2.000 Jahre Köln: Historisches
In Köln ist in den letzten 2.000 Jahren viel passiert. Hier findet ihr ein paar der vielen, vielen Geschichten aus der Kölner Geschichte.
Bauwerke & Plätze
Auch die im 2. Weltkrieg so stark zerstörte Stadt Köln hat wunderschöne Bauwerke, Orte und Plätze. Oft sind diese allerdings gut versteckt.
Ein paar Fragen an …
In meiner Reihe „Ein paar Fragen an …“ befrage ich Menschen aus Köln, die etwas zu erzählen haben.
Karneval
Selbstverständlich nimmt die 5. Jahreszeit einen breiten Raum in unserer Stadt ein. Un et is härrlisch, Fastelovend ze fiere!
Köln im Krieg
Der Krieg hat tiefe Wunden in der Domstadt hinterlassen. Zur „Stunde Null“ waren 80% der Gebäude in der Innenstadt zerstört.
Kölsche Persönlichkeiten
Die alte Stadt am Rhein hat in den letzten zwei Jahrtausenden viele Persönlichkeiten hervorgebracht.
Kölsche Stöckelche
Wenn der Kölsche von „Stöckelche“ spricht, dann meint er damit Anekdötchen.
Kölsche Tön
Es gibt wahrscheinlich keine Stadt auf der Welt, die so oft besungen wird wie Köln.
Kölsche Wörter
Die kölsche Sprache bietet wunderschöne Wörter. Und ein paar davon werden hier erklärt.
Kunst & Kultur
Auch wenn es angesichts mancher Fehlplanungen oft schwer zu glauben ist: Köln ist auch eine Kulturstadt.
Karte zum Köln-Ding der Woche
Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.
Am 27. September 2026 dreht sich in Köln alles um unsere Sprache: Zum dritten Mal findet der „Daach der kölschen Sproch“ statt.1Das gesamte Programm dazu gibt es hier: Daach der kölschen Sproch. Dieser Aktionstag soll Lust darauf machen, Kölsch zu sprechen, zu entdecken und vor allem weiterzugeben. Denn eine Sprache bleibt nur lebendig, wenn sie auch gesprochen wird.
Egal ob Lesungen, Verzällcher, Theaterstücke, Führungen „op Kölsch“ oder kreative Social-Media-Beiträge, ob in Veedelsvereinen, Bibliotheken oder Kneipen – überall finden Aktionen statt, die zeigen sollen: Kölsch ist nicht nur eine Sprache, sondern ein Lebensgefühl. So wird der „Daach der kölschen Sproch“ zu einer wunderbaren Gelegenheit, unsere sprachliche Identität zu feiern. Kölsch verbindet Generationen, schafft Gemeinschaft und gehört zu Köln wie der Dom. Und auch wir vom Köln-Ding der Woche beteiligen uns an diesem Tag.
Wir haben uns dafür den „Wrede“ vorgenommen. Der „Wrede“ ist das Lexikon „Neuer kölnischer Sprachschatz“ von Prof. Dr. Adam Wrede. Seit 1956 wird dieses „Schatzkiste der zur kölschen Sprache“ regelmäßig neu aufgelegt, aktuell bereits in der 14. Auflage.
Der „Wrede“ ist mehr als nur ein einfaches kölsch-hochdeutsch-Lexikon. Dieses Buch erzählt ganze Geschichten. Wolfgang Niedecken, der zur 14. Auflage eine Einführung verfasst hat, sagt von sich selbst augenzwinkernd, er vermeide es nach Möglichkeit, das Buch aufzuschlagen – denn er lese sich immer gleich für mindestens eine Stunde fest.
Adam Wrede „Neuer kölnischer Sprachschatz“ mit einem Vorwort von Wolfgang Niedecken, Bild: Greven Verlag
Spontan Wörter aus dem „Wrede“ aussuchen
Franks Idee zu unserem Beitrag zum „Daach der kölschen Sproch“: Unser vollkommen überbezahlter Tontechniker Yannick nennt uns beliebige Seitenzahlen aus dem Wrede und Frank oder Uli suchen sich auf der entsprechenden Seite ein Wort aus und lesen vor. Ohne Vorbereitung, ohne Netz und doppelten Boden. Ihr könnt das nachprüfen, wir haben die 13. Ausgabe des Wrede genutzt.
Der erste Treffer “Pattevugel“
Yannicks erste Seitenzahl war 708 – damit war klar, es ist ein Wort mit „P“ am Anfang. Und Uli hat sich das schöne Wort „Pattevugel“ auf dieser Seite ausgesucht. Mit diesem kölschen Wort ist ein Drachen gemeint.
Einen Papierdrachen bezeichnet der Kölner als „Pattevugel“, Bild: Bild Steffen Wachsmuth auf Pixabay
Besonders schön wird es aber, wenn Wrede die übertragene Bedeutung erklärt. Der Begriff konnte nämlich auch für eine weibliche Person verwendet werden, deren mit Bändern und Schleifen geschmückte Kleidung im Wind flatterte – ähnlich wie die Papierstreifen an einem Drachen.
Im „Wrede“ heißt es:
Pattevugel (-furel) m., -vüjjel: Windvogel; patte wohl aus pappe, Papp unter Einwirkung durch Papeer (Papier) entstellt;
1. Papierdrachen „We meer han der Pattevugel opgelohßen. Wann dä paries gingk, dat wor uns Verdroß.2„Wir haben einen Drachen steigen lassen. Wenn der wegfliegen würde, wäre das sehr ärgerlich“
2. übertragen auf eine weibliche Person, die in einer mit Bandschleifen geschmückten Kleidung einherflattert, einem fliegenden Papierdrachen mit langem Papierstätz und baumelnden Quasten aus dünnen Papierstreifen vergleichbar.
Hier sieht man eine große Stärke des Wrede: Er übersetzt nicht einfach Wörter. Er liefert Bilder, Geschichten und manchmal gleich eine ganze kleine Szene aus dem alten Köln mit.
Wer bei „Kühmbrezel“ an eine Brezel denkt, liegt leider völlig falsch. Bild: unserekleinemaus auf Pixabay
Beklagt sich ständig: Die „Kühmbrezel“
Der nächste Zufallstreffer (Yannick hatte sich Seite 528 gewünscht) hatte es ebenfalls in sich. Der Ursprung des Wortes stammt von „kühme“, das meint stöhnen und sich beklagen, das Wort ist „Kühmbrezel“.
Der Erklärung dazu aus dem Wrede:
Kühmbrezel: einer (eine), der (die) immer klagt u. stöhnt, kühmp. Brezel vertritt hier in übertragener Bedeutung eine zimperliche Frauensperson. Übrigens ist das männliche Pendant zur Kühmbrezel der „Kühmbroder“
Wörter wie die „Kühmbrezel“ oder auch der „Kühmbroder“ sind kleine sprachliche Fundstücke. Manche sind längst verschwunden, andere haben ihre Bedeutung verändert, wieder andere schlummern einfach irgendwo und warten darauf, wiederentdeckt zu werden.
Auch „Kacke“ hat Geschichte
Dann landeten wir auf der Seite 423 und noch einmal beim Buchstaben „K“. Auf dieser Seite findet sich das Wort „kacke“. Und auch hier zeigte sich, dass selbst vermeintlich banale Wörter eine erstaunliche Geschichte haben können. Das Wort ist lautmalerischen Ursprungs. Gleichzeitig verweist Wrede auf andere kölsche Begriffe für kacke“:
Der Originaleintrag aus dem Wrede:
kacke, kackte, jekack: lat. cacare, griech. kakkan; ein lautmalendes Wort, aus gelehrten Kreisen nach 1500 (16. Jh.) aufgenommen, unfeiner oder derb empfundene andere Wörter (vgl. drieße, scheiße) ersetzend; durchweg in der Kindersprache üblich, wenn keine Umschreibung oder neuerer Ausdruck gebraucht wird, wie solche hochdeutsch sprechenden Familien eigen sind; von Erwachsenen mehr scherzhaft gesagt „ens (einmal) kacke jon“; sonst auch zu hören „en de Botz kacke“3„sich in die Hose machen“, weniger vulgär als „en de Botz drieße“4„sich in die Hose machen“. „Mer kann keinem nacke Mann en de Täsch kacke“5„Man kann keinem nackten Mann in Tasceh kacke“, „Kinder kacke üvverall“6„Kinder machen überall hin“ „Der Düvel kack nit op ene kleine Hauf“7„Der Teufel macht immer auf den größten Haufen“ bedeutet: Geld kommt meist dorthin, wo schon viel ist
Und plötzlich merkt man: Selbst bei einem Wort, bei dem man zunächst glaubt, es gebe wirklich nichts mehr zu erklären, lässt sich noch etwas lernen. Genau deshalb macht das Blättern im kölschen Sprachschatz so viel Spaß. Man weiß nie, wo man landet.
Schon im „Kackleed“ lautet es: „Loss m′r ens e Leedche vum Kacke singe, kacke es e herrlich Dinge“. Bild: Alexa auf Pixabay
Und mit dem urkölschen „Kackleed“ haben sich auch die Bläck Fööss des Themas angenommen. Ihr „Kackleed“ erschien 1985 auf dem Album Schöne Bescherung. Wie passend! Nicht jeder im organisierten Karneval fand das lustig: Einigen Literaten war das Stück schlicht zu derb und sie forderten die Band auf, dieses Leid nicht auf den Bühnen zu spielen. Aber sie hatten die Rechnung ohne die Fööss gemacht, denn die dachten sich: „Jetzt erst recht!“ und spielten es trotzdem. In dem Text lautet es:
„Loss m′r ens e Leedche vum Kacke singe
kacke es e herrlich Dinge
…
Kacke müsse och de Nonne
Buure kacke en de Tonne
die Knächte un die Mägde
die kacken en d’r Stall
Kinder dat sin Pute, die kacken üvverall.“
Frank sucht sich die „Höll“ aus
Unser nächstes Begriff war auf Seite 385 zu finden, es geht um ein Wort mit „H“. Frank hat sich auf dieser Seite „Höll“ ausgesucht. Klar – gemeint ist die „Hölle“. Aber wie so oft geht es beim Wrede mit der Erklärung weit über den eigentlichen Begriff hinaus:
Höll: Hölle, gemeingermanisches Wort, mhd. helle, ahd. hell(i)a, altsächsisch hellja, afries. helle, engl. hell; altkölsch hell; zugrunde liegt bergen, vgl. auch hehlen.
„an keine Himmel un kein Höll jläuve“. … Et kütt keiner en de Höll, dä se nit verdeent hät. Wer an der Höll wont, muß sich mem Düvel fründ halde.
Besonders schön ist die auch im Wrede aufgeführte Redewendung: „Du bes esu schläch, dat dich nit ens die Höll maach.“ Und das ist dann Wohl der Gipfel einer jeden Beleidung.
Der „Strunzer“ ist ein Angeber
Unser nächstes Wort findet sich auf Seite 944, beginnt mit „S“ und ist die kölsche Beschreibung eines Angebers: Strunzer. Dieses Wort kommt von „strunzen“, was der Wrede wie folgt beschreibt:
Auf etwas pochen, prahlen, großtun, großspecherisch übertreiben Wat dä Minsch widder strunz.
Unsere persönlichen Lieblingsworte
Zum Schluss wollten wir wissen: Was sind unsere persönlichen Lieblingsworte.
„Fickfacktätche“ vom Frank
Frank machet den Anfang und nannte das völlig unbekannte Wort „Fickfacktätche“. Und zur großen Verwunderung mussten wir feststellen: JA – dieses Wort gibt es tatsächlich. Im Wrede steht dazu
Hat garantiert nicht so viele Striche auf seinem Deckel: Der „Schroppsüffer“, Bild: Uli Kievernagel
Schroppsüffer – ne janz fiese Möpp!
Ulis Lieblingswort ist ein Schimpfwort und es steht nicht im Wrede! Es handelt sich um „Schroppsüffer“. Jeder kennt so einen: Erst bei jeder Runde mittrinken, aber wenn man selber dran ist, mal einen auszugeben, ganz klammheimlich verschwinden. Dat mäht man nit! Stellen wir uns vor: Yannik, Frank und Uli gehen gemeinsam ein Kölsch trinken. Yannik bezahlt die erste Runde, Frank die zweite. Nun wäre Uli an der Reihe. Doch plötzlich fällt ihm ein, dass er dringend nach Hause muss. Zwei Kölsch auf Kosten der anderen getrunken – und verschwunden, sobald die eigene Runde fällig wird. Dat is ene Schroppsüffer. Und so etwas gehört sich selbstverständlich nicht.
Das Wort gehört zu den herrlichen kölschen Ausdrücken, für die man im Hochdeutschen erst einmal einen ganzen Satz braucht. Im Kölschen reicht ein einziges Wort – und jeder weiß Bescheid. Denn eines konnte die kölsche Sprache schon immer besonders gut: menschliche Schwächen ziemlich präzise und schonungslos auf den Punkt bringen.
Kölsch ist mehr als Folklore
Bei allem Spaß steckt hinter dem Tag der kölschen Sprache aber auch ein ernstes Thema. Dialekte verändern sich. Wörter verschwinden. Begriffe, die für unsere Großeltern noch selbstverständlich waren, kennt eine Generation später vielleicht niemand mehr. Und in Köln sprechen die wenigsten Kinder Kölsch oder verstehen es.
Das kann man beklagen – oder etwa dagegen tun, dass die kölsche Sprache nicht verloren geht. Ganz einfach:
Indem man sie spricht.
Indem man kölsche Musik hört.
Indem man alte Wörter weitergibt.
Und vielleicht auch, indem man gelegentlich den Wrede aus dem Regal zieht und einfach irgendwo aufschlägt.
Es wäre zu schade, wenn Kölsch tatsächlich aussterben sollte. Hinter vielen Begriffen unsere Sprache stecken Geschichten über die Menschen dieser Stadt, ihren Alltag, ihre Arbeit, ihre Eigenarten und ihren Humor. Wer sich mit der Sprache beschäftigt, lernt deshalb immer auch etwas über Köln.
Und manchmal lernt man eben auch, dass ein Papierdrachen ein Pattevugel sein kann, dass eine Kühmbrezel nichts mit Gebäck zu tun hat und dass man tunlichst kein Schroppsüffer sein sollte. Und deshalb gilt nicht nur am Tag der kölschen Sprache:
Sprecht die kölsch Sprache, trinkt Kölsch und lebt die kölsche Lebensart.
Deutz um 1900 mit der geöffneten Schiffbrücke und dem Bahnhof Schiffbrücke am Deutzer Rheinufer, Bild: Wilhelm Scheiner, Public domain, via Wikimedia Commons
Im Kölner Lokal-Anzeiger war es am 1. April 1888 nur eine Meldung auf Seite drei unter „Locales“, für das stolze, eigenständige Deutz aber das Ende der Eigenständigkeit: Nach mehr als 1.500 Jahren wird Deutz nach Köln eingemeindet und hört auf, als eigenständiger Ort zu existieren.
Die Eingemeindung vieler bis 1888 eigenständiger Gemeinden nach Köln als Meldung auf Seite 3 unter „Locales“ im Kölner Local-Anzeiger vom 1. April 1888
Die Eingemeindung betraf aber nicht nur Deutz, sondern viele weitere bis dahin eigenständige Gemeinden. Unter anderem Ehrenfeld, Müngersdorf, Nippes oder auch das rechtsrheinische Poll.
Doch die Deutzer hatten etwas besser verhandelt: So wurde der Bürgermeister von Deutz Beigeordneter in Köln, das Standesamt verblieb im Deutzer Rathaus, und es gab Geld für verschiedene Baumaßnahmen. Trotzdem war es für die traditionell freiheitsliebenden, stolzen Deutzer schwer zu verkraften: Ab diesem Tag war das wirtschaftlich prosperierende Deutz nur noch ein Stadtteil von Köln.
Modell des Kastells Divitia, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Keimzelle: Das römische „Kastell Divitia“
Begonnen hatte alles um das Jahr 308 n. Chr. herum: Um die wichtige Colonia Claudia Ara Agrippinensium, unser heutiges Köln, vor den rechtsrheinischen Germanen zu schützen, wurde in Deutz das Kastell Divitia errichtet. Der Rhein bildete die eigentliche Grenze, das Kastell diente als Brückenkopf der Römer im „Land der Barbaren“. Geschützt wurde dadurch auch die Konstantinbrücke, die erste feste Brücke über den Rhein.
Darstellung der Konstantinbrücke aus dem Jahr 1608 mit viel künstlerischer Freiheit, so gab es z.B. keinen Turm in der Brückenmitte
Nachdem die Franken ab etwa 355 n. Chr. regelmäßig Köln angriffen, geben die Römer die Stadt im Jahr 462 n. Chr. auf. Aus dem Kastell wurde später ein fränkischer Königshof. Die genaue Entwicklung von Deutz in diesen Jahren ist unklar. Erst mit Erzbischof Heribert, der an der Stelle des Hofes im Jahr 1003 ein Benediktinerkloster gründete, nahm die Entwicklung von Deutz wieder Fahrt auf. Im Jahr 1230 wurde Deutz zur Stadt erhoben.
Deutz im Machtkampf zwischen Köln und den Grafen von Berg
Und genau diese Stadt Deutz stand im Zentrum der Machtkämpfe zweier Rivalen: Auf der linksrheinischen Seite die Freie Reichsstadt Köln, auf der rechtsrheinischen Seite die Grafen von Berg.
Mehrfach wurde Deutz überfallen, geplündert, gebrandschatzt. Der Ort verlor die Stadtrechte und wurde zu einer „Vrijheit“1Eine Art „Stadtrechte light“. herabgestuft. Im Jahr 1538 verbrannten durch eine Brandstiftung große Teile von Deutz. Im sogenannten „Kölner Krieg“ 1583 zerstörten marodierende Truppen die Ortschaft sogar nahezu vollständig.
Gleichzeitig wurde der rechtsrheinische Ort zur Zuflucht für die 1424 aus dem linksrheinischen Köln vertriebenen Juden, später auch für die im „Hillije Kölle“ so ungeliebten Protestanten. So entwickelte sich Deutz und wurde liberaler, freier, aufgeschlossener und fremdenfreundlicher als das linksrheinische Köln und erlebte so nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618 – 1648) einen Wirtschaftsaufschwung.
Das Kürassier-Denkmal „Lanzenreiter“ an der Deutzer Rheinpromnenade erinnert an die Preußische Garnison in Deutz, Bild: Raimond Spekking
Die Preußen verändern Deutz massiv
Mit der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1814/15 änderte sich für Köln und Deutz fast alles: Die Preußen erschufen aus Köln die „Festung Cöln“. Auch rechtsrheinisch wehte ein neuer, stark militärisch geprägter Wind. In Deutz entstand die große Dragoner Kaserne, der größte Teil der Deutzer Bevölkerung bestand aus Soldaten oder Mitarbeitern der Militärverwaltung.
Die Deutzer Schiffbrücke um 1900, Bild: US- Library of Congress
Gleichzeitig stieg die Bedeutung von Deutz als Verkehrsknotenpunkt. Die Deutzer Schiffbrücke, errichtet 1822, war die erste Kölner Brücke nach der Konstantinbrücke. Vorher mussten sich die Kölner etwa 900 Jahre mit Fähren behelfen, um die Rheinseiten zu wechseln.
Deutz wird bedeutender Industriestandort und Eisenbahnknotenpunkt
In Köln entwickelte Nicolaus August Otto einen neuartigen Motor – eine Erfindung, die die Welt und auch Deutz grundlegend verändern sollte. Zusammen mit Eugen Langen gründete er die Motorenfabrik „N.A. Otto & Cie“. Doch der Platz in der Servasgasse, fast noch im Schatten des Doms, reichte nicht aus. Ein neues Werksgelände entstand in Deutz. Ähnlich ging es der ursprünglich am Kartäuserwall befindlichen Seilerei Felten & Guilleaume2Von den Kölnern gerne als „faul & gemütlich“ bezeichnet., die genau wie auch die Chemische Fabrik Kalk im Rechtsrheinischen weitläufige Produktionsstätten errichtete.
Um die neuen Industriegebiete zu erschließen und dem stetig wachsenden Bedarf nach Mobiltät gerecht zu werden, konkurrierten mit der „Bergisch Märkischen Eisenbahn“ (BME) und der „Cöln- Mindener-Eisenbahn“ (CME) zwei Eisenbahngesellschaften, wobei jede ihr eigenes, exklusives Schienennetz betrieb. So entstanden zwei große Kopfbahnhöfe und zwei kleinere Bahnhöfe in Deutz – viele Eisenbahnstrecken durchzogen den Stadtteil und schnitten Deutz vom Rheinufer ab.
Der Bahnhof Schiffbrücke direkt am Deutzer Rheinufer, vorne das Stammhaus der Brauerei Sünner an der Deutzer Freiheit, Bild: Wilhelm Scheiner, Public domain, via Wikimedia Commons
Deutzer Eisenbahnjammer
Diese Entwicklung machte aus dem zuvor beschaulichen Örtchen ohne Rücksicht auf Verluste einen Industriestandort. Insbesondere die Tatsache, dass das Rheinufer durch Bahndämme Deutz faktisch vom Fluss abschnitt, erzürnte die Deutzer und führte zum „Deutzer Eisenbahnjammer“:
Der „Deutzer Eisenbahnjammer“ in der Kölnischen Zeitung vom 23. April 1899
Der Autor beklagte:
„Was ist aus unserm schönen Deutz geworden! Einst ein blühendes Städtchen am Rheinufer … Kein Ort am ganzen Rheinstrom vermochte den malerischen Zauber, die behagliche Geselligkeit darzubieten … uns arme Deutzer hat man durch einen garstigen Eisenbahndamm vom Rheine abgetrennt. … Tempi passati…“
Gleichzeitig entwickelte sich Deutz zum Amüsierviertel, denn die bis zur Eingemeindung dort eingeräumten Freiheiten führten auch dazu, dass sich insbesondere auf der Prachtstraße Deutzer Freiheit zahllose Gaststätten, Glücksspielbetriebe, Tanzlokale und – für die katholisch geprägten linksrheinischen Kölner unerhört – „Lusthäuser“ ansiedelten.
Rege Bautätigkeit
Schnell entstanden wichtige Infrastrukturprojekte wie der Deutzer Hafen (1907), der Deutzer Bahnhof (1913) und die Messehallen (1923), welche zur „Pressa – Internationalen Presseausstellung“ (1928) massiv ausgebaut werden.
Die Nationalsozialisten hatten ganz besondere Pläne für Deutz. Dort sollte ein riesiges „Gauforum“ mit gigantischen Parteibauten und einem großem Aufmarschgelände entstehen. Dafür wäre Deutz nahezu verschwunden. Gut, dass diese Spinnereien nie verwirklicht wurden.
Die Kriegsfolgen waren auch in Deutz verheerend. Hier traf es das rechtsrheinische Köln genau so heftig wie den linksrheinischen Innenstadtbereich. Mit dem Wiederaufbau bekam auch die Entwicklung von Deutz wieder positive Impulse. Die Brücken wurden wieder instandgesetzt, bereits 1947 fanden wieder erste Ausstellungen und Messen statt, bis 1950 standen bereits 52.000 Quadratmeter Hallenfläche wieder zur Verfügung.
Deutz wird Sitz des LVR und der Lufthansa
Mit der umstrittenen Ansiedlung der Hauptverwaltung des Landschaftsverbandes Rheinlandes in Köln3Der Sitz auch der Vorgängerinstitutionen war traditionell in Düsseldorf. Ende der 1950er Jahre nahm Deutz weiter Schwung auf. Die Ford-Werke richteten mitten in Deutz im sogenannten „Ford-Hochhaus“ zahlreiche Großraumbüros ein. Auch die Lufthansa hatte von 1970 bis 2007 im Lufthansa-Hochhaus, heute Lanxess Tower, direkt am Rhein ihren Hauptsitz. Im Deutzer Rheinpark fanden 1957 und 1971 jeweils eine Bundesgartenschau statt.
Prachtstück in Deutz: Der Rheinboulevard, Bild: Raimond Spekking
„Boomtown Deutz“: Düx kütt üvver Kölle
1998 wurde die Kölnarena eröffnet, zeitgleich mit dem „Technischen Rathaus“ der Stadt. Die alten Messehallen wurden im Jahr 2010 neue Heimat des Fernsehsenders RTL und Versicherers HDI. Neue ICE-Gleise im Deutzer Bahnhof ermöglichen Hochgeschwindigkeitsfahrten. So ist der Frankfurter Flughafen von Deutz aus in nur 48 Minuten zu erreichen.
Fazit: Deutz hat eine erfolgreiche Entwicklung genommen. Zwar nennen die Kölner Deutz immer noch spöttisch „Schäl Sick“ – doch mittlerweile ist das schon anerkennend gemeint. Und wenn schon die kölschen Lokalheiligen, die Bläck Fööss, der Schäl Sick huldigen, dann hat Deutz alles erreicht:
Hey Kölle, pass op! Jetz ändert sich die Zick. Düx kütt üvver Kölle, jetz es et bal su wick.4 „Schal Sick“, Bläck Fööss
Der Autor und Stadtführer Michael Kriegel hat sein Herz an Deutz verloren, seit er Mitte der 1970er Jahre auf der „Schäl Sick“ studiert hat. Und diese Liebe hat er in dem lesenswerten Buch „Deutz – vom Römischen Kastell zur Köln-Arena“ (Emons Verlag, 12 Euro) verewigt.
Der 4. Kölner Podcast-Tag in Deutz: Ein Veedel, viele kölsche Stimmen
Was passiert, wenn sich ganz unterschiedliche Kölner Podcasts ein gemeinsames Thema vornehmen? Dann kommen jede Menge Geschichten zusammen – erzählt aus ganz verschiedenen Blickwinkeln.
Genau das ist die Idee des Kölner Podcast-Tags. 2023 führte die erste gemeinsame Reise über den Eigelstein, 2024 ging es ins Severinsveedel und 2025 drehte sich alles um die Aachener Straße.
Und wer jetzt genau hinschaut, stellt fest: Das war bisher alles linksrheinisch. Damit ist jetzt Schluss – der 4. Kölner Podcast-Tag geht endlich auch auf die Schäl Sick!
Diesmal dreht sich alles um Deutz. Und wie immer gilt: Jeder Podcast bringt seinen ganz eigenen Blick auf das gemeinsame Thema mit. So entsteht kein klassischer Stadtführer, sondern ein buntes akustisches Mosaik aus Geschichte, Musik, Menschen, Braukultur und kölschen Geschichten.
So geht es unter anderem um die Geschichte von Deutz, die Deutzer Werft, den Lommerzheim, Sünner-Kölsch, Kölnarena und Tanzbrunnen, einen echten Kölner Pizzamord und natürlich um die Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke. Und ein paar Themen sind noch in Arbeit.
Mit dabei sind „Eine Geschichte der Stadt Köln“, „Zweimal 0,2“, „Flöck Jefunk“, „True Crime Köln“, „Zäng ussenander“, „Mission Colonia“, Radio Altstadtwelle gemeinsam mit Bömmel von den Bläck Fööss, Joachim Oepen vom Historischen Archiv des Erzbistums Köln sowie das „Köln-Ding der Woche“.
Das Besondere: Die Beiträge werden an einem Abend live vor Publikum aufgezeichnet. Frank und Uli vom „Köln-Ding der Woche“ führen durch den Abend.
Die Live-Aufzeichnung findet am Freitag, 30. Oktober 2026, ab 20 Uhr im Bürgerzentrum Deutz, Tempelstraße 41–43, statt. Publikum ist HERZLICH WILLKOMMEN, der Eintritt ist FREI.
Und anschließend heißt es wieder: Alle gleichzeitig! Sämtliche beteiligten Podcasts veröffentlichen ihre Beiträge gemeinsam am 20. November 2026 um 19.11 Uhr.
Nach Eigelstein, Severinsveedel und Aachener Straße wird also endlich der Rhein überquert.
Neun Podcasts, ein Veedel, jede Menge Geschichten –
mer jonn op die Schäl Sick!
Stolperstein für Max Zienow in der Virchowstraße 3, Lindenthal. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Wer heute durch die Virchowstraße in Köln-Lindenthal geht, kann vor dem Haus Nummer 1–3 auf ein kleines Denkmal im Bürgersteig stoßen. Wie Tausende andere Stolpersteine erinnert auch dieser an einen Menschen, der von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde. Auf der Messingplatte steht der Name Max Zienow.
Zienow war Kölner Bauingenieur, Familienvater und überzeugter Katholik. Er gehörte keiner Widerstandsgruppe an, verteilte keine Flugblätter und plante keine Anschläge. Sein Widerstand bestand darin, dass er seine Überzeugung nicht verbarg. Er widersprach der nationalsozialistischen Ideologie, pflegte weiterhin Kontakte zu jüdischen Mitbürgern und sagte offen, was er dachte.
Dafür wurde er denunziert, verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 9. Oktober 1944 wurde Max Zienow im Alter von 53 Jahren im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Von Münster nach Köln
Geboren wurde Max Bernhard Friedrich Ernst Zienow am 12. März 1891 in Saerbeck im Münsterland. Noch vor seiner Einschulung zog die Familie nach Münster. Dort besuchte Zienow zunächst die Volksschule und anschließend das Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er Architektur an der Ingenieurschule in Münster. Während des Ersten Weltkriegs war er als Soldat in Frankreich.
Nach Kriegsende führte ihn sein Weg nach Köln. Die Stadt wurde zu seinem Lebensmittelpunkt. Hier lernte er Maria Berta Teuber kennen. Am 20. März 1920 heiratete das Paar in St. Agnes. Zunächst lebte die junge Familie in Sülz. 1921 wurde die Tochter Maria Augusta Elisabeth geboren.
Auch beruflich war Zienow eng mit Köln verbunden. Als Bauingenieur arbeitete er für die Stadt. Zu seinen Aufgaben gehörte der Bau der Volksschule an der Kyllburger Straße in Sülz, die 1923 fertiggestellt wurde.
Glaube und Nationalsozialismus
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 änderte sich auch in Köln das gesellschaftliche Klima grundlegend. Für Max Zienow war die nationalsozialistische Weltanschauung nicht mit seinem christlichen Glauben vereinbar. Und er machte aus dieser Haltung offenbar keinen Hehl.
Dabei war Zienow nach den überlieferten Informationen kein Mitglied einer organisierten Widerstandsgruppe. Er gehörte keiner politischen Widerstandsorganisation an und scheint auch sonst nicht gezielt nach Möglichkeiten gesucht zu haben, gegen das Regime vorzugehen. Sein Verhalten entsprang vielmehr einer persönlichen, christlich geprägten, Haltung.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus bestand nicht ausschließlich aus organisierten Gruppen, geheimen Treffen oder spektakulären Aktionen. Dieser Widerstand konnte auch darin bestehen, sich der geforderten Ausgrenzung zu verweigern, Kontakte eben nicht abzubrechen und in Gesprächen nicht das zu sagen, was das totalitäre Regime hören wollte.
Ein erhaltenes Fotoalbum der Familie zeigt Max Zienow mit einem jüdischen Nachbarn, der später ins Exil ging. Auch andere Erinnerungen berichten davon, dass die Familie ihre Kontakte zu jüdischen Freunden und Nachbarn nicht aufgab, als solche Beziehungen von den Nationalsozialisten unerwünscht waren und zunehmend gefährlich wurden.
Für Zienow scheint dies keine demonstrative politische Aktion gewesen zu sein. Er behandelte Menschen weiterhin so, wie es seinem eigenen Verständnis von Anstand und christlichem Glauben entsprach.
Razzia an Nikolaus 1943
Ende der 1930er zog die Familie zunächst nach Ehrenfeld, später nach Lindenthal. Die Zienows lebten in der Virchowstraße 1–3. Dort sollte Max Zienow im Dezember 1943 verhaftet werden.
Aus Erinnerungen von Angehörigen und Zeitzeugen ergibt sich das Bild eines Mannes, der nur schwer schweigen konnte, wenn etwas seiner Überzeugung widersprach. Warnungen, vorsichtiger zu sein, soll er nicht befolgt haben. Überliefert ist auch, Zienow habe in seinem Büro Adolf Hitler als „Schwein“ bezeichnet. Wer ihn daraufhin denunzierte, ist nicht bekannt. Ebenso lässt sich heute nicht mehr sicher feststellen, welches Motiv hinter der Anzeige stand.
Fest steht: Am 6. Dezember 1943 kamen Nationalsozialisten in die Wohnung der Familie in der Virchowstraße. Die Räume wurden durchsucht, Schränke geöffnet. Belastendes Material wurde offenbar nicht gefunden. Trotzdem nahmen die Männer Max Zienow mit. Damit begann sein Weg durch das nationalsozialistische System von Haft, Justiz und Terror. Dieser Weg begann mitten in Köln – im Klingelpütz.
Zienow wurde, wie viele politische Gefangene und andere vom Regime Verfolgte im „Klingelpütz“ inhaftiert. Die Haftbedingungen waren hart, die Anstalt überfüllt.
Später wurde er in das Zuchthaus Siegburg verlegt, anschließend nach Berlin gebracht und dort vor den Volksgerichtshof gestellt. Dieses Gericht war eines der zentralen Instrumente der nationalsozialistischen Terrorjustiz. Unter seinem Präsidenten Roland Freisler wurden insbesondere politische Verfahren geführt, bei denen Todesurteile keine Ausnahme waren.
Roland Freisler – ein Täter in Richterrobe
Dem Kölner Max Zienow saß mit Roland Freisler einer der berüchtigtsten Vertreter der nationalsozialistischen Terrorjustiz gegenüber. Seit 1942 war Freisler Präsident des Volksgerichtshofs und machte das Gericht zu einem Instrument der Einschüchterung und Vernichtung politischer Gegner. Unter seiner Präsidentschaft wurden Tausende Todesurteile gefällt.
Roland Freisler (Mitte) bei einer Sitzungseröffnung während des Prozesses gegen die Mitglieder des Kreisauer Kreises und dessen Umfeld nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, Bild: Bundesarchiv, Bild 151-39-23 / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Besonders berüchtigt war Freisler für die Art, wie er Angeklagte behandelte: Er schrie sie nieder, verhöhnte und beleidigte sie und nahm ihnen immer wieder die Möglichkeit, sich überhaupt angemessen zu verteidigen. Die erhaltenen Filmaufnahmen aus Prozessen gegen Beteiligte des Widerstands vom 20. Juli 1944 vermitteln bis heute einen Eindruck von seiner menschenverachtenden Prozessführung.
Freisler verkörperte damit auf besonders erschreckende Weise eine Justiz, die nicht mehr Recht sprechen, sondern Menschen im Sinne der nationalsozialistischen Diktatur vernichten sollte. Am 3. Februar 1945 kam Freisler bei einem amerikanischen Luftangriff auf Berlin ums Leben.
„Zu schade für eine deutsche Kugel“
Max Zienow wurde von dem menschenverachtenden Freisler zum Tode verurteilt. Nach der Erinnerung seiner Familie soll Freisler ihm dabei zugerufen haben, er sei „zu schade für eine deutsche Kugel“.
Freisler warf Max Zienow vor, sich im September 1943 „zersetzend geäußert“ zu haben. Er wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ nach § 5 der Kriegssonderstrafrechtsverordnung angeklagt. Das Urteil lautete auf Tod. Nach der Verurteilung wurde Max Zienow in das Zuchthaus Brandenburg-Görden gebracht. Die Haftanstalt war nach Berlin-Plötzensee eine der bedeutendsten Hinrichtungsstätten des nationalsozialistischen Staates. Gegner des Regimes wurden dort inhaftiert und getötet.
Am 9. Oktober 1944 wurde Max Zienow hingerichtet. Er wurde nur 53 Jahre alt. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht vollständig geklärt. Hinrichtungen in Brandenburg-Görden wurden üblicherweise mit dem Fallbeil vollzogen. Nach der Erinnerung seiner Familie wurde Zienow jedoch erhängt. Anschließend wurde sein Leichnam eingeäschert.
Lageplan des „Alten Friedhofs“ in Weiden (Gartenweg, 50859 Köln). Max Zienow wurde in dem Bereich des Friedhofs beigesetzt, der mit „Kriegsgräber“ bezeichnet ist. Bild: Stadt Köln
Der katholische Pfarrer Albrecht Jochmann, der zeitweise im Zuchthaus Brandenburg-Görden tätig war, schickte die Urne an Zienows Witwe. Nach Kriegsende lebte sie mit ihrer Tochter in einer kleinen Dachkammer in Köln-Weiden. Dort wurde die Urne auf dem Ehrenfriedhofsteil des Weidener Friedhofs beigesetzt.
75 Jahre nach seinem Tod wird der Stolperstein verlegt
Lange blieb Max Zienow außerhalb eines kleinen persönlichen Umfelds weitgehend unbekannt. Er gehörte nicht zu den bekannten Köpfen des Widerstands. Er war ein städtischer Angestellter, ein Bauingenieur und Familienvater – ein ganz normaler Mann in einer nicht normalen Zeit. Aber er war ein Mann, der seine Überzeugungen nicht verleugnete.
Sein Schicksal zeigt zugleich, wie wenig es im nationalsozialistischen Deutschland brauchte, um in die Maschinerie der Verfolgung zu geraten. Eine Äußerung, eine Denunziation und die Weigerung, sich vollständig anzupassen, konnten genügen.
Das Wohnhaus von Max Zienow in der Virchowstraße 3. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
75 Jahre nach seinem Tod kehrte sein Name sichtbar in das Kölner Stadtbild zurück. Am 26. September 2019 wurde vor dem früheren Wohnhaus der Familie in der Virchowstraße 1–3 in Lindenthal ein Stolperstein für Max Zienow verlegt.
So gibt es eine Erinnerung an einen aufrechten Mann in tiefbrauner Zeit.
„Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“, Herausgegeber: Helmut Moll
Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts
Max Zienow wird auch im zweibändigen Werk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts‘“ aufgeführt. Das deutsche Martyrologium sammelt die Biografien katholischer Christen im 20. Jahrhundert, die um ihres Glaubens willen einen gewaltsamen Tod erlitten. Es handelt sich um widerständige Personen aus den Verfolgungen des Nationalsozialismus, des Kommunismus und der Missionsgebiete.
Die größte Gruppe bilden die Männer und Frauen aus der Gegnerschaft zur NS-Ideologie. Die Personen stammten aus allen Regionen des Deutschen Reiches, waren Priester und Laien, Junge und Alte aus verschiedensten Berufen und Aufgaben. Mehr als 170 Fachleute aus dem In- und Ausland haben die etwa 1000 Lebensbilder gesammelt und mit einem Werk-, Quellen- und Literaturverzeichnis und, soweit möglich, einem Porträtfoto, versehen.
Zeugen für Christus: Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts
Herausgegeben von Helmut Moll ISBN 978-3-506-79130-6
99 Euro Bezug über den Verlag Schöningh
Der „Ruhende Verkehr“ von Wolf Vostell auf dem Hohenzollernring, Bild: VollwertBIT / CC BY-SA
„Autogerechte Städte“ waren Anfang der 1960er Jahre das Maß aller Dinge. Die Stadtarchitektur vieler deutschen Städte war vollständig an den Interessen des motorisierten Individualverkehrs orientiert. Ein wesentlicher Wegbereiter dieser Idee war der Architekt Hans Bernhard Reichow, der 1959 das Buch „Die autogerechte Stadt – Ein Weg aus dem Verkehrs-Chaos“ veröffentlicht hat.
Man kann also sagen, dass Reichow auch ein Teil der Verantwortung dafür trägt, dass die Stadtplanung unserer Stadt maßgeblich an den Bedürfnissen der Autofahrer ausgerichtet ist. Ein berüchtigtes Beispiel dafür ist der Bau der Nord-Süd-Fahrt, welche nach zehnjähriger Bauzeit 1974 fertiggestellt wurde.
Der ruhende Verkehr nervt
In Köln sind etwa 550.000 Kraftfahrzeuge zugelassen, darunter etwa 496.000 PKW 1zusätzlich noch etwa 50.000 LKW und 44.000 Motorräder, Quelle: Stadt Köln. Und diese vielen Autos müssen auch irgendwo abgestellt werden. In der Fachsprache ist das der „ruhende Verkehr“. Und dieser ruhende Verkehr nervt:
Alles ist zugeparkt, Gehwege werden zu Schneisen zwischen den Autos, Fahrradfahrer zu Slalom-Fahrern.
Die Feuerwehr hat regelmäßig Probleme, an im Parkverbot geparkten Autos vorbeizukommen.
Und wenn man selber Teil des ruhenden Verkehrs werden will, dreht man ewig lang seine Runden um den Block bei der Suche nach einem Parkplatz.
Alles nicht neu! Den Ärger um den „ruhenden Verkehr“ gibt es bereits seit Ewigkeiten.
Ein einbetonierter Opel Kapitän
Den kreativsten Umgang damit zeigte der Künstler Wolf Vostell (* 14. Oktober 1932, † 3. April 1998). Vostell war Maler, Bildhauer und Happeningkünstler. Ein wesentliches Merkmal seiner Werke war das Einbetonieren. Und so staunten die Kölner nicht schlecht, als Vostell am 4. Oktober 1969 mit seinem Opel Kapitän auf der Domstraße vorfuhr und das Auto mit laufendem Motor und angeschaltetem Radio einbetonierte.
Einen solchen Opel Kapitän (Modell P 2,6 / Baujahr 1960) betonierte Vostell ein, Bild: Guido Radig / CC BY
Ein großer Betonmischer kippte tonnenweise Frischbeton in die vorbereite Verschalung über das Auto. Ein Dokumentarfilm zeigt diese Aktion und auch die Aufregung der Passanten.
Ein Mann, mit hörbar kölschen Einschlag in der Stimme, meint in dem Film dazu:
„Ich würde sagen, grober Unfug ist noch zu glimpflich ausgedrückt. Stell dir vor, das würde jeder machen, der ein paar Mark in der Tasche hat … wie es in einem Jahr in Köln aussähe.“
Vostell hatte sein Ziel erreicht: Der „Ruhende Verkehr“, so der Name des Kunstwerks, war mit einem Schlag mitten in der Diskussion.
Doch der Künstler hatte die Rechnung ohne die Stadt Köln gemacht. Die zweckentfremdete Nutzung von Parkraum wurde von Ordnungsamt geahndet und das tonnenschwere Kunstwerk nach etwa drei Wochen in der Domstraße auf den Neumarkt verfrachtet. Dort sollte ein (nie realisierter) Skulpturenpark aufgebaut werden. Doch die Reise des einbetonierten Autos war noch lange nicht vorbei. Der Betonklotz, der rudimentär die ursprünglichen Form des einbetonierten Autos zeigt, wurde in Paris und in Berlin ausgestellt.
Mittelstreifen statt regulärer Parkplatz
Mittlerweile steht der „Ruhende Verkehr“ auf dem Mittelstreifen des Hohenzollernrings. Ein äußerst schlechter Platz, denn Vostell wollte ausdrücklich einen Parkplatz besetzen. „Das eingefrorene Auto“, so Vostell, „mitten zwischen anderen, noch verkehrstüchtigen Autos.“. Doch jetzt umflutet der Verkehr den Betonklotz.
Aber im März 2022 ist Bewegung in diese Diskussion gekommen. Die Bezirksvertretung Innenstadt hat auf Initiative der Grünen-Fraktion beschlossen, die Plastik auf einen Parkplatz unweit des aktuellen Standorts zu versetzen. Genau, wie Vostell es mit dem „Ruhenden Verkehr“ ausdrücken wollte. Doch seit Dezember 2023 ist klar, dass das Kunstwerk an seinem Standort mitten auf den Ringen verbleiben wird: Der geplante Parkplatz auf der Hahnstraße sei schlicht zu schmal.
Ävver mer sin in Kölle. Also mal abwarten …
Vostell Plastik „Concrete Traffic“ in einem Parkhaus der Universität Chicago, Bild: University of Chicago
Besser platziert ist die Vostell-Plastik „Concrete Traffic“ auf dem Campus der University of Chicago. Ein einbetonierter Cadillac steht dort seit 2016 auf einer regulären Parkfläche in einem öffentlichen Parkhaus.
Hommage „Ruhender Verkehr“ (Wolf Vostell), eine einbetonierte Mercedes A-Klasse von Cornel Wachter, Bild: Leonce49 / CC BY-SA 2.0
Der Kölner Künstler Cornel Wachter betonierte – als Hommage an Vostell – 2007 seine Mercedes A-Klasse ein. Dieses Werk steht heute vor dem Rheinischen Landesmuseum in Bonn.
Der Fühlinger See im Kölner Norden. In der Mitte ist die 1978 eingeweihte Regattastrecke zu erkennen. Aber ist das tatsächlich Moselwasser im See? Bild: El Grafo / CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons
Wer im Sommer in den Fühlinger See springt, landet angeblich nicht nur im Grundwasser, sondern auch ein bisschen in der Mosel. Denn seit langer Zeit hält sich eine seltsame Geschichte: Ein Teil des Wassers im Fühlinger See soll ursprünglich aus der Mosel stammen.
Klingt nach kölschem Verzäll. Ganz so einfach lässt sich die Sache allerdings nicht abtun. Denn die Geschichte ist alt – sehr alt. Schon im August 1935 berichtete „Der Neue Tag“1Der Neue Tag, Tageszeitung für Köln-Stadt und Land, Nr. 215 vom 8. August 1935über Moselwasser im Fühlinger See. Doch was an dieser Geschichte stimmt tatsächlich? Dafür lohnt ein Blick in die Geschichte des Fühlinger Sees.
Erst kam der Kies, dann der See
Der Fühlinger See ist kein natürlich entstandener See. Seine Geschichte beginnt mit dem Kiesabbau in der Fühlinger Heide. Hier wurde seit 1912 gebaggert. Das Material wurde unter anderem beim Bau von Eisenbahnstrecken benötigt. Mit den Jahren entstanden immer größere Gruben. Dabei stießen die Bagger auf Grundwasser, die Gruben liefen voll und aus der Industrielandschaft wurde ganz nebenbei eine Seenlandschaft.
Das heutige Bild des Fühlinger Sees entstand allerdings erst wesentlich später. Ab Ende der 1960er-Jahre wurden die ehemaligen Kiesgruben zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet. Mehrere Teilseen wurden miteinander verbunden, außerdem entstand die große Regattabahn. 1978 wurde die Anlage eröffnet. Gebadet wurde in Fühlingen aber schon Jahrzehnte vorher. Und genau aus dieser Zeit stammt der bemerkenswerte Zeitungsartikel.
„Der Neue Tag“ vom 8. August 1935 berichtete über Moselwasser im Fühlinger See
Ein „Naturkuriosum“ im Kölner Norden – gefüllt mit Wasser aus Mosel?
Am 8. August 1935 widmete die Zeitung „Der Neue Tag“ dem Fühlinger See einen ausführlichen Beitrag. Schon die Überschrift macht neugierig: „Fühlinger See – ein Naturkuriosum“. Der Autor beschreibt den See als beliebtes Ziel für Erholungssuchende. Besonders fasziniert scheint er aber von der Herkunft des Wassers gewesen zu sein.
Nach „gewässerkundlichen Feststellungen“, so heißt es in dem Artikel, sei die Wasserzusammensetzung des Sees ein Kuriosum. Dann folgt die überraschende Behauptung: Der Fühlinger See sei „in seinen Hauptbestandteilen“ mit Moselwasser gefüllt. Diese Aussage macht stutzig: Moselwasser? Mitten im Kölner Norden? Der Zeitungsautor liefert dafür auch eine Erklärung. Und diese Erklärung hängt mit der linken Rheinseite zusammen.
Am „Deutschen Eck“ in Koblenz mündet die Mosel in den Rhein – von der linken Seite kommmend! Bild: Holger Weinandt, CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons
Das Moselwasser mündet in den Rhein – auf der linken Seite!
Im „Deutschen Eck“ in Koblenz mündet die Mosel in den Rhein – auf der linken Rheinseite. Das wird später noch wichtig! Allerdings vermischen sich die Wassermassen zweier Flüsse nach einer Mündung nicht schlagartig vollständig miteinander.
Der Artikel von 1935 geht davon aus, dass das Moselwasser nach Koblenz zunächst vor allem auf der linken Rheinseite weiter Richtung Norden fließt. Der Autor verwendet dafür sogar den Begriff „Rhein-Mosel-Wasser“. Und der Fühlinger See liegt ebenfalls linksrheinisch und gerade einmal knappe zwei Kilometer vom Rhein entfernt.
Einen Bach, der den Fühlinger See speist, gibt es nicht. Das Wasser gelangt über das Grundwasser in die ehemaligen Kiesgruben. Und dieses Grundwasser steht mit dem Rhein in Verbindung. Dieser Teil der „Moselwasser-im Fühlinger-See“-Geschichte lässt sich auch heute noch nachvollziehen.
Aber ist wirklich Moselwasser im Fühlinger See?
An dieser Stelle wird die Geschichte etwas kniffliger. Der Zeitungsartikel von 1935 beruft sich ausdrücklich auf „gewässerkundliche Feststellungen“. Wer diese Feststellungen getroffen hat, verrät der Autor jedoch nicht. Weder eine Behörde noch ein Wissenschaftler oder eine konkrete Untersuchung werden genannt. Auch Quellenangaben dazu sind nicht zu finden.
Deshalb lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, worauf die Aussage über das Moselwasser beruhte. Ganz abwegig ist die damalige Erklärung trotzdem nicht. Das Wasser der Mosel fließt von Koblenz aus tatsächlich mit dem Rhein weiter Köln.
Bis Köln sind es vom Deutschen Eck aus aber immerhin 96 Kilometer. Selbstverständlich vermischen sich die Wassermassen immer weiter. Aber wie viel Wasser von der Mosel im Fühlinger See landet, lässt sich nicht sagen. Auch der der Zeitungsartikel von 1935 bleibt hier unklar. Für die Geschichte ist das eigentlich auch gar nicht entscheidend.
Der Fühlinger See liegt etwa 2 Kilometer vom Rhein entfernt, Karte: Open Street Maps
Rhein und Fühlinger See sind miteinander verbunden
Viel interessanter ist, dass hinter dem vermeintlichen Verzällcher tatsächlich ein nachvollziehbarer Zusammenhang steckt. Der Wasserstand des Fühlinger Sees wird vom Rhein beeinflusst. Steigt oder fällt der Fluss, reagiert auch das Grundwasser und damit – zeitlich etwas versetzt – der See. Die Schwankungen des Wasserspiegels betragen bis zu zwei Meter.
Das war bereits für den Journalisten von 1935 bemerkenswert. Er beschreibt ausführlich die „geheimnisvollen Beziehungen zum Rhein“, wie es schon in der Unterzeile seines Artikels heißt. Aus heutiger Sicht sind diese Beziehungen nicht mehr ganz so geheimnisvoll. Der Fühlinger See besitzt keinen klassischen oberirdischen Zu- und Abfluss. Sein Wasseraustausch findet über das Grundwasser statt.
Damit erklärt sich auch, warum ein Baggerloch überhaupt dauerhaft zu einem See werden konnte. Die Kiesgruben schnitten den Grundwasserkörper an – und der sorgte dafür, dass Fühlingen sein Wasser bekam.
Ein beliebtes Ausflugsziel: Der „Blackfoot-Beach“ am Fühlinger See, Bild: Achim Stump, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Und wieviel Wahrheit steckt jetzt in dem Artikel?
Klar ist, dass wir den Zeitungsartikel aus dem Jahr 1935 nicht als moderne wissenschaftliche Untersuchung verstehen dürfen. Der Text erzählt vor allem, was man damals über den Fühlinger See wusste – oder zu wissen glaubte.
Ob man heute beim Baden im Fühlinmger See tatsächlich sagen kann, man schwimme in Moselwasser, ist eine andere Frage. Aber vielleicht muss man auch nicht jede schöne Kölner Geschichte bis auf den letzten Liter ausrechnen.
Beim nächsten Spaziergang um den Fühlinger See kann man sich jedenfalls vorstellen, welchen Weg ein Teil seines Wassers möglicherweise genommen hat: von der Mosel nach Koblenz, dort in den Rhein und schließlich über den Untergrund bis nach Fühlingen. Und deshalb bleiben wir lieber bei einer vorsichtigen Version der alten Geschichte:
Ein bisschen Mosel steckt vermutlich im Fühlinger See – wie viel, weiß der Rhein allein.
Das Summerjam-Festival am Fühlinger See, Bild: Emha, CC-BY-SA-3.0-DE, via Wikimedia Commons
Summerjam am Fühlinger See: Reggae zwischen Wasser und Wiesen
Wer Anfang Juli am Fühlinger See eigentlich nur eine ruhige Runde spazieren möchte, dürfte sich wundern. Wo sonst gejoggt, gerudert, gebadet und geangelt wird, stehen plötzlich Zelte auf den Wiesen. Bässe wummern über das Wasser, aus Lautsprechern kommt Reggae, es leit ein ganz besondere Geruch in der Luft2Kenner wissen, was damit gemeint ist und rund um den See herrscht für ein Wochenende Ausnahmezustand. Dann ist Summerjam.
Das Festival gehört inzwischen fast genauso zum Fühlinger See wie die Regattabahn. Seit 1996 findet das Summerjam-Festival hier statt und hat sich zu einem der bekanntesten Reggae-Festivals Europas entwickelt. Zehntausende Besucher aus Deutschland und dem Ausland kommen Jahr für Jahr in den Kölner Norden.
Dabei ist das Summerjam sogar älter als seine Kölner Heimat. Die Geschichte des Festivals begann bereits 1986. Bis 1993 wurde auf der Loreley gesspielt, 1994 und 1995 auf dem Gelände der ehemaligen britischen Royal Air Force Station Wildenrath bei Wegberg. Erst 1996 zog das Summerjam an den Fühlinger See. Dort fand man etwas, was für ein mehrtägiges Open-Air-Festival ausgesprochen praktisch ist: viel Platz, Wasser, Wiesen – und eine Insel.
Damian Marley, der jüngste Sohn von Bob Marley, beim Summerjam 2015, Bild: Emha, CC-BY-SA-3.0-DE, via Wikimedia Commons
Die Insel wird zur Festivalwelt
Das Herz des Summerjam liegt auf der großen Festivalinsel. Während des Festivals entstehen dort Bühnen, Marktstände und verschiedene Veranstaltungsbereiche. Rundherum verteilen sich Camping- und Serviceflächen. Für ein Wochenende verwandelt sich das Naherholungsgebiet damit in eine kleine Stadt auf Zeit.
Und die Kulisse ist tatsächlich ungewöhnlich. Hinter den Bühnen liegt das Wasser, Bäume säumen das Gelände, und wer zwischen zwei Konzerten ein wenig Abstand vom Trubel sucht, muss dafür nicht weit gehen. Gerade diese Mischung hat viel zum besonderen Charakter des Summerjam beigetragen. Ein Festivalgelände auf einem ehemaligen Flugplatz oder einem großen Acker gibt es häufiger. Eine Festivalinsel mitten in einer Kölner Seenlandschaft ist schon etwas spezieller.
Reggae – aber längst nicht nur Reggae
Der musikalische Kern des Festivals ist bis heute Reggae. Doch wer beim Summerjam ausschließlich an Bob-Marley-Klänge denkt, liegt inzwischen daneben. Dancehall, Hip-Hop und andere Musikrichtungen gehören längst selbstverständlich zum Programm.
Bei der 39. Ausgabe im Jahr 2026 standen rund 40 Künstler und Bands auf dem Programm. Damit ist das Summerjam weit mehr als ein Treffen für eine kleine eingeschworene Reggae-Gemeinde geworden. Trotzdem hat sich das Festival einen eigenen Charakter bewahrt. Dazu trägt sicherlich der Veranstaltungsort bei. Wasser und Wiesen gehören genauso zum Summerjam wie Bühnen und Campingplätze.
Ganz konfliktfrei funktioniert ein Festival dieser Größenordnung in einem Naherholungsgebiet natürlich nicht. Straßen werden gesperrt, Parkplätze stehen zeitweise nicht zur Verfügung und der Lärm beschäftigt auch die Menschen in den umliegenden Stadtteilen. Stadt und Veranstalter arbeiten deshalb mit Verkehrs- und Lärmschutzkonzepten.
Auch die Natur spielt eine besondere Rolle. Der Fühlinger See liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Der Veranstalter weist deshalb ausdrücklich darauf hin, Müll zu vermeiden und Campingflächen sauber zu hinterlassen.
Die Regattastrecke am Fühlinger See hat eine Gesamtlänge von mehr als 2000 Meter und ist 130 m breit, Bild: Wikimedia Commons
Regattastrecke für nationale und internationale Wettkämpfe
Die Regattastrecke auf dem Fühlinger See im Kölner Norden zählt zu den wichtigsten und modernsten Wassersportanlagen Deutschlands. Sie verfügt über eine 2.000 Meter lange Wettkampfbahn mit sieben parallelen Bahnen.
Über das Jahr verteilt finden hier hochkarätige nationale und internationale Meisterschaften sowie bekannte Breitensport-Events statt.
Die Mindesttiefe der Strecker beträgt durchgehend 6 Meter. Das sorgt für faire Bedingungen auf allen Bahnen, da kein Boot durch flaches Wasser („Flachwassereffekt“) benachteiligt wird.
Viel trinken ist gesund! Doch die in Köln so geliebten Kölsch-Stangen sind (zugegeben) recht klein und bei richtig großem Durst auch schnell immer wieder leer. Wie gut, dass es das beliebte Pittermännchen gibt: Zehn Liter Kölsch, gut gekühlt in einem handlichen Faß. Gerne auch für zu Hause. Ein Traum. Und die Kölsch-Stange lässt sich immer wieder mit frisch gezapftem Kölsch auffüllen.
Bleibt aber die Frage, wie das Pittermännchen zu seinem Namen gekommen ist. Vorab: Die exakte Namensherkunft lässt sich nicht eindeutig klären. Allerdings können mittlerweile einige Legenden über diesen Namen widerlegt werden.
Legende I: Vatertagsumzüge
Angeblich hat es früher zu Peter und Paul am 29. Juni Vatertagsumzüge gegeben. Und – wie praktisch – im Bollerwagen konnten die feierwütigen Väter kleine Fässer mitnehmen. Und zu Ehren des Heiligen an diesem Tag haben diese Fässer den Namen Pittermännchen bekommen.
Allerdings hat es die Umzüge an Peter und Paul nie gegeben, sondern am Vatertag, also Christi Himmelfahrt. Und diese Vatertagsumzüge sind erst seit etwa 100 Jahren bekannt. Also – keine Erklärung für das Pittermännchen.
Das Relief des Petrus vom Mailand am Brauhaus Früh. Besonders auffällig: Das Schwert im Kopf, welches mit seiner Hinrichtung und nicht mit dem Konsum von Kölsch zusammenhängt. Bild: Raimond Spekking
Legende II: Petrus von Mailand
Bereits seit 1396 gibt es die St. Peter-von-Mailand-Bruderschaft. In dieser Handwerkergemeinschaft haben sich die kölschen Brauer zusammengetan. Der Heilige Peter (oder Petrus) von Mailand ist der Schutzheilige der Brauer.
Und so könnte es sein, dass das Pittermännchen an genau diesen Peter erinnern soll. Aber: Bewiesen ist auch diese Legende nicht.
Legende III: Französisch „petit“
Wir haben in Köln viele französische Begriffe eingekölscht. Zum Beispiel „plümerant“ für schwindelig, „Plümmo“ für das Federbett oder „Paraplü“ für den Regenschirm.
Daher könnte es ja auch sein, dass sich aus dem französischen Wort „petit“ für klein auch der Begriff „Pittermännchen“ für ein kleines Fass Kölsch ableitet. Doch leider findet sich für diese Herleitung kein belastbarer Beleg.
Das 10 Liter-Fass von Früh trägt stolz den Namen „Pitter“, Bild: Früh Kölsch
Legende IV: Flämische Mönche und „Petrus“
Eine wunderschöne, aber vermutlich falsche, Erklärung liefert das Mitmachwörterbuch der rheinischen Umgangssprache. Demnach sollen Mönche in Belgien Bier in kleinen Fässern verkauft haben. Doch die Käufer brachten die Fässer nur sehr unzuverlässig zum Kloster zurück, daraufhin kennzeichneten die Mönchen die Fässer mit „Petrus“ – dem Patron der Brauer. Und aus Petrus wurde dann der Pitter und das Pittermännchen. Allerdings, so der Sprachforscher Peter Honnen, haben die Mönche früher das Bier nicht verkauft und außerdem ist das Wort „Pittermännchen“ im Niederländischen nicht bekannt.
Fazit
Auch wenn wir bis heute die genaue Herkunft dieses wunderschönen Wortes nicht kennen, schmeckt das Kölsch aus diesen kleinen Fässern ganz besonders gut. Prost!
In der „Kölsch-Konvention“ haben sich die Kölner Brauer auf die wesentlichen Bestimmungen zu Kölsch festgelegt.
Wer heute am Aachener Weiher sitzt, durch den Inneren Grüngürtel spaziert, am Decksteiner Weiher seine Runde dreht oder auf der Jahnwiese einem Ball hinterherläuft, macht sich vermutlich wenig Gedanken darüber, warum mitten in einer Millionenstadt überhaupt so viel Platz für Grün geblieben ist.
Dabei hätte Köln auch ganz anders aussehen können: dichter bebaut, steinerner und mit deutlich weniger Luft zwischen den Häusern. Dass es nicht so gekommen ist, hat viel mit einem Mann zu tun, der eigentlich gar kein Kölner war und nur drei Jahre hier arbeitete: Fritz Schumacher.
Der Architekt und Stadtplaner kam 1920 nach Köln. Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte ihn an den Rhein geholt. Schumacher blieb nur bis 1923 – doch diese kurze Zeit reichte, um Köln bis heute zu prägen.
Fritz Schumacher um 1916, Bild: Radierung von Leopold von Kalckreuth, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Ein Bremer kommt über Hamburg nach Köln
Fritz Schumacher wurde am 4. November 1869 in Bremen geboren. Seine Kindheit war ungewöhnlich international: Einige Jahre verbrachte er in Bogotá und New York. Später studierte er in Berlin und München, arbeitete im Leipziger Stadtbauamt und wurde 1901 an die Technische Hochschule Dresden berufen. 1909 wechselte er schließlich als Baudirektor und Leiter des Hochbauwesens nach Hamburg.
Dort machte er sich einen Namen als Architekt und Stadtplaner. Schumacher dachte nicht nur über einzelne Häuser nach. Ihn interessierte das große Ganze: Wie funktioniert eine wachsende Stadt? Wo wird gewohnt, wo gearbeitet? Wie bewegen sich die Menschen? Und vor allem: Wo bleibt zwischen all den Straßen und Häusern noch Platz zum Leben?
Genau solche Fragen beschäftigten zu dieser Zeit auch Köln. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Stadt vor gewaltigen Veränderungen. Die alten Festungsanlagen hatten ihre militärische Bedeutung verloren. Gleichzeitig rechneten die Verantwortlichen mit einem enormen Bevölkerungswachstum. Köln sollte wachsen – aber möglichst nicht zu einem endlosen Häusermeer werden.
Konrad Adenauer suchte deshalb jemanden, der nicht nur einzelne Bauprojekte plante, sondern Köln als Ganzes betrachten konnte. Und dieser Mann war Fritz Schumacher.
Köln darf keine Steinwüste werden
1919 ließ Adenauer einen Wettbewerb zur Gestaltung des ehemaligen Inneren Festungsrayons ausschreiben. Schumacher setzte sich mit seinem Entwurf durch. Ein Jahr später holte Adenauer ihn nach Köln. Dafür ließ sich der Hamburger Baudirektor für drei Jahre von seinen dortigen Verpflichtungen beurlauben.
Schumacher sollte einen Generalsiedlungs- beziehungsweise Generalbebauungsplan für Köln entwickeln. Dabei ging es nicht mehr nur darum, einzelne Straßen zu ziehen und Grundstücke aufzuteilen. Er wollte die Stadt als zusammenhängenden Organismus betrachten. Industrie, Verkehr, Wohnen und Erholung mussten zusammengedacht werden. Vor allem die Grünflächen waren für Schumacher keine hübsche Dekoration zwischen den Häusern. Sie gehörten zur Struktur der Stadt.
Eine historische Chance
Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ergab sich durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags eine historische Chance für Köln: Die Forts der beiden Festungsringe mussten geschliffen werden. Dadurch entstanden zwei große halbkreisförmige, unbebaute Flächen: Der Innere und der Äußeren Grüngürtel.
Diese beiden grünen Ringe sollten wiederum durch radiale Grünzüge miteinander verbunden werden. Damit entstand eine Idee, die jeder Kölner heute ganz selbstverständlich kennt: Grün sollte nicht irgendwo am Stadtrand liegen, sondern sich durch die ganze Stadt ziehen.
Der Plan für den Inneren Grüngürtel, Bild: Stadt Köln
Vom Festungsgürtel zum Grüngürtel
Das Geniale an der Planung war, aus einem Problem eine Chance zu machen. Über Jahrzehnte hatten die Festungsanlagen die Entwicklung Kölns geprägt. Nun verloren sie ihre Funktion. Wo vorher militärische Flächen lagen, konnte etwas völlig Neues entstehen.
Der Innere Grüngürtel wurde zwischen 1922 und 1924 angelegt. Dabei wurden nach der weitgehenden Schleifung der militärischen Anlagen auch Arbeitslose im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms eingesetzt.
Schumacher wollte dort allerdings nicht einfach nur eine große Wiese schaffen. Seine ursprünglichen Vorstellungen gingen wesentlich weiter. Der Grüngürtel sollte Teil einer neuen Stadterweiterung werden. Wohngebiete und öffentliche Gebäude waren vorgesehen, am Aachener Weiher sogar ein zweiter Hauptbahnhof.
Doch die wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik machten vielen dieser Pläne einen Strich durch die Rechnung. Aus heutiger Sicht war das für das Kölner Grün möglicherweise gar nicht so schlecht. Denn große Teile des Inneren Grüngürtels blieben unbebaut. Von der geplanten umfangreichen Bebauung wurde letztlich nur wenig verwirklicht. Das Grün setzte sich durch. Und genau davon profitiert Köln noch heute.
Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking
Grün nicht zum Angucken, sondern zum Benutzen
Dabei änderte sich auch die Vorstellung davon, was ein Park eigentlich sein sollte. Grünanlagen waren lange Zeit vor allem Schmuck. Man spazierte auf Wegen, betrachtete Blumenbeete und hielt sich ansonsten besser an die Regeln. Der Kölner Grüngürtel sollte anders funktionieren.
Hier sollte Platz für Sport, Spiel und Erholung sein. Im Äußeren Grüngürtel entstanden Sportplätze, Wälder, Kleingärten und im Raderthaler Volkspark ein Freilichttheater, eine Freiluftbibliothek und der „Reigenplatz“. Teile der ehemaligen Festungswerke wurden erhalten und als sogenannte „grüne Forts“ weitergenutzt. So wurde der Grüngürtel tatsächlich zu einem Park für alle. Was heute selbstverständlich klingt, war Anfang der 1920er Jahre revolutionär.
Der entscheidende Gedanke lautete: Eine Großstadt braucht nicht nur Wohnungen, Straßen und Arbeitsplätze. Sie braucht Räume, in denen Menschen durchatmen können. Oder ganz praktisch auf Köln übertragen: Man muss auf einer Wiese eben auch mal Fußball spielen dürfen.
Verbindungen zwischen den „grünen Ringen“
Besonders clever war Schumachers Idee, den Inneren und Äußeren Grüngürtel nicht isoliert nebeneinander bestehen zu lassen. Grüne Radialen sollten die beiden Bereiche verbinden. Ein besonders markantes Beispiel entstand mit dem Lindenthaler Kanal. Aber auch Flächen wie zum Beispiel der Vorgebirgspark stellen eine Verbindung zwischen den Großflächen dar. Das ist der eigentliche Clou von Schumachers Planung: Es entstand kein einzelner Park, sondern ein ganzes Grünsystem. Die konkrete Umsetzung der Grünanlagen übernahm Gartenbaudirektor Fritz Encke.
Wer sich heute vom Inneren Grüngürtel nach Westen bewegt, erlebt diese Struktur noch immer. Aachener Weiher, Lindenthaler Kanal, Stadtwald und schließlich der Äußere Grüngürtel erscheinen wie einzelne Grünanlagen. Tatsächlich folgen sie aber einer gemeinsamen städtebaulichen Idee. Köln sollte nicht nur wachsen. Die Stadt sollte dabei durchlüftet und aufgelockert bleiben.
Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking
Für den Grüngürtel musste gekämpft werden
Ganz freiwillig machten allerdings nicht alle mit. Gerade beim Äußeren Grüngürtel gab es handfeste Konflikte. Viele Grundstücke gehörten Landwirten, die ihre Flächen keineswegs begeistert an die Stadt abtreten wollten. Die Auseinandersetzung ging so weit, dass Grundstücksbesitzer damit drohten, keine Milch mehr zu liefern.
Erst das 1920 verabschiedete Reichsrayongesetz gab der Stadt die Möglichkeit, Enteignungsverfahren einzuleiten. Die Eigentümer konnten finanziell entschädigt werden oder Ersatzgrundstücke im Umland erhalten. Auch hier zeigt sich: Der Grüngürtel, den wir heute als selbstverständlichen Teil Kölns betrachten, fiel nicht einfach vom Himmel.
Er musste geplant, politisch durchgesetzt und gegen Widerstände verwirklicht werden. Adenauer spielte dabei eine entscheidende Rolle. Doch Schumacher lieferte das städtebauliche Konzept. Und auch heute noch wird um jedes Stück grün im Grüngürtel gerungen – schon seit Jahren versucht der 1. FC Köln rund um das Geißbockheim zusätzliche Fußballplätze anzulegen.
So wird es einmal im „Inneren Grüngürtel“ aussehen: Die Parkstadt Süd. Die rote Markierung kennzeichnet die aktuelle Lage des Pionierparks, Bild: Lenzen, Landschaftsarchitekturbüro RMP, Markierung: Uli Kievernagel
Und auch der Innere Grüngürtel wird sich durch die „Parkstadt Süd“ wesentlich verändern. „Parkstadt Süd“ ist das große Stadtentwicklungsprojekt im Kölner Süden. Bis zu 4.000 Wohnungen, Büros und Ladenlokale sollen im „Inneren Grüngürtel“ zwischen Bayenthal, Raderberg, Zollstock und Sülz entstehen
Selbst Schrebergärten gehörten zum Plan
Schumachers Vorstellung vom grünen Köln war ausgesprochen praktisch. Dazu gehörten auch Kleingärten. Die Nachfrage nach solchen Parzellen war besonders während und nach den Kriegen groß. Bei der Planung des Äußeren Grüngürtels wurden Kleingärten deshalb von Anfang an berücksichtigt. Vorgesehen waren sogar 12.000 Dauerkleingärten mit einer durchschnittlichen Größe von 300 Quadratmetern. Eine der ersten Anlagen entstand an der Gleueler Straße.
Schumachers sozialer Gedanke hinter der Planung: Das Grün sollte nicht exklusiv sein. Es ging nicht um repräsentative Anlagen für einige wenige, sondern um nutzbare Freiräume für die Bevölkerung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen manche dieser Flächen sogar eine ganz andere Bedeutung. In zahlreichen Kölner Schrebergärten entstanden zeitweise Behelfsunterkünfte für Menschen, deren Wohnungen und Häuser zerstört worden waren. Erst später kehrten die Anlagen wieder zu ihrer ursprünglichen Nutzung zurück.
Nicht alles blieb grün
Natürlich hat Köln Schumachers Erbe nicht immer mit Samthandschuhen behandelt. Spätestens mit der Idee der „autogerechten Stadt“ gerieten Grünflächen unter Druck. Zeitweise gab es sogar Pläne für eine Stadtautobahn quer durch den Inneren Grüngürtel. Andere Eingriffe wurden tatsächlich umgesetzt. Anfang der 1970er Jahre entstanden das Autobahnkreuz Köln-Ost und das Gremberger Kreuz – mit entsprechenden Folgen für die Merheimer Heide und das Gremberger Wäldchen. Trotzdem blieb die Grundidee erhalten.
Eingezwängt zwischen Autobahn und S-Bahnstrecke: Das Gremberger Wäldchen. Der geplante Ausbau der A4 gefährdet das Wäldchen und die NS-Gedenkstätte dort, Karte: OpenStreetMap
Das Kölner Grünsystem überdauerte Jahrzehnte, politische Systeme, Kriege und wechselnde Vorstellungen von moderner Stadtplanung. Es wurde weiterentwickelt und schließlich auch wegen seiner Bedeutung für die Frischluftzufuhr aus dem Umland in die Innenstadt unter Landschaftsschutz gestellt. Und vielleicht ist genau das die größte Leistung von Schumachers Konzept: Es war stark genug, um die Veränderungen der letzten 100 Jahre auszuhalten.
Drei Jahre, die Köln bis heute prägen
1923 endete Fritz Schumachers Zeit in Köln. Er kehrte nach Hamburg zurück, wo er zum Oberbaudirektor ernannt wurde. Bis 1943 lebte er dort und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten über Architektur und Städtebau. Am 5. November 1947 starb er in Hamburg. Gerade einmal drei Jahre hatte er unmittelbar für Köln gearbeitet.
Das klingt nach einer kurzen Episode in einem langen Berufsleben. Tatsächlich aber hinterließ Schumacher in dieser kurzen Zeit etwas, das bis heute zum Lebensgefühl der Stadt gehört. Denn der Grüngürtel ist längst mehr als eine städtebauliche Planung aus den 1920er Jahren.
Ein Luftbild der Jahnwiesen, Heimat der „Bunten Liga Köln“, Bild: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Hier wird gejoggt, spaziert, Fußball gespielt, gepicknickt oder einfach auf der Wiese gelegen. Aachener Weiher, Jahnwiese, Decksteiner Weiher, Lindenthaler Kanal und die großen Grünflächen gehören für viele Kölner so selbstverständlich zur Stadt wie Straßen, Plätze und Häuser.
Wer also demnächst im Grüngürtel unterwegs ist, kann sich kurz daran erinnern: Dass Köln an vielen Stellen eben keine „Steinwüste“ geworden ist, verdanken wir auch Fritz Schumacher, einem Bremer, der eigentlich in Hamburg arbeitete – und für gerade einmal drei Jahre an den Rhein kam.
Luftaufnahme des Kölner Bismarckturms aus einem Zeppelin im Jahr 1914, Bild: Bismarcktuerme.net
Vor ein paar Wochen in der Linie 16: „Wat is dat eijentlich für e Ding?“ fragt ein mittelalter Herr die neben ihm sitzende Dame, als wir an der Haltestelle Bayenthalgürtel halten. „Dat is e Stöck vun d´r ahle Stadtmauer“ entgegnet sie. Und liegt damit leider völlig falsch. Das vermeintliche Stück Stadtmauer ist der Bismarck-Turm am Rhein. Und dieser hat mit der Stadtbefestigung definitiv nichts zu tun.
Bauwerke zu Ehren des „Reichsgründers“
Zu Ehren Otto von Bismarcks wurden zwischen 1869 und 1934 insgesamt 240 Bismarcktürme und -säulen im deutschsprachigen Raum errichtet. Davon sind heute noch 174 Exemplare erhalten. Einer davon ist der Bismarck-Turm bei uns am Rheinufer. Diese Türme sollten die Verdienste Bismarcks bei der Gründung des Deutschen Reichs deutlich machen.
Jörg Bielefeld betreibt die Seite Bismarck-Türme und erläutert die Besonderheit dieser Denkmäler: „Die Bismarcktürme wurden meist vom Bürgertum durch Spendensammlungen finanziert und finden sich an exponierten Standorten. Oft wurden diese mit einer Feuervorrichtung versehen, die an bestimmten Tagen entzündet wurde. Die Türme sehen nicht alle gleich aus. Vorbild ist der im Jahr 1899 entstandene Bismarckturm-Entwurf „Götterdämmerung“ in Form einer wuchtigen Feuersäule“. Allerdings, so Jörg Bielefeld, wich man aus verschiedenen Gründen in vielen Orten vom Einheitsentwurf ab und beauftragte einen eigenen Architekten. So entstanden Bismarcktürme mit sehr unterschiedlichen architektonischen Formen. Dazu gehört auch der Kölner Bismarck-Turm, einer der ungewöhnlichsten Bismarcktürme.
Kölner Darstellung als Rolandsfigur
Der Kölner Turm sollte individuell sein. Und so entschied man sich für einen Entwurf des Architekten Arnold Hartmann. Bismarck wurde hier als „Rolandsfigur“ dargestellt. Mit einer Rüstung wie ein Ritter und einem großen Schild wacht der 15 Meter große Bismarck über das Reich. Ab 1900 wurde mit der Sammlung von Spenden für einen Bismarckturm begonnen, größter Einzelspender war der Kölner Schokoladeproduzenten Heinrich Stollwerck. Er wohnte in der Villa Bismarckburg, fast um die Ecke.
Skizze von Architekt Arnold Hartmann mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau, Bild: Bismarcktuerme.net
Bereits am 21. Juni 1903 wurde der Turm feierlich eingeweiht. Allerdings konnte aus Geldmangel der ursprünglich geplante breite Sockel nicht realisiert werden. Aber es gab eine Befeuerung des Turms durch Öl. Dieses Öl qualmte allerdings mehr als es einen echten Feuerschein entwickelte. Daher wurde der Turm bereits 1907 an eine Gasleitung angeschlossen. Doch auch damit war man unzufrieden, und man verwendete wieder Öl zur Befeuerung. Im Jahr 1939 brannte auf dem Turm letztmalig ein Feuer.
Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Vorschlag: Nutzung als Kletteranlage
Im Jahr 1980 wurde der Turm unter Denkmalschutz gestellt und ab 2001 regelmäßig saniert. So flossen mehrere Hunderttausend Euro in das wenig bekannte und nicht wirklich beliebte Denkmal. Das findet nicht nur der Kölner Historiker Martin Stankowski befremdlich. Er wohnt an der Bottmühle in der Südstadt, nicht weit vom Bismarck-Turm entfernt und hat 2015 in der Technischen Hochschule einen Wettbewerb zur Umnutzung des Turms angeregt. Die Studenten waren äußerst kreativ. Ihre Vorschläge gingen von der Einrichtung gastronomischer Betriebe, einer mit einem gläsernen Aufzug zu erreichende Aussichtsplattform über eine Kletteranlage bis hin zum Abriss des Turms – nur der steinerne Bismarck sollte übrig bleiben.
In einem Interview mit der Stadtrevue lobt Stankowski insbesondere die Idee mit der Kletteranlage: „Aus städtebaulicher Sicht erfüllt das Denkmal noch immer eine Funktion, weil es den Abschluss des Gürtels bildet. Politisch und künstlerisch hat es aber keine Bedeutung“. Und mit der Kletteranlage, so Stankowski, hätten die Menschen immerhin etwas davon.
Wir sind aber in Köln. Passiert ist – bis auf die Pflege der Grünanlage rund um das Denkmal – nichts. Und solange werden auch die Kölschen damit wenig anfangen können. Und den Bismarckturm fälschlicherweise der Stadtmauer zuordnen.
Ein großes DANKE an Jörg Bielefeld von der Website „Bismarcktürme“ , der mich mit Informationen und Bildern bei diesem Artikel unterstützt hat. Auf seiner Seite sind auch noch mehr Bilder und sehenswerte alte Postkarten vom Kölner Bismarckturm zu finden.
Die als „Bismarckburg“ bekannte Villa Stollwerck am Bayenthalgürtel, Bild: gemeinfrei
Noch bis in die Mitte der 1930er Jahre stand neben dem Bismarckturm die „Bismarckburg“ – eines der ungewöhnlichsten Privathäuser Kölns. Eine burgartige Villa mit Turm, Zinnen und mittelalterlichem Flair. Ihr Bauherr war der steinreiche Schokoladenfabrikant Heinrich Stollwerck.
Die berühmte KVB-Minute: Ob die Linie 12 nach Zollstock tatsächlich in einer Minute, in einer Stunde oder in einem Tag kommt, ist völlig ungewiss. Bild: Uli Kievernagel
Jeder Kölner kennt sie: die KVB-Minute.1Für die Nicht-Kölner: Mit „KVB“ ist die Kölner Verkehrs-Betriebe AG gemeint, in Köln allerdings besser bekannt als „kommt vielleicht bald“. DANKE an Mario für diese Ergänzung. Laut Anzeige soll die Bahn in einer Minute kommen. Fünf Minuten oder fünf Stunden oder fünf Tage später steht dann immer noch „1 Minute“ auf der Anzeige. Aber irgendwann rollt die Bahn tatsächlich ein.
Diese eher flexible Einteilung von „Zeit“ ist typisch kölsch. Denn der Kölner hat eine völlig andere Beziehung zur Zeit als der Rest der Welt,
Zeit ist in Köln erstaunlich elastisch
Wer neu nach Köln zieht, lernt schnell zwei Dinge. Erstens: Einen „Halven Hahn“ sollte man niemals wörtlich nehmen. Und zweitens: Das kölsche „gleich“ hat mit dem hochdeutschen „gleich“ nichts gemeinsam. Im Hochdeutschen bedeutet „gleich“ meist: sofort oder in wenigen Minuten. In Köln dagegen ist „gleich“ eher eine freundliche Absichtserklärung.
So versteht ein Norddeutscher den Satz „Ich komme gleich.“ als verbindliche Zeitangabe. Ein Kölner hört dagegen vor allem eines: Ich komme. Der Zeitpunkt bleibt dabei flexibel.
Das kann in fünf Minuten sein. Vielleicht in einer halben Stunde. Oder eben später am Nachmittag. Oder nächste Woche. Das sogenannte „Kölsche gleich“ beschreibt deshalb weniger einen exakten Zeitpunkt als vielmehr einen Zeitraum mit bemerkenswerter Dehnbarkeit.
In Köln gehen die Uhren oft anders – der Begriff „Zeit“ ist äußerst dehnbar. Bild: Uli Kievernagel
Es geht um Menschen, nicht um Minuten
Wer daraus mangelnde Pünktlichkeit ableitet, greift zu kurz. Hinter dem „Kölschen gleich“ steckt vielmehr eine Haltung. Denn wenn unterwegs ein Nachbar den neuesten Verzäll aus dem Veedel loswerden will, ein Freund auf ein Kölsch einlädt oder der Köbes ungefragt das nächste Kölsch hinstellt, dann verschiebt sich das „gleich“ eben ein wenig. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil Begegnungen und Genuss wichtiger sind als die Stoppuhr. Vielleicht erklärt gerade dieses kleine Wort das kölsche Lebensgefühl besser als viele wissenschaftliche Abhandlungen.
So gesehen ist die KVB-Minute eigentlich die kleine Schwester des „Kölschen gleich“ . Beide gehorchen nämlich derselben Logik: Zeit wird nicht auf die Sekunde genau verstanden, sondern mit einer gewissen Gelassenheit betrachtet. Während die KVB-Minute beschreibt, wie sich eine Minuten überraschend ausdehnen kann, schafft es das „Kölsche gleich“ sogar, ganze Stunden oder Tage in einem einzigen Wort unterzubringen.
Eine kölsche Maßeinheit
Vielleicht müsste man das rheinische Gleich tatsächlich als eigene Zeiteinheit einführen. Sie läge irgendwo zwischen „sofort“ und „irgendwann“, wäre abhängig von der Zahl zufälliger Begegnungen, spontaner Brauhausbesuche und der aktuellen Verkehrslage der KVB. Physiker würden vermutlich verzweifeln. Kölner hingegen wüssten sofort, was gemeint ist.
Denn am Ende zählt nicht, ob etwas exakt um 14.03 Uhr geschieht. Entscheidend ist nur, dass es überhaupt passiert. Oder, wie man in Köln wohl sagen würde:
„Et weed alles fäädisch – nur nit unbedingt jliich.2“Es wird alles fertig – nur nicht unbedingt gleich.“
Er ist stattlich, massiv, wehrhaft. Und mehr als drei Meter hoch. Und genau das wird ihm jetzt zum Verhängnis: Der „Kölsche Boor en Iser“ passt nicht in das Übergangsquartier des Stadtmuseums im ehemaligen Kaufhaus Sauer. „Man würde keinen Museums-Neubau so planen.“ sagt Stefan Lewejohann, Kurator im Stadtmuseum, und meint damit, dass ein ehemaliges Kaufhaus nur bedingt als Museum genutzt werden kann. Derzeit ist offen, was mit der geschichtsträchtigen Figur des Kölschen Boors passiert.
Spenden sammeln durch Nägel einschlagen
Vielleicht könnte man dä Boor wieder dort aufstellen, wo die ganze Geschichte im Jahr 1915 begann: Am Gürzenich. Dort wurde am 20. Juni 1915 die 3,25 Meter hohe Statue aus vergoldetem Lindenholz in einem Pavillon aufgestellt. Es handelte sich um eine der zu dieser Zeit populären Nagelfiguren. Solche Figuren wurden aufgestellt, um Spenden zu sammeln. Die Idee stammte aus Österreich, wo man in Wien das Ritterstandbild „Wehrmann in Eisen“ aufgestellt hatte. Jeder konnte für einen bestimmten Betrag einen Nagel in die Figur schlagen.
Plakat von Franz Brantzky zum Kölsche Boor
Die Variante in Köln, der „Kölsche Boor in Iser“ („Der Kölsche Bauer in Eisen“), entpuppte sich als gigantischer Spendensammel-Erfolg. Nach zwölf Monaten wurden bereits mehr als 700.000 Reichsmark an Spenden eingenommen, bis 1919 verdoppelte sich diese Summe auf ca. 1,5 Millionen Reichsmark. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse wären das mehr als 14 Millionen Euro.
Die gesammelten Spenden gingen vorrangig an Kriegswaisen und Kriegswitwen., zum Teil aber auch an dei Rüstungsindustrie.
Eine Schulklasse im Jahr 1916 vor dem „Kölsche Boor“. Auf der linken Seite sind noch Teile des Schriftzugs „Witwen- und Waisenfond“ zu erkennen, rechts steht eine Geschütz-Lafette. Bild: Privatbesitz Michael Osieka
Symbol der Wehrhaftigkeit der Stadt
Dabei war es kein Zufall, dass ausgerechnet der „Kölsche Bauer“ als Galionsfigur für die Spenden-Kampagne in Köln ausgewählt wurde. Bis heute steht der Kölner Bauer für die Wehrhaftigkeit und Unsterblichkeit der Stadt. Auch der Bauer im Dreigestirn verkörpert diese Eigenschaften.
Wer meint, dass dieser Bauer nur einen harmlosen Landwirt darstellen soll, liegt vollkommen falsch. Der „Kölsche Boor“ repräsentiert die Wehrhaftigkeit der Stadt. Er trägt ein Kettenhemd, auf sehr alten Darstellungen auch ein Schwert. Der schwere, eisenbewehrte Dreschflegel des Bauern ist weniger dafür gedacht, Korn zu dreschen, sondern eher die Feinde der Stadt zu Brei zu schlagen.
Ne staatse Buur! Deutlich zu erkennen: Das Kettenhemd. Bild: Norbert Bröcheler
Ostermann schreibt patriotisches Marschlied
Die Nagelfigur des Kölsche Boor ist schnell über und über mit Nägeln gespickt, nur noch der Kopf zeigt die ursprüngliche goldene Lackierung. Wieviele Nägel es tatsächlich sind, kann niemand sagen. Neben der „Nagel-Spende“ werden die Kölner auch im nahegelegenen „Geschäftslokal des Kölschen Boor“1Bitte nicht mit der schönen Gaststätte „Em Kölsche Boor“ am Eigelstein verwechseln, diese beiden Einrichtungen haben nur den Namen gemeinsam.zur Kasse gebeten. Waren es anfangs noch Spenden für die Witwen und Waisen der aus Köln stammenden gefallenen Soldaten, sollten die Kölner in dem Geschäftslokal Gold gegen Papiergeld tauschen, um die Rüstungsindustrie bezahlen zu können.
Auch solche Eisenmedaillen wurden zur Kriegsfinanzierung ausgegeben. Die Prägung auf der Münze lautet: „Gold gab ich zur Wehr. Eisen nahm ich zur Ehr.“ Ein großes Dankeschön an Heribert Günther für dieses Bild.
Größere Spender werden per Plakette namentlich genannt und in einer eigens zu diesem Zweck erscheinenden Wochenzeitschrift aufgeführt. Der Besuch beim Boor und die entsprechende Spende wurde zur patriotischen Pflicht hochstilisiert, Spendenunwillige werden als Vaterlandsverräter verunglimpft.
„Kölschen Boor, do ließ dich kamisöle, kölschen Boor, wat ließ do dich vernäle; dat es rääch, do kölschen Boor, halt Stand! Et jeiht för dich un för et Vaterland.
Et es nit jedemein jejevve, met vören an der Front zo sin. Doch jeder, der doheim jeblevve, jitt wat hä kann met Freuden hin. …“
Übersetzung: Kölscher Bauer, du lässt dich verprügeln, Kölscher Bauer, was lässt du dich vernageln; Das ist recht, du Kölscher Bauer, halte Stand! Es geht um dich und um das Vaterland.
Es ist nicht jedem gegeben, mit vorne an der Front zu sein. Doch jeder, der daheim geblieben, gibt was er kann mit Freuden hin.
Der User „Swanny Swenumsen“ hat dieses Lied auf YouTube veröffentlicht. Swanny Sewmunsen dazu auf YouTube: „Tatsächlich ist dies die einzige Platte, die mir in allen Jahren begegnet ist. Der Text ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß man 1915 noch an einen Sieg in diesem Krieg glaubte und sich der Schrecken der folgenden Materialschlachten noch nicht gezeigt hatte.“
Wohin jetzt mit dem Koloss?
Im Januar 1919 wurde der von oben bis unten mit Nägeln beschlagene Kölsche Boor in den Gürzenich gebracht, anschließend stand er im „Haus der Rheinischen Geschichte“ am Rheinufer. Seit 1984 ist er im Stadtmuseum zu finden. Doch wohin mit dem Koloss nach dem Umzug ins Übergangsquartier?
Ist doch ganz einfach: Bringt ihn dahin zurück, wo er herkam: In den Gürzenich.