Ein paar Fragen an: Marc Neumann – der „Herr der kölschen Brücken“

Marc Neumann, Brücken
Der Ingenieur Marc Neumann ist bei der Stadt Köln im Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau tätig. Bild Neumanmn: privat, Bilder Brücken: Raimond Spekking

 

Marc Neumann kennt sich mit den Brücken Kölns aus wie kaum ein anderer. Er hat „konstruktiven Ingenieurbau“ studiert und ist heute bei der Stadt Köln im Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau tätig. Dort betreut er die Kölner Brücken, die über den Rhein führen und die der Stadt Köln gehören:

Marc berichtet uns in diesem Podcast von den Herausforderungen bei den Brücken, von der Historie dieser Bauwerke und auch von der ganz speziellen Farbe unserer Brücke.


Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Marc zu den „Kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Der "Herr der Brücken" Marc Neuman (in der Mitte) war zu Gast beim "Köln-Ding der Woche" , Bild: Uli Kievernagel
Der „Herr der Brücken“ Marc Neuman (in der Mitte) war zu Gast beim „Köln-Ding der Woche“ , Bild: Uli Kievernagel

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Ich verstehe die Frage nicht. 😊

Welche kölschen Eigenschaften zeichnet dich aus?

Für mich gilt: „Jönne künne, dat künne mer joot.“ – also die Großzügigkeit der Kölner, auch anderen etwas zu gönnen. Und ich denke, ich habe auch „dat Hätz am rechten Fleck“, also eine „gesunde“ Einstellung zum Leben und zu seinen Mitmenschen.

Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Da ich nicht unter Profilneurose leide, würde ich mich mal um das kümmern, was da ist, und nicht das, was man gerne hätte.

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Ich würde Köln nur verlassen, nur, um nach zwei, drei Wochen wiederzukommen, weil ich ja sehr heimatverbunden bin. Ich bin sehr verwurzelt hier in Köln.

Die Poller Wiesen heute, rechts der Deutzer Hafen, Bild: ToLo46, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Marc liebt den Rhein und sitzt gerne am Rheinufer, zum Beispiel auf den Poller Wiesen, Bild: ToLo46, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Irgendwo am Rhein sitzen, gerne mit einem gekühlten Getränk in der Hand. Ungefähr so, wie AnnenMayKantereit das in „Tommi“ beschreiben:

Tommi, ich glaub‘, ich hab‘ Heimweh
Ich will mal wieder am Rhein stehen
Einfach hineinsehen
Zuschauen, wie Schiffe vorbeiziehen

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst / beeindruckt?

Eindeutig meine Eltern.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Viel feiern, wenig essen, viel trinken, wenig schlafen.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Da bin ich gerne mit meiner Frau unterwegs, wir haben einen Campingbus. Mit dem fahren wir gerne in die Sonne, ans Wasser.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Bisher mein ganzes Leben.

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich kann sehr herzlich über Loriot, Victor von Bülow, lachen. Schade, dass er tot ist. Den finde ich sensationell.

Kult: Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Andreas Lofner
Der „Lommi“, die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, gehört zu Marcs Lieblingskneipen . Bild: Andreas Lofner

Dein Kölsche Lieblingskneipe?

Ich mag eine ganze Reihe Kneipen – zum Beispiel das Brauhaus Pütz, den Wirtz in der Südstadt, das Birkenbäumchen und auch das Lommi. Ich mag gerne diese ursprünglichen Kneipen. Aber grundsätzlich gilt: Ich bin gerne mit Menschen zusammen und dann kommt es mir eher auf die Leute an als auf die Kneipe.

Dein Lieblingskölsch?

Das hat sich im Laufe der Zeit etwas gewandelt: Früher eher Früh oder Reissdorf, dann hin zum etwas herberen Gaffel. Und ganz aktuell ist Schreckenskammer mein Lieblingskölsch.

Was ist dein kölsches Lieblingsgericht?

Ganz eindeutig Himmel un Ääd. Man kann das zwar nicht überall essen, aber wenn das gut gemacht ist, ist das mein kölsches Lieblingsessen. Ganz wichtig: Die gebratene Flönz dabei darf nicht matschig sein, die muss kross gebraten sein.

Himmel un Ääd - eine rheinische Spezialität aus Kartoffelpüree, Apfelmus, Zwiebeln und gebratener Blutwurst, Bild: Anagonia
Himmel un Ääd – eine rheinische Spezialität aus Kartoffelpüree, Apfelmus, Zwiebeln und gebratener Blutwurst, Bild: Anagonia

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

„Seiverlappen“, eigentlich ein Lätzchen, als kölsches Schimpfwort eine Bezeichnung für einen Menschen, der viel redet und wenig aussagt.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… ming Stadt. Die ist zwar furchtbar hässlich,
ävver uch esu schön!


Alle bisher erschienenen Geschichten zu den Kölner Brücken 


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

150 Jahre Konrad Adenauer – Wie Köln lernte, groß zu denken

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer,  Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE

Ein Gastbeitrag von Markus Zens

Markus Zens ist Stadtführer aus Leidenschaft in Köln und Gründer von „Echt Köln Stadtführungen“. Für ihn ist Köln mehr als Dom und Geschichte – es sind die Menschen, ihre Lebensfreude und ihre Geschichten. Auf seinen Touren geht es nicht nur um Daten und Fakten, sondern um Schicksale, Erinnerungen und das kölsche Miteinander.

Markus Zens, in der Mitte :-), ist Kölner Stadtführer mit Leidenschaft, Bild: Echt Köln
Markus Zens, in der Mitte😊, ist Kölner Stadtführer mit Leidenschaft, Bild: Echt Köln

Markus hat sich intensiv mit Adenauer in Köln beschäftigt und bietet auch die Stadtführung „Konrad Adenauer in Köln“ in Köln an. Dabei geht es um die Orte in unserer Stadt, die mit seinem Leben in Verbindung stehen. Diese Tour ist eine Zeitreise in das Köln vor einhundert Jahren. Alle Termine zur „Adenauer-Führung“ gibt es auf der Website von Echt Köln.

In diesem Beitrag beschreibt er als „Köln-Ding der Woche“-Gastautor das Wirken von Adenauer in Köln.


150 Jahre Konrad Adenauer
von Markus Zens

Am 5. Januar 1876 wurde Konrad Adenauer geboren und die Medien sind voll von Nachrufen auf ihn. Adenauer war wohl der bedeutendste Politiker in der Stadtgeschichte und die Aufzählung der Dinge, die wir Konrad Adenauer zu verdanken haben und von denen wir heute noch profitieren, ist lang: Die Grüngürtel, die Messe, Ford, den WDR, die Universität, das Müngersdorfer Stadion, den „Dicken Pitter“, die erste Autobahn, all das haben wir auch Adenauer zu verdanken. Ich möchte den Blick darauf lenken, in welchen Zeiten Adenauer gelebt hat und wie er mit den Anforderungen der Zeit umgegangen ist.

Konrad Adenauer im Alter von 20 Jahren, Fotograf: unbekannt
Konrad Adenauer im Alter von 20 Jahren, Fotograf: unbekannt

Vom Stadtkind zum Stadtlenker

Als Adenauer geboren wurde, stand die mittelalterliche Stadtmauer noch. Sozialisiert wurde er im Kaiserreich. Es herrschte Recht und Ordnung, die Gesellschaft war streng hierarchisch aufgebaut. 1904 heiratet Adenauer Emma Weyer, deren Onkel Max Wallraf 1906 Oberbürgermeister wird. Wallraf ist zwar Liberaler, Adenauer beim Zentrum, aber Wallraf hilft ihm, in die Stadtverwaltung zu kommen. 1909 wird Adenauer zum ersten Beigeordneten gewählt, obwohl er dafür eigentlich noch sehr jung ist. Als Wallraf 1917 als Staatssekretär nach Berlin ging wurde Adenauer ohne Gegenstimme vom Stadtrat zum Bürgermeister gewählt, mit 41 Jahren einer der jüngsten Bürgermeister einer deutschen Großstadt.

Adenauer war also schon zur Kaiserzeit Oberbürgermeister, aber er war kein Monarchist. Er war loyal zur Regierung und akzeptierte es, aber den Übergang zur Weimarer Republik gestaltete er mit. Dabei war er auch kein glühender Demokrat. Er hielt Demokratie für die beste Staatsform, gleichzeitig war sie ihm lästig, weil er immer Mehrheiten suchen musste. Denn er stand schon immer im Verdacht, zu glauben, er allein wüsste es sowieso besser. Kein Wunder, dass er gelegentlich „der Kölner Diktator“ oder der „Napoleon von Köln“ genannt wurde.

Adenauer war vor allem katholisch. Sein Glaube war für ihn eine unverrückbare Leitlinie. Das bedeutete für ihn aber auch große soziale Verantwortung, und zwar für alle Menschen. Das zeigte sich besonders in schwierigen Zeiten. Als Adenauer Oberbürgermeister wurde, war der Weltkrieg in vollem Gange. Die Lebensmittelversorgung war katastrophal, die Menschen hungerten. Jetzt zeigte sich Adenauers Pragmatismus. Zusammen mit den Brüdern Oebel entwickelte er ein Kriegsbrot aus Reismehl, Maismehl und Gerste, das wohl fürchterlich schmeckte, aber satt machte. Auf Beschwerden antwortete er: „Es geht nicht darum, was schmeckt, sondern was satt macht.“

Mit ruhiger Hand durch wilde Zeiten

Adenauer war sehr pragmatisch. Er stellte sich den Problemen, die auftauchten und suchte eine sinnvolle Lösung. Als im November 1918 meuternde Matrosen der Marine auf dem Weg nach Köln waren, forderte er den Standortkommandanten auf, die Matrosen mit Waffengewalt zu stoppen und zu inhaftieren. Als der das ablehnte, wechselte Adenauer die Taktik und stellte sich zusammen mit Wilhelm Sollmann von den Sozialdemokraten an die Spitze der Bewegung. Er überließ dem Arbeiter- und Soldatenrat Räume im Rathaus und übernahm selbst die Leitung des wichtigen Wohlfahrtsausschuss. So schaffte er es, dass der Aufstand in Köln ohne Blutvergießen ablief.

Berittene englische Soldaten paradieren im Dezember 1918 vor dem Kölner Dom, Bild: Sammlung Brokmeier
Berittene englische Soldaten paradieren im Dezember 1918 vor dem Kölner Dom, Bild: Sammlung Brokmeier

Am 6. Dezember 1918 marschierten die Engländer in Köln ein und besetzten die Stadt. 55.000 englische Soldaten wurden in Köln stationiert. Für die Stadt bedeutete die Besatzung erhebliche Belastungen und die Einschränkung von Grundrechten wie der Presse- und Versammlungsfreiheit. Adenauer akzeptierte die britische Besatzung, aber schützte aktiv die Selbstverwaltung und die Interessen der Stadt, er arrangierte sich und wirkte so auch auf die Bevölkerung ein. Zwei Zitate aus dieser Zeit von ihm finde ich sehr treffend: „Die Kölner kommen gut mit den Engländern aus – sie sind selbst ein Mischvolk aus Römern, Franken und anderen“ und „Die Stadt Köln steht nicht unter britischer Verwaltung, sondern unter britischer Aufsicht. Das ist ein Unterschied, den ich täglich verteidige.“

Bauen für die Zukunft, nicht für den Applaus

Der Frieden von Versailles legte fest, dass die preußischen Verteidigungsringe rund um Köln abgerissen werden müssen. Adenauer wollte unbedingt diese unbebauten Gebiete als Erholungsorte für die Bevölkerung anlegen und konnte sich gegen Interessen der Wirtschaft durchsetzen, die hier viel Potential für gewinnbringende Immobiliengeschäfte sahen. Hier waren ihm die Interessen der einfachen Bevölkerung deutlich wichtiger. Die Grüngürtel ließ er dann vor allem von Arbeitslosen angelegen, die dadurch eine sinnvolle Beschäftigung hatten und Geld verdienen konnten.

Adenauer nutzte die Zeit der politischen Unordnung nach der Abdankung des Kaisers, um die Universität wieder neu zu begründen. Die Preußen hatten vorher beschlossen, die Uni in Bonn wieder zu eröffnen und sich gegen Köln entschieden. Adenauer betrieb die Wiedereröffnung trotzdem weiter und bekam letztlich eine Genehmigung, allerdings musste die Stadt alle Kosten selbst tragen. Das brachte ihm viel Kritik im Stadtrat ein, da die Verschuldung der Stadt immer weiter anstieg. Adenauer hielt die Uni aber für eine sinnvolle Investition in die Zukunft und konnte sich letztlich durchsetzen. Sitz der Universität war die bisherige Handelshochschule am Römerpark. 1929 wurde dann der Grundstein gelegt für das neue Universitätsgebäude an der Universitätsstraße.

Für mich beeindruckend war sein Umgang mit der Wohnungsnot. Innerhalb von 15 Jahren war Köln um 100.000 Einwohner gewachsen. 1913 war die GAG gegründet worden, nicht von Adenauer, aber mit seiner Unterstützung als Beigeordneter. Das Problem der Wohnungsnot wurde angegangen, indem große Wohnsiedlungen gebaut wurden, in denen die Menschen einfache Wohnungen fanden. Als um 1930 die Weltwirtschaftskrise für eine hohe Arbeitslosigkeit sorgte, baute man Siedlungen mit Einfamilienhäusern und Garten für Arbeitslose mit ihren Familien, damit die sich selbst versorgen konnten. Teure, aber hilfreiche Maßnahmen, von denen wir heute noch profitieren. Die Germania-Siedlung oder die Nibelungensiedlung gibt es auch heute noch, Stadtteile wie Buchforst sind dadurch entstanden.

Die Siedlung "Weiße Stadt" in Köln-Buchforst, Bild: Grkauls, Public domain, via Wikimedia Commons
Die Siedlung „Weiße Stadt“ in Köln-Buchforst, Bild: Grkauls, Public domain, via Wikimedia Commons

Visionär – auch gegen Widerstände

Adenauer dachte weit voraus und wollte aus Köln eine europäische Metropole machen. Dafür war er bereit, hohe Schulden zu machen. Er war sicher, diese Investitionen würden sich mit der Zeit auszahlen. Und wenn man darüber nachdenkt, wie die Stadt über Jahrzehnte von Projekten wie der Messe, Ford, dem Müngersdorfer Stadion oder auch dem Niehler Hafen profitiert hat, waren diese Projekte für die Stadt richtig und wichtig.

Nicht alle dieser Projekte waren alleinige Ideen von Adenauer, er hatte fähige Mitarbeiter und wer es mit und unter ihm aushielt, konnte durchaus auch eigene Ideen umsetzen. Ein wichtiges Beispiel dafür ist Hertha Kraus.

Adenauers Frauenbild war konservativ katholisch geprägt, für ihn gehörten Frauen in die Familie und sie sollten sich da um alles kümmern. Das hinderte ihn nicht, 1923 Hertha Kraus nach Köln zu holen. Sie war 26 Jahre alt und Soziologieprofessorin in Frankfurt, stammte aus einer jüdischen Familie und war zum Quäkertum übergetreten. Genug Gründe, um damals vom Stadtrat vehement abgelehnt zu werden. Aber Adenauer setzte sich durch und machte sie verantwortlich für die Wohlfahrtspflege. Letztlich richtete sie in einer früheren englischen Kaserne die Riehler Heimstätten ein1heute SBK Sozial-Betriebe-Köln, die größte Wohnanlage in Deutschland für alte und behinderte Menschen.

Am 13. Oktober 1929 eröffnete Konrad Adenauer die Mülheimer Hängebrücke, damals die grösste Hängebrücke Europas. Bild: Bundesarchiv, Bild 102-18302, via Wikimedia Commons
Am 13. Oktober 1929 eröffnete Konrad Adenauer die Mülheimer Hängebrücke, damals die grösste Hängebrücke Europas. Bild: Bundesarchiv, Bild 102-18302, via Wikimedia Commons

Adenauer arbeitete mit allen politischen Kräften zusammen, solange sie ihm nutzten. Ausnahme waren die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Die Nazis verabscheute er, vor allem auch wegen ihres Judenhasses. Auch als überzeugter Katholik unterstützte er die jüdische Gemeinde in Köln und hielt zum Beispiel die Eröffnungsrede bei der Einweihung der neuen Synagoge in der Roonstraße.

Bei den Kommunisten macht er eine Ausnahme, als sie ihm die notwendigen Stimmen für den Bau der Mülheimer Brücke als Hängeseilbrücke verschaffen mussten. Er wollte unbedingt eine Hängeseilbrücke bauen. Diese Brücke war ihm so wichtig, dass er selber die Farbe dafür aussuchte. Adenauer wünschte sich eine patinagrüne Farbe. Reinhard Thon, ehemaliger Leiter des Amtes für Brücken- und Stadtbahnbau der Stadt Köln dazu: „Adenauer wollte so etwas wie eine Patinafarbe haben, er wollte die Kupferfarben von Kirchen nachempfinden.“1

Die Severinsbrücke im "Kölner Brückengrün", Bild: Rolf Heinrich
Die Severinsbrücke erstrahlt im „Adenauer Grün“, Bild: Rolf Heinrich

In dieser Farbe, von den Kölnern „Adenauer Grün“ genannt, wurden neben der Mülheimer Brücke auch die Zoobrücke, die Deutzer Brücke2hier allerdings nur der ältere Stahlteil und nicht der neuere Betonteil und die Severinsbrücke gestrichen.

Eigensinnig, gläubig – und dem Menschen verpflichtet

Adenauer war also tief verwurzelt in seiner rheinischen Heimat und seinem katholischen Glauben. Sein Selbstbewusstsein war unerschütterlich und er hatte durchaus autokratische Züge. Zitate wie „Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“ oder „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ unterstreichen das. Gleichzeitig war er visionär, pragmatisch, den Menschen verpflichtet und sozial eingestellt.

Wenn ich die schwierigen Zeiten sehe, in denen er in Köln gewirkt hat und die aktuelle Politik betrachte, würde uns heute wohl durchaus ein bisschen mehr Adenauer guttun.

Markus Zens, Januar 2026


Logo Echt Köln, Markus Zens
Stadtführungen von „Echt Köln“

Die Adenauer-Tour von Markus Zens und viele weitere Touren sind direkt über die Website von „Echt Köln“ buchbar.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Johann Adam Schall von Bell – der kölsche Mandarin

adam_schall_von_bell_bild_kievernagel
Statue von Adam Schal von Bell an der Minoritenkirche, Bild: Uli Kievernagel

Ein Kölner war 1658 einer der wichtigsten Berater des Kaisers von China: Der Jesuit und Wissenschaftler Adam Schall von Bell. Geboren am 1. Mai 1591 (oder, je nach Quelle, 1. Mai 1592) in Köln, besuchte er das Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße. Später studierte Schall von Bell in Rom Astronomie. Zusammen mit einer Gruppe Missionare reist er  im Jahr 1618 nach China und gerät dort in die Wirren des Kolonialkriegs. Sein Wissen über moderne Waffentechnik – Schall von Bell repariert erfolgreich alte Kanonen – sichert den Chinesen den Sieg über die Niederländer und führt ihn an den kaiserlichen Hof.

Grabstein von Adam Schall von Bell auf dem Pekinger Zhalan Friedhof, Bild: Uli Linnenberg, aufrome.de
Grabstein von Adam Schall von Bell auf dem Pekinger Zhalan Friedhof, Bild: Uli Linnenberg, aufrome.de

Dort wird er mit er mit der enorm wichtigen Aufgabe beauftragt, den chinesischen Kalender zu reformieren. Durch seine erfolgreiche Arbeit wird er wichtigster Berater des Kaisers Shunzhi, der ihn zum Mandarin befördert. Den Tod Shunzhis nutzen die Schall von Bells Gegner, um ihn zu diskreditieren – in einem Schauprozess wird er zum Tod durch Zerstückelung bei lebendigem Leib verurteilt. Ein paar Tage vor der Hinrichtung rettet ihn ein Zufall vor dem grausamen Tod, weil ein Erdbeben als Beweis seiner Unschuld gedeutet wird. Schall von Bell stirbt eines natürlichen Todes im Alter von 74 Jahren.

In seiner Heimatstadt erinnert eine stark verwitterte Statue in Nähe der Minoritenkirche an den „Kölschen Mandarin“.


Schall von Bell in Köln und die Brauerei AufRome

Es gibt eine ganz erstaunliche – und mir völlig unbekannte – kölsche Querverbindung zwischen der Brauerei AufRome und Adam Schall von Bell. Davon hat mir Uli Linnenberg erzählt:

Der Brauunternehmer Linnenberg ist Eigentümer der Brauerei AufRome. Und vermutlich ein Onkel von Adam Schall von Bell war auch von 1599-1605 Betreiber dieser Brauerei. Um genau zu sein war es seine Frau, Anna Reuffers bekannt als „die Brauersche auf Rome/up ruim“. Sie hat in dritter Ehe den Edlen Ruprecht Schall von Bell geheiratet und dann mit ihm die Brauerei geführt. Es sei sogar möglich, so Linnenberg, dass Adam Schall von Bell während seiner Zeit am Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße bei seiner Kölner Familie gewohnt haben könnte, schließlich war das Gymnasium nur ein paar Meter von der Brauerei entfernt.

Die Brauerei AufRome - ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de
Die Brauerei AufRome – ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de

Die ganze, wechselvollen fast 700-jährige Geschichte dieser Brauerei findet ihr auf der Website AufRome.de. Schaut mal rein. Lohnt sich. Genau wie ein  Schluck des dort gebrauten Biers: Der Düxer Bock. Ein Genuss.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Elisabeth Treskow – Die Goldschmiedin, die Köln Glanz verlieh

Die Amtskette des Kölner Oberbürgermeisters - ein Werk von Elisabeth Treskow, Bild: Raimond Spekking
Die Amtskette des Kölner Oberbürgermeisters – ein Werk von Elisabeth Treskow, Bild: Raimond Spekking

Als Torsten Burmester Anfang November 2025 zum ersten Mal als frisch gewählter Oberbürgermeister im Kölner Rathaus vortrat, war da ein Detail, das sofort ins Auge fiel: die Amtskette. Dieses strahlende, wuchtige, kunstvolle Stück, das mehr wie ein tragbares Museum wirkt als wie ein Schmuckelement, hat eine ganz besondere Geschichte. Und sie führt direkt zu einer Frau, die Köln bis heute prägt, obwohl viele Menschen ihren Namen erst hören, wenn sie ihn am Rheinauhafen lesen: Elisabeth Treskow.

Die von Elisabeth Treskow geschaffene Amtskette ist eines dieser Objekte, das man nicht einfach anschaut, sondern beinahe studiert. Jede Plakette, jeder Stein, jede Gravur erzählt einen Teil der Stadtgeschichte. Burmester trägt damit nicht nur ein Zeichen politischer Verantwortung – er trägt ein Werk, das aus den Händen einer der bedeutendsten Goldschmiedinnen Deutschlands stammt. Einer Frau, die so leidenschaftlich und kompromisslos arbeitete, dass man ihre Energie bis heute in ihren Werken spürt.

Die lange Reise einer Meisterin – von Bochum nach Köln

Elisabeth Treskow wurde am 20. August 1898 in Bochum geboren. Dass sie später als „Grande Dame des deutschen Goldschmiedehandwerks“ gefeiert werden würde, war damals noch nicht abzusehen. Doch ihr Talent zeigte sich früh. Nach der Schule suchte sie gezielt Ausbildungsstätten, die zu den besten im Land gehörten. In Schwäbisch Gmünd lernte sie die Grundlagen, in München perfektionierte sie ihre Techniken, und schon als junge Frau leitete sie eine eigene Werkstatt im Ruhrgebiet.

Der Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen, Bild: Thomas Beez, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen, Bild: Thomas Beez, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ihre große technische Meisterleistung war die Wiederentdeckung einer fast verlorenen Kunst: der etruskischen Granulation. Eine Technik, bei der winzige Goldkügelchen – oft kaum mit bloßem Auge erkennbar – auf eine Goldfläche aufgeschmolzen werden, ohne zu zerfließen. Eine Wissenschaft für sich, die viel Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert.

Treskow kämpfte sich durch Fehlversuche und Rückschläge, bis sie das Ergebnis perfektioniert hatte. Ihr Stil war geboren: kunstvoll, historisch, präzise – und mit einer Eleganz, die sich sofort von allem abhob, was in den 1930er Jahren geschaffen wurde. Und Köln sollte ihre bedeutendste Wirkungsstätte werden.

Köln ruft – und eine Künstlerin findet ihre geistige Heimat

1948 beriefen die Kölner Werkschulen sie zur Leiterin der Gold- und Silberschmiedeklasse. Und so kam Treskow nach Köln – in eine Stadt, die noch immer in Trümmern lag, aber voller Aufbruchsstimmung war. Hier wirkte sie bis 1964 und hinterließ Generationen von Schülern, die ihre Liebe zum Handwerk in alle Richtungen weitertrugen.

Die Werkschulen, damals ein vibrierender Ort der Moderne, boten ihr die Freiheit, die sie brauchte. Sie war streng, aber inspirierend; fordernd, aber fair; traditionell in der Technik, aber mutig in der Gestaltung. Wer unter Treskow lernte, lernte nicht nur Goldschmieden – er lernte auch Haltung, Präzision, Geduld.

Dass heute im Rheinauhafen ein Platz nach ihr benannt ist, wirkt wie ein stiller Gruß an diese Zeit. Ob es sich dabei um einen schönen Platz handelt, sie dahingestellt. Aber dieser Platz ist direkt in der Nähe ihrer ehemaligen Wirkungsstätte in der Hochschule am Ubierring.

Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln. In der Mitte gur zu erkennen: Die Heiligen Drei Könige, Bild: Raimond Spekking
Die Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln. In der Mitte gut zu erkennen: Die Heiligen Drei Könige, Bild: Raimond Spekking

Die Amtskette: Eine Stadtgeschichte in Gold

1954 erhielt Treskow den Auftrag, die Kölner Amtskette neu zu gestalten. Die letzte Amtskette wurde ein Opfer des Feuersturms im Zweiten Weltkrieg, es waren nur noch geschmolzene Klumpen übrig.

Dass sogar der Düsseldorfer Oberbürgemeister eine solche Kette tragen konnte, aber der Kölner nicht, liess dem Stadtrat keine Ruhe. Es war zwar kein Geld da – aber für solch ein Prestigeprojekt fanden sich vermögende Kölner Sponsoren. Deren Geld war sehr wilkommen, immerhin kostete die Kette am Ende exakt 29.241,81 Deutsche Mark. 

Und jede Mark davon hat sich gelohnt. Das Werk von Elisabeth Treskow ist ein kleines kölsches Wunder. Die Kette beginnt mit Agrippina, der Stadtgründerin. Eine antike Münze mit ihrem Porträt bildet den Auftakt. Gleich daneben ihr Ehemann, Kaiser Claudius, liebevoll und mit augenzwinkernder Ironie beschriftet: „Gemahl der Stadtgründerin“.

Es folgen Szenen und Symbole aus römischer Zeit, dem Mittelalter, der kurkölnischen Epoche. Dann ein kleines, aber intensives Relief: Köln in Flammen, die brennende Stadt im Zweiten Weltkrieg. Auf einer der Medaillen steht :

„Köln, durch Bomben zersprengt und verbrannt, schien tot
zu neuem Leben ward es erweckt durch Liebe und Kraft seiner Bürger“.

Den Abschluss bildet die wohl berühmteste Szene: die Heiligen Drei Könige, die Miniaturkrippe, die das Stadtwappen trägt. Ein Symbol, das tief mit der Kölner DNA verwoben ist.

Handwerklich ist die Kette ein Meisterstück: Granulation, antike Münzen und neueste Metalltechniken. Wenn der Kölner Oberbürgemeister diese Kette heute trägt, trägt er ein Stück Köln – und auch ein erhebliches Stück Gewicht. Denn mit fast einem Kilogramm macht die Amtskette „die Würde, aber auch die Bürde deutlich, die das Amt eines Oberbürgermeisters mit sich bringt“, so Fritz Schramma, Kölner Oberbürgemeister von 2000 – 2009.

Die DFB-Meisterschale - aus der Werkstatt von Elisabeth Treskow, Bild: Foto: JCS
Die DFB-Meisterschale – aus der Werkstatt von Elisabeth Treskow, Bild: Foto: JCS

Die „Salatschüssel“ des DFB

Wenn am Ende der Saison mal wieder die Bayern die Meisterschale in die Luft recken, denken viele Kölner Fußballfans, dass dieses „Salatschüssel“ eigentlich nach Köln gehört. Denn: Entworfen wurde die Schale von Elisabeth Treskow im Jahr 1949 – das berühmte Silberstück aus immerhin fünf Kilogramm Sterling-Silber – stammt aus ihrer Kölner Werkstatt.

In Köln restaurierte sie außerdem Teile des Dreikönigsschreins, eines der wertvollsten Goldschmiedearbeiten des Mittelalters. Diese Arbeit führte sie zur Leidenschaft für antike Gemmen – kunstvolle geschnittene Steine, häufig aus römischer Zeit. Über 130 davon übergab sie dem MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln, was das Museum heute zu einer wichtigen Adresse für Gemmenforschung macht.

Treskow blieb aber stets bodenständig. Sie arbeitete lieber im Stillen, in der Werkstattluft aus Metall, Feuer und Konzentration, als auf Bühnen geehrt zu werden. Und doch erhielt sie 1956 als erste Frau in Deutschland eine Professur im Goldschmiedehandwerk an den Kölner Werkschulen – ein Meilenstein für die Kunstlandschaft des Landes.

Dort hat sie bis 1964 zum Eintritt in den Ruhestand gewirkt – und tiefe Spuren hinterlassen. Zu ihrem Abschied würdigte der Direktor Friedrich Vordemberge das Werk Elisabeth Treskows:

„Mit viel Mühe und Ausdauer, großem pädagogischem Geschick, gepaart mit einem meisterlichen Können, haben Sie in dieser Zeit zahlreiche Talente gefördert, von denen viele die Selbständigkeit erworben und sich bereits bewährt und hervorgetan haben. Wir alle möchten Ihnen ganz herzlich danken für die Zeit der gemeinsamen Arbeit und für so verständnisvolle und menschliche Art, die stets von Ihnen ausstrahlte. Durch die vielen Aufträge haben Sie erheblich mit dazu beigetragen, das Ansehen der Schule nach außen zu erweitern und zu festigen.“1Ausschnitt aus einem Brief von Direktor Friedrich Vordemberge an Elisabeth Treskow, Quelle: TH Köln

Eine Künstlerin, deren Werk weiterlebt – am Rheinufer und im Rathaus

Elisabeth Treskow starb am 6. Oktober 1992. Ihr Name steht im Rheinauhafen, im MAKK, im Domschatz – und auf der Amtskette, die unser jeweiliger Oberbürgemeister trägt. Ein goldener Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Und vielleicht, wenn im Rathaus das Licht auf die Kette fällt und die Gravuren zu leuchten beginnen, ist da ein Moment, der an ihre Arbeit, Hingabe, Kunst und vor allem Fleiß erinnert:

„Meine Versuche zu warten, bis die Musen mich küssten, sind immer fehlgeschlagen. Ich glaube, sie küssen lieber die, denen der Schweiß heißen Bemühens die Stirn feuchtet, als jene, die ihre Ankunft untätig schwärmend erwarten.“ 2Quelle: Elisabeth Treskow: Über meine Arbeit und mich. In: Zeitschrift für Goldschmiede, Juweliere und Graveure. 1943, Nr. 3, S. 30–31.


Das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch auf dem Elisabeth-Treskow-Platz, Bild: Rolf Tippner
Das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch auf dem Elisabeth-Treskow-Platz, Bild: Rolf Tippner

Kunstwerk „Leuchtturm“

Auf dem Elisabeth-Treskow-Platz befindet sich das Kunstwerk „Leuchtturm“ von Lutz Fritsch. Dabei handelt es sich um eine 23 Meter lange silbergrau lackierte Stahlstele. Auf der Spitze dieser Stele dreht sich ein Quadrat von 3 x 3 Meter mit einer roten und einer grünen Seite. Damit greift der Künstler die Farben von Backbord und Steuerbord der Schifffahrt auf. Der „Leuchtturm“, seine Farben und die Maße sind exakt auf die umliegende Bebauung abgestimmt.

Diese Visualisierung zeigt den Blick von der rechtsrheinischen Seite über die geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke am Ubierring, Bild: Stadt Köln, Illustration: sbp SE
Diese Visualisierung zeigt den Blick von der rechtsrheinischen Seite über die geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke am Ubierring, Bild: Stadt Köln, Illustration: sbp SE

Schwierig könnte es werden, wenn tatsächlich die geplante Fußgängerbrücke über den Rhein realisiert werden würde. Dann könnte es ein, dass für das Kunstwerk kein Platz mehr ist – in jedem Fall würde sich aber auf dem veränderten Platz sein Charakter verlieren.3Danke für diesen Hinweis an Rolf Tippner von der Kulturinitiative RESPEKT. Ein ganz ähnliches Problem besteht auch bei dem Kunstwerk Standortmitte – ebenfalls von Lutz Fritsch.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung  

Urania Theater in Ehrenfeld: Drei Frauen, eine Familie, eine Mission

Urania Theater Ehrenfeld
 

Urania spielt ab sofort im neuen Spiegel-Palast

Alle Produktionen des Urania-Theaters werden seit Ende September im ganz besonderen Flair des Spiegelpalasts in der Peter-Huppertz-Straße (direkt neben dem I/D cologne Parkhaus) Köln-Mülheim gespielt. Das Urania Theater in Ehrenfeld ist vorübergehend geschlossen. Hintergrund ist, dass es bei Bauarbeiten im Theatersaal in der Platenstraße zu unerwarteten Komplikationen kam. 

Die neue Spielstätte: Urania im Spiegelpalast

Die neue Spielstätte:
Urania im Spiegelpalast
Peter-Huppertz-Straße
51063 Köln-Mülheim


Im Urania Theater fühlt man sich direkt wie zu Hause. Ob für einen schnellen Kaffee im kleinen Café, zum Schmökern in den Büchern auf der Treppe oder für die große Bühne – hier ist man immer willkommen. Durch die Glasfront blitzt die Bar, draußen lockt der kleine Biergarten am Bürgersteig. Ein Platz zum Hängenbleiben, Quatschen, Staunen.

Drei Frauen machen (das) Theater

Und wer steckt dahinter? Keine Heinzelmännchen – auch wenn man das meinen könnte. Sondern drei Frauen: Regisseurin Bettina Montazem, Sopranistin Lea Montazem und Schauspielerin Rosa-Halina Dahm. Mutter und Töchter. Drei Frauen, eine Familie, eine Mission: Theater machen ohne staatliche Kohle, dafür mit Herzblut.

Bettina erzählt beim Begrüßen gerne die Anekdote, wie ein Freund sie mal fragte: „Hast du eigentlich ’nen Förderverein?“ – Hatte sie nicht, also zack, gegründet. Heute lachen die Gäste drüber, und viele tragen nach der Show direkt den Antrag auf Mitgliedschaft heim. Die Begrüßung ist immer persönlich: erst am Eingang, später vor dem Publikum – und da schwärmt Bettina dann stolz von ihren Töchtern, die abwechselnd auf der Bühne stehen.

Herausragende Künstler:innen bilden erfolgreiches Ensemble

Vier Eigenproduktionen gibt’s pro Jahr. Im Frühjahr 2025 ging’s mit „Broadway – Musical meets Varieté“ nach New York: 100 Jahre Musicalgeschichte, große Stimmen, Artistik zum Staunen. Hits von „Phantom der Oper“ bis „The Greatest Showman“. Lea mittendrin, ihre Stimme wie Samt und Gänsehaut zugleich. Bettina setzt derweil mit einem Obdachlosen-Charakter eine poetische Klammer: Geschichten vom Scheitern, Träumen und Wiederaufstehen, verbunden mit Artistik und Musicalklassikern wie an einer Perlenkette.

Die Begrüßung im Urania Theater ist immer persönlich, Bild: Roland Breitschuh
Die Begrüßung im Urania Theater ist immer persönlich, Bild: Roland Breitschuh

Und genau darin liegt die Faszination des Urania Theaters. Den drei Frauen gelingt es jedes Mal, herausragende Einzeltalente aus Musik und Akrobatik zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenzustellen. Da bleibt einem der Mund offenstehen, wenn Kasia Florczuk zuerst Pirouetten auf einem Eiskreisel von etwa einem Meter Durchmesser dreht, bevor sie sich am Trapez in die Lüfte schwingt.

Sandeep Kale hingegen ist Meister im „Mallakhamb„. Dahinter verbirgt sich eine traditionell indische Sportart aus Yoga, Wrestling und Poledance. Wenn Kale am schwebenden Holzpfahl scheinbar kinderleicht die Schwerkraft überwindet, hält das Publikum den Atem an.

In „Piaf à Paris“ glänzte dann Rosa-Halina als große Piaf. Ihre Stimme: kraftvoll und zerbrechlich zugleich. Im Pariser Bühnenbild wickelt sie das Publikum mühelos um den Finger.

Urania Theater, Maskenball in Venedig

„Maskenball – Oper meets Varieté“

Und jetzt, Ende August, steigt die nächste Premiere: „Maskenball – Oper meets Varieté“. Ein Clown verirrt sich in Venedig und entdeckt mit Lea Montazem an seiner Seite die Schönheit des Lebens. Dazu gibt’s Weltklasse-Acts: das Jonglage-Duo Kris und Harrison Kremo, Luftakrobatin Amelie Kamps, Contorsionist David Meraz und Seifenblasen-Magier Olekseij Sherbluk. Im prachtvollen Bühnenbild erklingen die Stimmen von Mezzosopranistin Paula Meyer und Bassbariton Claus Renzelmann – und die Kostüme von Atelier Maria Lucas machen die Reise an Canal Grande und Rialtobrücke perfekt.

Im Urania Theater sitzt man auf jedem Platz wie in der ersten Reihe, genießt die einzigartige Atmosphäre und entschwindet für zwei Stunden in die himmlische Welt des Varietés.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Josef Stübben – Der Stadtbaumeister der Kölner Moderne

Auszug aus dem Plan zur Kölner Stadterweiterung inkl. Portrait des Stadtbaumeisters Josef Stübben (1845 - 1936)
Auszug aus dem Plan zur Kölner Stadterweiterung inkl. Portrait des Stadtbaumeisters Josef Stübben (1845 – 1936)

Als Josef Stübben im Jahr 1881 seinen Dienst in Köln antrat, standen Stadt und Verwaltung vor einer Jahrhundertaufgabe. Der Abriss der mittelalterlichen  Stadtmauer war im vollen Gange. Die Domstadt brauchte Platz zum Wachsen, Luft zum Atmen und Straßen, auf denen sich die Zukunft bewegen konnte. Stübbens Aufgabe war die Gestaltung der Kölner Neustadt – ein Werk, das bis heute das Gesicht der Stadt prägt.

Geboren wurde Hermann Josef Stübben am 10. Februar 1845 in Hülchrath (heute Stadt Grevenbroich). Er war das älteste von zehn Kindern, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur in Düsseldorf absolvierte er sein Studium an der Bauakademie in Berlin. Bereits früh zeigte sich seine Affinität zum technischen, zugleich aber auch zum gestalterisch-gesellschaftlichen Anspruch der Stadtentwicklung. Er legte 1871 das Staatsexamen ab und wurde mit einem Stipendium ausgezeichnet – ein erster Fingerzeig für seine steile Karriere, die folgen sollte.

Köln: Stadterweiterung mit System

Nach ersten Jahren als Bauingenieur bei der Eisenbahn begann Stübbens Karriere als Stadtbaumeister in Aachen, wo er mit gerade einmal 31 Jahren die Verantwortung für den städtischen Hoch- und Tiefbau übernahm. Seine städtebaulichen Entwürfe, etwa für neue Wohngebiete und die Gesamtentwicklung Aachens, folgten einem damals revolutionären Denken: Nicht einzelne Häuser sollten geplant werden, sondern ganze Stadtteile im Zusammenhang – langfristig, mit Flexibilität für spätere Anpassungen. Diese Methodik begründete den modernen Städtebau. Wegen seiner außerordentlichen Verdienste ließ der Ruf aus Köln nicht lange auf sich warten.

Als Josef Stübben 1881 nach Köln kam, hatte die Stadt gerade einen folgenschweren Entschluss gefasst: Die mittelalterliche Befestigung, lange ein Hemmnis für jede Entwicklung, war gefallen. Die Stadt durfte sich nun über die alten Wälle hinaus entfalten. Die Vision: eine moderne Großstadt – offen, gesund, lebenswert. Den Wettbewerb zur Planung der Stadterweiterung gewann Stübben gemeinsam mit dem Architekten Karl Henrici. Doch es war Stübben, der das Projekt federführend umsetzte.

Dieses Bild, um 1881, aus der Vogelperspektive zeigt, welche Dimensionen die von Stübben geplante Kölner Neustadt hatte. Bild: Jakob Scheiner, gemeinfrei
Dieses Bild, um 1881, aus der Vogelperspektive zeigt, welche Dimensionen die von Stübben geplante Kölner Neustadt hatte. Bild: Jakob Scheiner, gemeinfrei

Das Zentrum seiner Planung: die Kölner Neustadt – ein Gürtel, der sich hufeisenförmig um das alte Stadtzentrum legte, gegliedert durch breite Alleen, großzügige Platzanlagen und eine klare funktionale Trennung von Wohn-, Verwaltungs- und Verkehrsbereichen. Es entstand die charakteristische Kölner Ringstraße, die zwischen 1886 und 1891 etappenweise eröffnet wurde. Stübbens Entwurf verband Repräsentation mit Funktionalität, Militärgeschichte mit urbaner Moderne: Aus dem einstigen Festungsring wurde ein Prachtboulevard.

Der Hohenzollernring um 1900 - ein Prachtbelouvard
Der Hohenzollernring um 1900 – ein Prachtbelouvard

Stübben berücksichtigte in seinen Planungen das zukünftige Wachstum Kölns und legte systematisch die Grundstruktur der neuen Viertel fest. Das war nicht nur vorausschauend – es war revolutionär.

Durchmischte Bebauung als soziale Innovation

Die Neustadt wurde in zwei große Bereiche unterteilt: Neustadt-Nord und Neustadt-Süd, flankiert von neuen Verkehrstrassen, durchzogen von grünen Promenaden. Das städtebauliche Raster folgte klaren Linien, jedoch aufgelockert durch Plätze wie den Zülpicher Platz, Rudolfplatz oder Ebertplatz.

Nä - wat doch fröher schön: Der Barbarossaplatz um 1900
Einst ein stadtbauliches Idyll, heute Kölns hässlichster Platz: Der Barbarossaplatz, hier auf einer Darstellung um 1900

Stübben plädierte für eine durchmischte Bebauung, in der Mietskasernen, Wohnhäuser für das gehobene Bürgertum und Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Schulen, Kirchen oder Krankenhäuser nebeneinander Platz fanden. Auch die Idee einer durchgehenden Straßenbeleuchtung, breiten Gehwegen und moderner Entwässerung wurde von ihm mitgedacht.

Ein Mann mit Weitblick

Stübbens Konzept für Köln war geprägt von Pragmatismus und Idealismus gleichermaßen. Er wollte keine „Traumstadt“, sondern eine funktionierende Metropole – gesund, sozial durchmischt, anpassbar. 1890 erschien sein Buch „Der Städtebau“, das zum Standardwerk wurde und internationale Aufmerksamkeit fand. Bis 1924 erlebte es drei Auflagen. Das Buch war weit mehr als ein Fachbuch – es war ein Manifest für den Städtebau als umfassende, gesellschaftlich relevante Disziplin.

Das Stübben-Buch „Der Städtebau", erschienen 1890, ist ein Standardwerk des Städtebaus
Das Stübben-Buch „Der Städtebau“, erschienen 1890, ist ein Standardwerk des Städtebaus

In Köln wurde er 1889 zum Stadtbaurat, 1892 zum Beigeordneten ernannt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war er nicht mehr nur Fachmann, sondern auch Entscheider – ein Architekt, der Politik machen konnte. 

Städtebau im Rheinland – und darüber hinaus

Neben Köln plante Stübben die Stadterweiterungen von Düsseldorf, Heerdt-Oberkassel, Saarlouis und Aachen. In Koblenz sah mab ebenfalls die Entwicklung der Stadt auf dem Gelände der geschleiften Festungsanlagen vor – dank der Erfahrungen aus Köln für Stübben eine vertraute Aufgabe. Auch in Belgien, etwa in Brügge, Antwerpen oder Brüssel, wurde Stübben als Planer tätig. Dass König Leopold II. von Belgien persönlich mit ihm über Städtebau sprach, zeigt die internationale Anerkennung seiner Arbeit.

Neben seiner Planungstätigkeit war Stübben auch in sozialen Fragen engagiert. Er trat für den Bau von Arbeiterwohnungen ein und gründete 1899 mit anderen den „Rheinischen Verein zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens“. Als einer der Ersten erkannte er die Notwendigkeit gemeinnütziger Baugesellschaften, die auch ärmeren Bevölkerungsschichten menschenwürdiges Wohnen ermöglichten.

Die Figur von Hermann Josef Stübben auf dem Rathausturm Koeln, Bild: Raimond Spekking
Die Figur von Hermann Josef Stübben auf dem Kölner Rathausturm, die Figur rechts stellt den Erfinder und Unternehmer Eugen Langen dar. Bild: Raimond Spekking

1904 verließ er Köln und ging nach Berlin. Dort arbeitete er als Oberbaurat im Preußischen Finanzministerium an der Umgestaltung der ehemaligen Festungsstadt Posen. Auch in seiner späten Karriere blieb er aktiv: Er gewann Städtebau-Wettbewerbe für Bilbao (1926) und Madrid (1930) und beriet sogar 1929 beim Ausbau der Vatikanstadt.

Seine Planung lebt im Stadtbild weiter

Stübben starb am 8. Dezember 1936 im Alter von 91 Jahren, beigesetzt wurde er in Berlin. Er war kein Theoretiker am Schreibtisch, sondern ein Mann der Umsetzung.

Für ihn war klar: Eine Stadt kann nur dann schön und lebenswert sein, wenn sie auch den praktischen Anforderungen entspricht – Verkehr, Hygiene, soziale Infrastruktur. Genau das hatte Köln zur Zeit seiner größten Expansion dringend gebraucht – und genau das lieferte Josef Stübben.

Gedenkplakette für Joseph Stübben an der Hahnentorburg, Rudolfplatz, Bild: Uli Kievernagel
Gedenkplakette für Josef Stübben an der Hahnentorburg, Rudolfplatz, Bild: Uli Kievernagel

Ohne Stübben keine Kölner Neustadt. Ohne Neustadt kein modernes Köln. Was Josef Stübben für die Stadt am Rhein geleistet hat, reicht weit über das Ziehen von Straßenzügen hinaus. Er hat Köln auf ein neues Fundament gestellt – technisch, sozial, ästhetisch.

Ein Stadtbaumeister, der wusste, wie Städte wirklich funktionieren. Und dessen Planungsgeist bis heute im Stadtbild weiterlebt.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Ein paar Fragen an Susanne Imhoff – 25 „Bessermacher“ für Köln

Susanne Imhoff leitet seit 2018 die Imhoff-Stiftung. Bild: Imhoff-Stiftung
Susanne Imhoff leitet seit 2018 die Imhoff-Stiftung. Bild: Imhoff-Stiftung

 

In Köln sind es oft nicht die großen Politik-Räder, sondern die kleinen Zahnräder der Zivilgesellschaft, die dafür sorgen, dat et kölsche Hätz nicht stehen bleibt. Vereine, gemeinnützige Organisationen, Ehrenamtler*innen – und: Stiftungen.

Stiftungen? Tatsächlich! Diese etwas abstrakt klingenden Konstrukte, die aber ganz viel mit dem zu tun haben, was Köln wirklich ausmacht: Zusammenhalt, kulturelle Vielfalt, jecke Ideen und verdammt viel Herz. Von der Anzahl her ist Köln die Hauptstadt der Stiftungen in NRW. Aktuell existieren etwa 500 Stiftungen in Köln, die sich der Förderung des Gemeinwohls verschrieben haben. Zählt man das Umland hinzu, steigt die Zahl der Stiftungen auf ca. 1.150.

Und mittendrin: Die Imhoff-Stiftung. Diese Stiftung feiert im Jahr 2025 ihr 25-jähriges Bestehen mit einer ganz besonderen Aktion: Die „Bessermacher für Köln“. Und darüber gibt Susanne Imhoff, Vorstandsvorsitzende der Imhoff-Stiftung, gerne Auskunft.

Köln ohne Stiftungen? Wie Karneval ohne Kamelle!

Viele Themen – von Kultur über Bildung bis Denkmalpflege und das Brauchtum – wären ohne private Stiftungen nur sehr schwierig zu realisieren. In Zahlen klingt das dann so: 1,3 Millionen Menschen im Regierungsbezirk Köln profitieren pro Jahr von den Aktivitäten kölscher Stiftungen. Insgesamt 300 Millionen Euro jährlich fließen in gemeinnützige Projekte. 

Eine Auswahl der über 500 Kölner Stiftungen
Eine Auswahl der über 500 Kölner Stiftungen

Man fragt sich: Warum wissen das so wenige? Und warum hält sich so hartnäckig das Vorurteil, dass Stiftungen nur dazu wären, Steuern zu sparen? „Ja – eine Stiftung spart tatsächlich Steuern.“ entgegnet Susanne Imhoff  „Aber das Geld ist einem damit ja auch aus der Hand genommen. Der Stifter oder seine Familie kommen nie wieder an das Stiftungskapital und die daraus erwirtschafteten Erträge heran.“

Das Besondere an einer solchen gemeinnützigen Stiftung ist, dass eine Stiftung weder aus Mitgliedern besteht, noch existieren Gesellschafter. Eine Stiftung hat somit auch keinen Eigentümer, sondern gehört sich selbst. Susanne Imhoff vergleicht eine Stiftung mit einem Apfelbaum: „Ich stifte Geld für einen Apfelbaum. Jedes Jahr trägt dieser Baum neue Früchte, die allen zugutekommen. Die Verantwortlichen der Stiftung sind dabei die Gärtner, die dafür sorgen, dass dieser Baum auch regelmäßig reichlich Früchte trägt.“

Was macht die Imhoff-Stiftung konkret?

Die Imhoff-Stiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mehr als 22 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet. Und was hat das mit Schokolade zu tun? Na, einiges!

Die Imhoff-Stiftung fördert Projekte in Köln

Nach dem Verkauf seines Unternehmens hat Hans Imhoff das Gebäude des Schokoladenmuseums mit seinen umliegenden Flächen und einen Großteil seines Vermögens in die Imhoff-Stiftung eingebracht. Mit den Erträgen aus diesem Kapital werden seitdem gemeinnützige Projekte in Köln ermöglicht, gefördert und unterstützt.

Die Imhoff-Stiftung fördert Projekte in den Bereichen:

  • Kunst und Kultur,
  • Bildung und Kulturvermittlung,
  • Therapeutisches Reiten,
  • Gesundheitspflege,
  • Wissenschaft und Forschung,
  • Heimatkunde und Denkmalpflege 

Beispiele sind Projekte für Menschen mit Demenz, der Ausbau des EL-DE-Hauses, Therapeutisches Reiten auf dem Frohnhof e.V., Förenander do – die Caring Community Köln stärkt die Kölner*innen im Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben/Tod und Trauer oder „Der Elfte Elf“, ein Theaterprojekt für Kinder.

„Wir sind eine klassische Antragsstiftung“, sagt Susanne Imhoff. Zweimal im Jahr werden die Förderanträge gesammelt und ausgewertet – mit viel persönlichem Kontakt, Bauchgefühl, Wertekompass und ja: mit einer Portion Herzblut. „In der Entscheidungszeit schlafe ich oft schlecht“, gesteht sie. Kein Wunder, wenn man darüber nachdenkt, welche Projekte man unterstützt – und welche eben nicht.

Keine Bürokratie, kein Theater (außer es wird gefördert)

Der große Vorteil von Stiftungen gegenüber staatlicher Förderung? Schnelligkeit. Menschlichkeit. Agilität. Und ein Blick für Details, den kein Amt je so hinbekommt. „Wir entscheiden nicht nach Aktenlage“, sagt Imhoff. Es gibt kein Anrecht auf Förderung – aber dafür ganz viel Raum für Visionen.

Die Antragsteller*innen kommen aus allen Ecken Kölns, oft mit kleinen Budgets, aber großen Ideen. Und genau da greift die Stiftung ein. Ohne großes Tam-Tam, ohne Gremien-Marathon, ohne sieben Unterschriften. Dafür mit einem klaren Blick auf das, was gebraucht wird.

Imhoff vor seinem wahr gewordenen Traum: Der Schokoladenbrunnen in seinem Schokoladenmuseum, Bild: Schokoladenmuseum Köln
Hans Imhoff hat die Imhoff-Stiftung  im Dezember 2000 gegründet, Bild: Schokoladenmuseum Köln

Im Zentrum all dessen steht der ursprüngliche Gedanke von Hans Imhoff: Etwas zurückgeben. Nicht nur, weil man es kann – sondern weil man es will. Diese Haltung zieht sich durch die Arbeit der Stiftung bis heute. „Es ist klassisches bürgerschaftliches Engagement“, erklärt seine Tochter. „Von unten gewachsen, nicht von oben verordnet.“

25 Jahre Imhoff-Stiftung – und 25 Bessermacher für Köln

Gegründet wurde die Stiftung im Jahr 2000 – ein Vierteljahrhundert Imhoff-Stiftung – das will gefeiert werden. Aber anders als bei klassischen Geburtstagen hat sich die Imhoff-Stiftung etwas Besonderes überlegt: Sie macht anderen ein Geschenk.

„Wir wollten uns nicht selbst feiern“, sagt die Stiftungsvorständin. „Das wäre irgendwie unpassend. Wir entscheiden ja nicht jedes Jahr neu, ob wir etwas Gutes tun – als Stiftung müssen wir unser Geld ausgeben. Warum sollten wir uns dafür feiern lassen?“ Die Frage, was man stattdessen tun könne, führte schnell zur eigentlichen Mission der Stiftung zurück: Menschen und Organisationen in Köln zu unterstützen.

Mit Hilfe aller Kölnerinnen und Kölner vergibt die Imhoff-Stiftung 25 Jubiläumspreise an #BessermacherfürKöln

Eine Idee mit Herz: Die „Bessermacher für Köln“

Der Gedanke entstand schnell: Wenn schon 25 Jahre Imhoff-Stiftung, dann sollte der Dank an jene Menschen gehen, die wirklich etwas bewegen. Und so wurde die Idee zu den „Bessermachern“ geboren: Warum nicht die Menschen in Köln fragen, wem sie Danke sagen möchten? Gesucht wurden Geschichten, die zeigen, wie jemand das Leben anderer Menschen besser gemacht hat – ganz gleich ob groß oder klein.

Und jede*r kann mitmachen: Bürgerinnen und Bürger reichen Geschichten ein, in denen sie sich bei einer Organisation, einem Verein oder Projekt bedanken möchten, das ihr Leben berührt oder positiv verändert hat. „Es geht nicht nur um die großen Veränderungen – oft sind es die kleinen Dinge, die zählen“, sagt Susanne Imhoff.

Imhoff-Stiftung, Bessermacher für Köln

Die Aktion hat bisher großen Zuspruch erhalten. Über 300 Beiträge1Stand: 29. Juli 2025 wurden bereits eingereicht – viele davon bewegend. Der Einsendeschluss ist der 31. August 2025. 

Wichtig dabei: Vereine dürfen sich nicht selbst vorschlagen, sondern müssen von anderen nominiert werden. Es geht um persönliche Geschichten, nicht um Bewerbungen mit dem Hinweis „Wir machen gute Arbeit und brauchen Geld“. Die Stiftung legt Wert darauf, dass nicht Zahlen, sondern Wirkung zählt.

Wie geht es weiter?

Nach dem 31. August 2025 beginnt die Auswertung. Zunächst wird geprüft, ob die vorgeschlagenen Vereine die Voraussetzungen erfüllen – etwa die Gemeinnützigkeit per Freistellungsbescheid vom Finanzamt und die Übereinstimmung mit den Stiftungszielen. Auch ein kurzer Hintergrund-Check gehört dazu.

Diese Informationen gehen dann an eine unabhängige Jury, die aus rund etwa 20 Personen besteht. Jedes Jurymitglied vergibt an jeweils zwanzig Vereinen Punke: 20 – 19 – 18 – 17 – etc. Die 20 Vereine mit den meisten Punkten sind automatisch unter den „25 Bessermachern“. Drei weitere werden per Social Media-Voting bestimmt, zwei erhalten eine Wildcard von der Stiftung.

Und was gibt’s zu gewinnen?

Die 25 ausgewählten „Bessermacher“ erhalten eine Einladung zur großen Abschlussveranstaltung im Dezember. Jeder der eingeladenen Bessermacher bekommt sicher 5.000 Euro.

Mit Hilfe aller Kölnerinnen und Kölner vergibt die Imhoff-Stiftung 25 Jubiläumspreise an #BessermacherfürKöln

An dem Abend entscheidet dann das Los, welche drei Vereine jeweils 25.000 Euro erhalten. Susanne Imhoff: „Das Los entscheidet, weil man die Projekte nicht miteinander vergleichen kann. Wie soll man ein Familienhörbuch gegen ein Senioren-Café werten? Das geht nicht.“

Wer ist in der Jury?

„Die Jury besteht aus Menschen, denen wir zutrauen, einen empathischen und umfassenden Blick auf die Stadt Köln und ihre Menschen zu haben“, so Susanne Imhoff. Die Jury ist vielfältig und lokal verankert.

In der Jury sind u.a. Cathrin Dauven, Gaby deMuirier, Annette Frier, Sabine Heinrich, Elvis Katticaren, Uli Kievernagel, Angela Maas, Wolfgang Oelsner, Elisabeth Raffauf, Rodney Ranz, Monika Salchert, Elfi Scho-Antwerpes, André Scymkowiak, Ulrich Soénius und das Team der Stunksitzung.  

Und wie kann ich mitmachen?

Noch bis zum 31. August 2025 können Vorschläge eingereicht werden – ganz unkompliziert über die Website: www.imhoff-stiftung.de/bessermacher. Susanne Imhoff fordert ausdrücklich dazu auf, sich zu beteiligen:

„Wir freuen uns über jede Geschichte. Und es bereitet uns große Freude zu sehen, wie viele Menschen in Köln jeden Tag etwas besser machen – ganz still und leise.“


Podcast-Aufnahnme mit Susanne Imhoff
Podcast-Aufnahnme mit Susanne Imhoff, Bild: Mara Lorsche

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Susanne Imhoff zu den „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Bis jetzt habe ich noch nichts gefunden, was für mich eine echte Alternative wäre. Aber tatsächlich finde ich die Toskana sehr schön. Da lebt meine Tochter und heiratet demnächst. Aber wenn ich ehrlich bin, wüsste ich jetzt im Moment nicht, was ich da den lieben langen Tag machen soll.

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Jeder Jeck ist anders.

Was würden du morgen in unserer Stadt ändern?

Den Ebertplatz.

Kein städtebauliches Idyll: Der Ebertplatz, Bild: Land NRW (2017)
Kein städtebauliches Idyll: Der Ebertplatz, Bild: Land NRW (2017)

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte – außer den Ebertplatz!

Ich glaube, wenn man Großstadt nicht mag, dann sollte man gehen. Und wenn man eine Großstadt mag, die so klein wie möglich ist, dann bleibt man hier in Köln.

Die Südbrücke in Köln, Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0
Die Südbrücke in Köln, einer der Lieblingsplätze von Susanne Imhoff. Bild: Michael Musto, CC BY-SA 4.0

Wo ist dein Lieblingsplatz in Kölle?

Das ist definitiv auf einer Rheinbrücke bei Sonnenuntergang.

Welche Kölner*innen haben dich beeinflusst?

Beeinflusst hat mich tatsächlich in hohem Maße mein damaliger Theater AG Leiter vom Gymnasium Kreuzgasse Werner Kronenberg.

Welche Kölner*innen haben dich beeindruckt?

Besonders beeindruckend finde ich die Edelweißpiraten – ohne, dass ich je einen persönlich kennengelernt hätte. Aber diese Gruppe von Menschen mit ihrem Mut und alle Menschen, die es heute noch gibt, die auch nur ansatzweise diese Eigenschaften haben, beeindrucken mich zutiefst.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Dann bin ich mal hier in Köln – und auch mal weg. Also eigentlich eher lieber weg.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Dann bin meistens hier und versuche, das Beste zu machen.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Die Erfahrung, dass man immer wieder aufstehen kann, auch wenn man nicht auf die Füße gefallen ist.

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich lache mich kaputt darüber, dass ich mal gedacht habe, dass wenn man alles richtig macht, es auch bestimmt gut wird.

Rievkooche - Emmis kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de
Rievkooche – Susanne Imhoff kölsches Lieblingsessen. Bild: Emmi Prolic, www.emmikochteinfach.de

Dein kölsches Lieblingsessen?

Eindeutig Rievkooche.

Deine kölsche Lieblingskneipe?

Das Früh am Dom. Immer wenn mein künftiger Schwiegersohn aus der Toskana zu Besuch ist, will der ins Früh gehen. Ihn dort zu erleben ist einfach zum Wegschmeißen.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Knüselskopp

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… nur dann irgendwie zu verstehen, wenn man es erlebt hat.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Jupp Schmitz – Der Mann, der den Frohsinn komponierte

Der kölsche Musiker Jupp Schmitz (1901 - 1991), Bild: Uli Kievernagel
Der kölsche Musiker Jupp Schmitz (1901 – 1991), hier auf dem ihm gewidmeten Denkmal, Bild: Uli Kievernagel

Man liest die Titel und hat sofort die Melodie im Kopf: „Ich fahr mit meiner Lisa zum schiefen Turm von Pisa“, „Wer soll das bezahlen?“, „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ und selbstverständlich „Es ist noch Suppe da“.

Diese Lieder stammen alle aus der Feder von Jupp Schmitz – ein Mann, der ganz maßgeblich den musikalischen Tonfall des rheinischen Liedgutes und des Karnevals mitgeprägt hat. Seine Lieder sind bis heute fester Bestandteil jeder Session, seine Texte oft unterschätzt. Sein Werk ist ein Archiv kölscher Zeitgeschichte – heiter, doppeldeutig und nie ganz ohne Tiefgang.

Ein Musiker aus dem Veedel

Jupp Schmitz wird am 15. Februar 1901 im Kölner Severinsviertel geboren. Sein Vater Philipp Schmitz ist Trompeter, die Mutter will, dass ihr Sohn Pianist werden soll. Während andere Kinder draußen spielen, erhält Jupp Schmitz mit sieben Jahren Klavierunterricht und muss viel üben. Später besucht er das Kölner Konservatorium und wird tatsächlich als Konzertpianist ausgebildet.

In den 1920er-Jahren leitet er eigene Kapellen und tritt in renommierten Kölner Häusern wie dem Dom-Hotel und dem Monopol auf. Auch bei der letzten Tournee von Willi Ostermann im Jahr 1936 sitzt Schmitz am Klavier.

Bereits 1934 beginnt seine Zusammenarbeit mit dem Reichssender Köln. In dieser Zeit entstehen erste Kompositionen für das damals neue Medium Rundfunk. Mit dem Tango „Gib acht auf dein Herz, Margarethe“ kann Jupp Schmitz in die lukrative Unterhaltungsmusik einsteigen. Besonders hilfreich war es, dass dieses Lied von dem prominenten Sänger Rudi Schuricke gesungen wurde. 

Die Lieder von Jupp Schmitz sind vielseitig, stets eingängig, dabei aber nie anbiedernd und werden auch außerhalb des Rheinlands geschätzt.

Krieg, Heimkehr in das zerstörte Köln

1940 wird Schmitz zum Kriegsdienst eingezogen. Er ist für die Truppenunterhaltung zuständig und singt erstmals auch selber. Seine Stücke schreibt er auf Kölsch und Hochdeutsch.

Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild: U.S. Department of Defense
Das zerstörte Köln am Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Anblick, der auch Jupp Schmitz  tief erschütterte. Bild: gemeinfrei / U.S. Department of Defense, Fotograf: Jack Clemmer

Erst 1946 kommen Jupp Schmitz und seine Ehefrau Bärbel wieder nach Köln. Der Künstler ist angesichts der Zerstörung der Domstadt tief erschüttert. So entsteht sein bewegendes Lied „Ming herrlich Kölle“. Darin beschreibt er aber auch die Zuversicht:

Ming herrlich Kölle, wie sühs do us?
Wo sin ding Stroße, wo stund ming Huus?
Un beß do och zerschlage, dat ändert janix dran,
dat mir met heißem Hätze vun neuem fange ahn.

Nach dem Krieg arbeitet Schmitz weiter für den Rundfunk, tritt in Karnevalssitzungen auf und wird zu einer festen Größe im kölschen Karneval.

Der Hit, der ein Land bewegte

Der endgültige Durchbruch gelingt ihm 1949 mit „Wer soll das bezahlen?“ Ursprünglich als satirischer Kommentar zur Währungsreform gedacht, entwickelt sich das Lied zu einem bundesweiten Hit – ironisch, ohrwurmverdächtig und überraschend aktuell:

Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt,
wer hat soviel Pinke-Pinke, wer hat soviel Geld?

Der Titel bleibt nicht ohne juristisches Nachspiel: Der Berliner Komponist Wilhelm Gabriel erkennt in dieser Melodie eine Variante seines eigenen Werkes und klagt. Schmitz gewinnt – unter anderem, weil er beweisen kann, dass er die Melodie schon Jahre zuvor verwendet hatte.

Der als Satire gedachte Hit „Wer soll das bezahlen?“ war einer der ganz großen Hits von Jupp Schmitz. Bild: © 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Der als Satire gedachte Hit „Wer soll das bezahlen?“ war einer der ganz großen Hits von Jupp Schmitz. Bild: © 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

„Es ist noch Suppe da“

Mit den 1950er-Jahren beginnt die produktivste Phase von Jupp Schmitz. Mit Liedern wie „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ und „Wir kommen alle in den Himmel“ schreibt er Hymnen, die über den Karneval hinauswirken. Ende der 1960er Jahre erscheint sein Hit „Es ist noch Suppe da“. Es sind die erfolgreichsten Jahre des Künstlers. Zwischen 1969 und 1987 tritt er insgesamt 18 mal in der beliebten Fernsehshow „Zum Blauen Bock“ auf.

Der Liedtext von "Em Winter, dann schneit et“ ist auch Teil des Denkmals für Jupp Schmitz in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel
Der Liedtext von „Em Winter, dann schneit et“ ist auch Teil des Denkmals für Jupp Schmitz in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel

Jupp Schmitz nimmt sich selbst nicht zu ernst, aber seine Zuhörer ernst genug, um sie zum Lachen zu bringen. So feiert er mit Liedern wie „Em Winter, dann schneit et“ große Erfolge:

Wenn dr Summer kütt eran, jommer in dr Wald,
feste weed jewandert dann, jesunge, dat et schallt.
Ävver is dr Winter do, jommer nit mie hin,
weil mir von Natur us jo – jet ärch empfindlich sin.

Em Winter, dann schneit et, im Winter is et kalt,
immer kalt, immer kalt, immer kalt.
Dröm jommer em Winter och jarnit in dr Wald,
in dr Wald, in dr Wald, in dr Wald.

Ävver em Mai, dann weed et widder jrön, –
dann blöhe de Böum, dann is et schön.

Der Skandal um den „Hirtenknaben von St. Kathrein“

Ein ungewöhnlicher Tiefpunkt seiner Karriere war der Auftritt 1964 bei der Prinzenproklamation. Normalerweise trat Jupp Schmitz immer mit Smoking, mindestens aber im Anzug, und oft mit einer edlen Narrenkappe auf.

Bei der Fernsehübertragung der Prinzenproklamation steht er, auf ausdrücklichem Wunsche des Veranstalters, in kurzer Lederhose und einem lächerlichen Filzhut auf der Bühne. Er spielt zunächst das Lied „Der Hirtenknabe von St. Kathrein“ und danach den eher einfachen Titel „Risotto-Otto und Spaghetti-Betty“.

Jupp Schmitz wollte mit dem „Hirtenjungen“ die zu dieser Zeit im Fernsehen überaus erfolgreichen Heimatschnulzen persiflieren. Doch dieser Plan ging gründlich schief. Das Publikum reagiert mit Buhrufen und Pfiffen. Und bei der TV-Übertragung des WDR sagt der Kommentator wörtlich: „Bleiben Sie noch ein bißchen am Apparat, es wird gleich wie­der ganz nett.“ Die Persiflage wurde nicht verstanden.

Diese Demütigung hinterließ tiefe Spuren bei Jupp Schmitz: „Wenn es der Bestie Volk nicht gefällt, pfeifen sie einen von der Bühne herunter – han ich dat noch nüdig?“ fragte er danach öffentlich. Zu seiner Genugtuung verarbeitet er später diesen Tiefpunkt seiner Karriere in einem seiner Lieder:

Der Hirtenknabe von Sankt Kathrein,
der denkt noch heute an Köln am Rhein.
Er sang seine Lieder,
da pfiffen die Brüder,
drum singt er nur noch in Sankt Kathrein.

Das Grab von Jupp Schmitz auf dem Melatenfriedhof mit seinen unvergesslichen Zeilen: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ Bild: MSchnitzler2000, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Das Grab von Jupp Schmitz auf dem Melatenfriedhof mit seinen unvergesslichen Zeilen: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ Bild: MSchnitzler2000, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Ein Leben für die Musik

Bis ins hohe Alter bleibt Schmitz künstlerisch aktiv. Zwar kündigte er zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 1981 seinen Rückzug an, doch bei ganz besonderen Anlässen kann man den Künstler noch auf der Bühne erleben. So wurde sein Auftritt auf der Prinzenproklamation im Jahr 1983 zu einem überragenden Erfolg – eine späte Genugtuung für Jupp Schmitz nach der „Hirtenknaben-Demütigung“ im Jahr 1964.

Auch sein Auftritt mit den Bläck Fööss im Jahr 1989 bei deren Konzertreihe im Millowitsch-Theater war ein großer Erfolg . Am 15. Februar 1991 feiert er seinen 90. Geburtstag mit einem Auftritt im Senftöpfchen-Theater. Dort zeigte er noch einmal sein ganzes Talent und nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch seine Karriere.

Nur sechs Wochen später, am 26. März 1991, stirbt Jupp Schmitz in Köln. Er wird auf dem Melaten-Friedhof bestattet. Auf seinem Grabstein steht

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“


Collage Krätzjer-Tour
 

Stadtführung: „Krätzjer lijje op d´r Stroß“

Selbstverständlich ist Jupp Schmitz auch Bestandteil meiner Stadtführung „Krätzjer lijje op d´r Stroß“.


Das Jupp-Schmitz-.Plätzchen in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel
Das Jupp-Schmitz-Plätzchen in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel

Jupp-Schmitz-Plätzchen

1994 erhält Jupp Schmitz posthum sein Denkmal: Am Salomonsgäßchen in der Innenstadt wird ein Platz nach ihm benannt: Das Jupp-Schmitz-Plätzchen. Ein kleines Piano aus Bronze und Bronzeplatten, auf denen Liedtexte von Jupp Schmitz eingraviert sind, erinnert heute an einen Mann, der mit großem Taktgefühl den Frohsinn komponierte.

Das Denkmal für Jupp Schmitz auf dem Jupp-Schmitz-Plätzchen, Bild: Uli Kievernagel

Bild 1 von 11

Das Denkmal für Jupp Schmitz auf dem Jupp-Schmitz-Plätzchen, Bild: Uli Kievernagel


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Originale: Orjels-Palm – ein vornehmer Straßenmusikant

Johann Joseph Palm, in Köln als "Orjels-Palm" bekannt, verdiente sich sein Geld mit einer Drehorgel und später mit einem „Romantische Panorama“. Bild: KI-generiert
Johann Joseph Palm, in Köln als „Orjels-Palm“ bekannt, verdiente sich sein Geld mit einer Drehorgel und später mit einem „Romantische Panorama“. Bild: KI-generiert

Am Ende seines Lebens war Johann Joseph Palm – genannt Orjels-Palm oder Urjels-Palm – schlichtweg zu schwach, um weiterhin die schwere Drehorgel zu tragen und zu bedienen. Um trotzdem noch ein paar Groschen zu verdienen, hing sich Orjels-Palm noch ein „Romantisches Panorama“ um – ein Schaukasten mit einer Bergszene – und flanierte damit auf der Straße und bei seinen Gönnern.

Geld war zeitlebens knapp bei einem Mann wie Orjels-Palm. In einer Zeit, in der an soziale Leistungen wie Kindergeld oder Renten noch nicht zu denken war, musste der Drehorgelspieler ein Dutzend eigener Kinder und dazu auch noch mindestens zwei Enkelkinder ernähren. Die einzige Unterstützung des Staates bestand darin, dem kriegsversehrten Orjels-Palm eine Konzession zum Drehorgelspielen zu erteilen.

Palm als Soldat bei den „Schwarzen Husaren“

Johann Joseph Palm wird am 28. April 1801 in der Kleinen Neugasse (heute Tunisstraße) geboren. Mit 14 Jahren beginnt er eine Lehre als Maler und Vergolder. Als Geselle will er eigentlich auf die „Walz“ gehen. Mit Walz, Wanderjahre, Tippelei oder Gesellenwanderung werden die Jahre der Wanderschaft eines Gesellen als Voraussetzungen zur Meisterprüfung bezeichnet. Doch da macht ihm das preußische Wehrgesetz einen Strich durch die Rechnung: Die Walz ist nur mit einem „Kundschaftsbüchlein“ zulässig. Und dieses Büchlein erhält man erst nach Ableistung des Wehrdiensts. Palm wird daher im Herbst 1820 in Danzig Rekrut bei den „Schwarzen Husaren“.

Johann Joseph Palm, genannt Orjels Palm, in Husarenuniform an seiner Drehorgel, Bild: unbekannter Fotograf
Johann Joseph Palm, genannt Orjels Palm, in Husarenuniform an seiner Drehorgel, Bild: unbekannter Fotograf

Zuhause in Köln nimmt währenddessen sein persönliches Schicksal eine unglückliche Wendung: Cäcilie Hack, seine Liebe seit früher Kindheit, hat sich mit einem anderen verlobt. Palm reist nach Köln, um Cäcilie umzustimmen. Vergeblich. Enttäuscht reist er schnell wieder ab, um in der Türkei, Russland und in Griechenland zu kämpfen.

Nur kurzes Glück mit der Jugendliebe

Nach einer Schussverletzung am Knie, die ihn zeitlebens quälen wird, kommt Palm im Jahr 1830 nach Köln zurück und holt sein Glück nach: Er heiratet die zwischenzeitlich verwitwete Cäcilie Hack. Zunächst ist das Familienglück groß, bis 1838 bekommen die beiden vier Kinder. Palm betreibt eine Werkstatt in seinem ursprünglich erlernten Beruf als Maler und Vergolder.

Doch das Familienglück des Johann Joseph Palm findet durch den Tod seiner Frau Cäcilie im August 1839 ein jähes Ende. Als alleinstehender Vater ist Palm überfordert und heiratet bereits im April 1840 Sophia Kollgraff. Mit ihr zeugt er bis 1847 weitere neun Kinder. Die stetig wachsende Familie erfordert ständig mehr Platz. Die Folge sind 15 Umzüge in 34 Jahren, davon achtmal innerhalb der Straße „Unter Krahnenbäumen“.

Johann Joseph Palm, genannt Orjels-Palm, auf dem Karl-Berbuer-Brunnen Bild: Uli Kievernagel
Johann Joseph Palm, genannt Orjels-Palm, auf dem Karl-Berbuer-Brunnen Bild: Uli Kievernagel

In den 1840er Jahren verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage der Familie dramatisch. Aufträge als Maler findet er kaum noch, zu vergolden gibt es nichts mehr. Zwei Kinder sterben an Unterernährung. Er stellt einen Rentenantrag – dieser wird jedoch postwendend abgelehnt. Allerdings erhält er die Konzession als Drehorgelspieler und eine kleine Beihilfe zur Anschaffung einer solchen Orgel.

Tadellos gekleidet und gepflegt

Palm machte sich in Köln als Drehorgelspieler schnell einen Namen. Er war immer tadellos gekleidet: Blitzsaubere Husaren-Uniform, auf Hochglanz polierte Stiefeln und eine hohe, schwarze Mütze auf dem Kopf. Das hat sich anscheinend sogar bis nach Berlin herumgesprochen, denn dort stand in der Zeitung: „Das ganze Gegenteil vom Maler Bock war der Orgels-Palm, ein vornehmer Straßenmusikant.“

Urjels-Palm in der Bierdeckel-Serie "Kölsche Originale", Bild: Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer
Urjels-Palm in der Bierdeckel-Serie „Kölsche Originale“, Bild: Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer

Und anders als seine Wettbewerber, die nur die üblichen Drehorgel-Stücke spielten, hatte Orjels-Palm auch eigene Stücke und Stücke seines Freundes Joseph Roesberg, der bereits mit dem Lied vom „Schnüsse Tring“ einen Karnevalshit gelandet hatte, im Repertoire.

Wo ist dann der Schwengel?

Eben dieser Joseph Roesberg erlaubte sich angeblich einen Scherz mit dem gutmütigen und stets heiteren Orjels-Palm. In Absprache mit dem Kirchenvorstand von Remagen sollte Palm sich dort als Organist vorstellen. Roesberg und seine Freunde spendierten Palm einen neuen Anzug und gaukelten ihm vor, dass er in der vollbesetzten Kirche am Kirmessonntag eine Probe seines Könnens als Orgelspieler abliefern sollte. Palm untersuchte fachmännisch die Orgel und soll dann gefragt haben „Wo is dann he dä Schwengel?“.

So schön diese Anekdote ist – sie kann aber leider nicht ganz der Wahrheit entsprechen. In der Remagener Pfarrkirche wurde nachweislich erst 1904 eine Orgel eingebaut. Und der gläubige Katholik Roesberg hätte wohl kaum einen Scherz mit der Kirche getrieben. Wahrscheinlicher ist es, dass der Freundeskreis um Roesberg dem Orjels-Palm nur etwas Gutes tun wollte und ihm unter einem Vorwand den neuen Anzug schenkte.

Fählen im och mänche Tön

Palm gehörte mit seiner Orgel bald zum Stadtbild. Johann Franz Weber, ein erfolgreicher Komponist kölscher Karnevalsmusik verewigt Orjels-Palm sogar in seinem Lied „Do deis meer leid“:

Met der Urgel trock erus
Künstler Palm von Hus ze Hus,
Fählen im och mänche Tön,
Schnüsse Tring spilt hä doch schön.
Doch sing Urgel manchmal brump
We en al, rostige Pump:
„Saht ens Palm“ su sähte Lück,
„Hät die Buchping hück?
Se deit uns leid,
Se deit uns leid,
Hat Ehr denn kei Gefühl?“1Übersetzung:
Mit der Orgel zieht er herum,
Künstler Palm, von Haus zu Haus.
Fehlen ihm auch manche Töne,
das Lied der „Schnüsse Tring“ spielt er doch schön.
Doch seien Orgel manchmal brummt
Wie eine rostige, alte Pumpe.
„Sagt mal, Palm“ so sagten die Leute,
„Hat die Bauchschmerzen heute?
Sie tut uns leid,
Sie tut uns leid,
Habt ihr denn kein Gefühl?“

Harte Arbeit für geringes Entgelt

Und Palm drehte fast 30 Jahre unermüdlich seine Orgel, um das notwendige Auskommen für die Familie zu verdienen. Dabei, so Reinhold Louis2 in seinem Buch „Kölner Originale“, Greven Verlag „… war er in der Tat harmlos: Palm lag nicht betrunken in der Gosse, er kam nicht in Konflikt mit den Gesetzeshütern, er war nicht verkommen, er borgte und schnorrte nicht, sondern leistete harte Arbeit für mehr oder weniger geringes Entgelt.“

Orjels-Palm kann in späteren Jahren die schwere Drehorgel nicht mehr bedienen und trägt stattdessen ein „Romantisches Panorama", Bild: unbekannter Fotograf
Orjels-Palm kann in späteren Jahren die schwere Drehorgel nicht mehr bedienen und trägt stattdessen ein „Romantisches Panorama“, Bild: unbekannter Fotograf

Und als die Orgel für den mittlerweile fast achtzigjährigen Palm schlichtweg zu schwer wird, sattelt er um und trägt das „Romantische Panorama“ um den Hals. Immer, um noch ein paar Groschen zu verdienen – die Kinder und Enkel haben schließlich Hunger.

Am 29. Januar 1882 stirbt Johann Joseph Palm. Und Köln verliert mit dem Straßenmusiker eines seiner Originale. Andere, die ihm als Straßenmusiker in Köln nachfolgen, werden weder so bekannt, noch als Original verehrt.

Ausnahmen: Klaus der Geiger und die Kelly-Family.
Aber das sind andere Geschichten.


Urenkel Emil Palm schreibt Musik für Ostermann

Es bleibt in der Familie: Der Urenkel von Orjels-Palm war Emil Palm (1890 – 1963). Und Emil Palm schrieb für Willi Ostermann, der selber kein Noten, lesen konnte, die von Ostermann vorgesungene Musik. 


Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die "Kölschen Originale"
Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die „Kölschen Originale“

Weitere Geschichten zu den „Kölschen Originalen“ gibt es hier:


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Ein paar Fragen an Louise Farina – Zwischen Tradition & Innovation

Louise Farina vertritt die 9. Generation der Familie Farina, Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Louise Farina vertritt die 9. Generation der Familie Farina, Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

 

 

Farina – was für wohlklingender – und vor allem wohlriechender – Name: Die Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH ist die älteste bestehende Eau-de-Cologne- und Parfüm-Fabrik der Welt. Tatsächlich wurde das Eau-de-Cologne hier erfunden.

Das Unternehmen ist seit der Gründung 1709 im Familienbesitz. Noch leitet Johann Maria Farina in 8. Generation das Unternehmen. Doch mit Louise Farina steht bereits die 9. Generation bereit, um nach und nach die Leitung des Unternehmens zu übernehmen. Ein Novum in der über 300jährigen Tradition: Zum ersten Mal wird eine Frau an der Spitze des Unternehmens stehen, welches ursprünglich mit der „Ziffer 1“ im Kölner Unternehmensregister stand.

Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Intensive Vorbereitung

Louise tritt ihre Aufgabe nicht unvorbereitet an: Nach einem Bachelor in Chemie an der Kölner Universität hat sie in Grasse und Paris zwei Jahre Parfümerie und ein Jahr in Padua Betriebswirtschaftrslehre studiert. 

Aktuell ist sie als „Head of Innovation and Development“ damit beschäftigt, die Marke Farina in die Zukunft zu führen. Gleichzeitig entwickelt sie auch eigene Düfte und bringt neue Ideen in die Vermarktung von Farina ein. Dazu gehört auch das neue Angebot der Duftseminare.

Die neuen Duftseminare – das Fragrance Atelier von Farina

Wo einst der Ursprung des berühmten Eau de Cologne liegt, entsteht nun ein neues, sinnliches Erlebnis: Farina öffnet die Türen zu dem brandneuen Duftatelier – einem Ort, an dem Duftgeschichte lebendig wird und Kreativität freien Lauf hat.

In den Farina-Duftseminaren können Besucher unter Anleitung ihre eigenen Düfte komponieren. Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
In den Farina-Duftseminaren können Besucher unter Anleitung ihre eigenen Düfte komponieren. Bild: Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Unter fachkundiger Anleitung tauchen Besucher in die faszinierende Welt der Parfumkunst ein. Sie lernen, wie Düfte komponiert werden, erfahren Spannendes über Duftfamilien und erschaffen am Ende ihre ganz persönliche Komposition.

Der individuell kreierte Duft – 50 ml eigene Kreativität – darf mit nach Hause genommen werden. Ein besonders Andenken an ein Erlebnis, das Tradition und Innovation auf duftende Weise vereint. Weitere Informationen gibt es dazu auf der Website des  Fragrance Atelier von Farina

Louise im Podcast

Frank und Uli vom Köln-Ding der Woche haben mit Louise unter anderem über

  • die Vergangenheit – mehr als 300 Jahre Farina,
  • die Gegenwart – Herausforderungen in der von Baustellen geprägten Innenstadt und
  • die Zukunft – Louises eigene Duft-Serie und das neue Duftatelier

gesprochen. 

 

 
 

Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Louise Farina zu unseren „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Diese Frage bekommst nur du gestellt, die haben wir noch keinen anderen gestellt: Nach was riecht Köln?

In diesem Haus riecht es nach unseren wunderbaren Düften, draußen riecht Köln nach Kölsch.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Das ist eindeutig Paris, die, wenn es um Kunst und Kultur geht, schönste Stadt der Welt

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Ich denke, das ist Weltoffenheit. Bei uns im Haus arbeiten Menschen aus ganz vielen Nationen und Altersklassen zusammen. Wir sind also eine sehr ganz bunte Mischung und darüber bin ich sehr froh

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Ich kenne nur einen Grund: Dann kann man wiederkommen.

Was würden du morgen in unserer Stadt ändern?

Darüber könnte ich länger reden, aber um es auf den Punkt zu bringen: Die Verkehrspolitik.1Zum Hintergrund: Das Farina Haus ist seit Jahren „eingezwängt“ in ein Baustellenchaos. Bei uns sind während Corona die gesamten Parkplätze vor der Tür weggefallen, wofür ich ja noch Verständnis habe. Das schafft Platz für die vielen Menschen, die hier vorbeikommen, da müssen dann keine Autos auf der Straße stehen. Da aber der Lieferverkehr im selben Zuge weggefallen ist, können wir – und die anderen Läden – zu keiner Uhrzeit, an keinem Tag der Woche irgendwas anliefern lassen. Das führt dazu, dass ich jeden Tag mit dem Ordnungsamt verhandeln muss, wenn angeliefert wird.

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Das ist die Aachener Straße direkt am Rudolfplatz mit den vielen Cafés und Bistros. Da sitze ich sehr gern.

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst / beeindruckt? Du darfst aber jetzt keine Familienmitglieder nennen!

Wenn ich ein Familienmitglied nennen dürfte, dann wäre das meine Großmutter Tina Farina. Außerhalb der Familie ist das Dr. Nicole Grünewald, die IHK-Präsidentin.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Karneval feiern.

Was machst du zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Arbeiten.

Rievkooche, Klaus Steves / pixelio.de
Knusprige Rievkooche sind Louises kölsches Lieblingsessen, Bild: Klaus Steves / pixelio.de

Was ist dein kölsches Lieblingsessen?

Ganz ehrlich: Eigentlich esse ich lieber italienisch. Wenn es etwas aber etwas kölsches sein soll, dann gerne Rievkooche.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Alles.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Su ene Driss – aber wenn ich mal schimpfe, dann eigentlich immer auf hochdeutsch.

Ein Blick in das Farina-Duftmuseum, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein Blick in das Farina-Duftmuseum, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich lache mich regelmäßig kaputt, wenn wir asiatische Schulklassen bei uns im Museum haben. Dann müssen schnellstmöglich alle Mitarbeiter in das Museum und versuchen, die Schüler davon abzuhalten, alles, also wirklich alles anzufassen und zu öffnen. Dann ist bei uns Ausnahmezustand. Dieses Chaos und die Panik in den Augen der Mitarbeiter zu sehen, ist schlichtweg komisch.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… die Heimat des Eau de Cologne.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung