Su läuft dat he. Loht unser Leeder en Rauh!

Und dann ist es passiert: Spätestens 2018 haben die Rechten angefangen, auf ihren Veranstaltungen kölsche Musik zu spielen. Auf einmal erklang auf AfD-Demos „In unserem Veedel“ oder „Mir sin eins“. Aus den Kehlen der Glatzenträger mit Springerstiefeln bekommen diese Texte auf einmal eine ganz andere Bedeutung. „Das ist wie damals bei den Nazis ein schleichender Prozess. Ganz perfide gemacht.“ so der Kölner Musiker Arno Steffen in einem Interview im Express. 

Die Bands sind mit der Verwendung der Titel durch die rechtsgerichteten Gruppen selbstverständlich nicht einverstanden. Die Bläck Föös dazu, dass „In unserem Veedel“ bei einer Veranstaltung der rechtsgerichteten „Internationalen Kölschen Mitte“1Was für ein euphemistischer Begriff für ein Gemisch aus Personen, welches aus gewaltbereiten Rassisten der Hooligan- und der Türsteherszene stammt. gespielt wurde: „Bei uns wurde weder eine Genehmigung zur Verwendung der Lieder angefragt noch hätten wir diese erteilt.

Bands wehren sich mit Musik

Doch die betroffenen Bands wehren sich. Und das mit der besten Möglichkeit, die sie haben: Musik. Arno Steffen hat mit Hannes Schöner von den Höhnern den Song „Su läuft dat he“ komponiert. Der Song besteht aus Zeilen, die alle Kölschen kennen. So lautet es gleich am Anfang:

Für en superjeile Zick bruch mer richtich jode Lück die e Hätz han
för dä ahle Mann vür dr Weetschaff, op dr Eck
Wenn et Trömmelche jeit ston se parat, all die Jecke
Un Spetzebötzje drät bei uns sujar dä Kölsche Jung

Jeder, der auch nur ein bisschen kölsche Musik kennt, kann mit diesen Zeilen sofort etwas anfangen. Das Lied soll, so die AG Arsch huh, als Kampfansage verstanden werden. Daher lautet der Refrain:

Doför stommer all he zesamme
ohne Hass un nit nur für dä FC
un bei uns sin Minsche einfach Minsche
all simmer jlich – su läuf dat he, su läuf dat he,

Lasst unsere Lieder in Ruhe!

Falls einer von euch Nazis dies lesen sollte: Wenn wir unsere Lieder singen, geht es um Solidarität statt Ausgrenzung, Integration statt Abschottung, Toleranz statt Diskriminierung und eine offene, freie und vielfältige Gesellschaft.
Deswegen: Loht unser Leeder en Rauh!
(für die nicht-Kölschen: Lasst unsere Lieder in Ruhe! )


Bei der Aufnahme des Songs waren viele kölsche Musiker dabei, unter anderem von den Höhnern, Brings, Kasalla, den Bläck Fööss, Paveier und Cat Ballou. Das Video gibt es bei YouTube, den vollständigen Liedtext auf der Arsch huh Website. Im Kölner Stadt-Anzeiger ist am 3. Januar 2020 ein großes Interview mit den Musikern der AG Arsch huh zu diesem Song erschienen.

Was mich persönlich besonders freut: Der Song ist bei „Loss mer singe“ (LMS) auf der 2020er-Liedauswahl zu finden. DANKE an LMS dafür.


Letztes Jahr haben sich bereits rechte Kräfte an einem Kölner Idol vergriffen:  Die AfD wollte einen „Karl Küpper Preis“ für die beste politische Büttenrede der Session ins Leben rufen. Also eine Partei, die eindeutig rechtes Gedankengut vertritt, will einen erklärten Gegner für ihre perfiden Zwecke missbrauchen. Dazu mehr im Köln-Ding „Is et am rääne? – Büttenredner Karl Küpper“.


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