
Das Zeughaus – der ideale Ort für das Stadtmuseum
Wenn man sich aktuell1März 2026 rund um das Zeughaus umschaut kann man sich tatsächlich für Köln schämen. Bauzäune dominieren das Bild, Müll liegt herum und sogar die schönen rot-weißen Fensterläden mussten demontiert werden, weil diese ansonsten abgestützt wären.
Das Zeughaus selber, ein zwischen 1594 und 1606 als städtisches Waffenarsenal erbautes Gebäude, ist seit Jahren ungenutzt. Und auch der Blickfang, das „Flügelauto“ von H.A. Schult, wird wegen der Baufälligkeit des Turms in den kommenden Wochen umgesetzt.
Dabei bietet das Zeughaus ein sehr großes Potenzial: Beste Lage, große Flächen, historisches Ambiente. Es wird also höchste Zeit, sich um dieses attraktive Gebäude zu kümmern.
Bereits vor zwei Jahren haben einige Kölner Geschichtsvereine schon einmal die Initiative ergriffen und eine Stellungnahme zur Zukunft des Kölnischen Stadtmuseums im Zeughaus erstellt. Sie hat seinerzeit in der Stadtpolitik und bei den Medien ein durchweg positives Echo erfahren, aber keinerlei konkrete Folgen gehabt.
Daher starten die Vereine und Initiativen eine neue Petition an Oberbürgermeister Burmester. Diese enthält die die dringende Bitte, das Zeughaus wieder als Heimat des Kölnischen Stadtmuseums zu nutzen.
Unterschrieben haben 48 Akteure der Kölnischen Stadtgesellschaft, darunter der Zentral-Dombau-Verein zu Köln, die Bürgerstiftung Köln, das Centrum Schwule Geschichte, Fortis Colonia. Willem Fromm von „Eine Geschichte der Stadt Köln“, Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums, Louise Farina, die Kölner Stadtführer und auch wir vom Köln-Ding der Woche.
Hier der vollständige Text des offenen Briefes an Oberbürgermeister Torsten Burmester. Ein großes DANKE an Dr. Joachim Oepen vom Förderverein Geschichte in Köln, der dieses Anliegen maßgeblich organisiert hat.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Ihr entschlossenes und tatkräftiges Handeln in den ersten Wochen Ihrer Amtszeit ermuntert uns, einen dringenden Appell an Sie zu richten. Es geht um die Zukunft unseres Stadtmuseums, um das Zeughaus und um den Umgang mit dem kulturellen Erbe unserer Stadt.
Seit dem katastrophalen Wasserschaden im Juni 2017 ist das Zeughaus fast ungenutzt. Das Stadtmuseum musste ausziehen, sollte in einem prestigeträchtigen Neubau am Dom einziehen, kam für den Zeitraum von zehn Jahren zur Miete in einem ehemaligen Modekaufhaus unter. Dank seiner attraktiven Inszenierung und dem interessanten Programm ist das Museum dort erfolgreich, und doch sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. Die Ausstellungsfläche beträgt etwa 700 Quadratmeter – viel zu klein für eine Metropole von einer solch herausragenden historischen Bedeutung wie Köln. Die unfassbar reichen Bestände des Hauses sind in unzureichend ausgestatteten Depots gelagert. Zentrale Themen der Kölner Geschichte – zu Wirtschaft, Technik, Sport, Migration und anderen sozialen Fragen – können nicht gezeigt werden. Wir erleben eine Verzwergung unseres historischen Erbes.
Zugleich verfallen das Zeughaus und die Alte Wache daneben – und damit zwei einzigartige Bauwerke der Kölner Vergangenheit. Auch das gesamte umgebende Areal ist zunehmender Verwahrlosung ausgesetzt. Das Zeughaus als ehemalige Waffenkammer Kölns war das Herzstück der wehrhaften Bürgerstadt. Die Wache ist eines von nur drei verbliebenen Gebäuden des frühen Klassizismus in der Domstadt. Die Römermauer, die hinter beiden verläuft, bildet ihr stützendes Rückgrat. Dieses einmalige Ensemble darf nicht weiter verfa llen. Es ist kein Ort für ein Hotel, für städtische Verwaltung oder für eine Eventlocation; dies alles wurde bereits angedacht und zu Recht verworfen. Das Zeughausareal ist der geborene Platz für unser Stadtmuseum.
Hier lässt sich ein Ort schaffen, der ein kultureller Anziehungspunkt für das Bankenviertel ist, eine erste Anlaufstelle für die vielen Touristengruppen, die am Börsenplatz aussteigen, ein Ort, der selbst und im Dialog mit dem nahen NS-Dokumentationszentrum wichtige Bildungsarbeit leistet, der aber auch ein Treffpunkt für unzählige Kölnerinnen und Kölner ist. Gerade in unsicheren Zeiten wie diesen braucht unsere Stadt einen Ort der Selbstbefragung und der Selbstvergewisserung. Es braucht eine Einrichtung, die als Leuchtturm für die vielen Vereine und Initiativen dient, die sich um die Kölner Vergangenheit und das kölnische Brauchtum verdient machen. Und es braucht einen Ort, an dem die Kölner Pänz, die Erwachsenen, die Imis etwas über die hellen und die dunklen Zeiten ihrer Heimatstadt erfahren.
Köln hat schwierige Jahre vor sich, das ist uns bewusst. Mit Ihrer Idee der Olympiabewerbung haben Sie einen gewichtigen Aufschlag gemacht. Falls dies gelingt, dann ist ein elementarer Meilenstein gesetzt auf dem Weg zur Zweitausendjahrfeier Kölns, die unsere Stadt und ihre Bevölkerung 2050 begehen werden. Wir halten es für unabdingbar, dass die Darstellung unserer Geschichte dafür einen würdigen Rahmen bekommt, hinter dem sich die ganze Stadt versammeln kann. Wir sind überzeugt, dass das ein Unterfangen ist, das viele Unterstützerinnen und Unterstützer finden wird. Daher bitten wir Sie dringend: Bereiten Sie der Kölner Stadtgeschichte, dem Stadtmuseum und den Menschen, die sich um Kölns Identität und sein Bild nach außen große Sorgen machen, den Weg. Bitte bündeln Sie die Kräfte in Verwaltung und Stadtgesellschaft, damit noch in diesem Jahr der Startschuss fällt, um unsere Geschichte im Zeughaus erlebbar zu machen.
- Für das AFR / Architekturform Rheinland e.V.:
Peter Berner, Jörg Beste - Für das Archiv für Stadtteilgeschichte Köln-Nippes e.V.:
Harald Niemann, Peter B. Hoff - Für den Blog & Podcast „Das Köln-Ding der Woche“: Frank Mausbach, Uli Kievernagel
- Für die Bürgergemeinschaft Altstadt/Verein zur Förderung einer lebenswerten Altstadt e.V.:
Dr. Joachim A. Groth, Iris Schütze, Prof. Dr. Dr. h.c. Leo Kreutzer, Ruth Etemadi - Für die Bürgerstiftung Köln:
Martin Müller, Christiane Rabbe, Dr. Albert Hövel - Für das Centrum Schwule Geschichte e.V.:
Martin Sölle - Für „Das historische Köln“: Klaus Hausmann
- Für das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) e.V.:
Dr. Robert Fuchs - Für die Eusebius Werke / Peter Schmitz Archive:
Eusebius Wirdeier - Für den Förderkreis rechtsrheinisches Köln e.V.:
Andreas Ritter, Sylvia Schrage, Jürgen Carl - Für den Förderverein Geschichte in Köln:
Dr. Joachim Oepen, Andrè Welters - Für den Förderverein Römergrab Weiden e.V.:
Prof. Dr. Heinz Günter Horn - Für Fortis Colonia e.V.:
Roland Schüler - Für die Forschungsstelle Geschichte Kölns:
Prof. Dr. Karl Ubl - Für die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e.V.:
Bernhard Conin - Für die Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln e.V.:
Burkhard von der Mühlen, Cathrin Dauven, Elke Wetzig - Für die Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V.:
Dr. Konrad Adenauer, Prof. Turadj Zarinfar, Iris Heilmann - Für die Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e.V.:
Dr. Ursula Reuter - Für die Geschichtswerkstatt Kalk:
Matthias Moeller - Für die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V.:
Mayen Beckmann - Für den Greven Verlag Köln:
Dr. Damian van Melis - Für das Historische Archiv des Erzbistums Köln:
Dr. Joachim Oepen, Stefan Plettendorff, M. A. - Für das Historische Luftfahrtarchiv Köln:
Werner Müller - Für den Historischen Park Deutz e.V.:
Sascha Ringling, Christopher Köhne, Thomas-Georg Tremblau - Für die Initiative CineCorsoCologne – Klassische Kinokultur in Köln:
Dagmar Pütz, Joachim Geffers - Für die Initiative Rhenania Judaica:
John Sykes, Anja Broich, Tal Kaizman - Für die Interessengemeinschaft Fahrzeugmuseum in Köln:
Helmut Hundenborn, Helmut Müller, Joachim Stenger - Für Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH mit dem Duftmuseum im Farina-Haus:
Louise Farina - Für den Kölner Frauengeschichtsverein e.V.:
Bettina Bab, Irene Franken, Heike Rentrop-Bambynek - Für den Kölner Kulturrat e.V.:
Bruno Wenn - Für die Kölner Stadtführer e.V.:
Oliver Herrmann, Iris Kassebaum-Rohlmann, Danielle Mataré-Onnis, Claas Möller - Für die Kölnische Bibliotheksgesellschaft:
Michael Wienand - Für das KulturForum TürkeiEuropa e.V.:
Prof. Dr. Asli Telli, Arif Ünal - Für das Luftkriegsarchiv-Köln:
Manfred Weichert - Für die Numismatische Gesellschaft Kölner Münzfreunde von 1957 e. V.:
Bernhard Offermann - Für den Podcast Eine Geschichte der Stadt Köln:
Willem Fromm - Für die Public History an der Universität zu Köln:
Prof.in Dr. Christine Gundermann - Für das RadioMuseum Köln:
Rolf Vidal - Für den Rheinischen Sammlerkreis:
Gregor Wensing - Für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Köln:
Dr. Alexander Kierdorf, Martin Lehrer M.A. - Für den Terra Coloniensis e.V.:
Dr. Pascal Link, Dustin Flock - Für das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft:
Sophia Ungers, Georg Thoma, Anja Sieber-Albers - Für den Verein Deutscher Ingenieure BV Köln e.V.:
Dipl.Ing. Paul Eberhard Krug - Für den Verein „Freunde der artothek Köln“:
Jürgen Th. Weghmann, Barbara Hosmann, Markus P. Schumann - Für den Verein Köln im Film e.V.:
Stefanie Wüster-Bludau, Caroline Nokel - Für die Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück e.V.:
Dr. Ingrid Hege-Wilmschen - Für www.poblicius.com:
Josef Gens, Jutta Gens-Wolgemuth - Für den Zentral-Dombau-Verein zu Köln:
Prof. Dr. Barbara Schock-Werner

Hintergrund: Das Kölnische Stadtmuseum
Die Ausstellung zur kölschen Stadtgeschichte hat bereits eine lange Reise hinter sich: Wie bei so vielen Museen in Köln bildete die umfangreiche Sammlung Ferdinand Franz Wallrafs den Grundstock. Ab 1888 wurde die Stadtgeschichte in der Hahnentorburg ausgestellt und ab 1902 zusätzlich in der Eigelsteintorburg. Da die Aufteilung auf zwei Standorte alles andere als optimal war, erwog man bereits 1912, das Zeughaus als Ausstellungsort zu nutzen. Allerdings machte der Erste Weltkrieg diese Pläne zunichte.
Auch der Plan, die alte Kürassierkaserne der Preußen in Deutz als „Rheinisches Museum“ zu nutzen, musste wegen der Weltwirtschaftskrise verschoben werden. Die Nationalsozialisten erkannten das propagandistische Potenzial eines solches Museums und eröffneten dort am 21. Mai 1936 das „Haus der Rheinischen Heimat“ in Deutz, welches aber im Krieg erhebliche Schäden erlitt und abgerissen wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam erneut der Gedanke auf, dem Stadtmuseum im Zeughaus eine Heimat zu geben. Doch der Wiederaufbau des im Krieg stark beschädigten Gebäudes verzögerte sich. Erst 1958 wurde die Dauerausstellung eröffnet, die dort bis zu dem Wasserschaden im Jahr 2017 gezeigt wurde.
Der schlechte Zustand des Zeughauses machte eine Fortführung der Ausstellung unmöglich. Daher gab es 2018 einen Ratsbeschluss, das ehemalige Modehaus Franz Sauer als Interimsquartier zu nutzen. Doch es sollte noch bis 2024 dauern, bis die Ausstellung dort eröffnet werden konnte.

Die Kuratoren machten aus der Platz-Not eine Tugend und stellten das Ausstellungs-Konzept komplett neu auf. Statt einer klassischen Chronologie werden acht aktuelle Fragen, die die Besucher beschäftigen und emotional berühren gestellt. Fragen wie: „Was lieben wir?“, „Worauf hoffen wir?“, „Was macht uns Angst?“, „Was verbindet uns?“, „Was macht uns wütend?“, „Worauf haben wir Lust?“, „Woran glauben wir?“ und „Was bewegt uns?“ bilden das Grundgerüst der neuen Dauerausstellung.
Eine perfekte Darstellung – mit nur 0,1% aller möglichen Exponante
Das Problem aber bleibt: Platzmangel. Nur 750 Quadratmeter stehen am neuen Standort für die Dauerausstellung zur Verfügung. Allerdings gibt es etwa 500.000 Ausstellungsstücke, gezeigt werden können davon nur etwa 650 Exponate, weniger als 0,1%.
Kölnisches Stadtmuseum
Minoritenstraße 13
50667 Köln
Öffnungszeiten:
- Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
- 1. Donnerstag im Monat: 10 bis 22 Uhr (außer an Feiertagen)
- An Feiertagen: 10 bis 17 Uhr
Eintritt:
- 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
- Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: frei
