Die „Kölsche Bredder“ kenne ich nicht nur von der Bühne. Im August 2026 war ich mit der Truppe auf meiner Führung „Kölsche Krätzjer“ unterwegs. Und da war schnell klar: Hier sind Menschen unterwegs, die Spaß am Kölschen haben – und zwar nicht nur als nette Erinnerung an früher. Die kölsche Sprache soll gesprochen und gelebt werden.
Genau das machen die „Kölschen Bredder“ auch auf der Bühne. Mit ihrem neuen Stück „Rhing-Hätze“ geht es diesmal um ein Thema, das vermutlich auch ohne kölsche Sprachkenntnisse jeder versteht: Liebe, Ehe, Eifersucht – und die Frage, ob man wirklich alles ausprobieren sollte, was das Internet so anbietet.
Wenn die Frau ständig unterwegs ist
Im Mittelpunkt stehen Sonja und Peter Schmitz. Sonja ist beruflich viel auf Messen unterwegs. Und wie das mit solchen Terminen nun einmal ist: Häufig dauert alles länger als geplant. Peter bleibt zu Hause und muss seine eigenen Pläne immer wieder über den Haufen werfen. Irgendwann ist er davon reichlich genervt.
Und dann macht er etwas, was sich vermutlich nicht unbedingt als Patentrezept für eine glückliche Ehe eignet: Er meldet sich bei einer Dating-Plattform an. Diese heißt – wie könnte es bei einem kölschen Theaterstück anders sein – „Rhing-Hätze“. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf.
Die Nachbarschaft bekommt alles mit
Denn Peter hat seine Rechnung ohne die Nachbarschaft gemacht. Eine neugierige Nachbarin beobachtet sehr genau, was bei den Schmitzens vor sich geht. Und natürlich behält sie ihre Erkenntnisse nicht für sich. Stattdessen informiert sie die Wohnungsgenossenschaft. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Peters Ausflug in die Welt der Partnersuche. Auf einmal steht sogar die Frage im Raum, ob Sonja und Peter ihre Wohnung verlieren könnten.
Und dann wäre da natürlich noch Sonja. Bekommt sie heraus, was ihr Mann im Internet treibt? Findet Peter tatsächlich ein neues Hätz? Oder stellt er irgendwann fest, dass das richtige Hätz längst bei ihm zu Hause wohnt? Mehr wird nicht verraten.
Die kölsche Sprache gehört nicht ins Museum
„Rhing-Hätze“ ist eine Komödie in drei Akten von Sascha Thiel und wird von der Theatergemeinschaft „Kölsche Bredder“ e. V. auf die Bühne gebracht. Und hinter dem ganzen Spaß steckt durchaus ein ernstes Anliegen.
Die gut gelaunte Truppe der „Kölsche Bredder“ in Kölle unterwegs. Bild: Kölsche Bredder
Die Theatergemeinschaft hat sich der Förderung und dem Erhalt der kölschen Sprache sowie der kölschen Kunst und Kultur verschrieben. Denn eine Sprache bleibt nicht dadurch lebendig, dass sie in Wörterbüchern dokumentiert wird. Sie muss gesprochen werden. Beim Verzälle, beim Singen, in der Kneipe, auf der Straße – und natürlich auch auf der Bühne.
Gerade Mundarttheater kann dabei etwas leisten, was ein Sprachkurs nur schwer schafft: Kölsch wird ganz selbstverständlich benutzt. Nicht als Unterrichtsstoff, sondern als Sprache des Alltags. Und wenn dabei ordentlich gelacht wird, kann das der kölschen Sproch sicherlich nicht schaden.
Schon das fünfte Stück der „Kölsche Bredder“
„Rhing-Hätze“ ist bereits das fünfte Stück der Theatergemeinschaft. Los ging es 2022 mit „Et kütt wie et kütt“. Es folgten „Levve un levve looße“, „Wat en schön Bescherung“ und 2025 „Vun kleine un jrosse Malörcher“.
Im Jahr 2026 geht es nun also um die Liebe. Oder genauer gesagt: um das, was passieren kann, wenn ein verheirateter Mann meint, sich heimlich auf einer Dating-Plattform anmelden zu müssen. Und natürlich um eine neugierige Nachbarin.
Wobei wir Kölner wissen: Für eine ordentliche Katastrophe braucht es manchmal gar kein Internet. Eine aufmerksame Nachbarschaft reicht völlig.
Diese Tickets für „Rhing Hätze“ darf ich verlosen.
Zehnmal „Rhing-Hätze“
Premiere von „Rhing-Hätze“ ist am Samstag, 31. Oktober 2026, um 17 Uhr. Gespielt wird in der Aula des Berufskollegs am Perlengraben 101 in Köln. Insgesamt stehen zehn Vorstellungen auf dem Programm: am 31. Oktober sowie am 1., 7., 8., 14., 15., 21., 22., 28. und 29. November 2026. Samstags geht es jeweils um 17 Uhr los, sonntags um 18 Uhr.
Die Karten kosten im direkten Vorverkauf der Theatergemeinschaft 20 Euro für die Reihen 1 bis 12 und 17 Euro für die Reihen 13 bis 20. Im Eintrittspreis ist auch das VRS-Fahrticket enthalten. Die Tickets gibt es direkt bei KölnTicket.
Gewinnspiel: 3 × 2 Karten für „Rhing-Hätze“ am 29. November 2026
Und jetzt kommt ihr ins Spiel: Die Kölschen Bredder haben mir für die Leserinnen und Leser des Köln-Ding der Woche 3 × 2 Eintrittskarten für „Rhing-Hätze“ geschenkt. Diese darf ich verlosen. Die Karten gelten für die Vorstellung am Sonntag, 29. November 2026, um 18 Uhr in der Aula des Berufskollegs am Perlengraben.
Um zu gewinnen, müsst ihr nur eine – zugegeben nicht ganz unlösbare – Frage beantworten:
Was ist „Rhing-Hätze“?
a) ein spezieller Fanclub des 1. FC Köln b) eine kölsche Dating-Agentur c) ein neues Schiff der KD auf dem Rhein
Schickt die richtige Antwort bis zum 21. Oktober 2026, 11.11 Uhr, per E-Mail an uli@koeln-lotse.de. Unter allen richtigen Einsendungen werden die 3 × 2 Eintrittskarten verlost. Und falls du kein Glück hast, bekommst du dein Ticket hier: Tickets Rhing-Hätze. Hingehen lohnt sich!
Un wie jeiht et met däm Pitter un dä Sonja us?
Ob Peter am Ende bei „Rhing-Hätze“ tatsächlich sein neues Hätz findet, wird selbstverständlich nicht verraten. Aber wir dürfen davon ausgehen, dass bis zum Happy End – sofern es denn eines gibt –einiges auf der Bühne passieren wird. Und ganz nebenbei passiert an diesen zehn Abenden noch etwas anderes: Auf einer Kölner Bühne wird Kölsch gesprochen.
Nicht als Folklore und nicht als Museumsstück. Sondern als lebendige Sprache.
Der Fühlinger See im Kölner Norden. In der Mitte ist die 1978 eingeweihte Regattastrecke zu erkennen. Aber ist das tatsächlich Moselwasser im See? Bild: El Grafo / CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons
Wer im Sommer in den Fühlinger See springt, landet angeblich nicht nur im Grundwasser, sondern auch ein bisschen in der Mosel. Denn seit langer Zeit hält sich eine seltsame Geschichte: Ein Teil des Wassers im Fühlinger See soll ursprünglich aus der Mosel stammen.
Klingt nach kölschem Verzäll. Ganz so einfach lässt sich die Sache allerdings nicht abtun. Denn die Geschichte ist alt – sehr alt. Schon im August 1935 berichtete „Der Neue Tag“1Der Neue Tag, Tageszeitung für Köln-Stadt und Land, Nr. 215 vom 8. August 1935über Moselwasser im Fühlinger See. Doch was an dieser Geschichte stimmt tatsächlich? Dafür lohnt ein Blick in die Geschichte des Fühlinger Sees.
Erst kam der Kies, dann der See
Der Fühlinger See ist kein natürlich entstandener See. Seine Geschichte beginnt mit dem Kiesabbau in der Fühlinger Heide. Hier wurde seit 1912 gebaggert. Das Material wurde unter anderem beim Bau von Eisenbahnstrecken benötigt. Mit den Jahren entstanden immer größere Gruben. Dabei stießen die Bagger auf Grundwasser, die Gruben liefen voll und aus der Industrielandschaft wurde ganz nebenbei eine Seenlandschaft.
Das heutige Bild des Fühlinger Sees entstand allerdings erst wesentlich später. Ab Ende der 1960er-Jahre wurden die ehemaligen Kiesgruben zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet. Mehrere Teilseen wurden miteinander verbunden, außerdem entstand die große Regattabahn. 1978 wurde die Anlage eröffnet. Gebadet wurde in Fühlingen aber schon Jahrzehnte vorher. Und genau aus dieser Zeit stammt der bemerkenswerte Zeitungsartikel.
„Der Neue Tag“ vom 8. August 1935 berichtete über Moselwasser im Fühlinger See
Ein „Naturkuriosum“ im Kölner Norden – gefüllt mit Wasser aus Mosel?
Am 8. August 1935 widmete die Zeitung „Der Neue Tag“ dem Fühlinger See einen ausführlichen Beitrag. Schon die Überschrift macht neugierig: „Fühlinger See – ein Naturkuriosum“. Der Autor beschreibt den See als beliebtes Ziel für Erholungssuchende. Besonders fasziniert scheint er aber von der Herkunft des Wassers gewesen zu sein.
Nach „gewässerkundlichen Feststellungen“, so heißt es in dem Artikel, sei die Wasserzusammensetzung des Sees ein Kuriosum. Dann folgt die überraschende Behauptung: Der Fühlinger See sei „in seinen Hauptbestandteilen“ mit Moselwasser gefüllt. Diese Aussage macht stutzig: Moselwasser? Mitten im Kölner Norden? Der Zeitungsautor liefert dafür auch eine Erklärung. Und diese Erklärung hängt mit der linken Rheinseite zusammen.
Am „Deutschen Eck“ in Koblenz mündet die Mosel in den Rhein – von der linken Seite kommmend! Bild: Holger Weinandt, CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons
Das Moselwasser mündet in den Rhein – auf der linken Seite!
Im „Deutschen Eck“ in Koblenz mündet die Mosel in den Rhein – auf der linken Rheinseite. Das wird später noch wichtig! Allerdings vermischen sich die Wassermassen zweier Flüsse nach einer Mündung nicht schlagartig vollständig miteinander.
Der Artikel von 1935 geht davon aus, dass das Moselwasser nach Koblenz zunächst vor allem auf der linken Rheinseite weiter Richtung Norden fließt. Der Autor verwendet dafür sogar den Begriff „Rhein-Mosel-Wasser“. Und der Fühlinger See liegt ebenfalls linksrheinisch und gerade einmal knappe zwei Kilometer vom Rhein entfernt.
Einen Bach, der den Fühlinger See speist, gibt es nicht. Das Wasser gelangt über das Grundwasser in die ehemaligen Kiesgruben. Und dieses Grundwasser steht mit dem Rhein in Verbindung. Dieser Teil der „Moselwasser-im Fühlinger-See“-Geschichte lässt sich auch heute noch nachvollziehen.
Aber ist wirklich Moselwasser im Fühlinger See?
An dieser Stelle wird die Geschichte etwas kniffliger. Der Zeitungsartikel von 1935 beruft sich ausdrücklich auf „gewässerkundliche Feststellungen“. Wer diese Feststellungen getroffen hat, verrät der Autor jedoch nicht. Weder eine Behörde noch ein Wissenschaftler oder eine konkrete Untersuchung werden genannt. Auch Quellenangaben dazu sind nicht zu finden.
Deshalb lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, worauf die Aussage über das Moselwasser beruhte. Ganz abwegig ist die damalige Erklärung trotzdem nicht. Das Wasser der Mosel fließt von Koblenz aus tatsächlich mit dem Rhein weiter Köln.
Bis Köln sind es vom Deutschen Eck aus aber immerhin 96 Kilometer. Selbstverständlich vermischen sich die Wassermassen immer weiter. Aber wie viel Wasser von der Mosel im Fühlinger See landet, lässt sich nicht sagen. Auch der der Zeitungsartikel von 1935 bleibt hier unklar. Für die Geschichte ist das eigentlich auch gar nicht entscheidend.
Der Fühlinger See liegt etwa 2 Kilometer vom Rhein entfernt, Karte: Open Street Maps
Rhein und Fühlinger See sind miteinander verbunden
Viel interessanter ist, dass hinter dem vermeintlichen Verzällcher tatsächlich ein nachvollziehbarer Zusammenhang steckt. Der Wasserstand des Fühlinger Sees wird vom Rhein beeinflusst. Steigt oder fällt der Fluss, reagiert auch das Grundwasser und damit – zeitlich etwas versetzt – der See. Die Schwankungen des Wasserspiegels betragen bis zu zwei Meter.
Das war bereits für den Journalisten von 1935 bemerkenswert. Er beschreibt ausführlich die „geheimnisvollen Beziehungen zum Rhein“, wie es schon in der Unterzeile seines Artikels heißt. Aus heutiger Sicht sind diese Beziehungen nicht mehr ganz so geheimnisvoll. Der Fühlinger See besitzt keinen klassischen oberirdischen Zu- und Abfluss. Sein Wasseraustausch findet über das Grundwasser statt.
Damit erklärt sich auch, warum ein Baggerloch überhaupt dauerhaft zu einem See werden konnte. Die Kiesgruben schnitten den Grundwasserkörper an – und der sorgte dafür, dass Fühlingen sein Wasser bekam.
Ein beliebtes Ausflugsziel: Der „Blackfoot-Beach“ am Fühlinger See, Bild: Achim Stump, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Und wieviel Wahrheit steckt jetzt in dem Artikel?
Klar ist, dass wir den Zeitungsartikel aus dem Jahr 1935 nicht als moderne wissenschaftliche Untersuchung verstehen dürfen. Der Text erzählt vor allem, was man damals über den Fühlinger See wusste – oder zu wissen glaubte.
Ob man heute beim Baden im Fühlinmger See tatsächlich sagen kann, man schwimme in Moselwasser, ist eine andere Frage. Aber vielleicht muss man auch nicht jede schöne Kölner Geschichte bis auf den letzten Liter ausrechnen.
Beim nächsten Spaziergang um den Fühlinger See kann man sich jedenfalls vorstellen, welchen Weg ein Teil seines Wassers möglicherweise genommen hat: von der Mosel nach Koblenz, dort in den Rhein und schließlich über den Untergrund bis nach Fühlingen. Und deshalb bleiben wir lieber bei einer vorsichtigen Version der alten Geschichte:
Ein bisschen Mosel steckt vermutlich im Fühlinger See – wie viel, weiß der Rhein allein.
Das Summerjam-Festival am Fühlinger See, Bild: Emha, CC-BY-SA-3.0-DE, via Wikimedia Commons
Summerjam am Fühlinger See: Reggae zwischen Wasser und Wiesen
Wer Anfang Juli am Fühlinger See eigentlich nur eine ruhige Runde spazieren möchte, dürfte sich wundern. Wo sonst gejoggt, gerudert, gebadet und geangelt wird, stehen plötzlich Zelte auf den Wiesen. Bässe wummern über das Wasser, aus Lautsprechern kommt Reggae, es leit ein ganz besondere Geruch in der Luft2Kenner wissen, was damit gemeint ist und rund um den See herrscht für ein Wochenende Ausnahmezustand. Dann ist Summerjam.
Das Festival gehört inzwischen fast genauso zum Fühlinger See wie die Regattabahn. Seit 1996 findet das Summerjam-Festival hier statt und hat sich zu einem der bekanntesten Reggae-Festivals Europas entwickelt. Zehntausende Besucher aus Deutschland und dem Ausland kommen Jahr für Jahr in den Kölner Norden.
Dabei ist das Summerjam sogar älter als seine Kölner Heimat. Die Geschichte des Festivals begann bereits 1986. Bis 1993 wurde auf der Loreley gesspielt, 1994 und 1995 auf dem Gelände der ehemaligen britischen Royal Air Force Station Wildenrath bei Wegberg. Erst 1996 zog das Summerjam an den Fühlinger See. Dort fand man etwas, was für ein mehrtägiges Open-Air-Festival ausgesprochen praktisch ist: viel Platz, Wasser, Wiesen – und eine Insel.
Damian Marley, der jüngste Sohn von Bob Marley, beim Summerjam 2015, Bild: Emha, CC-BY-SA-3.0-DE, via Wikimedia Commons
Die Insel wird zur Festivalwelt
Das Herz des Summerjam liegt auf der großen Festivalinsel. Während des Festivals entstehen dort Bühnen, Marktstände und verschiedene Veranstaltungsbereiche. Rundherum verteilen sich Camping- und Serviceflächen. Für ein Wochenende verwandelt sich das Naherholungsgebiet damit in eine kleine Stadt auf Zeit.
Und die Kulisse ist tatsächlich ungewöhnlich. Hinter den Bühnen liegt das Wasser, Bäume säumen das Gelände, und wer zwischen zwei Konzerten ein wenig Abstand vom Trubel sucht, muss dafür nicht weit gehen. Gerade diese Mischung hat viel zum besonderen Charakter des Summerjam beigetragen. Ein Festivalgelände auf einem ehemaligen Flugplatz oder einem großen Acker gibt es häufiger. Eine Festivalinsel mitten in einer Kölner Seenlandschaft ist schon etwas spezieller.
Reggae – aber längst nicht nur Reggae
Der musikalische Kern des Festivals ist bis heute Reggae. Doch wer beim Summerjam ausschließlich an Bob-Marley-Klänge denkt, liegt inzwischen daneben. Dancehall, Hip-Hop und andere Musikrichtungen gehören längst selbstverständlich zum Programm.
Bei der 39. Ausgabe im Jahr 2026 standen rund 40 Künstler und Bands auf dem Programm. Damit ist das Summerjam weit mehr als ein Treffen für eine kleine eingeschworene Reggae-Gemeinde geworden. Trotzdem hat sich das Festival einen eigenen Charakter bewahrt. Dazu trägt sicherlich der Veranstaltungsort bei. Wasser und Wiesen gehören genauso zum Summerjam wie Bühnen und Campingplätze.
Ganz konfliktfrei funktioniert ein Festival dieser Größenordnung in einem Naherholungsgebiet natürlich nicht. Straßen werden gesperrt, Parkplätze stehen zeitweise nicht zur Verfügung und der Lärm beschäftigt auch die Menschen in den umliegenden Stadtteilen. Stadt und Veranstalter arbeiten deshalb mit Verkehrs- und Lärmschutzkonzepten.
Auch die Natur spielt eine besondere Rolle. Der Fühlinger See liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Der Veranstalter weist deshalb ausdrücklich darauf hin, Müll zu vermeiden und Campingflächen sauber zu hinterlassen.
Die Regattastrecke am Fühlinger See hat eine Gesamtlänge von mehr als 2000 Meter und ist 130 m breit, Bild: Wikimedia Commons
Regattastrecke für nationale und internationale Wettkämpfe
Die Regattastrecke auf dem Fühlinger See im Kölner Norden zählt zu den wichtigsten und modernsten Wassersportanlagen Deutschlands. Sie verfügt über eine 2.000 Meter lange Wettkampfbahn mit sieben parallelen Bahnen.
Über das Jahr verteilt finden hier hochkarätige nationale und internationale Meisterschaften sowie bekannte Breitensport-Events statt.
Die Mindesttiefe der Strecker beträgt durchgehend 6 Meter. Das sorgt für faire Bedingungen auf allen Bahnen, da kein Boot durch flaches Wasser („Flachwassereffekt“) benachteiligt wird.
Viel trinken ist gesund! Doch die in Köln so geliebten Kölsch-Stangen sind (zugegeben) recht klein und bei richtig großem Durst auch schnell immer wieder leer. Wie gut, dass es das beliebte Pittermännchen gibt: Zehn Liter Kölsch, gut gekühlt in einem handlichen Faß. Gerne auch für zu Hause. Ein Traum. Und die Kölsch-Stange lässt sich immer wieder mit frisch gezapftem Kölsch auffüllen.
Bleibt aber die Frage, wie das Pittermännchen zu seinem Namen gekommen ist. Vorab: Die exakte Namensherkunft lässt sich nicht eindeutig klären. Allerdings können mittlerweile einige Legenden über diesen Namen widerlegt werden.
Legende I: Vatertagsumzüge
Angeblich hat es früher zu Peter und Paul am 29. Juni Vatertagsumzüge gegeben. Und – wie praktisch – im Bollerwagen konnten die feierwütigen Väter kleine Fässer mitnehmen. Und zu Ehren des Heiligen an diesem Tag haben diese Fässer den Namen Pittermännchen bekommen.
Allerdings hat es die Umzüge an Peter und Paul nie gegeben, sondern am Vatertag, also Christi Himmelfahrt. Und diese Vatertagsumzüge sind erst seit etwa 100 Jahren bekannt. Also – keine Erklärung für das Pittermännchen.
Das Relief des Petrus vom Mailand am Brauhaus Früh. Besonders auffällig: Das Schwert im Kopf, welches mit seiner Hinrichtung und nicht mit dem Konsum von Kölsch zusammenhängt. Bild: Raimond Spekking
Legende II: Petrus von Mailand
Bereits seit 1396 gibt es die St. Peter-von-Mailand-Bruderschaft. In dieser Handwerkergemeinschaft haben sich die kölschen Brauer zusammengetan. Der Heilige Peter (oder Petrus) von Mailand ist der Schutzheilige der Brauer.
Und so könnte es sein, dass das Pittermännchen an genau diesen Peter erinnern soll. Aber: Bewiesen ist auch diese Legende nicht.
Legende III: Französisch „petit“
Wir haben in Köln viele französische Begriffe eingekölscht. Zum Beispiel „plümerant“ für schwindelig, „Plümmo“ für das Federbett oder „Paraplü“ für den Regenschirm.
Daher könnte es ja auch sein, dass sich aus dem französischen Wort „petit“ für klein auch der Begriff „Pittermännchen“ für ein kleines Fass Kölsch ableitet. Doch leider findet sich für diese Herleitung kein belastbarer Beleg.
Das 10 Liter-Fass von Früh trägt stolz den Namen „Pitter“, Bild: Früh Kölsch
Legende IV: Flämische Mönche und „Petrus“
Eine wunderschöne, aber vermutlich falsche, Erklärung liefert das Mitmachwörterbuch der rheinischen Umgangssprache. Demnach sollen Mönche in Belgien Bier in kleinen Fässern verkauft haben. Doch die Käufer brachten die Fässer nur sehr unzuverlässig zum Kloster zurück, daraufhin kennzeichneten die Mönchen die Fässer mit „Petrus“ – dem Patron der Brauer. Und aus Petrus wurde dann der Pitter und das Pittermännchen. Allerdings, so der Sprachforscher Peter Honnen, haben die Mönche früher das Bier nicht verkauft und außerdem ist das Wort „Pittermännchen“ im Niederländischen nicht bekannt.
Fazit
Auch wenn wir bis heute die genaue Herkunft dieses wunderschönen Wortes nicht kennen, schmeckt das Kölsch aus diesen kleinen Fässern ganz besonders gut. Prost!
In der „Kölsch-Konvention“ haben sich die Kölner Brauer auf die wesentlichen Bestimmungen zu Kölsch festgelegt.
Er ist stattlich, massiv, wehrhaft. Und mehr als drei Meter hoch. Und genau das wird ihm jetzt zum Verhängnis: Der „Kölsche Boor en Iser“ passt nicht in das Übergangsquartier des Stadtmuseums im ehemaligen Kaufhaus Sauer. „Man würde keinen Museums-Neubau so planen.“ sagt Stefan Lewejohann, Kurator im Stadtmuseum, und meint damit, dass ein ehemaliges Kaufhaus nur bedingt als Museum genutzt werden kann. Derzeit ist offen, was mit der geschichtsträchtigen Figur des Kölschen Boors passiert.
Spenden sammeln durch Nägel einschlagen
Vielleicht könnte man dä Boor wieder dort aufstellen, wo die ganze Geschichte im Jahr 1915 begann: Am Gürzenich. Dort wurde am 20. Juni 1915 die 3,25 Meter hohe Statue aus vergoldetem Lindenholz in einem Pavillon aufgestellt. Es handelte sich um eine der zu dieser Zeit populären Nagelfiguren. Solche Figuren wurden aufgestellt, um Spenden zu sammeln. Die Idee stammte aus Österreich, wo man in Wien das Ritterstandbild „Wehrmann in Eisen“ aufgestellt hatte. Jeder konnte für einen bestimmten Betrag einen Nagel in die Figur schlagen.
Plakat von Franz Brantzky zum Kölsche Boor
Die Variante in Köln, der „Kölsche Boor in Iser“ („Der Kölsche Bauer in Eisen“), entpuppte sich als gigantischer Spendensammel-Erfolg. Nach zwölf Monaten wurden bereits mehr als 700.000 Reichsmark an Spenden eingenommen, bis 1919 verdoppelte sich diese Summe auf ca. 1,5 Millionen Reichsmark. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse wären das mehr als 14 Millionen Euro.
Die gesammelten Spenden gingen vorrangig an Kriegswaisen und Kriegswitwen., zum Teil aber auch an dei Rüstungsindustrie.
Eine Schulklasse im Jahr 1916 vor dem „Kölsche Boor“. Auf der linken Seite sind noch Teile des Schriftzugs „Witwen- und Waisenfond“ zu erkennen, rechts steht eine Geschütz-Lafette. Bild: Privatbesitz Michael Osieka
Symbol der Wehrhaftigkeit der Stadt
Dabei war es kein Zufall, dass ausgerechnet der „Kölsche Bauer“ als Galionsfigur für die Spenden-Kampagne in Köln ausgewählt wurde. Bis heute steht der Kölner Bauer für die Wehrhaftigkeit und Unsterblichkeit der Stadt. Auch der Bauer im Dreigestirn verkörpert diese Eigenschaften.
Wer meint, dass dieser Bauer nur einen harmlosen Landwirt darstellen soll, liegt vollkommen falsch. Der „Kölsche Boor“ repräsentiert die Wehrhaftigkeit der Stadt. Er trägt ein Kettenhemd, auf sehr alten Darstellungen auch ein Schwert. Der schwere, eisenbewehrte Dreschflegel des Bauern ist weniger dafür gedacht, Korn zu dreschen, sondern eher die Feinde der Stadt zu Brei zu schlagen.
Ne staatse Buur! Deutlich zu erkennen: Das Kettenhemd. Bild: Norbert Bröcheler
Ostermann schreibt patriotisches Marschlied
Die Nagelfigur des Kölsche Boor ist schnell über und über mit Nägeln gespickt, nur noch der Kopf zeigt die ursprüngliche goldene Lackierung. Wieviele Nägel es tatsächlich sind, kann niemand sagen. Neben der „Nagel-Spende“ werden die Kölner auch im nahegelegenen „Geschäftslokal des Kölschen Boor“1Bitte nicht mit der schönen Gaststätte „Em Kölsche Boor“ am Eigelstein verwechseln, diese beiden Einrichtungen haben nur den Namen gemeinsam.zur Kasse gebeten. Waren es anfangs noch Spenden für die Witwen und Waisen der aus Köln stammenden gefallenen Soldaten, sollten die Kölner in dem Geschäftslokal Gold gegen Papiergeld tauschen, um die Rüstungsindustrie bezahlen zu können.
Auch solche Eisenmedaillen wurden zur Kriegsfinanzierung ausgegeben. Die Prägung auf der Münze lautet: „Gold gab ich zur Wehr. Eisen nahm ich zur Ehr.“ Ein großes Dankeschön an Heribert Günther für dieses Bild.
Größere Spender werden per Plakette namentlich genannt und in einer eigens zu diesem Zweck erscheinenden Wochenzeitschrift aufgeführt. Der Besuch beim Boor und die entsprechende Spende wurde zur patriotischen Pflicht hochstilisiert, Spendenunwillige werden als Vaterlandsverräter verunglimpft.
„Kölschen Boor, do ließ dich kamisöle, kölschen Boor, wat ließ do dich vernäle; dat es rääch, do kölschen Boor, halt Stand! Et jeiht för dich un för et Vaterland.
Et es nit jedemein jejevve, met vören an der Front zo sin. Doch jeder, der doheim jeblevve, jitt wat hä kann met Freuden hin. …“
Übersetzung: Kölscher Bauer, du lässt dich verprügeln, Kölscher Bauer, was lässt du dich vernageln; Das ist recht, du Kölscher Bauer, halte Stand! Es geht um dich und um das Vaterland.
Es ist nicht jedem gegeben, mit vorne an der Front zu sein. Doch jeder, der daheim geblieben, gibt was er kann mit Freuden hin.
Der User „Swanny Swenumsen“ hat dieses Lied auf YouTube veröffentlicht. Swanny Sewmunsen dazu auf YouTube: „Tatsächlich ist dies die einzige Platte, die mir in allen Jahren begegnet ist. Der Text ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß man 1915 noch an einen Sieg in diesem Krieg glaubte und sich der Schrecken der folgenden Materialschlachten noch nicht gezeigt hatte.“
Wohin jetzt mit dem Koloss?
Im Januar 1919 wurde der von oben bis unten mit Nägeln beschlagene Kölsche Boor in den Gürzenich gebracht, anschließend stand er im „Haus der Rheinischen Geschichte“ am Rheinufer. Seit 1984 ist er im Stadtmuseum zu finden. Doch wohin mit dem Koloss nach dem Umzug ins Übergangsquartier?
Ist doch ganz einfach: Bringt ihn dahin zurück, wo er herkam: In den Gürzenich.
Der Kallendresser am Alter Markt, Bild: Elke Wetzig (elya) [CC BY-SA (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]
Unerhört!
Da hockt ein kleines Männlein hoch über unseren Köpfen und streckt uns die bläcke Fott (hochdeutsch: das nackte Gesäß) entgegen. Offensichtlich ist es gerade dabei, in de Kall ze drisse (hochdeutsch: seine Notdurft in der Regenrinne zu verrichten). Und das mitten in der Stadt. Am Alter Markt. Diese kleine Männlein wird von den Kölschen liebevoll Kallendresser genannt. Ihr findet es am Alter Markt, Hausnummer 24.
Das Kallendresser-Leed
Die Kölschen lieben diese kleine Figur, es gibt sogar ein eigenes Lied dazu:
Ki-Ka Kallendresser, hev et Hembche huh! Kik-Ka Kallendresser, mähs de Minsche fruh. Häste Ärger un Verdross, mähste deer nix druus, denkste nor wie Goldschmitsjung un stipps dä Mond erus.
Übersetzung: Ki-Ka Kallendresser, hebt das Hemdchen hoch, Kik-Ka Kallendresser, machst die Menschen froh. Hast du Ärger und Verdruss, mach dir nichts draus, denke nur wie ein Lehrling der Goldschmiedekunst1Denken wie ein Goldschmittsjung“ ist eine (heute kaum noch gebräuchliche) Redensart für (vornehm gesagt) „Du kannst mich mal.“ und streckst den Mond2hier: Das Hinterteil heraus.
Verschiedene Legenden zur Herkunft
Genau wie beim Halven Hahn gibt es auch beim Kallendresser verschiedene Legenden zur Entstehung:
Am Alter Markt war es anscheinend schon immer etwas lauter. Besonders jedoch störte sich ein Schneider daran, dass unter ihm ein – offensichtlich weniger talentierter – Musiker Tuba übte. Nach vielen Ermahnungen wegen der Ruhestörung wurde es dem Schneider zu bunt, und er hockte sich an die Dachkall und zielte ganz genau …
oder
Für Dachdecker ist es natürlich mühsam, für das „Geschäft“ eine Toilette aufzusuchen. Viel einfacher ist es doch, die Regenrinne zu benutzen.
oder
Die oberen Stockwerke wurden früher von den Dienstboten bewohnt. Selbstverständlich gab es dort oben keine Toilette. Und dann war der Weg zur Dachrinne nicht so weit wie der Weg zum Plumpsklo im Hinterhof.
oder:
Meine Lieblingsgeschichte leitet sich vom Standort des Kallendressers ab: Dreht man sich einmal um, sieht man das Rathaus. Und plötzlich wird der nackte Hintern der Figur zum politischen Statement.
Wie in Kölle so üblich: Zu vielen Legenden gibt es eine ganze Reihe Erklärungen, wobei gilt: Was am Ende richtig ist, ist egal. Hauptsache, die Geschichten sind schön!
Der Kallendressers als Symbol für das Aufbegehren gegen die Obrigkeit
Tatsächlich gab es einen Vorläufer der Figur des Kallendressers. Dieser erste Kallendresser wurde von den Kölner Bürgern am „Haus zur Sonne“ am Alter Markt angebracht. Besonders pikant: Ausgerichtet war der nackte Hintern in Richtung des Klostereingangs von St. Martin.
Die Mönche des Klosters hatten sich den Zorn der Bürgerschaft zugezogen, als sie einen Verbrecher, der sich in der vermeintlichen Immunität des Klosters sicher fühlte, an die städtischen Behörden auslieferten. Die empörten Bürger errichteten daraufhin die provokante Figur. Auch eine Klage des Klosters gegen die Figur des Kallendressers wurde abgewiesen.
Drastischere Darstellung von Ewald Mataré
Dieser „Vorläufer“ des heutigen Kallendressers, der im Krieg stark beschädigt wurde, war in der Darstellung etwas zurückhaltender. Man erkannte zwar, welcher Beschäftigung die Figur nachging, jedoch war diese mit einem langen Hemd bekleidet. Also war kein Blick auf bläcke Fott möglich. Leider konnte man diese Figur wegen der Beschädigungen nicht mehr aufhängen.
Dass der Kallendresser überhaupt noch existiert, ist der Initiative von Josef „Jupp“ Engels (1909–1991)3Jupp Engels stiftete übrigens auch das Geld und Material zur Schmitz-Säule. verdanken. Der Mäzen und Freund des kölschen Brauchtums sicherte sich in einem typisch kölschen Deal die Figur des Kallendressers: Er tauschte einen mittalterlichen Torbogen, den er beim Bau eines Hauses gefunden hatte, gegen die Rechte an der Figur des Kallendressers ein.
Nachdem er sich die Rechte gesichert hatte, beauftragte Engels seinen Freund, den renommierten, in Düsseldorf tätigen Künstler Ewald Mataré, eine neue Figur zu schaffen. Und – genau wie beim Rosenmontagszug – scheinen die Düsseldorfer immer etwas drastischer in ihren Darstellungen zu sein. Mataré gestaltete die Nachbildung in grünpatiniertem Kupferblech. Ohne Nachthemd, dafür aber mit freiem Blick auf das entblößte Gesäß. Und so hängt er da oben – sehr zu Belustigung der Passanten.
Der Kallendresser-Orden
Jupp Engels gründete auch den Kallendresser-Orden. In diesen Orden können nur Menschen aufgenommen werden, die sich um das Kölner Brauchtum verdient gemacht haben. Selbstverständlich war Engels als Oberkallendresser Präsident dieses Ordens.
HELLERS Kallendresser ist ein wohlschmeckender und wohltuender Kräuterlikör mit 32% Alkohol
Verschiedene Versionen des Kallendresser in ganz Köln – und sogar in Rumänien und Barcelona
Die Brauerei Heller vertreibt den Kallendresser als Getränk: Ein wohlschmeckender Kräuterlikör mit 32% Alkohol. Und über der Theke im Hellers Brauhaus an der Roonstraße reckt auch ein kleiner Kallendresser seinen Hintern in Richtung Besucher.
In Junkersdorf und in Seeberg zeigen jeweils kleine Kallendresser ihre bläcke Fott, wobei die Figur in Seeberg ihren Hintern ausdrücklich in Richtung eines ungeliebten Nachbarn streckt.
Genau wie in Rumänien: In der Kleinstadt Braila hat ein Kölner Unternehmer einen Kallendresser an seinem Haus montiert – ebenfalls als Zeichen gegen einen missgünstigen Nachbarn.
Der Caganer, unverzichtbarer Bestandteil jeder katalanischen Weihnachtskrippe und offensichtlich ein Verwandter des kölschen Kallendressers. Bild: Slastic, via Wikimedia Commons
Der „Caganer“ – die spanische Version des Kallendressers
Und dann gibt es auch noch einen entfernten Verwandten des Kallendressers: In keiner katalanischen Krippe darf der Caganer4katalanisch für Scheißer fehlen. Diese Figur stellt stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert. Es ist für Kinder aus Barcelona ein beliebtes Spiel, den Caganer in der Krippe zu finden.
Das „Brückenmännchen“ links und das „Brückenweibchen“ rechts. Bild links: Qualle, Bild rechts: Sir James, beide CC BY 3.0,via Wikimedia Commons
Die Version aus Bonn: Das „Brückenmännchen“ und „Bröckeweibchen“
Das Bonner Brückenmännchen (bönnsch: Bröckemännsche) ist eine Steinskulptur, die 1898 beim Bau der ersten Bonner Rheinbrücke angebracht wurde. Ihren Platz erhielt sie am rechten Turm des Beueler Strompfeilers, direkt über dem Fußgängerdurchlass – mit dem Hinterteil demonstrativ in Richtung Beuel. Der Hintergrund: Die Brücke wurde ausschließlich von Bonner Seite finanziert, weil sich die Beueler Bürger nicht an den Baukosten beteiligen wollten.
Diese ließen aber diese Spitze nicht unbeantwortet. Als Gegenreaktion entstand die Figur des “ Bröckeweibchen„: Eine keifende Waschfrau am linken Turm des Beueler Strompfeilers. Sie zeigt eine Frau mit finsterem Blick und einem erhobenen Pantoffel, der jederzeit zum Wurf auf die andere Rheinseite bereit scheint.5Danke an Rolf Brenner für diesen Hinweis.
Und die Moral von der Geschichte?
Der Kölner Filmemmacher Bruno Neurath1-Wilson fasst in seinem Film „Der Kallendresser lebt“ die Intention des Kallendressers perfekt zusammen:
Welche der Legenden zur Entstehung des Kallendressers richtig ist, ist am Ende egal – Hauptsache, die Geschichten sind schön!
Etwas mehr Kallendresser würde uns allen gut tun: Weniger Streiterei, weniger Gerichtsverfahren. Stattdessen einfach mal die bläcke Fott zeigen und gut ist.
Gedenktafel, in d’r Kayjass Nummer Null (Kaygasse, Ecke Großer Griechenmarkt),Bild: 1971markus@wikipedia.de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Jedes kölsche Schulkind kennt diesen Text:
„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull, un do hammer dren studeet. Unser Lehrer, dä hieß Welsch, sproch en unverfälschtes Kölsch ... … Dreimol Null es Null, bliev Null, denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“
Bei dem von den „Drei Laachduve“ in der Session 1938/39 besungenen Lehrer handelt es sich um Heinrich Welsch, und genau dieser Lehrer Welsch hat tatsächlich ein musikalisches Denkmal verdient.
Allerdings war Welsch nie in der Kaygasse tätig, sondern leitete im rechtsrheinischen Kalk eine Sonderschule für Kinder, die einer besonderen Fürsorge bedurften. Man kann davon ausgehen, dass die „Drei Laachduve“ Welsch wegen des Reims in die Kaygasse versetzt haben, denn die ursprüngliche Schule lag in der Hollweghstraße . Das hätte doch das Reimschema arg strapaziert.
Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Welsch – ein Pädagoge mit Herz
Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf, heute ein Ortsteil von Wachtberg, geboren. Er war ausgebildeter Lehrer mit einem Examen des Königlich Preußischen Lehrerseminars in Brühl. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem in Worringen und Sülz, kam er 1881, mitten in der industriellen Revolution, nach Kalk. Erschreckt über die Verhältnisse in der Arbeiterschaft erkannte Welsch sehr schnell, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Erfolg seiner Schüler war. Im Jahr 1905 gründete er die „Hilfsschule“ in Kalk. Der Lehrer Welsch kümmerte sich rührend um seine Schüler – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Rohrstock noch als pädagogisches Mittel galt. So brachte er zum Beispiel Mädchen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft verstoßen wurden, wieder zurück zu ihren Familien.
Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin
Zu seinen Bemühungen um die Bildung gehört auch, dass Welsch 1884 mit 1.700 von ansässigen Betrieben gespendeten Büchern die erste Volksbibliothek in Kalk gründete. Heinrich Welsch schied im Jahr 1914 aus dem Schuldienst aus und verstarb 1935. Sein Grab auf der dem Friedhof in Kalk ist ein Ehrengrab, die Stadt Köln kümmert sich um die Grabpflege.
Lehrer-Welsch-Preis
Neben dem bekannten Lied lebt Heinrich Welsch aber auch im Lehrer-Welsch-Sprachpreis weiter. Die Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verleiht diesen seit 2004 an Personen oder Institutionen, die sich um die Hochsprache und den Erhalt der kölschen Sprache verdient gemacht haben.
Der Sänger Ludwig Sebus, selbst Preisträger im Jahr 2008, dazu im Kölner-Stadt-Anzeiger „Das Vermächtnis des legendären Lehrers Welsch ist doch viel mehr als Drei mal Null. Er verkörperte die kölsche Seele. Als Lehrer hat er alle Menschen gleich gesehen und gleich behandelt.“.
2023
Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr von 1903
2024
Kölner Hänneschen-Theater, Puppenspieler: Jacky von Guretzky-Cornitz, Charly Kemmerling, Udo Müller und Josef Schönberg
2025
„Bömmel“ Lückerath, Gründungsmitglied der Bläck Fööss
Peter Kievernagel (1935 – 2023) war bei seinen Schülern als „Papa gnädig“ bekannt. Bild: Uli Kievernagel
Ein anderer Lehrer, bekannt als „Papa gnädig“
Ich widme dieses „Köln-Ding der Woche“ ausdrücklich meinem am 2. April 2023 verstorbenen Vater Peter Kievernagel, ebenfalls Lehrer. Seine Schüler sprachen von ihm als „Papa gnädig“, weil er bei Prüfungen auch schon mal gerne ein Auge zudrückte. Ganz in der Tradition von Heinrich Welsch.
Zwar stammt das Lied von der „steinahl Schull“ im Original von den „Drei Laachduve“, allerdings ist die überarbeitete Version der „Vier Botze“ einer der heimlichen Hymne Kölns.
Das Ding ist 62 Tonnen schwer, etwa zehn Meter hoch und steht fast mitten auf dem Roncalliplatz am Dom. Doch trotz ihrer Größe geht die „Himmelssäule“ eher unter. Ganz selten fragen Teilnehmer bei Stadtführungen, was es denn mit diesem Monolithen auf sich hat.
Dabei verbirgt sich eine durchaus kuriose Geschichte hinter dem Kunstwerk. Im Mittelpunkt: Der Lions Club und unbezahlte Rechnungen.
Ein sichtbares Zeichen der Lions an einem markanten Platz
Im Jahr 1984 fand eine Versammlung aller deutschen Lions-Clubs in Köln statt. Lions Club International ist eine Institution mit mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern, die sich weltweit in fast 50.000 Clubs organisiert haben. Allein für Köln listet die Website des Lions-Club 15 Clubs auf. Unter dem Motto „We Serve“ („Wir dienen“) engagieren sich die Lions bei sozialen und kulturellen Projekten.
Logo des Lions Club International
Zur Versammlung 1984 in Köln wollten die Lions eine Skulptur stiften, die „ … auf einem markanten Platz im innerstädtischen Bereich aufgestellt werden“ sollte, schrieb der damalige Vorsitzende des rheinischen Lions-Districts Günter Huhn am 19. September 1983 an den Oberbürgermeister der Stadt Köln, Dr. Norbert Burger. [Quelle: Die Zeit Nr. 17/1986].
Mit Sicherheit war es für das Vorhaben hilfreich, dass es sich bei Dr. Norbert Burger ebenfalls um ein Lions-Mitglied handelte. Und für städtische Verhältnisse ging es ungewohnt schnell: Bereits am 7. Oktober 1983 kam es zu einem Vorgespräch mit dem renommierten Künstler Heinz Mack – selbstverständlich auch ein Lions-Mitglied.
Heinz Mack (*geboren am 8. März 1931) ist ein deutscher Bildhauer und Maler und war zusammen mit Otto Piene Mitbegründer der international renommierten Künstlergruppe ZERO. Mack sollte im Auftrag des Lions Club ein Kunstwerk schaffen, welches „als sichtbares Zeichen von uns Lions in die Stadt Köln ausstrahlt.“1Quelle: Die Zeit Nr. 17/1986
Aufstellung der Himmelssäule direkt am Kölner Dom, Bild: Ulrich Stoltenberg
Aufstellung fast direkt am Dom
Der gewünschte markante Platz war schnell gefunden: Das Kunstwerk sollte auf dem Roncalli-Platz, fast direkt am Dom, platziert werden. Den Beteiligten war auch klar, dass diese exponierte Lage eine besondere Herausforderung darstellte. Der Künstler Heinz Mack im „LION“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International2Ausgabe vom Januar 2013 dazu:
„Ja, es ist eine künstlerische Provokation gewesen. Die besondere Einladung, etwas unmittelbar vor den Dom zu stellen, war die eigentliche Herausforderung. Der Dom in seiner architektonischen und auch strukturalen Macht hat mich gefordert.“
Diese „künstlerische Provokation“ setzte Mack in der Säule Columne pro Caelo – Himmelssäule – aus Granit um. 10 Meter hoch, 62 Tonnen schwer. Um die Säule laufen waagerecht Rillen, deren Abstände zum Boden immer kleiner werden.
Der Künstler will mit der Himmelssäule einen direkten Bezug zum Dom herstellen: „Der Dom besteht aus tausenden, unzählbar vielen Steinen. Die Stele ist ein einziger Stein, dieser eine steht den vielen gegenüber. Umgekehrt können sich die vielen Steine durch den einen repräsentiert sehen.“ [Heinz Mack im „LION“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International, Ausgabe vom Januar 2013]
„Durch ihre aufwändige Kannelierung,3Kannelierung ist die Auskehlung eines Objektes mit Furchen. die die Säule wie ein Band umschließt und nach unten hin enger wird, könnte man glauben, dass der Monolith unter seinem eigenen Gewicht in sich zusammensackt. Durch ihre Platzierung gegenüber des Doms geht die Himmelssäule gewissermaßen einen Dialog mit der gigantischen Kirche ein. Zum einen strecken sich beide Gebäude nach oben, dem Himmel entgegen, zum anderen symbolisiert ihre pure steinerne Masse geistiges und geistliches Gewicht.
Eben dieses Gewicht stellte auch jenseitig aller geistigen und geistlichen Symbolik ein Problem dar: So mussten Statiker aufwändig prüfen, ob der ausgewählte Platz die Himmelssäule tragen konnte und ob der Transport der Säule an diesen Platz überhaupt möglich war. Immerhin befindet sich unter dem Roncalliplatz eine Tiefgarage.
Nachdem diese technische Hürde genommen wurde, warb Oberbürgermeister und Lions-Mitglied Dr. Norbert Burger beim Domkapitel und im Rat der Stadt Köln um Verständnis. Mit Erfolg: Am 24. Mai 1984 nahm die Stadt die Schenkung der Lions dankend an.
Im „Dialog“: Die Himmelssäule und der Dom, Bild: Uli Kievernagel
29 Jahre Unklarheit über Stifter
Grundsätzlich hätte damit alles gut sein können. Doch aus damals unerklärlichen Gründen distanzierte sich der Vorstand der Kölner Lions wenige Stunden vor der feierlichen Übergabe von dem Kunstwerk. Allerdings waren ja bereits Fakten geschaffen worden und die Säule stand, zehn Meter hoch, gut sichtbar auf dem Roncalliplatz.
Die konkreten Hintergründe dafür waren lange nicht bekannt. Erst ein Gespräch mit Chefredakteur Ulrich Stoltenberg, dem Pressesprecher der deutschen Lions, bringt Aufklärung:
„Es ging um 93.500 DM. Das waren die Kosten für den Transport und die Aufstellung der Säule. Heinz Mack hatte die Säule gestiftet, auch das Material war eine Stiftung. Allerdings sollte der Betrag für Transport und Aufstellung von den Kölner Lions alleine aufgebracht werden.“
Doch die Kassen waren leer und der betroffene Kölner Lions Club bestand nur aus 30 Mitgliedern, die dann alleine den Betrag hätten aufbringen müssen, so Pressesprecher Stoltenberg.
Die Lösung war, den Betrag auf viele Schultern zu verteilen. So legten die Lions Deutschland zusammen, der Betrag wurde noch im Jahr 1984 bezahlt. Stoltenberg war auch Initiator einer neuen Plakette, die den Stifter eindeutig benannte.
Im Jahr 2013 wurde die neue Plakette an der Säule angebracht und auch der Künstler Heinz Mack zeigte sich erleichtert:
„Jahrelang gab es eine Unsicherheit in dem Sinne: Die Skulptur hat irgendwas mit uns Lions zu tun. Viele andere haben das auch so empfunden. Da kam schon die Frage auf, ob die Lions wirklich stolz auf dieses Werk sind und sich damit identifizieren können.“4Heinz Mack im „Lion“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International, Ausgabe vom Januar 2013
Jürgen Roters, Kölner Oberbürgermeister 2009 – 2015, setzt gemeinsam mit Heinz-Joachim Kersting, Governorratsvorsitzender Lions Deutschland, die neue Plakette an der Himmelssäule ein. Bild: Ulrich Stoltenberg
Kletterer auf der Himmelssäule
Der Granit der Säule ist in jedem Fall beständig. Und auch recht rauh und griffig. Daher nutzen Freeclimber jahrelang die Säule als Kletterobjekt. Der Künstler Mack sieht diese Zweckentfremdung völlig gelassen:
„Wir haben in Köln eine Hochschule für Sport, und die jungen Leute klettern dort mit ihren zehn Fingern hoch, zerstören aber nichts. Dieser Granit hält das aus. In zehn Metern Höhe angekommen, postieren sie sich und lassen Fotos machen. Das ist natürlich eine liebenswerte Geschichte, ich habe überhaupt nichts dagegen einzuwenden.“5Heinz Mack im „Lion“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International , Ausgabe vom Januar 2013
Und damit beschreibt der Hessen geborene Mack liebevoll Artikel 1 des Kölsche Grundgesetzes:
Et es wie et es.
Auch bei einer Himmelssäule.
Ideal für Freeclimber: Die Himmelssäule mit ihren Rillen und dem griffigen Granit, Bild: Uli Kievernagel
Die „11“ – eine für den Fastelovend ganz wichtige Zahl. Bild: Jörg Sabel / pixelio.de
Die „11“ ist die wichtigste Narrenzahl. Am 11.11. – jeiht et met däm Fastelovend loss. Der Startschuss ist – wie sollte es auch anders sein – um 11.11 Uhr. Doch was hat es mit dieser Zahl 11 auf sich? Und warum haben die Jecken sich diese Zahl einfach unter den Nagel gerissen? Tatsächlich gibt es viele Erklärungsansätze, warum tatsächlich die 11 die Narrenzahl ist.
Die 11 als als Symbol der Gleichheit
Am einfachsten ist die Erklärung, dass bei der 11 die beiden Ziffern 1 und 1 einträchtig nebeneinander stehen – als Symbol der Gleichheit im Karneval. Soll bedeuten: Egal, ob du Millionär oder armer Schlucker bist: Im Kostüm sind alle Jecken gleich.
Eine Zahl ohne „Regeln“
Komplexer wird es bei der Deutung der 11 als Zahl, welche sich nicht den Regeln unterwirft. Während sich die 12 hervorragend teilen lässt, ist die 11 als Primzahl nicht teilbar. Man kann sie nicht mehr mit den Fingern beider Hände abzählen. Und sie überschreitet die Ordnung, die durch die 10 Gebote gegeben wurde. Deshalb hat das kölsche Grundgesetz ja auch 11 Gebote.
Egalité – Liberté – Fraternité wird als „ELF“ abgekürzt
Eine andere Herleitung ist, dass sich die Narrenzahl 11 auf die Französische Revolution bezieht: Die Abkürzung der Begriffe Egalité – Liberté – Fraternité lautet ELF. Schöne Geschichte, aber nicht wahr. Allein schon die Tatsache, dass 11 als Zahl der Jecken schon lange vor der Zeit der Französischen Revolution belegt ist, widerlegt diese These.
Lohn und Pacht waren am 11.11. fällig
Einleuchtender ist die Deutung, dass am 11.11., dem Fest des St. Martin, das bäuerliche Jahr zu Ende ging. Pachtzahlungen wurden an diesem Tag fällig und die Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn ausgezahlt. Es war also genug Geld im Umlauf, um es so richtig krachen zu lassen.
Elferrat der Stunksitzung mit Präsidentin Biggi Wanninger, Bild: Renate Lehmann
Der Elferrat – eine Erfindung aus Aachen
Bitter für die Kölner: Der Elferrat scheint keine kölsche Erfindung zu sein, sondern wurde aus Aachen importiert, so schreibt Thomas Töller:
„Denn während in den Statuten der Florresei1Die Florresei ist ein 1829 in Aachen gegründeter Karnevalsvereinvon 1829 explizit elf Würdenträger benannt werden, finden sich offenbar keine Quellenbelege, die für die Zeit vor 1830 auf eine ähnliche Bedeutung der Zahl Elf sowohl im Kölner als auch Düsseldorfer Karneval schließen lassen. (…) im Jahre 1829 war in den Statuten der Florresei der Grundstein für die Entstehung des elfköpfigen Vereinsvorstandes gelegt worden, der sich schnell zum charakteristischen Führungsgremium aller närrischen Vereine entwickelte.“2Thomas Töller: 150 Jahre Aachener Karnevalsverein gegr. 1859 e. V. 1859 Mit närrischem Frohsinn WIDER DEN TIERISCHEN ERNST 2009. Kuper Eschweiler 2009, S. 19, 234.
Jecke Jubiläen – von „11“ bis „444“
Die Zahl „11“ bedingt aber auch, dass es in Köln fast inflationär viele Jubiläen gibt. Während im Rest von Deutschland die „Runden Jubiläen“ wie „25 Jahre“, „50 Jahre“ oder „100 Jahre“ gefeiert werden, gibt es in Köln zusätzlich noch die „Jecken Jubiläen“. Deswegen kann der Kölsche auch den 44. Geburtstag oder ein (Karnevals-)Verein sein 77jähriges Bestehen feiern. Und in Köln wundert sich niemand darüber.
Ein echt kölsche Jubiläum: Zum 55. Jubiläum spendierte sich die „Lachende Kölnarena“ selbst diesen Orden.
Die „11“ ist in Köln mehr als nur eine Zahl
Die Zahl „11“ ist im Karneval weit mehr als ein Datum oder eine Uhrzeit – sie steht sinnbildlich für Gleichheit, Regelbruch und die jecke Freiheit. Ob als Ausdruck karnevalistischer Werte, als historisch gewachsener Termin zum Feiern nach dem Ende des bäuerlichen Jahres oder als organisatorische Grundlage mit dem Elferrat: Die 11 hat sich fest im rheinischen Brauchtum verankert. Ihre besondere Bedeutung zeigt sich bis heute in jecken Jubiläen und Traditionen, die Köln und den Karneval einzigartig machen.
Weitere Erklärungen zur „11“
Nach der Veröffentlichung haben mich Leser*innen angeschrieben und weitere Erklärungsansätze zu Bedeutung der Zahl „11“ geliefert:
Petra meint, dass es völlig klar wäre: Der Anfangsbuchstabe unserer Stadt ist „K“ – und „K“ steht an 11ter Stelle im Alphabet.
Das von den Kölschen“ Dreikünnijepöötzche“ genannte Dreikönigenpförtchen am Lichhof vor St. Maria im Kapitol, Foto: Rembert Satow, CC BY-SA 3.0
Und schon wieder jitt et kölsche Verzäll, der so nicht stimmen kann: Es kann ausgeschlossen werden, dass Rainald van Dassel mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige durch das Dreikünnijepöötzche, das Dreikönigenpförtchen, an St. Maria im Kapitol in die Stadt eingezogen ist. Denn: Das heutige gotische Tor stammt ungefähr aus dem Jahr 1330. Und zu diesem Zeitpunkt waren Kaspar, Melchior und Balthasar schon mehr als 150 Jahre in Köln zu Hause. Anderen Angaben zufolge wurde das heute noch vorhandene Törchen hingegen erst in den 1460er-Jahren durch den Kölner Bürger und Ratsherren Johannes Hardenrath anstelle des ursprünglich romanischen Durchgangs neu errichtet.
Aber egal! Denn mit diesen Reliquien stieg Köln endgültig in die Top-Kategorie der Wallfahrtsorte auf. Und das war äußerst lohnenswert für unsere Stadt: Viele Heilige bedeuten viele Pilger, und viele Pilger bringen viel Geld in die Stadt. Ein Prinzip, das die Kölschen schon bei der Heiligen Ursula perfekt erkannt und in bare Münze verwandelt haben.
Zweimal wäre dat Pöötzche fast verloren gewesen
In jedem Fall hat die Legende, dass am 23. Juli 1164 exakt durch dieses Tor die Heiligen Drei Könige in die Stadt gekommen sind, dafür gesorgt, dass dieses Bauwerk die Jahrhunderte überdauert hat. Relativ unscheinbar steht dieses kleine Tor an einer Ecke im Lichhof der Kirche St. Maria im Kapitol. Dieser unterschätzte Platz, mitten in der Stadt, bietet tatsächlich so etwas wie Ruhe im Großstadttrubel.
Dabei war es für dat Pöötzche mindestens zweimal in der Geschichte knapp: 1842 sollte der damals stark verfallene Torbogen abgerissen werden, um Platz für eine Straße zu schaffen. Nur dank der Intervention und der finanziellen Mittel vom preußischen Kronprinz Friedrich Wilhelm konnte der Bau gerettet werden.
Noch knapper war es 1944: Fliegerbomben hatten das Dreikönigenpförtchen dem Erdboden gleich gemacht. Doch der tatkräftige Wilhelm Schlombs, Volontär beim Stadtkonservator, hatte die Steine eingesammelt und eingelagert. Und auf „wundersame Weise“, so der ehemalige Stadtkonservator Ulrich Krings, stand dat Pöötzche bereits 1946 wieder.
Immunitätspforte trennt Kirchenrecht und Recht der Freien Reichstadt Köln ab
Das Dreikünnijepöötzche war aber immer mehr als nur schmucker Stein für eine Legende. Tatsächlich handelte es sich um eine sogenannte Immunitätspforte. Diese Tore grenzten den Bereich der Freien Reichsstadt Köln von dem juristisch eigenständigen Areal der Klöster und Kirchen ab. Wer die Pforte durchschritt, unterlag dem Kirchenrecht. Im mittelalterlichen Köln mit seinen hunderten Kirchen und Klöstern gab es unzählige dieser Immunitätspforten. Das Dreikönigenpförtchen ist die letzte erhaltene Pforte dieser Art in unserer Stadt.
Und wo sind die Heiligen Drei Könige jetzt in die Stadt eingezogen?
Um die Ehre von Rainald van Dassel und dem so wichtigen Pöötzche wiederherzustellen, konstatiert Ulrich Krings: „Und wenn diese Prozession mit den Reliquien tatsächlich stattgefunden haben sollte, müsste sie durch den romanischen Vorgänger des heutigen Törchens erfolgt sein.“, so der Köln-Kenner Krings1 im Kölner Stadt-Anzeiger vom 3. August 2020.
Glück gehabt – zumindest die Stelle stimmt also.
Die Heiligen Drei Könige und Maria mit dem Jesuskind, Detailansicht des Dreikünnijepöötzche, Foto: HOWI – Horsch, Willy, CC BY 3.0
Die Figurengruppe der Heiligen Drei Könige und Maria mit Kind ist ein Abguss aus dem Jahr 1981. Die Originale können im Museum Schnütgen bewundert werden.
Die Dreikönigenpforte ist rechts in der Stadtmauer gut zu erkennen, Bild: Anton Woensam, gemeinfrei
Vorsicht! Nicht mit der Dreikönigenpforte verwechseln
Das Pförtchen ist nicht zu verwechseln mit der mittelalterlichen Dreikönigenpforte. Diese war Teil der rheinseitigen Stadtbefestigung und lag in der Nähe des Bayenturms. Eine Suche nach diesem Durchgang könnt ihr euch sparen: 1854 wurde die auch Mühlenpforte, Molenportzgin, Lynhofporz oder Koenyncksportzgin genannte Pforte abgerissen.
Die Schmitz-Säule vor Groß St. Martin in der Kölner Altstadt, Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0
Der Familienname „Schmitz“ ist echter kölscher Adel: Mehr als 1.700 Kölsche mit dem Namen „Schmitz“ listet das Telefonbuch auf. Die Schmitz nehmen mehr als fünf Seiten in dem Druckwerk ein.
So ist auch jeder Kölsche stolz, einen „Schmitz“ in der Ahnenreihe zu haben. Als sich zum Beispiel ein Trierer, ein Mainzer und ein Kölner trafen, wollte jeder der drei seine altehrwürdige Herkunft unterstreichen:
Der Trierer: „Ihr wisst ja, dass Trier die älteste Stadt Deutschlands ist und somit g25t auch mein Stammbaum zurück in die römische Zeit“.
Antwort des Mainzers: „Respekt, das ist wahrhaftig ein beeindruckender Stammbaum. Jedoch, mein Stammbaum geht schon zurück auf Adam und Eva“.
Darauf sagte der Kölner „Wo du jerade „Eva“ sagst – war dat nit ne jeborene Schmitz?“
Der Ursprung aller Schmitze: Die Schmitz-Säule im Martinsviertel, Bild: MiriJäm, CC BY-SA 3.0
Römisch-kölsches Fisternöllche führt zu den ersten Schmitzens
In Stein gemeißelt ist diese kölsche Selbstverständlichkeit der adeligen Herkunft in der Schmitz-Säule, fast direkt an Groß St. Martin. Die etwa 4,5 Meter hohe Säule dokumentiert die Herkunft der Schmitze. Nach umfangreicher und wissenschaftlich exakt fundierter Recherche hatten hier römische Legionäre und kölsche Mädchen ein Fisternöllche, so zumindest die Inschrift auf der Säule.
Tatsächlich könnte sich das so zugetragen haben. Denn wo sich heute die Altstadt befindet, war bis etwa 1.000 nach Christus die Martinsinsel. Auf der Insel gab es vermutlich ein römisches Bad. Und dass dort die römischen Legionäre Spaß an und mit den blonden Ubiermädchen hatten, liegt auf der Hand. Ganz nebenbei wurden so die ersten „Schmitze“ gezeugt. Echter Kölscher Adel.
Die Schmitz-Säule und die Mondlandung, Bild: MiriJäm, CC BY-SA 3.0
Die Schmitz-Säule und die Mondlandung
Die Dokumentation dieser ubisch-römischen Vereinigung haben wir der Initiative von Josef „Jupp“ Engels (1909–1991) zu verdanken. Der Mäzen, der auch bereits für den Kallendresser verantwortlich war, spendete 1965 das Geld zum Bau der Säule. Kaum vier Jahre später war die Säule fertig. Errichtet aus von Jupp Engels gestifteten alten Steinen der römischen Hafenanlage. Eingeweiht wurde die Säule im Jahr 1969.
Und hier schlägt wieder der kölsche Größenwahn zu: Die Einweihung der Säule war mitten im Mondfieber des Jahres 1969. Und so wurde der kleine erste Schritt auf dem Mond zu einem gewaltigen Sprung für die Kölschen. Denn die Einweihung eines so wichtigen Bauwerks wie der Schmitz-Säule ist dem Ereignis einer Mondlandung (mindestens) ebenbürtig. Daher wurde auf dem Sockel der Säule auch der Mondlandung gedacht. So ist der erste Fußabdruck von Neil Armstrong auf dem Mond exakt 389 994 km und 100 Meter entfernt. Gut, dass diese Zahl von Bochumer Wissenschaftlern ausgerechnet wurde.
Jede Wette, dass ein kölscher Wissenschaftler auf 389 994 km und 111 Meter gekommen wäre.
Die Hochwassermarke an der Schmitz-Säule, Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0
Ein anderes Detail auf der Schmitz-Säule ist aber tatsächlich korrekt: Eine Marke kennzeichnet die Höhe des katastrophalen Eis-Hochwassers von 1784, welches große Teile des damals noch selbständigen Mülheims vernichtete.
Ein ganz wichtiger Vertreter der Schmitzens in Kölle ist der Komponist und Sänger Jupp Schmitz. Sein Repertoire umfasst nachdenkliche Lieder wie „Ming herrlich Kölle“ über die im Krieg zerstörte Stadt, Karnevalshits wie „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ oder auch Klassiker wie „Wer soll das bezahlen?“.
Die ganze Geschichte zu diesem ganz besonderne Künstler inklusive dem Eklat um den „Hirtenknaben von St. Kathrein“ auf der Prinzenproklamation 1964 gibt es in diesem Köln-Ding der Woche.