Marie-Luise Nikuta: Die kölsche Motto-Queen

Marie Luise Nikuta auf der Bühne zur ColognePride 2006, Bild: Raimond Spekking
Marie Luise Nikuta auf der Bühne zur ColognePride 2006, Bild: Raimond Spekking

Podcast Nikuta 8

 

Es war jedes Jahr eines der Rituale des kölschen Fasteleers: Das Festkomitee gab immer an Veilchendienstag das Sessionsmotto für die kommende Session bekannt. Und knapp eine Stunde später hörte man eine gut gelaunte Marie-Luise Nikuta via Telefon im Radio das entsprechende Sessionslied trällern. So schnell wie die „Motto-Queen“ war sonst niemand.

Seit 1977 komponierte und textete „die Nikuta“ in Windeseile unvergessene Mottolieder, darunter zum Beispiel „E paar Grosche för Ies“, den „Straßenbahn Song: Weißte wat, m´r fahre met d´r Stroßebahn noh Hus“ oder auch „Hokus, Pokus, Kölsche Zauberei“. Kritiker warfen ihr vor, rein oberflächliche Stimmungslieder zu singen. Und tatsächlich sind viele ihrer insgesamt 160 Karnevalslieder, wie zum Beispiel „Kölle loss jonn“ mit den Textzeilen

„Kumm loss mer laache,
jet Freud uns mache,
kumm loss mer singe,
kumm loss mer springe,
kumm loss mer fiere,
uns amüsiere
denn Fasteovend is e härrlisch Fess.“

keine wirklich tiefgründigen Lieder, aber mit eingängigen Melodien und nie anzüglich. Dieser zweifelhafte Ruhm gebührt anderen Karnevalsgrößen.1So zum Beispiel der Herrensitzungs-Schenkelklopfer des Eilemann-Trios „Wir steigen auf das Matterhorn – mal von hinten, mal von vorn…“

Erfolgreich im von Männern dominierten Karneval

Marie-Luise Nikuta wor en esch kölsch Mädchen: Geboren am 25. Juli 1938 in Nippes hatte sie schon als Kind Klavierunterricht. Ihr erster Auftritt, gemeinsam mit einem Kinderchor, war auf einer Karnevalssitzung im Williamsbau.

Die Familie blieb bis 1944 in Köln, erst dann flüchtete man aus der fast völlig zerstörten Stadt nach Overath. Dort hielten es die Familie, neben Vater und Mutter gab es noch eine Schwester, aber nicht lange aus. Direkt nach dem Kriegsende ging es zurück nach Nippes.

1968 startet ihre Fastelovends-Karriere mit einem Auftritt beim Literarischen Komitee. Neben dem Karneval arbeitete sie bis zur Geburt ihrer Tochter als Versicherungskauffrau bei Gerling. Ihre große Stütze, Förderer und die Liebe ihres Lebens war ihr Mann Willi. Seit 1960 waren die beiden ein Paar. Er spornt sie an und hält ihr den Rücken frei. So singt sie auf der Bühne im Gürzenich, und hinter der Bühne wechselt Willi die Windeln der gemeinsamen Tochter Andrea.  „Er hat mich unterstützt. Das war wichtig. Ich war ja eine der ganz wenigen Frauen im von Männern dominierten Karneval. Manche haben uns belächelt. Es gab sogar ein paar Machos, die tönten, dass sie sowas in ihrer Ehe nicht tolerieren würden.“ so Marie-Luise Nikuta in einem Interview mit dem Express.

Die Zeiten für Künstlerinnen im Karneval waren hart und sind es heute noch. Männliche Kollegen spotten über die mit roten Haaren und im Köbes-Kostüm auftretende Nikuta. Doch ihr Erfolg spricht für sich. Auch das Festkomitee erkennt dies zwar spät, aber immerhin an: „Sie hat den Karneval – in einer Zeit, als das noch lange nicht selbstverständlich war – weiblicher gemacht. Sie hat die Bühnen der Stadt gegen manch damalige männliche Widerstände erobert.“ so Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn im Februar 2020. Das war allerdings bereits nach dem Tod von Marie-Luise Nikuta.

Ein Star in der LGBT-Community

Ein ganz besonderes Verhältnis hatte Marie-Luise Nikuta zur LGBT-Community2Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender in Köln. Als eine der wenigen Künstler*innen aus der Karnevalszene trat sie regelmäßig bei schwul-lesbischen Veranstaltungen auf. Und dazu kam es eher zufällig. Sie hatte eine Buchung für eine Veranstaltung in der Altstadt. Nikuta dazu „Als ich da ankam, waren nur Männer da. Ich habe mir da erst einmal gar nichts bei gedacht. Und dann fragte mich jemand, ob ich ein Problem damit hätte, hier aufzutreten – warum sollte ich? Erst da hab‘ ich verstanden, wo ich damals war.“ Die konservativen Karnevalisten sind entsetzt, doch Marie-Luise steht zu ihrer Fangemeinde: „Natürlich bin ich weiter da aufgetreten. Die Stimmung war immer sensationell.“

Maria Luise Nikuta auf einem Paradewagen in der CSD-Parade 2009, Bild: Raimond Spekking
Maria Luise Nikuta auf einem Paradewagen in der CSD-Parade 2009, Bild: Raimond Spekking
Tod ausgerechnet an Karnevalsdienstag – dem „Motto-Tag“

Zur Zäsur im Leben von Marie-Luise Nikuta wird der 18. Dezember 2013. Anfänglich eher harmlose Kopfschmerzen entpuppen sich als Schlaganfall. Noch am gleichen Tag wird sie operiert. Ihr offizieller Rückzug von der Bühne findet bei der Sessionseröffnung am Elften im Elften 2014 statt. 

Ausgerechnet an „ihrem Motto-Tag“ – Karnevalsdienstag 2020 – stirbt Marie-Luise Nikuta im Alter von 81 Jahren. Und wieder werden an diesem Tag ihr zu Ehren im Radio und in den Kneipen die Lieder der Mottoqueen gespielt, wie schon seit 1977.    


Die Nikutas waren trotz der Prominenz ganz bodenständig , wie mir Bäätes geschrieben hat:
„Lieber Uli,
eine Zeitlang habe ich in Mauenheim gearbeitet, wo Frau Nikuta mit ihrem Mann wohnte. Völlig normale Lück. 
Bäätes“


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Die Heilige Ursula, Teil II: Der Reliquienkult wird für die Kölner zum guten Geschäft

Eine Ursulabüste mit Schauöffnung. Die Büsten sind hohl, der Deckel in Form des Kopfes kann abgenommen werden. Gefüllt werden die Büsten mit einem Schädel oder anderen Knochen, Bild: Raimond Spekking
Eine Ursulabüste mit Schauöffnung. Die Büsten sind hohl, der Deckel in Form des Kopfes kann abgenommen werden. Gefüllt werden die Büsten mit einem Schädel oder anderen Knochen, Bild: Raimond Spekking

Podcast Ursuala II, 25

Letzte Woche hatte ich euch von der Legende um die Heilige Ursula und ihren 11.000 Jungfrauen berichtet. Heute geht es darum, wie aus dieser Legende ein lukratives Geschäft mit Reliquien wurde.

Dank der 11.000 Jungfrauen waren ja tatsächlich theoretisch genug Knochen da, welche der Kölner in nette Schachteln verpacken und als Reliquien verkaufen konnte1Zur Erinnerung: Die Kirche hatte das Geschäft mit den Reliquien verboten. Aber der findige Kölner hatte auch dafür eine Lösung: Verkauft wurden nicht die Reliquien selber sondern die hübschen Kisten und Schachteln drumherum..

Es blieb aber ein praktisches Problem: Woher sollte man die Knochen nehmen? Wie gut, dass es direkt außerhalb der Stadtmauer ein altes römisches Gräberfeld und somit genug Nachschub an Knochen gab. Dieses Gräberfeld wurde kurzerhand zur Ruhstätte der 11.000 Jungfrauen erklärt. Und fertig – das Geschäft konnte anlaufen.

Römisches Gräberfeld wird geplündert

Die Menge an Knochen war so gewaltig, dass diese nicht nur als Reliquien verkauft, sondern auch als Zierrat verwendet wurden. Bestes Beispiel dafür ist die „Goldene Kammer“ in St. Ursula. In einer Seitenkapelle der Kirche sind die Wände meterhoch mit Knochen verziert. Dort finden sich Ornamente aus Hüften und Rippen, Muster aus Oberschenkelknochen und eine aus Knochen geformte Inschrift: „S. Ursula pro nobis ora“ – „Heilige Ursula, bitte für uns“. Unzählige Kopfreliquiare, die echte menschliche Schädel beinhalten, stehen sauber aufgereiht in den Regalen, gleich neben hunderten in Seidenpapier eingepackten Schädeln.

Wenn ich mit Gruppen im Rahmen der Lotsentour Innenstadt die Goldene Kammer besuche, herrscht zunächst immer Schweigen, und dann kommt unweigerlich die Frage: „Ist das alles echt?“. Ja, ist es. Das sind alles menschliche Knochen, zum größten Teil von dem geplünderten römischen Gräberfeld. In der Kammer und in der Kirche stehen auch noch große Sarkophage – bis zum Rand gefüllt mit Knochen. Immerhin waren es ja 11.000 Jungfrauen, deren Knochen untergebracht werden mussten.

Aus 11 werden 11.000

Weder für die Legende der Heiligen Ursula noch für die Zahl 11.000 Jungfrauen gibt es historische Belege. In der Kirche St. Ursula selber findet sich eine eingemauerte Inschrift aus dem 4. oder 5. Jahrhundert:

Die Inschrift des Clematius in St. Ursula, Bild: Raimond Spekking
Die Inschrift des Clematius in St. Ursula, Bild: Raimond Spekking

Diese „Inschrift des Clematius“ kann als Ursprung der Ursula-Legende angesehen werden. Dort steht (deutsche Übersetzung):
„Durch göttliche Flammenvisionen häufig ermahnt und durch die sehr große Kraft der Majestät des Martyriums der himmlischen Jungfrauen, die erschienen, aus der östlichen Reichshälfte herbeigeholt, (hat), nach Gelübde, Clematius, im Senatorenrang, auf eigene Kosten, auf seinem Boden, diese Basilika, wie es nach seinen Gelübde schuldete, von den Fundamenten erneuert. Wenn jemand aber unter der so großen Majestät dieser Basilika, wo die heiligen Jungfrauen für den Namen Christi ihr Blut vergossen haben, irgend jemandes Leichnam bestattet, mit Ausnahme der Jungfrauen, so wisse er, daß er mit ewigen Höllenfeuern bestraft wird.”

Aufmerksame Leser werden feststellen, dass in dieser Inschrift keine Rede von 11.000 Jungfrauen ist. Diese, für das Reliquiengeschäft ungemein praktische, Zahl basiert vermutlich auf einem gewollten Lesefehler. In älteren Dokumenten findet sich zu der Ursula-Legende die Angabe „X I M V“.

Liest man dies als „XI MV“ kann es als „11 M(artyres) V(irgines)“, also „Elf jungfräuliche Märtyrerinnen“ verstanden werden. Weil dies aber schlecht für das Geschäft gewesen wäre,  interpretierten die Kölner die Inschrift als „XIM V“. Und flott werden  das somit „11 M(ilia) V(irgines)“, also „11.000 Jungfrauen“.

Das Kölner Wappen mit den Kronen der Heiligen Drei Könige und den elf Hermelinschwänzen. Bild: Stadt Köln
Das Kölner Wappen mit den Kronen der Heiligen Drei Könige und den elf Hermelinschwänzen. Bild: Stadt Köln

Keine Tränen, keine Flammen sondern Hermelinschwänze

Dank ihres Martyriums und der damit verbunden Rettung Kölns hat es Ursula als Stadtpatronin bis auf das Stadtwappen geschafft. Zusammen mit den drei Kronen, welche die Heiligen Drei Könige symbolisieren, finden sich dort elf oft fälschlich als Tränen oder Flammen bezeichnete Symbole. Allerdings handelt es sich hier um Hermelinschwänze. Diese stammen ursprünglich aus dem Wappen der Bretagne und erinnern an Ursula und ihre 11.000 Begleiterinnen.


Hinter der schillernden Legende von Ursula wird ein anderer Stadtpatron oft vergessen: Der „Kriesgdienstverweigerer“ Gereon.


Der Name der Jungferninseln bezieht sich auf Ursula und die Jungfrauen

Kein geringerer als Christoph Kolumbus hat zur Ehre der Elftausend Jungfrauen die Jungferninseln in der Karibik nach Ihnen benannt: Santa Ursula, Once Mil Virgines, Archipiélago de las Vírgenes (Sankt Ursula, Elftausend Jungfrauen, Archipel der Jungfrauen). Noch heute zeigt das Wappen die Heilige Ursula. Ein großes DANKE an meinen treuen Leser Heinz Peter für diesen Hinweis.

Das Wappen der Britischen Jungferninseln Bild: Tobias Jakobs, CC0, via Wikimedia Commons
Das Wappen der Britischen Jungferninseln
Bild: Tobias Jakobs, CC0, via Wikimedia Commons

Ferdinand Magellan nannte das Kap am Eingang der Magellanstraße „Cabo Virgenes“ (Kap der Jungfrauen). da er es am 21. Oktober 1520, dem Ursula-Gedenktag, entdeckte.


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Der Frauenbrunnen: 2000 Jahre Kölner Frauen im Wandel der Zeit

Der Frauenbrunnen am Farina-Haus, Bild: Uli Kievernagel
Der Frauenbrunnen am Farina-Haus, Bild: Uli Kievernagel

Egal, ob als Marketing-Fachfrau, Tennis-Star, Umweltschützerin, Nonne oder Schauspielerin:  In Köln lebten und leben starke Frauen. Ganz plastisch gezeigt wird das im Innenhof des Farina-Hauses mitten in der Innenstadt am Frauenbrunnen.

Der offizielle Name dieses Brunnens lautet „Frauen im Wandel der Zeit“. Dargestellt werden zehn Frauen in jeweilig typischen Gewändern. Jede steht dabei für eine Epoche in der Stadtgeschichte. 

Nur durch diese, hier am Beispiel der Frauen gezeigte ständige Veränderung konnte unsere Stadt zu dem werden, was sie heute ist.


Die Ubierin, Bild: Uli Kievernagel
Die Ubierin, Bild: Uli Kievernagel

Ubierin (50 n. Chr.)

Die ersten Kölschen Frauen waren Ubierinnen. Dieser ursprünglich auf der „Schäl Sick“, der rechten Rheinseite, beheimatete Germanenstamm wurde von den Römern um 20/19 v. Chr. auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde „Oppidum Ubiorum“, also „Siedlung der Ubier“ genannt.


 

Die Römerin, Bild: Uli Kievernagel
Die Römerin, Bild: Uli Kievernagel

Römerin (50 n. Chr.)

Mit den Römern kam der Aufschwung an den Rhein. Eine – nicht ganz unumstrittene – Dame spielte dabei eine besondere Rolle: Agrippina, Nichte und gleichzeitig Gattin von Kaiser Claudius, sorgte dafür, dass Köln die Rechte einer Kolonie bekam. CCAA – Colonia Claudia Ara Agrippinensium entstand.


Die Fränkin, Bild: Uli Kievernagel
Die Fränkin, Bild: Uli Kievernagel

Fränkin (um 400)

Etwa 455 eroberten die Franken die damals wichtigste Stadt nördlich der Alpen. Damit endete die römische Herrschaft über Köln. In der Stadt lebten damals Franken, andere Germanen und auch Römer gemeinsam.


Die Heilige Ursula, Bild: Uli Kievernagel
Die Heilige Ursula, Bild: Uli Kievernagel

Die heilige Ursula

Sie ist nicht nur Schutzpatronin der Stadt, sondern auch Basis der Legende um die 11.000 Jungfrauen und dem damit verbundenen Reliquienkult. Ihre Darstellung auf dem Brunnen zeigt auch fünf dieser Jungfrauen. Die Legende besagt, dass Ursula eine Prinzessin aus der Bretagne war. Übrigens: Die elf als Tropfen, Flammen oder Tränen bezeichneten Elemente unseres Stadtwappens stellen tatsächlich Hermelinschwänze dar, die sich auf dem alten Wappen der Bretagne befanden.


Die Kölnerin um das Jahr 1400, Bild: Uli Kievernagel
Die Kölnerin um das Jahr 1400, Bild: Uli Kievernagel

Frau aus dem Mittelalter (um 1400)

Köln, als größte Stadt des Heiligen Römischen Reichs, hatte etwa 40.000 Einwohner. Der Gürzenich und der Rathausturm werden gebaut. In der Freien Reichsstadt genießen Frauen eine größere Freiheit als in jeder anderen Stadt. Sie gründen eigene Zünfte z.B. die Zunft der Garnmacherinnen, Seidenmacherinnen und Goldspinnerinnen.


Die Jüdin, Bild: Uli Kievernagel
Die Jüdin, Bild: Uli Kievernagel

Jüdin (1424)

Die jüdische Gemeinde Kölns war die die älteste jüdische Gemeinschaft nördlich der Alpen. Der Frauenbrunnen befindet sich fast mitten im alten jüdischen Viertel. Im Jahr 1424 werden die Juden aus Köln vertrieben.


Die Niederländerin, Bild: Uli Kievernagel
Die Niederländerin, Bild: Uli Kievernagel

Niederländerin (um 1600)

Insbesondere durch den Rhein als Handelsweg bestehen enge Bindungen zu den Niederlanden. Köln wird der Marktplatz für z.B. Heringe und Muscheln aus der Nordsee. In umgekehrter Richtung wird insbesondere viel Wein verschifft. Der Geusenfriedhof ist nach niederländischen Glaubensflüchtlingen benannt.


Die Italienerin, Bild: Uli Kievernagel
Die Italienerin, Bild: Uli Kievernagel

Italienerin (18. Jahrhundert)

Der Erfinder des „Eau de Cologne“ war der Italiener Johann Maria Farina. Der Brunnen steht inmitten des ehemaligen Farina-Fabrikgeländes.


Preußin (1832)

Die Preussin, Bild: Uli Kievernagel
Die Preussin, Bild: Uli Kievernagel

Im Jahr 1814 besetzen die Preußen Köln. Keine besonders gute Zeit für Frauen in einer von säbelschwingenden Männern dominierten Welt. Wilhelm II. spricht den Frauen jegliche Bedeutung ab und sorgt ausdrücklich dafür, dass auf der Siegesallee im Berliner Tiergarten nur Statuen von Männern aufzustellen sind. Gut, dass hier in Köln auch an die preußischen Frauen gedacht wird.


Die moderne Kölnerin, Bild: Uli Kievernagel
Die moderne Kölnerin, Bild: Uli Kievernagel

Kölnerin (1987)

Die moderne Frau aus Köln zeigt sich auf dem Brunnen mit Kind.

 


Mehr als nur Darstellung der Bekleidung

Der Frauenbrunnen wurde von der Bildhauerin Anneliese Langenbach (1926-2008) geschaffen. Besonderen Wert bei der Gestaltung des Frauenbrunnens hat sie auf die Kleidung der Frauen gelegt, geleitet von der Kernfrage: Welche Kleider haben wohl die Frauen in den jeweiligen Epochen getragen?

Doch der Brunnen zeigt mehr als Kleider: Ronald Füllbrandt von den Kölschgängern verweist in seinen Betrachtungen des Frauenbrunnens ausdrücklich darauf: „Ja, Köln hatte schon immer starke und hübsche Frauen, darauf sollten wir stolz sein.“

Und damit hat Ronald recht!


Brunnen in Köln
Brunnen in Köln

Neben dem Frauenbrunnen haben wir auch andere Brunnen in Köln:


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Zu Unrecht (fast) vergessen: Die Frauenrechtlerin Else Falk

Else Falk hat diesen Aufruf für die Durchsetzung des Frauenwahlrechtes unterzeichnet, Bild: Raimond Spekking
Else Falk hat diesen Aufruf für die Durchsetzung des Frauenwahlrechtes unterzeichnet, Bild: Raimond Spekking

Die Frauenrechtlerin Else Falk wäre stolz gewesen: Die Stadt Köln vergibt seit 2020 den „Else-Falk-Preis“. Dieser Preis wird an Frauen, die in Köln „eine Vorbildfunktion erfüllen und durch ihr Engagement in herausragender Weise für Geschlechtergerechtigkeit gewirkt haben.“ verliehen. Ganz in der Tradition von Else Falk, die vor etwa 150 Jahren geboren wurde und wegweisende Projekte für Frauen in Köln initiiert hat.

Aktiv für Frauen und Mädchen

Else Falk wurde am 25. April 1872 als Else Wahl in Barmen geboren. 1898 zog sei mit ihrem Mann, dem Juristen Bernhard Falk, nach Köln. Genau wie zum Beispiel Marie Juchacz kämpft auch Else Falk für das Frauenwahlrecht. Sie engagiert sich bei verschiedenen Kölner Institutionen, und die Liste ihrer Tätigkeiten ist lang:

  • Schatzmeisterin der Kölner Nationalen Frauengemeinschaft,
  • Vorsitzende vom Stadtverband Kölner Frauenvereine,
  • Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Stadtverbände von Rheinland und Westfalen,
  • Vorsitzende des Kölner Vereins Fünfter Wohlfahrtsverband und Vorstandsmitglied des Landesverbandes,
  • Gründung und Leitung des Vereins Müttererholung und Mütterschulung,
  • Initiierung von vier Rentnerinnenheimen für durch Krieg und Inflation verarmte Frauen,
  • Begründung der städtischen Blindenbibliothek,
  • Mitwirkung im Vorstand der Kölner „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ (GEDOK).

Besonders beeindruckend war ihre pragmatische Art, einfach anzupacken. So richtetet sie 1918 die öffentliche Kölner Kriegsblindenbibliothek ein. Um den Bestand an Büchern zu vergrößern, stanzte sie mit einer Gruppe von Frauen Bücher in Brailleschrift aus. Ebenfalls leitete sie eine Schusterwerkstatt. Diese Werkstatt diente dazu, Kriegsinvaliden ein Einkommen zu sichern.

Notleidende Kinder unterstützte sie in der Vereinigung für Kinderspeisungen. Ihr Einsatz für verarmte Witwen führte zum Bau von Wohnungen für Kleinrentnerinnen. Ab etwa 1925 galt ihr Einsatz auch der Fürsorge berufstätiger Mütter. Sie gründete den Verein für Müttererholung und Mütterschulung, welcher speziell berufstätigen Frauen Mütterkuren ermöglichte. Auch die Errichtung der Riehler Heimstätten wurde durch Falk maßgeblich unterstützt.

Repressalien und Demütigungen durch die Nationalsozialisten

Bereits 1932 ahnte die Jüdin Else Falk, welche besorgniserregende Entwicklung von den Nationalsozialisten ausgeht. Sie gehörte zu den Mitunterzeichnerinnen eines Aufrufes der Kölner Frauenvereine gegen Hitlers Wahl zum Reichskanzler.

Else Falk wurde bereits im März 1933 gezwungen, vom Vorsitz des Stadtverbandes Kölner Frauenvereine zurückzutreten. Trotz der wachsenden Repressalien gegen Juden setze sich Else Falk im Rahmen der „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ (GEDOK) für die jüdischen Künstlerinnen ein, die aus dieser Vereinigung ausgeschlossen wurden.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen musste sie mehrfach in Köln umziehen. Bereits im Jahr 1933 hatte sie einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Ihrem Sohn Fritz, ein promovierter Jurist am Oberlandesgericht in Düsseldorf, wurde wegen seiner jüdischen Herkunft die Arbeitserlaubnis entzogen. Gedemütigt durch die Ausgrenzung beging er am 11. Dezember 1933 Selbstmord.

Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 wurde ihre Wohnung verwüstet. 1939 floh die Familie nach Belgien, Freunde beschützten sie in Brüssel vor den Nazis. Nachdem ihr Mann 1944 in Brüssel starb, folgte Else Falk ihrem Sohn Ernst, der sich in Sao Paolo niedergelassen hat. Else Falk starb 1956 im Alter von 83 Jahren in Brasilien.

Copyright: Ayla Gillessen
Copyright: Ayla Gillessen

Else-Falk-Preis

Seit 2020 verleiht die Stadt Köln alle zwei Jahre den Else-Falk-Preis. Ganz im Geist von Else Falk würdigt dieser Preis das außergewöhnliches Engagement von Frauen bei der Gleichstellung von Frauen und Männern oder Mädchen und Jungen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträgerinnen waren:

Frauke Mahr (2020)

Genau wie Else Falk ist Frauke Mahr aktiv und ganz pragmatisch für Frauen und Mädchen in Köln tätig. Sie gründete in Köln das erste Frauenhaus in Deutschland und hat das Projekt Edelgard ins Leben gerufen. Edelgard schützt Frauen und Mädchen. Sie finden bei Belästigung und akuter Bedrohung Orte, wo sie durchatmen und ihre nächsten Schritte planen können.

Behshid Najafi (2022)

Am 31. Mai 2022 verlieh die Stadt Köln Behshid Najafi den Else-Falk-Preis. Die Deutsch-Iranerin setzt sich seit Jahrzehnten für die Sichtbarmachung der komplexen Formen von Benachteiligungen migrierter und geflüchteter Frauen ein. Sie wurde ausgezeichnet für ihr außergewöhnliches Engagement im Bereich Frauenrechte und ihren Einsatz im Kampf gegen Sexismus und Rassismus in Köln.

Christiane Lehmann (2024)

Seit über 26 Jahren arbeitet die Tischlerin und Sozialarbeiterin Christiane Lehmann im Handwerkerinnenhaus Köln und hat maßgeblich zu dessen Ausbau und Erfolg beigetragen. Sie setzt ihre Energie dafür ein, die Angebote für Mädchen stetig zu erweitern und das Handwerkerinnenhaus zu einem Ort zu machen, an dem die jungen Frauen in ihrer Vielfalt wahrgenommen, gestärkt und unterstützt werden.


 

Starke Frauen aus Köln

Starke Frauen

Weitere Portraits wichtiger Frauen für Köln findet ihr in der Rubrik „Starke Frauen“.


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Mildred Scheel: Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe

Mildred Scheel, Bild: Bundesarchiv
Mildred Scheel, Bild: Bundesarchiv

Wann ist sie denn nun wirklich geboren? Der 31. Dezember stimmt. Aber welches Jahr?

Je nach Quelle wird der 31. Dezember 1931 oder der 31. Dezember 1932 als Geburtsdatum angegeben. Grund dieser Konfusion ist ein kurioser Fehler auf dem Kölner Standesamt: Der Standesbeamte war wohl bei der Eintragung wegen des gerade erfolgten Jahreswechsels verwirrt und hat das falsche Jahr eingetragen. Dieser Fehler wurde erst 1970 entdeckt, denn die Geburtsurkunde mit dem Ausstellungsdatum vom Januar 1932 konnte unmöglich eine Geburt vom Dezember 1932 bescheinigen. Ihre Tochter Cornelia Scheel schreibt in Ihrem Buch „Erinnerungen an meine Mutter“ dazu: „Fortan fand sich dieses Datum auf allen Papieren und Dokumenten wieder, und meine Mutter sah keinen Grund, daran zu zweifeln. … Meine Mutter war also bis zum Sommer 1970 sicher, dass sie zu diesem Zeitpunkt siebenunddreißig war, und sie tat einen Teufel, das jetzt noch richtigzustellen.“

Ein kölsches Mädchen

Mildred Scheel wurde als Mildred Wirtz in Köln-Ma­ri­en­burg geboren. Ihre Mutter war die gebürtige Amerikanerin Anna Elsie Brown, ihr Vater der Röntgenarzt Hans-Hu­bert Wirtz. Schon als Kind zeigte Mildred Interesse an der Medizin und begleitete ihren Vater oft in die Praxis. Wegen der zunehmenden Bombenangriffe verließ die Familie im Jahr 1944 Köln und zog in die Ober­pfalz, wo die Schwes­ter des Va­ters lebte. Eine glückliche Entscheidung, denn das Haus der Familie wurde bei einem Bombenangriff im März 1945 zerstört. Der weiterhin in Köln lebende Vater überlebte den Angriff in einem Luftschutzkeller.

Mild­red Wirtz studierte Medizin, promovierte und ab­sol­vier­te die Facharztausbil­dung als Röntgenolo­gin. Ihr Plan, die Praxis ihres Vaters zu übernehmen, scheiterte, da der Vater 1962 überraschend verstarb und die Praxis verkauft wurde. Mildred Scheel wurde schwanger und bekam 1963 ihre Tochter Cornelia. Der Vater war ein verheirateter Mann und Mildred wurde so zu einer alleinerziehenden Mutter. Und das in den 1960er Jahren. Eine Frau. Ohne Mann. Aber mit Kind. Einfach unerhört.

Ihr Geld verdiente sie als Ärztin in verschiedenen Kran­ken­häu­sern. Und das rettete dem späteren Außenminister und Bundespräsidenten Walter Scheel das Leben. Der Politiker erholte sich in einem Sanatorium in Bad Wiessee von einer Nierenoperation. Die als Urlaubsvertretung dort tätige Mildred Wirtz erkannte als einzige, dass nach einer Nierensteinoperation bei Walter Scheel Komplikationen auftraten. Die Ärztin und der Politiker wurden ein Paar und heirateten im Sommer 1969, kurz bevor Walter Schee­l im Herbst Au­ßen­mi­nis­ter und Vi­ze­kanz­ler un­ter Wil­ly Brandt wurde.

Mildred und Walter Scheel im Jahr 1976, Bild: Bundesarchiv
Mildred und Walter Scheel im Jahr 1976, Bild: Bundesarchiv

Mit den politischen Ämtern ihres Mannes veränderte sich das Leben von Mildred Scheel. Sie gab ihren Beruf als Ärztin auf und nahm zunehmend Re­prä­sen­ta­ti­ons­auf­ga­ben wahr. So ganz nebenbei absolvierte sie aber an der Bon­ner Uni­ver­si­täts­kli­nik ei­ne Aus­bil­dung zur Spe­zia­lis­tin für Mam­mo­gra­phie.

Mehr als nur „nebst Gattin“

Bis weit in die 1980er Jahre waren die Ehefrauen der Politiker nur das schmückende Beiwerk. „Petersilie“ nennt das die Bonner Gesellschaftskolumnistin Almut Metzner-Hauenschild. Die Politikerfrau als schmückende Beilage – mehr nicht. So auch die damals übliche Begrüßung „Wir begrüßen den Herrn Minister nebst Gattin“. Eine solche „nebst Gattin“ war Mildred Scheel sicherlich nicht. Sie hasste den Small Talk zu Lachshäppchen. 1974, Walter Scheel war gerade zum Bundespräsidenten gewählt, warnte Sie die Journalisten beim Einzug in die Villa Hammerschmidt: „Nennen Sie mich bloß nicht Landesmutter!“.

Mit der Familie Scheel zog auch die erste Patchworkfamilie in den Dienstsitz des Bundespräsidenten. Neben Cornelia Scheel hatte das Ehepaar noch die ge­mein­sa­me Toch­ter Gwen­d­o­lyn und den Adoptivsohn Si­mon Mar­tin, einen in­dia­ni­schen Wai­sen­jun­gen aus Bolivien.

Deutsche Krebshilfe e.V.

Ihre Popularität als First Lady nutzte Sie, um im September 1974 die Deut­sche Krebs­hil­fe zu gründen – eine Zeit, in der Krebserkrankungen oft noch tabuisiert wurden. Das Geld für die Krebshilfe sammelte sie persönlich und  regelmäßig bei Empfängen in der Villa Hammerschmidt. So wurden ausdrücklich spendierfreudige Wirtschaftsbosse eingeladen, um möglichst viele Spenden zu sammeln. Sie sprach diese Gäste persönlich an. Bei einem Staatsbesuch in Moskau bat sie Leonid Breschnew um unterschriebene Autogrammkarten, die später zugunsten der Krebshilfe versteigert wurden.

Ihre Arbeit für die Krebshilfe war erfolgreich. Nicht zuletzt auf Initiative der Krebshilfe gehören heute re­gel­mä­ßi­ge Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen zum Stan­dard.

Im Jahr 1984 wurde bei Mildred Scheel Darmkrebs diagnostiziert. Die Presse sollte von dieser Erkrankung nichts erfahren, daher wurde Sie als „Frau Meyer“ in der Kölner Uniklinik behandelt. Der Besuch kam über die Tiefgarage ins Krankenhaus, um die Diskretion zu wahren. Am 13. Mai 1985 starb Mild­red Scheel in Köln. Sie wurde in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof in Bonn bestattet.

Ihr Verdienst bleibt die Gründung der Deutschen Krebshilfe. Bis heute hat diese Stiftung weit mehr als zwei Milliarden Euro an Spenden eingenommen. Ohne Mildred Scheel wären Krebserkrankungen heute noch ein Tabu.


 

 


Mildred Scheel auf dem T-Shirt von Cornel Wachter, Bild: Cornel Wachter
Mildred Scheel auf dem T-Shirt von Cornel Wachter, Bild: Cornel Wachter

Cornel Wachter & Mildred Scheel

Das kölsche Allround-Talent Cornel Wachter hat eine ganz besondere Erinnerung an Mildred Scheel. Sein Vater Heinz Wachter war dort Oberarzt im Krankenhaus der Augustinerinnen – in der Südstadt, von den Kölnern liebevoll „Severinsklösterchen“ genannt. Heinz Wachter und Mildred Scheel kannten sich. Ihr Zitat

„Es sind nicht die großen Worte, die in der Gemeinschaft grundsätzliches bewegen: es sind die vielen kleinen Taten der Einzelnen“

zierte den Schreibtisch von Heinz Wachter.

Zu Verleihung des Ehrenamtspreises der Stadt Köln an Cornel Wachter im Jahr 2022 trug er zu Ehren von Mildred Scheel ein T-Shirt mit  ihrem Bild von Andy Warhol und genau diesem Zitat.


Rose "Mildred Scheel", Bild: Kurt Stüber, CC BY-SA 3.0
Rose „Mildred Scheel“, Bild: Kurt Stüber, CC BY-SA 3.0

Eine besondere Ehrung war, dass 1976 eine Rosensorte nach ihr benannt wurde. Die Rose „Mildred Scheel“ hat dunkelrote, sehr lange haltbare Blüten mit starkem Duft.


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Ein paar Fragen an die Macher des Düxer Bocks

Minimalistisches Design - großartiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Minimalistisches Design – großartiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

+++ UPDATE März 2022 +++

Caroline Hamacher-Linnenberg und Uli Linnenberg, die „Erfinder“ des Düxer Bock geben ihren Bock in gute Hände weiter:

Liebe Freunde,
das erste Fass unseres feinen Bockbiers haben wir vor 3 Jahren angeschlagen. Seitdem schmeckt der DÜXER BOCK immer mehr Fans im Umkreis unserer Heimatstadt. Für uns heißt das: „ZIEL ERREICHT“.
Logisch, dass der selbstbewusste Bock mit den Hufen scharrt, um Genießer in ganz Deutschland zu erobern.
Dafür übergeben wir den *DÜXER BOCK* und die *Brauerei AufRome1468* heute mit großer Überzeugung an Marian Krause und Laura-Marie Zöllter.
Sie sind leidenschaftliche Bar-Gastronomen mit Unternehmungsgeist. Aus Ihrer Erfolgsstory: Marian ist World Class Bartender of the Year 2015 und 2021 und Inhaber von „The Grid Bar“ in der Kölner Friesenstraße. Die Bar wurde 2021 als „Barteam“ und „Bar des Jahres Deutschlands“ ausgezeichnet.
Mehr über ihr KnowHow bei Premium-Getränken und ihre innovativen, erfolgreichen Projekte erfahrt ihr demnächst von Marian und Laura selbst.
Wir beide lehnen uns zurück. Danke euch allen für euer Interesse an unserem Bockbier und den Enthusiasmus seit dem ersten Schluck. Ihr habt uns stolz gemacht. Danke an alle, die mit uns teilen, dass die alte Liebesgeschichte um einen Ziegenbock in Köln-DÜX auch heute eine Erfolgsstory ist.
Marian und Laura, ihr werdet die Geschichte in dem Sinn weiterschreiben. Wir glauben an euren Erfolg!
Ein Hoch auf die Liebe
Uli Linnenberg & Caroline Hamacher-Linnenberg


Ein leises Zischen und die Flasche ist auf. Soeben hat Caroline Hamacher eine Flasche des „Düxer Bocks“ aufgemacht. Das bernsteinfarbene Bier fließt in das wunderschöne Glas, auf dem ganz dezent der Bock grüßt. Die ersten Schlücke sind herrlich: Ein vollmundiges, malziges Bier. Es schmeckt hervorragend.

Mir gegenüber sitzen die beiden Brauunternehmer Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg. Nach vielen Berufsjahren in der Werbung entschieden sich die beiden gegen den Ruhestand. Sie wollten es nochmal wissen und haben angefangen, Bier brauen zu lassen. In Köln. Ihre Brauerei AufRome produziert kein Kölsch sondern ein Bockbier, den Düxer Bock.

Bockbierbrauer in der Kölsch-Stadt: Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg, Bild: Hamacher-Linnenberg
Bockbier in der Kölsch-Stadt: Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg, Bild: Hamacher-Linnenberg

Schon ist mein Glas  leer, doch Ulrich Linnenberg schenkt nach. Mit dem Düxer Bock im Glas macht unser Gespräch noch mehr Spaß.

Es gibt doch schon so viele Kölschsorten. Warum braut ihr noch ein neues kölsches Bier?

Mehr Bockbier für die Stadt! Und wir wollten die Liebesgeschichte um den Düxer Bock bekannt machen.

Und warum habt gerade ihr angefangen, Bier unter die Menschen  zu bringen?

Wir sind beide passionierte Kölsch-Trinker. In und um Köln werden jährlich mehr als 1,7 Millionen Hektoliter Kölsch gebraut und getrunken. Und wir wollen zur Biervielfalt beitragen. Der Düxer Bock soll auch keine Alternative zum Kölsch sein, vielmehr eine Ergänzung. Neben Kölsch, Pils oder Weizen bietet der Düxer Bock eine weitere Geschmacksvariante an.

Schmeckt der Düxer Bock anders als normale Bockbiere?

Total anders. Unser „Bockbier für Rheinländer“ ist weniger bitter als übliche Bockbiere und hat ein feines Fruchtaroma. Durch verschiedene Malzsorten erhält es eine warme orangene Farbe und eine karamellige Note.

Bockbier ist immer so stark. Wird man davon nicht schon nach dem ersten Glas betrunken?

Nää! Unser Düxer Bock hat schließlich weniger Alkohol als Weißwein. Tatsächlich hat unser Bockbier einen Alkoholanteil von 6,9 % Vol. und ist damit zwar stärker als Kölsch mit 4,8 % aber leichter als andere Bockbiere, die bis zu zu 7,5 % Alkohol haben können.

Stimmt! Ich trinke mein zweites Glas aus und fühle mich nicht anders als nach zwei Kölsch. Fragend hebe ich den Blick – und Caroline schenkt noch einmal nach. Es wird Zeit für die „Kölschen Fragen“:

Welche kölsche Eigenschaften zeichnen euch aus?

Caroline : Mer laache jään.
Ulrich: Levve un levve looße.

Was würdet ihr morgen in unserer Stadt ändern?

Die KVB neu erfinden

Wenn nicht Köln – wo sonst könntet ihr leben?

In einer Stadt am Meer wie zum Beispiel Lissabon, aber nach drei Monaten wollen wir zurück zum Dom.

Wo ist euer Lieblingsplatz in Köln?

Caroline: Ganz klar im Stadtwald.
Ulrich: D’r Rhing erop un d’r Rhing erav, links wie räächs.

Was macht ihr zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Singen, kostümieren, Uniform anziehen, im Zug mitgehen, schunkeln, Kölsch trinken. Fisch essen. 

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Alles außer Karneval

Wenn wir 10.000 Euro für etwas spenden würde, ginge unser Geld an …

Jutta’s Suppenküche am Dom

Wodrüber laachs de dich kapott?

Caroline: Opjeblosene Fastelovends-Offizielle
Ulrich: mich selvs 

Euer kölsches Lieblingsessen?

Der Halve Hahn. Röggelchen, Butter, mittelalter Gouda, weiße Zwiebeln, Senf. Er wird leider kaum noch so klassisch serviert.

Eure Lieblingskneipe?

Da gibt es verschiedene Junkersdorfer Wohnzimmer… Mer weiß wä do es, wat et jitt un wer kütt us d’r Nohberschaff. Un mer kann zo Fooss noh Hus jonn.

Nennt einen Grunde, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Sommerkarneval

Euer Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Carline: Föttchesföhler
Ulrich: Doof Noss

Bitte vervollständigt den Satz: Köln ist ….

Caroline:  … alles us däm Leed „Du … bes die Stadt“ vun de Bläck Fööss
Ulrich: … lebenswert, weltoffen, tolerant

Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

Schon wieder ist mein Glas leer. Wie schön wäre es doch, den Düxer Bock auch zu Hause im Kühlschrank zu haben. Daher meine letzte Frage:

Wo bekomme ich den Düxer Bock?

An unserem Probierstand, mit dem wir viel unterwegs sind. Zum Beispiel nächste Woche Sonntag auf dem Weihnachtsmarkt in RADERBERG und THAL vor dem Kloster der Benediktinerinnen.
Oder lasst euch in eine Bar oder in ein Restaurant einladen, wo unser Bier serviert wird. Oder zuhause, wenn man vorher im Handel einkaufen war. Mit Freude ergänzen wir jede Woche weitere Namen der Depots auf unserer Website. Wir haben jetzt auch einen Onlineshop.

Vielen Dank für das Gespräch – und das Bier.


Die Brauerei AufRome und „Der Kölsche Mandarin“ Adam Schall von Bell

Es gibt eine ganz erstaunliche – und mir völlig unbekannte – kölsche Querverbindung zwischen der Düxer-Bock-Brauerei AufRome und Adam Schall von Bell. Davon hat mir Uli Linnenberg erzählt:

Vermutlich ein Onkel von Adam Schall von Bell war auch von 1599-1605 Betreiber dieser Brauerei. Um genau zu sein war es seine Frau, Anna Reuffers bekannt als „die Brauersche auf Rome/up ruim“. Sie hat in dritter Ehe den Edlen Ruprecht Schall von Bell geheiratet und dann mit ihm die Brauerei geführt. Es sei sogar möglich, so Linnenberg, dass Adam Schall von Bell während seiner Zeit am Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße bei seiner Kölner Familie gewohnt haben könnte, schließlich war das Gymnasium nur ein paar Meter von der Brauerei entfernt.

Die Brauerei AufRome - ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de
Die Brauerei AufRome – ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de

 


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„Am Nümaat zwei Päädsköpp“ – Richmodis von Aducht

Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Podcast Richmodis 9

Es ist Mitte des 14. Jahrhundert. In ganz Europa sterben die Menschen an der Pest. Etwa 25 Millionen Tote rafft der „Schwarze Tod“ dahin. Das sind etwa ein Drittel der Einwohner Europas. Besonders stark trifft es die Städte, in denen  die Menschen eng, zum Teil mit Vieh, zusammenleben. Infizierte bekommen zunächst starkes Fieber, dann entstehen am gesamten Körper Beulen, und innerhalb weniger Tage tritt der Tod ein. Die Ärzte sind hilflos. Regelmäßig schaden sie ihren geschwächten Patienten zusätzlich, indem sie diese zur Ader lassen oder mit Brechmittel oder Einläufen behandeln.

Die Seuche erreicht im Sommer 1349 auch Köln. Das öffentliche Leben kommt – aus lauter Angst vor einer Ansteckung – zum Stillstand. Nur wenige Menschen sind bereit, den Kranken zu helfen. Darunter ist die Patrizierin Richmodis von Aducht. Sie stammt aus der angesehenen und wohlhabenden Familie Lyskirchen und heiratet 1346 den einflussreichen Kölner Bürgermeister Richolf Mennegin von Aducht, genannt Mengis. Sie pflegt Pestkranke und steht auch Sterbenden bei ohne sich anzustecken.

Zwei Schimmel auf dem Turm

Doch mit der zweiten Welle der Pest, etwa sieben Jahre später im Jahr 1356, infiziert sich auch Richmodis von Aducht und stirbt an der Krankheit – das dachten zumindest alle. Wegen der Ansteckungsgefahr muss der vermeintliche Leichnam schnell aus dem Haus am Neumarkt geschafft werden. Daher wird ihr eilends ein dünnes Totenhemd angezogen, ein Sarg wird beschafft und Richmodis wird zum nahegelegenen Friedhof an der Apostelnkirche geschafft, um am Folgetag beigesetzt zu werden.

Zwei Totengräbern entgeht dabei nicht, dass der Leichnam der reichen Kölnerin Schmuck trägt. Insbesondere ein wertvoller Ring weckt ihr Interesse. So gehen sie nachts in die Leichenhalle, öffnen den Sarg und wollen die Leiche bestehlen. Der erste Schreck kommt schnell, ist doch die Hand, von welcher einer der Diebe den Ring ziehen will, noch warm. Vollends panisch fliehen die beiden, als sich Richmodis mit den Worten „Mir ist so kalt.“ aufrichtet. Schnell wird ihr klar, wo sie sich befindet und dass sie nicht weit weg von zu Hause ist. Also läuft sie nach Hause und klopft an die Tür. Doch selbstverständlich lässt sie der vom Klopfen geweckte Knecht nicht rein – da könnte ja jeder kommen. Auch ihre Beteuerung, dass sie doch die Dame des Hauses sei, hilft nicht. Aber immerhin weckt der Knecht den vermeintlichen Witwer Mengis. Auch dieser reagiert verständlicherweise eher unwirsch und weist die Person vor der Tür an, zu verschwinden. Auf ihren Einwand, dass sie doch seine Frau sei, antwortet Mengis voller Trauer: „Meine Frau ist tot. Eher steigen meine beiden Schimmel die Treppe hinauf in den Turm und schauen aus dem Dach heraus, als dass Richmodis wiederkehrt.“

Kaum ausgesprochen sind im Treppenhaus die Hufgeräusche von Pferden zu hören, anschließend ein lautes Wiehern aus dem Turm des Hauses – und zwei Pferde schauten aus den Turmluken. Erst jetzt glaubt Mengis, dass tatsächlich seine von den Toten auferstandene Frau vor der Tür steht. Überglücklich schließt er seine totgeglaubte Frau in die Arme. Richmodis wird wieder vollständig gesund und bringt sogar noch drei Kinder zur Welt.

Ende gut – alles gut! Übrigens auch für die Pferde. Diese wurden nicht zur rheinischen Spezialität Soorbroode verarbeitet sondern mit einem Flaschenzug wieder sicher vom Turm herabgelassen. Noch heute erinnert der achteckige „Richmodis-Turm“ an der Richmodstraße an diese Sage und noch immer schauen zwei steinerne Schimmel vergnügt aus den Fenstern.

Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Wahrer Kern der Sage

Wie so oft bei solchen Sagen ist irgendwo ein wahrer Kern verborgen. Tatsächlich muss in der Stadt während der Pest das totale Chaos geherrscht haben. So starben im 14. Jahrhundert etwa 20.000 Menschen in Köln an der Seuche. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Bevölkerung. Und deswegen ist davon auszugehen, dass es bei der Leichenschau nicht besonders genau zuging und so mancher vermeintlich Tote schneller in einer der zahlreichen Leichengruben landete als der Tot ihn tatsächlich ereilte.


Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH
Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH

Neben dem Richmodis-Turm erinnert heute das Richmodis-Kölsch an die Sage. REWE hat die alte Marke, ursprünglich 2002 eingestellt, im Jahr 2012 wieder belebt. Das Logo zeigt die beiden Schimmel und das Gebäude.


Übrigens: Wenn der Kölsche eine Geschichte nicht glaubt, entgegnet er „Klar – un am Nümaat zwei Päädsköpp“. Und Wolfgang Niedecken hat im gleichnamigen Song die Richmodis-Sage musikalisch verarbeitet.  Den wunderschönen Text gibt es hier – auf Kölsch und auch in einer hochdeutschen Übersetzung.


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.


 

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Marie Juchacz – Powerfrau und Gründerin der AWO

Eine Aufnahme von Marie Juchacz aus dem Jahr 1919
Eine Aufnahme von Marie Juchacz aus dem Jahr 1919

Es ist Mittwoch, 19. Februar 1919. Und in Deutschland beginnt eine Zeitenwende. An diesem Tag hält mit Marie Juchacz zum ersten Mal in Deutschland eine Frau eine Rede vor einem demokratisch gewählten Parlament.

„Meine Herren und Damen“

Und diese Rede beginnt sie gleich mit der ungewöhnlichen Anrede: „Meine Herren und Damen“. Das löst große Heiterkeit im Parlament aus. Doch bei der Vertauschung von „Herren“ und „Damen“ handelt es sich um eine ganz bewusste Entscheidung von Juchacz. Sie will damit deutlich machen, dass es eine Gleichberechtigung gibt. Auch in der Anrede.

Peinlich für uns Männer: Der Parlamentspräsident musste während der Rede mehrfach die männlichen Abgeordneten zur Ruhe rufen. Doch Juchacz spricht selbstbewusst weiter:

„Was diese Regierung getan hat, war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“

Und damit meinte sie das Wahlrecht – erst ein paar Wochen zuvor konnten Frauen erstmals in Deutschland wählen und selbst ins Parlament gewählt werden.

Die weiblichen Abgeordneten der Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands in der Weimarer Nationalversammlung am 1. Juni 1919. Marie Juchacz ist in der vorderen Reihe die Dritte von rechts. Quelle: Historical Museum Frankfurt
Die weiblichen Abgeordneten der Mehrheitssozialdemokratische Partei  Deutschlands (MSPD) in der Weimarer Nationalversammlung am 1. Juni 1919. Marie Juchacz ist in der vorderen Reihe die Dritte von rechts. Quelle: Historical Museum Frankfurt
Großes Redetalent ermöglicht Karriere als Berufspolitikerin

Juchacz war das, was man heute als Powerfrau bezeichnet. Sie wurde am 15. März 1879 in Landsberg an der Warthe (heute Polen) als Tochter eines Zimmermanns geboren. Ihr Leben war somit, wie das fast aller Frauen ihrer Generation, vorgezeichnet: In der Fabrik arbeiten, heiraten, Kinder bekommen, Haushalt machen. Doch Marie Juchacz ist anders, lehnt sich auf. Sie heiratet den Schneidermeister Bernhard Juchacz, doch nach bereits drei Jahren lässt sie sich scheiden. Sie zieht mit ihren beiden Kindern im Jahr 1906 nach Berlin und macht eine Lehre als Schneiderin.

Im Jahr 1908 fällt das Verbot für Frauen, sich politisch zu betätigen. Der Startschuss der politischen Karriere von Marie Juchacz. Sie tritt in die SPD ein und wird dank ihres Redetalents im Jahr 1913 SPD-Frauensekretärin für die Obere Rheinprovinz hier in Köln. Dabei handelt es sich um eine hauptamtliche Tätigkeit: Marie Juchacz wird Berufspolitikerin.

Marie Juchacz auf einer Briefmarke zu "50 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland" (erschienen 1969)
Marie Juchacz auf einer Briefmarke zu „50 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ (erschienen 1969)
Gründerin der Arbeiterwohlfahrt – Flucht vor den Nazis in die USA

Am 13. Dezember 1919 gehört Marie Juchacz zu den Gründerinnen und Gründern der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Sie war bis zu Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 auch erste Vorsitzende der AWO. Doch sie ist den Nazis ein Dorn im Auge und flieht, zunächst ins Saargebiet, dann ins Elsass und nach dem Beginn des Kriegs nach Marseille. Im Jahr 1941 kann sie – dank eines Notvisums – nach New York auswandern. Zuerst lernt sie intensiv Englisch, und dann wird die Powerfrau auch im Exil politisch tätig und gründet 1945 die Arbeiterwohlfahrt USA. Diese Organisationen bietet Hilfe für die Opfer des Nationalsozialismus.

Das Familiengrab Kirschmann auf dem Kölner Südfreidhof, in dem auch Marie Juchacz beigesetzt wurde. Bild: Egidius~dewiki, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Das Familiengrab Kirschmann auf dem Kölner Südfriedhof, in dem auch Marie Juchacz beigesetzt wurde. Bild: Egidius~dewiki, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Im Jahr 1949 kehrt sie nach Deutschland zurück. Sie begleitet den Wiederaufbau der AWO und wird zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Marie Juchacz stirbt am 28. Januar 1956. Ihr Grab ist auf dem Südfriedhof.1Flur 65 Nr. 307 Die Stadt Köln würdigt die engagierte Politikerin im Jahr 2011: Ihr Grab wurde zum Ehrengrab der Stadt Köln erklärt.


Auch 50 Jahre später benahmen sich Herren im Bundestag daneben 

Nachdem sich bei der ersten Rede einer Frau im Jahr 1919 die männlichen
Abgeordneten nicht gerade vorbildlich verhalten haben, haben diese offensichtlich auch gute 50 Jahre später nichts dazu gelernt: Am 14. Oktober 1970 sprach die Bundestagsabgeordnete Lenelotte von Bothmer (SPD) im Parlament. Im Hosenanzug – statt im braven Faltenrock.

Ihr Parteikollege Carlo Schmid sah dadurch die Würde des Bundestags verletzt. Die Abgeordnete erhielt anonyme Schreiben mit Anschuldigungen wie „Sie sind keine Dame!“ oder „Sie sind ein unanständiges, würdeloses Weib!“. Ein weiterer Mann fragte sich sogar, ob sie das nächste Mal direkt nackt auftreten würde.

Wahrscheinlich waren das alles alte Männer, die hässliche Hundekrawatten lieben.


Die Schauspielerin Sesede Terziyan liest die Rede in vollständigem Wortlaut, die Marie Juchacz am 19. Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung hielt. 


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Ein paar Fragen an Eva Pollmeier – Wieso liegt Köln nicht am Meer?

Ein typisches Bild: Eva am Strand - doch nie, ohne dabei gleichzeitig Müll einzusammeln. Bild: Eva Pollmeier
Ein typisches Bild: Eva am Strand – doch nie, ohne dabei gleichzeitig Müll einzusammeln. Bild: Eva Pollmeier

Alle reden drüber: Plastikmüll verschmutzt die Meere und bedroht die Tiere. Auch Eva. Doch anders als viele redet die Organisationsberaterin nicht nur darüber sondern macht aktiv etwas dagegen. Letztes Jahr hat sie sich eine Auszeit vom Job genommen und war fünf Monate lang in Italien, Frankreich, Spanien unterwegs – um Strände vom Plastikmüll zu säubern. Doch Eva macht das nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern immer voller Freude und einem Lächeln im Gesicht. So nennt sie ihre Kampagne „Atlantic beach clean-up with a laughter“, also „Lasst uns die Strände saubermachen – und immer mit einem Lächeln im Gesicht.“.

Diesen Spaß am Leben hat sie übrigens auch in unserer Stadt. Sie feiert gerne und heftig Karneval. Ansonsten ist sie im Beethovenpark oder Stadtwald zu finden – zum Entspannen, Joggen und Sonnen. Und wenn ihr demnächst eine blonde Frau im Park trefft, die dort gerade Müll einsammelt: Sprecht sie an. Das ist bestimmt Eva.

Warum lebst du in Köln?

Ausschließlich wegen der kölschen Mentalität, die in anderen Teilen Deutschlands nicht zu finden ist. Wenn Köln am Meer liegen würde, wäre es die perfekte Stadt!

Welche kölsche Eigenschaft zeichnet dich aus?

Der Optimismus à la „et hätt noch immer jot jegange“. Zudem meine Offenheit und Kommunikationsfreude.

Was würdest du morgen in unserer Stadt ändern?

Wieso morgen erst? Sofort 😊. Also: Es gibt definitiv zu viele Autos in der Stadt und zu wenig gut ausgebaute Radwege.
Drei Jahre war ich beim „Tag des guten Lebens“ ehrenamtlich aktiv und habe erlebt, wie schön es sein kann, die Straßen an einem Tag in einem Veedel für den Autoverkehr zu sperren. Welche Ruhe, wieviel nachbarschaftlicher Austausch untereinander, ungefährliches Spielen auf den Straßen für die Kinder an diesem Tag.
Und ich würde die ein oder andere Ecke in Köln gerne schöner gestalten.
Es liegt einfach zu viel Müll auf den Straßen herum. Das ist ein ziemlich achtloser Umgang. Letztens hat jemand im Beethovenpark Reifen und Lackdosen abgestellt. Wenn ich Zeit und Lust habe, sammel ich Müll im Klettenbergpark auf.

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du leben? Und warum gerade dort?

Definitiv am Meer! Am rauen Atlantik in Portugal, dort gibt es superschöne Strände und das Klima ist auch viel gesünder. Ich bin froh, dass ich während des Hitzesommers im letzten Jahr nicht im Büro sein musste und stattdessen am Meer bei angenehmen Temperaturen verweilen konnte.

Der wunderschöne Beethovenpark in Sülz, Bild: Willy Horsch
Einer von Evas Lieblingsplätzen: Der wunderschöne Beethovenpark in Sülz, Bild: Willy Horsch

Wo ist dein Lieblingsplatz in Köln?

Meine Lieblingsplätze sind der Beethovenpark und der Stadtwald. Sehr gut zum Entspannen, Joggen und Sonnen.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Feiern, tanzen und lachen … und äh zu viel Kölsch trinken …

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Mich am Meer vom Karneval erholen. Dieses Jahr geht es für sechs Wochen an einige Strände Portugals und Spaniens, um diese vom Plastikmüll zu befreien. Dafür läuft auch im Moment meine Crowdfunding Aktion „Atlantic beach clean-up with a laughter“,  Bin übrigens dankbar für jeden einzelnen Euro, der reinkommt.

Wieder etwas weniger Plastikmüll am Strand: Eva räumt auf. Bild: Eva Pollmeier
Weniger Plastikmüll am Strand: Eva hat mal wieder einen Strand aufgeräumt. Bild: Eva Pollmeier

Wenn ich 10.000 Euro für etwas spenden würde, ginge mein Geld an …

… die Umwelt und an Forscher, die das Plastikmüllproblem lösen könnten.

Dein Lieblingskölsch?

Reissdorf und Mühlen Kölsch.

Deine Lieblingskneipe? Warum?

Der Petersberger Hof in Klettenberg. Gutes Essen, freundliche Bedienung und im Sommer kann man schön draußen sitzen.

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… e Jeföhl!


Diese Menschen haben bisher meine Fragen beantwortet: 


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Maria Clementine Martin: Unternehmerin und Marketing-Profi

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Weltbekanntes Logo: Die drei Nonnen im gotischen Spitzbogen stehen für Klosterfrau Melissengeist, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service

Consumer Centric, Brand Awareness, Storytelling – alles Begriffe aus dem modernen Marketing. Die selbsternannten Experten wollen uns allen immer das Gefühl geben, sie alleine hätten das Marketing erfunden. Weit gefehlt. Experten für die Vermarktung von Produkten gibt es schon ewig. Und in Köln hat sich eine Marketing-Expertin besonders hervorgetan: Maria Clementin Martin, die „Erfinderin“ von Klosterfrau Melissengeist. Diese Frau hat bereits vor fast 200 Jahren geschafft, ein Produkt perfekt zu vermarkten, dass es noch heute gibt: Klosterfrau Melissengeist. Dabei hat sie alle Register des Marketings gezogen: Klösterliche Herkunft des Rezepts, Verwendung vom königlichen Wappen, Platzierung als medizinisches Produkt und Abmahnungen gegen Wettbewerber, die dies auch behaupteten.

Eine selbstbewusste Unternehmerin

Köln im Jahr 1826. Im Schatten des noch unvollendeten Doms tut sich was: Maria Clementine Martin gründet unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihr Unternehmen. Mit einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung bewarb sie ihr selbst destilliertes Kölnisch Wasser:

„Ein sich selbst empfehlend ächtes Kölnische Wasser,
ist zu haben auf der Litsch Nro. 1, die große Flasche zu 6 Sgr. 3Pf.“

Das Gründungskapital stammt aus einer königlichen Rente, welche sich Maria in der Schlacht von Waterloo bei der Pflege von verletzten Soldaten verdient hatte.

Wundermittel gegen alle möglichen Beschwerden

Die 1775 als Wilhelmine Martin geborene Unternehmerin hatte zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich Erfahrungen in verschiedenen Klöstern mit der Krankenpflege und mit Heilpflanzen machen können. Diese Kenntnisse setzt sie jetzt in bare Münze um. Besonders ihr neues Produkt, eine spezieller Melissengeist, wird noch heute bei Beschwerden aller Art empfohlen:

  • Bei Erkältung und grippalen Infekt,
  • bei Magen-Darm-Beschwerden,
  • bei Wetterfühligkeit, Spannungs- und Erregungszuständen,
  • bei innerer Unruhe und
  • bei Schlafstörungen.

Kein Wunder, dass bei einem solchen Wundermittel der Markt hart umkämpft war. In der Domstadt buhlen immerhin 64 Hersteller von Heilwassern und Kölnisch Wasser um Kunden. Deshalb strebte Maria bereits im Jahr 1828 eine „Prüfung und Bescheinigung der Qualität des von ihr verfertigten Melissenwassers durch die königliche Medizinal Behörde“ an. Leider vergeblich – die Behörde wies darauf hin, dass die Ähnlichkeit mit bestehenden Produkten zu groß sei und tatsächlich jeder Apotheker ein solches Heilwasser herstellen könne. Auch ein zweiter Versuch im Jahr 1831, den nur als Parfum zugelassenen Melissengeist als Arznei zuzulassen, scheiterte. Trotzdem positionierte die findige Unternehmerin dieses Produkt durch Hinweise auf die Heilwirkung mehr oder weniger deutlich als Arznei. Und ging gleichzeitig mit Abmahnungen gegen Wettbewerber vor, die dies ebenfalls taten – Marketing mit harten Bandagen.

Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Klosterfrau Melissengeist, in der Mitte des Etiketts ist noch heute das königliche Wappen zu finden, Bild: Klosterfrau Gesundheits-Service
Das königliche Wappen als Wettbewerbsvorteil

Ihr größter Marketing-Erfolg war aber die Anfrage bei König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1827: Dieser gestatte Ihr, das preußische Wappen auf dem Etikett ihrer Produkte zu führen. Andere Unternehmer mit vergleichbaren Produkten klagten vergeblich darauf, auch dieses Wappen nutzen zu dürfen. Tatsächlich schmückt dieses Wappen noch heute das Etikett jeder Flasche Klosterfrau Melissengeist.

Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus
Das Grab von Maria Clementine Martin auf dem Melatenfriedhof, Bild: Factumquintus

Maria Clementine Martin starb am 9. August 1843. Ihr Unternehmen gibt es noch heute unter dem Namen „Klosterfrau Healthcare Group“. Und die erfolgreiche Tradition wurde fortgesetzt: Heute stellen ca. 1.000 Mitarbeiter 220 unterschiedliche Klosterfrau-Produkte her.


Die erste Adresse des Unternehmens im Jahr 1826 war durchaus prominent: „Auf der Litsch“ war eine Gasse an der Westfassade des Doms. Diese wurde bei der Domvollendung komplett abgerissen. Der Dom hatte damals die Adresse „Auf der Litsch 2“. Heute kann jeder dem Dom unter der Adresse „Domkloster 4, 50667 Köln“ schreiben.


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