Gedenktafel, in d’r Kayjass Nummer Null (Kaygasse, Ecke Großer Griechenmarkt),Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Jedes kölsche Schulkind kennt diesen Text:
„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull, un do hammer dren studeet. Unser Lehrer, dä hieß Welsch, sproch en unverfälschtes Kölsch ... … Dreimol Null es Null, bliev Null, denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“
Bei dem von den „Drei Laachduve“ in der Session 1938/39 besungenen Lehrer handelt es sich um Heinrich Welsch, und genau dieser Lehrer Welsch hat tatsächlich ein musikalisches Denkmal verdient.
Allerdings war Welsch nie in der Kaygasse tätig, sondern leitete im rechtsrheinischen Kalk eine Sonderschule für Kinder, die einer besonderen Fürsorge bedurften. Man kann davon ausgehen, dass die „Drei Laachduve“ Welsch wegen des Reims in die Kaygasse versetzt haben, denn die ursprüngliche Schule lag in der Hollweghstraße . Das hätte doch das Reimschema arg strapaziert.
Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Welsch – ein Pädagoge mit Herz
Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf, heute ein Ortsteil von Wachtberg, geboren. Er war ausgebildeter Lehrer mit einem Examen des Königlich Preußischen Lehrerseminars in Brühl. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem in Worringen und Sülz, kam er 1881, mitten in der industriellen Revolution, nach Kalk. Erschreckt über die Verhältnisse in der Arbeiterschaft erkannte Welsch sehr schnell, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Erfolg seiner Schüler war. Im Jahr 1905 gründete er die „Hilfsschule“ in Kalk. Der Lehrer Welsch kümmerte sich rührend um seine Schüler – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Rohrstock noch als pädagogisches Mittel galt. So brachte er zum Beispiel Mädchen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft verstoßen wurden, wieder zurück zu ihren Familien.
Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin
Zu seinen Bemühungen um die Bildung gehört auch, dass Welsch 1884 mit 1.700 von ansässigen Betrieben gespendeten Büchern die erste Volksbibliothek in Kalk gründete. Heinrich Welsch schied im Jahr 1914 aus dem Schuldienst aus und verstarb 1935. Sein Grab auf der dem Friedhof in Kalk ist ein Ehrengrab, die Stadt Köln kümmert sich um die Grabpflege.
Lehrer-Welsch-Preis
Neben dem bekannten Lied lebt Heinrich Welsch aber auch im Lehrer-Welsch-Sprachpreis weiter. Die Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verleiht diesen seit 2004 an Personen oder Institutionen, die sich um die Hochsprache und den Erhalt der kölschen Sprache verdient gemacht haben.
Der Sänger Ludwig Sebus, selbst Preisträger im Jahr 2008, dazu im Kölner-Stadt-Anzeiger „Das Vermächtnis des legendären Lehrers Welsch ist doch viel mehr als Drei mal Null. Er verkörperte die kölsche Seele. Als Lehrer hat er alle Menschen gleich gesehen und gleich behandelt.“.
2023
Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr von 1903
2024
Kölner Hänneschen-Theater, Puppenspieler: Jacky von Guretzky-Cornitz, Charly Kemmerling, Udo Müller und Josef Schönberg
2025
„Bömmel“ Lückerath, Gründungsmitglied der Bläck Fööss
Peter Kievernagel (1935 – 2023) war bei seinen Schülern als „Papa gnädig“ bekannt. Bild: Uli Kievernagel
Ein anderer Lehrer, bekannt als „Papa gnädig“
Ich widme dieses „Köln-Ding der Woche“ ausdrücklich meinem am 2. April 2023 verstorbenen Vater Peter Kievernagel, ebenfalls Lehrer. Seine Schüler sprachen von ihm als „Papa gnädig“, weil er bei Prüfungen auch schon mal gerne ein Auge zudrückte. Ganz in der Tradition von Heinrich Welsch.
Zwar stammt das Lied von der „steinahl Schull“ im Original von den „Drei Laachduve“, allerdings ist die überarbeitete Version der „Vier Botze“ einer der heimlichen Hymne Kölns.
Die „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen (1797 – 1857)
Historikerin, Numismatikerin, Musikerin, Mäzenatin, Archäologin, Kunstsammlerin, Mitgründerin des Kölner Dombauvereins – Sibylle Mertens-Schaaffhausen war „eine der bemerkenswerten Frauen des 19. Jahrhunderts“.1Monika Salchert in ihrem Buch „Schräge Typen der Kölner Stadtgeschichte
Wäre Sie ein Mann gewesen, so würden wir heute nach ihr benannte Plätze, Straßen und Schulen kennen. Doch Sibylle Mertens-Schaaffhausen war eine Frau. Noch dazu eine Frau, die Frauen liebte. Und das in der hausbackenen und konservativen Zeit des Biedermeier. Ungeheuerlich.
Ein Mädchen der besseren Gesellschaft
Sibylle Mertens-Schaaffhausen wurde am 29. Januar 1797 in Köln geboren. Ihr Vater war der Bankier Abraham Schaaffhausen, einer der reichsten Männer des Rheinlands. Ihre Mutter Anna, geb. Giesen, starb wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter Sibylle.
Entsprechend der finanziellen Verhältnisse der Familie wurde sie als Mädchen der „feinen Gesellschaft“ erzogen. Sie sprach neben Italienisch auch Französisch und spielte hervorragend Klavier. Alles Attribute, die ein Mädchen aus der besseren Gesellschaft auszeichnen. Und so teilte sie auch das Schicksal vieler junger Mädchen der damaligen Zeit: Sie wurde im Rahmen eines Ehe-Arrangements im Alter von 19 Jahren mit dem fast doppelt so alten Bonner Kaufmann Ludwig „Louis“ Mertens verheiratet.
„Höllenehe“
Von Liebe war in der Ehe keine Spur zu finden. Louis Mertens teilte keine der feinsinnigen Interessen seiner jungen Frau. Aber er war Geschäftsführer in der Bank ihres Vaters.
Die Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff gehörte zum Freundeskreis von Sibylle Mertens-Schaaffhausen. In einem Brief bezeichnete sie die Ehe ihrer Freundin als „Höllenehe“, Sibylle wäre vom ersten Tag der Ehe an an unglücklich gewesen. Aus der unglücklichen Ehe gingen aber sechs Kinder hervor. Kinder, die später das Lebenswerk ihrer Mutter vernichten sollten.
Zumindest erlaubten die finanziellen Mittel der Familie, dass man sich aus dem Weg gehen konnte. Man wohnte zwar offiziell zusammen im repräsentativen Haus der Familie in der Trankgasse in Köln, jedoch verbrachte Sibylle zunehmend mehr Zeit in ihrer Villa in Bonn, in ihrer Wohnung in Rom oder in ihrer Sommerresidenz auf dem Petersberg, wo heute das Hotel Steigenberger Grandhotel steht.
Liebesbeziehung zu Adele Schopenhauer
Zwei Dinge wären im Leben von Mertens-Schaaffhausen undenkbar gewesen: Eine Scheidung und ein Coming-out. Damit wäre die von ihren Freunden zur „Rheingräfin“ geadelte Sibylle gesellschaftlich geächtet gewesen.
Mit Adele Schopenhauer, dee Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, pflegte Mertens-Schaaffhausen einen sehr engen Umgang: Die beiden waren ein Paar, was dem Gatten selbstverständlich nicht gefiel und er Adele Schopenhauer Hausverbot erteilte.
Adele Schopenhauer in einem Porträt von Alexander von Sternberg aus dem Jahr 1841
Doch Sibylle war in Adele so sehr verliebt, dass sie in ihrem Tagebuch notierte:
„Stürbe sie, so spräng ich jetzt in den Rhein,
denn ich könnte nicht ohne sie bestehen.“
Um den gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen, waren die gegenseitigen Besuche und das Leben unter einem Dach immer als Pflege getarnt. Sobald eine der beiden erkrankte, was regelmäßig vorkam, zog die jeweils andere zu ihr und pflegte sie.
Nach einer zwischenzeitlichen Entfremdung – mehr als sieben Jahre gab es kaum Kontakt zwischen den beiden – sollten die beiden Frauen wieder zueinander finden. Schopenhauer zog in die Bonner Villa von Sibylle Mertens-Schaaffhausen und lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1849.
Sibylle Mertens-Schaaffhausen im Jahr 1842, Zeichnung von Adolf Schlesinger, Public domain, via Wikimedia Commons
Erfolge als Denkmalschützerin und Archäologin
Sibylle Mertens-Schaaffhausen engagierte sich leidenschaftlich für Musik, Kunst und Denkmalschutz. In ihrer Bonner Villa veranstaltete sie Konzerte und unterstützte das Beethoven-Denkmal. Sie förderte den Kölner Dom und den Wiederaufbau des Rolandsbogens. In Genua pflegte sie während einer Choleraepidemie im Sommer 1835 Kranke, wofür sie mit einer Medaille geehrt wurde. Sie notierte damals „Ich bin an diesem ungeheuren Elend geistig gesundet, erkannte sie. “
Nach dem Tod ihres Mannes 1842 blieb Sibylle Mertens-Schaaffhausen länger in Italien. In Genua erforschte sie mit dem Künstler Santo Varni mittelalterliche Kunstschätze. 1836 erkannte sie dort ein Fragment des Mausoleums von Halikarnassos. Später lebte sie in Rom und entdeckte 1846 ein Fragment der „Fasti Capitolini“2Eine Inschrift mit einer Liste römischer Konsuln und Feldherren, das heute in den Vatikanischen Museen aufbewahrt wird.
Der Totenzettel der „Rheingräfin“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Als Geburtsdatum wird hier fälschlicherweise der 3. Februar 1797 (statt dem korrekten Datum 29. Januar 1797) angegeben. Vermutlich hat der Verfasser des Totenzettels das Taufdatum, welches in den Kirchenbüchern in der Regel immer an erster Stelle steht, mit dem Geburtsdatum verwechselt. Danke für diesen Hinweis an Michael Osieka aus Köln. Bild: Totenzettel Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Vernichtung des Lebenswerks
Bereits 1842 war Louis Mertens verstorben. Die sechs gemeinsamen Kinder bestanden darauf, sofort ihren Erbteil ausgezahlt zu bekommen. So wurde Sibylle Mertens-Schaaffhausen gezwungen, große Teile ihres Vermögens zu veräußern, um die Erben auszuzahlen.
Die „Rheingräfin“ verstarb am 22. Oktober 1857 in Rom. Sie wurde auf dem Friedhof „Campo Santo Teutonico“, dem Friedhof der Deutschen und der Flamen, neben dem Petersdom in Rom bestattet.
Grabtafel für Sibylle Mertens-Schaaffhausen auf dem Campo Santo Teutonico in Rom, Bild: Dadamax, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Nach ihrem Tod wurde alles, was an Vermögensgegenständen übrig war, von ihren Kindern verkauft. Dazu gehörten unter anderem
ihre wertvolle Bibliothek,
kostbare Möbel,
mehr als 1.800 Gemmen,3Eine Gemme ist ein Schmuck- bzw. bzw. Edelstein.
50 Statuetten aus Bronze und in Edelmetall,
viele alltägliche Objekte (Gewichte und Waagen, Parfümkapseln),
circa 6.000 Münzen,
Gläser, Elfenbeine und Tongefäße,
die mittelalterliche Sammlung mit wichtigen Elfenbeinreliefs (eins befindet sich heute im Victoria and Albert Museum in London) und
Der Umgang ihrer Kinder mit ihrem Vermächtnis kommt einer Vernichtung aller Erinnerungen nahe. So wurde das Erbe einer selbstbestimmten Frau, die den Konventionen in der damaligen Zeit trotzte, in alle Winde verstreut. Ganz im Interesse ihrer Nachkommen, die alle Erinnerungen an ihre Mutter auslöschen wollten. Wie gut, dass Sibylle Mertens-Schaaffhausen bereits zu Lebzeiten ihre gesamte Korrespondenz der Bibliothek der Bonner Universität vermacht hat.
So sind – sehr zum Verdruss der Erben – viele zum Teil intime Briefe und Tagebucheinträge heute noch erhalten.
Das „Zeitzeichen“ des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR
Gemälde des neuen Kölner Flughafen Butzweilerhof aus dem Jahr 1928, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Gastautor dieses Artikels ist Werner Müller. Seine Leidenschaft gehört der Luftfahrt und insbesondere der Verbindung der Luftfahrt zur Geschichte der Stadt Köln. Werner Müller ist der Initiator des „1. Tag der Kölner Stadtgeschichte“ und Eigentümer des Historischen Luftfahrtarchiv Köln.
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln erforscht die Geschichte der Kölner Luftfahrt und veröffentlicht diese Geschichte auf der Webseite, in Fernsehdokumentationen und Berichten sowie in Ausstellungen und Vorträgen. Nach über zwanzig Jahren Forschung wurden bisher mehr als 150 Themen1 auf der Website des Luftfahrtarchivs veröffentlicht. Weitere Kapitel sind in Vorbereitung. Diese Webseite ist die weltweit größte Webseite zur Luftfahrtgeschichte einer Stadt – auch deswegen, weil Köln die weltweit reichste Luftfahrtgeschichte hat. Für zukünftige Ausstellungen sind Anschauungsmodelle zur Kölner Luftfahrtgeschichte in Planung.
Werner Müller, Inhaber von Kölns Historischem Luftfahrtarchiv, Bild: Werner Müller
Bitte beachten: Das Historische Luftfahrtarchiv Köln ist ein rein privates und kein öffentliches Archiv.
In diesem Artikel erläutert Werner Müller die wechselvolle Geschichte des Flughafens „Butzweilerhof“.
Das Portal der Abfertigungshalle des Flughafens Butzweilerhof aus dem Jahr 1936 , hier ein Foto aus dem Jahr 2009. Bild: Superbass, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
100 Jahre Butzweilerhof
Der Butzweilerhof ist einer jener Orte, an denen sich Kölner Stadtgeschichte in ungewöhnlicher Dichte ablesen lässt. Kaum ein anderes Areal der Stadt hat innerhalb von hundert Jahren so viele Funktionen, Bedeutungen und Zuschreibungen erfahren: Militärischer Flugplatz, internationaler Verkehrsflughafen, architektonisches Prestigeprojekt, militärische Kaserne, Konversionsfläche – und heute ein Ort, an dem Mobilität vor allem inszeniert wird. Wer den Butzweilerhof verstehen will, muss ihn als Spiegel technischer, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen lesen.
Die Fliegerstation Cöln Butzweilerhof im Winter 1912/13, noch im Bau, hier die rückwärtige Ansicht der beiden Fliegerhallen. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
1913: Die Entscheidung für den Westen der Stadt
Mit der Eröffnung der Fliegerstation Cöln-Butzweilerhof am 1. April 1913 begann die Geschichte eines Luftfahrtstandorts, der von Beginn an strategisch gedacht war. Das Gelände westlich der Stadt auf dem Gelände des Bauernhof Butzweiler Hof, bot flache Flächen und ausreichend Abstand zur dichten Bebauung. Außerdem wurden dort bereits Flugversuche durchgeführt. Die Nutzung war klar militärisch geprägt: Ausbildung, Erprobung, Organisation.
Der Ort war funktional, nicht repräsentativ. Gebäude, Startflächen und Infrastruktur dienten dem Zweck, nicht der Öffentlichkeit.
Der Butzweilerhof – von 1913 bis 1926 Fliegerstation und von 1926 bis 1936 Flughafen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
„Luftkreuz des Westens“
Zwischen dem 1. Weltkrieg und dem 31. Januar 1926 wurde der Butz als Fliegerstation der britischen RAF und des Australischen Flying Corps genutzt. Mit der Öffnung für den zivilen Luftverkehr ab 1926 begann dann eine Phase, in der der Flughafen zunehmend als Verkehrsinfrastruktur gedacht wurde – nicht mehr ausschließlich als militärischer Raum.
In kurzer Zeit entwickelte sich der Butzweilerhof zu einem bedeutenden Knotenpunkt des westdeutschen Luftverkehrs. Linienflüge verbanden Köln mit nationalen und internationalen Zielen, der Flughafen gewann an wirtschaftlicher und symbolischer Bedeutung. In dieser Phase entstand der Begriff vom „Luftkreuz des Westens“, das Köln, neben Berlin-Tempelhof, zu einem der wichtigsten Luftfahrtstandorte Deutschlands machte.
Der Butzweilerhof, hier nach dem Umbau 1936, war ein beliebtes Ausglugsziel für die Kölner. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
1936: Architektur als Ausdruck von Macht und Moderne
Mit der Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes im Jahr 1936 erreichte diese Entwicklung ihren architektonischen Höhepunkt. Entworfen von Hans Mehrtens, war das Terminal weit mehr als ein Funktionsbau. Es verband moderne Verkehrstechnik mit monumentaler Gestaltung und klaren Achsen – ein Bauwerk, das bewusst Wirkung entfalten sollte.
Der Flughafen wurde zum Schaufenster – nicht nur für Reisende, sondern auch für politische Botschaften.
Auf Grund der Provisorien der ersten zehn Jahre wusste man nun, wie eine Flughafenanlage konzipiert sein muss, um dem steigenden Flugverkehr zu bewältigen. Überall in Deutschland wurden die bisherigen Provisorien in den Jahren 1935 und 1936 durch komplett durchgeplante Flughafenensemble ersetzt.
Brüche und Kontinuitäten: Der Zweite Weltkrieg
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endete die zivile Nutzung. Der Butzweilerhof wurde nun wieder komplett militärisch genutzt, der Luftverkehr diente nun anderen Zwecken. Zerstörungen, Einschränkungen und Umnutzungen prägten diese Phase. Der Ort verlor seine Rolle als offenes Verkehrstor und wurde Teil der Kriegsinfrastruktur.
Der Flughafen überstand den Krieg zwar nicht unbeschadet, aber als klar lesbare Anlage. Während die Gebäude (Bretterbuden) des „ersten“ Butzweilerhofs am Heiligen Abend 1944 zerstört wurden, blieb der Neubau von 1936 komplett erhalten.
Der Neubau des Butzweilerhofs von 1936 war erstaunlichwerweise nach dem Krieg überraschend gut erhalten. Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner Müller
Nach 1945: Funktionsverlust und Übergang
Nach Kriegsende übernahmen zunächst die britischen Streitkräfte das Gelände. Mit der Eröffnung des Flughafens Köln-Bonn im Jahr 1957 war endgültig klar, dass der Butzweilerhof seine Rolle als internationaler Verkehrsflughafen verloren hatte. Dies lag auch am Standort, der auch auf Grund der größeren Verkehrsflugzeuge, zu nah an der Stadt lag.
Dennoch wurde das Gelände militärisch genutzt. Über Jahrzehnte hinweg war der Butzweilerhof Kaserne, Verwaltungsstandort und logistischer Raum für die britische RAF, die Belgischen Heeresflieger und die Bundeswehr. Diese Phase ist weniger spektakulär, aber entscheidend für das Verständnis des Ortes: Der Flughafen verschwand nicht, er veränderte seine Funktion, ohne seine Identität vollständig zu verlieren.
Das denkmalgeschütztes Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Butzweilerhof, hier im Jahr 2009. Bild: superbass
Konversion und neue Stadtlandschaft
Mit dem Ende der militärischen Nutzung begann eine neue Phase: die Konversion. Der Butzweilerhof wurde Teil eines größeren städtebaulichen Transformationsprozesses. Gewerbe, Medien, Dienstleistungen und neue Verkehrsachsen prägten das Umfeld. Die Historische Gebäude von 1936 wurden unter Denkmalschutz gestellt, die Gebäude der RAF und der Belgier wurden abgerissen.
Dadurch entfernte sich dieser Ort zunehmend von seiner ursprünglichen Funktion. Der Flughafen wurde fragmentiert: Teile blieben sichtbar, andere verloren ihren historischen Zusammenhang. Die Flughafenarchitektur wurde durch die städtebauliche Planung sowie die neuen Wohngebäude erdrückt.
Dass es auch anders geht, zeigt der Flughafen Berlin Tempelhof. Hier wurde die historische Architektur erhalten, wozu auch die Weite des Rollfelds gehört.
Heute: Motorworld Köln Rheinland
Aber nun stand die Frage im Raum was mit diesen Gebäuden passieren sollte. Das Angebot eines Mäzens in diesem historischen Flughafenensemble ein Luftfahrt- und Technikmuseum zu eröffnen, wurde von der Stadt Köln nicht einmal beantwortet.
Der Butzweilerhof beherbergt heut die „Motorworld Köln“ und ist ein Dienstleistungszentrum rund um Oldtimer- und Sammlerfahrzeuge. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Mit der Eröffnung der „Motorworld Köln Rheinland“ erhielt der Butzweilerhof eine neue, öffentlichkeitswirksame Nutzung. Die denkmalgeschützten Hallen wurden saniert, ergänzt und mit neuen Funktionen versehen. Aber die reiche Luftfahrtgeschichte des Butzweilerhofs wurde nicht mehr beachtet. Automobile Ausstellungen, Werkstätten, Gastronomie und Eventflächen prägen heute das Bild. Dazu wurden umfangreiche Abbruchmaßnahmen innerhalb und außerhalb der historischen Gebäude durchgeführt. Es gab um 2000 in der Stadtpolitik sogar Überlegungen die Hallen abzureißen und nur noch das Hauptportal stehen zu lassen.
Ohne diese Nutzung bestand die Gefahr, dass Teile der historischen Substanz möglicherweise verloren gegangen wären. Trotz Umgestaltung bleiben die Gebäude zugänglich, der Ort ist belebt. Aber ohne die Geschichte sind es nur noch tote Steine.
Kritische Betrachtung: Sichtbarkeit ist nicht gleich Verständlichkeit
Gleichzeitig wirft die Umgestaltung grundlegende Probleme auf: Durch massive bauliche Eingriffe, neue Fassaden, große Durchbrüche und Inszenierungen werden historische Strukturen überformt. [Fußnote: „Überformung“ in der Architektur bezeichnet den gestalterischen Eingriff in ein bestehendes Gebäude (Bestandsbau), bei dem dessen ursprüngliche Struktur, Form oder Erscheinung durch neue architektonische Elemente wesentlich verändert, überlagert oder neu interpretiert werden.] Der Flughafen wird zur Kulisse, seine ursprüngliche Funktion tritt in den Hintergrund. Auf Grund der massiven Umbauten steht auch die Frage im Raum ob der Denkmalschutz noch besteht oder „hintenrum“ abgeschafft wurde.
Der Schwerpunkt auf automobilen Erlebniswelten verschiebt die Erzählung: Der Ort der Luftfahrt wird zum Ort der Mobilitätsvermarktung. Die Luftfahrtgeschichte ist nur noch in externen Archiven vorhanden und somit nicht mehr leitend. Der Zusammenhang zwischen Architektur, Funktion und Zeitgeschichte ist für viele Besucher nicht mehr nachvollziehbar.
Die repräsentative Empfangshalle des Butzweilerhofs, hier ein Foto aus dem Jahr 2009. Bild: F.412, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Fazit: Ein Ort mit Verantwortung
Der Butzweilerhof ist kein beliebiges Gelände. Er ist ein historischer Ort mit klarer Identität. Seine Zukunft entscheidet sich nicht allein an wirtschaftlicher Tragfähigkeit, sondern an der Frage, wie Geschichte vermittelt wird.
100 Jahre Butzweilerhof bedeuten Verantwortung: für den Umgang mit Bausubstanz, für historische Zusammenhänge und für die Rolle dieses Ortes im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Nutzung und Erinnerung müssen kein Widerspruch sein – aber sie verlangen Sensibilität. Das ist auf dem Butzweilerhof nicht passiert.
Auch der Butzweilerhof bleibt damit einer der vielen Orte in Köln, an dem sich zeigt, dass die Kölner Politik und Verwaltung nicht mit der eigenen Stadtgeschichte umgehen kann.
Autor: Werner Müller, Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Am 13. Mai 1926 ging der Flughafen Köln Butzweilerhof in Dienst. Ein Grund, um dies mit einer Ausstellung zu würdigen. Neben dem Historischen Luftfahrtarchiv Köln wird auch das Luftkriegsarchiv Köln und der Verein Industriedenkmal Clouth e.V. eine Ausstellung präsentieren.
Ort: Kulturbunker Mülheim, Berliner Str. 20, 51063 Köln, 1. OG
Haltestelle „Von-Sparr-Straße“ der Linie 4 / Haltestelle „Neuer Mülheimer Friedhof“ Buslinie 153
Der Eintritt ist FREI
Öffnungszeiten (alle Zeiten unter Vorbehalt)
Samstag, 11. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
Sonntag, 12. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
Montag, 13. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
Dienstag, 14. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
Mittwoch, 15. Juli 15:00 – 20:00 Uhr
Kuratorenführung
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln dokumentiert und erforscht die Geschichte der Kölner Luftfahrt, insbesondere des Flughafens Butzweilerhof. Initiiert wurde es von Werner Müller, der Fotos, Pläne und Zeitzeugnisse sammelt, um dieses Kapitel Kölner Stadt- und Technikgeschichte dauerhaft zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen.
Dr. Joachim Oepen, Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums Köln. Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Frank & Uli vom Köln-Ding der Woche sind zu Gast bei Dr. Joachim Oepen. Der Historiker und Archivar leitet das Historische Archiv des Erzbistums Köln. Joachim Oepen hat in Köln Geschichte und Latein studiert. Er ist auch Lehrbeauftragter für für mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte am Historischen Institut der Universität zu Köln.
Er hat bereits bei den Kölner-Podcast-Tagen mitgewirkt und ist für seine Veröffentlichungen zur Kölner Stadtgeschichte und Kölner Kirchengeschichte bekannt.
Historisches Archiv des Erzbistums Köln
Hier, im Historischen Archiv des Erzbistums, lagern die Erinnerungen der Kölner Kirche in kilometerlangen Regalreihen. Und „kilometerlang“ ist hier keine Übertreibung: Tatsächlich finden sich hier mehr als 13 Regalkilometer Aktenmaterial in diesem Archiv: Urkunden seit dem Mittelalter, unzählige Akten, Kirchenbücher, Briefe und Dokumente.
Zufälligerweise liegt ein ganz besonderes Prunkstück auf dem Tisch von Dr. Joachim Oepen: Die Koelhoffsche Chronik, eine Chronik der Stadt Köln aus dem Jahr 1499.
Die „Koelhoffsche Chronik“, eine Chronik über die Stadt Köln aus dem Jahr 1499. Bild: Frank Mausbach
Rund 6000 mittelalterliche Urkunden gehören zu den ältesten Stücken des Archivs. Doch zwischen all den Regalen und Kartons verbirgt sich nicht nur kirchliche Verwaltungsgeschichte, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte. Denn ohne die Kirche lässt sich Köln kaum erzählen.
Die Kirchen der Kölner Neustadt
In diesem Podcast geht es um die Kirchen der Kölner Neustadt. Ein wichtiges Thema in Köln, denn immer, wenn man an Kirchen an Köln denkt, kommt zuerst der Dom, dann lange nichts, dann die Romanischen Kirchen.
Aber auch die Kirchen der Neustadt sind beachtenswert. Dr. Oepen ist ein ausgewiesener Fachmann zu diesen Bauten. Er hat bereits 2006 zusammen mit Wolfgang Schaffer das Buch „Kirche, Kanzel, Kloster. Pfarrgründungen, Kirchenbau und Seelsorge in der Kölner Neustadt 1880-1920“ (Greven Verlag, Köln 2006) herausgegeben.
Oepen / Schaffer: „Kirche, Kanzel, Kloster. Pfarrgründungen, Kirchenbau und Seelsorge in der Kölner Neustadt 1880-1920“ (Greven Verlag, Köln 2006)
Als Köln plötzlich doppelt so groß wurde
Wer heute über die Kölner Ringe spaziert, ahnt kaum, was hier vor gut 140 Jahren passierte. Damals verwandelte sich Köln in wenigen Jahrzehnten von einer mittelalterlichen Festungsstadt in eine moderne Metropole. Die Stadtmauer fiel 1881 und rund um die Altstadt entstand ein völlig neues Köln: die Neustadt.
Innerhalb von nur zwei bis drei Jahrzehnten verdoppelte sich Köln – sowohl in der Fläche als auch in der Bevölkerung. Für damalige Verhältnisse war das ein gigantisches Projekt. Mit neuen Straßen, neuen Vierteln und – ganz selbstverständlich – neuen Kirchen. Denn wo plötzlich Zehntausende Menschen wohnen, müssen auch neue Pfarrgemeinden entstehen. Und so begann in der Kölner Neustadt ein Kirchenbauprogramm, welches bis heute das Stadtbild prägt.
Ein „Kirchenkranz“ um die Altstadt
Entlang der Neustadt entstand daher ein Halbkreis großer Kirchenbauten. Von Norden nach Süden gehören dazu:
Sie bilden bis heute so etwas wie einen „kirchlichen Ring“ um die Altstadt.
Auffällig ist dabei: Diese Kirchen wurden bewusst nicht direkt an den Ringen gebaut, sondern meist in der zweiten Reihe – mit ihrer Schauseite zur Ringstraße hin. Das war städtebaulich geplant. An den Ringen selbst standen repräsentative öffentliche Gebäude, während die Kirchen leicht zurückgesetzt waren, aber dennoch sichtbar blieben.
Die Agneskirche, Bild: Harald Ernst, CC BY-SA 3.0 DE
Ganz im Norden steht St. Agnes. Die zweitgrößte Kirche Kölns verdankt ihre Existenz einem Mann, dessen Lebensgeschichte fast schon kölschen Romanstoff liefert: Peter Joseph Roeckerath.
Roeckerath heiratete reich, seine Frau Agnes Schmitz brachte ihm Land vor der Stadtmauer mit in die Ehe. Als die Neustadt bebaut wurde, verwandelte sich dieses Ackerland plötzlich in wertvolles Bauland. Roeckerath wurde zu einem der großen Immobiliengewinner der Stadterweiterung.
Die Kritik kam prompt. Eine Zeitung schrieb damals spöttisch, Roeckerath habe es verstanden, „einen großen Teil des Geldstroms, der mit der Stadterweiterung aus der Erde hervorquoll, in die eigenen Taschen zu lenken“.
Doch der Unternehmer ließ sich nicht lumpen. Er finanzierte die komplette St.-Agnes-Kirche – als Gedächtniskirche für seine verstorbene Frau Agnes. Und weil die Gemeinde ihrem großzügigen Stifter dankbar war, bekam Roeckerath später sogar ein Grab in der Kirche selbst. Ein für einen Laien äußerst seltenes Privileg.
St. Michael am Brüsseler Platz, Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
St. Michael – das belgische Viertel bekommt seine Kirche
Weiter südwestlich liegt St. Michael am Brüsseler Platz. Heute kennt man den Platz eher wegen seiner Kneipen und Cafés – und auch dem Ärger über regelmäßige Lärmbelästigung. Die Kirche selbst wird oft übersehen – dabei gehört sie zu den größten Kirchen Kölns.
Sie entstand in einem Viertel, das damals schnell wuchs und vom gehobenen Mittelstand geprägt war. Zunächst wurde dort eine Notkirche errichtet, bevor Anfang des 20. Jahrhunderts der heutige monumentale Bau entstand.
Architektonisch fällt St. Michael aus dem Rahmen: Während die meisten Neustadt-Kirchen neugotisch sind, ist sie neuromanisch gebaut.
Heute geht die Kirche neue Wege: Im Rahmen des Konzepts „Kirche für Köln“ werden hier Konzerte, Theater, Ausstellungen oder Podcast-Events durchgeführt. Dies zeigt, wie Kirchenräume in der modernen Stadt genutzt werden können.
Die Herz-Jesu-Kirche, Bild: Cmcmcm1, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Herz Jesu – Kirche mit politischer Botschaft
Eine Besonderheit ist Herz Jesu am Zülpicher Platz. Sie ist die einzige Neustadtkirche, die direkt an den Ringen steht. Das war kein Zufall. Der Bau war ein Statement.
Der Name „Herz Jesu“ hat nämlich eine politische Dimension. Nach dem Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche gewann die Herz-Jesu-Verehrung enorme Bedeutung. Die Kirche wurde so zu einem sichtbaren Zeichen katholischer Identität.
Auch architektonisch setzte man auf große Namen: Mit Vinzenz Statz und Friedrich von Schmidt verpflichtete man zwei der bedeutendsten neugotischen Architekten ihrer Zeit.
Dir Kirche St. Paul in der Neustadt-Süd. Bild: Raimond Spekking
St. Paul – Schokolade für den Papst
Im Volksgarten-Viertel entstand St. Paul. Hier lebte vor allem wohlhabendes Bürgertum – darunter der berühmte Schokoladenfabrikant Ludwig Stollwerck.
Und der wusste, wie man Werbung macht. Bei einer Audienz überreichte er dem Papst eine Schachtel Stollwerck-Pralinen. Außen war der Kölner Dom abgebildet, innen ein Bild der zukünftigen Kirche St. Paul. Eine frühe Form von kirchlichem Marketing – oder, wie man heute sagen würde: Produktplatzierung.
Der Turm der Kirche wurde im Krieg zerstört und nie vollständig wieder aufgebaut. Deshalb wirkt er bis heute ein wenig „abgeschnitten“.
Die Maria-Hilf-Kirche in der Kölner Südstadt, Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Maria Hilf – die übersehene Kirche
Zwischen St. Paul und St. Maternus liegt Maria Hilf – eine Kirche, die viele Kölner kaum wahrnehmen. Das liegt auch daran, dass sie nicht frei auf einem Platz steht, sondern direkt in die Häuserzeile integriert ist.
Ursprünglich war sie die Kirche eines Klosters und später eine Pfarrkirche für das Arbeiterviertel rund um die Elsassstraße. Dort wollte die Kirche gezielt soziale Arbeit leisten – auch als Antwort auf die starke Arbeiterbewegung jener Zeit.
Heute erinnert nur noch wenig an den ursprünglichen neugotischen Bau, da die Kirche im Krieg stark zerstört wurde.
St. Maternus in der Kölner Südstadt, Bild: Cmcmcm1, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
St. Maternus – die unvollendete Kirche
Ganz im Süden der Neustadt steht St. Maternus. Sie ist die jüngste der Neustadtkirchen und wurde 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, fertiggestellt. Der geplante hohe Turm wurde jedoch nie vollendet. Bis heute ragen nur zwei „Türmchen“ ein wenig über das Kirchendach hinaus.
Architektonisch zeigt sich hier bereits ein Übergang: Neben neugotischen Elementen finden sich erste Einflüsse des Jugendstils.
Kirchen zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die Neustadtkirchen erzählen viel über Köln: Vom rasanten Wachstum der Stadt, reichen Stiftern und sozialem Engagement, von politischen Konflikten und vom Wandel kirchlichen Lebens.
Viele dieser Kirchen sind heute keine klassischen Pfarrkirchen mehr. Gemeinden wurden zusammengelegt, Mitgliederzahlen sinken. Doch gleichzeitig entstehen neue Ideen: kulturelle Nutzung oder soziale Projekte.
Wer durch die Neustadt spaziert, merkt schnell: Diese Kirchen sind nicht nur Bauwerke – sie sind steinerne Kapitel der Kölner Stadtgeschichte.
Vielleicht zeigt sich auch in diesen Bauwerken wieder einmal eine typisch kölsche Fähigkeit: Sich zu verändern, ohne die Geschichte zu vergessen.
Dr. Joachim Oepen (Mitte), Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums Köln, Bild: Yannick Mausbach
Kölsche Fragen an Joachim Oepen
Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Joachim Oepen zu unseren „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.
Wenn nicht in Köln, wo sonst könnten Sie wohnen? Und warum gerade dort?
Da gibt es gleich zwei Städte: Brügge oder in Rom. Beide, wie Köln, mit einer ähnlich reichen Geschichte und einfach wundervolle Städte.
Welche kölsche Eigenschaft zeichnet Sie persönlich aus?
Dazu sollte man bitte andere Menschen, die mich gut kennen, wie zum Beispiel meien Frau oder meine Kinder fragen, denn sonst wäre es am Ende nur gestrunzt.1„Strunzen“ meint laut Adam Wrede„prahlen, großtun, großsprecherich übertreiben“.
Nehmen wir mal an, Sie sind übermorgen Oberbürgermeister in Kölle. Was würden Sie ändern?
Da würde mir ganz viel einfallen. Aber aus aktuellem Anlass würde ich dafür sorgen, dass das Kölner Stadtmuseum wieder ins Zeughaus kommt. In ein Umfeld, in dem die Stadtgeschichte Kölns angemessen präsentiert werden kann.
St. Ursula, eine der zwölf großen Romanischen Kirchen Kölns, Bild: Hans Peter Schaefer, Hps-poll, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Köln?
Da halte ich es mit Heinrich Böll: Genau wie er liebe ich die Romanischen Kirchen Kölns.
Welche Kölnerinnen oder Kölner haben Sie beeinflusst oder beeindruckt?
Finde ich ganz schwierig. Da könnte ich mit meinen Eltern anfangen. Dazu zählen aber auch allerhand Menschen, die ich in meinem Lebensweg kennengelernt habe.
Was machen Sie zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?
Fastelovend fiere!
Wie heißt Ihre kölsche Lieblingskneipe?
Auch da gibt es mehrere. Zum einen wird der Wirtz in der Isabellenstraße, da haben sich meine Großeltern kennengelernt. Dann noch die Schreckenskammer und die „Kleine Glocke“.
Welches ist ihr Lieblingskölsch?
Ganz klar Reissdorf. Das kommt, wie ich, aus dem Severinsviertel.
Der Halve Hahn, das kölsche Lieblingsgericht von Dr. Joachim Oepen, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Haben Sie auch ein kölsches Lieblingsgericht?
Ja, klar: Halve Hahn. Kleine Mahlzeit zwischendurch und schön vegetarisch. Immer mit vell Öllig und Mostert.
Da fallen mir auch mehrere ein, zum Beispiel Pimock, Flaabes oder Kniesbüggel. Ich finde die kölschen Schimpfworte sind nicht verletzend, bringen aber die Dinge klar auf den Punkt.