Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil I)

Dieser Witz spiegelt das Selbstverständnis des Kölners wider: Unter der „göttlichen Sprache“ machen wir es schon gar nicht. Dabei ist die kölsche Sprache streng genommen kein Dialekt. Der Unterschied zu anderen Mundarten liegt darin, dass sich die deutschen Dialekte immer an hochdeutsche Texte anlehnten. Das bedeutet, dass vorhandene Texte in Mundart übersetzt wurden. Die kölsche Sprache hatte aber immer ihre eigenen Texte, die bestenfalls zurück ins Hochdeutsche übersetzt wurden und immer noch werden. Somit ist Kölsch eher eine eigenständige Sprache und kein Dialekt.

Der „Rheinische Fächer“ – Grenzen zwischen Sprache, Bier und Karneval tun sich auf

Köln, als ursprünglich römische Stadt, kam etwa Mitte des 5. Jahrhunderts unter fränkische Herrschaft. So wurde das offizielle Latein durch das germanische Fränkische verdrängt, allerdings mit regionalen Unterschieden. So entstand im Rheinland der „Rheinische Fächer“ mit den lokal verschiedenen Ausprägungen des Fränkischen.

Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Die am Rhein wohnenden Franken wurden Ripuaren1ripa = Flussufer genannt. In Köln wurde daher Ripuarisch, eine Variante des Fränkischen, gesprochen. Linguistisch gesehen ist Kölsch eine Variante des Ripuarischen.

Eine besondere Beachtung verdient die „Benrather Linie“ (im Bild oben mit „B“ bezeichnet) die auch als „maken-machen“-Linie bezeichnet wird. Genau an dieser Linie scheiden sich nicht nur sprachlich die Geister. Denn Köln liegt südlich, Düsseldorf nördlich von Benrath. Während man in unserer schönen Domstadt bei vielen Wörtern den „ch“-Laut wie in „Kachel“ spricht, wird daraus in dem Dorf weiter nördlich ein „k“-Laut: Das kölsche „Daach“ wird weiter nördlich zum „Daak“ oder der kölsche „Koche“ zum „Kock“.

Ziemlich genau an der Benrather Linie verläuft übrigens auch die Kölsch– und Altbier-Grenze. Und während der Kölsche mit dem korrekten Alaaf Karneval feiert, ruft der Düsseldorfer Helau. Hier wird die Benrather Linie zum Alaaf-Helau-Äquator.

Kölsch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert

Ripuarisch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert. Adam Wrede, der „Kölsche Sprachpapst“2Verfasser des Standardwerks „Neuer Kölnischer Sprachschatz“ geht davon aus, dass es noch bis zum 12./13. Jahrhundert gedauert hat, bis sich so etwas wie eine schriftliche Stadtsprache entwickelt hat.

Eindrucksvollster Beleg für diese Stadtsprache ist die Reimchronik des Gottfried von Hagen im Jahr 1270 – auch wenn das verwendete Ripuarisch für unsere Ohren heute kaum kölsch klingt. Wenn Gottfried von Hagen zum Beispiel „Häufig gibt es Regen nach Sonnenschein.“ ausdrücken will, schreibt er „ducke komet regen na sunne schine“. Da klingt immerhin so etwas wie „Sunnesching“ durch. Das wiederum versteht der Kölsche.

Auszug "Kölnische Reimchronik" (1270) von Gottfried von Hagen
Nachdruck „Kölnische Reimchronik“ (erschienen 1270) von Gottfried von Hagen

Ab etwa dem frühen 17. Jahrhundert wurde in Köln die niederfränkische Schriftsprache aufgegeben und zunehmend die sich entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache verwendet. Einhergehend damit ist auch eine Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache zu beobachten – die Kölner Mundart nach unserem heutigen Verständnis entsteht.

Umbruch in der Mitte des 19. Jahrhunderts

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Kölsch die Umgangssprache in der Domstadt. In dem Buch „Ausflug nach Köln“ äußerte Johanna Schopenhauer „Verstehen und sprechen muss diese Volkssprache jeder Einwohner von Köln.“

Nicht nur auf der Straße im Alltag wurde Kölsch gesprochen. Auch der „Kölsche Adel“, also alteingessene kölsche Familien, pflegten ihre kölsche Sprache. So soll der reiche Bankier Abraham Schaafhausen, Vater der Rheingräfin Sibylle Mertens-Schaafhausen und immerhin Präsident der Handelskammer, auschließlich kölsch gesprochen haben. Auch bei Verhandlungen am Gericht wurde kölsch gesprochen, genau wie bei Sitzungen des Stadtrats.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat dann plötzlich eine Wende ein. Mit dem Fortschreiten der industriellen Revolution kamen sehr viele Arbeiter nach Köln. Und diese sprachen Kölsch. Dadurch wurde die kölsche Sprache zur Sprache der Arbeiter. Das Bürgertum wiederum wollte sich von den Arbeitern auch mit der Sprache abgrenzen und sprach Hochdeutsch.

(wird fortgesetzt)


Im Teil II „Die Kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt“ werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Fööss dabei hatten.


Die "Akademie för uns kölsche Sproch"steht für den Erhalt und die Förderung einer lebendigen und zeitgemäßen kölschen Sprache, die immer auch mit der Geschichte und Kultur der Stadt Köln sowie den vielfältigen Lebensarten ihrer Bewohner in Zusammenhang steht.

Wer echtes Kölsch lernen will, kann sein Kölsch-Diplom an der „Akademie för uns kölsche Sproch“ machen.  Hier können Kölner und Nichtkölner einen Einblick in die kölsche Sprache und Kultur erhalten.

Etwas weniger aufwendig ist mein Tipp: Geht mal in eine kölsche Weetschaff op d´r Eck und stellt euch an die Theke. Spätestens nach dem fünften Kölsch klappt das auch mit der Sprache. Und falls ihr doch nichts verstehen solltet,  habt ihr zumindest Spaß gehabt.


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Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil II)

Über die Entwicklung der kölschen Sprache bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte dieses Köln-Ding der Woche informiert: Die kölsche Sprache – mehr als nur ein Dialekt (Teil I).

Heute werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Fööss dabei hatten.


Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste Köln ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. Neue Erfindungen wie zum Beispiel die Gasmotoren von Nicolaus Otto und die Entwicklung Kölns zum Eisenbahnknoten im Westen führten zu einem großen Bevölkerungswachstum.

Lag die Einwohnerzahl zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bei etwa 40.000 Bürgern, wuchs Köln bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf etwa 375.000 Menschen. Mit dem Zuzug von Menschen aus allen Teilen des Deutschen Reichs bis hin nach Polen ergab sich die Notwendigkeit, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Zudem waren in der Garnisonsstadt Köln unter preußischer Verwaltung etwa 8.000 Soldaten inklusive Familien stationiert. Und die – nach dem Empfinden der Kölner steifen –  Preußen sprachen Hochdeutsch. Die Folge: Kölsch verschwand aus dem Alltag.

Auch nach dem 1. Weltkrieg bis in die 1930er Jahre wuchs Köln weiterhin rasant: Die Anzahl der Kölner Bürger stieg bis 1939 auf fast 750.000 Bürger. Mundartsänger wie Willi Ostermann beklagten dann auch „dä fremde Krom“ in der Stadt und das Aussterben der Muttersprache. In dem Lied „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ lautet es:

Dä fremde Krom, et es doch ze beduure,
als ahle Kölsche schöddelt mer d’r Kopp

Der zweite Weltkrieg war eine Zäsur. Die fast totale Zerstörung der Stadt führte zu einer Renaissance der Kölschen Sprache. Sprache ist Heimat und Kölsch zu sprechen war identitätsstiftend und gab ein Gefühl von Zusammengehörigkeit in der schweren Nachkriegszeit.

Von der Gossensprache zur Kult

Ab den 1970er war es damit aber vorbei: Kölsch war die Sprache des Proletariats und des kriminellen Milieus. Kölsche Unterweltgrößen wie Schäfers Nas oder Dummse Tünn sprachen Kölsch – in den Familien hingegen wurde Kölsch verpönt. Kein Wunder, dass Peter Brings (Jahrgang 1964) in dem Hit „Kölsche Jung“ singt:

Deutsch Unterricht, dat wor nix för mich
denn ming Sprooch die jof et do nit.
„Sprech ödentlich“ hät de Mam jesaht
di Zeuchniss dat weed keene Hit.

Op d´r Stross han ich ming Sproch jeliehrt.

Renaissance durch die Bläck Fööss

Die Renaissance der kölschen Sprache kam erst mit den Bläck Fööss und ihrem wunderbaren Umgang mit unserer Sprache. Die Musiker machten Kölsch auch außerhalb der Karnevalssäle wieder salonfähig. Die kölsche Band BAP sorgte ab Anfang der 80er Jahre dafür, dass Kölsch als Sprache in der Popkultur bundesweit bekannt wurde. Und mit den neuen Bands wie Kasalla, Cat Ballou, Miljö & Co. wurde Kölsch auch in jüngeren Zielgruppen wieder verstanden und teilweise auch gesprochen.

Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel
Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel

Eine Sprache lebt

Heute wird Kölsch in Köln und Umgebung von – hier sind sich die Sprachforscher sehr uneinig – 250.000 bis 750.000 Menschen gesprochen. Das Problem ist, dass die Unterschiede zwischen „echtem Kölsch“ und dem „Rheinischen Regiolekt“1Ein Regiolekt ist eine Umgangssprache, welche zwischen Basisdialekt und Standardsprache liegt. Das ist dann in unserer Region eher „Rheinisch“ mit dem typisch kölschen Tonfall, was von Außenstehenden für „Kölsch“ gehalten wird. fließend sind.

Sprachpuristen regen sich dabei über die Veränderung der kölschen Sprache auf und versuchen, diesen Prozess anzuhalten. Dabei wird vergessen, dass eine Sprache nur überleben kann, wenn sie auch tatsächlich gesprochen wird. Und somit unterliegt diese ständigen Veränderungen. Eine Sprache ist kein Museum, eine Sprache ist gelebter Alltag.

Daher: Loss se doch schwaade.


Eine Übersicht wunderschöner kölscher Ausdrücke findet ihr hier in meiner Rubrik „Kölsche Wörter“.


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Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z, Teil III: Von „Lachende Kölnarena“ bis „Orden“

Collage Karnevalsbegriffe Teil III

Podcast Karnevalsbegriffe I, 32

Podcast Karnevalsbegriffe II, 33

Der Kölner Karneval ist bunt und vielfältig. Und sehr speziell. Diese Übersicht der wichtigsten Karnevalsbegriffe soll Einheimischen und Imis helfen, sich im Fastelovend zurechtzufinden.

Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:


Nur an Karneval wird die Lanxess-Arena zur "Kölnarena"
Nur an Karneval wird die Lanxess-Arena zur „Kölnarena“

Lachende Kölnarena

Eine echte Besonderheit im Sitzungskarneval: Hier dürfen Speisen und Getränke selbst mitgebracht werden. Und so schleppen die Jecken hunderte Fässchen, Unmengen Käsewürfel und kiloweise Frikadellen nach Deutz. Deshalb nennt man diese Sitzung auch „Kölns größte Frikadellenbörse“.

Mit rund 10.000 Besuchern bei jeder der bis zu 15 Veranstaltungen pro Session ist die Lachende Kölnarena das Schwergewicht unter den Sitzungen. Und hier treten wirklich ALLE wichtigen Akteure auf. Besonders schön ist der Mini-Rosenmontagszug zu Beginn jeder Sitzung. Hier ziehen Gruppen und Korps aus dem Fastelovend einmal durch das Rund der Arena – mit dem Dreigestirn als Höhepunkt.


Detailansichten: Lappenclown (links), Richter-Fenster (rechts), Bilder: Uli Kievernagel
Detailansichten: Lappenclown (links), Richter-Fenster (rechts), Bilder: Uli Kievernagel 

Lappenclown / Pluutemann

Das Karnevalskostüm schlechthin, natürlich immer selbst geschneidert. Kleines Problem: Die vielen Stofflagen sind perfekt für den Straßenkarneval an kalten Tagen. Sobald man damit aber eine Kneipe betritt, in der das Wasser schon an den Wänden herunterläuft, erleidet man in diesem Kostüm trotz intensiver Kölsch-Zufuhr in wenigen Minuten den Hitzetod.

Übrigens: Der echte Lappeclown weiß, dass das Richter-Fenster im Dom eine Hommage an ihn ist.


Pfarrsitzungen sind bunt, bodenständig und bezahlbar, wie hier in St. Pius, Köln-Zollstock, Bild: Uli Kievernagel
Ohne Literat gibt es keien Sitzung, er ist der „Programmacher“ wie zum Beispiel Bodo Schmitt, Literat der Pfarrsitzungen in St. Pius, Köln-Zollstock, Bild: Uli Kievernagel

Literat

Die heimliche Macht im Sitzungskarneval. Er wirkt unscheinbar im Hintergrund, zieht aber alle Fäden im organisierten Karneval: der Literat. Er stellt das Programm der Sitzungen zusammen und bucht die Redner, Bands und Tanzgruppen. Die Literaten treffen sich am Literatenstammtisch – von den Kölnern auch „Mafia des Kölner Karnevals“ genannt.


 

Das 2019er Motto von :Loss mer singe lautet "Mer levve uns Leeder"

Loss mer singe!

So klingt Karneval! Entstanden in der Session 1999/2000 aus einer Bierlaune heraus. Georg Hinz wollte seine Freunde fit für den Karneval machen, verteilte Liedzettel, spielte ihnen die neuesten Sessionshits vor und ließ dann abstimmen. Das war die Geburtsstunde von Loss mer singe!

Heute gehört das gemeinsame Singen in über 50 Kneipen und Sälen zum Pflichtprogramm für tausende Karnevalisten. An dem genialen Konzept „Mitsingen, Mitfeiern, Mitstimmen, Mitmachen“ hat sich nichts geändert. Und das ist auch gut so.


Marie Luise Nikuta auf der Bühne zur ColognePride 2006, Bild: Raimond Spekking
Kölns unumstittene Motto-Queen: Marie Luise Nikuta, Bild: Raimond Spekking

Motto

Jedes Jahr gibt das Festkomitee ein neues Karnevalsmotto für die kommende Session aus. Dabei gab es auch schon das ein oder andere verunglückte Motto wie „Rosen, Tulpen und Narzissen, das Leben könnte so schön sein“ (1970), „Nix bliev wie et es – aber wir werden das Kind schon schaukeln“ (1997) oder „E Fastelovendsfoßballspill“ (2006).

Unvergessen ist auch eines der Rituale des kölschen Fasteleers: Wenn das Festkomitee am Veilchendienstag das Sessionsmotto für die kommende Session bekannt gab, dauerte es kaum eine Stunde, bis die gut gelaunte Motto-Queen Marie-Luise Nikuta bereits per Telefon im Radio das entsprechende Sessionslied trällerte. So schnell wie die „Motto-Queen“ war sonst niemand.


Muuzemändelcher mit ordentlich Zucker, Bild: siepmanH / pixelio.de
Muuzemändelcher mit ordentlich Zucker, Bild: siepmanH / pixelio.de

Muuzemandeln

Muuzemandeln, auch Nonnenfürzchen genannt, gehören neben den Mettbrötchen zu den Grundnahrungsmitteln der Fastnacht. Man nehme Mehl, Zucker, Eier, Butter und gemahlene Mandeln. Alles zusammen vermischt und in kleinen Portionen frittiert, ergibt eine leckere Grundlage für einen tollen Karnevalstag. Ein klassisches Rezept gibt es auf der Website des WDR.


Stolz tragen die Jecken ihre ganz besonderen Narrenkappen, Bild: Uli Kievernagel
Stolz tragen die Jecken ihre ganz besonderen Narrenkappen, Bild: Uli Kievernagel

Narrenkappe

Eigentlich „nur“ die Kopfbedeckung des Jecken. Eigentlich. Tatsächlich ist die Narrenkappe so viel mehr, insbesondere ein Statussymbol und Erkennungsmerkmal.

Es war ausgerechnet ein Preuße, der Generalmajor Baron Czettritz, der am 14. Januar 1827 dem Festordnenden Comité1heute: Festkomitee vorschlug: „daß wir … als Unterscheidungszeichen der Eingeweihten ein kleines buntfarbenes Käppchen während unserer Versammlungen aufsetzen, um diejenigen, die hier unberufen eindringen, erkennen und nach Verdienst abweisen zu können.“

Die Karnevalisten nahmen seinen Vorschlag begeistert auf. Heute hat jede Karnevalsgesellschaft ihre Kappen in jeweils eigener, spezieller Farbkombination. Bei sogenannten „Mützenapellen“ wird peinlich genau darauf geachtet, dass diese auch getragen wird. Bei der Prinzenproklamation ist die korrekt sitzende Narrenkappe tatsächlich das wichtigste Bekleidungsstück.

Kleiner Wermutstropfen für die Kölschen Karnevalisten: Die älteste noch erhaltene Narrenkappe stammt aus dem Jahr 1840 und wurde nicht in Köln sondern in Speyer gefunden.

Übrigens: Die „kleine Schwester“ der Narrenkappe ist das Krätzje.


Ein typischer Nubbel am Eingang einer kölschen Kneipe, Bild: Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Ein typischer Nubbel am Eingang einer kölschen Kneipe, Bild: Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Nubbel

Wer ist das schuld? Dä Nubbel! Eine sensationelle Erfindung: Eine Strohpuppe wird von außen an der Kneipe angebracht. Und an Karnevalsdienstag verbrannt. Mit der Strohpuppe gehen alle Sünden in Rauch auf und mann kann neu anfangen. Zugegeben: Das ist ganz praktisch! Wir feiern heftig Karneval, schlagen über die Stränge und schuld ist immer nur dä Nubbel.

Die ersten Nubbel wurden im Rheinland ab etwa Anfang des 19. Jahrhunderts verbrannt. Allerdings ist der Begriff „Nubbel“ recht neu und stammt aus den 1950er Jahren. Bis dahin war der Begriff „Zachaies“ geläufig. Gleiches Prinzip, nur anderer Begriff: Eine Figur muss für die Verfehlungen einstehen. Dabei steht der Nubbel jedes Jahr wieder neu auf, er entsteht also aus seiner eigenen Asche.

Einige Veedel haben Abwandlungen des Nubbels erfunden: Auf der Merowinger Straße in der Kölner Südstadt steht der Nubbel nicht für begangenen Sünden, sondern für das letzten Rest Rebellion in uns allen: Rebellion gegen Intoleranz, Rassismus und Hass. Folgerichtig wird die Asche des verbrannten Nubbels in kleine, durchlöcherte Säcke gefüllt und an mit Helium gefüllte Luftballons gebunden. Beim Aufstieg in den Himmel soll dann die Asche des Nubbels auf uns niederrieseln und den Geist der Rebellion anfachen. Deshalb hofft man auch auf Südwind. So kann sich die Asche vor allem über die Nobelviertel Marienburg und Hahnwald verteilen.

Einen ganz anderen Weg geht der Bürgerverein RADERBERG und -THAL im Kölner Süden: Bereits weit vor Karneval verteilt der Verein im ganzen Viertel „Sündenkarten“. Darauf können die Jecken ihre individuellen Sünden eintragen und an die Pinnwand „Beichtstuhl“ in der Veedelskneipe hängen. Am Karnevalsdienstag treffen sich dann in bester Ökumene der evangelische und katholische Pfarrer mit den Jecken. Gemeinsam zitieren, bewerten und vergeben (soweit möglich) die beiden Geistlichen die „schönsten“ Sünden bevor diese verbrannt werden. Gleiches Prinzip wie beim Nubbel: Auch hier ist der Sünder somit befreit von der Sündenlast und kann unbeschwert weiterfeiern.


Begehrenswerte Objekte : Karnevalsorden
Begehrenswerte Objekte : Karnevalsorden

Orden

Die Bedeutung von Statussymbolen im Karneval kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die maßgeschneiderten Uniformen der Traditionskorps wie z.B. der Roten Funken oder auch die prunkvollen Mützen der Präsidenten zeigen, wie eitel viele Karnevalisten sind.

Zu den wichtigsten Statussymbolen aber zählen die Karnevalsorden. Ein nackter, ohne Orden geschmückter, Hals ist im organisierten Karneval fast schon als peinlich zu bezeichnen.


Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:


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Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z, Teil II: Von „Geisterzug“ bis „Krätzje“

 

 

 

 

 

 

Podcast Karnevalsbegriffe I, 32

Podcast Karnevalsbegriffe II, 33

Der Kölner Karneval ist bunt und vielfältig. Und sehr speziell. Diese Übersicht der wichtigsten Karnevalsbegriffe soll Einheimischen und Imis helfen, sich im Fastelovend zurechtzufinden.

Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:


Schaurig, schön, anarchisch: Der Kölner Geisterzug, Bild: Kölner Ähzebär un Ko e.V.
Schaurig, schön, anarchisch: Der Kölner Geisterzug, Bild: Kölner Ähzebär un Ko e.V.

Geisterzug

Die genauen Anfänge des Karnevals lassen sich nicht exakt bestimmen. Eine Herleitung des Karnevals basiert darauf, dass im Frühjahr die Geister, welche im Haus überwinterten, aus dem Haus vertrieben wurden. Anschließend sollten sie dafür sorgen,  dass pünktlich zur Aussaat die Erde wieder fruchtbar wird. Daher wurde in der Nacht ein „Geisterzug“ zur Austreibung der Geister veranstaltet. Somit haben die Geisterzüge nicht nur in Köln eine lange Tradition.

Aufgrund des großen Erfolgs des spontanen 1991er-Rosenmontagszochs wurde der Kölner Geisterzug im folgenden Jahr wiederbelebt. Getragen vom Verein „Ähzebär un Ko e.V.“ geht dieser Zug seit 1992 jeweils Karnevalssamstag durch die Stadt. Anders als bei den traditionellen Zügen kann hier jeder Jeck ohne Anmeldung einfach ein Stück oder auch den ganzen Zug mitlaufen. Der Zugweg wird jedes Jahr passend zum Motto neu festgelegt.


Der Gürzenich, Bild: pedelecs
Der Gürzenich, Bild: pedelecs

Gürzenich

Der Gürzenich ist Kölns wichtigster Saal zum Feiern. In „Kölns guter Stube“ wird bereits seit 1822 Karneval gefeiert. Und hier findet auch das „Hochamt des Karnevals“ statt: Die Prinzenproklamation.


Hofburg

What happens in Hofburg stays in Hofburg!

Die Hofburg ist der Wohnsitz des Dreigestirns während der Karnevalszeit. Jeweils Anfang Januar beziehen Prinz, Bauer und Jungfrau mit ihrer Entourage das Hotel, in welchem sie während der Karnevalszeit wohnen. Aktuell ist dies das Dorint am Heumarkt. Vorher war dies 47 Jahre lang das Pullmann Hotel.

Das Dreigestirn mit seinem Gefolge bewohnt zehn Zimmer auf der siebten Etage. Und diese Etage ist tatsächlich die einzige echte Rückzugsmöglichkeit des Dreigestirns.  Der Zutritt für alle – außer dem absoluten engsten Kreis- ist streng verboten.


Die Hausband der Immisitzung rockt das Bürgerhaus Stollwerck, Bild: Jassin Eghbal
Die Hausband der Immisitzung rockt das Bürgerhaus Stollwerck, Bild: Jassin Eghbal

Immisitzung

Unter dem Motto „Jeder Jeck ist von woanders“ feiern seit 2010 Kölner und Zugezogene aus der ganzen Welt Karneval in einer ganz besonderen Sitzung.

Dabei spielt die Immistzung mit dem Begriff „Imi“: Als „Imi“ werden in Köln alle Zugezogenen oder „unechten“ Kölner bezeichnet. Der Imi versucht also, den Kölner zu imitieren. Zuerst aufgetaucht ist dieser Begriff in dem Lied Sag´ens Blotwoosch von Gerd Jussenhoven:

„Sag ens Blotwoosch, ich garranteeren der,
wer nit richtig Blotwoosch sage kann, dat es
´ne Imi, ´ne Imi, ´ne Imi, ´ne imitierte Kölsche ganz gewess.
´ne Imi, ´ne Imi, ´ne imitierte Kölsche ganz gewess.“

Bei der „Immisitzung“ steht das zweite „m“ für „Immigranten“. Dabei ist völlig unerheblich, ob diese aus Bayern, Botswana, Ostfriesland oder Osttimor kommen. Das Ensemble der Immisitzung ist genauso gemischt wie das Publikum im Saal.


Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Jan & Griet

Eine ursprünglich urkölsche Geschichte von verschmähter Liebe. Das Reiterkorps Jan von Werth – eine der renommiertesten Karnevalsgesellschaften in Köln – stellt jedes Jahr an Weiberfastnacht vor der Severinstorburg auf dem Chlodwigplatz die Geschichte von Jan & Griet nach. Diese Aufführung gipfelt in den in Köln weltbekannten Aussprüchen „Jan, wer et hät jewoss.“ und „Griet, wer et hät jedonn.“


Unzählige Jecke am Rosenmontagszug , Bild: ngocchat1014, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Unzählige Jecke am Rosenmontagszug , Bild: ngocchat1014, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Jecke

Der Jeck ist der Narr. Manche Menschen erleben an Karneval eine echte Mutation: Das ganze Jahr über übel gelaunt und sauertöpfisch, aber sobald sie die Mütze ihres Karnevalsvereins stolz auf dem Kopf tragen, werden sie urplötzlich zum Jeck.

Und dann gibt es noch die Frohnaturen, die nicht nur zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch Spaß an d´r Freud haben. Das sind dann die echten Jecken.


Wer laut ruft wird belohnt: Es regnet Kamelle vom Himmel, Bild: Superbass, via Wikimedia Commons
Wer laut ruft wird belohnt: Es regnet Kamelle vom Himmel, Bild: Superbass, via Wikimedia Commons

Kamelle

Kamelle ist der Sammelbegriff für alle Arten von Süßigkeiten, die in den verschiedenen Karnevalszügen unters Volk gebracht werden. Merke: Je lauter du am Zugweg rufst, umso besser wird deine Ausbeute sein.


Eher als Stütze denn zum Schießen geeignet: Der Funk ganz rechts stützt sich auf seiner Knabüss ab, Bild: Raimond Spekking
Eher als Stütze denn zum Schießen geeignet: Der Funk ganz rechts stützt sich auf seiner Knabüss ab, Bild: Raimond Spekking

Knabüß

Sie kommen – trotz militärisch aussehender Uniformen – in friedlicher Absicht: Die Roten Funken. Um dies zu unterstreichen, tragen die Funken zwar ein als „Knabüß“ bezeichnetes Gewehr, doch dieses ist selbstverständlich nicht funktionstüchtig. Und im Lauf steckt immer ein rot/weißes Blümchen. „Make love, not war“ op kölsch.


Ein Köbes bei der Arbeit, Bild: Privatbrauerei Gaffel
Ein Köbes bei der Arbeit, Bild: Privatbrauerei Gaffel

Köbes

Vielleicht der wichtigste Mann – nicht nur im Karneval: Der Kellner, in Köln „Köbes“ genannt. Er bringt das Kölsch und – anders als in allen Gaststätten der Welt – ist der Köbes der König, nicht der Gast. 


Das 10 Liter-Fass von Früh trägt den Namen "Pitter", Bild: Früh Kölsch
10 Liter flüssiges Gold: Ein Kölsch-Fass, Bild: Früh Kölsch

Kölsch

Bestellt doch einfach mal ein obergäriges, helles, gefiltertes, hopfenbetontes, in einer Kölner Stange serviertes und in Köln gebrautes Bier.
Da diese Bestellung spätestens nach dem zehnten Getränk schwerfällt, könnt ihr auch einfach ein Kölsch bestellen. Ist dasselbe.


Stolz präsentiert dieser Jeck sein "Reiterstaffel-Kostüm", Bild: Uli Kievernagel
Stolz präsentiert dieser Jeck sein „Reiterstaffel-Kostüm“, Bild: Uli Kievernagel

Kostüm

Ohne Kostüm geht im Karneval nichts. Es sei denn, man ist zu Besuch auf einer Gala-Sitzung mit dem dezenten Hinweis „Um Abendgarderobe wird gebeten.“ Dann hilft nur: Hinein ins kleine Schwarze oder in den Anzug. Oder nicht hingehen.

Auf allen anderen Veranstaltungen ist erlaubt, was gefällt. Ob als zwei Meter große Biene Maja, Lappenclown – egal. Nur bitte nicht in den unsäglichen Polizei-SWAT-Militär-Kostümen. Dat es Driss!


Ein Kranz Kölsch - sehr praktisch, weil kein Glas herunterfallen kann, Bild: Privatbrauerei Gaffel
Ein Kranz Kölsch – sehr praktisch, weil kein Glas herunterfallen kann, Bild: Privatbrauerei Gaffel

Kranz

Wenn ihr mit mehreren Menschen unterwegs seid, bestellt man nie nur ein Kölsch für sich, sondern einen ganzen Kranz. Damit ist das spezielle Kölsch-Tablett gemeint, in welches die Kölsch Stangen exakt und sturzsicher reinpassen.

Profis bestellen übrigens den „Doppelten Kranz“. Dann wird auch der obere Teil des Kranzes mit Kölsch vollgepackt.


Der "Singende Prinz" Wicky Junggeburth, Bild: Oliver Abels (SBT), CC BY-SA 3.0
Ein begnadeter Krätzchensänger und sehr sympathischer, hilfsbereiter Mensch: Wicky Junggeburth, Bild: Oliver Abels (SBT), CC BY-SA 3.0

Krätzje I: Lied

Fast war das Krätzchen tot! Doch dann kamen begnadete Karnevalisten wie Wicky Junggeburth, Martin Schopps, J.P. Weber oder Philipp Oebel und haben dieser uralten Tradition neues Leben eingehaucht. Und der begnadete Günter Schwanenberg singt nicht nur hervorragend ausgewählte Krätzjer, sondern ordnet diese auch historisch ein und erklärt die Hintergründe.  

Das Krätzje ist ähnlich wie der mittelalterliche Bänkelgesang ein minimal instrumentiertes und auf einer einfachen Melodie vorgetragenes Lied, welches immer eine Geschichte erzählt. Adam Wrede1Neuer Kölnischer Wortschatz definiert das Krätzje als „Erzählung eines Streiches, ein Schwank, eine Schnurre, ein heiteres Stücklein, lustiges Verzällche teils harmloser, teils derber Art.“


Ein Krätzchen, hier das Modell der "Blauen Funken", Bild Raimond Speking
Ein Krätzchen, hier das Modell der „Blauen Funken“, Bild Raimond Speking

Krätzje II: Mütze

Ein Krätzje auf dem Kopp ist das Erkennungszeichen der Karnevalsvereine. In der Form eines Schiffchens und selbstverständlich in den Farben des Vereins trägt der Karnevalist seine (karnevalistische) Herkunft auf Kopf zur Schau. Bei den organisierten Karnevalisten gerne auch aufwändig bestickt ist das Krätzje die kleine Schwester der großen Karnevalsmütze mit Bommeln und Perlen.


Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:


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Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z, Teil IV: Von „Ornat“ bis „Ratsbläser“

Collage Karnevalsbegriffe Teil IV

Podcast Karnevalsbegriffe I, 32

Podcast Karnevalsbegriffe II, 33

Der Kölner Karneval ist bunt und vielfältig. Und sehr speziell. Diese Übersicht der wichtigsten Karnevalsbegriffe soll Einheimischen und Imis helfen, sich im Fastelovend zurechtzufinden.

Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:

Zweimol Prinz so sin: Das doppelte Dreigestirn der Sessionen 2020/21 und 2021/22, Bild: Festkomitee Kölner Karneval
Das Dreigestirn der Session 2021/22 im Ornat, Bild: Festkomitee Kölner Karneval

Ornat

Ein Ornat ist eine festliche Amtstracht und wird zum Beispiel vom Papst oder von Königen getragen. In Köln haben wir schon lange keine Könige mehr, deshalb tragen unsere ganz besonderen Herrscher, das Dreigestirn, Ornate.

Im Gegensatz zu einer Verkleidung, zum Beispiel als Clown oder Pirat, wird der Träger des Ornats zu dieser Figur. Deswegen sind die Gewänder des Dreigestirns bis zur Proklamation nur Kostüme und werden erst dann zu Ornaten.


Steckenpferde statt echter Pferde: Eine echte Alternative für den Rosenmontagszug, Bild: Festkomitee Kölner Karneval
Steckenpferde statt echter Pferde: Eine echte Alternative für den Rosenmontagszug, Bild: Festkomitee Kölner Karneval

Pääd

Ein Pääd ist ein Pferd. Traditionalisten beharren darauf, diese Tiere im Rosenmontagszug einzusetzen. So laufen im Kölner Rosenmontagszug etwa 300 Tiere mit. Das ist nicht unumstritten: Tierschützer weisen darauf hin, dass es für die als Fluchttiere bekannten Pferde puren Stress bedeutet, durch die prall gefüllte und sehr laute Stadt zu laufen. Tatsächlich sind aus den vergangenen Jahren Fälle bekannt, in denen Tiere mit Medikamenten ruhig gestellt wurden.

Nicht erst seit Rosenmontag 2018, als die Pferde einer Kutsche im Kölner Rosenmontagszug durchgingen, wird der Ruf nach einem Verbot von Pferden im Zug immer lauter. Damals wurden fünf Menschen verletzt und mussten ins Krankenhaus. Ein Jahr zuvor war ein Pferd mitten im Zug gestürzt, vermutlich wegen eines Kreislaufkollapses.

Die Bonner Jecken haben reagiert und Pferde aus dem Zug verbannt, die Düsseldorfer setzen alle berittenen Gruppen an die Spitze des Rosenmontagszuges, um die Wartezeiten für die Tiere zu minimieren.

In Köln gibt es strenge Auflagen: Reiter im Zug müssen mindestens 35 Reitstunden pro Jahr nachweisen. Und es gibt eine Gewichtslimit: Der Reiter oder die Reiterin darf nicht mehr als 15 Prozent des Pferdegewichtes wiegen. Das heißt: bei einem eher großen Tier von 600 kg darf der Reiter oder die Reiterin maximal 90 kg wiegen. Bei einem durchschnittlich schweren Tier von 420 kg sind es nur noch 63 kg. Da wird wohl mancher stattliche Funkenoffizier im Rosenmontagszug zu Fuß gehen müssen!


Rote Nase anziehen und fertig ist das schnellste Karnevalskostüm, Bild: studionone, Pixabay
Rote Nase anziehen und fertig ist das schnellste Karnevalskostüm, Bild: studionone, Pixabay

Pappnas

Die Notverkleidung, wenn es schnell gehen muss: Rote Nase auf und man ist zumindest ein bisschen verkleidet. Dabei wirkt die rote Nase auch ganzjährig als „kölsches Psychopharmaka“: Aufsetzen, in den Spiegel schauen und es dauert (auch bei Westfalen) maximal eine halbe Sekunde, bis die Laune wieder besser wird. Macht leicht süchtig, aber was soll’s, es gibt keine Nebenwirkungen.


Das 10 Liter-Fass von Früh trägt den Namen "Pitter", Bild: Früh Kölsch
Ein 10 Liter-Fass bezeichnet der Kölner als „Pittermännchen„, Bild: Früh Kölsch

Pittermännchen

Zehn Liter flüssiges Gold – ein Pittermännchen ist (abgesehen von den Fünf-Litern-Blechbüchsen) das kleinste Kölschfässchen. Und „flüssiges Gold“ ist durchaus ernst zu nehmen: Je nach Lokalität verlangt der Wirt bis zu 120 Euro für ein Pittermännchen.


Einzug der Plaggenträger in den Kölner Dom, Ausschnitt aus einem Video des Colombina Colonia e. V.
Einzug der Plaggenträger in den Kölner Dom, Ausschnitt aus einem Video des Colombina Colonia e. V.

Plagge

Die Fahne oder Standarte einer Karnevalsgesellschaft nennt man „Plagge“. Stolz trägt der „Plaggenträger“ diese Fahne bei jedem Einmarsch in einen Saal vorneweg. Besonders eindrucksvoll: Der Einzug der Plaggen bei der traditionellen Karnevalsmesse im Kölner Dom.


Frisch proklamiert: Das Kölner Dreigestirn 2021 mit Pritsch (Prinz), Schlüssel (Bauer) und Speigel (Jungfrau)
Frisch proklamiert: Das Kölner Dreigestirn 2021 mit Pritsch (Prinz), Schlüssel (Bauer) und Speigel (Jungfrau)

Prinzenproklamation

Die Prinzenproklamation (PriPro) ist das mit Abstand wichtigste gesellschaftliche  Ereignis in Köln. Jeweils Anfang Januar proklamiert (ernennt) die Oberbügermeisterin bzw. der Oberbürgermeister feierlich im Gürzenich das Dreigestirn und überreicht die Insignien: Die Pritsche für den Prinzen, die Stadtschlüssel für den Bauern und den Spiegel für die Jungfrau.

Doch dieser feierliche Akt ist nur der Rahmen für ein Treffen der kölschen Würdenträger, Entscheider und Führungskräfte. Denn: Für die PriPro kann man keine Eintrittskarten kaufen, das Festkomitee lädt ein. Welchen “Rang“ man in diesem erlauchten Kreis einnimmt, macht die Sitzordnung deutlich. An der Frage, wie weit weg der Platz von der Bühne liegt, ist schon manches (karnevalistisches) Ego zerbrochen. Was aber spätestens nach der Hälfte der Veranstaltung auch keine Rolle mehr spielt, den dann sind die Plätze im Saal ohnehin leer und die Theken im Foyer voll.

Um es mit den Worten von Volker Weininger („Der Sitzungspräsident“) zu sagen: „Auf der PriPro werden mehr Geschäfte gemacht als in vier Wochen Hannover Messe. Und wer hier ohne Baugenehmigung rausgeht, ist es selbst schuld.“


Der Kölner Karnevalsprinz Ludwig (1898) mit Pritsch, Bild: Festkomitee Kölner Karneval
Der Kölner Karnevalsprinz Ludwig (1898) mit Pritsch, Bild: Festkomitee Kölner Karneval

Pritsch

Auf der Proklamation erhält der Prinz als Zeichen seiner Macht die „Pritsch“. Diese Pritsch (man könnte auch „Klatsche“ sagen) kann auch zur Züchtigung eingesetzt werden. Damit soll der Prinz das ausgelassene Treiben der Jecken in die richtigen Bahnen lenken.


Ein begnadeter Quetschebüggelspieler und Entertainer: "Et Klimpermännchen" Thomas Cüpper, Bild: Thomas Cüpper, 2014
Ein begnadeter Quetschebüggelspieler und Entertainer: „Et Klimpermännchen“ Thomas Cüpper, Bild: Thomas Cüpper, 2014

Quetschebüggel

„Quetschebüggel“ ist das kölsche Wort für Akkordeon. Ein ideales Instrument für den Karneval: Es ist laut und funktioniert ohne Stecker. So nutzen umherziehende Gruppen im Karneval gerne einen Quetschebüggel und eine Decke Trumm – fertig ist das Orchester.


Eine Rakete ist die höchste Auszeichnung für einen Auftritt bei einer Karnevalssitzung.
Eine Rakete ist die höchste Auszeichnung für einen Auftritt bei einer Karnevalssitzung.

Rakete

Der Zenit für den Karnevalisten. Während normale und gute Darbietungen auf den Sitzungen mit wohlwollendem Applaus und Alaaf-Rufen gefeiert werden, erhalten  herausragende Künstler als Ehrerbietung eine Rakete.

Diese wird in drei Stufen gezündet:

  • Kommando 1: Lautes Klatschen.
  • Kommando 2: Zusätzlich mit den Füßen trampeln.
  • Kommando 3: Lautes Pfeifen.

Ein Bläserensemble der Spitzenklasse: Die Kölner Ratsbläser, Bild: Uli Kievernagel
Ein Bläserensemble der Spitzenklasse: Die Kölner Ratsbläser, Bild: Uli Kievernagel

Ratsbläser

Schon im Jahr 1954 gegründet, gehören die Ratsbläser zu den besten Bläserensembles Kölns. Wenn diese Truppe in ihren traditionellen Kostümen mit Blechhelmen loslegt, nimmt der satte Klang alle mit. Die etwa 25 Musiker bringen jeden Saal zum Kochen. Und auch bei offiziellen Anlässen wie bei der Prinzenproklamation oder der Eröffnung des Rosenmontagszuges spielen die Ratsbläser die Eröffnungsfanfare.


Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:


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Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z, Teil I: Von „Ähzebär“ bis „Funkemariechen“

Collage Karnevalsbegriffe Teil I

Podcast Karnevalsbegriffe I, 32
 

Podcast Karnevalsbegriffe II, 33

Der Kölner Karneval ist bunt und vielfältig. Und sehr speziell. Diese Übersicht der wichtigsten Karnevalsbegriffe soll Einheimischen und Imis helfen, sich im Fastelovend zurechtzufinden. Deswegen kommt hier der erste Teil der Reihe „Kölsche Karnevalsbegriffe“.

Alle Teile der Serie „Kölsche Karnevalsbegriffe von A-Z“:


Das Logo des Geisterzugs, Bild: Ähzebär un Ko e.V.
Das Logo des Geisterzugs, Bild: Ähzebär un Ko e.V.

Ähzebär

Der Ähzebär ist eine uralte Verkleidung und symbolisiert den Winter. „Ähze“ sind Erbsen. Es handelt sich bei dem Ähzebär im Wortsinn um den „Erbsenbär“. Dabei wird der Kostümträger komplett in Erbsenstroh eingewickelt. Seit 1991 ist der Ähzebär das Maskottchen des Geisterzugs.


Ajuja

Ajuja

Wenn der Kölner im Karneval seine Freude laut herausrufen will, dann ruft er „Ajuja“. So heißt es auch in dem gleichnamigen Karnevalslied:
„Ajuja, ajuja, jetz jeht et widder ajuja, jetz jeht et Loss.“
Laut Aussage des Kölner Erzbistums handelt es sich bei „Ajuja“ um eine Verballhornung des Lobgesangs „Halleluja“.


Alaaf

Der ultimative Schlachtruf aller Jecken. Den Ruf „Alaaf“ gab es bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Und damit knapp 300 Jahre vor dem institutionalisierten Karneval.


Das Aschenkreuz wird auf die Strin gezeichnet, Bild: Oxh973, Public domain, via Wikimedia Commons
Das Aschenkreuz wird auf die Strin gezeichnet, Bild: Oxh973, Public domain, via Wikimedia Commons

Äschekrütz

Gläubige Christen lassen sich an Aschermittwoch ein Kreuz aus Asche auf die Stirn zeichnen. Der Geistliche spricht dabei die Worte „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Das Kreuz steht dabei für Buße, Reinigung und Vergänglichkeit.

Eine schöne Variante hat der Kölner Geistliche Thomas Frings in der Corona-Zeit erfunden: Er verteilte Kreuze aus Glitzer-Puder.


Aschermittwoch

Der Aschermittwoch ist der Beginn der Fastenzeit und das Ende des Karnevals. Und: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei‘“ – das wusste bereits der Komponist und Musiker Jupp Schmitz. Weiter lautet es in seinem prominenten Lied:

„Die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei.
Von all deinen Küssen, darf ich nichts mehr wissen.
Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei.“

Und tatsächlich hat schon manches Fisternöllchen an Aschermitwoch ein jähes Ende gefunden.


An der Kappe des Bellejeck finde sich kleine Glöckchen
An der Kappe des Bellejeck finde sich kleine Glöckchen

Bellejeck

Die Figur des Bellejeck war fast vergessen, bis die Große Allgemeine Karnevalsgesellschaft von 1900 Köln e.V. in der Session 2008/09 diese Tradition wiederbelebt hat. Der Bellejeck ist der Hofnarr und trägt, ähnlich wie Till Eulenspiegel, ein Kostüm mit kleinen Glöckchen und einer Narrenkappe.

Heute zieht der Bellejeck sehr früh an Weiberfastnacht durch die Stadt und weckt, unterstützt durch laute Spielmannszüge, die Jecken. Sein Ziel ist die Hofburg des Dreigestirns. Dort werden Prinz, Bauer und Jungfrau durch laute Rufe „Opston! Opston“ („Aufstehen! Aufstehen!“) geweckt. Nach dem erfolgreichen Wecken wünscht der Bellejeck dem Dreigestirn einen erfolgreichen Tag und zieht weiter durch die Stadt.


Die Bläck Fööss in ihrer Besetzung seit 2023: von links: Andreas Wegener, Ralf Gusovius, Pit Hupperten, Mirko Bäumer, Christoph Granderath, Hanz Thodam, Bild: studio157 | Thomas Ahrendt
Die Bläck Fööss in ihrer Besetzung seit 2023: von links: Andreas Wegener, Ralf Gusovius, Pit Hupperten, Mirko Bäumer, Christoph Granderath, Hanz Thodam, Bild: studio157 | Thomas Ahrendt

Bläck Fööss

Klar – zum Karneval gehören viele kölsche Bands. Allerdings werden die Fööss als „Mutter der aller kölschen Bands“ bezeichnet und nehmen eine Sonderstellung ein. Keine Karnevalsparty kommt ohne das „Bickendorfer Büdchen“, das Lied vom „Veedel“ oder Mer losse d´r Dom in Kölle aus.

Bevor die Bläck Fööss im Karneval die Bühnen mit kölscher Musik eroberten, waren sie unter dem Namen Stowaways bekannt. Da, so Fööss-Urgestein Erry Stoklosa, die Band ihren guten Ruf in der Beat-Szene nicht auf Spiel setzen wollte, wurde für die Auftritte im Karneval ein eingängiger Name gesucht, der in beiden Sprachen (Kölsch und Englisch) „funktionieren“ sollte – die Geburtsstunde der „Bläck Fööss“, was auch Kölsch „nackte Füße“ bedeutet. Fünf Jahre lang existierten Stowaways und Bläck Fööss parallel, bevor sich die Fööss/Stowaways ausschließlich der kölschen Musik widmeten.


Auch das Ex-Dreigestirn der KG Brav Jonge trägt die blauen Zylinder. Bild: Jürgen Link
Auch das Ex-Dreigestirn der KG Brav Jonge trägt die blauen Zylinder. Bild: Jürgen Link

Blaue Zylinder

Die jeweiligen Ex-Tolitäten tragen im Jahr nach ihrer Demissionierung blaue Zylinder. Kurios: Selbst das Festkomitee Kölner Karneval kann die Frage, woher dieser Brauch kommt, nicht beantworten. Ein mögliche Erklärung wäre, dass sich das Ex-Dreigestirn durch die blaue Zylinder von den früher allgegenwärtigen schwarzen Zylinder optisch abgesetzt hat.


Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
Ein Buch über einen der wichtigsten Büttenreder im Kölner Karneval: Karl Küpper, Autor: Fritz Bilz

Bütt

Die Bütt ist der Arbeitsort der Büttenredner. Mit „Bütt“ bezeichnet der Kölner einen Bottich zum Wäschewaschen. Ein solcher stand früher bei Karnevalssitzungen auf der Bühne, Die Redner stellten sich in die Bütt und wurden so zum „Büttenredner“.

Eine der wichtigsten Kölner Büttenredner war Karl Küpper, der sich bei seinen Reden immer auf den Rand der Bütt setzte.


So kann ein klassisches Bützje aussehen, Bild: Adina Voicu auf Pixabay
So kann ein klassisches Bützje aussehen, Bild: Adina Voicu auf Pixabay

Bützjer

Ein „Bützje“ ist ein Küsschen, „Bützjer“ sind ganz viele Küsschen. Und genau so ist es auch gemeint: Küsschen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ein Bützje ist nur äußerst selten eine Einladung zur hemmungslosen Knutscherei.


Danze

„Danze“ meint „Tanzen“ und ist natürlich Grundbestandteil des Karnevals. Ob man dabei tatsächlich tanzt oder, mangels Platz in der völlig überfüllten Kneipe, nur verhalten schunkelt, ist egal. Hauptsache etwas Bewegung, dann schmeckt das nächste Kölsch schon wieder viel besser.


Passend in diesen seltsamen Zeiten! Bild: Raimond Spekking
Eine ganz besondere Decke Trumm! Bild: Raimond Spekking

Decke Trumm

Die große Trommel gibt Karneval den Takt vor. Zusammen mit dem Trömmelchen ist die Decke Trumm der Inbegriff des Karnevals. Und kann auch von weniger talentierten Musikern bedient werden. Hauptsache laut und im Idealfall auch im Takt!


Divertissementchen

Das Divertissementchen ist ein kölsches Musical, welches jedes Jahr von der „Cäcilia Wolkenburg“, der Bühnenspielgemeinschaft des Kölner Männer-Gesang-Vereins, aufgeführt wird. Während der Karnevalszeit finden etwa 30 Vorstellungen statt – immer auf Kölsch, immer mit den berühmten männlichen Balletttänzerinnen und immer mit viel Spaß. Die Kölner nennen das Divertissementchen „Zillche“.


Ein typisches Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau. Bild: Norbert Bröcheler
Ein typisches Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau. Bild: Norbert Bröcheler

Dreigestirn: Prinz/Bauer/Jungfrau

Ein Thema, welches ganze Bibliotheken füllen könnte. Das Dreigestirn, auch Trifolium, genannt, übernimmt, in der Session die Herrschaft über die Stadt.


Der 11.11. - endlich geht der Karneval wieder los. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de
Der 11.11. – endlich geht der Karneval wieder los. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de

Elf / Elfter im Elften

Vieles dreht sich im Karneval um die Zahl 11: Los geht es am 11.11. und 11.11 Uhr. In jeder Sitzung findet sich ein Elferrat.

Es ist die Zahl 11, die sich jeder Regel widersetzt: Während sich die 12 hervorragend teilen lässt, ist die 11 als Primzahl nicht teilbar. Man kann sie nicht mehr mit den Fingern beider Hände abzählen. Und sie überschreitet die Ordnung, die durch die 10 Gebote gegeben wurde. Deshalb hat das kölsche Grundgesetz ja auch 11 Gebote.


Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild: Renate Lehmann
Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild: Renate Lehmann

Elferrat

Einer Karnevalssitzung steht immer der Elferrat vor: Sitzungspräsident plus zehn weitere Personen. Fertig ist der Elferrat. Doch während der Präsident meistens eloquent durch die Sitzung führt, hat man bei den Menschen im Elferrat oft das Gefühl, dass diese eine Strafe absitzen müssen, so gelangweilt und gequält schaut manches Mitglied des Elferrats in den Saal.

Ganz anders bei der Stunksitzung: Dort stellt jeden Abend eine andere, bunte und immer gut gelaunte Truppe den Elferrat.


Fastelovend

Unser geliebter Karneval kennt viele Bezeichnungen: Fastnacht, Fassenacht, Fasnacht, Fasnet, Fasching, Fasteleer, Fastabend, fünfte Jahreszeit oder eben Fastelovend. Erstmalig taucht dieser Begriff in einem Kölner Ratsbeschluss im März 1341 auf. Dort verpflichten sich die Ratsherren, die Stadtkasse nicht mehr zu Zwecken des „vastavende“ zu plündern.


Das Festkomitee Kölner Karneval von 1823
Das Festkomitee Kölner Karneval von 1823

Festkomitee

Das „Festkomitee Kölner Karneval von 1823“ ist der Dachverband der Kölner Karnevalsgesellschaften. Die wichtigsten Aufgaben des Festkomitees sind die Organisation des Rosenmontagszugs und die Auswahl des Dreigestirns.

Entstanden ist das Festkomitee aus der den Preußen geschuldeten Neuordnung des Karnevals: Ganz in preußischer Manier wollte man das wilde und ausufernde Treiben des Karnevals Anfang des 19. Jahrhunderts in geordnete Bahnen lenken und gründete das „Festordnende Komitee“. 


Fisternöll

Gerade der enthemmte Karneval führt immer wieder zu jeder Menge oft heimlicher Liebschaften, in Köln als Fisternöll oder Fisternöllche bezeichnet. Damit sind heimliche Liebeleien gemeint. Speziell an Karneval wird daraus auch gerne das „Fastelovendsfisternöll“.


Föttchesföhler

Der Föttchesföhler hat im Karneval nichts verloren! Es handelt sich hier um einen Grabscher, der gerne Frauen anpackt. Mit dem „Föttche“ ist der (weibliche) Po gemeint.


Fünfte Jahreszeit

Anders als der Rest der Welt kennt der Kölner fünf Jahreszeiten: Neben den bekannten Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es noch die fünfte (und schönste!) Jahreszeit: Den Karneval.


Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.
Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.

Funken

Entstanden aus einer Persiflage auf die ungeliebten preußischen Militärs handelt es sich bei den Funken um ganz besondere Karnevalisten in der Tradition der ehemaligen Stadtsoldaten.

Früher waren diese etwas verlottert und mussten ihr karges Salär durch das Stricken von Strümpfen aufbessern. Heute sind die Funken stets piekfein, was bei den vereinsinternen zahlreichen Uniform- und Mützenapellen penibel kontrolliert wird.

Bei den ganz traditionellen Funken wie zum Beispiel bei den Kölsche Funke rut-wieß von 1823 e.V. besser bekannt als die „Roten Funken“ handelt es sich satzungsgemäß um reine Männervereine. Allerdings sieht diese Satzung auch vor, dass der jeweilige Oberbürgermeister Ehrenmitglied ist. Uns so wurde im Januar 2016 Oberbürgermeisterin Henriette Reker die erste „Funkin“.

Im Jahr 2023 feiern die Funken 200. Geburtstag. Pablo Kievernagel hat dazu ein wunderschönes Video mit der Band Eldorado gedreht. Unbedingt sehenswert!

Wichtigste Merkmale der Funken sind die Knabüß (das hölzerne Gewehr mit einer Blume im Lauf) und das „Stippeföttche“: Ein Tanz, bei dem die Funken, Rücken an Rücken stehend, leicht in die Knie gehen, dabei das Hinterteil hervorstrecken und eben diese Hinterteile aneinander reiben. Klingt komisch, sieht komisch aus ist aber Tradition. Und somit gut.


Funkenbiwak

Ein Biwak ist ein (militärisches) Lager im Freien. Folglich ist ein Funkenbiwak eine Veranstaltung der Funken unter freiem Himmel mit Musik, Tanz und reichlich Getränken. Traditionell gibt es Erbsensuppe, während auf der Bühne Bands und Spielmannszüge anderer Vereine aufspielen.  


Das Funkemariechen wird auf "Händen getragen", Bild: Raimond Spekking
Das Funkemariechen wird auf „Händen getragen“, Bild: Raimond Spekking

Funkenmariechen

Um gleich Missverständnissen vorzubeugen: Bei ganz traditionellen Funkenkorps ist das Funkemariechen zwar die Tänzerin der Funken aber sie ist KEIN Mitglied der Funken. Sie tanzt mit dem Tanzoffizier auf den Bühnen der Stadt. Und das ist, durch viele Hebefiguren, echter Hochleistungssport.

Entstanden ist die Figur des Funkemariechens aus den Marketenderinnen, die früher militärische Truppen mit Waren versorgt haben, i.d.R. Tabak und Schnaps. Daher tragen viele Mariechen bis heute ein kleines Fässchen am Gürtel. Allerdings ist dieses Fässchen eher symbolisch und dient heutzutage nur noch als Aufbewahrtungsort für den Lippenstift oder etwas Bargeld. 

Bis 1938 waren die Funkemariechen ausschließlich Männer. Erst die Nationalsozialisten setzten durch, dass diese Rolle durch Frauen besetzt wurde, genau wie es in den Jahren 1938 und 1939 auch weibliche Jungfrauen im Kölner Dreigestirn gab. Doch während man nach dem Krieg wieder auf die männlichen Jungfrauen im Dreigestirn setzte, blieb man bei den Tanzmariechen dabei, diese Rolle durch Frauen zu besetzen.  Was zeigt, das nicht jede Tradition in Stein gemeißelt ist.


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Kölsche Wörter: Lappöhrche – „cash in de Täsch“

E Lappöhrche: Cash in de Täsch! Bild: Bild Alexa, Pixabay
E Lappöhrche: Cash in de Täsch! Bild: Bild Alexa, Pixabay

Wer bei „Lappöhrche“ an ein kleines, flauschiges Kaninchen denkt, liegt vollkommen falsch. Wenn der Kölsche ein Lappöhrche macht, dann verdient er sich ein paar Euros nebenbei. Und „nebenbei“ ist hier wörtlich zu verstehen: Selbstverständlich soll das Finanzamt nichts von dem Lappöhrche erfahren.

Adam Wrede hilft nicht weiter

Ausnahmsweise hilft in diesem Fall der Blick in den Wrede nur bedingt weiter. Dort wird das Lappöhrche wie folgt erklärt:

„Verniedlichung zu Lappohr (langes Ohr). Flickstück oder Lederstück in halbrunder, länglich runder, einem Ohr oder Öhrchen ähnlicher Form, wie es Schuster beim Ausbessern des Schuhwerks gebrauchen, übertragen auf solche Flickarbeit oder Kleinarbeit, verallgemeinert als Kleinigkeit. Die … Ableitung von französisch „labour“ ist Unsinn.“

Deutliche Worte des Sprachpapstes. Allerdings wird dieses Wort heute nicht mehr in dem Sinne von „Kleinigkeit“ verwendet. Dies hat meine beliebte Thekenumfrage eindeutig festgestellt. Alle kennen das Lappöhrche, aber angeblich macht es keiner. Zumindest bei meiner kleinen Umfrage wollte sich keiner offen outen: „Wehe du schreibst, dass deine Thekenkumpels Geld nebenbei machen!“

Der SPIEGEL berichtet davon, dass neun von zehn Haushaltshilfen schwarz arbeiten - sie machen ein "Lappöhrchen".
Der SPIEGEL berichtet davon, dass neun von zehn Haushaltshilfen schwarz arbeiten – sie machen ein „Lappöhrchen“.

Beim Lappöhrche geht es um Schwarzarbeit

Tatsächlich geht es beim Lappöhrche um glasklare Schwarzarbeit. Und wenn man sich die Statistik ansieht, ist das erheblich: Gemäß dem Statistik-Portal „statista“ wird für das Jahr 2023 ein Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland in Höhe von rund 433 Milliarden Euro prognostiziert. Das sind immerhin satte 10% der gesamten Wirtschaftsleistung.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Stadt Köln belief sich im Jahr 2020 auf rund 62,7 Milliarden Euro. Wenn man davon ausgeht, dass auch Köln den Schwarzarbeitsanteil von 10% erreicht, macht das 6,2 Milliarden Euro. Nur in Köln! 

Der Kölsche Klüngel hilft

Wenn man sich kennt, ist es natürlich wesentlich einfacher, nebenbei Geschäfte abzuwickeln. Der „Kölsche Klüngel“ lässt grüßen. So ist es auch kein Zufall, dass die Höhner in ihrem Lied „He triff sich Jott un de Welt“ über den Kölner Gürzenich,  Köln wichtigsten Veranstaltungssaal, singen:

En dir wed jefiert, jedanz un jelaach
un su manch Lappührche jemaat.

Und jedem ist klar: Wer bei der der alljährlichen Prinzenproklamation im Gürzenich ohne ein kleines Geschäft (nebenbei) zu machen aus dem Saal geht, hat den Sinn dieser Veranstaltung nicht begriffen.

Vielfältige Übersetzung

Während bei so vielen kölschen Wörtern oft eine eindeutige Übersetzung nicht möglich ist, verhält es sich bei dem Lappöhrche genau anders. Hier kursieren fast unendlich viele Übersetzungen wie „sehr ausgedehnte Nachbarschaftshilfe“, „jet nevenbei verdiene“ oder „Ein nicht immer ganz transparenter Nebenverdienst.“

Die schönste Übersetzung aber kommt von Harald van Bonn. Der Betreiber der sehenswerten Website „Kölsche Musik“  bezeichnet das Lappöhrche als

„Die Negierung eines Unterschieds
zwischen Netto und Brutto.“

Sehr schön gesagt!  


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Kölsche Schimpfwörter, Teil V: Schroppsüffer bis Windbüggel

Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater

Podcast Schimpfwörter 16

Viel Spaß mit dem fünften Teil „Kölsche Schimpfwörter“. Alle Teile findet ihr hier: Kölsche Schimpfwörter.

 

Schandmul

Ein „Schandmaul“ ist jemand, der schlecht über andere Menschen spricht.

Schaute

Adam Wrede definiert Schaute als „fahriger, läppischer kopfloser Mensch“. Der Ursrpung des Wortes liegt wohl im jiddischen „s(ch)ote = dumm oder töricht“.

Schluffe

Ein Schluffe ist ein Pantoffel. Und ein als „Schluffe“ bezeichneter Mensch steht unter genau diesem. Es handelt sich also um einen unselbständigen, oft langweiligen  Menschen.

Schroppsüffer

Jeder kennt so einen: Erst bei jeder Runde mittrinken, aber wenn man selber dran ist, mal einen auszugeben, ganz klammheimlich verschwinden. 

Schwaadlappe, Schwaadschnüss

Zugegeben, der Kölsche redet gerne und viel – hä schwaad halt jähn. „Schwaade“ steht für schwätzen, reden. Deswegen verwundert es, wenn ausgerechnet dieser Begriff als Schimpfwort gebraucht wird. Der Schwaadlappe bzw. die Schwaadschnüss („Schnüss“ ist der Mund) ist allerdings ein Mensch, der ohne Sinn und Verstand redet. Und das ständig und immer.

Schwemmbotz 

Ein sehr neues Schimpfwort. Die „Schwemmbotz“ ist eine Badehose. Als allgemeingültiges, fast schon liebevoll, gemeintes Schimpfwort ist damit ein unbeholfener Mensch gemeint.

Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater

Speimanes

Wenn jemand eine etwas feuchte Aussprache hat, dann „speit“ dieser. Herrlich und politisch vollkommen inkorrekt ist die Darstellung einer solchen Person im Hännneschen.

Der „Speimanes“ (mit bürgerlichen Namen Hermann Speichel) stottert, hat einen Buckel und spuckt, insbesondere beim „B“ und beim „P“. Und dann ist dieser arme Kerl bei der Puppensitzung dafür zuständig, die hauseigene Blutwurst des Hänneschen-Theaters jedem Künstler nach dessen Auftritt wieder abzunehmen. Speimanes wird im Theater von dem Puppenspieler Charly Kemmerling gespielt. Der sagt über seine Figur „Ne kölsche Quasimodo zom jänhan“.

Spidolsjeck

Der Spidolsjeck ist wie jeck auf das Krankenhaus, es handelt sich um einen Simulatenen, der nur glücklich ist, wenn er krank ist und auch davon erzählen kann.

Folgerichtig lautet es auch in einem Lied „Spidolsjeck“ von „The Piano has been Drinking“:

„Kumm mer bringe Blömche nohm Spidolsjeck,
Dä süht jet blass us
Sick Hä nur Weihwasser drink“

Strunzbüggel

Mein Haus, mein Boot, mein Auto … Angeber gibt es überall. Der Kölsche nennt diese Menschen „Strunzbüggel“ von „strunzen“, was angeben oder prahlen bedeutet. Besonders schön ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Strunzläppche“ für das Einstecktuch eines Herrenjackets – su jet bruche nur Strunzbüggel! Der Kölsche spricht aber auch von „strunzdoof“, wenn jemand einfältig ist.

Treppejeländer

Vom Wortsinn her „nur“ ein Treppengeländer. Aber kombiniert mit „affjerötsch“ wird daraus das „affjerötsch Treppejeländer“. Damit wird eine ungepflegte Person mit alter, unsauberer Bekleidung bezeichnet.

Tronedier

„Trone“ sind Tränen, ein „Dier“ ist ein Tier. Macht also „Tränentier“ und beschreibt einen Menschen, der eher langweilig ist und sich zu nichts aufraffen kann.

Enge Gasse mit bewegter Geschichte: Im Stavenhof, von den Kölner "Stüverhoff" genannt, Bild :Uli Kievernagel
Früher eine berüchtigte Bordellmeile mit vielen Trottewarschwalve, heute bevorzugtes Wohngebiet: Im Stavenhof, von den Kölner „Stüverhoff“ genannt, Bild :Uli Kievernagel

Trottewarschwalv

Köln war und ist eine der führenden Städte in Sachen Prostitution. Mit dem „Pascha“ steht auch Europas größtes Bordell in Köln. Die Trottewerschwalv ist eine Prositutierte, die wie eine Schwalbe den Bürgersteig, Trottoir, auf der Suche nach möglichst zahlungskräftigen Freiern entlangflattert.

Trööt

Wenn jemand nicht aufpasst und etwas schusselig ist, wird er gerne als „Trööt“ bezeichnet. Dabei ist die „Trööt“ eigentlich eine Trompete.

Trumm

Die „Decke Trumm“ gibt im Karneval den Takt vor. Und wenn jemand eine Trumm vor sich herträgt, kann damit auch der dicke Bauch gemeint sein.

Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater
Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater

Tünnes

Im kölschen Duo „Tünnes und Schäl“ ist der Tünnes (anders als der Schäl) nicht hinterhältig, sondern eher gutmütig, hilfsbereit und einfach. Allerdings nicht dumm, sondern humorvoll und mit einer gewissen Bauernschläue gesegnet. Deswegen ist das vermeintliche Schimpfwort „Du Tünnes“ auch eher liebevoll gemeint.

Tütenüggel

Ein Tolpatsch, ein unreifer, ungeschickter Mensch. Das Wort stammt von „an der Brust nuckeln“, meint also eigentlich einen Säugling. Schön, aber nicht verifiziert, ist die Erklärung, dass der Begriff aus der französischen Besatzungszeit stammt. Die Kölner verhöhnten die französischen Soldaten als Tütenüggler, weil diese angeblich gerne an Brüsten ihrer Liebhaberinnen nuckeln würden.

Verdötscht

Eine „Dötsch“ ist eine Beule. Folglich ist „verdötscht“ verbeult – auch in geistiger Hinsicht. Wenn der Kölsche zu jemanden sagt „Do bes verdötscht“ dann meint er – nicht ganz ernst – „Du bist bekloppt.“.

Als „Ne Verdötschte“ machte sich Karl Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen auch über die Nazis lustig.

Vollüül

„Voll wie ´n Üül“ – also ein betrunkener Mensch. Dabei ist ungeklärt, wieso hier gerade Bezug auf eine Eule „Üül“ genommen wird. Ich habe noch nie eine besoffene Eule gesehen.

Wannläpper / Wennläpper / Wängläpper

Die Wannläpper waren Wanderarbeiter. Ähnlich wie die Kesselflicker flickten diese die „Wannen“ der Bauern: Aus Korb geflochtene Behältnisse, mit denen nach dem Dreschen die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Diese Wanderarbeiter waren wohl eher raue, einfache Kerle und wurden als unehrlich und streitlustig angesehen. Folglich war „Die zänke wie die Wannläpper“ durchaus abwertend gemeint. Übrigens: Das Wort „Wanne“ stammt vom lateinischen vannus ab. Dieser Begriff hat als Bezeichnung für ein Behältnis überdauert – heute ist damit in der Regel in die Badewanne gemeint.

Rote Funken beim "wibbeln", Bild: Uli Kievernagel
Rote Funken beim „wibbeln“, Bild: Uli Kievernagel

Wibbelstätz

Wenn die großen Traditionscorps wie z.B. die Roten Funken ihren Traditionstanz „Stippeföttche“ aufführen, dann wibbeln diese. Dabei stellen sich jeweils zwei dieser gestandenen Herren Rücken an Rücken auf und reiben die Hintern aneinander. „Wibbeln“ kann mal also mit „hin und her rutschen“ übersetzen. Der Wibbelstätz ist dementsprechend ein unruhiger Mensch, ein Zappelphlilip.

Windbüggel

Viel drum herum und wenig drin – ein Windbeutel halt. Jemand, der sich genauso aufgeblasen gibt wie das gleichnamige Gebäck, dabei aber wenig Substanz hat.


Übersicht kölsche Schimpfwörter


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Kölsche Schimpfwörter, Teil IV: Nöll bis Sackjeseech

Der Schäl, ein listiges Schlitzohr, Bild: Hänneschen-Thaater
Der Schäl, ein listiges Schlitzohr, Bild: Hänneschen-Theater

Podcast Schimpfwörter 16

Heute geht es in der Reihe „Kölsche Schimpfwörter“ um alles zwischen Nöll und Sackjeseech. Alle Teile der Serie findet ihr hier: Kölsche Schimpfwörter

Nöll

Bitte nicht verwechseln: „Nöll“ ist sowohl die kölsche Bezeichnung für den Vornamen Arnold und gleichzeitig auch ein Wort für Nase. Wenn ein Mensch über eine besonders große Nase verfügt, wird er Nöll gerufen. Spannend wäre es, einen Arnold mit einer ganz besonders großen Nase zu treffen.

Nöttelefönes

Ein kleinlicher Mensch, der an allem rumnörgelt. Das entsprechende Adjektiv lautet nöttelich.

Der Neumarkt - eine verkehrsumtoste Insel in der Stadt, Bild: Raimond Spekking
Der Neumarkt – eine verkehrsumtoste Insel in der Stadt, Bild: Raimond Spekking

Nümaatskraat

Mit „Nümaat“ ist der Kölner Neumarkt gemeint. Mit „Krat“, „Kraat“ oder „Krad“ bezeichnet der Kölner eine Kröte. Der Nümmaatskraat ist ein Mensch, der sich (bevorzugt am Neumarkt) herumtreibt um zwielichtigen Geschäften nachzugehen. Eng verwandt sind die Begriffe „Nümaatsbroder“ für einen faulen, arbeitsscheuen Menschen und „Nümaatsflitsche“ für eine Umhertreiberin.

Nützje

Willi Ostermann singt in seinem Lied „Kölsche Mädcher künne bütze“:

„Su e Bützche vun ´nem Nützche,
Jung dat schmeck wie Appeltaat“

Das hier beschriebene Nützje ist ein attraktives Mädchen. Insofern taugt Nützje nur bedingt als Schimpfwort.

Ömstandskriemer

Und wieder wartest du weitere zehn Minuten, weil sich der Ömstandskriemer mal wieder nicht entscheiden kann, ob er mit oder ohne Regenschirm rausgeht. Es geht also um jemand, der um alles Umstände macht, der kompliziert ist. Ein Umstandskrämer halt.

Ein Pattevugel ist eigentlich ein Papierdrachen. Bild: Ecinazuz, Pixabay
Ein Pattevugel ist eigentlich ein Papierdrachen. Bild: Ecinazuz, Pixabay

Pattevugel

Ein (Papier-)Drache ist ein Pattevugel. Und wenn ein Mensch, ähnlich wie ein Drachen, mit weiten Gewändern hereinschneit, (das betrifft gerne ältere Tanten) wird auch dieser zu einem Pattevugel.

Peffernas

Menschen, die sich für etwas Besseres halten, nennt der Kölner „Pfeffernase“. Das gilt natürlich ganz besonders für die Menschen in dem Dorf mit D, nördlich von Köln.

Pimock

Ein eigentlich abwertend gemeinter Ausdruck für Ausländer oder Fremde. So wurden im Rheinland die Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg „Pimocke“ genannt. Doch – ähnlich wie beim Begriff „Krade“  scheint sich die Bewertung zu drehen.

So lautet eine Zeile der kölschen Hymne „Unser Stammbaum“
„Un ich wor ne Pimock, hück laach ich met üch met.“

"De Plaat": Jürgen Zeltinger, Bild: Raimond Spekking
„De Plaat“: Jürgen Zeltinger, Bild: Raimond Spekking

Plaatekopp

Eher ein Zustand als Schimpfwort. Die „Plaat“ beschreibt eine Glatze. Folglich ist ein Plaatekopp jemand ohne Haare. Köln berühmteste (und zeitweilig auch berüchtigste) „Plaat“ war Jürgen Zeltinger, Schöpfer so schöner Lieder wie „Asi mit Niwoh“ oder „Mallorca, Sommer, Sonne, Herzinfarkt“.

Plackfissel

Mit „Plack“ sind Ausschlag, Schorf oder sonstige Hautunreinheiten, z.B. Herpes, gemeint. Das Wort hat eine Renaissance durch die Jugendsprache erfahren. Der Ausdruck „Da krieg ich Plack von.“ steht für Ekel und Abscheu. Der Begriff Plackfissel wird übergreifender verwendet und steht für einen ungepflegten, ungewaschenen Menschen.

Sackjeseech

Eines meiner Lieblingsschimpfwörter. Hier passt alles rein. Ein „Sackgesicht“ kann ein hässlicher, ein unangenehmer, ein missgünstiger oder ein einfach ein widerlicher Mensch sein. Das Wort passt immer.

Eine wunderbare Umschreibung dieses Typs Mensch liefert Gerd Köster mit seinem Song „Sackjeseech“. Besonders schön ist der Plural in der dritten Strophe:

„Un ding Frau es och e Sackjeseech,
un ding Kinder sin och Sackjeseechtere.“

Schäl

Damit ist „schielen“ gemeint. Gleichzeitig bedeutet der Ausdruck aber auch „falsch“ oder „unredlich“. Und das trifft auf einen der Protagonisten im Hänneschen Theater zu: Der „Schäl“ schielt, ist oft hinterhältig und versucht andere zu seinem eigenen Vorteil zu hintergehen.


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Kölsche Schimpfwörter, Teil III: Kniesbüggel bis Mutzepuckel

Laut - aber meistens liebevoll: Kölsche Schimpfwörter, Bild: www.JenaFoto24.de / pixelio
Laut – aber meistens liebevoll: Kölsche Schimpfwörter, Bild: www.JenaFoto24.de / pixelio

Podcast Schimpfwörter 16

Nachdem wir bereits die Schimpfwörter von Aaapefott bis Flabes und von Föttchesföhler bis Klaafschnüss kennen, geht es heute um Kniesbüggele, dä Lällbeck und dä Lötschendötsch. Alle Teile der Serie findet ihr hier: Kölsche Schimpfwörter

Gesungen klingen diese Wörter übrigens noch besser. Hört mal rein in den „Kölschen Explezeer“ von Toni  Steingass. 

Kniesbüggel

Ein Geizhals. Der Begriff „Knies“ beschreibt eigentlich Dreck. Der Begriff stammt von ungepflegten, dreckigen Menschen, die zu geizig waren, Geld für ihre Sauberkeit auszugeben. Wird heute aber nur noch für geizige Menschen verwendet. Daher stammt auch das Wort „kniestich“ für geizig.

Klüttebuur

Die Klütte ist ein Stück gepresste Kohle, besser bekannt als Brikett. Der „Buur“ ist eigentlich ein Bauer. Gemeint ist hier aber der Torfstecher. Da diese Arbeit eher körperlich als geistig anstrengend ist, wird mit Klüttebuur ein einfältiger Mensch bezeichnet.

Knubbelfutz

Ähnlich wie „Föttche aan d´r Äd“ handelt es sich bei dem Knubbelfutz um eine kleine, oft gedrungene Person. Allerdings kann, insbesondere bei Kleinkindern, der Begriff auch verniedlichend angewendet werden: „Luur ens, es dat nit en klein Knubbelfutz.“

Knüselskopp

Ein knüselicher Mensch ist ein dreckiger, ungepflegter Zeitgenosse. Knüsel beschreibt, genau wie Knies, klebrigen Dreck. Wird gerne auch als Schimpfwort in der Form „knüsselije Pitter“ verwendet, egal, ob die damit bezeichnete Person tatsächlich Pitter (also Peter) heißt oder nicht.

Kötter

Wenn der Kölsche „köttet“, dann bittet er jemanden um etwas. Somit ist kötten eigentlich ein Begriff für betteln, allerdings ein etwas feinerer Begriff. Die einhellige Meinung der Kölschen in meiner Nachbarschaft: Wer köttet, der ist nicht so penetrant.

Kotzkümpsche

… ist die fast schon niedliche kölsche Umschreibung eines echten Kotzbrockens. 

Kraad / Krad

Eines der vielschichtigsten kölschen Schimpfwörter. Das Kölsch-Lexikon der Akademie för uns kölsche Sproch übersetzt das Wort mit „Kradepack“ kurz und knapp mit „Pöbel“. Im Wrede (das renommierte Kölsch-Lexikon) ist Krad auch ein Schimpfwort. Allerdings hat sich Bedeutung heute geändert, wie auch meine nicht repräsentative Thekenumfrage ergeben hat.

Krönzel, oder Knurschele, Bild: Annamartha / pixelio
Krönzel, oder Knurschele, Bild: Annamartha / pixelio

Krönzel

Eine Krönzel ist eigentlich eine Stachelbeere. Als Schimpfwort verwendet ist eine zimperliche Person gemeint, also eine Zimperliese oder Mimose.

Kühmbroder

Der „Kühmebroder“ ist den ganzen Tag nur am jammern und beschwert sich über Gott und die Welt. Das Wort „kühmen“ bedeutet eigentlich „seufzen“. Daher kann sich bildhaft vorstellen, wie der Kühmbroder immer und zu jeder Gelegenheit laut kühmt „Nä – fröher wor alles besser.“

Külkopp oder Küleskopp

Külkopp ist eine Kaulquappe. Und diese zeichnet sich durch einen überdimensionierten Kopf aus. Übertragen auf den Menschen ist der Külkopp  ein eigensinniger Dickkopf.

Labberitz

Ein Dummkopf und törichter Mensch.  Adam Wrede bezieht sich hier auf die Körperhaltung des Beschimpften: „Schelte auf einen lang aufgeschlossenen Menschen  mit schlaffem, schlodderigen Gang und lässigfer Haltung.“

Labbes

In der Regel als „Lange Labbes“ verwendet, bezeichnet Labbes eine einfältige Person, die eher schlicht im Kopf ist.    

Lällbeck

Dieses schöne Wort wird heute leider nicht mehr so oft verwendet. Gemeint ist jemand, der zwar keine Ahnung hat, aber trotzdem mitreden will. Ein anderes, gängigeres kölsches Wort für solche Menschen ist „Schwaadlappe“

Lötschendötsch

Das Lieblingsschimpfwort von Schwester Antonia. In der hochdeutschen Übersetzung könnte man „Blödmann“ oder „Dummkopf“ sagen. Allerdings, so Schwester Antonia, hat Lötschendötsch „in seiner kölschen Form noch einen sympathisch-liebkosenden Unterton und lässt den Angesprochenen nicht verzweifelt zurück.“

Lotterbov

Wer in den Tag rein lebt und zu Streichen aufgelegt ist, ist ein Lotterbov – ein eher liebenswürdiger Taugenichts.

Beliebte "Währung" zum maggeln: Zigaretten, Bild: Bundesarchiv / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Nach dem Krieg wurde mit Zigaretten gemaggelt, Bild: Bundesarchiv / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Maggeler

Mit „maggeln“ beschreibt der Kölner die Fähigkeit, zumeist illegale Geschäfte abzuwickeln. Somit haftet „maggeln“ in Köln etwas illegales an. Dabei stammt das Wort von „makeln“ ab und meint somit „vermitteln“ bzw. „Geschäfte vermitteln“. Also eine durchaus legale Tätigkeit. Für den Kölschen aber ist die Sachlage eindeutig: Der Makler als Vermittler von Geschäften ist ein ordnungsgemäßer Händler, der „Maggeler“ hingegen ist der Schwarzhändler.

Möhn

Ursprünglich ist die „Möhn“ die Tante mütterlicherseits. Der Begriff leitet sich von „Muhme“ (Mutterschwester) ab. Heute werden als „ahl Möhn“ alte  Frauen bezeichnet.

Der Geizige rafft alles für sich und will nichts abgeben, Bild: Allegorie des Geizes (Jakob Matham, ca. 1587), public domain, via Wikimedia Commons
Der Geizige rafft alles für sich und will nichts abgeben, Bild: Allegorie des Geizes (Jakob Matham, ca. 1587), public domain, via Wikimedia Commons

Mömmesfresser

Etwas eklig: Dem Mömmesfresser wird nachgesagt, dass er so geizig ist, dass er lieber seine eigene Mömmesse (Popel) isst als sich etwas zu gönnen. Ein Geizhals also.

Möpp

Eine Schimpfwort-Allzweckwaffe. Mit „Möpp“ wird ein Hund bezeichnet, als „fiese Möpp“ kann man alles und jeden bezeichnen, der einem nicht gefällt.

Muuzepuckel oder Mutzepuckel

Du willst feiern – aber einer macht die ganze Stimmung kaputt. Der ist der Muuzepuckel, also ein Nörgler oder Zankteufel. Wenn jemand (ständig) schlecht gelaunt ist, dann ist diese Person muuzich und man will eigentlich nichts mit ihr zu tun haben.


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