Der Blog: Das Köln-Ding der Woche # Beitragsseite

Collage Köln-Ding allgemein

 

  • 2.000 Jahre Köln: Historisches
    In Köln ist in den letzten 2.000 Jahren viel passiert. Hier findet ihr ein paar der vielen, vielen Geschichten aus der Kölner Geschichte.  
  • Bauwerke & Plätze
    Auch die im 2. Weltkrieg so stark zerstörte Stadt Köln hat wunderschöne Bauwerke, Orte und Plätze. Oft sind diese allerdings gut versteckt.
  • Ein paar Fragen an …
    In meiner Reihe „Ein paar Fragen an …“ befrage ich Menschen aus Köln, die etwas zu erzählen haben.
  • Karneval
    Selbstverständlich nimmt die 5. Jahreszeit einen breiten Raum in unserer Stadt ein. Un et is härrlisch, Fastelovend ze fiere!
  • Köln im Krieg
    Der Krieg hat tiefe Wunden in der Domstadt hinterlassen. Zur „Stunde Null“ waren 80% der Gebäude in der Innenstadt zerstört.
  • Kölsche Persönlichkeiten
    Die alte Stadt am Rhein hat in den letzten zwei Jahrtausenden viele Persönlichkeiten hervorgebracht.
  • Kölsche Stöckelche
    Wenn der Kölsche von „Stöckelche“ spricht, dann meint er damit Anekdötchen.
  • Kölsche Tön
    Es gibt wahrscheinlich keine Stadt auf der Welt, die so oft besungen wird wie Köln.
  • Kölsche Wörter
    Die kölsche Sprache bietet wunderschöne Wörter. Und ein paar davon werden hier erklärt.
  • Kunst & Kultur
    Auch wenn es angesichts mancher Fehlplanungen oft schwer zu glauben ist: Köln ist auch eine Kulturstadt. 
  • Stimmen zum Köln-Ding der Woche
    Ein paar Abonnenten haben mir eine Rückmeldung zum „Köln-Ding der Woche“ gegeben. 
  • Karte zum Köln-Ding der Woche
    Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.

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Cilly Aussem – ein kölsches Mädchen gewinnt Wimbledon

Cilly Aussem, Tennisstar der 1930er Jahre, Bild: Agence de presse Meurisse – Bibliothèque nationale de France

Podcast Cilly Aussem, 28

Lange vor Steffi Graf und Angelique Kerber gab es bereits eine deutsche Wimbledonsiegerin: Cäcilia Edith, genannt „Cilly“, Aussem konnte bereits im Jahr 1931 das Turnier des „All England Lawn Tennis and Croquet Club” für sich entscheiden. Ein kölsches Mädchen gewinnt in Wimbledon.

Cilly Aussem wurde am 4. Januar 1909 in Köln geboren. Ihr Vater Johann „Jean“ Aussem war als deutscher Generalverteter der französischen Käsemarke Gervais sehr vermögend. Ihre Mutter Ursula nannte sich „Helen“ und wollte ihre Tochter auf Biegen und Brechen in die Weltspitze des Tennis bringen. Die ersten Schritte auf dem Court machte Cilly im Jahr 1923 beim Tennisclub Rot-Weiß Köln und zeigte schnell ihr Talent: Bereits im Sommer 1924 konnte sie gleich ihr erstes Turnier gewinnen.

Eine schwierige, ehrgeizige Mutter

Cilly schlug sich danach auf diversen Turnieren in ganz Europa durchaus respektabel – und wäre da nicht ihre über-ehrgeizige Mutter gewesen, hätte sie sich auch in Ruhe entwickeln können. Doch „Helen“ Aussem machte ihrer Tochter das Leben durchaus schwer.

Bei einem Turnier in Hamburg beschuldigte sie die Gegnerin, Cilly hypnotisiert zu haben. Dieser Vorwurf mündete in einer wüsten Schlägerei zwischen „Helen“ Aussem und der Gegnerin von Cilly, Paula von Reznicek.  Kolportiert wird auch, dass Cillys Tennistrainer Bill Tilden auf die Frage ihrer Mutter, wie Cilly eine wirklich große Spielerin werden könnte, geantwortet habe „Indem Sie, Frau Aussem, den nächsten Zug nach Deutschland nehmen!“.

Cilly gewinnt in Wimbledon

Das Training von Bill Tilden war erfolgreich: Cillys harte Vorhand war auf dem Tennisplatz gefürchtet. Und so schlug sie am 3. Juli  1931 im Finale von Wimbledon Hilde Krahwinkel und war somit die erste Deutsche, die das prestigeträchtige Turnier gewinnen konnte.

Adenauer, damals Oberbürgermeister von Köln, schickte ihr per Telegramm „Cilly, ganz Köln gratuliert zum großen Sieg. Ihre Heimatstadt ist stolz auf Sie“. Und tatsächlich wurde ihr nach dem Wimbledon-Sieg ein triumphaler Empfang in ihrer Heimatstadt bereitet.

Cilly Aussem auf einem Ölgemälde von Leo von König (1932), Bild: Raimond Spekking
Cilly Aussem auf einem Ölgemälde von Leo von König (1932), Bild: Raimond Spekking

Leider konnte ihr Körper die Strapazen des Leistungssports nicht aushalten. Eine verschleppte Blindarmentzündung und ein schon früher auftretendes Augenleiden machte es ihr zunehmend schwerer, an die Spitzenleistung des Jahres 1931 anzuknüpfen. Im Jahr 1935 beendete Cilly ihre Karriere.

Köln vergisst seinen Tennisstar

Ein Jahr später heiratete sie den italienischen Offizier Graf Fermo Murari dalla Corte Brà und zog mit ihm nach Ostafrika. Dort infizierte sie sich mit Malaria, gleichzeitig verschlechterte sich ihre Sehkraft rapide. Zusätzlich trat eine starke Überempfindlichkeit gegen das Sonnenlicht auf. Cilly zog mit ihrem Mann nach Italien, ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich massiv und sie zog sich, mittlerweile fast blind, völlig von der Öffentlichkeit  zurück. Cilly Aussem starb am 22. März 1963 im Alter von nur 54 Jahren. Ihr Grab ist auf dem Friedhof San Giorgio im Nobelort Portofino.

Nur per Zufall wurde in Deutschland überhaupt bekannt, dass Cilly Aussem gestorben war. Ein Journalist erkannte, dass es sich bei der Todesanzeige einer gewissen „Gräfin Cecilie Editha Murari dalla Corte Brà“ um den deutschen Tennisstar der 30er Jahre handelte.

Briefmarke „Cilly Aussem“ (1988)

In ihrer Heimatstadt Köln war die ehemals prominente Sportlerin mittlerweile völlig vergessen. Immerhin erinnert eine 1988 erschienene Briefmarke an die erste deutsche Wimbledonsiegerin.


Das Vereinsheim des KTHC findet sich am Olympiaweg in Müngersdorf, Bild: Jörg Michell, lindenthal.blog
Das Vereinsheim des KTHC findet sich am Olympiaweg in Müngersdorf, Bild: Jörg Michell

Erinnerungen an Cilly Aussem beim KTHC

Im Vereinsheim von Rot-Weiß Köln, direkt neben dem Müngersdorfer Stadion, sind Erinnerungsstücke an Cilly Aussem ausgestellt.1DANKE für diese Info an Maik aus Bonn.


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DeepL: Kölns stilles Einhorn

Deepl - das "kölsche Einhorn", Bild: KI-generiert
Deepl – das „kölsche Einhorn“, Bild: KI-generiert

Wenn Investoren an ein „Einhorn“ denken, geht es selten um Fabelwesen und Regenbogen. Ein „Einhorn“ ist ein nicht börsennotiertes Startup-Unternehmen, das von Investoren mit mindestens 1 Milliarde US-Dollar bewertet wird. Und mitten in Ehrenfeld sitzt tatsächlich ein solches Unternehmen: DeepL, das kölsche Einhorn.

Millionen von Menschen nutzen seine Dienste fast täglich. Wer einen fremdsprachigen Text übersetzen lässt oder sich von einer KI beim Schreiben helfen lässt, landet nicht selten bei DeepL. Dabei ist das Unternehmen ein Phänomen. Es tritt gegen Giganten wie Google, Microsoft oder OpenAI, Betreiber von ChatGPT, an und hat sich einen festen Platz auf dem Weltmarkt erobert. 

Angefangen hat alles mit einer Suchmaschine

Die Wurzeln von DeepL reichen zurück ins Jahr 2008. Damals gründeten die Informatiker Jarosław Kutylowski und Gereon Frahling in Köln die Übersetzungs-Suchmaschine Linguee. Die Idee war ebenso einfach wie genial: Statt nur einzelne Wörter zu übersetzen, sollte Linguee Millionen bereits übersetzter Texte durchsuchen und passende Beispiele anzeigen.

DeepL Gründer und CEO Dr. Jaroslaw Kutylowski, Bild: DeepL SE
DeepL Gründer und CEO Dr. Jaroslaw Kutylowski, Bild: DeepL SE

Über Jahre entstand so ein riesiger Datenschatz aus professionellen Übersetzungen. Was zunächst wie ein praktisches Hilfsmittel für Studenten, Journalisten und Übersetzer aussah, entwickelte sich bald zu etwas viel Größerem. Denn die Gründer erkannten, dass diese Daten die ideale Grundlage für eine neue Generation von Übersetzungssoftware bilden könnten – eine Software, die nicht einfach Wörter ersetzt, sondern Sprache versteht.

2017 war es so weit: DeepL wurde vorgestellt. Der Name setzt sich aus „Deep“ und dem Buchstaben „L“ für Learning zusammen. Gemeint ist „Deep Learning“, eine Methode der künstlichen Intelligenz, bei der neuronale Netzwerke aus riesigen Datenmengen lernen und eigenständig Zusammenhänge erkennen.

Im Jahr 2017 war künstliche Intelligenz noch längst nicht das allgegenwärtige Schlagwort, das es heute ist. ChatGPT, Claude & Co. gab es noch nicht und nur wenige Menschen ahnten, welche Bedeutung KI einmal haben würde – DeepL war seiner Zeit eindeutig voraus.

DeepL - das "kölsche Einhorn", Bild: Wolf Strack, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
DeepL – das „kölsche Einhorn“, Bild: Wolf Strack, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum DeepL so erfolgreich wurde

Wer DeepL zum ersten Mal benutzt, merkt schnell, dass die Übersetzungen oft natürlicher wirken als bei vielen Konkurrenten. Die Software versucht nicht, einzelne Wörter möglichst exakt zu übertragen. Sie analysiert den gesamten Satz, berücksichtigt den Kontext und sucht nach Formulierungen, die sich für Muttersprachler natürlich anhören. Das ist technisch enorm anspruchsvoll.

Hinzu kommt ein Aspekt, der oft unterschätzt wird: Sprache ist Kultur. Ein deutscher Satz lässt sich eben nicht immer eins zu eins ins Englische, Französische oder Japanische übertragen. Redewendungen, Ironie oder doppeldeutige Begriffe erfordern ein Verständnis für Nuancen. Aber genau hier liegt die Stärke von DeepL.

Während andere Anbieter ihre Dienste möglichst breit aufstellen, konzentrierte sich das Kölner Unternehmen lange Zeit fast ausschließlich auf Sprache. Diese Spezialisierung zahlte sich aus. Wissenschaftliche Untersuchungen bescheinigten DeepL immer wieder eine besonders hohe Übersetzungsqualität.

Die Folge: Immer mehr Unternehmen setzten auf die Software. Internationale Konzerne, Behörden, Universitäten und Medienhäuser gehören inzwischen zu den Kunden. Zu den auf der Website des Unternehmens aufgeführten Referenzen gehören unter anderem Adobe, Amazon, Apple, Boeing, Deutsche Bahn, Fords, Hitachi, Microsoft, Pirelli, Porsche und Visa. Und viele Millionen Menschen weltweit nutzen die kostenlose Version.

Echtzeit-Sprachübersetzung

Bislang war das Unternehmen vor allem für schriftliche Übersetzungen bekannt. Jetzt will das Kölner Einhorn auch die letzte große Sprachbarriere überwinden: das gesprochene Wort. Mit „DeepL Voice-to-Voice“ hat das Unternehmen im April 2026 eine Technologie vorgestellt, die Gespräche in Echtzeit übersetzt. Menschen sollen künftig in ihrer Muttersprache sprechen können, während ihr Gegenüber die Übersetzung nahezu zeitgleich hört – bei Videokonferenzen ebenso wie bei persönlichen Gesprächen oder im Kundenservice.

DeepL: Übersetzungen von Meetings in Echtzeit, Bild: DeepL SE
DeepL: Übersetzungen von Meetings in Echtzeit, Bild: DeepL SE

Für die Kölner Firma ist das mehr als nur eine neue Funktion. Es ist der Versuch, den Traum vom universellen Übersetzer Wirklichkeit werden zu lassen – eine Idee, die bislang vor allem aus Science-Fiction-Filmen bekannt war. DeepL kombiniert dafür seine hochgelobte Übersetzungs-KI mit neuen Sprachmodellen, die nicht nur Wörter übertragen, sondern auch Tonfall und Sprachrhythmus möglichst natürlich wiedergeben sollen. Wenn dieser Ansatz gelingt, könnte aus dem besten Übersetzer der Welt ein Unternehmen werden, das Menschen über Sprachgrenzen hinweg nahezu ohne Verzögerung miteinander sprechen lässt. 

Ein Unternehmen, das lieber schweigt

Fast ebenso bemerkenswert wie die Technologie ist die Unternehmenskultur. In der Start-up-Welt gehört es inzwischen fast zum guten Ton, sich möglichst laut zu präsentieren. Gründer geben Interviews, veröffentlichen Erfolgszahlen und inszenieren sich auf Konferenzen. Aber DeepL geht einen anderen Weg.

Interviews mit Gründer und Geschäftsführer Jarosław Kutylowski sind selten. Das Unternehmen kommuniziert zurückhaltend und konzentriert sich lieber auf die Weiterentwicklung seiner Produkte. Diese Zurückhaltung wirkt beinahe unmodern – und vielleicht gerade deshalb sympathisch. Denn während andere Firmen mit Visionen werben, liefert DeepL schlicht Ergebnisse.

Das hat dem Unternehmen eine besondere Reputation eingebracht. In Fachkreisen gilt DeepL längst als eines der wichtigsten europäischen KI-Unternehmen. Gleichzeitig wissen viele Menschen gar nicht, dass die Technologie aus Köln stammt.

Kölns einziges Einhorn

Im Jahr 2022 wurde endgültig klar, welche Dimension das Unternehmen inzwischen erreicht hatte. Bei einer Finanzierungsrunde wurde DeepL mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet und erreichte damit den sogenannten Einhorn-Status. Dieser Begriff stammt aus der Start-up-Welt und bezeichnet junge Unternehmen, die eine Milliardenbewertung erzielen – so selten wie einst das sagenhafte Einhorn.

Für Köln war das ein Meilenstein. Denn die Stadt gilt zwar als bedeutender Wirtschaftsstandort mit zahlreichen Konzernen und erfolgreichen Familienunternehmen. Doch im Bereich der jungen Technologieunternehmen fehlte lange Zeit eine echte Erfolgsgeschichte mit internationaler Strahlkraft. DeepL änderte das. Und bis heute ist das Unternehmen das einzige Kölner Einhorn.

Die Zukunft wird nicht einfacher

Doch auch für DeepL gilt: Erfolg ist keine Garantie für die Zukunft. Die Entwicklung künstlicher Intelligenz hat in den vergangenen Jahren ein atemberaubendes Tempo erreicht. Neue Modelle entstehen in immer kürzeren Abständen, die Konkurrenz ist gewaltig und die Erwartungen der Nutzer steigen ständig.

Anfang 2026 überraschte DeepL deshalb mit einer weitreichenden Entscheidung. Das Unternehmen kündigte an, rund ein Viertel seiner Stellen abzubauen. Etwa 250 Mitarbeitende sind betroffen. Gleichzeitig betonte Geschäftsführer Jarosław Kutylowski, dass DeepL weiterhin wachsen wolle – allerdings mit einer anderen Organisation.

Kleinere Teams sollen schneller Entscheidungen treffen, künstliche Intelligenz noch stärker in interne Prozesse eingebunden werden. Das Ziel, so Gründer und Geschäfstführer Kutylowski: Ein Unternehmen, das konsequent auf Künstliche Intelligenz ausgerichtet ist und sich in einem immer härteren Wettbewerb behaupten kann. Ob diese Strategie aufgeht, wird die Zukunft zeigen.

Fest steht allerdings schon heute: In Ehrenfeld sitzt ein Unternehmen, das die Art verändert hat, wie Menschen miteinander kommunizieren.

Keine laute Erfolgsgeschichte, kein großes Spektakel. Sondern ein stilles Einhorn aus Köln, das die Welt ein kleines Stück verständlicher macht.


DeepL sprach für kurze Zeit sogar Kölsch

Im November 2024 sorgte DeepL mit einer ungewöhnlichen Aktion für Aufmerksamkeit: Pünktlich zum Sessionsstart gab es für eine Woche eine Kölsch-Funktion. Hochdeutsche Texte konnten automatisch in die kölsche Sprache übertragen werden – passend zum Sessionsmotto „Mir stonn zo dir, Kölle“.

Mit der zeitlich begrenzten Aktion wollte das Unternehmen seine Verbundenheit zur Domstadt zeigen. Die Übersetzungen trafen den kölschen Ton nicht immer perfekt, wurden aber von vielen Nutzern mit einem Augenzwinkern aufgenommen.

Diese Aktion war sympathischer Beweis dafür, dass selbst die Künstloche Intelligenz Kölsch entdeckt – auch wenn echtes Kölsch am Ende wohl doch am besten immer noch von echten Kölnern gesprochen wird.

Trotzdem: Lieber Jarosław Kutylowski, liebes Deepl-Team:  Bitte gebt uns die Kölsch-Übersetzung zurück!


Seit dem Turmbau zu Babel gilt die Vielfalt der Sprachen als Symbol dafür, dass sich Menschen nicht mehr ohne Weiteres verstehen. Deepl schafft hier Abhilfe und sorgt für weltweite Verständigung. Bild: Turmbau zu Babel aus der Wittenberg-Bibel von Martin Luther (1586)
Seit dem Turmbau zu Babel gilt die Vielfalt der Sprachen als Symbol dafür, dass sich Menschen nicht mehr ohne Weiteres verstehen. Deepl schafft hier Abhilfe und sorgt für weltweite Verständigung. Bild: Turmbau zu Babel aus der Wittenberg-Bibel von Martin Luther (1586)

Von Telugu bis Latein – die Sprachvielfalt von DeepL

Aktuell1Stand: 26. Juni 2026 spricht DeepL 123 Sprachen und Dialekte. Zu den am häufigsten genutzten Sprachen, die von DeepL gesprochen und übersetzt werden gehören:

  • Arabisch
  • Chinesisch (vereinfacht)
  • Dänisch
  • Deutsch
  • Englisch
  • Estnisch
  • Finnisch
  • Französisch
  • Griechisch
  • Indonesisch
  • Italienisch
  • Japanisch
  • Koreanisch
  • Lettisch
  • Litauisch
  • Niederländisch
  • Norwegisch (Bokmål)
  • Polnisch
  • Portugiesisch (inkl. brasilianischem Portugiesisch)
  • Russisch
  • Schwedisch
  • Slowakisch
  • Slowenisch
  • Spanisch
  • Tschechisch
  • Türkisch
  • Ukrainisch
  • Ungarisch

Es gibt aber auch Übersetzungen in zum Beispiel Telugu, welches von über 80 Millionen Muttersprachlern in den indischen Bundesstaaten Andhra Pradesh und Telangana gesprochen wird. Und es werden Übersetzungen in exotischen Sprachen, wie zum Beispiel Aragonesisch, welches nur noch von etwa 10.000 Menschen in den Tälern der spanischen Pyrenäen gesprochen wird, angeboten.

Asterix-Freunde und geplagte Schüler haben mit Sicherheit Freude daran, dass es auch eine Übersetzung in Latein gibt. Und diese Funktion bietet so viel mehr als nur die bekannten Aussprüche „Alea iacta est!“2Der Würfel ist gefallen!, „Veni, vidi, vici.“3Ich kam, sah und siegte. oder „Errare humanum est.“4Irren ist menschlich.

Eine vollständige Liste aller aktuell verfügbaren Sprachen bietet die offizielle DeepL-Sprachdokumentation.


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Die Bismarckburg: Kölns verschwundenes Schloss am Rhein

Die als "Bismarckburg" bekannte Villa Stollwerck am Bayenthalgürtel, Bild: gemeinfrei
Die als „Bismarckburg“ bekannte Villa Stollwerck am Bayenthalgürtel, Bild: gemeinfrei

Wer heute am Bayenthalgürtel unterwegs ist, vermutet kaum, dass hier bis in die 1930er Jahre eines der ungewöhnlichsten Privathäuser Kölns stand: Eine burgartige Villa mit Turm, Zinnen und mittelalterlichem Flair. Die Kölner nannten sie die „Bismarckburg“. Ihr Bauherr war der steinreiche Schokoladenfabrikant Heinrich Stollwerck.

Doch die Geschichte dieses Hauses erzählt weit mehr als die eines wohlhabenden Unternehmers. Sie handelt vom Aufstieg Kölns zur Industriemetropole, von den Träumen des Großbürgertums und von den politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts.

Als Marienburg zur guten Adresse wurde

Um 1900 veränderte sich Köln rasant. Die Stadt wuchs weit über ihre ehemaligen Grenzen hinaus, neue Wohnviertel entstanden. Während die Kölner Oberschicht zunächst die Ringe bevorzugte, zog es viele wohlhabende Familien bald in den Süden. Marienburg entwickelte sich zur Villenkolonie der Reichen und Erfolgreichen. Große Grundstücke, Rheinnähe und repräsentative Architektur machten das Viertel zur ersten Adresse der Stadt.

An der Grenze zwischen Bayenthal und dem gerade entstehenden Marienburg ließ Heinrich Stollwerck zwischen 1902 und 1904 eine Villa errichten, die alles bisher Dagewesene übertreffen sollte. Mit der Planung beauftragte er Bruno Schmitz, einen der bekanntesten Architekten seiner Zeit, der auch das riesige Leipziger Völkerschlachtdenkmal geplant hat.

Heinrich Stollwerck (1843 - 1915) auf einem Gemälde aus dem Jahr 1910, Bild: gemeinfrei
Heinrich Stollwerck (1843 – 1915) auf einem Gemälde aus dem Jahr 1910, Bild: gemeinfrei

Ein Kölner Schokoladenpionier

Heinrich Stollwerck wurde 1843 in Köln geboren. Gemeinsam mit seinen Brüdern machte er aus einem Familienbetrieb eines der bedeutendsten Süßwarenunternehmen Europas. Dabei war er weit mehr als Kaufmann. Sein eigentliches Talent lag in der Technik.

Immer wieder entwickelte er neue Maschinen, verbesserte Produktionsverfahren und meldete Patente an. Seine Innovationen machten die Schokoladenherstellung schneller, effizienter und qualitativ besser. Die von ihm entwickelte Maschinentechnik wurde nicht nur in Köln genutzt, sondern später in ganz Europa verkauft. Aus der Kölner Firma entstand ein Weltunternehmen.

Dabei dachte Stollwerck nicht nur an Gewinne. Auf dem Werksgelände entstanden Sozial- und Erholungseinrichtungen für die Beschäftigten. Mit der „Heimstätte Frieden“ ließ er Arbeiterwohnungen errichten. In Köln war er außerdem für seine Großzügigkeit bekannt. Bedürftige fanden nicht selten unerwartet Geldscheine auf Fensterbänken oder in Briefkästen. Die sogenannten „Heinzelmännchen-Gaben“ machten ihn in der Stadt fast ebenso bekannt wie seine Schokolade.

Eine Burg für Bismarck

Sein größtes privates Prestigeprojekt entstand jedoch nicht im Severinsviertel, sondern am Rhein. Heinrich Stollwerck verehrte Otto von Bismarck. Als wenige Jahre nach dessen Tod die Idee eines Kölner Bismarck-Turms entstand, gehörte Stollwerck zu den wichtigsten Unterstützern.

Direkt gegenüber des Turms ließ er seine eigene Villa errichten. Das Haus war mehr als nur ein Wohnsitz. Es war ein steingewordenes Bekenntnis zu seiner Bewunderung für den Reichskanzler. Selbst der Name „Bismarckburg“ machte keinen Hehl daraus.

Grundriss der Bismarckburg, Bild: Die Architektur des XX. Jahrhunderts, Zeitschrift für moderne Baukunst, Jahrgang 1905, Tafel 90
Grundriss der Bismarckburg, Bild: Die Architektur des XX. Jahrhunderts, Zeitschrift für moderne Baukunst, Jahrgang 1905, Tafel 90

Architektonisch griff die Villa mittelalterliche Formen auf. Der mächtige Turm, die Dachzinnen und die rustikalen Sandsteinfassaden erinnerten an eine Ritterburg. Über dem Eingang prangte ein stilisiertes Abbild Bismarcks in mittelalterlicher Rüstung. Auch damit traf Stollwerck den Zeitgeist. Kaiser Wilhelm II. liebte historische Inszenierungen, Burgen und nationale Symbolik. Die Bismarckburg vereinte all das in einem einzigen Gebäude.

Ein Schloss mit Blick auf den Rhein

Die Villa gehörte zu den spektakulärsten Privathäusern Kölns. Die Fassaden bestanden aus graugelbem Heilbronner Sandstein und Tuffstein. Zur Rheinseite öffnete sich eine Pergola. Im Inneren gruppierten sich Salon, Bibliothek, Speisezimmer, Rauchzimmer und mehrere Gesellschaftsräume um eine großzügige Diele.

Die Baukosten betrugen rund 460.000 Mark – eine enorme Summe für die damalige Zeit.1Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Industriearbeiters im Deutschen Reich lag im Jahr 1903 bei etwa 800 bis 900 Mark. Somit hätte ein Arbeiter knapp 550 Jahre arbeiten müssen, um sich dieses Haus kaufen zu können. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit. Schon wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die Bismarckburg sogar in Reiseführern als Sehenswürdigkeit erwähnt. Besucher konnten vom Rheinufer aus sowohl den Bismarck-Turm als auch die imposante Villa bewundern. Zusammen bildeten sie eines der markantesten Ensembles im Kölner Süden.

Jedes Jahr fanden hier Bismarckfeiern statt. Dabei trat sogar ein Schauspieler als „Geist Bismarcks“ auf und zitierte Reden des ehemaligen Reichskanzlers. Das wirkt heute skurril, zeigt aber, welche Bedeutung Bismarck für viele Vertreter des damaligen Bürgertums besaß.

Die Bismarckburg auf einer Postkarte aus dem Jahr 1908, Bild: http://www.ansichtskarten-center.de, gemeinfrei via Wikimedia Commons
Die Bismarckburg auf einer Postkarte aus dem Jahr 1908, Bild: http://www.ansichtskarten-center.de, gemeinfrei via Wikimedia Commons

Ein Haus im Schatten der Geschichte

Nach dem Tod Heinrich Stollwercks ging die Villa zunächst an seine Familie über. 1917 wurde sie an den Industriellen Ottmar Edwin Strauss verkauft. Der erfolgreiche Unternehmer hatte gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Otto Wolff ein bedeutendes Industrieunternehmen aufgebaut und gehörte zu den einflussreichsten Wirtschaftspersönlichkeiten seiner Zeit.

Doch Strauss war Jude. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann für ihn der wirtschaftliche und persönliche Niedergang. Bereits 1933 drangen SA-Männer in die Villa ein und erpressten ihn. Schritt für Schritt verlor Strauss seinen wirtschaftlichen Einfluss und große Teile seines Vermögens. Später emigrierte er in die Schweiz.

Angeblich ließ Strauss, bevor die Nationalsozialisten die Villa in Besitz nehmen konnten, diese abreißen. Allerdings gibt es dafür keine Belege. Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs, dazu im Kölner Stadt-Anzeiger: “Ob die Aussage stimmt, dass Strauss das Haus abreißen ließ, um es nicht in die Hände der Nationalsozialisten fallen zu lassen, lässt sich mit den Akten hier nicht verifizieren“.2Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger vom 3. November 2025: Wie die „Bismarckburg“ zum Spitznamen kam“ Mit dem Abriss der „Bismarckburg“ verschwand eines der auffälligsten Bauwerke Kölns aus dem Stadtbild.

Mehr als eine extravagante Villa – ein Spiegel der Zeit

Heute erinnert nichts mehr an die Bismarckburg. Das Grundstück wurde nach dem Krieg neu bebaut. Das ehemalige Stall- und Gesindehaus verschwand ebenfalls. Geblieben ist der Bismarck-Turm, der direkt am Rheinufer steht und vielen Kölnern kaum auffällt.

Dabei erzählt kaum ein Ort im Kölner Süden so viel über die Geschichte der Stadt. Die Bismarckburg steht für den Aufstieg Kölns zur Industriemetropole, für den Wohlstand des Großbürgertums und für den Glauben an Fortschritt und nationale Größe. Gleichzeitig erinnert ihr Verschwinden an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, in dem Menschen wie Ottmar Edwin Strauss ausgegrenzt, enteignet und vertrieben wurden.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung dieses verschwundenen Schlosses am Rhein. Die Bismarckburg war mehr als eine extravagante Villa. Sie war ein Spiegel ihrer Zeit.

Und manchmal erzählen die Gebäude, die nicht mehr existieren, sogar mehr über eine Stadt als die, die bis heute stehen geblieben sind.


Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Bismarck-Turm am Rheinufer, Bild: CEphoto, Uwe Aranas

Der Bismarck-Turm

Während von der Bismarckburg nichts mehr zu sehen ist, ragt der 15 Meter  Bismarck-Turm noch heute am Rheinufer auf und wird von vielen Kölnern fälschlich für ein Stück der alten Stadtmauer gehalten.

Tatsächlich entstand das Denkmal 1903 zu Ehren von Otto von Bismarck und gehört zu den ungewöhnlichsten seiner Art. Als mittelalterliche Rolandsfigur gestaltet, bildet es bis heute den Abschluss des Gürtels am Rhein. Trotz Denkmalschutz und teurer Sanierungen bleibt der Turm umstritten – Ideen für eine neue Nutzung gibt es viele, umgesetzt wurde bislang keine.

Alle Informationen dazu: 
Der Bismarck-Turm – Abschluss des Gürtels am Rhein


 

Otto von Bismarck (1815-1898), Bild: Franz von Lenbach, Public domain, via Wikimedia Commons
Otto von Bismarck (1815-1898), Bild: Franz von Lenbach, Public domain, via Wikimedia Commons

Otto von Bismarck: „Der Eiserne Kanzler“

Otto von Bismarck gilt als einer der prägendsten Politiker der deutschen Geschichte. Geboren wurde er am 1. April 1815 im preußischen Schönhausen. Nach einem Jurastudium und einigen Jahren als Gutsbesitzer begann seine politische Karriere in der preußischen Politik.

Berühmt wurde Bismarck vor allem als Architekt der deutschen Einigung. Als Ministerpräsident von Preußen verfolgte er eine machtpolitische Strategie, die er selbst als „Realpolitik“ bezeichnete. Durch die Kriege gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) schuf er die Voraussetzungen für die Gründung des Deutschen Reiches. Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen, Bismarck wurde erster Reichskanzler.

In der Innenpolitik versuchte Bismarck zunächst, den Einfluss der katholischen Kirche im sogenannten Kulturkampf einzuschränken. Später führte er mit der Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung die ersten modernen Sozialversicherungen der Welt ein. Gleichzeitig bekämpfte er die aufstrebende Sozialdemokratie mit den Sozialistengesetzen. Sein politisches Handeln war deshalb stets von Gegensätzen geprägt: Er war konservativer Monarchist und zugleich ein Reformpolitiker, der den modernen Sozialstaat mitbegründete.

Außenpolitisch bemühte sich Bismarck nach 1871 vor allem darum, den Frieden in Europa zu sichern und Deutschland diplomatisch abzusichern. Mit einem komplizierten Bündnissystem wollte er verhindern, dass sich andere Großmächte gegen das Deutsche Reich zusammenschlossen.

1890 wurde Bismarck von Kaiser Wilhelm II. entlassen. Er zog sich auf sein Gut Friedrichsruh zurück und starb dort am 30. Juli 1898. Noch zu Lebzeiten wurde er zu einer nationalen Symbolfigur. Überall im Deutschen Reich entstanden Denkmäler, Türme und Straßen, die seinen Namen trugen.

Bis heute wird Bismarck unterschiedlich bewertet: Die einen sehen in ihm den genialen Staatsmann und Gründer des Deutschen Reiches, die anderen kritisieren seinen autoritären Regierungsstil und die langfristigen Folgen seiner Machtpolitik. Unbestritten ist jedoch, dass kaum ein anderer Politiker die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts so nachhaltig geprägt hat wie Otto von Bismarck.


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Laura von Oelbermann: Die reiche und wohltätige Frau vom Ring

Laura von Oelbermann (1846 - 1929), Bild: Archiv Evangelischer Kirchenverband Köln und Region
Laura von Oelbermann (1846 – 1929), Bild: Archiv Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Wenn man heute über den Hohenstaufenring spaziert, ist von den einstigen Prunkpalais auf dieser Straße kaum noch etwas zu sehen. Geschäftshäuser und Autoverkehr dominieren die Ringe. Und doch stand hier einmal eines der imposantesten Privathäuser Kölns – und davor sammelten sich Menschen, nur um einen kurzen Blick auf Laura von Oelbermann zu erhaschen. Wenn die „reiche Frau“ das Haus verließ, brachte dies regelmäßig den Verkehr vor der Tür zum Erliegen. Jeder wollte dieses Spektakel sehen.

Geboren wurde sie am 18. Mai 1846 am Alter Markt – mitten im geschäftigen Herzen der Stadt. Dass sie einmal zu den reichsten und einflussreichsten Frauen Kölns gehören würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt.

Vom Alter Markt in die Welt

Laura von Oelbermann wurde als Laura Nickel geboren und wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Bürstenwarenhändler, die Familie protestantisch. Das war eher schwierig im zumindest damals deutlich katholisch geprägten Köln, wo Protestanten noch als „Blauköpp“ bezeichnet wurden. Laura besuchte das evangelische Lyzeum – eine für Mädchen ihrer Zeit bemerkenswerte Bildungslaufbahn.

1866 heiratete sie den Kaufmann Emil Oelbermann. Sein beruflicher Weg führte früh über den Atlantik: Handel, Versicherungsgeschäfte, deutsch-amerikanische Netzwerke. Immer wieder wird berichtet, dass er auch in den amerikanischen Sklavenhandel verwickelt gewesen wäre. Nach Aussage und Recherchen von Peter Oelbermann, ein entfernter Verwandter, entbehrt diese Aussage jeglicher Grundlage, da dazu bis heute kein wissenschaftlicher Beleg vorliegt.1Laura von Oelbermann – eine „bemerkenswerte“ Frau, Stellungnahme von Peter Oelbermann, https://www.udo-w-hombach.de/texte/Laura-von-Oelbermann-eine-bemerkenswerte-Frau.pdf, abgerufen am 27.02.206

Laura folgte ihrem Ehemann nach New York, nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und bekam dort mehrere Söhne. Köln blieb jedoch Lebensmittelpunkt, spätestens als die Familie 1878 dauerhaft zurückkehrte.

Das prunkvolle Palais Olbermann am Hohenstaufenring, Bild: Rheinisches Bildarchiv, Public domain, via Wikimedia Commons
Das prunkvolle Palais Olbermann am Hohenstaufenring, Bild: Rheinisches Bildarchiv, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein prunkvolles Palais für die Neustadt

1891 bezogen die Oelbermanns ihr neues Stadtpalais am Hohenstaufenring 57. Entworfen vom Architekten Hermann Otto Pflaume war das freistehende Gebäude im Stil der italienischen Renaissance ein architektonischer Ausreißer in der geschlossenen Ringbebauung. Zeitgenössische Berichte sprechen vom „großartigsten Privathaus der Neustadt“. Schmuck, Kunst, Personal, großer Hausstand – Laura Oelbermann war sichtbar wohlhabend. Und offensichtlich zeigte sie ihren Reichtum gerne, wie ein Zeitgenosse berichtete:

„Da stauten sich zu früheren Zeiten so um die Mittagsstunde vor ihrem großen Hause am Hohenstaufenring die Menschen, und wenn man einen Schutzmann erwischen konnte und ihn oder auf der Elektrischen den Schaffner fragte, was denn eigentlich los wäre, ob es einen Krawall gäbe oder einen Zusammenstoß, so wurde einem ziemlich von oben herab geantwortet, als ob man das wissen müßte: „Die reiche Frau Oelbermann jeht aus“. Das war damals ein Ereignis.“2 Schmidt, Klaus, Laura von Oelbermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/laura-von-oelbermann/DE-2086/lido/5dc018ad4661e2.56554166 (abgerufen am 27.02.2026)

Ältere Kölner erinnern sich auch noch an den Spruch »Bin ich denn de Frau Oelbermann, dat is mir zo dür!«3Übersetzung: „Bin ich denn die Frau Oelbermann, das ist mir zu teuer!“ wenn Dinge unerreichbar teuer waren.4DANKE an Irene für diesen Hinweis.

Reichtum und Verlust – ein tragisches Familienleben

Hinter der glanzvollen Fassade lag jedoch ein Leben voller Verluste. 1897 starb ihr Mann Emil. Noch im gleichen Jahr verunglückte der jüngste Sohn Harry auf Korsika. Vier Jahre später starb ihr ältester Sohn, weitere drei Jahre später, im Jahr 1904, der mittlere und letzte überlebende Sohn Alfred. Keiner ihrer Söhne wurde älter als 30 Jahre.

Laura Oelbermann war nun Multimillionärin und allein. Ein mondänes Leben mit Reisen und Festen hätte sie sich leisten können. Stattdessen entschied sie sich für einen anderen Weg und engagierte sich im sozialen Bereich – Köln sollte davon stark profitieren.

Soziale Arbeit mit persönlichem Einsatz

Ihr Engagement beschränkte sich nicht auf Überweisungen. Laura Oelbermann ging selbst in die Wohnungen armer Familien, vor allem in evangelisch geprägte Milieus. Sie fragte nach dem Bedarf an Lebensmitteln, Schuhen, Betten oder Schulgeld und sorgte dafür, dass Hilfe unmittelbar ankam.

Ein zentrales Projekt war die Frauenhilfe des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins, die sie ab 1900 mit aufbaute und lange leitete. Bis zu 250 Familien wurden jährlich mit Krankenpflege, Armenspeisung, Erholungsaufenthalten und der Vermittlung von Heimarbeit unterstützt. Frauen sollten sich selbst helfen können – ein Gedanke, der für seine Zeit bemerkenswert modern war.

Das Evangelische Krankenhaus Weyertal im Jahr 2009. Bild: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Das Evangelische Krankenhaus Weyertal im Jahr 2009. Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das evangelische Krankenhaus Weyertal

Zu den sichtbarsten Spuren ihres Wirkens gehört das Evangelische Krankenhaus. Mit enormen Summen ermöglichte sie den Bau des ersten linksrheinischen evangelischen Krankenhauses Kölns, eröffnet 1902 am Weyertal. Mehr als ein Viertel der erforderlichen Gesamtsumme spendete Laura Oelbermann.

Ihre Stiftungen reichten weit über Köln hinaus. Besonders bedeutend war ihre Millionenspende für die Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg in Jerusalem, aus der das bis heute bestehende Hospital hervorging. 1910 reiste sie selbst dorthin – ein außergewöhnliches Erlebnis für eine Frau ihrer Zeit.

Das Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem um 1910, Bild: Fotoabteilung der American Colony oder deren Nachfolger, dem Matson Photo Service; gemeinfrei, über Wikimedia Commons
Das Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem um 1910, Bild: Fotoabteilung der American Colony oder deren Nachfolger, dem Matson Photo Service; gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Für ihr Engagement wurde sie am 15. August 1918 von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. Aus Laura Oelbermann wurde Laura von Oelbermann. Kurz darauf endete das Kaiserreich. Kurios: Sie war eine der letzten Personen, die noch in diesen Stand erhoben wurden. Darüber hinaus wurde sie mit vielen Orden und Ehrungen ausgezeichnet. Darunter waren:

  • das Ehrenzeichen für Kriegsfürsorge,
  • das Lippischen Kriegsverdienstkreuz,
  • das Ölberg-Kreuz,
  • das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen in Gold,
  • das Verdienstkreuz für Kriegshilfe,
  • der  Sachsen-Meiningschen Verdienstorden für Frauen und Jungfrauen in der Kriegsfürsorge,
  • der Luisenorden Erster Klasse,
  • der Wilhelm-Orden,
  • die Rot-Kreuz-Medaille,
  • die Schaumburg-Lippischen Kriegs-Ehrenmedaille.
  • die Schwedische Medaille in Gold für Kunst und Wissenschaft am blauen Bande.5Schmidt, Klaus, Laura von Oelbermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/laura-von-oelbermann/DE-2086/lido/5dc018ad4661e2.56554166 (abgerufen am 27.02.2026)
Das Grabmal der Familie Oelbermann auf Melaten. Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Das Grabmal der Familie Oelbermann auf Melaten. Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Tod, Vermächtnis und das Ende eines Hauses

Laura von Oelbermann starb am 3. Juni 1929 im Alter von 83 Jahren, sie wurde auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Ihr Testament regelte alles genau: Zunächst die Versorgung der Angestellten, dann finanzielle Mittel für ihren Hund.  Der weitaus größte Teil des Vermögens aber ging an ihre Stiftungen.

Das große Palais am Hohenstaufenring wurde zur Unterkunft für berufstätige evangelische Frauen. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Erhalten blieb das Grabmal auf dem Melaten-Friedhof.

Wo Köln sich dankbar erinnert

Seit 2005 trägt eine Promenade im Rheinauhafen ihren Namen. Sie erinnert an eine Frau, die ihren Reichtum nicht versteckte – sondern einsetzte. Und deren Vermächtnis bis heute fortdauert: Die Emil-und-Laura-von-Oelbermann-Stiftungen bestehen weiterhin. Das Stiftungskapital liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Das Krankenhaus am Weyertal genießt einen guten Ruf, das Hospital in Ostjerusalem versorgt vor allem palästinensische Patientinnen und Patienten.

So hat sie nicht nur in Köln soziale Strukturen hinterlassen, die bis heute wirken.


Blick in das Haus Oelbermann um 1895, Fotograf unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Blick in das Haus Oelbermann um 1895, Fotograf unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Das Oelbermannhaus – ein züchtiges Haus! 

Gabriele Kaspar hat als Auszubildende im Oelbermann-Haus gelebt und mir geschrieben:
 
Ich habe von 1968 bis 1972 im Oelbermannhaus, Hohenstaufenring 57, gewohnt.  Zu dieser Zeit lebten überwiegend Studentinnen im Haus.
Ich hatte ein eingerichtetes Zimmer mit Waschgelegenheit. Handtücher wurden gestellt und gewaschen, das Zimmer gereinigt. Auf jeder Etage gab es gemeinschaftlicher Nutzung Toiletten, und eine Küche. Letztere hatte neben Kochgelegenheiten auch Kühlschränke in dem jede Mitbewohnerin ein abschließbares Fach hatte. Für jede Etage war eine Mitarbeiterin zuständig, die zum Teil auch im Haus wohnten. Es gab auch weitere Gemeinschaftsräume und Waschmöglichkeiten.
 
An die Höhe der Miete, die bar bei der Hausleitung bezahlt werden musste, kann ich mich nicht erinnern. Sie beinhaltete alle vorher genannten Leistungen sowie Strom und Heizung. Im Winter war sie wegen der Heizung etwas höher. Sie war jedenfalls sehr günstig und in meinem Fall sogar reduziert, da ich am Anfang noch in der Ausbildung war.
 
Neben diversen Hausregeln, die unbedingt eingehalten werden mussten, sonst bekam man eine Ansprache, hier eine die mir in Erinnerung geblieben ist.
An der von 8:30 oder 9:00 bis 22:00 Uhr besetzten Hauspforte lag ein Besucherbuch aus. In dieses musste sich jeder Besucher eintragen. Herrenbesuch war erlaubt, allerdings nur bis 21:30 Uhr und soweit ich mich erinnern kann auch nur für vier Stunden. 
 
Eingehende Post wurde an der Pforte gesammelt, die Zimmerschlüssel sollten dort abgegeben werden. Falls man später als 22:00 Uhr nach Hause kommen wollte erhielt man einen Haustürschlüssel und seinen Zimmerschlüssel. Länger Abwesenheit musste angegeben werden.
 
Ein im ganzen „züchtiges“ Haus.
 
Gabriele Kasper

Vielen Dank an Gabriele Kasper für diese Informationen! 


Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Der Geusenfriedhof

Fast direkt am Krankenhaus Weyertal liegt der Geusenfriedhof. Dies ist der älteste evangelische Friedhof des Rheinlands. Die erste Beerdigung fand dort im Jahr 1584 statt. Und bis weit in das 19. Jahrhundert war dieser Friedhof die einzige mögliche Begräbnisstätte für Protestanten in Köln. Auf diesem Freidhof wurde 1875 die letzte Bestattung durchgeführt. Und danach geriet diese Fläche in Vergessenheit – bis 1981. Der Friedhof wurde unter Denkmalschutz gestellt und die evangelische Gemeinde hat sich der verwilderten Fläche angenommen, Grabsteine wieder aufgerichtet und die Wege wieder hergestellt.  

Adresse: Kerpener Straße 13.

Öffnungszeiten:

April – September: 9 -19 Uhr
Oktober: 10-17 Uhr
November-März: geschlossen
ACHTUNG:  Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen: 10-17 Uhr


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Der Kallendresser zeigt uns die bläcke Fott

Der Kallendresser am Alter Markt, Bild: Elke Wetzig (elya) [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
Der Kallendresser am Alter Markt, Bild: Elke Wetzig (elya) [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
 

Unerhört!

Da hockt ein kleines Männlein hoch über unseren Köpfen und streckt uns die bläcke Fott (hochdeutsch: das nackte Gesäß) entgegen. Offensichtlich ist es gerade dabei, in de Kall ze drisse (hochdeutsch: seine Notdurft in der Regenrinne zu verrichten). Und das mitten in der Stadt. Am Alter Markt. Diese kleine Männlein wird von den Kölschen liebevoll Kallendresser genannt. Ihr findet es am Alter Markt, Hausnummer 24.

Das Kallendresser-Leed

Die Kölschen lieben diese kleine Figur, es gibt sogar ein eigenes Lied dazu:

Ki-Ka Kallendresser,
hev et Hembche huh!
Kik-Ka Kallendresser,
mähs de Minsche fruh.
Häste Ärger un Verdross,
mähste deer nix druus,
denkste nor wie Goldschmitsjung
un stipps dä Mond erus. 

Übersetzung:
Ki-Ka Kallendresser,
hebt das Hemdchen hoch,
Kik-Ka Kallendresser,
machst die Menschen froh.
Hast du Ärger und Verdruss,
mach dir nichts draus,
denke nur wie ein Lehrling der Goldschmiedekunst1Denken wie ein Goldschmittsjung“ ist eine (heute kaum noch gebräuchliche) Redensart für (vornehm gesagt) „Du kannst mich mal.“
und streckst den Mond2hier: Das Hinterteil heraus.

Verschiedene Legenden zur Herkunft

Genau wie beim Halven Hahn gibt es auch beim Kallendresser verschiedene Legenden zur Entstehung:

  • Am Alter Markt war es anscheinend schon immer etwas lauter. Besonders jedoch störte sich ein Schneider daran, dass unter ihm ein – offensichtlich weniger talentierter – Musiker Tuba übte. Nach vielen Ermahnungen wegen der Ruhestörung wurde es dem Schneider zu bunt, und er hockte sich an die Dachkall und zielte ganz genau …

oder

  • Für Dachdecker ist es natürlich mühsam, für das „Geschäft“ eine Toilette aufzusuchen. Viel einfacher ist es doch, die Regenrinne zu benutzen.

oder

  • Die oberen Stockwerke wurden früher von den Dienstboten bewohnt. Selbstverständlich gab es dort oben keine Toilette. Und dann war der Weg zur Dachrinne nicht so weit wie der Weg zum Plumpsklo im Hinterhof.

oder:

  • Meine Lieblingsgeschichte leitet sich vom Standort des Kallendressers ab: Dreht man sich einmal um, sieht man das Rathaus. Und plötzlich wird der nackte Hintern der Figur zum politischen Statement.

Wie in Kölle so üblich: Zu vielen Legenden gibt es eine ganze Reihe Erklärungen, wobei gilt: Was am Ende richtig ist, ist egal. Hauptsache, die Geschichten sind schön!

Der Kallendressers als Symbol für das Aufbegehren gegen die Obrigkeit

Tatsächlich gab es einen Vorläufer der Figur des Kallendressers. Dieser erste Kallendresser wurde von den Kölner Bürgern am „Haus zur Sonne“ am Alter Markt angebracht. Besonders pikant: Ausgerichtet war der nackte Hintern in Richtung des Klostereingangs von St. Martin.

Die Mönche des Klosters hatten sich den Zorn der Bürgerschaft zugezogen, als sie einen Verbrecher, der sich in der vermeintlichen Immunität des Klosters sicher fühlte, an die städtischen Behörden auslieferten. Die empörten Bürger errichteten daraufhin die provokante Figur. Auch eine Klage des Klosters gegen die Figur des Kallendressers wurde abgewiesen. 

Drastischere Darstellung von Ewald Mataré

Dieser „Vorläufer“ des heutigen Kallendressers, der im Krieg stark beschädigt wurde, war in der Darstellung etwas zurückhaltender. Man erkannte zwar, welcher Beschäftigung die Figur nachging, jedoch war diese mit einem langen Hemd bekleidet. Also war kein Blick auf bläcke Fott möglich. Leider konnte man diese Figur wegen der Beschädigungen nicht mehr aufhängen. 

Dass der Kallendresser überhaupt noch existiert, ist der Initiative von Josef „Jupp“ Engels (1909–1991)3Jupp Engels stiftete übrigens auch das Geld und Material zur Schmitz-Säule. verdanken. Der Mäzen und Freund des kölschen Brauchtums sicherte sich in einem typisch kölschen Deal die Figur des Kallendressers: Er tauschte einen mittalterlichen Torbogen, den er beim Bau eines Hauses gefunden hatte, gegen die Rechte an der Figur des Kallendressers ein.

Nachdem er sich die Rechte gesichert hatte, beauftragte Engels seinen Freund, den renommierten, in Düsseldorf tätigen Künstler Ewald Mataré, eine neue Figur zu schaffen. Und – genau wie beim Rosenmontagszug – scheinen die Düsseldorfer immer etwas drastischer in ihren Darstellungen zu sein. Mataré gestaltete die Nachbildung in grünpatiniertem Kupferblech. Ohne Nachthemd, dafür aber mit freiem Blick auf das entblößte Gesäß. Und so hängt er da oben – sehr zu Belustigung der Passanten.

Der Kallendresser-Orden

Jupp Engels gründete auch den Kallendresser-Orden. In diesen Orden können nur Menschen aufgenommen werden, die sich um das Kölner Brauchtum verdient gemacht haben. Selbstverständlich war Engels als Oberkallendresser Präsident dieses Ordens.

HELLERS Kallendresser ist ein wohlschmeckender und wohltuender Kräuterlikör mit 32% Alkohol, Bezug über https://www.hellers.koeln/
HELLERS Kallendresser ist ein wohlschmeckender und wohltuender Kräuterlikör mit 32% Alkohol

Verschiedene Versionen des Kallendresser in ganz Köln – und sogar in Rumänien und Barcelona

Die Brauerei Heller vertreibt den Kallendresser als Getränk: Ein wohlschmeckender Kräuterlikör mit 32% Alkohol.  Und über der Theke im Hellers Brauhaus an der Roonstraße reckt auch ein kleiner Kallendresser seinen Hintern in Richtung Besucher. 

In Junkersdorf und in Seeberg zeigen jeweils kleine Kallendresser ihre bläcke Fott, wobei die Figur in Seeberg ihren Hintern ausdrücklich in Richtung eines ungeliebten Nachbarn streckt.

Genau wie in Rumänien: In der Kleinstadt Braila hat ein Kölner Unternehmer einen Kallendresser an seinem Haus montiert – ebenfalls als Zeichen gegen einen missgünstigen Nachbarn.

Der Caganer, unverzichtbarer Bestandteil jeder katalanischen Weihnachtskrippe und offensichtlich ein Verwandter des kölschen Kallendressers. Bild: Slastic, via Wikimedia Commons
Der Caganer, unverzichtbarer Bestandteil jeder katalanischen Weihnachtskrippe und offensichtlich ein Verwandter des kölschen Kallendressers. Bild: Slastic, via Wikimedia Commons

Der „Caganer“ – die spanische Version des Kallendressers

Und dann gibt es auch noch einen entfernten Verwandten des Kallendressers: In keiner katalanischen Krippe darf der Caganer4katalanisch für Scheißer fehlen. Diese Figur stellt stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert. Es ist für Kinder aus Barcelona ein beliebtes Spiel, den Caganer in der Krippe zu finden.

Das "Brückenmännchen" links und das "Brückenweibchen" rechts. Bild links: Qualle, Bild rechts: Sir James, beide CC BY 3.0,via Wikimedia Commons
Das „Brückenmännchen“ links und das „Brückenweibchen“ rechts. Bild links: Qualle, Bild rechts: Sir James, beide CC BY 3.0,via Wikimedia Commons

Die Version aus Bonn: Das  „Brückenmännchen“ und „Bröckeweibchen“

Das Bonner Brückenmännchen (bönnsch: Bröckemännsche) ist eine Steinskulptur, die 1898 beim Bau der ersten Bonner Rheinbrücke angebracht wurde. Ihren Platz erhielt sie am rechten Turm des Beueler Strompfeilers, direkt über dem Fußgängerdurchlass – mit dem Hinterteil demonstrativ in Richtung Beuel. Der Hintergrund: Die Brücke wurde ausschließlich von Bonner Seite finanziert, weil sich die Beueler Bürger nicht an den Baukosten beteiligen wollten.

Diese ließen aber diese Spitze nicht unbeantwortet. Als Gegenreaktion entstand die Figur des “ Bröckeweibchen„: Eine keifende Waschfrau am linken Turm des Beueler Strompfeilers. Sie zeigt eine Frau mit finsterem Blick und einem erhobenen Pantoffel, der jederzeit zum Wurf auf die andere Rheinseite bereit scheint.5Danke an Rolf Brenner für diesen Hinweis.

Und die Moral von der Geschichte?

Der Kölner Filmemmacher Bruno Neurath1-Wilson fasst in seinem Film „Der Kallendresser lebt“ die Intention des Kallendressers perfekt zusammen:

  1. Welche der Legenden zur Entstehung des Kallendressers richtig ist, ist am Ende egal – Hauptsache, die Geschichten sind schön! 
  2. Etwas mehr Kallendresser würde uns allen gut tun: Weniger Streiterei, weniger Gerichtsverfahren. Stattdessen einfach mal die bläcke Fott zeigen und gut ist.

Bei der Lotsentour Innenstadt werfen wir auch einen Blick auf den Kallendresser.


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Kölsche Originale: Der Lehrer Welsch – Dreimol Null es Null, bliev Null

Gedenktafel, in d'r Kayjass Nummer Null (Kaygasse, Ecke Großer Griechenmarkt),Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gedenktafel, in d’r Kayjass Nummer Null (Kaygasse, Ecke Großer Griechenmarkt),Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Jedes kölsche Schulkind kennt diesen Text:

„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull,
un do hammer dren studeet.
Unser Lehrer, dä hieß Welsch,
sproch en unverfälschtes Kölsch ...
… Dreimol Null es Null, bliev Null,
denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“

Bei dem von den „Drei Laachduve“ in der Session 1938/39 besungenen Lehrer handelt es sich um Heinrich Welsch, und genau dieser Lehrer Welsch hat tatsächlich ein musikalisches Denkmal verdient.

Allerdings war Welsch nie in der Kaygasse tätig, sondern leitete im rechtsrheinischen Kalk eine Sonderschule für Kinder, die einer besonderen Fürsorge bedurften. Man kann davon ausgehen, dass die „Drei Laachduve“ Welsch wegen des Reims in die Kaygasse versetzt haben, denn die ursprüngliche Schule lag in der Hollweghstraße . Das hätte doch das Reimschema arg strapaziert.

Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Welsch – ein Pädagoge mit Herz

Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf, heute ein Ortsteil von Wachtberg, geboren. Er war ausgebildeter Lehrer mit einem Examen des Königlich Preußischen Lehrerseminars in Brühl. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem in Worringen und Sülz, kam er 1881, mitten in der industriellen Revolution, nach Kalk. Erschreckt über die Verhältnisse in der Arbeiterschaft erkannte Welsch sehr schnell, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Erfolg seiner Schüler war. Im Jahr 1905 gründete er die „Hilfsschule“ in Kalk. Der Lehrer Welsch kümmerte sich rührend um seine Schüler – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Rohrstock noch als pädagogisches Mittel galt. So brachte er zum Beispiel Mädchen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft verstoßen wurden, wieder zurück zu ihren Familien.

Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin
Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin

Zu seinen Bemühungen um die Bildung gehört auch, dass Welsch 1884 mit 1.700 von ansässigen Betrieben gespendeten Büchern die erste Volksbibliothek in Kalk gründete. Heinrich Welsch schied im Jahr 1914 aus dem Schuldienst aus und verstarb 1935. Sein Grab auf der dem Friedhof in Kalk ist ein Ehrengrab, die Stadt Köln kümmert sich um die Grabpflege.

Lehrer-Welsch-Preis

Neben dem bekannten Lied lebt Heinrich Welsch aber auch im Lehrer-Welsch-Sprachpreis weiter. Die Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verleiht diesen seit 2004 an Personen oder Institutionen, die sich um die Hochsprache und den Erhalt der kölschen Sprache verdient gemacht haben. 

Der Sänger Ludwig Sebus, selbst Preisträger im Jahr 2008, dazu im Kölner-Stadt-Anzeiger „Das Vermächtnis des legendären Lehrers Welsch ist doch viel mehr als Drei mal Null. Er verkörperte die kölsche Seele. Als Lehrer hat er alle Menschen gleich gesehen und gleich behandelt.“. 

Erster Preisträger im Jahr 2004 war Alexander von Chiari der im Motto des Rosenmontagszugs das Wort „Kids“ durch „Pänz“ ersetzte.

Die weiteren Preisträger sind:

2005
Andreas Henseler, Geschäftsführer des Kölner Wissenschaftsmuseums Odysseum

2006
Wise Guys, Kölner A-cappella-Musikgruppe

2007
Peter Herbolzheimer, deutscher Jazz-Posaunist und Bandleader.

2008
Ludwig Sebus, Krätzchensänger

2009
Die Sendung mit der Maus, Kindersendung vom WDR

2010
Höhner, kölsche Band

2011
Heimatverein Alt-Köln von 1902

2012
center.tv, regionaler Fernsehsender

2013
Wolfgang Bosbach, Politiker

2014
Akademie för uns kölsche Sproch

2015
Wilma Overbeck, Chorleiterin

2016
Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e. V.

2017
Gerhard Uhlenbruck, Mediziner und Autor

2018
Wicky Junggeburth, Moderator und Sänger

2019
Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e. V.

2023
Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr von 1903

2024
Kölner Hänneschen-Theater, Puppenspieler: Jacky von Guretzky-Cornitz, Charly Kemmerling, Udo Müller und Josef Schönberg

2025
„Bömmel“ Lückerath, Gründungsmitglied der Bläck Fööss


Peter Kievernagel (1935 - 2023) war bei seinen Schülern als "Papa gnädig" bekannt. Bild: Uli Kievernagel
Peter Kievernagel (1935 – 2023) war bei seinen Schülern als „Papa gnädig“ bekannt. Bild: Uli Kievernagel

Ein anderer Lehrer, bekannt als „Papa gnädig“

Ich widme dieses „Köln-Ding der Woche“ ausdrücklich meinem am 2. April 2023 verstorbenen Vater Peter Kievernagel, ebenfalls Lehrer. Seine Schüler sprachen von ihm als „Papa gnädig“, weil er bei Prüfungen auch schon mal gerne ein Auge zudrückte. Ganz in der Tradition von Heinrich Welsch.


Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die "Kölschen Originale"
Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die „Kölschen Originale“

Weitere Geschichten zu den „Kölschen Originalen“ gibt es hier:


Vier Botze

Zwar stammt das Lied von der „steinahl Schull“ im Original von den  „Drei Laachduve“, allerdings ist die überarbeitete Version der „Vier Botze“ einer der heimlichen Hymne Kölns.


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Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen

Die "Rheingräfin" Sibylle Mertens-Schaafhausen (1797 - 1857)
Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797 – 1857)

Historikerin, Numismatikerin, Musikerin, Mäzenatin, Archäologin, Kunstsammlerin, Mitgründerin des Kölner Dombauvereins – Sibylle Mertens-Schaaffhausen war „eine der bemerkenswerten Frauen des 19. Jahrhunderts“.1Monika Salchert in ihrem Buch „Schräge Typen der Kölner Stadtgeschichte

Wäre Sie ein Mann gewesen, so würden wir heute nach ihr benannte Plätze, Straßen und Schulen kennen. Doch Sibylle Mertens-Schaaffhausen war eine Frau. Noch dazu eine Frau, die Frauen liebte. Und das in der hausbackenen und konservativen Zeit des Biedermeier. Ungeheuerlich.

Ein Mädchen der besseren Gesellschaft

Sibylle Mertens-Schaaffhausen wurde am 29. Januar 1797 in Köln geboren. Ihr Vater war der Bankier Abraham Schaaffhausen, einer der reichsten Männer des Rheinlands. Ihre Mutter Anna, geb. Giesen, starb wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter Sibylle.

Entsprechend der finanziellen Verhältnisse der Familie wurde sie als Mädchen der „feinen Gesellschaft“ erzogen. Sie sprach neben Italienisch auch Französisch und spielte hervorragend Klavier. Alles Attribute, die ein Mädchen aus der besseren Gesellschaft auszeichnen. Und so teilte sie auch das Schicksal vieler junger Mädchen der damaligen Zeit: Sie wurde im Rahmen eines Ehe-Arrangements im Alter von 19 Jahren mit dem fast doppelt so alten Bonner Kaufmann Ludwig „Louis“ Mertens verheiratet.

„Höllenehe“

Von Liebe war in der Ehe keine Spur zu finden. Louis Mertens teilte keine der feinsinnigen Interessen seiner jungen Frau. Aber er war Geschäftsführer in der Bank ihres Vaters.

Die Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff gehörte zum Freundeskreis von  Sibylle Mertens-Schaaffhausen. In einem Brief bezeichnete sie die Ehe ihrer Freundin als „Höllenehe“, Sibylle wäre vom ersten Tag der Ehe an an unglücklich gewesen. Aus der unglücklichen Ehe gingen aber sechs Kinder hervor. Kinder, die später das Lebenswerk ihrer Mutter vernichten sollten.

Zumindest erlaubten die finanziellen Mittel der Familie, dass man sich aus dem Weg gehen konnte. Man wohnte zwar offiziell zusammen im repräsentativen Haus der Familie in der Trankgasse in Köln, jedoch verbrachte Sibylle zunehmend mehr Zeit in ihrer Villa in Bonn, in ihrer Wohnung in Rom oder in ihrer Sommerresidenz auf dem Petersberg, wo heute das Hotel Steigenberger Grandhotel steht. 

Liebesbeziehung zu Adele Schopenhauer

Zwei Dinge wären im Leben von Mertens-Schaaffhausen undenkbar gewesen: Eine Scheidung und ein Coming-out. Damit wäre die von ihren Freunden zur „Rheingräfin“ geadelte Sibylle gesellschaftlich geächtet gewesen.

Mit Adele Schopenhauer, dee Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, pflegte Mertens-Schaaffhausen einen sehr engen Umgang: Die beiden waren ein Paar, was dem Gatten selbstverständlich nicht gefiel und er Adele Schopenhauer Hausverbot erteilte.

Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841
Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841

Doch Sibylle war in Adele so sehr verliebt, dass sie in ihrem Tagebuch notierte:

„Stürbe sie, so spräng ich jetzt in den Rhein,
denn ich könnte nicht ohne sie bestehen.“

Um den gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen, waren die gegenseitigen Besuche und das Leben unter einem Dach immer als Pflege getarnt. Sobald eine der beiden erkrankte, was regelmäßig vorkam, zog die jeweils andere zu ihr und pflegte sie.

Nach einer zwischenzeitlichen Entfremdung – mehr als sieben Jahre gab es kaum Kontakt zwischen den beiden – sollten die beiden Frauen wieder zueinander finden. Schopenhauer zog in die Bonner Villa von Sibylle Mertens-Schaaffhausen und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1849.

Sibylle Mertens-Schaafhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons
Sibylle Mertens-Schaaffhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons

Erfolge als Denkmalschützerin und Archäologin

Sibylle Mertens-Schaaffhausen engagierte sich leidenschaftlich für Musik, Kunst und Denkmalschutz. In ihrer Bonner Villa veranstaltete sie Konzerte und unterstützte das Beethoven-Denkmal. Sie förderte den Kölner Dom und den Wiederaufbau des Rolandsbogens. In Genua pflegte sie während einer Choleraepidemie im Sommer 1835 Kranke, wofür sie mit einer Medaille geehrt wurde. Sie notierte damals „Ich bin an die­sem un­ge­heu­ren Elend geis­tig ge­sun­det, er­kann­te sie. “ 

Nach dem Tod ihres Mannes 1842 blieb Sibylle Mertens-Schaaffhausen länger in Italien. In Genua erforschte sie mit dem Künstler Santo Varni mittelalterliche Kunstschätze. 1836 erkannte sie dort ein Fragment des Mausoleums von Halikarnassos. Später lebte sie in Rom und entdeckte 1846 ein Fragment der „Fasti Capitolini“2Eine Inschrift mit einer Liste römischer Konsuln und Feldherren, das heute in den Vatikanischen Museen aufbewahrt wird.

Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaafhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

Vernichtung des Lebenswerks

Bereits 1842 war Louis Mertens verstorben. Die sechs gemeinsamen Kinder bestanden darauf, sofort ihren Erbteil ausgezahlt zu bekommen. So wurde Sibylle Mertens-Schaaffhausen gezwungen, große Teile ihres Vermögens  zu veräußern, um die Erben auszuzahlen.  

Die „Rheingräfin“ verstarb am 22. Oktober 1857 in Rom. Sie wurde auf dem Friedhof „Campo Santo Teutonico“, dem Friedhof der Deutschen und der Flamen, neben dem Petersdom in Rom bestattet.

Grabtafel für Sibylle Mertens auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Grabtafel für Sibylle Mertens-Schaaffhausen auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nach ihrem Tod wurde alles, was an Vermögensgegenständen übrig war, von ihren Kindern verkauft. Dazu gehörten unter anderem

  • ihre wertvolle Bibliothek,
  • kostbare Möbel,
  • mehr als 1.800 Gem­men,3Eine Gemme ist ein Schmuck- bzw. bzw. Edelstein.
  • 50 Sta­tu­et­ten aus Bron­ze und in Edel­me­tall,
  • vie­le all­täg­li­che Ob­jek­te (Ge­wich­te und Waa­gen, Par­füm­kap­seln),
  • cir­ca 6.000 Mün­zen,
  • Glä­ser, El­fen­bei­ne und Ton­ge­fä­ße,
  • die mit­tel­al­ter­li­che Samm­lung mit wich­ti­gen El­fen­bein­re­liefs (eins be­fin­det sich heu­te im Vic­to­ria and Al­bert Mu­se­um in Lon­don) und
  • 60 historische Waf­fen.4Quelle: Fabbri, Francesca, Sibylle Mertens-Schaaffhausen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/sibylle-mertens-schaaffhausen/DE-2086/lido/65e706849c1845.63339519 (abgerufen am 16.04.2025)
Der Umgang ihrer Kinder mit ihrem Vermächtnis kommt einer Vernichtung aller Erinnerungen nahe. So wurde das Erbe einer selbstbestimmten Frau, die den Konventionen in der damaligen Zeit trotzte, in alle Winde verstreut. Ganz im Interesse ihrer Nachkommen, die alle Erinnerungen an ihre Mutter auslöschen wollten. Wie gut, dass Sibylle Mertens-Schaaffhausen bereits zu Lebzeiten ihre gesamte Korrespondenz der Bibliothek der Bonner Universität vermacht hat.
 
So sind – sehr zum Verdruss der Erben – viele zum Teil intime Briefe und Tagebucheinträge heute noch erhalten.

Das "Zeitzeichen" des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR
Das „Zeitzeichen“ des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR

Zeitzeichen zum 225. Geburtstag der Rheingräfin

Der WDR hat in seiner Sendung Zeitzeichen vom 30. Januar 2022 eine hörenswerte Sendung zu Sibylle Mertens-Schaaffhausen veröffentlicht.


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100 Jahre Butzweilerhof – Aufstieg, Bedeutung und Wandel eines Kölner Erinnerungsortes

Gemälde des neuen Kölner Flughafen Butzweilerhof aus dem Jahr 1928, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Gemälde des neuen Kölner Flughafen Butzweilerhof aus dem Jahr 1928, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller

Gastautor dieses Artikels ist Werner Müller. Seine Leidenschaft gehört der Luftfahrt und insbesondere der Verbindung der Luftfahrt zur Geschichte der Stadt Köln. Werner Müller ist der Initiator des „1. Tag der Kölner Stadtgeschichte“ und Eigentümer des Historischen Luftfahrtarchiv Köln.

Das Historische Luftfahrtarchiv Köln

Das Historische Luftfahrtarchiv Köln erforscht die Geschichte der Kölner Luftfahrt und veröffentlicht diese Geschichte auf der Webseite, in Fernsehdokumentationen und Berichten sowie in Ausstellungen und Vorträgen. Nach über zwanzig Jahren Forschung wurden bisher mehr als 150 Themen1 auf der Website des Luftfahrtarchivs veröffentlicht. Weitere Kapitel sind in Vorbereitung. Diese Webseite ist die weltweit größte Webseite zur Luftfahrtgeschichte einer Stadt – auch deswegen, weil Köln die weltweit reichste Luftfahrtgeschichte hat. Für zukünftige Ausstellungen sind Anschauungsmodelle zur Kölner Luftfahrtgeschichte in Planung.

Werner Müller, Inhaber von Kölns Historischem Luftfahrtarchiv, Bild: Werner Müller
Werner Müller, Inhaber von Kölns Historischem Luftfahrtarchiv, Bild: Werner Müller

Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Werner Müller
Fürstenbergstr. 33
51065 Köln
Mobil OI78/62225OO
E-Mail: WM51065@Yahoo.de
www.luftfahrtarchiv-koeln.de/

Bitte beachten: Das Historische Luftfahrtarchiv Köln ist ein rein privates und kein öffentliches Archiv.

In diesem Artikel erläutert Werner Müller die wechselvolle Geschichte des Flughafens „Butzweilerhof“.


Das Portal der Abfertigungshalle des Flughafens Butzweiler Hof aus dem Jahr 1936 , hier ein Foto aus dem Jahr 2009. Bild: Superbass, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Das Portal der Abfertigungshalle des Flughafens Butzweilerhof aus dem Jahr 1936 , hier ein Foto aus dem Jahr 2009. Bild: Superbass, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

100 Jahre Butzweilerhof

Der Butzweilerhof ist einer jener Orte, an denen sich Kölner Stadtgeschichte in ungewöhnlicher Dichte ablesen lässt. Kaum ein anderes Areal der Stadt hat innerhalb von hundert Jahren so viele Funktionen, Bedeutungen und Zuschreibungen erfahren: Militärischer Flugplatz, internationaler Verkehrsflughafen, architektonisches Prestigeprojekt, militärische Kaserne, Konversionsfläche – und heute ein Ort, an dem Mobilität vor allem inszeniert wird. Wer den Butzweilerhof verstehen will, muss ihn als Spiegel technischer, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen lesen.

Die Fliegerstation Cöln Butzweilerhof im Winter 1912/13, noch im Bau, hier die rückwärtige Ansicht der beiden Fliegerhallen. Bild: Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Die Fliegerstation Cöln Butzweilerhof im Winter 1912/13, noch im Bau, hier die rückwärtige Ansicht der beiden Fliegerhallen. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller

1913: Die Entscheidung für den Westen der Stadt

Mit der Eröffnung der Fliegerstation Cöln-Butzweilerhof am 1. April 1913 begann die Geschichte eines Luftfahrtstandorts, der von Beginn an strategisch gedacht war. Das Gelände westlich der Stadt auf dem Gelände des Bauernhof Butzweiler Hof, bot flache Flächen und ausreichend Abstand zur dichten Bebauung. Außerdem wurden dort bereits Flugversuche durchgeführt. Die Nutzung war klar militärisch geprägt: Ausbildung, Erprobung, Organisation.

Der Ort war funktional, nicht repräsentativ. Gebäude, Startflächen und Infrastruktur dienten dem Zweck, nicht der Öffentlichkeit.

Der Butzweilerhof - von 1913 bis 1926 Fliegerstation und von 1926 bis 1936 Flughafen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Der Butzweilerhof – von 1913 bis 1926 Fliegerstation und von 1926 bis 1936 Flughafen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller

„Luftkreuz des Westens“

Zwischen dem 1. Weltkrieg und dem 31. Januar 1926 wurde der Butz als Fliegerstation der britischen RAF und des Australischen Flying Corps genutzt. Mit der Öffnung für den zivilen Luftverkehr ab 1926 begann dann eine Phase, in der der Flughafen zunehmend als Verkehrsinfrastruktur gedacht wurde – nicht mehr ausschließlich als militärischer Raum.

In kurzer Zeit entwickelte sich der Butzweilerhof zu einem bedeutenden Knotenpunkt des westdeutschen Luftverkehrs. Linienflüge verbanden Köln mit nationalen und internationalen Zielen, der Flughafen gewann an wirtschaftlicher und symbolischer Bedeutung. In dieser Phase entstand der Begriff vom „Luftkreuz des Westens“, das Köln, neben Berlin-Tempelhof, zu einem der wichtigsten Luftfahrtstandorte Deutschlands machte.

Der Butzweilerhof, hier nach dem Umbau 1936, war ein beliebtes Ausglugsziel für die Kölner. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Der Butzweilerhof, hier nach dem Umbau 1936, war ein beliebtes Ausglugsziel für die Kölner. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller

1936: Architektur als Ausdruck von Macht und Moderne

Mit der Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes im Jahr 1936 erreichte diese Entwicklung ihren architektonischen Höhepunkt. Entworfen von Hans Mehrtens, war das Terminal weit mehr als ein Funktionsbau. Es verband moderne Verkehrstechnik mit monumentaler Gestaltung und klaren Achsen – ein Bauwerk, das bewusst Wirkung entfalten sollte.

Der Flughafen wurde zum Schaufenster – nicht nur für Reisende, sondern auch für politische Botschaften.

Auf Grund der Provisorien der ersten zehn Jahre wusste man nun, wie eine Flughafenanlage konzipiert sein muss, um dem steigenden Flugverkehr zu bewältigen. Überall in Deutschland wurden die bisherigen Provisorien in den Jahren 1935 und 1936 durch komplett durchgeplante Flughafenensemble ersetzt.

Brüche und Kontinuitäten: Der Zweite Weltkrieg

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endete die zivile Nutzung. Der Butzweilerhof wurde nun wieder komplett militärisch genutzt, der Luftverkehr diente nun anderen Zwecken. Zerstörungen, Einschränkungen und Umnutzungen prägten diese Phase. Der Ort verlor seine Rolle als offenes Verkehrstor und wurde Teil der Kriegsinfrastruktur.

Der Flughafen überstand den Krieg zwar nicht unbeschadet, aber als klar lesbare Anlage. Während die Gebäude (Bretterbuden) des „ersten“ Butzweilerhofs am Heiligen Abend 1944 zerstört wurden, blieb der Neubau von 1936 komplett erhalten.

Der Neubau des Butzweiler Hofs von 1936 war erstaunlichwerweise nach dem Krieg überraschend gut erhalten. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Der Neubau des Butzweilerhofs von 1936 war erstaunlichwerweise nach dem Krieg überraschend gut erhalten. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller

Nach 1945: Funktionsverlust und Übergang

Nach Kriegsende übernahmen zunächst die britischen Streitkräfte das Gelände. Mit der Eröffnung des Flughafens Köln-Bonn im Jahr 1957 war endgültig klar, dass der Butzweilerhof seine Rolle als internationaler Verkehrsflughafen verloren hatte. Dies lag auch am Standort, der auch auf Grund der größeren Verkehrsflugzeuge, zu nah an der Stadt lag.

Dennoch wurde das Gelände militärisch genutzt. Über Jahrzehnte hinweg war der Butzweilerhof Kaserne, Verwaltungsstandort und logistischer Raum für die britische RAF, die Belgischen Heeresflieger und die Bundeswehr. Diese Phase ist weniger spektakulär, aber entscheidend für das Verständnis des Ortes: Der Flughafen verschwand nicht, er veränderte seine Funktion, ohne seine Identität vollständig zu verlieren.

Das denkmalgeschütztes Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Butzweilerhof, hier im Jahr 2009. Bild: superbass
Das denkmalgeschütztes Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Butzweilerhof, hier im Jahr 2009. Bild: superbass

Konversion und neue Stadtlandschaft

Mit dem Ende der militärischen Nutzung begann eine neue Phase: die Konversion. Der Butzweilerhof wurde Teil eines größeren städtebaulichen Transformationsprozesses. Gewerbe, Medien, Dienstleistungen und neue Verkehrsachsen prägten das Umfeld. Die Historische Gebäude von 1936 wurden unter Denkmalschutz gestellt, die Gebäude der RAF und der Belgier wurden abgerissen.

Dadurch entfernte sich dieser Ort zunehmend von seiner ursprünglichen Funktion. Der Flughafen wurde fragmentiert: Teile blieben sichtbar, andere verloren ihren historischen Zusammenhang. Die Flughafenarchitektur wurde durch die städtebauliche Planung sowie die neuen Wohngebäude erdrückt.

Dass es auch anders geht, zeigt der Flughafen Berlin Tempelhof. Hier wurde die historische Architektur erhalten, wozu auch die Weite des Rollfelds gehört.

Heute: Motorworld Köln Rheinland

Aber nun stand die Frage im Raum was mit diesen Gebäuden passieren sollte. Das Angebot eines Mäzens in diesem historischen Flughafenensemble ein Luftfahrt- und Technikmuseum zu eröffnen, wurde von der Stadt Köln nicht einmal beantwortet.

Der Butzweiler Hof beherbergt heut die „Motorworld Köln“ und ist ein Dienstleistungszentrum rund um Oldtimer- und Sammlerfahrzeuge. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Der Butzweilerhof beherbergt heut die „Motorworld Köln“ und ist ein Dienstleistungszentrum rund um Oldtimer- und Sammlerfahrzeuge. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Mit der Eröffnung der „Motorworld Köln Rheinland“ erhielt der Butzweilerhof eine neue, öffentlichkeitswirksame Nutzung. Die denkmalgeschützten Hallen wurden saniert, ergänzt und mit neuen Funktionen versehen. Aber die reiche Luftfahrtgeschichte des Butzweilerhofs wurde nicht mehr beachtet. Automobile Ausstellungen, Werkstätten, Gastronomie und Eventflächen prägen heute das Bild. Dazu wurden umfangreiche Abbruchmaßnahmen innerhalb und außerhalb der historischen Gebäude durchgeführt. Es gab um 2000 in der Stadtpolitik sogar Überlegungen die Hallen abzureißen und nur noch das Hauptportal stehen zu lassen.

Ohne diese Nutzung bestand die Gefahr, dass Teile der historischen Substanz möglicherweise verloren gegangen wären. Trotz Umgestaltung bleiben die Gebäude zugänglich, der Ort ist belebt. Aber ohne die Geschichte sind es nur noch tote Steine.

Kritische Betrachtung: Sichtbarkeit ist nicht gleich Verständlichkeit

Gleichzeitig wirft die Umgestaltung grundlegende Probleme auf: Durch massive bauliche Eingriffe, neue Fassaden, große Durchbrüche und Inszenierungen werden historische Strukturen überformt. [Fußnote: „Überformung“ in der Architektur bezeichnet den gestalterischen Eingriff in ein bestehendes Gebäude (Bestandsbau), bei dem dessen ursprüngliche Struktur, Form oder Erscheinung durch neue architektonische Elemente wesentlich verändert, überlagert oder neu interpretiert werden.] Der Flughafen wird zur Kulisse, seine ursprüngliche Funktion tritt in den Hintergrund. Auf Grund der massiven Umbauten steht auch die Frage im Raum ob der Denkmalschutz noch besteht oder „hintenrum“ abgeschafft wurde.

Der Schwerpunkt auf automobilen Erlebniswelten verschiebt die Erzählung: Der Ort der Luftfahrt wird zum Ort der Mobilitätsvermarktung. Die Luftfahrtgeschichte ist nur noch in externen Archiven vorhanden und somit nicht mehr leitend. Der Zusammenhang zwischen Architektur, Funktion und Zeitgeschichte ist für viele Besucher nicht mehr nachvollziehbar.

Die repräsentative Empfangshalle des Butzweiler Hofs, hier ein Foto aus dem Jahr 2009. Bild: F.412, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Die repräsentative Empfangshalle des Butzweilerhofs, hier ein Foto aus dem Jahr 2009. Bild: F.412, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Fazit: Ein Ort mit Verantwortung

Der Butzweilerhof ist kein beliebiges Gelände. Er ist ein historischer Ort mit klarer Identität. Seine Zukunft entscheidet sich nicht allein an wirtschaftlicher Tragfähigkeit, sondern an der Frage, wie Geschichte vermittelt wird.

100 Jahre Butzweilerhof bedeuten Verantwortung: für den Umgang mit Bausubstanz, für historische Zusammenhänge und für die Rolle dieses Ortes im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Nutzung und Erinnerung müssen kein Widerspruch sein – aber sie verlangen Sensibilität. Das ist auf dem Butzweilerhof nicht passiert.

Auch der Butzweilerhof bleibt damit einer der vielen Orte in Köln, an dem sich zeigt, dass die Kölner Politik und Verwaltung nicht mit der eigenen Stadtgeschichte umgehen kann.

Autor: Werner Müller, Historisches Luftfahrtarchiv Köln


Ausstellung zum 100. Geburtstag des „Butz“

Am 13. Mai 1926 ging der Flughafen Köln Butzweilerhof in Dienst. Ein Grund, um dies mit einer Ausstellung zu würdigen. Neben dem Historischen Luftfahrtarchiv Köln wird auch das Luftkriegsarchiv Köln und der Verein Industriedenkmal Clouth e.V. eine Ausstellung präsentieren.

  •  Ort: Kulturbunker Mülheim, Berliner Str. 20, 51063 Köln, 1. OG 
  • Haltestelle „Von-Sparr-Straße“ der Linie 4 / Haltestelle „Neuer Mülheimer Friedhof“ Buslinie 153
  • Der Eintritt ist FREI

Öffnungszeiten (alle Zeiten unter Vorbehalt)

  • Samstag, 11. Juli 11:00 – 20:00 Uhr          
  • Sonntag, 12. Juli 11:00 – 20:00 Uhr          
  • Montag,  13. Juli 15:00 – 19:00 Uhr          
  • Dienstag, 14. Juli 15:00 – 19:00 Uhr          
  • Mittwoch, 15. Juli 15:00 – 20:00 Uhr
    Kuratorenführung
  • Donnerstag, 16. Juli 15:00 – 19:00 Uhr          
  • Freitag,  17. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
    Vortrag: „Flughafen Köln Butzweilerhof“
  • Samstag, 18. Juli 11:00 – 20:00 Uhr          
  • Sonntag, 19. Juli 11:00 – 20:00 Uhr          
  • Montag, 20. Juli 15:00 – 19:00 Uhr          
  • Dienstag, 21. Juli 15:00 – 19:00 Uhr          
  • Mittwoch, 22. Juli 15:00 – 20:00 Uhr
    Kuratorenführung
  • Donnerstag, 23. Juli 15:00 – 19:00 Uhr          
  • Freitag 14. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
    Vortrag: „Die Geschichte der Kölner Luftfahrt“
  • Samstag, 25. Juli 11:00 – 20:00 Uhr          
  • Sonntag, 26. Juli 11:00 – 20:00 Uhr

 
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln

Das Historische Luftfahrtarchiv Köln

Das Historische Luftfahrtarchiv Köln dokumentiert und erforscht die Geschichte der Kölner Luftfahrt, insbesondere des Flughafens Butzweilerhof. Initiiert wurde es von Werner Müller, der Fotos, Pläne und Zeitzeugnisse sammelt, um dieses Kapitel Kölner Stadt- und Technikgeschichte dauerhaft zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen.

Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Werner Müller
Fürstenbergstr. 33
51065 Köln
Mobil OI78/62225OO
E-Mail: WM51065@Yahoo.de
www.luftfahrtarchiv-koeln.de/

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Ein paar Fragen an Dr. Joachim Oepen – Wie Kölns Neustadt ihre Kirchen bekam

Dr. Joachim Oepen, Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums Köln. Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Dr. Joachim Oepen, Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums Köln. Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Frank & Uli vom Köln-Ding der Woche sind zu Gast bei Dr. Joachim Oepen. Der Historiker und Archivar leitet das Historische Archiv des Erzbistums Köln. Joachim Oepen hat in Köln Geschichte und Latein studiert. Er ist auch Lehrbeauftragter für für mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte am Historischen Institut der Universität zu Köln.

Er hat bereits bei den Kölner-Podcast-Tagen mitgewirkt und ist für seine Veröffentlichungen zur Kölner Stadtgeschichte und Kölner Kirchengeschichte bekannt.

Historisches Archiv des Erzbistums Köln

Hier, im Historischen Archiv des Erzbistums, lagern die Erinnerungen der Kölner Kirche in kilometerlangen Regalreihen. Und „kilometerlang“ ist hier keine Übertreibung: Tatsächlich finden sich hier mehr als 13 Regalkilometer Aktenmaterial in diesem Archiv: Urkunden seit dem Mittelalter, unzählige Akten, Kirchenbücher, Briefe und Dokumente.

Zufälligerweise liegt ein ganz besonderes Prunkstück auf dem Tisch von Dr. Joachim Oepen: Die Koelhoffsche Chronik, eine Chronik der Stadt Köln aus dem Jahr 1499.

Die "Koelhoffsche Chronik", eine Chronik über die Stadt Köln aus dem Jahr 1499. Bild: Frank Mausbach
Die „Koelhoffsche Chronik“, eine Chronik über die Stadt Köln aus dem Jahr 1499. Bild: Frank Mausbach

Rund 6000 mittelalterliche Urkunden gehören zu den ältesten Stücken des Archivs. Doch zwischen all den Regalen und Kartons verbirgt sich nicht nur kirchliche Verwaltungsgeschichte, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte. Denn ohne die Kirche lässt sich Köln kaum erzählen.

Die Kirchen der Kölner Neustadt

In diesem Podcast geht es um die Kirchen der Kölner Neustadt. Ein wichtiges Thema in Köln, denn immer, wenn man an Kirchen an Köln denkt, kommt zuerst der Dom, dann lange nichts, dann die Romanischen Kirchen.

Aber auch die Kirchen der Neustadt sind beachtenswert. Dr. Oepen ist ein ausgewiesener Fachmann zu diesen Bauten. Er hat bereits 2006 zusammen mit Wolfgang Schaffer das Buch „Kirche, Kanzel, Kloster. Pfarrgründungen, Kirchenbau und Seelsorge in der Kölner Neustadt 1880-1920“ (Greven Verlag, Köln 2006) herausgegeben. 

Oepen / Schaffer: „Kirche, Kanzel, Kloster. Pfarrgründungen, Kirchenbau und Seelsorge in der Kölner Neustadt 1880-1920“ (Greven Verlag, Köln 2006)  
Oepen / Schaffer: „Kirche, Kanzel, Kloster. Pfarrgründungen, Kirchenbau und Seelsorge in der Kölner Neustadt 1880-1920“ (Greven Verlag, Köln 2006)

Als Köln plötzlich doppelt so groß wurde

Wer heute über die Kölner Ringe spaziert, ahnt kaum, was hier vor gut 140 Jahren passierte. Damals verwandelte sich Köln in wenigen Jahrzehnten von einer mittelalterlichen Festungsstadt in eine moderne Metropole. Die Stadtmauer fiel 1881 und rund um die Altstadt entstand ein völlig neues Köln: die Neustadt.

Innerhalb von nur zwei bis drei Jahrzehnten verdoppelte sich Köln – sowohl in der Fläche als auch in der Bevölkerung. Für damalige Verhältnisse war das ein gigantisches Projekt. Mit neuen Straßen, neuen Vierteln und – ganz selbstverständlich – neuen Kirchen. Denn wo plötzlich Zehntausende Menschen wohnen, müssen auch neue Pfarrgemeinden entstehen. Und so begann in der Kölner Neustadt ein Kirchenbauprogramm, welches bis heute das Stadtbild prägt.

Ein „Kirchenkranz“ um die Altstadt

Entlang der Neustadt entstand daher ein Halbkreis großer Kirchenbauten. Von Norden nach Süden gehören dazu:

  • St. Agnes
  • St. Michael
  • Herz Jesu
  • St. Paul
  • Maria Hilf
  • St. Maternus

Sie bilden bis heute so etwas wie einen „kirchlichen Ring“ um die Altstadt.

Auffällig ist dabei: Diese Kirchen wurden bewusst nicht direkt an den Ringen gebaut, sondern meist in der zweiten Reihe – mit ihrer Schauseite zur Ringstraße hin. Das war städtebaulich geplant. An den Ringen selbst standen repräsentative öffentliche Gebäude, während die Kirchen leicht zurückgesetzt waren, aber dennoch sichtbar blieben.

Die Agneskirche, Bild: Harald Ernst, CC BY-SA 3.0 DE
Die Agneskirche, Bild: Harald Ernst, CC BY-SA 3.0 DE

St. Agnes – die Kirche eines Immobilienkönigs

Ganz im Norden steht St. Agnes. Die zweitgrößte Kirche Kölns verdankt ihre Existenz einem Mann, dessen Lebensgeschichte fast schon kölschen Romanstoff liefert: Peter Joseph Roeckerath.

Roeckerath heiratete reich, seine Frau Agnes Schmitz brachte ihm Land vor der Stadtmauer mit in die Ehe. Als die Neustadt bebaut wurde, verwandelte sich dieses Ackerland plötzlich in wertvolles Bauland. Roeckerath wurde zu einem der großen Immobiliengewinner der Stadterweiterung.

Die Kritik kam prompt. Eine Zeitung schrieb damals spöttisch, Roeckerath habe es verstanden, „einen großen Teil des Geldstroms, der mit der Stadterweiterung aus der Erde hervorquoll, in die eigenen Taschen zu lenken“.

Doch der Unternehmer ließ sich nicht lumpen. Er finanzierte die komplette St.-Agnes-Kirche – als Gedächtniskirche für seine verstorbene Frau Agnes. Und weil die Gemeinde ihrem großzügigen Stifter dankbar war, bekam Roeckerath später sogar ein Grab in der Kirche selbst. Ein für einen Laien äußerst seltenes Privileg.

St. Michael am Brüsseler Platz, Bild: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
St. Michael am Brüsseler Platz, Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

St. Michael – das belgische Viertel bekommt seine Kirche

Weiter südwestlich liegt St. Michael am Brüsseler Platz. Heute kennt man den Platz eher wegen seiner Kneipen und Cafés – und auch dem Ärger über regelmäßige Lärmbelästigung. Die Kirche selbst wird oft übersehen – dabei gehört sie zu den größten Kirchen Kölns.

Sie entstand in einem Viertel, das damals schnell wuchs und vom gehobenen Mittelstand geprägt war. Zunächst wurde dort eine Notkirche errichtet, bevor Anfang des 20. Jahrhunderts der heutige monumentale Bau entstand.

Architektonisch fällt St. Michael aus dem Rahmen: Während die meisten Neustadt-Kirchen neugotisch sind, ist sie neuromanisch gebaut.

Heute geht die Kirche neue Wege: Im Rahmen des Konzepts „Kirche für Köln“ werden hier Konzerte, Theater, Ausstellungen oder Podcast-Events durchgeführt. Dies zeigt, wie Kirchenräume in der modernen Stadt genutzt werden können.

Die Herz-Jesu-Kirche, Bild: Cmcmcm1, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Die Herz-Jesu-Kirche, Bild: Cmcmcm1, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Herz Jesu – Kirche mit politischer Botschaft

Eine Besonderheit ist Herz Jesu am Zülpicher Platz. Sie ist die einzige Neustadtkirche, die direkt an den Ringen steht. Das war kein Zufall. Der Bau war ein Statement.

Der Name „Herz Jesu“ hat nämlich eine politische Dimension. Nach dem Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche gewann die Herz-Jesu-Verehrung enorme Bedeutung. Die Kirche wurde so zu einem sichtbaren Zeichen katholischer Identität.

Auch architektonisch setzte man auf große Namen: Mit Vinzenz Statz und Friedrich von Schmidt verpflichtete man zwei der bedeutendsten neugotischen Architekten ihrer Zeit.

Dir Kirche St. Paul in der Neustadt-Süd. Bild: Raimond Spekking
Dir Kirche St. Paul in der Neustadt-Süd. Bild: Raimond Spekking

St. Paul – Schokolade für den Papst

Im Volksgarten-Viertel entstand St. Paul. Hier lebte vor allem wohlhabendes Bürgertum – darunter der berühmte Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck.

Und der wusste, wie man Werbung macht. Bei einer Audienz überreichte er dem Papst eine Schachtel Stollwerck-Pralinen. Außen war der Kölner Dom abgebildet, innen ein Bild der zukünftigen Kirche St. Paul. Eine frühe Form von kirchlichem Marketing – oder, wie man heute sagen würde: Produktplatzierung.

Der Turm der Kirche wurde im Krieg zerstört und nie vollständig wieder aufgebaut. Deshalb wirkt er bis heute ein wenig „abgeschnitten“.

Die Maria-Hilf-Kirche in der Kölner Südstadt, Bild: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Die Maria-Hilf-Kirche in der Kölner Südstadt, Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Maria Hilf – die übersehene Kirche

Zwischen St. Paul und St. Maternus liegt Maria Hilf – eine Kirche, die viele Kölner kaum wahrnehmen. Das liegt auch daran, dass sie nicht frei auf einem Platz steht, sondern direkt in die Häuserzeile integriert ist.

Ursprünglich war sie die Kirche eines Klosters und später eine Pfarrkirche für das Arbeiterviertel rund um die Elsassstraße. Dort wollte die Kirche gezielt soziale Arbeit leisten – auch als Antwort auf die starke Arbeiterbewegung jener Zeit.

Heute erinnert nur noch wenig an den ursprünglichen neugotischen Bau, da die Kirche im Krieg stark zerstört wurde.

St. Maternus in der Kölner Südstadt, Bild: Cmcmcm1, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
St. Maternus in der Kölner Südstadt, Bild: Cmcmcm1, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

St. Maternus – die unvollendete Kirche

Ganz im Süden der Neustadt steht St. Maternus. Sie ist die jüngste der Neustadtkirchen und wurde 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, fertiggestellt. Der geplante hohe Turm wurde jedoch nie vollendet. Bis heute ragen nur zwei „Türmchen“ ein wenig über das Kirchendach hinaus.

Architektonisch zeigt sich hier bereits ein Übergang: Neben neugotischen Elementen finden sich erste Einflüsse des Jugendstils.

Kirchen zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Neustadtkirchen erzählen viel über Köln: Vom rasanten Wachstum der Stadt, reichen Stiftern und sozialem Engagement, von politischen Konflikten und vom Wandel kirchlichen Lebens.

Viele dieser Kirchen sind heute keine klassischen Pfarrkirchen mehr. Gemeinden wurden zusammengelegt, Mitgliederzahlen sinken. Doch gleichzeitig entstehen neue Ideen: kulturelle Nutzung oder soziale Projekte.

Wer durch die Neustadt spaziert, merkt schnell: Diese Kirchen sind nicht nur Bauwerke – sie sind steinerne Kapitel der Kölner Stadtgeschichte.

Vielleicht zeigt sich auch in diesen Bauwerken wieder einmal eine typisch kölsche Fähigkeit: Sich zu verändern, ohne die Geschichte zu vergessen.


Dr. Wolfgang Oepen (Mitte), Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums Köln, Bild: Yannick Mausbach
Dr. Joachim Oepen (Mitte), Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums Köln, Bild: Yannick Mausbach

Kölsche Fragen an Joachim Oepen

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Joachim Oepen zu unseren „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Wenn nicht in Köln, wo sonst könnten Sie wohnen? Und warum gerade dort?

Da gibt es gleich zwei Städte: Brügge oder in Rom. Beide, wie Köln, mit einer ähnlich reichen Geschichte und einfach wundervolle Städte.

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet Sie persönlich aus?

Dazu sollte man bitte andere Menschen, die mich gut kennen,  wie zum Beispiel meien Frau oder meine Kinder fragen, denn sonst wäre es am Ende nur gestrunzt.1„Strunzen“ meint laut Adam Wrede „prahlen, großtun, großsprecherich übertreiben“.

Nehmen wir mal an, Sie sind übermorgen Oberbürgermeister in Kölle. Was würden Sie ändern?

Da würde mir ganz viel einfallen. Aber aus aktuellem Anlass würde ich dafür sorgen, dass das Kölner Stadtmuseum wieder ins Zeughaus kommt. In ein Umfeld, in dem die Stadtgeschichte Kölns angemessen präsentiert werden kann.

St. Ursula, eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, Bild: Hans Peter Schaefer, Hps-poll, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
St. Ursula, eine der zwölf großen Romanischen Kirchen Kölns, Bild: Hans Peter Schaefer, Hps-poll, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Köln?

Da halte ich es mit Heinrich Böll: Genau wie er liebe ich die Romanischen Kirchen Kölns.

Welche Kölnerinnen oder Kölner haben Sie beeinflusst oder beeindruckt?

Finde ich ganz schwierig. Da könnte ich mit meinen Eltern anfangen. Dazu zählen aber auch allerhand Menschen, die ich in meinem Lebensweg kennengelernt habe.

Was machen Sie zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Fastelovend fiere!

Wie heißt Ihre kölsche Lieblingskneipe?

Auch da gibt es mehrere. Zum einen wird der Wirtz in der Isabellenstraße, da haben sich meine Großeltern kennengelernt. Dann noch die Schreckenskammer und die „Kleine Glocke“.

Welches ist ihr Lieblingskölsch?

Ganz klar Reissdorf. Das kommt, wie ich, aus dem Severinsviertel.

Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Der Halve Hahn, das kölsche Lieblingsgericht von Dr. Joachim Oepen, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Haben Sie auch ein kölsches Lieblingsgericht?

Ja, klar: Halve Hahn. Kleine Mahlzeit zwischendurch und schön vegetarisch. Immer mit vell Öllig und Mostert.

Ihr Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Da fallen mir auch mehrere ein, zum Beispiel Pimock, Flaabes oder Kniesbüggel. Ich finde die kölschen Schimpfworte sind nicht verletzend, bringen aber die Dinge klar auf den Punkt.

Bitte vervollständigen Sie den Satz:  Köln ist …

… ein Traum!


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Der Tanzbrunnen: Vom „Messebrunnen“ zur kölschen Kultstätte

Der Kölner Tanzbrunnen direkt am Rheinufer, Bild: Koelncongress GmbH
Der Kölner Tanzbrunnen direkt am Rheinufer, Bild: Koelncongress GmbH

Wer heute am Tanzbrunnen steht, sieht Bühne, Schirme und genießt den Blick auf Dom und Rhein. Was man nicht sofort sieht: Hier liegt ein echtes Stück Kölner Stadtgeschichte unter den Füßen.

Im Rahmen der Kölner Werkbundausstellung legten Theodor Nußbaum und Josef Giesen am heutigen Tanzbrunnen um 1930 eine Schmuckanlage mit einem mittigen Kreisbecken und einer Brunnenanlage an. Vorher stand dort das Preußischen Fort XV, als Teil des inneren Festungsrings. Die gesamte Anlage bekam den eher nüchternen Namen „Messebrunnen“.

Ab 1939 Messelager Köln

Ab 1939 entstand auf dem Gelände der Messe das „Messelager Köln“. Teil dieses Lagers war auch ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Die dort untergebrachten Häftlinge wurden in der ab etwa 1941 von Bomben zunehmend zerstörten Stadt zur Trümmerbeseitigung, zur Bergung von Leichen und zur Blindgängerentschärfung gezwungen.

Gedenktafel an den Rheinhallen (ehemalige Messehallen) zur Erinnerung an das Messelager. Bild: Raimond Spekking
Gedenktafel an den Rheinhallen (ehemalige Messehallen) zur Erinnerung an das Messelager. Bild: Raimond Spekking

Neben diesem Lager gab es auf dem Gelände auch noch ein Gefängnis der Gestapo, ein Kriegsgefangenenlager und ein spezielles Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die Inschrift auf dem Mahnmal lautet: 

„Messegebäude, Messegelände und der anschließende Bereich bis hin zum Tanzbrunnen waren währen des zweiten Weltkrieges ein zentraler Ort der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Köln.
Hier befand sich eine Reihe von Lagern: Ein Außenlager des KZ Buchenwald, Lager für Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter, ein Sonderlager der Gestapo für deutsche und ausländische Häftlinge. Von hier aus gingen die Transporte in die Konzentrationslager ab und 1940 wurden Sinti und Roma sowie zwischen 1941 und 1944 Juden deportiert.
Hunderte kamen in den Lagern und bei Arbeitseinsätzen ums Leben.
Tausende Männer, Frauen und Kinder wurden von hier aus in den Tod geschickt.“

An die Deportation der Sinti und Roma heute auch noch der Schriftzug „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“. Dieser Schriftzug wurde von Gunter Demnig verlegt. Im Portal KuLaDig1Antonia Frinken: „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-355659 , abgerufen: 4. Mai 2026 lautet es dazu: 

Bereits vor dem Projekt „Stolpersteine“, das heute das weltweit größte dezentrale Mahnmal ist, betätigte sich Gunter Demnig erinnerungspolitisch.
50 Jahre nach den ersten Deportationen aus Köln entstand im Mai 1990 in Zusammenarbeit mit dem Kölner Rom e.V., der sich für vor dem Jugoslawienkrieg geflüchtete Rom*nja einsetzt, und mit Erlaubnis der Stadt Köln der Schriftzug „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“. Demnig brachte ihn zunächst als Spur mit weißer Lackfarbe und einer selbst gebauten Druckwalze auf die Gehwege entlang der Straßen auf, die die verfolgten Familien im Mai 1940 auf ihrem Weg zum Sammellager auf dem Messegelände nahmen.
Daraufhin erhielt der Rom e.V. sowohl Unterstützungsbekundungen als auch Aufforderungen, den Schriftzug zu entfernen.
Inzwischen wurde die Spur an verschiedenen Stellen als Messing-Schriftzug verewigt, unter anderem an der Kreuzblume vor dem Kölner Dom, auf der Venloer Straße, vor dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und in der Bobstraße nahe der Mauritiuskirche.“

Schriftzug zur Erinnerung an die Deportation der Sinti und Roma, Bild: Avi1111 dr. avishai teicher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Schriftzug zur Erinnerung an die Deportation der Sinti und Roma, Bild: Avi1111 dr. avishai teicher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Architektur, die Geschichte schreibt

Nach dem Krieg wurde hier ein neuer Brunnen gebaut. Der Clou: Ein begehbares Rondell über der Wasserfläche, welches auch als Tanzfläche diente. Fortan wurde aus dem „Messebrunnen“ der Tanzbrunnen. Mit der Bundesgartenschau 1957 bekam der Tanzbrunnen ein Gesicht, das bis heute prägt: Frei Otto entwarf das legendäre Sternwellenzelt. Leicht, elegant, fast schwebend – und später Vorbild für die Dächer des Münchner Olympiaparks.

In den 70er Jahren wurde nachgelegt. Die charakteristischen Schirme vor der Bühne – gedacht als stilisierte Tulpen – kamen hinzu. Sie konnten ursprünglich sogar eingeklappt werden.

Das begehbare Rondell über dem Brunnen, auf dem auch getanzt werden konnte, sorgte für den Namen "Tanzbrunnen". Bild: Koelncongress GmbH
Das begehbare Rondell über dem Brunnen, auf dem auch getanzt werden konnte, sorgte für den Namen „Tanzbrunnen“. Bild: Koelncongress GmbH

Der Tanzbrunnen war nie exklusiv. Hier standen Weltstars – und gleichzeitig ganz normale Menschen auf der Bühne. Die legendäre „Talentprobe“ ist bis heute ein Stück kölscher Kulturgeschichte: laut, direkt, manchmal gnadenlos. Seit den 60er Jahren prägen Konzerte den Ort. Jazzfestival, Karneval, internationale Acts – bis zu 12.500 Menschen passen auf das Gelände. Und trotzdem fühlt sich vieles hier erstaunlich nah an. Seit 1994 gibt es auch die Indoor-Bühne „Theater am Tanzbrunnen“ mit Platz für etwa 2.000 Menschen.

Zur Sessionseröffnung am 11.11. am Tanzbrunnen kommen jedes Jahr 11.111 Jecke. Bild: Joachim E. Zöller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Zur Sessionseröffnung am 11.11. am Tanzbrunnen kommen jedes Jahr 11.111 Jecke. Bild: Joachim E. Zöller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Seit 2013 feiert Kölns erster Karnevalsgesellschaft, „Die Grosse von 1823“ am 11.11. den großen Kölschen Countdown zur Sessionseröffnung am Tanzbrunnen. Diese Party für 11.111 Jecke stimmt mit zehn Stunden Musikprogramm (!) auf den Karneval ein. Alle Größen des Karnevals stehen dann hier auf der Bühne.

Berühmt-berüchtigt war „Udo Werners Talentprobe“. Bei dieser ersten deutschen Castingshow konnten aufstrebende Talente ihr Können auf der großen Bühne zeigen. Dazu brauchte es viel Mut, denn die Talentprobe war berüchtigt für das gnadenloses und schadenfrohe Publikum. Höchststrafe war, wenn sich das gesamte Publikum umdrehte und in die falsche Richtung applaudierte. Auch ein gewisser Michael Büttgen sammelte dort erste Bühnenerfahrung, bevor er 1990, mittlerweile in Köln besser bekannt als „Linus“ selber bis 2017 die Talentprobe am Tanzbrunnen moderierte.

Die "Wall of Fame" am Kölner Tanzbrunnen, Bild: Koelncongress GmbH
Die „Wall of Fame“ am Kölner Tanzbrunnen, Bild: Koelncongress GmbH

Die Wall of Fame: Ruhm ohne Allüren

Wer genau hinschaut, entdeckt sie irgendwann: Die Wall of Fame. Kein großes Spektakel, sondern eher leise. Und genau das passt. Auf kleinen Plaketten werden Künstlerinnen und Künstler verewigt, die den Tanzbrunnen über Jahre geprägt haben. Die Mischung ist äußerst bunt: Internationale Namen wie Joe Cocker oder Chris de Burgh stehen neben kölschen Größen wie Bläck Fööss, Brings, Höhner oder Kasalla.

Und wer hat bis heute die meisten Auftritte? Natürlich die Bläck Fööss. Sie gehören quasi zum Inventar des Tanzbrunnens.

Sanierung: Vieles neu – und alles im Zeit- und Kostenrahmen

Der Tanzbrunnen wurde 2025/2026 umfassend saniert – und das fast schon unkölsch zuverlässig. Man blieb sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen. Rund 16 Millionen Euro wurden investiert. Kein leichtes Unterfangen, denn der Tanzbrunnen steht unter Denkmalschutz.

Die bekannten Schirme wurden erneuert, höher gebaut und um vier zusätzliche ergänzt. Mehr Schutz vor Regen, bessere Sicht auf die Bühne. Das Bühnenhaus blieb erhalten, wurde aber erweitert – mit einem neuen Baukörper im Messing-Gold-Ton.

Selbst der Boden ist Geschichte: Teile stammen noch von 1971. Sie wurden aufgenommen und neu verlegt.

Der Spaß am Tanzbrunnen endet immer um 22 Uhr. Pünktlich. Bild: Koelncongress GmbH
Der Spaß am Tanzbrunnen endet immer um 22 Uhr. Pünktlich. Bild: Koelncongress GmbH

Der Ton macht die Musik – und manchmal auch den Ärger

So schön der Tanzbrunnen ist: Ganz ohne Konflikte geht es auch heute nicht. Das Dauerthema heißt Lärm. Seit einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 1997 gilt hier eine klare Grenze: um 22 Uhr ist Schluss. Ohne Ausnahme. Und zwar so strikt, dass selbst internationale Top-Acts mitten im Konzert abbrechen müssen.

Das Problem: Geklagt hatten damals keine direkten Nachbarn, sondern Anwohner auf der linken Rheinseite. Der Rhein trägt den Schall erstaunlich gut. Die 22-Uhr-Regel ist für Kölncongress-Chef Ralf Nüsser längst nicht mehr zeitgemäß. Viele Politiker sehen das ähnlich. Die 22-Uhr-Grenze wird inzwischen wieder diskutiert.

Mit der Sanierung ist der Tanzbrunnen technisch auf der Höhe der Zeit. Neue Soundanlagen, bessere Infrastruktur, mehr Komfort. Über 40 Veranstaltungen sind bereits geplant. Dabei steht der Tanzbrunnen zwischen Denkmalschutz und Moderne und zwischen wischen Konzert und Nachtruhe. Was sicher ist: Dieser Ort wird bleiben. Weil er mehr ist als nur eine Bühne.

Der Tanzbrunnen ist ein Stück Köln.


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