Der Gürzenich und Alt St. Alban: Orte der Gegensätze

Der Gürzenich und Alt St. Alban - Orte voller Gegensätze, Bilder: Köln-Kongress (Gürzenich), Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (St. Alban)
Der Gürzenich und Alt St. Alban – Orte voller Gegensätze, Bilder: Köln-Kongress (Gürzenich), Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (St. Alban)

Auf der eine Seite ausgelassene Party, kostümierte Menschen, laute Musik. Gleich daneben tiefste Trauer und die Erinnerung an den Tod in einer Kirchenruine. In keinem anderen Ort in Köln liegen die Gegensätze so nah beieinander wie beim Gebäudeensemble des Gürzenich und der Ruine Alt St. Alban.

Der Gürzenich ist „Kölns gute Stube“. Erbaut von 1441 bis 1447 diente dieser prächtige gotische Bau als Kauf- und Lagerhaus. Namensgeber war das Stadthaus der aus Düren stammenden „Herren der Burg Gürzenich“, welches sich an der Stelle des heutigen Gürzenichs befand. Der Gürzenich wurde als Repräsentationshaus der Stadt errichtet. Hier wurden Kaiser empfangen, feinste Bankette ausgerichtet und 1505 sogar ein Reichstag abgehalten.

Mit dem Bedeutungsverlust Kölns ab dem 16. Jahrhundert schwand auch die Bedeutung des Gürzenichs. Doch die findigen Kölner nutzten das Gebäude doppelt: Zwar wurden hier Lebensmittel, Häute, Seide, Öle oder Seife gelagert und gehandelt, aber das Obergeschoss wurde regelmäßig leergeräumt, um Platz für Feierlichkeiten aller Art zu haben. Es war also schon immer so: Der Kölner an sich feiert gerne. Und deswegen werden seit 1822 bis heute Karnevalsveranstaltungen im Gürzenich abgehalten. Von 1857 bis zur Fertigstellung der Philharmonie im Jahr 1986 war der Gürzenich auch Heimat des renommierten Gürzenich-Orchesters.

Ab 1865 wurde der Gürzenich vom kombinierten Lager- und Festsaal in einen reinen Festsaal umgewandelt. Durch Um- und Anbauten wurde der Gebäudekomplex vergrößert, zusätzliche Säle entstanden.

Bildergalerie Gürzenich

Wiederaufbau im Stil der 1950er Jahre

Im zweiten Weltkrieg wurde der Gürzenich fast vollständig zerstört, nur die Außenmauern des Gebäudes standen noch. Der Wiederaufbau und die Innenausstattung im Stil der 1950er machen das Gebäude zu einem der wichtigsten Denkmäler dieser Zeit in Köln. Dabei wurde die Ruine von Alt St. Alban mitten in den Komplex integriert. Das führt dazu, dass man vom großzügigen Foyer des Gürzenichs durch die Fenster einen direkten Blick in die Ruine hat. Dieser Blick wird auf die Figurengruppe „Trauerndes Elternpaar“, im Original von Käthe Kollwitz, gelenkt.1Das Original der Skulpturen steht heute auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Vladslo, Belgien. In der Ruine von Alt St. Alban steht eine Kopie, die von Joseph Beuys und Erwin Heerich angefertigt wurde. Die beiden Figuren strahlen die unendliche Trauer über den im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn aus.

Skulptur "Trauernde Eltern", Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Skulptur „Trauernde Eltern“, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die Feste des Lebens vor den Hintergrund des Todes

Und da ist er – der krasse Gegensatz. Das hat auch Holger Kirsch, Prinz Holger I. im Dreigestirn 2015, erlebt. In der Euphorie seiner bevorstehenden Proklamation ging er im vollen Ornat die Treppe hinauf in den großen Saal. Voller Freude und Glück. Und dann schaut er durch das Fenster des Gürzenichs in die Kirchenruine Alt St. Alban und sieht „dieses plötzliche Gegenüber von totalem Glück und absoluter Trauer“, so Kirsch in einem Interview des WDR.

So hat Rudolf Schwarz, einer der Architekten des Ensembles aus St. Alban und Gürzenich, Recht  behalten. Er schrieb zu dieser ganz besonderen Architektur:

„Die Feste des Lebens werden vor den Hintergrund des Todes gestellt.“


Erleben kann man diesen Gegensatz am besten von Innen. Aber auch bei einem Blick von außen in die Ruine von Alt St. Alban kann man in die Fenster des Foyers sehen. Unbedingt mal hingehen!


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Is et am rääne? – Büttenredner Karl Küpper

Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.
Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.

 

Der Karneval und das Dritte Reich sind ein dunkles Kapitel. Zu den lobenswerten Ausnahmen gehört der Büttenredner Karl Küpper. Als „Ne Verdötschte“  machte sich Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen über die Nazis lustig. Ein Klassiker waren seine Auftritte, die Hand zum Hitlergruß ausgetreckt und die Frage in den Raum „Is et am rääne?“ oder auch „Su huh litt der Dreck bei uns im Keller.“

Seine subversiven Auftritte blieben nicht ohne Folgen. Im Jahr 1939 belegten die Nazis ihn mit einem lebenslangem Rede- und Auftrittsverbot. Einer Verhaftung umging er mit seiner freiwilligen Meldung zur Wehrmacht. Das Redeverbot wurde aufgehoben und Küpper spielte im Fronttheater.

Zurück aus Kriegsgefangenschaft war Küpper wieder Redner im Karneval – und prangerte die Einflussnahme der alten Nazis in Wirtschaft und Gesellschaft an. So hob er bei einem Auftritt im Karneval 1951 den rechten Arm und rief in den Saal „Et es widder am rähne!“. Und wieder wurde er Opfer der vermeintlichen Eliten und mit einem faktischen Auftrittsverbot im Karneval bestraft. Küpper beendete 1960 seine Karriere als Büttenredner und wurde Gastwirt in Köln-Kalk. 1970 verstarb Karl Küpper im Alter von 64 Jahren. Sein Grab ist auf Melaten zu finden.

Im Jahr 2011 hat die Stadt einen Platz in der Innenstadt nach Karl Küpper benannt. Die aber wohl schönste Ehrung für Küpper stammt von der Stunksitzung: Präsident Jürgen Becker hat eine Rede des „Verdötschten“ im originalen Wortlaut vorgetragen.


November 2019: AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen

Gleich zweimal wurde Karl Küpper von den Nazis von den Bühnen verbannt: Zunächst 1939 mit einem ausgesprochenen Auftrittsverbot durch die braunen Machthaber. In der Nachkriegszeit wurde er zum zweiten Mal Opfer der vermeintlichen Eliten. Die alten Nazis, die es in Politik und Gesellschaft wieder zu Ruhm und Ehre gebracht haben, stellten ihn mit einem faktischen Auftrittsverbot kalt.

Und jetzt, 80 Jahre später, vergreifen sich wieder Politiker von Rechtsaußen an dem verdienten Karnevalisten. Ausgerechnet die AfD, deren Protagonist sogar laut Gerichtsbeschluss Faschist genannt werden darf, will einen „Karl Küpper Preis“ für die beste politische Büttenrede der Session ins Leben rufen. Also eine Partei, die eindeutig rechtes Gedankengut vertritt, will einen erklärten Gegner für ihre perfiden Zwecke missbrauchen.

Um eins klarzustellen: Würde Karl Küpper heute noch leben, wäre er entschiedener Gegner der widerlichen Politik der AfD. Sein Sohn, Gerhard Küpper, wendet sich auch ganz entschieden gegen diese Provokation. Er schreibt in einem Brief an unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker „Mein Vater war zu seinen Lebzeiten strikt gegen jede Form nationalsozialistischen Gedankenguts und hat sie mit allen Mitteln unter Lebensgefahr bekämpft; würde er heute noch leben, würde er diesen Kampf auch mit der AfD aufnehmen.“.

In aller Deutlichkeit

Wenn eine tiefbraune Partei sich ausgerechnet an einem Gegner der NS-Diktatur vergreift, um diesen für ihre populistischen Zwecke zu missbrauchen, müssen wir alle unsere Stimme dagegen erheben. Also liebes Festkomitee, liebe Präsidenten der Karnevalsgesellschaften, liebe aktive Büttenredner – höre ich euch?

Ich habe diesen Aufruf an Büttenredner und Funktionäre der Karnevalsgesellschaften geschickt. Die Rückmeldungen dazu findet ihr hier: Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper


Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper

Theaterstück "Der Unbeugsame - der Widerstand des Karl Küpper" in der Volksbühne am Rudolfplatz
Theaterstück „Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper“ in der Volksbühne am Rudolfplatz

In der Volksbühne am Rudolfplatz lief das Stück „Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper“. Gerd Köster spielte Karl Küpper.

Ob und wann es weitere Vorstellungen geben wird wird auf der Website der Volksbühne veröffentlicht.


Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper

Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper

Der Historiker und Publizist Fritz Bilz hat das lesenswerte Buch „Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper“ veröffentlicht. 

Fritz Bilz
Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
3. erweiterte Auflage, Köln 2020
20 Euro, erhältlich in jeder Buchhandlung


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30. Oktober 1944: Bombenangriff löscht Hochzeitsgesellschaft vollständig aus

Zugangstreppe vom Bunker auf Melaten, Bild: Hans Jörg Michell, www.lindenthal.blog
Zugangstreppe vom Bunker auf Melaten, Bild: Hans Jörg Michell

Und wieder heulen die Sirenen: Fliegeralarm in Köln. Es ist der 30. Oktober 1944, etwa 20.30 Uhr. Die fast schon regelmäßigen Angriffe auf die Stadt zermürben die Menschen. Und doch sucht eine Gruppe von feiernden Menschen so etwas wie Normalität in der grausamen Zeit des Kriegs und feiert eine Hochzeit. Eine Feier mit etwa 100 Menschen in einer Gaststätte in Lindenthal, mittendrin das frisch vermählte Brautpaar.

Doch der Fliegeralarm beendet die Feier vorzeitig. Die gesamte Gesellschaft sucht einen Schutzraum auf dem nahe gelegenen Friedhof Melaten auf. Bei diesem Schutzraum handelt es sich nicht um einen vollständig gesicherten und entsprechend geschützten Bunker, sondern nur um einen Deckungsgraben, so Robert Schwienbacher vom Kölner Institut für Festungsarchitektur1Quelle: Kölner-Stadt Anzeigers vom 26. November 2015. Schwienbacher: „Streng genommen handelt es sich nicht um einen Bunker sondern um einen Deckungsgraben, der Schutz vor Trümmern, Splittern Gaseinwirkung und der Druckwelle bieten sollte.“ Dies wird der Hochzeitgesellschaft zum Verhängnis. Die im Volksmund genannten „Angströhren“ waren einfacher und kostengünstiger herzustellen – aber auch wesentlich unsicherer als echte Luftschutzbunker. Eine der Schwachstellen dieser Bauwerke ist der Luftschacht. Und genau an dieser Stelle schlägt eine Fliegerbombe ein. Die Menschen in dem Bunker haben keine Chance. Die ungeheure Druckwelle der Bombe dringt nahezu ungehindert in die „Angströhre“ ein und zerfetzt sofort die Lungen der Menschen. Keiner der Schutzsuchenden überlebt diesen Tag.

Die Generalprobe zum jüngsten Gericht

Der Angriff vom 30. Oktober 1944 ist einer der verheerendsten Fliegerangriffe auf Köln. Innerhalb von weniger als zwei Stunden laden etwa 1.000 Bomber ihre tödliche Fracht ab. 200.000 Brandbomben und mehr als 4.000 Sprengbomben verwüsten vorwiegend die westlichen Stadtteile, weil sich die Bomber an der Aachener Straße orientieren. 554 Menschen sterben in dieser Nacht.

Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force
Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force

Auch das St. Elisabeth-Krankenhaus (Hohenlind) wird schwer getroffen. Ein Pater aus dem Krankenhaus sprach in dieser Nacht von der „Generalprobe zum jüngsten Gericht“. In den folgenden Tagen kommen die Kölner kaum noch nach,  Tote und Verletzte zu zählen. Der Historiker Martin Rüther berichtet, dass die Leichen auf Müllwagen abtransportiert wurden.2 Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Darstellungen – Bilder – Quellen. Emons Verlag, Köln, 2005

20.000 tote Kölner durch Luftangriffe

Die noch folgenden Luftangriffe trafen eine fast menschenleere Stadt: Nur noch etwa 40.000 Menschen lebten zur „Stunde Null“ am 8. Mai 1945 in Köln. Vor dem Krieg, im Jahr 1939, gab es noch mehr als 760.000 Einwohner. Insgesamt fordern die 262 Luftangriffe auf Köln 20.000 Tote.
Zu diesen Toten gehören auch die in der „Angströhre“ auf Melaten Gestorbenen der Hochzeitgesellschaft. Allerdings verliert sich ihre Spur, es gibt kein Gemeinschaftsgrab und keine Aufzeichnungen dazu. Um die Erinnerung wachzuhalten, hat der Kölner Stadtkonservator Ralf Beines zum 50. Jahrestag im Jahr 1994 eine Plakette an dem noch existierenden, aber total verfallenen, Schutzraum anbringen lassen. Der Journalist Tim von Lindenau hat den Bunker besichtigt und ein beeindruckendes Video dazu veröffentlicht. 


Bereits am 29. Juni 1943 gab es den verheerenden „Peter-und-Paul-Angriff“ auf Köln.


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Peter-und-Paul-Bombenangriff im Krieg – Köln war ein Flammenmeer

Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild: U.S. Department of Defense
Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild:
U.S. Department of Defense

Es war der 29. Juni 1943, kurz nach 1 Uhr. Die Sirenen heulen und warnen vor einem bevorstehenden Luftangriff. Für die Bevölkerung in Köln fast schon Alltag: Schnell den ständig bereitstehenden Koffer mit den wichtigsten Dokumenten mitnehmen und ab in den Luftschutzkeller. Doch diese Nacht war anders, der Angriff heftiger. Etwa 500 Bomber werfen 67 Luftminen, 1.000 Sprengbomben, 158.000 Brandbomben und mehr als 4.000 Phosphorbrandbomben ab. Gerade mal 90 Minuten dauert dieser heftige Angriff.

Die ganze Stadt war ein großes Flammenmeer

„Um uns herum erlebten wir ein wüstes Spektakel. Die nicht enden wollenden Salven der laut ballernden 2cm-Flak nahe unseren Häusern mischen sich mit den Zischen der herabstürzenden Bomben und dem nachfolgenden Getöse der einstürzenden Häuser.“ notiert der damals 16jährige Wilhelm Dohrmann am 29. Juni 1943  in sein Tagebuch 1„Mein Köln – Leser erzählen Geschichte“, Herausgeber: Verena Dix, Christina Rinkl, Seite 140.

„Ein einzig großes Feuermeer, wohin man auch sah. … Das Dom-Hotel brannte. Das Café Reichard brannte. Ich bin am Heinzelmännchenbrunnen vorbei zum Rhein gelaufen, dort brannte es auch.“ erinnert sich der im Jahr 1943 erst 13 Jahre alte Paul Brandt. 2„Die Stadt war ein einziges Feuermeer“, Kölner-Stadt-Anzeiger vom 29. Juni 2018

Der Peter-und-Paul-Angriff am 29. Juni 1943 hatte schwerwiegenden Folgen, besonders für die Zivilbevölkerung. So starben in dieser Nacht 4.377 Menschen, es gab mehr als 6.300 zerstörte Wohngebäude, die Anzahl obdachloser Menschen steigt auf 230.000. Auch 24 Schulen, zwei Krankenhäuser und 17 Kirchen wurden durch die Bomben zertrümmert.

Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force
Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force
Verheerende Wirkung durch Luftminen

Es wurden hochmoderne Waffen eingesetzt, so auch die gefürchteten Luftminen. Diese bis zu zwei Tonnen schweren Bomben bestanden bis auf eine dünne Ummantelung vollständig aus hochexplosivem Sprengstoff. Die durch die Zündung beim Aufschlag auf den Boden ausgelöste Druckwelle war verheerend. Gebäude im Umkreis von 100 Metern fielen in sich zusammen wie Kartenhäuser, Dächer im Umkreis von mehreren hundert Metern wurden abgedeckt. Besonders perfide: Direkt nach dem Abwurf einer Luftmine wurden Brandbomben abgeworfen, die so die ungeschützten Dachstühle entzünden konnten.

Ein britischer Vickers Wellington Bomber. Dieser Typ war mit mehr als 11.400 Exemplaren der meistgebaute Bomber der Royal Airforce.
Ein britischer Vickers Wellington Bomber. Dieser Typ war mit mehr als 11.400 Exemplaren der meistgebaute Bomber der Royal Airforce.

Der Peter-und-Paul Angriff war der heftigste der insgesamt 262 Luftangriffe auf Köln. Selbst der „1.000 Bomber-Angriff“ in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 hatte „nur“ 400 Todesopfer zur Folge. Insgesamt starben in Köln etwa 20.000 Menschen durch die Luftangriffe im 2. Weltkrieg. Die letzten Luftangriffe im Jahr 1945 trafen eine fast menschenleere Stadt: Nur noch etwa 40.000 Menschen lebten in Köln. Vor dem Krieg, im Jahr 1939, gab es noch mehr als 760.000 Einwohner.

Folgen des Bombardements noch heute spürbar

Die Folgen des Bombenkriegs spüren die Kölner bis heute: Regelmäßig müssen alte Blindgänger entschärft werden. Ich selber wurde bereits zweimal während einer Entschärfung evakuiert. Wie viele Bomben noch im Boden liegen ist unbekannt, selbst Fachleute könne keine valide Einschätzung abgeben. Also müssen wir uns noch länger daran gewöhnen, dass regelmäßig mehr als 70 Jahre alte Bomben gefunden werden.


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Kölsche Tön & ihre Geschichte: Heimweh noh Kölle

Heimweh noh Kölle, Bild: Dong-Uck Kong
Heimweh noh Kölle, Bild: Dong-Uck Kong

Unvorstellbar: Eine kölsche Veranstaltung OHNE die kölscheste alle kölschen Hymne „Heimweh noh Kölle“ von Willi Ostermann. Dat jeht nit! Auch wenn Brings, Kasalla & Co. einen Saal zum Kochen gebracht haben – sobald die Hauskapelle die ersten Takte dieses Lieds anstimmt, werden alle sentimental und reiben sich verlegen die Tränchen aus den Augen:

In Köln am Rhing bin ich jebore,
ich han, un dat litt mir im Senn,
ming Muttersproch noch nit verlore,
dat es jet wo ich stolz drop ben.

Eigentlich unverwüstlich hat aber gerade dieses Lied eine bewegte Geschichte hinter sich. Ostermann hat es selber nie gehört, die Nazis haben das Lied verboten, in Kriegsgefangenenlagern wurde es zum Ausdruck des Heimwehs und so ziemlich jeder kölsche Musiker hat es gecovert. Und dabei wurde regelmäßig eine Strophe unterschlagen.

Von Ostermann nicht fertiggestellt

Die „Uraufführung“ war zur Beerdigung Willi Ostermanns am 10. August 1936. Ostermann hatte das Lied zu Lebzeiten nicht mehr fertigstellen können. Vollendet wurde es durch seinen Freund Thomas Liessem, der am Grab den Refrain vortrug. Noch im gleichen Jahr wurde eine Platte mit dem Lied herausgegeben und war ein voller Erfolg. Das Honorar für diese Platte, 9.000 Reichsmark (das entspricht immerhin zwei durchschnittlichen Jahreslöhnen im Jahr 1936), stiftetet Liessem als Grundstock für ein Ostermann-Denkmal.

Von den Nazis verboten

Die Machthaber im Dritten Reich verbieten im Krieg die mittlerweile prominente „Kölsche Hymne“. Die Sehnsucht nach der Heimat passte nicht zu den Durchhalteparolen der Nazis. So wurde das Lied wegen „Wehrkraftzersetzung“ kurzerhand verboten.

Von den Kriegsgefangenen geliebt

In den Kriegsgefangenenlagern während und nach dem Krieg wird das Lied mit seinen eingängigen Zeilen zum Ausdruck des Heimwehs der deutschen Soldaten. So berichtet ein Gefangener aus dem Lager Wickrathberg (heute ein Stadtteil von Mönchengladbach): „Unvergessen bleibt ein Gefangenenchor, der eines Abends im Lager Wickrathberg sang: „Ich möch zo Foß noh Kölle jon“. Der Text erschütterte alle Zuhörer, weil er der Situation und den Empfindungen gerecht wurde.“ (Auszug aus einer Rede von Heinz Pankoweit vom 12. November 2011).

Gut nachzuvollziehen, lautet es doch im Refrain:

Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mir ston
mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle jon.

Und auch viele im Krieg ausquartierten Kölner haben mit diesem Lied ihre Sehnsucht ausgedrückt, irgendwann zurück nach Köln zu kommen.   

Heimweh nach Köln - mehr als nur ein Lied. Hier der Beweis: Dat jeiht uns Kölschen buchstäblich unger de Huck. Bild: Uli Kievernagel
Heimweh nach Köln – mehr als nur ein Lied. Hier der Beweis: Dat jeiht uns Kölschen buchstäblich unger de Huck. Bild: Uli Kievernagel

Von vielen gecovert

Es gibt kaum einen kölschen Musiker, der dieses Lied nicht im Repertoire hat, hier eine kleine Auswahl mehr oder minder gelungener Interpretationen:

Die für mich schönste Version des Klassikers hat Tommy Engel auf seiner CD „Dat kölsche Songbook“ eingespielt. Leider ist der Song nicht online verfügbar, aber allein wegen dieses Titels lohnt sich schon der Kauf dieser CD.

Eine „vergessene“ Strophe

Alle Cover – seien sie nun gelungen oder nicht – haben eines gemeinsam:
Alle unterschlagen die zweite Strophe.

Ich han su off vum Rhing gesunge,
vun unsem schöne, deutsche Strom,
su deutsch wie he ming Leeder klunge,
su deutsch bliev Köln met singem Dom.

So zu finden in den Original-Notenheften der Ostermann-Lieder. Ich habe dazu bei Petra Sippel, von der Ostermann-Gesellschaft nachgefragt. „Das Lied „Heimweh noh Kölle“ hat vier Strophen.“ so Petra Sippel.  „Wenn Sie auf unserer Homepage den Hinweisen Willi Ostermann / Lieder und Gedichte / Partituren und Noten folgen, dann finden Sie auch die Original Partituren und Noten des Liedes. Vom Arrangement gibt es drei verschiedene Versionen, der Text ist aber gleich und besteht eben aus den bekannten vier Strophen.  Warum nun gerade die zweite Strophe wenig gesungen wird, erschließt sich uns nicht. Vielleicht liegt es daran, dass auf den alten Schellackplatten nur ein begrenzter Text gesungen und deshalb das ganze Lied nicht aufgenommen werden konnte. Es gibt in der Tat keinen Tonträger, auf dem alle vier Strophen gesungen werden.“

Lied macht sentimental

Aber auch ohne diese Strophe (oder gerade ohne diese Strophe) ist dieser kölsche Klassiker in nahezu jeder Situation dazu geeignet, dem Kölschen eine kleines Tränchen zu zaubern, welches er sich möglichst ungesehen aus dem Augenwinkeln wischt. Beobachtet das mal, wenn ihr bei nächster Gelegenheit dieses Lied hört.


Heimweh nach Köln
Text und Musik: Willi Ostermann

En Kölle am Rhing ben ich gebore,
ich han un dat litt mir em Senn,
ming Muttersproch noch nit verlore,
dat eß jet, wo ich stolz drop ben.

Refrain
Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mir ston,
mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle gon.

Ich han su off vum Rhing gesunge,
vun unsem schöne, deutsche Strom,
su deutsch wie he ming Leeder klunge,
su deutsch bliev Köln met singem Dom.
(Refrain)

Un deiht d’r Herrjott mich ens rofe,
dem Petrus sagen ich alsdann:
„Ich kann et räuhig dir verzälle,
dat Sehnsucht ich no Kölle han.“
(Refrain)

Un luuren ich vum Himmelspöözche
dereins he op ming Vaterstadt,
well stell ich noch do bovve sage,
wie gähn ich dich, mie Kölle, hatt.
(Refrain)


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Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Der Trizonesien-Song“

Die Besatzungszonen nach dem 2. Weltkrieg, Bildquelle: Elymnus
Die Besatzungszonen nach dem 2. Weltkrieg, Bildquelle: Elymnus

Podcast Trizonesien 7

SWR-Zeitwort von Irene Geuer zum "Trizonesien-Song"
Im  SWR-Zeitwort von Irene Geuer zum „Trizonesien-Song“ vom 11.11.2025 durfte ich etwas zu deisem Lied und Karl Berbuer sagen.

Mit dem Klassiker „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ von Karl Berbuer setze ich heute die Mini-Reihe „Kölsche Tön & ihre Geschichte“ fort. Ziel ist, dass ihr an Karneval textsicher mitsingen könnt und auch die Hintergründe der Lieder kennt.

Als Karl Berbuer das Lied 1948 schrieb, sollte es eigentlich der „Bizonesien-Song“ werden. Damit war die Amerikanisch-Britische-Besatzungszone nach dem 2. Weltkrieg gemeint. Tatsächlich trat aber Frankreich auch der Bizone bei – und so wurde es eine Trizone. Berbuer änderte den Refrain noch vor der Veröffentlichung und sorgte mit dem Lied schnell für Ärger bei den Alliierten.

Verhöhnung der Nazis, kein Revanchismus

„Die Deutschen werden wieder frech“ titelte die britische „Times“ und witterte Revanchismus gegenüber den Siegermächten. Gemeint war die Textzeile „Ein kleines Häuflein Diplomaten macht heut die große Politik, sie schaffen Zonen, ändern Staaten“.

Gewiss war hier eine Kritik an den Besatzungsmächten enthalten, aber das Lied ist nicht als deutsche Kraftmeierei zu verstehen. Vielmehr verhöhnt Berbuer mit dem Reim „Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien“  das nationalsozialistische Schlagwort vom „Deutschen Wesen“.

Heimliche Nationalhymne

Auch die Briten akzeptierten irgendwann den Trizonesien-Song, und so konnte sich dieses Lied zur mehr oder weniger heimlichen Nationalhymne entwickeln.  So erklang das Lied bei einem Fußballspiel zwischen Engländern und deutschen Kriegsgefangenen, direkt nach „God save the King“. Auch in Köln wurde diese Ersatzhymne bei der Siegerehrung nach einem Radrennen gespielt.

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer erinnert sich gut daran, dass „Trizonesien“ statt einer Nationalhymne gespielt wurde. Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE

Konrad Adenauer erinnerte sich sehr gut daran: „Es war auch manches belgische Militär in Uniform da vertreten, und schließlich wurden die Nationalhymnen angestimmt, und die Musikkapelle, … hat ohne besonderen Auftrag, als die deutsche Nationalhymne angestimmt werden sollte, das schöne Karnevalslied „Ich bin ein Einwohner von Trizonesien“ angestimmt. … Da sind zahlreiche belgische Soldaten aufgestanden und haben salutiert, weil sie glaubten, das wäre die Nationalhymne.“

Doch Adenauer wollte eine „echte“ Nationalhymne und setzte das „Lied der Deutschen“, und zwar nur die dritte Strophe, als Hymne durch. Doch das war erst 1952.

Nur am Rande: Ich persönlich hätte nichts gegen den Trizonesien-Song als Hymne gehabt. Ganz im Gegenteil: Etwas mehr Humor hätte vielleicht schon manche diplomatische Krise entschärft.


Auf der Lotsentour Südfriedhof besuchen wir das Grab von Karl Berbuer.


Karl Berbuer: Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien

Anhören unter: https://youtu.be/JqIr3Ffgz7Q

Mein lieber Freund, mein lieber Freund,
die alten Zeiten sind vorbei,
ob man da lacht, ob man da weint,
die Welt geht weiter, eins, zwei, drei.

Ein kleines Häuflein Diplomaten
macht heut die große Politik,
sie schaffen Zonen, ändern Staaten.
Und was ist hier mit uns im Augenblick?

Refrain:
Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!
Wir haben Mägdelein mit feurig wildem Wesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!
Wir sind zwar keine Menschenfresser,
doch wir küssen um so besser.
Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien,
Hei-di-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela-bumm!

Doch fremder Mann, damit du’s weißt,
ein Trizonesier hat Humor
er hat Kultur, er hat auch Geist,
darin macht keiner ihm was vor.

Selbst Goethe stammt aus Trizonesien,
Beethovens Wiege ist bekannt.
Nein, sowas gibt’s nicht in Chinesien,
darum sind wir auch stolz auf unser Land.

Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien …


Dokumentation des WDR 

Der WDR hat zum 11.11.2022 den sehenswerten Beitrag „Die Geschichte des Songs: Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ gesendet (Dauer: etwa fünf Minuten).

Der ausgewiesene Karnevalsexperte und Brauchtumsforscher Reinold Louis erklärt Entstehung und Rezeption dieses Lieds.


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