Der Tanzbrunnen: Vom „Messebrunnen“ zur kölschen Kultstätte

Der Kölner Tanzbrunnen direkt am Rheinufer, Bild: Koelncongress GmbH
Der Kölner Tanzbrunnen direkt am Rheinufer, Bild: Koelncongress GmbH

Wer heute am Tanzbrunnen steht, sieht Bühne, Schirme und genießt den Blick auf Dom und Rhein. Was man nicht sofort sieht: Hier liegt ein echtes Stück Kölner Stadtgeschichte unter den Füßen.

Im Rahmen der Kölner Werkbundausstellung legten Theodor Nußbaum und Josef Giesen am heutigen Tanzbrunnen um 1930 eine Schmuckanlage mit einem mittigen Kreisbecken und einer Brunnenanlage an. Vorher stand dort das Preußischen Fort XV, als Teil des inneren Festungsrings. Die gesamte Anlage bekam den eher nüchternen Namen „Messebrunnen“.

Ab 1939 Messelager Köln

Ab 1939 entstand auf dem Gelände der Messe das „Messelager Köln“. Teil dieses Lagers war auch ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Die dort untergebrachten Häftlinge wurden in der ab etwa 1941 von Bomben zunehmend zerstörten Stadt zur Trümmerbeseitigung, zur Bergung von Leichen und zur Blindgängerentschärfung gezwungen.

Gedenktafel an den Rheinhallen (ehemalige Messehallen) zur Erinnerung an das Messelager. Bild: Raimond Spekking
Gedenktafel an den Rheinhallen (ehemalige Messehallen) zur Erinnerung an das Messelager. Bild: Raimond Spekking

Neben diesem Lager gab es auf dem Gelände auch noch ein Gefängnis der Gestapo, ein Kriegsgefangenenlager und ein spezielles Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die Inschrift auf dem Mahnmal lautet: 

„Messegebäude, Messegelände und der anschließende Bereich bis hin zum Tanzbrunnen waren währen des zweiten Weltkrieges ein zentraler Ort der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Köln.
Hier befand sich eine Reihe von Lagern: Ein Außenlager des KZ Buchenwald, Lager für Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter, ein Sonderlager der Gestapo für deutsche und ausländische Häftlinge. Von hier aus gingen die Transporte in die Konzentrationslager ab und 1940 wurden Sinti und Roma sowie zwischen 1941 und 1944 Juden deportiert.
Hunderte kamen in den Lagern und bei Arbeitseinsätzen ums Leben.
Tausende Männer, Frauen und Kinder wurden von hier aus in den Tod geschickt.“

An die Deportation der Sinti und Roma heute auch noch der Schriftzug „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“. Dieser Schriftzug wurde von Gunter Demnig verlegt. Im Portal KuLaDig1Antonia Frinken: „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-355659 , abgerufen: 4. Mai 2026 lautet es dazu: 

Bereits vor dem Projekt „Stolpersteine“, das heute das weltweit größte dezentrale Mahnmal ist, betätigte sich Gunter Demnig erinnerungspolitisch.
50 Jahre nach den ersten Deportationen aus Köln entstand im Mai 1990 in Zusammenarbeit mit dem Kölner Rom e.V., der sich für vor dem Jugoslawienkrieg geflüchtete Rom*nja einsetzt, und mit Erlaubnis der Stadt Köln der Schriftzug „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“. Demnig brachte ihn zunächst als Spur mit weißer Lackfarbe und einer selbst gebauten Druckwalze auf die Gehwege entlang der Straßen auf, die die verfolgten Familien im Mai 1940 auf ihrem Weg zum Sammellager auf dem Messegelände nahmen.
Daraufhin erhielt der Rom e.V. sowohl Unterstützungsbekundungen als auch Aufforderungen, den Schriftzug zu entfernen.
Inzwischen wurde die Spur an verschiedenen Stellen als Messing-Schriftzug verewigt, unter anderem an der Kreuzblume vor dem Kölner Dom, auf der Venloer Straße, vor dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und in der Bobstraße nahe der Mauritiuskirche.“

Schriftzug zur Erinnerung an die Deportation der Sinti und Roma, Bild: Avi1111 dr. avishai teicher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Schriftzug zur Erinnerung an die Deportation der Sinti und Roma, Bild: Avi1111 dr. avishai teicher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Architektur, die Geschichte schreibt

Nach dem Krieg wurde hier ein neuer Brunnen gebaut. Der Clou: Ein begehbares Rondell über der Wasserfläche, welches auch als Tanzfläche diente. Fortan wurde aus dem „Messebrunnen“ der Tanzbrunnen. Mit der Bundesgartenschau 1957 bekam der Tanzbrunnen ein Gesicht, das bis heute prägt: Frei Otto entwarf das legendäre Sternwellenzelt. Leicht, elegant, fast schwebend – und später Vorbild für die Dächer des Münchner Olympiaparks.

In den 70er Jahren wurde nachgelegt. Die charakteristischen Schirme vor der Bühne – gedacht als stilisierte Tulpen – kamen hinzu. Sie konnten ursprünglich sogar eingeklappt werden.

Das begehbare Rondell über dem Brunnen, auf dem auch getanzt werden konnte, sorgte für den Namen "Tanzbrunnen". Bild: Koelncongress GmbH
Das begehbare Rondell über dem Brunnen, auf dem auch getanzt werden konnte, sorgte für den Namen „Tanzbrunnen“. Bild: Koelncongress GmbH

Der Tanzbrunnen war nie exklusiv. Hier standen Weltstars – und gleichzeitig ganz normale Menschen auf der Bühne. Die legendäre „Talentprobe“ ist bis heute ein Stück kölscher Kulturgeschichte: laut, direkt, manchmal gnadenlos. Seit den 60er Jahren prägen Konzerte den Ort. Jazzfestival, Karneval, internationale Acts – bis zu 12.500 Menschen passen auf das Gelände. Und trotzdem fühlt sich vieles hier erstaunlich nah an. Seit 1994 gibt es auch die Indoor-Bühne „Theater am Tanzbrunnen“ mit Platz für etwa 2.000 Menschen.

Zur Sessionseröffnung am 11.11. am Tanzbrunnen kommen jedes Jahr 11.111 Jecke. Bild: Joachim E. Zöller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Zur Sessionseröffnung am 11.11. am Tanzbrunnen kommen jedes Jahr 11.111 Jecke. Bild: Joachim E. Zöller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Seit 2013 feiert Kölns erster Karnevalsgesellschaft, „Die Grosse von 1823“ am 11.11. den großen Kölschen Countdown zur Sessionseröffnung am Tanzbrunnen. Diese Party für 11.111 Jecke stimmt mit zehn Stunden Musikprogramm (!) auf den Karneval ein. Alle Größen des Karnevals stehen dann hier auf der Bühne.

Berühmt-berüchtigt war „Udo Werners Talentprobe“. Bei dieser ersten deutschen Castingshow konnten aufstrebende Talente ihr Können auf der großen Bühne zeigen. Dazu brauchte es viel Mut, denn die Talentprobe war berüchtigt für das gnadenloses und schadenfrohe Publikum. Höchststrafe war, wenn sich das gesamte Publikum umdrehte und in die falsche Richtung applaudierte. Auch ein gewisser Michael Büttgen sammelte dort erste Bühnenerfahrung, bevor er 1990, mittlerweile in Köln besser bekannt als „Linus“ selber bis 2017 die Talentprobe am Tanzbrunnen moderierte.

Die "Wall of Fame" am Kölner Tanzbrunnen, Bild: Koelncongress GmbH
Die „Wall of Fame“ am Kölner Tanzbrunnen, Bild: Koelncongress GmbH

Die Wall of Fame: Ruhm ohne Allüren

Wer genau hinschaut, entdeckt sie irgendwann: Die Wall of Fame. Kein großes Spektakel, sondern eher leise. Und genau das passt. Auf kleinen Plaketten werden Künstlerinnen und Künstler verewigt, die den Tanzbrunnen über Jahre geprägt haben. Die Mischung ist äußerst bunt: Internationale Namen wie Joe Cocker oder Chris de Burgh stehen neben kölschen Größen wie Bläck Fööss, Brings, Höhner oder Kasalla.

Und wer hat bis heute die meisten Auftritte? Natürlich die Bläck Fööss. Sie gehören quasi zum Inventar des Tanzbrunnens.

Sanierung: Vieles neu – und alles im Zeit- und Kostenrahmen

Der Tanzbrunnen wurde 2025/2026 umfassend saniert – und das fast schon unkölsch zuverlässig. Man blieb sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen. Rund 16 Millionen Euro wurden investiert. Kein leichtes Unterfangen, denn der Tanzbrunnen steht unter Denkmalschutz.

Die bekannten Schirme wurden erneuert, höher gebaut und um vier zusätzliche ergänzt. Mehr Schutz vor Regen, bessere Sicht auf die Bühne. Das Bühnenhaus blieb erhalten, wurde aber erweitert – mit einem neuen Baukörper im Messing-Gold-Ton.

Selbst der Boden ist Geschichte: Teile stammen noch von 1971. Sie wurden aufgenommen und neu verlegt.

Der Spaß am Tanzbrunnen endet immer um 22 Uhr. Pünktlich. Bild: Koelncongress GmbH
Der Spaß am Tanzbrunnen endet immer um 22 Uhr. Pünktlich. Bild: Koelncongress GmbH

Der Ton macht die Musik – und manchmal auch den Ärger

So schön der Tanzbrunnen ist: Ganz ohne Konflikte geht es auch heute nicht. Das Dauerthema heißt Lärm. Seit einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 1997 gilt hier eine klare Grenze: um 22 Uhr ist Schluss. Ohne Ausnahme. Und zwar so strikt, dass selbst internationale Top-Acts mitten im Konzert abbrechen müssen.

Das Problem: Geklagt hatten damals keine direkten Nachbarn, sondern Anwohner auf der linken Rheinseite. Der Rhein trägt den Schall erstaunlich gut. Die 22-Uhr-Regel ist für Kölncongress-Chef Ralf Nüsser längst nicht mehr zeitgemäß. Viele Politiker sehen das ähnlich. Die 22-Uhr-Grenze wird inzwischen wieder diskutiert.

Mit der Sanierung ist der Tanzbrunnen technisch auf der Höhe der Zeit. Neue Soundanlagen, bessere Infrastruktur, mehr Komfort. Über 40 Veranstaltungen sind bereits geplant. Dabei steht der Tanzbrunnen zwischen Denkmalschutz und Moderne und zwischen wischen Konzert und Nachtruhe. Was sicher ist: Dieser Ort wird bleiben. Weil er mehr ist als nur eine Bühne.

Der Tanzbrunnen ist ein Stück Köln.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Die Himmelssäule am Dom – 29 Jahre Unklarheit über den Stifter

Die Himmelssäule auf dem Roncalliplatz, Bild: © Raimond Spekking
Die Himmelssäule auf dem Roncalliplatz, Bild: © Raimond Spekking

 

Das Ding ist 62 Tonnen schwer, etwa zehn Meter hoch und steht fast mitten auf dem Roncalliplatz am Dom. Doch trotz ihrer Größe geht die „Himmelssäule“ eher unter. Ganz selten fragen Teilnehmer bei Stadtführungen, was es denn mit diesem Monolithen auf sich hat.

Dabei verbirgt sich eine durchaus kuriose Geschichte hinter dem Kunstwerk. Im Mittelpunkt: Der Lions Club und unbezahlte Rechnungen.

Ein sichtbares Zeichen der Lions an einem markanten Platz

Im Jahr 1984 fand eine Versammlung aller deutschen Lions-Clubs in Köln statt. Lions Club International ist eine Institution mit mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern, die sich weltweit in fast 50.000 Clubs organisiert haben. Allein für Köln listet die Website des Lions-Club 15 Clubs auf. Unter dem Motto „We Serve“ („Wir dienen“) engagieren sich die Lions bei sozialen und kulturellen Projekten.

Logo des Lions Club International
Logo des Lions Club International

Zur Versammlung 1984 in Köln wollten die Lions eine Skulptur stiften, die „ … auf einem markanten Platz im innerstädtischen Bereich aufgestellt werden“ sollte, schrieb der damalige Vorsitzende des rheinischen Lions-Districts Günter Huhn am 19. September 1983 an den Oberbürgermeister der Stadt Köln, Dr. Norbert Burger. [Quelle: Die Zeit Nr. 17/1986].

Mit Sicherheit war es für das Vorhaben hilfreich, dass es sich bei Dr. Norbert Burger ebenfalls um ein Lions-Mitglied handelte. Und für städtische Verhältnisse ging es ungewohnt schnell: Bereits am 7. Oktober 1983 kam es zu einem Vorgespräch mit dem renommierten Künstler Heinz Mack – selbstverständlich auch ein Lions-Mitglied.

Heinz Mack (*geboren am 8. März 1931) ist ein deutscher Bildhauer und Maler und war zusammen mit Otto Piene Mitbegründer der international renommierten Künstlergruppe ZERO. Mack sollte im Auftrag des Lions Club ein Kunstwerk schaffen, welches „als sichtbares Zeichen von uns Lions in die Stadt Köln ausstrahlt.“1Quelle: Die Zeit Nr. 17/1986

Aufstellung der Himmelssäule direkt am Kölner Dom, Bild: Ulrich Stoltenberg
Aufstellung der Himmelssäule direkt am Kölner Dom, Bild: Ulrich Stoltenberg

Aufstellung fast direkt am Dom

Der gewünschte markante Platz war schnell gefunden: Das Kunstwerk sollte auf dem Roncalli-Platz, fast direkt am Dom, platziert werden. Den Beteiligten war auch klar, dass diese exponierte Lage eine besondere Herausforderung darstellte. Der Künstler Heinz Mack im „LION“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International2Ausgabe vom Januar 2013 dazu:

„Ja, es ist eine künstlerische Provokation gewesen. Die besondere Einladung, etwas unmittelbar vor den Dom zu stellen, war die eigentliche Herausforderung. Der Dom in seiner architektonischen und auch strukturalen Macht hat mich gefordert.“

Diese „künstlerische Provokation“ setzte Mack in der Säule Columne pro Caelo  – Himmelssäule –  aus Granit um. 10 Meter hoch, 62 Tonnen schwer. Um die Säule laufen waagerecht Rillen, deren Abstände zum Boden immer kleiner werden.

Der Künstler will mit der Himmelssäule einen direkten Bezug zum Dom herstellen: „Der Dom besteht aus tausenden, unzählbar vielen Steinen. Die Stele ist ein einziger Stein, dieser eine steht den vielen gegenüber. Umgekehrt können sich die vielen Steine durch den einen repräsentiert sehen.“ [Heinz Mack im „LION“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International, Ausgabe vom Januar 2013]

J. Keller sieht in dem Beitrag „Ein Geschenk des Himmels?“  einen „Dialog“ zwischen Säule und Dom:

„Durch ihre aufwändige Kannelierung,3Kannelierung ist die Auskehlung eines Objektes mit Furchen. die die Säule wie ein Band umschließt und nach unten hin enger wird, könnte man glauben, dass der Monolith unter seinem eigenen Gewicht in sich zusammensackt. Durch ihre Platzierung gegenüber des Doms geht die Himmelssäule gewissermaßen einen Dialog mit der gigantischen Kirche ein. Zum einen strecken sich beide Gebäude nach oben, dem Himmel entgegen, zum anderen symbolisiert ihre pure steinerne Masse geistiges und geistliches Gewicht.

Eben dieses Gewicht stellte auch jenseitig aller geistigen und geistlichen Symbolik ein Problem dar: So mussten Statiker aufwändig prüfen, ob der ausgewählte Platz die Himmelssäule tragen konnte und ob der Transport der Säule an diesen Platz überhaupt möglich war. Immerhin befindet sich unter dem Roncalliplatz eine Tiefgarage.

Nachdem diese technische Hürde genommen wurde, warb Oberbürgermeister und Lions-Mitglied Dr. Norbert Burger beim Domkapitel und im Rat der Stadt Köln um Verständnis. Mit Erfolg: Am 24. Mai 1984 nahm die Stadt die Schenkung der Lions dankend an.

Im "Dialog": Die Himmelssäule und der Dom, Bild: Uli Kievernagel
Im „Dialog“: Die Himmelssäule und der Dom, Bild: Uli Kievernagel

29 Jahre Unklarheit über Stifter 

Grundsätzlich hätte damit alles gut sein können. Doch aus damals unerklärlichen Gründen distanzierte sich der Vorstand der Kölner Lions wenige Stunden vor der feierlichen Übergabe von dem Kunstwerk. Allerdings waren ja bereits Fakten geschaffen worden und die Säule stand, zehn Meter hoch, gut sichtbar auf dem Roncalliplatz.

Die konkreten Hintergründe dafür waren lange nicht bekannt. Erst ein Gespräch mit Chefredakteur Ulrich Stoltenberg, dem

„Es ging um 93.500 DM. Das waren die Kosten für den Transport und die Aufstellung der Säule. Heinz Mack hatte die Säule gestiftet, auch das Material war eine Stiftung. Allerdings sollte der Betrag für Transport und Aufstellung von den Kölner Lions alleine aufgebracht werden.“

Doch die Kassen waren leer und der betroffene Kölner Lions Club bestand nur aus 30 Mitgliedern, die dann alleine den Betrag hätten aufbringen müssen, so Pressesprecher Stoltenberg.

Die Lösung war, den Betrag auf viele Schultern zu  verteilen. So legten die Lions Deutschland zusammen, der Betrag wurde noch im Jahr 1984 bezahlt. Stoltenberg war auch Initiator einer neuen Plakette, die den Stifter eindeutig benannte.

Alte & neue Plakette mit der korrekten Bezeichnung der Stifter der Himmelssäule, Bilder: Ulrich Stoltenberg
Im Jahr 2013 wurde die neue Plakette an der Säule angebracht und auch der Künstler Heinz Mack zeigte sich erleichtert:

„Jahrelang gab es eine Unsicherheit in dem Sinne: Die Skulptur hat irgendwas mit uns Lions zu tun. Viele andere haben das auch so empfunden. Da kam schon die Frage auf, ob die Lions wirklich stolz auf dieses Werk sind und sich damit identifizieren können.“4Heinz Mack im „Lion“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International, Ausgabe vom Januar 2013

Jürgen Roters, Kölner Oberbürgermeister 2009 - 2015, setzt gemeinsam mit Heinz-Joachim Kersting, Governorratsvorsitzender Lions Deutschland, die neue Plakette an der Himmelssäule ein. Bild: Ulrich Stoltenberg
Jürgen Roters, Kölner Oberbürgermeister 2009 – 2015, setzt gemeinsam mit Heinz-Joachim Kersting, Governorratsvorsitzender Lions Deutschland, die neue Plakette an der Himmelssäule ein. Bild: Ulrich Stoltenberg

Kletterer auf der Himmelssäule

Der Granit der Säule ist in jedem Fall beständig. Und auch recht rauh und griffig. Daher nutzen Freeclimber jahrelang die Säule als Kletterobjekt. Der Künstler Mack sieht diese Zweckentfremdung völlig gelassen:

„Wir haben in Köln eine Hochschule für Sport, und die jungen Leute klettern dort mit ihren zehn Fingern hoch, zerstören aber nichts. Dieser Granit hält das aus. In zehn Metern Höhe angekommen, postieren sie sich und lassen Fotos machen. Das ist natürlich eine liebenswerte Geschichte, ich habe überhaupt nichts dagegen einzuwenden.“5Heinz Mack im „Lion“, dem offiziellen Magazin von Lions Clubs International , Ausgabe vom Januar 2013

Und damit beschreibt der Hessen geborene Mack liebevoll Artikel 1 des Kölsche Grundgesetzes:
Et es wie et es.
Auch bei einer Himmelssäule.

Ideal für Freeclimber: Die Himmelssäule mit ihren Rillen und dem griffigen Granit, Bild: Uli Kievernagel
Ideal für Freeclimber: Die Himmelssäule mit ihren Rillen und dem griffigen Granit, Bild: Uli Kievernagel

E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Die Holweider Bachkreuzung

Michael Kriegel: Kölns andere Seite Ein historischer Stadtführer für die Schäl Sick Verlag Ralf Liebe, ISBN: 978-3-948682-73-6, 14 Euro
Michael Kriegel: Kölns andere Seite
Ein historischer Stadtführer für die Schäl Sick
Verlag Ralf Liebe, ISBN: 978-3-948682-73-6, 14 Euro

Gastautor: Michael Kriegel

Michael Kriegel ist in Berlin geboren und in der Westpfalz aufgewachsen. Im März 1975 nahm er die Kölner Stadtangehörigkeit an und bekannte sich uneingeschränkt zum „Kölschen Grundgesetz“. Der konvertierte Imi kommt aus der Erwachsenenbildung und ist seit vielen Jahren Stadtführer, Autor und leidenschaftlicher Laienhistoriker.

Michael Kriegel, Kölner Stadtteil-Guide und Autor, Bild: Kriegel
Michael Kriegel, Kölner Stadtteil-Guide und Autor, Bild: Kriegel

Sein Spezialgebiet“ ist das rechtsrheinische Köln. Ganz aktuell hat er das Buch „Kölns andere Seite – Ein historischer Stadtführer für die Schäl Sick“ veröffentlicht. Das Buch ist in jeder Buchhandlung oder über den Verlag Ralf Liebe erhältlich. Mehr zu seiner Person, seinen Veröffentlichungen und seine Touren gibt es auf seiner Website:
Michael Kriegel – Kölner Stadtteil-Guide und Autor

In  diesem Gastbeitrag geht es um den fleißigen und den faulen Bach.
Ein großes DANKE an Michael dafür.


Die "Bachkreuzung" vom "faulen" und "fleißigem" Bach, Bild: Michael Kriegel
Die „Bachkreuzung“ vom „faulen“ und „fleißigem“ Bach, Bild: Michael Kriegel

Die Geschichte vom fleißigen und faulen Wasser

In Grimms Märchen kommen am Ende immer die Fleißigen zu Ruhm und Ehre. Goldmarie zum Beispiel in „Frau Holle“ oder der fleißige Handwerksbursche in dem Hausmärchen „Der Faule und Fleißige“. Andererseits gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Zwei Bäche in Köln haben das schon vor langer Zeit bestätigt. Die Rede ist von der Strunde (auch Strunder Bach genannt) und dem Faulbach.

Der „fleißigste Bach Deutschlands“

Die Strunde hatte dem Faulbach einiges voraus. Durch ihren konstanten Wasserfluss und ihre Neigung von gut 100 Metern trieb die Strunde auf ihrem Weg zwischen Bergisch-Gladbach Herrenstrunden (Quelle) bis zur Mündung in den Rhein in Mülheim Dutzende Mühlen an. Dies veranlasste den bergischen Schriftsteller Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio (1806-1876), die Strunde als „fleißigsten Bach Deutschlands“ zu bezeichnen.

Schon ander Quelle der Strunde weist eein Inschrift auf den "fleißgen" Bach hin: "Sprudelt Segen bringende Quellen Die ihr speiset die fleißige Strunde" Bild: FairbanksCityTransitSystem, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Schon ander Quelle der Strunde weist eein Inschrift auf den „fleißgen“ Bach hin:
„Sprudelt Segen bringende Quellen
Die ihr speiset die fleißige Strunde“
Bild: FairbanksCityTransitSystem, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Vom 11. bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Bach die Lebensader der gesamten nördlichen Schäl Sick. Die ältesten der schätzungsweise 50 wassergetriebenen Geräte waren Getreidemühlen. Im Laufe der Zeit kamen Frucht- und Ölmühlen, Pulvermühlen, Wollspinnmühlen, Tabak- und Papiermühlen hinzu.

Faulbach – der „faule“ Bach

Im Gegensatz zur „fleißigen“ Strunde trieb der Faulbach keine einzige Mühle an. Das Wasser floss einfach zu langsam und hatte nicht die Kraft, ein Mühlrad anzutreiben. So kam der „faule“ Bach zu seinem Namen. Trotz ihrer unterschiedlichen Eigenschaften sind die beiden Bäche auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Sie kreuzen sich, ohne ineinander zu fließen.

Das war allerdings nur möglich, weil der Mensch bereits vor vielen Jahrhunderten Hand anlegte und eine Brücke über den Faulbach baute, die den Strunder Bach seit jeher darüber führt. Die ersten Brückenkonstruktionen reichen vermutlich bis ins 12. Jahrhundert zurück. So lange gibt es die künstliche Bachkreuzung schon, und noch heute kann man sie in Holweide besichtigen.

Allerdings besteht das dafür geschaffene Bauwerk nicht mehr aus Holz wie seine Vorgänger, sondern aus Beton der frühen 1970 Jahre. Aber was waren eigentlich die Gründe für diese seltsame Konstruktion?

Eine „Bachkreuzung“ zur Wasserrettung

Ursprünglich versickerte die im Bergischen Land entspringende Strunde in den Sumpfgebieten Thielenbruchs. Weg war das antreibende Wasser. Für viele Mühlenbetreiber, die die Wasserkraft für ihre Zwecke nutzen wollten, war dies bloße Verschwendung. Also wurde der fleißige Bach künstlich verlängert, indem ein höher gelegenes Bachbett geschaffen wurde, das ein vorzeitiges Verschwinden der Strunde im Sumpf verhinderte.  

Auf dem Weg zum Rhein gab es aber ein nicht unwesentliches Hindernis: der Faulbach. Er musste überquert werden. So entstand die Idee, eine Brücke über diesen Bach zu bauen. Dies hatte zudem den Vorteil, die Hochwassergefahr zu verringern. So konnte die Strunde bei Hochwasser an der Kreuzung in den Faulbach überlaufen und die Wasserstände ausgleichen.

Ein kölscher Aquädukt: Hier wird der "fleißige Bach" Strunde über den Faulbach geführt. Bild: Pingsjong, GFDL, via Wikimedia Commons
Ein kölscher Aquädukt: Hier wird der „fleißige Bach“ Strunde über den Faulbach geführt. Bild: Pingsjong, GFDL, via Wikimedia Commons

Klares Wasser führte zu spätem Ruhm für den faulen Bach 

Es gab aber wohl noch einen anderen Grund für den Brückenbau. Infolge der intensiven Wasserkraftnutzung durch die ortsansässigen Betriebe war die Strunde so stark verschmutzt, dass sie nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden konnte.

Die ungeklärten und verunreinigten Abwässer wurden teilweise zu einer regelrechten Plage für die umliegenden Ortschaften. Der Faulbach hat sein sauberes Wasser hingegen behalten, da er sich dank der Brücke nicht mit der Strunde vereinigte. So konnten sich die Anwohner am klaren Wasser des Faulbachs bedienen und der „faule“ Bach erwarb unerwartetes Ansehen. Er floss zwar immer noch langsam – aber sehr sauber – vor sich hin.

Doch schon Laotse wusste um 600 v. Chr.:
„Die Natur eilt nicht, und dennoch wird alles erreicht.“


 

Michael Kriegel: Deutz – Vom römischen Kastell zur Köln Arena Emons Verlag Köln ISBN 978-3-7408-1565-3 12,00 Euro, erhältlich in jeder Buchhandlung
Michael Kriegel: Deutz – Vom römischen Kastell zur Köln Arena, Emons Verlag Köln, ISBN 978-3-7408-1565-3
erhältlich bei Emons oder in jeder Buchhandlung, 12 Euro

Deutz – Vom römischen Kastell zur Köln Arena
Die Geschichte eines Stadtviertels

Der Deutz-Kenner Michael Kriegel hat auch ein Buch über diesen lange unterschätzten Stadtteil veröffentlicht. Lange war Deutz für viel Kölner so etwas wie Ausland – es lag ja auf der vermeintlich „falschen Seite“ des Rheins. Und damit lag man nicht ganz falsch, denn Deutz war bis zur Eingemeindung eine selbstständige Stadt. Kriegel beschreibt den Weg des von den Kölschen liebevoll „Düx“ genannten Stadtteils von der Gründung des Kastells Divitia im Jahr 310 bis hin zum heute angesagten Viertel mit Messe, Köln-Arena und Rheinboulevard.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung  

Dä Appel-Jupp – ein ganz besonderer kölscher Heiliger

Die Marienstatue in St. Maria im Kapitol mit Äpfeln zur Erinnerung an den Appel-Jupp, Bild: Uli Kievernagel
Die Marienstatue in St. Maria im Kapitol mit Äpfeln zur Erinnerung an den Appel-Jupp, Bild: Uli Kievernagel


Touristen, die es nicht nur in den Dom, sondern bis in die Kirche St. Maria im Kapitol schaffen, wundern sich: Wieso liegen an der Marienstatue im Chor immer frische Äpfel? Der Kölsche schmunzelt, packt seinen mitgebrachten Apfel aus, legt ihn an die Marienstatue und freut sich diebisch, mal wieder für Verwirrung gesorgt zu haben.

Ein frommer, kleiner Junge aus Köln

Um das Jahr 1150 rum lebte in Köln der kleine Hermann. Ein ganz normaler Junge seiner Zeit, der sich mit seinen Freunden die Zeit vertrieb. Hermann war aber auch sehr, sehr fromm. Und so ging er, immer wenn er Zeit hatte, für ein kurzes Gebet in seine Pfarrkirche St. Maria im Kapitol.

In bester rheinisch-katholischer Art führte er regelmäßig Gespräche mit Maria, der Mutter Gottes. Sie wurde für ihn zu einer Freundin, der er in tiefstem Kölsch von seinen Sorgen, Nöten aber auch von seinen Freuden erzählte. Und er wartete vergeblich darauf, dass ihm die Statue auch einmal antwortete.

Ein Apfel für das Jesuskind

Bis zum Nikolaustag. An diesem Tag hatte der fromme Hermann vom Nikolaus einen besonders schönen Apfel bekommen. Hermann war schnell klar: Diesen Apfel wird er dem Jesuskind schenken.

Sofort ging er in die Kirche, und dann geschah das ersehnte Wunder: Die Statue der Maria erwachte zum Leben, nahm den Apfel und gab diesem dem Jesuskind. Für Hermann wurde ein Traum wahr. In Zukunft besuchte er noch öfters Maria mit dem Jesuskind, er spielte mit dem kleinen Jesus und brachte ihm noch weitere Geschenke mit. Für moderne, aufgeklärte Menschen eine eher bizarre Vorstellung.

Anthonis van Dyck,: Vision des Hermann Joseph, um 1630, Bild: Public domain, via Wikimedia Commons
Anthonis van Dyck,: Vision des Hermann Joseph, um 1630, Bild: Public domain, via Wikimedia Commons

Der Theologe Manfred Becker-Huberti sieht hinter dieser Geschichte einen ganz anderen Sinn. In einem Interview im Domradio erklärt er: „Das sieht für heutige Leute eher komisch aus. … Aber der Sinn, der dahinter steckt, ist ein anderer. Die Maria ist die neue Eva. Und die alte Eva hat die Schuld in die Welt gebracht, indem sie einen Apfel vom Baum der Erkenntnis heruntergenommen hat und rein gebissen hat. Dieser Apfel ist in den Händen der Eva das Symbol für die Erbschuld und in den Händen der Maria für die Befreiung von der Schuld. Der Hermann-Joseph ist derjenige, der sie um diese Erlösung bittet, das heißt, den Apfel an das Jesuskind weiterzugeben.“1Quelle: Domradio Ob der eher volkstümlich geprägte Glaube im 12. Jahrhundert diese Interpretation geteilt hätte, kann aber durchaus bezweifelt werden.

Große Marienverehrung

Hermann trat mit zwölf Jahren in das Kloster der Prämonstratenser in Steinfeld in der Eifel ein, studierte in Friesland, kehrte nach Steinfeld zurück und wurde dort zum Priester geweiht. Er war als Seelsorger im Umkreis des Klosters tätig.

Hermann war zeitlebens ein großer Marienverehrer und bekam, durch eine „mystische Vermählung mit der Gottesmutter Maria“ den Beinamen Joseph. Seine große Frömmigkeit führte zu weiteren Wundern. So sollen bei seinen Gottesdiensten regelmäßig in dem Kelch Rosen erschienen sein, deren Duft ganze Gotteshäuser erfüllt habe.

Hermann schrieb auch erbauliche Texte und Lieder. So wird ihm auch das älteste bekannte Herz-Jesu-Lied „Gruß an das heiligste Herz-Jesu“ zugeschreiben. Dort lautet es:

Öffne dich gleich einer Rose,
Duftend aus dem Blätterschoße,
Und vereine meinem Herzen
Deinen Duft und deine Schmerzen.
Wer liebt, was muss der leiden nicht?

Bis in das fast schon biblische Alter von 90 Jahren hielt Hermann an der Marienverehrung fest. Er starb am 7. April 1241 oder 1252.

Der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt zeigt die entscheidende Szene: Maria nimmt von Hermann dem Apfel entgegen, Bild: Raimond Spekking
Der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt zeigt die entscheidende Szene: Maria nimmt von Hermann dem Apfel entgegen, Bild: Raimond Spekking

Erinnerung in Köln als Appel-Jupp

Heute erinnern sich Kölner an ihren Hermann Joseph als „Appel-Jupp“, also „Apfel-Joseph“. Und so finden sich regelmäßig besagte Äpfel an der Marienstatue in St. Maria im Kapitol.

Zusätzlich wurde ihm ein Brunnen gewidmet. Dieser Brunnen steht am Waidmarkt und zeigt an seiner Spitze die ganz entscheidende Szene für das Leben vom Appel-Jupp: Maria nimmt von ihm dem Apfel entgegen.

Hermann-Josef-Brunnen am Waidmarkt um 1895, Fotograf: unbekannt
Damals noch im Mittelpunkt des Platzes, heute eher „an den Rand geschoben“: Der Hermann-Joseph-Brunnen am Waidmarkt um 1895, Fotograf: unbekannt

Heute geht der Brunnen am Waidmarkt etwas unter. Werner Schmidt schreibt, der Brunnen wirke „wie ein an den Platzrand geschobenes sperriges Möbel“.2Werner Schmidt: Der Bildhauer Wilhelm Albermann (1835–1913). Leben und Werk. In: Werner Schäfke (Hrsg.): Publikationen des Kölnischen Stadtmuseums. Band 3. Köln 2001 Auch Ronald Füllbrandt von den Kölschgängern sieht den Standort kritisch: „Der Brunnen stand am Platzeingang und war ein herrlicher Blickfang. Heute, nachdem sich das Stadtbild grundlegend verändert hat, ist sein Platz nicht mehr besonders schön. Er steht da, wie in die Ecke gedrängt und wird kaum beachtet.“3Quelle: Kölschgänger

Dann doch lieber – in bester kölscher Tradition – Äpfel zur Marienstatue in St. Maria im Kapitol bringen.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung  

Olympia in Kölle: Loss mer maache – oder leever nit?

Olympia in Köln: ja oder nein?

Köln und Olympia – das klingt erstmal wie eine dieser kölschen Ideen, bei denen man nicht so genau weiß: Genial oder größenwahnsinnig? Zwischen Domspitzen und Dauerbaustellen, zwischen „Weltstadt-Attitüde“ und „Et hätt noch immer jot jejange“ stellt sich die Frage: Würde Olympia an den Rhein passen – oder eher nicht? Kölner*innen haben aktuell1Noch bis zum 19. April 2026 die Möglichkeit, abzustimmen. Dabei geht es nur um „ja“ oder „nein“. Schwierig. Daher wird es Zeit für einen Blick auf die Chancen und Risiken. Ganz ehrlich: Das ist alles stark verkürzt und auf keinen Fall erschöpfend. Weiter unten gibt es noch Link-Empfehlungen, um sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Olympia in Köln: JA!

OlympiJA – Argumente dafür

Köln kann Atmosphäre

Köln ist kein graues Verwaltungszentrum, sondern eine Stadt, die sich gerne zeigt. Ob Karneval, CSD oder große Konzerte – Köln kann Atmosphäre. Olympische Spiele leben genau davon: Emotion, Begegnung, Ausnahmezustand. Und davon hat Köln reichlich im Repertoire.

Kurze Wege, großes Netzwerk

Im Gegensatz zu vielen Metropolen könnte Köln Olympia nicht allein stemmen – müsste es aber auch gar nicht. Mit den vielen bestehenden Sportstätten im Ruhrgebiet, Reiten in Aachen, ja – auch zusammen mit Leverkusen und Düsseldorf – liegt ein ganzes Netzwerk vor der Tür. Die Idee: Spiele der kurzen Wege, verteilt auf mehrere Städte. Rhein-Ruhr statt Gigantismus.

Infrastruktur? Schon da!

Müngersdorfer Stadion, Kölnarena, Fühlinger See, Messe – vieles ist vorhanden. Klar, nicht alles olympiatauglich, aber einiges näher dran, als man denkt. Und ein Olympia-Stadion auf Zeit, welches anschließend zentraler Teil eines neuen Stadtteils wird. Das könnte Kosten und Bauwahnsinn reduzieren. Zugegeben – zumindest in der Theorie.

Image-Booster

Beachvolleyball am Dom – Bogenschießen auf den Poller Wiesen – Fechten im Gürzenich: Olympia wäre eine Einladung an die Welt: „Komm vorbei, wir sind mehr als Dom und Kölsch.“ Köln könnte sich modern, weltoffen und leistungsfähig präsentieren – ein Imagegewinn, der über Jahre nachwirkt.

Olympia in Köln: nein!

OlympiNä – Argumente dagegen

Köln und Großprojekte –  ganz schlechte Erfahrungen

Wer in Köln „Großprojekt“ sagt, denkt schnell an Dauerbaustellen, explodierende Kosten und verschobene Zeitpläne. Beispiele gibt es genug. Olympia aber verzeiht keine Verspätung – der Zeitplan steht, egal ob Köln fertig ist oder nicht.

Infrastruktur? Eben doch nicht genug

Ja, einiges ist da. Aber eben nicht alles. Verkehrswege, Unterkünfte, Sicherheitskonzepte – das alles müsste massiv erweitert werden. Und genau hier wird’s knifflig: Köln kämpft schon im Alltag mit Stau, Bahnproblemen und Wohnraummangel.

Kosten – das große Fragezeichen

Olympische Spiele sind selten ein Schnäppchen. Viele Gastgeberstädte kämpfen noch Jahre später mit Schulden. Die Frage ist also nicht, ob es teuer wird – sondern wie teuer. Und ob sich das für Köln wirklich rechnet – und natürlich, ob wir uns das angesichts eines desolaten Haushalts überhaupt leisten können.

Die Stadt im Ausnahmezustand

Schon jetzt ist Köln bei Großevents am Limit. Olympia würde alles nochmal potenzieren: Sicherheitszonen, Einschränkungen, Menschenmassen. Für Besucher spannend – für Kölner im Alltag möglicherweise anstrengend.


Fazit: Köln hät et Hätz für Olympia – ävver künne mer dat uch? 

Olympia in Köln ist keine einfache Ja-Nein-Frage. Es ist eher ein kölsches „Kommt drauf an“. Auf Planung, Umsetzung, Ehrlichkeit bei den Kosten – und darauf, ob man den Mut hat, es richtig zu machen. Köln hätte das Herz für Olympia, keine Frage. Aber ob auch die Organisation und die Nervenstärke mithalten können? Genau da liegt der Knackpunkt. Am Ende bleibt die Entscheidung irgendwo zwischen Aufbruch und Augenmaß.

Oder, um es kölsch zu sagen:
Zwischen „Loss mer maache!“ und „Nä, dat weed nix.“


Wer sich eingehender mit der Fragestellung beschäftigen will, ob Olympia zu Köln passt, sollte sich unbedingt diese beiden Websites ansehen:

Logo Olympia Bewerbung, Quelle: Stadt Köln
Logo Olympia Bewerbung, Quelle: Stadt Köln

Olympia und Paralympics KölnRheinRuhr

Logo "NOlympia-Colonia", Quelle: www.nolympia-colonia.de
Logo „NOlympia-Colonia“, Quelle: www.nolympia-colonia.de

NOlympia-Colonia


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung  

Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

 Consumer Centric, Brand Awareness, Storytelling – alles Begriffe aus dem modernen Marketing. Die selbsternannten Experten wollen uns allen immer das Gefühl geben, sie alleine hätten das Marketing erfunden. Weit gefehlt. Experten für die Vermarktung von Produkten gibt es schon ewig. Und in Köln hat sich eine Marketing-Expertin besonders hervorgetan: Maria Clementin Martin, die „Erfinderin“ von Klosterfrau Melissengeist. Diese Frau hat bereits vor fast 200 Jahren geschafft, ein Produkt perfekt zu vermarkten, dass es noch heute gibt: Klosterfrau Melissengeist. Dabei hat sie alle Register des Marketings gezogen: Klösterliche Herkunft des Rezepts, Verwendung vom königlichen Wappen, Platzierung als medizinisches Produkt und Abmahnungen gegen Wettbewerber, die dies auch behaupteten.

Eine selbstbewusste Unternehmerin

Köln im Jahr 1826. Im Schatten des noch unvollendeten Doms tut sich was: Maria Clementine Martin gründet unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihr Unternehmen. Mit einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung bewarb sie ihr selbst destilliertes Kölnisch Wasser:

„Ein sich selbst empfehlend ächtes Kölnische Wasser,
ist zu haben auf der Litsch Nro. 1, die große Flasche zu 6 Sgr. 3Pf.“

Das Gründungskapital stammt aus einer königlichen Rente, welche sich Maria in der Schlacht von Waterloo bei der Pflege von verletzten Soldaten verdient hatte.

Wundermittel gegen alle möglichen Beschwerden

Die 1775 als Wilhelmine Martin geborene Unternehmerin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich Erfahrungen in verschiedenen Klöstern mit der Krankenpflege und mit Heilpflanzen machen können. Diese Kenntnisse setzt sie jetzt in bare Münze um. Besonders ihr neues Produkt, eine spezieller Melissengeist, wird noch heute bei Beschwerden aller Art empfohlen:

  • Bei Erkältung und grippalen Infekt,
  • bei Magen-Darm-Beschwerden,
  • bei Wetterfühligkeit, Spannungs- und Erregungszuständen,
  • bei innerer Unruhe und
  • bei Schlafstörungen.

Kein Wunder, dass bei einem solchen Wundermittel der Markt hart umkämpft war. In der Domstadt buhlen immerhin 64 Hersteller von Heilwassern und Kölnisch Wasser um Kunden. Deshalb strebte Maria bereits im Jahr 1828 eine „Prüfung und Bescheinigung der Qualität des von ihr verfertigten Melissenwassers durch die königliche Medizinal Behörde“ an. Leider vergeblich – die Behörde wies darauf hin, dass die Ähnlichkeit mit bestehenden Produkten zu groß sei und tatsächlich jeder Apotheker ein solches Heilwasser herstellen könne. Auch ein zweiter Versuch im Jahr 1831, den nur als Parfum zugelassenen Melissengeist als Arznei zuzulassen, scheiterte. Trotzdem positionierte die findige Unternehmerin dieses Produkt durch Hinweise auf die Heilwirkung mehr oder weniger deutlich als Arznei. Und ging gleichzeitig mit Abmahnungen gegen Wettbewerber vor, die dies ebenfalls taten – Marketing mit harten Bandagen.

Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Das königliche Wappen als Wettbewerbsvorteil

Ihr größter Marketing-Erfolg war aber die Anfrage bei König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1827: Dieser gestatte Ihr, das preußische Wappen auf dem Etikett ihrer Produkte zu führen. Andere Unternehmer mit vergleichbaren Produkten klagten vergeblich darauf, auch dieses Wappen nutzen zu dürfen. Tatsächlich schmückt dieses Wappen noch heute das Etikett jeder Flasche Klosterfrau Melissengeist.

Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus
Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus

Maria Clementine Martin starb am 9. August 1843. Ihr Unternehmen gibt es noch heute unter dem Namen „Klosterfrau Healthcare Group“. Und die erfolgreiche Tradition wurde fortgesetzt: Heute stellen ca. 1.000 Mitarbeiter 220 unterschiedliche Klosterfrau-Produkte her.


Die erste Adresse des Unternehmens im Jahr 1826 war durchaus prominent: „Auf der Litsch“ war eine Gasse an der Westfassade des Doms. Diese wurde bei der Domvollendung komplett abgerissen. Der Dom hatte damals die Adresse „Auf der Litsch 2“. Heute kann jeder dem Dom unter der Adresse „Domkloster 4, 50667 Köln“ schreiben.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Die Zukunft des Kölnischen Stadtmuseums und des historischen Zeughauses

Das Zeughaus, bis 2017 Heimat des Kölnischen Stadtmuseums. Bild: Raimond Spekking
Das Zeughaus, hier ein Bild aus besseren Zeiten, Bild: Raimond Spekking

Das Zeughaus – der ideale Ort für das Stadtmuseum

Wenn man sich aktuell1März 2026 rund um das Zeughaus umschaut kann man sich tatsächlich für Köln schämen. Bauzäune dominieren das Bild, Müll liegt herum und sogar die schönen rot-weißen Fensterläden mussten demontiert werden, weil diese ansonsten abgestützt wären.  

Das Zeughaus selber, ein zwischen 1594 und 1606 als städtisches Waffenarsenal erbautes Gebäude, ist seit Jahren ungenutzt. Und auch der Blickfang, das „Flügelauto“ von H.A. Schult, wird wegen der Baufälligkeit des Turms in den kommenden Wochen umgesetzt.

Dabei bietet das Zeughaus ein sehr großes Potenzial: Beste Lage, große Flächen, historisches Ambiente. Es wird also höchste Zeit, sich um dieses attraktive Gebäude zu kümmern. 

Bereits vor zwei Jahren haben einige Kölner Geschichtsvereine schon einmal die Initiative ergriffen und eine Stellungnahme zur Zukunft des Kölnischen Stadtmuseums im Zeughaus erstellt. Sie hat seinerzeit in der Stadtpolitik und bei den Medien ein durchweg positives Echo erfahren, aber keinerlei konkrete Folgen gehabt.

Daher starten die Vereine und Initiativen eine neue Petition an Oberbürgermeister Burmester. Diese enthält die die dringende Bitte, das Zeughaus wieder als Heimat des Kölnischen Stadtmuseums zu nutzen.

Unterschrieben haben 48 Akteure der Kölnischen Stadtgesellschaft, darunter der Zentral-Dombau-Verein zu Köln, die Bürgerstiftung Köln, das Centrum Schwule Geschichte, Fortis Colonia. Willem Fromm von „Eine Geschichte der Stadt Köln“, Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums, Louise Farina, die Kölner Stadtführer und auch wir vom Köln-Ding der Woche.


Hier der vollständige Text des offenen Briefes an Oberbürgermeister Torsten Burmester. Ein großes DANKE an Dr. Joachim Oepen vom Förderverein Geschichte in Köln, der dieses Anliegen maßgeblich organisiert hat.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Ihr entschlossenes und tatkräftiges Handeln in den ersten Wochen Ihrer Amtszeit ermuntert uns, einen dringenden Appell an Sie zu richten. Es geht um die Zukunft unseres Stadtmuseums, um das Zeughaus und um den Umgang mit dem kulturellen Erbe unserer Stadt.

Seit dem katastrophalen Wasserschaden im Juni 2017 ist das Zeughaus fast ungenutzt. Das Stadtmuseum musste ausziehen, sollte in einem prestigeträchtigen Neubau am Dom einziehen, kam für den Zeitraum von zehn Jahren zur Miete in einem ehemaligen Modekaufhaus unter. Dank seiner attraktiven Inszenierung und dem interessanten Programm ist das Museum dort erfolgreich, und doch sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. Die Ausstellungsfläche beträgt etwa 700 Quadratmeter – viel zu klein für eine Metropole von einer solch herausragenden historischen Bedeutung wie Köln. Die unfassbar reichen Bestände des Hauses sind in unzureichend ausgestatteten Depots gelagert. Zentrale Themen der Kölner Geschichte – zu Wirtschaft, Technik, Sport, Migration und anderen sozialen Fragen – können nicht gezeigt werden. Wir erleben eine Verzwergung unseres historischen Erbes.

Zugleich verfallen das Zeughaus und die Alte Wache daneben – und damit zwei einzigartige Bauwerke der Kölner Vergangenheit. Auch das gesamte umgebende Areal ist zunehmender Verwahrlosung ausgesetzt. Das Zeughaus als ehemalige Waffenkammer Kölns war das Herzstück der wehrhaften Bürgerstadt. Die Wache ist eines von nur drei verbliebenen Gebäuden des frühen Klassizismus in der Domstadt. Die Römermauer, die hinter beiden verläuft, bildet ihr stützendes Rückgrat. Dieses einmalige Ensemble darf nicht weiter verfa llen. Es ist kein Ort für ein Hotel, für städtische Verwaltung oder für eine Eventlocation; dies alles wurde bereits angedacht und zu Recht verworfen. Das Zeughausareal ist der geborene Platz für unser Stadtmuseum.

Hier lässt sich ein Ort schaffen, der ein kultureller Anziehungspunkt für das Bankenviertel ist, eine erste Anlaufstelle für die vielen Touristengruppen, die am Börsenplatz aussteigen, ein Ort, der selbst und im Dialog mit dem nahen NS-Dokumentationszentrum wichtige Bildungsarbeit leistet, der aber auch ein Treffpunkt für unzählige Kölnerinnen und Kölner ist. Gerade in unsicheren Zeiten wie diesen braucht unsere Stadt einen Ort der Selbstbefragung und der Selbstvergewisserung. Es braucht eine Einrichtung, die als Leuchtturm für die vielen Vereine und Initiativen dient, die sich um die Kölner Vergangenheit und das kölnische Brauchtum verdient machen. Und es braucht einen Ort, an dem die Kölner Pänz, die Erwachsenen, die Imis etwas über die hellen und die dunklen Zeiten ihrer Heimatstadt erfahren.

Köln hat schwierige Jahre vor sich, das ist uns bewusst. Mit Ihrer Idee der Olympiabewerbung haben Sie einen gewichtigen Aufschlag gemacht. Falls dies gelingt, dann ist ein elementarer Meilenstein gesetzt auf dem Weg zur Zweitausendjahrfeier Kölns, die unsere Stadt und ihre Bevölkerung 2050 begehen werden. Wir halten es für unabdingbar, dass die Darstellung unserer Geschichte dafür einen würdigen Rahmen bekommt, hinter dem sich die ganze Stadt versammeln kann. Wir sind überzeugt, dass das ein Unterfangen ist, das viele Unterstützerinnen und Unterstützer finden wird. Daher bitten wir Sie dringend: Bereiten Sie der Kölner Stadtgeschichte, dem Stadtmuseum und den Menschen, die sich um Kölns Identität und sein Bild nach außen große Sorgen machen, den Weg. Bitte bündeln Sie die Kräfte in Verwaltung und Stadtgesellschaft, damit noch in diesem Jahr der Startschuss fällt, um unsere Geschichte im Zeughaus erlebbar zu machen.

Download des Schreibens


Logo Kölnisches Stadtmuseum
 

Hintergrund: Das Kölnische Stadtmuseum

Die Ausstellung zur kölschen Stadtgeschichte hat bereits eine lange Reise hinter sich: Wie bei so vielen Museen in Köln bildete die umfangreiche Sammlung Ferdinand Franz Wallrafs den Grundstock. Ab 1888 wurde die Stadtgeschichte in der Hahnentorburg ausgestellt und ab 1902 zusätzlich in der Eigelsteintorburg. Da die Aufteilung auf zwei Standorte alles andere als optimal war, erwog man bereits 1912, das Zeughaus als Ausstellungsort zu nutzen. Allerdings machte der Erste Weltkrieg diese Pläne zunichte.

Auch der Plan, die alte Kürassierkaserne der Preußen in Deutz als „Rheinisches Museum“ zu nutzen, musste wegen der Weltwirtschaftskrise verschoben werden. Die Nationalsozialisten erkannten das propagandistische Potenzial eines solches Museums und eröffneten dort am 21. Mai 1936 das „Haus der Rheinischen Heimat“ in Deutz, welches aber im Krieg erhebliche Schäden erlitt und abgerissen wurde. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam erneut der Gedanke auf, dem Stadtmuseum im Zeughaus eine Heimat zu geben. Doch der Wiederaufbau des im Krieg stark beschädigten Gebäudes verzögerte sich. Erst 1958 wurde die Dauerausstellung eröffnet, die dort bis zu dem Wasserschaden im Jahr 2017 gezeigt wurde.

Der schlechte Zustand des Zeughauses machte eine Fortführung der Ausstellung unmöglich. Daher gab es 2018 einen Ratsbeschluss, das ehemalige Modehaus Franz Sauer als Interimsquartier zu nutzen. Doch es sollte noch bis 2024 dauern, bis die Ausstellung dort eröffnet werden konnte.

Das Kölnische Stadtmuseum, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Das Kölnische Stadtmuseum im ehemaligen Modehaus Franz Sauer, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Die Kuratoren machten aus der Platz-Not eine Tugend und stellten das Ausstellungs-Konzept komplett neu auf. Statt einer klassischen Chronologie werden acht aktuelle Fragen, die die Besucher beschäftigen und emotional berühren gestellt. Fragen wie: „Was lieben wir?“, „Worauf hoffen wir?“, „Was macht uns Angst?“, „Was verbindet uns?“, „Was macht uns wütend?“, „Worauf haben wir Lust?“, „Woran glauben wir?“ und „Was bewegt uns?“ bilden das Grundgerüst der neuen Dauerausstellung.

Eine perfekte Darstellung – mit nur 0,1% aller möglichen Exponante

Das Problem aber bleibt: Platzmangel. Nur 750 Quadratmeter stehen am neuen Standort für die Dauerausstellung zur Verfügung. Allerdings gibt es etwa 500.000 Ausstellungsstücke, gezeigt werden können davon nur etwa 650 Exponate, weniger als 0,1%.

Kölnisches Stadtmuseum

Minoritenstraße 13
50667 Köln

Öffnungszeiten: 

  • Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
  • 1. Donnerstag im Monat: 10 bis 22 Uhr (außer an Feiertagen)
  • An Feiertagen: 10 bis 17 Uhr

Eintritt:

  • 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
  • Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: frei

E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Der „Rosa Winkel“: Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln

Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Franz-Josef Knöchel / LVR
Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Franz-Josef Knöchel / LVR

Regelmäßig besuche ich bei der Lotsentour Innenstadt mit meinen Gruppen auch das „Rosa Winkel Mahnmal“. Und immer wieder stelle ich fest, dass selbst Urkölsche dieses Denkmal nicht kennen – obwohl sie schon hundertmal daran vorbeigelaufen sind. Die Rede ist von dem „Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln“. Dabei steht dieses Denkmal an sehr prominenter Stelle: direkt am Rhein, fast unterhalb der Hohenzollernbrücke. Und trotzdem laufen alle daran vorbei. Und das bereits seit 1995. Damals wurde das Denkmal feierlich im Rahmen der Cologne Pride enthüllt. Aus heutiger Sicht erstaunlich: Der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger hatte bei der feierlichen Enthüllung des Mahnmals seinen ersten Auftritt im Rahmen eines CSD. Heute ist die Teilnahme an den Feierlichkeiten des CSD Pflichtprogramm für die Vertreter der Politik. 

Streit um Aufstellungsort

Die Vorgeschichte des Denkmals beginnt bereits 1990. Die Initiative ging von Jörg Lenk, aktiv im Arbeitskreis Lesben und Schwule der Gewerkschaft ÖTV in Köln, aus. Drei Jahre später gab es eine Ausschreibung zur Gestaltung des Denkmals. Kritisch diskutiert wurde vor allem der sehr prominente Aufstellungsort.

Dabei ist gerade dieser Platz für die homosexuellen Kölner von besonderer Bedeutung. Hier stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein Pissoir, welches zum beliebten Treffpunkt schwuler Männer wurde. Nach der Zerstörung des Pissoirs verlagerte sich die Szene in die (heute geschlossenen) Treppentürme der Hohenzollernbrücke.

Der „Schwulen-Paragraph“ 175

Nicht vergessen: Noch bis in das Jahr 1994 galt der „Schwulen-Paragraph “ 175. Dieser Paragraph stellte homosexuelle Handlungen unter Strafe. Anonyme Treffpunkte für Schwule waren daher von besonderer Bedeutung.

Bereits 1922 veröffentlichte der Publizist Kurt Hiller unter dem Titel "Die Schmach des Jahrhunderts" eine Aufsatzsammlung gegen den Paragrafen 175
Bereits 1922 veröffentlichte der Publizist Kurt Hiller unter dem Titel „Die Schmach des Jahrhunderts“ eine Aufsatzsammlung gegen den Paragraphen 175

Paragraph 175 Strafgesetzbuches wurde bereits im Deutschen Kaiserreich eingeführt

Ein großes DANKE an Antonia Frinken. Sie hat sich mit der Geschichte des Paragraph 175 auseinandergesetzt und mir erlaubt, ihre Zusammenfassung hier zu veröffentlichen.

„Der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches galt von 1871 bis 1994 und bezog sich auf sexuelle Handlungen zwischen Männern. Im Nationalsozialismus wurde er im Jahr 1935 verschärft: Waren bis dahin „beischlafähnliche Handlungen“ strafbar, so drohten nun Haftstrafen für das bloße Anschauen oder Berühren.

Während dieser Paragraph in der DDR zunächst auf unterschiedliche Weise ad acta gelegt wurde, bestand er in der Bundesrepublik bis zur ersten Reformierung 1969 in der Fassung von 1935 fort. Die Große Koalition unter Bundeskanzler Kiesinger hob das Totalverbot gleichgeschlechtlicher Handlungen zwischen Männern auf. Aber homosexuelle Prostitution und Ausnutzung von Dienstverhältnissen und Machtgefällen standen weiterhin unter Strafe. Das Schutzalter für homosexuelle Handlungen zwischen männlichen Personen lag zudem bei 21 Jahren und war somit höher als für heterosexuelle Handlungen.

Eine zweite, weitreichendere Reformierung des Paragraphen 175 erfolgte 1973 unter dem Kabinett Brandt II, die unter anderem die Absenkung des Schutzalters von 21 auf 18 Jahre beinhaltete. Erst 1994 wurde der Paragraphf 175 ersatzlos gestrichen und das Schutzalter für homosexuelle und heterosexuelle Handlungen angeglichen.

2002 beschloss der Bundestag gegen Stimmen von CDU/CSU und FDP die Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile und damit auch die Rehabilitierung der zwischen 1935 und 1945 unter dem Paragraphfen 175 Verurteilten. Nachfolgende Anträge zur Rehabilitation der Verurteilten nach 1945 wurden bis 2017 abgelehnt, als alle Verurteilten, deren Sexualpartner seinerzeit 16 Jahre oder älter waren, rehabilitiert wurden. Zahlreiche Opfer des Paragraphen 175 erlebten die Rehabilitationen von 2002 beziehungsweise 2017 jedoch nicht mehr mit.

Sexuelle Handlungen unter Frauen wurden unter dem Paragraphen 175 zu keiner Zeit verfolgt, waren aber gesellschaftlich stigmatisiert. Die lange Geschichte der Verfolgung sexueller Minderheiten zeigt die Wichtigkeit geheimer Treffpunkte zur Schaffung von Gemeinschaft auf.“

Kameradschafts-Ehe
„Kameradschaft-Ehe“

Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen waren Scheinehen ein häufig gewählter Ausweg. Dabei heirateten homosexuelle Männer und Frauen, um den Schein der Konformität zu wahren. Es gab aber auch Ehen zwischen homosexuellen Männern und heterosexuellen Frauen. Der Vorteil für beide Seiten: Absicherung gegenüber der Verfolgung bei den Männern und soziale Absicherung der Frauen.  

In Zeitungsanzeigen wurden für diese Arrangements spezielle Begriffe wie „Kameradschafts-Ehe“ oder „Heirat vor der Welt“ verwendet. Auch Formulierungen in den Anzeigen wie „Eine Frau, die mich versteht.“ oder „… die meine Neigungen respektiert“ wurden verwendet. 

Aus dem Lehrmaterial der SS: Übersicht der Kennzeichnungen für Häftlinge, Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0
Aus dem Lehrmaterial der SS: Übersicht der Kennzeichnungen für Häftlinge, Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown / CC-BY-SA 3.0

Rosa Winkel kennzeichnete homosexuelle Männer im Konzentrationslager

Das Mahnmal ist dem „Rosa Winkel“ nachempfunden. In den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten musste jeder Häftling eine spezielle Kennung als Aufnäher an der Jacke oder Hemd tragen. Zwei gegenläufige Winkel, die den „Judenstern“ ergaben, kennzeichneten Juden. Ein roter Winkel stand für politische Gefangene. Einen lila Winkel mussten Zeugen Jehovas tragen. Weitere Aufnäher standen z.B. für Sinti und Roma oder  Berufsverbrecher. Der „Rosa Winkel“ war die Kennzeichnung homosexueller Männer.

  • Dieser „Rosa Winkel“ wurde später international zum Symbol der Homosexuellen. Heute hat allerdings die Regenbogenflagge eine wesentlich größere Popularität in der LGBT1Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender-Szene.
Der "Rosa Winkel", gehalten durch graue Keile, Bild: Franz-Josef Knöchel, LVR
Der „Rosa Winkel“, gehalten durch graue Keile, Bild: Franz-Josef Knöchel, LVR

Das Denkmal besteht aus diesem „Rosa Winkel“, welcher links und rechts von grauen Keilen gehalten wird. Der Künstler Achim Zinkann dazu:
„ … In der Skulptur entsteht eine Korrespondenz zwischen den Keilen. Druck, Gegendruck und Reibung sind Voraussetzungen für den Gesamtzusammenhalt. Wird einer der Keile entfernt, verliert mindestens ein anderer den Halt. Das Gefüge wird zerstört …“

Inschrift des Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Uli Kievernagel
Inschrift des Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, Bild: Uli Kievernagel

Auf der Oberseite ist die Inschrift:

Totgeschlagen – Totgeschwiegen
Den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus

eingemeißelt. In den Konzentrationslagern des NS-Regimes wurden etwa 10.000 homosexuelle Männer inhaftiert und mehr als die Hälfte davon ermordet, schätzt der Soziologe Rüdiger Lautmann.

Wenn ihr demnächst in der Innenstadt unterwegs seid, nehmt euch die Zeit und schaut euch dieses Denkmal an. Leider stelle ich regelmäßig fest, dass sich der „Rosa Winkel“ nicht im besten Zustand befindet.

Es wäre wünschenswert, wenn dort öfters mal jemand vorbeischaut und die Würde des Mahnmals sicherstellt.


Das Denkmal hat auch eine eigene Website mit weiteren Informationen. Außerdem gibt es noch ein Köln-Ding der Woche zum schwul-lesbischen Köln und der CSD-Parade.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Wörter: Öllich/Öllig – ein kleines Wort mit ordentlich Schmackes

Wenn der Kölsche von "Öllich" oder "Öllig" spricht, meint er eine Zwiebel, Bild: Ray Shrewsberry, Pixabay
Wenn der Kölsche von „Öllich“ oder „Öllig“ spricht, meint er eine Zwiebel, Bild: Ray Shrewsberry, Pixabay

Egal ob ´nen Halven Hahn, Himmel un Ääd, Flönz oder einfach nur ein Mettbrötchen: Ohne Öllich fehlt etwas. Mit „Öllich“ (oder auch „Öllig“) bezeichnet der Kölsche die Zwiebel. Und diese gehört zur Grundausstattung kölscher Gerichte!

Wo kommt der Begriff „Öllich“ eigentlich her?

Spannend wird es, wenn man dem Wort sprachlich hinterherläuft. Denn der Öllich ist ein echtes Weltenbummler-Wort. Der kölsche Sprachforscher Adam Wrede beschreibt den Begriff als eine Mischung aus gleich mehreren Sprachen:

  • Unionem – Latein für eine einzelne Zwiebel
  • Alium – ebenfalls Latein, für die Zwiebelknolle
  • Oignon – Französisch, auch hier: die Zwiebel

Köln war schon immer Durchgangsstation, Handelsplatz, Sprach-Schmelztiegel. Dass sich ausgerechnet die Zwiebel aus mehreren Sprachen zusammensetzt, passt perfekt zu unserer Stadt zwischen Germanen, Römern, Franzosen und allen, die unsere Stadt bereichern.  

Halve Hahn, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)
Ne „Halve Hahn“, nur echt mit Röggelchen, mittelaltem Gouda, Senf und reichlich Öllich, Bild: Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Vom Ullouch zum Öllich – eine kleine Zeitreise

Der Öllich ist nicht über Nacht in der kölschen Sprache gelandet. Er hat sich langsam entwickelt, Schicht für Schicht – fast wie eine echte Zwiebel:

  • 14. Jahrhundert: Ullouch
  • 15. Jahrhundert: Ollych
  • 17. Jahrhundert: Ollich, Ollig
  • 18. Jahrhundert: Öllig
  • Heute: Öllich

Man kann förmlich hören, wie sich die Aussprache mit der Zeit rheinischer, weicher und gemütlicher anfühlt. Aus dem eher kantigen „Ullouch“ wird der heute vertraute Öllich.

Mehr als nur eine Zwiebel – mit Spuren in der kölschen Musik

Im Kölschen ist der Öllich längst mehr als ein Gemüse. Er ist Beilage, Hauptdarsteller und gelegentlich auch Metapher. Wer „wie ene Öllich“ riecht, hatte einen langen Abend. Wer „Träne wie beim Öllich schnigge“ verdrückt, meint es ernst. 

Auch in der Musik hat dä Öllich Spuren hinterlassen. So lautet es im berühmten „Kackleed“:

„.. wä jän decke Öllich iss
dä kack met vill Jestank …“

Und beim Song „Nur für die Liebe nit“ von Lupo lautet es sogar in der ersten Zeile:

„Et kölsche Woot för Zwiebel es Öllisch.“

"Eßt doch Öllig, Lück" von Gerhard Ebeler und Hans Otten
„Eßt doch Öllig, Lück“ von Gerhard Ebeler und Hans Otten

Gerhard Ebeler (Musik von Hans Otten) empfiehlt in dem Lied „Eßt doch Öllig, Lück!“ den Genuss von satten drei Pfund – am Tag (!).1Ein großes DANKE an Hermann-Josef Ley „Dä Quetschenbüggel“ für diesen Hinweis. Im Refrain lautet es:

Eßt doch Öllig, Lück! 
Düchtig Öllig, Lück!
Am Dag drei Pund.
Denn Öllig, dat eß bellig hück un och gesund.
Wer Öllig ißt, dä bliev mobil am gange Liev.

Auch die „Zwei kleine Ströpp“ haben der Zwiebel ein eigenes Lied gewidmet. Im Refrain vom „Öllich-Leed“ lautet es:

Ne leck’re öllich, dä darfsde nit verjesse;
Ne leck’re öllich jehöt an jedes Esse.
Ne leck’re öllich, un dorop kütt et an,
verschaff dir Luff un Platz noch en d’r Stroßebahn!

Der Funkeneid auf einer Metallplatte am "Rote-Funken-Plätzchen im Martinsviertel, Bild: Raimond Spekking
Der Funkeneid auf einer Metallplatte am „Rote-Funken-Plätzchen im Martinsviertel, Bild: Raimond Spekking

Sogar der Rote Funke schwört op die Öllich! 

Ein echter „Roter Funk“ wird man erst, wenn man den Funkeneid gesprochen hat. Dort lautet es gleich am Anfang:

„Bei Öllig, Böckem, ähde Nötz
un bei der rut-wieß Funkemötz,
beim hölze Zabel un Gewehr
well treu ich sin dem Fasteleer,
…“

Der Text bezieht sich auf die äußerst bescheidene Verpflegung der Vorläufer der Roten Funken, die Kölner Stadtsoldaten. Da diese sehr schlecht bezahlt wurden, gehörten die einfachen Lebensmittel wie Zwiebeln und Bücklinge2Bücklinge sind geräucherte Heringe. zu ihrer Hauptverpflegung. Und so schwört jeder Rote Funk noch heute auf die Öllig. 

Das Emblen des II: Knubbels ist eine "Öllig".
Das Emblen des II: Knubbels ist eine „Öllig“.

Stolz trägt der II. Knubbel3Knubbel sind die „Abteilungen“ der Roten Funken den Namen „Öllig“. Der Gruß dieses Knubbels lautet dann auch „Öllig stink“

Warum der Öllich so kölsch ist

Der Öllich zeigt exemplarisch, wie Kölsch funktioniert: Sprachen mischen sich, genau wie die Menschen hier in Köln. Jahrhunderte hinterlassen Spuren und am Ende entsteht etwas Eigenes. Kein Hochdeutsch, kein Französisch, kein Latein – sondern Kölsch. Genau deshalb lieben wir solche Wörter.

Sie erzählen Geschichte, ohne belehrend zu sein.
Sie sind Alltag und Denkmal zugleich.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung  

Kölsche Wörter: Fisimatente / Fisimatentche

„Visitez ma tente“ = "Besuchen Sie mein Zelt" ist eine schöne aber falsche Erklärung für das Wort "Fisimatente"
„Visitez ma tente“ = „Besuchen Sie mein Zelt“ ist eine schöne aber falsche Erklärung für das Wort „Fisimatente“

Wenn man dem Kölschen sagt: „Jetz mach doch nit alt widder su Fisimatenten!“ ist damit gemeint: „Jetzt stell dich doch nicht so an!“ oder: „Mach doch nicht solche Umstände!“. Die angesprochene Person sollte nicht alles so kompliziert machen.

Bekannte Erklärung mit dem Zelt ist falsch!  

Meine beliebte Thekenumfrage in meiner Stammkneipe zu diesem Wort führte tatsächlich zu der sehr schönen, aber falschen Erklärung mit dem Franzosen und seinem Zelt.

Schätzungsweise 90% der Kölschen meinen, der Begriff geht darauf zurück, dass in der französischen Besatzungszeit (1794 – 1814) die französischen Soldaten in Zeltlagern lebten. Und natürlich übten die schönen kölschen Mädchen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Soldaten aus, die diese daraufhin zu einem Besuch („visite“) in ihrem Zelt („tente“) einluden: „Visitez ma tente“.

Da ein solcher Besuch, genau wie ein Fisternöllchen, zu ganz besonderen Umständen hätte führen können, wurde aus „Visitez ma tente“ ganz schnell Fisimatente. Klingt schön, ist aber leider falsch.

Auch die Tante hat mit Fisimatenten nicht zu tun

Ebenfalls aus der französischen Besatzungszeit stammt die Erklärung mit dem Besuch bei der Tante: Wenn der Kölsche bei Kontrollen durch die französischen Besatzer mal wieder zu spät auf der Straße aufgegriffen wurde, wurde schnell die Ausrede „Je viens de visiter ma tante.“ („Ich habe gerade meine Tante besucht.“) gebraucht.

Klingt schön, ist aber leider ebenso falsch wie die Zelt-Erklärung.

Erklärung als (überflüssiger) Zierrat

Eine weitere Erklärung stammt aus der mittelhochdeutschen Sprache.1Mittelhochdeutsch wurde zwischen etwa 1050 und 1350 gesprochen. Damals existierte der Begriff „visamente“. Damit wurden Verzierungen oder Ornamente bezeichnet. Heute würde man das als Zierrat bezeichnen. Damit sind auch nicht wesentliche, eher umständliche, Dinge gemeint.

Eine Uhr mit vielen "visamente", also reichlich (überflüssiger) Zierrat, Bild: Gordon Johnson, Pixabay
Eine Uhr mit vielen „visamente“, also reichlich (überflüssiger) Zierrat, Bild: Gordon Johnson, Pixabay

Und von „visamente“ zu „Fisimatente“ ist es kein weiter Weg. Daher passt die Erklärung „Mach doch nicht solche Umstände!“ zu Fisimatentche.

Die beste Erklärung kommt aus dem „Wrede“

Wie immer lohnt sich ein Blick in den „Wrede“2Adam Wrede: Neuer Kölnischer Wortschatz, Greven Verlag Köln, das Standardwerk zur kölschen Sprache. Dort lautet es:

Fisematentche / Fisimatenten, volkstümlich umgebildet aus „visae patentes literae“ … ein ordnungsgemäß verdientes, schriftlich ausgefertigtes Patent. Das Fachwort wurde in Verspottung des Bürokratischen zum Begriff für unnötige Schwierigkeit, unnütze Arbeit, unnützes Getue, leere Redensarten, zwecklose Umstände.

Und da es nun mal viel Zeit brauchte und ein großer Aufwand nötig war, um ein ordnungsgemäß geprüftes Patent auszufertigen, könnte sich der Begriff tatsächlich aus daraus entwickelt haben. Alles, was unnötig kompliziert erscheint und lange dauert, wird somit zu Fisimatenten.

Und Dinge, die lange dauern und kompliziert sind, haben wir in Kölle reichlich: Oper, Kalkberg, Nord-Süd-Stadtbahn, Römisch-
Germanisches Museum, Dom Hotel, …


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung