Er trifft dat kölsche Hätz: Willi Ostermann

Ostermann-Portrait, Detailansicht des Grabsteins, Bild: Elke Wetzig
Ostermann-Portrait, Detailansicht des Grabsteins auf Melaten, Bild: Elke Wetzig

Seine berühmtesten Liedzeilen hat Willi Ostermann nie selber live auf der Bühne gehört:

Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mir ston,
mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle jon.

Das Lied „Heimweh noh Kölle“ ist tatsächlich erst nach dem Tod des „musikalischen Gotts in Köln“, so der Kölner Stadthistoriker Michael-Euler Schmidt, uraufgeführt worden. Und zwar exakt am 10. August 1936. An diesem Tag ist Willi Ostermann beerdigt worden.

Geboren wurde Willi Ostermann am 1. Oktober 1876, auf der Schäl Sick, im damals noch eigenständigem Mülheim. Die Familie zog nach Deutz, wo der  „fussige“ (also rothaarige) Ostermann die Grundschule besuchte. Ostermann soll schon als Kind in der Schule alle Karnevalslieder auswendig gekannt und in herrlicher kölscher Mundart Gedichte verfasst haben. Er lernt in einer Deutzer Druckerei und arbeitet bis ca. 1930 dort. Parallel begann er, mit Gesang und Puppenspiel auf kleinen Bühnen in Köln und im Umland aufzutreten.

Kölsche Lieder für et Hätz. Hochdeutsche für den Geldbeutel

Die Arbeit in der Druckerei war für Ostermann zu langweilig. Viel lieber wollte er seinen Lebensunterhalt auf der Bühne verdienen. Der Durchbruch kam mit dem Lied „Däm Schmitz sing Frau es durchgebrannt.“ Die Geschichte vom verlassenen Ehemann war der Karnevalshit im Jahr 1907. Im nächsten Jahr legte er mit „Wä hätt dat vun d’r Tant gedaach!“ nach. Das damit verdiente Geld war oft auch schnell wieder weg: Ostermann hatte eine Schwäche für Glücksspiele und Pferdewetten. Daher schrieb er auch hochdeutsche „Rhein-Wein-Lieder“, wie zum Beispiel das „Rheinlandmädel“, „Einmal am Rhein“ oder „Rheinische Lieder, schöne Frau’n beim Wein“ die auch über die Grenzen Kölns erfolgreich waren und Geld in die Kasse brachten. Erstaunlich: Der erfolgreiche Komponist Ostermann konnte zeitlebens keine Noten lesen.  Er sang die Lieder ein, andere schrieben die Noten dazu.

Der Ostermann-Brunnen zeigt die Figuren aus dem Milieu: Die Tant, et Schmitze Billa oder et Stina, Bild: MiriJäm
Der Ostermann-Brunnen zeigt die Figuren aus dem Milieu: Die Tant, et Schmitze Billa un et Stina, Bild: MiriJäm
Nah dran „an dä kleine Lück“

Mit diesen Liedern traf er exakt den Nerv der Kölner zu Beginn der 1930er Jahre. Köln entwickelte sich zur Großstadt, alles veränderte sich. Die Kölner suchten nach ihrer Identität – und Ostermann lieferte die dazu passenden Texte:

Wat hät doch Köln sing Eigenart verlore,
wie wor dat Levven he am Rhing su nett.
Mer es sich selver nit mie rääch em klore,
Ov mer ´ne Fimmel oder keinen hät.
Dä fremde Krom, et es doch zo bedoore.
Als ahle Kölsche schöddelt mer d´r Kopp.
Deiht mer sich bloß die Dänz vun hück beloore,
stüß einem jedesmol de Heimat op.

Und auch seine treffende Beschreibung des Millieus, der einfachen Menschen, war punktgenau. Immer mit einem Augenzwinkern und nie böswillig hat Ostermann menschliche Schwächen besungen. Egal, ob es um et „Et Schmitze Billa“ ging, die unverhofft zu Geld kommt und sich in einer Bonner Nobelgegend eine Villa kauft, aber trotzdem nie ihre proletarische Herkunft ablegen kann. Oder um die „verstoppte Pief“ bei Palms, die die ganze Bude verqualmt.

Dass gerade die Familie Palm eine große Rolle in seinen Liedern spielte, ist kein Zufall. Seine zweite Ehefrau, nach einer ersten, gescheiterten, Ehe war Käte Palm. Ihre Mutter war übrigens außer sich, dass ihr Schwiegersohn ausgerechnet deren Familiennamen „Palm“ verwendete, er möge die Familie im Lied doch einfach „Halm“ nennen . Doch Ostermann war davon nicht abzubringen. Und der Erfolg gab ihm Recht.

Die größte Beerdigung Kölns

Bei einem Gastspiel in Bad Neuenahr im Juli 1936 brach Ostermann zusammen. Er wurde im Krankenhaus behandelt, nach offizieller Aussage am Magen. Der kölsche Klatsch und Tratsch kolportierte aber, dass er an einer Leberzirrhose aufgrund seines übermäßigen Alkoholgenusses litt. Am 6. August 1936 starb der Komponist, vier Tage später stand das Leben in Köln still: Die bis dato größte Beerdigung in Kölns zog bis zu 35.000 Menschen an.

Auf Melaten, am offenen Grab Ostermanns, erklingt dann zum ersten Mal „Heimweh noh Kölle“. Ein Freund hatte das Lied vollendet:

Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mir ston,
mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle jon.

Die kölsche Hymne. Von einem großen Komponisten, der keine Noten lesen konnte.


Der WDR hat zum 75. Todestag Ostermanns ein „Zeitzeichen“ veröffentlicht. Besonders schön: Im herrlichen Kölsch mit Knubbeln spricht seine Witwe Käte über ihren Mann.


Es gibt tatsächlich einen Willi-Ostermann-Wanderweg: Von seinem Geburtshaus in Mülheim geht es über Deutz und die Innenstadt bis zu seinem Grab auf Melaten. Bitte Zeit mitbringen, der Weg geht insgesamt über 12 Kilometer. Wer es kompakter mag sollte auf meine Lotsen-Tour Innenstadt mitkommen, dort begegnen wir auch seinen Liedern und den besungen Figuren.


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Drei wichtige Imis für Kölle: Caspar, Melchior und Balthasar

El Greco: Die Anbetung der Könige, 1568 (Museo Soumaya, Mexiko-Stadt)
El Greco: Die Anbetung der Könige, 1568 (Museo Soumaya, Mexiko-Stadt)

Heute, um 9.35 Uhr, ist es wieder soweit. Der tiefe, durchdringende Ton des „Decke Pitter“ ist in fast ganz Kölle zu hören. Die größte Glocke des Doms schlägt zur Ehre von drei ganz prominenten Imis: Den „Heiligen Drei Könige“.

Bereits 1164 wurden diese drei ganz besonderen Heiligen von den Kölschen vereinnahmt. Kaiser Barbarossa hatte als Kriegsbeute aus Mailand die Gebeine von Caspar, Melchior und Balthasar seinem Kanzler Rainald von Dassel geschenkt. Wie gut, dass dieser findige Mann auch gleichzeitig Erzbischof von Köln war und diese Chance sofort ergriff. Er überführte die Gebeine der Heiligen Drei Könige in das „Hillige Kölle“. Und viele Pilger wollten zu diesen bedeutenden Reliquien. Mit den Pilgern stieg die Bedeutung Kölns. Und es kam reichlich Geld in die Stadt. Merke: Reliquien bringen Pilger – Pilger bringen Geld.

Der Ansturm auf die Heiligen Drei Könige war so gewaltig, dass der alte, karolingische Dom dem Andrang nicht mehr gerecht wurde und den Ansprüchen des Erzbischofs nicht mehr genügte. So wurde mit dem Bau eines neuen, gotischen Doms begonnen. So sind also Caspar, Melchior und Balthasar unmittelbar für das wichtigste kölsche Bauwerk verantwortlich.

Eigentlich „magoi“ – Magier

Die Gebeine der Heiligen Drei Könige sind ganz besondere Reliquien, weil diese nach der biblischen Überlieferung Jesus tatsächlich persönlich gesehen haben. Tatsächlich werden diese im Matthäusevangelium nicht als Könige sondern als „magoi“ bezeichnet. Damit sind Weise, Magier, Gelehrte oder auch Sterndeuter gemeint. Erst viel später, um das Jahr 300, werden diese Männer als Könige bezeichnet. Die Geschenke für das Jesuskind sind voller Symbolik: Gold besaßen damals nur Könige, somit wurde Jesus in den Rang eines Königs erhoben. Myrrhe ist eine Heilpflanze, damit soll Jesus vor Krankheiten geschützt werden und der heute noch in der Liturgie verwendete Weihrauch ist ein Symbol für die Verbindung der Menschen mit Gott. Die Heiligen Drei Könige erkennen damit Jesus als Gottes Sohn an.

Hohe politische Bedeutung

Diese Reliquien waren für die Menschen so etwas wie „ein Stück Himmel zum Anfassen“ und gleichzeitig die Vorbilder aller Könige. Damit gewann Köln auch massiv an politischer Bedeutung. So war es üblich, dass die deutschen Könige zwar in Aachen gekrönt wurden, dann aber sofort nach Köln zu den Gebeinen der drei Könige pilgerten. Und da ein König regelmäßig mit großem Gefolge reist, kamen nicht nur mehr Menschen in die Stadt sondern auch reichlich Geld. Für die Kölschen eine wunderbare Verbindung von Religion und Geldbörse.

Der Dreikönigschrein im Kölner Dom, Bild: Beckstet, Wikimedia Commons
Der Dreikönigschrein im Kölner Dom, Bild: Beckstet, Wikimedia Commons

Selbstverständlich müssen diese Reliquien auch in einer angemessenen Ruhestätte aufbewahrt werden: Im Dreikönigenschrein. Dieser Schrein wurde, nach mehrjähriger Bauzeit, im Jahr 1225 von Nikolaus von Verdun hergestellt und ist das künstlerisch anspruchsvollste Reliquiar, welches noch aus dem Mittelalter erhalten ist. Die Frage nach der Authentizität der Knochen kommt laut dem Kölner Kunsthistoriker Helmut Fußbroich immer wieder.  „Aber da kann man,“, so Fußbroich im Deutschlandfunk „ohne rot zu werden, sagen, nä, die können nicht echt sein, weil es sich eben um eine Geschichte handelt, die keine Historie erzählen will.“ Tatsächlich hatte sich bei einer Öffnung des Schreins zur 700 Jahr-Feier im Jahr 1864 gezeigt, dass in dem Schrein die Knochen von mindestens drei verschiedenen Männern gefunden wurden. Gleichzeitig aber auch viele weitere Knochen, unter anderem die Knochen eines Kleinkinds.

Besucht die Drei Heiligen Könige – oder lasst euch von Ihnen besuchen

Ihr könnt die Heiligen Drei Könige im Dom besuchen, der Schrein steht im Chor und kann während der Öffnungszeiten, geschützt durch Panzerglas, bewundert werden. Und in den nächsten Tagen kommen Caspar, Melchior und Balthasar auch zu euch: Um euer Haus zu mit dem Kürzel „CMB“ (Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus) zu segnen und Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln, dieses Jahr für Kinder mit Behinderung in Peru. Gebt reichlich.


Der Vierungsturm des Kölner Doms mit dem goldenen Stern von Betlehem, Photo by CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0
Der Vierungsturm des Kölner Doms mit dem goldenen Stern von Betlehem, Photo by CEphoto, Uwe Aranas / CC-BY-SA-3.0

Wenn ihr demnächst in der Stadt unterwegs seid, schaut euch mal genau den „dritten Turm“ des Doms an: Auf der Spitze der Vierungsturms ist kein Kreuz sondern der Stern von Betlehem zu sehen, dem die Heiligen Drei Könige gefolgt sind. Damit wird der Dom als „Heimat der Heiligen Könige“ gekennzeichnet.


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Hans Knipp: Kölns bekanntester Unbekannter

Hans Knipp, Bild: Musikverlage Hans Gerig KG
Hans Knipp, Bild: Musikverlage Hans Gerig KG

Willi Ostermann, Jupp Schmitz, Karl Berbuer – jedes Schulkind in Köln kennt die Namen dieser kölschen Mundartdichter. Den Namen von Hans Knipp kennen die wenigsten – er ist, so Rolf Dieter Glave, „Kölns bekanntester Unbekannter“. Knipp ist heute, am 2. Dezember, vor sieben Jahren gestorben.

Seine Lieder hingegen sind kölsche Welthits: „Der Stammbaum“, „Mer losse d’r Dom en Kölle“, „Buuredanz“, „Dat Wasser vun Kölle“ oder „Ming eetste Fründin„. Spielt man – nicht nur an Karneval! – in einer kölschen Kneipe die ersten drei Takte an, braucht keiner mehr ein Textheft.

Insgesamt hat Knipp 870 Lieder geschrieben, und das nicht nur für die Bläck Föös. „Ich han de Musik bestellt„, „Buenos Dias Matthias“ oder „Heimat es“ sind Hits von Knipp für die Paveier.

Ein sensibler und feinfühliger Mensch 

Der Autodidakt hat nach eigenem Bekunden, „nix Richtiges gelernt“. Ohne Schulabschluss verließ der 1946 geborene Hans Knipp das Kölner Humboldt-Gymnasium. Knipp verdiente sich ein paar Mark durch Gelegenheitsjobs. Unter anderem war er Auslieferungsfahrer und belieferte vorrangig Büdchen mit Spirituosen und Zigaretten„Wenn man da fünf Minuten zu spät gekommen ist, wurde man fertig gemacht.“ so Knipp in einem seiner seltenen Interviews. „Ich bin dabei sensibler und feinfühliger geworden und ich habe genauer hingeguckt und hingehört“. Später haben diese Erfahrungen seine Lieder geprägt.

Das Geld war knapp. Knipp stand – nach eigenen Worten – mit dem Rücken an der Wand, als er sich als Texter und Komponist versuchte. Mit geliehenem Geld kaufte er sich Ende der 60er Jahre ein Tonbandgerät und versuchte, seine Kompositionen bei verschiedenen Musikverlagen unterzubringen. Sein erster Erfolg war 1969/70  Mer schenken dä Ahl e paar Blömcher“, gesungen von Lotti Krekel. Direkt danach folgte „Ne Besuch em Zoo“ – mit über 100.000 verkauften Exemplaren in drei Monaten ein absoluter Verkaufserfolg.

Lieder sind die Verkörperung der kölschen Seele

Die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Föös bescherte uns seine bekanntesten Kompositionen. Reich geworden ist Knipp, der sich am liebsten im Hintergrund aufhielt, allerdings nie. Als er heute vor sieben Jahren, am 2. Dezember 2011 in Altenkirchen starb, schrieb der damalige Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters in seinem Kondolenzbrief „Hans Knipp hat seit den 70er Jahren rund 870 Lieder geschrieben. Dies ist eine großartige Lebensleistung und diese Lieder waren noch mehr: sie sind die Verkörperung der Kölschen Siel, der Identität und des spezifischen Kölschen Gefühls. (…) Mit seinen Texten hat er Stadtgeschichten geschrieben, die die Kölner tief ins Herz treffen.“

Knipp selber war, was die Wirkung seiner Musik ausmacht, bescheidener:  „Et sin letztes Endes uch nur „Leeder“. Davon stirbt keiner oder davon wird keiner besonders glücklich. Et sin drei Minuten, wo die Leute ihre Scheiss-Situation mal vergessen und dann is et ja och okay.“

Hans Knipp wurde im Ruhewald Steimel beigesetzt.


Eines seiner wenigen Interviews hat Hans Knipp etwa ein Jahr vor seinem Tod dem WDR in der Sendung „Erlebte Geschichten“ gegeben.


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Der Lommi – die „Kölscheste aller Kölsch-Kneipen“

Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Superbass
Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Superbass

Es gibt unzählige Anekdoten über diese Kneipe. Bernd Imgrund bezeichnet sie völlig zu Recht als „kölscheste aller Kölsch-Kneipen“. Die Geschichten um Bill Clinton, bezahlte Ansteher, die dicksten Koteletts, Telefonbücher als Sitzpolster und natürlich den Wirt Hans Lommerzheim sind legendär und wahr.

Dabei geht es ja „nur“ um eine Kneipe in Deutz. Aber was für ein Laden. Vollkommen aus der Zeit gefallen – und mit einem damals unfassbaren „Renovierungsstau“- manch einer sprach auch von einer überfälligen Totalsanierung. Und gleichzeitig war der „Lommi“ auch Kultkneipe. Passt das zusammen? Ja – und wie!

Kneipe ohne Schnickschnack

Eigentlich war das Lommerzheim, von den Kölnern liebevoll „Lommi“ genannt, nur eine recht kleine Gaststätte in der Siegesstraße in Deutz, hinter der Jugendherberge, nicht weit weg vom Deutzer Bahnhof. Bewirtschaftet wurde der Laden von Hans und Annemie Lommerzheim. Eine Kneipe ohne Schnickschnack. So suchte man dort vergeblich einen Fernseher, anscheinend heute Standardausstattung jeder Kneipe. Selbstverständlich gab es auch keine Musik im Hintergrund. Spielautomaten hätten in diese Laden so gut reingepasst wie Anstand beim FC Bayern München. Auch ein Zigarettenautomat war für den Wirt überflüssig, ebenso wie eine Kasse. Hans Lommerzheim rechnete die Deckel im Kopf aus. Flott und zuverlässig. Die Farbe der sich von der Wand ablösenden Tapete konnte man nur noch erahnen, sie changierte zwischen braun und dunkelbraun, jahrzehntelang gefärbt durch den Zigarettenrauch der Gäste.

Und dann gab es die legendären Koteletts: Dick wie eine Bibel, jedoch immer durch und saftig. Dazu Päffgen-Kölsch, wenn man es denn bekam. Denn der größte Fehler, war es, Hans Lommerzheim anzusprechen und zu bestellen. Dann wurde man konsequent ignoriert. Der Wirt brachte das Kölsch dann an den Tisch, wenn er es für richtig hielt.

Kult-Lokal, dank Empfehlungen in den Reiseführern

Nach einem Bericht in der Stadtrevue wurde der Lommi in verschiedenen Reiseführern als Geheimtipp gehandelt. Und so strömten neben den Kölnern auch Touristen und Messegäste aus aller Welt in diesen Laden. Lange Schlangen vor der Tür waren der Normalfall, bereits vor der Eröffnung. Und es ist tatsächlich wahr, dass Studenten als Ansteher und Platzhalter für später ankommende Gäste bezahlt wurden. Gerne mit Kölsch. Wenn dann allabendlich der Platz knapp wurde, ging Hans Lommerzheim in den Hof, holte ein paar leere Wasserkisten. Zusammen mit einem Telefonbuch als Polster dienten diese umgedreht als zusätzliche Sitzgelegenheit.

Ende 2004 war dann Schluß beim Lommi. Aus gesundheitlichen Gründen musste Hans Lommerzheim sein Lokal schließen, im Juni 2005 verstarb er im Alter von 75 Jahren. Die Päffgen-Brauerei kaufte das Haus mitsamt Inventar von der Witwe. Nach einer tatsächlich behutsamen Renovierung mit Erweiterung wurde das „Lommi“ 2008 wiedereröffnet. Ein Besuch lohnt sich!

Und wie war das mit Bill Clinton? Der amerikanische Präsident war 1999 beim Weltwirtschaftsgipfel zu Besuch in Köln und wollte unbedingt eine echte Kölsch-Kneipe besuchen – eben das Lommi. Allerdings sollte das Haus an dem Tag aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Lommerzheim lehnte mit den Worten ,Nä, dat jeiht nit!“ ab – denn dann würden die Stammgäste ja vor verschlossenen Toren stehen. So landete Clinton schließlich (ganz spontan – wer es glaubt) in der Malzmühle am Heumarkt.


Die Band Miljö hat der „kölschesten aller kölschen Kneipen“ mit dem Song Sulang beim Lommi die Leechter noch brenne … ein musikalisches Denkmal gesetzt.


Der Lommi-Brunnen zeigt Hans Lommerzheim bei der Arbeit, Bild: Willy Horsch
Der Lommi-Brunnen zeigt Hans Lommerzheim bei der Arbeit, Bild: Willy Horsch

An Hans Lommerzheim erinnert heute der in der Nähe der Gaststätte verlaufende Hans-Lommerzheim-Weg und der Lommi-Brunnen, zu finden im Biergarten des Lommerzheims.


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Dreimol Null es Null, bliev Null: Der Lehrer Welsch

Der Lehrermangel in Deutschland ist gravierend. Bis 2028 fehlen in NRW etwa 15.000 Lehrkräfte für alle Schulformen außer den Gymnasien. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer betont: „Auf jeden Lehrer kommt es an.“

In Kölle kommt es natürlich auf einen ganz bestimmten Lehrer an: Der Lehrer Welsch. Jedes kölsche Schulkind kennt diesen Text:
„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull,
un do hammer dren studeet.
Unser Lehrer, dä hieß Welsch,
sproch en unverfälschtes Kölsch ...
… Dreimol Null es Null, bliev Null,
denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“

Bei dem von den „Drei Laachduve“ aus der Session 1938/39 besungenen Lehrer handelt es sich um Heinrich Welsch, und genau dieser Lehrer Welsch hat tatsächlich ein musikalisches Denkmal verdient. Allerdings war Welsch nie in der Kaygasse tätig, sondern leitete im rechtsrheinischen Kalk eine Sonderschule für Kinder, die einer besonderen Fürsorge bedurften. Man kann davon ausgehen, dass die „Drei Laachduve“ Welsch wegen des Reims in die Kaygasse versetzt haben, denn die ursprüngliche Schule lag in der Hollweghstraße . Das hätte doch das Reimschema arg strapaziert.

Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Welsch – ein Pädagoge mit Herz

Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf, heute ein Ortsteil von Wachtberg, geboren. Er war ausgebildeter Lehrer mit einem Examen des Königlich Preußischen Lehrerseminars in Brühl. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem in Worringen und Sülz, kam er 1881, mitten in der industriellen Revolution, nach Kalk. Erschreckt über die Verhältnisse in der Arbeiterschaft erkannte Welsch sehr schnell, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Erfolg seiner Schüler war. Im Jahr 1905 gründete er die „Hilfsschule“ in Kalk. Der Lehrer Welsch kümmerte sich rührend um seine Schüler – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Rohrstock noch als pädagogisches Mittel galt. So brachte er zum Beispiel Mädchen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft verstoßen wurden, wieder zurück zu ihren Familien.

Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin
Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin

Zu seinen Bemühungen um die Bildung gehört auch, dass Welsch 1884 mit 1.700 von ansässigen Betrieben gespendeten Büchern die erste Volksbibliothek in Kalk gründete. Heinrich Welsch schied im Jahr 1914 aus dem Schuldienst aus und verstarb 1935. Sein Grab auf der dem Friedhof in Kalk ist ein Ehrengrab, die Stadt Köln kümmert sich um die Grabpflege.

Lehrer-Welsch-Preis

Neben dem bekannten Lied lebt Heinrich Welsch aber auch im Lehrer-Welsch-Sprachpreis weiter. Die Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verleiht diesen seit 2004 an Personen oder Institutionen, die sich um die Hochsprache und den Erhalt der kölschen Sprache verdient gemacht haben.  Der Sänger Ludwig Sebus, selbst Preisträger im Jahr 2008, dazu im Kölner-Stadt-Anzeiger „Das Vermächtnis des legendären Lehrers Welsch ist doch viel mehr als Drei mal Null. Er verkörperte die kölsche Seele. Als Lehrer hat er alle Menschen gleich gesehen und gleich behandelt.“.  Erster Preisträger war Alexander von Chiari der im Motto des Rosenmontagszugs 2005 das Wort „Kids“ durch „Pänz“ ersetzte. Weitere Preisträger waren unter anderem „Die Sendung mit der Maus“ oder die Wise Guys.


Zwar stammt das Lied von der „steinahl Schull“ im Original von den  „Drei Laachduve“, allerdings ist die überarbeitete Version der „Vier Botze“ die heimliche Hymne Kölns.


Ich widme dieses „Köln-Ding der Woche“ ausdrücklich meinem Vater Peter Kievernagel, ebenfalls Lehrer. Seine Schüler sprachen von ihm als „Papa gnädig“, weil er bei Prüfungen auch schon mal gerne ein Auge zudrückte. Ganz in der Tradition von Heinrich Welsch.


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„Taffy“ – Wolfgang Graf Berghe von Trips

Das Köln-Ding der Woche kommt heute von einem prominenten Gast-Autor: Der Kölner Künstler Cornel Wachter. Cornel hat bereits in meiner Reihe „Ein paar Fragen …“ Rede und Antwort gestanden.

Für dieses Köln-Ding der Woche hat er über den Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips geschrieben. Sein voller Name lautet Wolfgang Alexander Albert Eduard Maximilian Reichsgraf Berghe von Trips, sein Spitzname war „Taffy“. Er wurde am 4. Mai 1928 in Köln geboren und starb am 10. September 1961 in Monza. Morgen jährt sich der Todestag des sympathischen Rennfahrers zum 57. Mal.

Wolfgang von Trips (Bildmitte) im Jahr 1957, Bild: Carlos Alberto Navarro
Wolfgang von Trips (Bildmitte) im Jahr 1957, Bild: Carlos Alberto Navarro

Wolfgang Graf Berghe von Trips
von Cornel Wachter

Mein Vater versuchte einst, Graf Berghe von Trips das Rennen ausreden zu lassen – wie wir wissen gelang es nicht und der Rennfahrer starb 1961 in Monza in Ausübung seiner Profession – und er wäre wohl eh gestorben, denn eine absurde Schicksalsvolte ist es, dass von Trips den 10. September 1961 wohl ohnehin nicht überlebt hätte. Seinen Eltern zuliebe hatte er eine Ausbildung zum Diplom-Landwirt gemacht und wollte später am Tag zu einer Agrarausstellung nach Chicago fliegen. Das Flugzeug stürzte ab, es gab keine Überlebenden.

Der Graf aus Kerpen hatte Wirkung auf die Menschen seiner Zeit, er stand für das neue weltoffene Deutschland, bereiste die Welt, hatte internationale  Freunde auf und neben den Rennstrecken dieser Welt, war an der Technik interessiert, beherrschte diese und ließ Frauenherzen höher schlagen, er sah verdammt gut aus und hatte immer ein Lächeln für alle. Englische Fans gaben ihm den Spitznamen „Taffy“.

Mein Vater, Oberarzt im Klösterchen, dem Krankenhaus der Augustinerinnen erinnerte sich daran, daß Wolfgang Graf Berghe zu Trips mit Meniskusproblemen im Krankenhaus lag und ein schönes Mädchen nach der Anderen sich die Klinke in die Hand gab. So auch die beiden Töchter Sieger aus Zülpich, die Töchter der Brennerei Sieger. Beide suchten wohl eine entsprechende „gute Partie“, wie es früher hieß. Mein Vater stellte sich den beiden Damen Sieger mit „WACHTER VON WILHELMSHÖHE“ vor. Vater war Bauer auf der Wilhelmshöhe bei Waldbröhl gewesen, bevor er Arzt wurde, dort nannte man die Söhne des Bauerns Andreas Wachter nur die „Wachters von Wilhelmshöhe“. Das machte „baff“ bei den Damen Sieger, sie zeigten sich erfreut, weiteres „blaues Blut“ anzutreffen und ließen sich von meinem Vater nur zu gerne einspannen. Er bat sie, dem Grafen den Rennsport auszureden. Am Tag vorher sei die Mutter des Grafen mit Tränen in den Augen bei ihm im Sprechstundenzimmer gewesen und hatte ihn um diese Empfehlung für ihren Runden rasenden Sohn gebeten. Vater dachte, der Graf werde wohl vielleicht auf die jungen Damen hören – Wolfgang Graf Berghe von Trips tat es nicht und fand sein Ende im Jahr 1961.

Meine Freundin Agathe Hartfeld, Trude Herrs Schwester, besuchte die Beerdigung des Grafen und kaufte sich extra neue Schuhe mit hohem Absatz. „Ich wollte dem Grafen doch gefallen“ – sie hat die Schuhe nie wieder getragen aber auch nie weggeworfen. Der Graf hatte noch Wirkung über seinen Tod hinaus, bis heute.


Die Zeitschrift „Auto-Motor-Sport“ hat unter dem Titel „Tod eines Gentleman“ einen lesenswerten Artikel über „Taffy“ und sein letztes Rennen in Monza veröffentlicht.


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Ein paar Fragen an Cornel Wachter – 56 Jahre im Schatten der Ülepooz

 

Cornel Wachter, Künstler, bekennender Kölner und Fortuna-Fan, Bild: Cornel Wachter
Cornel Wachter, Künstler, bekennender Kölner und Fortuna-Fan, Bild: Cornel Wachter

Heute habe ich die Freude und Ehre, euch einen prominenten Kölner vorstellen zu dürfen: Cornel Wachter. Cornel ist als Künstler in vielen unterschiedlichen Kunstrichtungen unterwegs. Das Top-Magazin bezeichnet ihn als „Stilpluralisten“ . Was ihn besonders auszeichnet ist seine enge Verbundenheit zu Köln. Und Cornel und ich haben auch noch etwas gemeinsam: Unsere Liebe für die Fortuna aus der Südstadt.

Warum lebst du in Köln?

Die Kölner Ulrepforte, eines der erhaltenen Stadttore in Köln, wird von den Kölner "Ülepooz" genannt. Bild: Hans Peter Schaefer
Die Kölner Ulrepforte, eines der erhaltenen Stadttore in Köln, wird von den Kölner „Ülepooz“ genannt. Bild: Hans Peter Schaefer

Hier 1961 im Vringsklösterchen geboren und dort in der Kapelle getauft und wollte nie aus meinen 5 Straßen drumherum weg. Ich lebe nun seit 56 Jahren im gleich Haus neben der Ülepooz, da zieht man nicht mehr um, ne ahle Baum……

 

 

 

 

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?
Teilen können, um das Glück zu verdoppeln.

Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?
Kostenloses Bus- und Bahnfahren würde ich einführen.

Wenn nicht Köln wo sonst könntest du leben? Und warum gerade dort?In Weimar oder doch lieber Punta Braccetto auf Sicilia wegen der lieben Leute und deren wunderbar schmeckenden Tomaten, runden Auberginen, Fischen, und Weinen dort. Und wegen des Klimas.

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst?
Hartmut Priess, mein bester Freund und Pate meines Julius.

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?
Daheim.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?
Karneval feiern, aber die Zeitspanne ist mir zu lang, 6 x 24 h, das kann ich beim besten Willen nicht beantworten und auch nicht immer erinnern, was zu jeder Stunden passierte.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?
Noch länger, noch unmöglicher zu beantworten.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?
„Et“

Wenn ich 10.000 Euro für etwas spenden würde, ginge mein Geld an….
Aktuell an den Vringstreff e.V., da die Diakonie bis Aug. 2019 jede Spende unter dem Motto „Weichen stellen“ verdoppelt.

Wodrüber laachs de dich kapott?
Hans Süper, mit dem ich heute Abend im „Sölzer Klaaf“, seiner Stammkneipe sitzen werde.

Dein Lieblingskölsch?
Muss ich geheim halten, sonst ist manch einer auf dem nächsten „Kölsch Konvent“ sauer auf mich.

Dein kölsches Lieblingsessen?
Himmel un Äad

Dein Lieblingsveedel?
Meine Straße. Ich komm einfach nicht weiter.

Nenne einen Grund, warum man Köln morgen verlassen sollte.
So ein Quatsch, diese Frage muss unbeantwortet bleiben. Der Rasen in Nachbars Garten ist nicht grüner, the green green gras of home ist bei mir daheim am saftigsten.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?
Hundsfott

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …
… meine Zudecke.


„Ein paar Fragen an … “ haben bisher Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Raderberg und Thomas Frings, Großneffe des Kölner Kardinal Frings beantwortet.


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Klaus Ulonska – Fußballpräsident mit Hätz & Humor

Ein typisches Bild von Klaus Ulonska; imer gut gelaunt , hier im Jahr 2012, Bild; Nicola
Ein typisches Bild von Klaus Ulonska: immer gut gelaunt, hier im Jahr 2012, Bild; Nicola

Vom eigentlichen Fußballspiel bekam der Präsident der Fortuna nie viel mit. Wichtiger war ihm der Rundgang im Stadion mit dem „Spendenball“ – eine Spardose in Form eines Fußballs. Mit diesem Ball sammelte Klaus Ulonska bei jedem Fortuna-Heimspiel Spenden für die Jugend. Und dabei machte er keinen Unterschied zwischen den VIPs und den Fans Stehplatz Mitte. Jeder wurde angesprochen und kaum einer konnte seinem Charme entgehen.

Als ich mit englischen Freunden im Stadion war und die Engländer seine Spendenaufforderung nicht auf Anhieb verstanden, schaltete Ulonska blitzschnell:  „Gimme your Pounds, please. We need them for the Fortuna-Kids“. Und sofort wurden die englischen Geldbörsen gezückt.

Klaus Ulonska war ein begnadeter Entertainer mit einer lauten Stimme. Geschult im Karneval – Ulonska war regelmäßiger Sitzungspräsident und im Jahr 1973 sogar Jungfrau im Kölner Dreigestirn – war er eine feste Größe in der Kölner Gesellschaft und saß für die CDU im Stadtrat.

Aus sechs Wochen für die Fortuna werden zehn Jahre

Der in jungen Jahren erfolgreiche Leichtathlet organisierte das ASV Sportfest und hätte, nachdem er die Geschäftsführung seiner Firma Dinckels-Ulonska Bedachungsartikel 2005 abgegeben hatte, eigentlich seinen Ruhestand genießen können. Wenn da nicht ein paar Fortuna-Fans vor seiner Tür in Lindenthal gestanden hätten um ihn als Präsident für Fortuna Köln zu gewinnen. Die Fortuna stand nach dem Tod des langjährigen Mäzens Hans „Schäng“ Löring“ vor dem sportlichen und finanziellen Knock-Out. Doch Ulonska wollte eigentlich nicht. Erst nach stundenlangen Gesprächen erklärte er sich bereit, für sechs Wochen der Fortuna auszuhelfen. Aus diesen sechs Wochen wurden mehr als zehn Jahre. Und wenn nicht sein plötzlicher, unerwarteter Tod am 14. März 2015 ihn mitten aus dem Leben gerissen hätte, wäre Ulonska noch heute Präsident. Ein Präsident, wie es keinen zweiten im Profi-Fußball gibt: Mit dem Spendenball in der Hand auf den Rängen, statt mit Lachshäppchen bei den VIPs.


Im März 2018 wurde beschlossen, dass ein Weg direkt Südstadion den Namen „Klaus-Ulonska-Weg“ erhalten soll.


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„Wollt ihr mit mir Deutscher Meister werden?“ – Franz Kremer und der 1.FC Köln

Denkmal für Franz Kremer im Franz-Kremer-Stadion, Bild: Petruz
Denkmal für Franz Kremer im Franz-Kremer-Stadion, Bild: Petruz

„Wollt ihr mit mir Deutscher Meister werden?“ Diese Frage stellte Franz Kremer bei der Gründungsversammlung des 1. FC Kölns im Februar 1948. Bei dieser Frage war die Antwort klar: Einstimmig bestimmten die Delegierten Franz Kremer zum ersten Vorsitzenden. Eine unglaubliche Erfolgsstory begann. Bereits zwei Tage später bestritt der neugegründete Fußballverein sein erstes Spiel: Mit satten 8:2 wurde Nippes 12 geschlagen.

Die „Diva vom Rhein“, die sich gerne als deutsche Gegenstück zu Real Madrid sah, stieg direkt in die damals erstklassige Oberliga West auf, wurde 1963 erster Deutscher Meister in der gegründeten Bundesliga und viermal DFB-Pokalsieger.

Diese Erfolgsstory ist eng mit Franz Kremer verbunden. Kremer, geboren am 30. Juli 1905 in der Kölner Altstadt, betrieb hauptberuflich erfolgreich eine Firma für Werbeartikel. Aber was bedeute schon „hauptberuflich“ für einen Mann, der 24 Stunden am Tag für den Fußball und besonders seinen FC Köln lebte?

Ein moderner Fußballmanager

Kremer war auch Vorsitzender des Bundesligaausschusses und somit eine treibende Kraft bei der Gründung der Bundesliga. Und der 1. FC Köln profitierte ungemein davon: Kremer arbeitete am Statut der Bundesliga mit. Gleichzeitig führte er in Köln moderne Managementmethoden ein. Daher war es (fast) selbstverständlich, dass „sein“ FC Köln die erste Spielzeit der Bundesliga gewann. Er verstand es, die entscheidenden Kräfte in Köln einzubinden. „Ob Ford, 4711, Otto Wolff von Amerongen, Gerling oder Kaufhof – Kremer hat es geschafft, das Kapital Kölns am Tisch des 1. FC  zu vereinen und aus dem FC einen erfolgreichen Verein zu machen.“, so Karl-Heinz Thielen, Spieler der ersten FC-Meistermannschaft und später Manager des 1. FC Köln im Kölner Express.

Tod am 11.11.1967

Kremer verstarb im Jahr 1967, ausgerechnet am kölschen Datum 11. November. Nachdem Hennes Löhr das 2:0 für den FC in Frankfurt geschossen hatte, sagte er seine letzten Worte zu seiner Frau Liselotte: „Du kannst das Radio jetzt ausmachen“. Franz Kremer verstarb friedlich im heimischen Sessel in Lindenthal. Der FC gewann dieses Spiel 2:1.


Auf der Lotsentour Südfriedhof besuchen wir das Grab von Franz Kremer.


Das kleine Stadion direkt am Geißbockheim  des FC Köln trägt heute seinen Namen. Und im Jahr 2005, zum 100. Geburtstag Kremers,  wurde die Zufahrt zwischen Berrenrather Straße und dem Geißbockheim in Franz-Kremer-Allee  umbenannt.


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Ein paar Fragen an Thomas Frings – Aus, Amen, Ende?

In der neuen Reihe „Ein paar Fragen an …“ werde ich Menschen aus Köln befragen, die etwas zu sagen haben. Den Anfang macht Thomas Frings.

Thomas Frings, Autor von "Aus Amen„Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“, Bild: Thomas Frings
Thomas Frings, Autor von „Aus Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“, Bild: Thomas Frings

Thomas Frings studierte Theologie sowie Kunstgeschichte und wurde 1987 zum Priester geweiht. Von 2009 an war er Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster. Frings trat im Februar 2016 als Pfarrer zurück, weil er den Bedeutungsverlust von Kirche und Glauben nicht mehr mittragen konnte und den Service-Erwartungen an seine Person nicht entsprechen wollte. Danach nutzte er eine Auszeit in einem niederländischen Kloster, um sein Buch „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ zu schreiben. Seit Oktober 2017 lebt er bei den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg direkt in meiner Nachbarschaft. Thomas ist ein Großneffe des Kölner Kardinal Frings. Passend zu seinem Einzug in Raderberg titelte der Kölner Stadt-Anzeiger „Köln hat wieder einen Frings“.

1. Was hat dich nach Köln gezogen?

Scherzhafterweise habe ich schon früher gesagt, dass ich im Ruhestand nach Köln ziehen werde. Bei Priestern ist der spätestens mit 75 Jahren erreicht. Nun haben einige Turbulenzen dazu geführt, dass ich früher in Köln gelandet bin als vorgesehen. Allerdings bin ich noch lange nicht im Ruhestand. Da sich an meiner Person und den Positionen, die ich vertrete, eine heftige innerkirchliche Diskussion entzündet hat, bin ich zur Zeit ´schwer vermittelbar´. Diesen Umstand haben sich die Benediktinerinnen in Köln-Raderberg zu Nutze gemacht und mich für sich und eine gemeinsame Suchbewegung (Wie können wir Kirche für die Menschen sein?) an Land gezogen.

2. Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Ich lebe und liebe die Rheinisch-Katholische Art: Man muss alles ernst nehmen, aber nicht zu ernst. Wenn du das Leben zu ernst nimmst, dann wird es bitter. Wenn du es zu leicht nimmst, dann geht es kaputt. Und das „Rezept“ dafür habe ich mir von den Kölschen abgeguckt. Nehmen wir mal das Beispiel Integration. Integration ist in Köln 2.000 Jahre lang gelebte Praxis. Das Kuriose daran ist: Wie Integration genau geht, wissen die Kölner auch nicht. Aber in Köln gelingt es halt. Das gipfelt dann darin, dass hier sogar ein Portugiese ein echt kölsches Brauhaus eröffnen kann und keiner wundert sich. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Integration in Köln wie bei einem guten Klavierspieler funktioniert: Sobald er über sein Spiel nachdenkt, verspielt er sich. Und so ist der Kölner – der spielt „Integration“ ganz ohne Noten. Und das klappt.

3. Welche Personen aus Köln haben dich geprägt?

Ganz eindeutig die Cousine meines Vaters, Susanne Custodis, von allen nur „Sus“ genannt. Ein kölsches Urgestein, geboren Auf dem Berlich, getauft in St. Gereon. Mittendrin also. Sprach tiefstes, unverfälschtes Kölsch. Die hat ein Leben voller Lebensfreude geführt. Und ihr Plan war, die 90 noch voll zumachen. Sie hat immer gesagt: „Nach meinem 90. ziehe ich nach Melaten, da habe ich ein Grundstück.“ Hat funktioniert – sie ist drei Wochen nach ihrem 90. Geburtstag gestorben. Und ich habe sie selber auf Melaten, auf ihrem Grundstück, beerdigt.

4. Was würdest du in Köln verändern?

Eindeutig und ganz klar: Als erstes würde ich die Fahrradwege anpacken. Das sind keine Radwege, das sind schlecht asphaltierte Waldwege. Und so etwas in einer Millionenstadt. Da muss dringend etwas passieren.


Infos zu Thomas Frings gibt es hier. „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ ist im Herder Verlag erschienen.


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