Drei wichtige Imis für Kölle: Caspar, Melchior und Balthasar

El Greco: Die Anbetung der Könige, 1568 (Museo Soumaya, Mexiko-Stadt)
El Greco: Die Anbetung der Könige, 1568 (Museo Soumaya, Mexiko-Stadt)

Heute, um 9.35 Uhr, ist es wieder soweit. Der tiefe, durchdringende Ton des „Decke Pitter“ ist in fast ganz Kölle zu hören. Die größte Glocke des Doms schlägt zur Ehre von drei ganz prominenten Imis: Den „Heiligen Drei Könige“.

Bereits 1164 wurden diese drei ganz besonderen Heiligen von den Kölschen vereinnahmt. Kaiser Barbarossa hatte als Kriegsbeute aus Mailand die Gebeine von Caspar, Melchior und Balthasar seinem Kanzler Rainald von Dassel geschenkt. Wie gut, dass dieser findige Mann auch gleichzeitig Erzbischof von Köln war und diese Chance sofort ergriff. Er überführte die Gebeine der Heiligen Drei Könige in das „Hillige Kölle“. Und viele Pilger wollten zu diesen bedeutenden Reliquien. Mit den Pilgern stieg die Bedeutung Kölns. Und es kam reichlich Geld in die Stadt. Merke: Reliquien bringen Pilger – Pilger bringen Geld.

Der Ansturm auf die Heiligen Drei Könige war so gewaltig, dass der alte, karolingische Dom dem Andrang nicht mehr gerecht wurde und den Ansprüchen des Erzbischofs nicht mehr genügte. So wurde mit dem Bau eines neuen, gotischen Doms begonnen. So sind also Caspar, Melchior und Balthasar unmittelbar für das wichtigste kölsche Bauwerk verantwortlich.

Eigentlich „magoi“ – Magier

Die Gebeine der Heiligen Drei Könige sind ganz besondere Reliquien, weil diese nach der biblischen Überlieferung Jesus tatsächlich persönlich gesehen haben. Tatsächlich werden diese im Matthäusevangelium nicht als Könige sondern als „magoi“ bezeichnet. Damit sind Weise, Magier, Gelehrte oder auch Sterndeuter gemeint. Erst viel später, um das Jahr 300, werden diese Männer als Könige bezeichnet. Die Geschenke für das Jesuskind sind voller Symbolik: Gold besaßen damals nur Könige, somit wurde Jesus in den Rang eines Königs erhoben. Myrrhe ist eine Heilpflanze, damit soll Jesus vor Krankheiten geschützt werden und der heute noch in der Liturgie verwendete Weihrauch ist ein Symbol für die Verbindung der Menschen mit Gott. Die Heiligen Drei Könige erkennen damit Jesus als Gottes Sohn an.

Hohe politische Bedeutung

Diese Reliquien waren für die Menschen so etwas wie „ein Stück Himmel zum Anfassen“ und gleichzeitig die Vorbilder aller Könige. Damit gewann Köln auch massiv an politischer Bedeutung. So war es üblich, dass die deutschen Könige zwar in Aachen gekrönt wurden, dann aber sofort nach Köln zu den Gebeinen der drei Könige pilgerten. Und da ein König regelmäßig mit großem Gefolge reist, kamen nicht nur mehr Menschen in die Stadt sondern auch reichlich Geld. Für die Kölschen eine wunderbare Verbindung von Religion und Geldbörse.

Der Dreikönigschrein im Kölner Dom, Bild: Beckstet, Wikimedia Commons
Der Dreikönigschrein im Kölner Dom, Bild: Beckstet, Wikimedia Commons

Selbstverständlich müssen diese Reliquien auch in einer angemessenen Ruhestätte aufbewahrt werden: Im Dreikönigenschrein. Dieser Schrein wurde, nach mehrjähriger Bauzeit, im Jahr 1225 von Nikolaus von Verdun hergestellt und ist das künstlerisch anspruchsvollste Reliquiar, welches noch aus dem Mittelalter erhalten ist. Die Frage nach der Authentizität der Knochen kommt laut dem Kölner Kunsthistoriker Helmut Fußbroich immer wieder.  „Aber da kann man,“, so Fußbroich im Deutschlandfunk „ohne rot zu werden, sagen, nä, die können nicht echt sein, weil es sich eben um eine Geschichte handelt, die keine Historie erzählen will.“ Tatsächlich hatte sich bei einer Öffnung des Schreins zur 700 Jahr-Feier im Jahr 1864 gezeigt, dass in dem Schrein die Knochen von mindestens drei verschiedenen Männern gefunden wurden. Gleichzeitig aber auch viele weitere Knochen, unter anderem die Knochen eines Kleinkinds.

Besucht die Drei Heiligen Könige – oder lasst euch von Ihnen besuchen

Ihr könnt die Heiligen Drei Könige im Dom besuchen, der Schrein steht im Chor und kann während der Öffnungszeiten, geschützt durch Panzerglas, bewundert werden. Und in den nächsten Tagen kommen Caspar, Melchior und Balthasar auch zu euch: Um euer Haus zu mit dem Kürzel „CMB“ (Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus) zu segnen und Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln, dieses Jahr für Kinder mit Behinderung in Peru. Gebt reichlich.


Der Vierungsturm des Kölner Doms mit dem goldenen Stern von Betlehem, Photo by CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0
Der Vierungsturm des Kölner Doms mit dem goldenen Stern von Betlehem, Photo by CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0

Wenn ihr demnächst in der Stadt unterwegs seid, schaut euch mal genau den „dritten Turm“ des Doms an: Auf der Spitze der Vierungsturms ist kein Kreuz sondern der Stern von Betlehem zu sehen, dem die Heiligen Drei Könige gefolgt sind. Damit wird der Dom als „Heimat der Heiligen Könige“ gekennzeichnet.


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Silvesterfeuerwerk am Dom – FROHES NEUES JAHR!

Zugegeben – ich bin etwas neidisch: Mein Nachbar Thomas war pünktlich um 12 Uhr auf dem Vierungsturm des Doms – es gibt in Köln keinen besseren Platz, um das Feuerwerk zu sehen. Gleichzeitig bin ich ihm aber auch dankbar, dass er uns alle daran teilnehmen lässt.

Ich wünsche euch allen ein FROHES NEUES JAHR.

Uli

Die Klick-Charts 2018

Der Köln-Lotse 2018, Bilder: RheinEnergie, Norbert Bröcheler
Der Köln-Lotse 2018, Bilder: RheinEnergie, Norbert Bröcheler

Insgesamt 52 x habe ich euch im Jahr 2018 das „Köln-Ding der Woche“ präsentiert. Mit einer großen Bandbreite: Der erste Beitrag war der „Kölner Flaschenkrieg“ über den steuerfreien Weinverkauf in Klöstern. Im Laufe des Jahres ging es dann um starke Frauen wie Katharina Henot, die als Hexe denunziert wurde oder die erste deutsche Wimbledonsiegerin, das kölsche Mädchen Cilly Aussem. Als echte Kerle habe ich euch Franz Kremer, Klaus Ulonska und „Taffy“, Wolfgang Graf Berghe von Trips vorgestellt. Außerdem habe ich Kölnerinnen und Kölnern, die etwas zu erzählen haben, Fragen gestellt, so Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in meiner Nachbarschaft und dem Künstler Cornel Wachter. Ganz am Ende des Jahres gab es dann noch die Erklärung zum „Halven Hahn“.

Lieblingsbeiträge 2018 – eure Top-11

Zu meinen Lieblingsbeiträgen gehören die Berichte über bekannte und unbekannte Orte, zum Beispiel der Geusen-Friedhof oder der „Garten der Religionen“.
Eure Lieblingsbeiträge lassen sich an den Klicks ablesen. Daher hier eure Top-Elf (natürlich 11 – wir sind in Kölle!):

11. „Lans Schmitz Backes“
Hinter einer ganz bestimmten Backstube winkt die Freiheit.

10.   Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Heidewitzka Herr Kapitän“
Karl Berbuer besingt einen feucht-fröhlichen Bootsausflug von Köln-Mülheim zum Drachenfels.

9. „Glück auf“ mitten in Köln
Das versteckte Bergwerk unter Uni gibt es wirklich.

8. Kölner Pegel
Der trockene Sommer führte zu historischen  Tiefständen.

7. Rievkooche – dat es en Delikatess!
Schon die Bläck Föös wussten: „Mamm, Mamm, schnapp d’r de Pann, Fuffzehn Stück pack op d’r Mann.“

6.  Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Mer sin Eins“
Kasallas Karnevalshit beschwört die kölsche Zusammengehörigkeit.

5. Kölsche Wörter: „puddelrüh“ und Spaß dabei
Puddelrüh bedeutet splitterfasernackt. Die hohe Nachfrage ist wahrscheinlich dem heißen Sommer geschuldet.

4. Kölner Baumkataster: Weißt du wie viel Bäume stehen?
Das Verzeichnis der 132.321 Bäume in Köln.

3. Kölsche Schimpfwörter, Teil I; Von Aaapefott bis Flabes
Liebenswürdig schimpfen – auf Kölsch.

2.  Monte Troodelööh – der kölsche Everest
Die Beschreibung der Erstbesteigung des „Kölschen Giganten“.

1.  Kölsche Wörter: Fisternöllche
Das Wort für eine heimliche Liebelei.

Bleibt mit nur DANKE zu sagen: Dafür, dass ihr euch jede Woche auf das „Köln-Ding“ einlasst und DANKE für eure Rückmeldungen. Ich wünsche euch einen guten Start in ein schönes und gesundes Jahr 2019 – mit wieder 52 neuen Beiträgen rund um die schönste Stadt der Welt.

Uli

PS Mein persönliches Highlight des Jahres war die intensive Erkundung des Südfriedhofs. Kommt mit auf eine Lotsen-Tour auf Kölns größten Friedhof. Es lohnt sich!


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Frohe Weihnachten! Joode Chressdach!

Joode Chressdach wünscht der Uli, der Köln-Lotse, Bild: gänseblümchen / pixelio.de
Joode Chressdach wünscht der Uli, der Köln-Lotse, Bild: gänseblümchen / pixelio.de

Alle Geschenke sind eingepackt, die Einkäufe soweit erledigt und der Weihnachtsbaum steht – hoffentlich. Nehmt euch einen Kaffee und lehnt euch zurück. Geschafft. Heiligabend kann kommen.

Als Einstimmung darauf empfehle ich die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium op kölsch. Auch wenn man den Text in der hochdeutschen Fassung kennt, bietet diese Variante, hervorragend vorgelesen von  Frank Scheben, noch ein paar schöne kölsche Redewendungen. Nehmt euch die Zeit, es sind nur drei Minuten, und hört euch das in aller Ruhe an.                        Für diejenigen, die nicht alles verstehen, habe ich weiter unten ein paar Begriffe erläutert.

„op de Söck“
Josef macht sich zusammen mit Maria „op de Söck“, um nach Betlehem zu kommen. „Söck“ sind die Socken, also macht er sich auf die Socken.

Wickelditzje
Ein Kleinkind, welches noch gewickelt werden muss. In diesem Fall Jesus.

Fodekrepp
Die Futterkrippe

naaks
Hat nichts mit „nackt“ zu tun, gemeint ist hier nachts.

„Dä Engel laat ene jroße Optrett met Lech un Bletz un Donner hin.“
Meine persönliche Lieblingsstelle. Im Original ist das viel nüchterner beschrieben, in dieser Version wird die Erscheinung des Engels zu einem großen Auftritt – typisch Kölsch: Wenn schon, denn schon.

„Un op d`r Äd Fridde für die Minsche.“
Was für ein schöner Abschluß: Auf der Erde Friede für die Menschen.

Ich wünsche euch allen und der ganzen Welt friedliche, schöne Weihnachten – also: Joode Chressdach.

Uli


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Der „Halve Hahn“ – alles nur Käse!

Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Ob heute noch ein Tourist darauf reinfällt? Spätestens bei der englischen Übersetzung in den Speisekarten der Innenstadt-Brauhäuser („dutch cheese with roll, butter and onions“) sollte jedem klar sein, dass es sich beim Halven Hahn eben nicht um ein halbes Hähnchen handelt.

Der Halve Hahn ist traditionell ein Röggelchen (Roggenbrötchen) mit Butter, einer dicken Scheibe mittelaltem Gouda, Senf, Zwiebelringen und – wenn es denn der Köbes und die Küche gut mit einem meinen – noch einer Essiggurke. Nach dem Servieren ist der Gast gefragt: Die Zubereitung des Brötchens übernimmt man am Tisch oder an der Theke selber. Also: Erst Rinde vom Käse abschneiden, Röggelchen aufschneiden, die oft knüppelharte Butter irgendwie gleichmäßig verteilen und dann den Käse auflegen. Ordentlich Senf drauf, mit den Zwiebeln garnieren und jetzt möglichst krümmelfrei essen.

Zahlreiche Anekdoten um den Namen

Bleibt die Frage, wie denn der „Halve Hahn“ zu seinem Namen gekommen ist. Dazu gibt es eine Reihe von Legenden. Die gängigste ist, dass bei einer Gesellschaft in einem Brauhaus der Gastgeber sich einen Spaß erlauben wollte, vollmundig 14 halbe Hähne bestellte aber stattdessen 14 Röggelchen mit Käse geliefert wurden. Eine Variante dieser Geschichte besagt, dass ein Bräutigam bei seiner Hochzeitsfeier zu wenig Geld für die geplanten Hähnchen hatte. Der Wirt rechnete aus, dass das Geld nur für Käsebrötchen reichte – und diese wurden dann serviert.

Ein Röggelchjen, immer ein Doppelbrötchen. Beim Halve Hahn gibt es nur eine Hälfte, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Ein Röggelchen, immer ein Doppelbrötchen. Beim Halve Hahn gibt es davon immer nur eine Hälfte, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Tatsächlich besteht der Halve Hahn immer nur aus einem halben Röggelchen, also einer Hälfte des eigentlichen Doppelbrötchens. Eine andere Anekdote zur Namensherkunft besagt, dass ein Köbes einen Gast einmal ein ganzes Käsebrötchen serviert haben soll. Dieser beschwerte sich mit den Worten „Ich will doch bloß ne halve han.“ („Ich will doch eigentlich nur ein halbes Brötchen haben.“). Und ab diesem Zeitpunkt wurde das geteilte Röggelchen als „Halve Hahn“ angeboten.

Pausenbrot der Köbesse

Meine Lieblingserklärung stammt vom Brauhaus Früh: Der Halve Hahn war das Pausenbrot der Köbesse. Dieses wurde genau dann gegessen, wenn das Fass bereits bis zum Hahn geleert wurde.

Wie auch immer: Ich wünsche euch viel Appetit bei eurem nächsten Halven Hahn. Und immer dran denken: Ohne Kölsch ist so ein Käsebrötchen schon was trocken…


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Kölsche Schimpfwörter, Teil VI: Nachtrag

Wenn der Kölsche "Vollüül" sagt, meint er "Voll wie eine Eule", Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de
Wenn der Kölsche „Vollüül“ sagt, meint er „Voll wie eine Eule“, Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Zu der Reihe „Kölsche Schimpfwörter“ habe ich reichlich Post bekommen. Und dabei auch selber ein paar neue Schimpfwörter gelernt. Deswegen gibt es heute noch einen „Nachschlag“. Vielen Dank an alle, die mir diese schönen Schimpfwörter geschickt haben.

„Kölsche Schimpfwörter, Teil VI: Nachtrag“ weiterlesen

Hans Knipp: Kölns bekanntester Unbekannter

Hans Knipp, Bild: Musikverlage Hans Gerig KG
Hans Knipp, Bild: Musikverlage Hans Gerig KG

Willi Ostermann, Jupp Schmitz, Karl Berbuer – jedes Schulkind in Köln kennt die Namen dieser kölschen Mundartdichter. Den Namen von Hans Knipp kennen die wenigsten – er ist, so Rolf Dieter Glave, „Kölns bekanntester Unbekannter“. Knipp ist heute, am 2. Dezember, vor sieben Jahren gestorben.

Seine Lieder hingegen sind kölsche Welthits: „Der Stammbaum“, „Mer losse d’r Dom en Kölle“, „Buuredanz“, „Dat Wasser vun Kölle“ oder „Ming eetste Fründin„. Spielt man – nicht nur an Karneval! – in einer kölschen Kneipe die ersten drei Takte an, braucht keiner mehr ein Textheft.

Insgesamt hat Knipp 870 Lieder geschrieben, und das nicht nur für die Bläck Föös. „Ich han de Musik bestellt„, „Buenos Dias Matthias“ oder „Heimat es“ sind Hits von Knipp für die Paveier.

Ein sensibler und feinfühliger Mensch 

Der Autodidakt hat nach eigenem Bekunden, „nix Richtiges gelernt“. Ohne Schulabschluss verließ der 1946 geborene Hans Knipp das Kölner Humboldt-Gymnasium. Knipp verdiente sich ein paar Mark durch Gelegenheitsjobs. Unter anderem war er Auslieferungsfahrer und belieferte vorrangig Büdchen mit Spirituosen und Zigaretten„Wenn man da fünf Minuten zu spät gekommen ist, wurde man fertig gemacht.“ so Knipp in einem seiner seltenen Interviews. „Ich bin dabei sensibler und feinfühliger geworden und ich habe genauer hingeguckt und hingehört“. Später haben diese Erfahrungen seine Lieder geprägt.

Das Geld war knapp. Knipp stand – nach eigenen Worten – mit dem Rücken an der Wand, als er sich als Texter und Komponist versuchte. Mit geliehenem Geld kaufte er sich Ende der 60er Jahre ein Tonbandgerät und versuchte, seine Kompositionen bei verschiedenen Musikverlagen unterzubringen. Sein erster Erfolg war 1969/70  Mer schenken dä Ahl e paar Blömcher“, gesungen von Lotti Krekel. Direkt danach folgte „Ne Besuch em Zoo“ – mit über 100.000 verkauften Exemplaren in drei Monaten ein absoluter Verkaufserfolg.

Lieder sind die Verkörperung der kölschen Seele

Die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Föös bescherte uns seine bekanntesten Kompositionen. Reich geworden ist Knipp, der sich am liebsten im Hintergrund aufhielt, allerdings nie. Als er heute vor sieben Jahren, am 2. Dezember 2011 in Altenkirchen starb, schrieb der damalige Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters in seinem Kondolenzbrief „Hans Knipp hat seit den 70er Jahren rund 870 Lieder geschrieben. Dies ist eine großartige Lebensleistung und diese Lieder waren noch mehr: sie sind die Verkörperung der Kölschen Siel, der Identität und des spezifischen Kölschen Gefühls. (…) Mit seinen Texten hat er Stadtgeschichten geschrieben, die die Kölner tief ins Herz treffen.“

Knipp selber war, was die Wirkung seiner Musik ausmacht, bescheidener:  „Et sin letztes Endes uch nur „Leeder“. Davon stirbt keiner oder davon wird keiner besonders glücklich. Et sin drei Minuten, wo die Leute ihre Scheiss-Situation mal vergessen und dann is et ja och okay.“

Hans Knipp wurde im Ruhewald Steimel beigesetzt.


Eines seiner wenigen Interviews hat Hans Knipp etwa ein Jahr vor seinem Tod dem WDR in der Sendung „Erlebte Geschichten“ gegeben.


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Das perfekte Weihnachtsgeschenk: Gutscheine für Führungen mit dem Köln-Lotsen

In weniger als vier Wochen ist Weihnachten. Habt ihr schon alle Geschenke? Falls nicht, wird es höchste Zeit!

Verschenkt eine Gruppen-Tour – und ihr habt den Köln-Lotsen ganz für euch allein

Ein besonders schönes Geschenk ist es immer, wenn man etwas zusammen unternimmt. Egal, ob mit der Familie, Freunden, dem Kegelclub oder der Nachbarschaft. Und dabei begleite ich euch gerne: Verschenkt eine Lotsen-Tour mit dem Köln-Lotsen. Wir können gemeinsam durch die Innenstadt schlendern oder durch Marienburg flanieren. Mein Tipp für feier- und trinkfreudige Gruppen: Lasst uns „Bosseln auf kölsche Art“. Ein großer Spaß für alle zwischen 4 und 99 Jahren. Alle, die bisher mit mir unterwegs waren, hatten großen Spaß.

Bei zwölf Personen kostet der Gutschein für eine Gruppentour zwölf Euro pro Person. Falls ihr mehr oder weniger Menschen mitbringt, meldet euch, dann sprechen wir einen individuellen Preis ab. Und den Termin machen wir genau so, wie er euch passt. Auf Wunsch reserviere ich auch gerne einen Tisch in einem Brauhaus für einen schönen Ausklang eurer Tour.

Ein Geschenk für nette Menschen: Gutscheine für einzelne Personen

Selbstverständlich könnt ihr auch Gutscheine für einzelne Personen verschenken. Die Gutscheine dazu gibt es für eine bis zu sieben Personen zum Preis von 12 Euro/Kopf. Mögliche Termine für die Touren findet ihr im Kalender der Lotsen-Touren.

Individuelle Gestaltung – und keine Arbeit für euch

Falls ihr eine Lotsen-Tour verschenken wollt, meldet euch bei mir. Wir sprechen einen Termin und die Details ab und ihr bekommt dann euren individuell gestalteten Gutschein zugeschickt – das perfekte Geschenk. Und ihr habt keine Arbeit mehr.


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Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Consumer Centric, Brand Awareness, Storytelling – alles Begriffe aus dem modernen Marketing. Die selbsternannten Experten wollen uns allen immer das Gefühl geben, sie alleine hätten das Marketing erfunden. Weit gefehlt. Experten für die Vermarktung von Produkten gibt es schon ewig. Und in Köln hat sich eine Marketing-Expertin besonders hervorgetan: Maria Clementin Martin, die „Erfinderin“ von Klosterfrau Melissengeist. Diese Frau hat bereits vor fast 200 Jahren geschafft, ein Produkt perfekt zu vermarkten, dass es noch heute gibt: Klosterfrau Melissengeist. Dabei hat sie alle Register des Marketings gezogen: Klösterliche Herkunft des Rezepts, Verwendung vom königlichen Wappen, Platzierung als medizinisches Produkt und Abmahnungen gegen Wettbewerber, die dies auch behaupteten.

Eine selbstbewusste Unternehmerin

Köln im Jahr 1826. Im Schatten des noch unvollendeten Doms tut sich was: Maria Clementine Martin gründet unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihr Unternehmen. Mit einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung bewarb sie ihr selbst destilliertes Kölnisch Wasser:

„Ein sich selbst empfehlend ächtes Kölnische Wasser,
ist zu haben auf der Litsch Nro. 1, die große Flasche zu 6 Sgr. 3Pf.“

Das Gründungskapital stammt aus einer königlichen Rente, welche sich Maria in der Schlacht von Waterloo bei der Pflege von verletzten Soldaten verdient hatte.

Wundermittel gegen alle möglichen Beschwerden

Die 1775 als Wilhelmine Martin geborene Unternehmerin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich Erfahrungen in verschiedenen Klöstern mit der Krankenpflege und mit Heilpflanzen machen können. Diese Kenntnisse setzt sie jetzt in bare Münze um. Besonders ihr neues Produkt, eine spezieller Melissengeist, wird noch heute bei Beschwerden aller Art empfohlen:

  • Bei Erkältung und grippalen Infekt,
  • bei Magen-Darm-Beschwerden,
  • bei Wetterfühligkeit, Spannungs- und Erregungszuständen,
  • bei innerer Unruhe und
  • bei Schlafstörungen.

Kein Wunder, dass bei einem solchen Wundermittel der Markt hart umkämpft war. In der Domstadt buhlen immerhin 64 Hersteller von Heilwassern und Kölnisch Wasser um Kunden. Deshalb strebte Maria bereits im Jahr 1828 eine „Prüfung und Bescheinigung der Qualität des von ihr verfertigten Melissenwassers durch die königliche Medizinal Behörde“ an. Leider vergeblich – die Behörde wies darauf hin, dass die Ähnlichkeit mit bestehenden Produkten zu groß sei und tatsächlich jeder Apotheker ein solches Heilwasser herstellen könne. Auch ein zweiter Versuch im Jahr 1831, den nur als Parfum zugelassenen Melissengeist als Arznei zuzulassen, scheiterte. Trotzdem positionierte die findige Unternehmerin dieses Produkt durch Hinweise auf die Heilwirkung mehr oder weniger deutlich als Arznei. Und ging gleichzeitig mit Abmahnungen gegen Wettbewerber vor, die dies ebenfalls taten – Marketing mit harten Bandagen.

Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Das königliche Wappen als Wettbewerbsvorteil

Ihr größter Marketing-Erfolg war aber die Anfrage bei König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1827: Dieser gestatte Ihr, das preußische Wappen auf dem Etikett ihrer Produkte zu führen. Andere Unternehmer mit vergleichbaren Produkten, wie zum Beispiel Farina, klagten vergeblich darauf, auch dieses Wappen nutzen zu dürfen. Tatsächlich schmückt dieses Wappen noch heute das Etikett jeder Flasche Klosterfrau Melissengeist.

Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus
Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus

Maria Clementine Martin starb am 9. August 1843. Ihr Unternehmen gibt es noch heute unter dem Namen „Klosterfrau Healthcare Group“. Und die erfolgreiche Tradition wurde fortgesetzt: Heute stellen ca. 1.000 Mitarbeiter 220 unterschiedliche Klosterfrau-Produkte her.


Die erste Adresse des Unternehmens im Jahr 1826 war durchaus prominent: „Auf der Litsch“ war eine Gasse an der Westfassade des Doms. Diese wurde bei der Domvollendung komplett abgerissen. Der Dom hatte damals die Adresse „Auf der Litsch 2“. Heute kann jeder dem Dom unter der Adresse „Domkloster 4, 50667 Köln“ schreiben.


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Die jecke Zahl 11

Der 11.11. - endlich geht der Karneval wieder los. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de
Der 11.11. – endlich geht der Karneval wieder los. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de

Los – packt euch eine rote Nase ein, setzt eine lustige Mütze auf und geht raus. Schließlich ist heute der 11.11. – dä Fastovend jeiht endlich loss. Um 11.11 Uhr gibt es den Startschuss – und alle Jecken sind außer Rand und Band. Doch was hat es mit dieser Zahl 11 auf sich?

Die 11 als Zahl ohne Regeln

Tatsächlich gibt es viele Erklärungsansätze, warum tatsächlich die 11 die Narrenzahl ist. Am einfachsten ist die Erklärung, dass bei der 11 die beiden Ziffern 1 und 1 einträchtig nebeneinander stehen – als Symbol der Gleichheit im Karneval. Soll bedeuten: Egal, ob du Millionär oder armer Schlucker bist: Im Kostüm sind alle Jecken gleich.

Komplexer wird es bei der Deutung der 11 als Zahl, welche sich nicht den Regeln unterwirft. Während sich die 12 hervorragend teilen lässt, ist die 11 als Primzahl nicht teilbar. Man kann sie nicht mehr mit den Fingern beider Hände abzählen. Und sie überschreitet die Ordnung, die durch die 10 Gebote gegeben wurde. Deshalb hat das kölsche Grundgesetz ja auch 11 Gebote.

Lohn und Pacht waren am 11.11. fällig

Eine andere Herleitung ist, dass sich die Narrenzahl 11 auf die Französische Revolution bezieht: Die Abkürzung der Begriffe Egalité – Liberté – Fraternité lautet ELF. Schöne Geschichte, aber nicht wahr. Allein schon die Tatsache, dass 11 als Zahl der Jecken schon lange vor der Zeit der Französischen Revolution belegt ist, widerlegt diese These.

Einleuchtender ist die Deutung, dass am 11.11., dem Fest des St. Martin, das bäuerliche Jahr zu Ende ging. Pachtzahlungen wurden an diesem Tag fällig und die Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn ausgezahlt. Es war also genug Geld im Umlauf, um es so richtig krachen zu lassen.

Feiert mit euren Nachbarn in der Kneipe um die Ecke

Wie auch immer: Nutzt diesen Tag heute, feiert ordentlich Karneval. Schließlich müssen wir ja noch bis zum Januar warten, bis es wieder richtig mit däm Fastelovend losgeht. Noch ein Tipp von mir: Meidet die Kölner Innenstadt. Dort ist es zu voll und zu laut. Geht in die Kneipe um die Ecke und schunkelt mit euren Nachbarn an der Theke.

Vell Freud und jaaaaanz laut ALAAF!


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