Köln-Ding der Woche

Jede Woche sonntags per e-mail ein Detail zu Köln. Lerne die Lieblingsplätze des Köln-Lotsens kennen, erweitere deinen kölschen Wortschatz und dein Wissen über prominente und unbekannte Kölner. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen. Und immer rund um die schönste Stadt der Welt. 

Inhalt

  • 2.000 Jahre Köln: Historisches
    In Köln ist in den letzten 2.000 Jahren viel passiert. Hier findet ihr ein paar der vielen, vielen Geschichten aus der Kölner Geschichte.  
  • Bauwerke & Plätze
    Auch die im 2. Weltkrieg so stark zerstörte Stadt Köln hat wunderschöne Bauwerke, Orte und Plätze. Oft sind diese allerdings gut versteckt.
  • Ein paar Fragen an …
    In meiner Reihe „Ein paar Fragen an …“ befrage ich Menschen aus Köln, die etwas zu sagen haben.
  • Karneval
    Selbstverständlich nimmt die 5. Jahreszeit einen breiten Raum in unserer Stadt ein. Un et is härrlisch, Fastelovend ze fiere!
  • Köln im Krieg
    Der Krieg hat tiefe Wunden in der Domstadt hinterlassen. Zur „Stunde Null“ waren 80% der Gebäude in der Innenstadt zerstört.
  • Kölsche Persönlichkeiten
    Die alte Stadt am Rhein hat in den letzten zwei Jahrtausenden viele Persönlichkeiten hervorgebracht.
  • Kölsche Stöckelche
    Wenn der Kölsche von „Stöckelche“ spricht, dann meint er damit Anekdötchen.
  • Kölsche Tön
    Es gibt wahrscheinlich keine Stadt auf der Welt, die so oft besungen wird wie Köln.
  • Kölsche Wörter
    Die kölsche Sprache bietet wunderschöne Wörter. Und ein paar davon werden hier erklärt.
  • Kunst & Kultur
    Auch wenn es angesichts mancher Fehlplanungen oft schwer zu glauben ist: Köln ist auch eine Kulturstadt. 
  • Stimmen zum Köln-Ding der Woche
    Ein paar Abonnenten haben mir eine Rückmeldung zum „Köln-Ding der Woche“ gegeben. 
  • Karte zum Köln-Ding der Woche
    Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.

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Der kölsche Knast Teil IV: Der legendäre Klingelpütz

Historische Aufnahme des Klingelpütz, undatiert, vermutlich 1900-1930, Bild: gemeinfrei.
Historische Aufnahme des Klingelpütz, undatiert, vermutlich 1900-1930, Bild: gemeinfrei.

Gute vier Kilometer Luftlinie trennen die Straße Klingelpütz in der Innenstadt und die Justizvollszugsanstalt Ossendorf. Und trotzdem sprechen die Kölner auch beim Ossendorfer Knast nur vom Klingelpütz, manche nennen es auch den „neuen Klingelpütz“. Tatsächlich hat sich im Rheinland der Begriff Klingelpütz für ein Gefängnis eingebürgert. Und wer in den Knast geht, dä jeiht in de Blech.

Der eigentliche Klingelpütz verdankt seinen Namen verschiedenen Brunnen und der Familie Clingelmann. Diese Familie besaß im 13. Jahrhundert am Gereonswall ein Stück Land mit dem Flurnamen domus clingilsmanshus. Auf diesem Land waren mehrere Brunnen. Solche Brunnen nennt der Kölner „Pütz“ (abgeleitet vom lateinischen Wort „puteus“ für Brunnen). Packt man beides zusammen, wird aus dem Land der Familie Clingelmann mit den Brunnen der Klingelpütz.

Hostienwunder führt zu Klostergründung am Klingelpütz

Wie gut für die Familie Klingelmann, dass sich im frühen 14. Jahrhundert ein nicht näher definiertes Hostienwunder dort ereignete. Eine Hostie ist das in den christlichen Kirchen verwendete Brot im Gottesdienst. Als „Hostienwunder“ werden unerklärliche Erscheinungen an geweihten Hostien bezeichnet, zum Beispiel Blut an einer Hostie. Zu Ehren dieses Hostienwunders in Köln stand am Klingelpütz eine Kapelle, zu der sich zahlreiche Pilger aufmachten. Dies wiederum veranlasste den Augustinerorden, 1420 das Land für eine stattliche Summe von der Familie Clingelmann  zu erwerben und dort ein Kloster zu errichten.

1787 geben die Augustiner das Kloster auf. Im Jahr 1833 erwirbt der preußische Staat das Gelände, um hier ein neues, modernes Gefängnis zu errichten. Das war wohl auch bitter nötig, denn die Zustände in der “Bleche Botz“, dem bis dahin genutzten Gefängnis an der Schildergasse, müssen abenteuerlich gewesen sein: Völlige Überbelegung und katastrophale hygienische Zustände.

Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln

Im Mai 1835 beginnen die Bauarbeiten für „Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln“. Gemäß einer Verfügung des preußischen Innenministeriums sollte dieses Gefängnis Platz für 800 Insassen bieten. Knifflig war dabei, dass innerhalb des Klingelpütz die Klassen von Gefangenen strikt getrennt werden sollten.

Verfügung der Kölner Regierung im Jahr 1833 zum Klingelpütz von 1833. Mit "Höherer Bestimmung" war der preussische Innenminister gemeint.
Verfügung der Kölner Regierung im Jahr 1833 zum Klingelpütz von 1833. Mit „Höherer Bestimmung“ war der preußische Innenminister gemeint.

Diese Trennung der Klassen machte es erforderlich, einen Bau mit vier Flügel zu errichten. Allerdings waren die Kassen schon damals leer, sodass zunächst nur drei der vier geplanten Flügel gebaut und 1838 eröffnet werden konnten. Das zur damaligen Zeit top-moderne Gefängnis war aber schnell zu klein. Daher wurden bis zur endgültigen Fertigstellung des vierten Flügels Notgefängnisse im Bayenturm und der Severinstorburg eingerichtet.

Mit Errichtung des vierten, im Jahr 1845 eingeweihten Flügels wurden nicht nur die Notgefängnisse aufgegeben, sondern auch eine wichtige Neuerung im Gefängnisbau eingeführt. Durch den Verzicht auf sämtliche Decken in den Geschoßfluren wurde die Aufsichtsführung wesentlich erleichtert. Licht kam durch ein großes Dachfenster. Somit sah dieser Flügel im Klingelpütz schon so aus, wie man heutige Gefängnisse (hoffentlich nur aus dem Fernsehen) kennt.

Grundriss des Klingelpütz, undatiert, vermutlich um 1900
Grundriss des Klingelpütz, undatiert, vermutlich um 1900

Kontaktaufnahme durch Dachfenster

Der Klingelpütz lag damals mitten in der Stadt, rundherum wurde alles erschlossen und mit Privathäusern bebaut. Dies führte nur dazu, „… dass von einzelnen umliegenden Häusern … Verständigungen mit den Gefangenen durch Zeichen und Winke erfolgten. Selbst Speicherfenster wurden gemietet … um Verbindungen mit den Gefangenen anknüpfen zu können.“, so Blankenhorn, der damalige Direktor des Klingelpütz.

Das zweite Problem war die mangelnde Verfügbarkeit von Grund und Boden, denn der Klingelpütz platzte aus allen Nähten. Es gab verschiedene Erweiterungsentwürfe durch Neubauten oder Aufstockungen. So wurden ab 1892 bis 1896 unter anderem ein spezielles Hafthaus in einem der Innenhöfe errichtet. Vorher musste jedoch das Obergeschoß des mittig gelegenen Oktagons zu einer Anstaltskirche umgebaut werden, da die alte Kapelle dem neuen Hafthaus weichen musste.

Mit diesen und weiteren Umbauten blieb der Klingelpütz bis zum 29. Juni 1943 nahezu baulich unverändert. In dieser Nacht aber fand der Peter-und-Paul-Angriff statt. Dabei wurde auch der Klingelpütz massiv beschädigt. Zwei Drittel der gesamten Bausubstanz wurden zerstört. Erst 1946 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, sechs Jahre später konnten dort wieder knapp 1.000 Häftlinge untergebracht werden.

Unrühmliche Rolle in der NS-Diktatur

Die Nazis machten den Klingelpütz bereits 1933 zur zentralen Hinrichtungsstätte im Rheinland, weil es einen nicht einsehbaren Innenhof gab. Mehr als 1.000 Menschen wurden dort meistens mit einem Fallbeil hingerichtet. Das NS-Dokumentationszentrum listet verschiedene Beispiele für vollstreckte Todesurteile auf:

  • Paul H., geboren 1921 in Saarbrücken: Todesurteil vom 31. Mai 1944, Vollstreckung am 20. Juli 1944 im Klingelpütz. Paul H. wurde nur 23 Jahre alt.
  • Friedrich K., geboren 1918 in Düsseldorf: Todesurteil vom 12. Januar 1943 in Wuppertal wegen Fahnenflucht in 3 Fällen. Am 1. Februar 1944 vom Chef des Ersatzheeres Fromm bestätigt. Am 3. März 1944 wird das Urteil in Köln durch Enthaupten vollstreckt. Friedrich K. wurde nur 26 Jahre alt.
  • Heinrich L., geboren 1917 in Essen: Am 10. März 1944 „aufgrund einer Anzeige aufgegriffen und festgenommen“. Todesurteil vom 30. März 1944 in Wuppertal. Am 21. April 1944 Bestätigung des Urteils durch den Chef des Ersatzheeres Fromm. In den Akten findet sich eine handschriftliche Notiz: „Das Urteil ist am 30. Juni 1944 in Köln durch Enthaupten vollstreckt worden.“. Heinrich L. wurde nur 27 Jahre alt.

Eine weitere Hinrichtungsstätte in Köln war der Dünnwalder Schießplatz.

Verscharrte Leichen im Gefängnishof

Ab 1944 war ein gesamter Flügel des Klingelpütz für die Gestapo reserviert. Die Haftbedingungen müssen unbeschreiblich gewesen sein. Einmannzellen werden dreifach, Zellen für sieben Häftlinge mit bis zu zehn Personen belegt.

Bereits kurz nach Kriegsende im Mai 1945 wurden sieben eilig verscharrte Leichen im Gelände des Klingelpütz ausgegraben. Im Oktober 1945 wurden weitere 80 Leichen gefunden. Diese Menschen wurden erschlagen oder erdrosselt. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um politische Häftlinge handelte, die eigentlich im Januar 1945 vom Klingelpütz in das Konzentrationslager Buchenwald verlegt werden sollten.

Klingelpütz-Affäre der 1960er Jahre:
„Gelitten und gestorben im Klingelpütz“

In den 1960er Jahren war dem Klingelpütz deutlich anzusehen, dass es sich um ein mittlerweile 120 Jahre altes Gefängnis handelte. Auch aufgrund unzureichender Sicherheitsbedingungen konnten zwischen 1960 und 1969 insgesamt 27 Häftlinge fliehen.

Gleichzeitig wurden im Jahr 1965 massive Misshandlungen im Klingelpütz aufgedeckt. Unter dem Titel „Gelitten und gestorben im Klingelpütz“ berichtete der Kölner Express von den Umständen, welche im Juli 1964 zum Tod des Untersuchungshäftlings Anton Wasilenko geführt hatten.

Wasilenko war wegen Einbruchsverdacht im Klingelpütz in Untersuchungshaft. 28 Tage nach seiner Einlieferung verstarb er. Auf dem Totenschein stand nur „Herzschwäche“. Der Express-Journalist Hans Wüllenweber nahm diesen Todesfall zum Anlass, sich intensiv mit dem Klingelpütz zu beschäftigen.

Der Journalist recherchierte acht Monate lang und deckte auf, dass Häftlinge im Klingelpütz nicht nur mit Fäusten und Knüppel, sondern auch durch Zwangsbäder und Elektroschockbehandlungen misshandelt wurden.

Verletzungen und Misshandlungen durch Aufsichtsbeamte

Auch aufgrund der durch Wüllenweber aufgedeckten Missstände wurde der Leichnam des an vermeintlicher Herzschwäche gestorbenen Häftlings Anton Wasilenkos 1966 exhumiert. Der SPIEGEL schrieb in seiner Ausgabe vom 26. November 1967 dazu: „Das Ergebnis war für die Düsseldorfer Justizherren offenbar so bestürzend, daß sie es fünf Wochen lang geheim hielten. Erst Mitte April gaben sie den Obduktionsbefund preis: Schädelbruch, Rippenbruch, Anzeichen für einen Bluterguß über dem rechten Auge — es war »nicht auszuschließen«, daß die Verletzungen »auf Mißhandlungen durch Aufsichtsbeamte zurückzuführen sind«“. Die Kölner Staatsanwaltschaft war von diesen Berichten offensichtlich wenig beeindruckt: Es wurden zwar fast 80 Zeugen zum Fall Wasilenko angehört, das Verfahren aber „mangels Beweis“ eingestellt.

Zusätzlich wurden auch weitere Misshandlungen bekannt. Ein 19jähriger Häftling hatte sich nach vergeblichem Wunsch um Verlegung erhängt, ein türkischer Gastarbeiter wurde von Mithäftlingen unter „aktivem Wegschauen“ der Wärter erschlagen. Deshalb schaltete sich eine Sonderabteilung der Staatsanwaltschaft ein. Das gesamte Verfahren wurde als „Klingelpütz-Affäre“ bekannt, es wurden 131 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 79 dieser Verfahren wurden sehr schnell wieder eingestellt, nur vier Klingelpütz-Wärter wurden verurteilt und einige leitende Beamte suspendiert.

Der Klingelpützpark, im Hintergrund der Kölnturm im Mediapark, Bild: HOWI - Horsch, Willy, CC BY-SA 4.0
Der Klingelpützpark, im Hintergrund der Kölnturm im Mediapark, Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY-SA 4.0

Sprengung des Klingelpütz

Schon lange vor der Aufdeckung der Klingelpütz-Affäre wurde ein Ersatz für den in die Jahre gekommenen Klingelpütz gesucht. Die Stadt Köln stellte dem Land NRW ein Grundstück in Ossendorf zum Bau der neuen Justizvollzugsanstalt zur Verfügung. Im Tausch dafür erhielt die Stadt Köln das Grundstück des Klingelpütz in der Innenstadt. Allerdings mit der Auflage, dort einen Park zu errichten.

Grundsteinlegung für den neuen Knast in Ossendorf war am 3. November 1961, die offizielle Eröffnung war im Mai 1969. Bereits im Juni 1969 wurde der alte Klingelpütz in der Innenstadt gesprengt. Aus dem Bauschutt der abgerissenen Gebäude wurden Hügel aufgeschüttet und der Klingelpützpark errichtet.

Gedenkstein für die während des Nationalsozialismus im Klingelpütz hingerichteten Menschen. Bildhauer: Hans Karl Burgeff. Bild: Hps-poll, CC BY-SA 3.0
Gedenkstein für die während des Nationalsozialismus im Klingelpütz hingerichteten Menschen. Bildhauer: Hans Karl Burgeff. Bild: Hps-poll, CC BY-SA 3.0

Zur Erinnerung an den Klingelpütz als NS-Hinrichtungsstätte wurde 1979 in diesem Park ein Gedenkstein mit folgender Inschrift enthüllt:

 „Hier wurden von 1933-1945 über tausend von der nationalsozialistischen Willkürjustiz unschuldig zum Tod Verurteilte hingerichtet.“


Die Geschichte und Geschichten zum Kölschen Knast 


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Verlosung: Ein Roman aus der Marienburg

Ellen Jacobi: Ohne Rentner geht hier nichts, Bastei Lübbe
Ellen Jacobi: Ohne Rentner geht hier nichts, Bastei Lübbe

„Dr. Klaus Kantereit lenkt seinen Mercedes auf vier Ulmen
am Ende einer menschenleeren Villenstraße zu.
Unwillkürlich drosselt er die Geschwindigkeit.
Der Anblick der penibel gepflegten Baumkronen
weckt in ihm Unbehagen und den Wunsch umzukehren.

Das majestätische Ulmenquartett zählt zu den vielen
über hundert Jahre alten Bäumen,
die die noblen Alleen des Viertels säumen.“

(„Ohne Rentner geht hier nichts“ von Ellen Jacobi)

Der Köln-Lotse unterstützt bei der Recherche für den Roman

Im Mai 2020 hatte ich das große Vergnügen, Ellen Jacobi kennenzulernen. Die Kölner Autorin schreibt sehr erfolgreich Romane für den Bastei Lübbe-Verlag. Ihr neuestes Werk „Ohne Rentner geht hier nichts“ spielt zu wesentlichen Teilen im Kölner Stadtteil Marienburg. Zur Vorbereitung fragte sich mich, ob ich ihr etwas über die Marienburg erzählen könnte. So sind wir zu zweit durch die breiten Alleen gelaufen und ich habe ihr viel über die Villen und die illustren Bewohner erzählt.

Teile dieser Informationen hat sie in dem Roman verarbeitet. Es geht um die ebenso reiche wie schwierige Ariane van Endert. Sie lebt auf großem Fuß in einer Marienburger Villa, bis ihr Stiefsohn große Teile ihres Vermögens durchbringt. Notgedrungen nimmt sie einige Untermieter auf: eine junge Studienabbrecherin ohne Perspektive, eine chaotische Rentnerin mit Stoffhund und einen Pianisten, der seit Jahren kein Klavier mehr angefasst hat. Ariane hofft sehr, ihre neuen Mitbewohner bald wieder loszuwerden, und macht ihnen das Leben schwer. Irgendwann sind aber auch die letzten Reserven ausgegeben und es besteht die Gefahr, dass Ariane ihre große Villa in Marienburg verliert.

Der stolzer Köln-Lotse wird in der Danksagung ausdrücklich genannt

Besonders stolz bin ich, dass Ellen Jacobi mich ausdrücklich in der Danksagung des Buchs genannt hat:

Auszug aus der Danksagung "Ohne Rentner geht hier nichts" von Ellen Jacobi
Auszug aus der Danksagung „Ohne Rentner geht hier nichts“ von Ellen Jacobi

Verlosung: Individuell gewidmetes Exemplar für die Leser des „Köln-Ding der Woche“

Das Buch ist ganz aktuell am 30. Juli 2021 erschienen. Ellen Jacobi wird ein druckfrisches Exemplar für meine Leser individuell signieren. Dieses Exemplar verlose ich unter allen Beziehern des „Köln-Ding der Woche“, welche die folgende Frage korrekt beantworten.

Preisfrage: Wie lautet es korrekt?

Man lebt „in Marienburg“ oder man lebt „auf der Marienburg“?
Kleiner Tipp: Auf meiner Website gibt es die Auflösung.

Bitte schickt mir bis Dienstag, 9. August 2021, die korrekte Antwort per email an uli@koeln-lotse. Aus allen korrekten Einsendungen werde ich den oder die glückliche Gewinner / Gewinnerin auslosen.


Ihr könnt das Buch auch bei jeder Buchhandlung bestellen

Ellen Jacobi: „Ohne Rentner geht hier nichts“
Lübbe Belletristik
Taschenbuch, 349 Seiten
ISBN: 978-3-404-18430-9
Ersterscheinung: 30. Juli 2021


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Kastell Divitia – Weltkulturerbe op dä „Schäl Sick“

Modell des Kastells Divitia, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Seit 27. Juli 2021 ist es amtlich: Neben dem Dom haben wir in Köln jetzt ein zweites Weltkulturerbe. Der Niedergermanische Limes ist in die Liste des Welterbes aufgenommen worden.

Bei dem Limes handelt es sich um die von den Römern bis ca. 600 nach Christus angelegten Grenzen. Der aktuell geehrte Abschnitt des Limes beginnt in Rheinbrohl (Rheinland-Pfalz) und endet an der Nordsee. Neben den eigentlichen römischen Grenzanlagen sind auch die dazugehörigen Militäranlagen Teil des Titels Weltkulturerbe.

Das römische Köln im 3. und 4. Jahrhundert in einem Schaubild des Römisch-Germanischen Museums. Gut zu erkennen: Die Konstantinbrücke endet exakt im Kastell Divitia, Bild: Nicolas von Kospoth
Das römische Köln im 3. und 4. Jahrhundert in einem Schaubild des Römisch-Germanischen Museums. Gut zu erkennen: Die Konstantinbrücke endet exakt im Kastell Divitia, Bild: Nicolas von Kospoth

Kastell Divitia als Machtdemonstration

Von außerordentlicher Bedeutung ist dabei das Kastell Castrum Divitensium, von den Rheinländern zu „Divitia“ abgekürzt, im heutigen Deutz. Diese stark befestigte Anlage ist die einzige römische Wehranlage auf der „Schäl Sick“, also im Rechtsrheinischen. Der Rhein bildete die eigentliche Grenze, das Kastell diente als Brückenkopf der Römer im rechtsrheinischen „Land der Barbaren“. Cäsar sprach den „rechtsrheinischen Barbaren jegliches Ro­ma­ni­sie­rungs­po­ten­ti­al ab“.1Lambrecht, Ulrich, Der Rhein im Denken der Römer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604, abgerufen am 18.05.2021.

Dabei diente das Kastell Divitia als Machtdemonstration der Römer. Eusebius von Caesarea, ein ausgesprochener Bewunderer Kaiser Kontantins, schreibt im Jahr 310, noch während des Baus der Konstantinbrücke und des Kastells:

„… Dagegen sind die in Abständen an unserer Seite aufgereihten Kastelle ja mehr als Schmuck denn als Schutz der Grenze gedacht.  … Darüber hinaus verhöhnst Du2hier spricht er Kaiser Konstantin direkt an durch den Brückenbau in Köln die Reste des hart geschlagenen Stammes der Franken. Sie sollen niemals ihr Angstgefühl verlieren, ständig in Schrecken leben, immer um Gnade flehen. Aber Du machst das ja mehr zum Ruhme Deiner Herrschaft und zur Verschönerung der Grenze als um die Möglichkeit zu haben, so oft du willst, ins Feindliche hinüberzuwechseln … „

Das Bronze-Modell des Kastells in einer ganz besonderen Perspektive, Bild: Silke Koenen
Das Bronze-Modell des Kastells in einer ganz besonderen Perspektive, Bild: Silke Koenen

Der Bau des Kastells fand nahezu zeitgleich mit dem Bau der Konstantinbrücke, der ersten festen Brücke über den Rhein, ab etwa 308 nach Christus statt. Das Kastell war quadratisch mit einer Seitenlänge von etwa 140 Metern angelegt. Und die von Eusebius von Caesarea beschriebene Machtdemonstation spiegelt sich in der extrem stark befestigten Anlage wider:

  • Eine rundumlaufende Mauer mit einer Stärke von 3,30 Meter,
  • 14 Wachtürme,
  • zwei massive Tore mit Fallgittern,
  • ein zwölf Meter breiter und drei Meter tiefer Gaben vor der Mauer.

Das Kastell lag exakt in der verlängerten Achse der Konstantinbrücke. So konnten sehr schnell Truppen verlegt werden. Ausgehend von der Größe des Kastells kann man von einer Besatzung von etwa 900 Legionären ausgehen.

Bronze-Modell des Kastell Deutz, Bild: Uli Kievernagel
Bronze-Modell des Kastell Deutz, Bild: Uli Kievernagel

 Wechselvolle Geschichte 

Etwa 40 Jahre nach Fertigstellung des Kastells wurde Köln im Herbst des Jahres Jahr 355 von den Franken belagert. Im Dezember des gleichen Jahres gaben die Römer Köln auf. Nach einer nur kurz währenden Rückeroberung durch Römer in der Zeit von 435 bis 446 endete die römische Vorherrschaft endgültig im Jahr 454. Das Kastell Divitia wurde bereits 401 aufgegeben, die Franken errichteten dort einen Königshof. Im Jahr 1003 wurde das Gelände in ein Benediktinerkloster umgewandelt.

Zum konkreten Abriss des Kastells Divita und der Konstantinbrücke gibt es keine gesicherten Quellen. Möglicherweise wurden beide Bauwerke zwischen zwischen 957 und 965 abgerissen, die Steine wurden zum Bau von St. Pantaleon verwendet. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand auf dem Gelände eine preußische Kaserne.

Name bleibt im Ortsteil Düx erhalten

Heute ist von dem Kastell nur noch wenig sichtbar erhalten, da das Gelände im Rahmen der Uferregulierung des Rheins im 19. Jahrhundert, komplett umgestaltet wurde. Der nordwestliche Turm ist Teil des Rheinboulevards, Teile der Außenmauern finden sich in den Gewölbekellern des Klosters Alt St. Heribert.

Der Förderverein Historischer Park Deutz e.V. setzt sich für die Vermittlung von Deutzer Geschichte und Archäologie ein und hat wesentlich darauf hingewirkt, dass das Gelände trotz massiver Baumaßnahmen heute noch einen Einblick in die 1.700jährige Geschichte ermöglicht. Ein besonderer Hingucker: Ein Bronze-Modell des Kastells als Dauerleihgabe an die Stadt. 

Aber auch wen von den ursprünglichen Mauern nicht viel erhalten gelieben ist – der Name des Kastells lebt weiter. Aus Castrum Divitensium wurde DivitiaDuiza, Duytz, Dutze, Duitze, Deutsch, Teutsch bis hin zu Deutz.

Oder – wie die Kölschen es liebevoll nennen: Düx.


Virtuelle Führung

Der Förderverein Historischer Park Deutz e.V. bietet auf seiner Website eine sehenswerte virtuelle Führung an. Lohnt sich!  


Ein weiteres wichtiges Kastell der Römer war das Flottenkastell Alteburg im heutigen Stadtteil Marienburg.


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Der kölsche Knast Teil III: Die „Bleche Botz“ in der Schildergasse

Das ehemaligen Kölner Frauengefängnis "Bleche Botz" auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons
Das ehemaligen Kölner Frauengefängnis „Bleche Botz“ auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons

Wenn man über einen Menschen sagt, „Der is in de Blech“, bedeutet das nichts Gutes. Auch Pänz, die sich nicht benehmen, wird damit gedroht “Pass upp, sonst küsste in de Blech.“ Die wörtliche Übersetzung ist einfach: Blech ist Blech, also gewalztes Metall. Aber die Bedeutung dahinter ist eine gänzlich andere. Wenn der Kölsche von „de Blech“ spricht, ist damit das Gefängnis gemeint.

De Bleche Botz – das ehemalige Frauengefängnis

Durch die während der französischen Besatzungzeit in Köln durchgeführte Säkularisierung wurden Kirchen und Klöster aufgehoben. Der Staat übernahm kirchlichen Besitztümer wie Land oder Vermögen, aber auch Gebäude, um diese weiterzuverkaufen oder anderweitig zu nutzen. Darunter war auch das bereits 1637 errichtete Klarissenkloster „Zu den Schutzengeln“ auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, ganz in der Nähe des Neumarkts.

Dieses Gebäude wurde ab 1802 zu einem „Arresthaus“, also einem Gefängnis, umgebaut. An dem Umbau waren der Blechschläger1Heute würde man ihn als man Bauklempner bezeichnen. Alexander Hittorff, genannt der „Blecherne Alexander“, und der Maurermeister Johannes Butz beteiligt. Beide Namen zusammengesetzt und verkölscht ergeben „De bleche Botz“, also die „blecherne Hose“. Weil der Kölsche ja bekanntlich sehr bequem ist, wurde aus „de Bleche Butz“ irgendwann nur noch „de Blech“.

Das 1907 auf dem Gelände der "Bleche Botz" errichtete Polizeipräsidium auf einem Bild aus dem Jahr 1912, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons
Das 1907 auf dem Gelände der „Bleche Botz“ errichtete Polizeipräsidium auf einem Bild aus dem Jahr 1912, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons

„Weiberanstalt“ noch bis 1904

Es zeigte sich allerdings schnell, dass das ehemalige Kloster auf Dauer nicht den Anforderungen des Strafvollzugs entsprach und ständig überbelegt war. Daher begann man 1835 mit den Bauarbeiten am Klingelpütz, einem der damals modernsten Gefängnisse. Als 1838 dort die ersten Gefangenen einzogen, konnte die „Bleche Botz“ auf der Schildergasse in ein reines Frauengefängnis umgewandelt werden – mit der preussisch korrekten Bezeichnung „Königliche Straf- und Besserungsanstalt für weibliche Gefangene“. Für die Kölschen war es aber nur die „Weiberanstalt“, welche 1904 geschlossen und abgebrochen wurde. An dieser Stelle wurde dann das Polizeipräsidium gebaut. 

Der Kölsche geht nicht in den Knast, sondern en de Blech

Die Formulierung „en de Blech“ gehen hat aber überdauert und wurde im gesamten Rheinland zum Synonym für ein Gefängnis. Und daher gehen noch heute alle, die in den Klingelpütz oder sonstigen Justizvollzugsanstalten einfahren, en de Blech.  


Die Geschichte und Geschichten zum Kölschen Knast 


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Die Hochwasserkatastrophe im Westen – Spenden

Treibgut bei Hochwasser, Bild: Hans Braxmeier, Pixabay
Treibgut bei Hochwasser, Bild: Hans Braxmeier, Pixabay

Die Bilder aus den Hochwassergebieten machen mich sprachlos. Ich kenne Erftstadt sehr gut, habe Familie und viele Freunde dort. Die Katastrophe in Blessem ist nicht zu beschreiben, genau wie die Bilder und Berichte aus den anderen betroffenen Gebieten im gesamten Westen.

Spenden des Köln-Lotsen

Um zumindest einen kleinen Teil beizutragen, werde ich ab sofort bei jeder Tour für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer zwei Euro an die Hochwasseropfer in Erftstadt spenden. Da ich mich speziell dem Ortsteil Erftstadt-Kierdorf verbunden fühle, habe ich mich entschlossen, das Geld über die Freibadinitiative Kierdorf zu spenden.  Diese Initiative spricht die Garantie aus, dass jeder gespendete Euro auch seinen Empfänger in voller Höhe erreicht.

Falls ihr auch die Hochwasseropfer unterstützen wollt:

Freibadinitiative Kierdorf e.V.
Sonderkonto Hochwasser 
Kreissparkasse Köln
IBAN DE47 3705 0299 0191 2895 81
BIC COKSDE33XXX
Stichwort: Hochwasser Erft 2021

Bei Spenden bis 300 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Spendenbescheinigung, bei Spenden über 300 Euro bitte unbedingt die vollständige Adresse im Verwendungszweck angeben, sonst kann keine Spendenbescheinigung ausgestellt werden.


 

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Kölsche Originale: De Läsche Nas – eine riesengroße Nase als Markenzeichen

Die Läsche Nas, Bild: Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer
Die Läsche Nas, Bild: Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer

Es muss ein unvorstellbarer Gestank gewesen: Auf der Aachener Straße, kurz vor Melaten, konnten die Menschen zeitweise nur mit einem Tuch vor der Nase am Haus von Andreas Leonard Lersch, genannt „Läsche Nas“, vorbeigehen. Selbst auf dem Friedhof herrschte noch ein unvorstellbarer Gestank.

Quelle allen Übels war der Ofen von Läsche Näs. Dort kochte der berühmt-berüchtigte städtische Hundefänger zuvor eingefangene und getötete Hunde aus. Das so produzierte Fett verkaufte er in seinem Laden mit dem hochtrabenden Namen „Diätisches Mineralwarengeschäft und Kurheilanstalt“ als probates Mittel zur Schwindsucht. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet an dieser Krankheit verstarb Läsche Nas etwa zehn Jahre später. Vorher aber musste er sein Gewerbe wegen der massiven Geruchsbelästigung der Trauernden und der Besucher auf Melaten noch nach Ehrenfeld in die Nußbaumer Straße verlegen. Anscheinend war dort der Gestank eher geduldet.

Von der Bühne über den Deutsch-Französischen-Krieg zur Polizei

Als Andreas Leonard Lersch am 8. Januar 1840 geboren wurde, lag die Karriere als städtischer Hundefänger noch in weiter Ferne. Nach einer Lehre als Metzger zog es ihn im Alter von 19 Jahren auf die Theaterbühne. Der Mann mit der unübersehbar großen Nase wurde zu dieser Zeit bereits „Läsche Nas“ genannt, und die Theatermacher spekulierten darauf, den überdimensionierten Riechkolben zur Marke zu machen. Vielleicht wäre ja sogar ein großer Schauspieler aus ihm geworden. Doch die Einberufung zum Militär und die Schmähungen der Kritiker, die sich auf seine große Nase bezogen, beendeten die hoffnungsvolle Theaterkarriere bevor diese richtig starten konnte.

Nach dem Deutsch-Französischen-Krieg (1870–1871) kehrte Lersch zurück nach Köln. Seine militärische Erfahrung ebnete ihm den Weg zur Polizei. Doch auch hier stand ihm seine große Nase im Weg: Lersch sollte als verdeckter Ermittler für die Polizei arbeiten. Doch wie kommt man unerkannt an die Spitzbuben ran, wenn ein riesengroßes Riechorgan trotz aller denkbaren Verkleidungen unverwechselbar ist? Außerdem ging er wohl nicht gerade zimperlich mit Festgenommenen um. Folglich war auch dieses berufliche Kapitel schnell beendet. Als Läsche Nas seinen Dienst bei der Polizei quittierte, protokollierten die Beamten die Rückgabe folgender Gegenstände: „Zwei sechsläufige Revolver, Dolchmesser, Schlagring, Bleistock und Gummischlauch.“1Quelle: Reinhold Louis: „Kölner Originale“, Greven-Verlag

Es folgte ein kurzes Intermezzo als Wächter für die Bahn bis Lersch eine neue Aufgabe fand: Er wurde städtischer Bezirksabdecker. Es herrschten grauenvolle Zustände in der Domstadt: Die Kadaver verendeter Tiere wurden auf den Wiesen entlang des Rheins einfach vergraben. Und jedes Hochwasser spülte regelmäßig das Erdreich weg, und die halbverwesten Tiere wurden wieder freigelegt. Den Auftrag der Stadt, stattdessen ein geeignetes Gebäude für eine professionellere Tierkörperverwertung zu finden, konnte Lersch nicht erfüllen.

Wenig zimperliche Methoden als Hundefänger

Mehr Erfolg hatte er mit seiner zweiten Tätigkeit als städtischer Hundefänger. Unendlich viele Streuner verunreinigten die Stadt und brachten die Gefahr der Tollwut mit. Ab 1878 ist Andreas Leonard Lersch ausgerüstet mit Netz und einem vergitterten Karren unterwegs, um im Auftrag der Stadt Hunde einzufangen. Dabei fing er wohl – neben den Streunern, die keiner vermisste – auch manchen Haushund ein. Und dann war das Geschrei groß. Glücklich waren die Hundebesitzer, die noch rechtzeitig ihren Hund gegen ein ordentliches Trinkgeld auslösen konnten.

Läsche Nas war wenig feinfühlig mit den eingefangenen Hunden. Alle kamen in einen einzigen Käfig. Gerade die kleinen Hunde überlebten die gemeinsame Gefangenschaft mit größeren Tieren eher selten. Aber auch für die überlebenden Hunde war das Ende nah: Lersch brauchte deren ausgekochtes Fett für sein Wundermittel.

Sein rabiater Umgang mit den Tieren war stadtbekannt. Kinder verscheuchten die Streuner, wenn Läsche Nas mit seinem quietschendem Karren ankam, und auch die Erwachsenen waren mit den brutalen Methoden nicht einverstanden. Lersch trat daher regelmäßig mit zwei Polizisten auf, die ihn bei seiner Arbeit schützten. Aber zumindest die Stadt war zufrieden mit Lerschs Arbeit und übertrug ihm 1885 zusätzlich auch noch das Amt des Scharfrichters, welches er aber nie ausübte.

Mit großem Eifer energisch den Dienst versorgen

Schon zu Lebzeiten wurde Läsche Nas öfters für tot gehalten. Daran war er auch selbst schuld: Bereits zu Lebzeiten hatte er sich einen Sarg anfertigen lassen und alle Bedingungen seiner Beerdigung inklusive der Kleidung seiner Leiche festgelegt.

Am 3. Mai 1887 verstarb Läsche Nas – ausgerechnet an Schwindsucht, gegen die doch sein eigenes Mittel so vortrefflich helfen sollte. In seinem Totenzettel war zu lesen „… In ihm verliert die Stadt einen tüchtigen Beamten, welcher stets bemüht war, mit großem Eifer energisch seinen Dienst zu versorgen …“.

Wie auch immer: Die Hunde in der Stadt werden sich gefreut haben.


Der Nasenbrunnen zu Ehren des fleißigen städtischen Hundefängers Andreas Leonard Lersch, besser bekannt als "Läsche Nas", Bild: Horsch, Willy - HOWI, CC BY 3.0
Der Nasenbrunnen zu Ehren des fleißigen städtischen Hundefängers Andreas Leonard Lersch, besser bekannt als „Läsche Nas“, Bild: Horsch, Willy – HOWI, CC BY 3.0

Es passiert eher selten, dass Beamte von der Stadt ein eigenes Denkmal bekommen. Anders bei Läsche Nas: Vor dem Bezirksrathaus Ehrenfeld an der Venloer Straße steht der Nasenbrunnen zur Erinnerung an den eifrigen Beamten. Der Brunnen besteht aus zehn übereinanderliegenden Ringen mit zehn unterschiedlichen Nasen: Große, kleine, runde oder lange Nasen.


In dem Lied „Fastelovend im Himmel“ erinnert Karl Berbuer unter anderem auch an Andreas Leonard Lersch. Dort lautet es:

Un et Arnöldche fleut,
un dr Herrjott hät sing Freud,
un der Läsche Nas ehr Nas wed nass,
weil Kölle nit unger geiht.

Berbuer spielt mit dieser Zeile darauf an, dass selbst, wenn Läsche Nas unter einem Regenschirm stehen sollte, die riesengroße Nase trotzdem nass wird.


Michael Waßerfuhr von den Kölschgängern erzählt die Geschichte von Läsche Nas auf der Website der Kölschgänger in einem wunderschönen Kölsch. Schaut mal rein, lohnt sich!


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Kölner Brücken: Die Rodenkirchener Brücke – ein Hauch Kalifornien in Köln

Die Rodenkirchener Brücke, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Die Rodenkirchener Brücke, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Wenn da nicht das „Adenauer-Grün“ wäre, könnte man meinen, Köln liegt in Kalifornien – und die Rodenkirchener wäre die Golden Gate Bridge in San Francisco.

Beide Brücken sind sich in der Konstruktion sehr ähnlich: Alle 10,5 Meter legen sich Vertikalseite in Schlaufen um das Tragkabel. Aber spätestens bei der Farbe ist Schluss: Während die Golden Gate Bridge (Länge 2737 Meter) sich dunkelrot präsentiert, zeigt sich die kleinere Kölner Schwester (Länge 567 Meter) im bekannten Kölner Brückengrün.

Kleine und große Schwester: Links die Rodenkirchener Brücke vor der Verbreiterung 1994, rechts die Golden Gate Bridge, Bild: Frank Schulenburg / CC BY-SA 4.0 (im Original nicht schwarz-weiß)
Kleine und große Schwester: Links die Rodenkirchener Brücke vor der Verbreiterung 1994, rechts die Golden Gate Bridge, Bild: Frank Schulenburg / CC BY-SA 4.0 (im Original nicht schwarz-weiß)

Die ähnliche Konstruktion beider Brücken ist kein Zufall. Bauleiter der Kölner Brücke war Fritz Leonhardt (1909-1999). Leonhardt hatte Mitte der 1930er Jahre im Rahmen eines Stipendiums Nordamerika bereist und dabei Pläne der Golden Gate Bridge gesehen, die zu dieser Zeit im Bau war und 1937 eröffnet wurde.


Steckbrief Rodenkirchener Brücke

  • Autobahnbrücke mit Fahrradwegen an den Seiten
  • Länge: 567 m
  • Breite: 52,3 m
  • Fahrzeuge pro Tag: 135.000
  • Baubeginn: 1938/1952/1990
  • Fertigstellung: 1941/1954/1994
  • Eröffnung: September 1941

Gebaut als „Adolf-Hitler-Brücke“

Die Rodenkirchener Brücke wurde 1941 als „Adolf-Hitler-Brücke“ eröffnet. Das ab März 1938 erstellte Bauwerk war zu dieser Zeit die größte Hängebrücke Europas. Die Brücke verfügte damals über zwei Spuren, einem Radweg in der Mitte und zwei Fußgängerwegen außen.

Die Brücke war nicht nur Teil des geplanten Kölner Autobahnrings, sondern verband auch die rechtrheinische „Hafraba“ (Hamburg-Frankfurt-Basel, heute A 3) und die 1932 eröffnete Autobahn Köln-Bonn.1Quelle: „Rheinbrücke Rodenkirchen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-89010-20140324-3 (Abgerufen: 30. Mai 2021)

Die Rodenkirchener Brücke im Jahr 1985, noch mit vier Fahrstreifen, Bild: G.Friedrich, CC BY 3.0
Die Rodenkirchener Brücke im Jahr 1985, noch mit vier Fahrstreifen, Bild: G.Friedrich, CC BY 3.0

Wiedereröffnung 1954

Durch Bombentreffer am 14. Januar 1945 wurde die Brücke irreparabel beschädigt und ab 1952 optisch weitgehend unverändert wieder aufgebaut. Großes Glück dabei: Die Pylone der Brücke konnten wiederverwendet werden, was die Bauzeit beschleunigte und die Baukosten massiv senkte. So wurde die wiederaufgebaute Brücke bereits am 9. Dezember 1954 eingeweiht.

Die denkmalgeschützte Rodenkirchener Brücke, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2009, Bild: A.Savin
Die denkmalgeschützte Rodenkirchener Brücke, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2009, Bild: A.Savin

Eine Brücke wird „verdoppelt“

Der stetig wachsende Verkehr erforderte den Ausbau des Kölner Autobahnrings. Daher wurde bereits in den 1980er-Jahren mit dem sechsstreifigen Ausbau dieses wichtigen Verkehrswegs begonnen. Nadelöhr dabei war die Rodenkirchener Bücke, die für die sechs Spuren zu schmal war.

Die Lösung war die wundersame „Verdopplung“ der Brücke. Zwischen 1990 und 1994 wurde die Breite der Brücke durch eine Zwillingsbau auf der nördlichen Seite verdoppelt. Der Clou: Durch den Einbau einer neuen Stahl-Leichtfahrbahn konnte das Gewicht des Bauwerks massiv gesenkt werden und es wurde trotz Verdopplung der Breite nur ein drittes Tragkabel und ein dritter Pylon benötigt.

Auf den Tag genau 40 Jahre nach der Einweihung der wiederaufgebauten Brücke erfolgte am 9. Dezember 1994 die Einweihung der „verdoppelten“ Brücke.

Eine Bücke als Aufenthaltsort mit Biergarten und Spielplatz, Bild: CDU Rodenkirchen
Eine Bücke als Aufenthaltsort mit Biergarten und Spielplatz, Bild: CDU Rodenkirchen

Zukunft als „Party-Brücke“?

Heute brausen etwa 135.000 Fahrzeuge täglich über die Rodenkirchener Brücke. Bis 2030 rechnet man sogar mit knapp 160.000 Fahrzeugen pro Tag. Daher soll der Kölner Autobahnring erneut verbreitert werden – auf acht Spuren. Und wieder bildet die Rodenkirchener Brücke das Nadelöhr. Eine erneute Verbreiterung ist statisch nicht mehr möglich. Einem Abriss steht der Denkmalschutz entgegen, die Brücke steht seit April 1996 unter Denkmalschutz.

Die CDU Rodenkirchen hat eine Idee zur Lösung dieses Dilemmas vorgelegt. Dieser Vorschlag sieht vor, einen Tunnel für die Autos zu bauen und die denkmalgeschützte Brücke zum begrünten Aufenthaltsort mit Biergarten und Spielplatz umzugestalten. Oliver Kehrl, der CDU-Stadtbezirksvorsitzende, will damit „eine Nutzung als begrünte Fußgänger- und Fahrradbrücke mit enormer Aufenthalts- und Naherholungsqualität“ ermöglichen.

Auch hier sind die Vereinigten Staaten wieder Inspirationsquelle. Die „High Line“, eine etwa zwei Kilometer lange stillgelegte Bahnstrecke auf Stelzen in Manhattan, wurde bis 2019 zur Parkanlage umgebaut. Und ist heute ein attraktiver Anziehungspunkt für New Yorker und Touristen aus aller Welt.

So schließt sich der Kreis: Von der ursprünglichen Konstruktion entsprechend der kalifornischen Golden Gate Bridge könnte die Rodenkirchener Brücke entsprechend eines New Yorker Vorbilds umgebaut werden.

Und da sag noch einer, wir in Köln wären provinziell!


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Das neue Logo des Kölner Doms

 

Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen
Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen

Kölle ohne den Dom? Undenkbar!
Weil das so ist, findet sich der Dom mit seiner einprägsamen Silhouette auch auf T-Shirts, Taschen, Regenschirmen, Aschenbechern, Feuerzeugen, Kugelschreibern und so weiter. Und auch viele kölsche Einrichtungen, Firmen, Verbände oder Vereine verarbeiten den Dom in ihrem Logo. Egal ob Stadtverwaltung, IHK, Feuerwehr, Zoo, Dom-Kölsch – alle nutzen die charakteristischen Dom-Spitzen für ihre Selbstdarstellung. Selbst der Geißbock des ruhmreichen EffZeh stützt sich auf dem Dom ab.

Herausforderung: Logo für den Dom selber

In den vergangenen Jahren hat sich das Domkapitel die Aufgabe gestellt, ein Logo für den Dom selber zu finden. So wurde im Frühsommer 2019 eine Ausschreibung gestartet. Die Aufgabe: Konzeption des neuen Erscheinungsbilds für den Dom.

Mehr als 300 Agenturen aus aller Welt haben auf diese Ausschreibung reagiert. Gewonnen hat die Agentur jäger & jäger aus Überlingen am Bodensee mit einem aus sieben Dreiecken bestehenden Logo. Regina Jäger, Mitinhaberin der Gewinner-Agentur, war begeistert von diesem Auftrag: „Die Aufgabenstellung, für den Kölner Dom und die dazugehörigen Institutionen eine visuelle Klammer zu finden, gehört mit zu den spannendsten und faszinierendsten Aufgaben überhaupt: Die Schaffung einer visuellen Identität für ein weltweit bekanntes Gotteshaus und Wahrzeichen.“

Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen
Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen

Sieben Dreiecke bilden die Westfassade

Das neue Logo nutzt die weltbekannte Grundform der Westfassade des Doms. Diese wird aus sieben gleichschenkligen Dreiecken nachgebildet. Die Basis bilden drei goldene Dreiecke am Boden, die gemeinsam eine Krone bilden – als Symbol für den Schrein der Heiligen Drei Könige. Zwei weitere Dreiecke, in warmen Rottönen, zeigen nach oben und stellen die beiden Türme dar. Diese werden durch zwei weitere blau/lila gefärbte Dreiecke gespiegelt – vergleichbar wie der Dom, welcher sich selber im Rhein spiegelt.

Das Dreieck steht, so der Kölner Dompropst Guido Assmann, für den dreieinigen Gott: Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. Und es ist auch kein Zufall, dass es sich insgesamt um sieben Dreiecke handelt: Diese Zahl steht für Vollkommenheit. Immerhin wurde die Welt an sieben Tagen erschaffen. Doch die „sieben“ spielt auch an anderen Stellen in der Bibel eine entscheidende Rolle: Die Buchrolle in der Offenbarungsgeschichte enthält die sieben Siegel der göttlichen Bestimmungen für das Ende der Welt, es gibt sieben Sakramente und auch sieben Todsünden. Die verwendeten Farben greifen die klerikale Farblogik auf: Kardinäle sind an ihren roten, Bischöfe an ihren violetten Kappen zu erkennen.

Das Logo steht mit dem entsprechendem Schriftzug auch für die Organe des Doms und soll deren Zusammengehörigkeit symbolisieren. Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen
Das Logo steht mit dem entsprechendem Schriftzug auch für die Organe des Doms und soll deren Zusammengehörigkeit symbolisieren. Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen

Herleitung stimmig, Ausführung gut

Die Kritik an dem Logo ließ nicht lange auf sich warten. In den sogenannten „Sozialen Medien“ wurde sehr schnell scharf geschossen „Meister Gerhard1Meister Gerhard war der erste Dombaumeister des Kölner Domswird sich im Grabe umdrehen“ oder „grauenhaft“ sind noch die zitierfähigen Kommentare. Der oder die Nutzer*in mit dem schönen Namen „Superhörnchen“ meint sogar, dass auch Grundschüler auf das neue Logo hätten kommen können.

Es gab aber auch Zuspruch zu dem Design: „Sehr schönes Logo. Ein Logo das Namen und Dom gerecht wird.“ Oder „Die Herleitung ist stimmig, die Ausführung ist gut gemacht.“ Auch ein Fachmann wie Zeljko Cavara, Inhaber der Designagentur xyzettgraphix. | büro für visuelle kommunikation, sieht das Logo positiv: „Es ist eine große Herausforderung, für ein weltbekanntes Bauwerk ein ebenso klares, einprägsames wie auch einfaches und verständliches Logo zu entwickeln.“ Cavara weist auch darauf hin, dass solche Darstellungen ganz praktisch in jeder Größe, egal ob auf einem Bleistift oder einer Fahne, erkennbar sein müssen. Eine Bedingung, die das neue Dom-Logo erfüllt.

Logo des Nationalparks Berchtesgaden
Logo des Nationalparks Berchtesgaden

Neues Logo nur eine Kopie?

Der Kölner Express witterte gleich den ganz großen Skandal und titelte „Logo-Posse beim Kölner Dom“. Die Redakteure des Boulevard-Blattes fanden im Logo des Nationalparks Berchtesgadener Land auch sieben gestapelte Dreiecke. Kein Grund zur Aufregung, twitterte der Designer Achim Schaffrinna: „Wer sucht, wird zu JEDEM Logo ein Zeichen finden, das über gewisse Ähnlichkeiten verfügt. Deshalb ist es noch lange keine Kopie. Die einzige Posse, die ich hier zu erkennen vermag, ist die Art und Weise, wie seitens der Express-Redaktion versucht wird, ein Thema aufzubauschen.“

Der schönste und treffendste Kommentar zum neuen Logo kommt vom Kölner Designer Stefan Flach: „Alles in allem wirkt das Logo auf mich wie ein klarer, gradliniger, sauberer Ruhepol in dieser mies verbauten Stadt.“

Recht hat er!


Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen
Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen

Der Dom in Zahlen

Unser wunderschöner Dom zieht alle in seinen Bann. Und dann kommen die Fragen:
Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Antworten auf alle diese Fragen gibt der Beitrag „Von 4 bis 10 Milliarden – Der Dom in Zahlen“.


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Kölner Brücken: Die Konstantinbrücke – Kölns erste feste Rheinquerung

Darstellung der Konstantinbrcke aus dem Jahr 1608 mit viel künstlerischer Freiheit, so gab es z.B. keinen Turm in der Brückenmitte
Darstellung der Konstantinbrücke aus dem Jahr 1608 mit viel künstlerischer Freiheit, so gab es z.B. keinen Turm in der Brückenmitte

Ich ben en kölsche Bröck
üvver die halv Kölle jöck.
Ich hald‘ minge Puckel hin
für üch he am Rhing.

(Kölsche Bröck von den Bläck Fööss)

Wie schön, dass es „Köln am Rhein“ heißt. Die Stadt hat sich in den letzten 2.000 Jahren links und rechts vom Fluss gebildet. Soweit alles gut. Doch das Drama beginnt, sobald man von einer Rheinseite auf die andere wechseln will. Wenn man nicht gerade mit der Personenfähre „Krokodil“ oder der Langeler Autofähre unterwegs ist, muss man eine Brücke nehmen. Deren gibt es heute insgesamt acht. Aber es gab auch einige Vorläufer, die heute nicht mehr existieren.

Die „Konstantinbrücke“ oder auch „Römerbrücke“

Unstrittig ist, dass es diese erste Brücke über den Rhein in Köln tatsächlich gab. Strittig ist allerdings, wie sie tatsächlich ausgesehen hat und vor allem, bis wann die Konstantinbrücke genutzt wurde.


Steckbrief Konstantinbrücke

  • Konstruktion: Steinpfeiler, Holz
  • Länge: 420 m
  • Breite: 10 m
  • Fertigstellung: ca. 310 n. Chr.

Der Rhein als Grenze

Strategisch war diese Brücke ein entscheidender Vorteil für die Römer: Der Rhein bildete die Grenze zwischen den links­rhei­ni­schen von den Römern besetzten Gebieten und den rechts­rhei­ni­schen Ger­ma­nen. Während Cäsar die Gebiete links vom Rhein für „zi­vi­li­sie­rungs­fä­hig“ hielt, sprach er den „rechtsrheinischen Barbaren jegliches Ro­ma­ni­sie­rungs­po­ten­ti­al ab“1Lambrecht, Ulrich, Der Rhein im Denken der Römer, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-rhein-im-denken-der-roemer/DE-2086/lido/5d63a243246c37.82044604, abgerufen am 18.05.2021

Um die wichtige Colonia Claudia Ara Agrippinensium, unser heutiges Köln, vor den „rechtsrheinischen Barbaren“ zu schützen, wurde im heutigen Deutz etwa 308 n. Chr. das Kastell Divitia als Brückenkopf errichtet.

Goldmünze, geprägt um 315 n. Chr. in Trier. Deutlich zu erkennen ist das Kastell Divitia, seitlich des Kastells sitzen ein besiegter Franke und Alemanne. Von der Konstantinbrücke sind zwei Bögen zu sehen, Bild: Radnoti-Alföldi 1991
Goldmünze, geprägt um 315 n. Chr. in Trier. Deutlich zu erkennen ist das Kastell Divitia, seitlich des Kastells sitzen ein besiegter Franke und Alemanne. Von der Konstantinbrücke sind zwei Bögen zu sehen, Bild: Radnoti-Alföldi 1991

Und dieser Schutz der linksrheinischen Gebiete war dringend notwendig. Bereits 261 n. Chr. kam es zu ersten Plünderungen durch die Franken im Römischen Reich – auf der linksrheinischen, also römischen, Seite des Flusses. Danach gab es regelmäßig weitere Überfälle von den Germanen rechtsrheinisch auf die römischen Provinzen linksrheinisch. Um auf diese Überfälle angemessen reagieren zu können, mussten schnell Truppen verlegt werden können.

So wurde 307 bis 309 n. Chr. mit dem Bau der Konstantinbrücke begonnen, was sich durch ein spezielles Verfahren zur Bestimmung des Alters von Holz mithilfe der Jahresringe nachweisen lässt.

Geborgene Eichenholzpfähle der Konstantinbrücke, heute im Römisch-Germanischen Museum, Bild: HOWI - Horsch, Willy
Geborgene Eichenholzpfähle der Konstantinbrücke, heute im Römisch-Germanischen Museum, Bild: HOWI – Horsch, Willy

Lage entspricht ungefähr der heutigen Deutzer Brücke

Es liegen keine gesicherten, endgültigen Erkenntnisse über die Konstruktion dieser ersten Rheinbrücke vor. Eindeutig ist, dass es sich um eine Brücke in Mischbauweise gehandelt hat. „Auf Pfahlrosten mit eingefüllten Steinen ruhten die aus Quadermauerwerk bestehenden Brückenpfeiler, während der Oberbau aus Hölzern mit einer hölzernen Fahrbahn errichtet war.“2 Frank/Hanel: Die Frankenfeldzüge der Kaiser Konstantin I. und Valentinian I. – Überlegungen zur spätrömischen Rheinbrücke zwischen der Colonia Agrippina und dem rechtsrheinischen castrum Divitensium anhand dendrochronologischer Daten, https://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/reader/download/492/492-30-85880-1-10-20190802.pdf, abgerufen am 12.05.2021

Die Brücke hat sich ungefähr dort befunden, wo sich heute die Deutzer Brücke über den Rhein spannt. Vermutlich lag sie linksrheinisch zwischen der Einmündung der Salzgasse in die Frankenwerft, rechtsrheinisch führte sie unmittelbar in das Kastell Deutz, heute etwa Alt St. Heribert.

Um wie viele Brückenpfeiler es sich gehandelt hat, ist unklar. 15 Pfeiler konnten nachgewiesen werden, vermutlich handelte es sich aber um 19 Pfeiler. Die These, dass die Konstantinbrücke in der Mitte tatsächlich eine Öffnung für den Schiffsverkehr gehabt haben soll, konnte bis heute nicht belegt werden.

900 Jahre bis zur nächsten Rheinquerung

Erste, umfangreichere Reparaturen der Brücke waren um etwa 335 n. Chr. fällig. Weitere Instandhaltungen können um 365 n. Chr. nachgewiesen werden. Unklar ist aber, wie lange die Brücke bestand. Dr. Marion Euskirchen vom Römisch-Germanischen Museum geht davon aus, dass die Brücke in karolingischer Zeit nicht mehr existierte. Denn: Bei einem Besuch Karls des Großen (747-814) in Köln wird Konstantinbrücke nicht erwähnt.3Uta Kristina Maul: Erster Brückenschlag um 310 nach Christus, https://www.koeln-deutz-extra.de/home/erster-br%C3%BCckenschlag-um-310-nach-christus-heumarkt-ausstellung-widmet-sich-auch-der-geschichte-der-r/, abgerufen am 12.05.2021

Und dann dauerte es fast 900 Jahre, bis Köln mit der Deutzer Schiffsbrücke wieder eine Rheinquerung bekommen sollte, allerdings nur als schwimmende Pontonbrücke.

Es bleibt die die Hoffnung, dass es jetzt nicht weitere 900 Jahre dauert, bis das aktuelle Kölner Brücken-Chaos beendet ist.


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Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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