
Der Rosenmontagszoch, nicht weniger als das „Hochamt des Karnevals“, wurde 2022 zur größten Friedenskundgebung, die Köln je erlebt hat. Passend zum blauen Himmel und der goldgelb strahlenden Sonne haben 250.000 Menschen Flagge gezeigt – Kölle in blau–gelb. Ein großartiges Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.
Kompliment an das Festkomitee
Als am Donnerstag die Truppen des Despoten Putin in die Ukraine einfielen, hat das Festkomitee sehr schnell eine ebenso richtige wie großartige Entscheidung getroffen: Kein Zug im Müngersdorfer Stadion, stattdessen eine Friedensdemo auf dem ursprünglichen Zugweg quer durch die Stadt. Ein großes Kompliment an das Festkomitee für diese schnelle und konsequente Entscheidung.
Während eine Teilnehmerin der Demo ihre Motivation erklärt, ziehen im Hintergrund Mitglieder der Kölner Ratsbläser mit dem ebenso einfachen wie zutreffenden Lied „Der Putin ist scheiße, wir wollen keinen Krieg“ vorbei, Video: WDR
Die ganze Stadtgesellschaft war auf den Beinen – mit und ohne Karnevalskostüm
Ob Familien mit Kindern, die Traditionskorps in großer Uniform, alternative Karnevalisten aus der Immisitzung, die LGBTQ-Szene, Mitglieder der Kölner Ratsbläser mit ihrem ebenso einfachen wie zutreffenden Schlachtruf „Der Putin ist scheiße – wir wollen keinen Krieg“, Promis wie Caroline Kebekus und Lück wie ich & du – die 250.000 Menschen auf der Straße waren ein Querschnitt durch die gesamte Stadtgesellschaft.
In den sozialen Medien war dabei Kritik zu lesen, dass auch verkleidete Menschen an der Demo teilgenommen haben. Der Politikberater und Autor Erik Flügge hat dazu eine ebenso einfache wie korrekte Antwort:

Daneben haben sich einige der sogenannten „Spaziergänger“ aus der „Querdenker-Szene“ beschwert, dass diese Demo von der Polizei und der Verwaltung so anders behandelt wurde als die „Spaziergänge“ der Corona-Leugner. Damit liegen sie richtig. Denn das hatte seinen guten Grund: Während bei den „Querdenkern“ Verstöße gegen die Maskenpflicht regelmäßig zu sehen sind, haben die Friedensdemonstranten an Rosenmontag ihre zum Teil kunstvoll verzierten Masken durchgängig getragen. Deshalb hat sich die Polizei auch am Ende der Demo, kurz vor dem Dom, ausdrücklich für die friedliche Demo bedankt. Und bekam dafür auch Applaus von Demonstranten. Das ist bei den „Spaziergängern“ ganz anders.

Kölsche feiern sich selbst – aber jetzt müssen aus Worten Taten werden!
Peter Brings hat die richtigen Worte gefunden: „Das ist der wichtigste Rosenmontagszug, seit ich auf der Welt bin“, so Peter Brings. „Das Allerwichtigste für uns Karnevalisten ist es, Flagge zu zeigen und ein politisches Bewusstsein erkennen zu lassen“. Ähnlich klingt es bei Wolfgang Niedecken: „Die Kölner feiern, sie können aber auch Position beziehen.“, so Niedecken bei der Auftaktkundgebung am rappelvollen Chlodwigplatz.
