Ein Thekenschaaf im „Brauhaus Krüzge“ vor 1907, Bild: Edmund Renard †1932, Public domain, via Wikimedia Commons
Nein – Wolle gibt es im „Thekenschaaf“ nicht. Und auch essen kann man es nicht. Aber man findet es da, wo et jet zo süffele und zo müffele gibt: In einem Kölner Brauhaus.
Manche Menschen nennen das Thekenschaaf auch „Kontörchen“ oder „Beichtstuhl“ – doch hier werden ganz bestimmt keine Sünden vergeben! Das Thekenschaaf ist der Sitz- und Arbeitsplatz des Gastwirts und gehört, genau wie ein frischgezapftes Kölsch, die Fooderkaat und der Köbes zu einem echtem kölschen Brauhaus.
Ein solches Thekenschaaf ist ein kleines Büro, aus dem früher die Geschäfte des Brauhauses geführt wurden. Aber dort wurde nicht nur das Geld gezählt, sondern auch den Köbessen und den Gästen genau auf die Finger geschaut.
Das Thekenschaaf in der Schreckenskammer, Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Wortherkunft: „Verschließbarer Schrank“
Um den Begriff „Thekenschaaf“ zu erklären, lohnt sich wie immer ein Blick in den Wrede. Dort lautet es:
„… Schaaf, ein Behälter, in dem notwendige Dinge wie Lebensmittel, Kleidungsstücke u. dgl. aufbewahrt u. bereit gehalten werden, ist seit dem Mittelalter allmählich zu der Bedeutung verschließbarer Schrank entwickelt…“
Und wenn man sich ein Thekenschaaf genau ansieht, hat es tatsächlich die Anmutung eines Schranks, allerdings mit Fenstern und einem oder zwei Sitzplätzen. Und diese Fenster sind äußerst wichtig, denn der Wirt muss von diesem Arbeitsplatz aus alles im Blick behalten. Deshalb war das Thekenschaaf früher auch genau zwischen der „Schwemme“, dem Stehplatzbereich, und der eigentlichen Gaststube platziert.
Der typische Grundriss einer kölschen Gaststätte ab dem 17. Jahrhundert. Das Thekenschaaf ist genau zwischen Schwemme und Gaststube platziert. Bild: gemeinfrei
Genau zwischen Schwemme und Gaststube platziert
Es ist kein exaktes Datum bekannt, wann das erste Thekenschaaf eingebaut wurde. Allerdings sind solche „Kontörchen“ (vom französischen „comptoir“ = „Zahltisch“) ab dem 17. Jahrhundert bekannt. Denn der typische Grundriss einer der zahlreichen kölschen Hausbrauereien zeigt, dass die „Schwemme“, der reine Schankbereich, und die eigentliche Gaststube getrennt waren.
Diese strikte Trennung war erforderlich, da es bestimmten Personengruppen verboten war, die Gaststube zu betreten. Zu diesen unerwünschten Personen gehörten unter anderem:
der Henker und seine Knechte,
die Abdecker und auch
die Stadtsoldaten.
Diese Personen durften sich nur im Hausflur der Gastwirtschaften aufhalten und mussten dort ihr Bier im Stehen trinken. Zwar wurden mit dem Einmarsch der Franzosen im Jahr 1794 diese Verbote aufgehoben, faktisch setzte sich aber fort, dass je nach „Klasse“ die Gaststube oder die Schwemme aufgesucht wurde.
Das Thekenschaaf im „Kölsche Boor“ wird noch als Arbeitsplatz genutzt, Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Der Gastwirt konnte vom Thekenschaaf aus genau die Köbesse und Gäste beobachten. Außerdem wurden von hier aus die Köbesse kontrolliert: Diese erwarben oder bekamen Biermarken, kleine Metallmarken und mussten für jedes servierte Bier eine dieser Marken abgeben. Dies hatte für den Wirt einen doppelten Effekt: Erstens konnte er die Umsätze seiner Köbesse genau prüfen, ein „Lappöhrche“ war so nicht möglich.
Zweitens wurde durch die aufgeschichteten Marken klar, wieviel Bier aus einem Fass bereits ausgeschenkt wurde und wann ein neues Fass angeschlagen werden musste. Daher fand man am Thekenschaaf oft einen Schlitz für diese Biermarken, ähnlich wie bei einem Fahrtkartenschalter.
Sieht aus wie ein Fahrkartenschalter: Das Thekenschaaf in der Malzmühle, Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Wrede schreibt dazu: „Se passe op alles op un mache Häufjer, schichten die Jröschelcher un Märkelcher openander“1„Sie passen auf alles auf und machen Häufchen, schichten Groschen und Markstücke aufeinander“, Eintrag im Wrede zum Begriff „Theke“.
Das Thekenschaaf im Sünner, Bild Gordito1869, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Doch im Thekenschaaf wurde noch mehr aufbewahrt: Hochwertige Spirituosen wurden von dort an die Köbesse ausgegeben, außerdem auch Zigarren, Essig oder Öl. Gleichzeitig wurde im dem winzigen Kontörchen auch alles Mögliche für den täglichen Bedarf aufbewahrt: Essbesteck, Büromaterial, Schlüssel. Zusätzlich war das Thekenschaaf auch oft im wahrsten Sinne des Wortes die „Schaltzentrale“, denn hier wurden Lichtschalter und Sicherungen eingebaut.
Gesellschaftlicher Mittelpunkt
Da das Thekenschaaf ständig besetzt war, konnte es auch zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Gaststätte werden. Oft befanden sich die Stammtische in unmittelbarer Nähe, so war der direkte Gast-Wirt-Kontakt sichergestellt. Der Verband Deutscher Architekten und Ingenieure-Vereine schreibt 1888:
„Dieser so genannten Theke zunächst hatten gemeinlich die Stammgäste, die mancherlei Vorrechte genossen, ihren bestimmten Tisch (der alte Stammgast war stets eine Art Familienmitglied).“2Köln und seine Bauten, Festschrift zur VIII. Wanderversammlung des Verbandes Deutscher Architekten und Ingenieure-Vereine in Köln vom 12. bis 16. August 1888, Köln, 1888, S. 611–612.
Im Thekenschaaf wurden nicht bezahlte Deckel aufgehoben, Beschwerden über unfreundliche Köbesse entgegengenommen oder auch der außer-Haus-Verkauf, zum Beispiel von Pittermännchen, organisiert und abgerechnet.
Das Thekenschaaf in der Gaststääte „Em Krützche“ ist heute ein Mini-Gastraum für zwei Personen. Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Moderne Kassensysteme machen Thekenschaaf überflüssig
Mittlerweile haben elektronische Registrierkassen die ursprünglichen Abläufe im Thekenschaaf überflüssig gemacht. Übrig bleiben diese kleinen Räume als Mini-Büro oder sie werden sogar, wie „Em Krützche“ als kleiner Gastraum genutzt – für gerade mal zwei Personen.
Na dann: Prost!
Auch im Peters-Brauhaus wird das Thekenschaaf heute für Gäste genutzt. Bild: Horsch, Willy, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Er ist der unumstrittene Herr im Brauhaus: Der Köbes! Als Gast ist man geduldet. Mehr nicht. Der Köbes allein entscheidet, ob und wann man sein Kölsch bekommt, denn in einem kölschem Brauhaus bestellt man kein Kölsch: Der Köbes teilt es einem zu.
Dabei gehört der Köbes, genau wie die blankgescheuerten Holztische, die ausgesprochen hohe Lautstärke der Gäste und die kölsche Fooderkaat, zum Inventar eines Brauhauses.
Der Köbes ist die Person, die außerhalb Kölns als „Kellner“ oder „Ober“ bezeichnet wird. Eine Berufsbezeichnung, die der kölsche Köbes nicht gerne hört und Rufe wie „Hallo, Herr Ober“ schlichtweg ignoriert.
Weste, blauer Pullover, Lederschürze – der Köbes ist gut zu erkennen
Der Köbes ist gut erkennen: Die typische Kleidung ist eine Weste, blauer (Woll-)Pullover, Lederschürze und der Geldbeutel aus Leder. In der Hand trägt er den Kölschkranz aus Metall und im Gesicht eine leicht spöttische Miene, die dem Gast direkt signalisiert: Pass op Jung, ich bin hier der Chef!
Ein Köbes im Brauhaus Früh genießt sein Feierabendbier, Bild: Willy Horsch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Der ideale Köbes hat übrigens unendlich viele Rolle zu erfüllen: Er ist Geheimnisträger („Verzäll bloss nit minger Frau, dat ich he wor!“), kennt jeden Klaaf uss däm Veedel („Häste jehüürt: Dat Marie kritt alt widder e Kind“) und gibt gerne ungefragt medizinische und sonstige Ratschläge („Dat siebzehnte Kölsch ist jut für die Nieren“).
Gelegentlich überziehen einzelne Köbesse schon mal etwas mit ihrer deftigen und manchmal unverschämt wirkenden Ausdrucksweise. Dann wird es auch dem Urkölschen zu viel. Aber das ist die Ausnahme. Eher spielen die kölschen Köbesse ihre Rolle als Muuzepuckel, so wie mir Toni aus Buchheim berichtete:
Meine Frau und ich sitzen im Peters Brauhaus. Uns schräg gegenüber eine achtköpfige Gruppe von Touristen. Sie sprechen Spanisch.
Irgendwann kommt der Köbes. Er gibt sein Bestes: schaut mürrisch, rotzt seine Worte unverständlich in den Raum und stellt ungefragt Kölsch vor die Gäste. Die gucken fragend, bemühen ihr bestes Englisch und bekommen zum Dank die Speisenkarte auf den Tisch geknallt. Mehrfach geben sie später das Zeichen, bestellen zu wollen. Als sich der Köbes endlich bequemt, verströmt seine ganze Körperhaltung überschäumenden Abscheu. Meine Frau und ich gucken uns an. Sie sagt: „Das geht ja gar nicht. Was sollen die Touristen denn denken?“ Ich will gerade aufstehen und dem Köbes etwas zu seinem unmöglichen Verhalten sagen. Da wechselt dieser übergangslos ins Spanische, erklärt – so vermute ich – was es mit dem Köbes auf sich hat und erntet erleichtertes Lachen der Gäste und ihren donnernden Applaus. Danach ist unsere Stimmung im beschwingten ‚Su jett jitt et nur in Kölle-Modus‘. Das ist so einer der Momente, wo ich einfach nur dankbar bin, im bunten Kölle zu leben.
Herkunft des Begriffs „Köbes“ ist unklar
Die gängige Legende besagt, dass der Name des Köbes von Jakobspilgern stammt. Diese hätten während ihrer oft monatelangen Pilgerreise zwischendurch in den Brauhäusern gearbeitet, um etwas Geld für die Reise zu verdienen. Der Kölner nennt den Jakob „Köbes“, und da die Pilger auf dem Weg zum Heiligen Jakob waren, hatten sie schnell den Spitznamen „Köbes“ bekommen. Allerdings gibt es für diese, zugegeben nette, Legende keine Belege.
Tatsächlich waren die Brauersburschen, die „Brauers-Pooschte“, als Köbes tätig. Diese schufteten tagsüber als Lehrjungen in der Brauerei und verdienten sich abends noch ein paar Mark als Köbes dazu. Wie es von diesen Brauers-Pooschte zum Begriff „Köbes“ kam ist unklar. Vielleicht war einer der Jungs namens Jakob besonders schlagfertig, und so wurde sein Vorname zum gesamten Gattungsbegriff. Aber auch das ist reine Spekulation.
Durstige Gäste warten im „Früh im Veedel“ auf den Köbes, Bild: Gordito1869, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Eins ist sicher: Der Köbes ist älter das Kölsch!
Klar ist aber, dass es den Köbes schon lange vor dem Kölsch gab. In einem Schreinsbuch1Schreinsbücher waren im mittelalterlichen Köln die Vorläufer der heutigen Grundbücher. aus dem 12. Jahrhundert wird ausdrücklich der Bierschenk Burkard erwähnt. Er betrieb eine Gastwirtschaft direkt neben der Kirche St. Maximin. In den historischen Unterlagen wird ausdrücklich „Burkardus dator cervisie“ erwähnt. Dies kann man mit „Burkard, der Bierschenker“ übersetzen. Somit ist Burkard der erste namentlich bekannte Köbes.
Doch wer heute auf Spurensuche geht, wird weder Burkard noch die Kirche finden – auf diesem Gelände steht mittlerweile der Hauptbahnhof.
Heute arbeiten Menschen aus der ganzen Welt als Köbes
Auch wenn es immer wieder lautet „Nä – su ne echte Köbes jitt et hück nit mieh.“ ist das nicht richtig. Es gibt noch die schlagfertigen Typen, die zwar deftig, am Ende auch aber irgendwie charmant, Kölsch servieren. Wer das bezweifelt, sollte unbedingt mal sein Kölsch im Päffgen in der Salzgasse oder in der Schreckenskammer trinken.
Tatsächlich kommen aber heute auch viele der Servicekräfte in den Brauhäusern nicht aus Köln und verstehen nicht immer die typische Sprache der Kölner. Sie sind aber immer bemüht, in die großen Fußstapfen der alten, urkölschen Köbesse zu treten. Und auch hier gilt:
Su simmer all he hinjekumme, mir sprechen hück all dieselve Sproch. Mir han dodurch su vill jewonne. Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.2Bläck Fööss: Unser Stammbaum
Deswegen bleibt es auch bei dem ungeschriebenen Gebot, dem Köbes auch zwischendurch mal ein Kölsch auszugeben. In den meisten Brauhäusern ist es den Köbessen zwar ausdrücklich verboten, während der Arbeit zu trinken, aber wenn keiner in dem Moment hinschaut …
Und wie ist es mit den weiblichen Köbessen?
Ursprünglich waren die Köbesse ausschließlich Männer, weil in der Regel die Brauersburschen das Bier ausschenkten. Allerdings arbeiteten in vielen Gaststätten auch im 19.Jahrhundert schon Kellnerinnen. Ein Umstand, der einige Zeitgenossen doch sehr erregte. Ein gewisser Friedrich Pollads regte sich darüber so sehr auf, dass er 1891 das Bändchen „Das Unwesen der Kellnerinnenwirtschaften in Köln.“ veröffentlichte.
Der Moralapostel Pollads verurteilte die weiblichen Bedienungen als „Animierdamen„, die ihre Gäste finanziell und moralisch in den Untergang führen würden. Dass – falls an dieser sinnlosen Behauptung etwas dran sein sollte – die Männer und auch der reichlich ausgeschenkte Alkohol eine Rolle spielen würde, ließ der Autor mal eben unter den (Bier-)Tisch fallen.
Heute arbeiten Frauen und Männer in diesem Beruf. Und jedem, der immer noch meint, dass die Frauen der Rolle als Köbes nicht gewachsen seien, möge mal einen Abend im „Vogel“ auf dem Eigelstein verbringen. Die dortigen weiblichen Köbesse zeigen jedem Gast seine Grenzen in Punkto Schlagfertigkeit und Trinkfestigkeit auf.
Bargeldloses Prinzip: Der Köbes macht für jedes Kölsch einen Strich, Bild: Uli Kievernagel
Zum Umgang mit dem Köbes
Ein dringender Hinweis: Bitte niemals versuchen, schlagfertiger als der Köbes zu sein. Das wird erstens nicht gelingen und zweitens könnte der Köbes es anschließend vergessen, weiterhin Kölsch zu servieren. Deshalb gibt es ein paar Regeln, die man bei einem Besuch im Brauhaus beachten sollte:
Noch bevor der Köbes mit dem ersten Kölsch kommt, legt man einen Bierdeckel vor sich auf dem Tisch.
Man ruft den Köbes nicht heran. Er wird schon kommen, sobald alle am Tisch sitzen.
Niemand sollte in einem kölschen Brauhaus Mischgetränke (z.B. Radler oder Kölsch-Cola) bestellen.
Der Köbes wird so lange ungefragt Kölsch bringen, bis man abwinkt oder einen Bierdeckel aufs Glas legt.
Es gilt – während des Trinkens – das bargeldlose Prinzip: Der Köbes macht Striche für jedes Kölsch auf den Bierdeckel.
Am Ende kommt dann doch Bargeld ins Spiel. Jeder zahlt seinen Deckel oder man teilt den gemeinsamen Deckel. In jedem Fall aber gibt man dem Köbes reichlich Trinkgeld!
Ja dann: Prost!
PS Besonders spannend: 1933 gab es ein „Köbes-Rennen“. Mehr dazu demnähx im Köln-Ding der Woche.
Köbes Underground
Weil der Köbes kölsches Kulturgut ist, nennt sich die Hausband der Stunksitzung Köbes Underground. Dabei ist der Name eine doppelte Hommage: Zum einen an den Köbes im Brauhaus, zum anderen erinnert „Underground“ an die Sängerin von Velvet Underground, die 1988 verstorbene Kölnerin Nico Päffgen.
KöbesColonius
Guido Hofmann war tatsächlich mal als Köbes in Köln tätig. Heute führt er als Stadtführer KöbesColonius Menschen aus aller Welt humorvoll und äußerst versiert durch Köln.
Es gibt unzählige Lieder über den Köbes. Das Lied „Der Köbes – Kölsch Zappjungeleed“ beschreibt sehr genau das Verhalten eines typischen Köbes und seinen Umgang mit den Gästen.
Der Köbes (Kölsch Zappjungeleed) (aus: Carnevals – Lieder III. Bändchen, Herausgeber: Johannes Böttger – Selbstverlag)
Dä Köbes eß wie jeder weiß,
Als Zappjung wohlbekannt,
Un wann hä och nit Köbes heiß,
Wed hä doch su genannt.
Un eß de Weetschaff stief voll Lück
Dat mäht bei im nix uhs,
Hä denk bei sich „die Lück han Zick“
Un mäht sich gar nix druhs
Alles klopp dann wie verröck,
Rubbeldibbeldum, rubbeldibbeldum,
Met dem Glas an einem Stöck,
Rubbeldibbeldubbeldibbeldum.
Wann dann der Köbes kütt,
Schreit durchenein die Schwitt:
Refrain:
Köbes, Köbes ich ben dran,
Köbes, schnell ’nen halven Hahn!
Köbes, komm du boore Poosch,
Meinste, ich hät keinen Doosch?
Wann de nit bahl bei mich küß,
Do vun mir kein Drinkgeld kriß!
Wells de nit, dann loß et stonn,
Tränendeer, ich gonn!
Der Köbes kütt vum boore Land
Un kritt kum up de Muul,
Doch hät hä stets en offe Hand,
Eß lans ein Sick jet fuul.
Hä kritt e Kamesol gestrick
Vun Wölle bletzebloo,
Dann weed noh Köllen hä gescheck,
Der Köbes dä eß doh.
An de Spölbütt kütt he dann
Rubbeldibbeldumm, rubbeldibbeldum.
Zapp och ald ens dann un wann,
Rubbeldibbeldubbeldibbeldum.
Wann en de Stuvv hä kütt
Dann schreit de ganze Schwitt:
Refrain:
Köbes, Köbes ich ben dran …
Doch wann verledde kaum e Johr
Määt im et Zappe nix,
Der Köbes es dann, dat eß klor,
‚Ne Zappjung nett un fix.
Hä kennt sing Gäß, die hä bedeent,
Un schriev got op der Lei,
Wann einer sich jet ärg dren kneent,
Schriev hä e Glas derbei,
Och, dann weed sich expleziert,
Rubbeldibbeldumm, rubbeldibbeldum
Wat dä Köbes nit schineet
Rubbeldibbeldubbeldibbeldum
Doch bei dem Explezeer
Schreit alles glich noh Beer:
Refrain:
Köbes, Köbes ich ben dran …
Et Trinke och der Köbes kann,
Dat hätt hä flöck geleet,
Beim Esse stellt hä singe Mann,
Dat weiß wahl jede Weet.
Och rechne kann hä flöck un got,
Hä määt nit vill Buhei,
Grief nor ne Gaß noh Stock un Hot,
Steiht Köbes glich derbei.
Beim Bezahle wie verröck,
Rubbeldibbeldumm, rubbeldibbeldum
Söhk hä noh’m Fünfpenningstöck,
Rubbeldibbeldubbeldibbeldum
Wann hä et glich nit fingk,
Sitz alles do un gringk:
Refrain:
Köbes, Köbes ich ben dran …
Doch ihrlich eß hä, brav un treu,
Un Spare määt im Spaß,
Et Drinkgeld dräht hä nevvenbei
Sich höhsch dann op de Kaß.
Un wann hä dann bei Johren eß,
Kauf hä en Weetschaff sich,
Un all die Stammgäß ganz geweß
Gonn bei de Köbbes glich,
Och, dann sitz hä unschineet,
Rubbeldibbeldumm, rubbeldibbeldum
En der Thek als kölsche Weet,
Rubbeldibbeldubbeldibbeldum
Wann hä ens Rentner eß,
Schreit met hä ganz geweß:
Der kölsche Smalltalk nennt sich „Klaaf“, Bild: Gerd Altmann auf Pixabay
Wieder mal ein kölsches Wort, welches gleich mehre Bedeutungen hat. Während das „Klaafmul“ oder die „Klaafschnüss“ echte Schimpfwörter sind und sich am besten mit „Schwätzer“ übersetzen lassen, ist der „Klaaf“ als kleine, oft eher belanglose Unterhaltung positiv besetzt.
So wird aus der Begrüßung „Un, wie is et?“ schnell ein Klaaf, also eine nette Plauderei, mit Klatsch und Tratsch über die Nachbarschaft und das Leben im allgemeinem. In dieser Disziplin des Smalltalks sind die Kölschen tatsächlich Weltmeister: Viel reden ohne viel zu auszusagen. Man könnte den Klaaf auch als „beiläufige Konversation ohne Tiefgang“ bezeichnen.
Klaafe: Ein Schwätzchen halten
Wie immer lohnt sich ein Blick in den „Wrede“. Dort wird das Verb „klaafe“ wie folgt definiert:
„Grundbedeutung: den Mund offen halten;
1. allgemein: plaudern, sprechen, mit einem ein Schwätzchen halten“ 2. verräterisch ausschwätzen, verraten, verleumderisch antragen.“
Adam Wrede verwendet den Begriff „klaafe“ also auch im Sinne von denunzieren oder umgangssprachlich „petzen“.
Diese Bedeutung hat „klaafe“ heute allerdings eher verloren, wie meine beliebte Thekenumfrage zeigt. Klar wird beim Klaaf auch mal über jemand hergezogen („Häste alt jehürt – däm Schmitz sing Frau is durchjebrannt.“), aber nie im Sinne von verpetzen, eher im Sinne von tratschen. Folglich definiert Wrede das Substantiv „Klaaf“ als „allgemeines Geschwätz“. Und das zeigt, dass der Klaaf eher harmlos ist.
Eng verwandt mit „kalle“ und „schwade“
Wenn der Kölsche von „kalle“ spricht, ist das zwar ähnlich wie „klaafe“, aber eher allgemeiner. „Kalle“ kann als gemütlich miteinander reden, plaudern. Und dann sind wir auch direkt beim „schwade“, was allerdings eher als „unaufhörlich reden“ negativ besetzt ist.
Der Sessionsorden 2003 der Kölsche Funkentöter: Klaaf und Tratsch auf Kölsche Art“
Klaaf und Tratsch – auf kölsche Art
Im Jahr 2003 hat es der Klaaf zu echten Ruhm gebracht: Das Motto der damaligen Karnevalsession lautete „Klaaf und Tratsch – auf kölsche Art“. Und selbstverständlich hatte die Motto-Queen Marie-Luise Nikuta auch sofort das passende Mottolied parat:
Klaaf un Tratsch op kölsche Aat dat es hee zo Hus mer schwaade Kölsch, mer drinke Kölsch, at häld uns en Schuss.
Interessanter als der Refrain sind allerdings die Strophen des Lieds. Dort lautet es unter anderem:
Däm Schmitz sing Frau es durchgebrannt met singem beste Fründ..
Gewonne hät em Lotto dat kniestige Bolze Käth …
Dä Tünn vun gägenüvver hät geerv e riesen Huus …
Et Nies us Neppes hät de drette Schlankheitskur gemaht doch we‘ mer et esu aansüht, et hät fass nix gebraht.
Bei der Motto-Queen wird der Klaaf also zum echten Tratsch – passend zum Motto „Klaaf und Tratsch – auf kölsche Art“
Der Mottoschal der Session 2003
Es gibt tatsächlich eine „Smalltalk-Seminar“
Die Kunst des „Klaaf“ als belangloser Smalltalk ist dem Kölner irgendwie in die Wiege gelegt. Daher braucht der Kölsche an sich auch nicht solche Tipps wie „Smalltalk lernen: 9 Tipps & 5 Fallstricke“ oder ein „Smalltalk Online Training für deine leichte Konversation“ – der Kölsche hat diese Art der Plauderei schlichtweg intuitiv drauf.
Und manchmal auch etwas zu viel davon.
Aber dann wird aus dem klaafe schnell schwaade.
Echten, unverfälschten kölschen Klaaf gibt es beim Podcast „PODKLAAF“. Karolin Küpper-Popp und Hermann Hertling erklären, wie Kölsch gebraut wird, wer den Dom gebaut hat und beantworten auch die Frage, wo die Heinzelmännchen hin sind. Hee weed bloß kölsch jeschwaadt!
KLAAF – Das kölsche Magazin
Unter dem Titel KLAAF gibt die Akademie för uns kölsche Sproch ein Magazin heraus. KLAAF erscheint zwei Mal im Jahr, und liegt dem von der Stadt Köln herausgegebenem Magazin „KölnerLeben“ bei, das kostenfrei in allen städtischen Einrichtungen ausliegt.
Dieser Witz spiegelt das Selbstverständnis des Kölners wider: Unter der „göttlichen Sprache“ machen wir es schon gar nicht. Dabei ist die kölsche Sprache streng genommen kein Dialekt. Der Unterschied zu anderen Mundarten liegt darin, dass sich die deutschen Dialekte immer an hochdeutsche Texte anlehnten. Das bedeutet, dass vorhandene Texte in Mundart übersetzt wurden. Die kölsche Sprache hatte aber immer ihre eigenen Texte, die bestenfalls zurück ins Hochdeutsche übersetzt wurden und immer noch werden. Somit ist Kölsch eher eine eigenständige Sprache und kein Dialekt.
Der „Rheinische Fächer“ – Grenzen zwischen Sprache, Bier und Karneval tun sich auf
Köln, als ursprünglich römische Stadt, kam etwa Mitte des 5. Jahrhunderts unter fränkische Herrschaft. So wurde das offizielle Latein durch das germanische Fränkische verdrängt, allerdings mit regionalen Unterschieden. So entstand im Rheinland der „Rheinische Fächer“ mit den lokal verschiedenen Ausprägungen des Fränkischen.
Der Rheinische Fächer – Verteilung der Fränkischen Mundarten, Bild: Juschki – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Die am Rhein wohnenden Franken wurden Ripuaren1ripa = Flussufer genannt. In Köln wurde daher Ripuarisch, eine Variante des Fränkischen, gesprochen. Linguistisch gesehen ist Kölsch eine Variante des Ripuarischen.
Eine besondere Beachtung verdient die „Benrather Linie“ (im Bild oben mit „B“ bezeichnet) die auch als „maken-machen“-Linie bezeichnet wird. Genau an dieser Linie scheiden sich nicht nur sprachlich die Geister. Denn Köln liegt südlich, Düsseldorf nördlich von Benrath. Während man in unserer schönen Domstadt bei vielen Wörtern den „ch“-Laut wie in „Kachel“ spricht, wird daraus in dem Dorf weiter nördlich ein „k“-Laut: Das kölsche „Daach“ wird weiter nördlich zum „Daak“ oder der kölsche „Koche“ zum „Kock“.
Ziemlich genau an der Benrather Linie verläuft übrigens auch die Kölsch– und Altbier-Grenze. Und während der Kölsche mit dem korrekten Alaaf Karneval feiert, ruft der Düsseldorfer Helau. Hier wird die Benrather Linie zum Alaaf-Helau-Äquator.
Kölsch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert
Ripuarisch wurde über Jahrhunderte nur mündlich überliefert. Adam Wrede, der „Kölsche Sprachpapst“2Verfasser des Standardwerks „Neuer Kölnischer Sprachschatz“ geht davon aus, dass es noch bis zum 12./13. Jahrhundert gedauert hat, bis sich so etwas wie eine schriftliche Stadtsprache entwickelt hat.
Eindrucksvollster Beleg für diese Stadtsprache ist die Reimchronik des Gottfried von Hagen im Jahr 1270 – auch wenn das verwendete Ripuarisch für unsere Ohren heute kaum kölsch klingt. Wenn Gottfried von Hagen zum Beispiel „Häufig gibt es Regen nach Sonnenschein.“ ausdrücken will, schreibt er „ducke komet regen na sunne schine“. Da klingt immerhin so etwas wie „Sunnesching“ durch. Das wiederum versteht der Kölsche.
Nachdruck „Kölnische Reimchronik“ (erschienen 1270) von Gottfried von Hagen
Ab etwa dem frühen 17. Jahrhundert wurde in Köln die niederfränkische Schriftsprache aufgegeben und zunehmend die sich entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache verwendet. Einhergehend damit ist auch eine Trennung von gesprochener und geschriebener Sprache zu beobachten – die Kölner Mundart nach unserem heutigen Verständnis entsteht.
Umbruch in der Mitte des 19. Jahrhunderts
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Kölsch die Umgangssprache in der Domstadt. In dem Buch „Ausflug nach Köln“ äußerte Johanna Schopenhauer „Verstehen und sprechen muss diese Volkssprache jeder Einwohner von Köln.“
Nicht nur auf der Straße im Alltag wurde Kölsch gesprochen. Auch der „Kölsche Adel“, also alteingessene kölsche Familien, pflegten ihre kölsche Sprache. So soll der reiche Bankier Abraham Schaafhausen, Vater der Rheingräfin Sibylle Mertens-Schaafhausen und immerhin Präsident der Handelskammer, auschließlich kölsch gesprochen haben. Auch bei Verhandlungen am Gericht wurde kölsch gesprochen, genau wie bei Sitzungen des Stadtrats.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat dann plötzlich eine Wende ein. Mit dem Fortschreiten der industriellen Revolution kamen sehr viele Arbeiter nach Köln. Und diese sprachen Kölsch. Dadurch wurde die kölsche Sprache zur Sprache der Arbeiter. Das Bürgertum wiederum wollte sich von den Arbeitern auch mit der Sprache abgrenzen und sprach Hochdeutsch.
Wer echtes Kölsch lernen will, kann sein Kölsch-Diplom an der „Akademie för uns kölsche Sproch“ machen. Hier können Kölner und Nichtkölner einen Einblick in die kölsche Sprache und Kultur erhalten.
Etwas weniger aufwendig ist mein Tipp: Geht mal in eine kölsche Weetschaff op d´r Eck und stellt euch an die Theke. Spätestens nach dem fünften Kölsch klappt das auch mit der Sprache. Und falls ihr doch nichts verstehen solltet, habt ihr zumindest Spaß gehabt.
Heute werfen wir einen Blick darauf, wie sich Kölsch von der Gossensprache zum Kult entwickelt hat und welche Verdienste insbesondere die Bläck Fööss dabei hatten.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste Köln ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. Neue Erfindungen wie zum Beispiel die Gasmotoren von Nicolaus Otto und die Entwicklung Kölns zum Eisenbahnknoten im Westen führten zu einem großen Bevölkerungswachstum.
Lag die Einwohnerzahl zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bei etwa 40.000 Bürgern, wuchs Köln bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf etwa 375.000 Menschen. Mit dem Zuzug von Menschen aus allen Teilen des Deutschen Reichs bis hin nach Polen ergab sich die Notwendigkeit, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Zudem waren in der Garnisonsstadt Köln unter preußischer Verwaltung etwa 8.000 Soldaten inklusive Familien stationiert. Und die – nach dem Empfinden der Kölner steifen – Preußen sprachen Hochdeutsch. Die Folge: Kölsch verschwand aus dem Alltag.
Auch nach dem 1. Weltkrieg bis in die 1930er Jahre wuchs Köln weiterhin rasant: Die Anzahl der Kölner Bürger stieg bis 1939 auf fast 750.000 Bürger. Mundartsänger wie Willi Ostermann beklagten dann auch „dä fremde Krom“ in der Stadt und das Aussterben der Muttersprache. In dem Lied „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ lautet es:
Dä fremde Krom, et es doch ze beduure, als ahle Kölsche schöddelt mer d’r Kopp
Der zweite Weltkrieg war eine Zäsur. Die fast totale Zerstörung der Stadt führte zu einer Renaissance der Kölschen Sprache. Sprache ist Heimat und Kölsch zu sprechen war identitätsstiftend und gab ein Gefühl von Zusammengehörigkeit in der schweren Nachkriegszeit.
Von der Gossensprache zur Kult
Ab den 1970er war es damit aber vorbei: Kölsch war die Sprache des Proletariats und des kriminellen Milieus. Kölsche Unterweltgrößen wie Schäfers Nas oder Dummse Tünn sprachen Kölsch – in den Familien hingegen wurde Kölsch verpönt. Kein Wunder, dass Peter Brings (Jahrgang 1964) in dem Hit „Kölsche Jung“ singt:
Deutsch Unterricht, dat wor nix för mich denn ming Sprooch die jof et do nit. „Sprech ödentlich“ hät de Mam jesaht di Zeuchniss dat weed keene Hit. … Op d´r Stross han ich ming Sproch jeliehrt.
Renaissance durch die Bläck Fööss
Die Renaissance der kölschen Sprache kam erst mit den Bläck Fööss und ihrem wunderbaren Umgang mit unserer Sprache. Die Musiker machten Kölsch auch außerhalb der Karnevalssäle wieder salonfähig. Die kölsche Band BAP sorgte ab Anfang der 80er Jahre dafür, dass Kölsch als Sprache in der Popkultur bundesweit bekannt wurde. Und mit den neuen Bands wie Kasalla, Cat Ballou, Miljö & Co. wurde Kölsch auch in jüngeren Zielgruppen wieder verstanden und teilweise auch gesprochen.
Kölsch ist in der Domstadt auch im Alltag oft zu sehen, hier die Inschrift an der Kreuzblume am Dom, Bild: Uli Kievernagel
Eine Sprache lebt
Heute wird Kölsch in Köln und Umgebung von – hier sind sich die Sprachforscher sehr uneinig – 250.000 bis 750.000 Menschen gesprochen. Das Problem ist, dass die Unterschiede zwischen „echtem Kölsch“ und dem „Rheinischen Regiolekt“1Ein Regiolekt ist eine Umgangssprache, welche zwischen Basisdialekt und Standardsprache liegt. Das ist dann in unserer Region eher „Rheinisch“ mit dem typisch kölschen Tonfall, was von Außenstehenden für „Kölsch“ gehalten wird. fließend sind.
Sprachpuristen regen sich dabei über die Veränderung der kölschen Sprache auf und versuchen, diesen Prozess anzuhalten. Dabei wird vergessen, dass eine Sprache nur überleben kann, wenn sie auch tatsächlich gesprochen wird. Und somit unterliegt diese ständigen Veränderungen. Eine Sprache ist kein Museum, eine Sprache ist gelebter Alltag.
Daher: Loss se doch schwaade.
Eine Übersicht wunderschöner kölscher Ausdrücke findet ihr hier in meiner Rubrik „Kölsche Wörter“.
E Lappöhrche: Cash in de Täsch! Bild: Bild Alexa, Pixabay
Wer bei „Lappöhrche“ an ein kleines, flauschiges Kaninchen denkt, liegt vollkommen falsch. Wenn der Kölsche ein Lappöhrche macht, dann verdient er sich ein paar Euros nebenbei. Und „nebenbei“ ist hier wörtlich zu verstehen: Selbstverständlich soll das Finanzamt nichts von dem Lappöhrche erfahren.
Ausnahmsweise hilft in diesem Fall der Blick in den Wrede nur bedingt weiter. Dort wird das Lappöhrche wie folgt erklärt:
„Verniedlichung zu Lappohr (langes Ohr). Flickstück oder Lederstück in halbrunder, länglich runder, einem Ohr oder Öhrchen ähnlicher Form, wie es Schuster beim Ausbessern des Schuhwerks gebrauchen, übertragen auf solche Flickarbeit oder Kleinarbeit, verallgemeinert als Kleinigkeit. Die … Ableitung von französisch „labour“ ist Unsinn.“
Deutliche Worte des Sprachpapstes. Allerdings wird dieses Wort heute nicht mehr in dem Sinne von „Kleinigkeit“ verwendet. Dies hat meine beliebte Thekenumfrage eindeutig festgestellt. Alle kennen das Lappöhrche, aber angeblich macht es keiner. Zumindest bei meiner kleinen Umfrage wollte sich keiner offen outen: „Wehe du schreibst, dass deine Thekenkumpels Geld nebenbei machen!“
Der SPIEGEL berichtet davon, dass neun von zehn Haushaltshilfen schwarz arbeiten – sie machen ein „Lappöhrchen“.
Beim Lappöhrche geht es um Schwarzarbeit
Tatsächlich geht es beim Lappöhrche um glasklare Schwarzarbeit. Und wenn man sich die Statistik ansieht, ist das erheblich: Gemäß dem Statistik-Portal „statista“ wird für das Jahr 2023 ein Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland in Höhe von rund 433 Milliarden Euro prognostiziert. Das sind immerhin satte 10% der gesamten Wirtschaftsleistung.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Stadt Köln belief sich im Jahr 2020 auf rund 62,7 Milliarden Euro. Wenn man davon ausgeht, dass auch Köln den Schwarzarbeitsanteil von 10% erreicht, macht das 6,2 Milliarden Euro. Nur in Köln!
Wenn man sich kennt, ist es natürlich wesentlich einfacher, nebenbei Geschäfte abzuwickeln. Der „Kölsche Klüngel“ lässt grüßen. So ist es auch kein Zufall, dass die Höhner in ihrem Lied „He triff sich Jott un de Welt“ über den Kölner Gürzenich, Köln wichtigsten Veranstaltungssaal, singen:
En dir wed jefiert, jedanz un jelaach
un su manch Lappührche jemaat.
Und jedem ist klar: Wer bei der der alljährlichen Prinzenproklamation im Gürzenich ohne ein kleines Geschäft (nebenbei) zu machen aus dem Saal geht, hat den Sinn dieser Veranstaltung nicht begriffen.
Vielfältige Übersetzung
Während bei so vielen kölschen Wörtern oft eine eindeutige Übersetzung nicht möglich ist, verhält es sich bei dem Lappöhrche genau anders. Hier kursieren fast unendlich viele Übersetzungen wie „sehr ausgedehnte Nachbarschaftshilfe“, „jet nevenbei verdiene“ oder „Ein nicht immer ganz transparenter Nebenverdienst.“
Die schönste Übersetzung aber kommt von Harald van Bonn. Der Betreiber der sehenswerten Website „Kölsche Musik“ bezeichnet das Lappöhrche als
„Die Negierung eines Unterschieds
zwischen Netto und Brutto.“
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Viel Spaß mit dem fünften Teil „Kölsche Schimpfwörter“. Alle Teile findet ihr hier: Kölsche Schimpfwörter.
Schandmul
Ein „Schandmaul“ ist jemand, der schlecht über andere Menschen spricht.
Schaute
Adam Wrede definiert Schaute als „fahriger, läppischer kopfloser Mensch“. Der Ursrpung des Wortes liegt wohl im jiddischen „s(ch)ote = dumm oder töricht“.
Schluffe
Ein Schluffe ist ein Pantoffel. Und ein als „Schluffe“ bezeichneter Mensch steht unter genau diesem. Es handelt sich also um einen unselbständigen, oft langweiligen Menschen.
Schroppsüffer
Jeder kennt so einen: Erst bei jeder Runde mittrinken, aber wenn man selber dran ist, mal einen auszugeben, ganz klammheimlich verschwinden.
Schwaadlappe, Schwaadschnüss
Zugegeben, der Kölsche redet gerne und viel – hä schwaad halt jähn. „Schwaade“ steht für schwätzen, reden. Deswegen verwundert es, wenn ausgerechnet dieser Begriff als Schimpfwort gebraucht wird. Der Schwaadlappe bzw. die Schwaadschnüss („Schnüss“ ist der Mund) ist allerdings ein Mensch, der ohne Sinn und Verstand redet. Und das ständig und immer.
Schwemmbotz
Ein sehr neues Schimpfwort. Die „Schwemmbotz“ ist eine Badehose. Als allgemeingültiges, fast schon liebevoll, gemeintes Schimpfwort ist damit ein unbeholfener Mensch gemeint.
Seiverlappen
Mit Seiverläppche wird ein Lätzchen für Kinder bezeichnet. Als kölsches Schimpfwort wird dies zum Seiverlappen und ist eine Bezeichnung für einen Menschen, der viel redet und wenig aussagt, ähnlich wie dä Schwadlappe.
Speimanes, der mit der feuchten Aussprache, Bild: Hänneschen-Theater
Speimanes
Wenn jemand eine etwas feuchte Aussprache hat, dann „speit“ dieser. Herrlich und politisch vollkommen inkorrekt ist die Darstellung einer solchen Person im Hännneschen.
Der „Speimanes“ (mit bürgerlichen Namen Hermann Speichel) stottert, hat einen Buckel und spuckt, insbesondere beim „B“ und beim „P“. Und dann ist dieser arme Kerl bei der Puppensitzung dafür zuständig, die hauseigene Blutwurst des Hänneschen-Theaters jedem Künstler nach dessen Auftritt wieder abzunehmen. Speimanes wird im Theater von dem Puppenspieler Charly Kemmerling gespielt. Der sagt über seine Figur „Ne kölsche Quasimodo zom jänhan“.
Spidolsjeck
Der Spidolsjeck ist wie jeck auf das Krankenhaus, es handelt sich um einen Simulatenen, der nur glücklich ist, wenn er krank ist und auch davon erzählen kann.
Folgerichtig lautet es auch in einem Lied „Spidolsjeck“ von „The Piano has been Drinking“:
„Kumm mer bringe Blömche nohm Spidolsjeck, Dä süht jet blass us Sick Hä nur Weihwasser drink“
Stockfesch
Ursprünglich ein auf Stockgerüsten getrockneter Fisch. Als Schimpfwort bezeichnet der „Stockfesch“ für einen ungelenken, steifen und ungeschickten Menschen.
Strunzbüggel
Mein Haus, mein Boot, mein Auto … Angeber gibt es überall. Der Kölsche nennt diese Menschen „Strunzbüggel“ von „strunzen“, was angeben oder prahlen bedeutet. Besonders schön ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Strunzläppche“ für das Einstecktuch eines Herrenjackets – su jet bruche nur Strunzbüggel! Der Kölsche spricht aber auch von „strunzdoof“, wenn jemand einfältig ist.
Treppejeländer
Vom Wortsinn her „nur“ ein Treppengeländer. Aber kombiniert mit „affjerötsch“ wird daraus das „affjerötsch Treppejeländer“. Damit wird eine ungepflegte Person mit alter, unsauberer Bekleidung bezeichnet.
Tronedier
„Trone“ sind Tränen, ein „Dier“ ist ein Tier. Macht also „Tränentier“ und beschreibt einen Menschen, der eher langweilig ist und sich zu nichts aufraffen kann.
Früher eine berüchtigte Bordellmeile mit vielen Trottewarschwalve, heute bevorzugtes Wohngebiet: Im Stavenhof, von den Kölner „Stüverhoff“ genannt, Bild :Uli Kievernagel
Trottewarschwalv
Köln war und ist eine der führenden Städte in Sachen Prostitution. Mit dem „Pascha“ steht auch Europas größtes Bordell in Köln. Die Trottewerschwalv ist eine Prositutierte, die wie eine Schwalbe den Bürgersteig, Trottoir, auf der Suche nach möglichst zahlungskräftigen Freiern entlangflattert.
Trööt
Wenn jemand nicht aufpasst und etwas schusselig ist, wird er gerne als „Trööt“ bezeichnet. Dabei ist die „Trööt“ eigentlich eine Trompete.
Trumm
Die „Decke Trumm“ gibt im Karneval den Takt vor. Und wenn jemand eine Trumm vor sich herträgt, kann damit auch der dicke Bauch gemeint sein.
Tünnes, mit bürgerlichen Namen Anton Schmitz, ist gutmütig, hilfsbereit und ein einfach gestrickter Charakter, Bild: Hänneschen-Theater
Tünnes
Im kölschen Duo „Tünnes und Schäl“ ist der Tünnes (anders als der Schäl) nicht hinterhältig, sondern eher gutmütig, hilfsbereit und einfach. Allerdings nicht dumm, sondern humorvoll und mit einer gewissen Bauernschläue gesegnet. Deswegen ist das vermeintliche Schimpfwort „Du Tünnes“ auch eher liebevoll gemeint.
Tütenüggel
Ein Tolpatsch, ein unreifer, ungeschickter Mensch. Das Wort stammt von „an der Brust nuckeln“, meint also eigentlich einen Säugling. Schön, aber nicht verifiziert, ist die Erklärung, dass der Begriff aus der französischen Besatzungszeit stammt. Die Kölner verhöhnten die französischen Soldaten als Tütenüggler, weil diese angeblich gerne an Brüsten ihrer Liebhaberinnen nuckeln würden.
Verdötscht
Eine „Dötsch“ ist eine Beule. Folglich ist „verdötscht“ verbeult – auch in geistiger Hinsicht. Wenn der Kölsche zu jemanden sagt „Do bes verdötscht“ dann meint er – nicht ganz ernst – „Du bist bekloppt.“.
Als „Ne Verdötschte“ machte sich Karl Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen auch über die Nazis lustig.
Vollüül
„Voll wie ´n Üül“ – also ein betrunkener Mensch. Dabei ist ungeklärt, wieso hier gerade Bezug auf eine Eule „Üül“ genommen wird. Ich habe noch nie eine besoffene Eule gesehen.
Wannläpper / Wennläpper / Wängläpper
Die Wannläpper waren Wanderarbeiter. Ähnlich wie die Kesselflicker flickten diese die „Wannen“ der Bauern: Aus Korb geflochtene Behältnisse, mit denen nach dem Dreschen die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Diese Wanderarbeiter waren wohl eher raue, einfache Kerle und wurden als unehrlich und streitlustig angesehen. Folglich war „Die zänke wie die Wannläpper“ durchaus abwertend gemeint. Übrigens: Das Wort „Wanne“ stammt vom lateinischen vannus ab. Dieser Begriff hat als Bezeichnung für ein Behältnis überdauert – heute ist damit in der Regel in die Badewanne gemeint.
Rote Funken beim „wibbeln“, Bild: Uli Kievernagel
Wibbelstätz
Wenn die großen Traditionscorps wie z.B. die Roten Funken ihren Traditionstanz „Stippeföttche“ aufführen, dann wibbeln diese. Dabei stellen sich jeweils zwei dieser gestandenen Herren Rücken an Rücken auf und reiben die Hintern aneinander. „Wibbeln“ kann mal also mit „hin und her rutschen“ übersetzen. Der Wibbelstätz ist dementsprechend ein unruhiger Mensch, ein Zappelphlilip.
Windbüggel
Viel drum herum und wenig drin – ein Windbeutel halt. Jemand, der sich genauso aufgeblasen gibt wie das gleichnamige Gebäck, dabei aber wenig Substanz hat.
Der Schäl, ein listiges Schlitzohr, Bild: Hänneschen-Theater
Heute geht es in der Reihe „Kölsche Schimpfwörter“ um alles zwischen Nöll und Sackjeseech. Alle Teile der Serie findet ihr hier: Kölsche Schimpfwörter.
Nöll
Bitte nicht verwechseln: „Nöll“ ist sowohl die kölsche Bezeichnung für den Vornamen Arnold und gleichzeitig auch ein Wort für Nase. Wenn ein Mensch über eine besonders große Nase verfügt, wird er Nöll gerufen. Spannend wäre es, einen Arnold mit einer ganz besonders großen Nase zu treffen.
Nöttelefönes
Ein kleinlicher Mensch, der an allem rumnörgelt. Das entsprechende Adjektiv lautet nöttelich.
Der Neumarkt – eine verkehrsumtoste Insel in der Stadt, Bild: Raimond Spekking
Nümaatskraat
Mit „Nümaat“ ist der Kölner Neumarkt gemeint. Mit „Krat“, „Kraat“ oder „Krad“ bezeichnet der Kölner eine Kröte. Der Nümmaatskraat ist ein Mensch, der sich (bevorzugt am Neumarkt) herumtreibt um zwielichtigen Geschäften nachzugehen. Eng verwandt sind die Begriffe „Nümaatsbroder“ für einen faulen, arbeitsscheuen Menschen und „Nümaatsflitsche“ für eine Umhertreiberin.
„Su e Bützche vun ´nem Nützche,
Jung dat schmeck wie Appeltaat“
Das hier beschriebene Nützje ist ein attraktives Mädchen. Insofern taugt Nützje nur bedingt als Schimpfwort.
Ömstandskriemer
Und wieder wartest du weitere zehn Minuten, weil sich der Ömstandskriemer mal wieder nicht entscheiden kann, ob er mit oder ohne Regenschirm rausgeht. Es geht also um jemand, der um alles Umstände macht, der kompliziert ist. Ein Umstandskrämer halt.
Ein Pattevugel ist eigentlich ein Papierdrachen. Bild: Ecinazuz, Pixabay
Pattevugel
Ein (Papier-)Drache ist ein Pattevugel. Und wenn ein Mensch, ähnlich wie ein Drachen, mit weiten Gewändern hereinschneit, (das betrifft gerne ältere Tanten) wird auch dieser zu einem Pattevugel.
Peffernas
Menschen, die sich für etwas Besseres halten, nennt der Kölner „Pfeffernase“. Das gilt natürlich ganz besonders für die Menschen in dem Dorf mit D, nördlich von Köln.
Pimock
Ein eigentlich abwertend gemeinter Ausdruck für Ausländer oder Fremde. So wurden im Rheinland die Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg „Pimocke“ genannt. Doch – ähnlich wie beim Begriff „Krade“ scheint sich die Bewertung zu drehen.
So lautet eine Zeile der kölschen Hymne „Unser Stammbaum“ „Un ich wor ne Pimock, hück laach ich met üch met.“
„De Plaat“: Jürgen Zeltinger, Bild: Raimond Spekking
Plaatekopp
Eher ein Zustand als Schimpfwort. Die „Plaat“ beschreibt eine Glatze. Folglich ist ein Plaatekopp jemand ohne Haare. Köln berühmteste (und zeitweilig auch berüchtigste) „Plaat“ war Jürgen Zeltinger, Schöpfer so schöner Lieder wie „Asi mit Niwoh“ oder „Mallorca, Sommer, Sonne, Herzinfarkt“.
Plackfissel
Mit „Plack“ sind Ausschlag, Schorf oder sonstige Hautunreinheiten, z.B. Herpes, gemeint. Das Wort hat eine Renaissance durch die Jugendsprache erfahren. Der Ausdruck „Da krieg ich Plack von.“ steht für Ekel und Abscheu. Der Begriff Plackfissel wird übergreifender verwendet und steht für einen ungepflegten, ungewaschenen Menschen.
Der Büttenredner, Moderator und Komiker Guido Cantz aus Porz redet schnell und viel – er ist eine echte „Sabbelschnüss“. Bild: Superbass, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Sabbelschnüss
Die „Schnüss“ ist der Mund. Und jemand, dessen Mund nie stillsteht, ist eine „Sabbelschnüss“ oder auch ein „Sabbelkopp“.
Sackjeseech
Eines meiner Lieblingsschimpfwörter. Hier passt alles rein. Ein „Sackgesicht“ kann ein hässlicher, ein unangenehmer, ein missgünstiger oder ein einfach ein widerlicher Mensch sein. Das Wort passt immer.
Eine wunderbare Umschreibung dieses Typs Mensch liefert Gerd Köster mit seinem Song „Sackjeseech“. Besonders schön ist der Plural in der dritten Strophe:
„Un ding Frau es och e Sackjeseech,
un ding Kinder sin och Sackjeseechtere.“
Schäl
Damit ist „schielen“ gemeint. Gleichzeitig bedeutet der Ausdruck aber auch „falsch“ oder „unredlich“. Und das trifft auf einen der Protagonisten im Hänneschen Theater zu: Der „Schäl“ schielt, ist oft hinterhältig und versucht andere zu seinem eigenen Vorteil zu hintergehen.
Gesungen klingen diese Wörter übrigens noch besser. Hört mal rein in den „Kölschen Explezeer“ von Toni Steingass.
Kniesbüggel
Ein Geizhals. Der Begriff „Knies“ beschreibt eigentlich Dreck. Der Begriff stammt von ungepflegten, dreckigen Menschen, die zu geizig waren, Geld für ihre Sauberkeit auszugeben. Wird heute aber nur noch für geizige Menschen verwendet. Daher stammt auch das Wort „kniestich“ für geizig.
Klüttebuur
Die Klütte ist ein Stück gepresste Kohle, besser bekannt als Brikett. Der „Buur“ ist eigentlich ein Bauer. Gemeint ist hier aber der Torfstecher. Da diese Arbeit eher körperlich als geistig anstrengend ist, wird mit Klüttebuur ein einfältiger Mensch bezeichnet.
Knubbelfutz
Ähnlich wie „Föttche aan d´r Äd“ handelt es sich bei dem Knubbelfutz um eine kleine, oft gedrungene Person. Allerdings kann, insbesondere bei Kleinkindern, der Begriff auch verniedlichend angewendet werden: „Luur ens, es dat nit en klein Knubbelfutz.“
Knüselskopp
Ein knüselicher Mensch ist ein dreckiger, ungepflegter Zeitgenosse. Knüsel beschreibt, genau wie Knies, klebrigen Dreck. Wird gerne auch als Schimpfwort in der Form „knüsselije Pitter“ verwendet, egal, ob die damit bezeichnete Person tatsächlich Pitter (also Peter) heißt oder nicht.
Kötter
Wenn der Kölsche „köttet“, dann bittet er jemanden um etwas. Somit ist kötten eigentlich ein Begriff für betteln, allerdings ein etwas feinerer Begriff. Die einhellige Meinung der Kölschen in meiner Nachbarschaft: Wer köttet, der ist nicht so penetrant.
Kotzkümpsche
… ist die fast schon niedliche kölsche Umschreibung eines echten Kotzbrockens.
Eines der vielschichtigsten kölschen Schimpfwörter. Das Kölsch-Lexikon der Akademie för uns kölsche Sproch übersetzt das Wort mit „Kradepack“ kurz und knapp mit „Pöbel“. Im Wrede (das renommierte Kölsch-Lexikon) ist Krad auch ein Schimpfwort. Allerdings hat sich Bedeutung heute geändert, wie auch meine nicht repräsentative Thekenumfrage ergeben hat.
Krönzel, oder Knurschele, Bild: Annamartha / pixelio
Krönzel
Eine Krönzel ist eigentlich eine Stachelbeere. Als Schimpfwort verwendet ist eine zimperliche Person gemeint, also eine Zimperliese oder Mimose.
Kühmbroder
Der „Kühmebroder“ ist den ganzen Tag nur am jammern und beschwert sich über Gott und die Welt. Das Wort „kühmen“ bedeutet eigentlich „seufzen“. Daher kann sich bildhaft vorstellen, wie der Kühmbroder immer und zu jeder Gelegenheit laut kühmt „Nä – fröher wor alles besser.“
Külkopp oder Küleskopp
Külkopp ist eine Kaulquappe. Und diese zeichnet sich durch einen überdimensionierten Kopf aus. Übertragen auf den Menschen ist der Külkopp ein eigensinniger Dickkopf.
Labberitz
Ein Dummkopf und törichter Mensch. Adam Wrede bezieht sich hier auf die Körperhaltung des Beschimpften: „Schelte auf einen lang aufgeschlossenen Menschen mit schlaffem, schlodderigen Gang und lässigfer Haltung.“
Labbes
In der Regel als „Lange Labbes“ verwendet, bezeichnet Labbes eine einfältige Person, die eher schlicht im Kopf ist.
Lällbeck
Dieses schöne Wort wird heute leider nicht mehr so oft verwendet. Gemeint ist jemand, der zwar keine Ahnung hat, aber trotzdem mitreden will. Ein anderes, gängigeres kölsches Wort für solche Menschen ist „Schwaadlappe“
Lötschendötsch
Das Lieblingsschimpfwort von Schwester Antonia. In der hochdeutschen Übersetzung könnte man „Blödmann“ oder „Dummkopf“ sagen. Allerdings, so Schwester Antonia, hat Lötschendötsch „in seiner kölschen Form noch einen sympathisch-liebkosenden Unterton und lässt den Angesprochenen nicht verzweifelt zurück.“
Lotterbov
Wer in den Tag rein lebt und zu Streichen aufgelegt ist, ist ein Lotterbov – ein eher liebenswürdiger Taugenichts.
Nach dem Krieg wurde mit Zigaretten gemaggelt, Bild: Bundesarchiv / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Maggeler
Mit „maggeln“ beschreibt der Kölner die Fähigkeit, zumeist illegale Geschäfte abzuwickeln. Somit haftet „maggeln“ in Köln etwas illegales an. Dabei stammt das Wort von „makeln“ ab und meint somit „vermitteln“ bzw. „Geschäfte vermitteln“. Also eine durchaus legale Tätigkeit. Für den Kölschen aber ist die Sachlage eindeutig: Der Makler als Vermittler von Geschäften ist ein ordnungsgemäßer Händler, der „Maggeler“ hingegen ist der Schwarzhändler.
Möhn
Ursprünglich ist die „Möhn“ die Tante mütterlicherseits. Der Begriff leitet sich von „Muhme“ (Mutterschwester) ab. Heute werden als „ahl Möhn“ alte Frauen bezeichnet.
Der Geizige rafft alles für sich und will nichts abgeben, Bild: Allegorie des Geizes (Jakob Matham, ca. 1587), public domain, via Wikimedia Commons
Mömmesfresser
Etwas eklig: Dem Mömmesfresser wird nachgesagt, dass er so geizig ist, dass er lieber seine eigene Mömmesse (Popel) isst als sich etwas zu gönnen. Ein Geizhals also.
Möpp
Eine Schimpfwort-Allzweckwaffe. Mit „Möpp“ wird ein Hund bezeichnet, als „fiese Möpp“ kann man alles und jeden bezeichnen, der einem nicht gefällt.
Muuzepuckel oder Mutzepuckel
Du willst feiern – aber einer macht die ganze Stimmung kaputt. Der ist der Muuzepuckel, also ein Nörgler oder Zankteufel. Wenn jemand (ständig) schlecht gelaunt ist, dann ist diese Person muuzich und man will eigentlich nichts mit ihr zu tun haben.
Fünf Asse auf der Hand? Vorsicht, hier ist ein Fuuteler unterwegs!
Nachdem wir bereits die Schimpfwörter von Aaapefott bis Flabes kennengelernt haben, widmen wir uns heute den Föttchesföhlern, der Klävbotz und der Klaafschnüss. Alle Teile der Serie findet ihr hier: Kölsche Schimpfwörter.
Föttchesföhler
Eigentlich ein viel zu schönes Wort für eine sehr unappetitliche Sache. Es handelt sich hier um einen Grabscher, der gerne Frauen anpackt. Mit dem „Föttche“ ist der (weibliche) Po gemeint.
Föttche aan d´r Äd
Ein äußerst „sprechendes“ Schimpfwort: Das Föttche ist das Gesäß, die Äd ist die Erde. Folglich handelt es sich bei einer so bezeichneten Person um jemanden, der das Gesäß nah am Boden trägt, also klein ist.
Johann Arnold Klütsch, genannt „Fressklötsch„, um 1834, Portait von Simon Meister, aus dem Buch „Kölsche Originale“, Reinhold Louis, Greven Verlag Köln, 1985
Jemand, der regelmäßig zu viel isst, wird Fressklötsch genannt. Pate stand hier das Kölsche Original Johann Arnold Klütsch.
Fuuteler
Wenn jemand, in der Regel bei einem Spiel, betrügt oder mogelt, dann fuutelt er und ist somit ein Fuuteler.
Halvjehang
Wenn einem die Klamotten am Körper wie ein Sack herunterhängen und man den Eindruck hat, die Person hat schon einmal halb am Galgen gehangen, dann handelt es um en Halfjehang.
Nette Ganoven: Die ehemalige kölsche Band Hanak, Bild: HANAK, https://www.hanak-live.de/
Hanak
Ein Hanak ist liebevoll gemeint ein Spitzbube. Es kann sich aber auch, je nach Zusammenhang, um einen Gauner handeln. Die kölsche Band Hanak orientierte sich eher an der ersteren Variante. Nette Halunken halt.
Herringsbändijer
Wenn jemand es gerade mal schafft, einen Hering zu bändigen, dann handelt es sich um einen kraftlosen, antriebslosen Menschen.
Ein „Hipp“ ist eine Ziege – oder eine eher hagere und nicht wirklich attraktive Person, congerdesign, Pixabay
Hipp
„Hätt kromme Bein, die Hipp vüm Nüümaat
En Hokenas, en platte Hühnerbruss
Ich ben doch mindestens dubbelt esu schön wie dat“
so lautet es in dem Lied „Hipp vüm Nüümaat“ von Trude Herr. Und damit ist eigentlich fast alles gesagt. Tatsächlich ist „Hipp“ der Begriff für eine Ziege. Und die als „Hipp“ bezeichnete Frau ist eine eher hagere und nicht wirklich attraktive Person.
Huddeler
Wer „huddelt“ leistet nachlässige, unordentliche Arbeit.
Imi
Eigentlich kein Schimpfwort sondern eher eine Feststellung. Als „Imi“ werden in Köln alle Zugezogenen oder „unechten“ Kölner bezeichnet. Dabei stammt der Begriff nicht von Immigrant ab sondern von „imitiert“. Der Imi versucht also, den Kölner zu imitieren. Zuerst aufgetaucht ist dieser Begriff in dem Lied Sag´ens Blotwoosch von Gerd Jussenhoven:
„Sag´ens Blotwoosch, ich garranteeren der, wer nit richtig Blotwoosch sage kann, dat es ´ne Imi, ´ne Imi, ´ne Imi, ´ne imitierte Kölsche ganz gewess. ´ne Imi, ´ne Imi, ´ne imitierte Kölsche ganz gewess.“
Jööz
Besonders Kinder jööze, damit ist heulen gemeint. Ein Jööz ist demnach ein wehleidiger Mensch oder ein Jammerlappen.
Kabänes
Den Kabänes kann man trinken, dabei handelt es sich um einen Kräuterlikör mit immerhin 30% Alkohol. Als Schimpfwort geht es um einen großen, schweren und breiten Mann, ein “Kabänes vun enem Käl“
Kalventräjer
Der Kalventräjer trägt Kälver, also Kälber, zum Metzger – eine wenig glamouröse Tätigkeit. Folglich ist ein so bezeichneter Mensch eher unbedeutend.
Vor dem Ehrenfelder Neptunbad steht ein Brunnen mit einem „Kappesboor“, der auf einer mit Kohl gefüllten Kiste sitzt. Bild: Superbass, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kappesboor
Die Bauern, die rund um die Stadt viel Kappes (damit ist Kohl gemeint) in allen möglichen Sorten anbauten und in die Stadt zum Verkauf brachten, wurden zunächst als dörfische Tölpel missachtet. Das änderte sich mit den verschiedenen Stadterweiterungen. Denn auf einmal wurden viele Bauern dank ihrer ausgedehnten Ländereien, die jetzt zur Stadt gehörten, steinreich. Allerdings wussten viele dieser Menschen nicht, wie man sich „städtisch“ benimmt. Daher wurde „Kappesboor“ zum Schimpfwort.
Kesselflecker
Meine Oma sagte immer „Die han sich jezänk wie de Kesselflecker.“ Offensichtlich handelt es sich bei den Kesselflickern um streitbare Menschen. Dabei waren die Kesselflicker nur herumreisende Handwerker, die gegen geringen Lohn kaputte Kessel ausgebessert haben. Allerdings hielten die jeweils ortsansässigen Schmiede die Kesselflicker für Pfuscher. Vielleicht kommt daher auch die Geringschätzung.
Klaafmuul oder Klaafschnüss
Klar: Der Kölner redet gerne, erzählt viel, plaudert rum und tratscht. Diesen Vorgang nennt man „klaafe“. Aber irgendwann wird es auch dem tolerantesten Kölschen zu viel. Dann wird der, der zu viel labert als Kaafmuul oder Klaafschnüss bezeichnet.
Klävbotz
Er sitzt den ganzen Tag in der Kneipe, wie mit der Hose (die „Botz“) an seinem Stuhl festgeklebt. Und er will einfach nicht gehen, auch wenn der Wirt schon dreimal die letzte Runde eingeläutet hat.