Elisabeth Treskow – Die Goldschmiedin, die Köln Glanz verlieh

Die Amtskette des Kölner Oberbürgermeisters - ein Werk von Elisabeth Treskow, Bild: Raimond Spekking
Die Amtskette des Kölner Oberbürgermeisters – ein Werk von Elisabeth Treskow, Bild: Raimond Spekking

Als Torsten Burmester Anfang November 2025 zum ersten Mal als frisch gewählter Oberbürgermeister im Kölner Rathaus vortrat, war da ein Detail, das sofort ins Auge fiel: die Amtskette. Dieses strahlende, wuchtige, kunstvolle Stück, das mehr wie ein tragbares Museum wirkt als wie ein Schmuckelement, hat eine ganz besondere Geschichte. Und sie führt direkt zu einer Frau, die Köln bis heute prägt, obwohl viele Menschen ihren Namen erst hören, wenn sie ihn am Rheinauhafen lesen: Elisabeth Treskow.

Die von Elisabeth Treskow geschaffene Amtskette ist eines dieser Objekte, das man nicht einfach anschaut, sondern beinahe studiert. Jede Plakette, jeder Stein, jede Gravur erzählt einen Teil der Stadtgeschichte. Burmester trägt damit nicht nur ein Zeichen politischer Verantwortung – er trägt ein Werk, das aus den Händen einer der bedeutendsten Goldschmiedinnen Deutschlands stammt. Einer Frau, die so leidenschaftlich und kompromisslos arbeitete, dass man ihre Energie bis heute in ihren Werken spürt.

Die lange Reise einer Meisterin – von Bochum nach Köln

Elisabeth Treskow wurde am 20. August 1898 in Bochum geboren. Dass sie später als „Grande Dame des deutschen Goldschmiedehandwerks“ gefeiert werden würde, war damals noch nicht abzusehen. Doch ihr Talent zeigte sich früh. Nach der Schule suchte sie gezielt Ausbildungsstätten, die zu den besten im Land gehörten. In Schwäbisch Gmünd lernte sie die Grundlagen, in München perfektionierte sie ihre Techniken, und schon als junge Frau leitete sie eine eigene Werkstatt im Ruhrgebiet.

Der Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen, Bild: Thomas Beez, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen, Bild: Thomas Beez, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ihre große technische Meisterleistung war die Wiederentdeckung einer fast verlorenen Kunst: der etruskischen Granulation. Eine Technik, bei der winzige Goldkügelchen – oft kaum mit bloßem Auge erkennbar – auf eine Goldfläche aufgeschmolzen werden, ohne zu zerfließen. Eine Wissenschaft für sich, die viel Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert.

Treskow kämpfte sich durch Fehlversuche und Rückschläge, bis sie das Ergebnis perfektioniert hatte. Ihr Stil war geboren: kunstvoll, historisch, präzise – und mit einer Eleganz, die sich sofort von allem abhob, was in den 1930er Jahren geschaffen wurde. Und Köln sollte ihre bedeutendste Wirkungsstätte werden.

Köln ruft – und eine Künstlerin findet ihre geistige Heimat

1948 beriefen die Kölner Werkschulen sie zur Leiterin der Gold- und Silberschmiedeklasse. Und so kam Treskow nach Köln – in eine Stadt, die noch immer in Trümmern lag, aber voller Aufbruchsstimmung war. Hier wirkte sie bis 1964 und hinterließ Generationen von Schülern, die ihre Liebe zum Handwerk in alle Richtungen weitertrugen.

Die Werkschulen, damals ein vibrierender Ort der Moderne, boten ihr die Freiheit, die sie brauchte. Sie war streng, aber inspirierend; fordernd, aber fair; traditionell in der Technik, aber mutig in der Gestaltung. Wer unter Treskow lernte, lernte nicht nur Goldschmieden – er lernte auch Haltung, Präzision, Geduld.

Dass heute im Rheinauhafen ein Platz nach ihr benannt ist, wirkt wie ein stiller Gruß an diese Zeit. Ob es sich dabei um einen schönen Platz handelt, sie dahingestellt. Aber dieser Platz ist direkt in der Nähe ihrer ehemaligen Wirkungsstätte in der Hochschule am Ubierring.

Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln. In der Mitte gur zu erkennen: Die Heiligen Drei Könige, Bild: Raimond Spekking
Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln. In der Mitte gut zu erkennen: Die Heiligen Drei Könige, Bild: Raimond Spekking

Die Amtskette: Eine Stadtgeschichte in Gold

1954 erhielt Treskow den Auftrag, die Kölner Amtskette neu zu gestalten. Die letzte Amtskette wurde ein Opfer des Feuersturms im Zweiten Weltkrieg, es waren nur noch geschmolzene Klumpen übrig.

Dass sogar der Düsseldorfer Oberbürgemeister eine solche Kette tragen konnte, aber der Kölner nicht, liess dem Stadtrat keine Ruhe. Es war zwar kein Geld da – aber für solch ein Prestigeprojekt fanden sich vermögende Kölner Sponsoren. Deren Geld war sehr wilkommen, immerhin kostete die Kette am Ende exakt 29.241,81 Deutsche Mark. 

Und jede Mark davon hat sich gelohnt. Das Werk von Elisabeth Treskow ist ein kleines kölsches Wunder. Die Kette beginnt mit Agrippina, der Stadtgründerin. Eine antike Münze mit ihrem Porträt bildet den Auftakt. Gleich daneben ihr Ehemann, Kaiser Claudius, liebevoll und mit augenzwinkernder Ironie beschriftet: „Gemahl der Stadtgründerin“.

Es folgen Szenen und Symbole aus römischer Zeit, dem Mittelalter, der kurkölnischen Epoche. Dann ein kleines, aber intensives Relief: Köln in Flammen, die brennende Stadt im Zweiten Weltkrieg. Auf einer der Medaillen steht :

„Köln, durch Bomben zersprengt und verbrannt, schien tot
zu neuem Leben ward es erweckt durch Liebe und Kraft seiner Bürger“.

Den Abschluss bildet die wohl berühmteste Szene: die Heiligen Drei Könige, die Miniaturkrippe, die das Stadtwappen trägt. Ein Symbol, das tief mit der Kölner DNA verwoben ist.

Handwerklich ist die Kette ein Meisterstück: Granulation, antike Münzen und neueste Metalltechniken. Wenn der Kölner Oberbürgemeister diese Kette heute trägt, trägt er ein Stück Köln – und auch ein erhebliches Stück Gewicht. Denn mit fast einem Kilogramm macht die Amtskette „die Würde, aber auch die Bürde deutlich, die das Amt eines Oberbürgermeisters mit sich bringt“, so Fritz Schramma, Kölner Oberbürgemeister von 2000 – 2009.

Die DFB-Meisterschale - aus der Werkstatt von Elisabeth Treskow, Bild: Foto: JCS
Die DFB-Meisterschale – aus der Werkstatt von Elisabeth Treskow, Bild: Foto: JCS

Die „Salatschüssel“ des DFB

Wenn am Ende der Saison mal wieder die Bayern die Meisterschale in die Luft recken, denken viele Kölner Fußballfans, dass dieses „Salatschüssel“ eigentlich nach Köln gehört. Denn: Entworfen wurde die Schale von Elisabeth Treskow im Jahr 1949 – das berühmte Silberstück aus immerhin fünf Kilogramm Sterling-Silber – stammt aus ihrer Kölner Werkstatt.

In Köln restaurierte sie außerdem Teile des Dreikönigsschreins, eines der wertvollsten Goldschmiedearbeiten des Mittelalters. Diese Arbeit führte sie zur Leidenschaft für antike Gemmen – kunstvolle geschnittene Steine, häufig aus römischer Zeit. Über 130 davon übergab sie dem MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln, was das Museum heute zu einer wichtigen Adresse für Gemmenforschung macht.

Treskow blieb aber stets bodenständig. Sie arbeitete lieber im Stillen, in der Werkstattluft aus Metall, Feuer und Konzentration, als auf Bühnen geehrt zu werden. Und doch erhielt sie 1956 als erste Frau in Deutschland eine Professur im Goldschmiedehandwerk an den Kölner Werkschulen – ein Meilenstein für die Kunstlandschaft des Landes.

Dort hat sie bis 1964 zum Eintritt in den Ruhestand gewirkt – und tiefe Spuren hinterlassen. Zu ihrem Abschied würdigte der Direktor Friedrich Vordemberge das Werk Elisabeth Treskows:

„Mit viel Mühe und Ausdauer, großem pädagogischem Geschick, gepaart mit einem meisterlichen Können, haben Sie in dieser Zeit zahlreiche Talente gefördert, von denen viele die Selbständigkeit erworben und sich bereits bewährt und hervorgetan haben. Wir alle möchten Ihnen ganz herzlich danken für die Zeit der gemeinsamen Arbeit und für so verständnisvolle und menschliche Art, die stets von Ihnen ausstrahlte. Durch die vielen Aufträge haben Sie erheblich mit dazu beigetragen, das Ansehen der Schule nach außen zu erweitern und zu festigen.“1Ausschnitt aus einem Brief von Direktor Friedrich Vordemberge an Elisabeth Treskow, Quelle: TH Köln

Eine Künstlerin, deren Werk weiterlebt – am Rheinufer und im Rathaus

Elisabeth Treskow starb am 6. Oktober 1992. Ihr Name steht im Rheinauhafen, im MAKK, im Domschatz – und auf der Amtskette, die unser jeweiliger Oberbürgemeister trägt. Ein goldener Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Und vielleicht, wenn im Rathaus das Licht auf die Kette fällt und die Gravuren zu leuchten beginnen, ist da ein Moment, der an ihre Arbeit, Hingabe, Kunst und vor allem Fleiß erinnert:

„Meine Versuche zu warten, bis die Musen mich küssten, sind immer fehlgeschlagen. Ich glaube, sie küssen lieber die, denen der Schweiß heißen Bemühens die Stirn feuchtet, als jene, die ihre Ankunft untätig schwärmend erwarten.“ 2Quelle: Elisabeth Treskow: Über meine Arbeit und mich. In: Zeitschrift für Goldschmiede, Juweliere und Graveure. 1943, Nr. 3, S. 30–31.


Das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch auf dem Elisabeth-Treskow-Platz, Bild: Rolf Tippner
Das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch auf dem Elisabeth-Treskow-Platz, Bild: Rolf Tippner

Kunstwerk „Leuchtturm“

Auf dem Elisabeth-Treskow-Platz befindet sich das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch. Dabei handelt es sich um eine 23 Meter lange silbergrau lackierte Stahlstele. Auf der Spitze dieser Stele dreht sich ein Quadrat von 3 x 3 Meter mit einer roten und einer grünen Seite. Damit greift der Künstler die Farben von Backbord und Steuerbord der Schifffahrt auf. Der „Leuchtturm“, seine Farben und die Maße sind exakt auf die umliegende Bebauung abgestimmt.

Diese Visualisierung zeigt den Blick von der rechtsrheinischen Seite über die geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke am Ubierring, Bild: Stadt Köln, Illustration: sbp SE
Diese Visualisierung zeigt den Blick von der rechtsrheinischen Seite über die geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke am Ubierring, Bild: Stadt Köln, Illustration: sbp SE

Schwierig könnte es werden, wenn tatsächlich die geplante Fußgängerbrücke über den Rhein realisiert werden würde. Dann könnte es ein, dass für das Kunstwerk kein Platz mehr ist – in jedem Fall würde sich aber auf dem veränderten Platz sein Charakter verlieren.3Danke für diesen Hinweis an Rolf Tippner von der Kulturinitiative RESPEKT. Ein ganz ähnliches Problem besteht auch bei dem Kunstwerk Standortmitte – ebenfalls von Lutz Fritsch.


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Urania Theater in Ehrenfeld: Drei Frauen, eine Familie, eine Mission

Urania Theater Ehrenfeld
 

Urania spielt ab sofort im neuen Spiegel-Palast

Alle Produktionen des Urania-Theaters werden seit Ende September im ganz besonderen Flair des Spiegelpalasts in der Peter-Huppertz-Straße (direkt neben dem I/D cologne Parkhaus) Köln-Mülheim gespielt. Das Urania Theater in Ehrenfeld ist vorübergehend geschlossen. Hintergrund ist, dass es bei Bauarbeiten im Theatersaal in der Platenstraße zu unerwarteten Komplikationen kam. 

Die neue Spielstätte: Urania im Spiegelpalast

Die neue Spielstätte:
Urania im Spiegelpalast
Peter-Huppertz-Straße
51063 Köln-Mülheim


Im Urania Theater fühlt man sich direkt wie zu Hause. Ob für einen schnellen Kaffee im kleinen Café, zum Schmökern in den Büchern auf der Treppe oder für die große Bühne – hier ist man immer willkommen. Durch die Glasfront blitzt die Bar, draußen lockt der kleine Biergarten am Bürgersteig. Ein Platz zum Hängenbleiben, Quatschen, Staunen.

Drei Frauen machen (das) Theater

Und wer steckt dahinter? Keine Heinzelmännchen – auch wenn man das meinen könnte. Sondern drei Frauen: Regisseurin Bettina Montazem, Sopranistin Lea Montazem und Schauspielerin Rosa-Halina Dahm. Mutter und Töchter. Drei Frauen, eine Familie, eine Mission: Theater machen ohne staatliche Kohle, dafür mit Herzblut.

Bettina erzählt beim Begrüßen gerne die Anekdote, wie ein Freund sie mal fragte: „Hast du eigentlich ’nen Förderverein?“ – Hatte sie nicht, also zack, gegründet. Heute lachen die Gäste drüber, und viele tragen nach der Show direkt den Antrag auf Mitgliedschaft heim. Die Begrüßung ist immer persönlich: erst am Eingang, später vor dem Publikum – und da schwärmt Bettina dann stolz von ihren Töchtern, die abwechselnd auf der Bühne stehen.

Herausragende Künstler:innen bilden erfolgreiches Ensemble

Vier Eigenproduktionen gibt’s pro Jahr. Im Frühjahr 2025 ging’s mit „Broadway – Musical meets Varieté“ nach New York: 100 Jahre Musicalgeschichte, große Stimmen, Artistik zum Staunen. Hits von „Phantom der Oper“ bis „The Greatest Showman“. Lea mittendrin, ihre Stimme wie Samt und Gänsehaut zugleich. Bettina setzt derweil mit einem Obdachlosen-Charakter eine poetische Klammer: Geschichten vom Scheitern, Träumen und Wiederaufstehen, verbunden mit Artistik und Musicalklassikern wie an einer Perlenkette.

Die Begrüßung im Urania Theater ist immer persönlich, Bild: Roland Breitschuh
Die Begrüßung im Urania Theater ist immer persönlich, Bild: Roland Breitschuh

Und genau darin liegt die Faszination des Urania Theaters. Den drei Frauen gelingt es jedes Mal, herausragende Einzeltalente aus Musik und Akrobatik zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenzustellen. Da bleibt einem der Mund offenstehen, wenn Kasia Florczuk zuerst Pirouetten auf einem Eiskreisel von etwa einem Meter Durchmesser dreht, bevor sie sich am Trapez in die Lüfte schwingt.

Sandeep Kale hingegen ist Meister im „Mallakhamb„. Dahinter verbirgt sich eine traditionell indische Sportart aus Yoga, Wrestling und Poledance. Wenn Kale am schwebenden Holzpfahl scheinbar kinderleicht die Schwerkraft überwindet, hält das Publikum den Atem an.

In „Piaf à Paris“ glänzte dann Rosa-Halina als große Piaf. Ihre Stimme: kraftvoll und zerbrechlich zugleich. Im Pariser Bühnenbild wickelt sie das Publikum mühelos um den Finger.

Urania Theater, Maskenball in Venedig

„Maskenball – Oper meets Varieté“

Und jetzt, Ende August, steigt die nächste Premiere: „Maskenball – Oper meets Varieté“. Ein Clown verirrt sich in Venedig und entdeckt mit Lea Montazem an seiner Seite die Schönheit des Lebens. Dazu gibt’s Weltklasse-Acts: das Jonglage-Duo Kris und Harrison Kremo, Luftakrobatin Amelie Kamps, Contorsionist David Meraz und Seifenblasen-Magier Olekseij Sherbluk. Im prachtvollen Bühnenbild erklingen die Stimmen von Mezzosopranistin Paula Meyer und Bassbariton Claus Renzelmann – und die Kostüme von Atelier Maria Lucas machen die Reise an Canal Grande und Rialtobrücke perfekt.

Im Urania Theater sitzt man auf jedem Platz wie in der ersten Reihe, genießt die einzigartige Atmosphäre und entschwindet für zwei Stunden in die himmlische Welt des Varietés.


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Ein paar Fragen an Susanne Imhoff – 25 „Bessermacher“ für Köln

Susanne Imhoff leitet seit 2018 die Imhoff-Stiftung. Bild: Imhoff-Stiftung
Susanne Imhoff leitet seit 2018 die Imhoff-Stiftung. Bild: Imhoff-Stiftung

 

In Köln sind es oft nicht die großen Politik-Räder, sondern die kleinen Zahnräder der Zivilgesellschaft, die dafür sorgen, dat et kölsche Hätz nicht stehen bleibt. Vereine, gemeinnützige Organisationen, Ehrenamtler*innen – und: Stiftungen.

Stiftungen? Tatsächlich! Diese etwas abstrakt klingenden Konstrukte, die aber ganz viel mit dem zu tun haben, was Köln wirklich ausmacht: Zusammenhalt, kulturelle Vielfalt, jecke Ideen und verdammt viel Herz. Von der Anzahl her ist Köln die Hauptstadt der Stiftungen in NRW. Aktuell existieren etwa 500 Stiftungen in Köln, die sich der Förderung des Gemeinwohls verschrieben haben. Zählt man das Umland hinzu, steigt die Zahl der Stiftungen auf ca. 1.150.

Und mittendrin: Die Imhoff-Stiftung. Diese Stiftung feiert im Jahr 2025 ihr 25-jähriges Bestehen mit einer ganz besonderen Aktion: Die „Bessermacher für Köln“. Und darüber gibt Susanne Imhoff, Vorstandsvorsitzende der Imhoff-Stiftung, gerne Auskunft.

Köln ohne Stiftungen? Wie Karneval ohne Kamelle!

Viele Themen – von Kultur über Bildung bis Denkmalpflege und das Brauchtum – wären ohne private Stiftungen nur sehr schwierig zu realisieren. In Zahlen klingt das dann so: 1,3 Millionen Menschen im Regierungsbezirk Köln profitieren pro Jahr von den Aktivitäten kölscher Stiftungen. Insgesamt 300 Millionen Euro jährlich fließen in gemeinnützige Projekte. 

Eine Auswahl der über 500 Kölner Stiftungen
Eine Auswahl der über 500 Kölner Stiftungen

Man fragt sich: Warum wissen das so wenige? Und warum hält sich so hartnäckig das Vorurteil, dass Stiftungen nur dazu wären, Steuern zu sparen? „Ja – eine Stiftung spart tatsächlich Steuern.“ entgegnet Susanne Imhoff  „Aber das Geld ist einem damit ja auch aus der Hand genommen. Der Stifter oder seine Familie kommen nie wieder an das Stiftungskapital und die daraus erwirtschafteten Erträge heran.“

Das Besondere an einer solchen gemeinnützigen Stiftung ist, dass eine Stiftung weder aus Mitgliedern besteht, noch existieren Gesellschafter. Eine Stiftung hat somit auch keinen Eigentümer, sondern gehört sich selbst. Susanne Imhoff vergleicht eine Stiftung mit einem Apfelbaum: „Ich stifte Geld für einen Apfelbaum. Jedes Jahr trägt dieser Baum neue Früchte, die allen zugutekommen. Die Verantwortlichen der Stiftung sind dabei die Gärtner, die dafür sorgen, dass dieser Baum auch regelmäßig reichlich Früchte trägt.“

Was macht die Imhoff-Stiftung konkret?

Die Imhoff-Stiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mehr als 22 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet. Und was hat das mit Schokolade zu tun? Na, einiges!

Die Imhoff-Stiftung fördert Projekte in Köln

Nach dem Verkauf seines Unternehmens hat Hans Imhoff das Gebäude des Schokoladenmuseums mit seinen umliegenden Flächen und einen Großteil seines Vermögens in die Imhoff-Stiftung eingebracht. Mit den Erträgen aus diesem Kapital werden seitdem gemeinnützige Projekte in Köln ermöglicht, gefördert und unterstützt.

Die Imhoff-Stiftung fördert Projekte in den Bereichen:

  • Kunst und Kultur,
  • Bildung und Kulturvermittlung,
  • Therapeutisches Reiten,
  • Gesundheitspflege,
  • Wissenschaft und Forschung,
  • Heimatkunde und Denkmalpflege 

Beispiele sind Projekte für Menschen mit Demenz, der Ausbau des EL-DE-Hauses, Therapeutisches Reiten auf dem Frohnhof e.V., Förenander do – die Caring Community Köln stärkt die Kölner*innen im Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben/Tod und Trauer oder „Der Elfte Elf“, ein Theaterprojekt für Kinder.

„Wir sind eine klassische Antragsstiftung“, sagt Susanne Imhoff. Zweimal im Jahr werden die Förderanträge gesammelt und ausgewertet – mit viel persönlichem Kontakt, Bauchgefühl, Wertekompass und ja: mit einer Portion Herzblut. „In der Entscheidungszeit schlafe ich oft schlecht“, gesteht sie. Kein Wunder, wenn man darüber nachdenkt, welche Projekte man unterstützt – und welche eben nicht.

Keine Bürokratie, kein Theater (außer es wird gefördert)

Der große Vorteil von Stiftungen gegenüber staatlicher Förderung? Schnelligkeit. Menschlichkeit. Agilität. Und ein Blick für Details, den kein Amt je so hinbekommt. „Wir entscheiden nicht nach Aktenlage“, sagt Imhoff. Es gibt kein Anrecht auf Förderung – aber dafür ganz viel Raum für Visionen.

Die Antragsteller*innen kommen aus allen Ecken Kölns, oft mit kleinen Budgets, aber großen Ideen. Und genau da greift die Stiftung ein. Ohne großes Tam-Tam, ohne Gremien-Marathon, ohne sieben Unterschriften. Dafür mit einem klaren Blick auf das, was gebraucht wird.

Imhoff vor seinem wahr gewordenen Traum: Der Schokoladenbrunnen in seinem Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum Köln
Hans Imhoff hat die Imhoff-Stiftung  im Dezember 2000 gegründet, Bild: Schokoladenmuseum Köln

Im Zentrum all dessen steht der ursprüngliche Gedanke von Hans Imhoff: Etwas zurückgeben. Nicht nur, weil man es kann – sondern weil man es will. Diese Haltung zieht sich durch die Arbeit der Stiftung bis heute. „Es ist klassisches bürgerschaftliches Engagement“, erklärt seine Tochter. „Von unten gewachsen, nicht von oben verordnet.“

25 Jahre Imhoff-Stiftung – und 25 Bessermacher für Köln

Gegründet wurde die Stiftung im Jahr 2000 – ein Vierteljahrhundert Imhoff-Stiftung – das will gefeiert werden. Aber anders als bei klassischen Geburtstagen hat sich die Imhoff-Stiftung etwas Besonderes überlegt: Sie macht anderen ein Geschenk.

„Wir wollten uns nicht selbst feiern“, sagt die Stiftungsvorständin. „Das wäre irgendwie unpassend. Wir entscheiden ja nicht jedes Jahr neu, ob wir etwas Gutes tun – als Stiftung müssen wir unser Geld ausgeben. Warum sollten wir uns dafür feiern lassen?“ Die Frage, was man stattdessen tun könne, führte schnell zur eigentlichen Mission der Stiftung zurück: Menschen und Organisationen in Köln zu unterstützen.

Mit Hilfe aller Kölnerinnen und Kölner vergibt die Imhoff-Stiftung 25 Jubiläumspreise an #BessermacherfürKöln

Eine Idee mit Herz: Die „Bessermacher für Köln“

Der Gedanke entstand schnell: Wenn schon 25 Jahre Imhoff-Stiftung, dann sollte der Dank an jene Menschen gehen, die wirklich etwas bewegen. Und so wurde die Idee zu den „Bessermachern“ geboren: Warum nicht die Menschen in Köln fragen, wem sie Danke sagen möchten? Gesucht wurden Geschichten, die zeigen, wie jemand das Leben anderer Menschen besser gemacht hat – ganz gleich ob groß oder klein.

Und jede*r kann mitmachen: Bürgerinnen und Bürger reichen Geschichten ein, in denen sie sich bei einer Organisation, einem Verein oder Projekt bedanken möchten, das ihr Leben berührt oder positiv verändert hat. „Es geht nicht nur um die großen Veränderungen – oft sind es die kleinen Dinge, die zählen“, sagt Susanne Imhoff.

Imhoff-Stiftung, Bessermacher für Köln

Die Aktion hat bisher großen Zuspruch erhalten. Über 300 Beiträge1Stand: 29. Juli 2025 wurden bereits eingereicht – viele davon bewegend. Der Einsendeschluss ist der 31. August 2025. 

Wichtig dabei: Vereine dürfen sich nicht selbst vorschlagen, sondern müssen von anderen nominiert werden. Es geht um persönliche Geschichten, nicht um Bewerbungen mit dem Hinweis „Wir machen gute Arbeit und brauchen Geld“. Die Stiftung legt Wert darauf, dass nicht Zahlen, sondern Wirkung zählt.

Wie geht es weiter?

Nach dem 31. August 2025 beginnt die Auswertung. Zunächst wird geprüft, ob die vorgeschlagenen Vereine die Voraussetzungen erfüllen – etwa die Gemeinnützigkeit per Freistellungsbescheid vom Finanzamt und die Übereinstimmung mit den Stiftungszielen. Auch ein kurzer Hintergrund-Check gehört dazu.

Diese Informationen gehen dann an eine unabhängige Jury, die aus rund etwa 20 Personen besteht. Jedes Jurymitglied vergibt an jeweils zwanzig Vereinen Punke: 20 – 19 – 18 – 17 – etc. Die 20 Vereine mit den meisten Punkten sind automatisch unter den „25 Bessermachern“. Drei weitere werden per Social Media-Voting bestimmt, zwei erhalten eine Wildcard von der Stiftung.

Und was gibt’s zu gewinnen?

Die 25 ausgewählten „Bessermacher“ erhalten eine Einladung zur großen Abschlussveranstaltung im Dezember. Jeder der eingeladenen Bessermacher bekommt sicher 5.000 Euro.

Mit Hilfe aller Kölnerinnen und Kölner vergibt die Imhoff-Stiftung 25 Jubiläumspreise an #BessermacherfürKöln

An dem Abend entscheidet dann das Los, welche drei Vereine jeweils 25.000 Euro erhalten. Susanne Imhoff: „Das Los entscheidet, weil man die Projekte nicht miteinander vergleichen kann. Wie soll man ein Familienhörbuch gegen ein Senioren-Café werten? Das geht nicht.“

Wer ist in der Jury?

„Die Jury besteht aus Menschen, denen wir zutrauen, einen empathischen und umfassenden Blick auf die Stadt Köln und ihre Menschen zu haben“, so Susanne Imhoff. Die Jury ist vielfältig und lokal verankert.

In der Jury sind u.a. Cathrin Dauven, Gaby deMuirier, Annette Frier, Sabine Heinrich, Elvis Katticaren, Uli Kievernagel, Angela Maas, Wolfgang Oelsner, Elisabeth Raffauf, Rodney Ranz, Monika Salchert, Elfi Scho-Antwerpes, André Scymkowiak, Ulrich Soénius und das Team der Stunksitzung.  

Und wie kann ich mitmachen?

Noch bis zum 31. August 2025 können Vorschläge eingereicht werden – ganz unkompliziert über die Website: www.imhoff-stiftung.de/bessermacher. Susanne Imhoff fordert ausdrücklich dazu auf, sich zu beteiligen:

„Wir freuen uns über jede Geschichte. Und es bereitet uns große Freude zu sehen, wie viele Menschen in Köln jeden Tag etwas besser machen – ganz still und leise.“


Podcast-Aufnahnme mit Susanne Imhoff
Podcast-Aufnahnme mit Susanne Imhoff, Bild: Mara Lorsche

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Susanne Imhoff zu den „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Bis jetzt habe ich noch nichts gefunden, was für mich eine echte Alternative wäre. Aber tatsächlich finde ich die Toskana sehr schön. Da lebt meine Tochter und heiratet demnächst. Aber wenn ich ehrlich bin, wüsste ich jetzt im Moment nicht, was ich da den lieben langen Tag machen soll.

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Jeder Jeck ist anders.

Was würden du morgen in unserer Stadt ändern?

Den Ebertplatz.

Kein städtebauliches Idyll: Der Ebertplatz, Bild: Land NRW (2017)
Kein städtebauliches Idyll: Der Ebertplatz, Bild: Land NRW (2017)

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte – außer den Ebertplatz!

Ich glaube, wenn man Großstadt nicht mag, dann sollte man gehen. Und wenn man eine Großstadt mag, die so klein wie möglich ist, dann bleibt man hier in Köln.

Die Südbrücke in Köln, Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0
Die Südbrücke in Köln, einer der Lieblingsplätze von Susanne Imhoff. Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0

Wo ist dein Lieblingsplatz in Kölle?

Das ist definitiv auf einer Rheinbrücke bei Sonnenuntergang.

Welche Kölner*innen haben dich beeinflusst?

Beeinflusst hat mich tatsächlich in hohem Maße mein damaliger Theater AG Leiter vom Gymnasium Kreuzgasse Werner Kronenberg.

Welche Kölner*innen haben dich beeindruckt?

Besonders beeindruckend finde ich die Edelweißpiraten – ohne, dass ich je einen persönlich kennengelernt hätte. Aber diese Gruppe von Menschen mit ihrem Mut und alle Menschen, die es heute noch gibt, die auch nur ansatzweise diese Eigenschaften haben, beeindrucken mich zutiefst.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Dann bin ich mal hier in Köln – und auch mal weg. Also eigentlich eher lieber weg.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Dann bin meistens hier und versuche, das Beste zu machen.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Die Erfahrung, dass man immer wieder aufstehen kann, auch wenn man nicht auf die Füße gefallen ist.

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich lache mich kaputt darüber, dass ich mal gedacht habe, dass wenn man alles richtig macht, es auch bestimmt gut wird.

Rievkooche - Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Rievkooche – Susanne Imhoff kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Dein kölsches Lieblingsessen?

Eindeutig Rievkooche.

Deine kölsche Lieblingskneipe?

Das Früh am Dom. Immer wenn mein künftiger Schwiegersohn aus der Toskana zu Besuch ist, will der ins Früh gehen. Ihn dort zu erleben ist einfach zum Wegschmeißen.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Knüselskopp

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… nur dann irgendwie zu verstehen, wenn man es erlebt hat.


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Ein paar Fragen an Louise Farina – Zwischen Tradition & Innovation

Louise Farina vertritt die 9. Generation der Familie Farina, Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Louise Farina vertritt die 9. Generation der Familie Farina, Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

 

 

Farina – was für wohlklingender – und vor allem wohlriechender – Name: Die Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH ist die älteste bestehende Eau-de-Cologne- und Parfüm-Fabrik der Welt. Tatsächlich wurde das Eau-de-Cologne hier erfunden.

Das Unternehmen ist seit der Gründung 1709 im Familienbesitz. Noch leitet Johann Maria Farina in 8. Generation das Unternehmen. Doch mit Louise Farina steht bereits die 9. Generation bereit, um nach und nach die Leitung des Unternehmens zu übernehmen. Ein Novum in der über 300jährigen Tradition: Zum ersten Mal wird eine Frau an der Spitze des Unternehmens stehen, welches ursprünglich mit der „Ziffer 1“ im Kölner Unternehmensregister stand.

Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Intensive Vorbereitung

Louise tritt ihre Aufgabe nicht unvorbereitet an: Nach einem Bachelor in Chemie an der Kölner Universität hat sie in Grasse und Paris zwei Jahre Parfümerie und ein Jahr in Padua Betriebswirtschaftrslehre studiert. 

Aktuell ist sie als „Head of Innovation and Development“ damit beschäftigt, die Marke Farina in die Zukunft zu führen. Gleichzeitig entwickelt sie auch eigene Düfte und bringt neue Ideen in die Vermarktung von Farina ein. Dazu gehört auch das neue Angebot der Duftseminare.

Die neuen Duftseminare – das Fragrance Atelier von Farina

Wo einst der Ursprung des berühmten Eau de Cologne liegt, entsteht nun ein neues, sinnliches Erlebnis: Farina öffnet die Türen zu dem brandneuen Duftatelier – einem Ort, an dem Duftgeschichte lebendig wird und Kreativität freien Lauf hat.

In den Farina-Duftseminaren können Besucher unter Anleitung ihre eigenen Düfte komponieren. Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
In den Farina-Duftseminaren können Besucher unter Anleitung ihre eigenen Düfte komponieren. Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Unter fachkundiger Anleitung tauchen Besucher in die faszinierende Welt der Parfumkunst ein. Sie lernen, wie Düfte komponiert werden, erfahren Spannendes über Duftfamilien und erschaffen am Ende ihre ganz persönliche Komposition.

Der individuell kreierte Duft – 50 ml eigene Kreativität – darf mit nach Hause genommen werden. Ein besonders Andenken an ein Erlebnis, das Tradition und Innovation auf duftende Weise vereint. Weitere Informationen gibt es dazu auf der Website des  Fragrance Atelier von Farina

Louise im Podcast

Frank und Uli vom Köln-Ding der Woche haben mit Louise unter anderem über

  • die Vergangenheit – mehr als 300 Jahre Farina,
  • die Gegenwart – Herausforderungen in der von Baustellen geprägten Innenstadt und
  • die Zukunft – Louises eigene Duft-Serie und das neue Duftatelier

gesprochen. 

 

 
 

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Louise Farina zu unseren „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Diese Frage bekommst nur du gestellt, die haben wir noch keinen anderen gestellt: Nach was riecht Köln?

In diesem Haus riecht es nach unseren wunderbaren Düften, draußen riecht Köln nach Kölsch.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Das ist eindeutig Paris, die, wenn es um Kunst und Kultur geht, schönste Stadt der Welt

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Ich denke, das ist Weltoffenheit. Bei uns im Haus arbeiten Menschen aus ganz vielen Nationen und Altersklassen zusammen. Wir sind also eine sehr ganz bunte Mischung und darüber bin ich sehr froh

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Ich kenne nur einen Grund: Dann kann man wiederkommen.

Was würden du morgen in unserer Stadt ändern?

Darüber könnte ich länger reden, aber um es auf den Punkt zu bringen: Die Verkehrspolitik.1Zum Hintergrund: Das Farina Haus ist seit Jahren „eingezwängt“ in ein Baustellenchaos. Bei uns sind während Corona die gesamten Parkplätze vor der Tür weggefallen, wofür ich ja noch Verständnis habe. Das schafft Platz für die vielen Menschen, die hier vorbeikommen, da müssen dann keine Autos auf der Straße stehen. Da aber der Lieferverkehr im selben Zuge weggefallen ist, können wir – und die anderen Läden – zu keiner Uhrzeit, an keinem Tag der Woche irgendwas anliefern lassen. Das führt dazu, dass ich jeden Tag mit dem Ordnungsamt verhandeln muss, wenn angeliefert wird.

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Das ist die Aachener Straße direkt am Rudolfplatz mit den vielen Cafés und Bistros. Da sitze ich sehr gern.

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst / beeindruckt? Du darfst aber jetzt keine Familienmitglieder nennen!

Wenn ich ein Familienmitglied nennen dürfte, dann wäre das meine Großmutter Tina Farina. Außerhalb der Familie ist das Dr. Nicole Grünewald, die IHK-Präsidentin.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Karneval feiern.

Was machst du zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Arbeiten.

Rievkooche, Klaus Steves / pixelio.de
Knusprige Rievkooche sind Louises kölsches Lieblingsessen, Bild: Klaus Steves / pixelio.de

Was ist dein kölsches Lieblingsessen?

Ganz ehrlich: Eigentlich esse ich lieber italienisch. Wenn es etwas aber etwas kölsches sein soll, dann gerne Rievkooche.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Alles.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Su ene Driss – aber wenn ich mal schimpfe, dann eigentlich immer auf hochdeutsch.

Ein Blick in das Farina-Duftmuseum, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein Blick in das Farina-Duftmuseum, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich lache mich regelmäßig kaputt, wenn wir asiatische Schulklassen bei uns im Museum haben. Dann müssen schnellstmöglich alle Mitarbeiter in das Museum und versuchen, die Schüler davon abzuhalten, alles, also wirklich alles anzufassen und zu öffnen. Dann ist bei uns Ausnahmezustand. Dieses Chaos und die Panik in den Augen der Mitarbeiter zu sehen, ist schlichtweg komisch.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… die Heimat des Eau de Cologne.


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Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen

Die "Rheingräfin" Sibylle Mertens-Schaafhausen (1797 - 1857)
Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797 – 1857)

Historikerin, Numismatikerin, Musikerin, Mäzenatin, Archäologin, Kunstsammlerin, Mitgründerin des Kölner Dombauvereins – Sibylle Mertens-Schaaffhausen war „eine der bemerkenswerten Frauen des 19. Jahrhunderts“.1Monika Salchert in ihrem Buch „Schräge Typen der Kölner Stadtgeschichte

Wäre Sie ein Mann gewesen, so würden wir heute nach ihr benannte Plätze, Straßen und Schulen kennen. Doch Sibylle Mertens-Schaaffhausen war eine Frau. Noch dazu eine Frau, die Frauen liebte. Und das in der hausbackenen und konservativen Zeit des Biedermeier. Ungeheuerlich.

Ein Mädchen des besseren Gesellschaft

Sibylle Mertens-Schaaffhausen wurde am 29. Januar 1797 in Köln geboren. Ihr Vater war der Bankier Abraham Schaaffhausen, einer der reichsten Männer des Rheinlands. Ihre Mutter Anna, geb. Giesen, starb wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter Sibylle.

Entsprechend der finanziellen Verhältnisse der Familie wurde sie als Mädchen der „feinen Gesellschaft“ erzogen. Sie sprach neben Italienisch auch Französisch und spielte hervorragend Klavier. Alles Attribute, die ein Mädchen aus der besseren Gesellschaft auszeichnen. Und so teilte sie auch das Schicksal vieler junger Mädchen der damaligen Zeit: Sie wurde im Rahmen eines Ehe-Arrangements im Alter von 19 Jahren mit dem fast doppelt so alten Bonner Kaufmann Ludwig „Louis“ Mertens verheiratet.

„Höllenehe“

Von Liebe war in der Ehe keine Spur zu finden. Louis Mertens teilte keine der feinsinnigen Interessen seiner jungen Frau. Aber er war Geschäftsführer in der Bank ihres Vaters.

Die Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff gehörte zum Freundeskreis von  Sibylle Mertens-Schaaffhausen. In einem Brief bezeichnete sie die Ehe ihrer Freundin als „Höllenehe“, Sibylle wäre vom ersten Tag der Ehe an an unglücklich gewesen. Aus der unglücklichen Ehe gingen aber sechs Kinder hervor. Kinder, die später das Lebenswerk ihrer Mutter vernichten sollten.

Zumindest erlaubten die finanziellen Mittel der Familie, dass man sich aus dem Weg gehen konnte. Man wohnte zwar offiziell zusammen im repräsentativen Haus der Familie in der Trankgasse in Köln, jedoch verbrachte Sibylle zunehmend mehr Zeit in ihrer Villa in Bonn, in ihrer Wohnung in Rom oder in ihrer Sommerresidenz auf dem Petersberg, wo heute das Hotel Steigenberger Grandhotel steht. 

Liebesbeziehung zu Adele Schopenhauer

Zwei Dinge wären im Leben von Mertens-Schaaffhausen undenkbar gewesen: Eine Scheidung und ein Coming-out. Damit wäre die von ihren Freunden zur „Rheingräfin“ geadelte Sibylle gesellschaftlich geächtet gewesen.

Mit Adele Schopenhauer, dee Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, pflegte Mertens-Schaaffhausen einen sehr engen Umgang: Die beiden waren ein Paar, was dem Gatten selbstverständlich nicht gefiel und er Adele Schopenhauer Hausverbot erteilte.

Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841
Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841

Doch Sibylle war in Adele so sehr verliebt, dass sie in ihrem Tagebuch notierte:

„Stürbe sie, so spräng ich jetzt in den Rhein,
denn ich könnte nicht ohne sie bestehen.“

Um den gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen, waren die gegenseitigen Besuche und das Leben unter einem Dach immer als Pflege getarnt. Sobald eine der beiden erkrankte, was regelmäßig vorkam, zog die jeweils andere zu ihr und pflegte sie.

Nach einer zwischenzeitlichen Entfremdung – mehr als sieben Jahre gab es kaum Kontakt zwischen den beiden – sollten die beiden Frauen wieder zueinander finden. Schopenhauer zog in die Bonner Villa von Sibylle Mertens-Schaaffhausen und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1849.

Sibylle Mertens-Schaafhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons
Sibylle Mertens-Schaaffhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons

Erfolge als Denkmalschützerin und Archäologin

Sibylle Mertens-Schaaffhausen engagierte sich leidenschaftlich für Musik, Kunst und Denkmalschutz. In ihrer Bonner Villa veranstaltete sie Konzerte und unterstützte das Beethoven-Denkmal. Sie förderte den Kölner Dom und den Wiederaufbau des Rolandsbogens. In Genua pflegte sie während einer Choleraepidemie im Sommer 1835 Kranke, wofür sie mit einer Medaille geehrt wurde. Sie notierte damals „Ich bin an die­sem un­ge­heu­ren Elend geis­tig ge­sun­det, er­kann­te sie. “ 

Nach dem Tod ihres Mannes 1842 blieb Sibylle Mertens-Schaaffhausen länger in Italien. In Genua erforschte sie mit dem Künstler Santo Varni mittelalterliche Kunstschätze. 1836 erkannte sie dort ein Fragment des Mausoleums von Halikarnassos. Später lebte sie in Rom und entdeckte 1846 ein Fragment der „Fasti Capitolini“2Eine Inschrift mit einer Liste römischer Konsuln und Feldherren, das heute in den Vatikanischen Museen aufbewahrt wird.

Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaafhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

Vernichtung des Lebenswerks

Bereits 1842 war Louis Mertens verstorben. Die sechs gemeinsamen Kinder bestanden darauf, sofort ihren Erbteil ausgezahlt zu bekommen. So wurde Sibylle Mertens-Schaaffhausen gezwungen, große Teile ihres Vermögens  zu veräußern, um die Erben auszuzahlen.  

Die „Rheingräfin“ verstarb am 22. Oktober 1857 in Rom. Sie wurde auf dem Friedhof „Campo Santo Teutonico“, dem Friedhof der Deutschen und der Flamen, neben dem Petersdom in Rom bestattet.

Grabtafel für Sibylle Mertens auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Grabtafel für Sibylle Mertens-Schaaffhausen auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nach ihrem Tod wurde alles, was an Vermögensgegenständen übrig war, von ihren Kindern verkauft. Dazu gehörten unter anderem

  • ihre wertvolle Bibliothek,
  • kostbare Möbel,
  • mehr als 1.800 Gem­men,3Eine Gemme ist ein Schmuck- bzw. bzw. Edelstein.
  • 50 Sta­tu­et­ten aus Bron­ze und in Edel­me­tall,
  • vie­le all­täg­li­che Ob­jek­te (Ge­wich­te und Waa­gen, Par­füm­kap­seln),
  • cir­ca 6.000 Mün­zen,
  • Glä­ser, El­fen­bei­ne und Ton­ge­fä­ße,
  • die mit­tel­al­ter­li­che Samm­lung mit wich­ti­gen El­fen­bein­re­liefs (eins be­fin­det sich heu­te im Vic­to­ria and Al­bert Mu­se­um in Lon­don) und
  • 60 historische Waf­fen.4Quelle: Fabbri, Francesca, Sibylle Mertens-Schaaffhausen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/sibylle-mertens-schaaffhausen/DE-2086/lido/65e706849c1845.63339519 (abgerufen am 16.04.2025)
Der Umgang ihrer Kinder mit ihrem Vermächtnis kommt einer Vernichtung aller Erinnerungen nahe. So wurde das Erbe einer selbstbestimmten Frau, die den Konventionen in der damaligen Zeit trotzte, in alle Winde verstreut. Ganz im Interesse ihrer Nachkommen, die alle Erinnerungen an ihre Mutter auslöschen wollten. Wie gut, dass Sibylle Mertens-Schaaffhausen bereits zu Lebzeiten ihre gesamte Korrespondenz der Bibliothek der Bonner Universität vermacht hat.
 
So sind – sehr zum Verdruss der Erben – viele zum Teil intime Briefe und Tagebucheinträge heute noch erhalten.

Das "Zeitzeichen" des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR
Das „Zeitzeichen“ des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR

Zeitzeichen zum 225. Geburtstag der Rheingräfin

Der WDR hat in seiner Sendung Zeitzeichen vom 30. Januar 2022 eine hörenswerte Sendung zu Sibylle Mertens-Schaaffhausen veröffentlicht.


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Ein paar Fragen an: Emmi von „Emmi kocht einfach“

Emmi in ihrer Küche. Immer dabei: Frische , saisonale Zutaten, Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Emmi in ihrer Küche. Immer dabei: Frische,  saisonale Zutaten, Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Ich bin zu Gast bei Emmi von „Emmi kocht einfach“. Das ist ein Blog für einfache Rezepte, die gelingen. Immer wenn man irgendein Rezept googelt, landet man bei Emmi. Bei mir waren es die Rinderrouladen. Und sie sind gelungen. Dank Emmis Rezept!

Emmi kommt zwar eigentlich aus Franken, lebt, arbeitet und kocht in Köln. Ihr Blog ist eine Quelle für Rezepte, auf die man sich verlassen kann. Auch ohne große Kocherfahrung.

Während wir uns unterhalten, fällt ganz oft das Wort „gelingsicher“. Das gefällt mir: Emmi veröffentlicht Rezepte, für die man weder Profikoch sein muss, nicht erst ein halbes Monatsgehalt in einem speziellen Laden investieren muss und auch keine Küche mit allem schnick-schnack braucht.

Hühnerfrikassee von Emmi - ein duftender Traum. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Hühnerfrikassee von Emmi – ein duftender Traum. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Genau so wie für das Hühnerfrikassee, welches Emmi so ganz nebenbei, während wir miteinander sprechen, zubereitet. Erstaunlich: Emmi bekommt die Mehlschwitze ganz ohne Klümpchen hin – daran scheitere ich regelmäßig. Aber sie nimmt mir die Angst und meint „Es ist doch völlig egal, wenn sich in der Soße noch das ein oder andere kleine Klümpchen befindet, sie wird ganz bestimmt auch so schmecken.“ Und das scheint schon das nicht ganz so geheime Geheim-Rezept von Emmi Prolic zu sein: Einfach machen! Habt Spaß beim Kochen und keinen Stress.

Auch Emmi macht sich keinen Stress. Während wir uns unterhalten, zerläuft die Butter im Topf und sie rührt das Mehl für die Mehlschwitze unter – so ganz nebenbei. Und ohne Klümpchen.

Emmi – warum gibt es heute das Hühnerfrikassee?

Ich hatte noch Hähnchen übrig. Und so ein Frikassee  ist eine prima Resteverwertung von Hähnchenfleisch. Egal ob gekocht oder gebraten, es passt und gelingt immer. Und auch mein Sohn liebt dieses Essen. 

Seit einiger Zeit wird viel über Lebensmittelverschwendung und Resteverwertung diskutiert und ich frage mich deshalb oft, wie es früher eigentlich war. Meine Oma zum Beispiel hat mit den Lebensmitteln gekocht, die im Vorrat waren. Frisches Gemüse kam saisonal dazu und Fleisch je nach dem auch. Aus vielen Zutaten, die vom Essen übrig waren, hat sie wieder etwas gezaubert. In diese Kategorie fällt auch mein klassisches Hühnerfrikassee Rezept.

Ist das dein Lieblingsgericht? Oder womit kann man dich – zumindest beim Essen – richtig glücklich machen?

Mein absolutes Lieblingsgericht ist und bleibt Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat. Dafür lasse ich alles stehen und liegen. Wahlweise kann es auch Schnitzel Wiener Art mit Putenfleisch sein und ja, manchmal esse ich gerne auch Pommes dazu.

Pfannkuchen gehören zu den beliebstesten Rezepten bei "Emmi kocht einfach", Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Pfannkuchen gehören zu den beliebstesten Rezepten bei „Emmi kocht einfach“, Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Ist das auch das Lieblingsgericht der Leser deines Blogs?

Nein, obwohl ich auch meine Zubereitungsvariante auf den Blog gestellt habe. Die Rezept-Lieblinge auf meinem Blog sind Rindergulasch, Spaghetti Carbonara und Pfannkuchen.  

Mich kann man mit Muschelgerichten bis nach Düsseldorf jagen. Gibt es auch Dinge, die du absolut nicht magst?

Mich kannst du mit Innereien-Gerichten jagen, ich würde dafür noch weiter flüchten als Düsseldorf, zum Beispiel passenderweise nach Essen in meine alte Wahlheimat. Doppeldeutig, du verstehst 😉!?

Weil du andere mit Essen glücklich machen willst, betreibst du seit 2017 den Blog „Emmi kocht einfach“. Was unterscheidet deinen Blog von den vielen Rezept-Seiten im Internet?

Ehrlich gesagt will ich sie nicht nur glücklich machen, sondern sie vor allem unterstützen, wenn sie täglich aufs Neue den Alltagsspagat zwischen Beruf und Haushalt meistern müssen. Ich habe das selbst jahrelang zwischen Zeitnot und Familienküche durchlebt. Diese Unterstützung war von Beginn an mein Ansinnen und Antrieb bei der Arbeit rund um den Blog, nämlich eine zuverlässige Rezept-Quelle zu sein, auf die man sich „in der Not“, wenn einem die Ideen ausgehen, verlassen kann. Ich stecke deshalb viel Herzblut und Gewissenhaftigkeit in die Rezeptentwicklung. Sie sind im Ablauf durchdacht und ich versuche keine Fragen offen zu lassen, sie sind von mir selbst mehrfach erprobt, damit sie für jeden gelingsicher sind und oft verpasse ich ihnen noch ein iTüpfelchen.

Für dich ist „Saisonalität“ beim Essen ganz wichtig. Warum sollte ich im Oktober keinen Spargel essen oder keine Erdbeeren im Januar? Steht doch alles im Supermarkt im Regal!

Ja, mir ist das wahnsinnig wichtig immer wieder darüber zu sprechen, denn dieses ständig verfügbare Schlaraffenland, in dem wir leben hat sehr viele negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und uns selbst. Außerhalb der heimischen Saison haben wir es immer mit Importware zu tun. Ein Irrsinn ist der Transport, oft sind es bis zu 10.000 Flugkilometer, die das Gemüse im Winter zurücklegt, dazu kommt manche Sorten werden unreif geerntet und dafür nicht mit guten Mittelchen behandelt. Erdbeeren oder Tomaten im frühen oder späten Winter werden übrigens auch zum Beispiel in Spanien in riesigen Gewächshäusern angebaut. Dort wird mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet, damit in dem vorherrschend feuchten Klima der Gewächshäuser sich keine Pilze und andere Schädlinge vermehren. Auch der Energieaufwand dieser Gewächshäuser ist nicht zu verachten und auch, was sie an Wassermengen für die Bewässerung benötigen.

In meiner idealen Welt würden sich die Menschen viel mehr damit beschäftigen, was unsere heimischen Felder, Bäume und Sträucher aus der eigenen Region in der jeweiligen Jahreszeit bereitstellen, dann wenn sie mit der Kraft des Klimas bzw. der Sonne wachsen und gedeihen können. Man kann nichts Besseres für sich selbst und die Umwelt tun… Ein wirklich abendfüllendes Thema.

Es sieht immer fantastisch aus! Hier der "Spaghettikürbis mit Schinken und Käse". Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Es sieht immer fantastisch aus! Hier der „Spaghettikürbis mit Schinken und Käse“. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Wenn man in deinen Blog reinschaut, sieht immer alles perfekt gelungen aus. Bei mir sehen meine Kochergebnisse nie so aus wie auf den wunderschönen Bildern. Hand aufs Herz: Schummelst du? Oder geht bei dir nie etwas schief? 

Selbstverständlich geht auch bei mir beim Kochen manchmal was daneben. Wenn ich aber das Rezept für die Fotoproduktion koche und fotografiere, was ich übrigens beides selbst mache, geht glücklicherweise sehr selten etwas schief. Fürs Foto muss ich manchmal mit ein paar Tricks arbeiten, um das Gericht von seiner besten Seite zu zeigen, aber die verrate ich natürlich nicht 😉 .

Dein Blog ist in deiner heimischen Küche gestartet – heute treffen wir uns in Räumen, die fast schon wie ein Studio wirken. War es von vornherein der Plan, den Blog professionell zu betreiben?

Nein das hatte ich nicht im Sinn. Du musst wissen, ich hatte mehr als ein Jahr zuvor meine Vollzeit-Tätigkeit als leitende Angestellte an den Nagel gehängt, um ganz für meinen damals 6jährigen Sohn da sein zu können… um nichts mehr in seinem Leben zu verpassen. Ich habe meine Leidenschaft am Kochen wiederentdeckt und natürlich täglich frisch für ihn bzw. uns alle drei gekocht. Dann kam der Wunsch in mir auf, diese Rezepte zu veröffentlichen, auf eine besondere Weise, gut erklärt, absolut verlässlich und gelingsicher, für alle gestressten Menschen da draußen wie ich es auch einer war. Ich hatte damit einen Nerv getroffen und meine Community wurde immer größer und auch die Wahrnehmung von Kooperationspartner, die bei mir anklopften. So nahm alles einen Lauf.  

Bist du ganz alleine? Oder hast du ein Team, welches dich unterstützt? 

Mein Mann ist seit einigen Jahren mein Geschäftspartner. Wir betreiben den Blog gemeinsam. Er ist unter anderem für die Vermarktung und den ganzen technischen Teil verantwortlich. Bei unseren zahlreichen Aufgaben rund um den Blog unterstützen uns sehr viele externe Partner aber mittlerweile haben wir in der Tat auch intern ein kleines Team an Mitarbeitern. Anders wäre es nicht mehr zu stemmen.

Bei so viel Aufwand entstehen auch Kosten. Wie refinanzierst du deinen Blog?

Das ist schnell erklärt, wenn du auf meine Seite „Emmi kocht einfach“  gehst, siehst du einige Werbeplatzierungen, so wie du ja zum Beispiel auch Werbung auf anderen Webseiten siehst oder im Privatfernsehen. So finanzieren wir uns heute hauptsächlich.

In Emmis Shop gibt es ihre Kochbücher und ausgewählte, hochwertige Produkte.
In Emmis Shop gibt es ihre Kochbücher und ausgewählte, hochwertige Produkte.

Dazu kommen noch die Einnahmen für meine Kochbücher, die ich schreibe und die Einnahmen aus unserem Shop

Sind irgendwann mal alle Rezepte gekocht? Wie sind deine Pläne für die Zukunft?

Nein, das wird nie der Fall sein. So wie die Menschheit sich verändert, verändert sich auch die Kulinarik und es wird immer wieder neue Facetten geben. Wie in der Musik oder der Kunst, Bereiche die ebenfalls nie zum Stillstand kommen..


Genau wie alle anderen Menschen in meiner Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Emmi zu meinen „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

  1. Du kommst ursprünglich aus Franken. Schäufele, „Drei im Weggla“ und die Biere aus der Region sind sensationell. Zieht es dich ab und zu zurück dorthin?

Ja regelmäßig, mein Bruder mit Familie lebt noch dort, aber auch Tanten und Onkels. Auch eine meiner besten Freundinnen aus Jugendtagen lebt dort, wir haben uns nie aus den Augen verloren und ich besuche sie immer, wenn ich kann.

  1. Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Ich würde im Münchner Umland leben. Das ist meine Herzensgegend, weil ich die Berge so sehr liebe. Von dort könnte ich sie in der Ferne sehen, wäre schnell dort, hätte aber auch die Großstadt München in Reichweite, in der auch Freunde von uns leben.

  1. Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Bodenständig“ und „kommunikativ“. Gehört das überhaupt dazu?

  1. Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Putzkolonnen losschicken, die die Straßen reinigen und die verschmierten Wände übermalen und das täglich. Im Vergleich zu anderen Großstädten auf den vorderen Plätzen hat Köln meines Erachtens viel Nachholbedarf und könnte in einem ganz anderen Licht erstrahlen. Das Stadtbild ist streckenweise echt schmuddelig und dreckig.

  1. Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Da fällt mir ehrlicherweise kein Grund ein. Wie gesagt, Köln ist keine Schönheit, packt einen aber emotional. Die Toleranz der Kölner ist außergewöhnlich und das macht doch eine Stadt am Ende wirklich lebenswert.

  1. Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Die Besucherplattform im Triangle-Tower in Deutz, es gibt meiner Ansicht nach keine schönere Aussicht auf die Stadt.

  1. Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Ich gehöre zu denjenigen die mittlerweile am liebsten flüchten, wenn es meine Zeit erlaubt. Ich finde das, was aus dem Straßenkarneval geworden ist schrecklich, das hat für mich nicht mehr viel mit Brauchtum zu tun.

  1. Wo drüber laachs de dich kapott?

Wenn jemand Grimassen zieht und extremes Talent dafür hat, da kann ich nicht anders, da liege ich unter dem Tisch vor Lachen.

Rievkooche - Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Rievkooche – Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
  1. Jetzt kommt für eine Köchin die wichtigste Frage: Was ist dein kölsches Lieblingsgericht?

Ganz weit vorne der Rievkooche 😊

  1. Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Fiese Möpp, das hatte ich relativ schnell drauf.

  1. Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… „im Herzen“ schön.


Ich darf mitessen. Danke, Emmi! Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Ich darf mitessen. Danke, Emmi! Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Das Hühnerfrikassee ist mittlerweile fertig. Ein duftender Traum. Emmi sieht mich an und stellt lachend einen zusätzlichen Teller auf den Tisch.

Ich bin genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.


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Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse – eine Heilige mit „Bodenhaftung“

St. Maria in der Kupfergasse, Bild: Raimond Spekking
St. Maria in der Kupfergasse, Bild: Raimond Spekking

Im „Hillige Kölle“ gibt es unendlich viele Erinnerungsstätten an Heilige, wie zum Beispiel den Dreikönigsschrein , die „Goldene Kammer“ in St. Ursula oder die Marienstatue in St. Maria im Kapitol mit Äpfeln zur Erinnerung an den Appel-Jupp.

Doch zu kaum einer Heiligenfigur haben die Kölner eine so enge, fast schon persönliche, Bindung wie zu der Schwarzen Madonna in der Kupfergasse. Wenn meine Oma in der Innenstadt unterwegs war, gehörte ein Besuch dort genauso zum Pflichtprogramm wie das Einkaufen beim „Tietz“, dem heutigen Kaufhof.

Und der Bann der Schwarzen Madonna ist ungebrochen. Das zeigen auch die unendlich vielen Opferkerzen, die dort regelmäßig aufgestellt werden. Dabei wird die Schwarze Madonna bei allen möglichen Anliegen um Hilfe gebeten. So besucht auch traditionell das Kölner Dreigestirn am Karnevalssonntag die Schwarze Madonna, entzündet eine mit Karnevalsmotiven verzierte Kerze und bittet um gutes Wetter und einen erfolgreichen Ablauf des Rosenmontagszugs.

Eine dunkelhäutige Madonna

Die Madonna ist aus Lindenholz gefertigt. Dieses Holz hat eine weißlich/gelbliche bis maximal hellbräunliche Farbe. Der verstorbene Pfarrer an der Kirche St. Maria in der Kupfergasse, Werner Plänker, meinte, die Figur könne „… mit der dunklen Farbe auch das Leid und die Krankheit der Menschen, die zu ihr um Hilfe gefleht haben, angenommen haben.“ Das mag sein, wahrscheinlicher ist aber, dass der Ruß der unendlich vielen Opferkerzen die Figur geschwärzt hat. Immerhin steht die Figur bereits seit 1630 in Köln. Und hat – fast ein Wunder – alle Irrungen und Wirrungen in unserer Stadt bis heute unbeschadet überstanden.

Als dunkelhäutige Marienfigur ist die Schwarze Madonna in der Kupfergasse in guter Gesellschaft. Weltweit werden schwarze Madonnen verehrt, in Deutschland alleine 25 Exemplare. Die bekannteste Herleitung der schwarzen Madonnenfiguren bezieht sich auf das Hohelied Salomos in der Bibel. In dem recht „süffigen“, erotisch aufgeladenen Text lautet es:

„Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein. Es riechen deine Salben köstlich; dein Name ist eine ausgeschüttete Salbe, darum lieben dich die Mädchen. Zieh mich dir nach, so wollen wir laufen. Der König führte mich in seine Kammern. Wir wollen uns freuen und fröhlich sein über dich; wir preisen deine Liebe mehr als den Wein. Herzlich lieben sie dich. Ich bin braun, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, …“ 1In anderen Übersetzungen lautet es auch „Ich bin schwarz, aber gar lieblich …“

Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse, Bild: Willy Horsch, CC BY 3.0
Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse, Bild: Willy Horsch, CC BY 3.0

Anmutige Figur, mit Schmuck überladen

Ein genauer Blick auf die Schwarze Madonna zeigt, dass die Figur sehr anmutig ist. Bernd Imgrund beschreibt die Figur als „Eindrucksvoll, das moderne Gesicht zeugt vom Stolz auf das Kind in ihren Armen, aber auch von tiefer Ruhe und Glaubensfestigkeit.“2Bernd Imgrund: 111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss, emons-Verlag.

Dankbare Gläubige haben die Schwarzen Madonna mit Schmuckstücken beschenkt. Daher ist die Figur heute fast schon überladen, die gut gemeinten Gaben verhindern den ursprünglichen Blick die Figur.

Eine Heilige zum Anfassen

Und für die Kölschen ist und bleibt die Schwarze Madonna ursprünglich, also irgendwie eine Heilige zum Anfassen, die sich allen Anliegen annimmt. Und nur wer die kölschen Befindlichkeiten nicht kennt, ist darüber erstaunt, dass auch die Fans des ruhmreichen 1. FC Köln Opferkerzen aufstellen. Früher sollten diese Opferkerzen für die Meisterschaft sorgen, heute sollen diese wohl eher den drohenden Abstieg verhindern.

Hoffentlich wirkt es.


Bei d’r schwazze Madonna en d’r Kofferjass

Niemand geringeres als der großartige Ludwig Sebus hat der Schwarzen Madonna auch ein musikalisches Denkmal gesetzt. In seinem Lied „Bei d’r schwazze Madonna en d’r Kofferjass“ lautet es

Bei d´r Schwazze Madonna
en d´r Kofferjass,
brenne Kääze Dag en in un Dag us.
Bei d´r Schwazze Madonna
mäht manch einer Rass,
un keiner jeit heim ohne Trus.

Hochdeutsche Übersetzung:

Bei der Schwarzen Madonna
in der Kupfergasse
brennen Kerzen tagein und tagaus.
Bei der Schwarzen Madonna
macht manch einer Rast,
und keiner geht heim ohne Trost.


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Trude Herr: Niemals geht man so ganz

"Dat Pummel" - Trude Herr als kölsche Ulknudel, Bild: Trude-Herr-Fanclub
„Dat Pummel“ – Trude Herr als kölsche Ulknudel, Bild: Trude-Herr-Fanclub

Podcast Trude Herr, 22

„Niemals geht man so ganz
irgendwas von mir bleibt hier.“
(Trude Herr)

Dieses Lied gehört auf einer kölschen Beerdigung schon fast zum Inventar. Und auch als Zitat schmückt es viele Todesanzeigen in Köln & drumherum. Trude spielte im Jahr 1987, bereits schwer krank, diese kölsche Hymne zusammen mit Wolfgang Niedecken und Tommy Engel ein. Die Single klettert in den deutschen Charts auf Platz 20. Trude Herr selber starb – nach einem bewegten Leben – am 16. März 1991.

Kindheit in Mülheim

Ihre Kindheit verbringt Trude überwiegend in Köln-Mülheim. Ihr Vater war Mitglied der KPD und wurde 1933 wegen seiner politischen Gesinnung von den Nationalsozialisten verhaftet und für viele Jahre in ein Konzentrationslager verschleppt. Die Familie litt schwer unter dem Verlust, Trude wurde von ihrer Mutter und der sieben Jahre älteren Schwester Agy großgezogen. Der von Trude geliebte Vater starb 1961.

Die Familie wird 1943 ausgebombt und in das hessische Ewersbach evakuiert. In Dillenburg arbeitet sie als Schreibkraft im Krankenhaus, später im Einwohnermeldeamt. Nach dem Krieg kehren die Herrs wieder in das zerstörte Köln zurück und Trude arbeitet bei der der von der KPD herausgegebenen Zeitung „Die Volksstimme“.

Lange hält es die temperamentvolle Trude nicht am Schreibtisch aus: Bereits 1946 schließt sie sich einer Aachener Wanderbühne an und 1947 heuert sie beim großen Willy Millowitsch an. Doch der „Pummel“, wie Trude wegen ihrer schon damals stattlichen Figur, genannt wurde, wollte mehr und gründete im Jahr 1949 zusammen mit Gustav Schellhardt die „Kölner Lustspielbühne“. Leider ohne wirtschaftlichem Erfolg – das Theater musste schon kurz danach Konkurs anmelden und Trude verdiente sich ihren Lebensunterhalt im „Barberina“, einer Schwulen-Bar an der Hohe Pforte.

Als „Madame Wirtschaftswunder“ im Karneval

Erfolgreicher waren ihre Auftritte im Karneval. Als „Madame Wirtschaftswunder“ oder „Besatzungskind“ eroberte sie zwar ab Mitte der 1950er Jahre die Bühnen der Karnevalssäle, aber ihre oft vulgäre Art und die Gesellschaftskritik in ihren Büttenreden waren den konservativen Funktionären im Karneval ein Dorn im Auge. Als sie sich dann noch mit ihrer Nummer „Die Karnevalspräsidentengattin“ unmittelbar über die spaßbefreiten Frackträger lustig machte, war schnell Schluss mit lustig. Weitere Auftritte als „Präsidentengattin“ wurden ihr untersagt.

Trude Herr in den 1960er Jahren, Bild: Trude-Herr-Fanclub
Trude Herr in den 1960er Jahren, Bild: Trude-Herr-Fanclub

Somit war der Weg frei für die große Stadt: 1958 Trude wurde für das Revuetheater „Tingel-Tangel“ in Berlin engagiert. Dieses Engagement und ihre Präsenz in Berlin ebnete ihr auch den Weg ins Kino. In mehr als 30 Filmen mimte sie die rheinische Ulknudel, darunter auch Kassenschlager wie „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ oder „Drillinge an Bord“ mit Heinz Erhardt. In dieser Zeit entstand auch mit „Ich will keine Schokolade“ ihr größter Hit.

Trude Herrs größter Hit "Ich will keine Schokolade"
Trude Herrs größter Hit „Ich will keine Schokolade“

Bei einer ihrer Reisen nach Afrika verliebte sich Trude in den Tuareg Ahmed M’Barek. Doch die 1969 geschlossene Ehe war nicht besonders glücklich und wurde 1976 geschieden. Glücklicher waren von 1970 bis 1976 ihre Inszenierungen mit eigenem Ensemble im Millowitsch-Theater. „Scheidung auf kölsch“, „Familie Pütz“ oder „Pflaumenschwemme“ waren erfolgreiche Stücke und führten gleichzeitig zu Streit mit Willy Millowitsch. Der eher deftige Humor Trude Herrs vertrug sich nicht mit Millowitschs Verständnis von Volkstheater.

Theater im Vringsveedel: „Ruhm hatten wir immer genug, nur kein Geld.“

Diese Konflikte führten dazu, dass Trude ihr eigenes Theater gründete. 1977 pachtete sie ein ehemaliges Kino auf der Severinstraße und gründete das „Theater im Vringsveedel“. Schnell wurde ihr Theater – gemessen an der Auslastung – zum erfolgreichsten in ganz Nordrhein-Westfalen. Gemessen am finanziellen Erfolg war es ein Flop. Trude Herrs lakonischer Kommentar dazu „Ruhm hatten wir immer genug, nur kein Geld.“ Nachdem sie vergeblich versuchte, städtische Zuschüsse zu erlangen, musste sie das Theater 1986 schließen.

Für Trude Herr selber, mittlerweile 59 Jahre alt, war es auch die Chance, etwas Neues zu machen. Sie ging ins Tonstudio und coverte auf der Platte „Ich sage, was ich meine“ internationale Hits. Aus „I Want To Know What Love Is“ wurde „Ich weiss jenau wat de meinz“ und „Beast of Burden“ wird zur „Hipp vum Nümaat“. Auf dieser Platte ist als letztes Stück auch „Niemals geht man so ganz“. Dieses Lied war ihr Abschiedsgeschenk an ihre Heimatstadt.

Trude Herr ist in Köln auch an eher unerwarteten Orten zu finden wie hier auf einem Stromkasten auf der Zwirnerstraße, ganz in der Nähe des Trude-Herr-Denkmals. Bild: Annette Esser
Trude Herr ist in Köln auch an eher unerwarteten Orten zu finden. Zum Beispiel auf einem Stromkasten auf der Zwirnerstraße, ganz in der Nähe des Trude-Herr-Denkmals. Bild: Annette Esser

Trude Herr stirbt in Südfrankreich an Herzversagen

Die schwer kranke Künstlerin zog noch im Jahr 1987 auf die Fidschi-Inseln und lernte dort ihren letzten Partner Samuel Bawesi kennen. 1991 kehrte sie für wenige Wochen noch einmal nach Köln zurück, um dann im Februar 1991 in die Nähe von Aix-en-Provence zu ziehen. Trude Herr starb dort am 16. März 1991 an Herzversagen.

Trude Herr ist tot – aber ihr Lied „Niemals geht man so ganz“ ist unvergänglich. Nicht nur auf kölschen Beerdigungen.


Trude-Herr-Schule im Mülheim

Im August 2020 hat die „11. Kölner Gesamtschule Mülheim“ verkündet, in Zukunft den Namen „Trude-Herr-Schule“ zu tragen. Weitere mögliche  Namenpatronen für die Schule waren die Edelweißpiratin Gertrud „Mucki“ Koch oder die von den Nationalsozialisten ermordete Ärztin Lilli Jahn. 

Es war kein einfache Entscheidung, so Schulleiterin Monika Raabe in einem Bericht der Kölner Stadt-Anzeigers. Man habe sich für Trude Herr entschieden, weil die in Mülheim aufgewachsene Künstlerin für Bodenständigkeit stehe, genau wie die Schule. 


 

Das Trude-Herr-Denkmal in der Kölner Südstadt, Bild: Raimond Spekking
Das Trude-Herr-Denkmal in der Kölner Südstadt, Bild: Raimond Spekking

Ähnlich turbulent wie ihr Leben ist auch die Geschichte um das Trude-Herr-Denkmal direkt am Bürgerhaus Stollwerck. Ohne schützende Glasur wurde dieses Denkmal im Jahr 2002 aufgestellt und verrottete. Gerettet wurde es erst 2012 durch eine Spende des Trude-Herr-Fanclubs.

Gedenktafel für Trude Herr vor ihrem ehemaligen Theater (heute das Oden-Kino) auf der Severinstraße
Gedenktafel für Trude Herr vor ihrem ehemaligen Theater (heute das Oden-Kino) auf der Severinstraße

Vor ihrem ehemaligen Theater in der Severinstraße ist seit 2012 eine Bronzetafel angebracht, welche an das „Theater im Vringsveedel“ und seine Gründerin erinnert.


Ein muskalisches Denkmal für Trude Herr setzte die Band L.S.E. mit dem Stück „Trudi“ auf dem Album „Für et Hätz un jä¬jen d’r Kopp“.

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Mehr Informationen

 Dort lautet es:

Wä kennt en Kölle die Superfrau
Met däm unwahrscheinliche Körperbau?
Wä hät jedanz, jesunge un Theater jemat
Un keinem noh d’r Schnüss jeschwaad?

Diese Beschreibung hätte Trude Herr gefallen.


Ein großes DANKE an den Trude-Herr-Fanclub. Ich durfte für dieses Köln-Ding der Woche deren Bilder verwenden.


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Die Heilige Ursula, Teil I: Ihr Martyrium rettet Köln vor den Hunnen

Der Märtyrertod der Heiligen Ursula auf einem Bild aus dem 15. Jahrhundert
Der Märtyrertod der Heiligen Ursula auf einem Bild aus dem 15. Jahrhundert

Podcast Ursula, Teil 1, 20

Köln war von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts mit etwa 40.000 Einwohnern die wichtigste und größte Metropole im Deutschen Reich. Und wenn wir heute vom „Hillije Kölle“ sprechen, war das zu dieser Zeit sogar verbrieft: Ab dem 12. Jahrhundert war Köln „Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia“, also „Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter“.

Die Romanischen Kirchen waren Anziehungspunkt für Pilger aus aller Welt. Und so wie wir uns heute an schönen Urlaubsorten T-Shirts oder Kühlschrankmagnete kaufen, wollte auch jeder dieser Pilger im Mittelalter ein Andenken mit nach Hause nehmen. Im Idealfall sogar etwas „Heiliges“. Da boten sich Reliquien geradezu an.

Eine Reliquie ist ein irdischer Überrest eines Heiligen. In der Regel ein Körperteil wie ein Knochen, manchmal aber auch ein Gegenstand, mit dem der Heilige in Berührung gekommen ist. Wenn es sich bei dieser Reliquie um Körperteile handelt, sind diese naturgegeben endlich: Auch ein Heiliger hat nur einen Schädel, zwei Beine und zehn Finger. Wenn aber nun alle einen Teil des Heiligen haben wollen, wird es schwierig. Die clevere kölsche Lösung für dieses Problem ist die wundersame Vermehrung verehrungswürdiger Knochen durch die Geschichte der Heiligen Ursula.

Legende der Heiligen Ursula belebt das Geschäft mit Reliquien

Die Heilige Ursula hatte gleich 11.000 Gefährtinnen, die direkt mitverehrt wurden. Und so waren auf einmal 11.000 Schädel, 22.000 Beine und 220.000 Finger und Zehen als Reliquien verfügbar. Sehr praktisch, auch wenn die Kirche das Geschäft mit den Reliquien verboten hatte. Aber der findige Kölner findet auch dafür eine Lösung: Verkauft wurden daher nicht die Reliquien selber, sondern die hübschen Kisten und Schachteln drumherum. Und dass halt die Reliquie darin liegt – jood, dat es halt esu.

Ob es Ursula jemals gegeben hat, kann nicht belegt werden. Der Legende nach war Ursula eine bretonische Prinzessin im 4. Jahrhundert und schon als Kind so extrem fromm, dass sie ihr Leben Christus geweiht hatte und auf ewig Jungfrau bleiben wollte. Diese Pläne wurden durch ihren Vater durchkreuzt: Dieser verlobte Ursula mit dem englischen Prinzen Aetherius. Kleiner Haken: Aetherius war ein ungetaufter Barbar – für die fromme Ursula ein absolutes No-Go. Daher stellte sie drei Bedingungen:

  1. Sie erhält eine Frist von drei Jahren bis zur Eheschließung.
  2. Aetherius muss sich während dieser Zeit taufen lassen.
  3. Ursula unternimmt mit 11.000 Gefährtinnen eine Wallfahrt nach Rom. 

Aetherius stimmt zu. Es werden Schiffe gebaut, und die Jungfrauen machen sich auf den gefährlichen Weg nach Rom. Es geht von der Bretagne  quer über die Nordsee in die Rheinmündung und dann flussaufwärts zunächst bis nach Köln. Hier hat Ursula eine Vision: Ein Engel verkündet ihr, dass sie nach ihrem Besuch in Rom wieder zurück nach Köln kommen wird um dort als Märtyrerin zu sterben. Für ein frommes Mädchen wie Ursula anscheinend eine verlockende Aussicht, denn sie ergibt sich ihrem Schicksal.

Von Köln aus geht es weiter bis nach Basel und von dort aus zu Fuß quer über die Alpen nach Rom. Jetzt gibt es zwei Varianten der Legende: In der einen war zwischenzeitlich auch Aetherius in Rom angekommen. Seine Taufe und die Segnung von Ursula und der 11.000 Jungfrauen wurde von keinem geringerem als Papst Siricius (in manchen Quellen auch als Cyriacus bezeichnet) vorgenommen. In der anderen Variante treffen sich Ursula und der frischgetaufte Aetherius erst in Mainz. Wie auch immer: Völlig begeistert von der frommen Reisegesellschaft schließt sich der Papst den Jungfrauen an, denn er hatte erfahren, dass das Martyrium bevorstand und so etwas lässt man sich als Papst nicht entgehen.

Die Prophezeiung erfüllt sich

Wieder in Köln angekommen, stellt die um den Papst und Aetherius sowie etliche weitere Interessierte angewachsene Reisegesellschaft fest, dass die Hunnen die Stadt belagern. Diese fackeln nicht lange und metzeln die ganze Gefolgschaft nieder – insgesamt 10.998 Jungfrauen. Die Heilige Cordula überlebte das Massaker, weil sie sich verstecken konnte. Allerdings wird sie später von den Hunnen gefunden und ebenfalls getötet. Auch Ursula überlebt zunächst, weil der König der Hunnen sich in sie verliebt. Er bietet ihr an, sie zu verschonen, wenn sie ihn heiratet. Eine für Ursula aus gleich zwei Gründen unmögliche Option: Erstens wäre ja auch dieser Gemahl ein ungetaufter Barbar und zweitens muss sich ja mit ihrem Tod die Prophezeiung des Engels erfüllen. Folglich lehnt sie ab und der Hunnenkönig tötet sie.

Kaum war Ursula tot, erschienen 11.000 kampfeslustige Engel und vertrieben die Hunnen aus der Stadt – die Belagerung war beendet. Als Dankeschön für diese Befreiung machten die Kölner Ursula zu einer ihrer Stadtpatroninnen und die ganze Geschichte rund um Ursula zu einem sensationellen Geschäft mit Reliquien.


Im Teil II der Ursula-Geschichte wird erklärt, wie es die findigen Kölner geschafft haben, tatsächlich Unmengen an echten Knochen heranzuschaffen, um diese an die Pilger zu verkaufen.  


Hinter der schillernden Legende von Ursula wird ein anderer Stadtpatron oft vergessen: Der „Kriesgdienstverweigerer“ Gereon.


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Katharina Henot – die vermeintliche Hexe

Figur von Katharina Henot auf dem Rathausturm. Deutlich zu erkennen: Die Flammen des Scheiterhaufens. Sie ist in guter Gesellschaft: Die Figur neben ihr ist Friedrich Spee von Langenfeld, ein Kritiker der Hexenprozesse, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Figur von Katharina Henot auf dem Rathausturm. Deutlich zu erkennen: Die Flammen des Scheiterhaufens. Sie ist in guter Gesellschaft: Die Figur neben ihr ist Friedrich Spee von Langenfeld, ein Kritiker der Hexenprozesse, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Podcast Henot 5

Die sogenante „Hexenverfolgung“ ist ein trauriges Kapitel. Es gibt keine sichere Angabe zu den Opfern, manche Quellen gehen von bis zu 60.000 Toten aus. Darunter waren auch Männer, allerdings fanden überwiegend Frauen als vermeintliche „Hexen“ den Tod. So auch die Kölnerin Katharina Henot (oder auch Henoth, je nach Quelle), die am 19. Mai 1627 ermordet wurde.

Neid auf das lukrative Postmeister-Amt

Katharinas Vater Jacob Henot hatte seit 1579 das hochangesehene Amt des kaiserlichen Postmeisters in Köln inne. Doch seine Bestrebungen, Generalpostmeister zu werden, riefen die Neider aus dem Haus Taxis auf den Plan und führten zu 20 Jahren voller Streit um das lukrative Amt. Faktisch führten Katharina und ihr Bruder Hartger die Post-Geschäfte.

Als ihr Vater im Jahr 1625 im damals unglaublich hohen Alter von 94 Jahren starb, hielten die Geschwister den Tode des Familienoberhaupts zunächst geheim, um nicht die Geschäfte zu gefährden. Der Schwindel flog auf – und die Familie Henot verlor in einem Prozess das Recht auf die Postmeisterei an die Fürsten von Taxis.

Katharina wird der „Peinlichen Befragung“ unterworfen

Zeitgleich kamen in Köln Gerüchte auf, Katharina sei eine Hexe. Beweise waren z. B. eine Raupenplage in einem Kölner Kloster. Die Beschuldigte strengte daraufhin einen Prozess zum Beweis ihrer Unschuld an. Doch die Vorwürfe gegen Katharina häuften sich, sie wurde unter anderem wegen Schadenzaubers, Verbreitung von Zank und „Unzucht mit adeligen Herren“  angeklagt.

Daher wurde sie im Januar 1627 festgenommen und der „Peinlichen Befragung“ unterzogen. Die „Peinliche Befragung“ wurde bei Inquisitionsprozessen eingesetzt. Der Begriff ist von Pein abgeleitet bedeutet deswegen schmerzhaft. Tatsächlich handelt es sich um Folter mit dem Ziel, ein Geständnis zu erhalten. Der Einsatz der Folter wurde zur damaligen Zeit als durchaus legitim angesehen.1Leider wird auch heute noch von finsteren Regimen rund um den Erdball gefoltert. Danke an Thomas für diese Ergänzung.

So könnte auch die "Peinliche Befragung" Katharina Henots ausgesehen haben, Bild: Jan Luyken (1649 – 1712), Public domain, via Wikimedia Commons
So könnte auch die „Peinliche Befragung“ Katharina Henots ausgesehen haben, Bild: Jan Luyken (1649 – 1712), Public domain, via Wikimedia Commons

Insgesamt wurde die vermeintliche Hexe drei Mal gefoltert. Doch Katharina blieb standhaft und verweigerte ein Geständnis ihrer Hexerei. Eigentlich hätte der Prozess hier enden müssen, denn nach den damals gültigen Gesetzen hätte sie nach der dritten Folter ohne Geständnis freigelassen werden müssen. Trotzdem wurde sie zum Tode verurteilt.

Auf Melaten hingerichtet

Am 19. Mai 1627 wurde das Urteil auf Melaten vollstreckt. Der Scharfrichter erwürgte die von der Folter stark gezeichnete Katharina Henot, ihr Leichnam wurde verbrannt. Dieser Mord war der Auftakt zu einer ganzen Serie von Hexenprozessen im „Hillige Kölle“. Bis 1630 wurden mindestens 24 weitere Frauen als Hexen ermordet.

Es sollte aber noch mehr als 380 Jahre bis zur Rehabilitation der vermeintlichen Hexen dauern. Erst im Februar 2012 beschloss der Rat der Stadt Köln, auf Antrag der Nachfahren von Katharina Henot, die Rehabilitierung von insgesamt 38 Frauen, die im Zuge der Hexenprozesse verurteilt worden waren.


Heute trägt eine Straße in Ehrenfeld und eine Schule in Kalk ihren Namen. Das Historische Archiv begründet die Namensgebung der Schule wie folgt (Auszug):
„Ihre Persönlichkeit lässt mit Selbstbewusstsein, Gerechtigkeitssinn und Standhaftigkeit Eigenschaften erkennen, denen heute der Stellenwert von demokratischen Tugenden zugemessen wird.“

Die Bläck Fööss haben ihr mit dem Lied „Katharina Henot“  ein musikalisches Denkmal gesetzt. Den Text gibt es auf der Website der Föös.


Ein großes DANKE an Franz-Josef Knöchel vom Informationssystem  KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital. für wertvolle Korrekturhinweise zu diesem Artikel.


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