Um 1960 – Luftaufnahme des Kölner Messegeländes und der Sporthalle, Bild: Koelnmesse GmbH.
Sie hat sich bis zum letzten Moment gewehrt. Erst die zweite Sprengung brachte sie am 13. März 1999 zum Einsturz: Die Kölner Sporthalle, eingeweiht am 13. Dezember 1958.
Bis zu 8.000 Zuschauer fanden auf den unbequemen Holzklappstühlen und im Innenraum Platz. Und ihnen wurden eine Menge geboten – hier haben sie alle gespielt: Unter anderem die Stones, Led Zeppelin, Queen, David Bowie, U2, Depeche Mode und insgesamt 23 Mal (!) BAP.
Eintrittskarten zu Konzerten von Keith Richards (1992) und Melissa Etheridge (1996) in der Köln-Deutzer Sporthalle. Urheber unbekannt / Knöchel, Franz-Josef (Repro) / CC-BY-SA 3.0
Kult-Veranstaltung „Lachende Sporthalle“
Die Kölner haben ihre Sporthalle geliebt, auch und besonders wegen der Karnevals-Kultveranstaltung „Lachende Sporthalle“. Wie noch heute in der „Lachenden Kölnarena“ war es schon damals erlaubt, Essen und Getränke selber mitzubringen.
Und so schleppten die Karnevalsjecken hunderte Fässer, kiloweise Frikadellen und viele, viele Eimer Kartoffelsalat nach Deutz. Allein der Vorverkauf zur „Lachenden Sporthalle“ war schon eine einzige Party: Tagelang haben die echten Fans vor der Vorverkaufsstelle am Neumarkt mit Schlafsack und Gaskocher campiert um an die begehrten Tickets zu kommen.
Treffpunkt der Kölner Halbwelt
Dank der fest installierten Radrennbahn mit 166 Meter Länge und wahnsinnig hohen Steilkurven war die Sporthalle auch Veranstaltungsort der Kölner Sechstagerennen. Im rauchgeschwängerten Innenraum traf sich hier gerne auch die Kölner Halbwelt bei Champagner und Lachsschnittchen.
Politische Bedeutung erhielt die Sporthalle durch das Konzert von Wolf Biermann am 13. November 1976. Biermann spielt vor ausverkauftem Haus. Doch seine kritischen Anmerkungen wurden ihm vom SED-Regime als „grobe Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ ausgelegt. Und Biermann, nach SED-Verständnis ein „Feind des Sozialismus“, wurde kurzerhand ausgebürgert.
Freitag, der 13. Dezember 1974 – Herstatt-Gläubigerversammlung
Dramatisch war auch die Gläubigerversammlung der durch Devisenspekulationen in Schieflage geratenen Herstatt-Bank im Dezember 1974. Ausgerechnet am Freitag dem 13. Dezember 1974 trafen sich mehr als 3.000 Gläubiger, zum größten Teil private Kleinsparer, in der Sporthalle. Und sie mussten zähneknirschend einen unattraktiven Vergleich annehmen, um nicht gänzlich leer auszugehen: 65% ihrer Spar-Einlagen wurden ihnen ausgezahlt. Und das auch nur, weil Hans Gerling in letzter Minute mehr als 200 Mio. DM in die Vergleichsmasse einzahlte.
Klaus „Major“ Heuser rockt mit BAP die Sporthalle (1996), Bild: Tina NiedeckenWolfgang Niedecken mit Background-Sängerin Karen Schweitzer-Faust bei einem BAP-Konzert in der Sporthalle (1991) , Bild: Achim Scheidemann
Kölnarena als Nachfolger
Ende der 80er Jahren verlor die Sporthalle ihren Glanz. Der Ruf nach einer neuen, moderneren Arena wurde laut. So entstand die im Herbst 1998 eingeweihte Kölnarena. Echte Kölsche weigern sich übrigens nach wie vor, „Lanxess-Arena“ zu sagen. Mit bis zu 20.000 Plätzen ist diese immer noch Deutschlands größte Mehrzweckhalle. Finanziert übrigens vom Oppenheim-Esch-Fonds, doch das ist eine andere Geschichte.
Legendäres Doppelkonzert 1980 in der Kölner Sporthalle: Santana und Frank Zappa, Bild: Lippmann + Rau, Public Domain, via Wikimedia Commons
Nach einer großen Abschiedsparty im August 1998 mit mehr als 6.000 Zuschauern war es dann soweit: Mit einer Sprengung sollte die Sporthalle am 13. März 1999 morgens um 7 Uhr abgerissen werden. Vergebens. Die „Sporthall“ war einfach zu zäh. Erst eine zweite Sprengung am gleichen Tag brachte das gewünschte Ergebnis.
Sie war halt zäh, die alte Kölner Sporthalle.
Sehenswerte Bilder der Sporthalle bietet das Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.
Mit dem Lied „Hück ess sing Band en der Stadt“ hat BAP der Sporthalle eine musikalische Hommage erwiesen. Und auch die Bläck Fööss besingen diese legendäre Spielstätte. (DANKE an Andreas für diesen Hinweis).
Das Domhotel vor dem Krieg – noch mit den Kuppeln und Türmchen
Wenn sie in Köln waren, gab es für gekrönte Häupter wie etwa Kaiser Wilhelm II. und Queen Elizabeth oder Schauspieler wie Peter Ustinov und Sophia Loren nur eine Adresse: Das Dom-Hotel. Bei der Beerdigung von Konrad Adenauer im April 1967 im nahegelegen Dom sollen angeblich US-Präsident Lyndon B. Johnson und der sowjetische Staatschef Leonid Breshnew sich zufällig in der Toilette des Dom-Hotels getroffen haben.
Dieser prächtige Bau war der Treffpunkt für alle, die reich, mächtig oder einfach nur schön waren. Die Pracht des Nobelbaus ist allerdings vergänglich. Und stand das renommierte Haus schon einmal vor dem Abriss: 1885 stürzte bei Renovierungsarbeiten der Mittelteil des Hotels ein. Die Statiker hatten sich schlichtweg verrechnet.
Und auch 125 Jahre später, im Jahr 2010, wurde wohl nicht richtig kalkuliert: Der neue Eigentümer, die Bayerische Versorgungskasse, hatte kaum mit dem maroden Zustand des Gebäudes gerechnet. So musste, bis auf die historische Fassade, das gesamte Gebäude abgerissen werden.
Das erste Dom-Hotel, noch am Domhof (heute Roncalliplatz), Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln
1840 als “Hotel du Dôme“ eröffnet
Doch der Reihe nach: Bekanntlich zog sich ja der Bau des Doms etwas länger hin: Ganze 632 Jahre wurde an der Kathedrale bis zur Vollendung im Jahr 1880 gebaut. Bis zur Fertigstellung war der Dom eng umbaut. Eines dieser Häuser war das Haus „Domhof 9“, am heutigen Roncalliplatz. In diesem Haus wurde seit 1779 getanzt – es war ein Ballsaal. Damals übrigens, neben dem Gürzenich, der einzige größere Saal für solche Veranstaltungen. Nach einigen Erweiterungen wurde hier 1840 das “Hotel du Dôme“ eröffnet.
Eine Postkarte mit Ansicht des vollendeten Doms (hier antizipiert) wurde 1879 von Köln nach Dresden verschickt. Links im Bild ist ein Teil des damaligen ‚Hotel du Dome‘ zu sehen. Ein großes DANKE an Detlef Ippen, dass ich diese Postkarte hier zeigen darf.
Das Geschäft florierte, denn immerhin war seit 1842 die Fertigstellung des Doms in vollem Gange und Köln prosperierte. Das Hotel wurde erweitert und mit dem Einsturz des Mittelteils 1885 sogar komplett neu gebaut. Doch die enge Bebauung rund um den Dom verdeckte die Kathedrale, für den prächtigen Dom sollte Platz geschaffen werden. So stimmte die Eigentümerfamilie des Dom-Hotels einem Grundstücktausch zu.
Etwa 30 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt wurde der wesentlich größere Neubau errichtet. Mit 180 Zimmern bot dieser Prachtbau alles, was Stars und Sternchen von einem Grandhotel erwarten: Eine attraktive Lobby, Arkadengänge, glänzende Kronleuchter, glanzvolle Zimmer und Suiten und Champagner in der edlen Hotelbar. Kein Wunder, dass die Spionin Mata Hari 1916 ausgerechnet in diesem Haus ein „heißes Spionage-Rendezvous“ gehabt haben soll.
Marode Bausubstanz
Die Bombenangriffe des zweiten Weltkriegs legten ganz Köln und auch das Dom-Hotel in Schutt und Asche. Nach dem Krieg wurde das Hotel schnell wieder aufgebaut. Die Probleme dieses schnellen Wiederaufbaus sollten sich später zeigen, denn in den Jahren des Mangels wurde alles Mögliche in dem Gebäude verbaut. Einzelne Träger stammten sogar aus dem Stahl der zerstörten Rheinbrücken.
Erst mit der Sanierung ab 2013 erkannte man, wie groß die Mängel an dem Bau tatsächlich waren: „Das Problem ist die Bausubstanz“, so der Bauingenieur Turadj Zarinfar in einem Interview der Welt 1Die Welt, 18.08.2017. Tatsächlich, so Zarinfar, „hätten hier keine Gäste mehr absteigen dürfen.“ Zarinfar sprach bei einem Rundgang im Jahr 2017 sogar von Lebensgefahr: „Es ist pures Glück, dass während des Hotel-Betriebs nichts passiert ist.“2Kölner Stadt-Anzeiger vom 17.11.2023
Das Dom-Hotel vor dem Abriss: Nichts lässt mehr auf eine Nobelherberge schließen
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Das Dom-Hotel vor dem Abriss: Nichts lässt mehr auf eine Nobelherberge schließen
Geplant: Totalabriss und Neubau
So wurde zunächst ein Totalbriss des Gebäudes geplant. Hier hatte allerdings der Denkmalschutz noch ein Wort mitzureden. Nach langen Verhandlungen einigte man sich mit dem Investor.
Die Lösung: Bis auf die Fassade wurde der gesamte Bau abgerissen und es entstand ein komplett neues Gebäude, welches an die bestehende Fassade gebaut wurde. Diese Fassade wurde während der Bauphase durch massive Stahlstreben gestützt.
Massive Stahlstreben, mittlerweile entfernt, stützten die historische Fassade des Dom-Hotels, Bild: Uli Kievernagel
Zwischenzeitlich sind die Stützen entfernt worden, aber an eine Wiedereröffnung des Hauses ist noch lange nicht zu denken. Verschiedene Eröffnungstermine für die Jahre 2017, 2020, 2022 und Sommer 2024 konnten nicht gehalten werden.
Aktuell3Stand: 17. November 2023 ist die Eröffnung für März 2025 geplant.
Also: Mal sehen!
So sollen die Zimmer im Dom-Hotel mal aussehen, Bild: Althoff-Gruppe
Dom-Hotel virtuell entdecken
Für die Zeit bis zur Wiedereröffnung können interessierte Besucher das Hotel zumindest virtuell besichtigen:
Stützstreben wurden für den Rosenmontagszug passgenau angefertigt.
Allerdings kann man nicht sagen, dass in Köln nichts funktioniert. Denn wenn es um den Karneval geht, wird auch Unmögliches möglich gemacht.
Das Problem:
Der Rosenmontagszoch muss auf seiner Route auch südlich am Dom-Hotel vorbei. Allerdings nahmen die massiven Stützstreben für die Fassade so viel Platz ein, dass die großen Festwagen nicht mehr durch dieses Nadelöhr gepasst hätten.
JA – das passt: Die für die großen Festwagen an Rosenmontag maßgeschneiderte Durchfahrt, Bild: Uli Kievernagel
Die Lösung:
Die Streben wurden entsprechend der Breite der großen Festwagen exakt soweit nach außen versetzt, dass der Zoch genau durchpasst.
Merke:
In Kölle funktioniert nix – es sei denn, es geht um den Karneval. Dann geht alles. Alaaf!
In der Kölner Eigelsteintorburg hängt ein ganz besonderes Schiffswrack, Bild: Hans Peter Schaefer, http://www.reserv-a-rt.de
Der Eigelstein bietet 2.000 Jahre Geschichte auf nur 570 Metern. Insofern gibt es hier viel zu sehen. Auch das berühmt-berüchtigte „Kölner Millieu“ verkehrte hier. Allerdings ist es in der Tat sehr verwunderlich, dass am Ende des Eigelsteins, direkt an der Eigelsteintorburg, das Wrack eines Bootes hängt. Dieses Schiffswrack ist das letzte Überbleibsel des Kreuzers Cöln.
„Kleiner Kreuzer“ Cöln
Die Cöln wurde als Teil der deutschen Kaiserlichen Marine am 5. Juni 1911 in Dienst gestellt. Es handelte sich um einen „Kleinen Kreuzer“ mit immerhin 130 Meter Länge. Dieser Schiffstyp wurde als Aufklärer, Torpedobootszerstörer und auch im Handelskrieg eingesetzt.
Der „Kleine Kreuzer Cöln“, hier auf einem Bild von ca. 1912
Im Ersten Weltkrieg tobte der Seekrieg auf der Nordsee. Am 28. August 1914 fand ein heftiges Seegefecht bei Helgoland statt. Die „Kleinen Kreuzer“ Frauenlob, Mainz und Stettin sowie mehrere Torpedoboote der Kaiserlichen Marine waren den Angriffen der Royal Navy eindeutig unterlegen. Zur Unterstützung lief die Cöln aus Wilhemshaven aus. Eigentlich sollten die schweren, fast doppelt so großen Schlachtkreuzer der Marine zur Hilfe kommen. Doch diese lagen im Hafen in Jade fest und konnten wegen des zu niedrigen Wasserstandes nicht auslaufen.
509 Menschen sterben
Zunächst nahm die Cöln den Kampf mit dem britischen Kreuzer Arethusa und acht Zerstörern auf. Unterstützt wurde die Cöln durch den „Kleinen Kreuzer“ Straßburg. Kritisch für die deutschen Kriegsschiffe wurde es mit dem überraschenden Eingreifen von fünf britischen Schlachtkreuzern.
Die Kaiserliche Marine war eindeutig unterlegen. Die Cöln erhielt mehrere Treffer, konnte aber zunächst entkommen. Doch der britische Schlachtkreuzer Lion nahm die Verfolgung auf und versenkte das Schiff.
Etwa 300 Menschen an Bord waren sofort tot. Ungefähr 200 Besatzungsmitglieder überlebten den Untergang. Da aber an diesem Tag extrem ungünstige Wetterverhältnisse herrschten – es war dichter Nebel – wurden die Schiffbrüchigen von Suchmannschaften nicht gefunden. So starben mit dem Untergang der Cöln insgesamt 509 Menschen.
Der einzige Überlebende: Oberheizer Adolf Neumann, hier auf einem Bild nach dem Untergang der „Cöln“, Bild: https://frk-koeln.de/gedenkstaette/kurzvideo/, CC0, via Wikimedia Commons
Nur ein Überlebender
Der Oberheizer Adolf Neumann (1891 – 1964) war der einzige Überlebende des Untergangs der Cöln. Sein Überlebenskampf dauerte 76 Stunden. Der Kölner Express1vom 29.08.2018 zitiert Neumann wie folgt:
„Nach einigen Stunden starben die ersten Kameraden an Wunden und Erschöpfung. Den Kopf im Wasser, trieben sie zwischen uns. Es traf sich, dass ich mit einem Oberheizer, der an einem größeren Stück Holz hing, zusammenkam. Ihm schloss ich mich an, und bald hatten wir richtiges Gleichgewicht. Die einen hofften noch immer, dass Hilfe unterwegs sei. Andere meinten, wir müssten in der Nähe von Land sein und sollten versuchen, es schwimmend zu erreichen (…). Wir schwammen wohl über zwei Stunden, doch sahen wir kein Land. Es wurde abermals Abend und Nacht. Unser Häuflein Menschen war bis auf einen kläglichen Rest zusammengeschrumpft.“
Zum Glück für Neumann tauchte ein Rettungskutter der Cöln auf – allerdings auch bereits halb zerschossen. Die zwei Mann an Bord zogen den völlig entkräfteten Neumann sowie zwei weitere Kameraden in das schwer ramponierte Boot. Von den fünf Mann an Bord des Rettungskutters überlebte allerdings nur Adolf Neumann. Er wurde drei Tage später von einem Torpedoboot gerettet.
Der fast völlig zerstörte Rettungskutter der Cöln wurde drei Tage später auf Norderney angetrieben. Und es sind exakt die Reste dieses Bootes, welche heute in der Eigelsteintorburg hängen.
Gedenktafel zur Erinnerung an den Untergang der „Cöln“ an der Eigelsteintorburg, Bild: Peng (talk), CC0, via Wikimedia Commons
Untergang der Cöln markiert Wendepunkt in der Wahrnehmung des Kriegs
Bis zu diesem Zeitpunkt war die Wahrnehmung des noch jungen Kriegs geprägt von Erfolgsmeldungen der verschiedenen Schlachten. Der Marinehistoriker Dr. Heinrich Walle über die Bedeutung des Untergangs der Cöln
„Erst der Untergang der „Cöln“ machte den Menschen in Deutschland bewusst, dass ein grausamer Krieg herrschte. Bis dahin wurden nur verschleiernde Siegmeldungen von den Schlachten in Belgien und Frankreich verbreitet.“2Express vom 29.08.2018
Die morderne Korvette „Köln“ soll 2025 in Dienst gestellt werden, Bild: ZamameeZuka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Verschiedene Marineschiffe mit den Namen Köln
Bisher gab es fünf verschiedene Marineschiffe mit dem Namen „Köln“. Das letzte Schiff mit diesem Namen, eine Fregatte, wurde 2012 außer Dienst gestellt.
Allerdings wird zur Zeit die Korvette Köln bei Blohm & Voss ausgerüstet. Dieses Schiff (Länge 90 Meter, spätere Besatzung 58 Personen) wurde durch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker am 21. April 2022 getauft und soll voraussichtlich 2025 in Dienst gestellt werden.
Hoffentlich bleibt dieser Korvette „Köln“ das Schicksal des Kreuzers „Cöln“ erspart.
Die Figur des „Kölschen Boor“ an der Eigelsteintorburg, Bild: Hans Peter Schaefer, http://www.reserv-a-rt.de
Der Kölsche Boor bewacht die Eigelsteintorburg
Auf der anderen Seite der Torburg kann man den „Kölschen Boor“ bewundern. Die Statue ist eine Kopie, das Original ist im Rathaus ausgestellt.
Ein Haus in der „Professorensiedlung“ in Köln-Marienburg, Bild: Uli Kievernagel
Es muss ein hartes Los für die Professoren der Kölner Universität in den 1920er Jahren gewesen sein: Als ordentlich berufener Professor galt die „Residenzpflicht“. Diese Anordnung aus dem Beamtenrecht besagte, dass der Beamte seinen Wohnort in der Nähe des Dienstorts zu wählen hatte. Faktisch bedeutete dies, dass die jeweiligen Professoren nach Köln übersiedeln mussten.
„Ein Sprung vom sicheren Land ins Ungewisse“
Für viele der nach Köln berufenen Professoren eine Zumutung: Die Stadt bot schon damals viel zu wenig Wohnraum und die rar gesäten Wohnungen waren auch noch unverhältnismäßig teuer. Schnell kursierte an den Hochschulen, dass eine Berufung an die Kölner Universität „Ein Sprung vom sicheren Land ins Ungewisse“ wäre. Dies hatte zur Folge, dass etliche Professoren den Ruf nach Köln nicht annahmen.
Der Kölner Wissenschaftsbetrieb drohte an Attraktivität zu verlieren. Dies ging so weit, dass sich das Kultusministerium bereits kurz nach Eröffnung der Universität im Jahr 1919 gegen Neuberufungen aussprach, wenn diesen keine Wohnungen zur Verfügung gestellt werden konnten.1Nicola Kresken in „Geschichte in Köln“, Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte, Nr. 67 (2020)
Attraktive Häuser in hervorragender Lage
Zur Lösung des Problems handelten die Professoren selbst und gründeten am 4. Juni 1920 die „Baugenossenschaft Kölner Universität“. Ziel war es, attraktive Wohnmöglichkeiten für die Kölner Professoren zu schaffen.
Ungewöhnlich war die gewählte Gesellschaftsform einer Baugenossenschaft. Der Bauökonom Klaus Novy2Klaus Novy: Wohnreform in Köln. Geschichte der Baugenossenschaften Köln, 1986 führt dies auf die „sozialwissenschaftlich-sozialpolitische Ausrichtung“ der Gründungsmitglieder zurück. Zu diesen Gründungsmitglieder gehörten:
Albert Dietrich, Pathologie
Hans Driesch, Philosophie
Hans Planitz, Rechtswissenschaften
Heinrich Lehmann, Rechtswissenschaften
Hugo Lindemann, Honorarprofessor und Sozialpolitiker
Max Scheler, Philosophie
Paul Honigsheim, Sozialwissenschaften
Reiner Müller, Hygieniker
Wilhelm Prion, Betriebswirtschaftslehre
Die Universität Köln war durch den Rektor Christian Eckert in der Gründungsversammlung vertreten.
Mit der Realisierung des Projektes wurde das sozialistische Bauunternehmen „Bauhütte“ beauftragt, die Stadt Köln stellte in Erbpacht attraktive Grundstücke in Marienburg zur Verfügung. Bereits im Januar 1921 begann der Bau der ersten Häuser der „Professorensiedlung“.
An der Wolfgang-Müller-Straße in fast direkter Rheinnähe entstanden sieben Doppelhäuser. Diese Häuser waren ansehnliche Villen mit sechs Zimmern, Nebenräumen, Mansardenzimmern und Dachkammern. Und sind symmetrisch um einen Platz gruppiert.
Die Häuser der Professorensiedlung sind rot markiert. Bild: Universität zu Köln
Architekt der Häuser wird von Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet
Architekt der Siedlung war der 1879 in Karlsruhe geborene Manfred Faber. Er war einer der wichtigsten Architekten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GAG. Gemeinsam mit Wilhelm Riphahn entwickelte er unter anderem auch die „Märchensiedlung“ in Holweide und Dellbrück.
Faber wurde, wegen seiner jüdischen Herkunft, 1936 aus dem Architekten- und Ingenieur-Verein Köln ausgeschlossen. 1942 wurde er zunächst im Messelager Köln interniert, später nach Theresienstadt und nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er am 16. Mai 1944 umgebracht.
Gedenktafel für Manfred Faber, von den Nationalsozialisten ermordeter Architekt der Professorensiedlung, in der „Naumannsiedlung“ (Riehl)., Bild: Heinz Reutersberg, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Professoren folgen Ruf nach Köln – auch wegen der Häuser in der Professorensiedlung
Mit den attraktiven Immobilien in der Marienburg hatte die Kölner Universität schnell die Nase vorn, wenn es darum ging, die klugsten Köpfe nach Köln zu berufen. Der damalige Rektor Christian Eckert (1874 – 1952) schrieb dazu an Oberbürgermeister Konrad Adenauer:
„Wohl habe ich darauf hingewiesen, dass es durch den Wohnungsbau dem Betreffenden ein schönes Haus mit Garten in Bester gegen Köln zur Verfügung gestellt würde, dessen Bewohnung nicht teurer sei als eine andere Mietwohnung in der Stadt.“
So folgte der Jurist Hans Lewald erst dann dem Ruf nach Köln, als ihm eines der Häuser in Marienburg zugesprochen wurde. Auch zur Bindung der Professoren an die Universität wurden die attraktiven Wohnangebote in Marienburg genutzt. Heinrich Mitteis, einer der bedeutendsten Rechtshistoriker des 20. Jahrhunderts, lehnte erst dann den Ruf nach Frankfurt ab, als man ihm eines der Häuser in der Professorensiedlung zusicherte.
Die „Professorensiedlung“ in Köln-Marienburg mit attraktiven Häusern, Bild: Uli Kievernagel
Deutschlands genialste Siedlung
So entstand „Deutschlands genialste Siedlung“. 3Express vom 05.10.2018 In der Welt der Wissenschaft bekannte Namen wie Eugen Schmalenbach (1873 – 1955), der Begründer der Betriebswirtschaftslehre als akademisches Lehrfach oder auch der Jurist Hans Carl Nipperdey (1895 – 1968) wohnten in der Professorensiedlung.
Im Haus von Nipperdey wuchsen auch seine fünf Kinder auf, darunter Dorothee Sölle, geb. Nipperdey (1929 – 2003). Die streitbare Theologin errang nie die ihr zustehende Anerkennung im Wissenschaftsbetrieb. Diese Anerkennung sollte aber ihr Bruder Thomas Nipperdey (1927 – 1992) bekommen. Der Historiker veröffentlichte 1983 das dreibändige Werk „Deutsche Geschichte“ – das Standardwerk der neueren Geschichte.
Allerdings war Thomas Nipperdey als Kind in der Professorensiedlung nur mäßig glücklich, da die Kinder in der Nachbarschaft alle älter waren und als Spielkameraden ausschieden. Glück für ihn, dass er in der Straßenbahn „richtige Mittelschicht-Kinder, offener und zugänglicher für mich“4Express vom 05.10.2018 kennenlernte.
Auflösung der Genossenschaft
Ab etwa 1930 reifte der Plan, die Häuser der Professorensiedlung aus dem Einflussbereich der Universität zu lösen. Dafür sollte der Erbbauvertrag mit der Stadt Köln gelöst werden und die jeweiligen Bewohner die Möglichkeit bekommen, das Haus inklusive Grundstück zu kaufen.
Der Rektor der Universität Christian Eckert versuchte, diesen Plan zu vereiteln. Denn damit würde die Universität das Argument des hochwertigen und günstigen Wohnraums bei der Berufung von Professoren verlieren. Doch vergebens: 1937 wurde die „Baugenossenschaft Kölner Universität“ aufgelöst und die Häuser an die Professoren verkauft.
Immerhin machte das Modell der Baugenossenschaft Schule. Die Universitäten Leipzig, Aachen und Hamburg waren sehr an den Erfahrungen der Kölner interessiert.
Noch immer sehr begehrte Wohnlage
Die Häuser in der Wolfgang-Müller-Straße sind immer noch sehr begehrt. Die ruhige Lage ohne Durchgangsverkehr, die direkte Nähe zum Rhein und die großen Gärten mit ihren alten Bäumen hat aber ihren Preis: Diese Häuser sind alle heute mindestens zwei, eher aber drei Millionen Euro wert.
Ruhig, schick und gediegen: Die „Professorensiedlung“ in Köln-Marienburg, Bild: Uli Kievernagel
Das Rhenania-Phosphatwerk Porz am Rhein mit seinen markanten acht Schornsteinen um etwa 1920
Vielleicht hat kein Stadtteil je ein so beeindruckendes Wahrzeichen gehabt wie Porz1Abgesehen von der Innenstadt mit dem Dom. Ungezählt sind die Postkarten, die das ehemalige Wahrzeichen von Porz zeigen.
Die acht Schornsteine des „Rhenania-Phosphatwerk Porz am Rhein“ (früher „Rheinische Portland Cementwerke“) thronten noch bis 1929 über dem Rheinufer. Bereits fünf Jahre zuvor hatte man das Werk, das Düngemittel herstellte, wegen seiner Unrentabiliät schließen müssen. 1930 wurde die Fabrik abgerissen und von 1964 bis 1967 das Porzer Krankenhaus auf dem Gelände errichtet. Deswegen sucht man die gewaltigen Schornsteine heute vergebens.
Neben dem Rhenania Phosporwerk siedelten sich zwei weitere Fabriken in Porz an: Die Eisenverarbeitung der Adelenhütte und die Spiegelglaswerke Germania.
Angestellten- und Arbeiterhäuser in der Germania-Siedlung Porz, Bild: gemeinfrei
Bedeutung als Gerichtsstätte
Doch trotz Industrie ist Porz nie eine reine Industriestadt und trotz des Namens wahrscheinlich auch keine römische Siedlung gewesen. Der älteste bekannte Beleg für Porz stammt aus dem Jahr 1019, dennoch wird der Name auf das Lateinische zurückgeführt, auf „porta“, Tor oder Tür, oder auf „portus“, der Hafen. Aufgrund der Lage scheint die Übersetzung Hafen näher zu liegen, obwohl das im Süden gelegene Zündorf über die Jahrhunderte hinweg einen weitaus größeren Einfluss als Hafen- und Handelsplatz hatte. Es habe sich vielmehr um eine kleine Anlegestelle für eine Fährverbindung zur anderen Rheinseite gehandelt, heißt es in der Forschung.
Sicher ist, dass Porz mehr als 500 Jahre lang eine große Bedeutung für die Rechtsprechung hatte. Bereits im Jahr 1286 wird Porz als eine so genannte übergeordnete Gerichtsstätte erwähnt. Nach einer großen Verwaltungsreform im Jahr 1555 wird dies bestätigt und die Zuständigkeit von Porz erweitert: Die herrschenden Grafen von Berg, deren Gebiet im Rechtsrheinischen an Köln, Deutz und Poll angrenzte, erheben Porz zum zentralen Hauptgericht für alle Landgerichte südlich der Wupper (das gesamte heutige rechtsrheinische Köln sowie Bensberg und Odenthal). Außerdem wird Porz zum Verwaltungszentrum für die umliegenden Dörfer. Das Gebiet entspricht in etwa dem heutigen Stadtbezirk Porz (ohne Poll, aber mit Heumar).
Konkurrenz mit Wahn und Heumar
Damit hatte Porz über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte eine herausragende Rolle gespielt, ohne wirklich ein Zentrum zu sein. Im Jahr 1808, Porz dürfte so etwa 170 Einwohner zu dieser Zeit gezählt haben, erneuerte das Herzogtum Berg seine Verwaltung und Porz musste das erste Mal in seiner Geschichte eine Niederlage einstecken Der Einfluss der Gemeinde verschwand. Es entstanden die Bürgermeistereien Heumar mit den nördlichen und die Bürgermeisterei Wahn mit den südlichen Dörfern des heutigen Stadtbezirkes.
Porz mit den Nachbargemeinden um etwa 1820
Eine Erhebung der Einwohnerzahlen aus dem Jahr 1828 verdeutlicht zumindest die Größe von Porz und der umliegenden Dörfer; allein in Niederzündorf wurden 640, in Oberzündorf 276 Einwohner gezählt. In Langel lebten damals 564, in Westhoven 304 und in Porz 268 Menschen.
Im Jahr 1875 wurde der Amtssitz von der Bürgermeisterei Heumar nach Porz verlegt, denn der Amtssitz folgte dem, der das Amt innehatte; 1910 schließlich wurde das Rathaus in Porz gebaut. 1928 wurde die Bürgermeisterei Heumar in Bürgermeisterei Porz umbenannt. Schon damals gab es erste Überlegungen, Porz nach Köln einzugemeinden.
Selbstständigkeit bleibt erhalten – zunächst
Am 9. März 1919 war die Halle des Kölner Hofes am Rheinufer einfach zu klein, um allen interessierten Bürgern Einlass zu gewähren. Man stimmte damals zwar prinzipiell einer Eingemeindung zu, hielt „die augenblickliche Zeit aber nicht für geeignet (…), derselben näher zu treten.“ Köln, hieß es, könne wirtschaftliche und strukturelle Hilfe nicht im ausreichenden Maße bieten. Die Verbesserungen bei der Versorgung mit Wasserleitungen, Strom, Straßen oder auch Schulen konnte Köln damals nicht leisten, sodass der Gemeinderat sich am 12. Februar 1920 für die weitere Selbstständigkeit entschied.
Die Porzer wehrten sich, zunächst erfolgreich, gegen eine Eingemeindung
Auch nach dem Krieg konnte sich Porz einer Eingemeindung widersetzen. Noch immer sah man in dem Anschluss an Köln „weder für die Wirtschaft noch für den einzelnen Gemeindebürger einen Vorteil“. Stattdessen stieg die Zahl der Einwohner der Gemeinde Porz und überschritt zu Beginn der 1950er Jahre die 30.000er Marke. Auf Antrag erhielt Porz im September 1951 von der Landesregierung die Stadtrechte verliehen.
Eingemeindung nach Köln im Jahr 1975
In den 1970er Jahren erlebte Porz die zweite Niederlage in seiner langen Geschichte. Man sah in der Stadt kein richtiges Mittelzentrum, das, wie etwa Leverkusen, neben Köln bestehen könne. Porz hatte erfolglos versucht, sich mit der Neugestaltung der Innenstadt in die Riege der modernen und großen Städte einzureihen. Die Experten meinten: Zu viele Menschen pendeln nach wie vor nach Köln; es fehlen Einrichtungen aller Art und Arbeitsplätze, als dass Porz unabhängig bleiben könne:
„Die Grenzen der kommunalen Gebietseinheiten in unserem Lande stammen großenteils noch aus dem vorigen Jahrhundert;2Damit ist hier das 19. Jahrhundert gemeint sie hemmen nicht nur zahlreiche Gemeinden in ihrer Entwicklung, sondern wirken vielfach auch anachronistisch, da inzwischen vornehmlich in den Ballungsgebieten neue Lebens, Siedlungs- und Wirtschaftsräume entstanden sind. Dieser Entwicklung haben sich aber die Grenzen der kommunalen Einheiten nicht angepaßt“3Quelle: Das Großzentrum Köln. Neuordnungsvorschlag der Stadt Köln zur kommunalen Gebietsreform. Herausgegeben von der Stadt Köln, 1972, Seite 5
Mit dem Köln-Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen endete nach gut 23 Jahren die Eigenständigkeit von Porz am 1. Januar 1975.
Teile dieses Textes durfte ich mit freundlicher Genehmigung des Emons-Verlags aus dem Buch „Kölns 85 Stadtteile“ von Christian Schuh übernehmen.
Die Schiedsrichterpfeife im Kreis: Das offizielle Logo des Videoschiedsrichters, Bild: DFB
Es ist zum Albtraum fast jeden Fußballfans geworden: Ein Tor fällt, doch der Jubel bleibt zunächst aus, alle Blicke gehen zum Schiedsrichter. War der Spieler vielleicht doch 2,3 cm im Abseits? Und wenn dann der Schiedsrichter sich an den Ohrstöpsel greift und im „Kölner Keller“ nachfragt, kann es lange dauern.
Zur Saison 2017/18 wurde der Video-Assistent VAR (Video Assistant Referee) in der Bundesliga eingeführt, zwei Jahre später auch in der 2. Liga. Die Idee: Mehr Fairness im Spiel durch einen zusätzlichen Schiedsrichter, der sich strittige Entscheidungen aus unendlich vielen Kameraperspektiven in Super-Zeitlupe ansieht und seine Erkenntnisse dem Schiedsrichter auf dem Feld übermittelt.
Blick in den „Kölner Keller“, Bild: DFB
Dieser zusätzliche Schiedsrichter sitzt im „Kölner Keller“: Ein etwa 100 Quadratmeter großer, fensterloser Raum im Keller von RTL in den ehemaligen Messehallen direkt am Rhein. Dort betreibt RTL Technology, ein Tochterunternehmen des Medienunternehmens RTL, im Auftrag des Deutschen Fußball-Bund e. V. (DFB) und der Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) das High Tech Fußballanalysezentrum.
Der Aufwand für den Video-Assistenten ist extrem groß: Bis zu 21 Kameras in den Stadien sorgen für Bildern aus allen nur möglichen Perspektiven. Um die oft hauchdünnen und im Stadion nicht zu erkennenden Abseitspositionen bewerten zu können, hilft eine digitale Abseitslinie. Diese wird vor jedem Spiel in jedem Stadion neu kalibriert. Außer dem eigentlichen Videoassistenten gibt es noch für jede Partie einen weiteren DFB-Schiedsrichter zur Unterstützung sowie zwei Operatoren. Der Video-Assistent in Köln und der Schiedsrichter auf dem Spielfeld kommunizieren direkt via spezieller Telefonleitung miteinander.
Kölner Keller meldet sich etwa bei jedem dritten Spiel.
Viel Aufwand im „Kölner Keller“ dafür, dass der Video-Assistent nur bei vier ganz speziellen Situationen auf dem Spielfeld tätig wird:
Es fällt ein Tor,
es soll einen Elfmeter geben,
es gibt eine Rote Karte oder
der Schiedsrichter hat im Eifer des Gefechts einen Spieler verwechselt.
In der Saison 2021/22 kam es in der Bundesliga insgesamt zu 116 Einsätzen des Video-Assistenten. Bei den 306 Spielen der Saison gab es also durchschnittlich ungefähr in jedem dritten Spiel einen Videobeweis. Dieser Wert ist, mit ganz leichten Schwankungen, seit der Erfindung des „Kölner Kellers“ relativ stabil.
Vorwurf: Stadionerlebnis wird zerstört
Hauptkritik ist aber nicht der Aufwand, der für den Video-Assistenten betrieben wird, sondern die Verzögerungen im Spiel. Bruno Labbadia1Von Dezember 2022 bis April 2023 Trainer des VfB Stuttgart übte heftige Kritik: Der Videobeweis, so Labbadia, sei eingeführt worden, „um krasse Fehlentscheidungen aufzudecken. Und dann braucht der Schiedsrichter gefühlt zehn Minuten, um sich festzulegen. Ich bleibe ein totaler Gegner des VAR. Er macht den Fußball kaputt.“
Eine ähnliche Meinung vertritt auch Philipp Köster vom Fußballmagazin 11Freunde. Ohne radikale Reformen macht der Kölner Keller das Stadionerlebnis kaputt, meint Köster. Er fordert radikale Reformen, unter anderem soll der Kölner Keller aufgelöst und der VAR direkt ins Stadion an den Spielfeldrand gesetzt werden.
Rudi Völler, ehemaliger Nationalspieler und heutiger Direktor der Nationalmannschaft, kann sich den Fußball ohne Videobeweis nicht mehr vorstellen. Bild: Fuguito, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Bundesligatrainer in der Mehrheit für den Video-Assistenten
Die Sporthochschule Köln hat im Jahr 2019 eine Studie zum Videobeweis unter Schiedsrichtern, Trainern und Spielern durchgeführt. Lediglich 20 Prozent der Befragten monierten die negativen Aspekte des Videobeweises. Und nur drei der 18 Bundesligatrainer wollten den Video-Assistenten direkt wieder abschaffen.2Das waren der damalige Schalke-Trainer David Wagner, Marco Rose aus Mönchengladbach und Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel. Allerdings geben selbst die Befürworter zu, dass der Videobeweis dem Fußball die Emotionen nimmt.
Auch Rudi Völler, seit 1. Februar 2023 Direktor der deutschen Nationalmannschaft, war nur anfänglich gegen den Video-Assistenten: „Am Anfang war ich noch gegen den Videobeweis. Jetzt kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass er nicht mehr da ist“.
Die Befürworter des Videobeweises setzen auf Transparenz. DFB-Schiedsrichter Patrick Ittrich geht davon aus, dass man den Fans erklären muss, wie und weshalb im Kölner Keller entschieden wird. Ittrich: „Es ist das A und O, dass wir die Fans im Stadion und an den Bildschirmen mitnehmen und erklären, was wir tun.“
Transparenz für die Zuschauer im Stadion: Anzeige zur Entscheidung des Videoassistenten im Stadion, Bild: DFB
Weitere Entfremdung zwischen Profi- und Amateurbereich
Bei allen pro- und contra-Argumenten bleibt aber eine Sache völlig außer Acht: Bis zur Einführung des Videoschiedsrichters in der Saison 2017/18 gab es nur ein einziges Regelwerk, egal ob es sich um das Top-Spiel der Bayern gegen Dortmund oder einen Kick in der Kölner Kreisklasse D zwischen dem SC Volkhoven III und dem VfR Sinnersdorf handelte. Da aber der Videobeweis nur in den beiden ersten Ligen eingesetzt wird, haben sich diese beiden Welten noch mehr entfremdet als vorher schon.
Selbst im Kölner Keller immer vorschriftsgemäß im Schiedsrichtertrikot: Videoassistenten bei der Arbeit, Bild: DFB
Im Trikot im Keller
Im dunklen Kölner Keller -wegen der für die Videoanalysen notwendigen Lichtverhältnisse ist das tatsächlich ein Keller- wird aber munter weiter entschieden. Kurios: Die an den Monitoren sitzenden Schiedsrichter tragen übrigens im Einsatz immer Schiedsrichtertrikots.
Im Kölner Keller. Irgendwie schräg.
Exklusiver Einblick ins Video-Assist-Center in Köln
Auch der DFB fühlt sich der Transparenz verpflichtet und hat ein Video über den Kölner Keller, die Protagonisten und die Arbeitsweise veröffentlicht.
Die Kirche Christi Auferstehung Bild HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Ein Ufo? Eine Kirche? Eine Disco? Verwundert reibt man sich die Augen, wenn man auf den verspiegelten Bau an der Moltekstraße im Belgischen Viertel schaut. Irgendwie erkennt man dann aber, dass es sich schon um eine Kirche handelt. Immerhin gibt es einen Kirchturm. Und auch die roten Stahlträgern bilden die Silhouette einer Kirche nach.
Tatsächlich ist es keine Kirche. Zwar stand hier einmal die Auferstehungskirche – immerhin der damals größte eigenständige Kirchenbau der Alt-Katholiken in Deutschland. Doch heute ist der verspiegelte Bau ein reines Bürohaus.
Alt-Katholiken gründen sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil
Die Alt-Katholiken haben sich als Folge der Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70) gegründet. In diesem Konzil wurden das „Papstprimat“1Der Vorrang des Papstes als Führer aller Christen. und die Unfehlbarkeit des Papstes festgelegt. Christen, die diese Beschlüsse nicht mittragen wollten wurden exkommuniziert und gründeten neue, unabhängige Gemeinden.
„Diese Bewegung hatte einen enormen Erfolg im wirtschaftsliberalen katholischen Bürgertum“ so Ulrich Krings ehemaliger Kölner Stadtkonservator im Kölner Stadt-Anzeiger2„Die Auferstehung einer Kirche“, in der Ausgabe vom 13. Januar 2021. Und genau diese Personen waren wohlhabend und stifteten erhebliche Summen, um sich ein repräsentatives Gotteshaus in Köln zu errichten. So stiftete zum Beispiel Carl Stollwerck, ein Mitglied der Stollwerck-Schokoladen-Dynastie, die Kanzel.
Anleihen aus der Romanik und dem Jugendstil
Im Jahr 1906 begann der Bau der Auferstehungskirche. Der Architekt Peter Recht errichtete einen außergewöhnlichen Kirchenbau. Ein völlig neuer Stil mit Anleihen aus der Romanik und dem Jugendstil. So entstand eine zweijochige Kirche mit breitem Querschiff und zwei kleineren Türmen am Chor. Auch die verwendeten Materialien verschafften dieser Kirche eine ganz besondere Wirkung. Während der Sockel aus Dolomitgestein gefertigt wurde, waren die Wände aus Backstein gemauert. Ein Putz mit weißen und schwarzen Steinen auf den großen Wandflächen sorgte für einen weiteren Farbkontrast.
Die Kirche Christi Auferstehung früher, Bild anonym, via Wikimedia Commons
Ulrich Krings ist sich sicher: „Das war völlig revolutionär für 1906. Das hätte die katholische Kirche niemals zugelassen.“3„Die Auferstehung einer Kirche“, in der Ausgabe vom 13. Januar 2021. Tatsächlich gab es sogar ausdrückliche Verbote von Seiten der katholischen Bistumsleitung, Elemente des Jugendstils für Kirchen zu verwenden.
Vielleicht noch ein Grund mehr für die Alt-Katholiken, sich auch und gerade durch den Baustil des Gotteshauses deutlich von der katholischen Kirche abzugrenzen.
Die 1944 durch zwei Bomben zerstörte Kirche Christi Auferstehung, Bild: Alt-Katholische Gemeinde Köln
Zerstörung im Krieg – moderner Wiederaufbau
Zwei Bombentreffer im Jahr 1944 beschädigten die Kirche – bis auf den Kirchturm – so schwer, dass die weitere Benutzung des Kirchenraums nicht mehr möglich war. Daher wurde 1953 eine Notkirche an gleicher Stelle fertiggestellt. Allerdings fehlten der Gemeinde für eine vollständigen Wiederaufbau die finanziellen Mittel.
In den 1980er Jahren entschloss sich die Gemeinde, dass Kirchengrundstück zu verkaufen und bebauen zu lassen. Die entscheidende Idee für den Neubau lieferte der Architekt Professor František Sedláček (1943 – 2008). Statt eines gesichtslosen sechsgeschossigen „normalen“ Neubaus schlug Sedláček vor, mit einem roten Stahlgerüst die Silhouette der Kirche nachzuempfinden.
Die Kirche Christi Auferstehung früher und heute, Bild früher: anonym, Bild heute: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0, beide via Wikimedia Commons
Und somit entstand von 1991 bis 1993 wieder eine ganz besondere Architektur an der Moltkestraße: Der sanierte Kirchturm wird von einem futuristischen, verspiegelten und an die Kirche erinnernden modernen Bau flankiert.
In diesem Bau unterhalten mehre Unternehmen ihre Büros, darunter auch die Web- und Werbeagentur cekom. Geschäftsführer Marcus Fornfeist schätzt diese außergewöhnlichen Räumlichkeiten. Und die Turmglocke, so Fornfeist mit einem Lächeln im Gesicht, hilft bei der Tagesstruktur: „Mittags um 12 Uhr, weist sie darauf hin, dass man auch mal was essen sollte und um 18 Uhr, dass es auch einen wohlverdienten Feierabend gibt.“
Marcus Fornfeist, Geschäftsführer der Web- und Werbeagentur cekom, schätzt diese ganz besonderen Räumlichkeiten und ganz besonders den Glockenschlag der Christuskirche, Bild: cekom
„Geiss TV“ und „Roberto Geissini“
Zwischenzeitlich residierten in dem Bau auch zwei Firmen des aus dem Fernsehen bekannten Unternehmers Robert Geiss. Der um seine markanten Sprüche nie verlegene „Rooooooooobert“ Geiss meinte dazu „Wenn wir schon nicht den Dom kriegen, dann wenigstens eine Kirche“.
Damit lag Geiss allerdings falsch. Denn das verspiegelte Gebäude ist nur einer Kirche nachempfunden, war aber nie ein Gotteshaus. Daher gefiel dem Gemeindepfarrer der Alt-Katholischen Gemeinde Jürgen Wenge diese Aussage von Robert Geiss überhaupt nicht. Er wies darauf hin, dass sich das eigentliche Kirchengebäude nach wie vor im Besitz und Gebrauch der alt-katholischen Gemeinde befinde und lediglich das Bürohaus von Geiss genutzt werde. Und glücklich war Wenge mit seinen neuen Nachbarn auch nicht: „Wenn wir hier ein Mitspracherecht hätten, würden wir mit Sicherheit andere Nachbarn als dieses Promipaar mit seinem Soap-Gedöns wählen.“4„Die Geissens haben Streit mit neuen Nachbarn“, Rheinische Post vom 11.03.2016
Blick aus dem neuen Kirchenraum durch die Glaspyramide auf den alten Turm, Bild: Alt-Katholische Gemeinde Köln
Alt-Katholische Kirche direkt neben dem modernen Bau
Tatsächlich hat sich die Gemeinde von den Verkaufserlösen eine völlig neue Kirche gebaut. Diese befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Pfarrgartens, fast direkt an dem verspiegelten Bau. Der Eingang zur neuen Kirche befindet sich im Torbogen zum ehemaligen Pfarrgarten. Durch eine Glaspyramide über dem Kirchenraum ist der direkte Blick auf den Kirchturm möglich.
Und in welcher anderen Kirche kann man schon aus dem Innenraum direkt auf den Kirchturm schauen?
Das Südpark-Restaurant, etwa um 1903, Autor unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons
Mädchen in ihren besten Kleidchen, kleine Jungs in dem damals modischen Matrosenanzug, die Mutter im besten Gewand und der Vater im feinen Zwirn – es muss ab 1901 ein eindrucksvolles Bild im Kölner Südpark gewesen sein. Es war ganz normal, dass sich die Familie schick machte, um sonntags flanieren zu gehen. Es ging um Repräsentation, das „sehen und gesehen werden“.
So könten die feine Garderobe der Damen ausgesehen haben, die im Südpark flanierten, Bild: Rijksmuseum, CC0, via Wikimedia Commons
Gesellschaftliches Leben in repräsentativen Parks
Neben der Flora, dem Zoo oder dem Stadtgarten war der Südpark im vornehmen Marienburg eine bevorzugte Ecke, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Flanieren in den städtischen Parks mit anschließender Einkehr in die Gastronomie gehörte zu den bevorzugten Sonntagsbeschäftigungen der Menschen.
Verständlich, wenn man die Umstände der Zeit bedenkt: Der Wohnraum war extrem knapp, zu viele Menschen lebten auf beengtem Raum. In der ärmeren Bevölkerung waren bis zu sechs Personen pro Zimmer die Normalität. In diesem Zimmer wurde gekocht, gegessen, sich gewaschen und geschlafen. Für uns heute undenkbar. Der sonntägliche Ausflug bot daher die gewünschte Abwechslung.
Wirtschaftliche Interessen ermöglichen den Südpark
Dass ausgerechnet im Nobelviertel Marienburg ein solcher Park entstand, ist knallharten wirtschaftliche Interessen zu verdanken. Das Gelände des Villenviertels Marienburg wurde durch die Kölnische Immobiliengesellschaft vermarktet. Diese Gesellschaft schenkte der Stadt im Jahr 1896 ein knapp fünf Hektar großes Grundstück mitten zwischen den Villen mit der Auflage, daraus einen „geschmackvollen, öffentlichen Stadtpark“ zu machen.
Das Kalkül der Immobilienvermarkter: Eine Wertsteigerung für das gesamte Villenviertel, welche auch die Bautätigkeit anregen sollte. Oder anders formuliert: Man verschenkt zwar ein ansehnliches Areal, bekommt dafür aber einen Park, den man noch nicht einmal selber pflegen muss. Durchaus geschickt gemacht.
Die weite Rasenfläche des Südparks, Bild: Severinus1970, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Die Stadt griff zu, und der städtische Gartendirektor Adolf Kowallek ließ in etwa drei Jahren den halbkreisförmigen Südpark fertigstellen. Mit kleinen lauschigen Ecken und weiten Flächen, geprägt durch viele Kiefern. Die Kosten für die Stadt betrugen 75.300 Mark.
Ein durchaus stattlicher Betrag, wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit das monatliche Bruttoeinkommen im Durchschnitt etwa 70 Mark betrug, was bedeutet, dass ein normaler Arbeitnehmer für diesen Betrag etwa 90 Jahre hätte arbeiten müssen. Und die Kölnische Immobiliengesellschaft konnte sich freuen: Es entstand ein attraktiver Park inklusive Pflege inmitten der zu vermarktenden Grundstücke.
Das Südpark-Restaurant um 1905, Autor unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons
Das Südpark-Restaurant: Ein „vornehmes Garten-Etablissement“
Der Park ist halbkreisförmig angelegt und wird von der Straße „Am Südpark“ begrenzt. Geschwungene Wege führen durch den Park, in der Mitte befinden sich große Wiesen und ein Kinderspielplatz, welcher auch durch Spenden der Marienburger Nachbarschaft ermöglicht wurde.
Werbeanzeige des Südpark-Restaurants im Kölner Local-Anzeiger vom 8. Juni 1901
Auf genau diesem Gelände des heutigen Spielplatzes befand sich das Südpark-Restaurant. Diese Gaststätte war „the place to be“. Man traf sich bei Restaurateur Hugo Krabb im „vornehmen Garten-Etablissement“ bei „vorzüglichem Kaffee“ und „bestgepflegten Weinen“. Als Highlight gab es im Sommer „Große Militär-Konzerte bei freiem Eintritt“.
Die Außengastronomie im Südpark-Restaurant um etwa 1909, Autor unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons
Die Kölner und auch auswärtige Gäste rannten Krabb förmlich die Bude ein. So berichtetete der Kölner Local-Anzeiger, dass es notwendig war, schon wenige Tage nach der Eröffnung zusätzlich zu den vorhanden 300 Stühlen weitere 650 Stühle anzuschaffen. Das Geschäft brummte.
Beschluss im Stadtrat zur Ausstattung des Südpark-Restaurants aus dem Kölner Local-Anzeiger vom 18. Mai 1901
Ab 1938 war es vorbei mit dem sonntäglichen „draußen-nur-Kännchen“-Restaurant im Südpark. Das Gebäude wurde zu einem Heim der Hitlerjugend umfunktioniert, und im Zweiten Weltkrieg wurden das Dach und das Obergeschoss durch Bombentreffer erheblich beschädigt. Zunächst war ein Wiederaufbau geplant, der aber nie realisiert wurde. 1951 wurde das gesamte Gebäude abgerissen.
Südpark verliert in den 1950er-Jahren seine Anziehungskraft
Zwischenzeitlich wurden auch in anderen Stadtteilen eigene Parks angelegt. Gleichzeitig war das sonntägliche Repräsentieren mit anschließender Einkehr nicht mehr die bevorzugte Freizeitbeschäftigung der Kölner. So verlor auch der Südpark seine Anziehungskraft.
Heute findet man niemand mehr mit feinem Sonntagsstaat im Südpark. Stattdessen wird die Wiese zum Picknicken oder Fußballspielen genutzt, und die Marienburger führen ihre Hunde im Park Gassi.
Aber schön ist es dort immer noch.
Und der Panther bewacht „seinen“ Park.
Sobald der Name „Wilhelm Riphahn“ fällt, winkt der Kölsche gleich ab: „Nä – dat is doch dä mit der Oper. Vell ze dür.“ Dass sein Name mit dem Kosten-Desaster der Opernsanierung verbunden ist, wird Riphahn nicht gerecht. Und wenn er das wüsste, würde er sich in seinem Grab auf Melaten umdrehen. Tatsächlich gibt es wohl keinen zweiten Architekten, der so viele Spuren in Köln hinterlassen hat wie Wilhelm Riphahn.
Er hat nicht nur die Bastei am Rheinufer oder den Neubau der Mülheimer Brücke nach dem Krieg, sondern auch zahlreiche Wohnsiedlungen wie die „Weiße Stadt“ oder den „Blauen Hof“ in Buchforst, konzipiert. Außerdem hat Riphahn stilbildende Gebäude wie den UFA-Palast, das Britische Kulturinstitut „Die Brücke“ oder das Gebäude der WiSo-Fakultät der Universität gebaut. Und auch das heute so umstrittene Ensemble aus Oper und Schauspielhaus.
Sproß einer Architektenfamilie
Wilhelm Riphahn wurde am 25. Juli 1889 in eine Kölner Bauunternehmer- und Architektenfamilie geboren. So ist es kaum verwunderlich, dass er an der Kölner Baugewerkschule studierte und dann bei namhaften Architekten in Berlin, Dresden und München erste Praxiserfahrungen machte.
Das Bootshaus des Ruderclub „Germania“, Poller Wiesen, Bild: Cekay, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
1913 kam er nach Köln zurück und eröffnete im Alter von 24 Jahren sein eigenes Architekturbüro. Erste Projekte waren das von ihm entworfene Bootshaus des Ruderclub „Germania“ an den Poller Wiesen (1914) und das Wohn- und Geschäftshaus „Justinianstraße 1“ als Entreé für die Deutzer Freiheit (1914).
Im Jahr 1914 heiratete Riphahn Paula Schuhmacher, die 1919 im Alter von nur 30 Jahren verstarb und den Witwer mit seinen zwei Kindern zurücklies. Ada Friedmann (1890-1962) wurde 1922 seine zweite Ehefrau.
„Lich, Luff und Bäumcher“
Nach dem Ersten Weltkrieg verschreibt sich Riphahn konsequent dem Bauhaus-Stil und wurde der „Haus- und Hofarchitekt“ der 1913 gegründeten Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (GAG). So entstanden 1922 die Wohnsiedlung in Bickendorf, 1927 – 1930 die „Siedlung Zollstock“ und 1927 – 1932 die Vorzeige-Siedlungen „Weiße Stadt“ und „Blauer Hof“ in Buchforst.
Die Siedlung „Weiße Stadt“ in Köln-Buchforst, Bild: Grkauls, Public domain, via Wikimedia Commons
Der Wohnungsbau erfährt in dieser Zeit durch Riphahn eine grundlegende Modernisierung: Nach dem Motto „Lich, Luff und Bäumcher“ konzipierte Riphahn klare Formen und großzügige Weitläufigkeit mit großen, begrünten Innenhöfen.
Auch hier zeigt sich die praktische Seite seiner Architektur: Um den Muff trocknender Wäsche aus den Wohnungen zu verbannen, waren diese Innenhöfe mit Wäscheleinen zum Wäschetrocknen versehen.
Die Wohnsiedlung „Blauer Hof“ mit großem, begrünten Innenhof. Bild: Rolf Heinrich (Köln), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Typisch für die Wohnbauten von Riphahn waren auch die großen Wohnküchen, die auch heute wieder sehr beliebt sind. Dass Balkone und eigene Bäder nicht länger Luxus waren, sondern zum Standard wurden, ist ebenfalls diesem Visionär zu verdanken. Die von Riphahn entworfenen Wohnsiedlungen haben bis heute nichts von ihrer Modernität verloren.
Riphahn selber beschreibt 1928 die Aufgabe des Architekten wie folgt:
„Wir sind Kinder unserer Zeit, die in viel stärkerem Maße sozial fühlt und denkt als irgendeine vergangene. Es ist daher Aufgabe des Architekten, mit ganzer Strenge den Bedürfnissen, die die heutigen Lebensbedingungen mit sich bringen, gerecht zu werden und dabei künstlerisch das zu leisten, was möglich ist. Massenbedürfnis, Not der Zeit und Gemeinschaftsgedanke führen zum Kollektivbau, der seinerseits wieder den zweckmäßig und liebevoll durchgearbeiteten Typ verlangt.“
Die Bastei: “Mit der Landschaft, dem Strom und den Brücken vermählt“
1931 entsteht in nur fünf Monaten der UFA-Palast. Dieser Riphahn-Bau war mit 3.000 Sitzplätzen nicht nur das größte Kino in Westdeutschland, sondern auch eines der spektakulärsten Bauwerke in Köln.
“Mit der Landschaft, dem Strom und den Brücken vermählt“ – die Bastei am Rheinufer. Ein ähnliches Bild hatte Wilhelm Riphahn zeitlebens in der Brieftasche, Bild: Raimond Spekking
Ein weiteres Meisterstück von Riphahn ist das Restaurant „Bastei“ am Rheinufer. Dieses in der Entstehungszeit umstrittene Bauwerk begeisterte nach der Fertigstellung die Bürger und auch die Fachwelt. Der Architekturkritiker Heinrich de Fries meinte 1926, dass sich die Bastei „mit der Landschaft, dem Strom und den Brücken vermähle, fast völlig befreit scheinbar von der Basis, aus der es doch entwachsen ist.“
Andere Menschen haben ein Bild ihrer Kinder in der Brieftasche, bei Riphahn war das anders: Bis zu seinem Tod hatte er immer ein Foto der Bastei dabei.
Schwierige Zeit im Nationalsozialismus
Riphahn verweigerte sich der Ideologie der Nationalsozialisten. Seine zweite Frau Ada Friedmann war jüdischer Abstammung. Seiner Tochter verbot er ausdrücklich, in den Bund Deutscher Mädel (BDM) einzutreten.
Daher wurde er von den braunen Machthabern bei Auftragserteilung öffentlicher Bauten nicht mehr berücksichtigt. Nur durch eine Intervention des Kölner Architekten Clemens Klotz, einer Größe im nationalsozialistischen Deutschland, konnte er einen GAG-Auftrag für eine Wohnsiedlung in Lindenthal erhalten. Seine wirtschaftliche Existenz sicherten ihm aber private Bauherren. 1939 reiste er in die USA und überlegte, ob er auswandern sollte. Schlussendlich kam er aber zurück nach Köln.
Schutz vor dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs findet Riphahn zusammen mit seiner Familie in Engelskirchen. Schnell ist ihm klar, dass er wesentlich zum Wiederaufbau beitragen kann. Seine These: „Köln wird wieder entstehen, ja es wird sich, wenn auch in später Zukunft, zur großen Metropole Westeuropas entwickeln“.
Als freier Architekt wird Riphahn Berater der „Kölner Wiederaufbaugesellschaft“. Der Visionär setzt sich für einen durchgrünten und durchlüfteten Straßenraum ein und setzt dabei wesentliche Akzente in Köln. Beim Wiederaufbau der Hahnenstraße konzipiert er prägende Bauten wie die Kunstgalerie Moeller und das britische Kulturinstitut „Die Brücke“ (1950).
Pünktlich zum Karnevalsbeginn am 11. November 1948 werden die von ihm geplanten Sartory-Säle fertig, 1953 das Institut Français am Sachsenring und 1959 als erster Erweiterungsbau der Kölner Universität das WiSo-Gebäude. Auch der Neubau der Mülheimer Brücke stammt aus seinem Büro.
Die Oper: Der „Aida-Bunker“
Mit dem Wiederaufbau wurden die Stimmen immer lauter, Kulturbauten in der Innenstadt rund um den Dom zu konzentrieren. Der Standort des alten Opernhauses am Rudolfplatz (heute steht dort das Steigenberger Hotel) erschien daher eher ungeeignet. Mit dieser Idee setzte sich Riphahn in einem Architekturwettbewerb durch und ergriff die Gelegenheit, mit dem Ensemble aus Oper und Schauspielhaus sowie weiterer umliegenden Bauten einen ganzen innerstädtischen Bereich mit seinen Planungen zu prägen.
Die Oper im Jahr 2010 – vor der aufwändigen Sanierung, Bild: Raimond Spekking
1957 wurde die neue Oper am Offenbachplatz eingeweiht. Bis 1963 folgten das Schauspielhauses und die Opernterrassen. Wolfgang Schmidtlein war als Architekt bei Wilhelm Riphahn angestellt und wesentlich in die Gestaltung der Oper eingebunden. Das für das Opernhaus ein ägyptischer Tempel Pate stand, weist er in einem Interview in das Reich der Legende.
Die Oper im Jahr 2017, mit fast fertiggestellter Außensanierung. Gut zu erkennen: Die Balkone, Bild: Raimond Spekking
Tatsächlich gab es praktische und ästhetische Gründe für den Bau. Senkrechte Türme, so Schmidtlein, hätten diesen Teil der Innenstadt gestalterisch erschlagen. Und für die Betrieb der Oper waren unterschiedliche Raumtiefen erforderlich. So entstanden die bekannten Schrägen. Und auch die Balkone sind aus einer praktischen Erwägung entstanden. Da die Werkstätten viel Licht benötigen und eine schräge Verglasung extrem teuer gewesen wäre, die zudem die Räume extrem aufgehitzt hätte, entschied man sich für die Balkone. So konnten Kosten gespart werden.
Viele Kölner konnte das Gebäude bis heute nicht überzeugen. „Hässlich, wie ein Hotel auf Mallorca“, so eine Meinung. Auch als „Aida-Bunker“ oder „Grabmal des unbekannten Intendanten“ wurde die Oper bezeichnet.
Die höhenmäßig versetzten Balkons in der Kölner Oper mit frontalem Blick auf die Bühne, Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F004427-0001 / Teubner / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons
Seit Juni 2012 läuft die umstrittene Sanierung der Oper – eines der bislang teuersten Kulturprojekte in Deutschland. Die Gesamtsumme (inkl. Finanzierungskosten und Betrieb von Ausweichspielstätten) beträgt mittlerweile rund und eine Milliarde Euro. Als Fertigstellungstermin wurde der 22. März 2024 genannt.
Bescheiden und kein Mann der großen Worte
Wilhelm Riphahn hat diese Irrungen und Wirrungen über sein Bauwerk nicht mehr erlebt. Er starb nicht lange nach der Eröffnung des Schauspielhauses am 27. Dezember 1963. Sein Grab ist auf Melaten.
Dieser Architekt hat Köln maßgeblich geprägt. Und war gleichzeitig bescheiden und eher wortkarg. Als er 1931 zu einer Rede bei der Eröffnung des UFA-Palasts gedrängt wurde, bestand diese aus den Worten
„Ich kann über meinen Kram nichts sagen, seht ihn euch selber an.“
Deutz um 1900 mit der geöffneten Schiffbrücke und dem Bahnhof Schiffbrücke am Deutzer Rheinufer, Bild: Wilhelm Scheiner, Public domain, via Wikimedia Commons
Im Kölner Lokal-Anzeiger war es am 1. April 1888 nur eine Meldung auf Seite drei unter „Locales“, für das stolze, eigenständige Deutz aber das Ende der Eigenständigkeit: Nach mehr als 1.500 Jahren wird Deutz nach Köln eingemeindet und hört auf, als eigenständiger Ort zu existieren.
Die Eingemeindung vieler bis 1888 eigenständiger Gemeinden nach Köln als Meldung auf Seite 3 unter „Locales“ im Kölner Local-Anzeiger vom 1. April 1888
Die Eingemeindung betraf aber nicht nur Deutz, sondern viele weitere bis dahin eigenständige Gemeinden. Unter anderem Ehrenfeld, Müngersdorf, Nippes oder auch das rechtsrheinische Poll.
Doch die Deutzer hatten etwas besser verhandelt: So wurde der Bürgermeister von Deutz Beigeordneter in Köln, das Standesamt verblieb im Deutzer Rathaus, und es gab Geld für verschiedene Baumaßnahmen. Trotzdem war es für die traditionell freiheitsliebenden, stolzen Deutzer schwer zu verkraften: Ab diesem Tag war das wirtschaftlich prosperierende Deutz nur noch ein Stadtteil von Köln.
Modell des Kastells Divitia, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Keimzelle: Das römische „Kastell Divitia“
Begonnen hatte alles um das Jahr 308 n. Chr. herum: Um die wichtige Colonia Claudia Ara Agrippinensium, unser heutiges Köln, vor den rechtsrheinischen Germanen zu schützen, wurde in Deutz das Kastell Divitia errichtet. Der Rhein bildete die eigentliche Grenze, das Kastell diente als Brückenkopf der Römer im „Land der Barbaren“. Geschützt wurde dadurch auch die Konstantinbrücke, die erste feste Brücke über den Rhein.
Darstellung der Konstantinbrücke aus dem Jahr 1608 mit viel künstlerischer Freiheit, so gab es z.B. keinen Turm in der Brückenmitte
Nachdem die Franken ab etwa 355 n. Chr. regelmäßig Köln angriffen, geben die Römer die Stadt im Jahr 462 n. Chr. auf. Aus dem Kastell wurde später ein fränkischer Königshof. Die genaue Entwicklung von Deutz in diesen Jahren ist unklar. Erst mit Erzbischof Heribert, der an der Stelle des Hofes im Jahr 1003 ein Benediktinerkloster gründete, nahm die Entwicklung von Deutz wieder Fahrt auf. Im Jahr 1230 wurde Deutz zur Stadt erhoben.
Deutz im Machtkampf zwischen Köln und den Grafen von Berg
Und genau diese Stadt Deutz stand im Zentrum der Machtkämpfe zweier Rivalen: Auf der linksrheinischen Seite die Freie Reichsstadt Köln, auf der rechtsrheinischen Seite die Grafen von Berg.
Mehrfach wurde Deutz überfallen, geplündert, gebrandschatzt. Der Ort verlor die Stadtrechte und wurde zu einer „Vrijheit“1Eine Art „Stadtrechte light“. herabgestuft. Im Jahr 1538 verbrannten durch eine Brandstiftung große Teile von Deutz. Im sogenannten „Kölner Krieg“ 1583 zerstörten marodierende Truppen die Ortschaft sogar nahezu vollständig.
Gleichzeitig wurde der rechtsrheinische Ort zur Zuflucht für die 1424 aus dem linksrheinischen Köln vertriebenen Juden, später auch für die im „Hillije Kölle“ so ungeliebten Protestanten. So entwickelte sich Deutz und wurde liberaler, freier, aufgeschlossener und fremdenfreundlicher als das linksrheinische Köln und erlebte so nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618 – 1648) einen Wirtschaftsaufschwung.
Das Kürassier-Denkmal „Lanzenreiter“ an der Deutzer Rheinpromnenade erinnert an die Preußische Garnison in Deutz, Bild: Raimond Spekking
Die Preußen verändern Deutz massiv
Mit der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1814/15 änderte sich für Köln und Deutz fast alles: Die Preußen erschufen aus Köln die „Festung Cöln“. Auch rechtsrheinisch wehte ein neuer, stark militärisch geprägter Wind. In Deutz entstand die große Dragoner Kaserne, der größte Teil der Deutzer Bevölkerung bestand aus Soldaten oder Mitarbeitern der Militärverwaltung.
Die Deutzer Schiffbrücke um 1900, Bild: US- Library of Congress
Gleichzeitig stieg die Bedeutung von Deutz als Verkehrsknotenpunkt. Die Deutzer Schiffbrücke, errichtet 1822, war die erste Kölner Brücke nach der Konstantinbrücke. Vorher mussten sich die Kölner etwa 900 Jahre mit Fähren behelfen, um die Rheinseiten zu wechseln.
Deutz wird bedeutender Industriestandort und Eisenbahnknotenpunkt
In Köln entwickelte Nicolaus August Otto einen neuartigen Motor – eine Erfindung, die die Welt und auch Deutz grundlegend verändern sollte. Zusammen mit Eugen Langen gründete er die Motorenfabrik „N.A. Otto & Cie“. Doch der Platz in der Servasgasse, fast noch im Schatten des Doms, reichte nicht aus. Ein neues Werksgelände entstand in Deutz. Ähnlich ging es der ursprünglich am Kartäuserwall befindlichen Seilerei Felten & Guilleaume2Von den Kölnern gerne als „faul & gemütlich“ bezeichnet., die genau wie auch die Chemische Fabrik Kalk im Rechtsrheinischen weitläufige Produktionsstätten errichtete.
Um die neuen Industriegebiete zu erschließen und dem stetig wachsenden Bedarf nach Mobiltät gerecht zu werden, konkurrierten mit der „Bergisch Märkischen Eisenbahn“ (BME) und der „Cöln- Mindener-Eisenbahn“ (CME) zwei Eisenbahngesellschaften, wobei jede ihr eigenes, exklusives Schienennetz betrieb. So entstanden zwei große Kopfbahnhöfe und zwei kleinere Bahnhöfe in Deutz – viele Eisenbahnstrecken durchzogen den Stadtteil und schnitten Deutz vom Rheinufer ab.
Der Bahnhof Schiffbrücke direkt am Deutzer Rheinufer, vorne das Stammhaus der Brauerei Sünner an der Deutzer Freiheit, Bild: Wilhelm Scheiner, Public domain, via Wikimedia Commons
Deutzer Eisenbahnjammer
Diese Entwicklung machte aus dem zuvor beschaulichen Örtchen ohne Rücksicht auf Verluste einen Industriestandort. Insbesondere die Tatsache, dass das Rheinufer durch Bahndämme Deutz faktisch vom Fluss abschnitt, erzürnte die Deutzer und führte zum „Deutzer Eisenbahnjammer“:
Der „Deutzer Eisenbahnjammer“ in der Kölnischen Zeitung vom 23. April 1899
Der Autor beklagte:
„Was ist aus unserm schönen Deutz geworden! Einst ein blühendes Städtchen am Rheinufer … Kein Ort am ganzen Rheinstrom vermochte den malerischen Zauber, die behagliche Geselligkeit darzubieten … uns arme Deutzer hat man durch einen garstigen Eisenbahndamm vom Rheine abgetrennt. … Tempi passati…“
Gleichzeitig entwickelte sich Deutz zum Amüsierviertel, denn die bis zur Eingemeindung dort eingeräumten Freiheiten führten auch dazu, dass sich insbesondere auf der Prachtstraße Deutzer Freiheit zahllose Gaststätten, Glücksspielbetriebe, Tanzlokale und – für die katholisch geprägten linksrheinischen Kölner unerhört – „Lusthäuser“ ansiedelten.
Rege Bautätigkeit
Schnell entstanden wichtige Infrastrukturprojekte wie der Deutzer Hafen (1907), der Deutzer Bahnhof (1913) und die Messehallen (1923), welche zur „Pressa – Internationalen Presseausstellung“ (1928) massiv ausgebaut werden.
Die Nationalsozialisten hatten ganz besondere Pläne für Deutz. Dort sollte ein riesiges „Gauforum“ mit gigantischen Parteibauten und einem großem Aufmarschgelände entstehen. Dafür wäre Deutz nahezu verschwunden. Gut, dass diese Spinnereien nie verwirklicht wurden.
Die Kriegsfolgen waren auch in Deutz verheerend. Hier traf es das rechtsrheinische Köln genau so heftig wie den linksrheinischen Innenstadtbereich. Mit dem Wiederaufbau bekam auch die Entwicklung von Deutz wieder positive Impulse. Die Brücken wurden wieder instandgesetzt, bereits 1947 fanden wieder erste Ausstellungen und Messen statt, bis 1950 standen bereits 52.000 Quadratmeter Hallenfläche wieder zur Verfügung.
Deutz wird Sitz des LVR und der Lufthansa
Mit der umstrittenen Ansiedlung der Hauptverwaltung des Landschaftsverbandes Rheinlandes in Köln3Der Sitz auch der Vorgängerinstitutionen war traditionell in Düsseldorf. Ende der 1950er Jahre nahm Deutz weiter Schwung auf. Die Ford-Werke richteten mitten in Deutz im sogenannten „Ford-Hochhaus“ zahlreiche Großraumbüros ein. Auch die Lufthansa hatte von 1970 bis 2007 im Lufthansa-Hochhaus, heute Lanxess Tower, direkt am Rhein ihren Hauptsitz. Im Deutzer Rheinpark fanden 1957 und 1971 jeweils eine Bundesgartenschau statt.
Prachtstück in Deutz: Der Rheinboulevard, Bild: Raimond Spekking
„Boomtown Deutz“: Düx kütt üvver Kölle
1998 wurde die Kölnarena eröffnet, zeitgleich mit dem „Technischen Rathaus“ der Stadt. Die alten Messehallen wurden im Jahr 2010 neue Heimat des Fernsehsenders RTL und Versicherers HDI. Neue ICE-Gleise im Deutzer Bahnhof ermöglichen Hochgeschwindigkeitsfahrten. So ist der Frankfurter Flughafen von Deutz aus in nur 48 Minuten zu erreichen.
Fazit: Deutz hat eine erfolgreiche Entwicklung genommen. Zwar nennen die Kölner Deutz immer noch spöttisch „Schäl Sick“ – doch mittlerweile ist das schon anerkennend gemeint. Und wenn schon die kölschen Lokalheiligen, die Bläck Fööss, der Schäl Sick huldigen, dann hat Deutz alles erreicht:
Hey Kölle, pass op! Jetz ändert sich die Zick.
Düx kütt üvver Kölle, jetz es et bal su wick.4
„Schal Sick“, Bläck Fööss
Michael Kriegel: Deutz – Vom römischen Kastell zur Köln Arena
Der Autor Michael Kriegel hat sein Herz an Deutz verloren, seit er Mitte der 1970er Jahre auf der „Schäl Sick“ studiert hat. Und diese Liebe hat er in dem lesenswerten Buch „Deutz – vom Römischen Kastell zur Köln-Arena“ verewigt.
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