche irgendwas anliefern lassen. Das führt dazu, dass ich jeden Tag mit dem Ordnungsamt verhandeln muss, wenn angeliefert wird.

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Das ist die Aachener Straße direkt am Rudolfplatz mit den vielen Cafés und Bistros. Da sitze ich sehr gern.

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst / beeindruckt? Du darfst aber jetzt keine Familienmitglieder nennen!

Wenn ich ein Familienmitglied nennen dürfte, dann wäre das meine Großmutter Tina Farina. Außerhalb der Familie ist das Dr. Nicole Grünewald, die IHK-Präsidentin.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Karneval feiern.

Was machst du zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Arbeiten.

Rievkooche, Klaus Steves / pixelio.de
Knusprige Rievkooche sind Louises kölsches Lieblingsessen, Bild: Klaus Steves / pixelio.de

Was ist dein kölsches Lieblingsessen?

Ganz ehrlich: Eigentlich esse ich lieber italienisch. Wenn es etwas aber etwas kölsches sein soll, dann gerne Rievkooche.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Alles.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Su ene Driss – aber wenn ich mal schimpfe, dann eigentlich immer auf hochdeutsch.

Ein Blick in das Farina-Duftmuseum, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein Blick in das Farina-Duftmuseum, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich lache mich regelmäßig kaputt, wenn wir asiatische Schulklassen bei uns im Museum haben. Dann müssen schnellstmöglich alle Mitarbeiter in das Museum und versuchen, die Schüler davon abzuhalten, alles, also wirklich alles anzufassen und zu öffnen. Dann ist bei uns Ausnahmezustand. Dieses Chaos und die Panik in den Augen der Mitarbeiter zu sehen, ist schlichtweg komisch.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… die Heimat des Eau de Cologne.


Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.
Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.

Zur Geschichte von Farina

Abfälle auf der Straße, geleerte Nachttöpfe im Rinnstein, Gerber, die mit Urin das Leder behandelten, kaum gekühlte Heringe auf dem Markt – in den europäischen Städten hat es noch bis zur vorletzten Jahrhundertwende bestialisch gestunken. Und glaubt man den Berichten von Zeitzeugen, war Köln die am schlimmsten stinkendste Stadt in Europa.

Dabei hatte der Stadtrat bereits sehr früh erste Versuche unternommen, die Stadt sauberer und somit geruchsfreier zu halten, auch durch die Reinigung von Wasserabflüssen und Rinnsteinen. Allerdings war dies Sache der Anlieger, die ihre Aufgaben wohl nicht so richtig ernst nahmen. In einem Ratsprotokoll vom 9. Juli 1688 lautet es: „Die Straßen seien mit Kot und Mist angefüllt, auch dieselben widerwilligs mit Umgehung dieserhalb erlassener Verordnung nicht gesäubert werden“.

Johann Maria Farina der Mann mit der „goldenen Nase“

Kein Wunder, dass in einem solchen Gestank Duftwasser sehr begehrt sind. In Köln sind um 1830 insgesamt 64 Produzenten von Duft- und Heilwasser bekannt, darunter auch das Haus Klosterfrau der geschäftstüchtigen Nonne Maria Clementine Martin und natürlich das Kölnisch Wasser von Johann Maria Farina. Und dieser Mann hatte eine „goldene Nase“.

Geboren am 8. Dezember 1685 in Norditalien wurde er bereits mit 14 Jahren zu seinem Onkel, einen Händler in Maastricht, zur Ausbildung geschickt. Bei seinen Geschäftsreisen quer durch Europa bis nach Konstantinopel erkundete er fremde Städte und Länder hauptsächlich mit seiner feinen Nase. Farina war begeistert von Düften und experimentierte mit Duftstoffen, bis er 1709 den Duft kreierte, der ihn unsterblich machen sollte und den er später im Jahr 1742 – zu Ehren seiner Wahlheimat – „Eau de Cologne“ nennen wird.

Er selber schrieb über eben diesen Duft „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten und Kräuter meiner Heimat. Er erfrischt mich und stärkt meine Sinne und Phantasie.“

Rezept ist bis heute streng geheim

Das Rezept hält das Haus Farina streng geheim – bis heute. Dabei ist die größte Herausforderung, den richtigen Duft jedes Jahr immer wieder exakt zu reproduzieren. Denn die verwendeten Grundstoffe, unter anderem Jasmin, Lavendel, Limette, Bergamotte, sind Naturprodukte, deren Intensität mit jeder Ernte anders ausfällt.

Eine Flasche kostet das halbe Jahresgehalt eines Beamten

Mit diesem Duft trifft er im allgemeinen Gestank seiner Zeit exakt den Geschmack seiner gutbetuchten Kunden. Dazu gehörten insbesondere die europäischen Königshäuser, die auch den geforderten Preis für das Eau de Cologne zahlen konnten: Eine Flasche kostet so viel, wie ein Beamter in sechs Monaten verdient.

Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Selbstverständlich hat ein solches Produkt unmittelbar viele Nachahmer, darunter hat sich einer durch sein ganz spezielles „Marketing“ hervorgetan: Wilhelm Mülhens. Dieser gewiefte Kaufmann bezahlte einem gewissen Franz Maria Farina aus Bonn Geld dafür, dass er unter seinem Namen Duftwasser vertreiben durfte. Bis auf den Nachnamen hatte dieser Bonner Farina nichts mit Erfinder Johann Maria Farina zu tun. Aber egal: Der Markenname Farina zog die Kunden an. Übrigens hatte dieser Wilhelm Mülhens seine Produktion und Verkaufsstätte in der Glockengasse, Hausnummer 4711. Diese Geschichte wird irgendwann mal ein eigenes „Köln-Ding-Woche werden.

Johann Maria Farina, der Mann mit der goldenen Nase, starb am 25. November 1766. Sein Unternehmen hat ihn überdauert und ist bis heute in Familienbesitz. Der Name des aktuellen Chefs: Johann Maria Farina. Tradition verpflichtet!

Mit Louise Farina steht bereits die 9. Generation bereit, um nach und nach die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.


Der von einem Schwert durchbohrte Kopf des (vermeintlichen) Kämpfers gegen den kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich (Bronzeplastik), Bild: Uli Kievernagel
Der von einem Schwert durchbohrte Kopf des (vermeintlichen) Kämpfers gegen den kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich (Bronzeplastik), Bild: Uli Kievernagel

Nikolaus Gülich: „Der kölnische Rebell“

Der Platz des Stammhauses heißt heute „Gülichplatz“, benannt nach dem Kämpfer  gegen den Klüngel Nikolaus Gülich.


Der Frauenbrunnen am Farina-Haus, Bild: Uli Kievernagel
Der Frauenbrunnen am Farina-Haus, Bild: Uli Kievernagel

Frauenbrunnen: „Frauen im Wandel der Zeit“

Im ruhigen Innenhof des Farina-Hauses findet man den Frauenbrunnen, der offizielle Name dieses Brunnens lautet „Frauen im Wandel der Zeit“. Dargestellt werden zehn Frauen in jeweilig typischen Gewändern. Jede steht dabei für eine Epoche in der Stadtgeschichte. 


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Ein paar Fragen an: Emmi von „Emmi kocht einfach“

Emmi in ihrer Küche. Immer dabei: Frische , saisonale Zutaten, Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Emmi in ihrer Küche. Immer dabei: Frische,  saisonale Zutaten, Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Ich bin zu Gast bei Emmi von „Emmi kocht einfach“. Das ist ein Blog für einfache Rezepte, die gelingen. Immer wenn man irgendein Rezept googelt, landet man bei Emmi. Bei mir waren es die Rinderrouladen. Und sie sind gelungen. Dank Emmis Rezept!

Emmi kommt zwar eigentlich aus Franken, lebt, arbeitet und kocht in Köln. Ihr Blog ist eine Quelle für Rezepte, auf die man sich verlassen kann. Auch ohne große Kocherfahrung.

Während wir uns unterhalten, fällt ganz oft das Wort „gelingsicher“. Das gefällt mir: Emmi veröffentlicht Rezepte, für die man weder Profikoch sein muss, nicht erst ein halbes Monatsgehalt in einem speziellen Laden investieren muss und auch keine Küche mit allem schnick-schnack braucht.

Hühnerfrikassee von Emmi - ein duftender Traum. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Hühnerfrikassee von Emmi – ein duftender Traum. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Genau so wie für das Hühnerfrikassee, welches Emmi so ganz nebenbei, während wir miteinander sprechen, zubereitet. Erstaunlich: Emmi bekommt die Mehlschwitze ganz ohne Klümpchen hin – daran scheitere ich regelmäßig. Aber sie nimmt mir die Angst und meint „Es ist doch völlig egal, wenn sich in der Soße noch das ein oder andere kleine Klümpchen befindet, sie wird ganz bestimmt auch so schmecken.“ Und das scheint schon das nicht ganz so geheime Geheim-Rezept von Emmi Prolic zu sein: Einfach machen! Habt Spaß beim Kochen und keinen Stress.

Auch Emmi macht sich keinen Stress. Während wir uns unterhalten, zerläuft die Butter im Topf und sie rührt das Mehl für die Mehlschwitze unter – so ganz nebenbei. Und ohne Klümpchen.

Emmi – warum gibt es heute das Hühnerfrikassee?

Ich hatte noch Hähnchen übrig. Und so ein Frikassee  ist eine prima Resteverwertung von Hähnchenfleisch. Egal ob gekocht oder gebraten, es passt und gelingt immer. Und auch mein Sohn liebt dieses Essen. 

Seit einiger Zeit wird viel über Lebensmittelverschwendung und Resteverwertung diskutiert und ich frage mich deshalb oft, wie es früher eigentlich war. Meine Oma zum Beispiel hat mit den Lebensmitteln gekocht, die im Vorrat waren. Frisches Gemüse kam saisonal dazu und Fleisch je nach dem auch. Aus vielen Zutaten, die vom Essen übrig waren, hat sie wieder etwas gezaubert. In diese Kategorie fällt auch mein klassisches Hühnerfrikassee Rezept.

Ist das dein Lieblingsgericht? Oder womit kann man dich – zumindest beim Essen – richtig glücklich machen?

Mein absolutes Lieblingsgericht ist und bleibt Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Dafür lasse ich alles stehen und liegen. Wahlweise kann es auch Schnitzel Wiener Art mit Putenfleisch sein und ja, manchmal esse ich gerne auch Pommes dazu.

Pfannkuchen gehören zu den beliebstesten Rezepten bei "Emmi kocht einfach", Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Pfannkuchen gehören zu den beliebstesten Rezepten bei „Emmi kocht einfach“, Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Ist das auch das Lieblingsgericht der Leser deines Blogs?

Nein, obwohl ich auch meine Zubereitungsvariante auf den Blog gestellt habe. Die Rezept-Lieblinge auf meinem Blog sind Rindergulasch, Spaghetti Carbonara und Pfannkuchen.  

Mich kann man mit Muschelgerichten bis nach Düsseldorf jagen. Gibt es auch Dinge, die du absolut nicht magst?

Mich kannst du mit Innereien-Gerichten jagen, ich würde dafür noch weiter flüchten als Düsseldorf, zum Beispiel passenderweise nach Essen in meine alte Wahlheimat. Doppeldeutig, du verstehst 😉!?

Weil du andere mit Essen glücklich machen willst, betreibst du seit 2017 den Blog „Emmi kocht einfach“. Was unterscheidet deinen Blog von den vielen Rezept-Seiten im Internet?

Ehrlich gesagt will ich sie nicht nur glücklich machen, sondern sie vor allem unterstützen, wenn sie täglich aufs Neue den Alltagsspagat zwischen Beruf und Haushalt meistern müssen. Ich habe das selbst jahrelang zwischen Zeitnot und Familienküche durchlebt. Diese Unterstützung war von Beginn an mein Ansinnen und Antrieb bei der Arbeit rund um den Blog, nämlich eine zuverlässige Rezept-Quelle zu sein, auf die man sich „in der Not“, wenn einem die Ideen ausgehen, verlassen kann. Ich stecke deshalb viel Herzblut und Gewissenhaftigkeit in die Rezeptentwicklung. Sie sind im Ablauf durchdacht und ich versuche keine Fragen offen zu lassen, sie sind von mir selbst mehrfach erprobt, damit sie für jeden gelingsicher sind und oft verpasse ich ihnen noch ein iTüpfelchen.

Für dich ist „Saisonalität“ beim Essen ganz wichtig. Warum sollte ich im Oktober keinen Spargel essen oder keine Erdbeeren im Januar? Steht doch alles im Supermarkt im Regal!

Ja, mir ist das wahnsinnig wichtig immer wieder darüber zu sprechen, denn dieses ständig verfügbare Schlaraffenland, in dem wir leben hat sehr viele negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und uns selbst. Außerhalb der heimischen Saison haben wir es immer mit Importware zu tun. Ein Irrsinn ist der Transport, oft sind es bis zu 10.000 Flugkilometer, die das Gemüse im Winter zurücklegt, dazu kommt manche Sorten werden unreif geerntet und dafür nicht mit guten Mittelchen behandelt. Erdbeeren oder Tomaten im frühen oder späten Winter werden übrigens auch zum Beispiel in Spanien in riesigen Gewächshäusern angebaut. Dort wird mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet, damit in dem vorherrschend feuchten Klima der Gewächshäuser sich keine Pilze und andere Schädlinge vermehren. Auch der Energieaufwand dieser Gewächshäuser ist nicht zu verachten und auch, was sie an Wassermengen für die Bewässerung benötigen.

In meiner idealen Welt würden sich die Menschen viel mehr damit beschäftigen, was unsere heimischen Felder, Bäume und Sträucher aus der eigenen Region in der jeweiligen Jahreszeit bereitstellen, dann wenn sie mit der Kraft des Klimas bzw. der Sonne wachsen und gedeihen können. Man kann nichts Besseres für sich selbst und die Umwelt tun… Ein wirklich abendfüllendes Thema.

Es sieht immer fantastisch aus! Hier der "Spaghettikürbis mit Schinken und Käse". Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Es sieht immer fantastisch aus! Hier der „Spaghettikürbis mit Schinken und Käse“. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Wenn man in deinen Blog reinschaut, sieht immer alles perfekt gelungen aus. Bei mir sehen meine Kochergebnisse nie so aus wie auf den wunderschönen Bildern. Hand aufs Herz: Schummelst du? Oder geht bei dir nie etwas schief? 

Selbstverständlich geht auch bei mir beim Kochen manchmal was daneben. Wenn ich aber das Rezept für die Fotoproduktion koche und fotografiere, was ich übrigens beides selbst mache, geht glücklicherweise sehr selten etwas schief. Fürs Foto muss ich manchmal mit ein paar Tricks arbeiten, um das Gericht von seiner besten Seite zu zeigen, aber die verrate ich natürlich nicht 😉 .

Dein Blog ist in deiner heimischen Küche gestartet – heute treffen wir uns in Räumen, die fast schon wie ein Studio wirken. War es von vornherein der Plan, den Blog professionell zu betreiben?

Nein das hatte ich nicht im Sinn. Du musst wissen, ich hatte mehr als ein Jahr zuvor meine Vollzeit-Tätigkeit als leitende Angestellte an den Nagel gehängt, um ganz für meinen damals 6jährigen Sohn da sein zu können… um nichts mehr in seinem Leben zu verpassen. Ich habe meine Leidenschaft am Kochen wiederentdeckt und natürlich täglich frisch für ihn bzw. uns alle drei gekocht. Dann kam der Wunsch in mir auf, diese Rezepte zu veröffentlichen, auf eine besondere Weise, gut erklärt, absolut verlässlich und gelingsicher, für alle gestressten Menschen da draußen wie ich es auch einer war. Ich hatte damit einen Nerv getroffen und meine Community wurde immer größer und auch die Wahrnehmung von Kooperationspartner, die bei mir anklopften. So nahm alles einen Lauf.  

Bist du ganz alleine? Oder hast du ein Team, welches dich unterstützt? 

Mein Mann ist seit einigen Jahren mein Geschäftspartner. Wir betreiben den Blog gemeinsam. Er ist unter anderem für die Vermarktung und den ganzen technischen Teil verantwortlich. Bei unseren zahlreichen Aufgaben rund um den Blog unterstützen uns sehr viele externe Partner aber mittlerweile haben wir in der Tat auch intern ein kleines Team an Mitarbeitern. Anders wäre es nicht mehr zu stemmen.

Bei so viel Aufwand entstehen auch Kosten. Wie refinanzierst du deinen Blog?

Das ist schnell erklärt, wenn du auf meine Seite „Emmi kocht einfach“  gehst, siehst du einige Werbeplatzierungen, so wie du ja zum Beispiel auch Werbung auf anderen Webseiten siehst oder im Privatfernsehen. So finanzieren wir uns heute hauptsächlich.

In Emmis Shop gibt es ihre Kochbücher und ausgewählte, hochwertige Produkte.
In Emmis Shop gibt es ihre Kochbücher und ausgewählte, hochwertige Produkte.

Dazu kommen noch die Einnahmen für meine Kochbücher, die ich schreibe und die Einnahmen aus unserem Shop

Sind irgendwann mal alle Rezepte gekocht? Wie sind deine Pläne für die Zukunft?

Nein, das wird nie der Fall sein. So wie die Menschheit sich verändert, verändert sich auch die Kulinarik und es wird immer wieder neue Facetten geben. Wie in der Musik oder der Kunst, Bereiche die ebenfalls nie zum Stillstand kommen..


Genau wie alle anderen Menschen in meiner Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Emmi zu meinen „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

  1. Du kommst ursprünglich aus Franken. Schäufele, „Drei im Weggla“ und die Biere aus der Region sind sensationell. Zieht es dich ab und zu zurück dorthin?

Ja regelmäßig, mein Bruder mit Familie lebt noch dort, aber auch Tanten und Onkels. Auch eine meiner besten Freundinnen aus Jugendtagen lebt dort, wir haben uns nie aus den Augen verloren und ich besuche sie immer, wenn ich kann.

  1. Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Ich würde im Münchner Umland leben. Das ist meine Herzensgegend, weil ich die Berge so sehr liebe. Von dort könnte ich sie in der Ferne sehen, wäre schnell dort, hätte aber auch die Großstadt München in Reichweite, in der auch Freunde von uns leben.

  1. Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Bodenständig“ und „kommunikativ“. Gehört das überhaupt dazu?

  1. Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Putzkolonnen losschicken, die die Straßen reinigen und die verschmierten Wände übermalen und das täglich. Im Vergleich zu anderen Großstädten auf den vorderen Plätzen hat Köln meines Erachtens viel Nachholbedarf und könnte in einem ganz anderen Licht erstrahlen. Das Stadtbild ist streckenweise echt schmuddelig und dreckig.

  1. Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Da fällt mir ehrlicherweise kein Grund ein. Wie gesagt, Köln ist keine Schönheit, packt einen aber emotional. Die Toleranz der Kölner ist außergewöhnlich und das macht doch eine Stadt am Ende wirklich lebenswert.

  1. Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Die Besucherplattform im Triangle-Tower in Deutz, es gibt meiner Ansicht nach keine schönere Aussicht auf die Stadt.

  1. Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Ich gehöre zu denjenigen die mittlerweile am liebsten flüchten, wenn es meine Zeit erlaubt. Ich finde das, was aus dem Straßenkarneval geworden ist schrecklich, das hat für mich nicht mehr viel mit Brauchtum zu tun.

  1. Wo drüber laachs de dich kapott?

Wenn jemand Grimassen zieht und extremes Talent dafür hat, da kann ich nicht anders, da liege ich unter dem Tisch vor Lachen.

Rievkooche - Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Rievkooche – Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
  1. Jetzt kommt für eine Köchin die wichtigste Frage: Was ist dein kölsches Lieblingsgericht?

Ganz weit vorne der Rievkooche 😊

  1. Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Fiese Möpp, das hatte ich relativ schnell drauf.

  1. Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… „im Herzen“ schön.


Ich darf mitessen. Danke, Emmi! Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Ich darf mitessen. Danke, Emmi! Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Das Hühnerfrikassee ist mittlerweile fertig. Ein duftender Traum. Emmi sieht mich an und stellt lachend einen zusätzlichen Teller auf den Tisch.

Ich bin genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.


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