Der Frauenbrunnen: 2000 Jahre Kölner Frauen im Wandel der Zeit

Der Frauenbrunnen am Farina-Haus, Bild: Uli Kievernagel
Der Frauenbrunnen am Farina-Haus, Bild: Uli Kievernagel

Egal, ob als Marketing-Fachfrau, Tennis-Star, Umweltschützerin, Nonne oder Schauspielerin:  In Köln lebten und leben starke Frauen. Ganz plastisch gezeigt wird das im Innenhof des Farina-Hauses mitten in der Innenstadt am Frauenbrunnen.

Der offizielle Name dieses Brunnens lautet „Frauen im Wandel der Zeit“. Dargestellt werden zehn Frauen in jeweilig typischen Gewändern. Jede steht dabei für eine Epoche in der Stadtgeschichte. 

Nur durch diese, hier am Beispiel der Frauen gezeigte ständige Veränderung konnte unsere Stadt zu dem werden, was sie heute ist.


Die Ubierin, Bild: Uli Kievernagel
Die Ubierin, Bild: Uli Kievernagel

Ubierin (50 n. Chr.)

Die ersten Kölschen Frauen waren Ubierinnen. Dieser ursprünglich auf der „Schäl Sick“, der rechten Rheinseite, beheimatete Germanenstamm wurde von den Römern um 20/19 v. Chr. auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde „Oppidum Ubiorum“, also „Siedlung der Ubier“ genannt.

 

 

 


Die Römerin, Bild: Uli Kievernagel
Die Römerin, Bild: Uli Kievernagel

Römerin (50 n. Chr.)

Mit den Römern kam der Aufschwung an den Rhein. Eine – nicht ganz unumstrittene – Dame spielte dabei eine besondere Rolle: Agrippina, Nichte und gleichzeitig Gattin von Kaiser Claudius, sorgte dafür, dass Köln die Rechte einer Kolonie bekam. CCAA – Colonia Claudia Ara Agrippinensium entstand.

 

 

 


Die Fränkin, Bild: Uli Kievernagel
Die Fränkin, Bild: Uli Kievernagel

Fränkin (um 400)

Etwa 455 eroberten die Franken die damals wichtigste Stadt nördlich der Alpen. Damit endete die römische Herrschaft über Köln. In der Stadt lebten damals Franken, andere Germanen und auch Römer gemeinsam.

 

 

 


Die Heilige Ursula, Bild: Uli Kievernagel
Die Heilige Ursula, Bild: Uli Kievernagel

Die heilige Ursula

Sie ist nicht nur Schutzpatronin der Stadt, sondern auch Basis der Legende um die 11.000 Jungfrauen und dem damit verbundenen Reliquienkult. Ihre Darstellung auf dem Brunnen zeigt auch fünf dieser Jungfrauen. Die Legende besagt, dass Ursula eine Prinzessin aus der Bretagne war. Übrigens: Die elf als Tropfen, Flammen oder Tränen bezeichneten Elemente unseres Stadtwappens stellen tatsächlich Hermelinschwänze dar, die sich auf dem alten Wappen der Bretagne befanden.

 


Die Kölnerin um das Jahr 1400, Bild: Uli Kievernagel
Die Kölnerin um das Jahr 1400, Bild: Uli Kievernagel

Frau aus dem Mittelalter (um 1400)

Köln, als größte Stadt des Heiligen Römischen Reichs, hatte etwa 40.000 Einwohner. Der Gürzenich und der Rathausturm werden gebaut. In der Freien Reichsstadt genießen Frauen eine größere Freiheit als in jeder anderen Stadt. Sie gründen eigene Zünfte z.B. die Zunft der Garnmacherinnen, Seidenmacherinnen und Goldspinnerinnen.

 

 

 


Die Jüdin, Bild: Uli Kievernagel
Die Jüdin, Bild: Uli Kievernagel

Jüdin (1424)

Die jüdische Gemeinde Kölns war die die älteste jüdische Gemeinschaft nördlich der Alpen. Der Frauenbrunnen befindet sich fast mitten im alten jüdischen Viertel. Im Jahr 1424 werden die Juden aus Köln vertrieben.

 

 

 

 


Die Niederländerin, Bild: Uli Kievernagel
Die Niederländerin, Bild: Uli Kievernagel

Niederländerin (um 1600)

Insbesondere durch den Rhein als Handelsweg bestehen enge Bindungen zu den Niederlanden. Köln wird der Marktplatz für z.B. Heringe und Muscheln aus der Nordsee. In umgekehrter Richtung wird insbesondere viel Wein verschifft. Der Geusenfriedhof ist nach niederländischen Glaubensflüchtlingen benannt.

 

 

 


Die Italienerin, Bild: Uli Kievernagel
Die Italienerin, Bild: Uli Kievernagel

Italienerin (18. Jahrhundert)

Der Erfinder des „Eau de Cologne“ war der Italiener Johann Maria Farina. Der Brunnen steht inmitten des ehemaligen Farina-Fabrikgeländes.

 

 

 

 

 


Preußin (1832)

Die Preussin, Bild: Uli Kievernagel
Die Preussin, Bild: Uli Kievernagel

Im Jahr 1814 besetzen die Preußen Köln. Keine besonders gute Zeit für Frauen in einer von säbelschwingenden Männern dominierten Welt. Wilhelm II. spricht den Frauen jegliche Bedeutung ab und sorgt ausdrücklich dafür, dass auf der Siegesallee im Berliner Tiergarten nur Statuen von Männern aufzustellen sind. Gut, dass hier in Köln auch an die preußischen Frauen gedacht wird.

 

 

 


Die moderne Kölnerin, Bild: Uli Kievernagel
Die moderne Kölnerin, Bild: Uli Kievernagel

Kölnerin (1987)

Die moderne Frau aus Köln zeigt sich auf dem Brunnen mit Kind.

 

 

 

 

 

 


Mehr als nur Darstellung der Bekleidung

Der Frauenbrunnen wurde von der Bildhauerin Anneliese Langenbach (1926-2008) geschaffen. Besonderen Wert bei der Gestaltung des Frauenbrunnens hat sie auf die Kleidung der Frauen gelegt, geleitet von der Kernfrage: Welche Kleider haben wohl die Frauen in den jeweiligen Epochen getragen?

Doch der Brunnen zeigt mehr als Kleider: Ronald Füllbrandt von den Kölschgängern verweist in seinen Betrachtungen des Frauenbrunnens ausdrücklich darauf: „Ja, Köln hatte schon immer starke und hübsche Frauen, darauf sollten wir stolz sein.“

Und damit hat Ronald recht!


Brunnen in Köln
Brunnen in Köln

Neben dem Frauenbrunnen haben wir auch andere Brunnen in Köln:


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Der Vierungsturm: Die „Warze“ des Doms

109 Meter hoch und nicht wirklich geliebt: Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
109 Meter hoch und nicht wirklich geliebt: Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas

Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter.
(… glaubt der Kölner)

Der Kölsche liebt seine Provisorien. Daher hat er regelrecht Angst davor, dass der staatse Dom eines Tages tatsächlich mal fertig werden könnte. Gut, dass das nie passieren wird. Am Dom wird immer weiter gearbeitet. Und wenn irgendwann mal keine Baugerüste mehr den Dom zieren, wäre das sogar ein schlechtes Zeichen: Dann würde nichts mehr geschraubt, gebaut und repariert.

Ein gutes Beispiel für diese stetige Bautätigkeit ist die „Warze“ auf unserer Kathedrale. So hat Philippe Villeneuve, der französische Chef-Architekt der Pariser Kathedrale Notre-Dame, den Vierungsturm bezeichnet. Und diese „Warze“ in der aktuellen Form ist auch erst 50 Jahre alt und bereits die dritte Variante des Turms.

Grundsätzlicher Streit: Vierungsturm ja oder nein?

Die Vierung einer Kirche ist die Stelle, wo das Haupt- und das Querschiff sich treffen. In kreuzförmigen Kirchen wie im Dom trennt die Vierung den Chor vom Langhaus. Im Dom sollte ursprünglich der Dreikönigsschrein in der Vierung aufgestellt werden. Da die Kölschen allerdings bekanntlich etwas länger am Dom bauten1um genau zu sein 632 Jahre, waren das Lang- und das Querhaus schlichtweg nicht fertig und so fand der Schrein seinen Platz im Chor und in der Vierung steht der Vierungsaltar.

Der Vierungsaltar im Kreuzungspunkt des Lang- und des Querhauses, Bild: Willy Horsch, CC BY 3.0
Der Vierungsaltar im Kreuzungspunkt des Lang- und des Querhauses, Bild: Willy Horsch, CC BY 3.0

Auf dem Dach steht über der Vierung der Vierungsturm. Fraglich ist aber, ob dies so geplant war. In den ursprünglichen Entwürfen ist kein solcher Turm zu finden. Allerdings wurde bereits 1322 ein Dachreiter2Ein Dachreiter ist ein i.d.R. aus Holz gebautes Türmchen, welches oft als Glockenstuhl dient. auf den Chor gesetzt.

Erst eine barocke Variante, danach ein neugotischer Turm

Im Jahr 1744 wurde ein neuer, barocker Dachreiter errichtet. Auf alten Stichen ist dieser kleine bauchige Turm zu sehen. Über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten, doch diese Konstruktion will so gar nicht zum Rest des gotischen Doms passen. Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner meinte im Kölner Stadt-Anzeiger Ausgabe3vom 29. April 2020 dazu, dass dieses Türmchen „eher wie eine Laterne aussah“.

Ein Stich aus dem Jahr 1806 zeigt den barocken Dachreiter des Doms
Ein Stich aus dem Jahr 1806 zeigt den barocken Dachreiter des Doms

Gut, dass der damalige Dombaumeister Zwirner im Jahr 1859 dieses eher unpassende Ding abreißen lies und einen neugotischen Turm an dessen Stelle setzte.

Der Dom im Jahr 1865 vor der Vollendung der Domtürme mit freier Sicht auf den Vierungs­turm
Der Dom im Jahr 1865 vor der Vollendung der Domtürme mit freier Sicht auf den neugotischen Vierungs­turm.

Dass überhaupt ein Turm an dieser Stelle geplant war, ist stark zu bezweifeln. Auf den Plänen ist kein solcher Turm zu finden. Allerdings war Sulpiz Boisserée, einer der Hauptinitiatoren der Dom-Fertigstellung im 19. Jahrhundert, der festen Überzeugung, dass dort ein Vierungsturm gebaut werden sollte. Sein Argument: Auch andere gotische Kathedralen des 13. Jahrhunderts würden über einen solchen Turm verfügen und überhaupt sähe der Dom mit Vierungsturm viel schöner aus. Gutes Argument. Sein Entwurf sah einen massiven achteckiger Vierungsturm vor. 

Sulpiz Boisserée „Idealansicht“ des fertigen Doms (1821). Gut zu erkennen: Der massive, achteckige Vierungsturm
Sulpiz Boisserée „Idealansicht“ des fertigen Doms (1821). Gut zu erkennen: Der massive, achteckige Vierungsturm

Das Problem war aber, dass die Säulen der Vierung so berechnet waren, dass sie nur das Gewölbe der Vierung zu tragen hatten. Bei der Errichtung eines massiven Turms bestand die Gefahr, dass die übermäßige Belastung zum Einstürzen der östlichen Vierungspfeiler führen könnte. So entschied sich Dombaumeister Zwirner für eine Eisenkonstruktion. Angenehmer Nebeneffekt dieser leichteren Variante: Es wurde wesentlich billiger.

Ansicht des Vierungsturms mit Details, ca. 1860
Ansicht des aus Eisen gebauten Vierungsturms, ca. 1860

Heute dritthöchster Kirchturm Kölns – Gestaltung umstritten

Dieser Turm hatte die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs recht gut überstanden. Zwar waren einige Verkleidungselemente vom Druck der Bomben abgerissen, aber die die eiserne Unterkonstruktion wurde als sehr solide bezeichnet.

Die fehlenden Verzierungen waren aber nach Einschätzung des Dombaumeisters Willy Weyres (Dombaumeister von 1947–1972) nicht mehr zu ersetzen, wobei das durchaus als Vorwand zu sehen ist. Weyres wollte alle neugotischen Elemente des Doms zurückbauen. Dazu gehörte auch der Vierungsturm. Statt einer einfachen Instandsetzung wurde der Turm daher radikal neu gestaltet. Ab 1965 wurden an der bestehenden Konstruktion neue Verkleidungen und Schmuckelemente im Art déco Stil angebracht. Prägendes Element dabei sind die acht großen Engel. Die von unten recht klein aussehenden Engel sind tatsächlich 4,10 m hoch und wiegen jeweils mehr als zwei Tonnen.

Acht Engel im Art déco Stil prägen den Vierungsturm, Bild: Fritz Jörn, CC BY 3.0
Acht Engel im Art déco Stil prägen den Vierungsturm, Bild: Fritz Jörn, CC BY 3.0

Mit 109 Metern Höhe ist der Vierungsturm heute, nach den beiden Domtürmen, der dritthöchste Kirchturm in Köln. Und er bleibt umstritten. Weder Weyres Nachfolger im Amt des Dombaumeisters, Arnold Wolff, noch dessen Nachfolgerin Barbara Schock-Werner konnten sich je mit der Gestaltung des Vierungsturm anfreunden. Allerdings scheuten beide, den aktuellen Turm umzubauen. Mal sehen, ob der aktuelle Dombaumeister Peter Füssenich sich dieses Themas annimmt. Doch selbst wenn er das nicht tut: Der Dom bleibt auf ewig eine Baustelle.

Gut so, denn sonst ginge ja die Welt unter.
(… glaubt der Kölner)


Auf der Spitze des Vierungsturms ist nicht, wie sonst bei Kirchen üblich, ein Kreuz, sondern ein vergoldeter Stern zu sehen. Dieser Stern erinnert an den Stern von Betlehem, welchem die Heiligen Drei Könige gefolgt sind. Hoch oben, über den Dächern der Stadt, weist dieser Stern den Pilgern den Weg zu deren Gebeinen im Dreikönigsschrein.

Auf 109 Metern Höhe weist der Stern von Betlehem darauf hin, dass im Dom die Gebeine der Heiligen Drei Könige zu finden sind, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Auf 109 Metern Höhe weist der Stern von Betlehem darauf hin, dass im Dom die Gebeine der Heiligen Drei Könige zu finden sind, Bild: CEphoto, Uwe Aranas

Mein Nachbar Thomas hatte das große Glück, Silvester pünktlich um 12 Uhr auf dem Vierungsturm des Doms zu stehen. Es gibt in Köln keinen besseren Platz, um das Feuerwerk zu sehen. 


Die Dame müsste sich nur etwas bücken - dann würde sie in das Mittelschiff des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel
Die Dame müsste sich nur etwas bücken – dann würde sie in das Mittelschiff des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel

Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Alles zum Dom in Zahlen: Von 4 bis 10 Milliarden


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Der Barbarossaplatz – der hässlichste Platz Kölns

Nä - wat doch fröher schön: Der Barbarossaplatz um 1900
Und? Erkennst du diesen Platz? Das ist der Barbarossaplatz um 1900

Podcast Barbarossaplatz 20

Die Band Querbeat hat dem Barbarossplatz ein Lied gewidmet. Der Text passt fast perfekt:

„Guten Morgen Barbarossaplatz
Bist du auch noch wach?
Hast du auch die letzte Nacht wieder durchgemacht?“

Korrekt müsste es aber heißen „Hast du auch die letzten Jahre wieder durchgemacht?“. Denn so sieht er aus: verbraucht, dreckig, runtergekommen. Eben genau so wie jemand, der jahrzehntelang einfach durchgemacht hat. Der Barbarossaplatz ist, so der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings in einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers 1Kölner Stadt-Anzeiger vom 12.09.2019 „der am meisten vernachlässigste Platz der Stadt“.

Okay, zugegeben: In unserer leider an vielen Stellen hässlichen Stadt gibt es noch eine ganze Reihe anderer Anwärter auf den Titel „Schrecklichster Platz“. Der Ebertplatz ist mit Sicherheit weit vorne, aber auch der Breslauer Platz, der Neumarkt oder die Domplatte sind in den Top Ten. Angeführt wird diese aber eindeutig vom Barbarossaplatz.

Was macht einen Platz aus?

Plätze haben in einer Stadt spezielle Funktionen. Der Stadtplaner Dr. Ulrich Hatzfeld dazu 2 In einem Beitrag zu „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze, Dokumentation Landeswettbewerb 2004/05“, https://stadtbaukultur-nrw.de/site/assets/files/1561/stadtmachtplatz2004_dokumentation.pdf: „Plätze als städtebauliche Kunstwerke, als Gegenstand des städtebaulichen Denkmalschutzes, als innerstädtische Freiräume, als Orte der sozialen und ethnischen Integration, als politische Bühnen und vieles mehr.“

Betrachtet man den Barbarossaplatz, versagt dieser in jeglicher Dimension: Kein Kunstwerk, kein Denkmalschutz, definitiv kein Freiraum, von sozialer und ethnischer Integration Lichtjahre entfernt und als politische Bühne unbrauchbar.
Barbarossaplatz: Sechs, setzen.

Och, wat wor dat fröher schön.

Tatsächlich was das nicht immer so. Betrachtet man Fotos längst vergangener Zeit, so war der Barbarossaplatz tatsächlich mal schön. Mit einem Springbrunnen in der Mitte, Platz zum Flanieren, Bäumen und schönen Gebäuden.

Der Barbarossaplatz um 1890
Der Barbarossaplatz um 1890

Der Barbarossaplatz war Teil einer ganzen Reihe von attraktiven Plätzen, die durch den Ausbau der Ringe entstanden sind. Der Abriss der mittelalterlichen Stadtmauer um das Jahr 1880 schaffte dringend benötigten Platz, um an der Stelle des ehemals freien Schussfelds einen Prachtboulevard zu errichten – die Ringe entstanden. An den Stellen, wo die großen Ausfallstraßen die Ringe kreuzten, wurden Plätze geschaffen. So entstanden unter anderem der Rudolfplatz, der Ebertplatz und auch der Barbarossaplatz.
Dieser wurde am 10. Mai 1883 eingeweiht und benannt nach Friedrich I., einem Stauferkaiser. Gut, dass dieser Kaiser (wegen seines roten Barts „Barbarossa“ genannt) bereits 1190 starb. Ansonsten würde er wohl kaum zulassen, dass sein Name für die Scheußlichkeit von Platz missbraucht wird.

Wachsender Verkehr und Nachkriegsarchitektur

Allerdings sorgte nicht erst die Zerstörung der Stadt im zweiten Weltkrieg und der Wiederaufbau für die Verschandelung des Platzes. Bereits in den 1930er Jahren veränderte sich der Barbarossaplatz. Zugunsten des wachsenden Verkehrs wurde aus der Grünfläche ein Kreisverkehr, Straßenbahnen kreuzten den Platz.

Der Neuaufbau nach dem Krieg gab dem Barbarossaplatz dann den Rest. Ulrich Krings3Kölner Stadt-Anzeiger vom 12.09.2019 dazu: „Das Konzept der autogerechten Stadt … ist hier ganz brutal zum Tragen gekommen.“ Niemand, so Krings, habe sich um die Randbebauung gekümmert. „Es wimmelt hier nur so von Scheußlichkeiten“. Recht hat er.

Impressionen vom Barbarossplatz

Kein Platz, eher eine große Kreuzung

Heute ist vom Platzcharakter nichts mehr übrig. Der Platz ist eine gigantische große Kreuzung. Immerhin sieben Straßen kreuzen sich hier und vier Stadtbahnen-Linien überqueren den Barbarossplatz. Wer einmal versucht hat, diesen Platz zu Fuß zu überqueren, wird auch im Verkehr von Neapel, Istanbul oder Kairo überleben. Alle Pläne einer Neugestaltung, wie zum Beispiel die Straßenbahn unter die Erde zu legen, wurden aus finanziellen Gründen nicht weiterverfolgt.

Kein Wunder, dass es in dem Song von Querbeat auch lautet:

„Die Nacht sieht man uns an, alle Farben im Gesicht
Barba so bist du, und so bin ich“


Jan Kamensky hat eine sehenswerte Vision für den Bararossaplatz entwickelt: Weg mit den Autos, mehr Platz für die Menschen, Bild: Jan Kamensky, VISUAL UTOPIAS
Jan Kamensky hat eine sehenswerte Vision für den Bararossaplatz entwickelt: Weg mit den Autos, mehr Platz für die Menschen, für das Video bitte auf das Bild klicken, Bild: Jan Kamensky, VISUAL UTOPIAS

VISUAL UTOPIAS: So schön könnte der Barbarossaplatz aussehen

Wie der Barbarossaplatz ohne Autos aussehen könnte, zeigt der Utopist Jan Kamensky. Seine Überzeugung: Es ist wichtig, zu sehen, was passiert, wenn wir die von Autos dominierten Straßen in menschenfreundliche Orte verwandeln. Deshalb erstellt Kamensky utopische, autofreie Animationen von Plätzen wie zum Beispiel der Karl-Marx-Allee in Berlin, dem Rosenberger Platz in Stuttgart oder der Kohlberger Straße in Wien.

Besonders beeindruckend: Seine Vision des Barbarossaplatzes. So wird in dem Video aus dem hässlichsten Platz Kölns einer der schönsten Plätze der Stadt. Besonders schön ist auch seine Vision der heute durchaus hässlichen Komödienstraße. Tipp: Das Video unbedingt bis zum Ende schauen, hier klatscht sogar der Dom Beifall!

Jan Kamensky, VISUAL UTOPIAS


Oase der Ruhe in der (fast unmittelbarer) Nähe: Der Garten der Religionen

Gerade mal 400 Meter Luftlinie vom Barbarossaplatz entfernt liegt einer einem der schönsten und zugleich unbekanntesten Plätze der Domstadt: Der „Garten der Religionen“.


Film „Über Barbarossaplatz“

Der WDR hat mit „Über Barbarossaplatz“ dem Platz auch den passenden Film gewidmet. In diesem 2016 gedrehten Film fühlt sich die Psychologin Greta nach dem Selbstmord ihres Mannes mitschudig an dessen Tod. 

Caroline Ströbele schreibt dazu in der Zeit Online4Zu hart für die Couch – Über Barbarossaplatz bei Zeit Online, abgerufen am 27. April 2017: „Köln hat die interessanteste Rolle in diesem Film. Die Stadt ist lärmig und aggressiv, keine Spur Kölner Fröhlichkeit. Der Verkehrslärm des titelgebenden Barbarossaplatzes übertönt jedes Gespräch, die Menschen sind brutal, überall wird geschoben und gedrängelt, es ist immer zu voll und zu laut.“


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Der „Rosa Winkel“: Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln

Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Franz-Josef Knöchel / LVR
Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Franz-Josef Knöchel / LVR

Regelmäßig besuche ich bei der Lotsentour Innenstadt mit meinen Gruppen auch das „Rosa Winkel Mahnmal“. Und immer wieder stelle ich fest, dass selbst Urkölsche dieses Denkmal nicht kennen – obwohl sie schon hundertmal daran vorbeigelaufen sind. Die Rede ist von dem „Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln“. Dabei steht dieses Denkmal an sehr prominenter Stelle: direkt am Rhein, fast unterhalb der Hohenzollernbrücke. Und trotzdem laufen alle daran vorbei. Und das bereits seit 1995. Damals wurde das Denkmal feierlich im Rahmen der Cologne Pride enthüllt. Aus heutiger Sicht erstaunlich: Der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger hatte bei der feierlichen Enthüllung des Mahnmals seinen ersten Auftritt im Rahmen eines CSD. Heute ist die Teilnahme an den Feierlichkeiten des CSD Pflichtprogramm für die Vertreter der Politik. So hat in diesem Jahr unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Regenbogen-Flagge enthüllt und die Parade eröffnet.

Streit um Aufstellungsort

Die Vorgeschichte des Denkmals beginnt bereits 1990. Die Initiative ging von Jörg Lenk, aktiv im Arbeitskreis Lesben und Schwule der Gewerkschaft ÖTV in Köln, aus. Drei Jahre später gab es eine Ausschreibung zur Gestaltung des Denkmals. Kritisch diskutiert wurde vor allem der sehr prominente Aufstellungsort. Dabei ist gerade dieser Platz für die homosexuellen Kölner von besonderer Bedeutung. Hier stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein Pissoir, welches zum beliebten Treffpunkt schwuler Männer wurde. Nach der Zerstörung des Pissoirs verlagerte sich die Szene in die (heute geschlossenen) Treppentürme der Hohenzollernbrücke. Nicht vergessen: Noch bis in das Jahr 1994 galt der „Schwulen-Paragraph 175“. Dieser Paragraph stellte homosexuelle Handlungen unter Strafe. Anonyme Treffpunkte für Schwule waren daher von besonderer Bedeutung.

Aus dem Lehrmaterial der SS: Übersicht der Kennzeichnungen für Häftlinge, Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0
Aus dem Lehrmaterial der SS: Übersicht der Kennzeichnungen für Häftlinge, Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0
Rosa Winkel kennzeichnete homosexuelle Männer im Konzentrationslager

Das Mahnmal ist dem „Rosa Winkel“ nachempfunden. In den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten musste jeder Häftling eine spezielle Kennung als Aufnäher an der Jacke oder Hemd tragen. Zwei gegenläufige Winkel, die den „Judenstern“ ergaben, kennzeichneten Juden. Ein roter Winkel stand für politische Gefangene. Einen lila Winkel mussten Zeugen Jehovas tragen. Weitere Aufnäher standen z.B. für Sinti und Roma oder  Berufsverbrecher. Der „Rosa Winkel“ war die Kennzeichnung homosexueller Männer.

  • Dieser „Rosa Winkel“ wurde später international zum Symbol der Homosexuellen. Heute hat allerdings die Regenbogenflagge eine wesentlich größere Popularität in der LGBT1Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender-Szene.
Der "Rosa Winkel", gehalten durch graue Keile, Bild: Franz-Josef Knöchel, LVR
Der „Rosa Winkel“, gehalten durch graue Keile, Bild: Franz-Josef Knöchel, LVR

Das Denkmal besteht aus diesem „Rosa Winkel“, welcher links und rechts von grauen Keilen gehalten wird. Der Künstler Achim Zinkann dazu:
„ … In der Skulptur entsteht eine Korrespondenz zwischen den Keilen. Druck, Gegendruck und Reibung sind Voraussetzungen für den Gesamtzusammenhalt. Wird einer der Keile entfernt, verliert mindestens ein anderer den Halt. Das Gefüge wird zerstört …“

Inschrift des Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Uli Kievernagel
Inschrift des Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Uli Kievernagel

Auf der Oberseite ist die Inschrift:

Totgeschlagen – Totgeschwiegen
Den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus

eingemeißelt. In den Konzentrationslagern des NS-Regimes wurden etwa 10.000 homosexuelle Männer inhaftiert und mehr als die Hälfte davon ermordet, schätzt der Soziologe Rüdiger Lautmann.

Wenn ihr demnächst in der Innenstadt unterwegs seid, nehmt euch die Zeit und schaut euch dieses Denkmal an. Leider stelle ich regelmäßig fest, dass sich der „Rosa Winkel“ nicht im besten Zustand befindet. Die Patenschaft hat der schwule Männerchor „Zauberflöten“ übertragen bekommen. Es wäre wünschenswert, wenn dort öfters mal jemand vorbeischaut und die Würde des Mahnmals sicherstellt.


Das Denkmal hat auch eine eigene Website mit weiteren Informationen. Außerdem gibt es noch ein Köln-Ding der Woche zum schwul-lesbischen Köln und der CSD-Parade.


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Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal!

 

Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort, : Das Raderthaler Funkhaus, Bild: Peter Funk
Früher Heimat rauschender Feste, heute ein vernachlässigter Ort, : Das Raderthaler Funkhaus, Bild: Peter Funk

Köln ist eine Medienstadt. WDR, RTL, ntv, Deutschlandradio, weitere Radiosender sowie zahlreiche Verlage haben ihre Heimat in unserer Stadt. Und das hat eine lange Tradition: Schon 1927 gab es einen Sender der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG), eine Vorläuferin des heutigen WDR in Köln-Raderthal.

Adenauer holt Sender nach Köln

Während der Besatzungszeit nach dem 1. Weltkrieg war der Bau deutschsprachiger Sender verboten. Erst nach dem Abzug der britischen Truppen Anfang 1926 war es erlaubt, Sendeanlagen aufzubauen. Und so ging am 15. Januar 1927 der WERAG-Sender in Langenberg (Velbert) auf Sendung. Für die Kölner Radiohörer eine Zumutung: Statt Musik nur Rauschen und Knirschen – die Sendeleistung in Langenberg reichte nicht aus, um auch den Kölnern einen störungsfreien Empfang zu ermöglichen. Also: Ein neuer Sender muss her. Oberbürgermeister Konrad Adenauer legte sich mächtig ins Zeug und bot den WERAG-Verantwortlichen ein Gelände in Köln-Raderthal an, direkt am Park gelegen. Bereits im Mai 1927 begannen dort die Bauarbeiten für ein Sendehaus und die mächtige Sendeanlage. Diese bestand aus zwei Sendemasten mit 80 Metern Höhe, gefertigt aus speziell präparierten Kiefernholz, da Eisenmasten einen negativen Einfluss auf die Sendeleistung haben. Zwischen die Masten wurde Drähte gespannt – die eigentliche Sendeanlage.

Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Historische Sendeanlage mit sogenannter „T-Antenne“, so hat auch der Sender in Raderthal ausgesehen: Zwei 80 m hohe Tragmasten mit der mehrdrähtigen, 6 m breiten und 40 m lange T-Antenne, Bild: Rundfunksender um 1925
Wechselvolle Geschichte des Funkhauses

Ab 1932 wurde die Sendeleistung des Senders Langenberg massiv ausgebaut – und somit der Kölner Sender überflüssig. Der Sendebetrieb wurde am 14. März 1932 eingestellt, die Sendeanlage abgebaut. Das Sendehaus aber blieb erhalten und stand zunächst leer.

Um das Jahr 1950 begann in Raderthal – rund um das Funkhaus – eine rege Bautätigkeit. Für die in Köln stationierten britischen und belgischen Offiziere wurden großzügige Häuser angelegt. Und auch das Funkhaus wurde von der Britischen Rheinarmee requiriert, in die Siedlung einbezogen und für Veranstaltungen verwendet. Anwohner berichten noch heute von dem großen Saal mit Parkettboden, Kronleuchtern und rauschenden Festen im Funkhaus. Im Jahr 1997 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Seit dem Abzug der Rheinarmee wird das Funkhaus von der Stadt Köln genutzt, zuletzt als Notunterkunft für Flüchtlinge. Heute steht das Haus leer, aber die Jahre sind nicht spurlos  vorbeigegangen. Das Dach ist undicht, das gesamte Gebäude ist sanierungsbedürftig, die Fenster notdürftig mit Blechen zugeschlagen.

Teilansicht des Funkhauses, links der Eingang zur großen Halle, Bild: Heinz Reutersberg
Ein Bild aus besseren Tagen, heute verschandeln Bleche das Haus, Bild: Heinz Reutersberg
Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“

Fraglich ist, wie es mit dem diesem geschichtsträchtigen Objekt weitergeht. Es besteht die Gefahr, dass der Denkmalschutz aufgehoben wird, die Stadt das Areal an einen Investor verkauft und dort Wohnungen errichtet werden. Damit wäre das Schicksal des Sendehauses endgültig besiegelt und Köln würde wieder ein Stück Geschichte unwiderruflich verlieren.

Leider ist die Initiative „Radiomuseum ins Funkhaus“ im Kölner Stadtrat gescheitert. Die Idee war, das Haus zu sanieren und das in Köln bestehende Radiomuseum im Raderthaler Funkhaus unterzubringen. „Wir wollen das markante Gebäude wieder einer ursprungsnahen Nutzung zuführen.“ so der Sprecher der Initiative, Andreas Henseler. Zahlreiche Initiativen, Vereine und Bürger hatten sich dem Netzwerk angeschlossen.
Leider ohne Erfolg. Aktuell1Stand: 30. Mai 2022 ist die Nutzung des dringend sanierungsbedürftigen Gebäudes offen.


Eine Gruppe bei der Lotsentour Raderberg und Raderthal am alten WERAG-Funkhaus, Bild: Uli Kievernagel
Eine Gruppe bei der Lotsentour Raderberg und Raderthal am alten WERAG-Funkhaus, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderthal

Das alte Funkhaus ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


Am „Tag des offenen Denkmals“ (7. September 2019) gab es die Möglichkeit, einen Blick in das Gebäude zu werfen. Hier ein sehenswertes Video dazu. Kleiner Tipp (in eigener Sache): Ab Minute 4 komme auch ich zu Wort. Schaut mal rein! 

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Der Geusenfriedhof

Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Verwittert und geheimnisvoll: Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Richtig still ist es hier es seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Und schön ist auch nur der Friedhof selber. Man sollte tunlichst vermeiden, den Blick auf die umliegenden Bausünden der Universität und des Krankenhauses Weyertal zu werfen. Trotzdem lohnt sich ein Besuch auf dem „Geusenfriedhof“ in Sülz. Der Name ist vom französischen Wort für „gueux“, welches Bettler bedeutet, abgleitet. So wurden die überwiegend aus den Niederlanden geflüchteten Protestanten als „Geusen“ bezeichnet.

Im 16. Jahrhundert lag dieser Friedhof weit vor den Stadttoren. Und das musste er auch, denn hier wurden nur „unkatholische“ Menschen bestattet. Innerhalb der Stadtmauern ging die katholische Kirche mit aller Härte gegen die „Falschgesinnten“, also die Protestanten, vor. Wer nicht am katholischen Gottesdienst teilnahm oder an den kirchlichen Feiertagen keinen Blumenschmuck bereitstellte, riskierte die Haft oder wurde gleich aus dem „Hillige Kölle“ verwiesen. Die in Köln ansässigen Protestanten konnten daher ihren Glauben nur im Verborgenen praktizieren. So waren auch Beerdigungen von Protestanten auf den städtischen Friedhöfen schlichtweg verboten.

Bis 1829 einzige Begräbnisstätte für Protestanten

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet die katholische Adlige Ursula von Gohr zu Kaldenbroek im Jahr 1576 ein Stück Land zur Anlage eines Friedhofs für die Protestanten stiftete. Die erste Beerdigung fand dort im Jahr 1584 statt. Und bis weit in das 19. Jahrhundert war dieser Friedhof die einzige mögliche Begräbnisstätte für Protestanten in Köln. Erst die Liberalisierung der Religion durch die französischen Besatzer führte 1829 dazu, dass auch Protestanten auf dem Friedhof Melaten bestattet werden durften. Auf dem Geusenfriedhof wurde 1875 die letzte Bestattung durchgeführt. Und danach geriet diese Fläche in Vergessenheit – bis 1981. Der Friedhof wurde unter Denkmalschutz gestellt und die evangelische Gemeinde hat sich der verwilderten Fläche angenommen, Grabsteine wieder aufgerichtet und die Wege wieder hergestellt. Für dieses Engagement bekam stellvertretend für das ganze Team Elke Bendixen den 2005 den Ehrenamtspreis der Stadt Köln.

Heute liegt der Friedhof  zwischen den unansehnlichen Betonklötzen und übt gerade deswegen eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Die großen Bäume und die verwitterten Grabsteine führen in eine längst vergangene Zeit zurück.


Der Geusenfriedhof liegt hinter der Universitätsbibliothek an der Kerpener Straße 13.

Öffnungszeiten:

April – September: 9 -19 Uhr
Oktober: 10-17 Uhr
November-März: geschlossen
ACHTUNG:  Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen: 10-17 Uhr


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„Am Dude Jüd“: Der alte jüdische Friedhof in Raderberg

Ausschnitt aus einem Stich von Friedrich W. Delkeskamp (1794–1872)
„Am toten Juden“ (Ausschnitt aus einem Stich von Friedrich W. Delkeskamp (1794–1872). Gut zu erkennen ist die Lage des Friedhofs vor der Stadtmauer.

„Parkstadt Süd“ ist das große Stadtentwicklungsprojekt im Kölner Süden. Bis zu 4.000 Wohnungen, Büros und Ladenlokale sollen im „Inneren Grüngürtel“ zwischen Bayenthal, Raderberg, Zollstock und Sülz entstehen. Teil des Projekts ist auch der Großmarkt. Dieser sollte bereits im Jahr 2020 umziehen. Doch sowohl die Standortfrage als auch der konkrete Umzugstermin sind noch offen. Die Debatte der Beteiligten  (Stadt, Händler, Anwohner am potenziellen neuen Standort in Marsdorf) ist im vollen Gange.

Der Judenbüchel

Eine ganz andere Herausforderung an die Planer wird allerdings kaum diskutiert: Auf dem heutigen Großmarktgelände liegt der „Judenbüchel“, der alte Friedhof der jüdischen Gemeinde. Die Kölschen nannten dieses Gelände „Dude Jüd“ – der „Tote Jude“.

Die exakte Lage des Friedhofs ist nicht bekannt, doch es ist davon auszugehen, dass dieser rund um die heutige Sechtemer Straße lag. Erste schriftliche Erwähnungen des Judenbüchels stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Bei den wiederholten Pogromen kam es auch regelmäßig zu Schändungen des Friedhofes. So wurden ganze Grabsteine als Baumaterial in Köln und im Umland genutzt. Besonders pikant: Auch im „Hansa-Saal“ des historischen Rathauses wurden diese Grabsteine verbaut.

Nationalsozialisten ebnen jüdischen Friedhof ein

Schon ab ca. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde das Gelände rund um den „Dude Jüd“ auch als Veranstaltungsgelände genutzt. So fanden hier Hinrichtungen oder auch Turniere statt. Der jüdische Friedhof geriet dabei über die Jahrhunderte in Vergessenheit.

Erst im Jahr 1922, bei Bauarbeiten zur Errichtung des Güterbahnhofs, wurde der Friedhof wiederentdeckt. Grabstätten und Gebeine wurden auf den neuen jüdischen Friedhof in Bocklemünd umgebettet. Allerdings: Im jüdischen Glauben gehören Gräber zum ewigen Eigentum der Toten und dürfen nie berührt werden. Daher kann davon ausgegangen werden, dass im Jahr 1936 die Errichtung des Großmarkts auf dem Gelände des Friedhofs durch die Nationalsozialisten als bewusster Affront gegen die jüdische Bevölkerung zu verstehen war.

Info-Tafel am Großmarkt, eine eher bescheidene Erinnerung an den Jüdischen Friedhof. Bild: Uli Kievernagel
Info-Tafel am Großmarkt, eine eher bescheidene Erinnerung an den Jüdischen Friedhof. Bild: Uli Kievernagel

Heute erinnert nur noch eine bescheidene Informationstafel an der Markthalle an den jüdischen Friedhof. Und mit diesem Wissen stellt sich nun die Frage, wie mit diesem Erbe im Rahmen des Neubauprojekts „Parkstadt Süd“ umgegangen werden soll.


Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel
Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderthal

Der „Dude Jüd“ ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


Wer sich grundsätzlich für Friedhöfe interessiert, sollte an der Lotsen-Tour Südfriedhof teilnehmen.


„Am dude Jüdd“ von Willi Ostermann

Bekannter als der eigentliche Friedhof ist in Köln das Lied „Am dude Jüdd“ von Willi Ostermann über ein Tanzlokal, welches sich gegenüber des Friedhofs befunden haben soll. Ob es sich bei dem Wirt allerdings um einen Juden, wie in einem Video der Bläck Fööss (dargestellt von King Size Dick) gehandelt hat, darf durchaus bezweifelt werden.


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Zum Sprung bereit – der Panther in Marienburg

Panther, Bild: Uli Kievernagel
Kommt aus dem Gebüsch geschlichen: Der Panther, Bild: Uli Kievernagel

Die Ohren angelegt, sich anschleichend, mitten aus dem umgebenden Bäumen und Büschen kommend: Der lebensgroße Panther im Südpark in Köln-Marienburg ist durchaus beeindruckend. Auch der Platz für diese Skulptur ist sehr gut gewählt. Das halbrunde Gestrüpp lässt nur den frontalen Blick zu, von der Seite aus ist der Panther nicht zu sehen. Der Bronzeguß stammt ungefähr aus dem Jahr 1920, eine exaktere Datierung ist wegen fehlender Dokumente nicht möglich.

Geschaffen wurde der Panther vom Bildhauer Fritz Behn – einer Größe im nationalsozialistischen Kunstbetrieb. Ab 1921 unterhielt Behn gute Kontakte zu Hitler, der ihm 1943 die „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ verlieh. Fritz Behn war bereits 1928 einer der Initiatoren des „Nationalsozialistischen Kampfbunds für deutsche Kultur“ . Zielsetzung diese Vereinigung war der Widerstand gegen „Verbastardisierung und Vernegerung unseres Daseins“. In dem Nazi-Blatt „Völkischer Beobachter“ hetzte Fritz Behn als Redakteur im Feuilleton gegen „Entartete Kunst“ und „Nigger-Jazz“.

Bei dieser steilen Nazi-Karriere verwundert seine Aussage nach dem Krieg, dass er in Gegnerschaft zum NS-Regime gestanden habe und die „Linkspresse“ ihn zum „Nazi-Bildhauer“ stempeln würde. Fritz Behn war bis zu seinem Tod im Jahr 1970 als freischaffender Künstler tätig, der seine alten Seilschaften zu nutzen wusste und unter anderem Portraits von Maria Callas oder Papst Pius XII. fertigte.

Und mit dem Wissen um den Bildhauer verändert sich für viele auch der Blick auf das Kunstwerk „Der Panther“.

Übrigens:  Teilnehmer der Lotsen-Tour Marienburg können dem Panther auf unserer Tour tief in die angriffslustigen Augen sehen. Eine weitere Skulptur von Fritz Behn steht in dem kleinen Park am Sachsenring: „Diana mit springender Antilope“.


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