
Gastautor dieses Artikels ist Werner Müller. Seine Leidenschaft gehört der Luftfahrt und insbesondere der Verbindung der Luftfahrt zur Geschichte der Stadt Köln. Werner Müller ist der Initiator des „1. Tag der Kölner Stadtgeschichte“ und Eigentümer des Historischen Luftfahrtarchiv Köln.
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln erforscht die Geschichte der Kölner Luftfahrt und veröffentlicht diese Geschichte auf der Website, in Fernsehdokumentationen und Berichten sowie in Ausstellungen und Vorträgen. Nach über zwanzig Jahren Forschung wurden bisher mehr als 145 Themen1 auf der Website des Luftfahrtarchivs veröffentlicht. Weitere Kapitel sind in Vorbereitung. Diese Webseite ist die weltweit größte Webseite zur Luftfahrtgeschichte einer Stadt – auch deswegen, weil Köln die weltweit reichste Luftfahrtgeschichte hat. Für zukünftige Ausstellungen sind Anschauungsmodelle zur Kölner Luftfahrtgeschichte in Planung.

Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Werner Müller
Fürstenbergstr. 33
51065 Köln
Mobil OI78/62225OO
E-Mail: WM51065@Yahoo.de
www.luftfahrtarchiv-koeln.de/
Bitte beachten: Das Historische Luftfahrtarchiv Köln ist ein rein privates und kein öffentliches Archiv.
In diesem Artikel erläutert Werner Müller die wechselvolle Geschichte des Flughafens „Butzweilerhof“.

Der Butzweilerhof ist einer jener Orte, an denen sich Kölner Stadtgeschichte in ungewöhnlicher Dichte ablesen lässt. Kaum ein anderes Areal der Stadt hat innerhalb von hundert Jahren so viele Funktionen, Bedeutungen und Zuschreibungen erfahren: Militärischer Flugplatz, internationaler Verkehrsflughafen, architektonisches Prestigeprojekt, militärische Kaserne, Konversionsfläche – und heute ein Ort, an dem Mobilität vor allem inszeniert wird. Wer den Butzweilerhof verstehen will, muss ihn als Spiegel technischer, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen lesen.

1913: Die Entscheidung für den Westen der Stadt
Mit der Eröffnung der Fliegerstation Cöln-Butzweilerhof am 1. April 1913 begann die Geschichte eines Luftfahrtstandorts, der von Beginn an strategisch gedacht war. Das Gelände westlich der Stadt auf dem Gelände des Bauernhof Butzweiler Hof, bot flache Flächen und ausreichend Abstand zur dichten Bebauung. Außerdem wurden dort bereits Flugversuche durchgeführt. Die Nutzung war klar militärisch geprägt: Ausbildung, Erprobung, Organisation.
Der Ort war funktional, nicht repräsentativ. Gebäude, Startflächen und Infrastruktur dienten dem Zweck, nicht der Öffentlichkeit.

„Luftkreuz des Westens“
Zwischen dem 1. Weltkrieg und dem 31. Januar 1926 wurde der Butz als Fliegerstation der britischen RAF und des Australischen Flying Corps genutzt. Mit der Öffnung für den zivilen Luftverkehr ab 1926 begann dann eine Phase, in der der Flughafen zunehmend als Verkehrsinfrastruktur gedacht wurde – nicht mehr ausschließlich als militärischer Raum.
In kurzer Zeit entwickelte sich der Butzweilerhof zu einem bedeutenden Knotenpunkt des westdeutschen Luftverkehrs. Linienflüge verbanden Köln mit nationalen und internationalen Zielen, der Flughafen gewann an wirtschaftlicher und symbolischer Bedeutung. In dieser Phase entstand der Begriff vom „Luftkreuz des Westens“, das Köln, neben Berlin-Tempelhof, zu einem der wichtigsten Luftfahrtstandorte Deutschlands machte.

1936: Architektur als Ausdruck von Macht und Moderne
Mit der Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes im Jahr 1936 erreichte diese Entwicklung ihren architektonischen Höhepunkt. Entworfen von Hans Mehrtens, war das Terminal weit mehr als ein Funktionsbau. Es verband moderne Verkehrstechnik mit monumentaler Gestaltung und klaren Achsen – ein Bauwerk, das bewusst Wirkung entfalten sollte.
Der Flughafen wurde zum Schaufenster – nicht nur für Reisende, sondern auch für politische Botschaften.
Auf Grund der Provisorien der ersten zehn Jahre wusste man nun, wie eine Flughafenanlage konzipiert sein muss, um dem steigenden Flugverkehr zu bewältigen. Überall in Deutschland wurden die bisherigen Provisorien in den Jahren 1935 und 1936 durch komplett durchgeplante Flughafenensemble ersetzt.
Brüche und Kontinuitäten: Der Zweite Weltkrieg
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endete die zivile Nutzung. Der Butzweilerhof wurde nun wieder komplett militärisch genutzt, der Luftverkehr diente nun anderen Zwecken. Zerstörungen, Einschränkungen und Umnutzungen prägten diese Phase. Der Ort verlor seine Rolle als offenes Verkehrstor und wurde Teil der Kriegsinfrastruktur.
Der Flughafen überstand den Krieg zwar nicht unbeschadet, aber als klar lesbare Anlage. Während die Gebäude (Bretterbuden) des „ersten“ Butzweilerhofs am Heiligen Abend 1944 zerstört wurden, blieb der Neubau von 1936 komplett erhalten.

Nach 1945: Funktionsverlust und Übergang
Nach Kriegsende übernahmen zunächst die britischen Streitkräfte das Gelände. Mit der Eröffnung des Flughafens Köln-Bonn im Jahr 1957 war endgültig klar, dass der Butzweilerhof seine Rolle als internationaler Verkehrsflughafen verloren hatte. Dies lag auch am Standort, der auch auf Grund der größeren Verkehrsflugzeuge, zu nah an der Stadt lag.
Dennoch wurde das Gelände militärisch genutzt. Über Jahrzehnte hinweg war der Butzweilerhof Kaserne, Verwaltungsstandort und logistischer Raum für die britische RAF, die Belgischen Heeresflieger und die Bundeswehr. Diese Phase ist weniger spektakulär, aber entscheidend für das Verständnis des Ortes: Der Flughafen verschwand nicht, er veränderte seine Funktion, ohne seine Identität vollständig zu verlieren.

Konversion und neue Stadtlandschaft
Mit dem Ende der militärischen Nutzung begann eine neue Phase: die Konversion. Der Butzweilerhof wurde Teil eines größeren städtebaulichen Transformationsprozesses. Gewerbe, Medien, Dienstleistungen und neue Verkehrsachsen prägten das Umfeld. Die Historische Gebäude von 1936 wurden unter Denkmalschutz gestellt, die Gebäude der RAF und der Belgier wurden abgerissen.
Dadurch entfernte sich dieser Ort zunehmend von seiner ursprünglichen Funktion. Der Flughafen wurde fragmentiert: Teile blieben sichtbar, andere verloren ihren historischen Zusammenhang. Die Flughafenarchitektur wurde durch die städtebauliche Planung sowie die neuen Wohngebäude erdrückt.
Dass es auch anders geht, zeigt der Flughafen Berlin Tempelhof. Hier wurde die historische Architektur erhalten, wozu auch die Weite des Rollfelds gehört.
Heute: Motorworld Köln Rheinland
Aber nun stand die Frage im Raum was mit diesen Gebäuden passieren sollte. Das Angebot eines Mäzens in diesem historischen Flughafenensemble ein Luftfahrt- und Technikmuseum zu eröffnen, wurde von der Stadt Köln nicht einmal beantwortet.

Mit der Eröffnung der „Motorworld Köln Rheinland“ erhielt der Butzweilerhof eine neue, öffentlichkeitswirksame Nutzung. Die denkmalgeschützten Hallen wurden saniert, ergänzt und mit neuen Funktionen versehen. Aber die reiche Luftfahrtgeschichte des Butzweilerhofs wurde nicht mehr beachtet. Automobile Ausstellungen, Werkstätten, Gastronomie und Eventflächen prägen heute das Bild. Dazu wurden umfangreiche Abbruchmaßnahmen innerhalb und außerhalb der historischen Gebäude durchgeführt. Es gab um 2000 in der Stadtpolitik sogar Überlegungen die Hallen abzureißen und nur noch das Hauptportal stehen zu lassen.
Ohne diese Nutzung bestand die Gefahr, dass Teile der historischen Substanz möglicherweise verloren gegangen wären. Trotz Umgestaltung bleiben die Gebäude zugänglich, der Ort ist belebt. Aber ohne die Geschichte sind es nur noch tote Steine.
Kritische Betrachtung: Sichtbarkeit ist nicht gleich Verständlichkeit
Gleichzeitig wirft die Umgestaltung grundlegende Probleme auf: Durch massive bauliche Eingriffe, neue Fassaden, große Durchbrüche und Inszenierungen werden historische Strukturen überformt. [Fußnote: „Überformung“ in der Architektur bezeichnet den gestalterischen Eingriff in ein bestehendes Gebäude (Bestandsbau), bei dem dessen ursprüngliche Struktur, Form oder Erscheinung durch neue architektonische Elemente wesentlich verändert, überlagert oder neu interpretiert werden.] Der Flughafen wird zur Kulisse, seine ursprüngliche Funktion tritt in den Hintergrund. Auf Grund der massiven Umbauten steht auch die Frage im Raum ob der Denkmalschutz noch besteht oder „hintenrum“ abgeschafft wurde.
Der Schwerpunkt auf automobilen Erlebniswelten verschiebt die Erzählung: Der Ort der Luftfahrt wird zum Ort der Mobilitätsvermarktung. Die Luftfahrtgeschichte ist nur noch in externen Archiven vorhanden und somit nicht mehr leitend. Der Zusammenhang zwischen Architektur, Funktion und Zeitgeschichte ist für viele Besucher nicht mehr nachvollziehbar.

Fazit: Ein Ort mit Verantwortung
Der Butzweilerhof ist kein beliebiges Gelände. Er ist ein historischer Ort mit klarer Identität. Seine Zukunft entscheidet sich nicht allein an wirtschaftlicher Tragfähigkeit, sondern an der Frage, wie Geschichte vermittelt wird.
100 Jahre Butzweilerhof bedeuten Verantwortung: für den Umgang mit Bausubstanz, für historische Zusammenhänge und für die Rolle dieses Ortes im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Nutzung und Erinnerung müssen kein Widerspruch sein – aber sie verlangen Sensibilität. Das ist auf dem Butzweilerhof nicht passiert.
Auch der Butzweilerhof bleibt damit einer der vielen Orte in Köln, an dem sich zeigt, dass die Kölner Politik und Verwaltung nicht mit der eigenen Stadtgeschichte umgehen kann.
Autor: Werner Müller, Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ausstellung zum 100. Geburtstag des „Butz“
Am 13. Mai 1926 ging der Flughafen Köln Butzweilerhof in Dienst. Ein Grund, um dies mit einer Ausstellung zu würdigen. Neben dem Historischen Luftfahrtarchiv Köln wird auch das Luftkriegsarchiv Köln und der Verein Industriedenkmal Clouth e.V. eine Ausstellung präsentieren.
- Ort: Kulturbunker Mülheim, Berliner Str. 20, 51063 Köln, 1. OG
- Haltestelle „Von-Sparr-Straße“ der Linie 4 / Haltestelle „Neuer Mülheimer Friedhof“ Buslinie 153
- Der Eintritt ist FREI
Öffnungszeiten (alle Zeiten unter Vorbehalt)
- Samstag, 11. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
- Sonntag, 12. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
- Montag, 13. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
- Dienstag, 14. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
- Mittwoch, 15. Juli 15:00 – 20:00 Uhr
Kuratorenführung - Donnerstag, 16. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
- Freitag, 17. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
Vortrag: „Flughafen Köln Butzweilerhof“ - Samstag, 18. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
- Sonntag, 19. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
- Montag, 20. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
- Dienstag, 21. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
- Mittwoch, 22. Juli 15:00 – 20:00 Uhr
Kuratorenführung - Donnerstag, 23. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
- Freitag 14. Juli 15:00 – 19:00 Uhr
Vortrag: „Die Geschichte der Kölner Luftfahrt“ - Samstag, 25. Juli 11:00 – 20:00 Uhr
- Sonntag, 26. Juli 11:00 – 20:00 Uhr

Das Historische Luftfahrtarchiv Köln
Das Historische Luftfahrtarchiv Köln dokumentiert und erforscht die Geschichte der Kölner Luftfahrt, insbesondere des Flughafens Butzweilerhof. Initiiert wurde es von Werner Müller, der Fotos, Pläne und Zeitzeugnisse sammelt, um dieses Kapitel Kölner Stadt- und Technikgeschichte dauerhaft zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen.
Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Werner Müller
Fürstenbergstr. 33
51065 Köln
Mobil OI78/62225OO
E-Mail: WM51065@Yahoo.de
www.luftfahrtarchiv-koeln.de/
Bitte beachten: Das Historische Luftfahrtarchiv Köln ist ein rein privates und kein öffentliches Archiv.
