Max Zienow – ein Kölner, den die Nationalsozialisten ermordeten

Stolperstein für Max Zienow in der Virchowstraße 3, Lindenthal. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Stolperstein für Max Zienow in der Virchowstraße 3, Lindenthal. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Wer heute durch die Virchowstraße in Köln-Lindenthal geht, kann vor dem Haus Nummer 1–3 auf ein kleines Denkmal im Bürgersteig stoßen. Wie Tausende andere Stolpersteine erinnert auch dieser an einen Menschen, der von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde. Auf der Messingplatte steht der Name Max Zienow.

Zienow war Kölner Bauingenieur, Familienvater und überzeugter Katholik. Er gehörte keiner Widerstandsgruppe an, verteilte keine Flugblätter und plante keine Anschläge. Sein Widerstand bestand darin, dass er seine Überzeugung nicht verbarg. Er widersprach der nationalsozialistischen Ideologie, pflegte weiterhin Kontakte zu jüdischen Mitbürgern und sagte offen, was er dachte.

Dafür wurde er denunziert, verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 9. Oktober 1944 wurde Max Zienow im Alter von 53 Jahren im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Von Münster nach Köln

Geboren wurde Max Bernhard Friedrich Ernst Zienow am 12. März 1891 in Saerbeck im Münsterland. Noch vor seiner Einschulung zog die Familie nach Münster. Dort besuchte Zienow zunächst die Volksschule und anschließend das Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er Architektur an der Ingenieurschule in Münster. Während des Ersten Weltkriegs war er als Soldat in Frankreich.

Nach Kriegsende führte ihn sein Weg nach Köln. Die Stadt wurde zu seinem Lebensmittelpunkt. Hier lernte er Maria Berta Teuber kennen. Am 20. März 1920 heiratete das Paar in St. Agnes. Zunächst lebte die junge Familie in Sülz. 1921 wurde die Tochter Maria Augusta Elisabeth geboren.

Auch beruflich war Zienow eng mit Köln verbunden. Als Bauingenieur arbeitete er für die Stadt. Zu seinen Aufgaben gehörte der Bau der Volksschule an der Kyllburger Straße in Sülz, die 1923 fertiggestellt wurde. 

Glaube und Nationalsozialismus

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 änderte sich auch in Köln das gesellschaftliche Klima grundlegend. Für Max Zienow war die nationalsozialistische Weltanschauung nicht mit seinem christlichen Glauben vereinbar. Und er machte aus dieser Haltung offenbar keinen Hehl.

Dabei war Zienow nach den überlieferten Informationen kein Mitglied einer organisierten Widerstandsgruppe. Er gehörte keiner politischen Widerstandsorganisation an und scheint auch sonst nicht gezielt nach Möglichkeiten gesucht zu haben, gegen das Regime vorzugehen. Sein Verhalten entsprang vielmehr einer persönlichen, christlich geprägten, Haltung.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus bestand nicht ausschließlich aus organisierten Gruppen, geheimen Treffen oder spektakulären Aktionen. Dieser Widerstand konnte auch darin bestehen, sich der geforderten Ausgrenzung zu verweigern, Kontakte eben nicht abzubrechen und in Gesprächen nicht das zu sagen, was das totalitäre Regime hören wollte.

Ein erhaltenes Fotoalbum der Familie zeigt Max Zienow mit einem jüdischen Nachbarn, der später ins Exil ging. Auch andere Erinnerungen berichten davon, dass die Familie ihre Kontakte zu jüdischen Freunden und Nachbarn nicht aufgab, als solche Beziehungen von den Nationalsozialisten unerwünscht waren und zunehmend gefährlich wurden.

Für Zienow scheint dies keine demonstrative politische Aktion gewesen zu sein. Er behandelte Menschen weiterhin so, wie es seinem eigenen Verständnis von Anstand und christlichem Glauben entsprach.

Razzia an Nikolaus 1943

Ende der 1930er zog die Familie zunächst nach Ehrenfeld, später nach Lindenthal. Die Zienows lebten in der Virchowstraße 1–3. Dort sollte Max Zienow im Dezember 1943 verhaftet werden.

Aus Erinnerungen von Angehörigen und Zeitzeugen ergibt sich das Bild eines Mannes, der nur schwer schweigen konnte, wenn etwas seiner Überzeugung widersprach. Warnungen, vorsichtiger zu sein, soll er nicht befolgt haben. Überliefert ist auch, Zienow habe in seinem Büro Adolf Hitler als „Schwein“ bezeichnet. Wer ihn daraufhin denunzierte, ist nicht bekannt. Ebenso lässt sich heute nicht mehr sicher feststellen, welches Motiv hinter der Anzeige stand.

Fest steht: Am 6. Dezember 1943 kamen Nationalsozialisten in die Wohnung der Familie in der Virchowstraße. Die Räume wurden durchsucht, Schränke geöffnet. Belastendes Material wurde offenbar nicht gefunden. Trotzdem nahmen die Männer Max Zienow mit. Damit begann sein Weg durch das nationalsozialistische System von Haft, Justiz und Terror. Dieser Weg begann mitten in Köln – im Klingelpütz.

Historische Aufnahme des Klingelpütz, undatiert, vermutlich 1900-1930, Bild: gemeinfrei (digital nachbearbeitet).
Historische Aufnahme des Klingelpütz, undatiert, vermutlich 1900-1930, Bild: gemeinfrei (digital nachbearbeitet).

Gefangen im Klingelpütz

Zienow wurde, wie viele politische Gefangene und andere vom Regime Verfolgte im „Klingelpütz“ inhaftiert. Die Haftbedingungen waren hart, die Anstalt überfüllt.

Später wurde er in das Zuchthaus Siegburg verlegt, anschließend  nach Berlin gebracht und dort vor den Volksgerichtshof gestellt. Dieses Gericht war eines der zentralen Instrumente der nationalsozialistischen Terrorjustiz. Unter seinem Präsidenten Roland Freisler wurden insbesondere politische Verfahren geführt, bei denen Todesurteile keine Ausnahme waren.

Roland Freisler – ein Täter in Richterrobe

Dem Kölner Max Zienow saß mit Roland Freisler einer der berüchtigtsten Vertreter der nationalsozialistischen Terrorjustiz gegenüber. Seit 1942 war Freisler Präsident des Volksgerichtshofs und machte das Gericht zu einem Instrument der Einschüchterung und Vernichtung politischer Gegner. Unter seiner Präsidentschaft wurden Tausende Todesurteile gefällt.

Roland Freisler (Mitte) bei einer Sitzungseröffnung während des Prozesses gegen die Mitglieder des Kreisauer Kreises und dessen Umfeld nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, Bild: Bundesarchiv, Bild 151-39-23 / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Roland Freisler (Mitte) bei einer Sitzungseröffnung während des Prozesses gegen die Mitglieder des Kreisauer Kreises und dessen Umfeld nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, Bild: Bundesarchiv, Bild 151-39-23 / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Besonders berüchtigt war Freisler für die Art, wie er Angeklagte behandelte: Er schrie sie nieder, verhöhnte und beleidigte sie und nahm ihnen immer wieder die Möglichkeit, sich überhaupt angemessen zu verteidigen. Die erhaltenen Filmaufnahmen aus Prozessen gegen Beteiligte des Widerstands vom 20. Juli 1944 vermitteln bis heute einen Eindruck von seiner menschenverachtenden Prozessführung.

Freisler verkörperte damit auf besonders erschreckende Weise eine Justiz, die nicht mehr Recht sprechen, sondern Menschen im Sinne der nationalsozialistischen Diktatur vernichten sollte. Am 3. Februar 1945 kam Freisler bei einem amerikanischen Luftangriff auf Berlin ums Leben.

„Zu schade für eine deutsche Kugel“

Max Zienow wurde von dem menschenverachtenden Freisler zum Tode verurteilt. Nach der Erinnerung seiner Familie soll Freisler ihm dabei zugerufen haben, er sei „zu schade für eine deutsche Kugel“.

Freisler warf Max Zienow vor, sich im September 1943 „zersetzend geäußert“ zu haben. Er wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ nach § 5 der Kriegssonderstrafrechtsverordnung angeklagt. Das Urteil lautete auf Tod. Nach der Verurteilung wurde Max Zienow in das Zuchthaus Brandenburg-Görden gebracht. Die Haftanstalt war nach Berlin-Plötzensee eine der bedeutendsten Hinrichtungsstätten des nationalsozialistischen Staates. Gegner des Regimes wurden dort inhaftiert und getötet.

Am 9. Oktober 1944 wurde Max Zienow hingerichtet. Er wurde nur 53 Jahre alt. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht vollständig geklärt. Hinrichtungen in Brandenburg-Görden wurden üblicherweise mit dem Fallbeil vollzogen. Nach der Erinnerung seiner Familie wurde Zienow jedoch erhängt. Anschließend wurde sein Leichnam eingeäschert.

Lageplan des "Alten Friedhofs" in Weiden (Gartenweg, 50859 Köln). Max Zienow wurde in dem Bereich des Friedhofs beigesetzt, der mit "Kriegsgräber" bezeichnet ist. Bild: Stadt Köln
Lageplan des „Alten Friedhofs“ in Weiden (Gartenweg, 50859 Köln). Max Zienow wurde in dem Bereich des Friedhofs beigesetzt, der mit „Kriegsgräber“ bezeichnet ist. Bild: Stadt Köln

Der katholische Pfarrer Albrecht Jochmann, der zeitweise im Zuchthaus Brandenburg-Görden tätig war, schickte die Urne an Zienows Witwe. Nach Kriegsende lebte sie mit ihrer Tochter in einer kleinen Dachkammer in Köln-Weiden. Dort wurde die Urne auf dem Ehrenfriedhofsteil des Weidener Friedhofs beigesetzt.

75 Jahre nach seinem Tod wird der Stolperstein verlegt

Lange blieb Max Zienow außerhalb eines kleinen persönlichen Umfelds weitgehend unbekannt. Er gehörte nicht zu den bekannten Köpfen des Widerstands. Er war ein städtischer Angestellter, ein Bauingenieur und Familienvater – ein ganz normaler Mann in einer nicht normalen Zeit. Aber er war ein Mann, der seine Überzeugungen nicht verleugnete.

Sein Schicksal zeigt zugleich, wie wenig es im nationalsozialistischen Deutschland brauchte, um in die Maschinerie der Verfolgung zu geraten. Eine Äußerung, eine Denunziation und die Weigerung, sich vollständig anzupassen, konnten genügen.

Das Wohnhaus von Max Zienow in der Virchowstraße 3. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Das Wohnhaus von Max Zienow in der Virchowstraße 3. Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

75 Jahre nach seinem Tod kehrte sein Name sichtbar in das Kölner Stadtbild zurück. Am 26. September 2019 wurde vor dem früheren Wohnhaus der Familie in der Virchowstraße 1–3 in Lindenthal ein Stolperstein für Max Zienow verlegt.

So gibt es eine Erinnerung an einen aufrechten Mann in tiefbrauner Zeit.


"Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts", Herausgegeber: Helmut Moll
„Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“, Herausgegeber: Helmut Moll

Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts

Max Zienow wird auch im zweibändigen Werk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts‘“ aufgeführt. Das deutsche Martyrologium sammelt die Biografien katholischer Christen im 20. Jahrhundert, die um ihres Glaubens willen einen gewaltsamen Tod erlitten. Es handelt sich um widerständige Personen aus den Verfolgungen des Nationalsozialismus, des Kommunismus und der Missionsgebiete.

Die größte Gruppe bilden die Männer und Frauen aus der Gegnerschaft zur NS-Ideologie. Die Personen stammten aus allen Regionen des Deutschen Reiches, waren Priester und Laien, Junge und Alte aus verschiedensten Berufen und Aufgaben. Mehr als 170 Fachleute aus dem In- und Ausland haben die etwa 1000 Lebensbilder gesammelt und mit einem Werk-, Quellen- und Literaturverzeichnis und, soweit möglich, einem Porträtfoto, versehen.

Zeugen für Christus: Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts
Herausgegeben von Helmut Moll
ISBN 978-3-506-79130-6
99 Euro
Bezug über den Verlag Schöningh


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Fritz Schumacher – Der Mann hinter Kölns Grüngürtel

Innerer und äußerer Grüngürtel, Köln

Wer heute am Aachener Weiher sitzt, durch den Inneren Grüngürtel spaziert, am Decksteiner Weiher seine Runde dreht oder auf der Jahnwiese einem Ball hinterherläuft, macht sich vermutlich wenig Gedanken darüber, warum mitten in einer Millionenstadt überhaupt so viel Platz für Grün geblieben ist.

Dabei hätte Köln auch ganz anders aussehen können: dichter bebaut, steinerner und mit deutlich weniger Luft zwischen den Häusern. Dass es nicht so gekommen ist, hat viel mit einem Mann zu tun, der eigentlich gar kein Kölner war und nur drei Jahre hier arbeitete: Fritz Schumacher.

Der Architekt und Stadtplaner kam 1920 nach Köln. Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte ihn an den Rhein geholt. Schumacher blieb nur bis 1923 – doch diese kurze Zeit reichte, um Köln bis heute zu prägen.

Fritz Schumacher um 1916, Bild: Radierung von Leopold von Kalckreuth, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Fritz Schumacher um 1916, Bild: Radierung von Leopold von Kalckreuth, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ein Bremer kommt über Hamburg nach Köln

Fritz Schumacher wurde am 4. November 1869 in Bremen geboren. Seine Kindheit war ungewöhnlich international: Einige Jahre verbrachte er in Bogotá und New York. Später studierte er in Berlin und München, arbeitete im Leipziger Stadtbauamt und wurde 1901 an die Technische Hochschule Dresden berufen. 1909 wechselte er schließlich als Baudirektor und Leiter des Hochbauwesens nach Hamburg.

Dort machte er sich einen Namen als Architekt und Stadtplaner. Schumacher dachte nicht nur über einzelne Häuser nach. Ihn interessierte das große Ganze: Wie funktioniert eine wachsende Stadt? Wo wird gewohnt, wo gearbeitet? Wie bewegen sich die Menschen? Und vor allem: Wo bleibt zwischen all den Straßen und Häusern noch Platz zum Leben?

Genau solche Fragen beschäftigten zu dieser Zeit auch Köln. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Stadt vor gewaltigen Veränderungen. Die alten Festungsanlagen hatten ihre militärische Bedeutung verloren. Gleichzeitig rechneten die Verantwortlichen mit einem enormen Bevölkerungswachstum. Köln sollte wachsen – aber möglichst nicht zu einem endlosen Häusermeer werden.

Konrad Adenauer suchte deshalb jemanden, der nicht nur einzelne Bauprojekte plante, sondern Köln als Ganzes betrachten konnte. Und dieser Mann war Fritz Schumacher.

Köln darf keine Steinwüste werden

1919 ließ Adenauer einen Wettbewerb zur Gestaltung des ehemaligen Inneren Festungsrayons ausschreiben. Schumacher setzte sich mit seinem Entwurf durch. Ein Jahr später holte Adenauer ihn nach Köln. Dafür ließ sich der Hamburger Baudirektor für drei Jahre von seinen dortigen Verpflichtungen beurlauben.

Schumacher sollte einen Generalsiedlungs- beziehungsweise Generalbebauungsplan für Köln entwickeln. Dabei ging es nicht mehr nur darum, einzelne Straßen zu ziehen und Grundstücke aufzuteilen. Er wollte die Stadt als zusammenhängenden Organismus betrachten. Industrie, Verkehr, Wohnen und Erholung mussten zusammengedacht werden. Vor allem die Grünflächen waren für Schumacher keine hübsche Dekoration zwischen den Häusern. Sie gehörten zur Struktur der Stadt.

Eine historische Chance

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ergab sich durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags eine historische Chance für Köln: Die Forts der beiden Festungsringe mussten geschliffen werden. Dadurch entstanden zwei große halbkreisförmige, unbebaute Flächen: Der Innere und der Äußeren Grüngürtel.

Diese beiden grünen Ringe sollten wiederum durch radiale Grünzüge miteinander verbunden werden. Damit entstand eine Idee, die jeder Kölner heute ganz selbstverständlich kennt: Grün sollte nicht irgendwo am Stadtrand liegen, sondern sich durch die ganze Stadt ziehen.

Der Plan für den Inneren Grüngürtel, Bild: Stadt Köln
Der Plan für den Inneren Grüngürtel, Bild: Stadt Köln

Vom Festungsgürtel zum Grüngürtel

Das Geniale an der Planung war, aus einem Problem eine Chance zu machen. Über Jahrzehnte hatten die Festungsanlagen die Entwicklung Kölns geprägt. Nun verloren sie ihre Funktion. Wo vorher militärische Flächen lagen, konnte etwas völlig Neues entstehen.

Der Innere Grüngürtel wurde zwischen 1922 und 1924 angelegt. Dabei wurden nach der weitgehenden Schleifung der militärischen Anlagen auch Arbeitslose im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms eingesetzt.

Schumacher wollte dort allerdings nicht einfach nur eine große Wiese schaffen. Seine ursprünglichen Vorstellungen gingen wesentlich weiter. Der Grüngürtel sollte Teil einer neuen Stadterweiterung werden. Wohngebiete und öffentliche Gebäude waren vorgesehen, am Aachener Weiher sogar ein zweiter Hauptbahnhof.

Doch die wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik machten vielen dieser Pläne einen Strich durch die Rechnung. Aus heutiger Sicht war das für das Kölner Grün möglicherweise gar nicht so schlecht. Denn große Teile des Inneren Grüngürtels blieben unbebaut. Von der geplanten umfangreichen Bebauung wurde letztlich nur wenig verwirklicht. Das Grün setzte sich durch. Und genau davon profitiert Köln noch heute.

Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking
Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking

Grün nicht zum Angucken, sondern zum Benutzen

Dabei änderte sich auch die Vorstellung davon, was ein Park eigentlich sein sollte. Grünanlagen waren lange Zeit vor allem Schmuck. Man spazierte auf Wegen, betrachtete Blumenbeete und hielt sich ansonsten besser an die Regeln. Der Kölner Grüngürtel sollte anders funktionieren.

Hier sollte Platz für Sport, Spiel und Erholung sein. Im Äußeren Grüngürtel entstanden Sportplätze, Wälder, Kleingärten und im Raderthaler Volkspark ein Freilichttheater, eine Freiluftbibliothek und der „Reigenplatz“. Teile der ehemaligen Festungswerke wurden erhalten und als sogenannte „grüne Forts“ weitergenutzt. So wurde der Grüngürtel tatsächlich zu einem Park für alle. Was heute selbstverständlich klingt, war Anfang der 1920er Jahre revolutionär.

Der entscheidende Gedanke lautete: Eine Großstadt braucht nicht nur Wohnungen, Straßen und Arbeitsplätze. Sie braucht Räume, in denen Menschen durchatmen können. Oder ganz praktisch auf Köln übertragen: Man muss auf einer Wiese eben auch mal Fußball spielen dürfen.

Verbindungen zwischen den „grünen Ringen“

Besonders clever war Schumachers Idee, den Inneren und Äußeren Grüngürtel nicht isoliert nebeneinander bestehen zu lassen. Grüne Radialen sollten die beiden Bereiche verbinden. Ein besonders markantes Beispiel entstand mit dem Lindenthaler Kanal. Aber auch Flächen wie zum Beispiel der Vorgebirgspark stellen eine Verbindung zwischen den Großflächen dar. Das ist der eigentliche Clou von Schumachers Planung: Es entstand kein einzelner Park, sondern ein ganzes Grünsystem. Die konkrete Umsetzung der Grünanlagen übernahm Gartenbaudirektor Fritz Encke.

Wer sich heute vom Inneren Grüngürtel nach Westen bewegt, erlebt diese Struktur noch immer. Aachener Weiher, Lindenthaler Kanal, Stadtwald und schließlich der Äußere Grüngürtel erscheinen wie einzelne Grünanlagen. Tatsächlich folgen sie aber einer gemeinsamen städtebaulichen Idee. Köln sollte nicht nur wachsen. Die Stadt sollte dabei durchlüftet und aufgelockert bleiben.

Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking
Der innere Grüngürtel im zwischen Köln-Ehrenfeld und Neustadt, Bild: Raimond Spekking

Für den Grüngürtel musste gekämpft werden

Ganz freiwillig machten allerdings nicht alle mit. Gerade beim Äußeren Grüngürtel gab es handfeste Konflikte. Viele Grundstücke gehörten Landwirten, die ihre Flächen keineswegs begeistert an die Stadt abtreten wollten. Die Auseinandersetzung ging so weit, dass Grundstücksbesitzer damit drohten, keine Milch mehr zu liefern.

Erst das 1920 verabschiedete Reichsrayongesetz gab der Stadt die Möglichkeit, Enteignungsverfahren einzuleiten. Die Eigentümer konnten finanziell entschädigt werden oder Ersatzgrundstücke im Umland erhalten. Auch hier zeigt sich: Der Grüngürtel, den wir heute als selbstverständlichen Teil Kölns betrachten, fiel nicht einfach vom Himmel.

Er musste geplant, politisch durchgesetzt und gegen Widerstände verwirklicht werden. Adenauer spielte dabei eine entscheidende Rolle. Doch Schumacher lieferte das städtebauliche Konzept. Und auch heute noch wird um jedes Stück grün im Grüngürtel gerungen – schon seit Jahren versucht der 1. FC Köln rund um das Geißbockheim zusätzliche Fußballplätze anzulegen.

So wird es einmal im "Inneren Grüngürtel" aussehen: Die Parkstadt Süd. Die rote Markierung kennzeichnet die aktuelle Lage des Pionierparks, Bild: Lenzen, Landschaftsarchitekturbüro RMP, Markierung: Uli Kievernagel
So wird es einmal im „Inneren Grüngürtel“ aussehen: Die Parkstadt Süd. Die rote Markierung kennzeichnet die aktuelle Lage des Pionierparks, Bild: Lenzen, Landschaftsarchitekturbüro RMP, Markierung: Uli Kievernagel

Und auch der Innere Grüngürtel wird sich durch die „Parkstadt Süd“ wesentlich verändern. „Parkstadt Süd“ ist das große Stadtentwicklungsprojekt im Kölner Süden. Bis zu 4.000 Wohnungen, Büros und Ladenlokale sollen im „Inneren Grüngürtel“ zwischen Bayenthal, Raderberg, Zollstock und Sülz entstehen 

Selbst Schrebergärten gehörten zum Plan

Schumachers Vorstellung vom grünen Köln war ausgesprochen praktisch. Dazu gehörten auch Kleingärten. Die Nachfrage nach solchen Parzellen war besonders während und nach den Kriegen groß. Bei der Planung des Äußeren Grüngürtels wurden Kleingärten deshalb von Anfang an berücksichtigt. Vorgesehen waren sogar 12.000 Dauerkleingärten mit einer durchschnittlichen Größe von 300 Quadratmetern. Eine der ersten Anlagen entstand an der Gleueler Straße.

Schumachers sozialer Gedanke hinter der Planung: Das Grün sollte nicht exklusiv sein. Es ging nicht um repräsentative Anlagen für einige wenige, sondern um nutzbare Freiräume für die Bevölkerung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen manche dieser Flächen sogar eine ganz andere Bedeutung. In zahlreichen Kölner Schrebergärten entstanden zeitweise Behelfsunterkünfte für Menschen, deren Wohnungen und Häuser zerstört worden waren. Erst später kehrten die Anlagen wieder zu ihrer ursprünglichen Nutzung zurück.

Nicht alles blieb grün

Natürlich hat Köln Schumachers Erbe nicht immer mit Samthandschuhen behandelt. Spätestens mit der Idee der „autogerechten Stadt“ gerieten Grünflächen unter Druck. Zeitweise gab es sogar Pläne für eine Stadtautobahn quer durch den Inneren Grüngürtel. Andere Eingriffe wurden tatsächlich umgesetzt. Anfang der 1970er Jahre entstanden das Autobahnkreuz Köln-Ost und das Gremberger Kreuz – mit entsprechenden Folgen für die Merheimer Heide und das Gremberger Wäldchen. Trotzdem blieb die Grundidee erhalten.

Eingezwängt zwischen Autobahn und S-Bahnstrecke: Das Gremberger Wäldchen. Der geplante Ausbau der A4 gefährdet die Gedenkstätte, Karte: OpenStreetMap
Eingezwängt zwischen Autobahn und S-Bahnstrecke: Das Gremberger Wäldchen. Der geplante Ausbau der A4 gefährdet das Wäldchen und die NS-Gedenkstätte dort, Karte: OpenStreetMap

Das Kölner Grünsystem überdauerte Jahrzehnte, politische Systeme, Kriege und wechselnde Vorstellungen von moderner Stadtplanung. Es wurde weiterentwickelt und schließlich auch wegen seiner Bedeutung für die Frischluftzufuhr aus dem Umland in die Innenstadt unter Landschaftsschutz gestellt. Und vielleicht ist genau das die größte Leistung von Schumachers Konzept: Es war stark genug, um die Veränderungen der letzten 100 Jahre auszuhalten.

Drei Jahre, die Köln bis heute prägen

1923 endete Fritz Schumachers Zeit in Köln. Er kehrte nach Hamburg zurück, wo er zum Oberbaudirektor ernannt wurde. Bis 1943 lebte er dort und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten über Architektur und Städtebau. Am 5. November 1947 starb er in Hamburg. Gerade einmal drei Jahre hatte er unmittelbar für Köln gearbeitet.

Das klingt nach einer kurzen Episode in einem langen Berufsleben. Tatsächlich aber hinterließ Schumacher in dieser kurzen Zeit etwas, das bis heute zum Lebensgefühl der Stadt gehört. Denn der Grüngürtel ist längst mehr als eine städtebauliche Planung aus den 1920er Jahren.

Ein Luftbild der Jahnwiesen, Heimat der "Bunten Liga Köln", Bild: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Ein Luftbild der Jahnwiesen, Heimat der „Bunten Liga Köln“, Bild: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Hier wird gejoggt, spaziert, Fußball gespielt, gepicknickt oder einfach auf der Wiese gelegen. Aachener Weiher, Jahnwiese, Decksteiner Weiher, Lindenthaler Kanal und die großen Grünflächen gehören für viele Kölner so selbstverständlich zur Stadt wie Straßen, Plätze und Häuser.

Wer also demnächst im Grüngürtel unterwegs ist, kann sich kurz daran erinnern: Dass Köln an vielen Stellen eben keine „Steinwüste“ geworden ist, verdanken wir auch Fritz Schumacher, einem Bremer, der eigentlich in Hamburg arbeitete – und für gerade einmal drei Jahre an den Rhein kam.


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Alfons Mauser: Der friedliche „Zaunkönig“ aus Köln

Das repräsentative Familiengrab Mauser auf dem Kölner Südfriedhof, Bild: Uli Kievernagel
Das repräsentative Familiengrab Mauser auf dem Kölner Südfriedhof, Bild: Uli Kievernagel

Der Name Mauser lässt viele sofort an Waffen denken. An Gewehre, Militärgeschichte und an das berühmte Motto „Si vis pacem, para bellum“„Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor“. Ausgerechnet ein „eingekölschtes“ Mitglied der Familie Mauser stellte dieses Prinzip auf den Kopf: Alfons Mauser.

Alfons Mauser, Sohn des Mitgründers der ältesten und international bekannten deutschen Waffenschmiede Mauser, wollte nicht den Krieg vorbereiten, sondern den Frieden. Er nannte seine erste Firma deshalb bewusst „Para PacemBereite den Frieden vor“. Statt Gewehre zu bauen, entwickelte er Gartenzäune und Metallfässer. Und Köln wurde zur Heimat dieses ungewöhnlichen Unternehmers.

Geboren wurde Alfons Mauser am 25. Mai 1872 im schwäbischen Oberndorf am Neckar. Sein Vater Wilhelm gehörte zu den Gründern der berühmten Gewehrfabriken. Doch Alfons schlug einen anderen Weg ein. Zwar lernte er zunächst alle Bereiche des Familienunternehmens kennen und wurde von seinem Onkel, dem legendären Konstrukteur Peter Paul Mauser, nach England und in die USA geschickt. Dort beschäftigte er sich mit modernen Fertigungstechniken bei führenden Industriebetrieben wie Pratt & Whitney oder Waffenherstellern wie Remington.

Alfons Mauser (1872-1972)
Alfons Mauser (1872-1927)

Verbesserungsvorschläge wurden abgelehnt

Zurück in Deutschland studierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart und brachte neue Ideen mit. Doch sein Onkel Paul, der die Geschäfte der Mauser Werke verantwortete, wollte davon wenig wissen. Alfons Mauser hatte unter anderem eine verbesserte Schlagbolzenkonstruktion am Mauser-Gewehr entwickelt. Doch seine Verbesserungsvorschläge wurden abgelehnt, die Zusammenarbeit mit seinem Onkel Paul Mauser endete im Streit. Für Alfons Mauser war das ein Wendepunkt in seinem Leben.

Mit nur 24 Jahren gründete er 1896 seine eigene Fabrik für Stahlblechwaren. Sein bekanntestes Produkt trug einen fast poetischen Namen: „Zaunkönig“. Hinter der Marke verbargen sich kunstvoll gefertigte Stahlzäune, Tore und Gitterelemente, die Sicherheit schaffen sollten, ohne bedrohlich zu wirken. Eine bemerkenswerte Idee für jemanden, dessen Familienname eigentlich mit Waffen verbunden war.

Ehrenfeld als bedeutender Industriestandort

Nur zwei Jahre später zog es Mauser nach Köln-Ehrenfeld. Das Viertel war damals ein pulsierender Industriestandort. Hier entstanden Maschinen, Lokomotiven, Motoren und Chemieprodukte. Zwischen all diesen Fabriken fand auch Mausers friedliche Idee mit den Zäunen ihren Platz.

Doch er blieb nicht beim Gartenzaun stehen. Die Industrialisierung verlangte nach neuen Transportlösungen. Chemische Rohstoffe wurden häufig in großen Glasballons befördert, die empfindlich und schwer zu handhaben waren. Mauser entwickelte dafür robuste Körbe aus Stahlband, die den Transport deutlich sicherer machten.

Das "Mauser-Patent-Fass", Bild: treffpunkt-kunst.net, Public domain, via Wikimedia Commons
Das „Mauser-Patent-Fass“, Bild: treffpunkt-kunst.net, Public domain, via Wikimedia Commons

„Mauser-Patent-Fässer“

Sein größter Wurf folgte 1903. Er konstruierte ein luftdicht verschließbares Stahlfass aus Eisenblech. Was zunächst unspektakulär klingt, revolutionierte den Transport von Chemikalien und Erdöl. Die „Mauser-Patent-Fässer“ wurden zum Exportschlager und fanden weltweit Abnehmer. Noch heute erinnern moderne Industriefässer an die Konstruktionen, die einst in Köln entwickelt wurden.

1921 kaufte Mauser eine ehemalige Karbidfabrik im hessischen Waldeck und baute sie zu einem modernen Produktionsstandort um. Dort entstanden nicht nur Stahlfässer, sondern auch Gasflaschen, Tanks, landwirtschaftliche Geräte und sogar Möbel. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber der Region.

Ehrendoktorwürde als späte Anerkennung

Ein Jahr später verlegte Alfons Mauser den Firmensitz von Köln-Ehrenfeld nach Brühl und benannte das Unternehmen in Mauser-Werke GmbH um. Die Verbindung zu Köln blieb jedoch bestehen. Hier hatte seine Erfolgsgeschichte begonnen, hier entstanden die entscheidenden Erfindungen.

1922 erhielt er von der Technischen Hochschule Stuttgart die Ehrendoktorwürde. Eine späte Anerkennung für jemanden, dessen innovative Ideen im Familienunternehmen einst abgelehnt worden waren.

Selbstverständlich nicht ohne den "Ehrendoktor": Die Grabinschrift für Alfons Mauser auf dem Familiengrab, Bild: Uli Kievernagel
Selbstverständlich nicht ohne den „Ehrendoktor“: Die Grabinschrift für Alfons Mauser auf dem Familiengrab, Maria Mauser, geb. Zwick-Sieber, war seine Ehefrau, die Ehe wurde 1897 geschlossen. Bild: Uli Kievernagel

Alfons Mauser starb am 11. August 1927 im Alter von nur 55 Jahren in Köln. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Kölner Südfriedhof. Aus einer Familie, die weltberühmt für Waffen wurde, stammte ein Mann, der mit seiner Firma „Para PacemBereite den Frieden vor“ den Frieden zum Unternehmensziel erklärte und der lieber Zäune als Gewehre baute und Fässer statt Gewehre erfand.


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Kölsche Originale: Der Lehrer Welsch – Dreimol Null es Null, bliev Null

Gedenktafel, in d'r Kayjass Nummer Null (Kaygasse, Ecke Großer Griechenmarkt),Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gedenktafel, in d’r Kayjass Nummer Null (Kaygasse, Ecke Großer Griechenmarkt),Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Jedes kölsche Schulkind kennt diesen Text:

„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull,
un do hammer dren studeet.
Unser Lehrer, dä hieß Welsch,
sproch en unverfälschtes Kölsch ...
… Dreimol Null es Null, bliev Null,
denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“

Bei dem von den „Drei Laachduve“ in der Session 1938/39 besungenen Lehrer handelt es sich um Heinrich Welsch, und genau dieser Lehrer Welsch hat tatsächlich ein musikalisches Denkmal verdient.

Allerdings war Welsch nie in der Kaygasse tätig, sondern leitete im rechtsrheinischen Kalk eine Sonderschule für Kinder, die einer besonderen Fürsorge bedurften. Man kann davon ausgehen, dass die „Drei Laachduve“ Welsch wegen des Reims in die Kaygasse versetzt haben, denn die ursprüngliche Schule lag in der Hollweghstraße . Das hätte doch das Reimschema arg strapaziert.

Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Welsch – ein Pädagoge mit Herz

Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf, heute ein Ortsteil von Wachtberg, geboren. Er war ausgebildeter Lehrer mit einem Examen des Königlich Preußischen Lehrerseminars in Brühl. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem in Worringen und Sülz, kam er 1881, mitten in der industriellen Revolution, nach Kalk. Erschreckt über die Verhältnisse in der Arbeiterschaft erkannte Welsch sehr schnell, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Erfolg seiner Schüler war. Im Jahr 1905 gründete er die „Hilfsschule“ in Kalk. Der Lehrer Welsch kümmerte sich rührend um seine Schüler – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Rohrstock noch als pädagogisches Mittel galt. So brachte er zum Beispiel Mädchen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft verstoßen wurden, wieder zurück zu ihren Familien.

Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin
Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin

Zu seinen Bemühungen um die Bildung gehört auch, dass Welsch 1884 mit 1.700 von ansässigen Betrieben gespendeten Büchern die erste Volksbibliothek in Kalk gründete. Heinrich Welsch schied im Jahr 1914 aus dem Schuldienst aus und verstarb 1935. Sein Grab auf der dem Friedhof in Kalk ist ein Ehrengrab, die Stadt Köln kümmert sich um die Grabpflege.

Lehrer-Welsch-Preis

Neben dem bekannten Lied lebt Heinrich Welsch aber auch im Lehrer-Welsch-Sprachpreis weiter. Die Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verleiht diesen seit 2004 an Personen oder Institutionen, die sich um die Hochsprache und den Erhalt der kölschen Sprache verdient gemacht haben. 

Der Sänger Ludwig Sebus, selbst Preisträger im Jahr 2008, dazu im Kölner-Stadt-Anzeiger „Das Vermächtnis des legendären Lehrers Welsch ist doch viel mehr als Drei mal Null. Er verkörperte die kölsche Seele. Als Lehrer hat er alle Menschen gleich gesehen und gleich behandelt.“. 

Erster Preisträger im Jahr 2004 war Alexander von Chiari der im Motto des Rosenmontagszugs das Wort „Kids“ durch „Pänz“ ersetzte.

Die weiteren Preisträger sind:

2005
Andreas Henseler, Geschäftsführer des Kölner Wissenschaftsmuseums Odysseum

2006
Wise Guys, Kölner A-cappella-Musikgruppe

2007
Peter Herbolzheimer, deutscher Jazz-Posaunist und Bandleader.

2008
Ludwig Sebus, Krätzchensänger

2009
Die Sendung mit der Maus, Kindersendung vom WDR

2010
Höhner, kölsche Band

2011
Heimatverein Alt-Köln von 1902

2012
center.tv, regionaler Fernsehsender

2013
Wolfgang Bosbach, Politiker

2014
Akademie för uns kölsche Sproch

2015
Wilma Overbeck, Chorleiterin

2016
Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums e. V.

2017
Gerhard Uhlenbruck, Mediziner und Autor

2018
Wicky Junggeburth, Moderator und Sänger

2019
Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e. V.

2023
Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr von 1903

2024
Kölner Hänneschen-Theater, Puppenspieler: Jacky von Guretzky-Cornitz, Charly Kemmerling, Udo Müller und Josef Schönberg

2025
„Bömmel“ Lückerath, Gründungsmitglied der Bläck Fööss


Peter Kievernagel (1935 - 2023) war bei seinen Schülern als "Papa gnädig" bekannt. Bild: Uli Kievernagel
Peter Kievernagel (1935 – 2023) war bei seinen Schülern als „Papa gnädig“ bekannt. Bild: Uli Kievernagel

Ein anderer Lehrer, bekannt als „Papa gnädig“

Ich widme dieses „Köln-Ding der Woche“ ausdrücklich meinem am 2. April 2023 verstorbenen Vater Peter Kievernagel, ebenfalls Lehrer. Seine Schüler sprachen von ihm als „Papa gnädig“, weil er bei Prüfungen auch schon mal gerne ein Auge zudrückte. Ganz in der Tradition von Heinrich Welsch.


Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die "Kölschen Originale"
Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die „Kölschen Originale“

Weitere Geschichten zu den „Kölschen Originalen“ gibt es hier:


Vier Botze

Zwar stammt das Lied von der „steinahl Schull“ im Original von den  „Drei Laachduve“, allerdings ist die überarbeitete Version der „Vier Botze“ einer der heimlichen Hymne Kölns.


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Dä Appel-Jupp – ein ganz besonderer kölscher Heiliger

Die Marienstatue in St. Maria im Kapitol mit Äpfeln zur Erinnerung an den Appel-Jupp, Bild: Uli Kievernagel
Die Marienstatue in St. Maria im Kapitol mit Äpfeln zur Erinnerung an den Appel-Jupp, Bild: Uli Kievernagel


Touristen, die es nicht nur in den Dom, sondern bis in die Kirche St. Maria im Kapitol schaffen, wundern sich: Wieso liegen an der Marienstatue im Chor immer frische Äpfel? Der Kölsche schmunzelt, packt seinen mitgebrachten Apfel aus, legt ihn an die Marienstatue und freut sich diebisch, mal wieder für Verwirrung gesorgt zu haben.

Ein frommer, kleiner Junge aus Köln

Um das Jahr 1150 rum lebte in Köln der kleine Hermann. Ein ganz normaler Junge seiner Zeit, der sich mit seinen Freunden die Zeit vertrieb. Hermann war aber auch sehr, sehr fromm. Und so ging er, immer wenn er Zeit hatte, für ein kurzes Gebet in seine Pfarrkirche St. Maria im Kapitol.

In bester rheinisch-katholischer Art führte er regelmäßig Gespräche mit Maria, der Mutter Gottes. Sie wurde für ihn zu einer Freundin, der er in tiefstem Kölsch von seinen Sorgen, Nöten aber auch von seinen Freuden erzählte. Und er wartete vergeblich darauf, dass ihm die Statue auch einmal antwortete.

Ein Apfel für das Jesuskind

Bis zum Nikolaustag. An diesem Tag hatte der fromme Hermann vom Nikolaus einen besonders schönen Apfel bekommen. Hermann war schnell klar: Diesen Apfel wird er dem Jesuskind schenken.

Sofort ging er in die Kirche, und dann geschah das ersehnte Wunder: Die Statue der Maria erwachte zum Leben, nahm den Apfel und gab diesem dem Jesuskind. Für Hermann wurde ein Traum wahr. In Zukunft besuchte er noch öfters Maria mit dem Jesuskind, er spielte mit dem kleinen Jesus und brachte ihm noch weitere Geschenke mit. Für moderne, aufgeklärte Menschen eine eher bizarre Vorstellung.

Anthonis van Dyck,: Vision des Hermann Joseph, um 1630, Bild: Public domain, via Wikimedia Commons
Anthonis van Dyck,: Vision des Hermann Joseph, um 1630, Bild: Public domain, via Wikimedia Commons

Der Theologe Manfred Becker-Huberti sieht hinter dieser Geschichte einen ganz anderen Sinn. In einem Interview im Domradio erklärt er: „Das sieht für heutige Leute eher komisch aus. … Aber der Sinn, der dahinter steckt, ist ein anderer. Die Maria ist die neue Eva. Und die alte Eva hat die Schuld in die Welt gebracht, indem sie einen Apfel vom Baum der Erkenntnis heruntergenommen hat und rein gebissen hat. Dieser Apfel ist in den Händen der Eva das Symbol für die Erbschuld und in den Händen der Maria für die Befreiung von der Schuld. Der Hermann-Joseph ist derjenige, der sie um diese Erlösung bittet, das heißt, den Apfel an das Jesuskind weiterzugeben.“1Quelle: Domradio Ob der eher volkstümlich geprägte Glaube im 12. Jahrhundert diese Interpretation geteilt hätte, kann aber durchaus bezweifelt werden.

Große Marienverehrung

Hermann trat mit zwölf Jahren in das Kloster der Prämonstratenser in Steinfeld in der Eifel ein, studierte in Friesland, kehrte nach Steinfeld zurück und wurde dort zum Priester geweiht. Er war als Seelsorger im Umkreis des Klosters tätig.

Hermann war zeitlebens ein großer Marienverehrer und bekam, durch eine „mystische Vermählung mit der Gottesmutter Maria“ den Beinamen Joseph. Seine große Frömmigkeit führte zu weiteren Wundern. So sollen bei seinen Gottesdiensten regelmäßig in dem Kelch Rosen erschienen sein, deren Duft ganze Gotteshäuser erfüllt habe.

Hermann schrieb auch erbauliche Texte und Lieder. So wird ihm auch das älteste bekannte Herz-Jesu-Lied „Gruß an das heiligste Herz-Jesu“ zugeschreiben. Dort lautet es:

Öffne dich gleich einer Rose,
Duftend aus dem Blätterschoße,
Und vereine meinem Herzen
Deinen Duft und deine Schmerzen.
Wer liebt, was muss der leiden nicht?

Bis in das fast schon biblische Alter von 90 Jahren hielt Hermann an der Marienverehrung fest. Er starb am 7. April 1241 oder 1252.

Der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt zeigt die entscheidende Szene: Maria nimmt von Hermann dem Apfel entgegen, Bild: Raimond Spekking
Der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt zeigt die entscheidende Szene: Maria nimmt von Hermann dem Apfel entgegen, Bild: Raimond Spekking

Erinnerung in Köln als Appel-Jupp

Heute erinnern sich Kölner an ihren Hermann Joseph als „Appel-Jupp“, also „Apfel-Joseph“. Und so finden sich regelmäßig besagte Äpfel an der Marienstatue in St. Maria im Kapitol.

Zusätzlich wurde ihm ein Brunnen gewidmet. Dieser Brunnen steht am Waidmarkt und zeigt an seiner Spitze die ganz entscheidende Szene für das Leben vom Appel-Jupp: Maria nimmt von ihm dem Apfel entgegen.

Hermann-Josef-Brunnen am Waidmarkt um 1895, Fotograf: unbekannt
Damals noch im Mittelpunkt des Platzes, heute eher „an den Rand geschoben“: Der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt um 1895, Fotograf: unbekannt

Heute geht der Brunnen am Waidmarkt etwas unter. Werner Schmidt schreibt, der Brunnen wirke „wie ein an den Platzrand geschobenes sperriges Möbel“.2Werner Schmidt: Der Bildhauer Wilhelm Albermann (1835–1913). Leben und Werk. In: Werner Schäfke (Hrsg.): Publikationen des Kölnischen Stadtmuseums. Band 3. Köln 2001 Auch Ronald Füllbrandt von den Kölschgängern sieht den Standort kritisch: „Der Brunnen stand am Platzeingang und war ein herrlicher Blickfang. Heute, nachdem sich das Stadtbild grundlegend verändert hat, ist sein Platz nicht mehr besonders schön. Er steht da, wie in die Ecke gedrängt und wird kaum beachtet.“3Quelle: Kölschgänger

Dann doch lieber – in bester kölscher Tradition – Äpfel zur Marienstatue in St. Maria im Kapitol bringen.


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Ein paar Fragen an: Marc Neumann – der „Herr der kölschen Brücken“

Marc Neumann, Brücken
Der Ingenieur Marc Neumann ist bei der Stadt Köln im Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau tätig. Bild Neumanmn: privat, Bilder Brücken: Raimond Spekking

 

Marc Neumann kennt sich mit den Brücken Kölns aus wie kaum ein anderer. Er hat „konstruktiven Ingenieurbau“ studiert und ist heute bei der Stadt Köln im Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau tätig. Dort betreut er die Kölner Brücken, die über den Rhein führen und die der Stadt Köln gehören:

Marc berichtet uns in diesem Podcast von den Herausforderungen bei den Brücken, von der Historie dieser Bauwerke und auch von der ganz speziellen Farbe unserer Brücke.


Genau wie alle anderen Menschen in der Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Marc zu den „Kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden.

Der "Herr der Brücken" Marc Neuman (in der Mitte) war zu Gast beim "Köln-Ding der Woche" , Bild: Uli Kievernagel
Der „Herr der Brücken“ Marc Neuman (in der Mitte) war zu Gast beim „Köln-Ding der Woche“ , Bild: Uli Kievernagel

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du wohnen? Und warum gerade dort?

Ich verstehe die Frage nicht. 😊

Welche kölschen Eigenschaften zeichnet dich aus?

Für mich gilt: „Jönne künne, dat künne mer joot.“ – also die Großzügigkeit der Kölner, auch anderen etwas zu gönnen. Und ich denke, ich habe auch „dat Hätz am rechten Fleck“, also eine „gesunde“ Einstellung zum Leben und zu seinen Mitmenschen.

Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Da ich nicht unter Profilneurose leide, würde ich mich mal um das kümmern, was da ist, und nicht das, was man gerne hätte.

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Ich würde Köln nur verlassen, nur, um nach zwei, drei Wochen wiederzukommen, weil ich ja sehr heimatverbunden bin. Ich bin sehr verwurzelt hier in Köln.

Die Poller Wiesen heute, rechts der Deutzer Hafen, Bild: ToLo46, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Marc liebt den Rhein und sitzt gerne am Rheinufer, zum Beispiel auf den Poller Wiesen, Bild: ToLo46, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Irgendwo am Rhein sitzen, gerne mit einem gekühlten Getränk in der Hand. Ungefähr so, wie AnnenMayKantereit das in „Tommi“ beschreiben:

Tommi, ich glaub‘, ich hab‘ Heimweh
Ich will mal wieder am Rhein stehen
Einfach hineinsehen
Zuschauen, wie Schiffe vorbeiziehen

Welche KölnerInnen haben dich beeinflusst / beeindruckt?

Eindeutig meine Eltern.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Viel feiern, wenig essen, viel trinken, wenig schlafen.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Da bin ich gerne mit meiner Frau unterwegs, wir haben einen Campingbus. Mit dem fahren wir gerne in die Sonne, ans Wasser.

Wat hät für dich noch immer jood jejange?

Bisher mein ganzes Leben.

Wo drüber laachs de dich kapott?

Ich kann sehr herzlich über Loriot, Victor von Bülow, lachen. Schade, dass er tot ist. Den finde ich sensationell.

Kult: Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Andreas Lofner
Der „Lommi“, die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, gehört zu Marcs Lieblingskneipen . Bild: Andreas Lofner

Dein Kölsche Lieblingskneipe?

Ich mag eine ganze Reihe Kneipen – zum Beispiel das Brauhaus Pütz, den Wirtz in der Südstadt, das Birkenbäumchen und auch das Lommi. Ich mag gerne diese ursprünglichen Kneipen. Aber grundsätzlich gilt: Ich bin gerne mit Menschen zusammen und dann kommt es mir eher auf die Leute an als auf die Kneipe.

Dein Lieblingskölsch?

Das hat sich im Laufe der Zeit etwas gewandelt: Früher eher Früh oder Reissdorf, dann hin zum etwas herberen Gaffel. Und ganz aktuell ist Schreckenskammer mein Lieblingskölsch.

Was ist dein kölsches Lieblingsgericht?

Ganz eindeutig Himmel un Ääd. Man kann das zwar nicht überall essen, aber wenn das gut gemacht ist, ist das mein kölsches Lieblingsessen. Ganz wichtig: Die gebratene Flönz dabei darf nicht matschig sein, die muss kross gebraten sein.

Himmel un Ääd - eine rheinische Spezialität aus Kartoffelpüree, Apfelmus, Zwiebeln und gebratener Blutwurst, Bild: Anagonia
Himmel un Ääd – eine rheinische Spezialität aus Kartoffelpüree, Apfelmus, Zwiebeln und gebratener Blutwurst, Bild: Anagonia

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

„Seiverlappen“, eigentlich ein Lätzchen, als kölsches Schimpfwort eine Bezeichnung für einen Menschen, der viel redet und wenig aussagt.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… ming Stadt. Die ist zwar furchtbar hässlich,
ävver uch esu schön!


Alle bisher erschienenen Geschichten zu den Kölner Brücken 


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150 Jahre Konrad Adenauer – Wie Köln lernte, groß zu denken

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer,  Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE

Ein Gastbeitrag von Markus Zens

Markus Zens ist Stadtführer aus Leidenschaft in Köln und Gründer von „Echt Köln Stadtführungen“. Für ihn ist Köln mehr als Dom und Geschichte – es sind die Menschen, ihre Lebensfreude und ihre Geschichten. Auf seinen Touren geht es nicht nur um Daten und Fakten, sondern um Schicksale, Erinnerungen und das kölsche Miteinander.

Markus Zens, in der Mitte :-), ist Kölner Stadtführer mit Leidenschaft, Bild: Echt Köln
Markus Zens, in der Mitte😊, ist Kölner Stadtführer mit Leidenschaft, Bild: Echt Köln

Markus hat sich intensiv mit Adenauer in Köln beschäftigt und bietet auch die Stadtführung „Konrad Adenauer in Köln“ in Köln an. Dabei geht es um die Orte in unserer Stadt, die mit seinem Leben in Verbindung stehen. Diese Tour ist eine Zeitreise in das Köln vor einhundert Jahren. Alle Termine zur „Adenauer-Führung“ gibt es auf der Website von Echt Köln.

In diesem Beitrag beschreibt er als „Köln-Ding der Woche“-Gastautor das Wirken von Adenauer in Köln.


150 Jahre Konrad Adenauer
von Markus Zens

Am 5. Januar 1876 wurde Konrad Adenauer geboren und die Medien sind voll von Nachrufen auf ihn. Adenauer war wohl der bedeutendste Politiker in der Stadtgeschichte und die Aufzählung der Dinge, die wir Konrad Adenauer zu verdanken haben und von denen wir heute noch profitieren, ist lang: Die Grüngürtel, die Messe, Ford, den WDR, die Universität, das Müngersdorfer Stadion, den „Dicken Pitter“, die erste Autobahn, all das haben wir auch Adenauer zu verdanken. Ich möchte den Blick darauf lenken, in welchen Zeiten Adenauer gelebt hat und wie er mit den Anforderungen der Zeit umgegangen ist.

Konrad Adenauer im Alter von 20 Jahren, Fotograf: unbekannt
Konrad Adenauer im Alter von 20 Jahren, Fotograf: unbekannt

Vom Stadtkind zum Stadtlenker

Als Adenauer geboren wurde, stand die mittelalterliche Stadtmauer noch. Sozialisiert wurde er im Kaiserreich. Es herrschte Recht und Ordnung, die Gesellschaft war streng hierarchisch aufgebaut. 1904 heiratet Adenauer Emma Weyer, deren Onkel Max Wallraf 1906 Oberbürgermeister wird. Wallraf ist zwar Liberaler, Adenauer beim Zentrum, aber Wallraf hilft ihm, in die Stadtverwaltung zu kommen. 1909 wird Adenauer zum ersten Beigeordneten gewählt, obwohl er dafür eigentlich noch sehr jung ist. Als Wallraf 1917 als Staatssekretär nach Berlin ging wurde Adenauer ohne Gegenstimme vom Stadtrat zum Bürgermeister gewählt, mit 41 Jahren einer der jüngsten Bürgermeister einer deutschen Großstadt.

Adenauer war also schon zur Kaiserzeit Oberbürgermeister, aber er war kein Monarchist. Er war loyal zur Regierung und akzeptierte es, aber den Übergang zur Weimarer Republik gestaltete er mit. Dabei war er auch kein glühender Demokrat. Er hielt Demokratie für die beste Staatsform, gleichzeitig war sie ihm lästig, weil er immer Mehrheiten suchen musste. Denn er stand schon immer im Verdacht, zu glauben, er allein wüsste es sowieso besser. Kein Wunder, dass er gelegentlich „der Kölner Diktator“ oder der „Napoleon von Köln“ genannt wurde.

Adenauer war vor allem katholisch. Sein Glaube war für ihn eine unverrückbare Leitlinie. Das bedeutete für ihn aber auch große soziale Verantwortung, und zwar für alle Menschen. Das zeigte sich besonders in schwierigen Zeiten. Als Adenauer Oberbürgermeister wurde, war der Weltkrieg in vollem Gange. Die Lebensmittelversorgung war katastrophal, die Menschen hungerten. Jetzt zeigte sich Adenauers Pragmatismus. Zusammen mit den Brüdern Oebel entwickelte er ein Kriegsbrot aus Reismehl, Maismehl und Gerste, das wohl fürchterlich schmeckte, aber satt machte. Auf Beschwerden antwortete er: „Es geht nicht darum, was schmeckt, sondern was satt macht.“

Mit ruhiger Hand durch wilde Zeiten

Adenauer war sehr pragmatisch. Er stellte sich den Problemen, die auftauchten und suchte eine sinnvolle Lösung. Als im November 1918 meuternde Matrosen der Marine auf dem Weg nach Köln waren, forderte er den Standortkommandanten auf, die Matrosen mit Waffengewalt zu stoppen und zu inhaftieren. Als der das ablehnte, wechselte Adenauer die Taktik und stellte sich zusammen mit Wilhelm Sollmann von den Sozialdemokraten an die Spitze der Bewegung. Er überließ dem Arbeiter- und Soldatenrat Räume im Rathaus und übernahm selbst die Leitung des wichtigen Wohlfahrtsausschuss. So schaffte er es, dass der Aufstand in Köln ohne Blutvergießen ablief.

Berittene englische Soldaten paradieren im Dezember 1918 vor dem Kölner Dom, Bild: Sammlung Brokmeier
Berittene englische Soldaten paradieren im Dezember 1918 vor dem Kölner Dom, Bild: Sammlung Brokmeier

Am 6. Dezember 1918 marschierten die Engländer in Köln ein und besetzten die Stadt. 55.000 englische Soldaten wurden in Köln stationiert. Für die Stadt bedeutete die Besatzung erhebliche Belastungen und die Einschränkung von Grundrechten wie der Presse- und Versammlungsfreiheit. Adenauer akzeptierte die britische Besatzung, aber schützte aktiv die Selbstverwaltung und die Interessen der Stadt, er arrangierte sich und wirkte so auch auf die Bevölkerung ein. Zwei Zitate aus dieser Zeit von ihm finde ich sehr treffend: „Die Kölner kommen gut mit den Engländern aus – sie sind selbst ein Mischvolk aus Römern, Franken und anderen“ und „Die Stadt Köln steht nicht unter britischer Verwaltung, sondern unter britischer Aufsicht. Das ist ein Unterschied, den ich täglich verteidige.“

Bauen für die Zukunft, nicht für den Applaus

Der Frieden von Versailles legte fest, dass die preußischen Verteidigungsringe rund um Köln abgerissen werden müssen. Adenauer wollte unbedingt diese unbebauten Gebiete als Erholungsorte für die Bevölkerung anlegen und konnte sich gegen Interessen der Wirtschaft durchsetzen, die hier viel Potential für gewinnbringende Immobiliengeschäfte sahen. Hier waren ihm die Interessen der einfachen Bevölkerung deutlich wichtiger. Die Grüngürtel ließ er dann vor allem von Arbeitslosen angelegen, die dadurch eine sinnvolle Beschäftigung hatten und Geld verdienen konnten.

Adenauer nutzte die Zeit der politischen Unordnung nach der Abdankung des Kaisers, um die Universität wieder neu zu begründen. Die Preußen hatten vorher beschlossen, die Uni in Bonn wieder zu eröffnen und sich gegen Köln entschieden. Adenauer betrieb die Wiedereröffnung trotzdem weiter und bekam letztlich eine Genehmigung, allerdings musste die Stadt alle Kosten selbst tragen. Das brachte ihm viel Kritik im Stadtrat ein, da die Verschuldung der Stadt immer weiter anstieg. Adenauer hielt die Uni aber für eine sinnvolle Investition in die Zukunft und konnte sich letztlich durchsetzen. Sitz der Universität war die bisherige Handelshochschule am Römerpark. 1929 wurde dann der Grundstein gelegt für das neue Universitätsgebäude an der Universitätsstraße.

Für mich beeindruckend war sein Umgang mit der Wohnungsnot. Innerhalb von 15 Jahren war Köln um 100.000 Einwohner gewachsen. 1913 war die GAG gegründet worden, nicht von Adenauer, aber mit seiner Unterstützung als Beigeordneter. Das Problem der Wohnungsnot wurde angegangen, indem große Wohnsiedlungen gebaut wurden, in denen die Menschen einfache Wohnungen fanden. Als um 1930 die Weltwirtschaftskrise für eine hohe Arbeitslosigkeit sorgte, baute man Siedlungen mit Einfamilienhäusern und Garten für Arbeitslose mit ihren Familien, damit die sich selbst versorgen konnten. Teure, aber hilfreiche Maßnahmen, von denen wir heute noch profitieren. Die Germania-Siedlung oder die Nibelungensiedlung gibt es auch heute noch, Stadtteile wie Buchforst sind dadurch entstanden.

Die Siedlung "Weiße Stadt" in Köln-Buchforst, Bild: Grkauls, Public domain, via Wikimedia Commons
Die Siedlung „Weiße Stadt“ in Köln-Buchforst, Bild: Grkauls, Public domain, via Wikimedia Commons

Visionär – auch gegen Widerstände

Adenauer dachte weit voraus und wollte aus Köln eine europäische Metropole machen. Dafür war er bereit, hohe Schulden zu machen. Er war sicher, diese Investitionen würden sich mit der Zeit auszahlen. Und wenn man darüber nachdenkt, wie die Stadt über Jahrzehnte von Projekten wie der Messe, Ford, dem Müngersdorfer Stadion oder auch dem Niehler Hafen profitiert hat, waren diese Projekte für die Stadt richtig und wichtig.

Nicht alle dieser Projekte waren alleinige Ideen von Adenauer, er hatte fähige Mitarbeiter und wer es mit und unter ihm aushielt, konnte durchaus auch eigene Ideen umsetzen. Ein wichtiges Beispiel dafür ist Hertha Kraus.

Adenauers Frauenbild war konservativ katholisch geprägt, für ihn gehörten Frauen in die Familie und sie sollten sich da um alles kümmern. Das hinderte ihn nicht, 1923 Hertha Kraus nach Köln zu holen. Sie war 26 Jahre alt und Soziologieprofessorin in Frankfurt, stammte aus einer jüdischen Familie und war zum Quäkertum übergetreten. Genug Gründe, um damals vom Stadtrat vehement abgelehnt zu werden. Aber Adenauer setzte sich durch und machte sie verantwortlich für die Wohlfahrtspflege. Letztlich richtete sie in einer früheren englischen Kaserne die Riehler Heimstätten ein1heute SBK Sozial-Betriebe-Köln, die größte Wohnanlage in Deutschland für alte und behinderte Menschen.

Am 13. Oktober 1929 eröffnete Konrad Adenauer die Mülheimer Hängebrücke, damals die grösste Hängebrücke Europas. Bild: Bundesarchiv, Bild 102-18302, via Wikimedia Commons
Am 13. Oktober 1929 eröffnete Konrad Adenauer die Mülheimer Hängebrücke, damals die grösste Hängebrücke Europas. Bild: Bundesarchiv, Bild 102-18302, via Wikimedia Commons

Adenauer arbeitete mit allen politischen Kräften zusammen, solange sie ihm nutzten. Ausnahme waren die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Die Nazis verabscheute er, vor allem auch wegen ihres Judenhasses. Auch als überzeugter Katholik unterstützte er die jüdische Gemeinde in Köln und hielt zum Beispiel die Eröffnungsrede bei der Einweihung der neuen Synagoge in der Roonstraße.

Bei den Kommunisten macht er eine Ausnahme, als sie ihm die notwendigen Stimmen für den Bau der Mülheimer Brücke als Hängeseilbrücke verschaffen mussten. Er wollte unbedingt eine Hängeseilbrücke bauen. Diese Brücke war ihm so wichtig, dass er selber die Farbe dafür aussuchte. Adenauer wünschte sich eine patinagrüne Farbe. Reinhard Thon, ehemaliger Leiter des Amtes für Brücken- und Stadtbahnbau der Stadt Köln dazu: „Adenauer wollte so etwas wie eine Patinafarbe haben, er wollte die Kupferfarben von Kirchen nachempfinden.“1

Die Severinsbrücke im "Kölner Brückengrün", Bild: Rolf Heinrich
Die Severinsbrücke erstrahlt im „Adenauer Grün“, Bild: Rolf Heinrich

In dieser Farbe, von den Kölnern „Adenauer Grün“ genannt, wurden neben der Mülheimer Brücke auch die Zoobrücke, die Deutzer Brücke2hier allerdings nur der ältere Stahlteil und nicht der neuere Betonteil und die Severinsbrücke gestrichen.

Eigensinnig, gläubig – und dem Menschen verpflichtet

Adenauer war also tief verwurzelt in seiner rheinischen Heimat und seinem katholischen Glauben. Sein Selbstbewusstsein war unerschütterlich und er hatte durchaus autokratische Züge. Zitate wie „Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“ oder „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ unterstreichen das. Gleichzeitig war er visionär, pragmatisch, den Menschen verpflichtet und sozial eingestellt.

Wenn ich die schwierigen Zeiten sehe, in denen er in Köln gewirkt hat und die aktuelle Politik betrachte, würde uns heute wohl durchaus ein bisschen mehr Adenauer guttun.

Markus Zens, Januar 2026


Logo Echt Köln, Markus Zens
Stadtführungen von „Echt Köln“

Die Adenauer-Tour von Markus Zens und viele weitere Touren sind direkt über die Website von „Echt Köln“ buchbar.


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Johann Adam Schall von Bell – der kölsche Mandarin

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Statue von Adam Schal von Bell an der Minoritenkirche, Bild: Uli Kievernagel

Ein Kölner war 1658 einer der wichtigsten Berater des Kaisers von China: Der Jesuit und Wissenschaftler Adam Schall von Bell. Geboren am 1. Mai 1591 (oder, je nach Quelle, 1. Mai 1592) in Köln, besuchte er das Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße. Später studierte Schall von Bell in Rom Astronomie. Zusammen mit einer Gruppe Missionare reist er  im Jahr 1618 nach China und gerät dort in die Wirren des Kolonialkriegs. Sein Wissen über moderne Waffentechnik – Schall von Bell repariert erfolgreich alte Kanonen – sichert den Chinesen den Sieg über die Niederländer und führt ihn an den kaiserlichen Hof.

Grabstein von Adam Schall von Bell auf dem Pekinger Zhalan Friedhof, Bild: Uli Linnenberg, aufrome.de
Grabstein von Adam Schall von Bell auf dem Pekinger Zhalan Friedhof, Bild: Uli Linnenberg, aufrome.de

Dort wird er mit er mit der enorm wichtigen Aufgabe beauftragt, den chinesischen Kalender zu reformieren. Durch seine erfolgreiche Arbeit wird er wichtigster Berater des Kaisers Shunzhi, der ihn zum Mandarin befördert. Den Tod Shunzhis nutzen die Schall von Bells Gegner, um ihn zu diskreditieren – in einem Schauprozess wird er zum Tod durch Zerstückelung bei lebendigem Leib verurteilt. Ein paar Tage vor der Hinrichtung rettet ihn ein Zufall vor dem grausamen Tod, weil ein Erdbeben als Beweis seiner Unschuld gedeutet wird. Schall von Bell stirbt eines natürlichen Todes im Alter von 74 Jahren.

In seiner Heimatstadt erinnert eine stark verwitterte Statue in Nähe der Minoritenkirche an den „Kölschen Mandarin“.


Schall von Bell in Köln und die Brauerei AufRome

Es gibt eine ganz erstaunliche – und mir völlig unbekannte – kölsche Querverbindung zwischen der Brauerei AufRome und Adam Schall von Bell. Davon hat mir Uli Linnenberg erzählt:

Der Brauunternehmer Linnenberg ist Eigentümer der Brauerei AufRome. Und vermutlich ein Onkel von Adam Schall von Bell war auch von 1599-1605 Betreiber dieser Brauerei. Um genau zu sein war es seine Frau, Anna Reuffers bekannt als „die Brauersche auf Rome/up ruim“. Sie hat in dritter Ehe den Edlen Ruprecht Schall von Bell geheiratet und dann mit ihm die Brauerei geführt. Es sei sogar möglich, so Linnenberg, dass Adam Schall von Bell während seiner Zeit am Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße bei seiner Kölner Familie gewohnt haben könnte, schließlich war das Gymnasium nur ein paar Meter von der Brauerei entfernt.

Die Brauerei AufRome - ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de
Die Brauerei AufRome – ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de

Die ganze, wechselvollen fast 700-jährige Geschichte dieser Brauerei findet ihr auf der Website AufRome.de. Schaut mal rein. Lohnt sich. Genau wie ein  Schluck des dort gebrauten Biers: Der Düxer Bock. Ein Genuss.


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Josef Stübben – Der Stadtbaumeister der Kölner Moderne

Auszug aus dem Plan zur Kölner Stadterweiterung inkl. Portrait des Stadtbaumeisters Josef Stübben (1845 - 1936)
Auszug aus dem Plan zur Kölner Stadterweiterung inkl. Portrait des Stadtbaumeisters Josef Stübben (1845 – 1936)

Als Josef Stübben im Jahr 1881 seinen Dienst in Köln antrat, standen Stadt und Verwaltung vor einer Jahrhundertaufgabe. Der Abriss der mittelalterlichen  Stadtmauer war im vollen Gange. Die Domstadt brauchte Platz zum Wachsen, Luft zum Atmen und Straßen, auf denen sich die Zukunft bewegen konnte. Stübbens Aufgabe war die Gestaltung der Kölner Neustadt – ein Werk, das bis heute das Gesicht der Stadt prägt.

Geboren wurde Hermann Josef Stübben am 10. Februar 1845 in Hülchrath (heute Stadt Grevenbroich). Er war das älteste von zehn Kindern, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur in Düsseldorf absolvierte er sein Studium an der Bauakademie in Berlin. Bereits früh zeigte sich seine Affinität zum technischen, zugleich aber auch zum gestalterisch-gesellschaftlichen Anspruch der Stadtentwicklung. Er legte 1871 das Staatsexamen ab und wurde mit einem Stipendium ausgezeichnet – ein erster Fingerzeig für seine steile Karriere, die folgen sollte.

Köln: Stadterweiterung mit System

Nach ersten Jahren als Bauingenieur bei der Eisenbahn begann Stübbens Karriere als Stadtbaumeister in Aachen, wo er mit gerade einmal 31 Jahren die Verantwortung für den städtischen Hoch- und Tiefbau übernahm. Seine städtebaulichen Entwürfe, etwa für neue Wohngebiete und die Gesamtentwicklung Aachens, folgten einem damals revolutionären Denken: Nicht einzelne Häuser sollten geplant werden, sondern ganze Stadtteile im Zusammenhang – langfristig, mit Flexibilität für spätere Anpassungen. Diese Methodik begründete den modernen Städtebau. Wegen seiner außerordentlichen Verdienste ließ der Ruf aus Köln nicht lange auf sich warten.

Als Josef Stübben 1881 nach Köln kam, hatte die Stadt gerade einen folgenschweren Entschluss gefasst: Die mittelalterliche Befestigung, lange ein Hemmnis für jede Entwicklung, war gefallen. Die Stadt durfte sich nun über die alten Wälle hinaus entfalten. Die Vision: eine moderne Großstadt – offen, gesund, lebenswert. Den Wettbewerb zur Planung der Stadterweiterung gewann Stübben gemeinsam mit dem Architekten Karl Henrici. Doch es war Stübben, der das Projekt federführend umsetzte.

Dieses Bild, um 1881, aus der Vogelperspektive zeigt, welche Dimensionen die von Stübben geplante Kölner Neustadt hatte. Bild: Jakob Scheiner, gemeinfrei
Dieses Bild, um 1881, aus der Vogelperspektive zeigt, welche Dimensionen die von Stübben geplante Kölner Neustadt hatte. Bild: Jakob Scheiner, gemeinfrei

Das Zentrum seiner Planung: die Kölner Neustadt – ein Gürtel, der sich hufeisenförmig um das alte Stadtzentrum legte, gegliedert durch breite Alleen, großzügige Platzanlagen und eine klare funktionale Trennung von Wohn-, Verwaltungs- und Verkehrsbereichen. Es entstand die charakteristische Kölner Ringstraße, die zwischen 1886 und 1891 etappenweise eröffnet wurde. Stübbens Entwurf verband Repräsentation mit Funktionalität, Militärgeschichte mit urbaner Moderne: Aus dem einstigen Festungsring wurde ein Prachtboulevard.

Der Hohenzollernring um 1900 - ein Prachtbelouvard
Der Hohenzollernring um 1900 – ein Prachtbelouvard

Stübben berücksichtigte in seinen Planungen das zukünftige Wachstum Kölns und legte systematisch die Grundstruktur der neuen Viertel fest. Das war nicht nur vorausschauend – es war revolutionär.

Durchmischte Bebauung als soziale Innovation

Die Neustadt wurde in zwei große Bereiche unterteilt: Neustadt-Nord und Neustadt-Süd, flankiert von neuen Verkehrstrassen, durchzogen von grünen Promenaden. Das städtebauliche Raster folgte klaren Linien, jedoch aufgelockert durch Plätze wie den Zülpicher Platz, Rudolfplatz oder Ebertplatz.

Nä - wat doch fröher schön: Der Barbarossaplatz um 1900
Einst ein stadtbauliches Idyll, heute Kölns hässlichster Platz: Der Barbarossaplatz, hier auf einer Darstellung um 1900

Stübben plädierte für eine durchmischte Bebauung, in der Mietskasernen, Wohnhäuser für das gehobene Bürgertum und Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Schulen, Kirchen oder Krankenhäuser nebeneinander Platz fanden. Auch die Idee einer durchgehenden Straßenbeleuchtung, breiten Gehwegen und moderner Entwässerung wurde von ihm mitgedacht.

Ein Mann mit Weitblick

Stübbens Konzept für Köln war geprägt von Pragmatismus und Idealismus gleichermaßen. Er wollte keine „Traumstadt“, sondern eine funktionierende Metropole – gesund, sozial durchmischt, anpassbar. 1890 erschien sein Buch „Der Städtebau“, das zum Standardwerk wurde und internationale Aufmerksamkeit fand. Bis 1924 erlebte es drei Auflagen. Das Buch war weit mehr als ein Fachbuch – es war ein Manifest für den Städtebau als umfassende, gesellschaftlich relevante Disziplin.

Das Stübben-Buch „Der Städtebau", erschienen 1890, ist ein Standardwerk des Städtebaus
Das Stübben-Buch „Der Städtebau“, erschienen 1890, ist ein Standardwerk des Städtebaus

In Köln wurde er 1889 zum Stadtbaurat, 1892 zum Beigeordneten ernannt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war er nicht mehr nur Fachmann, sondern auch Entscheider – ein Architekt, der Politik machen konnte. 

Städtebau im Rheinland – und darüber hinaus

Neben Köln plante Stübben die Stadterweiterungen von Düsseldorf, Heerdt-Oberkassel, Saarlouis und Aachen. In Koblenz sah mab ebenfalls die Entwicklung der Stadt auf dem Gelände der geschleiften Festungsanlagen vor – dank der Erfahrungen aus Köln für Stübben eine vertraute Aufgabe. Auch in Belgien, etwa in Brügge, Antwerpen oder Brüssel, wurde Stübben als Planer tätig. Dass König Leopold II. von Belgien persönlich mit ihm über Städtebau sprach, zeigt die internationale Anerkennung seiner Arbeit.

Neben seiner Planungstätigkeit war Stübben auch in sozialen Fragen engagiert. Er trat für den Bau von Arbeiterwohnungen ein und gründete 1899 mit anderen den „Rheinischen Verein zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens“. Als einer der Ersten erkannte er die Notwendigkeit gemeinnütziger Baugesellschaften, die auch ärmeren Bevölkerungsschichten menschenwürdiges Wohnen ermöglichten.

Die Figur von Hermann Josef Stübben auf dem Rathausturm Koeln, Bild: Raimond Spekking
Die Figur von Hermann Josef Stübben auf dem Kölner Rathausturm, die Figur rechts stellt den Erfinder und Unternehmer Eugen Langen dar. Bild: Raimond Spekking

1904 verließ er Köln und ging nach Berlin. Dort arbeitete er als Oberbaurat im Preußischen Finanzministerium an der Umgestaltung der ehemaligen Festungsstadt Posen. Auch in seiner späten Karriere blieb er aktiv: Er gewann Städtebau-Wettbewerbe für Bilbao (1926) und Madrid (1930) und beriet sogar 1929 beim Ausbau der Vatikanstadt.

Seine Planung lebt im Stadtbild weiter

Stübben starb am 8. Dezember 1936 im Alter von 91 Jahren, beigesetzt wurde er in Berlin. Er war kein Theoretiker am Schreibtisch, sondern ein Mann der Umsetzung.

Für ihn war klar: Eine Stadt kann nur dann schön und lebenswert sein, wenn sie auch den praktischen Anforderungen entspricht – Verkehr, Hygiene, soziale Infrastruktur. Genau das hatte Köln zur Zeit seiner größten Expansion dringend gebraucht – und genau das lieferte Josef Stübben.

Gedenkplakette für Joseph Stübben an der Hahnentorburg, Rudolfplatz, Bild: Uli Kievernagel
Gedenkplakette für Josef Stübben an der Hahnentorburg, Rudolfplatz, Bild: Uli Kievernagel

Ohne Stübben keine Kölner Neustadt. Ohne Neustadt kein modernes Köln. Was Josef Stübben für die Stadt am Rhein geleistet hat, reicht weit über das Ziehen von Straßenzügen hinaus. Er hat Köln auf ein neues Fundament gestellt – technisch, sozial, ästhetisch.

Ein Stadtbaumeister, der wusste, wie Städte wirklich funktionieren. Und dessen Planungsgeist bis heute im Stadtbild weiterlebt.


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Jupp Schmitz – Der Mann, der den Frohsinn komponierte

Der kölsche Musiker Jupp Schmitz (1901 - 1991), Bild: Uli Kievernagel
Der kölsche Musiker Jupp Schmitz (1901 – 1991), hier auf dem ihm gewidmeten Denkmal, Bild: Uli Kievernagel

Man liest die Titel und hat sofort die Melodie im Kopf: „Ich fahr mit meiner Lisa zum schiefen Turm von Pisa“, „Wer soll das bezahlen?“, „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ und selbstverständlich „Es ist noch Suppe da“.

Diese Lieder stammen alle aus der Feder von Jupp Schmitz – ein Mann, der ganz maßgeblich den musikalischen Tonfall des rheinischen Liedgutes und des Karnevals mitgeprägt hat. Seine Lieder sind bis heute fester Bestandteil jeder Session, seine Texte oft unterschätzt. Sein Werk ist ein Archiv kölscher Zeitgeschichte – heiter, doppeldeutig und nie ganz ohne Tiefgang.

Ein Musiker aus dem Veedel

Jupp Schmitz wird am 15. Februar 1901 im Kölner Severinsviertel geboren. Sein Vater Philipp Schmitz ist Trompeter, die Mutter will, dass ihr Sohn Pianist werden soll. Während andere Kinder draußen spielen, erhält Jupp Schmitz mit sieben Jahren Klavierunterricht und muss viel üben. Später besucht er das Kölner Konservatorium und wird tatsächlich als Konzertpianist ausgebildet.

In den 1920er-Jahren leitet er eigene Kapellen und tritt in renommierten Kölner Häusern wie dem Dom-Hotel und dem Monopol auf. Auch bei der letzten Tournee von Willi Ostermann im Jahr 1936 sitzt Schmitz am Klavier.

Bereits 1934 beginnt seine Zusammenarbeit mit dem Reichssender Köln. In dieser Zeit entstehen erste Kompositionen für das damals neue Medium Rundfunk. Mit dem Tango „Gib acht auf dein Herz, Margarethe“ kann Jupp Schmitz in die lukrative Unterhaltungsmusik einsteigen. Besonders hilfreich war es, dass dieses Lied von dem prominenten Sänger Rudi Schuricke gesungen wurde. 

Die Lieder von Jupp Schmitz sind vielseitig, stets eingängig, dabei aber nie anbiedernd und werden auch außerhalb des Rheinlands geschätzt.

Krieg, Heimkehr in das zerstörte Köln

1940 wird Schmitz zum Kriegsdienst eingezogen. Er ist für die Truppenunterhaltung zuständig und singt erstmals auch selber. Seine Stücke schreibt er auf Kölsch und Hochdeutsch.

Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild: U.S. Department of Defense
Das zerstörte Köln am Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Anblick, der auch Jupp Schmitz  tief erschütterte. Bild: gemeinfrei / U.S. Department of Defense, Fotograf: Jack Clemmer

Erst 1946 kommen Jupp Schmitz und seine Ehefrau Bärbel wieder nach Köln. Der Künstler ist angesichts der Zerstörung der Domstadt tief erschüttert. So entsteht sein bewegendes Lied „Ming herrlich Kölle“. Darin beschreibt er aber auch die Zuversicht:

Ming herrlich Kölle, wie sühs do us?
Wo sin ding Stroße, wo stund ming Huus?
Un beß do och zerschlage, dat ändert janix dran,
dat mir met heißem Hätze vun neuem fange ahn.

Nach dem Krieg arbeitet Schmitz weiter für den Rundfunk, tritt in Karnevalssitzungen auf und wird zu einer festen Größe im kölschen Karneval.

Der Hit, der ein Land bewegte

Der endgültige Durchbruch gelingt ihm 1949 mit „Wer soll das bezahlen?“ Ursprünglich als satirischer Kommentar zur Währungsreform gedacht, entwickelt sich das Lied zu einem bundesweiten Hit – ironisch, ohrwurmverdächtig und überraschend aktuell:

Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt,
wer hat soviel Pinke-Pinke, wer hat soviel Geld?

Der Titel bleibt nicht ohne juristisches Nachspiel: Der Berliner Komponist Wilhelm Gabriel erkennt in dieser Melodie eine Variante seines eigenen Werkes und klagt. Schmitz gewinnt – unter anderem, weil er beweisen kann, dass er die Melodie schon Jahre zuvor verwendet hatte.

Der als Satire gedachte Hit „Wer soll das bezahlen?“ war einer der ganz großen Hits von Jupp Schmitz. Bild: © 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Der als Satire gedachte Hit „Wer soll das bezahlen?“ war einer der ganz großen Hits von Jupp Schmitz. Bild: © 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

„Es ist noch Suppe da“

Mit den 1950er-Jahren beginnt die produktivste Phase von Jupp Schmitz. Mit Liedern wie „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ und „Wir kommen alle in den Himmel“ schreibt er Hymnen, die über den Karneval hinauswirken. Ende der 1960er Jahre erscheint sein Hit „Es ist noch Suppe da“. Es sind die erfolgreichsten Jahre des Künstlers. Zwischen 1969 und 1987 tritt er insgesamt 18 mal in der beliebten Fernsehshow „Zum Blauen Bock“ auf.

Der Liedtext von "Em Winter, dann schneit et“ ist auch Teil des Denkmals für Jupp Schmitz in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel
Der Liedtext von „Em Winter, dann schneit et“ ist auch Teil des Denkmals für Jupp Schmitz in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel

Jupp Schmitz nimmt sich selbst nicht zu ernst, aber seine Zuhörer ernst genug, um sie zum Lachen zu bringen. So feiert er mit Liedern wie „Em Winter, dann schneit et“ große Erfolge:

Wenn dr Summer kütt eran, jommer in dr Wald,
feste weed jewandert dann, jesunge, dat et schallt.
Ävver is dr Winter do, jommer nit mie hin,
weil mir von Natur us jo – jet ärch empfindlich sin.

Em Winter, dann schneit et, im Winter is et kalt,
immer kalt, immer kalt, immer kalt.
Dröm jommer em Winter och jarnit in dr Wald,
in dr Wald, in dr Wald, in dr Wald.

Ävver em Mai, dann weed et widder jrön, –
dann blöhe de Böum, dann is et schön.

Der Skandal um den „Hirtenknaben von St. Kathrein“

Ein ungewöhnlicher Tiefpunkt seiner Karriere war der Auftritt 1964 bei der Prinzenproklamation. Normalerweise trat Jupp Schmitz immer mit Smoking, mindestens aber im Anzug, und oft mit einer edlen Narrenkappe auf.

Bei der Fernsehübertragung der Prinzenproklamation steht er, auf ausdrücklichem Wunsche des Veranstalters, in kurzer Lederhose und einem lächerlichen Filzhut auf der Bühne. Er spielt zunächst das Lied „Der Hirtenknabe von St. Kathrein“ und danach den eher einfachen Titel „Risotto-Otto und Spaghetti-Betty“.

Jupp Schmitz wollte mit dem „Hirtenjungen“ die zu dieser Zeit im Fernsehen überaus erfolgreichen Heimatschnulzen persiflieren. Doch dieser Plan ging gründlich schief. Das Publikum reagiert mit Buhrufen und Pfiffen. Und bei der TV-Übertragung des WDR sagt der Kommentator wörtlich: „Bleiben Sie noch ein bißchen am Apparat, es wird gleich wie­der ganz nett.“ Die Persiflage wurde nicht verstanden.

Diese Demütigung hinterließ tiefe Spuren bei Jupp Schmitz: „Wenn es der Bestie Volk nicht gefällt, pfeifen sie einen von der Bühne herunter – han ich dat noch nüdig?“ fragte er danach öffentlich. Zu seiner Genugtuung verarbeitet er später diesen Tiefpunkt seiner Karriere in einem seiner Lieder:

Der Hirtenknabe von Sankt Kathrein,
der denkt noch heute an Köln am Rhein.
Er sang seine Lieder,
da pfiffen die Brüder,
drum singt er nur noch in Sankt Kathrein.

Das Grab von Jupp Schmitz auf dem Melatenfriedhof mit seinen unvergesslichen Zeilen: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ Bild: MSchnitzler2000, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Das Grab von Jupp Schmitz auf dem Melatenfriedhof mit seinen unvergesslichen Zeilen: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“ Bild: MSchnitzler2000, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Ein Leben für die Musik

Bis ins hohe Alter bleibt Schmitz künstlerisch aktiv. Zwar kündigte er zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 1981 seinen Rückzug an, doch bei ganz besonderen Anlässen kann man den Künstler noch auf der Bühne erleben. So wurde sein Auftritt auf der Prinzenproklamation im Jahr 1983 zu einem überragenden Erfolg – eine späte Genugtuung für Jupp Schmitz nach der „Hirtenknaben-Demütigung“ im Jahr 1964.

Auch sein Auftritt mit den Bläck Fööss im Jahr 1989 bei deren Konzertreihe im Millowitsch-Theater war ein großer Erfolg . Am 15. Februar 1991 feiert er seinen 90. Geburtstag mit einem Auftritt im Senftöpfchen-Theater. Dort zeigte er noch einmal sein ganzes Talent und nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch seine Karriere.

Nur sechs Wochen später, am 26. März 1991, stirbt Jupp Schmitz in Köln. Er wird auf dem Melaten-Friedhof bestattet. Auf seinem Grabstein steht

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“


Collage Krätzjer-Tour
 

Stadtführung: „Krätzjer lijje op d´r Stroß“

Selbstverständlich ist Jupp Schmitz auch Bestandteil meiner Stadtführung „Krätzjer lijje op d´r Stroß“.


Das Jupp-Schmitz-.Plätzchen in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel
Das Jupp-Schmitz-Plätzchen in der Kölner Innenstadt, Bild: Uli Kievernagel

Jupp-Schmitz-Plätzchen

1994 erhält Jupp Schmitz posthum sein Denkmal: Am Salomonsgäßchen in der Innenstadt wird ein Platz nach ihm benannt: Das Jupp-Schmitz-Plätzchen. Ein kleines Piano aus Bronze und Bronzeplatten, auf denen Liedtexte von Jupp Schmitz eingraviert sind, erinnert heute an einen Mann, der mit großem Taktgefühl den Frohsinn komponierte.

Das Denkmal für Jupp Schmitz auf dem Jupp-Schmitz-Plätzchen, Bild: Uli Kievernagel

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Das Denkmal für Jupp Schmitz auf dem Jupp-Schmitz-Plätzchen, Bild: Uli Kievernagel


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