
Egal ob ´nen Halven Hahn, Himmel un Ääd, Flönz oder einfach nur ein Mettbrötchen: Ohne Öllich fehlt etwas. Mit „Öllich“ (oder auch „Öllig“) bezeichnet der Kölsche die Zwiebel. Und diese gehört zur Grundausstattung kölscher Gerichte!
Wo kommt der Begriff „Öllich“ eigentlich her?
Spannend wird es, wenn man dem Wort sprachlich hinterherläuft. Denn der Öllich ist ein echtes Weltenbummler-Wort. Der kölsche Sprachforscher Adam Wrede beschreibt den Begriff als eine Mischung aus gleich mehreren Sprachen:
- Unionem – Latein für eine einzelne Zwiebel
- Alium – ebenfalls Latein, für die Zwiebelknolle
- Oignon – Französisch, auch hier: die Zwiebel
Köln war schon immer Durchgangsstation, Handelsplatz, Sprach-Schmelztiegel. Dass sich ausgerechnet die Zwiebel aus mehreren Sprachen zusammensetzt, passt perfekt zu unserer Stadt zwischen Germanen, Römern, Franzosen und allen, die unsere Stadt bereichern.

Vom Ullouch zum Öllich – eine kleine Zeitreise
Der Öllich ist nicht über Nacht in der kölschen Sprache gelandet. Er hat sich langsam entwickelt, Schicht für Schicht – fast wie eine echte Zwiebel:
- 14. Jahrhundert: Ullouch
- 15. Jahrhundert: Ollych
- 17. Jahrhundert: Ollich, Ollig
- 18. Jahrhundert: Öllig
- Heute: Öllich
Man kann förmlich hören, wie sich die Aussprache mit der Zeit rheinischer, weicher und gemütlicher anfühlt. Aus dem eher kantigen „Ullouch“ wird der heute vertraute Öllich.
Mehr als nur eine Zwiebel – mit Spuren in der kölschen Musik
Im Kölschen ist der Öllich längst mehr als ein Gemüse. Er ist Beilage, Hauptdarsteller und gelegentlich auch Metapher. Wer „wie ene Öllich“ riecht, hatte einen langen Abend. Wer „Träne wie beim Öllich schnigge“ verdrückt, meint es ernst.
Auch in der Musik hat dä Öllich Spuren hinterlassen. So lautet es im berühmten „Kackleed“:
„.. wä jän decke Öllich iss
dä kack met vill Jestank …“
Und beim Song „Nur für die Liebe nit“ von Lupo lautet es sogar in der ersten Zeile:
„Et kölsche Woot för Zwiebel es Öllisch.“
Die „Zwei kleine Ströpp“ haben der Zwiebel sogar ein eigenes Lied gewidmet. Im Refrain vom „Öllich-Leed“ lautet es:
Ne leck’re öllich, dä darfsde nit verjesse;
Ne leck’re öllich jehöt an jedes Esse.
Ne leck’re öllich, un dorop kütt et an,
verschaff dir Luff un Platz noch en d’r Stroßebahn!

Sogar der Rote Funke schwört op die Öllich!
Ein echter „Roter Funk“ wird man erst, wenn man den Funkeneid gesprochen hat. Dort lautet es gleich am Anfang:
„Bei Öllig, Böckem, ähde Nötz
un bei der rut-wieß Funkemötz,
beim hölze Zabel un Gewehr
well treu ich sin dem Fasteleer,
…“
Der Text bezieht sich auf die äußerst bescheidene Verpflegung der Vorläufer der Roten Funken, die Kölner Stadtsoldaten. Da diese sehr schlecht bezahlt wurden, gehörten die einfachen Lebensmittel wie Zwiebeln und Bücklinge1Bücklinge sind geräucherte Heringe. zu ihrer Hauptverpflegung. Und so schwört jeder Rote Funk noch heute auf die Öllig.

Stolz trägt der II. Knubbel2Knubbel sind die „Abteilungen“ der Roten Funken den Namen „Öllig“. Der Gruß dieses Knubbels lautet dann auch „Öllig stink“.
Warum der Öllich so kölsch ist
Der Öllich zeigt exemplarisch, wie Kölsch funktioniert: Sprachen mischen sich, genau wie die Menschen hier in Köln. Jahrhunderte hinterlassen Spuren und am Ende entsteht etwas Eigenes. Kein Hochdeutsch, kein Französisch, kein Latein – sondern Kölsch. Genau deshalb lieben wir solche Wörter.
Sie erzählen Geschichte, ohne belehrend zu sein.
Sie sind Alltag und Denkmal zugleich.
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