Halsbandsittiche in Köln: Grüne Plage oder Bereicherung?

Ein Halsbandsittich, Bild: Clément Bardot, CC BY-SA 4.0
Ein Halsbandsittich, Bild: Clément Bardot, CC BY-SA 4.0

Wenn man mit auswärtigen Gästen in der Stadt unterwegs ist, stehlen sie einem manchmal die Schau: „Guck mal – ganz viele Papageien“ heißt es dann immer begeistert und schnell werden die Handys gezückt, um die Vögel zu fotografieren. Fragt man allerdings die Kölschen, fällt das Urteil über die Vögel etwas nüchterner aus. Besonders von den Anwohnern, die im direkten Umfeld der Schlafbäume dieser Tiere wohnen: „Manchmal habe ich gedacht: Man muss sie alle abschießen“, so ein Anwohner der Kölner Südstadt und direkter Nachbar eines solchen Schlafbaums.

Für manche Menschen schöne Vögel, für andere schreckliche Plagegeister: Halsbandsittiche in Köln, Bild: Ingrid Beckers
Für manche Menschen schöne Vögel, für andere schreckliche Plagegeister: Halsbandsittiche in Köln, Bild: Ingrid Beckers

Die Rede ist von den etwa 40cm großen grünen Halsbandsittichen und den mit etwa 60 cm etwas größeren Alexandersittichen. Die Sittiche fliegen tagsüber in kleinen Gruppen in der Stadt herum und kommen abends in großen Schwärmen zusammen, um gemeinsam in einem Schlafbaum zu übernachten. Dabei handelt es sich um ein Instinktverhalten der Vögel. Wenn dann mehr als tausend dieser Vögel in einem Baum sitzen, geht das natürlich nicht ohne lautes Geschnatter. Schlimmer ist allerdings der Kot der Vögel. „Seit diesem Jahr ist es schlimm, jeden Tag ist alles weiß“, so ein Mitarbeiter des Wirtshauses „Im roten Ochsen“ am Rheinufer 1Kölner Stadt-Anzeiger vom 23.10.19. Dieses Gasthaus ist besonders betroffen, haben die Vögel doch vor kurzem einen Schlafbaum in unmittelbarer Nähe okkupiert.

Von privaten Vogelbesitzern freigelassen

Die ersten Halsbandsittiche in freier Wildbahn in Köln wurden etwa Ende der 60er Jahre gesichtet. Das Gerücht, dass diese damals aus dem Zoo getürmt seien, stimmt nicht. Die ursprünglich in Afrika und Asien heimischen Vögel wurden von privaten Vogelbesitzern freigelassen und vermehrten sich mangels natürlicher Feinde rasant. Heute leben etwa 2.700 dieser Tiere in Köln. Das ist kein kölsches Phänomen, in ganz NRW schätzt man den Bestand auf 4.500 Vögel.  Große Bestände der Halsbandsittiche gibt es auch in Frankfurt, Wien, Barcelona oder Amsterdam. Die Vögel stellen dabei keine Gefahr für heimischen Arten dar.

Etwa 30 cm groß, grasgrün mit rotem Schnabel: Ein Halsbandsittich, Bild: Ingrid Beckers
Etwa 30 cm groß, grasgrün mit rotem Schnabel: Ein Halsbandsittich, Bild: Ingrid Beckers
Mit Wasser und Dauerbeschallung gegen die Vögel

Getrieben von genervten Anwohnern hat die Stadt Köln einen Ornithologen beauftragt, Methoden zur Vertreibung der Vögel in der Südstadt zu finden. Dabei hat der Umweltausschuss festgelegt, dass den Tieren kein Schaden angetan werden darf. Somit fällt die Jagd auf die Vögel aus. Doch es gibt noch mehr als 30 weitere Methoden der „Vergrämung“, so das Fachwort für die Vertreibung. Dazu zählt der Einsatz von Wasser oder Schall, aber auch Raubvogelattrappen, Vogelscheuchen bis hin zu Laserstrahlen.

Bevor es jedoch in der Südstadt dazu kommen konnte, sind die Vögel von ihrem angestammten Schlafbaum in der Nähe des Bürgerhauses Stollwerck etwa einen Kilometer stadteinwärts umgezogen – in die direkte Nachbarschaft des „Roten Ochsen“. Jetzt haben zwar die Südstädter Ruhe vor den Tieren, aber in den Innenstadt wächst der Widerstand. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die menschlichen Nachbarn der Schlafbäume zu drastischeren Mitteln greifen, um die Tiere zu vertreiben. Vielleicht lohnt sich ein Anruf in der Südstadt. Dort hatte ein Anwohner eine laute Böllermaschine eingesetzt.


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