Der Bierbrunnen – besser bekannt als „Pippimann-“, „Pimmel-“ oder „Penis-“ Brunnen

Der Bierbunnen in Köln, Bild: Uli Kievernagel
Der Bierbrunnen in Köln, Bild: Uli Kievernagel

Es ist der Schnittpunkt der beiden wichtigsten römischen Straßen Kölns: Die heutige Hohe Straße und die Schildergasse. Hier lag das Forum des römischen Kölns: Ein großer Platz von etwa 180 x 180 Meter. Prächtige Bauten säumten die Ränder.  Richtung Rhein stand eine Basilika und Richtung Westen ein ringförmiger Säulengang mit mehr als 100 Metern Durchmesser,  geschmückt mit Standbildern. Es muss ein grandioser Anblick gewesen sein.

Heute sieht man dort H&M, Sport Scheck und den Kaufhof. Der gestalterische Höhepunkt ist der Apple Store. Irgendwie ernüchternd. Und als Blickfang in der Mitte dient eine steil aufragende, schmale Granitsäule, gesäumt von neun kreisrunden Sitzflächen. Oben fließt Wasser heraus und an der Stele entlang. Es handelt sich um den Bierbrunnen.

Nur die wenigsten Kölner können den Namen dieses Gebildes korrekt benennen. Unter den Kölschen ist diese knapp acht Meter hohe Säule eher bekannt als „Pippimann-“, „Pimmel-“ oder „Penis-“ Brunnen.  Warum? Wenn man sich den Brunnen so anschaut, ist der Vergleich nicht allzu abwegig. 

Moderne Kunst in der ersten Fußgängerzone Kölns

Auch wenn an dieser Stelle ästhetisch noch eine Menge Luft nach oben ist, sieht es heute immer noch besser aus als in den 1960er Jahren. Erst am 23. Februar 1966 wurde die Schildergasse zur ersten Fußgängerzone in Köln. Bis dahin war auch dort dichter Autoverkehr üblich.

Auf der neuartigen, autofreien Fläche sollte auch Kunst ausgestellt werden. Für diese Ecke an der Schildergasse war ein Brunnen als moderne Plastik vorgesehen. 1971 wurde dazu ein Wettbewerb an der gerade neu errichteten Fachhochschule Köln ausgeschrieben. Diesen Wettbewerb gewann der damals 24 Jahre alte Harald Frehen. Sein Entwurf sah eine schlanke, etwas in sich verdrehte Granitsäule vor, welche dann am 6. Mai 1972 feierlich eingeweiht wurde.

Tatsächlich könnte die schlanke Säule irgendwie als stilisiertes Kölschglas verstanden werden. Dafür braucht es allerdings etwas Phantasie. Eigentlich hätte dieser bedeutende Platz auch eine bedeutendere Konstruktion verdient. Ronald Füllbrandt (1961 – 2021) von den Kölschgängern bezeichnete den Brunnen daher als nicht besonders aufsehenerregend

Haus Mirweiler, das Zunfthaus der Kölner Brauer in der Schildergasse, Bild: unbekannter Künstler
Haus Mirweiler, das Zunfthaus der Kölner Brauer in der Schildergasse, Bild: unbekannter Künstler

Der Bierbrunnen erinnert an das Zunfthaus der Brauer

Finanziert wurde der Bierbrunnen von der Matthias Harzheim KG, der zu dieser Zeit bedeutendsten Biergroßhandlung in Deutschland. Der Brunnen soll an das nur ein paar Meter entfernte ehemalige Haus Mirweiler erinnern. Dort war bis 1927 das Zunfthaus der Brauer. Und so erklärt sich auch der Name des Brunnens: Aus dem Bierbrunnen floss tatsächlich Kölsch. Zumindest bei der Einweihung. Möglich wurde dies durch eine versteckt angelegte, unterirdische Leitung, die bis zu einem in einer Seitenstraße stehenden Kühlwagen verlegt wurde. Leider wurde diese Leitung aber nur selten benutzt, heute fließt nur noch Wasser aus dem Brunnen.

Kinder planschen am Bierbrunnen, Bild: Uli Kievernagel
Kinder planschen am Bierbrunnen, Bild: Uli Kievernagel

Aber immerhin haben bei gutem Wetter die Pänz Spaß daran, am Bierbrunnen zu planschen. Und auch eine weitere Funktion erfüllt der Brunnen: Als eindeutiger Treffpunkt mitten in der Stadt. Denn es heißt bis heute:

„Wir treffen uns am Pippimann-Brunnen.“


Brunnen in Köln
Brunnen in Köln

Neben dem Bierbrunnen haben wir auch beeindruckendere Brunnen in Köln:


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Das Denkmal der grauen Busse – WOHIN BRINGT IHR UNS?

Das Denkmal der "Grauen Busse" in Deutz, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0
Das Denkmal der „Grauen Busse“ in Deutz, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0

Es wirkt auf den ersten Blick seltsam: Ein Bus, mitten auf einer Rasenfläche am Rhein. Aufgeschnitten in zwei Hälften, aus Beton, massiv, grau. Ohne Erläuterung erschließt sich dieses Mahnmal nicht. Auch die Inschrift im Inneren des aufgeschnitten Busses lässt den Betrachter mit Fragezeichen zurück: WOHIN BRINGT IHR UNS? 1940 / 1941

Inschrift auf dem Denkmal der "Grauen Busse", Bild: Elke Wetzig
Inschrift „WOHIN BRINGT IHR UNS? 1940 / 1941“  auf dem Denkmal der „Grauen Busse“, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0

Massenmord an Psychiatriepatienten

Dieses Mahnmal erinnert an die „Aktion T4“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit dem euphemistischen Begriff „Gnadentod“ wurde im Nazi-Jargon die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ bezeichnet.

Mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen wurden in  den Jahren 1940 und 1941 systematisch ermordet, bis 1945 fielen dieser unmenschlichen Behandlung mehr als 200.000 Menschen zum Opfer. Der Begriff „Aktion T4“ wurde erst in der Nachkriegszeit geläufig. In der Tiergartenstraße 4 in Berlin war die zentrale Verwaltungsstelle für die Leitung der Ermordung behinderter Menschen im Deutschen Reich untergebracht.

Per Erlass Hitlers, datiert auf den 1. September 1939, wird der „Gnadentod“ im NS-Staat legitimiert: Bild: Marcel (Fotograf), via Wikimedia Commons
Per Erlass Hitlers, datiert auf den 1. September 1939, wird der „Gnadentod“ im NS-Staat legitimiert: Bild: Marcel (Fotograf), via Wikimedia Commons

Die Nazis rechtfertigten die Ermordung der Menschen mit Behinderung durch ihre Vorstellung der „Rassenhygiene“:  Der „Deutsche Volkskörper“ sollte nicht durch die Fortpflanzung von unerwünschten Menschen „verunreinigt“ werden.

Ein Omnibus als Mahnmal

Elf graue Omnibusse vom Typ Mercedes-Benz O 3750 wurden von der NS-Tarnorganisation „Gemeinnützige Krankentransport GmbH“ (GEKRAT) eingesetzt, um in den Jahren 1940/41 insgesamt 691 Patienten der Heilanstalt Weißenau in das Vernichtungslager Grafeneck (Landkreis Reutlingen) zu transportieren. Das Zitat „WOHIN BRINGT IHR UNS?“ ist die überlieferte Frage eines Mannes, der von den Bussen abgeholt wurde, um in einem  Vernichtungslager umgebracht zu werden.

Ein GEKRAT Bus, ursprünglich von der Deutschen Reichspost, benutzt. Bild: Dokumentationsstelle Hartheim
Ein GEKRAT Bus, ursprünglich von der Deutschen Reichspost, benutzt. Bild: Dokumentationsstelle Hartheim

Die „Aktion T4“ lief zwar unter strikter Geheimhaltung ab. Das Schicksal der Insassen in den grauen Bussen war aber sowohl den Mitarbeitern der psychiatrischen Anstalten, den Busfahrern und auch den Bürgern in den Orten, durch welche die Busse rollten, bekannt.

So gehörte der Anblick der Busse in Nordhessen zum alltäglichen Anblick. In der NS-Tötungsanstalt Mönchsberg in Hadamar wurden fast 15.000 „lebensunwerte“ Menschen umgebracht. In dem Roman „Wenn nur der Sperber nicht kommt“ der Schriftstellerin Maria Marthi (1889-1961) wird detailliert der Weg eines solchen grauen Busses beschrieben. Als der Bus über die Nepomuk-Brücke mitten in Hadamar fährt, erkennen die Bürger in dem Bus Kindergesichter und wissen genau: „Die gehen jetzt in den Feuerofen.“.

Standort vor der Hauptverwaltung des LVR

Aus dem Rheinland wurden fast 10.000 Psychiatriepatienten umgebracht, zum Beispiel aus der Klinik Bedburg-Hau unter Verwaltung des Rheinischen Provinzialverbandes. Und so erklärt sich auch der Standort des Mahnmals: Der aufgeschnittene Bus steht in unmittelbarer Nähe der Hauptverwaltung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), welcher in der Nachfolge des Rheinischen Provinzialverbandes tätig ist.

Das Denkmal der "Grauen Busse", Bild: Uli Kievernagel
Das Denkmal der „Grauen Busse“, Bild: Uli Kievernagel

Denkmal an festen Orten und in Bewegung

Ursprünglich war geplant, neben einem fest installierten Bus-Denkmal an der Gedenkstätte in Weißenau, welches symbolisch die Einfahrt versperrt, ein zweites, transportables Bus-Denkmal an wechselnden Standorten aufzustellen. Nach Stationen unter anderem in Berlin, Brandenburg und Stuttgart wurde der Betonbus im September 2011 vor der LVR-Hauptverwaltung in Deutz aufgestellt. Im April 2012 wurde das Denkmal in Deutz ab- und in Zwiefalten in Baden-Württemberg wieder aufgebaut. Nach weiteren Stationen steht das Denkmal aktuell in Emmendingen. Wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich der Weitertransport.

Das Denkmal der "Grauen Busse", im Hintergrund die LVR-Hauptverwaltung, Bild: Uli Kievernagel
Das Denkmal der „Grauen Busse“, im Hintergrund die LVR-Hauptverwaltung, Bild: Uli Kievernagel

Dauerhafter Standort in Deutz

Im Februar 2012 hat sich die Landschaftsversammlung Rheinland dazu entschlossen, das Denkmal dauerhaft in Deutz stehen zu lassen. Dazu wurde ein modellgleicher Nachguss der Betonbusse in Auftrag gegeben. Der aufgeschnittene Bus steht dort in Originalgröße mit einer Länge von fast neun Metern und einem Gesamtgewicht von 70 Tonnen. Somit gibt es heute zwei dauerhafte Standorte sowie das transportable Monument der „Grauen Busse“.

Vielleicht können andere Unternehmen und Institutionen vom LVR lernen:
Mit dem „Grauen Bus“ an prominenter Stelle setzt der LVR ein starkes Zeichen der Auseinandersetzung mit seiner Geschichte während der NS-Zeit. 


LVR – Unbekannter Riese mitten in Deutz

Obwohl der Landschaftsverband Rheinland (LVR) einer der größten Arbeitgeber in Köln ist und mit dem Landeshaus (das Gebäude auf Stelzen) auch einen Teil des Rhein-Panoramas darstellt, kennen diesen Kommunalverband nur wenige Menschen. Dabei betreibt der LVR mit seinen insgesamt 20.000 Beschäftigten 41 Schulen und zehn Kliniken. Zu den 20 LVR-Museen gehören unter anderem auch das LandesMuseum in Bonn, die beiden Freilichtmuseen in Kommern und Lindlar, der Archäologische Park Xanten oder das Max-Ernst- Museum in Brühl. 

Der LVR betreibt auch das Portal „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“  (ein Informationssystem über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche kulturelle Erbe) sowie das Portal „Rheinische Geschichte“.

Das Deutzer Rheinpanorama. Prominent in der Mitte (auf Stelzen) das Landeshaus, die Hauptverwaltung des LVR, Bild: dronepicr, CC BY 2.0
Das Deutzer Rheinpanorama. Prominent in der Mitte (auf Stelzen) das Landeshaus, die Hauptverwaltung des LVR, Bild: dronepicr, CC BY 2.0

 


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Der „Kölsche Boor en Iser“: Spenden sammeln durch Nägel einschlagen

Der Kölsche Boor in Iser, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölsche Boor in Iser, Bild: Uli Kievernagel

Er ist stattlich, massiv, wehrhaft. Und mehr als drei Meter hoch. Und genau das wird ihm jetzt zum Verhängnis: Der „Kölsche Boor en Iser“ passt nicht in das Übergangsquartier des Stadtmuseums im ehemaligen Kaufhaus Sauer. „Man würde keinen Museums-Neubau so planen.“ sagt Stefan Lewejohann, Kurator im Stadtmuseum, und meint damit, dass ein ehemaliges Kaufhaus nur bedingt als Museum genutzt werden kann. Derzeit ist offen, was mit der geschichtsträchtigen Figur des Kölschen Boors passiert.

Spenden sammeln durch Nägel einschlagen

Vielleicht könnte man dä Boor wieder dort aufstellen, wo die ganze Geschichte vor 106 Jahren begann: Am Gürzenich. Dort wurde im Juni 1915 die 3,25 Meter hohe Statue aus vergoldetem Lindenholz in einem Pavillon aufgestellt. Es handelte sich um eine der zu dieser Zeit populären Nagelfiguren. Solche Figuren wurden aufgestellt, um Spenden zu sammeln. Die Idee stammte aus Österreich, wo man in Wien das Ritterstandbild „Wehrmann in Eisen“ aufgestellt hatte. Jeder konnte für einen bestimmten Betrag einen Nagel in die Figur schlagen.

Plakat von Franz Brantzky zum Kölsche Boor
Plakat von Franz Brantzky zum Kölsche Boor

Die Variante in Köln, der „Kölsche Boor in Iser“ („Der Kölsche Bauer in Eisen“), entpuppte sich als gigantischer Spendensammel-Erfolg. Nach zwölf Monaten wurden bereits mehr als 700.000 Reichsmark an Spenden eingenommen, bis 1919 verdoppelte sich diese Summe auf ca. 1,5 Millionen Reichsmark. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse wären das mehr als 14 Millionen Euro.

Symbol der Wehrhaftigkeit der Stadt

Dabei war es kein Zufall, dass ausgerechnet der „Kölsche Bauer“ als Galionsfigur für die Spenden-Kampagne in Köln ausgewählt wurde. Bis heute steht der Kölner Bauer für die Wehrhaftigkeit und Unsterblichkeit der Stadt. Auch der Bauer im Dreigestirn verkörpert diese Eigenschaften. Wer meint, dass dieser Bauer nur einen harmlosen Landwirt darstellen soll, liegt vollkommen falsch. Der „Kölsche Boor“ repräsentiert die Wehrhaftigkeit der Stadt. Er trägt ein Kettenhemd, auf sehr alten Darstellungen auch ein Schwert. Der schwere, eisenbewehrte Dreschflegel des Bauern ist weniger dafür gedacht, Korn zu dreschen, sondern eher die Feinde der Stadt zu Brei zu schlagen. 

Ne staatse Buur! Deutlich zu erkennen: Das Kettenhemd. Bild: Norbert Bröcheler
Der Bauer im Dreigestirn steht für die Wehrhaftigkeit der Stadt.  Deutlich zu erkennen: Das Kettenhemd. Bild: Norbert Bröcheler

Ostermann schreibt patriotisches Marschlied  

Die Nagelfigur des Kölsche Boor ist schnell über und über mit Nägeln gespickt, nur noch der Kopf zeigt die ursprüngliche goldene Lackierung. Wieviele Nägel es tatsächlich sind, kann niemand sagen. Neben der „Nagel-Spende“ werden die Kölner auch im nahegelegenen „Geschäftslokal des Kölschen Boor“1Bitte nicht mit der schönen Gaststätte „Em Kölsche Boor“ am Eigelstein verwechseln, diese beiden Einrichtungen haben nur den Namen gemeinsam.zur Kasse gebeten. Waren es anfangs noch Spenden für die Witwen und Waisen der aus Köln stammenden gefallenen Soldaten, sollten die Kölner in dem Geschäftslokal Gold gegen Papiergeld tauschen, um die Rüstungsindustrie bezahlen zu können.

Größere Spender werden per Plakette namentlich genannt und in einer eigens zu diesem Zweck erscheinenden Wochenzeitschrift aufgeführt. Der Besuch beim Boor und die entsprechende Spende wurde zur patriotischen Pflicht hochstilisiert, Spendenunwillige werden als Vaterlandsverräter verunglimpft. Im Zuge dieser Euphorie dichtet Willi Ostermann 1915 das Marschlied „Dä kölsche Boor en Iser“:

„Kölschen Boor, do ließ dich kamisöle,
kölschen Boor, wat ließ do dich vernäle;
dat es rääch, do kölschen Boor, halt Stand!
Et jeiht för dich un för et Vaterland.

Et es nit jedemein jejevve,
met vören an der Front zo sin.
Doch jeder, der doheim jeblevve,
jitt wat hä kann met Freuden hin. …“

Übersetzung:
Kölscher Bauer, du lässt dich verprügeln,
Kölscher Bauer, was lässt du dich vernageln;
Das ist recht, du Kölscher Bauer, halte Stand!
Es geht um dich und um das Vaterland.

Es ist nicht jedem gegeben,
mit vorne an der Front zu sein.
Doch jeder, der daheim geblieben,
gibt was er kann mit Freuden hin.

Wohin jetzt mit dem Koloss?

Im Januar 1919 wurde der von oben bis unten mit Nägeln beschlagene Kölsche Boor in den Gürzenich gebracht, anschließend stand er im „Haus der Rheinischen Geschichte“ am Rheinufer. Seit 1984 ist er im Stadtmuseum zu finden. Doch wohin mit dem Koloss nach dem Umzug ins Übergangsquartier?

Ist doch ganz einfach: Bringt ihn dahin zurück, wo er herkam: In den Gürzenich.


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Der Stadt Bestes – Das Gute in der Krise

Toni Schumacher hat das ruhigere Leben genossen, Bild: Studio157.info
Toni Schumacher hat das ruhigere Leben genossen, Bild: Studio157.info

Lockdown – Impfneid – Inzidenz – Aerosole: Noch vor etwas mehr als einem Jahr hätte niemand verstanden, was diese Begriffe bedeuten. Und auch das, was damit zusammenhängt. Wir erleben Einschränkungen unseres Lebens, kranke Menschen, Isolation. Jeder hat seine ganz persönliche Geschichte mit der Pandemie.

Doch so schwer das zu glauben ist: Es gibt auch positive Aspekte. Und diese positiven Seiten hat der Fotograf Thomas Ahrendt aus Dellbrück gesammelt. Seine Idee ist bestechend: Er will, dass wir alle mal überlegen „Gab es nicht doch bei all der Misere etwas Positives, was uns so ein Stück weit aus der Krise hebt? Damit wir eben auch positiv in die Zukunft blicken können.“ Ahrendt hat deswegen prominente und unbekannte Kölner gefragt: Was war das Gute in der Krise? Begonnen hat er damit im Oktober 2020. „Ich wollte Köln als Keimzelle eines neuen Optimismus zeigen, einer Bewegung von Menschen, die Mut machen wollen.“, so Ahrendt.

Biggi Wanninger hält schlechte Laune für Zeitverschwendung, Bild: Studio157.info
Biggi Wanninger hält schlechte Laune für Zeitverschwendung, Bild: Studio157.info

Bekannte und unbekannte Kölner stehen Rede und Antwort

Ahrendt hat den Menschen ganz konkrete Fragen gestellt:

  • Wie haben Sie selbst persönlich die Krise wahrgenommen?
  • Was haben Sie aus der Krise Positives mitgenommen oder ist Ihnen durch Dritte widerfahren?

Auf seine Fragen haben mittlerweile 70 Personen Rede und Antwort gestanden, darunter FC-Legende Harald „Toni“ Schumacher, Entertainer Guido Cantz, Künstler Cornel Wachter oder Biggi Wanninger, Präsidentin der Stunksitzung. Aber auch „Lück wie ich und du“ haben vor der Kamera gestanden und erzählt. Darunter die bewegende Geschichte von Angelika Reitz, deren Mann an Covid-19 gestorben ist. Sie betont, ihre Dankbarkeit gegenüber den Pflegerinnen und Pflegern: „Ich fand das so berührend. Man hat gesehen, wie liebevoll und achtsam die Pflegerinnen und die Ärzte mit ihm umgegangen sind.“

Der liebevolle Umgang der Pfleger und Ärzte mit ihrem sterbenden Mann hat Angelika Reitz berührt, Bild: Studio157.info
Der liebevolle Umgang der Pfleger und Ärzte mit ihrem sterbenden Mann hat Angelika Reitz berührt, Bild: Studio157.info

Mit jeder fotografierten Person hat Fotograf Ahrendt ein Interview geführt. Daraus hat Mitinitiator Ulrich Kock-Blunk, evangelischer Pfarrer der Christusgemeinde in Dellbrück, die prägnantesten Zitate ausgewählt. Und jeder Teilnehmende wurde für ein Ganzkörperportrait fotografiert. Jeweils mit einem Gegenstand, welcher zum Kerngedanken passt. So zeigt Biggi Wanninger stolz einen Schwingschleifer und meint „Auch in diesen ver-rückten Zeiten ist schlechte Laune Zeitverschwendung. Ich habe alles abgeschliffen, was nicht bei drei auf dem Sperrmüll war.“ Und Pit Hupperten von den Bläck Fööss freut sich, dass „Leute Musik wieder anders gehört haben. Ich hoffe, dass die Menschen sich auch besser zuhören, das wäre ein schöner Nebeneffekt.“ Alle Fotos sind in einer virtuellen Ausstellung der Evangelischen Christusgemeinde in Dellbrück zu sehen.

Cornel Wachter sieht die Welt auch nach der Pandemie noch in bunt. Bild: Studio157.info
Cornel Wachter sieht die Welt auch nach der Pandemie noch in bunt. Bild: Studio157.info

Noch ein positiver Effekt: Die Ausstellung nutzt die größte Galerie Kölns

Ihre volle Wirkung zeigen die 2 x 1 Meter großen Portraits, wenn man diese „in echt“ sehen kann. Und so kamen die Macher von „Der Stadt Bestes“ auf die Idee, die Lanxess-Arena zu nutzen. Denn: Auch in der Lanxess-Arena herrscht seit Monaten gähnende Leere – Corona hat den Betrieb lahmgelegt. Aber wieso sollte man die Arena trotz Corona nicht doch nutzen?

Und so ist die Arena noch bis zum 20. Mai Kölns größte Galerie. Dafür wird das gläserne Foyer genutzt: Besucher dürfen zwar nicht rein – aber von draußen reinschauen ist erlaubt. So hat Arena-Chef Stefan Löcher der Ausstellung #derstadtbestes einen idealen Raum gegeben.

Guido Cantz bleibt Optimist, Bild: Studio157.info
Guido Cantz bleibt Optimist, Bild: Studio157.info

Und bei euch? Was bleibt positiv im Gedächtnis?

Und so kommt jeder selbst in Grübeln: Welche positiven Aspekte hat die Pandemie gebracht? Vielleicht seht ihr das genau wie Guido Cantz:

Ich wünsche uns allen mehr Zeit für weniger Abstand.


Uli Kievernagel dankt der Nachbarschaft, Bild: Kievernagel
Uli, der Köln-Lotse, dankt der Nachbarschaft. Dieses Bild ist nicht Bestandteil des Projektes und auch nicht der Lanxess-Arena zu finden.  Bild: Kievernagel

Auch meine Frau und ich waren Corona-positiv und fast drei Wochen in Quarantäne. Meine ganz persönliche positive Erfahrung aus der Pandemie ist, dass wir eine wahnsinnig tolle Nachbarschaft haben, die sich während der Quarantäne rührend um uns gekümmert hat. Auch hier noch einmal ein großes DANKE an Christa, Eva, Gabi, Jasmin, Jürgen, Norbert, Henning und alle um uns herum, die mit aufmunternden Worten und Care-Paketen Licht in die Quarantäne gebracht haben. 


 

Alle Infos zu „Der Stadt Bestes“ gibt es auf der Website von Thomas Ahrendt und unter den Hashtags #derstadtbestes | #thomas-ahrendt |#studio157.


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Die Simultanhalle – ein dauerhaftes Provisorium

Die Simultanhalle in Volkhoven, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0
Die Simultanhalle in Volkhoven, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0

Nichts ist in Kölle so beständig wie die vielen Provisorien: Die „Blaue Mülltüte“, auch bekannt als Musical-Dome, sollte drei Jahre bestehen. Aktuell steht das hässliche Ding bereits 25 Jahre neben dem Dom. Und auch die „Sackgassen-U-Bahn Linie 17“ wird uns wohl auch noch viele weitere Jahre erhalten bleiben.

Selbstverständlich können wir auf die beiden oben genannten Provisorien gerne verzichten. Aber es gibt auch besondere Dinge, die eigentlich nur auf Zeit angelegt waren, die aber trotzdem erhalten bleiben sollten. Dazu gehört zum Beispiel die Seilbahn, die eigentlich nur für die Bundesgartenschau 1957 ihre Runden drehen sollte, und auch unbedingt die Simultanhalle.

Ein „Architektur-Dummy“

Wenn man vor der Simultanhalle steht erkennt man sofort die Ähnlichkeit. „Hä?“ denkt sich der Kölsche „Dat süht jo uss wie dat Museum.“ Und damit hat er recht. Die Simultanhalle in Volkhoven sieht tatsächlich aus wie das Museum Ludwig. Nur in klein.

Das Museum Ludwig, Bild: Raimond Spekking
Unverkennbar: Die „große Schwester“ der Simultanhalle: Das Museum Ludwig, Bild: Raimond Spekking

Errichtet als Testbau im Jahr 1979 hatte dieses Gebäude den einzigen Zweck, als Modell für das große Museum Ludwig zu dienen. Mit der für ein Museum neuen Variante eines Sheddachs waren neue Herausforderungen zur Lichtführung verbunden. Bevor viel Geld in die „echte“ Konstruktion in der Innenstadt gesteckt werden sollte, wollte man die Praktikabilität dieser speziellen Dachkonstruktion in kleinem Maßstab testen. Und da man ein solches Testobjekt zur Verfügung hatte, konnte man auch gleich verschiedene Fassadenvarianten, Wand- und Bodenbeläge testen.

Gut zu erkennen: Testflächen von verschiedenen Fassadenvarianten an der Simultanhalle, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0
Gut zu erkennen: Testflächen von verschiedenen Fassadenvarianten an der Simultanhalle, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0

Ungewöhnlich ist dieses Vorgehen bei großen Bauvorhaben nicht. Doch während üblicherweise nur Teile von Dächern, Mauern oder Fassaden zum Test errichtet werden, baute man in Volkhoven direkt ein ganzes Haus. In der städtischen Verwaltung bürgerte sich für das Provisorium schnell der Begriff „Simultanhalle“ ein.

Ein Ort der Kultur im Norden Kölns

Mit dem Bau der Simultanhalle war der Abriss im Jahr 1983 fest eingeplant. Wenn da nicht die Künstlerin Eva Jansková den ganz besonderen Wert dieses Bauwerks entdeckt hätte. Um Fakten zu schaffen organisierte sie Ausstellungen in dieser Halle. Durchaus eine Besonderheit in der nicht durch Kunst geprägten nördlichen Peripherie Kölns. Dies wurde auch von der Stadtverwaltung erkannt, die 1984 die Trägerschaft über die Simultanhalle übernahm.

Die spektakulärste Ausstellung in der Simultanhalle fand am 6. September 1986 statt: Während in der Innenstadt das große Museum Ludwig mit Gala-Konzert, Lasershow und Feuerwerk am Rhein eröffnet wurde, fand in Volkhoven die Eröffnung des „Klaus Peter Schnüttger-Webs-Museum“ statt – ein Gag des Künstlers Ulrich Tillman. Dieses fiktive Museum schließt gleich am nächsten Tag „wegen der enormen Folgekosten“ wieder, doch die Aktion hat den gewünschten Erfolg, und die Simultanhalle wird überregional bekannt.

Schließung wegen statischer Bedenken

Bis 2017 läuft der Ausstellungsbetrieb in der zunehmend baufälliger werdenden Halle, dann schließt die Stadt das Gebäude wegen statischer Bedenken. Erstaunlich ist, dass das Provisorium überhaupt so lange durchgehalten hat. Damit der Kulturbetrieb nicht völlig zum Erliegen kommt, organisieren Künstler und ein Förderverein Ausstellungen auf dem Gelände rund um die Halle.

Eine Sanierung wurde mit 200.000 Euro veranschlagt. Die Stadt will das Geld nicht aufbringen, weil das Provisorium weder eine besondere Bedeutung für die Baugeschichte oder Stadtgeschichte habe, so die Stadt. Gleichzeitig erkennt aber das Kulturamt die Bedeutung der Simultanhalle als Ort für Kunst und Kultur an und fördert den Betrieb durch Zuschüsse.

Der Charme des Provisorischen oder eine moderne Infrastruktur?

Der Plan der Stadt ist es, das gesamte Gelände in Erbpacht an einen Investor zu vergeben. Dabei soll ein niedriger Erbbauzins, gekoppelt mit strengen Vorgaben, das Areal als Kunstort zu erhalten, um den weiteren Kulturbetrieb sicherstellen. Allerdings ohne ausdrücklich den Erhalt der Simultanhalle festzuschreiben. Stattdessen soll eine neue, moderne Halle entstehen.

Dies ist nicht im Interesse des Fördervereins, der eine Petition zur Rettung der Simultanhalle veröffentlicht hat. Abzuwarten bleibt, ob sich ein Investor findet, der beide Welten vereint: Den Charme des Provisorischen der Simultanhalle bei gleichzeitiger Schaffung einer modernen Infrastruktur.

Die Chancen stehen aktuell nicht schlecht: Im Bündnisvertrag vom 8. März 2021 des neuen Kölner Mehrheitsbündnisses aus CDU, GRÜNE und VOLT steht ausdrücklich „Für den Erhalt der Simultanhalle werden wir uns einsetzen.“1(Seite 84, Zeile 2716 des Bündnisvertrags).

Aber bis zu einer endgültigen Entscheidung läuft noch viel Wasser den Rhein herunter. Merke: Provisorien leben in Köln immer viel länger als geplant.

 


Gedenktafel zum Attentat in Volkhoven am 11. Juni 1964, Bild: Raimond Spekking
Gedenktafel zum Attentat in Volkhoven am 11. Juni 1964, Bild: Raimond Spekking

Das Attentat von Volkhoven

Die Simultanhalle steht auf dem Schulhof der Volksschule Volkhoven. Am  11. Juni 1964 stürmte ein 42jähriger Mann, bewaffnet mit einer Lanze und einem selbstgebauten Flammenwerfer, diese Schule und tötete acht Schulkinder und zwei Lehrerinnen. Das Ehrengrab von Ursula Kuhr, einer der beiden getöteten Lehrerinnen, befindet sich auf dem Südfriedhof.


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Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse – eine Heilige mit „Bodenhaftung“

St. Maria in der Kupfergasse, Bild: Raimond Spekking

Im „Hillige Kölle“ gibt es unendlich viele Erinnerungsstätten an Heilige, wie zum Beispiel den Dreikönigsschrein oder die „Goldene Kammer“ in St. Ursula. Doch zu kaum einer Heiligenfigur haben die Kölner eine so enge, fast schon persönliche, Bindung wie zu der Schwarzen Madonna in der Kupfergasse. Wenn meine Oma in der Innenstadt unterwegs war, gehörte ein Besuch dort genauso zum Pflichtprogramm wie das Einkaufen beim „Tietz“, dem heutigen Kaufhof.

Und der Bann der Schwarzen Madonna ist ungebrochen. In der Vor-Corona-Zeit wurden dort wöchentlich etwa 5.000 Opferkerzen aufgestellt. Dabei wird die Schwarze Madonna bei allen möglichen Anliegen um Hilfe gebeten. So besucht auch traditionell das Kölner Dreigestirn am Karnevalssonntag die Madonna, entzündet eine mit Karnevalsmotiven verzierte Kerze und bittet um gutes Wetter und einen erfolgreichen Ablauf des Rosenmontagszugs.

Eine dunkelhäutige Madonna

Die Madonna ist aus Lindenholz gefertigt. Dieses Holz hat eine weißlich/gelbliche bis maximal hellbräunliche Farbe. Der verstorbene Pfarrer an der Kirche St. Maria in der Kupfergasse, Werner Plänker, meinte, die Figur könne „… mit der dunklen Farbe auch das Leid und die Krankheit der Menschen, die zu ihr um Hilfe gefleht haben, angenommen haben.“ Das mag sein, wahrscheinlicher ist aber, dass der Ruß der unendlich vielen Opferkerzen die Figur geschwärzt hat. Immerhin steht die Figur bereits seit 1630 in Köln. Und hat – fast ein Wunder – alle Irrungen und Wirrungen in unserer Stadt bis heute unbeschadet überstanden.

Als dunkelhäutige Marienfigur ist die Schwarze Madonna in der Kupfergasse in guter Gesellschaft. Weltweit werden schwarze Madonnen verehrt, in Deutschland alleine 25 Exemplare. Die bekannteste Herleitung der schwarzen Madonnenfiguren bezieht sich auf das Hohelied Salomos in der Bibel. In dem recht „süffigen“, erotisch aufgeladenen, Text lautet es:

„Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein. Es riechen deine Salben köstlich; dein Name ist eine ausgeschüttete Salbe, darum lieben dich die Mädchen. Zieh mich dir nach, so wollen wir laufen. Der König führte mich in seine Kammern. Wir wollen uns freuen und fröhlich sein über dich; wir preisen deine Liebe mehr als den Wein. Herzlich lieben sie dich. Ich bin braun, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, …“ 1In anderen Übersetzungen lautet es auch „Ich bin schwarz, aber gar lieblich …“

Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse, Bild: Willy Horsch, CC BY 3.0
Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse, Bild: Willy Horsch, CC BY 3.0

Anmutige Figur, mit Schmuck überladen

Ein genauer Blick auf die Schwarze Madonna zeigt, dass die Figur sehr anmutig ist. Bernd Imgrund beschreibt die Figur als „Eindrucksvoll, das moderne Gesicht zeugt vom Stolz auf das Kind in ihren Armen, aber auch von tiefer Ruhe und Glaubensfestigkeit.“2Bernd Imgrund: 111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss, emons-Verlag.

Dankbare Gläubige haben die Schwarzen Madonna mit Schmuckstücken beschenkt. Daher ist die Figur heute fast schon überladen, die gut gemeinten Gaben verhindern den ursprünglichen Blick die Figur.

Eine Heilige zum Anfassen

Und für die Kölschen ist und bleibt die Schwarze Madonna ursprünglich, also irgendwie eine Heilige zum Anfassen, die sich allen Anliegen annimmt. Und nur wer die kölschen Befindlichkeiten nicht kennt, ist darüber erstaunt, dass auch die Fans des ruhmreichen 1. FC Köln Opferkerzen aufstellen. Früher sollten diese Opferkerzen für die Meisterschaft sorgen, heute sollen diese wohl eher den drohenden Abstieg verhindern.

Hoffentlich wirkt es.


Bei d’r schwazze Madonna en d’r Kofferjass

Niemand geringeres als der großartige Ludwig Sebus hat der Schwarzen Madonna auch ein musikalisches Denkmal gesetzt. In seinem Lied „Bei d’r schwazze Madonna en d’r Kofferjass“ lautet es

Bei d´r Schwazze Madonna
en d´r Kofferjass,
brenne Kääze Dag en in un Dag us.
Bei d´r Schwazze Madonna
mäht manch einer Rass,
un keiner jeit heim ohne Trus.

Hochdeutsche Übersetzung:

Bei der Schwarzen Madonna
in der Kupfergasse
brennen Kerzen tagein und tagaus.
Bei der Schwarzen Madonna
macht manch einer Rast,
und keiner geht heim ohne Trost.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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Kaltes Eck – oder „Namen und Steine“

Das "Kalte Eck" in Köln am Rheinufer, Bild: Uli Kievernagel
Das „Kalte Eck“ in Köln am Rheinufer, Bild: Uli Kievernagel

In der Markmannsgasse, direkt am Rhein in der Nähe der Bootsanleger, befindet sich ein Kunstwerk, welches oft übersehen wird. Dort an der Rheinpromenade, wo sich viele Touristen aufhalten,  findet man auf dem Boden, in Stein gemeißelt, vorwiegend die Namen von Männern:

Thomas Spolert – Ernst Melotte – Trixi –
Gerd Prasch – Ikarus – Markus Dedy –
Rolf Haferkamp – Stephan Singer –
Lothar Will – Jean-Paul Aron – Armin Hartwig …

Dies sind nur ein paar der etwa 100 Namen, über die sich täglich unzählige Menschen mehr oder minder achtlos bewegen. Nur die wenigsten Passanten bemerken, dass sie mitten über das Kunstwerk „Das Kalte Eck“ laufen.

Solidarität mit HIV-infizierten Menschen

Die verkratzte Metalltafel am Rand des Weges gibt kurz & knapp Auskunft:

Metalltafel "Kaltes Eck", Bild: Uli Kievernagel
Metalltafel „Kaltes Eck“, Bild: Uli Kievernagel

Diese Kunstinstallation gibt es in Köln bereits seit 1992. Dabei handelt es um ein Projekt des Künstlers Tom Fecht (geb. 1952), welches anlässlich der Documenta IX entstanden ist. Unter dem Titel „mémoire nomade“ hat Fecht mehr als 40 temporäre und feste Installationen in ganz Europa geschaffen. Ziel der Installationen ist es, ein „nomadisierendes Gedächtnis und ein europaweites Epitaph des Gedenkens und der praktischen Solidarität mit HIV-infizierten Menschen“ zu schaffen. Ähnliche Installationen befinden sich unter anderem auch in Dortmund, Frankfurt, Hamburg oder Zürich

Dabei ist der Auswahl des jeweiligen Standorts von entscheidender Bedeutung. Nicht irgendwo, sondern immer an Orten, an welchen die Verstorbenen sich auch im Leben aufgehalten haben. 

Erweiterung zum Christopher Street Day

Jedes Jahr zum Christopher Street Day werden neue Steine eingesetzt. Wer auch einem Verstorbenen auf diese Art und Weise gedenken will, kann sich an die Aidshilfe Köln wenden, die den Stein und eine Gedenkfeier organisiert. Die Kosten dafür belaufen sich auf 250 Euro.

Der Gedenkstein für Keith Haring im "Kalten Eck" Köln, Bild: Uli Kievernagel
Der Gedenkstein für Keith Haring im „Kalten Eck“ Köln, Bild: Uli Kievernagel

Unter den Namen auf den Steinen ist übrigens auch ein ganz prominenter, ebenfalls an der Immunschwächekrankheit gestorbener Künstler zu finden: Keith Haring. Allerdings starb Haring bereits 1990, vor der Errichtung des „Kalten Ecks.“ Daher kann man davon ausgehen, dass ein Kölner Fan des Künstlers diesen Stein gestiftet hat. Alle weiteren Namen des „Kalten Ecks“ finden sich auch auf der Website der Aidshilfe Köln.


Nur ein paar Meter weiter, am Rheinufer entlang in Richtung Dom, befindet sich der „Rosa Winkel“, das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln


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Die Schmitz-Säule: Adel verpflichtet

Die Schmitz-Säule vor Groß St. Martin in der Kölner Altstadt, Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0
Die Schmitz-Säule vor Groß St. Martin in der Kölner Altstadt, Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0

Der Familienname „Schmitz“ ist echter kölscher Adel: Mehr als 1.700 Kölsche mit dem Namen „Schmitz“ listet das Telefonbuch auf. Die Schmitz nehmen mehr als fünf Seiten in dem Druckwerk ein.

So ist auch jeder Kölsche stolz, einen „Schmitz“ in der Ahnenreihe zu haben. Als sich zum Beispiel ein Trierer, ein Mainzer und ein Kölner trafen, wollte jeder der drei seine altehrwürdige Herkunft unterstreichen.
Der Trierer: „Ihr wisst ja, dass Trier die älteste Stadt Deutschlands ist und somit geht auch mein Stammbaum zurück in die römische Zeit“.
Antwort des Mainzers:
„Respekt, das ist wahrhaftig ein beeindruckender Stammbaum. Jedoch, mein Stammbaum geht schon zurück auf Adam und Eva“.
Darauf sagte der Kölner
„Wo du jerade „Eva“ sagst – war dat nit ne jeborene Schmitz?“

Der Ursprung aller Schmitze: Die Schmitz-Säule im Martinsviertel, Bild: MiriJäm, CC BY-SA 3.0
Der Ursprung aller Schmitze: Die Schmitz-Säule im Martinsviertel, Bild: MiriJäm, CC BY-SA 3.0

Römisch-kölsches Fisternöllche führt zu den ersten Schmitzens

In Stein gemeißelt ist diese kölsche Selbstverständlichkeit der adeligen Herkunft in der Schmitz-Säule, fast direkt an Groß St. Martin. Die etwa 4,5 Meter hohe Säule dokumentiert die Herkunft der Schmitze. Nach umfangreicher und wissenschaftlich exakt fundierter Recherche hatten hier römische Legionäre und kölsche Mädchen ein Fisternöllche, so zumindest die Inschrift auf der Säule.

Tatsächlich könnte sich das so zugetragen haben. Denn wo sich heute die Altstadt befindet, war bis etwa 1.000 nach Christus die Martinsinsel. Auf der Insel gab es vermutlich ein römisches Bad. Und dass dort die römischen Legionäre Spaß an und mit den blonden Ubiermädchen hatten, liegt auf der Hand. Ganz nebenbei wurden so die ersten „Schmitze“ gezeugt. Echter Kölscher Adel.

Die Schmitz-Säule und die Mondlandung, Bild: MiriJäm, CC BY-SA 3.0
Die Schmitz-Säule und die Mondlandung, Bild: MiriJäm, CC BY-SA 3.0

Die Schmitz-Säule und die Mondlandung

Die Dokumentation dieser ubisch-römischen Vereinigung haben wir der Initiative von Josef „Jupp“ Engels (1909–1991) zu verdanken. Der Mäzen, der auch bereits für den Kallendresser verantwortlich war, spendete 1965 das Geld zum Bau der Säule. Kaum vier Jahre später war die Säule fertig. Errichtet aus von Jupp Engels gestifteten alten Steinen der römischen Hafenanlage. Eingeweiht wurde die Säule im Jahr 1969.

Und hier schlägt wieder der kölsche Größenwahn zu: Die Einweihung der Säule war mitten im Mondfieber des Jahres 1969. Und so wurde der kleine erste Schritt auf dem Mond zu einem gewaltigen Sprung für die Kölschen. Denn die Einweihung eines so wichtigen Bauwerks wie der Schmitz-Säule ist dem Ereignis einer Mondlandung (mindestens) ebenbürtig. Daher wurde auf dem Sockel der Säule auch der Mondlandung gedacht. So ist der erste Fußabdruck von Neil Armstrong auf dem Mond exakt 389 994 km und 100 Meter entfernt. Gut, dass diese Zahl von Bochumer Wissenschaftlern ausgerechnet wurde. 

Jede Wette, dass ein kölscher Wissenschaftler auf 389 994 km und 111 Meter gekommen wäre.


Ein anderes Detail auf der Schmitz-Säule ist aber tatsächlich korrekt: Eine Marke kennzeichnet die Höhe des katastrophalen Eis-Hochwassers von 1784, welches große Teile des damals noch selbständigen Mülheims vernichtete.

Die Hochwassermarke an der Schmitz-Säule, Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0
Die Hochwassermarke an der Schmitz-Säule, Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0

Kölsche Songs mit Geschichten, die das Leben schreibt von der Band Schmitz, Bild: www.schmitz-band.de.
Kölsche Songs mit Geschichten, die das Leben schreibt von der Band Schmitz, Bild: www.schmitz-band.de.

Die Kölner Band SCHMITZ rund um das Ex-Hohn F.M. Willizil, besser bekannt als  „Dä Hoot“, macht den Namen Schmitz zum Programm: Mit eigenen, kölschen Songs uss däm Lääve. Hört mal in die Platte „Met einer Stemm“ rein. Lohnt sich.


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Der Kunibertspütz

Der Kunibertspütz, Bild: Volker Adolf
Der Kunibertspütz, Bild: Volker Adolf

„Jungfrau wird Vater“ titelt der Express im November 2020. Und das ist keine Lüge! Su jet jitt et nur in Kölle. Tatsächlich ist die designierte Jungfrau des Dreigestirns, Dr. Björn „Gerdemie“ Braun, letzten Sontag, am 29. November 2020, Vater des kleinen Jonathan geworden. Einen ganz großen Glückwunsch dazu vom Köln-Lotsen an die ganze Familie.

Damit ein solches Wunder der Jungfrauengeburt geschehen kann, war „Gerdemie“ höchstwahrscheinlich zu Besuch in St. Kunibert. Denn in Köln werden die Kinder nicht vom Klapperstorch gebracht: Kölsche Pänz kommen von tief unter der Erde, aus einem ganz besonderem Brunnen: Der Kunibertspütz.

Kein Klapperstorch in Köln

Mit „Pütz“ bezeichnet der Kölsche einen Brunnen. Und tief unter St. Kunibert liegt ein solcher Brunnen. Der Legende nach verbringen kölsche Pänz die ersten neun Monate vor ihrer Geburt in dieser Pütz. Allerdings ist es in dem Brunnen nicht düster oder kalt, sondern dort liegt ein heller und freundlicher Garten. Hier spielen die Kinder vor ihrer Geburt und werden von der Jungfrau Maria mit leckerem Brei gefüttert.

Wenn nun eine Frau mit Kinderwunsch Wasser aus diesem Brunnen trinkt, sucht Maria das passende Kind heraus. Exakt neun Monate später kann dieses Kind dann von der Mutter am Brunnen abgeholt werden. So heißt es auch in einem alten kölschen Volkslied:

„Us däm ahle Kunebäätspötzge
kumme mer all ohn Hemp un Bötzje.“

St. Kunibert, Ansicht vom Rhein, Bild: Uli Kievernagel
St. Kunibert, Ansicht vom Rhein, Bild: Uli Kievernagel

Öffentlicher Brunnen für die Wasserversorgung

Tatsächlich liegt unter St. Kunibert, in der Krypta der Kirche, ein Brunnen. Dem Wasser dieses Brunnens wurde vermutlich bereits in vorchristlicher Zeit wundersame Fruchtbarkeit zugeschrieben. Und genau an dieser Stelle entstand der Vorgängerbau der heutigen Kirche. 

Der Brunnen war für die Wasserversorgung der Nachbarschaft von St. Kunibert von besonderer Bedeutung. Solche Brunnen mussten auch öffentlich zugänglich sein, daher gab es die Möglichkeit, außerhalb der Kirche das Wasser zu schöpfen. Als etwa Mitte des 19. Jahrhunderts kein Bedarf mehr für den Brunnen mehr bestand, wurde der Raum und der Brunnenschacht mit Schutt verfüllt und erst Mitte der 1930er Jahre wieder zugänglich gemacht.

Bodenplatte über der Krypta im Chorraum von St. Kunibert, Bild: Volker Adolf
Bodenplatte über der Krypta im Chorraum von St. Kunibert, Bild: Volker Adolf

Heute ist im Chorraum von St. Kunibert über der Krypta und dem Brunnen eine Bodenplatte eingelassen. Diese Platte, 1955 von Elmar Hillebrand gestaltet, stellt spielende Kinder mit dem Christuskind in der Mitte dar.

Im Klösterchen geboren, mit Wasser aus St. Kunibert getauft

Und manch eine Kölnerin pilgert, vielleicht genau wie die Jungfrau „Gerdemie“, noch heute bei einem unerfüllten Kinderwunsch zur Kunibertspütz. Und wenn die Pänz dann auf der Welt sind, sollten diese unbedingt mit dem Wasser aus diesem Brunnen getauft werden, denn:

Der waschechte Kölner wird im Klösterchen in der Südstadt geboren und mit dem Wasser aus der Kunibertspütz getauft.

Mehr Kölle geht nicht.


An Nikolaus waren in St. Kunibert wieder die „Katholischen Guerilla-Musiker“ unterwegs: Zu Ehren des Hillije Kloos haben sie den „Weihbischof“ intoniert.  Und weil ja die kölsche Pänz mit dem Wasser der Kunibertspütz getauft werden, gab es als Zugabe noch das „Dat Waasser vun Kölle“. Jood jemaht!      

Wenn euch das gefällt, schaut auch mal in das Video zum 11.11. Härrlisch!  

 


Ein großes DANKE an den Veedelsfotografen Volker Adolf. Er hat speziell für diesen Beitrag  meine „Wunschbilder“ vom Pütz und der Bodenplatte gemacht. Und ein zweites DANKE an Klaus Nelissen, der mich auf die Idee mit der Kunibertspütz gebracht und auch den Kontakt zum Veedelsfotografen Volker hergestellt hat.  


Auf der Seite des Erzbistums ist eine wunderschöne Panoramaaufnahme der Krypta unter St. Kunibert verfügbar. Gegenüber des Altars, zwischen den Treppenaufgängen, befindet sich der Kunibertspütz.  


Brunnen in Köln
Brunnen in Köln

Neben der Kunibertspütz haben wir auch andere Brunnen in Köln:


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Dat Dreikünnijepöötzche | Das Dreikönigenpförtchen

Das von den Kölschen" Dreikünnijepöötzche" genannte Dreikönigenpförtchen am Lichhof vor St. Maria im Kapitol, Foto: Rembert Satow, CC BY-SA 3.0
Das von den Kölschen“ Dreikünnijepöötzche“ genannte Dreikönigenpförtchen am Lichhof vor St. Maria im Kapitol, Foto: Rembert Satow, CC BY-SA 3.0

Und schon wieder jitt et kölsche Verzäll, der so nicht stimmen kann: Es kann ausgeschlossen werden, dass Rainald van Dassel mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige tatsächlich durch das Dreikünnijepöötzche, das Dreikönigenpförtchen, an St. Maria im Kapitol in die Stadt eingezogen ist. Denn: Das heutige gotische Tor stammt ungefähr aus dem Jahr 1330. Und zu diesem Zeitpunkt waren Kaspar, Melchior und Balthasar schon mehr als 150 Jahre in Köln zu Hause.

Aber egal! Denn mit diesen Reliquien stieg Köln endgültig in die Top-Kategorie der Wallfahrtsorte auf. Und das war äußerst lohnenswert für unsere Stadt: Viele Heilige bedeuten viele Pilger und viele Pilger bringen viel Geld in die Stadt. Ein Prinzip, das die Kölschen schon bei der Heiligen Ursula perfekt erkannt und in bare Münze verwandelt haben.

Zweimal wäre dat Pöötzche fast verloren gewesen

In jedem Fall hat die Legende, dass exakt durch dieses Tor die Heiligen Drei Könige in die Stadt gekommen sind, dafür gesorgt, dass dieses Bauwerk die Jahrhunderte überdauert hat. Relativ unscheinbar steht dieses kleine Tor an einer Ecke im Lichhof der Kirche St. Maria im Kapitol. Dieser unterschätzte Platz, mitten in der Stadt, bietet tatsächlich so etwas wie Ruhe im Großstadttrubel.

Dabei war es für dat Pöötzche mindestens zweimal in der Geschichte knapp: 1842 sollte der damals stark verfallene Torbogen abgerissen werden, um Platz für eine Straße zu schaffen. Nur dank der Intervention und der finanziellen Mittel vom preußischen Kronprinz Friedrich Wilhelm konnte der Bau gerettet werden.

Noch knapper war es 1944: Fliegerbomben hatten das Dreikönigenpförtchen dem Erdboden gleich gemacht. Doch der tatkräftige Wilhelm Schlombs, Volontär beim Stadtkonservator, hatte die Steine eingesammelt und eingelagert. Und „wundersame Weise“, so der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings, stand dat Pöötzche bereits 1946 wieder.

Immunitätspforte trennt Kirchenrecht und Recht der Freien Reichstadt Köln ab

Das Dreikünnijepöötzche war aber immer mehr als nur schmucker Stein für eine Legende. Tatsächlich handelte es sich um eine sogenannte Immunitätspforte. Diese Tore grenzten den Bereich der Freien Reichsstadt Köln von dem juristisch eigenständigen Areal der Klöster und Kirchen ab. Wer die Pforte durchschritt, unterlag dem Kirchenrecht. Im mittelalterlichen Köln mit seinen hunderten Kirchen und Klöstern gab es unzählige dieser Immunitätspforten. Das Dreikönigenpförtchen ist die letzte erhaltene Pforte dieser Art in unserer Stadt.

Und wo sind die Heiligen Drei Könige jetzt in die Stadt eingezogen?

Um die Ehre von Rainald van Dassel und dem so wichtigen Pöötzche wiederherzustellen, konstatiert Ulrich Krings: „Und wenn diese Prozession mit den Reliquien tatsächlich stattgefunden haben sollte, müsste sie durch den romanischen Vorgänger des heutigen Törchens erfolgt sein.“, so der Köln-Kenner Krings1 im Kölner Stadt-Anzeiger vom 3. August 2020.

Glück gehabt – zumindest die Stelle stimmt also.


Die Heiligen Drei Könige und Maria mit dem Jesuskind, Detailansicht des Dreikünnijepöötzche, Foto: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0
Die Heiligen Drei Könige und Maria mit dem Jesuskind, Detailansicht des Dreikünnijepöötzche, Foto: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0

Die Figurengruppe der Heiligen Drei Könige und Maria mit Kind ist ein Abguss aus dem Jahr 1981. Die Originale können im Museum Schnütgen bewundert werden.   


Vorsicht! Nicht mit der Dreikönigenpforte verwechseln

Das Pförtchen ist nicht zu verwechseln mit der mittelalterlichen Dreikönigenpforte. Diese war Teil der rheinseitigen Stadtbefestigung und lag in der Nähe des Bayenturms. Eine Suche nach diesem Durchgang könnt ihr euch sparen: 1854 wurde die  auch Mühlenpforte, Molenportzgin, Lynhofporz oder Koenyncksportzgin genannte Pforte abgerissene .


 

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