Laura von Oelbermann: Die reiche und wohltätige Frau vom Ring

Laura von Oelbermann (1846 - 1929), Bild: Archiv Evangelischer Kirchenverband Köln und Region
Laura von Oelbermann (1846 – 1929), Bild: Archiv Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Wenn man heute über den Hohenstaufenring spaziert, ist von den einstigen Prunkpalais auf dieser Straße kaum noch etwas zu sehen. Geschäftshäuser und Autoverkehr dominieren die Ringe. Und doch stand hier einmal eines der imposantesten Privathäuser Kölns – und davor sammelten sich Menschen, nur um einen kurzen Blick auf Laura von Oelbermann zu erhaschen. Wenn die „reiche Frau“ das Haus verließ, brachte dies regelmäßig den Verkehr vor der Tür zum Erliegen. Jeder wollte dieses Spektakel sehen.

Geboren wurde sie am 18. Mai 1846 am Alter Markt – mitten im geschäftigen Herzen der Stadt. Dass sie einmal zu den reichsten und einflussreichsten Frauen Kölns gehören würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt.

Vom Alter Markt in die Welt – ein Kölner Lebensanfang

Laura von Oelbermann wurde als Laura Nickel geboren und wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Bürstenwarenhändler, die Familie protestantisch. Das war eher schwierig im zumindest damals deutlich katholisch geprägten Köln. Laura besuchte das evangelische Lyzeum – eine für Mädchen ihrer Zeit bemerkenswerte Bildungslaufbahn.

1866 heiratete sie den Kaufmann Emil Oelbermann. Sein beruflicher Weg führte früh über den Atlantik: Handel, Versicherungsgeschäfte, deutsch-amerikanische Netzwerke. Immer wieder wird berichtet, dass er auch in den amerikanischen Sklavenhandel verwickelt gewesen wäre. Nach Aussage und Recherchen von Peter Oelbermann, ein entfernter Verwandter, entbehrt diese Aussage jeglicher Grundlage, da dazu bis heute kein wissenschaftlicher Beleg vorliegt.1Laura von Oelbermann – eine „bemerkenswerte“ Frau, Stellungnahme von Peter Oelbermann, https://www.udo-w-hombach.de/texte/Laura-von-Oelbermann-eine-bemerkenswerte-Frau.pdf, abgerufen am 27.02.206

Laura folgte ihrem Ehemann nach New York, nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und bekam dort mehrere Söhne. Köln blieb jedoch Lebensmittelpunkt, spätestens als die Familie 1878 dauerhaft zurückkehrte.

Das prunkvolle Palais Olbermann am Hohenstaufenring, Bild: Rheinisches Bildarchiv, Public domain, via Wikimedia Commons
Das prunkvolle Palais Olbermann am Hohenstaufenring, Bild: Rheinisches Bildarchiv, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein Palais für die Neustadt

1891 bezogen die Oelbermanns ihr neues Stadtpalais am Hohenstaufenring 57. Entworfen vom Architekten Hermann Otto Pflaume war das freistehende Gebäude im Stil der italienischen Renaissance ein architektonischer Ausreißer in der geschlossenen Ringbebauung. Zeitgenössische Berichte sprechen vom „großartigsten Privathaus der Neustadt“. Schmuck, Kunst, Personal, großer Hausstand – Laura Oelbermann war sichtbar wohlhabend. Und offensichtlich zeigte sie ihren Reichtum gerne, wie ein Zeitgenosse berichtete:

„Da stauten sich zu früheren Zeiten so um die Mittagsstunde vor ihrem großen Hause am Hohenstaufenring die Menschen, und wenn man einen Schutzmann erwischen konnte und ihn oder auf der Elektrischen den Schaffner fragte, was denn eigentlich los wäre, ob es einen Krawall gäbe oder einen Zusammenstoß, so wurde einem ziemlich von oben herab geantwortet, als ob man das wissen müßte: „Die reiche Frau Oelbermann jeht aus“. Das war damals ein Ereignis.“2 Schmidt, Klaus, Laura von Oelbermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/laura-von-oelbermann/DE-2086/lido/5dc018ad4661e2.56554166 (abgerufen am 27.02.2026)

Reichtum und Verlust – ein tragisches Familienleben

Hinter der glanzvollen Fassade lag jedoch ein Leben voller Verluste. 1897 starb ihr Mann Emil. Noch im gleichen Jahr verunglückte der jüngste Sohn Harry auf Korsika. Vier Jahre später starb ihr ältester Sohn, weitere drei Jahre später, im Jahr 1904, der mittlere und letzte überlebende Sohn Alfred. Keiner ihrer Söhne wurde älter als 30 Jahre.

Laura Oelbermann war nun Multimillionärin und allein. Ein mondänes Leben mit Reisen und Festen hätte sie sich leisten können. Stattdessen entschied sie sich für einen anderen Weg und engagierte sich im sozialen Bereich – Köln sollte davon stark profitieren.

Helfen, nicht verwalten – soziale Arbeit mit persönlichem Einsatz

Ihr Engagement beschränkte sich nicht auf Überweisungen. Laura Oelbermann ging selbst in die Wohnungen armer Familien, vor allem in evangelisch geprägte Milieus. Sie fragte nach dem Bedarf an Lebensmitteln, Schuhen, Betten oder Schulgeld und sorgte dafür, dass Hilfe unmittelbar ankam.

Ein zentrales Projekt war die Frauenhilfe des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins, die sie ab 1900 mit aufbaute und lange leitete. Bis zu 250 Familien wurden jährlich mit Krankenpflege, Armenspeisung, Erholungsaufenthalten und der Vermittlung von Heimarbeit unterstützt. Frauen sollten sich selbst helfen können – ein Gedanke, der für seine Zeit bemerkenswert modern war.

Das Evangelische Krankenhaus Weyertal im Jahr 2009. Bild: HOWI - Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Das Evangelische Krankenhaus Weyertal im Jahr 2009. Bild: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das evangelische Krankenhaus am Weyertal

Zu den sichtbarsten Spuren ihres Wirkens gehört das Evangelische Krankenhaus. Mit enormen Summen ermöglichte sie den Bau des ersten linksrheinischen evangelischen Krankenhauses Kölns, eröffnet 1902 am Weyertal. Mehr als ein Viertel der erforderlichen Gesamtsumme spendete Laura Oelbermann.

Ihre Stiftungen reichten weit über Köln hinaus. Besonders bedeutend war ihre Millionenspende für die Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg in Jerusalem, aus der das bis heute bestehende Hospital hervorging. 1910 reiste sie selbst dorthin – ein außergewöhnliches Erlebnis für eine Frau ihrer Zeit.

Das Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem um 1910, Bild: Fotoabteilung der American Colony oder deren Nachfolger, dem Matson Photo Service; gemeinfrei, über Wikimedia Commons
Das Auguste-Victoria-Hospital in Jerusalem um 1910, Bild: Fotoabteilung der American Colony oder deren Nachfolger, dem Matson Photo Service; gemeinfrei, über Wikimedia Commons

Für ihr Engagement wurde sie am 15. August 1918 von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. Aus Laura Oelbermann wurde Laura von Oelbermann. Kurz darauf endete das Kaiserreich. Kurios: Sie war eine der letzten Personen, die noch in diesen Stand erhoben wurden. Darüber hinaus wurde sie mit vielen Orden und Ehrungen ausgezeichnet. Darunter waren:

  • das Ehrenzeichen für Kriegsfürsorge,
  • das Lippischen Kriegsverdienstkreuz,
  • das Ölberg-Kreuz,
  • das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen in Gold,
  • das Verdienstkreuz für Kriegshilfe,
  • der  Sachsen-Meiningschen Verdienstorden für Frauen und Jungfrauen in der Kriegsfürsorge,
  • der Luisenorden Erster Klasse,
  • der Wilhelm-Orden,
  • die Rot-Kreuz-Medaille,
  • die Schaumburg-Lippischen Kriegs-Ehrenmedaille.
  • die Schwedische Medaille in Gold für Kunst und Wissenschaft am blauen Bande.3Schmidt, Klaus, Laura von Oelbermann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/laura-von-oelbermann/DE-2086/lido/5dc018ad4661e2.56554166 (abgerufen am 27.02.2026)
Das Grabmal der Familie Oelbermann auf Melaten. Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Das Grabmal der Familie Oelbermann auf Melaten. Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Tod, Vermächtnis und das Ende eines Hauses

Laura von Oelbermann starb am 3. Juni 1929 im Alter von 83 Jahren, sie wurde auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Ihr Testament regelte alles genau: Zunächst die Versorgung der Angestellten, dann finanzielle Mittel für ihren Hund.  Der weitaus größte Teil des Vermögens aber ging an ihre Stiftungen.

Das große Palais am Hohenstaufenring wurde zur Unterkunft für berufstätige evangelische Frauen. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde das Gebäude abgerissen. Erhalten blieb das Grabmal auf dem Melaten-Friedhof.

Wo Köln sich dankbar erinnert

Seit 2005 trägt eine Promenade im Rheinauhafen ihren Namen. Sie erinnert an eine Frau, die ihren Reichtum nicht versteckte – sondern einsetzte. Und deren Vermächtnis bis heute fortdauert: Die Emil-und-Laura-von-Oelbermann-Stiftungen bestehen weiterhin. Das Stiftungskapital liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Das Krankenhaus am Weyertal genießt einen guten Ruf, das Hospital in Ostjerusalem versorgt vor allem palästinensische Patientinnen und Patienten.

So hat sie nicht nur in Köln soziale Strukturen hinterlassen, die bis heute wirken.


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Der Kallendresser zeigt uns die bläcke Fott

Der Kallendresser am Alter Markt, Bild: Elke Wetzig (elya) [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
Der Kallendresser am Alter Markt, Bild: Elke Wetzig (elya) [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
 

Unerhört!

Da hockt ein kleines Männlein hoch über unseren Köpfen und streckt uns die bläcke Fott (hochdeutsch: das nackte Gesäß) entgegen. Offensichtlich ist es gerade dabei, in de Kall ze drisse (hochdeutsch: seine Notdurft in der Regenrinne zu verrichten). Und das mitten in der Stadt. Am Alter Markt. Diese kleine Männlein wird von den Kölschen liebevoll Kallendresser genannt. Ihr findet es am Alter Markt, Hausnummer 24.

Das Kallendresser-Leed

Die Kölschen lieben diese kleine Figur, es gibt sogar ein eigenes Lied dazu:

Ki-Ka Kallendresser,
hev et Hembche huh!
Kik-Ka Kallendresser,
mähs de Minsche fruh.
Häste Ärger un Verdross,
mähste deer nix druus,
denkste nor wie Goldschmitsjung
un stipps dä Mond erus. 

Übersetzung:
Ki-Ka Kallendresser,
hebt das Hemdchen hoch,
Kik-Ka Kallendresser,
machst die Menschen froh.
Hast du Ärger und Verdruss,
mach dir nichts draus,
denke nur wie ein Lehrling der Goldschmiedekunst1Denken wie ein Goldschmittsjung“ ist eine (heute kaum noch gebräuchliche) Redensart für (vornehm gesagt) „Du kannst mich mal.“
und streckst den Mond2hier: Das Hinterteil heraus.

Verschiedene Legenden zur Herkunft

Genau wie beim Halven Hahn gibt es auch beim Kallendresser verschiedene Legenden zur Entstehung:

  • Am Alter Markt war es anscheinend schon immer etwas lauter. Besonders jedoch störte sich ein Schneider daran, dass unter ihm ein – offensichtlich weniger talentierter – Musiker Tuba übte. Nach vielen Ermahnungen wegen der Ruhestörung wurde es dem Schneider zu bunt, und er hockte sich an die Dachkall und zielte ganz genau …

oder

  • Für Dachdecker ist es natürlich mühsam, für das „Geschäft“ eine Toilette aufzusuchen. Viel einfacher ist es doch, die Regenrinne zu benutzen.

oder

  • Die oberen Stockwerke wurden früher von den Dienstboten bewohnt. Selbstverständlich gab es dort oben keine Toilette. Und dann war der Weg zur Dachrinne nicht so weit wie der Weg zum Plumpsklo im Hinterhof.

oder:

  • Meine Lieblingsgeschichte leitet sich vom Standort des Kallendressers ab: Dreht man sich einmal um, sieht man das Rathaus. Und plötzlich wird der nackte Hintern der Figur zum politischen Statement.

Wie in Kölle so üblich: Zu vielen Legenden gibt es eine ganze Reihe Erklärungen, wobei gilt: Was am Ende richtig ist, ist egal. Hauptsache, die Geschichten sind schön!

Der Kallendressers als Symbol für das Aufbegehren gegen die Obrigkeit

Tatsächlich gab es einen Vorläufer der Figur des Kallendressers. Dieser erste Kallendresser wurde von den Kölner Bürgern am „Haus zur Sonne“ am Alter Markt angebracht. Besonders pikant: Ausgerichtet war der nackte Hintern in Richtung des Klostereingangs von St. Martin.

Die Mönche des Klosters hatten sich den Zorn der Bürgerschaft zugezogen, als sie einen Verbrecher, der sich in der vermeintlichen Immunität des Klosters sicher fühlte, an die städtischen Behörden auslieferten. Die empörten Bürger errichteten daraufhin die provokante Figur. Auch eine Klage des Klosters gegen die Figur des Kallendressers wurde abgewiesen. 

Drastischere Darstellung von Ewald Mataré

Dieser „Vorläufer“ des heutigen Kallendressers, der im Krieg stark beschädigt wurde, war in der Darstellung etwas zurückhaltender. Man erkannte zwar, welcher Beschäftigung die Figur nachging, jedoch war diese mit einem langen Hemd bekleidet. Also war kein Blick auf bläcke Fott möglich. Leider konnte man diese Figur wegen der Beschädigungen nicht mehr aufhängen. 

Dass der Kallendresser überhaupt noch existiert, ist der Initiative von Josef „Jupp“ Engels (1909–1991)3Jupp Engels stiftete übrigens auch das Geld und Material zur Schmitz-Säule. verdanken. Der Mäzen und Freund des kölschen Brauchtums sicherte sich in einem typisch kölschen Deal die Figur des Kallendressers: Er tauschte einen mittalterlichen Torbogen, den er beim Bau eines Hauses gefunden hatte, gegen die Rechte an der Figur des Kallendressers ein.

Nachdem er sich die Rechte gesichert hatte, beauftragte Engels seinen Freund, den renommierten, in Düsseldorf tätigen Künstler Ewald Mataré, eine neue Figur zu schaffen. Und – genau wie beim Rosenmontagszug – scheinen die Düsseldorfer immer etwas drastischer in ihren Darstellungen zu sein. Mataré gestaltete die Nachbildung in grünpatiniertem Kupferblech. Ohne Nachthemd, dafür aber mit freiem Blick auf das entblößte Gesäß. Und so hängt er da oben – sehr zu Belustigung der Passanten.

Der Kallendresser-Orden

Jupp Engels gründete auch den Kallendresser-Orden. In diesen Orden können nur Menschen aufgenommen werden, die sich um das Kölner Brauchtum verdient gemacht haben. Selbstverständlich war Engels als Oberkallendresser Präsident dieses Ordens.

HELLERS Kallendresser ist ein wohlschmeckender und wohltuender Kräuterlikör mit 32% Alkohol, Bezug über https://www.hellers.koeln/
HELLERS Kallendresser ist ein wohlschmeckender und wohltuender Kräuterlikör mit 32% Alkohol

Verschiedene Versionen des Kallendresser in ganz Köln – und sogar in Rumänien und Barcelona

Die Brauerei Heller vertreibt den Kallendresser als Getränk: Ein wohlschmeckender Kräuterlikör mit 32% Alkohol.  Und über der Theke im Hellers Brauhaus an der Roonstraße reckt auch ein kleiner Kallendresser seinen Hintern in Richtung Besucher. 

In Junkersdorf und in Seeberg zeigen jeweils kleine Kallendresser ihre bläcke Fott, wobei die Figur in Seeberg ihren Hintern ausdrücklich in Richtung eines ungeliebten Nachbarn streckt.

Genau wie in Rumänien: In der Kleinstadt Braila hat ein Kölner Unternehmer einen Kallendresser an seinem Haus montiert – ebenfalls als Zeichen gegen einen missgünstigen Nachbarn.

Der Caganer, unverzichtbarer Bestandteil jeder katalanischen Weihnachtskrippe und offensichtlich ein Verwandter des kölschen Kallendressers. Bild: Slastic, via Wikimedia Commons
Der Caganer, unverzichtbarer Bestandteil jeder katalanischen Weihnachtskrippe und offensichtlich ein Verwandter des kölschen Kallendressers. Bild: Slastic, via Wikimedia Commons

Der „Caganer“ – die spanische Version des Kallendressers

Und dann gibt es auch noch einen entfernten Verwandten des Kallendressers: In keiner katalanischen Krippe darf der Caganer4katalanisch für Scheißer fehlen. Diese Figur stellt stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert. Es ist für Kinder aus Barcelona ein beliebtes Spiel, den Caganer in der Krippe zu finden.

Das "Brückenmännchen" links und das "Brückenweibchen" rechts. Bild links: Qualle, Bild rechts: Sir James, beide CC BY 3.0,via Wikimedia Commons
Das „Brückenmännchen“ links und das „Brückenweibchen“ rechts. Bild links: Qualle, Bild rechts: Sir James, beide CC BY 3.0,via Wikimedia Commons

Die Version aus Bonn: Das  „Brückenmännchen“ und „Bröckeweibchen“

Das Bonner Brückenmännchen (bönnsch: Bröckemännsche) ist eine Steinskulptur, die 1898 beim Bau der ersten Bonner Rheinbrücke angebracht wurde. Ihren Platz erhielt sie am rechten Turm des Beueler Strompfeilers, direkt über dem Fußgängerdurchlass – mit dem Hinterteil demonstrativ in Richtung Beuel. Der Hintergrund: Die Brücke wurde ausschließlich von Bonner Seite finanziert, weil sich die Beueler Bürger nicht an den Baukosten beteiligen wollten.

Diese ließen aber diese Spitze nicht unbeantwortet. Als Gegenreaktion entstand die Figur des “ Bröckeweibchen„: Eine keifende Waschfrau am linken Turm des Beueler Strompfeilers. Sie zeigt eine Frau mit finsterem Blick und einem erhobenen Pantoffel, der jederzeit zum Wurf auf die andere Rheinseite bereit scheint.5Danke an Rolf Brenner für diesen Hinweis.

Und die Moral von der Geschichte?

Der Kölner Filmemmacher Bruno Neurath1-Wilson fasst in seinem Film „Der Kallendresser lebt“ die Intention des Kallendressers perfekt zusammen:

  1. Welche der Legenden zur Entstehung des Kallendressers richtig ist, ist am Ende egal – Hauptsache, die Geschichten sind schön! 
  2. Etwas mehr Kallendresser würde uns allen gut tun: Weniger Streiterei, weniger Gerichtsverfahren. Stattdessen einfach mal die bläcke Fott zeigen und gut ist.

Bei der Lotsentour Innenstadt werfen wir auch einen Blick auf den Kallendresser.


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