Die „Kölsche Fooderkaat“, Teil IV: Muuzemändelcher bis Soorbrode

Zum Abschluss der Reihe „Kölsche Fooderkaat“ gibt es heute Köstlichkeiten wie Muuzelmändelcher oder – für die, die es deftiger mögen – Soorbrode.

Alle bisher erschienenen Erklärungen zur Fooderkaat findet ihr hier:


Muuzemändelcher mit ordentlich Zucker, Bild: siepmanH / pixelio.de
Muuzemändelcher mit ordentlich Zucker, Bild: siepmanH / pixelio.de

Muuzemändelcher
Fastelovend ohne Muuzelmändelcher ist kein echter Fastelovend! Gerade zur Karnevalszeit gibt es in jeder kölschen Bäckerei diese in heißem Fett gebackene süße Leckerei.


Nonnenfürchen, Bild: Mufi69
Nonnenfürzchen, Bild: Mufi69

Nonnenfürzchen
Der aus Wasser, Butter, Zucker, Mehl und Backpulver hergestellte Teig wird in heißem Fett schwimmend gebacken. Mit Puderzucker bestäubt sind die Nonnenfürzchen äußerst gehaltvoll und sättigend.
So verlockend es sein mag, den Namen für das luftige Gebäck vom Begriff „Furz“ abzuleiten, so falsch ist das auch. Nach dem Wörterbuch der Gebrüder Grimm stammt der Wort vom französischen „farce“ (Füllung).


Prumme, hier als Prummetaat. Was fehlt: reichlich Schlagsahne. Bild: Annamartha / pixelio
Prumme, hier als Prummetaat. Was fehlt: reichlich Schlagsahne. Bild: Annamartha / pixelio
Prummetaat

Wie schon im Kapitel „Kölsche Wörter für Obs un Jemös“ erklärt, handelt es sich bei „Prummen“ um Pflaumen. Eine „Taat“ ist ein Kuchen, übrigens vom französischen „tarte“ abgeleitet. Die klassische Prummetaat ist ein Hefeboden, belegt mit reichlich Pflaumen. Darauf kommt Zimt & Zucker sowie viel (!) Sahne.
Rezept: http://www.pruemmchen.de/PkuBlK.htm


Rievkooche, Klaus Steves / pixelio.de
Rievkooche, Klaus Steves / pixelio.de
Rievkooche

Die Bläck Föös haben diesem kölschen Grundnahrungsmittel mit dem Rievkooche-Walzer ein Denkmal gesetzt. Denn: „Wat solle mir met Austern un Schnecke? Wat solle mir met Spaghetti un Schlot? – Mamm, Mamm, schnapp d’r de Pann, Fuffzehn Stück pack op d’r Mann. Rievkooche, dat es en Delikatess.“. Weitere Infos findet ihr hier.


Soorbrode, hier in der Variante MIT Rosinen, Bild: nimkenja / pixelio.de
Soorbrode, hier in der Variante MIT Rosinen, Bild: nimkenja / pixelio.de
Soorbrode

„Dat Päd is dud und dä Brode is suur.“ („Das Pferd ist tot und der Braten ist sauer.“)
Echter rheinischer Sauerbraten ist tatsächlich aus Pferdefleisch. Findet man heute aber nur noch sehr selten, daher wird dieser meistens aus Rindfleisch hergestellt. Das Fleisch wird roh in einer Essigmarinade über mehrere Tage, bei manchen Rezepten auch bis zu drei Wochen, eingelegt. Dann scharf anbraten und mehrere Stunden schmoren. Die Sauce muss dabei einen süßsauren Geschmack erhalten. Dies erreicht man durch Zuckerrübensirup oder auch zerbröselte Aachener Printen. Eine Glaubensfrage sind jetzt die Rosinen. Hier teilt sich die Menschheit in zwei Glaubensrichtungen auf: Während die eine Hälfte auf die Rosinen im Sauerbraten schwört, rennt die andere Hälfte schreiend weg oder popelt aufwändig die Rosinen aus der Sauce raus. Ich gehöre übrigens auch zur „Geh-mir-weg-mit-den-Rosinen“-Gruppe.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


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Die „Kölsche Fooderkaat“, Teil III: Kölsche Kaviar bis Murrejemangs

Da läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen: Der nächste Teil der Reihe „Kölsche Fooderkaat“ erklärt euch, was die Kölschen unter Kaviar verstehen, wieso man Gulasch auch in der Fastenzeit essen darf und warum selbst Lahmacum irgendwie ein typisch kölsches Essen ist.

Alle bisher erschienenen Erklärungen zur Fooderkaat findet ihr hier


Kölsche Kaviar, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Kölsche Kaviar, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Kölsche Kaviar
… und schon wieder die kölsche Köstlichkeit Blutwurst: Beim „Kölschen Kaviar“ wird diese in Scheiben geschnitten und zusammen mit Zwiebeln, einem Brötchen, Gewürzgurken und reichlich Senf gegessen. Dabei ist das für den Kölner nur ein Snack zum Kölsch, keinesfalls eine Hauptmahlzeit. Wo kämen wir denn da hin?


Krüstchen-Gulasch
Was dem Schwaben seine Maultaschen ist dem Kölner sein Krüstchen-Gulasch. Denn beide Gerichte haben einen ganz bestimmten Zweck: Auch in der Fastenzeit Fleisch genießen zu können. Während Mönche die ersten Maultaschen zubereiteten, um das enthaltene Fleisch vor dem lieben Herrgott zu verstecken, galt für das Gulasch „Liquida non frangunt ieiunium – Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Der Trick: Mit einem Stück Brot, in der Regel das „Krüstchen“, also die Brotkante,  zusammen erfüllte der (mehr oder minder) trinkbare Gulasch das Fastengebot.

Übrigens: Den besten Gulasch in Köln serviert die Puszta-Hütte.


Mittlerweile auch irgendwie "eingekölscht": Türkische Pizza, Bild: Rainer Zenz
Mittlerweile auch irgendwie „eingekölscht“: Türkische Pizza, Bild: Rainer Zenz

Lahmacun und Döner
Okay, zugeben: Die türkische Pizza Lahmacum oder der Fleischspieß Döner sind keine originale kölschen Spezialitäten, werden aber dank unserer türkischen Mitbürger in Köln fast überall angeboten und auch reichlich gegessen. Wo man den besten türkischen Imbiss findet, ist eine echte  Glaubensfrage:  „Dä Döner bei mingem Türken öm die Eck ist dä beste Döner in janz Kölle.“ Glaubt jeder Kölner. Nur der Köln-Lotse ist neutral: Das beste türkische Essen gibt es in der Keupstraße in Mülheim oder auch am Eigelstein. Und am Chlodwigplatz. Selbstverständlich auch in der Kyffhäuserstraße und fast überall in Nippes und Ehrenfeld. Und auf der Zülpicher Straße und und und…


Muscheln "Rheinische Art", Bild: Rainer Zenz
Muscheln „Rheinische Art“, Bild: Rainer Zenz

Miesmuscheln auf rheinische Art
Der Kölner liebt seine Miesmuscheln. Jedes Jahr ab September bis Februar sind Muscheln fester Bestandteil jeder kölschen Speisekarte. Eigentlich besteht dieses Gericht fast nur aus Muscheln und Weißwein, in der Regel ein Riesling. Dazu ein paar Möhren, Lauch, Zwiebeln und etwas Sellerie in den Sud, abschmecken und fertig.
Das Gericht hat in Köln eine lange Tradition. Durch die intensive Schifffahrt auf dem Rhein kamen frische Muscheln aus dem Norden und Wein aus dem Süden in die Domstadt. Als Beilage gibt es Schwarzbrot und Butter.
Kenner schwören, dass es die besten Muscheln im Bier-Esel auf der Breite Straße gibt.  http://www.bier-esel.com/


Murrejemangs
Köstliches Möhrendurcheinander gibt es in unzähligen Varianten. Hauptzutaten sind Möhren und Kartoffeln. Das beste Murrejemangs kommt natürlich von meiner Mutter, mit Hackfleisch und pikant abgeschmeckt.


In den nächsten Wochen erweitern wir unseren Wortschatz rund um die „Kölsche Fooderkaat“ um so schöne Begriffe wie Muuzemändelcher oder Prummetaat.


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Die „Kölsche Fooderkaat“, Teil II: Fitschbunne bis Quallmann

Heute geht unsere Reise quer durch die „Kölsche Fooderkaat“ mit „Fitschbunne“, „Hämmchen“ und vielen weiteren Köstlichkeiten weiter.

Wer den ersten Teil verpasst hat, kann hier den ersten Teil „Die Kölsche Fooderkaat, Teil I: Ädäppelschlot bis Decke Bunne“ nachlesen.


Diese Fitschbunne warten noch darauf, gekocht zu werden.
Diese Fitschbunne warten noch darauf, gekocht zu werden.

Fitschbunne
Fitschbunne sind saure Bohnen – und heute etwas in Vergessenheit geraten. Früher waren diese Bohnen ein wichtiges Essen im Winter, wenn es kein anderes Gemüse gab. Durch die Lagerung in Fässern wurden die Bohnen sauer vergoren, ähnlich wie Sauerkraut, und dadurch lange haltbar. Wenn ihr Fitschbunne auf einer Speisekarte findet, probiert das unbedingt mal aus. Die sauren Bohnen werden oft zusammen mit Speck oder Mettwürstchen und Kartoffeln serviert.


Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Halve Hahn
Alles nur Käse! Details gibt es hier.


Nur für den großen Hunger geeignet: Hämmchen, Bild: Rainer Zenz
Nur für den großen Hunger geeignet: Hämmchen, Bild: Rainer Zenz

Hämmchen
Etwas für den großen Hunger! Und nix für Jedermann/Jederfrau. Denn das traditionelle Hämmchen ist eine gekochte (!) Schweinehaxe. So ein Ding ist mächtig, daher gibt es als Beilage oft nur ein Röggelchen oder ein Schälchen Krautsalat oder etwas Sauerkraut. Unverzichtbar ist aber Senf. Das Hämmchen darf nicht mit einer Grillhaxe verwechselt werden, auch wenn das auf einigen Speisekarten passiert. Diese wird gegrillt. Und das dauert. Bringt also Zeit mit, wenn ihr so etwas bestellt. Und nehmt für euch anschließend nichts mehr vor. Die Verdauung eines solch fettigen Essens erfordert alle verfügbare Kraft.


Heringsschlot
Die rötliche Färbung stammt von der Rote Beete. Der Heringssalat mit Rindfleisch und Kartoffeln ist oft recht salzig. Ein Grund mehr für den Kölner, reichlich Kölsch dazu zu trinken.


Himmel un Ääd - eine rheinische Spezialität aus Kartoffelpüree, Apfelmus, Zwiebeln und gebratener Blutwurst, Bild: Anagonia
Himmel un Ääd – eine rheinische Spezialität aus Kartoffelpüree, Apfelmus, Zwiebeln und gebratener Blutwurst, Bild: Anagonia

Himmel un Äd
Einer Klassiker der kölschen Küche, bestehend aus Kartoffelpüree, Apfelmus (manchmal auch Apfelstücke) und gebratener Blutwurst. Der Name leitet sich von „Himmel und Erde“ ab. Damit sind die Kartoffeln aus der „Äd“ (Erde) und die Äpfel aus dem Himmel gemeint. Zusammen mit knusprig gebratener Blutwurst darf dieses Gericht auf keiner kölschen Fooderkaat fehlen.


Quallmann met Klatschkies, das Lieblingsessen von Schwester Antonia, Bild: Timo Klostermeier / pixelio.de
Quallmann met Klatschkies, Bild: Timo Klostermeier / pixelio.de
Klatschkies met Quallmänner

… bedeutet Quark mit Pellkartoffeln und ist das Lieblingsessen von Schwester Antonia aus Raderberg.


In den nächsten Wochen erweitern wir unseren Wortschatz rund um die „Kölsche Fooderkaat“ um so schöne Begriffe wie „Kölsche Kaviar“, „Muuzemändelcher“ oder „Prummetaat„.


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Die „Kölsche Fooderkaat“, Teil I: Ädäppelschlot bis Decke Bunne

Kölsches Essen - deftig und bodenständig.

Die Reaktionen auf den „Halve Hahn“ haben gezeigt, dass es noch reichlich Fragen rund um das kölsche Essen gibt. Und tatsächlich: Wenn ich mit Gästen von außerhalb in Kölns Brauhäusern unterwegs bin, kreisen die Fragen immer wieder um Kölsch (klar) und um das Essen. Die „Kölsche Fooderkaat“, (wörtlich übersetzt „Futterkarte, also die Speisekarte) ist für Auswärtige (und selbst einige Kölsche) nicht immer auf Anhieb zu verstehen. Um euch auf euren Besuch im Brauhaus vorzubereiten, starte ich daher heute die Reihe „Die kölsche Fooderkaat“ und erkläre die wichtigsten typischen kölschen Gerichte.
Juten Hunger!


Ädäppelschlot mit ´nem Wöösche, Bild: derateru / pixelio.de
Ädäppelschlot mit ´nem Wöösche, Bild: derateru / pixelio.de
Ädäppelschlot

Ädäppel sind Kartoffeln, mit Schlot meint der Kölner Salat. Ganz ehrlich: „Den“ einzigartigen kölschen Ädäppelschlot jitt et nit. In der Regel ist der kölsche Kartoffelsalat dank reichlich Mayonnaise eher eine vollwertige Mahlzeit als eine Beilage. Damit ist dieser Schlot eine sehr gute Grundlage zum Beispiel an Karneval. Dann noch Wöösche (Würstchen) oder Frikadellen dazu und das Kölsch schmeckt direkt doppelt so gut. Nur am Rande: Der Ädäppelschlot ist bei vielen kölschen Familien das traditionelle Weihnachtsessen.


Erbsensuppe, für den Kölner "Ähzezupp", Bild: olga meier-sander / pixelio.de
Erbsensuppe, für den Kölner „Ähzezupp“, Bild: olga meier-sander / pixelio.de
Ähzezupp

DAS traditionelle Gericht am Rosenmontag, bevor es zum Zoch geht: Erbsensuppe. Macht satt, hält warm und ist eine hervorragende Grundlage für die vielen, vielen Kölsch, die im Laufe des Tages folgen werden.


Bratwurst - jetzt fehlt nur noch der Wirsing und Bratkartoffel, Bild: Kerstin Schwebel / pixelio.de
Bratwurst – jetzt fehlt nur noch der Wirsing und Bratkartoffel, Bild: Kerstin Schwebel / pixelio.de
Brodwoosch

Einfach nur Bratwurst. Und hier ist mein ultimativer Tipp: Probiert die Bratwurst am Meter im Sion-Brauhaus. Zusammen mit Wirsing und Bratkartoffeln und ein paar Sion-Kölsch ist das eine Traumkombination.


Gebackener Camembert, außen goldgelb, innen flüssig, Bild: Harald Bischoff
Gebackener Camembert, außen goldgelb, innen flüssig, Bild: Harald Bischoff
Camembert

Der gebackene Camembert fehlt in keiner Brauhaus-Speisekarte. Außen goldgelb gebacken muss der Käse innen flüssig sein. Als Beilage gibt es Schwarzbrot und Preiselbeeren.


Gekochte "Decke Bunne"
Gekochte „Decke Bunne“
Decke Bunne

Dicke Bohnen mit Speck. Die Bohnen sind dicke „Saubohnen“, auch als Ackerbohnen, Schweinsbohnen oder Puffbohnen bekannt. Diese Mahlzeit ist schnell zubereitet, die Zutaten sind günstig und sehr sättigend. Daher sind „Decke Bunne“ eigentlich ein „Arme-Leute-Essen“.  In den Brauhäusern wird das Gericht oft mit Mettwürsten oder sogar einem Kotelett angeboten.


In den nächsten Wochen geht es weiter, dann lernt ihr so interessante Gerichte wie „Himmel un Äd“, „Kölscher Kaviar“ oder Soorbrode kennen.


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Der „Halve Hahn“ – alles nur Käse!

Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Ob heute noch ein Tourist darauf reinfällt? Spätestens bei der englischen Übersetzung in den Speisekarten der Innenstadt-Brauhäuser („dutch cheese with roll, butter and onions“) sollte jedem klar sein, dass es sich beim Halven Hahn eben nicht um ein halbes Hähnchen handelt.

Der Halve Hahn ist traditionell ein Röggelchen (Roggenbrötchen) mit Butter, einer dicken Scheibe mittelaltem Gouda, Senf, Zwiebelringen und – wenn es denn der Köbes und die Küche gut mit einem meinen – noch einer Essiggurke. Nach dem Servieren ist der Gast gefragt: Die Zubereitung des Brötchens übernimmt man am Tisch oder an der Theke selber. Also: Erst Rinde vom Käse abschneiden, Röggelchen aufschneiden, die oft knüppelharte Butter irgendwie gleichmäßig verteilen und dann den Käse auflegen. Ordentlich Senf drauf, mit den Zwiebeln garnieren und jetzt möglichst krümmelfrei essen.

Zahlreiche Anekdoten um den Namen

Bleibt die Frage, wie denn der „Halve Hahn“ zu seinem Namen gekommen ist. Dazu gibt es eine Reihe von Legenden. Die gängigste ist, dass bei einer Gesellschaft in einem Brauhaus der Gastgeber sich einen Spaß erlauben wollte, vollmundig 14 halbe Hähne bestellte aber stattdessen 14 Röggelchen mit Käse geliefert wurden. Eine Variante dieser Geschichte besagt, dass ein Bräutigam bei seiner Hochzeitsfeier zu wenig Geld für die geplanten Hähnchen hatte. Der Wirt rechnete aus, dass das Geld nur für Käsebrötchen reichte – und diese wurden dann serviert.

Ein Röggelchjen, immer ein Doppelbrötchen. Beim Halve Hahn gibt es nur eine Hälfte, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Ein Röggelchen, immer ein Doppelbrötchen. Beim Halve Hahn gibt es davon immer nur eine Hälfte, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Tatsächlich besteht der Halve Hahn immer nur aus einem halben Röggelchen, also einer Hälfte des eigentlichen Doppelbrötchens. Eine andere Anekdote zur Namensherkunft besagt, dass ein Köbes einen Gast einmal ein ganzes Käsebrötchen serviert haben soll. Dieser beschwerte sich mit den Worten „Ich will doch bloß ne halve han.“ („Ich will doch eigentlich nur ein halbes Brötchen haben.“). Und ab diesem Zeitpunkt wurde das geteilte Röggelchen als „Halve Hahn“ angeboten.

Pausenbrot der Köbesse

Meine Lieblingserklärung stammt vom Brauhaus Früh: Der Halve Hahn war das Pausenbrot der Köbesse. Dieses wurde genau dann gegessen, wenn das Fass bereits bis zum Hahn geleert wurde.

Wie auch immer: Ich wünsche euch viel Appetit bei eurem nächsten Halven Hahn. Und immer dran denken: Ohne Kölsch ist so ein Käsebrötchen schon was trocken…


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Kölsche Schimpfwörter, Teil VI: Nachtrag

Wenn der Kölsche "Vollüül" sagt, meint er "Voll wie eine Eule", Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de
Wenn der Kölsche „Vollüül“ sagt, meint er „Voll wie eine Eule“, Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Zu der Reihe „Kölsche Schimpfwörter“ habe ich reichlich Post bekommen. Und dabei auch selber ein paar neue Schimpfwörter gelernt. Deswegen gibt es heute noch einen „Nachschlag“. Vielen Dank an alle, die mir diese schönen Schimpfwörter geschickt haben.

„Kölsche Schimpfwörter, Teil VI: Nachtrag“ weiterlesen

Kölsche Schimpfwörter, Teil V: Schwaadlappe bis Tütenüggel

Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater

Viel Spaß mit dem fünften Teil „Kölsche Schimpfwörter“. Alles, was ihr bisher verpasst haben könntet, findet ihr hier:

 

Schandmul
Ein „Schandmaul“ ist jemand, der schlecht über andere Menschen spricht.

Schwaadlappe, Schwaadschnüss
Zugegeben, der Kölsche redet gerne und viel – hä schwaad halt jähn. „Schwaade“ steht für schwätzen, reden. Deswegen verwundert es, wenn ausgerechnet dieser Begriff als Schimpfwort gebraucht wird. Der Schwaadlappe bzw. die Schwaadschnüss („Schnüss“ ist der Mund) ist allerdings ein Mensch, der ohne Sinn und Verstand redet. Und das ständig und immer.

Speimanes
Wenn jemand eine etwas feuchte Aussprache hat, dann „speit“ dieser. Herrlich ist die Darstellung einer solchen Person im Hännneschen. Der „Speimanes“ (mit bürgerlichen Namen Hermann Speichel) stottert, hat einen Buckel und spuckt, insbesondere beim „B“ und beim „P“. Und dann ist dieser arme Kerl bei der Puppensitzung dafür zuständig, die hauseigene Blutwurst des Hänneschen-Theaters jedem Künstler nach dessen Auftritt wieder abzunehmen. Speimanes wird im Theater von dem Puppenspieler Charly Kemmerling gespielt. Der sagt über seine Figur „Ne kölsche Quasimodo zom jänhan“.

Strunzbüggel
Mein Haus, mein Boot, mein Auto … Angeber gibt es überall. Der Kölsche nennt diese Menschen „Strunzbüggel“ von „strunzen“, was angeben oder prahlen bedeutet. Besonders schön ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Strunzläppche“ für das Einstecktuch eines Herrenjackets – su jet bruche nur Strunzbüggel! Der Kölsche spricht aber auch von „strunzdoof“, wenn jemand einfältig ist.

Tronedier
„Trone“ sind Tränen, ein „Dier“ ist ein Tier. Macht also „Tränentier“ und beschreibt einen Menschen, der eher langweilig ist und sich zu nichts aufraffen kann.

Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater
Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater

Tünnes
Im kölschen Duo „Tünnes und Schäl“ ist der Tünnes, anders als der Schäl, nicht hinterhältig sondern eher gutmütig, hilfsbereit und einfach. Allerdings nicht dumm, sondern humorvoll und mit einer gewissen Bauernschläue gesegnet. Deswegen ist das vermeintliche Schimpfwort „Du Tünnes“ auch eher liebevoll gemeint

Tütenüggel
Ein Tolpatsch, ein unreifer, ungeschickter Mensch. Das Wort stammt von „an der Brust nuckeln“, meint also eigentlich einen Säugling. Schön, aber nicht verifiziert, ist die Erklärung, dass der Begriff aus der französischen Besatzungszeit stammt. Die Kölner verhöhnten die französischen Soldaten als Tütenüggler, weil diese angeblich gerne an Brüsten ihrer Liebhaberinnen nuckeln würden.


Wenn ihr selbst noch Vorschläge für schöne kölsche Schimpfwörter habt – immer rüber damit. Ich freue mich über jeden Beitrag.


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Kölsche Schimpfwörter, Teil IV: Pimock bis Sackjeseech

  1. Der Schäl, ein listiges Schlitzohr, Bild: Hänneschen-Thaater

Der Schäl, ein listiges Schlitzohr, Bild: Hänneschen-TheaterHeute geht es in der Reihe „Kölsche Schimpfwörter“ um alles zwischen Peffernas und Schäl. Wer die vorhergehenden Teile verpasst hat kann diese hier nachlesen:

Peffernas
Menschen, die sich für etwas Besseres halten, nennt der Kölner „Pfeffernase“. Das gilt natürlich ganz besonders für die Menschen in dem Dorf mit D, nördlich von Köln.

Pimock
Ein eigentlich abwertend gemeinter Ausdruck für Ausländer oder Fremde. So wurden im Rheinland die Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg „Pimocke“ genannt. Doch – ähnlich wie beim Begriff „Krade“  scheint sich die Bewertung zu drehen.
So lautet eine Zeile der kölschen Hymne „Unser Stammbaum“
„Un ich wor ne Pimock, hück laach ich met üch met.“

"De Plaat": Jürgen Zeltinger, Bild: Raimond Spekking
„De Plaat“: Jürgen Zeltinger, Bild: Raimond Spekking

Plaatekopp
Eher ein Zustand als Schimpfwort. Die „Plaat“ beschreibt eine Glatze. Folglich ist ein Plaatekopp jemand ohne Haare. Köln berühmteste (und zeitweilig auch berüchtigste) „Plaat“ war Jürgen Zeltinger, Schöpfer so schöner Lieder wie „Asi mit Niwoh“ oder „Mallorca, Sommer, Sonne, Herzinfarkt“.

Plackfissel
Mit „Plack“ sind Ausschlag, Schorf oder sonstige Hautunreinheiten, z.B. Herpes, gemeint. Das Wort hat eine Renaissance durch die Jugendsprache erfahren. Der Ausdruck „Da krieg ich Plack von.“ steht für Ekel und Abscheu. Der Begriff Plackfissel wird übergreifender verwendet und steht für einen ungepflegten, ungewaschenen Menschen.

Sackjeseech
Eines meiner Lieblingsschimpfwörter. Hier passt alles rein. Ein „Sackgesicht“ kann ein hässlicher, ein unangenehmer, ein missgünstiger oder ein einfach ein widerlicher Mensch sein. Das Wort passt immer.
Eine wunderbare Umschreibung dieses Typs Mensch liefert Gerd Köster mit seinem Song „Sackjeseech“. Besonders schön ist der Plural in der dritten Strophe:
„Un ding Frau es och e Sackjeseech,
un ding Kinder sin och Sackjeseechtere .“

Schäl
Damit ist „schielen“ gemeint. Gleichzeitig bedeutet der Ausdruck aber auch „falsch“ oder „unredlich“. Und das trifft auf einen der Protagonisten im Hänneschen Theater zu: Der „Schäl“ schielt, ist oft hinterhältig und versucht andere zu seinem eigenen Vorteil zu hintergehen.


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Kölsche Schimpfwörter, Teil III: Kniesbüggel bis Mutzepuckel

Laut - aber meistens liebevoll: Kölsche Schimpfwörter, Bild: www.JenaFoto24.de / pixelio
Laut – aber meistens liebevoll: Kölsche Schimpfwörter, Bild: www.JenaFoto24.de / pixelio

Nachdem wir bereits die Schimpfwörter von Aaapefott bis Flabes und von Föttchesföhler bis Klaafschnüss kennen, geht es heute um Kniesbüggele, dä Lällbeck und dä Lötschendötsch. Gesungen klingen diese Wörter übrigens noch besser. Hört mal rein in den „Kölschen Explezeer“ von Toni  Steingass.

Kniesbüggel
Ein Geizhals. Der Begriff „Knies“ beschreibt eigentlich Dreck. Der Begriff stammt von ungepflegten, dreckigen Menschen, die zu geizig waren, Geld für ihre Sauberkeit auszugeben, wird heute aber nur noch für geizige Menschen verwendet. Daher stammt auch das Wort „kniestich“ für geizig.

Knüselskopp
Ein knüselicher Mensch ist ein dreckiger, ungepflegter Zeitgenosse. Knüsel beschreibt, genau wie Knies, klebrigen Dreck. Wird gerne auch als Schimpfwort in der Form „knüsselije Pitter“ verwendet, egal, ob die damit bezeichnete Person tatsächlich Pitter (also Peter) heißt oder nicht.

Kraad
Eines der vielschichtigsten kölschen Schimpfwörter. Das Kölsch-Lexikon der Akademie för uns kölsche Sproch übersetzt das Wort mit „Kradepack“ kurz und knapp mit „Pöbel“. Im Wrede (das renommierte Kölsch-Lexikon) ist Krad auch ein Schimpfwort. Allerdings hat sich Bedeutung heute geändert, wie auch meine nicht repräsentative Thekenumfrage ergeben hat.

Krönzel, oder Knurschele, Bild: Annamartha / pixelio
Eine Krönzel ist eigentlich eine Stachelbeere, Bild: Annamartha / pixelio

Krönzel
Eine Krönzel ist eigentlich eine Stachelbeere. Als Schimpfwort verwendet ist eine zimperliche Person gemeint, also eine Zimperliese oder Mimose.

Kühmbroder
Der „Kühmebroder“ ist den ganzen Tag nur am jammern und beschwert sich über Gott und die Welt. Das Wort „kühmen“ bedeutet eigentlich „seufzen“. Daher kann sich bildhaft vorstellen, wie der Kühmbroder immer und zu jeder Gelegenheit laut kühmt „Nä – fröher wor alles besser.“

Lällbeck
Dieses schöne Wort wird heute leider nicht mehr so oft verwendet. Gemeint ist jemand, der zwar keine Ahnung hat, aber trotzdem mitreden will. Ein anderes, gängigeres kölsches Wort für solche Menschen ist „Schwaadlappe“

Lötschendötsch
Das Lieblingsschimpfwort von Schwester Antonia. In der hochdeutschen Übersetzung könnte man „Blödmann“ oder „Dummkopf“ sagen. Allerdings, so Schwester Antonia, hat Lötschendötsch „in seiner kölschen Form noch einen sympathisch-liebkosenden Unterton und lässt den Angesprochenen nicht verzweifelt zurück.“

Muuzepuckel oder Mutzepuckel
Du willst feiern – aber einer macht die ganze Stimmung kaputt. Der ist der Muuzepuckel, also ein Nörgler oder Zankteufel. Wenn jemand (ständig) schlecht gelaunt ist, dann ist diese Person muuzich und man will eigentlich nichts mit ihr zu tun haben.

Ömstandskriemer
Und wieder wartest du weitere zehn Minuten, weil sich der Ömstandskriemer mal wieder nicht entscheiden kann, ob er mit oder ohne Regenschirm rausgeht. Es geht also um jemand, der um alles Umstände macht, der kompliziert ist. Ein Umstandskrämer halt.


In den nächsten Woche geht es weiter! Wenn ihr selbst noch Vorschläge für schöne kölsche Schimpfwörter habt – immer rüber damit. Ich freue mich über jeden Beitrag.


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Kölsche Schimpfwörter, Teil II: Föttchesföhler bis Klävbotz

Fünf Asse auf der Hand? Vorsicht, hier ist ein Fuuteler unterwegs!
Fünf Asse auf der Hand? Vorsicht, hier ist ein Fuuteler unterwegs!

Nachdem wir bereits die Schimpfwörter von Aaapefott bis Flabes kennengelernt haben, widmen wir uns heute den Föttchesföhlern, der Klävbotz und der Klaafschnüss.
Übrigens: Alles, die eine Amazon Alexa zu Hause haben, sollten mal den Befehl „Alexa, schimpf auf kölsch“ ausprobieren.  Macht Spaß!

Föttchesföhler
Eigentlich ein viel zu schönes Wort für eine sehr unappetitliche Sache. Es handelt sich hier um einen Grabscher, der gerne Frauen anpackt. Mit dem „Föttche“ ist der (weibliche) Po gemeint.

Fressklötsch
Rainer Calmund kann gerne als Fressklötsch bezeichnet werden – jemand, der regelmäßig zu viel isst. Ein Vielfraß halt.

Fuuteler
Wenn jemand, in der Regel bei einem Spiel, betrügt oder mogelt, dann fuutelt er und ist somit ein Fuuteler.

Hanak
Ein Hanak ist liebevoll gemeint ein Spitzbube. Es kann sich aber auch, je nach Zusammenhang, um einen Gauner handeln. Die kölsche Band Hanak orientiert sich eher an der ersteren Variante. Nette Halunken halt.

Imi
Eigentlich kein Schimpfwort sondern eher eine Feststellung. Als „Imi“ werden in Köln alle Zugezogenen oder „unechten“ Kölner bezeichnet. Dabei stammt der Begriff nicht von Immigrant ab sondern von „imitiert“. Der Imi versucht also, den Kölner zu imitieren. Zuerst aufgetaucht ist dieser Begriff in dem Lied Sag´ens Blotwoosch von Gerd Jussenhoven:
„Sag´ens Blotwoosch, ich garranteeren der,
wer nit richtig Blotwoosch sage kann, dat es
´ne Imi, ´ne Imi, ´ne Imi, ´ne imitierte Kölsche ganz gewess.
´ne Imi, ´ne Imi, ´ne imitierte Kölsche ganz gewess.“

Kesselflecker
Meine Oma sagte immer „Die han sich jezänk wie de Kesselflecker.“ Offensichtlich handelt es sich bei den Kesselflickern um streitbare Menschen. Dabei waren die Kesselflicker nur herumreisende Handwerker, die gegen geringen Lohn kaputte Kessel ausgebessert haben. Allerdings hielten die jeweils ortsansässigen Schmiede die Kesselflicker für Pfuscher. Vielleicht kommt daher auch die Geringschätzung.

Klaafmuul oder Klaafschnüss
Klar. Der Kölner redet gerne, erzählt viel, plaudert rum und tratscht. Diesen Vorgang nennt man „klaafe“. Aber irgendwann wird es auch dem tolerantesten Kölschen zu viel. Dann wird der, der  zu viel labert als Kaafmuul oder Klaafschnüss bezeichnet.

Klävbotz
Er sitzt den ganzen Tag in der Kneipe, wie mit der Hose (die „Botz“) an seinem Stuhl festgeklebt. Und er will einfach nicht gehen, auch wenn der Wirt schon dreimal die letzte Runde eingeläutet hat.


In den nächsten Wochen geht es weiter! Wenn ihr selbst noch Vorschläge für schöne kölsche Schimpfwörter habt – immer rüber damit. Ich freue mich über jeden Beitrag.


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