Von der Zahl „4“ bis „10 Milliarden“ – der Dom in Zahlen

Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen
Der Kölner Dom in voller Pracht, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen

Es ist immer wieder ein grandioser Anblick: Ich stehe mit meinen Gruppen vor dem Dom und alle (inklusive Stadtführer) sind fasziniert.

Unser wunderschöner Dom zieht alle in seinen Bann. Und dann kommen die Fragen:
Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Antworten auf alle diese Fragen gibt dieses „Köln-Ding der Woche“.


Das ist die Hausnummer des Doms. Falls ihr dem Dom eine Postkarte schreiben wollt: Die korrekte Adresse lautet:
Kölner Dom, Domkloster 4, 50667 Köln



20 Zentimeter würden die Domspitzen bei einem Erdbeben der Stärke 7 schwanken. Dies ist uns bis jetzt erspart geblieben. 10 Zentimeter Schwankung würde der Dom nahezu unbeschädigt aushalten, so Statiker. Selbst bei dem Erdbeben in Japan im März 2011 hat der Dom um ca. 1,5 cm geschwankt.


Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666
Schwerer Kamerad: Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666

24 Tonnen
…  und somit so viel wie fünf ausgewachsene Elefanten, wiegt die St. Petersglocke, von den Kölschen nur liebevoll „Decke Pitter“ genannt.


Kataster-Karte des Kölner Doms
Kataster-Karte des Kölner Doms

27 Euro beträgt der „Wert“ des Doms.
… zumindest gemäß dem Finanzbericht des Kölner Erzbistums. Berechnet wird 1 Euro je Grunstücksparzelle und 1 Euro für das Gebäude.


Die Dame müsste sich nur etwas bücken - dann würde sie in das Mittelschif des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel
Die Dame müsste sich nur ein wenig bücken – dann würde sie in das Mittelschiff des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel

43,35 Meter
… beträgt die Innenhöhe der Mittelschiffe im Dom. Damit würde fast die Freiheitsstatue in den Dom passen – diese ist 46 Meter hoch.


Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Dombaumeister Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Chef der Dombauhütte Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

100 Mitarbeiter hat die Dombauhütte, davon etwa 80 Handwerker (unter anderem Steinmetze, Glasmaler, Gerüstbauer, Schreiner, Dachdecker, Maler, Elektriker, Schlosser) und ca. 20 in der Verwaltung (unter anderem Architekten, Kunsthistoriker und Archäologen). Der Chef der Dombauhütte trägt den Titel „Dombaumeister“ und das ist seit Januar 2016 Peter Füssenich.


109 Meter hoch und nicht wirklich geliebt: Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas

109 Meter … 

hoch ist der Vierungsturm des Doms. Dieser wurde sogar schon als „Warze“ bezeichnet.


123,50 Euro zahlt, wer gegen den Dom pinkelt.
Dat mäht man jo uch nit! 


Der Dom hat eine Gesamtlänge von 144,58 Meter (außen). Also könnten an der Fassade entlang 8 Gelenkbusse oder 53 Smarts parken. Oder man stellt fast 3.000 Kölschgläser nebeneinander.


Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel
Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel

157,38 Meter beträgt die Höhe des Nordturms. Was kaum einem auffällt:
Der Südturm ist 4 cm kleiner. Aber das sehen nur Profis. 


533 Stufen sind bis zur Turmspitze im Südturm. Gottseidank muss man nicht den 7 cm höheren Nordturm erklimmen. Der Spaß kostet übrigens 6 Euro für Erwachsene. Fast geschenkt – das ist nur etwas mehr als 1 Cent je Stufe.


Satte 632 Jahre haben – mit ein paar Unterbrechungen zwischendurch – die Kölner am Dom gebaut – von 1248 bis 1880. Dieser Rekord soll übrigens durch den Bau den Nord-Süd-Bahn übertroffen werden. Die Eröffnung dieser Strecke ist für das Jahr 2637 geplant.


1880 bis 1884 war der Dom das höchste Gebäude der Welt bis er vom Washington Monument übertroffen wurde. 


Der Dom bietet 4.000 Plätze insgesamt, davon ca. 2.800 Stehplätze und 1.200 Sitzplätze. Richtig voll wird es aber nur an Weihnachten und Dreikönige


Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.
Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.

Der Dom hat eine überbaute Fläche von 7.194 Quadratmetern.
Das entspricht ziemlich genau einem Fußballfeld.


Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Dom verfügt über 10.000 Quadratmeter Fensterfläche. Und das (für mich) schönste Fenster ist das Richter-Fenster im südlichen Querhaus. Mein Tipp: Die beste Wirkung hat das Fenster bei Sonnenschein um die Mittagszeit.
Unbedingt ansehen, die Wirkung ist verblüffend.


Im Durchschnitt kommen 25.000 Besucher täglich in den Dom. 


Die Kosten für den Dom betragen 33.000 Euro täglich. Davon gehen etwa 20.000 Euro in den Bauerhalt, der Rest wird zur Deckung der laufenden Kosten benötigt.


240.000 Tonnen
wiegt der Dom. Davon entfallen ca. 120.000 Tonnen auf das Gebäude, welches man sieht. Die restlichen 120.000 Tonnen wiegt das Fundament, welches dem Dom seinen sicheren Stand verleiht. Damit ist der Dom aber immer noch ein Leichtgewicht: Das Empire State Buidling in New York wiegt 365.000 Tonnen und die Cheops-Pyramide satte 6,5 Mio. Tonnen.



10 Milliarden Euro würde es kosten, den Dom heute noch einmal neu zu bauen. Und deshalb heißt es auch: „Mer losse d´r Dom in Kölle“.


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Die Siedlung Wilhelmsruh – sozialer Wohnungsbau im 19. Jahrhundert

Die Arbeitersiedlung "Wilhelmsruh", Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum
Die Arbeitersiedlung „Wilhelmsruh“, Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum

Es war eine echte Zeitenwende – und auch Köln sollte Ende des 19. Jahrhunderts in der modernen Zeit ankommen. Für die stark wachsende Zahl der Kölner Bürger wurde dringend Wohnraum benötigt – immerhin verdoppelte sich zwischen 1880 und 1890 die Einwohnerzahl Kölns von etwa 145.000 Menschen auf 282.000 Menschen.

Die enge, mittelalterlich geprägte Stadt musste also wachsen. Aber wie? Die massive Stadtmauer behinderte die Erweiterung der Stadt. Nach langen Verhandlungen mit der preußischen Regierung begann ab 1881 der Abriss der Befestigungen. Und es entstanden die Vororte und die klassischen Arbeitersiedlungen.

Früher wie heute: Knapper Wohnraum – hohe Preise

Wie sich die Zeiten gleichen: Wie auch heute war damals der Wohnraum in der Stadt knapp. Das betraf insbesondere die Menschen mit großen Familien und wenig Geld. Man lebte – nach heutigem Maßstab – viel zu beengt in völlig überfüllten Wohnungen. Bis zu sechs Personen pro Zimmer war die Normalität. In diesem Zimmer wurde gekocht, gegessen, sich gewaschen und geschlafen. Für uns heute undenkbar.

Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird.
Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal, dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird, Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Dies brachte Unternehmer dazu, für ihre Mitarbeiter besseren und preiswerten Wohnraum zu schaffen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die Arbeiter-Kolonie „Wilhelmsruh“ an der Bonner Straße. Der Name der Siedlung erinnert an den im Jahr des Baubeginns 1888 gestorbenen Kaiser Wilhelm I.

Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer
Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer

Das Kapital für den Bau der Siedlung stammt aus einer Stiftung von Prof. Dr. Gerhard vom Rath, dem Mitinhaber des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“. Dieses Unternehmen betrieb unter anderem Zuckerfabriken am Holzmarkt und in der Machabäerstraße im Kunibertsviertel. Vom Rath stiftete im Jahr 1888 einen großen Teil seines Vermögens zum Bau einer Arbeiter-Kolonie an der Bonner Straße, da seine Erben bereits verstorben waren. Insgesamt handelte es sich bei der Stiftung um 450.000 Mark. Ein stolzer Betrag. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiters lag bei etwa 660 Mark.

Eine schmucke Siedlung - die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full
Eine schmucke Siedlung – die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full

Gebaut wurden zweigeschossige Wohnungszeilen. Das gesamte Wohngebiet wurde mit breiten Wegen großzügig aufgeteilt, jedes Wohngebäude hatte zur Selbstversorgung einen Nutzgarten und Stallungen. In den Häusern aus rötlichen und gelben Ziegeln waren Vierzimmerwohnungen. Ursprünglich wurden auch noch eine Badeanstalt, ein Versammlungssaal, ein Lesezimmer und ein Kaufladen geplant, die allerdings nie realisiert wurden.

Der Grundsatz für die Miete der Wohnungen war, dass der Preis einer Wohnung in der Wilhelmsruh in etwa dem Preis einer Zweizimmerwohnung in der Stadt entsprechen sollte. Allerdings für eine Wohnung, die doppelt so groß war und zusätzlich über einen Keller, einen Speicher, den Garten und Stallungen verfügte.

Trotz dieser Annehmlichkeiten und dem fairen Mietpreis taten sich viele Arbeiter schwer damit, ihre geliebten Veedel, allen voran das Severinsviertel, in dem es alles gab, zu verlassen um „draußen auf das Land“ zu ziehen. Der Weg war tatsächlich weit, es gab zunächst auch keine Anbindung an die Straßenbahn. So wurden Pendelverkehre eingerichtet. Ein Arbeiter der Stollweck-Schokoladenfabrik berichtete „Wäge däm wigge Wäg leeten uns die Stollwercks noh der Arbeit fahre, die eeschte Johre met Päd und Wage, dann m´em Laßwage, wo Bänk drop stundte.“

Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Gleiche Herausforderungen wie vor 140 Jahren

Die Arbeiter-Kolonie der Wilhelmsruh war ein positives Beispiel für den sozialen Wohnungsbau. Die lockere, großzügige Bauweise beweist, so der Historiker Josef Rosenzweig „ … dass es auch damals anstatt enger und dunkler Mietskasernen schon helle und schmucke Sozialwohnungen gab“.

Und da Köln heute wieder vor der großen Herausforderung steht, erschwinglichen Wohnraum für alle zu schaffen, sollten sich die Verantwortlichen daran mal ein Beispiel nehmen und sich einfach mal die Siedlung Wilhelmsruh anschauen.


Die letzte Zuckerfabrik des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“ am Holzmarkt wurde 1912 geschlossen, die Stadt Köln übernahm die Stiftung und auch die Häuser der Wilhelmsruh. Ein Teil der Häuser wurde in den 1980ern zugunsten eines Altenheims abgebrochen, die übrigen Häuser (heute Bonner Straße 304 und 310) wurden saniert.


Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel
Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderberg

Die Siedlung Wilhelmsruh ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


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Das „Gangsterauto“ aus Köln: Die Citroën-Fertigung in Poll

Das Citroën-Werk in Köln Poll im Jahr 1930, Bild: Amicale Citroën Deutschland, www.amicale-citroen.de
Das Citroën-Werk in Köln Poll im Jahr 1930, Bild: Amicale Citroën Deutschland, www.amicale-citroen.de

Köln ist so vieles: Medienstadt, Karnevalshochburg, Domstadt, Kulturmetropole – und auch Autostadt. Direkt fällt den meisten Menschen Ford ein, immerhin ist der Sitz der Europa-Zentrale im Kölner Norden. Ein paar Motor-Sport-Enthusiasten wissen auch, dass Toyota die Abteilung „Motorsport“ in Marsdorf unterhält. Aber so gut wie unbekannt ist, dass zwischen 1927 und 1935 Citroën in Köln Autos produzierte – vier Jahre, bevor Ford hier mit der Produktion begann.

Ein Bierdeckel aus der Serie "Auto-Stadt Köln" der Reissdorf-Brauerei
Ein Bierdeckel aus der Serie „Auto-Stadt Köln“ der Reissdorf-Brauerei

Sitz der Fabrikation war Köln-Poll. Etwa 500 Mitarbeiter schraubten hier Autos zusammen. Der Standort war gut gewählt: Nah am Rhein, mit guter Anbindung an das Schienennetz und der Nähe zu Paris. Aber auch die „frankophile Freundlichkeit des Kölner Raums“ war ausschlaggebend, bestätigt der Automobil-Historiker Immo Mikloweit, der selbst jahrelang bei Citroën beschäftigt war, in einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers1Kölner-Stadt-Anzeiger vom 24./25.03.2016. Letztlich ausschlaggebend für den Bau des Firmensitzes in Deutschland waren aber wohl eher die hohen Zölle, die nach dem Krieg die deutsche Wirtschaft stärken sollte. Mit dem Bau der Wagen im Ausland umging Citroën diese hohen Importabgaben.

Der als „Gangsterlimousine“ bekannte Citroën Traction Avant wurde wegen seiner kölschen Herkunft auch "Poller" genannt, Bild: Franz-Josef Knöchel
Der als „Gangsterlimousine“ bekannte Citroën Traction Avant wurde wegen seiner kölschen Herkunft auch „Poller“ genannt, Bild: Franz-Josef Knöchel

Gangsterwagen aus Köln: Der „Poller“

Insgesamt wurden knapp 19.000 Citroën-Fahrzeuge in Poll gebaut, darunter auch der legendäre Citroën Traction Avant, auch als „Gangsterauto“ bekannt. Wegen seiner kölschen Herkunft wurde der Wagen auch „Poller“ genannt. Die Marke Citroën war in Deutschland beliebt, weil die Autos als zuverlässig und günstig galten. Außerdem, so Mikloweit im Kölner-Stadt-Anzeiger2Kölner-Stadt-Anzeiger vom 24./25.03.2016: „Die Franzosen waren in der technischen Entwicklung den deutschen Fahrzeugherstellern vor und nach dem Ersten Weltkrieg eindeutig überlegen.“

Auch das Modell Citroën B14 wurde in Köln-Poll gebaut, Bild: Arnaud 25 / Wikimedia Commons, gemeinfrei
Auch das Modell Citroën B14 wurde in Köln-Poll gebaut, Bild: Arnaud 25 via Wikimedia Commons

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschärfte sich das Klima zwischen Frankreich und Deutschland. Die Nazis drängten die Bevölkerung, nur deutsche Produkte zu kaufen. Citroën reagierte darauf, indem zunehmend Teile von deutschen Zulieferern eingesetzt wurden.

Produktionsstop im Jahr 1935

Mit der Auflösung des deutsch-französischen Handelsabkommens 1934 wurde es für das Kölner Werk aber immer schwieriger, dringend benötigte Teile aus Frankreich zu importieren. Zusätzlich traten bei der Konzernmutter in Frankreich  wirtschaftliche Probleme auf. So entschied man sich im Jahr 1935, die Kölner Produktion einzustellen.

Die Ära endete 1940 endgültig: Der deutsche Staat beschlagnahmte die Werkhallen, die bis dahin von Citroën noch als Reparaturwerkstatt genutzt wurden. Die Produktionshallen wurden von Klöckner-Humboldt-Deutz zur Produktion und Reparatur von kriegswichtigen Gütern wie z.B. Panzern benutzt.

Nach dem Krieg wurde die Beschlagnahmung aufgehoben, Citroën zeigte kein Interesse mehr am Wiederaufbau der deutschen Produktion. Das Werk in Poll war somit einzigartig: Die Episode in Köln von 1927 bis 1935 war die einzige Citroën-Produktion in Deutschland.

Und Köln darf sich mit dem Titel „Autostadt“ schmücken. Ob Wolfsburg oder Stuttgart jetzt neidisch sind?


Weitere Infos und Fotos zu der Produktionsstätte in Poll bietet auch das Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.


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Der „Rosa Winkel“: Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln

Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Franz-Josef Knöchel / LVR
Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Franz-Josef Knöchel / LVR

Regelmäßig besuche ich bei der Lotsentour Innenstadt mit meinen Gruppen auch das „Rosa Winkel Mahnmal“. Und immer wieder stelle ich fest, dass selbst Urkölsche dieses Denkmal nicht kennen – obwohl sie schon hundertmal daran vorbeigelaufen sind. Die Rede ist von dem „Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln“. Dabei steht dieses Denkmal an sehr prominenter Stelle: direkt am Rhein, fast unterhalb der Hohenzollernbrücke. Und trotzdem laufen alle daran vorbei. Und das bereits seit 1995. Damals wurde das Denkmal feierlich im Rahmen der Cologne Pride enthüllt. Aus heutiger Sicht erstaunlich: Der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger hatte bei der feierlichen Enthüllung des Mahnmals seinen ersten Auftritt im Rahmen eines CSD. Heute ist die Teilnahme an den Feierlichkeiten des CSD Pflichtprogramm für die Vertreter der Politik. So hat in diesem Jahr unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Regenbogen-Flagge enthüllt und die Parade eröffnet.

Streit um Aufstellungsort

Die Vorgeschichte des Denkmals beginnt bereits 1990. Die Initiative ging von Jörg Lenk, aktiv im Arbeitskreis Lesben und Schwule der Gewerkschaft ÖTV in Köln, aus. Drei Jahre später gab es eine Ausschreibung zur Gestaltung des Denkmals. Kritisch diskutiert wurde vor allem der sehr prominente Aufstellungsort. Dabei ist gerade dieser Platz für die homosexuellen Kölner von besonderer Bedeutung. Hier stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein Pissoir, welches zum beliebten Treffpunkt schwuler Männer wurde. Nach der Zerstörung des Pissoirs verlagerte sich die Szene in die (heute geschlossenen) Treppentürme der Hohenzollernbrücke. Nicht vergessen: Noch bis in das Jahr 1994 galt der „Schwulen-Paragraph 175“. Dieser Paragraph stellte homosexuelle Handlungen unter Strafe. Anonyme Treffpunkte für Schwule waren daher von besonderer Bedeutung.

Bereits 1922 veröffentlichte der Publizist Kurt Hiller unter dem Titel "Die Schmach des Jahrhunderts" eine Aufsatzsammlung gegen den Paragrafen 175
Bereits 1922 veröffentlichte der Publizist Kurt Hiller unter dem Titel „Die Schmach des Jahrhunderts“ eine Aufsatzsammlung gegen den Paragrafen 175

Paragraf 175 Strafgesetzbuches wurde bereits im Deutschen Kaiserreich eingeführt


Ein großes DANKE an Antonia Frinken. Sie hat sich mit der Geschichte des Paragraf 175 auseinandergesetzt und mir erlaubt, ihre Zusammenfassung hier zu veröffentlichen.


Der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches galt von 1871 bis 1994 und bezog sich auf sexuelle Handlungen zwischen Männern. Im Nationalsozialismus wurde er im Jahr 1935 verschärft: Waren bis dahin „beischlafähnliche Handlungen“ strafbar, so drohten nun Haftstrafen für das bloße Anschauen oder Berühren.

Während dieser Paragraf in der DDR zunächst auf unterschiedliche Weise ad acta gelegt wurde, bestand er in der Bundesrepublik bis zur ersten Reformierung 1969 in der Fassung von 1935 fort. Die Große Koalition unter Bundeskanzler Kiesinger hob das Totalverbot gleichgeschlechtlicher Handlungen zwischen Männern auf. Aber homosexuelle Prostitution und Ausnutzung von Dienstverhältnissen und Machtgefällen standen weiterhin unter Strafe. Das Schutzalter für homosexuelle Handlungen zwischen männlichen Personen lag zudem bei 21 Jahren und war somit höher als für heterosexuelle Handlungen.

Eine zweite, weitreichendere Reformierung des Paragrafen 175 erfolgte 1973 unter dem Kabinett Brandt II, die unter anderem die Absenkung des Schutzalters von 21 auf 18 Jahre beinhaltete. Erst 1994 wurde der Paragraf 175 ersatzlos gestrichen und das Schutzalter für homosexuelle und heterosexuelle Handlungen angeglichen.

2002 beschloss der Bundestag gegen Stimmen von CDU/CSU und FDP die Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile und damit auch die Rehabilitierung der zwischen 1935 und 1945 unter dem Paragrafen 175 Verurteilten. Nachfolgende Anträge zur Rehabilitation der Verurteilten nach 1945 wurden bis 2017 abgelehnt, als alle Verurteilten, deren Sexualpartner seinerzeit 16 Jahre oder älter waren, rehabilitiert wurden. Zahlreiche Opfer des Paragrafen 175 erlebten die Rehabilitationen von 2002 beziehungsweise 2017 jedoch nicht mehr mit.

Sexuelle Handlungen unter Frauen wurden unter dem Paragrafen 175 zu keiner Zeit verfolgt, waren aber gesellschaftlich stigmatisiert. Die lange Geschichte der Verfolgung sexueller Minderheiten zeigt die Wichtigkeit geheimer Treffpunkte zur Schaffung von Gemeinschaft auf.

Aus dem Lehrmaterial der SS: Übersicht der Kennzeichnungen für Häftlinge, Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0
Aus dem Lehrmaterial der SS: Übersicht der Kennzeichnungen für Häftlinge, Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0

Rosa Winkel kennzeichnete homosexuelle Männer im Konzentrationslager

Das Mahnmal ist dem „Rosa Winkel“ nachempfunden. In den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten musste jeder Häftling eine spezielle Kennung als Aufnäher an der Jacke oder Hemd tragen. Zwei gegenläufige Winkel, die den „Judenstern“ ergaben, kennzeichneten Juden. Ein roter Winkel stand für politische Gefangene. Einen lila Winkel mussten Zeugen Jehovas tragen. Weitere Aufnäher standen z.B. für Sinti und Roma oder  Berufsverbrecher. Der „Rosa Winkel“ war die Kennzeichnung homosexueller Männer.

  • Dieser „Rosa Winkel“ wurde später international zum Symbol der Homosexuellen. Heute hat allerdings die Regenbogenflagge eine wesentlich größere Popularität in der LGBT1Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender-Szene.
Der "Rosa Winkel", gehalten durch graue Keile, Bild: Franz-Josef Knöchel, LVR
Der „Rosa Winkel“, gehalten durch graue Keile, Bild: Franz-Josef Knöchel, LVR

Das Denkmal besteht aus diesem „Rosa Winkel“, welcher links und rechts von grauen Keilen gehalten wird. Der Künstler Achim Zinkann dazu:
„ … In der Skulptur entsteht eine Korrespondenz zwischen den Keilen. Druck, Gegendruck und Reibung sind Voraussetzungen für den Gesamtzusammenhalt. Wird einer der Keile entfernt, verliert mindestens ein anderer den Halt. Das Gefüge wird zerstört …“

Inschrift des Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Uli Kievernagel
Inschrift des Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Uli Kievernagel

Auf der Oberseite ist die Inschrift:

Totgeschlagen – Totgeschwiegen
Den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus

eingemeißelt. In den Konzentrationslagern des NS-Regimes wurden etwa 10.000 homosexuelle Männer inhaftiert und mehr als die Hälfte davon ermordet, schätzt der Soziologe Rüdiger Lautmann.

Wenn ihr demnächst in der Innenstadt unterwegs seid, nehmt euch die Zeit und schaut euch dieses Denkmal an. Leider stelle ich regelmäßig fest, dass sich der „Rosa Winkel“ nicht im besten Zustand befindet. Die Patenschaft hat der schwule Männerchor „Zauberflöten“ übertragen bekommen. Es wäre wünschenswert, wenn dort öfters mal jemand vorbeischaut und die Würde des Mahnmals sicherstellt.


Das Denkmal hat auch eine eigene Website mit weiteren Informationen. Außerdem gibt es noch ein Köln-Ding der Woche zum schwul-lesbischen Köln und der CSD-Parade.


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Der Williamsbau: Weil jet Spass brudnüdig es!

Plakette am ehemaligen Standort des Williamsbaus - mit einem kleinen Fehler: Der Abriss war erst 1956, Bild: Uli Kievernagel
Plakette am ehemaligen Standort des Williamsbaus – mit einem kleinen Fehler: Der Abriss war erst 1956, Bild: Uli Kievernagel

Köln 1947 – die Stadt liegt buchstäblich in Schutt und Asche. Ausgebombte Ruinen säumen die notdürftig freigeräumten Straßen. Mehr als 70% der Wohnungen sind zerstört, die Menschen leiden Hunger und frieren im bitterkalten Winter. Gleichzeitig sehnt man sich nach Normalität und nach einem Leben, welches mehr sein soll als nur das Überleben:
Weil jet Spass brudnüdig es!  

Elefantenmist im Tausch gegen Baumaterial

Dieser Spaß, welcher so nötig wie das Brot ist, findet der Kölner im Karneval. Bis zum ersten Zug dauert es noch, dieser geht erst im Jahr 1949 wieder durch die Domstadt. Gefeiert wurde aber schon vorher. Nicht im fast völlig zerstörten Gürzenich, welcher erst 1955 wiedereröffnet wurde, sondern bereits ab 1947 im Williamsbau. Dieser halbfeste Winterbau des Zirkus Williams stand an der Ecke Aachener Straße / Innere Kanalstraße, gegenüber dem Aachener Weiher. Der Bau dieses Veranstaltungshauses war in der Nachkriegszeit überhaupt erst durch die kreative Beschaffung von Baumaterial möglich. So tauschte der Zirkus den stark nachgefragten Dünger Elefantenmist gegen Baumaterial.

Fast 2.500 Besucher fanden in diesem größten Kölner Saal der Nachkriegszeit Platz und erlebten, wie alle Dreigestirne bis zum Jahr 1955 hier proklamiert wurden, wie der Boxer Peter Müller boxte oder Louis Armstrong ein umjubeltes Konzert gab.

Der FC kommt im Williamsbau zu seinem Maskottchen

Die Hausherrin Carola Williams war es übrigens, die im Februar 1950 dem damals noch jungen 1. FC Köln während einer Karnevalssitzung im Williamsbau als Scherz einen Geißbock überreichte. Hennes Weisweiler, damals Spielertrainer, und der Geißbock waren wohl beide von der Situation überfordert. Ob es stimmt, dass der aufgeregte Geißbock Weisweiler tatsächlich über die Schuhe pinkelte, ist umstritten. Fakt ist aber, dass der FC so zu einem Maskottchen und das Maskottchen zu seinem Namen „Hennes“ kam.

Zu Ehren der Hausherrin wurde der Weg im Inneren Grüngürtel in "Carola Williams-Park" umbenannt.
Zu Ehren der Hausherrin wurde der Weg im Inneren Grüngürtel in „Carola Williams-Park“ umbenannt.
Falsche Jahreszahl auf der Gedenkplatte

Mit dem Wiederaufbau der großen Veranstaltungssäle in der Stadt wurde das Provisorium Williamsbau zunehmend überflüssig und 1956 abgerissen. Heute erinnert nur noch eine Stele mit einer bronzenen Plakette daran, dass hier einst inmitten von Ruinen Karneval gefeiert wurde. Kurioses Detail: Erst die Recherchen von Reinold Louis und Wolfgang Oelsner deckten auf, dass die Plakette einen Fehler enthält – auf der Stele steht, dass der Williamsbau bereits 1955 abgerissen worden sei.


Reinhold Louis / Wolfgang Oelsner: Williamsbau, Erinnerungen an ein Zentrum Kölner Unterhaltungskultur, erschienen im Marzellen Verlag
Reinhold Louis / Wolfgang Oelsner: Williamsbau, Erinnerungen an ein Zentrum Kölner Unterhaltungskultur, erschienen im Marzellen Verlag

Das Buch „Williamsbau 1947-1956 – Erinnerung an ein Zentrum Kölner Unterhaltungskultur“ von Reinold Louis und Wolfgang Oelsner enthält viele Bilder und Anekdoten zu diesem in der Nachkriegszeit so wichtigen Veranstaltungsbau.


Eine anderer, geschichtsträchtiger Veranstaltungsbau in Köln ist Sporthalle. Und dann gibt es natürlich noch den Gürzenich.


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Der kölsche Knast Teil I: Weckschnapp – Folterstätte am Rhein

Die Weckschnapp am Rheinufer, Bild: Uli Kievernagel
Die Weckschnapp,, Bild: Uli Kievernagel

Die Weckschnapp ist eigentlich nur ein kleines Türmchen am Rhein, welches dem Abriss der Stadtbefestigung im Jahr 1891 nicht zum Opfer gefallen ist. Und gleichzeitig ist die Weckschnapp der Sage nach doch so viel mehr: Eine grausame Hinrichtungsstätte.

Doch der Reihe nach: Mit „Weck“ bezeichnet der Kölner ein (eigentlich süßes) Brot, „schnappen“ bedeutet fangen. Und das soll Folter sein? Aber ja! Gefangene wurden im oberen Stockwerk des Weckschnapps eingesperrt. Dieser Turm war direkt über dem Rhein gebaut. Selbstverständlich erhielt der Gefangene kein Essen. Von der Decke baumelt, in der Mitte des Türmchens an einen Strick befestigt, der besagte Weck. Wenn nun der Gefangene vor lauter Hunger nach diesem Weck „schnappt“, öffnet sich eine Falltür in der Mitte. Der Delinquent fällt durch Falltür direkt in einen Schacht. Dieser Schacht ist mit Messern bestückt, welche den hungrigen Gefangenen wird in feine Scheiben filetieren. Den Rest erledigt der Rhein. Nur ein einziger Gefangener soll es geschafft haben, der Weckschnapp lebend zu entkommen: Er war bereits durch die längere Haft so dünn, dass er einfach durch die Messer fiel, ohne von diesen berührt zu werden.

Der Kölner verwechselt Kunibertsturm und Kunibertstürmchen

Gruselige Geschichte – der Wahrheitsgehalt darf aber stark bezweifelt werden. Ganz sicher kann ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem heute als Weckschnapp bezeichneten Turm um diese Hinrichtungsstätte handelt. Denn: Dieser Turm liegt reichlich weit entfernt vom Rhein. Tatsächlich verwechselt der Kölner hier den 1891 abgerissene Kunibertsturm mit dem heute noch erhaltenen Kunibertstürmchen. Der Kunibertsturm war Teil der Kunibertstorburg. Zu diesem Ensemble gehörten auch ein in den Rhein hineinragender Teil, ein sogenannter „Ark“.

Gut zu erkennen: Das Tor, der Turm und der Ark der Kunibertstorburg
Gut zu erkennen: Das Tor, der Turm und der Ark der Kunibertstorburg

Wenn an der Sage vom Weckschnapp etwas dran sein sollte, dann kann es sich bei dem Turm mit der Falltür nur um diesen Ark gehandelt haben – der Rest der Kunibertstorburg und insbesondere das Kunibertstürmchen standen nicht im Rhein. Allerdings hat der Rhein – beim großen Hochwasser 1784 –  die gesamte Kunibertstorburg mitsamt Ark zerstört. Nur das Türmchen blieb übrig und so wurde die Sage vom Weckschnapp einfach darauf übertragen.

Heute ist das Kunibertstürmchen ein Wohnhaus. Mitsamt einem Anbau kann man hier auf ca. 160 Quadratmetern leben. Fast ganz ohne Ecken, dafür aber mit vielen Stufen: Vom Turm oben runter sind es satte 87. Ganz ohne Messer.


Weitere Infos und Fotos zum Weckschnapp bietet auch das Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.


Die Geschichte und Geschichten zum Kölschen Knast 


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Highland Cathedral – „Du bess die Stadt“ im Kölner Dom

Auszug aus dem Video "Highland Cathedral - eine Ode an den Dom", Quelle: www.koelner-dom.de
Auszug aus dem Video „Highland Cathedral – eine Ode an den Dom“, Quelle: www.koelner-dom.de

Nur ein kleines Mädchen mit einer Blockflöte. Ganz alleine im riesigen Kölner Dom. Und die Melodie kommt einem auf Anhieb bekannt vor. Leise singt man mit:

„Du bess die Stadt, op die mer all he stonn
Du häs et uns als Pänz schon aanjedonn
Du häs e herrlich Laache em Jeseech
Du bess die Frau, die Rotz un Wasser kriesch“

Dann stimmt die Orgel in die Melodie ein. Laut erklingen die Töne in der lichtdurchfluteten Kathedrale. Organist Winfried Bönig spielt an der großen Orgel und wir sehen den Dom aus bisher unbekannten Perspektiven. Ein sehr sehenswertes Video – nicht nur für Kölner.

Kein urkölsches Lied – aber auch kein urschottisches Lied

Die Kölschen kennen das Lied als „Du … bess die Stadt“ von den Bläck Föös. Die Kultband hat das Lied auf Kölsch gecovert. Im Original handelt es sich um „Highland Cathedral“ und wurde speziell für den Dudelsack komponiert. Und auch wenn selbst die Schotten glauben, dass es sich um ein uraltes schottisches Volkslied handelt, liegen diese falsch: „Highland Cathedral“ stammt aus den 1980ern und wurde von den beiden Deutschen Ulrich Roever und Michael Korb 1982 komponiert. Die Schotten sind so verrückt nach diesem Lied, dass es sogar schon als schottische Nationalhymne vorgeschlagen wurde.

Dudelsacklänge im Dom

Im Dom spielt die Orgel weiter majestätische Töne, für uns Kölsche klingt es nach

„Du bess die Stadt am Rhing, däm jraue Strom
Du bess verlieb en dinge staatse Dom“

Plötzlich erklingen dann auch Dudelsacktöne. Erstaunt schaut man sich um – doch es ist kein Dudelsackspieler zu sehen. Domorganist Winfried Bönig erklärt dies im Interview des Domradios so: „Es gibt bestimmte Orgelregister, die ähnlich gebaut sind wie der Dudelsack. Das sind alles Blasinstrumente: Egal, ob ich das jetzt mit dem Mund blase oder ob die Orgel das mit dem Blasebalg macht. Deswegen kann man das sehr gut imitieren.“

Die Kamera fährt vorbei am Richter-Fenster. Die Quadrate im Fenster werfen bunte Lichteffekte in den Dom.

„Du bess en Jungfrau un en ahle Möhn
Du bess uns Stadt un du bess einfach schön.“

Wer will da schon widersprechen?


Das kleine Mädchen mit der Blockflöte ist übrigens die Tochter von Domorganist Bönig. Das Video wurde am frühen Morgen gedreht, bevor der Dom für die täglich 20.000 – 30.000 Besucher geöffnet wird.


Highland Cathedral – fast 900 Versionen

Das vermeintlich urschottische Lied „Highland Cathedral“ hat es weit gebracht: Unter anderem wurde es gespielt, als am 30. Juni 1997 der letzte britische Gouverneur bei der Übergabe von Hongkong an die Volksrepublik China die britische Flagge einholen ließ. Die Pop-Sängerin Madonna heiratete im Jahr 2000 zu den Klängen dieses Lieds den Filmregisseur Guy Ritchie.

Die Website „Highland Cathedral – Das Original“ berichtet von insgesamt 882 Varianten dieses Songs. Eine sehr eindrucksvolle Variante spielt auch das „Orchester der Nationen“ auf der  Bremer Musikschau der Nationen.

Version des Trinidad and Tobago Defence Force Steel Orchestra

Das Trinidad and Tobago Defence Force Steel Orchestra spielt Highland Cathedral während des Crieff Highland Gathering 2023. Dieses fand am Sonntag, den 20. August 2023 im Market Park in Crieff, Perthshire, Schottland, statt.
Das Trinidad and Tobago Defence Force Steel Orchestra spielt Highland Cathedral während des Crieff Highland Gathering 2023. Dieses fand am Sonntag, den 20. August 2023 im Market Park in Crieff, Perthshire, Schottland, statt.

Eine ganz besondere Version des Titel wurde vom Trinidad and Tobago Defence Force Steel Orchestra eingespielt. Sensationelle Klänge, absolut hörenswert. 


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Mehr Informationen

Feierstunde im schottischen Parlament

Im Jahr 1999 wurde das schottische Parlament in Edinburgh eröffnet. Zur Feierstunde dieses Geburtstags am 28. September 2024 war auch der britische König Charles III mit seiner Gemahlin Camilla zu Gast. Anlässlich der Feier wurde auch „Highland Cathedral“ von Uli Roever/Michael Korb von dem Jugendorchester „Big Noise“ aufgeführt. Und dies rührte Camilla zu Tränen.


Highland Cathedral - in Köln als "Du bess die Stadt" bekannt
Highland Cathedral – in Köln als „Du bess die Stadt“ bekannt

Und jetzt noch eine beschwingte Toccata

Zum 40-jährigen Jubiläum der Komposition von „Highland Cathedral“ hat der Orgelvirtuose Hans-André Stamm eine beschwingte Toccata
erstellt. Hört mal in diese ganz besondere Version rein.
Ein großes DANKE an Michael Korb für diesen Hinweis.

Ich habe zu diesem Beitrag eine ganze Reihe positive Rückmeldungen bekommen. Dafür vielen Dank.

Ganz besonders habe ich mich über die Rückmeldung von Michael Korb, einem der beiden Komponisten von Highland Cathedral, gefreut. Er schreibt:
 
Sehr geehrter Herr Kievernagel!
Vor vier Tagen, am 1. Mai 2019, wurde das Video: Highland Cathedral – eine Ode an den Dom veröffentlicht. Erfreut von den enormen Resonanzen über unsere Komposition „Highland Cathedral“ mit dem neuen Orgelarrangement, hatte ich soeben Ihren tollen Beitrag gefunden. Über Ihren wirklich sorgfältig und gewissenhaft recherchierten Artikel hatte ich mich ganz besonders gefreut, da dies leider nicht mehr oft so selbstverständlich ist.
Mit herzlichen Dank und freundlichen Grüßen
Michael Korb

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Der Kölnisch-Wasser-Brunnen: Eau de Cologne für alle

Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse am Neumarkt, Bild: Uli Kievernagel

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Aktuell1Stand: Mai 2025 ist der Brunnen leider außer Betrieb. 
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Wer echtes Kölnisch Wasser will, muss dies bei 4711 in der Glockengasse teuer bezahlen. Oder man geht zur Kreissparkasse und bekommt es dort gratis – am Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse am Neumarkt.

Tatsächlich ist die Schalterhalle an sich schon sehenswert. Auf 1.800 Quadratmetern, das entspricht etwa der Fläche von drei Turnhallen, kann man dort seine Bankgeschäfte erledigen. Und direkt am Eingang plätschert der Kölnisch-Wasser-Brunnen.

Der Bienenkorb als Symbol der Sparsamkeit

Dabei handelt es eigentlich um den „Sparbrunnen“, welcher den Kreislauf des Geldes symbolisiert und einem Bienenkorb nachempfunden ist. Der Bienenkorb steht dabei als Sinnbild für Sparsamkeit und Fleiß. Im oberen Teil legen junge und alte Menschen ihr Geld in den Bienenkorb. Dieses Geld fließt dann in eine große Schale und wird dort gesammelt. Aus dieser Schale mit dem angesammelten Kapital wiederum werden Gewerbetreibende wie z.B. das Handwerk, die Landwirtschaft oder der Handel mit Darlehen versorgt. Diese Gewerbegruppen tragen – als Sockel – den Brunnen.

Hier fließt echt Kölnisch Wasser, Bild: Uli Kievernagel
Hier fließt echt Kölnisch Wasser, Bild: Uli Kievernagel
Edles 4711 für Kunden und Besucher

Ganz besonders sollte man allerdings den kleinen Fisch beachten, der in Richtung Schalterhalle schaut. Aus dessen Maul ragt ein kleines Rohr und aus diesem Rohr tropfte – zumindest bis zum Beginn der Corona-Pandemie – unaufhörlich Wasser. Hielt man die Hand direkt unter den Fisch, konnte man dieses auffangen.

Nach Auskunft von Johann Maria Farina, einem Nachfahren des berühmten Parfumeurs mit gleichem Namen, sprudelte bis in die Mitte der 1980er Jahre sogar das originale Eau de Cologne aus dem Hause Farina in diesem Brunnen. Ganz umsonst. Und das mitten in einer Bank. 

Su jet jitt et nur in Kölle.


Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Früher Eau de Cologne von Farina im Brunnen

Das Original Eau de Cologne ist übrigens nicht von 4711 sondern aus dem Hause Farina. Und der Farina-Chef Johann Maria Farina höchstpersönlich hat mir erzählt, dass früher  – bis etwa Mitte der 1980er Jahre – das originale Eau de Cologne aus dem Hause Farina in diesem Brunnen sprudelte.  


Der Brunnen ist während der Öffnungszeiten der Schalterhalle (Montag-Freitag 9.00 – 18.30 Uhr) frei zugängig.

Tatsächlich gibt es in der Schalterhalle noch mehr zu sehen: Die Köpfe von Tünnes und Schäl im Foyer, das Hänneschen-Fenster am Neumarkt und eine Ausstellung historischer Tresore und Zahlungsmittel. Außerdem ist in dem Gebäudekomplex auch das Käthe Kollwitz Museum der Kreissparkasse zu finden.


Brunnen in Köln
Brunnen in Köln

Neben dem 4711-Brunnen haben wir auch andere Brunnen in Köln:


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.


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Der Kalkberg – ein unkalkulierbares Risiko

Der Kalkberg im März 2016, Bild: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0
Der Kalkberg im März 2016, Bild: Raimond Spekking & Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0
+++ Update September 2020 +++
Die  Hubschrauberstation auf dem Kalkberg ist Geschichte

Gerade einmal 30 Millionen Euro lang hat es gedauert, bis die Stadt es geschnallt hat, dass ein Hubschrauberlandeplatz auf einem Wackelpudding-ähnlichem Gelände keine gute Idee ist.

Der Stadtrat hat im September 2020 entschieden, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.  Weitere Infos dazu gibt es auf der Website der Bürgerinitiative Kalkberg.   


Heute gibt es das Rezept, wie man ein städtebauliches Vorhaben so richtig gegen die Wand bzw. in den Matsch fährt. Man nehme

  • 10 Liter Wackelpudding und
  • eine mindestens 5kg schwere Hantel.

Den Wackelpudding kochen, abkühlen lassen und stürzen. Dann einfach die Hantel obendrauf platzieren und warten. Ihr fragt euch: Was soll das? Das hält doch keine fünf Minuten. Ganz richtig.

Nur die Kölner Stadtverwaltung glaubt, dass das halten könnte. Um das zu beweisen, hat die Stadtverwaltung das Experiment auch im ganz großen Stil nachgebaut. Und ist grandios gescheitert.

Eine Deponie voller chemischer Abfälle

Allerdings hat die Stadt nicht kostengünstig mit Wackelpudding experimentiert, sondern gleich mit einem großen Berg aus Industrieabfällen. Dieser Berg ist der Kalkberg, idyllisch an der Stadtautobahn gelegen und wird von den Menschen aus Kalk und Buchforst liebevoll „Monte Kalk“ genannt. Dabei handelt es sich um keinen natürlichen Berg sondern um eine Abfalldeponie der Chemischen Fabrik Kalk. Diese mittlerweile geschlossene Fabrik hat bis 1972 Abfälle aller Art so lange aufeinander geschüttet, bis der gut 30 Meter hohe Kalkberg entstanden ist. Was genau dabei alles verklappt wurde, kann niemand mehr sagen. Allerdings sind bereits Arsen, Blei und PCB nachgewiesen worden. Eine um das Jahr 2000 aufgetragene Lehmschicht sollte verhindern, dass diese Gifte durch den Regen ins Grundwasser  geschwemmt werden. Der Berg ist, insbesondere durch die bis zu 20 Meter dicken, weichen Kalkschichten, nicht besonders stabil und insbesondere für eine Bebauung vollkommen ungeeignet. Somit ist diese Altlast schon problematisch genug. Doch die Stadtverwaltung setzte – im wahrsten Sinne des Wortes – noch „einen drauf“: 2012 startete der Bau einer Flugbasis für Rettungshubschrauber direkt oben auf dem Kalkberg.

Unkalkulierbares Risiko

Und genau wie bei dem Wackelpudding-Experiment konnte das nicht funktionieren. Die Station, mit Landeplatz, Treibstofftanks und Sozialräumen, sackte ab. Der Stadtrat verfügte im Dezember 2015 einen sofortigen Baustopp und Sicherungsmaßnahmen. Eigentlich keine Überraschung, hatte doch Hans-Jochen Hemsing, Leiter des städtischen Rechnungsprüfungsamts, bereits im Oktober 2011 erklärt: „Das Risiko, welches mit dem Kauf auf Dauer übernommen wird, ist nicht sicher kalkulierbar.“ Wie recht er doch hatte. Während man im November 2011 noch von Kosten in Höhe von knapp 11 Mio. Euro ausgegangen war, wurden bis zum Baustopp bereits 15 Mio. Euro investiert. Die kurzfristigen Sicherungsmaßnahmen schlugen mit 1,5 Mio. Euro zu Buche. Jetzt erst wurde ein Gutachter engagiert, die tieferen Schichten des Kalkbergs zu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass der ganze Berg akut einsturzgefährdet war. Seitdem laufen Sanierungsmaßnahmen, die bislang weitere 17 Mio. Euro verschlungen haben und noch nicht abgeschlossen sind. Das ganze Projekt entwickelt sich zum Fass ohne Boden.

Die Hubschrauberlandestation 2015, mitten im Bau, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Die Hubschrauberlandestation 2015, mitten im Bau, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Der große Gewinner bei der ganzen Sache ist die GSE – Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Die hatte das Industriegelände samt Altlast Mitte der 90er Jahre von der BASF gekauft. Mit dem Verkauf an die Stadt war sie nun sämtliche Haftungsrisiken los.

Alternative Pläne für den Kalkberg

Die Bürgerinitiative Kalkberg setzt sich dafür ein, den Berg für die Bürger zu nutzen. In einem dicht besiedelten Umfeld könnte der Kalkberg als Aussichtspunkt und Grünfläche dienen. Boris Sieverts, Sprecher der Bürgerinitiative dazu: „Ein Ort mit Fernsicht zum Träumen, der Stadt entrückt und doch mittendrin. Ein Ort für alle, an dem vieles geht: Feiern, Tafeln und Spielen, Theater, Konzerte und Sommerkino.“ Die Notwendigkeit der Station für die Rettungshubschrauber bezweifelt Sieverts nicht. Doch dafür gäbe es unterschiedliche Alternativstandorte, wie z.B. die Parkdächer der Kölner Messe, den Köln-Bonner Flughafen oder den Sportflughafen Kurtekotten in Flittard.

Momentan herrscht weiter Baustopp am Kalkberg. Und in der Stadtverwaltung die geballte Ratlosigkeit, wie man mit diesem selbstverschuldeten Wackelpudding-Dilemma weiter umgehen soll. Umso mehr wünsche ich der Bürgerinitiative VIEL ERFOLG dabei, den Kalkberg einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.


Ein großes DANKE an Boris Sieverts, der mich bei diesem „Köln-Ding der Woche“ unterstützt hat.


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Silvesterfeuerwerk am Dom – FROHES NEUES JAHR!

Zugegeben – ich bin etwas neidisch: Mein Nachbar Thomas war pünktlich um 12 Uhr auf dem Vierungsturm des Doms – es gibt in Köln keinen besseren Platz, um das Feuerwerk zu sehen. Gleichzeitig bin ich ihm aber auch dankbar, dass er uns alle daran teilnehmen lässt.

Ich wünsche euch allen ein FROHES NEUES JAHR.

Uli