Kölsche Wörter „Klüngel“

Klüngel - hier laufen viele Fäden zusammen. Und niemand erkennt, wie alles exakt zusamengehört. Bild: Bernhard Friesacherr / pixelio.de
Klüngel – hier laufen viele Fäden zusammen. Und niemand erkennt, wie alles exakt zusamengehört. Bild: Bernhard Friesacherr / pixelio.de

„Klüngeln“ geht ganz einfach. Der Kölner kann das instinktiv. Hier ein aktuelles Beispiel:
Nehmen wir mal an, du bist Fraktionschef einer beliebigen Partei im Kölner Stadtrat. Gleichzeitig sitzt du im NRW-Landtag. Alles gut – soweit. Allerdings stockt die Karriere. Du wirst nicht, wie von dir gehofft, Fraktionsvorsitzender im Landtag. Und jetzt? Gut, dass du in Köln perfekt vernetzt bist. Nach ein paar Gesprächen mit anderen Ratsfrauen und Ratsherren in der Domstadt wird klar, dass die Kölner Stadtwerke einen neuen Chef brauchen. Natürlich dich. Den Posten gab es bis dahin zwar nicht, aber das kann man ja ändern. Und dann auch gleich mit 400.000 Euro im Jahr dotieren. Noch eine flotte Sitzung des Aufsichtsrats und fertig. Die Stelle ausschreiben? Bruche mer nit, mer han doch dä beste Kandidat jefonge. Das ist Klüngel.

Man kennt sich, man hilft sich

Klüngel ist unserer Stadt schon seit Jahrhunderten etabliert. Bereits 1782 wird im Zusammenhang mit der städtischen Lotterie der Begriff „Klüngel“ für „betrügerische Machenschaften“ genutzt. Klüngel stammt von dem Begriff „clunga“ ab. Das bedeutet Knäuel, also der Ort, an dem viele Fäden zusammenlaufen und man nicht mehr erkennen kann, wie alles zusammengehört. Eine perfekte Umschreibung für den kölschen Klüngel.

Ein großer Klüngler war Konrad Adenauer, so hat er sich als Kölner Oberbürgermeister zinslose Darlehen der Stadtkasse gewährt. Ihm wird die Definition des Klüngels „Man kennt sich, man hilft sich.“ zugeschrieben.

„Nehmt mich auf in Euren Klüngel!“

Als Kurt Rossa, ehemaliger Kölner Oberstadtdirektor, sich dem Kölner Rat mit den Worten „Nehmt mich auf in Euren Klüngel“ vorstellte, kannte die Begeisterung im Rat keine Grenzen. Dabei kann Klüngel, solange er nicht darauf zielt, sich individuelle Vorteile zu verschaffen, durchaus positiv sein. Norbert Burger, Kölner Oberbürgermeister von 1980 bis 1999, definierte Klüngel positiv als „das Ausräumen von Schwierigkeiten im Vorfeld von Entscheidungen“.

Tatsächlich aber zielte der Klüngel in Kölle eher darauf, sich jeweils persönliche Vorteile zu verschaffen. Und die Liste der bekannten Verfehlungen ist lang. Wir groß mag da erst die Dunkelziffer sein?

Und was passierte mit unserem eingangs erwähnten Kandidaten für das gut dotierte Amt des Stadtwerke-Geschäftsführers? Nachdem die Presse Wind von der Posten-Schieberei bekommen hatte, schritt auch die aktuelle Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein. „Ich sah Schaden auf die Stadt zukommen. Wir sind es den Kölnern und der Stadt schuldig, Transparenz herzustellen.“, so Reker. Transparenz ist genau das Gegenteil von Klüngel. So wurde die Besetzung des Postens zunächst auf Eis gelegt. Mal sehen, wie dieser spezielle Fall von Klüngel so weitergeht.


Der Sprachwissenschaftler Peter Honnen erklärt auf YouTube den Begriff „Klüngel“.


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