Kölsche Wörter: Öllich/Öllig – ein kleines Wort mit ordentlich Schmackes

Wenn der Kölsche von "Öllich" oder "Öllig" spricht, meint er eine Zwiebel, Bild: Ray Shrewsberry, Pixabay
Wenn der Kölsche von „Öllich“ oder „Öllig“ spricht, meint er eine Zwiebel, Bild: Ray Shrewsberry, Pixabay

Egal ob ´nen Halven Hahn, Himmel un Ääd, Flönz oder einfach nur ein Mettbrötchen: Ohne Öllich fehlt etwas. Mit „Öllich“ (oder auch „Öllig“) bezeichnet der Kölsche die Zwiebel. Und diese gehört zur Grundausstattung kölscher Gerichte!

Wo kommt der Begriff „Öllich“ eigentlich her?

Spannend wird es, wenn man dem Wort sprachlich hinterherläuft. Denn der Öllich ist ein echtes Weltenbummler-Wort. Der kölsche Sprachforscher Adam Wrede beschreibt den Begriff als eine Mischung aus gleich mehreren Sprachen:

  • Unionem – Latein für eine einzelne Zwiebel
  • Alium – ebenfalls Latein, für die Zwiebelknolle
  • Oignon – Französisch, auch hier: die Zwiebel

Köln war schon immer Durchgangsstation, Handelsplatz, Sprach-Schmelztiegel. Dass sich ausgerechnet die Zwiebel aus mehreren Sprachen zusammensetzt, passt perfekt zu unserer Stadt zwischen Germanen, Römern, Franzosen und allen, die unsere Stadt bereichern.  

Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Ne „Halve Hahn“, nur echt mit Röggelchen, mittelaltem Gouda, Senf und reichlich Öllich, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Vom Ullouch zum Öllich – eine kleine Zeitreise

Der Öllich ist nicht über Nacht in der kölschen Sprache gelandet. Er hat sich langsam entwickelt, Schicht für Schicht – fast wie eine echte Zwiebel:

  • 14. Jahrhundert: Ullouch
  • 15. Jahrhundert: Ollych
  • 17. Jahrhundert: Ollich, Ollig
  • 18. Jahrhundert: Öllig
  • Heute: Öllich

Man kann förmlich hören, wie sich die Aussprache mit der Zeit rheinischer, weicher und gemütlicher anfühlt. Aus dem eher kantigen „Ullouch“ wird der heute vertraute Öllich.

Mehr als nur eine Zwiebel – mit Spuren in der kölschen Musik

Im Kölschen ist der Öllich längst mehr als ein Gemüse. Er ist Beilage, Hauptdarsteller und gelegentlich auch Metapher. Wer „wie ene Öllich“ riecht, hatte einen langen Abend. Wer „Träne wie beim Öllich schnigge“ verdrückt, meint es ernst. 

Auch in der Musik hat dä Öllich Spuren hinterlassen. So lautet es im berühmten „Kackleed“:

„.. wä jän decke Öllich iss
dä kack met vill Jestank …“

Und beim Song „Nur für die Liebe nit“ von Lupo lautet es sogar in der ersten Zeile:

„Et kölsche Woot för Zwiebel es Öllisch.“

"Eßt doch Öllig, Lück" von Gerhard Ebeler und Hans Otten
„Eßt doch Öllig, Lück“ von Gerhard Ebeler und Hans Otten

Gerhard Ebeler (Musik von Hans Otten) empfiehlt in dem Lied „Eßt doch Öllig, Lück!“ den Genuss von satten drei Pfund – am Tag (!).1Ein großes DANKE an Hermann-Josef Ley „Dä Quetschenbüggel“ für diesen Hinweis. Im Refrain lautet es:

Eßt doch Öllig, Lück! 
Düchtig Öllig, Lück!
Am Dag drei Pund.
Denn Öllig, dat eß bellig hück un och gesund.
Wer Öllig ißt, dä bliev mobil am gange Liev.

Auch die „Zwei kleine Ströpp“ haben der Zwiebel ein eigenes Lied gewidmet. Im Refrain vom „Öllich-Leed“ lautet es:

Ne leck’re öllich, dä darfsde nit verjesse;
Ne leck’re öllich jehöt an jedes Esse.
Ne leck’re öllich, un dorop kütt et an,
verschaff dir Luff un Platz noch en d’r Stroßebahn!

Der Funkeneid auf einer Metallplatte am "Rote-Funken-Plätzchen im Martinsviertel, Bild: Raimond Spekking
Der Funkeneid auf einer Metallplatte am „Rote-Funken-Plätzchen im Martinsviertel, Bild: Raimond Spekking

Sogar der Rote Funke schwört op die Öllich! 

Ein echter „Roter Funk“ wird man erst, wenn man den Funkeneid gesprochen hat. Dort lautet es gleich am Anfang:

„Bei Öllig, Böckem, ähde Nötz
un bei der rut-wieß Funkemötz,
beim hölze Zabel un Gewehr
well treu ich sin dem Fasteleer,
…“

Der Text bezieht sich auf die äußerst bescheidene Verpflegung der Vorläufer der Roten Funken, die Kölner Stadtsoldaten. Da diese sehr schlecht bezahlt wurden, gehörten die einfachen Lebensmittel wie Zwiebeln und Bücklinge2Bücklinge sind geräucherte Heringe. zu ihrer Hauptverpflegung. Und so schwört jeder Rote Funk noch heute auf die Öllig. 

Das Emblen des II: Knubbels ist eine "Öllig".
Das Emblen des II: Knubbels ist eine „Öllig“.

Stolz trägt der II. Knubbel3Knubbel sind die „Abteilungen“ der Roten Funken den Namen „Öllig“. Der Gruß dieses Knubbels lautet dann auch „Öllig stink“

Warum der Öllich so kölsch ist

Der Öllich zeigt exemplarisch, wie Kölsch funktioniert: Sprachen mischen sich, genau wie die Menschen hier in Köln. Jahrhunderte hinterlassen Spuren und am Ende entsteht etwas Eigenes. Kein Hochdeutsch, kein Französisch, kein Latein – sondern Kölsch. Genau deshalb lieben wir solche Wörter.

Sie erzählen Geschichte, ohne belehrend zu sein.
Sie sind Alltag und Denkmal zugleich.


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Kölsche Wörter: Fisimatente / Fisimatentche

„Visitez ma tente“ = "Besuchen Sie mein Zelt" ist eine schöne aber falsche Erklärung für das Wort "Fisimatente"
„Visitez ma tente“ = „Besuchen Sie mein Zelt“ ist eine schöne aber falsche Erklärung für das Wort „Fisimatente“

Wenn man dem Kölschen sagt: „Jetz mach doch nit alt widder su Fisimatenten!“ ist damit gemeint: „Jetzt stell dich doch nicht so an!“ oder: „Mach doch nicht solche Umstände!“. Die angesprochene Person sollte nicht alles so kompliziert machen.

Bekannte Erklärung mit dem Zelt ist falsch!  

Meine beliebte Thekenumfrage in meiner Stammkneipe zu diesem Wort führte tatsächlich zu der sehr schönen, aber falschen Erklärung mit dem Franzosen und seinem Zelt.

Schätzungsweise 90% der Kölschen meinen, der Begriff geht darauf zurück, dass in der französischen Besatzungszeit (1794 – 1814) die französischen Soldaten in Zeltlagern lebten. Und natürlich übten die schönen kölschen Mädchen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Soldaten aus, die diese daraufhin zu einem Besuch („visite“) in ihrem Zelt („tente“) einluden: „Visitez ma tente“.

Da ein solcher Besuch, genau wie ein Fisternöllchen, zu ganz besonderen Umständen hätte führen können, wurde aus „Visitez ma tente“ ganz schnell Fisimatente. Klingt schön, ist aber leider falsch.

Auch die Tante hat mit Fisimatenten nicht zu tun

Ebenfalls aus der französischen Besatzungszeit stammt die Erklärung mit dem Besuch bei der Tante: Wenn der Kölsche bei Kontrollen durch die französischen Besatzer mal wieder zu spät auf der Straße aufgegriffen wurde, wurde schnell die Ausrede „Je viens de visiter ma tante.“ („Ich habe gerade meine Tante besucht.“) gebraucht.

Klingt schön, ist aber leider ebenso falsch wie die Zelt-Erklärung.

Erklärung als (überflüssiger) Zierrat

Eine weitere Erklärung stammt aus der mittelhochdeutschen Sprache.1Mittelhochdeutsch wurde zwischen etwa 1050 und 1350 gesprochen. Damals existierte der Begriff „visamente“. Damit wurden Verzierungen oder Ornamente bezeichnet. Heute würde man das als Zierrat bezeichnen. Damit sind auch nicht wesentliche, eher umständliche, Dinge gemeint.

Eine Uhr mit vielen "visamente", also reichlich (überflüssiger) Zierrat, Bild: Gordon Johnson, Pixabay
Eine Uhr mit vielen „visamente“, also reichlich (überflüssiger) Zierrat, Bild: Gordon Johnson, Pixabay

Und von „visamente“ zu „Fisimatente“ ist es kein weiter Weg. Daher passt die Erklärung „Mach doch nicht solche Umstände!“ zu Fisimatentche.

Die beste Erklärung kommt aus dem „Wrede“

Wie immer lohnt sich ein Blick in den „Wrede“2Adam Wrede: Neuer Kölnischer Wortschatz, Greven Verlag Köln, das Standardwerk zur kölschen Sprache. Dort lautet es:

Fisematentche / Fisimatenten, volkstümlich umgebildet aus „visae patentes literae“ … ein ordnungsgemäß verdientes, schriftlich ausgefertigtes Patent. Das Fachwort wurde in Verspottung des Bürokratischen zum Begriff für unnötige Schwierigkeit, unnütze Arbeit, unnützes Getue, leere Redensarten, zwecklose Umstände.

Und da es nun mal viel Zeit brauchte und ein großer Aufwand nötig war, um ein ordnungsgemäß geprüftes Patent auszufertigen, könnte sich der Begriff tatsächlich aus daraus entwickelt haben. Alles, was unnötig kompliziert erscheint und lange dauert, wird somit zu Fisimatenten.

Und Dinge, die lange dauern und kompliziert sind, haben wir in Kölle reichlich: Oper, Kalkberg, Nord-Süd-Stadtbahn, Römisch-
Germanisches Museum, Dom Hotel, …


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Die Eisflut 1784 – als der Rhein Köln an seine Grenzen brachte

Der Eisgang 1784 in Köln, Kupferstich in der Sammlung Johann Conrad Thelen
Der Eisgang 1784 in Köln, Kupferstich in der Sammlung Johann Conrad Thelen

Der Rhein ist Kölns Lebensader – und seit Jahrhunderten auch seine größte Bedrohung. Regelmäßig schaut der Fluß in der Stadt vorbei, meistens aber eher harmlos. Doch was sich im Winter 1783/1784 ereignete, übertraf alles, was die Kölner bis dahin mit „ihrem“ Rhein erlebt hatten.

Köln wurde vom schwersten bekannten Hochwasser seiner Geschichte getroffen. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich der zugefrorene Fluss in eine zerstörerische Naturgewalt, die Häuser, Schiffe und ganze Straßenzüge mit sich riss und tausende Menschen in existenzielle Not stürzte.

Der sogenannte „Jahrhundert-Eisgang“ von 1784 war kein lokales Unglück nur in Köln. Er war Teil einer europaweiten Katastrophe, ausgelöst durch extreme klimatische Bedingungen. Dennoch traf das Ereignis Köln mit besonderer Wucht. Der Rhein erreichte einen Pegelstand, der bis heute unübertroffen ist. Die Stadtmauer brach, Wasser drang bis zum Heumarkt vor, rund ein Drittel der Bevölkerung verlor Hab und Gut, viele auch ihre Unterkunft – manche ihr Leben.

Eindrucksvoll: Über dem Eingang der Kirche St. Maria Lyskirchen ist eine Hochwassermarke zur Eisflut 1984 angebracht. Bild: Photo by CEphoto, Uwe Aranas
Eindrucksvoll: Über dem Eingang der Kirche St. Maria Lyskirchen ist eine Hochwassermarke zur Eisflut 1784 angebracht. Bild: Photo by CEphoto, Uwe Aranas

Die Ursachen dieser Katastrophe lagen weit entfernt von Köln. Doch ihre Folgen machten am Rhein auf dramatische Weise sichtbar, wie eng das Schicksal der Stadt mit Naturereignissen und klimatischen Extremen verbunden ist.

Ein Winter von historischer Härte

Der Winter 1783/1784 zählt zu den extremsten Kälteperioden der frühen Neuzeit auf der nördlichen Hemisphäre. In Mitteleuropa, Nordamerika und Teilen Asiens sanken die Temperaturen über Wochen hinweg auf außergewöhnlich niedrige Werte. Flüsse froren zu, Handelswege brachen zusammen, die Versorgung der Bevölkerung geriet vielerorts ins Wanken.

In Köln herrschte über Wochen hinweg Dauerfrost. Im Januar 1784 fror der Rhein vollständig zu, die Eisschicht erreichte stellenweise eine Dicke von bis zu drei Metern. Zeitgenössische Berichte schildern, dass Menschen den Fluss zu Fuß überquerten und Fuhrwerke über das Eis fuhren. Was zunächst als außergewöhnliches Naturereignis wahrgenommen wurde, barg jedoch ein enormes Risiko, wie der Eisgang im Februar 1784 zeigen sollte. 

Die extremen Wetterbedingungen waren Teil einer natürlichen Klimaschwankung, wurden jedoch durch außergewöhnliche vulkanische Aktivitäten verstärkt. Der Ausbruch des Laki-Kraters auf Island ab Juni 1783 schleuderte enorme Mengen an Asche und Schwefelgasen in die Atmosphäre. Die daraus entstandenen Aerosole verdunkelten den Himmel über weiten Teilen Europas und beeinflussten das Klima nachhaltig. Zeitgenossen berichteten von einem wochenlang anhaltenden „trockenen Nebel“, der die Sonne dämpfte und Atemnot verursachte. Die klimatischen Folgen dieses Sommers wirkten bis tief in den folgenden Winter hinein – mit verheerenden Konsequenzen.

Auch an der "Schmitz-Säule" ist eine Hochwassermarke zur Jahrhundert-Eisflut von 1784 zu finden, Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Auch an der „Schmitz-Säule“ ist eine Hochwassermarke zur Jahrhundert-Eisflut von 1784 zu finden, Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Eisgang als zerstörerische Naturgewalt

Nach ungewöhnlicher Kälte im Winter 1783/84 – Berichten zufolge war der Rhein so stark zugefroren, dass Pferdefuhrwerke darüber fahren konnten – setzte im Februar 1784 plötzlich Tauwetter ein. Die Schneeschmelze im gesamten Einzugsgebiet des Rheins ließ die Wassermassen rasch anwachsen. Gleichzeitig begannen sich riesige Eisfelder aus dem Oberrhein zu lösen. Diese Eisschollen stauten sich an Engstellen des Flusses und bildeten massive Eisberge, die wie mobile Dämme wirkten.

Erfahrene Schiffsleute warnten früh vor der Gefahr eines plötzlichen Eisgangs bei weiter steigenden Temperaturen. Doch effektive Schutzmaßnahmen waren kaum möglich. Hochwasserschutz, wie er heute selbstverständlich ist, existierte nicht. Köln war dem Fluss ausgeliefert.

Am frühen Morgen des 27. Februar 1784 brach der Eisstau. Kanonenschüsse als Warnung kündigten an, dass sich die gewaltigen Eismassen in Bewegung gesetzt hatten. Vom Bayenturm aus rissen die Schollen alles mit sich, was sich ihnen in den Weg stellte. An der Kaimauer befestigte Schiffe, Kräne und Hafenanlagen wurden losgerissen und zerstört.

Der Rhein schwoll binnen kurzer Zeit auf einen Pegelstand von rund 13,55 Meter an – mehr als das Vierfache des Normalpegels. Die Fluten, auf denen tonnenschwere Eisschollen trieben, wirkten wie Abrissbirnen. Die Folge: Zerstörte Uferbefestigungen, Gebäude und Schiffe. Teile der Stadtmauer brachen ein, zahlreiche Häuser stürzten ein oder wurden später durch Unterspülung unbewohnbar.

Johann Leonhard Thelen: Ausführliche Nachricht von dem erschrecklichen Eisgange, und den Überschwemmungen des Rheines, welche im Jahre 1784 die Stadt Köln, und die umliegende Gegend getroffen, Köln 1789
Der Philosophieprofgessor Johann Leonhard Thelen: ist einer der wichtigsten Zeitzeugen der Eisflut 1784

Zeitzeuge Thelen berichtet

Einer der wichtigsten Zeugen der Eisflut 1784 war Johann Leonhard Thelen, Professor für Philosophie in Köln. In seiner Schrift „Ausführliche Nachricht von dem erschrecklichen Eisgange“ berichtete er:

„Die Fluten, die bereits eine ganz ausserordentliche Höhe erreichet hatten, stürzten Eis auf Eis auf unsere Stadt mit so reissender Gewalt, als sollte dieser Tag für uns der letzte sein. […] Die Einwohner der niedrigen Gegenden flüchteten aufwärts von Stock zu Stock; das Wasser stieg nach, und drohete die Flüchtlinge mancher Orte auf den Speichern zu ergreifen. […] Sie wollten fliehen, aber das schnell aufschwellende Gewässer, das nach einer bestätigten Beobachtung binnen einer Viertelstunde auf 5 Fus anwuchs, hatte jederman die Wege zum Fliehen verleget. […] In den Speicherfenstern, auf den Dächern sah man hunderte Menschen in blasser Todesnoth die Hände ringen; und um Hilfe flehen: aber wie konnte man tausende auf einmal retten!“

Verwüstung, Not und bleibende Erinnerung

In Köln selbst kamen nach zeitgenössischen Berichten mindestens 35 Menschen ums Leben, andere Quellen sprechen von noch höheren Opferzahlen. Etwa 15.000 Einwohnerinnen und Einwohner – rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung – verloren ihr Hab und Gut. Rund 60 Schiffe und Kähne wurden zerstört oder fortgerissen. Große Teile der wirtschaftlichen Infrastruktur der Stadt lagen in Trümmern.

Stahlstich der Eisflut des Jahres 1784 in Mülheim von Steven Goblé,(1749-1799), Public domain, via Wikimedia Commons
Stahlstich der Eisflut des Jahres 1784 in Mülheim von Steven Goblé,(1749-1799), Public domain, via Wikimedia Commons

Besonders schwer traf die Eisflut die damals noch eigenständige Stadt Mülheim. Dort nahm ein Teilstrom des Rheins zeitweise seinen Lauf direkt durch den Ort. Zwei Drittel des Stadtgebiets standen unter Wasser. Von 420 Häusern wurden 161 vollständig zerstört, mehr als 100 weitere stark beschädigt. Mindestens 21 Menschen verloren ihr Leben, rund 1.800 wurden obdachlos. Der wirtschaftliche Schaden belief sich auf etwa 750.000 Gulden – eine Summe, die die damals eigenständige Stadt Mülheim an den Rand des Ruins brachte.

Aus Köln wurde bereits wenige Tage später Nothilfe organisiert. Brote und Lebensmittel wurden geliefert und unabhängig von Religion oder Herkunft verteilt – ein frühes Zeichen städtischer Solidarität in einer Zeit größter Not.

Hochwasserschutz in Köln heute: Lehren aus der Geschichte

Mehr als 240 Jahre nach der Eisflut von 1784 ist Köln deutlich besser auf Hochwasser vorbereitet. Dennoch gilt auch heute: Einen absoluten Hochwasserschutz gibt es nicht. Schäden lassen sich jedoch durch gezielte Vorsorge deutlich reduzieren. Dazu zählen die Flächenvorsorge, bei der möglichst kein Bauland in hochwassergefährdeten Gebieten ausgewiesen wird, sowie die Bauvorsorge mit hochwasserangepassten Bauweisen und Nutzungen.

Die Geschichte der Eisflut von 1784 zeigt, wie verwundbar Köln einst war. Der heutige Hochwasserschutz ist das Ergebnis dieser Erfahrungen – und zugleich ein Hinweis darauf, dass Wachsamkeit und Vorsorge auch in Zukunft unerlässlich bleiben.


Postkarte (um 1890) mit Blick über den Sicherheitshafen, Fotograf/Urheber: unbekannt
Postkarte (um 1890) mit Blick über den Sicherheitshafen, Fotograf/Urheber: unbekannt

Eisgang zieht Bau des Sicherheitshafens nach sich

Eine direkte Folge des Eisgangs war auch die Forderung der Rheinschiffer, nach einem Schutz vor solchen Verwüstungen. Diese Forderung deckte sich auch mit den militärischen Interessen der französischen Besatzungsmacht, Schiffe in einem geschützten Bereich unterzubringen.

Die Folge war dann eines der größten kölschen Baudesaster: Der Sicherheitshafen.


Die Hochwasserschutzwand an der Deutzer Brücke, aufgebaut bei einer Hochwasserschutzübung 2018, Bild: 1971markus@wikipedia.de / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Die Hochwasserschutzwand an der Deutzer Brücke, aufgebaut bei einer Hochwasserschutzübung 2018, Bild: 1971markus@wikipedia.de / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Hochwasserschutz in Köln heute

Der Kölner Pegel dient als zentrales Steuerungsinstrument aller Hochwasserschutzmaßnahmen. Bereits ab etwa 4,50 Metern werden erste Schutzmaßnahmen im Kanalnetz eingeleitet. Bei fünf Metern wird der untere Bereich des Rheinboulevards gesperrt, ab 5,50 Metern gilt der erste Informationswert. Mit weiter steigenden Pegeln folgen umfangreiche Maßnahmen: Pumpwerke gehen in Betrieb, mobile Wände werden aufgebaut, Promenaden und Stadtteile gesichert oder gesperrt.

Ab sieben Metern laufen großflächige Schieberprogramme im Kanalnetz, bei acht Metern sind zahlreiche Hochwasserpumpwerke im Einsatz. Ab Pegelständen über zehn Metern greifen höchste Einsatzstufen, bei denen Feuerwehr, Stadtverwaltung, Energieversorger, Hilfsorganisationen und weitere Stellen gemeinsam den Hochwasserschutz koordinieren.

Maßnahmenplan Hochwasserschutz

Die StEB hat einen detaillierten Maßnahmenplan1Quelle: Stadtentwässerungsbetriebe Köln, Anstalt des öffentlichen Rechts (StEB Köln), abgerufen am 3. Februar 2026 zum Hochwasserschutz veröffentlicht:

Kölner Pegel (KP) Ereignis
2,97 m Mittelwasser des Rheins in Köln (statistisch berechneter 10 Jahres-Mittelwert aller Wasserstände)
4,50 m Im Kanalnetz werden erste Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt.
5,00 m Unterer Bereich des Rheinboulevards wird gesperrt.
5,50 m Informationswert 1 (≥ 5,50 m – < 7,00 m KP)
5,50 m Der Leinpfad ist stellenweise schon angeflutet und muss bereits abgesperrt sein.
5,80 m Parkplatz an der Bastei wird gesperrt.
6,00 m Bereits 5 reine Hochwasserpumpwerke sind in Betrieb.
6,30 m Parkplatz an der Bastei ist überflutet.
6,80 m Hubtor in Köln Rodenkirchen ist geschlossen.
7,00 m Informationswert 2 (≥ 7,00 m – < 10,70 m KP)
7,00 m Großes Schieberprogramm im Kanalnetz; über 250 Maßnahmen im Kanalnetz sind durchgeführt worden inkl. der Installation von Hochwasserverschlussdeckeln.

12 Hochwasserpumpwerke sind in Betrieb; die großen Pumpwerke (z. B. an der Messe) können bis zu 15.000m³/ h fördern.

Im Rodenkirchener Auenviertel werden erste mobile Wände aufgebaut.

In Porz Zündorf wird die Groov geflutet.

8,00 m Zahlreiche Schieber im Kanalnetz werden bedient; 22 reine Hochwasserpumpwerke sind in Betrieb.
8,10 m Promenade der Kölner Altstadt wird angeflutet.
8,50 m Köln Kasselberg wird vom Hochwasser umschlossen. Der Stadtteil ist nur noch mit watfähigen Fahrzeugen zu erreichen (Fahrdienst).
Im Kanalnetz sind 500 Maßnahmen durchgeführt worden.
8,60 m Erste Zugänge in der Hochwasserschutzmauer sind mit mobilen Elementen im Rheingarten (Altstadt) geschlossen.
8,80 m Fertigstellung der mobilen Wand auf dem Marktplatz in Porz Zündorf.
9,00 m Die Hochwasserzentrale wird je nach Steigerungsrate durch weitere Fachbereiche in der Einsatzzentrale unterstützt (Berufsfeuerwehr, Amt für Verkehrsmanagement, Polizei, RheinEnergie, DLRG, THW).
9,30 m Der Fahrdienst in Köln Kasselberg wird zum Fährdienst (Einsatz von Booten).
10,00 m Der Rheinufertunnels ist geschlossen.
10,70 m Informationswert 3 (≥ 10,70 m KP)
10,70 m Die mobile Schutzwand auf dem Marktplatz in Porz Zündorf wird überflutet. Es besteht keine Gefahr oberhalb des Marktplatzes.

24 reine Hochwasserpumpwerke sind in Betrieb.

> 10,70 m Leitung des gesamten Hochwassereinsatzes geht von den StEB Köln an die Stadt Köln zurück.

Weitere Informationen zum Hochwassermanagement inkl. Überflutungsgefahrenkarten und ein individueller „Wasser-Risiko-Check“ finden sich auf der Website der Stadtentwässerungsbetriebe Köln, StEB.


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„Der treue Husar“ – ein Lied zwischen Trömmelche und Tränchen

Hoch zu Pferd: Zwei Husaren im Einsatz, Bild: Public Domain
Hoch zu Pferd: Zwei Husaren im Einsatz, Bild: Public Domain

Jeder Kölsche kennt dieses Lied:

Es war einmal ein treuer Husar
Der liebt´ sein Mädchen ein ganzes Jahr
Ein ganzes Jahr und noch viel mehr
die Liebe nahm kein Ende mehr.

Dieses Lied singen wir Kölner an Karneval voller Inbrunst. Auch wenn es so absolut nichts mit dem Karneval zu tun hat – dä Fastelovend kommt in dem Lied  an keiner Stelle vor.

Und was kaum jemand weiß: Eigentlich ist dieser schmissige Marsch ein sehr trauriges Lied. Doch da in Köln immer nur die erste Strophe gesungen wird, kennt kaum jemand den ernsten Hintergrund. Denn das Lied hat insgesamt zwölf Strophen. Dabei geht es um Liebe, Tod und viele Tränen.

Trömmelche un Tränche

Tatsächlich wird die große Liebe eines jungen Husaren besungen. „Husaren“ waren damals eine militärische Einheit, die aus zu Pferd kämpfenden Soldaten besteht. Heute sind die „Treuen Husaren“ eines der Traditionskorps in Köln.

Dieser junge, im Lied namenlose Husar erhält die Nachricht, dass seine Liebste zuhause todkrank ist. Und entgegen jeder militärischen Gepflogenheit meldet er sich nicht ab, sondern schwingt sich aufs Pferd und reitet los:

Und als der Knab’ die Botschaft kriegt,
Daß sein Herzlieb am Sterben liegt,
Verließ er gleich sein Hab und Gut,
Wollt seh’n, was sein Herzliebchen tut.

Er kommt gerade noch rechtzeitig, um sich von seiner Geliebten zu verabschieden. So lautete es im Text, als er an ihr Sterbebett tritt:

Grüß Gott, grüß Gott, Herzliebste mein!
Was machst du hier im Bett allein?“
„Hab dank, hab Dank, mein treuer Knab‘!
Mit mir wird’s heißen bald: ins Grab!“

Tatsächlich stirbt sie in seinen Armen. Eine Geschichte voller Schmerz, bei der man an so ziemlich an alles denkt – nur nicht an Karneval:

Er nahm sie gleich in seinen Arm,
Da war sie kalt und nimmer warm;
Und als das Mägdlein gestorben war,
Da legt er’s auf die Totenbahr.

Willy Millowitsch (1909 - 1999 ) sang den Marsch vom "Treuen Husar"
Willy Millowitsch (1909 – 1999 ) sang den Marsch vom „Treuen Husar“

Karneval kann auch Tiefe

Aber in Kölle läuft vieles anders. Hier wird aus der tieftraurigen Ballade ein Karnevalsmarsch. Seit über hundert Jahren ertönt beim Schunkeln in der Kneipe, auf den Karnevalssitzungen oder im Rosenmontagszug aber immer nur die erste Strophe.

Besonders bekannt ist die sehr schmissige Version von Willy Millowitsch, die kann jeder Karnevalist auch noch nach dem 15. Kölsch mitsingen. Und dabei verkennen die Kölschen die ganze Tragik.

Vom Volkslied zur kölschen Hymne

Dabei hat der „Treue Husar“ mit Köln nicht viel zu tun. Die Spuren des Lieds führen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Verschiedene Versionen finden sich in Volksliedsammlungen quer durch Deutschland. Und in den meisten Versionen wurde auch kein „Treuer Husar“, sondern ein „Roter Husar“ besungen.

Mitglieder der KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. im Rosenmontagszug, Bild: Yogibaer08720, via Wikimedia Commons
Mitglieder der KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. im Rosenmontagszug, Bild: Yogibaer08720, via Wikimedia Commons

Erst Heinrich Frantzen machte 1924 aus dem Lied einen Marsch. Das Traditionskorps „Treuer Husar“ bezeichnet das Lied als „vereinseigenen Büttenmarschs“ und bescheinigt sogar in typisch kölscher Bescheidenheit dem Lied einen „weltweiten Siegeszug“. So lautet es in der Chronik des Vereins:

1926: Mit dem ersten öffentlichen Auftritt der Husaren begann der weltweite Siegeszug des vereinseigenen Büttenmarschs „Es war einmal ein treuer Husar“, komponiert von Heinrich Franzen. Dessen Sohn Jupp Franzen schrieb später den heute geläufigen Text dazu. 1„Unsere Husarenchronik von 1925 bis heute“, KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. https://treuerhusar.de/gesellschaft/historie/, abgerufen am 09.09.2025

Ob es sich tatsächlich um einen „weltweiten Siegeszug“ handelt, bleibt offen. Aber eindeutig wird dieses Lied erst seit diesem Zeitpunkt mit dem Karneval in Verbindung gebracht. Und wurde zur kölschen Hymne. Allerdings nur die erste Strophe.

Der "Karnevalsphilosoph“ Wolfgang Oelsner, Bild: Nicola, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der „Karnevalsphilosoph“ Wolfgang Oelsner, Bild: Nicola, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Karneval kann so viel mehr als Trallala

Einen ganz besonderen Moment hat das Lied vom „Treuen Husar“ am 11. Juli 2025 erlebt. Dem „Karnevalsphilosoph“ Wolfgang Oelsner wurde an diesem Tag den Rheinlandtaler verliehen.2Der „Rheinlandtaler“ wurde 1976 vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) ins Leben gerufen, um „hervorragende Verdienste um die rheinische Kulturpflege“ zu ehren.

Ein bemerkenswerter Moment bei dieser Verleihung war die Dankesrede von Wolfgang Oelsner. In dieser Rede präsentierte er die „Anderswelt Karneval“. Oelsner erklärte darin auch, dass „Karneval so viel mehr kann als Trallala, er kann auch Substanz.“ Und er erklärte dies am Beispiel des Lieds vom „Treuen Husar“. Der Kölner-Stadt-Anzeiger berichtete von dieser Veranstaltung:

Die virtuose Stadtkapelle schmetterte den Marsch, so wie ihn der Militärkapellmeister Heinrich Frantzen 1924 komponiert hat. Dann sang Ex-Bläck Fööss Sänger Kafi Biermann mit der Band Knippschaff den kompletten Text des alten Volksliedes so leise und fein arrangiert, dass manchem im Saal die Tränen kamen. So spürte jeder, was Oelsner meint, wenn er vom „Wechselbad der Gefühle“ berichtet, in dem Melancholie auf Lebenslust trifft. 3Kölner-Stadt Anzeiger vom 12. Juli 2025

Das Glockenspiel am 4711-Haus in der Glockenglasse spielt stündlich das Lied "Der Treue Husar", Bild: Raimond Spekking
Das Glockenspiel am 4711-Haus in der Glockenglasse spielt stündlich das Lied „Der Treue Husar“, Bild: Raimond Spekking

Und so singen wir Kölschen weiter aus voller Brust das Lied von dem doch so treuen Husaren – mit flotten Rhythmus und eingängiger Melodie.

„Der treue Husar“ wird auch stündlich4zwischen 9 bis 19 Uhr von dem Glockenspiel im 4711-Stammhaus in der Kölner Glockengasse gespielt.

Aber auch hier erklingen immer nur ein paar wenige Töne, die nicht erahnen lassen, welche traurige Wendung das Lied nimmt.


Der treue Husar
(Heinrich Frantzen, 1924)
hier auch auf YouTube in der Version der Bläck Fööss zu hören

Es war einmal ein treuer Husar,
Der liebt’ sein Mädchen ein ganzes Jahr,
Ein ganzes Jahr und noch viel mehr,
 Die Liebe nahm kein Ende mehr.

Der Knab’ der fuhr ins fremde Land,
Derweil ward ihm sein Mädchen krank,
Sie ward so krank bis auf den Tod,
Drei Tag, drei Nacht sprach sie kein Wort.

Und als der Knab’ die Botschaft kriegt,
Daß sein Herzlieb am Sterben liegt,
Verließ er gleich sein Hab und Gut,
Wollt seh’n, was sein Herzliebchen tut.

Ach Mutter bring’ geschwind ein Licht,
Mein Liebchen stirbt, ich seh’ es nicht,
Das war fürwahr ein treuer Husar,
Der liebt’ sein Mädchen ein ganzes Jahr.

Und als er zum Herzliebchen kam,
Ganz leise gab sie ihm die Hand,
Die ganze Hand und noch viel mehr,
Die Liebe nahm kein Ende mehr.

„Grüß Gott, grüß Gott, Herzliebste mein!
Was machst du hier im Bett allein?“
„Hab dank, hab Dank, mein treuer Knab‘!
Mit mir wird’s heißen bald: ins Grab!“

„Grüß Gott, grüß Gott, mein feiner Knab.
Mit mir wills gehen ins kühle Grab.“
„Ach nein, ach nein, mein liebes Kind,
Dieweil wir so Verliebte sind.“

„Ach nein, ach nein, nicht so geschwind,
Dieweil wir zwei Verliebte sind;
Ach nein, ach nein, Herzliebste mein,
Die Lieb und Treu muß länger sein.

Er nahm sie gleich in seinen Arm,
Da war sie kalt und nimmer warm;
„Geschwind, geschwind bringt mir ein Licht!
Sonst stirbt mein Schatz, daß’s niemand sicht.“

Und als das Mägdlein gestorben war,
Da legt er’s auf die Totenbahr.
Wo krieg ich nun sechs junge Knab’n,
Die mein Herzlieb zu Grabe trag’n?

Wo kriegen wir sechs Träger her?
Sechs Bauernbuben die sind so schwer.
Sechs brave Husaren müssen es sein,
Die tragen mein Herzliebchen heim.

Jetzt muß ich tragen ein schwarzes Kleid,
Das ist für mich ein großes Leid,
Ein großes Leid und noch viel mehr,
Die Trauer nimmt kein Ende mehr.


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Die jecke Zahl „11“

Der 11.11. - endlich geht der Karneval wieder los. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de
Die „11“ – eine für den Fastelovend ganz wichtige Zahl. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de

Podcast Alaaf + Zahl 11, 24

Die „11“ ist die wichtigste Narrenzahl. Am 11.11. – jeiht et met däm Fastelovend loss. Der Startschuss ist – wie sollte es auch anders sein – um 11.11 Uhr. Doch was hat es mit dieser Zahl 11 auf sich? Und warum haben die Jecken sich diese Zahl einfach unter den Nagel gerissen? Tatsächlich gibt es viele Erklärungsansätze, warum tatsächlich die 11 die Narrenzahl ist. 

Die 11 als als Symbol der Gleichheit

Am einfachsten ist die Erklärung, dass bei der 11 die beiden Ziffern 1 und 1 einträchtig nebeneinander stehen – als Symbol der Gleichheit im Karneval. Soll bedeuten: Egal, ob du Millionär oder armer Schlucker bist: Im Kostüm sind alle Jecken gleich.

Eine Zahl ohne „Regeln“

Komplexer wird es bei der Deutung der 11 als Zahl, welche sich nicht den Regeln unterwirft. Während sich die 12 hervorragend teilen lässt, ist die 11 als Primzahl nicht teilbar. Man kann sie nicht mehr mit den Fingern beider Hände abzählen. Und sie überschreitet die Ordnung, die durch die 10 Gebote gegeben wurde. Deshalb hat das kölsche Grundgesetz ja auch 11 Gebote.

Egalité – Liberté – Fraternité wird als „ELF“ abgekürzt

Eine andere Herleitung ist, dass sich die Narrenzahl 11 auf die Französische Revolution bezieht: Die Abkürzung der Begriffe Egalité – Liberté – Fraternité lautet ELF. Schöne Geschichte, aber nicht wahr. Allein schon die Tatsache, dass 11 als Zahl der Jecken schon lange vor der Zeit der Französischen Revolution belegt ist, widerlegt diese These.

Lohn und Pacht waren am 11.11. fällig

Einleuchtender ist die Deutung, dass am 11.11., dem Fest des St. Martin, das bäuerliche Jahr zu Ende ging. Pachtzahlungen wurden an diesem Tag fällig und die Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn ausgezahlt. Es war also genug Geld im Umlauf, um es so richtig krachen zu lassen.

Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild: Renate Lehmann
Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild: Renate Lehmann

Der Elferrat – eine Erfindung aus Aachen

Bitter für die Kölner: Der Elferrat scheint keine kölsche Erfindung zu sein, sondern wurde aus Aachen importiert, so schreibt Thomas Töller:

„Denn während in den Statuten der Florresei1Die Florresei ist ein 1829 in Aachen gegründeter Karnevalsverein von 1829 explizit elf Würdenträger benannt werden, finden sich offenbar keine Quellenbelege, die für die Zeit vor 1830 auf eine ähnliche Bedeutung der Zahl Elf sowohl im Kölner als auch Düsseldorfer Karneval schließen lassen. (…) im Jahre 1829 war in den Statuten der Florresei der Grundstein für die Entstehung des elfköpfigen Vereinsvorstandes gelegt worden, der sich schnell zum charakteristischen Führungsgremium aller närrischen Vereine entwickelte.“2Thomas Töller: 150 Jahre Aachener Karnevalsverein gegr. 1859 e. V. 1859 Mit närrischem Frohsinn WIDER DEN TIERISCHEN ERNST 2009. Kuper Eschweiler 2009, S. 19, 234.

Jecke Jubiläen – von „11“ bis „444“

Die Zahl „11“ bedingt aber auch, dass es in Köln fast inflationär viele Jubiläen gibt. Während im Rest von Deutschland die „Runden Jubiläen“ wie „25 Jahre“,  „50 Jahre“ oder „100 Jahre“ gefeiert werden, gibt es in Köln zusätzlich noch die „Jecken Jubiläen“. Deswegen kann der Kölsche auch den 44. Geburtstag oder ein (Karnevals-)Verein sein  77jähriges Bestehen feiern. Und in Köln wundert sich niemand darüber. 

Ein echt kölsche Jubiläum: Zum 55. Jubiläum spendierte sich die "Lachende Kölnarena" selbst diesen Orden.
Ein echt kölsche Jubiläum: Zum 55. Jubiläum spendierte sich die „Lachende Kölnarena“ selbst diesen Orden.

Die „11“ ist in Köln mehr als nur eine Zahl

Die Zahl „11“ ist im Karneval weit mehr als ein Datum oder eine Uhrzeit – sie steht sinnbildlich für Gleichheit, Regelbruch und die jecke Freiheit. Ob als Ausdruck karnevalistischer Werte, als historisch gewachsener Termin zum Feiern nach dem Ende des bäuerlichen Jahres oder als organisatorische Grundlage mit dem Elferrat: Die 11 hat sich fest im rheinischen Brauchtum verankert. Ihre besondere Bedeutung zeigt sich bis heute in jecken Jubiläen und Traditionen, die Köln und den Karneval einzigartig machen.


Weitere Erklärungen zur „11“

Nach der Veröffentlichung haben mich Leser*innen angeschrieben und weitere Erklärungsansätze zu Bedeutung der Zahl „11“ geliefert:

  • Petra meint, dass es völlig klar wäre:  Der Anfangsbuchstabe unserer Stadt ist „K“ – und „K“ steht an 11ter Stelle im Alphabet.
  • Wolfgang verweist auf die Ursula und die 11.000 Jungfrauen.

Weitere „Deutungen“ nehme ich gerne entgegen, schreibt mir gerne: Kontakt.


 

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