
Es wird draußen kälter, grauer und ungemütlicher. Und damit beginnt auch wieder die Hochsaison einer besonders gefährlichen Erkrankung: der Männergrippe. Während Frauen selbst mit Fieber noch den Alltag meistern, liegen die Kääls bereits bei einem leichten Kratzen im Hals auf dem Sterbebett. Der Kölsche hat für solche Fälle ein wunderbares Wort: fimpschig.
Wer fimpschig ist, stellt sich an, ist empfindlich oder einfach nur wehleidig. Besonders gerne trifft diese Diagnose Männer, die tirek die Pips1„Den Pips haben“ oder „sich den Pips holen“ bedeutet erkältet oder verschnupft sein. han, also sofort über jedes kleine Wehwehchen jammern. Wobei wir Männer natürlich wissen: Eine richtige Männergrippe ist alles andere als eine Kleinigkeit!
Nicht nur Männer sind fimpschig
Immerhin gibt es einen kleinen Trost für uns Kääls: Nicht nur Menschen können fimpschig sein. Auch Dinge, die nicht so richtig gelungen sind, bezeichnet der Kölsche als fimpschig.

Ein wackeliger Stuhl? Fimpschig. Ein Buch, das nicht besonders lesenswert ist? Ebenfalls fimpschig. Und ein Brötchen, das schon bessere Tage gesehen hat, kann genauso fimpschig sein wie ein Essen, das einfach nicht schmeckt. Gemeinsam ist all diesen Dingen, dass sie irgendwie nicht in Ordnung sind. Nicht unbedingt völlig unbrauchbar, aber eben auch nicht wirklich gut.
Die kölsche Band Brings bringt es in ihrem Lied „Jeck Yeah“ auf den Punkt:
„Ich bin fimpschig un neidig
un vill zo schnell beleidigt.“
Früher war fimpschig eine ziemlich üble Sache
Wie so oft lohnt sich bei kölschen Wörtern ein Blick in den „Wrede“. Gemeint ist das dreibändige Standardwerk „Neuer kölnischer Sprachschatz“ von Adam Wrede.

Und siehe da: Ursprünglich hatte „fimpschig“ eine deutlich unangenehmere Bedeutung. Wrede erklärt das Wort unter anderem mit „übelriechend“, „angefault“ und „stinkend“. Besonders häufig wurde es für verdorbenes Fleisch, Schinken oder Wurst verwendet. Auch als Schimpfwort war fimpschig durchaus gebräuchlich. Wer als „fimpschije Schwademage“ bezeichnet wurde, durfte das jedenfalls nicht als Kompliment verstehen.
Das Rheinische Mitmachwörterbuch führt den Begriff auf „fimpen“ zurück, was so viel wie „übel, faulig riechend“ bedeutet. Also alles nix Gutes.
Vom verdorbenen Schinken zur Männergrippe
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Bedeutung allerdings verändert. Heute denkt bei „fimpschig“ kaum noch jemand an verdorbenes Fleisch. Stattdessen geht es eher um Empfindlichkeit, Wehleidigkeit oder Dinge, die nicht ganz in Ordnung sind.
Eine eindeutige hochdeutsche Übersetzung gibt es deshalb nicht. Und genau das macht den besonderen Reiz der kölschen Sprache aus: Ein einziges Wort kann einen wackeligen Stuhl, ein mäßiges Mittagessen und einen jammernden Kerl beschreiben.
Womit wir wieder bei der Männergrippe wären! Unser Tontechniker Yannick vom Podcast „Köln-Ding der Woche“ ist nämlich gerade krank. Und selbstverständlich ist er nicht fimpschig! Schließlich wissen wir alle, wie gefährlich so eine Männergrippe werden kann.
In diesem Sinne: Gute Besserung Yannick!
Und an alle anderen Kääls: Haltet durch. Et weed widder!

Rubrik „Kölsche Wörter“
Noch mehr kölsche Wörter, die sich nicht so einfach übersetzen lassen, gibt es in meiner Sammlung kölscher Wörter. Zum Beispiel das wunderbare „Jedöns“.
