Halsbandsittiche in Köln: Grüne Plage oder Bereicherung?

Ein Halsbandsittich, Bild: Clément Bardot, CC BY-SA 4.0
Ein Halsbandsittich, Bild: Clément Bardot, CC BY-SA 4.0

Wenn man mit auswärtigen Gästen in der Stadt unterwegs ist, stehlen sie einem manchmal die Schau: „Guck mal – ganz viele Papageien“ heißt es dann immer begeistert und schnell werden die Handys gezückt, um die Vögel zu fotografieren. Fragt man allerdings die Kölschen, fällt das Urteil über die Vögel etwas nüchterner aus. Besonders von den Anwohnern, die im direkten Umfeld der Schlafbäume dieser Tiere wohnen: „Manchmal habe ich gedacht: Man muss sie alle abschießen“, so ein Anwohner der Kölner Südstadt und direkter Nachbar eines solchen Schlafbaums.

Für manche Menschen schöne Vögel, für andere schreckliche Plagegeister: Halsbandsittiche in Köln, Bild: Ingrid Beckers
Für manche Menschen schöne Vögel, für andere schreckliche Plagegeister: Halsbandsittiche in Köln, Bild: Ingrid Beckers

Die Rede ist von den etwa 40cm großen grünen Halsbandsittichen und den mit etwa 60 cm etwas größeren Alexandersittichen. Die Sittiche fliegen tagsüber in kleinen Gruppen in der Stadt herum und kommen abends in großen Schwärmen zusammen, um gemeinsam in einem Schlafbaum zu übernachten. Dabei handelt es sich um ein Instinktverhalten der Vögel. Wenn dann mehr als tausend dieser Vögel in einem Baum sitzen, geht das natürlich nicht ohne lautes Geschnatter. Schlimmer ist allerdings der Kot der Vögel. „Seit diesem Jahr ist es schlimm, jeden Tag ist alles weiß“, so ein Mitarbeiter des Wirtshauses „Im roten Ochsen“ am Rheinufer 1Kölner Stadt-Anzeiger vom 23.10.19. Dieses Gasthaus ist besonders betroffen, haben die Vögel doch vor kurzem einen Schlafbaum in unmittelbarer Nähe okkupiert.

Von privaten Vogelbesitzern freigelassen

Die ersten Halsbandsittiche in freier Wildbahn in Köln wurden etwa Ende der 60er Jahre gesichtet. Das Gerücht, dass diese damals aus dem Zoo getürmt seien, stimmt nicht. Die ursprünglich in Afrika und Asien heimischen Vögel wurden von privaten Vogelbesitzern freigelassen und vermehrten sich mangels natürlicher Feinde rasant. Heute leben etwa 2.700 dieser Tiere in Köln. Das ist kein kölsches Phänomen, in ganz NRW schätzt man den Bestand auf 4.500 Vögel.  Große Bestände der Halsbandsittiche gibt es auch in Frankfurt, Wien, Barcelona oder Amsterdam. Die Vögel stellen dabei keine Gefahr für heimischen Arten dar.

Etwa 30 cm groß, grasgrün mit rotem Schnabel: Ein Halsbandsittich, Bild: Ingrid Beckers
Etwa 30 cm groß, grasgrün mit rotem Schnabel: Ein Halsbandsittich, Bild: Ingrid Beckers
Mit Wasser und Dauerbeschallung gegen die Vögel

Getrieben von genervten Anwohnern hat die Stadt Köln einen Ornithologen beauftragt, Methoden zur Vertreibung der Vögel in der Südstadt zu finden. Dabei hat der Umweltausschuss festgelegt, dass den Tieren kein Schaden angetan werden darf. Somit fällt die Jagd auf die Vögel aus. Doch es gibt noch mehr als 30 weitere Methoden der „Vergrämung“, so das Fachwort für die Vertreibung. Dazu zählt der Einsatz von Wasser oder Schall, aber auch Raubvogelattrappen, Vogelscheuchen bis hin zu Laserstrahlen.

Bevor es jedoch in der Südstadt dazu kommen konnte, sind die Vögel von ihrem angestammten Schlafbaum in der Nähe des Bürgerhauses Stollwerck etwa einen Kilometer stadteinwärts umgezogen – in die direkte Nachbarschaft des „Roten Ochsen“. Jetzt haben zwar die Südstädter Ruhe vor den Tieren, aber in den Innenstadt wächst der Widerstand. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die menschlichen Nachbarn der Schlafbäume zu drastischeren Mitteln greifen, um die Tiere zu vertreiben. Vielleicht lohnt sich ein Anruf in der Südstadt. Dort hatte ein Anwohner eine laute Böllermaschine eingesetzt.


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Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper

Jede Woche bekomme ich einige Rückmeldungen zum jeweiligen „Ding der Woche“. Mal Korrekturen, mal ergänzende Hinweise und ganz oft Lob. Aber noch nie habe ich so viele Rückmeldungen wie letzte Woche zum Beitrag „AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen“ bekommen. Und ausnahmslos alle stimmen mir zu.

Dafür ein großes DANKE!

Ich habe mich dazu entschlossen eine repräsentative Auswahl davon zu veröffentlichen. Dabei findet ihr hier nur die Rückmeldungen, bei denen ich ausdrücklich den Namen der Absender nennen darf.

Falls ihr euch auch noch melden wollt – nur zu! Ich ergänze diese Seite gerne auch mit euren Beitrag.

Uli, der Köln-Lotse

PS Karl Küpper selber hat 1952 auf der Bühne mit ausgestrecktem Arm zu den wieder zu Ruhm & Ehre gekommen Nazis gesagt „Et eß ald widder am rääne!“. Und gleiches würde er auch heute zur AfD sagen.


Zwischenzeitlich hat auch die Abstimmung im Stadtrat zu dem Vorstoß der AfD stattgefunden. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. DANKE an alle Mitglieder des Rats, die sich nicht vor den Karren der AfD spannen lassen. Hier der Bericht aus dem Kölner Stadt-Anzeige dazu:

Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2019
Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2019

Unter dem Titel „AfD … absurd“ hat sich Ulrich Feith von den Kölner Ratsbläsern gemeldet. Diese Truppe von hervorragenden Musikern ist fester Bestandteil des Kölner Karnevals. 

Ehrlichkeit und Authentizität des Ausrufenden einer Ehrung sind maßgebend, wenn eine Ehrung ausgesprochen wird oder werden soll. 

Ehrungen sind Respektbekundungen, die nur wenn sie auch ehrlich gemeint sind ihre wohltuende Wirkung entfalten können.

Der AfD fehlt leider diese spezielle notwendige Eigenschaft den ehrwürdigen Karl Küpper zu ehren, weil sie eine vortäuschende, manipulative und scheinbare Ehrlichkeit für diese Ehrung gebrauchen, die Karl Küpper zu Lebzeiten sicher mit einer passenden pointierten Äußerung zu kommentieren gewusst hätte.

Ulrich Feith
Kölner Ratsbläser


Diese Rückmeldung kam von bekannten Karnevalisten Klaus Rupprecht. Er ist ein bekannter Büttenredner und tritt immer zusammen mit seinem „sprechenden Affen“ Willi auf:

Mein Leben lang hat mich die deutsche Vergangenheit persönlich sehr beschäftigt und ich habe mich immer bemüht, klar Stellung gegen rechtes Gedankengut zu beziehen. Auf der Bühne ist es in meiner Rolle etwas schwierig, denn bei einem kleinen Affen nimmt man politische Bemerkungen nicht wirklich ernst, aber den einen oder anderen Seitenhieb in die rechte Ecke hat es auch von Willi immer gegeben, und das wird auch weiter passieren. 
Privat bin ich der Meinung, dass es noch immer – und leider wieder – zu viele Menschen gibt, die seinerzeit unter den Nationalsozialisten gelitten haben, und denen nach dem Krieg nicht nur die nötige Anerkennung und Wiedergutmachung versagt wurde, sondern die auch noch unter der Arroganz und Ignoranz alter Nazis leiden mussten, die mit dem Persilschein rein gewaschen wurden, weil sie für den Aufbau des neuen Deutschlands offensichtlich unverzichtbar waren. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, wie viel Zivilcourage ein Mann wie Karl Küpper gehabt haben muss, um seine Ansichten in dieser Zeit überhaupt öffentlich zu machen. Und das auch noch auf diese herrlich ironische Art, die den Charakter einer guten Büttenrede auszeichnet. Jeder Vergleich mit heutigen Rednern hinkt gewaltig, denn außer der einen oder anderen Kritik hat ein Redner heutzutage doch nichts wirklich Negatives zu erwarten. Von daher sollten wir alle den Narrenhut ziehen vor Karl Küpper.
Man fragt sich unwillkürlich, warum ausgerechnet eine Partei wie die AFD einen solchen Vorschlag unterbreitet. Der Willi sieht das übrigens genauso… und beantwortet die offene Frage so:
Laut Statistik ist einer von vier AFD- Politikern … genauso doof wie die anderen drei!
Mit affigen Grüßen
Klaus und Willi


Annette Full aus Raderberg hat sich auch gemeldet. Sie hat den Beitrag auch auf der Seite des Bürgervereins RADERBERG und -THAL e.V. veröffentlicht:

Lieber Köln-Lotse,
mal wieder ein großartiger Beitrag!
Müsste der nicht auch als Leserbrief an sämtliche Zeitungen?
Ich übernehme diesen gerne für die Website des Bürgervereins RADERBERG und -THAL.
Liebe Grüße
Annette Full

Hinweis:
Ich habe den Artikel auch als Leserbrief an den Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau. Im Stadt-Anzeiger wurde dieser am 11.11.2019 abgedruckt:

Leserbrief Karl Küpper, abgedruckt im Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.2019
Leserbrief Karl Küpper, abgedruckt im Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.2019

Diese Rückmeldung kam von Stephan Otten aus Köln:

Lieber Uli,
danke für die klaren Worte! Diese kann man nicht oft genug erheben, um dem Rechtsruck entgegenzuwirken und die Halsbandsittiche fliegen noch ein wenig länger um das Maritim Hotel.
Oft genug hat die Vergangenheit gezeigt, dass „Geschichte“ missbraucht und zu Gunsten von Machtstrebenden verändert bzw. angepasst wurde – dieser Missbrauch darf mit Karl Küpper nicht passieren!
Gerade gestern Abend ist uns auf der Museumsnacht im ELDE Haus bewusst geworden, wie der Karneval vom NS Regime genutzt – nein, missbraucht wurde. Eine dunkle Seite in Kölns Geschichte.
Politik war und ist immer im Karneval zuhause – ob auf Festwagen oder in Büttenreden, dass soll auch so bleiben finde ich – dies hat nun jedoch nichts mehr mit Politik, geschweige denn demokratischer Meinungsäußerung zu tun und ich erwarte hier genauso eine klare Stellungnahme des Festkomitees und hoffe, dass dieses Thema zumindest in den alternativen Karnevalssitzungen lautstark Einzug findet! 
Weiter so!!!!
 Gruß,
Stephan Otten


Franz-Josef Knöchel hat sich auch gemeldet. Er ist schon seit 1983 Mit-Organisator einer jährlichen Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938.

Hallo Uli,
richtig so – Arsch huh! Und auch ganz gezielt die Honoratioren ansprechen mit „Höre ich Euch?!“ Ein ganz toller Beitrag über den Verdötschten, den ich als Nicht-Karnevalist und Nicht-Kölner bisher gar nicht kannte.
Korrekt und mutig v.a. auch Deine Aussagen zur AfD, die ich vollumfänglich unterschreiben würde!

Mit extra herzlichen Grüßen – keinen Handbreit den Faschisten!
Franz-Josef Knöchel


Aus Solingen hat mich diese Mail von Axel Sobek erreicht:

Super Beitrag.
Ich hoffe, dass es nie wieder regnet!
Liebe Grüße
Axel Sobek


Falls ihr euch noch dazu äußern wollt – gerne

„Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper

Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.
Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.

TOP AKTUELL: AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen

Gleich zweimal wurde Karl Küpper von den Nazis von den Bühnen verbannt: Zunächst 1939 mit einem ausgesprochenen Auftrittsverbot durch die braunen Machthaber. In der Nachkriegszeit wurde er zum zweiten Mal Opfer der vermeintlichen Eliten. Die alten Nazis, die es in Politik und Gesellschaft wieder zu Ruhm und Ehre gebracht haben, stellten ihn mit einem faktischen Auftrittsverbot kalt.

Und jetzt, 80 Jahre später, vergreifen sich wieder Politiker von Rechtsaußen an dem verdienten Karnevalisten. Ausgerechnet die AfD, deren Protagonist sogar laut Gerichtsbeschluss Faschist genannt werden darf, will einen „Karl Küpper Preis“ für die beste politische Büttenrede der Session ins Leben rufen. Also eine Partei, die eindeutig rechtes Gedankengut vertritt, will einen erklärten Gegner für ihre perfiden Zwecke missbrauchen.

Um eins klarzustellen: Würde Karl Küpper heute noch leben, wäre er entschiedener Gegner der widerlichen Politik der AfD. Sein Sohn, Gerhard Küpper, wendet sich auch ganz entschieden gegen diese Provokation. Er schreibt in einem Brief an unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker „Mein Vater war zu seinen Lebzeiten strikt gegen jede Form nationalsozialistischen Gedankenguts und hat sie mit allen Mitteln unter Lebensgefahr bekämpft; würde er heute noch leben, würde er diesen Kampf auch mit der AfD aufnehmen.“.

In aller Deutlichkeit

Wenn eine tiefbraune Partei sich ausgerechnet an einem Gegner der NS-Diktatur vergreift, um diesen für ihre populistischen Zwecke zu missbrauchen, müssen wir alle unsere Stimme dagegen erheben. Also liebes Festkomitee, liebe Präsidenten der Karnevalsgesellschaften, liebe aktive Büttenredner – höre ich euch?


Die bisher vorliegenden Rückmeldungen habe ich in diesem Beitrag veröffentlicht:

Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper


Der Karneval und das Dritte Reich sind ein dunkles Kapitel. Zu den lobenswerten Ausnahmen gehört der Büttenredner Karl Küpper. Als „Ne Verdötschte“  machte sich Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen über die Nazis lustig. Ein Klassiker waren seine Auftritte, die Hand zum Hitlergruß ausgetreckt und die Frage in den Raum „Is et am rääne?“ oder auch „Su huh litt der Dreck bei uns im Keller.“

Seine subversiven Auftritte blieben nicht ohne Folgen. Im Jahr 1939 belegten die Nazis ihn mit einem lebenslangem Rede- und Auftrittsverbot. Einer Verhaftung umging er mit seiner freiwilligen Meldung zur Wehrmacht. Das Redeverbot wurde aufgehoben und Küpper spielte im Fronttheater.

Zurück aus Kriegsgefangenschaft war Küpper wieder Redner im Karneval – und prangerte die Einflussnahme der alten Nazis in Wirtschaft und Gesellschaft an. So hob er bei einem Auftritt im Karneval 1951 den rechten Arm und rief in den Saal „Et es widder am rähne!“. Und wieder wurde er Opfer der vermeintlichen Eliten und mit einem faktischen Auftrittsverbot im Karneval bestraft. Küpper beendete 1960 seine Karriere als Büttenredner und wurde Gastwirt in Köln-Kalk. 1970 verstarb Karl Küpper im Alter von 64 Jahren. Sein Grab ist auf Melaten zu finden.

Im Jahr 2011 hat die Stadt einen Platz in der Innenstadt nach Karl Küpper benannt (https://goo.gl/maps/8V3yjtNgesx). Die aber wohl schönste Ehrung für Küpper stammt von der Stunksitzung: Präsident Jürgen Becker hat eine Rede des „Verdötschten“ im originalen Wortlaut vorgetragen.


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30. Oktober 1944: Bombenangriff löscht Hochzeitsgesellschaft vollständig aus

Zugangstreppe vom Bunker auf Melaten, Bild: Hans Jörg Michell, www.lindenthal.blog
Zugangstreppe vom Bunker auf Melaten, Bild: Hans Jörg Michell, www.lindenthal.blog

Und wieder heulen die Sirenen: Fliegeralarm in Köln. Es ist der 30. Oktober 1944, etwa 20.30 Uhr. Die fast schon regelmäßigen Angriffe auf die Stadt zermürben die Menschen. Und doch sucht eine Gruppe von feiernden Menschen so etwas wie Normalität in der grausamen Zeit des Kriegs und feiert eine Hochzeit. Eine Feier mit etwa 100 Menschen in einer Gaststätte in Lindenthal, mittendrin das frisch vermählte Brautpaar.

Doch der Fliegeralarm beendet die Feier vorzeitig. Die gesamte Gesellschaft sucht einen Schutzraum auf dem nahe gelegenen Friedhof Melaten auf. Bei diesem Schutzraum handelt es sich nicht um einen vollständig gesicherten und entsprechend geschützten Bunker, sondern nur um einen Deckungsgraben, so Robert Schwienbacher vom Kölner Institut für Festungsarchitektur1Quelle: Kölner-Stadt Anzeigers vom 26. November 2015. Schwienbacher: „Streng genommen handelt es sich nicht um einen Bunker sondern um einen Deckungsgraben, der Schutz vor Trümmern, Splittern Gaseinwirkung und der Druckwelle bieten sollte.“ Dies wird der Hochzeitgesellschaft zum Verhängnis. Die im Volksmund genannten „Angströhren“ waren einfacher und kostengünstiger herzustellen – aber auch wesentlich unsicherer als echte Luftschutzbunker. Eine der Schwachstellen dieser Bauwerke ist der Luftschacht. Und genau an dieser Stelle schlägt eine Fliegerbombe ein. Die Menschen in dem Bunker haben keine Chance. Die ungeheure Druckwelle der Bombe dringt nahezu ungehindert in die „Angströhre“ ein und zerfetzt sofort die Lungen der Menschen. Keiner der Schutzsuchenden überlebt diesen Tag.

Die Generalprobe zum jüngsten Gericht

Der Angriff vom 30. Oktober 1944 ist einer der verheerendsten Fliegerangriffe auf Köln. Innerhalb von weniger als zwei Stunden laden etwa 1.000 Bomber ihre tödliche Fracht ab. 200.000 Brandbomben und mehr als 4.000 Sprengbomben verwüsten vorwiegend die westlichen Stadtteile, weil sich die Bomber an der Aachener Straße orientieren. 554 Menschen sterben in dieser Nacht.

Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force
Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force

Auch das St. Elisabeth-Krankenhaus (Hohenlind) wird schwer getroffen. Ein Pater aus dem Krankenhaus sprach in dieser Nacht von der „Generalprobe zum jüngsten Gericht“. In den folgenden Tagen kommen die Kölner kaum noch nach,  Tote und Verletzte zu zählen. Der Historiker Martin Rüther berichtet, dass die Leichen auf Müllwagen abtransportiert wurden.2 Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Darstellungen – Bilder – Quellen. Emons Verlag, Köln, 2005

20.000 tote Kölner durch Luftangriffe

Die noch folgenden Luftangriffe trafen eine fast menschenleere Stadt: Nur noch etwa 40.000 Menschen lebten zur „Stunde Null“ am 8. Mai 1945 in Köln. Vor dem Krieg, im Jahr 1939, gab es noch mehr als 760.000 Einwohner. Insgesamt fordern die 262 Luftangriffe auf Köln 20.000 Tote.
Zu diesen Toten gehören auch die in der „Angströhre“ auf Melaten Gestorbenen der Hochzeitgesellschaft. Allerdings verliert sich ihre Spur, es gibt kein Gemeinschaftsgrab und keine Aufzeichnungen dazu. Um die Erinnerung wachzuhalten, hat der Kölner Stadtkonservator Ralf Beines zum 50. Jahrestag im Jahr 1994 eine Plakette an dem noch existierenden, aber total verfallenen, Schutzraum anbringen lassen. Der Journalist Tim von Lindenau hat den Bunker besichtigt und ein beeindruckendes Video dazu veröffentlicht. 


Bereits am 29. Juni 1943 gab es den verheerenden „Peter-und-Paul-Angriff“ auf Köln.


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Kölsche Wörter: Fimpschig – Übersetzung unmöglich

Ein fimpschiger Kerl mit der tödlichen Männergrippe, Bild: vschlichting, Zoonar
Ein fimpschiger Kerl mit der tödlichen Männergrippe, Bild: vschlichting, Zoonar

Es wird kälter und grauer – und prompt sieht man sie wieder:
Fimpschige Kääls, die tirek die Pips han.
Also die typische, lebensbedrohende Männergrippe. Wichtig ist, dass die Kääls, also die Kerle, anders als die Frauen, fimpschig sind. Womit in diesem Fall so etwas wie „wehleidig“  gemeint ist.

Als kleiner Trost für uns Männer gilt aber dabei, dass alles mögliche fimpschig sein kann. Egal, ob es sich um Menschen oder Dinge handelt. Sobald etwas nicht perfekt ist, nennt es der Kölsche „fimpschig“. So kann auch ein wackeliges Möbelstück fimpschig sein. Oder ein Buch, welches nicht wirklich lesenswert ist, wird als fimpschig bezeichnet, ebenso wie ein Essen, welches nicht schmeckt. Auch ein empfindlicher Mensch kann fimpschig sein. Bei Brings klingt das in „Jeck Yeah“ so:
„Ich bin fimpschig un neidig
un vill zo schnell beleidigt.“

Eindeutige Übersetzung unmöglich

Daher ist eine eindeutige Übersetzung von fimpschig ins Hochdeutsche unmöglich. Klar ist nur, dass fimpschig negativ belegt ist. Allerdings auch nicht so negativ, dass zum Beispiel ein fimpschiges Brötchen direkt weggeschmissen werden muss. Essen kann man es noch – aber eben nicht mit Genuss. Oder ein Kind kann auch mit einem fimpschigen Spielzeug spielen – nur eben nicht lang, weil jedem klar ist, dass so etwa schnell kaputt geht.

Nach dem Rheinischen Mitmachwörterbuch stammt fimpschig von „fimpen“  ab, welches „übel, faulig riechend“ bedeutet. Also nix Gutes. Der Kölsche bezeichnet daher auch wehleidige Menschen, in der Regel Männer, als Fimpsch. Womit wir wieder bei der tödlichen Männergrippe wären. Gute Besserung! 


Es gibt noch weitere kölsche Wörter, die sich nicht eindeutig übersetzen lassen wie zum Beispiel „Jedöns“.  


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Wasserflugzeughafen auf dem Rhein

Der kleine Wasserflugzeughafen auf dem Rhein. Im Hintergrund sind die Deutzer Messehallen zu erkennen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Der kleine Wasserflugzeughafen auf dem Rhein. Im Hintergrund sind die Deutzer Messehallen zu erkennen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Es muss ein toller Anblick gewesen sein: Auf dem Rhein, etwa in Höhe von St. Kunibert, beschleunigt ein Wasserflugzeug und hebt noch vor der Bastei ab. Zwischen 1926 und 1928 war das kein Einzelfall. Zunächst führte die Westflug GmbH Werbeflüge am Rhein durch und transportierte auch Post. Ab Mai 1927 führte die Lufthansa regelmäßige Passagierflüge auf der Linie Köln – Duisburg – Rotterdam durch.

Gestartet wurde von einem etwa 50 Quadratmetern kleinen Holzfloß auf dem Rhein in Höhe der Kunibertsgasse, direkt gegenüber dem Rheinpark. Am Ufer befand sich noch ein kleines Häuschen. Dort wurde die Post gelagert. Besonders kurios: Wenn es nicht genug Fracht oder zu wenige Passagiere gab, wurden Reichsbahnmitarbeiter von der nahe gelegenen Reichsbahndirektion als Ballast für den sicheren Flugbetrieb angefordert. Auf der Website „Geschichte der Kölner Luftfahrt“ berichtet ein Augenzeuge: „… Die angeforderten Leute flogen dann mit bis nach Frankfurt/M. und kamen anschließend mit der Eisenbahn wieder zurück. Dies erfolgte kostenlos, da die ausgesuchten Eisenbahnmitarbeiter im Besitz von Dienstfahrkarten waren …“.

Die Kabine einer Junkers F 13 - ausgestattet mit Korb und Polstersesseln sowie mit Beleuchtung und einer Heizung. Bild: Firmenarchiv Hugo Junkers
Die Kabine einer Junkers F 13 – ausgestattet mit Korb und Polstersesseln sowie mit Beleuchtung und einer Heizung. Bild: Firmenarchiv Hugo Junkers

Luxus: Flugzeuge mit Heizung

Geflogen wurde mit zu Wasserflugzeugen umgerüsteten Junkers F 13. Anders als die damals üblichen Flugzeuge aus mit Stoff bespannten Holz- oder Stahlrohr handelt es sich bei diesem Typ um das erste Ganzmetallflugzeug, welches in der zivilen Luftfahrt eingesetzt wurde. Die bis zu 190 km/h schnelle F 13 verfügte über zwei Pilotensitze und vier Passagiersitze. Als luxuriös galt damals das integrierte Heizsystem sowie die Innenbeleuchtung.

Ein Flugzeug auf dem Weg zum Wasserflugzeughafen. Das Gebäude im Hintergrund direkt am Rhein ist die Bastei, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ein Flugzeug auf dem Weg zum Wasserflugzeughafen. Das Gebäude im Hintergrund direkt am Rhein ist die Bastei, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Warum dieser kleine Wasserflugplatz betrieben wurde, ist heute unklar. Immerhin gab es schon den Flughafen Butzweilerhof. Der Luftfahrtexperte Werner Müller dazu im Kölner Stadt-Anzeiger „Ich vermute mal, dass man aus Kostengründen den Rhein bevorzugt hat“. Ein Ausbau des kleinen Wasserflughafens wurde schnell verworfen, auch wenn man sogar über eine Transatlantik-Verbindung nachdachte. Der rege Schiffsverkehr auf dem Rhein sowie sich verändernde Pegelstände mit Niedrigwasser machten den Betrieb mit großen Wasserflugzeugen unmöglich.

Im August 1927 stellte die Lufthansa den Flugbetrieb auf Rhein an St. Kunibert ein. Das Floß fand wurde in den Niehler Hafen geschleppt und für eine andere Luftpost-Verbindung genutzt.


Ein großes DANKE an Werner Müller vom Historischen Luftfahrtarchiv Köln für die Bilder. Die sehenswerte Webseite des Luftfahrtarchivs zeigt noch viel mehr von der bewegten Luftfahrtgeschichte in unsere Stadt: Vom Zeppelin über den Butzweilerhof bis zum Flughafen Wahn.


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„Am Nümaat zwei Päädsköpp“ – Richmodis von Aducht

Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Es ist Mitte des 14. Jahrhundert. In ganz Europa sterben die Menschen an der Pest. Etwa 25 Millionen Tote rafft der „Schwarze Tod“ dahin. Das sind etwa ein Drittel der Einwohner Europas. Besonders stark trifft es die Städte, in denen  die Menschen eng, zum Teil mit Vieh, zusammenleben. Infizierte bekommen zunächst starkes Fieber, dann entstehen am gesamten Körper Beulen, und innerhalb weniger Tage tritt der Tod ein. Die Ärzte sind hilflos. Regelmäßig schaden sie ihren geschwächten Patienten zusätzlich, indem sie diese zur Ader lassen oder mit Brechmittel oder Einläufen behandeln.

Die Seuche erreicht im Sommer 1349 auch Köln. Das öffentliche Leben kommt – aus lauter Angst vor einer Ansteckung – zum Stillstand. Nur wenige Menschen sind bereit, den Kranken zu helfen. Darunter ist die Patrizierin Richmodis von Aducht. Sie stammt aus der angesehenen und wohlhabenden Familie Lyskirchen und heiratet 1346 den einflussreichen Kölner Bürgermeister Richolf Mennegin von Aducht, genannt Mengis. Sie pflegt Pestkranke und steht auch Sterbenden bei ohne sich anzustecken.

Zwei Schimmel auf dem Turm

Doch mit der zweiten Welle der Pest, etwa sieben Jahre später im Jahr 1356, infiziert sich auch Richmodis von Aducht und stirbt an der Krankheit – das dachten zumindest alle. Wegen der Ansteckungsgefahr muss der vermeintliche Leichnam schnell aus dem Haus am Neumarkt geschafft werden. Daher wird ihr eilends ein dünnes Totenhemd angezogen, ein Sarg wird beschafft und Richmodis wird zum nahegelegenen Friedhof an der Apostelnkirche geschafft, um am Folgetag beigesetzt zu werden.

Zwei Totengräbern entgeht dabei nicht, dass der Leichnam der reichen Kölnerin Schmuck trägt. Insbesondere ein wertvoller Ring weckt ihr Interesse. So gehen sie nachts in die Leichenhalle, öffnen den Sarg und wollen die Leiche bestehlen. Der erste Schreck kommt schnell, ist doch die Hand, von welcher einer der Diebe den Ring ziehen will, noch warm. Vollends panisch fliehen die beiden, als sich Richmodis mit den Worten „Mir ist so kalt.“ aufrichtet. Schnell wird ihr klar, wo sie sich befindet und dass sie nicht weit weg von zu Hause ist. Also läuft sie nach Hause und klopft an die Tür. Doch selbstverständlich lässt sie der vom Klopfen geweckte Knecht nicht rein – da könnte ja jeder kommen. Auch ihre Beteuerung, dass sie doch die Dame des Hauses sei, hilft nicht. Aber immerhin weckt der Knecht den vermeintlichen Witwer Mengis. Auch dieser reagiert verständlicherweise eher unwirsch und weist die Person vor der Tür an, zu verschwinden. Auf ihren Einwand, dass sie doch seine Frau sei, antwortet Mengis voller Trauer: „Meine Frau ist tot. Eher steigen meine beiden Schimmel die Treppe hinauf in den Turm und schauen aus dem Dach heraus, als dass Richmodis wiederkehrt.“

Kaum ausgesprochen sind im Treppenhaus die Hufgeräusche von Pferden zu hören, anschließend ein lautes Wiehern aus dem Turm des Hauses – und zwei Pferde schauten aus den Turmluken. Erst jetzt glaubt Mengis, dass tatsächlich seine von den Toten auferstandene Frau vor der Tür steht. Überglücklich schließt er seine totgeglaubte Frau in die Arme. Richmodis wird wieder vollständig gesund und bringt sogar noch drei Kinder zur Welt.

Ende gut – alles gut! Übrigens auch für die Pferde. Diese wurden nicht zur rheinischen Spezialität Soorbroode verarbeitet sondern mit einem Flaschenzug wieder sicher vom Turm herabgelassen. Noch heute erinnert der achteckige „Richmodis-Turm“ an der Richmodstraße an diese Sage und noch immer schauen zwei steinerne Schimmel vergnügt aus den Fenstern.

Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Wahrer Kern der Sage

Wie so oft bei solchen Sagen ist irgendwo ein wahrer Kern verborgen. Tatsächlich muss in der Stadt während der Pest das totale Chaos geherrscht haben. So starben im 14. Jahrhundert etwa 20.000 Menschen in Köln an der Seuche. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Bevölkerung. Und deswegen ist davon auszugehen, dass es bei der Leichenschau nicht besonders genau zuging und so mancher vermeintlich Tote schneller in einer der zahlreichen Leichengruben landete als der Tot ihn tatsächlich ereilte.


Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH
Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH

Neben dem Richmodis-Turm erinnert heute das Richmodis-Kölsch an die Sage. REWE hat die alte Marke, ursprünglich 2002 eingestellt, im Jahr 2012 wieder belebt. Das Logo zeigt die beiden Schimmel und das Gebäude.


Übrigens: Wenn der Kölsche eine Geschichte nicht glaubt, entgegnet er „Klar – un am Nümaat zwei Päädsköpp“. Und Wolfgang Niedecken hat im gleichnamigen Song die Richmodis-Sage musikalisch verarbeitet.  Den wunderschönen Text gibt es hier – auf Kölsch und auch in einer hochdeutschen Übersetzung.


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CCAA, Cöln, Köln – wie unsere Stadt zu ihrem Namen kam

Ansicht von „Agrippina oder Köln“, gedruckt 1499 durch Johann Koelhoff d. J.
Der Name war schon damals unklar: Ansicht von „Agrippina oder Köln“, gedruckt 1499 durch Johann Koelhoff d. J.

Die Kölschen benennen und besingen ihre Stadt liebevoll als „Kölle“.  Unzählige Lieder haben „Kölle“ bereits im Titel. Und Kasalla besingt sogar „Stadt mit K“. Noch vor gut 100 Jahren hätte Kasalla allerdings die „Stadt mit C“ besingen müssen. Die offizielle Schreibweise für unsere Stadt lautete bis 1919 „Cöln“.

Vom Oppidum Ubiorum zu CCAA

Alles begann mit den Ubiern. Dieser ursprünglich auf der „Schäl Sick“, also der rechten Rheinseite, beheimatete Germanenstamm wurde von den Römern um 20/19 v. Chr. auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde „Oppidum Ubiorum“, also „Siedlung der Ubier“ genannt. Dank des „kölschen Mädche“ Agrippina bekam diese Siedlung im Jahr 50 n. Chr. den Status einer „Colonia“ und somit den Namen „Colonia Claudia Ara Agrippinensium – CCAA“, also „Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“.

CCAA - Inschrift auf dem römischen Nordtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium
CCAA – Inschrift auf dem römischen Nordtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Aber das war damals für die ersten Kölschen zu lang, deswegen wurde der Name auf „Agrippina “ oder „Colonia“ verkürzt. Und das kommt einem doch schon bekannt vor. Auf der Straße wurde aber kein Latein sondern ein germanischer Dialekt gesprochen. Also das erste Kölsch1Damit meine ich Sprache, nicht das Bier. Und wahrscheinlich haben die Kölschen auch schon damals undeutlich gesprochen. So wurde aus Colonia im Laufe der Jahrhunderte Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln. Die am häufigsten verwendete Schreibweise war bis zum 15./16. Jahrhundert die Variante mit „C“ erst danach die setzten sich die „K“-Varianten durch.

Französische Besatzung: Köln wird zu Cologne

Am 6. Oktober 1794 ergab sich Köln kampflos den Franzosen. Die französischen Besatzer modernisierten Müllabfuhr und Straßenbeleuchtung und führten neben Hausnummern auch den neuen Namen „Cologne“ ein. Stellt euch vor, das wäre nicht passiert: Dann würde alle Welt nicht nach „Eau de Cologne“ sondern nach „Eau de Köln“ riechen. Klingt schon irgendwie schräg.

Nach den Franzosen kamen die Preußen. Die Kölschen wollten zur Schreibweise „Köln“ zurück, um möglichst nicht mehr an die ungeliebten französischen Besatzer erinnert zu werden. Doch Friedrich Wilhelm IV. sorgt mit einem Erlass dafür, dass ab dem 8. September 1857 unsere Stadt am Rhein den offiziellen Namen Cöln bekam. Die Preussen bezogen sich mit dem „C“ selbstverständlich nicht auf das französische Cologne, sondern auf das lateinische „Colonia“.

Die Stadtverwaltung versuchte, das ungeliebte „C“ zu ignorieren und durch die konsequente Schreibweise „Köln“ Fakten zu schaffen. Es gab sogar eine „K“-Klage der Stadt vor Gericht – vergeblich: Die Klage wurde abgewiesen. Ab November 1901 musste dann auch die Verwaltung die offizielle Schreibweise Cöln verwenden.

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Das „K“ haben wir Adenauer zu verdanken

Und dann kam Adenauer: Als Kölner Oberbürgermeister nutze er die Irrungen und Wirrungen nach dem 1. Weltkrieg geschickt aus und ließ am 1. Februar 1919 verkünden: „Der Städtenamen Köln wird von jetzt an mit „K“ geschrieben.“ Tatsächlich überschritt Adenauer damit erheblich seine Kompetenzen. Doch während man in Berlin mit Revolution und Verkündung der Weimarer Republik beschäftigt war, konnte man sich mit solchen „K“ und „C“-Jedöns im fernen Westen nicht beschäftigen.

Und so nennt sich unsere Stadt seitdem amtlich und endgültig Köln. Und Kasalla und viele andere Bands können unsere Stadt mit „K“ besingen.
Jood jemaht, Herr Oberbürgermeister Adenauer.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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Kölsches Jubiläum: Die 111. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“

Die 111. Ausgabe des "Köln-Ding der Woche" - immer über die schönste Stadt der Welt.
Die 111. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“ – immer über die schönste Stadt der Welt.

Lasst uns feiern! Es gibt ein kölsches Jubiläum: Ihr lest das 111. Köln-Ding der Woche. Seit Juli 2017 gibt es jeden Sonntag ein Detail zur schönsten Stadt der Welt. Angefangen hat alles mit dem Artikel zu den Kölner Lichtern – meine Ausgabe Nummer 1. Diese wurde auch tatsächlich von immerhin vier Menschen gelesen. Heute lesen mehrere Hundert Menschen jede Woche meine Sonntagspost. Und das sehr aufmerksam – oft bekomme ich schon zum Frühstück e-Mails zu Tippfehlern.

Die Top-Ten wird angeführt vom „Fisternöllchen“

Zum Jubiläum habe ich noch einmal ausgewertet, welche Artikel am meisten geklickt wurden. Platz 1 ist eindeutig das Fisternöllchen. Die komplette Top-Ten sieht wie folgt aus:

  1. Kölsche Wörter: Das Fisternöllche
  2. Kölsche Schimpfwörter Teil I; Von Aaapefott bis Flabes
  3. Monte Troodelööh – der kölsche Everest
  4. Kölsche Wörter: „puddelrüh“ und Spaß dabei
  5. Kölsche Schimpfwörter Teil V: Schwaadlappe bis Tütenüggel
  6. Der Lommi – die „Kölscheste aller Kölsch-Kneipen“
  7. Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Mer sin Eins“
  8. Rievkooche – dat es en Delikatess!
  9. Kölsche Schimpfwörter Teil IV: Pimock bis Sackjeseech
  10. Kölner Baumkataster: Weißt du wie viel Bäume stehen?

Ganz klare Tendenz: Schimpfwörter, ein (sexuelles) Verhältnis und nackt rumlaufen scheinen bei euch auf das größte Interesse zu stoßen … schon interessant, was meine Leserschaft so mag.

Ganz besondere Interviewpartner

Zu meiner Lieblingsrubrik gehört „Ein paar Fragen an …“. Bei diesen kurzen Interviews habe ich besondere Menschen kennenlernen dürfen. Für mich ganz besonders nachhaltig war dabei meine Begegnung mit Schwester Antonia, mit der mich bis zu ihrem viel zu frühen Tod eine Freundschaft verbunden hat.

Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg, Bild: Uli Kievernagel
Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg, Bild: Uli Kievernagel

Total cool war Mike Kremer von Miljö. Er hat, mitten in der Session, geduldig meine Fragen beantwortet. Spannend waren auch meine Gespräche mit Boris Sieverts und Cornel Wachter – Künstler haben oft eine gänzlich andere Sicht auf die Welt.

Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Meine persönlichen Lieblingsartikel

Zu meinen persönlichen Lieblingsartikeln gehören die Köln-Dinger der Woche, bei denen es mir gelingt, historische und aktuelle Entwicklungen zu verbinden. Dazu gehören zum Beispiel:  „Mer losse d´r Dom in Kölle“ oder „Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal“. Und stolz bin ich, immer dann, wenn ich etwas finde, was die meisten noch nicht kennen, wie der Artikel zu Kölns bekanntesten Unbekannten Hans Knipp, zum Garten der Religionen oder zum Barbarastollen. Und dazu gibt es sogar ein kurzes Radiointerview (mein Statement kommt ab 1 Minute 10 Sekunden).  Aber auch die Artikel über den zu Unrecht fast vergessenen Büttenredner Karl Küpper oder zur vermeintlichen Hexe Katharina Henot machen mich stolz.

Auszug aus dem Video "Highland Cathedral - eine Ode an den Dom", Quelle: www.koelner-dom.de
Auszug aus dem Video „Highland Cathedral – eine Ode an den Dom“, Quelle: www.koelner-dom.de
Regelmäßige Rückmeldungen – und der „Ritterschlag“

Regelmäßig erhalte ich auch Rückmeldungen zum „Köln-Ding der Woche“. Besonders fleißig ist Axel aus Solingen, der sich fast jede Woche meldet. Gefreut habe ich mich auch über die Nachricht des Komponisten Michael Korb. Er hat „Highland Cathedral“ komponiert – die Föös haben daraus „Du … bess die Stadt“ gemacht. Michael Korb schreibt; „… Über Ihren wirklich sorgfältig und gewissenhaft recherchierten Artikel hatte ich mich ganz besonders gefreut, da dies leider nicht mehr oft so selbstverständlich ist. …“.

Ein echter „Ritterschlag“ war die Rückmeldung von Franz-Josef Knöchel. Er betreut beim Landschaftsverband Rheinland „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“ – ein Informationssystem über historische Kulturlandschaften. Mittlerweile bin ich stolzer Kooperationspartner und einige meiner Artikel sind dort zu finden, wie zum Beispiel „Der 4711-Brunnen“ oder der Artikel über das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus.

Und es geht weiter! Auch in Zukunft bekommt ihr pünktlich von mir zum Sonntagsfrühstück das „Köln-Ding der Woche“. Eine Bitte noch: Sagt es weiter! Ich freue mich über jede Leserin und jeden Leser.

Vell Jrööööß & bis nächsten Sonntag

Uli

PS: Kennt ihr schon die Karte zum „Köln-Ding der Woche“? Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.


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Von 4 bis 10 Milliarden – der Dom in Zahlen

Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen
Der Kölner Dom in voller Pracht, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen

Es ist immer wieder ein grandioser Anblick: Ich stehe mit meinen Gruppen vor dem Dom und alle (inklusive Stadtführer) sind fasziniert.

Unser wunderschöner Dom zieht alle in seinen Bann. Und dann kommen die Fragen:
Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Antworten auf alle diese Fragen gibt dieses „Köln-Ding der Woche“.


Das ist die Hausnummer des Doms. Falls ihr dem Dom eine Postkarte schreiben wollt: Die korrekte Adresse lautet:
Kölner Dom, Domkloster 4, 50667 Köln



20 Zentimeter würden die Domspitzen bei einem Erdbeben der Stärke 7 schwanken. Dies ist uns bis jetzt erspart geblieben. 10 Zentimeter Schwankung würde der Dom nahezu unbeschädigt aushalten, so Statiker. Selbst bei dem Erdbeben in Japan im März 2011 hat der Dom um ca. 1,5 cm geschwankt.


Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666
Schwerer Kamerad: Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666

24 Tonnen
…  und somit so viel wie fünf ausgewachsene Elefanten, wiegt die St. Petersglocke, von den Kölschen nur liebevoll „Decke Pitter“ genannt.


Die Dame müsste sich nur etwas bücken - dann würde sie in das Mittelschif des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel
Die Dame müsste sich nur ein wenig bücken – dann würde sie in das Mittelschiff des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel

43,35 Meter
… beträgt die Innenhöhe der Mittelschiffe im Dom. Damit würde fast die Freiheitsstatue in den Dom passen – diese ist 46 Meter hoch.


Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Dombaumeister Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Chef der Dombauhütte Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

100 Mitarbeiter hat die Dombauhütte, davon etwa 80 Handwerker (unter anderem Steinmetze, Glasmaler, Gerüstbauer, Schreiner, Dachdecker, Maler, Elektriker, Schlosser) und ca. 20 in der Verwaltung (unter anderem Architekten, Kunsthistoriker und Archäologen). Der Chef der Dombauhütte trägt den Titel „Dombaumeister“ und das ist seit Januar 2016 Peter Füssenich.


123,50 Euro zahlt, wer gegen den Dom pinkelt.
Dat mäht man jo uch nit! 


Der Dom hat eine Gesamtlänge von 144,58 Meter (außen). Also könnten an der Fassade entlang 8 Gelenkbusse oder 53 Smarts parken. Oder man stellt fast 3.000 Kölschgläser nebeneinander.


Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel
Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel

157,38 Meter beträgt die Höhe des Nordturms. Was kaum einem auffällt:
Der Südturm ist 7 cm kleiner. Aber das sehen nur Profis. 


533 Stufen sind bis zur Turmspitze im Südturm. Gottseidank muss man nicht den 7 cm höheren Nordturm erklimmen. Der Spaß kostet übrigens 5 Euro für Erwachsene. Fast geschenkt – das ist weniger als 1 Cent je Stufe.


Satte 632 Jahre haben – mit ein paar Unterbrechungen zwischendurch – die Kölner am Dom gebaut – von 1248 bis 1880. Dieser Rekord soll übrigens durch den Bau den Nord-Süd-Bahn übertroffen werden. Die Eröffnung dieser Strecke ist für das Jahr 2637 geplant.


1880 bis 1884 war der Dom das höchste Gebäude der Welt bis er vom Washington Monument übertroffen wurde. 


Der Dom bietet 4.000 Plätze insgesamt, davon ca. 2.800 Stehplätze und 1.200 Sitzplätze. Richtig voll wird es aber nur an Weihnachten und Dreikönige


Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.
Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.

Der Dom hat eine überbaute Fläche von 7.194 Quadratmetern.
Das entspricht ziemlich genau einem Fußballfeld.


Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Dom verfügt über 10.000 Quadratmeter Fensterfläche. Und das (für mich) schönste Fenster ist das Richter-Fenster im südlichen Querhaus. Mein Tipp: Die beste Wirkung hat das Fenster bei Sonnenschein um die Mittagszeit.
Unbedingt ansehen, die Wirkung ist verblüffend.


Im Durchschnitt kommen 25.000 Besucher täglich in den Dom. 


Die Kosten für den Dom betragen 33.000 Euro täglich. Davon gehen etwa 20.000 Euro in den Bauerhalt, der Rest wird zur Deckung der laufenden Kosten benötigt.


240.000 Tonnen
wiegt der Dom. Davon entfallen ca. 120.000 Tonnen auf das Gebäude, welches man sieht. Die restlichen 120.000 Tonnen wiegt das Fundament, welches dem Dom seinen sicheren Stand verleiht. Damit ist der Dom aber immer noch ein Leichtgewicht: Das Empire State Buidling in New York wiegt 365.000 Tonnen und die Cheops-Pyramide satte 6,5 Mio. Tonnen.



10 Milliarden Euro würde es kosten, den Dom heute noch einmal neu zu bauen. Und deshalb heißt es auch: „Mer loss d´r Dom in Kölle“.


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Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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