Köln-Ding der Woche

Jede Woche sonntags per e-mail ein Detail zu Köln. Lerne die Lieblingsplätze des Köln-Lotsens kennen, erweitere deinen kölschen Wortschatz und dein Wissen über prominente und unbekannte Kölner. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen. Und immer rund um die schönste Stadt der Welt. 

Inhalt

  • Bauwerke & Plätze
    Auch die im 2. Weltkrieg so stark zerstörte Stadt Köln hat wunderschöne Bauwerke, Orte und Plätze. Oft sind dies allerdings gut versteckt.
  • Ein paar Fragen an …
    In meiner Reihe „Ein paar Fragen an …“ befrage ich Menschen aus Köln, die etwas zu sagen haben.
  • Karneval
    Selbstverständlich nimmt die 5. Jahreszeit einen breiten Raum in unserer Stadt ein. Un et is härrlisch, Fastelovend ze fiere!
  • Köln im Krieg
    Der Krieg hat tiefe Wunden in der Domstadt hinterlassen. Zur „Stunde Null“ waren 80% der Gebäude in der Innenstadt zerstört.
  • Kölsche Persönlichkeiten
    Die alte Stadt am Rhein hat in den letzten zwei Jahrtausenden viele Persönlichkeiten hervorgebracht.
  • Kölsche Stöckelche
    Wenn der Kölsche von „Stöckelche“ spricht, dann meint er damit Anekdötchen.
  • Kölsche Tön
    Es gibt wahrscheinlich keine Stadt auf der Welt, die so oft besungen wird wie Köln.
  • Kölsche Wörter
    Die kölsche Sprache bietet wunderschöne Wörter. Und ein paar davon werden hier erklärt.
  • Stimmen zum Köln-Ding der Woche
    Ein paar Abonnenten haben mir eine Rückmeldung zum „Köln-Ding der Woche“ gegeben. 
  • Karte zum Köln-Ding der Woche
    Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.

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Weihnachtsgeschenk gesucht? Verschenkt eine Lotsen-Tour mit dem Köln-Lotsen!

Auch 2020 findet Weihnachten statt. Mal sehen, wie das so unter Corona-Bedingungen so wird. Aber: Es wird auch eine Zeit geben, in der man wieder Dinge zusammen unternehmen kann.

Mein Vorschlag: Packt eure Familie, euren Kegelclub, eure Freunde oder euren Verein ein und erkundet zusammen mit mir die schönste Stadt der Welt.

Verschenkt eine Gruppen-Tour – und ihr habt den Köln-Lotsen ganz für euch allein

Wir können gemeinsam durch die Innenstadt schlendern, durch Marienburg flanieren oder den Südfriedhof erkunden. Oder mein Tipp für feier- und trinkfreudige Gruppen: Lasst uns „Bosseln auf kölsche Art“. Ein großer Spaß für alle zwischen 4 und 99 Jahren. Alle, die bisher mit mir unterwegs waren, hatten großen Spaß.

Bei zwölf Personen kostet der Gutschein für eine Gruppentour zwölf Euro pro Person.1Beim Südfriedhof kommt noch eine Pauschale von 35 Euro für die Genehmigung der Stadt dazu, beim Bosseln noch ein Betrag für die Getränke. Für nur 144 Euro gibt es den Köln-Lotsen ganz individuell für eure Gruppe. Falls ihr mehr oder weniger Menschen mitbringt, meldet euch, dann sprechen wir einen individuellen Preis ab. Und den Termin machen wir genau so, wie er euch passt. Auf Wunsch reserviere ich auch gerne einen Tisch in einem Brauhaus für einen schönen Ausklang eurer Tour.

Ein Geschenk für nette Menschen: Gutscheine für einzelne Personen

Selbstverständlich könnt ihr auch Gutscheine für einzelne Personen verschenken. Die Gutscheine dazu gibt es für beliebig viele Personen zum Preis von 12 Euro/Kopf. Mögliche Termine für die Touren findet ihr im Kalender der Lotsen-Touren.

Individuelle Gestaltung – und keine Arbeit für euch

Falls ihr eine Lotsen-Tour verschenken wollt, meldet euch bei mir. Wir sprechen einen Termin und die Details ab und ihr bekommt dann euren individuell gestalteten Gutschein zugeschickt – das perfekte Geschenk. Und ihr habt keine Arbeit mehr. Und eine schöne Tour vor euch. Versprochen.

Gutscheine sofort bei Veedelsretter

Für alle, die es ganz eilig haben und jetzt sofort ein Geschenk benötigen, gibt es meine Gutscheine auch bei Veedelsretter.


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Adventskalender im Schaufenster

Adventskalender im Schaufenster
Adventskalender im Schaufenster

Corona macht alles unmöglich? Nä – dat stimmt nit! So gibt es zum Beispiel den „Adventskalender im Schaufenster“ von Kirche-für-Köln.

14 Geschäfte, von Bäckerei bis Buchhandlung, stellen ihre Schaufenster bereit. In diesen Schaufenstern ist jeweils ein Satz aus der Bibel zu finden. Dieser Satz ist nicht zufällig, sondern steht im Zusammenhang mit dem Angebot des Geschäfts. Alle sind eingeladen, durch das Veedel zu bummeln und auf die Suche nach den betreffenden Schaufenstern zu gehen.

Welche Läden mitmachen, ist hier zu sehen:

Der Adventskalender im Schaufenster
Der Adventskalender im Schaufenster

Bitte auch unbedingt das jeweilig angegebene Datum beachten. An diesem Tag gibt es um 17.30 Uhr vor dem entsprechenden Geschäft einen kurzen, persönlich durch die Mitarbeiter von Kirche-für-Köln vorgestellten, geistlichen Impuls. Selbstverständlich passend zu dem Bibelzitat und zum Angebot des Geschäfts.

Mein Favorit: Pfarrer Thomas Frings bietet am Mittwoch, 16. Dezember um 17.30 Uhr, diesen Impuls vor einem Dessousgeschäft an. Mal hören, was es da für Ansichten aus dem Zölibat gibt. Ich bin gespannt und werde da sein! Ihr auch?


Alle Infos zu dem „Adventskalender im Schaufenster“ gibt es auch in einem Flyer.


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Dat Dreikünnijepöötzche | Das Dreikönigenpförtchen

Das von den Kölschen" Dreikünnijepöötzche" genannte Dreikönigenpförtchen am Lichhof vor St. Maria im Kapitol, Foto: Rembert Satow, CC BY-SA 3.0
Das von den Kölschen“ Dreikünnijepöötzche“ genannte Dreikönigenpförtchen am Lichhof vor St. Maria im Kapitol, Foto: Rembert Satow, CC BY-SA 3.0

Und schon wieder jitt et kölsche Verzäll, der so nicht stimmen kann: Es kann ausgeschlossen werden, dass Rainald van Dassel mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige tatsächlich durch das Dreikünnijepöötzche, das Dreikönigenpförtchen, an St. Maria im Kapitol in die Stadt eingezogen ist. Denn: Das heutige gotische Tor stammt ungefähr aus dem Jahr 1330. Und zu diesem Zeitpunkt waren Kaspar, Melchior und Balthasar schon mehr als 150 Jahre in Köln zu Hause.

Aber egal! Denn mit diesen Reliquien stieg Köln endgültig in die Top-Kategorie der Wallfahrtsorte auf. Und das war äußerst lohnenswert für unsere Stadt: Viele Heilige bedeuten viele Pilger und viele Pilger bringen viel Geld in die Stadt. Ein Prinzip, das die Kölschen schon bei der Heiligen Ursula perfekt erkannt und in bare Münze verwandelt haben.

Zweimal wäre dat Pöötzche fast verloren gewesen

In jedem Fall hat die Legende, dass exakt durch dieses Tor die Heiligen Drei Könige in die Stadt gekommen sind, dafür gesorgt, dass dieses Bauwerk die Jahrhunderte überdauert hat. Relativ unscheinbar steht dieses kleine Tor an einer Ecke im Lichhof der Kirche St. Maria im Kapitol. Dieser unterschätzte Platz, mitten in der Stadt, bietet tatsächlich so etwas wie Ruhe im Großstadttrubel.

Dabei war es für dat Pöötzche mindestens zweimal in der Geschichte knapp: 1842 sollte der damals stark verfallene Torbogen abgerissen werden, um Platz für eine Straße zu schaffen. Nur dank der Intervention und der finanziellen Mittel vom preußischen Kronprinz Friedrich Wilhelm konnte der Bau gerettet werden.

Noch knapper war es 1944: Fliegerbomben hatten das Dreikönigenpförtchen dem Erdboden gleich gemacht. Doch der tatkräftige Wilhelm Schlombs, Volontär beim Stadtkonservator, hatte die Steine eingesammelt und eingelagert. Und „wundersame Weise“, so der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings, stand dat Pöötzche bereits 1946 wieder.

Immunitätspforte trennt Kirchenrecht und Recht der Freien Reichstadt Köln ab

Das Dreikünnijepöötzche war aber immer mehr als nur schmucker Stein für eine Legende. Tatsächlich handelte es sich um eine sogenannte Immunitätspforte. Diese Tore grenzten den Bereich der Freien Reichsstadt Köln von dem juristisch eigenständigen Areal der Klöster und Kirchen ab. Wer die Pforte durchschritt, unterlag dem Kirchenrecht. Im mittelalterlichen Köln mit seinen hunderten Kirchen und Klöstern gab es unzählige dieser Immunitätspforten. Das Dreikönigenpförtchen ist die letzte erhaltene Pforte dieser Art in unserer Stadt.

Kölner Stadtbefestigung. Links der Bayernturm, rechts das Dreikönigenpförtchen, Holzschnitt von 1531, Anton Woensams
Kölner Stadtbefestigung um 1530. Auf der rechten Seite (links neben dem Turm) ist das Dreikönigenpförtchen zu sehen (Holzschnitt von Anton Woensams)

Und wo sind die Heiligen Drei Könige jetzt in die Stadt eingezogen?

Um die Ehre von Rainald van Dassel und dem so wichtigen Pöötzche wiederherzustellen, konstatiert Ulrich Krings: „Und wenn diese Prozession mit den Reliquien tatsächlich stattgefunden haben sollte, müsste sie durch den romanischen Vorgänger des heutigen Törchens erfolgt sein.“, so der Köln-Kenner Krings1 im Kölner Stadt-Anzeiger vom 2. August 2020.

Glück gehabt – zumindest die Stelle stimmt also.


Die Heiligen Drei Könige und Maria mit dem Jesuskind, Detailansicht des Dreikünnijepöötzche, Foto: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0
Die Heiligen Drei Könige und Maria mit dem Jesuskind, Detailansicht des Dreikünnijepöötzche, Foto: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0

Die Figurengruppe der Heiligen Drei Könige und Maria mit Kind ist ein Abguss aus dem Jahr 1981. Die Originale können im Museum Schnütgen bewundert werden.   


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Solidarität in der Stadtgesellschaft: „Wir wollen glaubwürdig bleiben.“ Ein Positionspapier der KHG Köln

Die Katholische Hochschulgemeinde Köln (KHG) steht Hochschulangehörigen in ihren spezifischen Lebenssituationen bei
Die Katholische Hochschulgemeinde Köln (KHG) steht Hochschulangehörigen in ihren spezifischen Lebenssituationen bei

+++ UPDATE +++

Aktuell (Stand 20.11.2020) ist die Website der KHG wieder online.
Allerdings fehlt das Positionspapier


Obwohl ich „rheinisch-katholisch“ aufgewachsen bin, verbindet mich heute kaum noch etwas mit der Kirche – einzelne Personen in der Kirche ausdrücklich ausgenommen. Allerdings verfolge ich intensiv, was in der katholischen Kirche meiner Heimatstadt Köln passiert. Das schockiert mich und ich bin heute sehr froh, dass ich schon vor 30 Jahren ausgetreten bin.

Haltung zeigen

Neben der aktuellen Diskussion um das Missbrauchs-Gutachten gibt es aktuell eine weitere Entwicklung, die mich sprachlos macht: Die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) hat ein Positionspapier veröffentlicht. Dieses Papier hat die zunehmend größere Kluft zwischen der Kirche und der Lebenswirklichkeit junger Menschen zum Gegenstand. Das hat zu (vorsichtig formuliert) großem Ärger beim Erzbistum geführt.

Erzbistum schaltet Website der KHG ab

Ein solches Papier führt zu Diskussionen. Aber das Erzbistum hat die Website der KHG einfach abgeschaltet und den Mitarbeitern mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht. Ein unglaublicher Vorgang.

Aber gut, dass wir im Jahr 2020 leben. So hat sich die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) solidarisch erklärt und veröffentlicht das Papier auf ihrer Website. Und auch ich erkläre mich solidarisch und veröffentliche dieses Papier hier. Und wenn ihr eine Möglichkeit habt, auch dieses Positionspapier zu veröffentlichen, macht das.

Positionspapier der KHG Köln
Positionspapier der KHG Köln

Eine solidarische, aufgeklärte Stadtgesellschaft muss sich gegen einen solchen Maulkorb wehren. Zeigt Haltung und macht mit!


 

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St. Agnes – eine Kirche gibt einem ganzen Viertel den Namen

Die Agneskirche, Bild: Harald Ernst, CC BY-SA 3.0 DE
Die Agneskirche, Bild: Harald Ernst, CC BY-SA 3.0 DE

Augen auf bei der Partnerwahl! Zumindest Peter Joseph Roeckerath (*1837, † 1905) hat da in seiner zweiten Ehe alles richtig gemacht. Nachdem seine erste Frau bereits kurz nach der Hochzeit verstorben war, heiratete er Agnes Margaretha Schmitz. Und machte damit den Fang seines Lebens.

Agnes Eltern waren reiche Kappes-Boore1Kappes ist Kohl. Nach deren Tod brachte sie jede Menge Land mit in die Ehe. Diese „Boore-Kappesfelder“ waren zunächst nicht besonders viel wert – wenn da nicht ab etwa 1880 der Abriss der Stadtmauer und die Stadterweiterung gekommen wären. Roeckerath erkannte, dass aus den Kappesfeldern wertvolles Bauland wurde. Er tauschte, kaufte und verkaufte Land und brachte es als Bauunternehmer zu beträchtlichem Wohlstand. Dabei hat es ihm mit Sicherheit nicht geschadet, dass er im Kölner Rat saß und später Mitglied des Reichstages war. Dat es in Kölle esu: Man kennt sich – man hilft sich.

Stiftung für das Seelenheil

Ein schwerer Schicksalsschlag war der Tode seiner geliebten Frau Agnes im Jahr 1890. Der erfolgreiche Bauunternehmer und konservative Christ beschloss daraufhin, etwas für sein Seelenheil – und auch das seiner Frau – zu tun und stiftete die Agneskirche. In der Vorhalle der Kirche steht daher in Stein gemeißelt:

„Zum frommen Andenken an die Frau Agnes Roeckerath, eine vortreffliche Gattin und Mutter, haben der überlebende Mann und ihre zehn Kinder und Schwiegerkinder diese Pfarrkirche zu Ehren der hl. Agnes, der Jungfrau und Märtyrerin, erbauen lassen.“
[Übersetzung]

Der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings sieht in dieser Stiftung auch den Vorteil für den schwerreichen Bauunternehmer selbst: „Roeckerath war im 19. Jahrhundert ein letztes strahlendes Beispiel für die 1.000 Jahre alte christliche Tradition, sich mit Spenden und Stiftungen das Himmelreich zu verdienen“.2Krings im Kölner Stadt-Anzeiger vom 07.11.2019

Agnes und Peter Joseph Roeckerath zur Hochzeit 1867
Agnes und Peter Joseph Roeckerath zur Hochzeit 1867
Umstrittener Standort

Baubeginn der Agneskirche war 1896. Nach den Plänen der Architekten Rüdell und Odenthal wurde ein neugotisches Gebäude nach dem Muster der Elisabethkirche in Marburg gebaut. Der Standort der Kirche war zunächst umstritten. Verworfen wurden Standorte im Belgischen Viertel oder an der Vorgebirgsstraße. Wer weiß – vielleicht wäre das Belgische Viertel heute das Agnesviertel? Denn die stattliche Kirche gab dem ganzen Viertel, welches eigentlich „Neustadt Nord“ heißt, den prägenden Namen: Et Agnesveedel.

Die Architekten planten ein streng neugotisches Gotteshaus mit einem schlanken, spitzen Turm. Doch hier konnte sich der Stifter Roeckerath durchsetzen: Gebaut wurde eine reine Hallenkirche mit „Turmanlage ohne Helm“.  Andere Quellen behaupten, dass das Geld für den Bau ausgegangenen wäre und der „halbe“ Turm ein Kompromiss gewesen wäre. Wie auch immer – entstanden ist ein imposanter Kirchenbau: Gemessen am Volumen ist die Agneskirche die zweitgrößte Kirche Kölns.3Platz 1 belegt selbstverständlich der Dom.

Die Agneskirche wurde 1901 fertiggestellt und liegt genau an der Weggabelung von Neusser Straße und Niehler Straße. Der Bau ist nicht, wie eigentlich bei Kirchenbauten üblich, nach Osten, sondern auf die Ringe ausgerichtet.

Erinnerung an den Widerstand in der Krypta

Unweit der Agneskirche entwickelte sich in den 1930er Jahren der Kölner Kreis, eine Widerstandsbewegung gegen die Nationalsozialisten. Zentrum dieser Bewegung war das Ketteler-Haus, die Kölner Zentrale der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Die führenden Köpfe waren Bernhard Letterhaus, Nikolaus Groß und Prälat Otto Müller. Die Kölner Widerständler arbeiteten eng mit dem „Goerdeler Kreis“ zusammen. Das Ziel war, Hitler zu stürzen und den Krieg zu beenden.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurden auch die Mitglieder des Kölner Kreis festgenommen. Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß wurden hingerichtet, Otto Müller starb im Gefängniskrankenhaus Berlin-Tegel. Die Nationalsozialisten wollten jede Erinnerungsmöglichkeit an die Widerstandkämpfer auslöschen. Daher wurden die Leichname verbrannt und die Asche verstreut.

Die Widerstandskämpfer des Kölner Kreises: Bernhard Letterhaus, Nikolaus Groß und Prälat Otto Müller, Bild: Bilder (Groß/Müller): Dat doris, CC BY-SA 4.0
Die Widerstandskämpfer des Kölner Kreises: Bernhard Letterhaus, Nikolaus Groß und Prälat Otto Müller, Bild: Bilder (Groß/Müller): Dat Doris, CC BY-SA 4.0

Zur Erinnerung an diese Männer dient heute die Krypta von St. Agnes. Mit massiven Eisentüren und vergitterten Fenstern erinnert dieser Ort eher an ein Gefängnis.

Massive Zerstörung im Krieg

Der Bombenkrieg führte auch in St. Agnes zu schweren Schäden. Das Dach ging in Flammen auf und das Gewölbe des Kirchenschiffs stürzte ein. Im Mai 1945 zerstörte das einstürzende Chorgewölbes den Hochaltar. Hastig wurde eine flache Betondecke eingezogen, und im Oktober 1950 konnte der Kirchenraum wieder eingeweiht werden.

Ein Brand zerstört 1980 den Dachstuhl der Agneskirche, Bild: Digit, WDR
Ein Brand zerstört 1980 den Dachstuhl der Agneskirche, Bild: Digit, WDR

Die unschöne Betondecke wurde von einer gefächerten Holzkonstruktion des Dombaumeisters Willy Weyres verdeckt. Diese Decke sollte unter Denkmalschutz gestellt werden. Als alles dafür vorbereitet war, brach am 18. Juni 1980 ein Feuer in St. Agnes aus. Das Löschwasser zerstörte die kunstvolle Deckenkonstruktion. In einem Video ist zu sehen, wie die Flammen meterhoch aus dem Dachstuhl schlagen.          

Aber – Glück im Unglück: Stattdessen wurden die ursprünglichen Gewölbe wieder hergestellt. Und St. Agnes erstrahlte wieder im Glanz, den sich der Stifter Peter Joseph Roeckerath gewünscht hatte.

Der prachtvolle Innenraum von St. Agnes, Bild: Till Niermann, CC BY-SA 3.0
Der prachtvolle Innenraum von St. Agnes, Bild: Till Niermann, CC BY-SA 3.0

11.11. um 11.11 Uhr in St. Agnes: Bleibt jeck & bleibt gesund

Ein wunderschönes Video zeigt den herrlichen Innenraum von St. Agnes. Schaut euch diesen Film an und freut euch insbesondere ab Minute vier über wunderschöne Musik.  


Milliardenfund bei Renovierung

2015 wurden die Opferstöcke der Kirche renoviert. Und diese Überarbeitung hat sich gelohnt: Es wurden mehrere Milliarden in Scheinen gefunden. Das Geld befand sich in Ritzen und doppelten Böden der Opferstöcke.

Der größte Schein hat einen Wert von 50 Milliarden. Leider handelte es sich dabei um Reichsmark aus der Inflation in den 1920er Jahren. Pfarrer Frank Müller von St. Agnes meint dazu in einem Interview des Domradios: “Ich vermute mal, dass man damals für 50 Milliarden gerade mal ein Brötchen oder einen Fahrschein für ein öffentliches Verkehrsmittel bekam.“.


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Drink doch keine met | #blievzohuss

Das kölsche Grundgesetz in Corona-Zeiten
Das kölsche Grundgesetz in Corona-Zeiten

Am Mittwoch den 11.11. um 11.11 Uhr wäre es soweit: In normalen Zeiten würden wir feiern und dä Fastelovend begrüßen. Auf dem Heumarkt, in den Kneipen, in den Veedeln. 2020 feiern wir nicht. Wir bleiben zu Hause. Um die vor dem Corona-Virus zu schützen, die gefährdet sind.

Ja – ich höre auch ganzjährig Fastelovendsmusik. Aber dieses Jahr am 11.11. zu Hause. Auch wenn es manche nicht glauben werden – die Welt wird sich auch nach dem 11.11. ohne Sessionseröffnung weiterdrehen. Lasst uns Verantwortung tragen. Und wenn es nur darum geht, einmal nicht zu feiern, ist das extrem einfach.

Deswegen schließe ich mich vorbehaltlos dem Aufruf „Wir bleiben zu Hause“ vieler prominenter Kölnerinnen und Kölner an.  Und das solltet ihr alle auch tun: Wer das Alaaf liebt, bleibt zu Hause. Oder wie es im umgeschriebenem kölschen Grundgesetz lautet:

Drink doch keine met. 

Vell Jröööööß, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Uli, der Köln-Lotse


Hier der Aufruf im Wortlaut:
Liebe Kölnerinnen und Kölner, liebe Jecke von weiter draußen,

der Elfte im Elften ist ein kölscher Feiertag. Wir feiern dabei weit mehr als nur den Auftakt einer wunderschönen Tradition, bei der uns die halbe Welt staunend zusieht – wenn sie nicht gleich zu Besuch kommt. Wir feiern die Liebe, die Freiheit und das Leben. Su lang mer noch am Lääve sin. Und damit kommen wir zu einem Problem.

Denn in diesem Jahr bedeutet die kölsche Freiheit, überall und jederzeit mit jedermann zu feiern, Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Das Leben unserer Großeltern, der Nachbarin oder der Kollegin mit Asthma. Unser Sessions-Motto von 2015, „Mer stelle alles op d’r Kopp“, ist in diesem Jahr von einem gänzlich humorbefreiten Virus gekapert worden.

Darum werden wir am kommenden Mittwoch nicht mit neuen Freunden, Jecken von überall her, schunkeln und singen können. Und dieser Versuchung sind wir zum Glück auch nicht ausgesetzt, denn am 11.11. sind sämtliche Kneipen dicht. Bereits vor dem Lockdown hatten die meisten Kölner Kneipenwirte Verantwortung übernommen und angekündigt, ihre Orte der Geselligkeit freiwillig zu schließen.

Trotzdem bleibt die Sorge groß. Vor allem bei denen, die durch das Coronavirus besonders gefährdet sind. Weil sie in unserer Stadt mit dunkelrotem Inzidenzwert zur Risikogruppe zählen. Oder weil ihre berufliche Existenz durch den Lockdown massiv bedroht ist.

Denn das größte Problem, das sind wir alle. Mit unserer kölschen Geselligkeit. Wenig geht über feiern mit Freunden. Aber derzeit geht das nicht. Auch nicht am 11.11.

Und nein, Sie sind sicher nicht das Problem! Sie haben bestimmt schon beschlossen, brav auf dem Sofa sitzen und sich alte Karnevals-Sitzungen auf Youtube anzuschauen. Was mehr als in Ordnung ist. Denn natürlich bleiben wir glühend jeck. Im Kopf wie im Herzen.

Aber wissen das auch Ihre Kinder und Enkel, Ihre Nachbarn von unten und alle Ihre Freunde und Bekannte? Wenn Sie auch nur ein kleines bisschen unsicher sind: Sprechen Sie mit Ihnen. Sagen Sie, dass selbst kleine Feierlichkeiten am 11.11. in Köln tabu und Gäste von außerhalb diesmal leider nicht willkommen sind. Dass wir zusammenstehen müssen – indem wir nicht zusammen stehen.

Und teilen Sie Ihnen mit, dass wir das kölsche Grundgesetz in dieser Corona-Session umgeschrieben haben. Et es wie et es? Nein! Diesmal nicht!

Das kölsche Grundgesetz in Corona-Zeiten
Das kölsche Grundgesetz in Corona-Zeiten

Unterzeichnet von: 

  • Carolin Kebekus, Comedian
  • Oliver Niese, Cat Ballou
  • Elke Heidenreich, Autorin
  • Guido Cantz, TV-Moderator und Redner
  • IG Gastro Köln
  • Christine Westermann, Moderatorin
  • Liz Baffoe, Schauspielerin
  • Henning Krautmacher, Höhner
  • Sven Welter, Paveier
  • Mo-Torres, Musiker
  • Erry Stoklosa, Bläck Fööss
  • Mike Kremer, Miljö
  • Jürgen Becker, Kabarettist
  • Volker Weininger, Kabarettist
  • Biggi Wanninger, Stunksitzungspräsidentin
  • Tobias Mintert, Barbetreiber
  • Björn Heuser, Liedermacher
  • Annette Frier, Schauspielerin
  • Alexander Wehrle, 1. FC Köln
  • Jürgen Domian, Moderator
  • Toni Schumacher, FC-Legende
  • Uli Kievernagel, Köln-Lotse

Rückmeldungen

Ich habe verschiedene Rückmeldungen zu diesem Beitrag erhalten. Und Toni hat das neue kölsche Grundgesetz noch um einen ganz wichtigen Punkt erweitert:

Hallo Uli,
watt en schlaue Verfassung. Ävver eine Artikel hann se verjesse: Mir maskeere uns em janze Johr! (Domit mir noch lang  övver d’r Südfriedhof loofe künne un nit do lieje müsse.)
Ne schöne Jrooß 
Toni 

Und Henning aus Münster kennt mich persönlich und beschreibt meinen Schmerz sehr gut:

Mein lieber Köln – Lotse,
ich weiß, wie schwer es Dir fallen wird, die Füße ab dem 11.11. still zu halten. Daher meinen Respekt, es nicht nur selbst zu tun sondern auch dazu aufzurufen.
Es ist wahr, richtig und wichtig, sich genau so zu verhalten, auf dass es nächstes Jahr wieder unbeschwert möglich sein wird zum alten Grundgesetz zurück zu kehren. Respekt, dass Du zu den Unterzeichnern gehörst, Jood jemaht.
Alaaf aus Münster.
Henning

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Ne janz hätzlische Jlöckwonsch, leeven Bläck Fööss

Die Bläck Fööss im Jahr 2020, Bild: Leonie Handrick
Die Bläck Fööss im Jahr 2020, Bild: Leonie Handrick

Leck mich en dä Täsch – jetzt feiern die Fööss bereits ihr 50jähriges Bandjubiläum. Dazu auch vom Köln-Lotsen ne janz hätzlische Jlöckwonsch. Un: Et deit mir leid, dat die Party wejen däm bedrissenen Corona erst nächstes Jahr stattfindet.

Die Fööss als konstanter Bestandteil im Leben

Wenn man in den 1970er Jahren hier aufgewachsen ist, ist man automatisch auch mit den Bläck Fööss aufgewachsen. Das ging bereits beim Fastelovend im Kindergarten los. Wir tanzten ausgelassen zu „Pänz, Pänz, Pänz“ oder „De Mama kritt schon widder e Kind“. In der Schule später wurde eher „Ming eetste Fründin“ interessant. Als Teenager war man natürlich viel zu cool um zuzugeben, dass man bei „Huusmeister Kaczmarek“ gerne leise mitrappt:

Hammer keine Hammer, jo wo hammer en dann,
hammer keine Hammer, jo dann nemme mer de Zang,
hammer keine Hammer un finge mer kein Zang,
jo, dann nemme mer su lang de Iesestang.
Hibbe di Hipp Hipp, de Hibbe di Hopp,
do haue mer de Näl met d’r Stang op d’r Kopp.

So haben die Fööss für jede Gemütslage den passenden Song bereit. Zum Beispiel für Exil-Kölsche die melancholische Heimweh-Ballade „Ich han ’nen Deckel“

Ich hätt niemols, niemols
jedaach, dat ich su oft
an Kölle denke muss.

Und auch die älteren Titel der Fööss sind top aktuell. Immer mehr zahlungskräftige Menschen ziehen in die Veedel, die alteingesessenen Bewohner werden „wegsaniert“. So werden ganze Bevölkerungsgruppen einfach ausgetauscht. Das Schlagwort dafür ist  „Gentrifizierung“. Dieses Wort war in den 70ern noch nicht bekannt. Aber der Vorgang sehr wohl. Und wird von den Föös in dem Lied „Mer losse d´r Dom in Kölle“ aufgegriffen.

Das schönste Geburtstagsgeschenk haben sich die Fööss selbst gemacht

Heute sind die Fööss fester Bestandteil des kölschen Kulturguts. Und das ist gut so, denn ohne die neue Art der Bläck Fööss, kölsche Lieder zu interpretieren, gäbe es heute weder Brings noch Kasalla, Cat Ballou oder Miljö.

Bömmel Lückerath, Bild: Bläck Föös
Fööss-Gründungsmitglied Bömmel Lückerath, Bild: Bläck Föös

Mit dem flammneuen Lied „50 Johr (met Musik em Bloot)“ haben sich die Fööss selber ein wunderbares Geburtstagsgeschenk gemacht. Der Song greift viele der Fööss-Klassiker auf und holt diese wunderbar in unsere aktuelle Zeit. Da steht im „Bickendorfer Büdche“ auf einmal „ene Hermes Shop“ und „En de Weetschaff op d’r Eck es hück en Wettbüro.“. Selbst der Buur, der einst in Berkesdörp op d’r Huhzick ausgelassen üvver Desch un Bänk un Stöhl jedanz hät, feiert in dem Lied bereits seine joldene Huhzick.

Die schönste Liedzeile in „50 Johr“ aber betrifft eine gewisse Katharina Meier:

„Un ich laach mim Meiers Kättche
weil et zo schwer es für mi Rädsche.“

Und jeder Kölsche erinnert sich an et Kättche, den Webers Mattes und an die wunderbaren Ereignisse, die man mit in den letzten 50 Jahren mit den Fööss-Songs erlebt hat.

Junge, dat hat ühr esch jood jemaht. Vielen Dank.


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Rückmeldungen zu „Verleihung des Karl-Küpper-Preises an Carola Rackete“

Der Karl-Küpper-Preis, eine wunderschöne Hommage an den unangepassten Büttenredner, Gestaltung und Bild: Gestalteratelier Werner Blum
Der Karl-Küpper-Preis, eine wunderschöne Hommage an den unangepassten Büttenredner, Gestaltung und Bild: Gestalteratelier Werner Blum

Liebe Leser des „Köln-Ding der Woche,

am 24. Oktober 2020 habe ich zur Verleihung des Karl-Küpper-Preises an Carola Rackete zwei offene Briefe veröffentlicht: Einen offenen Brief mit herzlichen Glückwünschen an die verdiente Preisträgerin und einen zweiten offenen Brief an die Menschen, die, insbesondere in den sogenannten „Sozialen Medien“, die Vergabe dieses Preises kritisieren.

Zu diesen offenen Briefen habe ich viele Rückmeldungen bekommen, ähnlich wie im November 2019.1Damals habe ich den Versuch der AfD kritisiert, das Gedenken an Karl Küpper zu missbrauchen. Über die ausnahmslos positiven Stimmen zu meinen offenen Briefen habe ich mich sehr gefreut.

Hier eine Auswahl dieser Rückmeldungen.


Exakt auf den Punkt bringt es Toni Rütten:  

Lieber Uli Kievernagel,
Ihre beiden offenen Briefe zur jüngsten Verleihung des Karl-Küpper-Preises – kein Wort zu wenig, kein Satz zu viel – habe ich wieder mit ganz viel Freude gelesen. Kölsche Identität ist eben mehr als nur ein Produkt von Brauchtumspflege und Nostalgie. Sie ist auch eine couragierte Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Zukunft unserer Stadtgesellschaft. Und deren Determinanten werden nicht nur am Rhein, sondern auch im Mittelmeer entschieden.
Danke!
Hätzliche Jrööß vun d’r schäl Sick
Toni Rütten


Auch Werner Blum, der Gestalter des „Karl-Küpper-Preises“ und der Gedenktafel im Gürzenich hat sich gemeldet: 

 
Hallo Uli Kievernagel,
es freut mich sehr, dass Sie mit Ihren zwei offenen Briefen so öffentlich Stellung bezogen und so deutlich Worte gefunden haben.
Denn das braucht es jetzt. 
Mit besten Grüßen und schönes Wochenende
Werner Blum
 
Ein großes DANKE auch an Werner Blum vom Gestalteratelier für diese Bilder des Preises und der Gedenktafel sowie der Genehmigung, diese hier veröffentlichen zu dürfen. 


Andrea aus Kerpen hat geschrieben:

Liebster Uli, 
großartiger Beitrag, insbesondere dein offener Brief an die Gegner der Preisverleihung!
Ich hatte darüber schon in der Zeitung gelesen und sofort an dich und deinen Beitrag über Küpper gedacht.
Viele Grüße
Andrea

Annette aus Raderberg schreibt:

Sehr schöner Newsletter, lieber Köln-Lotse!
Viele Grüße
Annette

Michael hat sich wie folgt gemeldet:

Hallo Uli,
danke für deine tollen Worte und den offenen Brief!
Viele Grüße
Michael 

Sandra aus dem Kölner Süden meint:

 
Sehr gut geschrieben, Herr Köln-Lotse.

Auch Jürgen aus Hennef hat sich gemeldet:

Lieber Uli,
herzlichen Dank für Ihre beiden offenen Briefe, Sie sprechen mir aus der Seele.
Bleiben Sie sich treu und „wigger su“!
Gruß Jürgen

Anette meint:

Lieber Uli,
klare Worte, klare Stellungnahme.
Es wird viele positive Rückmeldungen geben; hast Du sehr gut gemacht!!
Liebe Grüße

Anette


Selbstverständlich habe ich auch dem Festkomitee die beiden Briefe zugeschickt. Vom Präsidenten Christoph Kuckelkorn kam keine Rückmeldung, genau wie vor einem Jahr, als ich um eine Stellungnahme zu dem AfD-Versuch, das Gedenken an Karl Küpper zu missbrauchen, gebeten habe. Die Pressestelle des Festkomitees hat kurz und knapp geantwortet:

Herzlichen Dank für die Berichterstattung und viele Grüße
 
Bei dieser Rückmeldung bleibt die Frage offen, ob die Damen und Herren sich überhaupt die Mühe gemacht haben, die beiden Briefe zu lesen.

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.

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Carola Rackete wird mit dem Karl-Küpper-Preis ausgezeichnet

Verleihung Karl-Küpper-Preis an Carola Rackete, Bild: Raimond Spekking
Verleihung Karl-Küpper-Preis an Carola Rackete, Bild: Raimond Spekking

Am 19. Oktober 2020 hat Carola Rackete den Karl-Küpper-Preis erhalten. Und ich bin extrem stolz auf unseren Karneval und diese Entscheidung.

Dieser Preis erinnert an den unbeugsamen Büttenredner Karl-Küpper und wird an Menschen vergeben, die sich für den Schutz der Demokratie und gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form der Diskriminierung engagieren. Im Jahr 2020 wurde der Preis an Carola Rackete vergeben.

Carola Rackete hat als Kapitänin mit dem Seenotrettungsschiff „SeaWatch 3“ Geflüchtete auf dem Mittelmeer vor dem Tod gerettet. Doch kein Hafen wollte das Schiff mit den 52 Geflüchteten aufnehmen. So fuhr Rackete, trotz Verbot, in den Hafen von Lampedusa ein, um das Elend der Geflüchteten an Bord zu beenden. Sie wurde noch im Hafen festgenommen.

Zur Feier dieses Preises veröffentliche ich im „Köln-Ding der Woche“ heute zwei offene Briefe:

  1. Einen offenen Brief mit herzlichen Glückwünschen an die Preisträgerin
  2. Ein offenen Brief an die Menschen, die, insbesondere in den sogenannten „Sozialen Medien“, die Vergabe dieses Preises kritisieren.

Offener Brief an Carola Rackete

Liebe Carola Rackete,

Karl-Küpper wäre am Montag sehr stolz gewesen. Der nach ihm benannte Preis hat mit Ihnen eine würdige Preisträgerin gefunden. Genau wie Karl-Küpper haben Sie Ihre eigene Person zurückgestellt und ohne Rücksicht auf negative Konsequenzen gehandelt. Sie haben Menschlichkeit bewiesen, wo andere Menschlichkeit heucheln. Oder – um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen: Danebenstehen reicht nicht aus. 

Unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat nicht umsonst in ihrer Rede zur Preisverleihung Wert darauf gelegt, den Begriff „Zivilcourage“ exakt zu definieren: „Ein Risiko eingehen, die eigene Unversehrtheit, die eigene Existenz nötigenfalls gefährden, um für den zivilisatorisch höchsten Wert einzustehen: Die Menschenfreundlichkeit. Und was kann noch höher eingeschätzt werden als die Rettung von Menschen?“ Sie haben angepackt und Menschenleben gerettet. Gegen alle Widerstände. Wie Christoph Kuckelkorn sehr richtig gesagt hat, haben Sie „ … die Sicherheit anderer über ihre eigene gestellt“.

Die Sea Watch 3, Bild: Chris Grodotzki / Sea-Watch.org, CC BY-SA 4.0
Die Sea Watch 3, Bild: Chris Grodotzki / Sea-Watch.org, CC BY-SA 4.0

Sie gehen geradlinig Ihren Weg – genau wie Küpper es getan hat. Auch er hat sich nicht verbiegen lassen und hat auf der Bühne Haltung bewiesen. In einem Interview haben Sie Ihre moralische Verpflichtung beschrieben: „Ich habe eine weiße Hautfarbe, ich bin in ein reiches Land geboren worden, ich habe den richtigen Reisepass, ich durfte drei Universitäten besuchen und hatte mit 23 Jahren meinen Abschluss. Ich spüre eine moralische Verpflichtung, denjenigen Menschen zu helfen, die nicht meine Voraussetzungen hatten.“1La scelta di Carola. In: repubblica.it. 26. Juni 2019 Und weil Sie, genau wie Karl Küpper, Ihre ganz besonderen Fähigkeiten und Ihren Mut einsetzen, sind Sie eine würdige Preisträgerin.

Leeven Frau Rackete, ne janz hätzlische Jlöckwonsch.

Viele liebe Grüße aus Köln

Uli Kievernagel


Offener Brief an die Gegner dieser Preisverleihung

Abscheu. Faschistische Gedanken. Blanker Hass. Als ich eure Facebook-Kommentare zur Verleihung des Karl-Küpper-Preises gelesen habe, hat sich mir der Magen umgedreht. Habt ihr denn nichts verstanden?

„Es gibt wieder Faschisten, die Angst und Hass predigen.“ so Gerhard Küpper, Sohn von Karl-Küpper bei der Preisverleihung. „Und wieder laufen die Leute ihnen nach wie die Lemminge“. Na – fühlt ihr euch ertappt?

Nur zur Klarstellung – falls ihr das nicht mitbekommen haben solltet: Hier wird völlig zu Recht eine Frau ausgezeichnet, die Menschenleben gerettet hat. Mit dem Karl-Küpper-Preis, welcher an Menschen vergeben wird, die sich für den Schutz der Demokratie und gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form der Diskriminierung engagieren. Passt also und Karl-Küpper wäre stolz gewesen. 

Und dann wäre da noch der falsche verstandene Lokalpatriotismus in euren Kommentaren „Ävver dä Preis hätte doch ene Kölsche kräje müsse“. Warum? Nehmt mal eure kölsche Scheuklappen ab! Dann werdet ihr feststellen, dat et uch woanders Lück met Jewesse und Kurasch jit.

Vell Jrööööß

Uli

PS Und NEIN – Carola Rackete ist durch den Preis nicht reicher geworden. Sie hat das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro an Flüchtlingsorganisationen in Libyen gespendet. Auch das ist vorbildlich.


Was in der ganzen Diskussion etwas untergegangen ist: Die Gestaltung des Preises ist sensationell. Der Preis ist einer Bütt nachempfunden und mit unserem Stadtwappen geschmückt. Dabei steht aber eine der Kronen schräg – als Erinnerung an den unangepassten Karnevalisten Karl Küpper.

Die Gestaltung stammt von Werner Blum. Blum konzeptioniert und gestaltet Awards, Skulpturen und Grossplastiken und gehört zum Wagenbauer-Team des Festkomitees.

Weitere Informationen: Werner Blum, Gestalteratelier


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

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Albert Richter: Radsportidol und Gegner der Nationalsozialisten

Der Kölner Radsportler Albert Richter (1912-1940), Bild: Nicola54
Der Kölner Radsportler Albert Richter (1912-1940), Bild: Nicola54

Es war typischer Nazi-Jargon, den die Fachzeitschrift „Illustrierter Rad-Rennsport“ im Juli 1934 veröffentlichte:

„Was sich vor unseren Augen abspielt ist das Emporfliegen eines Adlers zum Licht des Erfolgs. Auf seinen Flügeln trägt er Ruf und Ruhm des Landes, das er sein Vaterland nennt, der Stadt, die er Vaterstadt heißt.“

Adler – Vaterland – Ruhm. So etwas gefällt den braunen Machthabern. Was ihnen nicht gefallen haben dürfte: Der in diesem Text geehrte Albert Richter trägt kein Hakenkreuz auf seinem Trikot, verweigert bei Siegerehrungen den Hitlergruß und lässt sich von einem Juden managen.

Ein Ausnahmetalent im Radsport

Albert Richter war ein extrem erfolgreicher Kölner Radrennsportler. Geboren am 14. Oktober 1912 im proletarischen Ehrenfeld gewann Richter mehrfach den „Grand Prix de Paris“, wurde Amateur-Weltmeister, mehrfacher Deutscher Meister und gewann den „Großen Preis der Nationen“ sowie den „Großen Preis von Berlin“.

Dabei war seine Begeisterung für den Radsport dem Vater ein Dorn im Auge. Kein Wunder: Kaum ein Sport war so verletzungsanfällig. Daher trainierte Richter heimlich und versteckte die ersten Pokale im heimischen Elternhaus in der Sömmeringstraße 72 unter dem Bett.

Den sportlichen Durchbruch schafft er mit gerade mal 19 Jahren und wird Weltmeister der Amateur-Sprinter – der Beginn einer großen Radsport-Karriere. Noch im Jahr 1932 wechselt der talentierte Radrennfahrer in den Profi-Bereich und fährt auch hier in die Weltspitze.

Der Antifaschist Richter verweigert den Hitlergruß

Nach der Machtergreifung Hitlers spürte Richter den wachsenden Gegenwind. Sein Wechsel in den Profibereich wurde kritisiert. Sport hatte, nach nationalsozialistischer Ideologie, zur Wehrertüchtigung zu dienen. Das Idol der Nazis war ein Amateur, der seinen Sport zum Wohle des Vaterlands und nicht gegen Geld ausübte.

Noch kritischer aber war seine offensichtliche judenfreundliche Gesinnung. Sein Trainer, Manager und väterlicher Freund Ernst Berliner war Jude. Aber Richter hielt an seinem Trainer fest, auch als dieser 1937 in die Niederlande flüchtete. So trat Albert Richter gemeinsam mit seinem ­jüdischen Trainer 1938 bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Amsterdam auf.

Trotzdem – oder gerade deswegen – versuchte die Gestapo mehrfach, Richter als Spitzel zu gewinnen. Dieser lehnte ab: „Ich habe im Ausland nur Freunde. Ich kann derartiges nicht tun.“ Tatsächlich lebte Richter lange in Paris. In der internationalen Radsport-Szene hatte er enge Freunde, darunter den Belgier Jef Scherens und den Franzosen Louis Gérardin. Gemeinsam mit Richter traten diese als „Die drei Musketiere“ bei den Radrennen auf.

Der Sportpark Müngersdorf, im Vordergrund die Albert-Richter-Radrennbahn, Bild: Raimond Spekking
Der Sportpark Müngersdorf, im Vordergrund die Albert-Richter-Radrennbahn, Bild: Raimond Spekking

Richter will aus Nazi-Deutschland fliehen

Als im September 1939 der Krieg ausbricht, will Albert Richter emigrieren. Es ist für ihn unmöglich, gegen Franzosen zu kämpfen: „Ich bin ein Deut­scher, aber für Deutsch­land kann ich nicht kämp­fen, wenn es sich ge­gen Frank­reich wen­det. Ich ge­he nach Frank­reich, nicht um mich der Wehr­pflicht zu ent­zie­hen, son­dern um nicht auf Men­schen schie­ßen zu müs­sen, die ich lie­be, die mich lie­ben und de­nen ich so­ viel zu ver­dan­ken ha­be.“ 

Sein letztes Rennen fährt der Ausnahmesportler am 9. September 1939 – er gewinnt den „Großen Preis von Berlin“. Danach will er nur noch weg aus Nazi-Deutschland. Mit seinem Rad steigt er Silvester 1939 in einem Zug nach Basel. Fatal: Richter schmuggelt in den Reifen des Fahrrads versteckt 12.700 Reichsmark. Dabei handelt es sich nicht um sein eigenes Geld, sondern um Geld eines jüdischen Textilhändlers, welches Richter diesem in der Schweiz übergeben will. Doch dazu kommt es nicht mehr.

Bei einer vermeintlichen Routinekontrolle in Weil am Rhein wird das versteckte Geld gefunden. Es ist davon auszugehen, dass die Gestapo einen Tipp aus dem näheren Umfeld Richters erhalten hat. Richter wird verhaftet und in Lörrach inhaftiert.

Zwei Tage später erfährt die Familie von der Verhaftung. Sein Bruder Josef macht sich schnellstmöglich auf dem Weg nach Lörrach. Zu spät: In der Zelle findet Josef Richter nur noch die Leiche des Bruders. Offiziell heißt es zunächst „Selbstmord“, dann „Skiunfall“ und dann „auf der Flucht erschossen“. Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass nichts davon stimmt und Albert Richter von der Gestapo ermordet wurde.

Sonderbriefmarke der DDR zu Ehren Albert Richters (1965)
Sonderbriefmarke der DDR zu Ehren Albert Richters (1965)

Nazis wollen vergeblich Gedenken an Richter verhindern

Dem Nazi-Hetzblatt „Der Völkische ­Beobachter“ war der Tod des Radsportidols nur die Meldung „Heute rot – morgen tot.“ wert.  Auch der gleichgeschaltete Radsport reagierte im Magazin „Deutsche Radfahrer“ prompt: „Sein Name ist für alle Zeiten in unseren Reihen gelöscht.“. Doch hier irrte die braune Propaganda.

In der DDR wurde ein Kinderheim nach ihm benannt, zwei Radrennbahnen trugen seinen Namen und 1965 gab es eine Albert-Richter-Sonderbriefmarke.

Die Bundesrepublik tat sich wesentlich schwerer mit dem Gedenken. Im Jahr 1966 erstatte Ernst Berliner, der Trainer und Freund Richters, Anzeige gegen unbekannt im Zusammenhang mit Richters Tod. Das Verfahren wurde allerdings bereits 1967 ohne Ergebnis eingestellt.

Stolperstein vor dem Elternhaus Albert Richters, Bild: Nicola
Stolperstein für Albert Richter, Bild: Nicola

Erst mit ihren Recherchen zu ihrer 1998 veröffentlichten Richter-Biografie „Der vergessene Weltmeister“ sorgte die Historikerin und Journalistin Renate Franz dafür, dass Richter als Sportler wieder wahrgenommen wurde. Bereits seit 1996 trägt die Radrennbahn am Stadion seine Namen. Dort findet sich eine Bron­ze­ta­fel mit der In­schrift „Zum Ge­den­ken an Al­bert Rich­ter – Op­fer na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Un­mensch­lich­keit“. 

Die lebendigste Erinnerung an den Ausnahmesportler ist aber das jährliche Radrennen ihm zu Ehren. Start ist an der Sömmeringstraße in Ehrenfeld, wo Albert Richter aufwuchs.


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Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.

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