Ein paar Fragen an die Macher des Düxer Bocks

Minimalistisches Design - großartiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Minimalistisches Design – großartiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

+++ UPDATE März 2022 +++

Caroline Hamacher-Linnenberg und Uli Linnenberg, die „Erfinder“ des Düxer Bock geben ihren Bock in gute Hände weiter:

Liebe Freunde,
das erste Fass unseres feinen Bockbiers haben wir vor 3 Jahren angeschlagen. Seitdem schmeckt der DÜXER BOCK immer mehr Fans im Umkreis unserer Heimatstadt. Für uns heißt das: „ZIEL ERREICHT“.
Logisch, dass der selbstbewusste Bock mit den Hufen scharrt, um Genießer in ganz Deutschland zu erobern.
Dafür übergeben wir den *DÜXER BOCK* und die *Brauerei AufRome1468* heute mit großer Überzeugung an Marian Krause und Laura-Marie Zöllter.
Sie sind leidenschaftliche Bar-Gastronomen mit Unternehmungsgeist. Aus Ihrer Erfolgsstory: Marian ist World Class Bartender of the Year 2015 und 2021 und Inhaber von „The Grid Bar“ in der Kölner Friesenstraße. Die Bar wurde 2021 als „Barteam“ und „Bar des Jahres Deutschlands“ ausgezeichnet.
Mehr über ihr KnowHow bei Premium-Getränken und ihre innovativen, erfolgreichen Projekte erfahrt ihr demnächst von Marian und Laura selbst.
Wir beide lehnen uns zurück. Danke euch allen für euer Interesse an unserem Bockbier und den Enthusiasmus seit dem ersten Schluck. Ihr habt uns stolz gemacht. Danke an alle, die mit uns teilen, dass die alte Liebesgeschichte um einen Ziegenbock in Köln-DÜX auch heute eine Erfolgsstory ist.
Marian und Laura, ihr werdet die Geschichte in dem Sinn weiterschreiben. Wir glauben an euren Erfolg!
Ein Hoch auf die Liebe
Uli Linnenberg & Caroline Hamacher-Linnenberg


Ein leises Zischen und die Flasche ist auf. Soeben hat Caroline Hamacher eine Flasche des „Düxer Bocks“ aufgemacht. Das bernsteinfarbene Bier fließt in das wunderschöne Glas, auf dem ganz dezent der Bock grüßt. Die ersten Schlücke sind herrlich: Ein vollmundiges, malziges Bier. Es schmeckt hervorragend.

Mir gegenüber sitzen die beiden Brauunternehmer Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg. Nach vielen Berufsjahren in der Werbung entschieden sich die beiden gegen den Ruhestand. Sie wollten es nochmal wissen und haben angefangen, Bier brauen zu lassen. In Köln. Ihre Brauerei AufRome produziert kein Kölsch sondern ein Bockbier, den Düxer Bock.

Bockbierbrauer in der Kölsch-Stadt: Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg, Bild: Hamacher-Linnenberg
Bockbier in der Kölsch-Stadt: Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg, Bild: Hamacher-Linnenberg

Schon ist mein Glas  leer, doch Ulrich Linnenberg schenkt nach. Mit dem Düxer Bock im Glas macht unser Gespräch noch mehr Spaß.

Es gibt doch schon so viele Kölschsorten. Warum braut ihr noch ein neues kölsches Bier?

Mehr Bockbier für die Stadt! Und wir wollten die Liebesgeschichte um den Düxer Bock bekannt machen.

Und warum habt gerade ihr angefangen, Bier unter die Menschen  zu bringen?

Wir sind beide passionierte Kölsch-Trinker. In und um Köln werden jährlich mehr als 1,7 Millionen Hektoliter Kölsch gebraut und getrunken. Und wir wollen zur Biervielfalt beitragen. Der Düxer Bock soll auch keine Alternative zum Kölsch sein, vielmehr eine Ergänzung. Neben Kölsch, Pils oder Weizen bietet der Düxer Bock eine weitere Geschmacksvariante an.

Schmeckt der Düxer Bock anders als normale Bockbiere?

Total anders. Unser „Bockbier für Rheinländer“ ist weniger bitter als übliche Bockbiere und hat ein feines Fruchtaroma. Durch verschiedene Malzsorten erhält es eine warme orangene Farbe und eine karamellige Note.

Bockbier ist immer so stark. Wird man davon nicht schon nach dem ersten Glas betrunken?

Nää! Unser Düxer Bock hat schließlich weniger Alkohol als Weißwein. Tatsächlich hat unser Bockbier einen Alkoholanteil von 6,9 % Vol. und ist damit zwar stärker als Kölsch mit 4,8 % aber leichter als andere Bockbiere, die bis zu zu 7,5 % Alkohol haben können.

Stimmt! Ich trinke mein zweites Glas aus und fühle mich nicht anders als nach zwei Kölsch. Fragend hebe ich den Blick – und Caroline schenkt noch einmal nach. Es wird Zeit für die „Kölschen Fragen“:

Welche kölsche Eigenschaften zeichnen euch aus?

Caroline : Mer laache jään.
Ulrich: Levve un levve looße.

Was würdet ihr morgen in unserer Stadt ändern?

Die KVB neu erfinden

Wenn nicht Köln – wo sonst könntet ihr leben?

In einer Stadt am Meer wie zum Beispiel Lissabon, aber nach drei Monaten wollen wir zurück zum Dom.

Wo ist euer Lieblingsplatz in Köln?

Caroline: Ganz klar im Stadtwald.
Ulrich: D’r Rhing erop un d’r Rhing erav, links wie räächs.

Was macht ihr zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Singen, kostümieren, Uniform anziehen, im Zug mitgehen, schunkeln, Kölsch trinken. Fisch essen. 

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Alles außer Karneval

Wenn wir 10.000 Euro für etwas spenden würde, ginge unser Geld an …

Jutta’s Suppenküche am Dom

Wodrüber laachs de dich kapott?

Caroline: Opjeblosene Fastelovends-Offizielle
Ulrich: mich selvs 

Euer kölsches Lieblingsessen?

Der Halve Hahn. Röggelchen, Butter, mittelalter Gouda, weiße Zwiebeln, Senf. Er wird leider kaum noch so klassisch serviert.

Eure Lieblingskneipe?

Da gibt es verschiedene Junkersdorfer Wohnzimmer… Mer weiß wä do es, wat et jitt un wer kütt us d’r Nohberschaff. Un mer kann zo Fooss noh Hus jonn.

Nennt einen Grunde, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Sommerkarneval

Euer Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Carline: Föttchesföhler
Ulrich: Doof Noss

Bitte vervollständigt den Satz: Köln ist ….

Caroline:  … alles us däm Leed „Du … bes die Stadt“ vun de Bläck Fööss
Ulrich: … lebenswert, weltoffen, tolerant

Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

Schon wieder ist mein Glas leer. Wie schön wäre es doch, den Düxer Bock auch zu Hause im Kühlschrank zu haben. Daher meine letzte Frage:

Wo bekomme ich den Düxer Bock?

An unserem Probierstand, mit dem wir viel unterwegs sind. Zum Beispiel nächste Woche Sonntag auf dem Weihnachtsmarkt in RADERBERG und THAL vor dem Kloster der Benediktinerinnen.
Oder lasst euch in eine Bar oder in ein Restaurant einladen, wo unser Bier serviert wird. Oder zuhause, wenn man vorher im Handel einkaufen war. Mit Freude ergänzen wir jede Woche weitere Namen der Depots auf unserer Website. Wir haben jetzt auch einen Onlineshop.

Vielen Dank für das Gespräch – und das Bier.


Die Brauerei AufRome und „Der Kölsche Mandarin“ Adam Schall von Bell

Es gibt eine ganz erstaunliche – und mir völlig unbekannte – kölsche Querverbindung zwischen der Düxer-Bock-Brauerei AufRome und Adam Schall von Bell. Davon hat mir Uli Linnenberg erzählt:

Vermutlich ein Onkel von Adam Schall von Bell war auch von 1599-1605 Betreiber dieser Brauerei. Um genau zu sein war es seine Frau, Anna Reuffers bekannt als „die Brauersche auf Rome/up ruim“. Sie hat in dritter Ehe den Edlen Ruprecht Schall von Bell geheiratet und dann mit ihm die Brauerei geführt. Es sei sogar möglich, so Linnenberg, dass Adam Schall von Bell während seiner Zeit am Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße bei seiner Kölner Familie gewohnt haben könnte, schließlich war das Gymnasium nur ein paar Meter von der Brauerei entfernt.

Die Brauerei AufRome - ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de
Die Brauerei AufRome – ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de

 


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Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper

Jede Woche bekomme ich einige Rückmeldungen zum jeweiligen „Ding der Woche“. Mal Korrekturen, mal ergänzende Hinweise und ganz oft Lob. Aber noch nie habe ich so viele Rückmeldungen wie letzte Woche zum Beitrag „AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen“ bekommen. Und ausnahmslos alle stimmen mir zu.

Dafür ein großes DANKE!

Ich habe mich dazu entschlossen eine repräsentative Auswahl davon zu veröffentlichen. Dabei findet ihr hier nur die Rückmeldungen, bei denen ich ausdrücklich den Namen der Absender nennen darf.

Falls ihr euch auch noch melden wollt – nur zu! Ich ergänze diese Seite gerne auch mit euren Beitrag.

Uli, der Köln-Lotse

PS Karl Küpper selber hat 1952 auf der Bühne mit ausgestrecktem Arm zu den wieder zu Ruhm & Ehre gekommen Nazis gesagt „Et eß ald widder am rääne!“. Und gleiches würde er auch heute zur AfD sagen.


Zwischenzeitlich hat auch die Abstimmung im Stadtrat zu dem Vorstoß der AfD stattgefunden. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. DANKE an alle Mitglieder des Rats, die sich nicht vor den Karren der AfD spannen lassen. Hier der Bericht aus dem Kölner Stadt-Anzeige dazu:

Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2019
Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2019

Unter dem Titel „AfD … absurd“ hat sich Ulrich Feith von den Kölner Ratsbläsern gemeldet. Diese Truppe von hervorragenden Musikern ist fester Bestandteil des Kölner Karnevals. 

Ehrlichkeit und Authentizität des Ausrufenden einer Ehrung sind maßgebend, wenn eine Ehrung ausgesprochen wird oder werden soll. 

Ehrungen sind Respektbekundungen, die nur wenn sie auch ehrlich gemeint sind ihre wohltuende Wirkung entfalten können.

Der AfD fehlt leider diese spezielle notwendige Eigenschaft den ehrwürdigen Karl Küpper zu ehren, weil sie eine vortäuschende, manipulative und scheinbare Ehrlichkeit für diese Ehrung gebrauchen, die Karl Küpper zu Lebzeiten sicher mit einer passenden pointierten Äußerung zu kommentieren gewusst hätte.

Ulrich Feith
Kölner Ratsbläser


Diese Rückmeldung kam von bekannten Karnevalisten Klaus Rupprecht. Er ist ein bekannter Büttenredner und tritt immer zusammen mit seinem „sprechenden Affen“ Willi auf:

Mein Leben lang hat mich die deutsche Vergangenheit persönlich sehr beschäftigt und ich habe mich immer bemüht, klar Stellung gegen rechtes Gedankengut zu beziehen. Auf der Bühne ist es in meiner Rolle etwas schwierig, denn bei einem kleinen Affen nimmt man politische Bemerkungen nicht wirklich ernst, aber den einen oder anderen Seitenhieb in die rechte Ecke hat es auch von Willi immer gegeben, und das wird auch weiter passieren. 
Privat bin ich der Meinung, dass es noch immer – und leider wieder – zu viele Menschen gibt, die seinerzeit unter den Nationalsozialisten gelitten haben, und denen nach dem Krieg nicht nur die nötige Anerkennung und Wiedergutmachung versagt wurde, sondern die auch noch unter der Arroganz und Ignoranz alter Nazis leiden mussten, die mit dem Persilschein rein gewaschen wurden, weil sie für den Aufbau des neuen Deutschlands offensichtlich unverzichtbar waren. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, wie viel Zivilcourage ein Mann wie Karl Küpper gehabt haben muss, um seine Ansichten in dieser Zeit überhaupt öffentlich zu machen. Und das auch noch auf diese herrlich ironische Art, die den Charakter einer guten Büttenrede auszeichnet. Jeder Vergleich mit heutigen Rednern hinkt gewaltig, denn außer der einen oder anderen Kritik hat ein Redner heutzutage doch nichts wirklich Negatives zu erwarten. Von daher sollten wir alle den Narrenhut ziehen vor Karl Küpper.
Man fragt sich unwillkürlich, warum ausgerechnet eine Partei wie die AFD einen solchen Vorschlag unterbreitet. Der Willi sieht das übrigens genauso… und beantwortet die offene Frage so:
Laut Statistik ist einer von vier AFD- Politikern … genauso doof wie die anderen drei!
Mit affigen Grüßen
Klaus und Willi


Annette Full aus Raderberg hat sich auch gemeldet. Sie hat den Beitrag auch auf der Seite des Bürgervereins RADERBERG und -THAL e.V. veröffentlicht:

Lieber Köln-Lotse,
mal wieder ein großartiger Beitrag!
Müsste der nicht auch als Leserbrief an sämtliche Zeitungen?
Ich übernehme diesen gerne für die Website des Bürgervereins RADERBERG und -THAL.
Liebe Grüße
Annette Full

Hinweis:
Ich habe den Artikel auch als Leserbrief an den Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau. Im Stadt-Anzeiger wurde dieser am 11.11.2019 abgedruckt:

Leserbrief Karl Küpper, abgedruckt im Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.2019
Leserbrief Karl Küpper, abgedruckt im Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.2019

Diese Rückmeldung kam von Stephan Otten aus Köln:

Lieber Uli,
danke für die klaren Worte! Diese kann man nicht oft genug erheben, um dem Rechtsruck entgegenzuwirken und die Halsbandsittiche fliegen noch ein wenig länger um das Maritim Hotel.
Oft genug hat die Vergangenheit gezeigt, dass „Geschichte“ missbraucht und zu Gunsten von Machtstrebenden verändert bzw. angepasst wurde – dieser Missbrauch darf mit Karl Küpper nicht passieren!
Gerade gestern Abend ist uns auf der Museumsnacht im ELDE Haus bewusst geworden, wie der Karneval vom NS Regime genutzt – nein, missbraucht wurde. Eine dunkle Seite in Kölns Geschichte.
Politik war und ist immer im Karneval zuhause – ob auf Festwagen oder in Büttenreden, dass soll auch so bleiben finde ich – dies hat nun jedoch nichts mehr mit Politik, geschweige denn demokratischer Meinungsäußerung zu tun und ich erwarte hier genauso eine klare Stellungnahme des Festkomitees und hoffe, dass dieses Thema zumindest in den alternativen Karnevalssitzungen lautstark Einzug findet! 
Weiter so!!!!
 Gruß,
Stephan Otten


Franz-Josef Knöchel hat sich auch gemeldet. Er ist schon seit 1983 Mit-Organisator einer jährlichen Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938.

Hallo Uli,
richtig so – Arsch huh! Und auch ganz gezielt die Honoratioren ansprechen mit „Höre ich Euch?!“ Ein ganz toller Beitrag über den Verdötschten, den ich als Nicht-Karnevalist und Nicht-Kölner bisher gar nicht kannte.
Korrekt und mutig v.a. auch Deine Aussagen zur AfD, die ich vollumfänglich unterschreiben würde!

Mit extra herzlichen Grüßen – keinen Handbreit den Faschisten!
Franz-Josef Knöchel


Aus Solingen hat mich diese Mail von Axel Sobek erreicht:

Super Beitrag.
Ich hoffe, dass es nie wieder regnet!
Liebe Grüße
Axel Sobek


Falls ihr euch noch dazu äußern wollt – gerne

Is et am rääne? – Büttenredner Karl Küpper

Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.
Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.

 

Der Karneval und das Dritte Reich sind ein dunkles Kapitel. Zu den lobenswerten Ausnahmen gehört der Büttenredner Karl Küpper. Als „Ne Verdötschte“  machte sich Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen über die Nazis lustig. Ein Klassiker waren seine Auftritte, die Hand zum Hitlergruß ausgetreckt und die Frage in den Raum „Is et am rääne?“ oder auch „Su huh litt der Dreck bei uns im Keller.“

Seine subversiven Auftritte blieben nicht ohne Folgen. Im Jahr 1939 belegten die Nazis ihn mit einem lebenslangem Rede- und Auftrittsverbot. Einer Verhaftung umging er mit seiner freiwilligen Meldung zur Wehrmacht. Das Redeverbot wurde aufgehoben und Küpper spielte im Fronttheater.

Zurück aus Kriegsgefangenschaft war Küpper wieder Redner im Karneval – und prangerte die Einflussnahme der alten Nazis in Wirtschaft und Gesellschaft an. So hob er bei einem Auftritt im Karneval 1951 den rechten Arm und rief in den Saal „Et es widder am rähne!“. Und wieder wurde er Opfer der vermeintlichen Eliten und mit einem faktischen Auftrittsverbot im Karneval bestraft. Küpper beendete 1960 seine Karriere als Büttenredner und wurde Gastwirt in Köln-Kalk. 1970 verstarb Karl Küpper im Alter von 64 Jahren. Sein Grab ist auf Melaten zu finden.

Im Jahr 2011 hat die Stadt einen Platz in der Innenstadt nach Karl Küpper benannt. Die aber wohl schönste Ehrung für Küpper stammt von der Stunksitzung: Präsident Jürgen Becker hat eine Rede des „Verdötschten“ im originalen Wortlaut vorgetragen.


November 2019: AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen

Gleich zweimal wurde Karl Küpper von den Nazis von den Bühnen verbannt: Zunächst 1939 mit einem ausgesprochenen Auftrittsverbot durch die braunen Machthaber. In der Nachkriegszeit wurde er zum zweiten Mal Opfer der vermeintlichen Eliten. Die alten Nazis, die es in Politik und Gesellschaft wieder zu Ruhm und Ehre gebracht haben, stellten ihn mit einem faktischen Auftrittsverbot kalt.

Und jetzt, 80 Jahre später, vergreifen sich wieder Politiker von Rechtsaußen an dem verdienten Karnevalisten. Ausgerechnet die AfD, deren Protagonist sogar laut Gerichtsbeschluss Faschist genannt werden darf, will einen „Karl Küpper Preis“ für die beste politische Büttenrede der Session ins Leben rufen. Also eine Partei, die eindeutig rechtes Gedankengut vertritt, will einen erklärten Gegner für ihre perfiden Zwecke missbrauchen.

Um eins klarzustellen: Würde Karl Küpper heute noch leben, wäre er entschiedener Gegner der widerlichen Politik der AfD. Sein Sohn, Gerhard Küpper, wendet sich auch ganz entschieden gegen diese Provokation. Er schreibt in einem Brief an unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker „Mein Vater war zu seinen Lebzeiten strikt gegen jede Form nationalsozialistischen Gedankenguts und hat sie mit allen Mitteln unter Lebensgefahr bekämpft; würde er heute noch leben, würde er diesen Kampf auch mit der AfD aufnehmen.“.

In aller Deutlichkeit

Wenn eine tiefbraune Partei sich ausgerechnet an einem Gegner der NS-Diktatur vergreift, um diesen für ihre populistischen Zwecke zu missbrauchen, müssen wir alle unsere Stimme dagegen erheben. Also liebes Festkomitee, liebe Präsidenten der Karnevalsgesellschaften, liebe aktive Büttenredner – höre ich euch?

Ich habe diesen Aufruf an Büttenredner und Funktionäre der Karnevalsgesellschaften geschickt. Die Rückmeldungen dazu findet ihr hier: Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper


Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper

Theaterstück "Der Unbeugsame - der Widerstand des Karl Küpper" in der Volksbühne am Rudolfplatz
Theaterstück „Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper“ in der Volksbühne am Rudolfplatz

In der Volksbühne am Rudolfplatz lief das Stück „Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper“. Gerd Köster spielte Karl Küpper.

Ob und wann es weitere Vorstellungen geben wird wird auf der Website der Volksbühne veröffentlicht.


Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper

Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper

Der Historiker und Publizist Fritz Bilz hat das lesenswerte Buch „Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper“ veröffentlicht. 

Fritz Bilz
Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
3. erweiterte Auflage, Köln 2020
20 Euro, erhältlich in jeder Buchhandlung


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„Am Nümaat zwei Päädsköpp“ – Richmodis von Aducht

Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Podcast Richmodis 9

Es ist Mitte des 14. Jahrhundert. In ganz Europa sterben die Menschen an der Pest. Etwa 25 Millionen Tote rafft der „Schwarze Tod“ dahin. Das sind etwa ein Drittel der Einwohner Europas. Besonders stark trifft es die Städte, in denen  die Menschen eng, zum Teil mit Vieh, zusammenleben. Infizierte bekommen zunächst starkes Fieber, dann entstehen am gesamten Körper Beulen, und innerhalb weniger Tage tritt der Tod ein. Die Ärzte sind hilflos. Regelmäßig schaden sie ihren geschwächten Patienten zusätzlich, indem sie diese zur Ader lassen oder mit Brechmittel oder Einläufen behandeln.

Die Seuche erreicht im Sommer 1349 auch Köln. Das öffentliche Leben kommt – aus lauter Angst vor einer Ansteckung – zum Stillstand. Nur wenige Menschen sind bereit, den Kranken zu helfen. Darunter ist die Patrizierin Richmodis von Aducht. Sie stammt aus der angesehenen und wohlhabenden Familie Lyskirchen und heiratet 1346 den einflussreichen Kölner Bürgermeister Richolf Mennegin von Aducht, genannt Mengis. Sie pflegt Pestkranke und steht auch Sterbenden bei ohne sich anzustecken.

Zwei Schimmel auf dem Turm

Doch mit der zweiten Welle der Pest, etwa sieben Jahre später im Jahr 1356, infiziert sich auch Richmodis von Aducht und stirbt an der Krankheit – das dachten zumindest alle. Wegen der Ansteckungsgefahr muss der vermeintliche Leichnam schnell aus dem Haus am Neumarkt geschafft werden. Daher wird ihr eilends ein dünnes Totenhemd angezogen, ein Sarg wird beschafft und Richmodis wird zum nahegelegenen Friedhof an der Apostelnkirche geschafft, um am Folgetag beigesetzt zu werden.

Zwei Totengräbern entgeht dabei nicht, dass der Leichnam der reichen Kölnerin Schmuck trägt. Insbesondere ein wertvoller Ring weckt ihr Interesse. So gehen sie nachts in die Leichenhalle, öffnen den Sarg und wollen die Leiche bestehlen. Der erste Schreck kommt schnell, ist doch die Hand, von welcher einer der Diebe den Ring ziehen will, noch warm. Vollends panisch fliehen die beiden, als sich Richmodis mit den Worten „Mir ist so kalt.“ aufrichtet. Schnell wird ihr klar, wo sie sich befindet und dass sie nicht weit weg von zu Hause ist. Also läuft sie nach Hause und klopft an die Tür. Doch selbstverständlich lässt sie der vom Klopfen geweckte Knecht nicht rein – da könnte ja jeder kommen. Auch ihre Beteuerung, dass sie doch die Dame des Hauses sei, hilft nicht. Aber immerhin weckt der Knecht den vermeintlichen Witwer Mengis. Auch dieser reagiert verständlicherweise eher unwirsch und weist die Person vor der Tür an, zu verschwinden. Auf ihren Einwand, dass sie doch seine Frau sei, antwortet Mengis voller Trauer: „Meine Frau ist tot. Eher steigen meine beiden Schimmel die Treppe hinauf in den Turm und schauen aus dem Dach heraus, als dass Richmodis wiederkehrt.“

Kaum ausgesprochen sind im Treppenhaus die Hufgeräusche von Pferden zu hören, anschließend ein lautes Wiehern aus dem Turm des Hauses – und zwei Pferde schauten aus den Turmluken. Erst jetzt glaubt Mengis, dass tatsächlich seine von den Toten auferstandene Frau vor der Tür steht. Überglücklich schließt er seine totgeglaubte Frau in die Arme. Richmodis wird wieder vollständig gesund und bringt sogar noch drei Kinder zur Welt.

Ende gut – alles gut! Übrigens auch für die Pferde. Diese wurden nicht zur rheinischen Spezialität Soorbroode verarbeitet sondern mit einem Flaschenzug wieder sicher vom Turm herabgelassen. Noch heute erinnert der achteckige „Richmodis-Turm“ an der Richmodstraße an diese Sage und noch immer schauen zwei steinerne Schimmel vergnügt aus den Fenstern.

Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Wahrer Kern der Sage

Wie so oft bei solchen Sagen ist irgendwo ein wahrer Kern verborgen. Tatsächlich muss in der Stadt während der Pest das totale Chaos geherrscht haben. So starben im 14. Jahrhundert etwa 20.000 Menschen in Köln an der Seuche. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Bevölkerung. Und deswegen ist davon auszugehen, dass es bei der Leichenschau nicht besonders genau zuging und so mancher vermeintlich Tote schneller in einer der zahlreichen Leichengruben landete als der Tot ihn tatsächlich ereilte.


Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH
Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH

Neben dem Richmodis-Turm erinnert heute das Richmodis-Kölsch an die Sage. REWE hat die alte Marke, ursprünglich 2002 eingestellt, im Jahr 2012 wieder belebt. Das Logo zeigt die beiden Schimmel und das Gebäude.


Übrigens: Wenn der Kölsche eine Geschichte nicht glaubt, entgegnet er „Klar – un am Nümaat zwei Päädsköpp“. Und Wolfgang Niedecken hat im gleichnamigen Song die Richmodis-Sage musikalisch verarbeitet.  Den wunderschönen Text gibt es hier – auf Kölsch und auch in einer hochdeutschen Übersetzung.


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.


 

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Jan von Werth – vom Bauernsohn zum Reitergeneral

Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Griet: „Jan, wer et hät jewoss.“
Jan: „Griet, wer et hät jedonn.“

Die Sage von Jan und Griet zeigt, wohin es führt, wenn statt der Liebe nur auf das Geld geschaut wird. Sehr frei übersetzt bedeutet dieser Wortwechsel:

Griet: „Jan, hätte ich gewusst, dass du so eine Karriere machst,
hätte ich dich nicht verschmäht.“

Jan: (kurz und bündig): „Griet, du hast es schlichtweg verbockt.“

Die Sage von Jan und Griet ist Kölner Kulturgut

Die Magd Griet verschmähte einst den armen Bauernsohn Jan, weil sie auf eine bessere Partie hofft. Dieser verlässt Köln, verdingt sich als Söldner und macht eine steile Karriere. Viel später kommt er als hochdekorierter und reicher General nach Köln zurück. Aber es ist zu spät für die Liebe – Griet hat es verbockt.

Ob an der traurigen Liebesgeschichte etwas dran ist? Wahrscheinlich eher nicht, denn es gibt keine Belege dafür. Den Jan aber gab es tatsächlich. Und seine steile militärische Karriere belegen zahlreiche Quellen.

Bauernsohn macht Karriere im Militär

Jan, eigentlich Johann, kommt wahrscheinlich im Jahr 1591 auf die Welt. Wo genau, lässt sich nicht mehr ermitteln, wahrscheinlich in Büttgen am Niederrhein. Die Familie zieht 1599 nach Köln und Jan arbeitet als Pferdeknecht. Wahrlich keine gute Partie! Und die Aussichten für einen mittellosen Knecht waren auch nicht gerade rosig.

Einen Ausweg für Männer wie Jan – ohne Perspektive und Geld – boten die zahlreichen Werber: Gesucht wurden junge, starke und ungebundene Männer für die Söldnerheere. Der Bedarf an Soldaten war enorm, denn große und kleine Kriege gab es zahlreich. Spätestens mit dem Dreißigjährigen Krieg ab 1618 war jeder, der irgendeine Waffe halten konnte, als Söldner gefragt. So entschließt sich Jan im Alter von etwa 19 Jahren dazu, in das wallonische Heer unter der spanischen Flagge einzutreten.

„Franzosenschreck“ Jan von Werth

Jan war ein guter Krieger, furchtlos und ein echter Draufgänger. Schnell machte der Haudegen Jan von Werth eine steile Karriere, vom Fußsoldaten bis hin zum General. Er überlebte viele Verletzungen, so auch eine Kugel, die seine Wange durchschlug und ihm im Hals steckenblieb. Für wen er dabei kämpfte, bestimmte der, der ihn dafür bezahlte – ein klassischer Söldner eben. So zog er für die Spanier, für Kurköln, die Bayern und für Ferdinand II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ins Feld.

Jan von Werth, Gemälde im Pfarrhaus von Neersen, Repro: Udo Schmitz
Jan von Werth, Gemälde im Pfarrhaus von Neersen, Repro: Udo Schmitz

Die Kriegsgeschäfte liefen gut, sein erklärter Lieblingsgegner waren die Franzosen, gegen die er in mehr als zwei Dutzend Schlachten gewann. Das brachte ihm nicht nur den Titel „Franzosenschreck“ ein, sondern auch Ländereien, Güter und viel Geld. Sein Meisterstück war 1637 die Eroberung der von den Franzosen gehaltenen Festung Ehrenbreitstein in Koblenz durch eine Belagerung.

Kein Wunder, dass der französische König Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu sehr erfreut waren, als Jan 1638 in französische Gefangenschaft geriet. Bei der Schlacht in Rheinfelden wurde sein Pferd unter ihm weggeschossen, die Flucht zu Fuß misslang. Vier Jahre war Jan Gefangener, allerdings nicht bei Wasser und Brot, sondern er wurde – im Gegenzug zu seinem Ehrenwort, nicht zu fliehen – sehr gut behandelt und 1642 gegen den schwedischen General Gustaf Graf Horn ausgetauscht.

Gedenkplakette zum "Spill an d´r Vringspooz" direkt an der Severinstorburg, Bild: UIi Kievernagel
Gedenkplakette zum „Spill an d´r Vringspooz“ direkt an der Severinstorburg, Bild: UIi Kievernagel

Im Jahr 1650, im Alter von etwa 60 Jahren, setzte sich Jan in seinem eigenen Schloss Benatek, im heutigen Tschechien, zur Ruhe. Eigentlich war es ein Wunder, dass Jan tatsächlich dieses Alter erreichte. Die durchschnittliche Lebenserwartung im 17. Jahrhundert lag bei ungefähr 30 Jahren und Jan hatte in unzähligen Schlachten gekämpft. Am 12. September 1652 starb Jan von Werth. Er hinterließ neben einer Ehefrau, die immerhin 41 Jahre jünger war, ein großes Vermögen und zahlreiche Güter und Ländereien in Böhmen, Bayern, Köln und im Rheingau.

Tja Griet, dumm gelaufen. Ävver: „Wer et hät jewoss.“


Der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Jan-von-Werth-Brunnen

Der Kölner Verschönerungsverein hatte bereits 1881 die Idee, zu Ehren Jan von Werths einen einen Brunnen aufzustellen. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Stadtrat diesen Brunnen genehmigte. Allerdings weigerte sich die Stadt, irgendwelche Kosten dafür zu übernehmen.  Nach zähen Verhandlungen bezahlte die Stadt dann aber doch das Fundament und die laufenden Kosten für das Wasser des Brunnens. Dieser wurde am 14. Juli 1884 eingeweiht.
 
Eigentlich hätte man den Reitergeneral Jan von Werth auf einem Pferd sitzend darstellen müssen. Da aber auf dem benachbarten Heumarkt bereits das Reiterdenkmal zu Ehren König Friedrich Wilhelm III. stand, wurde Jan von Werth stehend mit großem Schwert dargestellt.
 

Auf der Lotsentour Innenstadt besuchen wir diesen Brunnen auf dem Alter Markt.


Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Jedes Jahr an Weiberfastnacht spielt das Reiter-Korps Jan von Werth, eine der Traditionsgesellschaften des kölschen Karnevals, das Aufeinandertreffen von Jan und Griet an der Severinstorburg nach. Anders als in der Sage finden sich die beiden hier aber jedes Jahr und ziehen gemeinsam mit Kölns ersten Karnevalszug des Session zum Alter Markt. Hier der entscheidende Moment aus dem Jahr 2019.


„Die Moritat vun Jan un Griet“

Auch die Kölner Band BAP hat die Sage mit „Die Moritat vun Jan un Griet“ aufgegriffen. Hier wird Jan von Griet sehr deutlich abserviert, weil er nix ahn de Fööß hät, also ein armer Schlucker ist:

„Nä Jan, du siehs bei mir kei Land,
verjess et, du kriss nie ming Hand,
wat du och deiß, wat du och lööß,
du häss nix ahn de Fööß, Mann!
Et deit mer leid, du weiß Bescheid,
dat du bei mir nit lande kanns,
Niete wie du, die hann bei mir kein Chance.“


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Nicolaus Otto und der Ottomotor: Eine kölsche Erfindung

Der Erfinder Nicolaus Otto
Der Erfinder Nicolaus Otto (1832-1891)

Okay – der erste von Erfinder Nicolaus Otto gebaute Motor hatte nur 3 PS. Das war im Jahr 1877. Bei diesem Motor handelte es sich um einen sogenannten „Flugkolbenmotor“, welcher sich noch wesentlich vom Prinzip des Ottomotors unterscheidet. Wenn wir heute vom Ottomotor sprechen, geht es um einen „Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung“. Der Begriff „Ottomotor“ wurde erst 45 Jahre nach dem Tod des Erfinders eingeführt.

Weltweit erste Motorenfabrik war in Köln

Nicolaus Otto war, zusammen mit Eugen Langen, der Gründer der weltweit ersten Motorenfabrik. Diese Fabrik, gegründet am 31. März 1864 als „N.A. Otto & Cie“ in der Servasgasse gleich hinter dem Kölner Hauptbahnhof, bildete die Keimzelle der Deutz AG, heute ein Konzern mit mehr als 4.600 Mitarbeitern und etwa 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Abbildung einer Otto-Gaskraftmaschine von 1876, (aus dem Lexikon der gesamten Technik, 1904)
Abbildung einer Otto-Gaskraftmaschine von 1876, (aus dem Lexikon der gesamten Technik, 1904)
Otto, Maybach und Daimler entwickeln gemeinsam den ersten Viertaktmotor

Die Anfänge der Motorenfabrik waren eher bescheiden. Der Erfolg stellte sich erst ein, als sich das junge Unternehmen auf der Pariser Weltausstellung 1867 präsentierte. Der dort vorgestellte Motor war wesentlich sparsamer und benötige nur ein Drittel des Kraftstoffs der vergleichbaren Motoren seiner Zeit. Der Erfolg führte zum Umzug des Unternehmens und zur Gründung der „Gasmotoren-Fabrik Deutz AG“. Wesentliche Investoren waren die Brüder Eugen, Gustav und Jacob Langen sowie Emil und Valentin Pfeifer. Wem diese Namen jetzt bekannt vorkommen, der sollte mal im Küchenschrank nachschauen, ob er nicht auch Zucker von Pfeifer und Langen verwendet.

Weitere bekannten Namen waren als Mitarbeiter in dem Deutzer Unternehmen tätig: Die beiden Konstrukteure Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler waren maßgeblich an der Weiterentwicklung bis hin zur Serienreife des ersten Viertaktmotors beteiligt. Dieses im Jahr 1876 entwickelte technische Prinzip bildet bis heute die Grundlage für jeden konstruierten Verbrennungsmotor.

Nicolaus Otto – ein Autodidakt

Nikolaus Otto, geboren am 10. Juni 1832 in Holzhausen an der Haide (Taunus), hat, anders als zum Beispiel Maybach oder Daimler, nie eine Hochschule besucht. Sein Vater starb früh und so musste er seinen Teil für den Unterhalt der Familie beitragen. So arbeitete er tagsüber in einem Kolonialwarenladen. Erst abends konnte er sich seiner eigentlichen Leidenschaft widmen: der Technik. Die Zeiten waren gut für Otto. Die Welt veränderte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant: Die Telegrafie kam auf, Eisenbahnen erschlossen das Land und Maschinen übernahmen zunehmend die vorher von Mensch und Tier geleistete, kraftraubende Arbeit.

Der Erfolg seines Unternehmens führte Otto auch zu seinem privaten Glück. Er hatte bereits im Jahr 1858 an Karneval  – wie sollte es in Köln auch anders sein? – Anna Gossi-Rouply kennengelernt. Doch an eine Heirat war zunächst nicht zu denken. Der nahezu mittellose Otto konnte erst mit dem Aufstieg der Firma über ein Einkommen verfügen, welches die Familie absicherte. So heirateten Anna Gossi-Rouply und Otto erst 1868.

Briefmarke von 1952 zu "75 Jahre Otto-Motor"
Briefmarke von 1952 zu „75 Jahre Otto-Motor“
Späte Ehrung: Der Begriff Ottomotor

Im Unternehmen gab es persönliche Auseinandersetzungen zwischen Otto auf der einen Seite und Maybach und Daimler auf der anderen Seite. Beide verließen 1881 das Unternehmen. Gleichzeitig führten Patentstreitigkeiten dazu, dass 1884 Ottos Patent für den Viertaktmotor annulliert wurde. Seine Verdienste als Motoren-Entwickler sind allerdings unbestritten. Zu seinen Ehren werden seit 1936 alle Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung als Ottomotoren bezeichnet.

Nicolaus Otto starb am 26. Januar 1891 in Köln. Sein Grab ist auf dem Melatenfriedhof zu finden, seine Motoren in der ganzen Welt. Und heute auch mit wesentlich mehr als nur 3 PS.


En originaler "atmosphärischer Gasmotor“ zur Erinnerung an Nicolaus Otto am Deutzer Bahnhof Bild: Tohma [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]
En originaler „atmosphärischer Gasmotor“ zur Erinnerung an Nicolaus Otto am Deutzer Bahnhof, Bild: Tohma [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Der Ottoplatz in Deutz

Jeder Kölner kennt den Ottoplatz in Deutz. Aber kaum einem ist klar, dass es bei dem hier geehrten „Otto“ um Nicolaus Otto handelt. Und dann fragt sich auch noch jeder : „Wat is dat denn?“ Auf dem Bahnhofsvorplatz in Deutz steht ein originaler, zwei Tonnen schwerer „atmosphärischer Gasmotor“ von Nicolaus Otto. Weitere Infos zu diesem Denkmal gibt es im Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.


Das "Zeitzeichen" des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR
Das „Zeitzeichen“ des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR

WDR-ZeitZeichen zum Todestag Ottos

Der WDR hat Nicolaus August Otto anlässlich seines 130. Todestags ein hörenswertes ZeitZeichen gewidmet.  Das ZeitZeichen ist eine Radiosendung des WDR, die täglich historische Ereignisse und bedeutende Personen der Geschichte vorstellt und ist auch als Podcast verfügbar. 


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Eau de Cologne von Farina: Ein Duft, der den Geist inspiriert

Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Abfälle auf der Straße, geleerte Nachttöpfe im Rinnstein, Gerber, die mit Urin das Leder behandelten, kaum gekühlte Heringe auf dem Markt – in den europäischen Städten hat es noch bis zur vorletzten Jahrhundertwende bestialisch gestunken. Und glaubt man den Berichten von Zeitzeugen, war Köln die am schlimmsten stinkendste Stadt in Europa.

Dabei hatte der Stadtrat bereits sehr früh erste Versuche unternommen, die Stadt sauberer und somit geruchsfreier zu halten, auch durch die Reinigung von Wasserabflüssen und Rinnsteinen. Allerdings war dies Sache der Anlieger, die ihre Aufgaben wohl nicht so richtig ernst nahmen. In einem Ratsprotokoll vom 9. Juli 1688 lautet es: „Die Straßen seien mit Kot und Mist angefüllt, auch dieselben widerwilligs mit Umgehung dieserhalb erlassener Verordnung nicht gesäubert werden“.

Johann Maria Farina der Mann mit der „goldenen Nase“

Kein Wunder, dass in einem solchen Gestank Duftwasser sehr begehrt sind. In Köln sind um 1830 insgesamt 64 Produzenten von Duft- und Heilwasser bekannt, darunter auch das Haus Klosterfrau der geschäftstüchtigen Nonne Maria Clementine Martin und natürlich das Kölnisch Wasser von Johann Maria Farina. Und dieser Mann hatte eine „goldene Nase“.

Geboren am 8. Dezember 1685 in Norditalien wurde er bereits mit 14 Jahren zu seinem Onkel, einen Händler in Maastricht, zur Ausbildung geschickt. Bei seinen Geschäftsreisen quer durch Europa bis nach Konstantinopel erkundete er fremde Städte und Länder hauptsächlich mit seiner feinen Nase. Farina war begeistert von Düften und experimentierte mit Duftstoffen, bis er 1709 den Duft kreierte, der ihn unsterblich machen sollte und den er später im Jahr 1742 – zu Ehren seiner Wahlheimat – „Eau de Cologne“ nennen wird.

Er selber schrieb über eben diesen Duft „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten und Kräuter meiner Heimat. Er erfrischt mich und stärkt meine Sinne und Phantasie.“

Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.
Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.

Rezept ist bis heute streng geheim

Das Rezept hält das Haus Farina streng geheim – bis heute. Dabei ist die größte Herausforderung, den richtigen Duft jedes Jahr immer wieder exakt zu reproduzieren. Denn die verwendeten Grundstoffe, unter anderem Jasmin, Lavendel, Limette, Bergamotte, sind Naturprodukte, deren Intensität mit jeder Ernte anders ausfällt.

Der Journalist und Historiker Christoph Driessen erklärt das Geheimnis der Herstellung so: „Darum ist auch nicht so sehr eine starre Rezeptur das große Geheimnis von Farina, es sind seine Arbeitsanweisungen, wie man den Duft herstellt muss, auf was man zu achten hat.“1Quelle: Eigentum aktuell, 02/2017, Seite 20

Eine Flasche kostet das halbe Jahresgehalt eines Beamten

Mit diesem Duft trifft er im allgemeinen Gestank seiner Zeit exakt den Geschmack seiner gutbetuchten Kunden. Dazu gehörten insbesondere die europäischen Königshäuser, die auch den geforderten Preis für das Eau de Cologne zahlen konnten: Eine Flasche kostet so viel, wie ein Beamter in sechs Monaten verdient.

Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Selbstverständlich hat ein solches Produkt unmittelbar viele Nachahmer, darunter hat sich einer durch sein ganz spezielles „Marketing“ hervorgetan: Wilhelm Mülhens. Dieser gewiefte Kaufmann bezahlte einem gewissen Franz Maria Farina aus Bonn Geld dafür, dass er unter seinem Namen Duftwasser vertreiben durfte. Bis auf den Nachnamen hatte dieser Bonner Farina nichts mit Erfinder Johann Maria Farina zu tun. Aber egal: Der Markenname Farina zog die Kunden an. Übrigens hatte dieser Wilhelm Mülhens seine Produktion und Verkaufsstätte in der Glockengasse, Hausnummer 4711. Diese Geschichte wird irgendwann mal ein eigenes „Köln-Ding-Woche werden.

Johann Maria Farina, der Mann mit der goldenen Nase, starb am 25. November 1766. Sein Unternehmen hat ihn überdauert und ist bis heute in Familienbesitz. Der Name des aktuellen Chefs: Johann Maria Farina. Tradition verpflichtet!

Mit Louise Farina steht bereits die 9. Generation bereit, um nach und nach die Leitung des Unternehmens zu übernehmen. 


Louise bei der Aufnahme unseres Podcasts im Farina-Haus.
Louise bei der Aufnahme unseres Podcasts im Farina-Haus.

Ein paar Fragen an … Louise Farina: Zwischen Tradition & Innovation

Frank und ich hatten die Gelegenheit ausgiebig mit Louise
Farina über Geschichte, Gerüche, und Geschäfte zu sprechen. Louise stellt dabei auch ihre Zukunftspläne für das altehrwürdige Haus Farina vor.


Der von einem Schwert durchbohrte Kopf des (vermeintlichen) Kämpfers gegen den kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich (Bronzeplastik), Bild: Uli Kievernagel
Der von einem Schwert durchbohrte Kopf des (vermeintlichen) Kämpfers gegen den kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich (Bronzeplastik), Bild: Uli Kievernagel

Nikolaus Gülich: „Der kölnische Rebell“

Der Platz des Stammhauses heißt heute „Gülichplatz“, benannt nach dem Kämpfer  gegen den Klüngel Nikolaus Gülich.


Im ruhigen Innenhof des Farina-Hauses findet man den Frauenbrunnen, der offizielle Name dieses Brunnens lautet „Frauen im Wandel der Zeit“. Dargestellt werden zehn Frauen in jeweilig typischen Gewändern. Jede steht dabei für eine Epoche in der Stadtgeschichte. 


 

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Jacques Offenbach – in Köln geborener Komponist

Offenbach hätte seine Spaß: Den Can Can kennt jeder. Bild: Frenchfestival, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/
Offenbach hätte seine Spaß: Den Cancan kennt jeder. Bild:
Frenchfestival, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Hört hier mal rein:  (bitte klicken und Lautsprecher einschalten)

Und – an was habt ihr gedacht, als ihr diese Musik gehört habt? Hochgeworfene Röcke, frivole Schreie und den ausgelassenen Tanz dazu? Der Cancan aus Orpheus in der Unterwelt gehört zu den bekanntesten Stücken des gebürtigen Kölners Jacques Offenbach. Als Jakob Offenbach erblickte er am 20. Juni 1819, am Griechenmarkt das Licht der Welt. 

Köln „fremdelte“ lange mit Offenbach

Die Stadt feiert den Geburtstag ihres prominenten Sohns mit dem großen Programm „Yes, we can can“. Und schmückt sich dabei sehr gerne mit dem wohl innovativsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Offenbach nur bis zum 14. Lebensjahr in unserer Stadt wohnte und anschließend sein Leben vorrangig in Paris verbrachte. Und, so Markus Schwering im Kölner-Stadt-Anzeiger: „Gerne lässt man dabei unter den Tisch fallen, dass die Geburtsstadt zu seinen Lebzeiten und auch noch lange danach nicht viel anfangen konnte mit Offenbach.“ Aber egal: Es gibt was zu feiern und da simmer dabei.

Der Erfinder der Operette: Jaques Offenbach
Der Erfinder der Operette: Jacques Offenbach

Offenbach – der Erfinder der Operette

Jacques Offenbach wurde von seinem Vater, dem Kantor der jüdischen Gemeinde, schon früh musikalisch gefördert. Seine Eltern ermöglichen ihm ab 1834 eine Ausbildung als Cellist am Pariser Konservatorium. So ging er mit 15 Jahren nach Paris und änderte seinen Vornamen von Jakob in Jacques. Er verlässt 1835 das Konservatorium ohne Abschluss und nimmt eine Stelle als Cellist im Orchester der Opéra-Comique an. Gleichzeitig nimmt er Kompositionsunterricht und komponiert kleinere Stücke. In dieser Zeit heiratet Offenbach und wird fünffacher Vater.

Der Durchbruch gelingt ihm ab 1855: In seinem eigenen Théâtre des Bouffes-Parisiens führt er die von ihm komponierten Stücke auf. Das bekannteste Werk wurde am 21. Oktober 1858 uraufgeführt: Orpheus in der Unterwelt. Und alle Welt kennt heute den Cancan aus dem zweiten Akt. Wegen der Kompositionen aus dieser Zeit gilt er als Schöpfer der Operette – Offenbach ist auf dem Gipfel seiner Popularität angekommen.

Für die Franzosen ein Spion, für die Deutschen ein Vaterlandsverräter

Mit dem Deutsch-Französischen Krieg ab 1870 gerät Jacques Offenbach zwischen die Fronten: Für die Franzosen ist er ein deutscher Spion, die deutsche Presse hingegen bezeichnet ihn als Vaterlandsverräter. Um beiden aus dem Weg zu gehen, tourt Offenbach in dieser Zeit durch Italien und Österreich. Als er nach dem Krieg im Juni 1871 wieder zurück nach Paris kommt, kann er an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. Er beginnt mit  Hoffmanns Erzählungen – kann diese Oper aber nicht mehr vollenden. Offenbach stirbt am 5. Oktober 1880 an der Gicht. Er wird, unweit seiner Wohnung, auf dem Pariser Friedhof Cimetière de Montmartre beerdigt. Die Uraufführung von Hoffmanns Erzählungen erfolgt ein knappes halbes Jahr nach seinem Tod.

Unvergessen bleibt der Cancan. Hochgeworfene Röcke, frivole Schreie und der ausgelassene  Tanz dazu machen den „kölschen Jung“ Jakob/Jacques Offenbach unsterblich.


Wenn Jacques Offenbach wüsste, welcher Baupfusch heute an der Kölner Oper stattfindet, wäre er mit Sicherheit nicht damit einverstanden, dass der Platz, an dem die Oper steht, seinen Namen trägt.

Seit 2012 wird das Opernhaus am Offenbachplatz modernisiert. Ursprünglich war die Sanierung mit 253 Millionen Euro veranschlagt. Nach mehreren Kostensteigerungsrunden beträgt das Budget inklusive Finanzierungskosten und Kosten für die Ausweichspielstätten mittlerweile weit mehr als 1 Milliarde Euro.  Und wann die Oper tatsächlich fertig wird  ist auch noch nicht abzusehen.


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Marie Juchacz – Powerfrau und Gründerin der AWO

Eine Aufnahme von Marie Juchacz aus dem Jahr 1919
Eine Aufnahme von Marie Juchacz aus dem Jahr 1919

Es ist Mittwoch, 19. Februar 1919. Und in Deutschland beginnt eine Zeitenwende. An diesem Tag hält mit Marie Juchacz zum ersten Mal in Deutschland eine Frau eine Rede vor einem demokratisch gewählten Parlament.

„Meine Herren und Damen“

Und diese Rede beginnt sie gleich mit der ungewöhnlichen Anrede: „Meine Herren und Damen“. Das löst große Heiterkeit im Parlament aus. Doch bei der Vertauschung von „Herren“ und „Damen“ handelt es sich um eine ganz bewusste Entscheidung von Juchacz. Sie will damit deutlich machen, dass es eine Gleichberechtigung gibt. Auch in der Anrede.

Peinlich für uns Männer: Der Parlamentspräsident musste während der Rede mehrfach die männlichen Abgeordneten zur Ruhe rufen. Doch Juchacz spricht selbstbewusst weiter:

„Was diese Regierung getan hat, war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“

Und damit meinte sie das Wahlrecht – erst ein paar Wochen zuvor konnten Frauen erstmals in Deutschland wählen und selbst ins Parlament gewählt werden.

Die weiblichen Abgeordneten der Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands in der Weimarer Nationalversammlung am 1. Juni 1919. Marie Juchacz ist in der vorderen Reihe die Dritte von rechts. Quelle: Historical Museum Frankfurt
Die weiblichen Abgeordneten der Mehrheitssozialdemokratische Partei  Deutschlands (MSPD) in der Weimarer Nationalversammlung am 1. Juni 1919. Marie Juchacz ist in der vorderen Reihe die Dritte von rechts. Quelle: Historical Museum Frankfurt
Großes Redetalent ermöglicht Karriere als Berufspolitikerin

Juchacz war das, was man heute als Powerfrau bezeichnet. Sie wurde am 15. März 1879 in Landsberg an der Warthe (heute Polen) als Tochter eines Zimmermanns geboren. Ihr Leben war somit, wie das fast aller Frauen ihrer Generation, vorgezeichnet: In der Fabrik arbeiten, heiraten, Kinder bekommen, Haushalt machen. Doch Marie Juchacz ist anders, lehnt sich auf. Sie heiratet den Schneidermeister Bernhard Juchacz, doch nach bereits drei Jahren lässt sie sich scheiden. Sie zieht mit ihren beiden Kindern im Jahr 1906 nach Berlin und macht eine Lehre als Schneiderin.

Im Jahr 1908 fällt das Verbot für Frauen, sich politisch zu betätigen. Der Startschuss der politischen Karriere von Marie Juchacz. Sie tritt in die SPD ein und wird dank ihres Redetalents im Jahr 1913 SPD-Frauensekretärin für die Obere Rheinprovinz hier in Köln. Dabei handelt es sich um eine hauptamtliche Tätigkeit: Marie Juchacz wird Berufspolitikerin.

Marie Juchacz auf einer Briefmarke zu "50 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland" (erschienen 1969)
Marie Juchacz auf einer Briefmarke zu „50 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ (erschienen 1969)
Gründerin der Arbeiterwohlfahrt – Flucht vor den Nazis in die USA

Am 13. Dezember 1919 gehört Marie Juchacz zu den Gründerinnen und Gründern der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Sie war bis zu Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 auch erste Vorsitzende der AWO. Doch sie ist den Nazis ein Dorn im Auge und flieht, zunächst ins Saargebiet, dann ins Elsass und nach dem Beginn des Kriegs nach Marseille. Im Jahr 1941 kann sie – dank eines Notvisums – nach New York auswandern. Zuerst lernt sie intensiv Englisch, und dann wird die Powerfrau auch im Exil politisch tätig und gründet 1945 die Arbeiterwohlfahrt USA. Diese Organisationen bietet Hilfe für die Opfer des Nationalsozialismus.

Das Familiengrab Kirschmann auf dem Kölner Südfreidhof, in dem auch Marie Juchacz beigesetzt wurde. Bild: Egidius~dewiki, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Das Familiengrab Kirschmann auf dem Kölner Südfriedhof, in dem auch Marie Juchacz beigesetzt wurde. Bild: Egidius~dewiki, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Im Jahr 1949 kehrt sie nach Deutschland zurück. Sie begleitet den Wiederaufbau der AWO und wird zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Marie Juchacz stirbt am 28. Januar 1956. Ihr Grab ist auf dem Südfriedhof.1Flur 65 Nr. 307 Die Stadt Köln würdigt die engagierte Politikerin im Jahr 2011: Ihr Grab wurde zum Ehrengrab der Stadt Köln erklärt.


Auch 50 Jahre später benahmen sich Herren im Bundestag daneben 

Nachdem sich bei der ersten Rede einer Frau im Jahr 1919 die männlichen
Abgeordneten nicht gerade vorbildlich verhalten haben, haben diese offensichtlich auch gute 50 Jahre später nichts dazu gelernt: Am 14. Oktober 1970 sprach die Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer (SPD) im Parlament. Im Hosenanzug – statt im braven Faltenrock.

Ihr Parteikollege Carlo Schmid sah dadurch die Würde des Bundestags verletzt. Die Abgeordnete erhielt anonyme Schreiben mit Anschuldigungen wie „Sie sind keine Dame!“ oder „Sie sind ein unanständiges, würdeloses Weib!“. Ein weiterer Mann fragte sich sogar, ob sie das nächste Mal direkt nackt auftreten würde.

Wahrscheinlich waren das alles alte Männer, die hässliche Hundekrawatten lieben.


Die Schauspielerin Sesede Terziyan liest die Rede in vollständigem Wortlaut, die Marie Juchacz am 19. Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung hielt. 


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Ein paar Fragen an Eva Pollmeier – Wieso liegt Köln nicht am Meer?

Ein typisches Bild: Eva am Strand - doch nie, ohne dabei gleichzeitig Müll einzusammeln. Bild: Eva Pollmeier
Ein typisches Bild: Eva am Strand – doch nie, ohne dabei gleichzeitig Müll einzusammeln. Bild: Eva Pollmeier

Alle reden drüber: Plastikmüll verschmutzt die Meere und bedroht die Tiere. Auch Eva. Doch anders als viele redet die Organisationsberaterin nicht nur darüber sondern macht aktiv etwas dagegen. Letztes Jahr hat sie sich eine Auszeit vom Job genommen und war fünf Monate lang in Italien, Frankreich, Spanien unterwegs – um Strände vom Plastikmüll zu säubern. Doch Eva macht das nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern immer voller Freude und einem Lächeln im Gesicht. So nennt sie ihre Kampagne „Atlantic beach clean-up with a laughter“, also „Lasst uns die Strände saubermachen – und immer mit einem Lächeln im Gesicht.“.

Diesen Spaß am Leben hat sie übrigens auch in unserer Stadt. Sie feiert gerne und heftig Karneval. Ansonsten ist sie im Beethovenpark oder Stadtwald zu finden – zum Entspannen, Joggen und Sonnen. Und wenn ihr demnächst eine blonde Frau im Park trefft, die dort gerade Müll einsammelt: Sprecht sie an. Das ist bestimmt Eva.

Warum lebst du in Köln?

Ausschließlich wegen der kölschen Mentalität, die in anderen Teilen Deutschlands nicht zu finden ist. Wenn Köln am Meer liegen würde, wäre es die perfekte Stadt!

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Der Optimismus à la „et hätt noch immer jot jegange“. Zudem meine Offenheit und Kommunikationsfreude.

Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Wieso morgen erst? Sofort 😊. Also: Es gibt definitiv zu viele Autos in der Stadt und zu wenig gut ausgebaute Radwege.
Drei Jahre war ich beim „Tag des guten Lebens“ ehrenamtlich aktiv und habe erlebt, wie schön es sein kann, die Straßen an einem Tag in einem Veedel für den Autoverkehr zu sperren. Welche Ruhe, wieviel nachbarschaftlicher Austausch untereinander, ungefährliches Spielen auf den Straßen für die Kinder an diesem Tag.
Und ich würde die ein oder andere Ecke in Köln gerne schöner gestalten.
Es liegt einfach zu viel Müll auf den Straßen herum. Das ist ein ziemlich achtloser Umgang. Letztens hat jemand im Beethovenpark Reifen und Lackdosen abgestellt. Wenn ich Zeit und Lust habe, sammel ich Müll im Klettenbergpark auf.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du leben? Und warum gerade dort?

Definitiv am Meer! Am rauen Atlantik in Portugal, dort gibt es superschöne Strände und das Klima ist auch viel gesünder. Ich bin froh, dass ich während des Hitzesommers im letzten Jahr nicht im Büro sein musste und stattdessen am Meer bei angenehmen Temperaturen verweilen konnte.

Der wunderschöne Beethovenpark in Sülz, Bild: Willy Horsch
Einer von Evas Lieblingsplätzen: Der wunderschöne Beethovenpark in Sülz, Bild: Willy Horsch

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Meine Lieblingsplätze sind der Beethovenpark und der Stadtwald. Sehr gut zum Entspannen, Joggen und Sonnen.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Feiern, tanzen und lachen … und äh zu viel Kölsch trinken …

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Mich am Meer vom Karneval erholen. Dieses Jahr geht es für sechs Wochen an einige Strände Portugals und Spaniens, um diese vom Plastikmüll zu befreien. Dafür läuft auch im Moment meine Crowdfunding Aktion „Atlantic beach clean-up with a laughter“,  Bin übrigens dankbar für jeden einzelnen Euro, der reinkommt.

Wieder etwas weniger Plastikmüll am Strand: Eva räumt auf. Bild: Eva Pollmeier
Weniger Plastikmüll am Strand: Eva hat mal wieder einen Strand aufgeräumt. Bild: Eva Pollmeier

Wenn ich 10.000 Euro für etwas spenden würde, ginge mein Geld an …

… die Umwelt und an Forscher, die das Plastikmüllproblem lösen könnten.

Dein Lieblingskölsch?

Reissdorf und Mühlen Kölsch.

Deine Lieblingskneipe? Warum?

Der Petersberger Hof in Klettenberg. Gutes Essen, freundliche Bedienung und im Sommer kann man schön draußen sitzen.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… e Jeföhl!


Diese Menschen haben bisher meine Fragen beantwortet: 


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