Die schwimmende Universität auf dem Rhein

 

Die "Ökologische Rheinstation der Universität zu Köln", Bild: Uli Kievernagel
Die „Ökologische Rheinstation der Universität zu Köln“, Bild: Uli Kievernagel

Der Rhein ist nicht nur für die riesenlangen Containerschiffe und die oft nervenden Jet-Ski-Fahrer da. Der Rhein ist auch Lebensraum unzähliger Tiere: Seit den Verschmutzungen der 70er und 80er Jahre haben sich mit der stetig verbesserten Wasserqualität wieder Fische, Muscheln, Schnecken, Krebse und viele weitere Organismen im Rhein angesiedelt. Diese Erkenntnis haben wir auch der „Rheinstation“ der Uni Köln zu verdanken.

Das Problem bei der Erforschung von fließenden Gewässern ist, dass die Entnahme von Proben schwierig ist: Nimmt man nur eine Probe vom Ufer? Oder mit Hilfe von Tauchern aus der Mitte des Flusses? Und dann muss diese Probe noch in ein Labor gebracht werden und verändert sich dabei mit jeder Minute Transportzeit. Die Uni in Köln hat dafür einen anderen Weg gefunden: Ein schwimmendes Labor, mitten auf dem Rhein. Die „Ökologische Rheinstation“. Hier wird Wasser aus dem Rhein unmittelbar ins Labor geleitet – fast unter den gleichen Bedingungen wie im fließenden Gewässer. „Die Forschungsbedingungen auf der Ökologischen Rheinstation sind einmalig in Deutschland und Europa, wahrscheinlich sogar weltweit“, so Dr. Georg Georg Becker, stellvertretender Leiter der Ökologischen Rheinstation in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers.

Aus zwei mach eins

Basis dieses schwimmenden Labors waren zwei alte Rheinschiffe. Die „Baden 24“ und die „Desdemona“. Die beiden alten Damen, die Baden stammt aus dem Jahr 1885 und die Desdemona ist Baujahr 1912, wurden 1953 zu einem Bootshaus umfunktioniert. Heute bildet die Baden den vorderen und die „Desdemona“ den hinteren Teil des immerhin 60 Meter langen Bootshauses. Fünf Wissenschaftler und einige Studenten forschen hier. Ständiger Bewohner der Rheinstation ist seit Bootswart Michael Weicht. Er hat im Jahr 2006 Lothar Rosbach abgelöst, der mehr als 50 Jahre als Bootswart auf dem schwimmenden Labor gelebt hat.

Nur für Wissenschaftler & Sportler: Das Bootshaus der Uni Köln", Bild: Uli Kievernagel
Nur für Wissenschaftler & Sportler: Das Bootshaus der Uni Köln, Bild: Uli Kievernagel

Neben seiner Funktion als Labor ist das Bootshaus auch Heimat der Ruderer der Uni Köln. Etwa 150 Studenten lernen jedes Semester hier diesen schweißtreibenden Mannschaftssport. Für Rettungskräfte wie die Wasserschutzpolizei und Rettungssanitäter ist die Rheinstation eine offizielle Anlegemöglichkeit. Allerdings nur für diese – „normale“ Boote dürfen dort nicht anlegen. Und von Land aus dürfen auch nur die Wissenschaftler, Studenten und Ruderer an Bord.

So bleibt uns nur der Blick vom Ufer auf dieses einmalige Labor.


+++AKTUELL +++ (25. April 2019)

Aktuell wird das Bootshaus leer geräumt. Für etwa 1,5 Mio. Euro sollen bis Ende des Jahres 2019 dringend notwendige Sanierungsarbeiten erledigt werden. Im April 2020 soll die schwimmende Universität wieder einsatzbereit sein.

Entwarnung für alle Tierfreunde: Die an Bord lebenden Muscheln und Krebse wurden schonend wieder im Rhein ausgesetzt.


Das Bootshaus der Uni­ver­si­tät zu Köln liegt direkt auf dem Rhein,  in Höhe Köln-Marienburg.  Weitere Infos gibt es auf der Website der Rheinstation.


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Der Südfriedhof – mehr Park als Friedhof

Ein parkähnliches Gelände: Der Kölner Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Ein parkähnliches Gelände: Der Kölner Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Das Laub riesiger, alter Bäume raschelt im Wind. Im Hintergrund hört man leise das Rauschen des Verkehrs auf dem Militärring. Menschen verlangsamen ihren Schritt, es wird nur leise geredet. Der Klang der Friedhofsglocke kündigt die nächste Beerdigung an. Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre auf Friedhöfen.

Licht und Schatten auf dem Kölner Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Licht und Schatten am Hochkreuz auf dem Kölner Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Ich sitze auf einer Bank direkt am Hochkreuz, einem zentralen Platz des Südfriedhofs. Hier kreuzen sich die bogenförmig angelegten Wege des ältesten Teils des Friedhofs. Ganz bewusst hat sich Adolf Kowallek, Gartenbaudirektor der Stadt Köln um das Jahr 1900, bei der Konzeption des Südfriedhofs von der bekannten schachbrettartigen Friedhofsstruktur gelöst. Diese Wegeführung lädt dazu ein, nicht systematisch über das parkähnliche Gelände zu gehen. Eher lässt man sich treiben, erkundet auch kleinere Gräberfelder. Und verliert schnell, so wie ich bei meinen ersten Besuchen, die Orientierung. Kein Problem – der nächste Hauptweg ist schnell gefunden. Bis man wieder abschweift, hypermoderne Grabstätten mit Grabsteinen aus Glas bewundert und gleich daneben wieder auf kölsche Prominenz trifft.

Grabstätte Neuerburg auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Grabstätte Neuerburg auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Auch wenn die Promi-Dichte nicht so hoch ist wie auf dem Melatenfriedhof, haben auf dem Südfriedhof eine ganze Reihe bekannter Kölner ihre letzte Ruhe gefunden. Und da das Villenviertel Marienburg zum Beerdigungsbezirk des Südfriedhofs gehört, gibt es auch hier eine  kleine „Millionenallee“. Ansonsten zieren etliche Gräber Symbole und Sprüche aus dem Karneval – mer sin  halt in Kölle. Zum Beispiel Noten auf dem Grabmal des Mundartdichters Karl Berbuer, Komponist vom „Trizonesien-Song“ und „Heidewitzka, Herr Kapitän“. Und auch das ist typisch Köln: Auf dem Grab von Heinz Schmidt, langjähriger Präsident des Karnevalsvereins „Kölsche Grielächer“, prangt in Stein gemeißelt sein Titel „Präsident“.  Und auch der Grabstein des „Vaters“ der Schullzöch, Jean Küster, trägt seinem Ehrentitel. Neben den Karnevalisten wurden hier aber auch Größen des Sports beerdigt, zuletzt im November 2017 Fußballweltmeister von 1954 Hans Schäfer, übrigens nicht unweit von Fortuna-Mäzen Hans „Schäng“ Löring, dem Boxer Peter Müller, bekannt als „Müllers Aap“ und dem ersten Präsidenten des 1. FC Köln Franz Kremer. Auch die Marie Juchacz, Gründerin der AWO, hat ihre letzte Ruhe auf dem Südfriedhof gefunden.

Grabstätte Peter Müller, "Müllers Aap", auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Grabstätte Peter Müller, „Müllers Aap“, auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Richtung Militärring verändert der Friedhof seinen Charakter: Die weitläufige Anlage des deutschen Ehrenfriedhofs (hier wurden die Opfer des Bombenkriegs im 2. Weltkrieg beerdigt) und insbesondere der Ehrenfriedhof des Commonwealth lassen mich – trotz 25 Grad Temperatur und strahlendem Sonnenschein – frösteln. Besonders der Commonwealth-Friedhof ist beeindruckend: Hier sieht man das mit Sicherheit am besten gepflegte Stück öffentliches Grün im gesamten Kölner Stadtgebiet. Kein Wunder denn hier kümmern sich zwei festangestellte Gärtner, bezahlt vom Commonwealth, ausschließlich um diese etwa 3.000 Gräber.

Streng symmetrisch: Der Cologne War Cemetery, Bild: Uli Kievernagel
Streng symmetrisch: Der Cologne War Cemetery, Bild: Uli Kievernagel

Kurios: Auf diesem Friedhof verlässt man deutsches Staatsgebiet – das Commonwealth hat dieses Geländer der Stadt Köln 1922 abgekauft. Auch der italienische Staat hat für seine Opfer des 1. Weltkriegs einen separaten Friedhof auf dem Gelände des Südfriedhofs angelegt.

Commonwealth-Friedhof auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Perfekt gepflegt: Der Commonwealth-Friedhof auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Eine tragische Geschichte birgt das Grab von Ursula Kuhr. Im Juni 1964 dringt ein psychisch kranker Amokläufer in die Volksschule in Köln-Volkhoven ein. Mit einem selbstgebauten Flammenwerfer und einer Lanze bewaffnet richtet der Attentäter ein Blutbad an. Acht Kinder und zwei Lehrerinnen sterben, darunter auch die Lehrerin Ursula Kuhr. Der von der Stadt Köln gestiftete Grabstein zeigt Flammen und eine große Person, die sich schützend vor kleine Menschen stellt. Hier bekomme ich trotz 25 Grad Gänsehaut.

Grabstätte Ursula Kuhr auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt
Grabstätte Ursula Kuhr auf dem Südfriedhof, Bild: Thomas Salditt

Wesentlich aktueller sind die Obdachlosengräber. Jedes Jahr sterben in Köln etwa 20 Obdachlose. Vor dem Jahr 1997 wurden verstorbene Obdachlose eingeäschert und Asche anonym beigesetzt – aus Kostengründen. Seit 1997 sorgt die Interessengemeinschaft „Bestattung obdachloser Menschen“ dafür, dass „Menschen, die im Leben keine Spuren hinterlassen haben, nicht spurlos von der Erde verschwinden“. Spenden sind sehr willkommen. Auch ich werde meine Beitrag leisten: Für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer an der Lotsentour Südfriedhof spende ich 1,11 Euro an diese Initiative.

Von den Obdachlosengräbern sind es nur ein paar Schritte zur Trauerhalle und zum Ausgang. Sofort empfängt mich die laute Stadt wieder: Die Linie 12 kommt quietschend um die Ecke, im Kreisverkehr am Höninger Platz kurven Autos und Busse um die Wette. Willkommen zurück in Köln.


Kurios: Die Plakette am Pförtnerhäuschen des Südfriedhofs

Das Pförtnerhäuschen am Südfriedhof, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Das Pförtnerhäuschen am Südfriedhof, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Leider wurden das ursprüngliche Pförtnerhaus am Südfriedhof im Jahr 1943 und die Trauerhalle Opfer eines Bombenangriffs. Nach dem Krieg gab es am Eingang nur ein schlichtes Provisorium.  Im Jahr 2009 wurde dann das Pförtnerhaus originalgetreu rekonstruiert.

Die Plakette am Pförtnerhäuschen mit der Aufschrift "AD 2009 PM", Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Die Plakette am Pförtnerhäuschen mit der Aufschrift „AD 2009 PM“, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Doch was hat es mit „PM“ auf sich?

Durchaus kurios ist die am Pförtnerhaus angebrachte Plakette. Sie trägt die Inschrift „AD 2009 PM“.  „AD“ von lateinisch „anno Domini“ steht für „im Jahre des Herrn“, die Jahreszahl „2009“ für das Jsahr des Wiederaufbaus.

Tatsächlich gibt es keine eindeutige Erklärung.  Der Südfriedhof-Experte Günter Schwanenberg (Autor des Buchs „Em Himmel es d´r Düvel loss…“)  hat mir dazu folgende Erklärungen gegeben:

„Drei Interpretationen zu dem „PM“ am Pförtnerhäuschen habe ich gesammelt, aber nur eine davon ist eindeutig favorisiert. 

  1. Post Meridiem, Pax Mariae, Post Mortem, Peter Müller… alles Kokolores und nur ein Teil der recht amüsanten „spontan-Interpretationen“ vor Ort
  2. Pontifex Maximus, immerhin laut Wikipedia-Liste der lateinischen Abkürzungen, würde ich eher im RGM oder im Dom ansiedeln
  3. Piae Memoriae, „frommen Angedenkens“ – dat isset dann wohl!

Allerdings: Bereits bei der offiziellen Einweihung des Häuschens stand die Frage im Raum und konnte nicht eindeutig beantwortet werden.“

Also dann – das „PM“ bleibt wohl ein Geheimnis und bietet viel Raum für alle möglichen Spekulationen.


In Köln gibt es viele weitere interessante Friedhöfe zu erkunden, zum Beispiel auch den Geusenfriedhof. Vom alten jüdischen Friedhof in Raderberg ist hingegen – bis auf eine Gedenkplakette – nichts mehr zu sehen.


Ich lade euch ein, mit mir den Südfriedhof zu erkunden:
Die Lotsentour Südfriedhof.


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Der Geusenfriedhof

Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Verwittert und geheimnisvoll: Der Geusenfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Richtig still ist es hier es seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Und schön ist auch nur der Friedhof selber. Man sollte tunlichst vermeiden, den Blick auf die umliegenden Bausünden der Universität und des Krankenhauses Weyertal zu werfen. Trotzdem lohnt sich ein Besuch auf dem „Geusenfriedhof“ in Sülz. Der Name ist vom französischen Wort für „gueux“, welches Bettler bedeutet, abgleitet. So wurden die überwiegend aus den Niederlanden geflüchteten Protestanten als „Geusen“ bezeichnet.

Im 16. Jahrhundert lag dieser Friedhof weit vor den Stadttoren. Und das musste er auch, denn hier wurden nur „unkatholische“ Menschen bestattet. Innerhalb der Stadtmauern ging die katholische Kirche mit aller Härte gegen die „Falschgesinnten“, also die Protestanten, vor. Wer nicht am katholischen Gottesdienst teilnahm oder an den kirchlichen Feiertagen keinen Blumenschmuck bereitstellte, riskierte die Haft oder wurde gleich aus dem „Hillige Kölle“ verwiesen. Die in Köln ansässigen Protestanten konnten daher ihren Glauben nur im Verborgenen praktizieren. So waren auch Beerdigungen von Protestanten auf den städtischen Friedhöfen schlichtweg verboten.

Bis 1829 einzige Begräbnisstätte für Protestanten

Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet die katholische Adlige Ursula von Gohr zu Kaldenbroek im Jahr 1576 ein Stück Land zur Anlage eines Friedhofs für die Protestanten stiftete. Die erste Beerdigung fand dort im Jahr 1584 statt. Und bis weit in das 19. Jahrhundert war dieser Friedhof die einzige mögliche Begräbnisstätte für Protestanten in Köln. Erst die Liberalisierung der Religion durch die französischen Besatzer führte 1829 dazu, dass auch Protestanten auf dem Friedhof Melaten bestattet werden durften. Auf dem Geusenfriedhof wurde 1875 die letzte Bestattung durchgeführt. Und danach geriet diese Fläche in Vergessenheit – bis 1981. Der Friedhof wurde unter Denkmalschutz gestellt und die evangelische Gemeinde hat sich der verwilderten Fläche angenommen, Grabsteine wieder aufgerichtet und die Wege wieder hergestellt. Für dieses Engagement bekam stellvertretend für das ganze Team Elke Bendixen den 2005 den Ehrenamtspreis der Stadt Köln.

Heute liegt der Friedhof  zwischen den unansehnlichen Betonklötzen und übt gerade deswegen eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Die großen Bäume und die verwitterten Grabsteine führen in eine längst vergangene Zeit zurück.


Der Geusenfriedhof liegt hinter der Universitätsbibliothek an der Kerpener Straße 13.

Öffnungszeiten:

April – September: 9 -19 Uhr
Oktober: 10-17 Uhr
November-März: geschlossen
ACHTUNG:  Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen: 10-17 Uhr


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„Am Dude Jüd“: Der alte jüdische Friedhof in Raderberg

Ausschnitt aus einem Stich von Friedrich W. Delkeskamp (1794–1872)
„Am toten Juden“ (Ausschnitt aus einem Stich von Friedrich W. Delkeskamp (1794–1872). Gut zu erkennen ist die Lage des Friedhofs vor der Stadtmauer.

„Parkstadt Süd“ ist das große Stadtentwicklungsprojekt im Kölner Süden. Bis zu 4.000 Wohnungen, Büros und Ladenlokale sollen im „Inneren Grüngürtel“ zwischen Bayenthal, Raderberg, Zollstock und Sülz entstehen. Teil des Projekts ist auch der Großmarkt. Dieser sollte bereits im Jahr 2020 umziehen. Doch sowohl die Standortfrage als auch der konkrete Umzugstermin sind noch offen. Die Debatte der Beteiligten  (Stadt, Händler, Anwohner am potenziellen neuen Standort in Marsdorf) ist im vollen Gange.

Der Judenbüchel

Eine ganz andere Herausforderung an die Planer wird allerdings kaum diskutiert: Auf dem heutigen Großmarktgelände liegt der „Judenbüchel“, der alte Friedhof der jüdischen Gemeinde. Die Kölschen nannten dieses Gelände „Dude Jüd“ – der „Tote Jude“.

Die exakte Lage des Friedhofs ist nicht bekannt, doch es ist davon auszugehen, dass dieser rund um die heutige Sechtemer Straße lag. Erste schriftliche Erwähnungen des Judenbüchels stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Bei den wiederholten Pogromen kam es auch regelmäßig zu Schändungen des Friedhofes. So wurden ganze Grabsteine als Baumaterial in Köln und im Umland genutzt. Besonders pikant: Auch im „Hansa-Saal“ des historischen Rathauses wurden diese Grabsteine verbaut.

Nationalsozialisten ebnen jüdischen Friedhof ein

Schon ab ca. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde das Gelände rund um den „Dude Jüd“ auch als Veranstaltungsgelände genutzt. So fanden hier Hinrichtungen oder auch Turniere statt. Der jüdische Friedhof geriet dabei über die Jahrhunderte in Vergessenheit.

Erst im Jahr 1922, bei Bauarbeiten zur Errichtung des Güterbahnhofs, wurde der Friedhof wiederentdeckt. Grabstätten und Gebeine wurden auf den neuen jüdischen Friedhof in Bocklemünd umgebettet. Allerdings: Im jüdischen Glauben gehören Gräber zum ewigen Eigentum der Toten und dürfen nie berührt werden. Daher kann davon ausgegangen werden, dass im Jahr 1936 die Errichtung des Großmarkts auf dem Gelände des Friedhofs durch die Nationalsozialisten als bewusster Affront gegen die jüdische Bevölkerung zu verstehen war.

Info-Tafel am Großmarkt, eine eher bescheidene Erinnerung an den Jüdischen Friedhof. Bild: Uli Kievernagel
Info-Tafel am Großmarkt, eine eher bescheidene Erinnerung an den Jüdischen Friedhof. Bild: Uli Kievernagel

Heute erinnert nur noch eine bescheidene Informationstafel an der Markthalle an den jüdischen Friedhof. Und mit diesem Wissen stellt sich nun die Frage, wie mit diesem Erbe im Rahmen des Neubauprojekts „Parkstadt Süd“ umgegangen werden soll.


Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel
Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderthal

Der „Dude Jüd“ ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


Wer sich grundsätzlich für Friedhöfe interessiert, sollte an der Lotsen-Tour Südfriedhof teilnehmen.


„Am dude Jüdd“ von Willi Ostermann

Bekannter als der eigentliche Friedhof ist in Köln das Lied „Am dude Jüdd“ von Willi Ostermann über ein Tanzlokal, welches sich gegenüber des Friedhofs befunden haben soll. Ob es sich bei dem Wirt allerdings um einen Juden, wie in einem Video der Bläck Fööss (dargestellt von King Size Dick) gehandelt hat, darf durchaus bezweifelt werden.


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„Glück auf“ mitten in Köln: Der Barbarastollen

Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Blick in den Barbastollen,  Bild: Merle Hettesheimer

 

Preisfrage: Wo liegt in Köln ein Untertage-Bergwerk?

Wer die Antwort nicht kennt, braucht sich nicht zu schämen: Der „Barbarastollen“ liegt mitten in Sülz, direkt unter dem Hauptgebäude der Uni. Und das ist auch nur Insidern bekannt.

In den 1930er Jahren angelegt sollte der 40 Meter lange Stollen den Studenten den harten Arbeitsalltag der Kumpel veranschaulichen. Und geriet danach schlichtweg in Vergessenheit. Erst in den 80er Jahren wurde der Barbarastollen zufällig bei Bauarbeiten wiederentdeckt.

Mit funktionstüchtigen Maschinen, echter Steinkohle an den Wänden und sogar einem Förderkorb stellt der Stollen die Bergwerkstechnologie der 1930er Jahre dar. Und genau das war auch das Ziel dieses Anschauungsobjekts: Die Studenten sollten einen möglichst genauen Einblick in die harten Arbeitsbedingungen der Kumpels unter Tage erhalten. Selbstverständlich wurde hier nie Kohle gefördert, es handelt sich nur um ein „Schaubergwerk“. Kurios: Obwohl der Barbarastollen nur etwa 10 Meter unter Erde liegt – statt bis zu 3.000 Meter Tiefe bei „echten“ Bergstollen – unterliegt dieser dem Bergrecht. Somit ist die Uni nicht Herr im eigenen Haus, sondern unterliegt zumindest unter Tage dem Bundesberggesetz.

Zurück zur Preisfrage: Zwar ist der Barbarastollen Kölns einziges Bergwerk, welches noch besichtigt werden kann, tatsächlich gab es aber in Kalk, unter dem Gelände der heutigen Sünner-Brauerei an der Kalker Hauptstraße und in Höhenberg „echte“ Bergwerke zur Braunkohleförderung. Allerdings wurde dort mehr Wasser als Kohle gefördert und der unrentable Betrieb bereits in den 1850er Jahren eingestellt.


Radio Köln hat einen kurzen Beitrag (1 Minute 30 Sekunden)  über den Stollen veröffentlicht. Besonders schön: Am Ende des Beitrags, ab 1 Minute 15 Sekunden)  komme ich zu Wort. Hört mal rein.


Für alle, die auch mal unter Tage einfahren wollen, bietet die VHS Rhein-Erft Besichtigungen des Barbarastollens an.


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Monte Troodelöh – der kölsche Everest

Die Erstbesteiger des Troodelöh
Die stolzen Erstbesteiger des Troodelöh

Im November 1999 ist in Köln LEGENDÄRES passiert. Machen wir einen Zeitspung: Wir befinden uns im Jahre 1999 AD. Es ist der 12. November. Ganz Köln ist noch vom Sessionsauftakt tags zuvor im Delirium. Ganz Köln? Nein! Eine Seilschaft von drei unbeugsamen Kölnern und ihr treuer Sherpa Llongway machen sich auf, um Kölns höchsten Punkt zu erkunden.

Die Namen dieser Hasardeure lauten Michael Troost, Friedrich Dedden und Kai Löhmer. Gemeinsam mit dem zuverlässigen Llongway kämpfen sie sich durch den unwirtlichen Königsforst bis zu einem noch unentdeckten Punkt: Der höchsten Stelle Kölns. Der rechtschaffene Llongway ermittelt exakt die richtige Stelle: Die höchste Erhebung unserer geliebten Domstadt ist genau 116,70 Meter hoch. Später wurde diese Höhe auf 118,04 Meter korrigiert – den gewissenhaften Llongway trifft hier aber keine Schuld!

Monte Troodelöh ein beliebtes Ausflugsziel

Die erschöpften Männer – Entdecker im Rang eines Kolumbus, Amundsen oder Hillary – haben das schier Unmögliche erreicht: Ohne Sauerstoff, nur mit Minimalvorräten an Kölsch und Enzian, direkt ohne Basislager und Akklimatisation auf den Gipfel. Voller Stolz blicken sie sich um und errichten das erste, noch provisorische, Gipfelkreuz. Und sie taufen den kölschen Everest – im Angedenken an die Seilschaft der ruhmreichen Erstbesteigung – auf den Namen Monte Troodelöh – TROOst, DEdden, LÖHmer. Nur für den edlen Llongway blieb hier kein Platz. Das Los eines Sherpas.

Mittlerweile ist der Monte Troodelöh ein beliebtes Ausflugsziel. Das erste Gipfelkreuz wurde durch ein zweites und mittlerweile durch einen Findling ersetzt. Es gibt ein Gipfelbuch mit zahlreichen launigen Einträgen und eine Bank, um nach der Höchstleistung der Besteigung ein wenig rasten zu können. Ein Besuch auf dem „Dach von Köln“ lohnt sich!


Der Monte Troodelöh ist sogar bei Google Maps zu finden.


Kölns tiefster Punkt: Worringer Bruch

Ganze  80,54 Meter tiefer als der Monte Troodelöh liegt Kölns tiefster Punkt: Der Worringer Bruch mit einer Höhe von 37,5 Metern über dem Meeresspiegel. Nicht weit vom (vermuteten) Schlachtfeld von Worringen liegt dieses idyllische Naturschutzgebiet, welches im Bedarfsfall bei Rhein-Hochwasser als Retentionsraum geflutet werden kann. 


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A 555 – Die Diplomatenrennbahn

 

A 555 - Straße zwischen den Fahrstreifen
A 555 – Teile der alten Fahrbahn mitten zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen existieren heute noch.   Bild: Uli Kievernagel

Um gleich eine freche Behauptung der Nazi-Propaganda zu widerlegen:  Hitler war nicht der Erfinder der Autobahnen. Die erste Autobahn wurde am 6. August 1932 vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer eröffnet und verbindet noch heute Köln und Bonn.

Im Vergleich zu heutigen Autobahnen war diese „Kraftwagenstraße“ fast schon abenteuerlich: So gab es zwar keine Kreuzungen und wie heute auch zwei Spuren für jede Fahrtrichtung, allerdings waren die Spuren nicht durch einen Mittelleitplanke sondern nur durch einen weißen Strich voneinander getrennt. Besonders kurios: Vom Verteilerkreis in Köln bis Godorf gab es noch ein zusätzliche Spur zwischen den beiden Fahrbahnen für Pferdefuhrwerke, Radfahrer und andere langsame Verkehrsteilnehmer. Großer Verlierer des Autobahnbaus war der Marienburger Golfclub, dessen 18-Loch-Platz dem Autobahnbau zum Opfer fiel. Und heute putten die Cracks auf einem 9-Loch-Platz mitten im Autobahnkreuz Köln-Süd. In den 1960er Jahren wurde die Autobahn auf sechs Spuren ausgebaut. Ganz ohne Tempolimit konnten nun die Mitarbeiter aus den Botschaften und Konsulaten in Marienburg die 20 Kilometer lange Strecke nach Bonn in die berüchtigte Diplomatenrennbahn verwandeln.

Heute nutzen mehr als 80.000 Fahrzeuge täglich die A 555 und nur in Höhe von Wesseling und auf den letzten Kilometern nach Bonn bzw. Köln gibt es ein Tempolimit.

Das Hitler fälschlicherweise der Titel „Erfinder der Autobahn“ zugeschrieben wird, hängt übrigens mit einem Verwaltungstrick der Nazis zusammen: Die Köln-Bonner-Kraftwagenstraße wurde von den Nazis zur „Landstraße“ zurückgestuft Somit konnte Hitler die ersten Autobahn eröffnen.

Weitere Infos und ein sehenswertes Foto enthält der Artikel „A 555: Europas erste Autobahn“ auf Spiegel Online (http://www.spiegel.de/einestages/a-555-a-946575.html)


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HöVi-Land: Ein Land für Kinder op d´r „Schäl Sick“

Das HöVi-Land - ein Land für Kinder, Bild: Ferienspielaktion HöVi-Land
Das HöVi-Land – ein Land für Kinder, Bild: Ferienspielaktion HöVi-Land

Auf der „Schäl Sick“, der rechten Rheinseite, liegen die beiden Kölner Stadtteile Höhenberg und Vingst mit insgesamt etwa 25.000 Einwohnern.

Ein Blick in die Statistik zeigt, warum diese beiden Stadtteile als „Problembezirke“ oder „Soziale Brennpunkte“ bezeichnet werden:

  • Der Anteil der ausländischen Bevölkerung liegt bei 30% (Durchschnitt in Köln: 20%)
  • Der Anteil der ausländischen Schülerinnen beträgt bei 50%.
  • Etwa 40% der Familien verfügen über kein selbst erwirtschaftetes Einkommen.1Quelle: HöVi-Land-Website

1994 wird das HöVi-Land „erfunden“ 

So leuchtet es auch ein, dass Kinder aus diesen Stadtbezirken oft bei – für andere Kinder alltäglichen – Aktivitäten ausgeschlossen sind. Und Urlaub kann sich hier kaum eine Familie leisten.

Dieser Herausforderung haben sich bereits im Jahr 1994 die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Höhenberg und Vingst angenommen. Die Idee, ein spezielles Ferienangebot für die Kinder aus Höhenberg und Vingst zu schaffen: Die Geburtsstunde des HöVi-Lands

Eine komplette Zeltstadt

Mittlerweile ist die Zeltstadt HöVi-Land jeweils in den ersten drei Wochen der Sommerferien Heimat für mehr als 500 Kinder. Diese werden von etwa 150 Erwachsenen und ca. 100 Jugendlichen betreut. Arbeit ist reichlich vorhanden: Täglich werden mehr als 600 Mahlzeiten zubereitet, die Wasserversorgung und die Elektrik werden aufgebaut und gewartet, die Logistik muss sichergestellt werden, ein Arzt steht bei Verletzungen bereit – die Liste der Aufgaben ist lang.

Besonders erfreulich ist, dass viele der Jugendlichen, die heute als Betreuer aktiv tätig sind, früher selber als Kinder im HöVi-Land ihre Ferien verbracht haben.

Spenden erwünscht – auch der Köln-Lotse untersützt das HöVi-Land

Wer sich auch einbringen will, kann gerne für das HöVi-Land spenden. Auf der Spenden-Seite des HöVi-Lands sind alle Informationen zur Bankverbindung, Spendenquittung etc. aufgeführt.


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Zum Sprung bereit – der Panther in Marienburg

Panther, Bild: Uli Kievernagel
Kommt aus dem Gebüsch geschlichen: Der Panther, Bild: Uli Kievernagel

Die Ohren angelegt, sich anschleichend, mitten aus dem umgebenden Bäumen und Büschen kommend: Der lebensgroße Panther im Südpark in Köln-Marienburg ist durchaus beeindruckend. Auch der Platz für diese Skulptur ist sehr gut gewählt. Das halbrunde Gestrüpp lässt nur den frontalen Blick zu, von der Seite aus ist der Panther nicht zu sehen. Der Bronzeguß stammt ungefähr aus dem Jahr 1920, eine exaktere Datierung ist wegen fehlender Dokumente nicht möglich.

Geschaffen wurde der Panther vom Bildhauer Fritz Behn – einer Größe im nationalsozialistischen Kunstbetrieb. Ab 1921 unterhielt Behn gute Kontakte zu Hitler, der ihm 1943 die „Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft“ verlieh. Fritz Behn war bereits 1928 einer der Initiatoren des „Nationalsozialistischen Kampfbunds für deutsche Kultur“ . Zielsetzung diese Vereinigung war der Widerstand gegen „Verbastardisierung und Vernegerung unseres Daseins“. In dem Nazi-Blatt „Völkischer Beobachter“ hetzte Fritz Behn als Redakteur im Feuilleton gegen „Entartete Kunst“ und „Nigger-Jazz“.

Bei dieser steilen Nazi-Karriere verwundert seine Aussage nach dem Krieg, dass er in Gegnerschaft zum NS-Regime gestanden habe und die „Linkspresse“ ihn zum „Nazi-Bildhauer“ stempeln würde. Fritz Behn war bis zu seinem Tod im Jahr 1970 als freischaffender Künstler tätig, der seine alten Seilschaften zu nutzen wusste und unter anderem Portraits von Maria Callas oder Papst Pius XII. fertigte.

Und mit dem Wissen um den Bildhauer verändert sich für viele auch der Blick auf das Kunstwerk „Der Panther“.

Übrigens:  Teilnehmer der Lotsen-Tour Marienburg können dem Panther auf unserer Tour tief in die angriffslustigen Augen sehen. Eine weitere Skulptur von Fritz Behn steht in dem kleinen Park am Sachsenring: „Diana mit springender Antilope“.


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Weidenpescher Fußballtribüne, oder „Das Wunder von Bern – in Köln“

Die verlassene Tribüne in Weidenpesch_Christian Suellhoefer
Die verlassene Tribüne in Weidenpesch, Bild: Christian Suellhoefer

„Bozsik, immer wieder Bozsik der rechte Läufer der Ungarn hat den Ball – verloren, diesmal an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt… Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“. So Herbert Zimmermanns legendäre Reportage vom Finale der WM 1954 in Bern.

Knapp 50 Jahre später hat Sönke Wortmann seinen Film „Das Wunder von Bern“ gedreht. Allerdings wurden der eigentliche Spielort des WM-Finales, das Berner Wankdorfstadion, bereits 2001 abgerissen. Ein neuer Drehort musste gefunden werden – und so haben die Helden von Bern im Jahr 2002 in Köln gespielt. Drehort war die älteste erhaltene Stadiontribüne Deutschlands in Weidenpesch direkt an der Rennbahn. Das alte Stadion des VfL Köln 99 wurde 1903 gebaut und hat glorreiche Zeiten erlebt: 1905 und 1910 wurde hier um die deutsche Meisterschaft gespielt.

Heute ist die baufällige Ruine weit weniger glanzvoll – obwohl es sich um eingetragenes Baudenkmal handelt. So hat der Rennverein die Räume unter der Tribüne als Pferdeställe genutzt. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass die Tribüne abgesperrt und nicht zugängig ist. Bei dem Zustand besteht höchste Einsturzgefahr. Lediglich von der Rennbahnstraße aus ist der rückwärtige Teil der Tribüne sichtbar.

Aber es lohnt sich auf einen Blick auf diesen geschichtsträchtigen Ort zu werfen – vielleicht beim nächsten Besuch der Pferderennbahn in Weidenpesch. Und wenn man ganz still ist hört man auch Zimmermann zwischen den Bäumen noch ganz leise „Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister.“.


Aktuell wurde eine Online-Petition zum Erhalt der alten Tribüne gestartet.


Tribüne Weidenpescher Park, Rennbahnstraße 56, Köln-Weidenpesch


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