Kölsche Wörter: pingelich – nur nicht zu genau sein!

Pingelig, exakt, ordentlich ausgerichtet - so gar nicht "kölsch": Die Grabsteine auf dem Commonwealth-Friedhof, Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Pingelig, exakt, ordentlich ausgerichtet – so gar nicht „kölsch“: Die Grabsteine auf dem Commonwealth-Friedhof, Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Jemand, der pingelich ist, nimmt immer alles sehr genau und ist sehr exakt. Adam Wrede definiert pingelich als „übertrieben ordnungsheischend, und kleinlich im Denken“.

Klar – ein solcher Mensch ist in Köln eher selten anzutreffen. Ansonsten würde er bei den kölschen Gewohnheiten wie „Küsste hück nit, küsste morjen.“ und „Et hätt noch immer jood jejange.“ auch wahnsinnig werden. Gerade in einer Stadt, in der an einer U-Bahn-Strecke gerne schon mal 25 Jahre lang gebaut wird, Plätze wie der Barbarossaplatz eher Schandflecke sind und eine riesengroße blaue Mülltüte neben der einzigartigen Kathedrale als „Musical Dome“ bezeichnet wird, sind Perfektionisten eher fehl am Platze.

Der Kölsche ist da wesentlich lockerer und nimmt vieles nicht so genau. Was ihm allerdings nicht immer zum Vorteil gereicht. Eine leider knüsselige, verbaute Stadt ist das lebendige und nicht gerade schmeichelhafte Zeugnis dieser wenig pingeligen Lebensweise in Köln.

Der Besitzer dieses Kellers ist ganz bestimmt nicht pingelig, Bild: Bill Kasman, Pixabay
Der Besitzer dieses Kellers ist ganz bestimmt nicht pingelig, Bild: Bill Kasman, Pixabay

Velarisierung macht aus Pein „Ping“

Velarisierung ist ein Begriff aus der Phonetik und beschreibt eine an den eigentlichen Begriff angehangene Artikulation. Dabei wird am Ende des ursprünglichen Wortes die Zunge an den Gaumen gehoben, es entsteht zum Beispiel ein Laut wie bei einem „G“. Klingt komplizierter als es tatsächlich ist: Im kölschen wird an Wörter, die mit einem „n“ enden gerne noch ein „g“ angehangen. Die Beispiele dazu sind bestens bekannt:

  • Aus Wein wird „Wing“,
  • aus Rhein wird „Rhing“ oder
  • aus braun wird „brung“.

Und aus dem Wort Pein (für Schmerz) wird „Ping“. Und das passende Adjektiv dazu ist „pingelich“: Sehr empfindlich für Schmerzen aller Art.

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer, Bundeskanzler 1949 bis 1963, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE

Adenauer: „Natürlich achte ich das Recht – aber damit darf man nicht so pingelich sein.“

Heute wird dieser Begriff allerdings eher im Sinne von „peinlich genau“ verwendet: „Nä, dä Jupp is esu pingelich, dä künne mer he nit bruche.“ Und so macht sich der Kölsche das Leben einfach. Menschen, die die Dinge immer ganz genau nehmen, haben in der Domstadt einen schweren Stand.

Konrad Adenauer hat dieses Verhalten auf die Spitze getrieben: „Natürlich achte ich das Recht – aber damit darf man nicht so pingelich sein.“ soll er 1960 gesagt haben. Was er damit meint, war auch Nicht-Rheinländern schnell klar. Eine absolute, übertriebene Exaktheit selbst beim wichtigen Thema Recht ist keine rheinische Eigenschaft. Der Kölsche mag eher eine großzügige, der Situation angepasste Auslegung. Damit et nur nit pingelig wird.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Der kölsche Knast Teil III: Die „Bleche Botz“ in der Schildergasse

Das ehemaligen Kölner Frauengefängnis "Bleche Botz" auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons
Das ehemaligen Kölner Frauengefängnis „Bleche Botz“ auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons

Wenn man über einen Menschen sagt, „Der is in de Blech“, bedeutet das nichts Gutes. Auch Pänz, die sich nicht benehmen, wird damit gedroht “Pass upp, sonst küsste in de Blech.“ Die wörtliche Übersetzung ist einfach: Blech ist Blech, also gewalztes Metall. Aber die Bedeutung dahinter ist eine gänzlich andere. Wenn der Kölsche von „de Blech“ spricht, ist damit das Gefängnis gemeint.

De Bleche Botz – das ehemalige Frauengefängnis

Durch die während der französischen Besatzungzeit in Köln durchgeführte Säkularisierung wurden Kirchen und Klöster aufgehoben. Der Staat übernahm kirchlichen Besitztümer wie Land oder Vermögen, aber auch Gebäude, um diese weiterzuverkaufen oder anderweitig zu nutzen. Darunter war auch das bereits 1637 errichtete Klarissenkloster „Zu den Schutzengeln“ auf der Ecke Schildergasse/Krebsgasse, ganz in der Nähe des Neumarkts.

Dieses Gebäude wurde ab 1802 zu einem „Arresthaus“, also einem Gefängnis, umgebaut. An dem Umbau waren der Blechschläger1Heute würde man ihn als man Bauklempner bezeichnen. Alexander Hittorff, genannt der „Blecherne Alexander“, und der Maurermeister Johannes Butz beteiligt. Beide Namen zusammengesetzt und verkölscht ergeben „De bleche Botz“, also die „blecherne Hose“. Weil der Kölsche ja bekanntlich sehr bequem ist, wurde aus „de Bleche Butz“ irgendwann nur noch „de Blech“.

Das 1907 auf dem Gelände der "Bleche Botz" errichtete Polizeipräsidium auf einem Bild aus dem Jahr 1912, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons
Das 1907 auf dem Gelände der „Bleche Botz“ errichtete Polizeipräsidium auf einem Bild aus dem Jahr 1912, Bild: gemeinfrei / Rheinisches Bildarchiv Köln / Wikimedia commons

„Weiberanstalt“ noch bis 1904

Es zeigte sich allerdings schnell, dass das ehemalige Kloster auf Dauer nicht den Anforderungen des Strafvollzugs entsprach und ständig überbelegt war. Daher begann man 1835 mit den Bauarbeiten am Klingelpütz, einem der damals modernsten Gefängnisse. Als 1838 dort die ersten Gefangenen einzogen, konnte die „Bleche Botz“ auf der Schildergasse in ein reines Frauengefängnis umgewandelt werden – mit der preussisch korrekten Bezeichnung „Königliche Straf- und Besserungsanstalt für weibliche Gefangene“. Für die Kölschen war es aber nur die „Weiberanstalt“, welche 1904 geschlossen und abgebrochen wurde. An dieser Stelle wurde dann das Polizeipräsidium gebaut. 

Der Kölsche geht nicht in den Knast, sondern en de Blech

Die Formulierung „en de Blech“ gehen hat aber überdauert und wurde im gesamten Rheinland zum Synonym für ein Gefängnis. Und daher gehen noch heute alle, die in den Klingelpütz oder sonstigen Justizvollzugsanstalten einfahren, en de Blech.  


Die Geschichte und Geschichten zum Kölschen Knast 


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Wörter: Et Knützje. Oder doch eher Krüstje, Kaascht oder Köschje?

Ganz viele Knützjer. Oder wie nennt ihr das? Bild: Sabine Schulte/Pixabay
Ganz viele Knützjer. Oder wie nennt ihr das? Bild: Sabine Schulte/Pixabay

Natürlich gibt es in Deutschland das „Deutsche Brotinstitut“. Und selbstverständlich führt dieses Institut das „Deutsche Brotregister“ – wir Deutschen sind halt bestens organisiert! Dieses Register verzeichnet aktuell über 3.000 unterschiedliche Brotsorten. Lieblingsbrote der Deutschen sind Mischbrote auf Basis einer Mischung aus Weizen- und Roggenmehlen. Ungefähr ein Drittel aller Brote fällt unter diese Sorte. Vollkornbrote liegen fast abgeschlagen bei gerade mal 10% aller verkauften Brote.

Alles hat ein Ende – nur das Brot hat zwei

Was aber alle Brote gemeinsam haben sind die zwei Enden. Und damit geht das Drama los: Wie heißen diese beiden Enden? Diese Frage ist nicht trivial, kann sie doch zu erheblichen Missverständnissen führen. So hat meine Frau große Augen gemacht, als ich beim gemeinsamen Essen klargestellt habe, dass ich das Knützje bekomme. Für mich war das eindeutig: Ich bekomme das „Randstück“ – ein Begriff, den ich zu diesem Zeitpunkt nicht kannte. Das Ende vom Brot ist das Knützje. Fertig. „Ah – du willst das Knäppchen. Sag das doch gleich.“ so  meine Frau. Und da war sie: Die rheinische Sprachbarriere.

Meine Frau kommt vom Niederrhein, Und dort nennt man das Knützje offensichtlich Knäppchen. Seltsame Sprache.

Fast ebenso viele Bezeichnungen wie Brotsorten

Wenn man sich näher damit beschäftigt, stellt man fest, dass es für das „Randstück“ fast ebenso viele Bezeichnungen wie Brotsorten in Deutschland gibt. Von A wie „Agang“ bis Z wie „Zipfel“ gibt es hunderte unterschiedliche Begriffe.

Und weil dem so ist, hat es das Knützje oder Knäppchen sogar bis in die Wissenschaft geschafft: Im „Atlas der Alltagssprache“, einem Projekt der Universitäten Salzburg und Lüttich, wird die Verwendung des Wortes für das Brotrandstück in den unterschiedlichen Regionen systematisch untersucht.

Die regionale Verteilung des Wortes für "et Knützje" im "Atlas der Umgangssprache", Quelle: www.atlas-alltagssprache.de
Die regionale Verteilung des Wortes für „et Knützje“ im „Atlas der Umgangssprache“, Quelle: www.atlas-alltagssprache.de

Knippchen, Knoosch, Knust, Knützje

Bei uns im Rheinland werden vorwiegend Begriffe mit „Kn“ verwendet: Knäppchen, Knäppken, Knippchen, Knoosch, Knust, Knützje, Knuuz. Wörter mit „Kn“ bezeichnen oft rundliche Gegenstände, wie zum Beispiel bei Knolle, Knospe oder Knoten. Eine mögliche Herkunft ist das mittelniederdeutsche Wort „knuust“ für Knolle – also etwas rundes. So ist auch heute noch das niederländische Wort für Faust „knuist“.

Langweiliger „echter“ Begriff

Ich habe übrigens beim Bäcker nachgefragt, wie denn der „echte“ Begriff für et Knützje ist. Das Ergebnis: Anschnitt. Wie langweilig. Dann doch lieber die schönen umgangsprachlichen Begriffe wie Awendel, Bäätsch, Baggerla, Boppes, Giggl, Gnaerzla, Gnaisle, Gnäusle, Gniesle, Gnuscht, Kantn, Käppele, Kärschtche, Kierschtche, Kipfchen, Knaischen, Knaisje, Knärtel, Knärtzje, Knärz, Knarzel, Knärzelche, Knärzje, Knäusje, Knäusli, Knecks, Kneidele, Kneischen, Kneisje, Kneisle, Kneppel, Knerzl, Knieschen, Knieschen, Kniesje, Kniestchen, Knippche, Knörbl, Knork, Knorst, Knörzchen, Knorze, Knörzje, Knörzl, Knörzle, Knübbele, Knübberle, Knüstchen, Knussel, Knuusä, Köbberla, Koebbla, Köpple, Körschtche, Köschken, Kreschtche, Krischtche, Kruscht, Kübbele, Küppchen, Küppel, Küppele, Kurscht, Kürschtsche, Rampfterla, Ranfdl, Ranft, Ranka, Ränkel, Rankerl, Rankerla, Rempftchen, Rendala, Renftchen, Rengele, Renkerl, Riebel, Riebele, Riefdla, Rieftle, Roiftle, Rungsen, Schäbbelchen, Schäbbelsche, Scherzl, Stazzla, Sterzl, Sterzl, Storzl …

Oder einfach Knützje. Wie es auch richtig ist.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Vornamen: Tünn, Drück, Züff & mehr

Kölsche Vornamen, Bild: Uli Kievernagel
Kölsche Vornamen, Bild: Uli Kievernagel

Es ist weit über die Stadtgrenzen bekannt, dass der kölsche „Jupp“ der hochdeutsche Josef ist. Und auch der „Tünn“ kann ohne große Schwierigkeiten als „Anton“ identifiziert werden. Kein Problem. Aber woher kommt der Döres? Wie heißt Drück auf hochdeutsch? Und wer is et Züff?

Lateinischer Klang im Mittelalter

Viele, aber bei weitem nicht alle der typisch kölschen Vornamen lassen sich aus der Latinisierung im Mittelalter herleiten. So war es durchaus üblich, Vornamen einen lateinischen Klang zu geben. So wurde aus dem Albert der Albertus, aus dem Jakob der Jakobus oder dem Reiner der Reinerus.

Damals gab es noch keine „Kölsche Sprache“ nach unserem heutigen Verständnis. Erst ab etwa dem frühen 17. Jahrhundert wurde in Köln zunehmend die sich entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache verwendet. Einhergehend damit ist auch eine Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache zu beobachten – die Kölner Mundart, wie wir sie heute kennen, entsteht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war dann Kölsch die Umgangssprache in der Domstadt.

Und in dieser Umgangssprache wurden auch die Vornamen „verkölscht“. Bevorzugt aus den Endungen der vormals lateinischen Fassungen wurden die kölschen Namen gebildet: Der Theodorus wird zum „Döres“, der Jakobus zum „Köbes“ und der Albertus zum „Bätes“. Tatsächlich erklärt das nicht alle kölschen Namensschöpfungen. So ist insbesondere bei den weiblichen Vornamen festzustellen, dass diese meist stark verkürzt werden, oft auf eine einzige Silbe: Aus der Cäcilie wird et Zill oder aus der Katharina et Tring. Ein großes DANKE an meine kölsche Lieblingslyrikerin Juliane Poloczek für diesen Hinweis. 

Um eine Übersicht der kölschen Vornamen zu bekommen habe ich eine Liste zusammengestellt. Selbstverständlich ist diese Liste nicht vollständig. Habt ihr weitere Kölsche Namen? Schickt sie mir rüber. Ich ergänze diese Liste regelmäßig.

Traditionelle Namen bei heute Neugeborenen

Bei den heute Neugeborenen sind die alten Namen übrigens wieder in. Die Top-5 der Namen bei den kölschen Mädchen im Jahr 2020 lauten: Marie (Marieche), Sophie (Züff), Emilia, Maria (auch  Mariechen) und Emma. Bei den Jungs führt Noah vor Felix, Anton (Tünn), Jakob (Köbes) und Leon.


Liste Kölsche Namen

Adam = Addi

Agnes = Nieß

Andreas = Drickes

Anna-Maria = Annemie

Anna, Änne, Anja = Änn, Änni, Ännsche

 

Antonio "Tünn" Dos Santos, Wirt des "Brauhaus am Kloster" in Raderberg, Bild: Uli Kievernagel
Antonio „Tünn“ Dos Santos, Wirt des „Brauhaus am Kloster“ in Raderberg, Bild: Uli Kievernagel

Antonius, Anton = Tünn, Tünnes
Mein Lieblingswirt kommt aus Portugal und trägt den schönen Namen Antonio Dos Santos. In unserem Veedel ist er aber nur als der Tünn bekannt. Und dass er als Portugiese mit seiner sizilianischen Frau ein typisch Kölsches Brauhaus betreibt, wundert keinen. Auch dafür liebe ich mein Veedel.

 

Et Bärbelchen uss dem Hänneschen-Theater, Bild: Hänneschen-Theater
Et Bärbelchen uss dem Hänneschen-Theater, Bild: Hänneschen-Theater

Appolonia = Plünn

Barbara = Bärbelche
Et Bärbelchen ist eine der wichtigsten Figuren im Hänneschen-Theater. Dabei spielt sie eine Doppelrolle: In den Aufführungen für Kinder ist sie die Schwester vom Hänneschen, in den Abendstücken für die Erwachsenen die Geliebte und Verlobte vom Hänneschen.

Bartholomäus = Bätes

Bernhard = Bätes

Bruno = Pünn

Cäcilie, Cäzilie = Zill, Zilla, Zilli, Zillche
Die Bühnenspielgemeinschaft „Cäcilia Wolkenburg“ ist eine „Tochter“ des Kölner Männer-Gesang-Vereins und bringt jedes Jahr das Divertissementchen auf die Bühne. Die Mitspieler sprechen dabei immer nur vom „Zillchen“.

Christian = Chriss, Kreß

Christina = Stina
Die wohl bekannteste Stina spielt die Hauptrolle in Willi Ostermanns Lied „Et Stina muß ’ne Mann han, et weed die höchste Zick!“ Dort lautet es weiter
„Et Stina muß ’ne Mann han, söns wähde mer’t nit mie quitt
Et Stina muß ’ne Mann han, ov alt hä oder jung,
denn bliev et Stina setze, wör’t schad för dat Fazzung.“

 

Cornel Wachter, Künstler, bekennender Kölner und Fortuna-Fan, Bild: Cornel Wachter
Cornel Wachter, Künstler, bekennender Kölner und Fortuna-Fan, Bild: Cornel Wachter

Cornelius = Nelles, Cornel
Immer aktiv für seine Stadt: Der renommierte Künstler Cornel Wachter aus der Südstadt.  

Elisabet = Liß, Liss, Lissbätt

Georg = Schosch oder Schorsch

Gertrud = Truud, Traudt, Draut, Traudtsche, Drück, Drügg

 

Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Grete, Margret = Griet, Jriet
Die Marktverkäuferin Griet spielt alljährlich die weibliche Hauptrolle im Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz.

 

Hans "Jean" Löring
Hans „Jean“ Löring, Bild: Deutscher Fußball-Bund

Hans = Schäng
Hier denkt nicht nur jeder Fan von Fortuna Köln natürlich sofort an den Präsident und Mäzen des Vereins: Hans „Jean“ Löring, genannt „Schäng“.

Heinrich, Heinz = Hein, Drickes

Herbert = Bätes, Bäätes
Der Herbert ist einer der vielen Namen die auf -bert enden und im Kölschen einheitlich zum Bätes oder Bäätes werden.

 

Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater

Hermann = Manes
Ein sehr bekannter „Manes“ ist Hermann Speichel, besser bekannt als Speimanes aus dem Hänneschen. Der Speimanes stottert, hat einen Buckel und spuckt, insbesondere beim „B“ und beim „P“. 

Norbert = Bäätes

 

Ein Köbes bei der Arbeit, Bild: Privatbrauerei Gaffel
Ein Köbes bei der Arbeit, Bild: Privatbrauerei Gaffel

Jakob = Köbes
Köbes ist auch der Sammelbegriff für die Bedienung im Brauhaus. Wobei „Bedienung“ nicht der korrekte Begriff ist: Nicht der Gast, sondern der Köbes ist König. Er alleine entscheidet, ob und wann man das nächste Kölsch bekommt.

 

Geißbock Hennes, Das Maskottchen des 1. FC Köln, hier Hennes VIII. mit seinem Betreuer Ingo Reipka, Bild: Nicola, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Geißbock Hennes, das Maskottchen des 1. FC Köln, hier Hennes VIII. mit seinem Betreuer Ingo Reipka, Bild: Nicola, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Jean, Johann, Johannes = Hennes, Schäng, Hännesje
Dass der ruhmreiche 1. FC Köln auch weiter erfolgreich Fußball spielt, ist weniger den Akteuren auf dem Platz, sondern mehr dem Maskottchen neben dem Platz zu verdanken: Der Geißbock Hennes IX. sorgt für erfolgreichen Fußball.

Josef = Jupp

Julia = Jul

 

"Finchen", die legendäre Straßenbahn, Bild: ManuelFranz, CC BY-SA 4.0
„Finchen“, die legendäre Straßenbahn, Bild: Manuel Franz, CC BY-SA 4.0

Josefine, Josephine = Finche
Den Namen „Finchen“ trägt eine durchaus eigenwillige historische Straßenbahn aus dem Jahr 1911. Im Juni 2016 machte sich das Gefährt, nachdem der Fahrer nur kurz auf Toilette war, selbstständig und rollte ohne Fahrer etwa zwei Kilometer das abschüssige Stück vom Thielenbrucher Straßenbahn-Museum zum Dellbrücker Mauspfad. Aber Finchen war umsichtig: Niemand kam zu Schaden.

 

Die Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring von 1901, Bild: KG Schnüsse Tring
Die Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring von 1901, Bild: KG Schnüsse Tring

Katharina = Kättche, Tring
Et „Schnüsse Tring“ war ein selbstbewusstes Dienstmädchen aus Ossendorf. Der Komponist Joseph Roesberg widmete ihr bereits 1859 das „Lied der Schnüsse Tring“. Ihr zu Ehren wurde 1901 die Karnevalsgesellschaft „Schnüsse Tring“ gegründet.

Im Hänneschen stiftet et „Zänkmanns Kätt“ regelmäßig Unruhe. Die Dame sieht alles, hört alles und versteht trotzdem alles falsch.

Maria = Marie, Marieche

Maria Sibylla = Maritzebill

Marianne = Marielche, Mariejelchen
Ein sehr selbstbewusstes Mariejelchen besingen die Höhner in ihrem Hit „Ich ben ene Räuber“. Sie versetzt dem Macho Pitter nach nur einer gemeinsamen Nacht mit den Worten:
„Ich ben och ene Räuber, leeve Pitter.
Ben ne Räuber durch un durch.
Ich kann nit treu sin, läv en dr Daach ren.
Ich ben ne Räuber, maach mir kein Sorch.“

 

Der Zinte Mätes verteilt traditionell Weckmänner an die Pänz, Bild: Flammingo, CC BY-SA 3.0
Der Zinte Mätes verteilt traditionell Weckmänner an die Pänz, Bild: Flammingo, CC BY-SA 3.0

Martin = Mätes
Am 11.11. ist nicht nur Sessionsbeginn sondern auch „Zinte Mätes“ – Sankt Martin. Der Zinte Mätes verteilt dann traditionell Weckmänner an die Pänz.

Matthias = Mattes, Mattschö

Nikolaus, Klaus = Klööß

 

Der "Drüje Pitter" macht auf diesem Bild hier seinem Namen alle Ehre: Mit "drüsch" oder "drüg" meint der Kölsche "trocken", Bild: Uli Kievernagel
Der „Drüje Pitter“ macht auf diesem Bild hier seinem Namen alle Ehre: Mit „drüsch“ oder „drüg“ meint der Kölsche „trocken“, Bild: Uli Kievernagel

Peter = Pitter
Bitte nicht verwechseln: Der „Drüje Pitter“ ist ein Brunnen, der „Decke Pitter“ ist die Petrusglocke und das „Pittermännchen“ ist ein 10-Liter-Fass.

Sibylla, Sibille = Billa, Bill
Und alle Kölschen haben direkt die Melodie von Willi Ostermann im Kopf
„Jetz hät dat Schmitze Billa
en Poppelsdorf en Villa.
Et hät en eigen Huhs,
et Bill es fein eruhs!“

Sophia = Züff, Soffi

 

Der Kölner Oberbürgermeister Theo "Döres" Burauen, Bild: Bundesarchiv
Der Kölner Oberbürgermeister Theo „Döres“ Burauen, Bild: Bundesarchiv

Theodor = Düres, Döres, Düüres, Dööres
Ein ganz wichtiger Döres für Köln war der Kölner Oberbürgermeister Theo Burauen (geb. 1906, gestorben 1987). Der überaus beliebte Politiker wurde von den Kölnern nur „Döres“ genannt und hatte eine Menge Erfolge zu verbuchen, unter anderem den Neubau des Opernhauses, der Sporthochschule sowie der Severins- und Zoobrücke. Und der Döres hatte auch das legendäre Kamelrennen in Weidenpesch eingefädelt.

 

Eine Ursulabüste mit Schauöffnung. Die Büsten sind hohl, der Deckel in Form des Kopfes kann abgenommen werden. Gefüllt werden die Büsten mit einem Schädel oder anderen Knochen, Bild: Raimond Spekking
Eine Ursulabüste mit Schauöffnung. Die Büsten sind hohl, der Deckel in Form des Kopfes kann abgenommen werden. Gefüllt werden die Büsten mit einem Schädel oder anderen Knochen, Bild: Raimond Spekking

Ursula = Öschel
Das Martyrium der Heiligen Ursula und der damit verbundene Reliquienkult hat der Stadt viel Ruhm und Pilger und den Kölschen viel Geld gebracht.

Werner = Neeres, Neres

Wilhelm = Wellem, Will, Willi


Selbstverständlich ist diese Liste nicht vollständig. Habt ihr weitere Kölsche Namen? Schickt sie mir rüber. Ich ergänze diese Liste regelmäßig.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Wat sin „Blauköpp“?

Die blaue Uniform der protestantischen Preußen hat zum Begriff "Blauköpp" geführt, Bild: Knötel (1883)
Die blaue Uniform der protestantischen Preußen hat zum Begriff „Blauköpp“ geführt, Bild: Knötel (1883)

„Dat sin Blauköpp“ pflegte meine Oma im besten rheinisch-katholischem Selbstverständnis zu sagen. Mit Blauköpp bezeichnet der Kölsche alle Personen, die evangelisch sind. Tatsächlich war die Bezeichnung Blauköpp (also „Blaue Köpfe“) tatsächlich ursprünglich abwertend gemeint. Aber wie so viele kölsche Begriffe, hat auch Blauköpp eine wahre Achterbahnfahrt in der Bewertung hinter sich. Heute feiern die Protestanten unter dem Titel „Blauköpp Alaaf“ ihre eigene Karnevalssitzung. In der Hymne dieser Sitzung lautet es selbstironisch:

„Ich ben ’ne kölsche Protestant un maach Rabatz.
Ich ben ’ne Blaukopp und sing Ajuja.“

Adolf Clarenbach (rechts),auf Melaten hingerichteter evangelischer Reformator, Statue am Rathaus, Bild: Raimond Spekking
Adolf Clarenbach (rechts),auf Melaten hingerichteter evangelischer Reformator, Statue am Rathaus, Bild: Raimond Spekking

Unterdrückung und Verfolgung

Im „Hillige Kölle“ wurden protestantische Bewegungen lange stark unterdrückt. Evangelische Gemeinden konnten nur versteckt agieren – Köln war für sie ein gefährliches Pflaster. Prediger wie Adolf Clarenbach (1497-1529) wurden verfolgt und hingerichtet. Auch war es den Protestanten ab 1583 untersagt, in Köln begraben zu werden. Daher lagen evangelische Friedhöfe, wie zum Beispiel der Geusenfriedhof, außerhalb der Stadtmauern Kölns.

Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Färber, Schweden oder Preußen?

Bleibt die Frage, woher denn der Begriff „Blauköpp“ stammt. Dafür sind viele Erklärungsansätze populär:

  • So sollen protestantische Handwerker aus Flamen, die in Köln tätig waren, blaue Mützen getragen haben.1Übrigens soll auch der Begriff „blau sein“ sich auf die Färber beziehen: Diese Männer sollen viel Bier getrunken haben und in den Färberbottich gepinkelt haben, weil man Urin und Alkohol für die chemische Reaktion zur Gewinnung von blauem Farbstoff aus Färberwaid benötigt.
  • Protestantische schwedische Soldaten sollen im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) Helme mit einem blauen Schimmer getragen haben.
  • Keine Belege gibt es für die Thesen, dass der Begriff sich von „blaublütig“ ableitet.

Tatsächlich aber kann man davon ausgehen, dass der Begriff Blauköpp sich auf die Preußen bezieht. Der katholische Kölner konnte mit den disziplinierten  Preußen in ihren blauen Uniformen nichts anfangen und bezeichnete diese abfällig als „Blauköpp“. Und da die Preußen mehrheitlich evangelisch waren, hat sich dieser Begriff für die Protestanten eingebürgert.    

Christen sind heute eine Minderheit

Heute sind die christlichen Kirchen wegen der Abwanderung der Gläubigen stark unter Druck. So sind gerade noch knapp 15% der Kölner evangelisch. Etwa doppelt so viele bekennen sich zum katholischen Glauben, geschätzte 11% sind Muslime. Der größte Teil jedoch ist konfessionslos – Tendenz rapide steigend.

Die traditionelle Sündenverbrennung des Bürgervereins RADERBERG und THAL e.V., immer ökumenisch, 2021 unter Corona-Bedingungen mit Abstand und Mundschutz., Bild: Uli Kievernagel
Die traditionelle Sündenverbrennung des Bürgervereins RADERBERG und THAL e.V., immer ökumenisch, 2021 unter Corona-Bedingungen mit Abstand und Mundschutz., Bild: Uli Kievernagel

Gelebte Ökumene im Veedel

Das Verhältnis der christlichen Kirchen untereinander ist sehr entspannt – vielerorts gibt es die gelebte Ökumene. So auch bei der traditionellen „Sündenverbrennung“ des Bürgervereins RADERBERG und THAL e.V.  immer an Karnevalsdienstag. Hier verbrennen der katholische Pfarrer Thomas Frings und der evangelische Pfarrer Klaus Eberhard gemeinsam die Karnevalssünden – ganz ökumenisch und sehr unterhaltsam.

Schaut euch das mal an! Lohnt sich.


Jürgen Becker: „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“

Nicht ganz ernst gemeint singen Jürgen Becker und Norbert Alich über die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. In dem Lied heißt es unter anderem

„Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin,
die haben doch nichts anderes als arbeiten im Sinn.

Als Katholik da kannste pfuschen, dat eine is jewiss,
am Samstag gehste beichten und fott is der janze Driss.

Kein Weihrauch, keine Witze,
keine Heiligen in Stein,
immer alles ernst gemeint,
das passt nicht an den Rhein

Fünfundneunzig Thesen,
die sin uns viel zu viel,
wir brauchen hundert Tresen
und ´nen Tisch fürs Kartenspiel.

Irgendwie ja schon treffend,
zumindest der Vers mit den Thesen und dem Tresen.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Wörter: plümerant

Kaum hat man zehn Waffeln gegessen ist einem schon plümerant, Bild: Mohamed Hassan, Pixabay
Kaum hat man zehn Waffeln gegessen ist einem schon plümerant, Bild: Mohamed Hassan, Pixabay

Nach dem Genuss von zu viel Kölsch & Kabänes kann es dem Kölner auch mal unwohl werden. Ganz vornehm nennt er das dann „plümerant“, manchmal auch „blümerant“. Dieser Begriff beschreibt einen unschönen Zustand zwischen Schwindel, Unwohlsein bis hin zu einer leichten Erkrankung.

Um die Herkunft des wunderschönen Wörtchens „plümerant“ oder „blümerant“ ranken sich viele Geschichten. Um es vorweg zu nehmen: Es ist eines der vielen aus dem französischen übernommenen Worte.

Weder Blümchen noch Plumeau

Gänzlich falsch ist die Herleitung über „Blümchen“. Das hat nichts mit plümerant zu tun. Es sei denn, die Dinger riechen so stark, dass einem davon schwindlig wird.

Eine weitere Erklärung ist die Herleitung über sehr dünnen Kaffee. „Dä Kaffee is es esu dünn, dat de de Blömcher in dä Tass sinn kannst.“ Auch hier dienen wieder die Blümchen, diesmal auf dem Tassenboden, als Erklärung: Beim „Blümchenkaffee“ sieht man tatsächlich die blauen Blumen auf dem typischen Oma-Geschirr in der Tasse durch den zu dünnen Kaffee. Und das wäre dann ein „plümeranter“ Kaffee. Klingt schön – ist aber falsch.

Auf den ersten Blick plausibel erscheint diese Erklärung: Wenn einem plümerant ist, sinkt man ins Plümo, also in das Plumeau (Federbett). Klingt gut – hat aber nichts miteinander zu tun.

Sterbendes Blau

Die eigentliche Herkunft ist – wie bei so vielen kölschen Worten – aus dem Französischen: „bleu mourant“ bedeutet wörtlich übersetzt „sterbendes blau“. Und wenn man in die Gesichter von Personen schaut, denen plümerant ist, stellt man tatsächlich oft eine leicht blaue Farbe fest.

Und diese legt man dann doch lieber schnell unters Plümo!


Weitere Begriffe: marot und malad

Im Kölschen gibt es noch mehr Begriffe, die den Zustand zwischem leichten Unwohlsein, Erschöpfung und beginnender echter Krankheit bezeichnen. Fast gänzlich in Vergessenheit geraten ist der Begriff „marot“. Auch dieses Wort beschreibt einen Zustand des Unwohlseins. Allerdings ist dieser Zustand dann, anders als plümerant, ernster.

Wenn der Kölsche allerdings malad ist, dann wird es richtig ernst: Er ist wirklich krank und gefühlt bereits auf dem Weg zum Melatenfriedhof. Immerhin leitet sich der Name dieses Friedhofs vom französischen Wort „malade” ab. Und das bedeutet: krank.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Wörter: knüsselich

Leider ist Köln an vielen Stellen knüsselich, Bild: @wirliebenunserestadt
Leider ist Köln an vielen Stellen knüsselich, Bild: @wirliebenunserestadt

Zugegeben – unsere Stadt ist leider an vielen Stellen (ehrlicherweise fast überall, bis auf Marienburg) jet knüsselich. Dieses kölsche Wort bedeutet ungepflegt, dreckig, ungewaschen oder unordentlich.

„Wat mäht dann dä knüsselije Lappe he?“ beschreibt zum Beispiel den dreckigen Spüllappen. Aber auch Menschen können knüsselich sein. Über die Aussage „Nä, dat Billa is jo uch jet knüsselisch.“ wird sich besagte Billa wohl kaum freuen. So wird Billa auch als Knüselskopp bezeichnet.

Mit dem Substantiv „Knüsel“ beschreibt man schlichtweg Dreck, Unrat. Dies betrifft zum Beispiel herumliegenden Müll. Und der Kölner nimmt es mit der Ordnung ja nicht so genau: Obwohl die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) der Stadt Köln auf Bestellung kostenlos Sperrmüll zu Hause abholen, schmeißen die Kölner trotzdem ihr Jedöns einfach auf die Straße. So kamen im Jahr 2019 etwa 3.000 Tonnen Müll auf wilden Müllkippen in der Stadt zusammen. Die Beseitigung dieses Mülls kostet mehr als 9 Millionen Euro im Jahr. Jede Menge Fotos dieses Knüsels hat die Facebook-Seite „Köln – unsere geliebte Stadt versinkt im Dreck“ gesammelt.

Müll in Merheim, Bild: Ralf Anton, @wirliebenunserestadt
Müll in Merheim, Bild: Ralf Anton, @wirliebenunserestadt

Die drei dreckigsten Städte: Calcutta, Constantinopel und Cologne

Leider hat der der Knüsel in Köln Tradition. Im 19. Jahrhundert war bekannt, dass die drei dreckigsten Städte der Welt mit C anfangen: Calcutta, Constantinopel und Cologne.

Aber auch heute noch bietet die Stadt so viel Knüsel, dass es dem Emons-Verlag eine eigene Ausgabe des Magazins „Klatsch! Klartext für Köln“ unter dem Titel „Köln. Die Stadt und der Dreck“ wert ist.

An allen Ecken & Enden Knüsel, hier: Richard-Wagner-Straße, Bild: @wirliebenunserestadt

Das Fazit der Autoren: Ja, Köln hat Probleme mit seinem Erscheinungsbild. Aber es gibt Hoffnung: Noch ist Köln nicht an den Knüsel verloren. Auch, weil es Menschen wie Eva Pollmeier oder die K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) gibt, die einfach anfangen, Müll zu sammeln und nicht nur darüber reden.


Das Wort knüsselisch darf übrigens auf keinem Fall mit üsselisch verwechselt werden, denn üsselisch beschreibt nasskaltes Wetter.


Ein großes DANKE an die Facebook-Gruppe „Köln – unsere geliebte Stadt versinkt im Dreck“, deren Bilder ich für dieses Köln-Ding der Woche verwenden dufte.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Die Hand aufhalten: kötten gehen

Jemand hält die Hand auf - der Kölsche nennt das kötten
Jemand hält die Hand auf – der Kölsche nennt das kötten

Sogar die Roten Funken haben es getan: Fastelovend 2019 sind die Mitglieder der stolzen Garde mit der Kötterbüchs1Spendensammeldose rumgelaufen und haben Geld für obdachlose Frauen in Köln gesammelt. Die Herren sind kötten gegangen. Sehr lobenswert.

Mit „kötten gehen“ bezeichnet der Kölsche schlichtweg, jemanden um etwas zu bitten. Somit ist kötten eigentlich ein Begriff für betteln, allerdings – das hat die übliche Umfrage in meiner Stammkneipe ergeben – ein etwas feinerer Begriff. Die einhellige Meinung der Kölschen in meiner Nachbarschaft: Wer köttet, der ist nicht so penetrant. Erst wenn jemand aggressiv köttet, wir es zum Betteln.

Vielleicht ist das Wort auf den Cut zurückzuführen

Die Herkunft des Wortes ist tatsächlich unbekannt. Im schon öfters von mir zitiertem „Mitmachwörterbuch der rheinischen Umgangssprache“ gehen die Spekulationen vom Gehrock über Hausierer bis hin zur einfachen Bauernhütte:

  • Der Sprachforscher Peter Honnen weist darauf hin, dass man im Sauerland Hausierer und Korbflechter Kötter nennt. Möglicherweise ist das der Ursprung für das „kötten“
  • Eine andere Erklärung besagt, dass Kötter arme Menschen sind, die in sehr einfachen kleinen Kotten, als Synonym für „Kate“, also in einfachen Häusern leben.
Ein klassischer Cut - damit kann man kötten gehen, Bild: Rogi.Official, CC BY-SA 3.0
Ein klassischer Cut – damit kann man kötten gehen, Bild: Rogi.Official, CC BY-SA 3.0
  • Die schönste Erklärung für mich ist allerdings die Herleitung über den Gehrock, also einen Cutaway oder kurz Cut. Dieser wird bei uns „Kött“ ausgesprochen. Der Vorteil des Kött: Der vergleichsweise große und weit geschnittene Gehrock hat sehr viele Taschen. Wenn nun ein Fest anstand und der Gehrock dabei getragen wurde, konnte der Träger die Taschen nutzen, um Essensreste für die Daheimgebliebenen mitzubringen – es wurde geköttet.

Setzt ein Zeichen der Solidarität

Gerade in den aktuell schwierigen Zeiten müssen leider viele Menschen wieder kötten gehen. War in normalen Zeiten schon der Monat länger als das Geld reichte, wird es jetzt mit Kurzarbeitergeld in vielen Haushalten kritisch. Daher haben die Tafeln momentan auch einen großen Zulauf.

Der Gabenzaun des Bürgervereins RADERBERG und -THAL e.V., Bild: Ulla Giesen
Der Gabenzaun des Bürgervereins RADERBERG und -THAL e.V., Bild: Ulla Giesen

Sehr lobenswert sind daher Initiativen wie zum Beispiel der „Gabenzaun“ des Bürgervereins RADERBERG und -THAL in meiner Nachbarschaft. Unter dem Motto „Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt!“ können haltbare Lebensmittel für Menschen gespendet werden, die sich diese aus den bereitgestellten Beuteln nehmen können.

Schaut euch bitte mal bei nächster Gelegenheit in eurer Nachbarschaft um. Dort gibt es bestimmt auch Menschen, die kötten gehen müssen. Und wenn jeder nur ein eine Kleinigkeit gibt, dann kommen alle Menschen über die Runden.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil II)

Über die Entwicklung der kölschen Sprache bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte dieses Köln-Ding der Woche informiert: Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil I). Heute werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Fööss dabei hatten.


Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste Köln ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. Neue Erfindungen wie zum Beispiel die Gasmotoren von Nicolaus Otto und die Entwicklung Kölns zum Eisenbahnknoten im Westen führten zu einem großen Bevölkerungswachstum. Lag die Einwohnerzahl zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bei etwa 40.000 Bürgern, wuchs Köln bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf etwa 375.000 Menschen. Mit dem Zuzug von Menschen aus allen Teilen des Deutschen Reichs bis hin nach Polen ergab sich die Notwendigkeit, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Zudem waren in der Garnisonsstadt Köln unter preußischer Verwaltung etwa 8.000 Soldaten inklusive Familien stationiert. Und die – nach dem Empfinden der Kölner steifen –  Preußen sprachen Hochdeutsch. Kölsch verschwand aus dem Alltag.

Auch nach dem 1. Weltkrieg bis in die 1930er Jahre wuchs Köln weiterhin rasant: Die Anzahl der Kölner Bürger stieg bis 1939 auf fast 750.000 Bürger. Mundartsänger wie Willi Ostermann beklagten dann auch „dä fremde Krom“ in der Stadt und das Aussterben der Muttersprache. In dem Lied „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ lautet es:

Dä fremde Krom, et es doch ze beduure,
als ahle Kölsche schöddelt mer d’r Kopp

Der zweite Weltkrieg war eine Zäsur. Die fast totale Zerstörung der Stadt führte zu einer Renaissance der Kölschen Sprache. Sprache ist Heimat und Kölsch zu sprechen war identitätsstiftend und gab ein Gefühl von Zusammengehörigkeit in der schweren Nachkreigszeit.

Von der Gossensprache zur Kult

Ab den 1970er war es damit aber vorbei: Kölsch war die Sprache des Proletariats und des kriminellen Milieus. Kölsche Unterweltgrößen wie Schäfers Nas oder Dummse Tünn sprachen Kölsch – in den Familien hingegen wurde Kölsch verpönt. Kein Wunder, dass Peter Brings (Jahrgang 1964) in dem Hit „Kölsche Jung“ singt:

Deutsch Unterricht, dat wor nix för mich
denn ming Sprooch die jof et do nit.
„Sprech ödentlich“ hät de Mam jesaht
di Zeuchniss dat weed keene Hit.

Op d´r Stross han ich ming Sproch jeliehrt.

Die Renaissance der kölschen Sprache kam erst mit den Bläck Fööss und ihrem wunderbaren Umgang mit unserer Sprache. Die Musiker machten Kölsch auch außerhalb der Karnevalssäle wieder salonfähig. Die kölsche Band BAP sorgte ab Anfang der 80er Jahre dafür, dass Kölsch als Sprache in der Popkultur bundesweit bekannt wurde. Und mit den neuen Bands wie Kasalla, Cat Ballou, Miljö & Co. wurde Kölsch auch in jüngeren Zielgruppen wieder verstanden und teilweise auch gesprochen.

Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel
Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel

Eine Sprache lebt

Heute wird Kölsch in Köln und Umgebung von – hier sind sich die Sprachforscher sehr uneinig – 250.000 bis 750.000 Menschen gesprochen. Das Problem ist, dass die Unterschiede zwischen „echtem Kölsch“ und dem „Rheinischen Regiolekt“1Ein Regiolekt ist eine Umgangssprache, welche zwischen Basisdialekt und Standardsprache liegt. Das ist dann in unserer Region eher „Rheinisch“ mit dem typisch kölschen Tonfall, was von Außenstehenden für „Kölsch“ gehalten wird. fließend sind.

Sprachpuristen regen sich dabei über die Veränderung der kölschen Sprache auf und versuchen, diesen Prozess anzuhalten. Dabei wird vergessen, dass eine Sprache nur überleben kann, wenn sie auch tatsächlich gesprochen wird. Und somit unterliegt diese ständigen Veränderungen. Eine Sprache ist kein Museum, eine Sprache ist gelebter Alltag.

Daher: Loss se doch schwaade.


Eine Übersicht wunderschöner kölscher Ausdrücke findet ihr hier in meiner Rubrik „Kölsche Wörter“.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

 

 

 

 

 

 

Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil I)

Dieser Witz spiegelt das Selbstverständnis des Kölners wider: Unter der „göttlichen Sprache“ machen wir es schon gar nicht. Dabei ist die kölsche Sprache streng genommen kein Dialekt. Der Unterschied zu anderen Mundarten liegt darin, dass sich die deutschen Dialekte immer an hochdeutsche Texte anlehnten. Das bedeutet, dass vorhandene Texte in Mundart übersetzt wurden. Die kölsche Sprache hatte aber immer ihre eigenen Texte, die bestenfalls zurück ins Hochdeutsche übersetzt wurden und immer noch werden. Somit ist Kölsch eher eine eigenständige Sprache und kein Dialekt.

Der „Rheinische Fächer“ – Grenzen zwischen Sprache, Bier und Karneval tun sich auf

Köln, als ursprünglich römische Stadt, kam etwa Mitte des 5. Jahrhunderts unter fränkische Herrschaft. So wurde das offizielle Latein durch das germanische Fränkische verdrängt, allerdings mit regionalen Unterschieden. So entstand im Rheinland der „Rheinische Fächer“ mit den lokal verschiedenen Ausprägungen des Fränkischen.

Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Die am Rhein wohnenden Franken wurden Ripuaren1ripa = Flussufer genannt. In Köln wurde daher Ripuarisch, eine Variante des Fränkischen, gesprochen. Linguistisch gesehen ist Kölsch eine Variante des Ripuarischen.

Eine besondere Beachtung verdient die „Benrather Linie“ (im Bild oben mit „B“ bezeichnet) die auch als „maken-machen“-Linie bezeichnet wird. Genau an dieser Linie scheiden sich nicht nur sprachlich die Geister. Denn Köln liegt südlich, Düsseldorf nördlich von Benrath. Während man in unserer schönen Domstadt bei vielen Wörtern den „ch“-Laut wie in „Kachel“ spricht, wird daraus in dem Dorf weiter nördlich ein „k“-Laut: Das kölsche „Daach“ wird weiter nördlich zum „Daak“ oder der kölsche „Koche“ zum „Kock“.

Ziemlich genau an der Benrather Linie verläuft übrigens auch die Kölsch– und Altbier-Grenze. Und während der Kölsche mit dem korrekten Alaaf Karneval feiert, ruft der Düsseldorfer Helau. Hier wird die Benrather Linie zum Alaaf-Helau-Äquator.

Kölsch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert

Ripuarisch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert. Adam Wrede, der „Kölsche Sprachpapst“2Verfasser des Standardwerks „Neuer Kölnischer Sprachschatz“ geht davon aus, dass es noch bis zum 12./13. Jahrhundert gedauert hat, bis sich so etwas wie eine schriftliche Stadtsprache entwickelt hat.

Eindrucksvollster Beleg für diese Stadtsprache ist die Reimchronik des Gottfried von Hagen im Jahr 1270 – auch wenn das verwendete Ripuarisch für unsere Ohren heute kaum kölsch klingt. Wenn Gottfried von Hagen zum Beispiel „Häufig gibt es Regen nach Sonnenschein.“ ausdrücken will, schreibt er „ducke komet regen na sunne schine“. Da klingt immerhin so etwas wie „Sunnesching“ durch. Das wiederum versteht der Kölsche.

Auszug "Kölnische Reimchronik" (1270) von Gottfried von Hagen
Nachdruck „Kölnische Reimchronik“ (erschienen 1270) von Gottfried von Hagen

Ab etwa dem frühen 17. Jahrhundert wurde in Köln die niederfränkische Schriftsprache aufgegeben und zunehmend die sich entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache verwendet. Einhergehend damit ist auch eine Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache zu beobachten – die Kölner Mundart nach unserem heutigen Verständnis entsteht.

Umbruch in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Kölsch die Umgangssprache in der Domstadt. In dem Buch „Ausflug nach Köln“ äußerte Johanna Schopenhauer „Verstehen und sprechen muss diese Volkssprache jeder Einwohner von Köln.“

Nicht nur auf der Straße im Alltag wurde Kölsch gesprochen. Auch der „Kölsche Adel“, also alteingessene kölsche Familien, pflegten ihre kölsche Sprache. So soll der reiche Bankier Abraham Schaafhausen, Vater der Rheingräfin Sibylle Mertens-Schaafhausen und immerhin Präsident der Handelskammer, auschließlich kölsch gesprochen haben. Auch bei Verhandlungen am Gericht wurde kölsch gesprochen, genau wie bei Sitzungen des Stadtrats.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat dann plötzlich eine Wende ein. Mit dem Fortschreiten der industriellen Revolution kamen sehr viele Arbeiter nach Köln. Und diese sprachen Kölsch. Dadurch wurde die kölsche Sprache zur Sprache der Arbeiter. Das Bürgertum wiederum wollte sich von den Arbeitern auch mit der Sprache abgrenzen und sprach Hochdeutsch.

(wird fortgesetzt)


Im Teil II „Die Kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt“ werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Fööss dabei hatten.


Wer echtes Kölsch lernen will, kann sein Kölsch-Diplom an der „Akademie för uns kölsche Sproch“ machen.  Hier können Kölner und Nichtkölner einen Einblick in die kölsche Sprache und Kultur erhalten.

Etwas weniger aufwendig ist mein Tipp: Geht mal in eine kölsche Weetschaff op d´r Eck und stellt euch an die Theke. Spätestens nach dem fünften Kölsch klappt das auch mit der Sprache. Und falls ihr doch nichts verstehen solltet,  habt ihr zumindest Spaß gehabt.


Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Immer kurz & knackig, immer subjektiv und voreingenommen.

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung