Auflösung: Quiz zur 250. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“

250 Ausgaben des "Köln-Ding der Woche" sind seit Juli 2017 erschienen.
Seit Juli 2017 sind 250 Ausgaben des „Köln-Ding der Woche“ erschienen.

Viele von euch haben bei meinem Quiz zur 250. Ausgabe des Köln-Ding der Woche mitgemacht, dafür vielen Dank. Die Gewinner der 11 x 2 Gutscheine habe ich bereits benachrichtigt. Und als kleine Anerkennung haben auch alle, die mitgemacht haben, einen kleinen Trostpreis gewonnen. 

Hier die Auflösung des Quiz

Mit Siegel: Die Kölsch-Konvention der Kölner Brauer, Bild: Kölner Brauerei-Verband e.V.
Mit Siegel: Die Kölsch-Konvention der Kölner Brauer, Bild: Kölner Brauerei-Verband e.V.

Flüssiges Gold

Kölsch ist das Lebenselixier unserer Stadt. Um dieses ganz besondere Bier vor Nachahmern und schlechten Kopien zu schützen, haben die damals 24 eigenständigen Kölschbrauer die „Kölsch Konvention“ verabschiedet. In dieser Konvention wird unter anderem festgelegt, dass Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf.1Ausnahme: Brauereien außerhalb des Stadtgebiets von Köln, die bereits vor Inkrafttreten der Konvention Kölsch gebraut haben.

1. Frage:
In welchem Jahr wurde die Kölsch-Konvention feierlich unterschrieben?

Antwort:
Die Kölsch-Konvention wurde am 6. März 1986 unterschrieben.


Der Barbarastollen unter dem Hauptgebäude der Universität zu Köln, Bild: Uli Kievernagel
Der Barbarastollen unter dem Hauptgebäude der Universität zu Köln, Bild: Uli Kievernagel

„Glück auf“ in Köln

Unter dem Hauptgebäude der Universität liegt ein für Jahrzehnte schlichtweg vergessenes Bergwerk. Dieses „Schaubergwerk“ sollte Studenten einen möglichst genauen Einblick in die harten Arbeitsbedingungen der Kumpels unter Tage bieten.

2. Frage
Wie lang ist dieses „Barbarastollen“ genannte Schau-Bergwerk?

Antwort:
Der Barbarstollen ist 40 Meter lang.


So könnte das Kamelrennen in Köln ausgesehen haben, hier ein Bild eines Rennens aus den 1940er Jahren
So könnte das Kamelrennen in Köln ausgesehen haben, hier ein Bild eines Rennens aus den 1940er Jahren

Wüstenschiffe in Weidenpesch

18.000 Besucher sahen im September 1969 ein ganz besonderes Rennen auf der Galopprennbahn in Weidenpesch. Statt edler Rennpferde liefen dort Kamele um die Wette. Der spätere Sieger bretterte zwar mitten im Rennen im vollen Lauf in eine Hecke – konnte aber trotzdem das Rennen für sich entscheiden.

3. Frage:
Wie hieß das Sieger-Kamel?

Antwort:
Das Sieger-Kamel hatte den Namen „Tuareg“


Die Erstbesteiger des Troodelöh
Die Erstbesteiger des Troodelöh

Der kölsche Everest

Am 12. November 1999 machten sich drei Bergsteiger zusammen mit ihrem treuen Sherpa Llongway auf, um Kölns höchsten Punkt zu entdecken. Ohne Sauerstoff, nur mit Minimalvorräten an Kölsch und Enzian, schafften es diese Männer– Entdecker im Rang eines Kolumbus, Amundsen oder Hillary – direkt ohne Basislager und Akklimatisation auf den Gipfel und tauften den „Kölschen Everest“ auf den Namen „Monte Troodelöh“.

4. Frage
Wie hoch ist dieser sagenhafte Berggipfel?

Antwort: 
Die höchste Erhebung unserer geliebten Domstadt ist genau 116,70 Meter hoch. Später wurde diese Höhe aber auf 118,04 Meter korrigiert.


Das Pumpwerk an der Schönhauser Straße. Die blaue Illumination bedeutet "Pegel unter 2,4 Meter", Bild: Uli Kievernagel
Das Pumpwerk an der Schönhauser Straße. Die blaue Illumination bedeutet „Pegel unter 2,4 Meter“, Bild: Uli Kievernagel

Farbenspiele am Rhein

Direkt am Rheinufer im Kölner Süden steht Kölns größter Wasserstandsmelder: Das Pumpwerk Schönhauser Straße. Dieses und weitere Pumpwerke sind unverzichtbar für den Hochwasserschutz. Der wunderschöne Clou an diesem Gebäude: Je nach Wasserstand leuchtet das gesamte Gebäude in einer ganz bestimmten Farbe.

5. Frage:
In welcher Farbe leuchtet das Pumpwerk, wenn der Wasserstand bei 3,5 bis 4 Metern liegt?

Antwort:
Bei einem Wasserstand von 3,5 bis 4 Meter leuchtet das Pumpwerk grün.


Obs und Jemös, Bild: TiM Caspary / pixelio
Obs und Jemös, Bild: TiM Caspary / pixelio

Kölsche Wörter für Obs un Jemös

Als Hilfestellung für euren Einkauf auf den Wochenmärkten hatte ich im Juli 2018 die kölschen Wörter für Obst und Gemüse veröffentlicht. Dort konnte man lernen, dass „Humpele“ Himbeeren, „Öllisch“ Zwiebeln und „Worbele“ Heidelbeeren sind.

6. Frage:
Was bezeichnet der Kölsche als „Krönzel“?

Antwort:
„Krönzel“ sind Stachelbeeren.


Der Nasenbrunnen zu Ehren des fleißigen städtischen Hundefängers Andreas Leonard Lersch, besser bekannt als "Läsche Nas", Bild: Horsch, Willy - HOWI, CC BY 3.0
Dieser Nasenbrunnen erinnert an den fleißigen städtischen Hundefänger Andreas Leonard Lersch, Bild: Horsch, Willy – HOWI, CC BY 3.0

Ein stadtbekannter (und berüchtigter) Hundefänger

Andreas Leonard Lersch war bei Hundebesitzern in der Stadt gefürchtet. Der wenig feinfühlende Mann kochte zuvor eingefangene und getötete Hunde aus und produzierte daraus ein Mittel zur Schwindsucht. Ein besonders hervorstechendes Körperteil führte zu seinem noch heute bekannten Spitznamen.

7. Frage
Wie nannten die Kölner Andreas Leonard Lersch?

Antwort:
Lersch wurde – wegen seiner übergroßen Nase – „Läsche Nas“ genannt.


Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666
Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666

Der Decke Pitter

Bis Ende November 2018 war die größte Glocke im Dom auch die größte freischwingende Glocke der Welt: Die St. Petersglocke, von den Kölnern liebevoll „Decke Pitter“ genannt. Seine ersten Glockenschläge erklangen am Heiligabend 1924. 

8. Frage:
Wie schwer ist der „Decke Pitter“?

Antwort:
Der „Decke Pitter“ wiegt 24 Tonnen.


Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölnisch-Wasser-Brunnen, Bild: Uli Kievernagel

Echt Kölnisch Wasser

Erfunden wurde „Kölnisch Wasser“ von Johann Maria Farina, dem Mann mit der „goldenen Nase“. Am bekanntesten ist heute die Marke „4711“. Wer „Eau de Cologne“ will, muss dies teuer bezahlen – oder man geht zum Kölnisch-Wasser-Brunnen und kann sich dort gratis bedienen.

9. Frage:
Wo steht der Kölnisch-Wasser-Brunnen?

Antwort:
Der Brunnen steht in der Schalterhalle der der Kreissparkasse am Neumarkt. 


Der Vierungsturm des Kölner Doms mit dem goldenen Stern von Betlehem, Bild: CEphoto, Uwe Aranas, CC-BY-SA-3.0
Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas, CC-BY-SA-3.0

Die „Warze des Doms“

Er wird irgendwie oft vergessen: Kölns dritthöchster Kirchturm – nach den beiden mächtigen Türmen des Doms – ist der ebenfalls auf der Kathedrale befindliche Vierungsturm. Dieser Turm wurde oft in den letzten Jahren umgebaut – Kritikern zufolge nicht unbedingt zum Vorteil des Doms. So wurde der Vierungsturm auch schon als „Warze des Doms“ bezeichnet.

10. Frage:
Wie hoch ist der Vierungsturm des Kölner Doms?

Antwort:
Der Vierungsturm ist 109 Meter hoch.


Kult: Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Andreas Lofner
Kult: Die berühmte Gaststätte in Deutz, Bild: Andreas Lofner

„Su lang die Leechter noch brenne“

Bereits im Jahr 2015 hat die kölsche Band Miljö den Titel „Sulang die Leechter noch brenne“ veröffentlicht. In diesem Lied steht der wohl bekannteste Wirt Kölns stellvertretend für die kölsche Lebensart. Dieser Wirt hat bis 2004 eine sagenhafte Kneipe in Deutz geführt, welche 2008 nach „behutsamer Renovierung“ wieder eröffnet wurde.

11. Frage:
Wie hieß der Wirt dieser legendären Kneipe?

Antwort:
Der Name des legendären Wirts war Hans Lommerzheim.


 

E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Einladung: Lesung mit Stadtführung „vom Stuhl“ in Marienburg am 8. Juni 2022 | Eintritt FREI

So kann man sich die Marienburger Villa aus dem Roman vorstellen, Bild: Norbert Bröcheler
So kann man sich die Marienburger Villa aus dem Roman vorstellen, Bild: Norbert Bröcheler

Bitte den 8. Juni 2022, 19.30 Uhr vormerken: An diesem Tag veranstalte ich zusammen mit der erfolgreichen Autorin Ellen Jacobi eine Lesung aus einem Marienburg-Roman. Mitten in Marienburg. Eintritt FREI.

Roman: Untermieter in der Marienburger Villa einer exzentrischen Dame

Im Mai 2020 durfte ich Ellen Jacobi bei der Recherche zu Ihrem Roman „Ohne Rentner geht hier nichts“ unterstützen. Die Handlung spielt zu wesentlichen Teilen im Kölner Stadtteil Marienburg. Dieses Buch wurde im Juli 2021 bei Bastei Lübbe veröffentlicht.

Ellen Jacobi: Ohne Rentner geht hier nichts, Bastei Lübbe
Ellen Jacobi: Ohne Rentner geht hier nichts, Bastei Lübbe

Es geht um die ebenso reiche wie schwierige Ariane van Endert. Sie lebt auf großem Fuß in einer Marienburger Villa, bis ihr Stiefsohn große Teile ihres Vermögens durchbringt. Notgedrungen nimmt sie einige Untermieter auf: eine junge Studienabbrecherin ohne Perspektive, eine chaotische Rentnerin mit Stoffhund und einen Pianisten, der seit Jahren kein Klavier mehr angefasst hat. Ariane hofft sehr, ihre neuen Mitbewohner bald wieder loszuwerden und macht ihnen das Leben schwer. Irgendwann sind aber auch die letzten Reserven ausgegeben und es besteht die Gefahr, dass Ariane ihre große Villa in Marienburg verliert.
Ein heiterer Roman über das Leben in Marienburg, Neuanfänge im Alter und wahre Freundschaften.

Bitte weitersagen: Lesung eines Roman aus Marienburg mitten im Marienburg
Bitte weitersagen: Lesung eines Roman aus Marienburg mitten im Marienburg

Stadtführung und Lesung aus dem Marienburg-Buch in Marienburg

Ich habe mit Ellen Jacobi vereinbart, dass Sie für euch aus diesem Roman liest. Vorab biete ich eine kurze Stadtführung vom Stuhl an: Es gibt ein paar Geschichten zu Marienburg, den noblen Villen und der Entwicklung dieses Stadtteils. Anschließend stehen Ellen und ich noch für alle Fragen gerne zur Verfügung und wir können noch gemeinsam einen Wein, ein Kölsch oder ein Wasser trinken.  

Eintritt FREI, bitte anmelden

Die Lesung mit Stadtführung vom Stuhl findet am 8. Juni 20022, 19.30 Uhr im Martin-Luther-Haus, Mehlemer Straße 27, mitten in Marienburg, statt.
Ihr seid alle eingeladen. Der Eintritt ist FREI.

Um Anmeldung wird gebeten:

Uli Kievernagel, der Köln-Lotse
Telefon 0221. 42344825
Mobil 0162. 7973914
uli@koeln-lotse.de


Eine Veranstaltung im Rahmen des Sonderprogramms Aufgeschlagen! des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen


Eindrucksvolle Villen in Marienburg, Bild: Norbert Bröcheler
Eindrucksvolle Villen in Marienburg, Bild: Norbert Bröcheler

E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Ein paar Fragen an Christiane Rath – „Grabaneignung“ auf dem Kölner Südfriedhof

Christiane Rath am Grab von Heinz und Heinzchen Rausch, Bild: Uli Kievernagel
Christiane Rath am Grab von Heinz und Heinzchen Rausch, Bild: Uli Kievernagel

Ein scheinbar herrenloses Grab auf dem Südfriedhof pflegen. Ohne irgendeine Beziehung zu den dort bestatteten Menschen. Und dann darüber ein Buch veröffentlichen. Klingt nach einer erzählenswerten Geschichte.  Deswegen treffe ich Christiane Rath direkt dort, wo alles angefangen hat: Auf dem Südfriedhof, Flur 33, gegenüber der Bestattungsgärten.

Dr. Christiane Rath ist ein eine bemerkenswerte Frau. Sie ist eine nur zufällig in Oberhausen geborene und in Düren aufgewachsene Rheinländerin, hat in Bonn Romanistik studiert und auch dort promoviert. Sie lebt seit 1988 in Köln. Neben ihrer Tätigkeit als freischaffende Künstlerin, Autorin und Redakteurin des Kölner Straßenmagazins „Draussenseiter“ leitet sie gemeinsam mit agii gosse den Kölner Kunstverein „68elf e.V.“.

Bereits 2017 reift bei einem ihrer zahlreichen Spaziergänge über den Südfriedhof die Idee, sich eines der offensichtlich verlassenen Gräber „anzueignen“. Es dauerte aber noch bis Ende 2019, bis dieser Plan in die Realität umgesetzt wurde. Jetzt stehen wir vor dem Grab von Heinz und Heinzchen Rausch mit dem bemerkenswerten Grabstein aus drei verbundenen Kreuzen.

Christiane – du hast eine Jahreskarte vom Kölner Zoo. Anscheinend ist aber der Südfriedhof für dich interessanter als Giraffen, Löwen und Erdmännchen. Warum?

Ich kenne den Zoo in- und auswendig, ich habe auch bereits zwei Bücher über den Zoo geschrieben – über Friedhöfe noch keins. Ich liebe Friedhöfe und schaue mir diese überall an. Ich bin auch viel auf dem Melaten-Friedhof unterwegs. Aber der Südfriedhof ist für mich schöner als Melaten. Er ist verwinkelter, geheimnisvoller.

Christiane Rath: "Der Kölner Zoo" und "Die Elefanten zu Köln", beide bei Kiepenheuer & Witsch erschienen
Christiane Rath: „Der Kölner Zoo“ und „Die Elefanten zu Köln“, beide bei Kiepenheuer & Witsch erschienen

Wie kommt man auf die Idee, einfach ein Grab von wildfremden Menschen zu pflegen?

Es stört mich, wenn Gräber verlassen sind und nicht gepflegt werden. Das macht mich traurig. Eigentlich zupfe ich ständig an irgendwelchen Gräbern herum, wenn ich auf Friedhöfen unterwegs bin. Tatsächlich habe ich heute auch wieder Handschuhe dabei, um Gräber von Dornen zu befreien.

Moment mal – da könnte ja jeder kommen und einfach wildfremde Gräber pflegen. Wir sind doch schließlich in Deutschland! Hier ist alles geregelt. Ist das denn überhaupt erlaubt?

Eigentlich ist das nicht so außergewöhnlich, wie man denkt. Viele Menschen pflegen auch Nachbargräber. Juristisch ist das irgendwie eine Grauzone. Man zerstört ja nichts, sondern pflegt eine Grabstelle. Wieso sollte das also verboten sein? Eine „Temporäre Grabaneignung“, wie ich sie mit dem Rausch-Grab vorgenommen habe, ist natürlich nicht mit einem Patenschaftsgrab zu vergleichen.1Anmerkung: Patenschaftsgräber sind eine kölsche Erfindung: Menschen können Patenschaften an denkmalgeschützten Grabanlagen übernehmen. Sie erhalten damit das Recht dort beigesetzt zu werden und sind im Gegenzug dazu verpflichtet, die Anlage mit Übernahme der Patenschaft in Abstimmung mit der Denkmalbehörde instand zu setzen und zu unterhalten. Die Nutzungsgebühr wird erst im Beisetzungsfall erhoben.

Auf dem Südfriedhof gibt es insgesamt 47.400 Grabmäler. Ich schätze mal, 5% davon sind verwildert und werden nicht mehr gepflegt. Macht knapp 2.400 Gräber. Warum hast du dir gerade das Rausch-Grab „angeeignet“?

Ich habe gezielt auf dem Südfriedhof nach einem Grab gesucht, das mich persönlich anzieht und stand plötzlich vor dem Rausch-Grab.

Rausch klingt nach Fröhlichkeit, nach Ausschweifung. Und dann wurde Heinz Rausch ausgerechnet am 22.2.22 geboren – diese Schnapszahl passt zum Namen „Rausch“. Heinzchen wurde nur 17 Jahre alt. Der Grabstein besteht aus drei miteinander verbundenen Kreuzen – es wurden hier aber nur zwei Personen bestattet. Es bleibt eine Leerstelle: Was ist mit der Mutter? Dieses ganz spezielle und sehr verwilderte Grab hat direkt meine Phantasie spielen lassen.

Das Rausch-Grab noch vor der Grabaneignung, Bild: Christiane Rath, aus dem Buch "Unvergessen - Eine temporäre Grabaneignung" (76 Seiten, 30 Euro, Bestellung unter christiane@rath-art.de)
Das Rausch-Grab noch vor der Grabaneignung, Bild: Christiane Rath, aus dem Buch „Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung“ (76 Seiten, 30 Euro, Bestellung unter christiane@rath-art.de)

Ein befreundeter Biologe hat, bevor ich Anfang 2020 angefangen habe, das Rausch-Grab zu pflegen, mit mir eine Bestandsaufnahe gemacht und geht davon aus, dass sich mindestens drei Jahre lang niemand mehr um dieses Grab gekümmert hat.

In deinem Buch „Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung“ beschreibst du dein Projekt. Warum geht es in dem Buch nicht um Fakten oder Lebensläufe der verstorbenen Heinz und Heinzchen Rausch, sondern um mögliche Varianten, wie sich das Leben dieser beiden Menschen abgespielt haben könnte?

Ich habe tatsächlich, bevor ich angefangen habe, das Grab zu pflegen, kurz recherchiert, ob ich hier nicht ein „Wespennest“ stoße. Aber ich habe nichts gefunden. Also habe ich angefangen mir zu überlegen, wie das Leben von Heinz und Heinzchen gewesen sein könnte.

Dabei habe ich mir keine ganzen Lebensläufe ausgedacht, sondern immer nur mögliche Episoden aus dem Leben – so wie Puzzlestücke.  

In dem Buch verschmelzen deine eigenen Erlebnisse mit den fiktiven Lebensläufen von Heinz und Heinzchen Rausch. In einer Variante ziehst du eine Parallele zwischen Heinzchen und deinem ersten Freund. Einer der beiden kommt bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Offen bleibt, ob Heinzchen Rausch oder dein erster Freund gemeint ist.

Aus realen Lebensläufen kann man sich fiktive Lebensläufe – oder Episoden wie Puzzlestücke aus dem Leben – zusammensetzen. Wir alle haben ähnliche Puzzlestücke, zum Beispiel Geburt, Weihnachtsfeiern, erster Schultag. Es gibt aber auch große Unterschiede, zum Beispiel die erste Liebe oder Verlust durch Todesfälle.

Bei dem in dem Buch erwähnten Unfall habe ich Puzzlestücke aus dem Leben zweier Personen in einer Fiktion zusammengeführt: Ich hatte einen Freund, meine erste große Liebe. Ich war 14 Jahre alt, er 17. Ständig bastelte er an seinem Moped herum. Und dann gab es den Sohn von Freunden meiner Eltern, der bei einem Unfall ums Leben kam. Eine freie Straße, schnurgeradeaus und er fährt auf der linken Spur mit seinem Motorrad frontal in einen LKW. Ob es ein Selbstmord war, ist nie geklärt worden.

In der Fiktion zu „Heinzchen“ verschmelzen diese beiden Puzzlestücke.


Christiane Rath: Unvergessen - Eine temporäre Grabaneignung
Christiane Rath: Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung

Christiane Rath: Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung.
76 Seiten, 30 Euro, Bestellung unter christiane@rath-art.de


Du hast zwischenzeitlich in Erfahrung bringen können, wer Heinz und Heinzchen Rausch wirklich waren. Gab es Überraschungen?

Ich bin von Bekannten der Familie angesprochen worden. Es gibt tatsächlich Überraschungen. Hinter dem Grab steckt eine urkölsche und tragische Geschichte. Aber die verrate ich nur den Menschen, die mein Buch gelesen haben, und das auch nur persönlich.

Wie geht es jetzt weiter? Wirst du dich auch weiterhin um das Rausch-Grab kümmern oder zieht es dich dann doch irgendwann lieber wieder regelmäßig in den Zoo?

In den Zoo gehe ich regelmäßig mit meinem Patenkind. Das Projekt der Grabaneignung habe ich am 29. Dezember 2020 beendet. Trotzdem lässt mich das Rausch-Grab nicht los, ich bin oft hier, um das Grab zu pflegen.

Vielleicht ist es auch eine Projektionsfläche für mich: Auch mein Vater und mein Bruder sind in einem gemeinsamen Grab in Düren beigesetzt. Unter einer Marmorplatte. Dort kann man nichts pflegen.

So spiegelt das Grab von Heinz und Heinzchen Rausch auch irgendwie Puzzlestücke aus meinem Leben wider. Aber dies war auf keinen Fall die ursprüngliche Idee der Grabaneignung.


 

Christiane Rath, eine nur zufällig in Oberhausen geborene Rheinländerin, Bild: Christiane Rath, www.rath-art.de/
Christiane Rath, eine nur zufällig in Oberhausen geborene Rheinländerin, Bild: Christiane Rath, www.rath-art.de/

Genau wie alle anderen Menschen in meiner Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Christiane Rath zu meinen „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden. 

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du leben? Und warum gerade dort?

Eigentlich nur in Köln. Aber wenn ich weg muss, dann gerne nach Ligurien. Dort gibt es das Meer und hervorragendes Essen. Und Genua ist irgendwie wie Köln: Nicht überall schön.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Fastelovend fiere.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Sehnsüchtig auf den 11.11. warten.

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Kenne keine. Ich will ja auch nicht weg.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Tütenüggel

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… mein zuhause! Ich fühle: Ich muss irgendwie in Köln sein.


Diese Menschen haben bisher meine Fragen beantwortet: 


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

„Allahu akbar“ – Muslime feierten 1965 das Ende des Ramadan im Kölner Dom

Der Kölner Dom und die DITIB-Zentralmoschee Köln, Bild Kölner Dom: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen, Bild Moschee: Raimond Spekking
Der Kölner Dom und die DITIB-Zentralmoschee Köln, Bild Kölner Dom: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen, Bild Moschee: Raimond Spekking

Äußerst ungewohnte Töne schallten durch den Dom: „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) hieß es. Und Gläubige rollten ihre Gebetsteppiche in einem Seitenschiff der Kathedrale aus und beteten. Dass es sich dabei nicht um das übliche Publikum eines katholischen Sonntagsgottesdiensts handelte, ist offensichtlich.

Tatsächlich beteten am 3. Februar 1965 mehrere Hunderte Muslime im Kölner Dom. An diesem Tag endete der Fastenmonat Ramadan. Das Ende des Ramadan feiern die Muslime mit einem dreitägigen Fest. Dazu gehört auch das feierliche Gebet. Das Problem aber war: Es gab keine geeignete Moschee für die Gläubigen.

Kardinal Josef Frings war Gegner dieser Aktion

So gab es eine Absprache, dass die Gläubigen ihre Gebetsteppiche im Dom ausrollen durften. Doch dieses Gebet der Muslime in dem katholischen Gotteshaus war durchaus umstritten. Denn die Zusage für diese Aktion wurde nur von einem einzelnen Mitglied des Domkapitels gegeben.1Das Domkapitel ist das oberste Leitungsgremium des Doms und besteht aus Dompropst, Domdechant, zehn residierenden und vier nichtresidierenden Domkapitularen. Die nichtresidierenden Kapitulare sind Geistliche des Erzbistums Köln mit Priester- oder Bischofsweihe, von denen einer möglichst der Bonner KatholischTheologischen Fakultät angehören soll. Die residierenden Domkapitulare sind für die Gestaltung der Gottesdienste, den Erhalt des Domes und die Verwaltung des Vermögens verantwortlich.

Norbert Feldhoff, Kölner Domprobst von 2004 bis 2015, Bild: Raimond Spekking
Norbert Feldhoff, Kölner Domprobst von 2004 bis 2015, Bild: Raimond Spekking

„Sicher ist aber, dass das Domkapitel nachträglich die Entscheidung mitgetragen hat“, so der ehemalige Domprobst Norbert Feldhoff. Übrigens war der damalige Kölner Erzbischof Kardinal Josef Frings gegen dieses Gebet in der christlichen Kirche, so Feldhoff.

Einmaliges Ereignis – Dom jetzt eine Moschee?

Bleibt die Frage, ob es rechtens war, den Dom zu einem muslimischen Gebet zu öffnen. Auf der einen Seite hatte das gerade erst beendete Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ausdrücklich den Respekt gegenüber dem Islam bekundet. Es gab sogar eine Empfehlung, dass die Bistümer den Muslimen Räume zur Verfügung stellen sollten.

Auf der anderen Seite wurden hier ausdrücklich Kirchen und Kapellen ausgenommen, weil Kruzifixe, Bilder und Statuen für Muslime ein Ärgernis sein könnten. Für die Gläubigen, die im Februar 1965 im Dom beteten, stellte dies wohl kein Problem dar. Ganz im Gegenteil: Entsprechend des islamischen Gebots, auch für Gotteshäuser zu spenden, bedankten sich die Betenden, indem sie nach dem Gebet großzügig für den Erhalt des Doms spendeten.

Trotzdem blieb diese Aktion ein einmaliges Ereignis, auch wenn die Kölnische Rundschau dieses besondere Gebet als „Tag, der Religionsgeschichte gemacht hat“ bezeichnete. Denn nach dem Verständnis bestimmter muslimischer Gruppen, so Norbert Feldhoff, gehen Räume, in denen einmal gebetet würde, in ihr Eigentum über. So könnte man den Dom seit diesem Tag  im Februar 1965 auch als Moschee bezeichnen.

Debatte über den Muezzin-Ruf in Köln

Heute gehen die Meinungen über die Religionen weit auseinander, wie die zum Teil hitzig geführte Debatte über den Muezzin-Ruf zeigen: Die Stadt erlaubt in einem auf zunächst zwei Jahre befristeten Modellprojekt, dass der Gebetsruf zum Gebet am Freitag zwischen zwölf und 15 Uhr erschallen darf.

Die Kommentare in den sogenannten „Sozialen Medien“ zeigen die ganze Bandbreite: Von der „Islamisierung des Abendlands“ bis „Wenn einer religiösen Krach machen darf, dürfen es alle anderen auch.“ sind alle Meinungen vertreten.

Ich halte es da eher mit dem Kölschen Grundgesetz,
Artikel 3: „Et hätt noch immer jot jejange.


 

Das Richter-Fenster am Kölner Dom, Bild: Raimond Spekking
Das Richter-Fenster am Kölner Dom, Bild: Raimond Spekking

Kardinal Meissner: Richter-Fenster passt eher in eine Moschee

Kardinal Meissner (1933 – 2017) hatte dem wunderschönen und vielbeachteten Richter-Fenster schnell attestiert, dass dieses „eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus“ passen würde, aber nicht in eine gotische Kathedrale. 

Aber da hatte der „Gottesmann“ Meissner eindeutig Unrecht: Rund 80 Prozent aller Besucher im Dom sind von dem Richter-Fenster begeistert. 


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Kölsche Originale: Bolze Lott – gewiefte Schmugglerin mit losem Mundwerk

Ein " Cul de Paris", hier auf einem Bild von Renoir, ist ein extrem ausladender Reifrock, welcher sich hervorragend eignet, darunter Schmuggelgut zu verstecken.
Ein „Cul de Paris“, hier auf einem Bild von Renoir, ist ein extrem ausladender Reifrock, welcher sich hervorragend eignet, darunter Schmuggelgut zu verstecken.

 

Es muss ein ganz besonderer Anblick gewesen sein, der sich den Kölner Zöllnern etwa um das Jahr 1850 geboten hat: Eine Frau, kaum noch Zähne im Mund, aber gekleidet nach der neuesten Mode mit einem extrem ausladenden „Cul de Paris“, watschelt schwerfällig über die Deutzer Schiffsbrücke. Dabei verdeckt der ausladende Reifrock mit der starken Überbetonung des Hinterteils nicht nur den Frauenkörper, sondern auch mehrere Pfund Mehl und Speck, welche die Dame unter ihrem Rock versteckt an den Beamten vorbei in das linksrheinische Köln schmuggelt.

Die Zöllner hatten eindeutig Respekt vor dieser ganz besonderen Gestalt, die da über die Brücke kam. Handelte es sich doch um niemand geringeres als Scholastika Steinhausen, geb. Bolz. In Köln besser bekannt als „Bolze Lott“ und der Schrecken eines jeden Zollbeamten. Denn jede Leibesvisitation wird von der Dame lautstark und mit Worten, die selbst einen Bierkutscher rot werden lassen, als Grabscherei bezichtigt und die Zöllner als Föttchesföhler verunglimpft. Dabei wollten die Beamten nur ihrer Aufgabe nachgehen und die im Jahr 1856 neu eingeführte Mehl- und Schlachtsteuer einziehen.

Bolze Lott lebte in einer rauen Welt

Geboren wurde Scholastika Lott (lat. scholastica „die Lernende) am 8. Dezember 1825 in der Kostgasse am (heutigen) Breslauer Platz. Zu Zeiten der Bolze Lott wurde die Straße Kotsgasse (von „kut“ für Innereien) genannt, weil hier Metzger Eingeweide und Abfälle des Schlachtviehs verarbeiteten. Eine raue Gegend, in der sich Bolze Lott aber durch ihr vorlautes Mundwerk durchzusetzen wusste.

Ihr Eheglück – im Jahr 1846 heiratet sie den Rhingroller1Rhingroller waren billige Tagelöhner, die die Rheinschiffe mit reiner Muskelkraft be- und entladen mussten. Johann Friedrich Steinhausen – währte nur sehr kurz. Der bekannte Schläger und Raufbold Steinhausen muss noch während der Flitterwochen ins Gefängnis und stirbt kurz darauf. So ist Bolze Lott bereits mit 22 Jahren Witwe und muss alleine für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Karriere als gewiefte Schmugglerin

Als „Käätzemöhn“ verkauft Bolze Lott vor den Kirchen Kerzen an Gläubige – inklusive dem Service, diese Kerzen auch aufzustellen und anzuzünden. Um das Geschäft etwas lukrativer zu machen, „vergisst“ sie regelmäßig, die Kerzen auch tatsächlich in der Kirche  aufzustellen. Als sich das herumspricht, bleiben die Kunden aus.

Wie gut für Bolze Lott, dass ab 1856 zwei Dinge zusammenkommen: Die neue Steuer für Produkte aus dem Rechtsrheinischen und die Mode der ausladenden Röcke. So verdient sie sich als Schmugglerin ihren Lebensunterhalt.

Die listige Lotte wurde so der Albtraum der Zöllner. Denn sie verstand es auch ohne Schmuggelgut unter dem Reifrock, so zu gehen, als ob sie einen Zentner Mehl und ein halbes Schwein darunter verstecken würde. Die dann fälligen Kontrollen der Zöllner konterte die Dame lautstark als unsittliche Berührung. So waren sich die Zöllner nie sicher, ob die als Schmugglerin bekannte Bolze Lott jetzt gerade tatsächlich schmuggelte oder die Zöllner nur aufs Glatteis führen wollte. Die Beamten wurden immer unsicherer: Manche vergebliche Leibesvisitation endete in einer wüsteten Schlägerei, immer aber in üblen Beschimpfungen durch Bolze Lott, die sich vor den herbeieilenden Bürgern, davon viele selber als Schmuggler unterwegs, als unschuldiges Opfer darstellte.  

Et Bolze Lott, Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer
Et Bolze Lott, Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer

Abschaffung der Steuer beendet Schmuggelei der Bolze Lott

1874 wurde die Mehl – und Schlachtsteuer abgeschafft. Und Bolze Lott musste sich ein neues Betätigungsfeld für ihren Lebensunterhalt suchen. So verkaufte sie in einem Bauchladen Kerzen, Heiligenbildchen und anderes Jedöns vor Kirchen, an Wallfahrtsorten oder auf den umliegenden Kirchweihfesten.

Doch auch hier stand ihr ihr loses Mundwerk oft im Weg. Kunden, die nicht sofort kaufen, sondern zunächst nur schauen wollen, werden übel beschimpft. Auf einer Kirmes beleidigt sie den örtlichen Geistlichen, der ebenfalls nichts für ihren Tand übrig hat, mit den Worten „Paafgott – Raafgott. Düvel. Halt der Sack op!“2„Pfaffengut – Raffgut, Teufel halt den Sack auf!“

Tod mit 76 Jahren im Jahr 1902

Erstaunlich, dass Bolze Lott das stolze Alter von 76 Jahren erreicht. Ihre letzten Jahre verbringt sie in einer Wohnung in der Große Spitzengasse, heute als Tel-Aviv-Straße ein Teil der Nord-Süd-Fahrt. Doch auch im hohen Alter sind ihre Schimpftiraden noch berüchtigt. Als sie einen herumziehenden Kesselflicker beleidigt, entgegnet dieser „Lott, ich krigge alles gefleck, nur ding Schnüß, do kann ich och nix mache.“

Scholastika Steinhausen, geborene Bolz, stirbt am 3. September 1902. Über ihren Tod schreibt der Arzt und Heimatschriftsteller Josef Bayer:

„Ob sie bis hart an der Pforte des Todes ihr wüstes Schimpfen fortgesetzt hat oder ob sie, als Freund Hein sie beim Schopfe nahm, zu guter Letzt doch noch Reu und Leid erweckte, ist nicht bekannt, denn man hat sie an dem genannten Tage entseelt im Bett gefunden.“


Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die "Kölschen Originale"
Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die „Kölschen Originale“

Weitere Geschichten zu den „Kölschen Originalen“ gibt es hier:


In einem wunderschönen Kölsch hat Michael Waßerfuhr von den Kölschgängern die Geschichte von Bolze Lott erzählt. Schaut mal rein, lohnt sich!


Der Podcast: Kölsche Originale: Bolze Lott

 

Shownotes

Was für ein Glück, dass der „Cul de Paris“ Mitte des 19. Jahrhunderts modern war. Denn unter dem extrem ausladenden Reifrock konnte die in Köln als „Bolze Lott“ bekannte Schmugglerin Scholastika Lott mehrere Pfund Mehl und Speck vor den Zöllnern verstecken.

Mehr zu dieser Dame mit außergewöhnlich losem Mundwerk und ganz besonderen Schmuggel-Methoden gibt es im heutigen Köln-Ding der Woche.


Text dieser Podcast-Folge

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Köln-Ding der Woche.

Der super mega tolle Uli und der weniger unglaublich tolle, unglaublich mega tolle und gut aussehende Frank präsentieren euch heute ein kölsches Original. Ja, das ist nämlich die Bolze Lott.

Und wenn ihr die vorherige Folge über Bolze Lott gehört gabt, da haben wir über Kölsche Schimpfwörter gesprochen. Und die Bolze Lott ist sozusagen die Königin der Kölschen Schimpfwörter. Die hatte, ich will nicht sagen erfunden, aber zur Perfektion getrieben.

Bevor wir zu Bolze Lott selber kommen und ihre doch recht derben Ausdrucksweise, noch mal ganz grundsätzlich zu diesen Kölschere Originalen. Die haben alle was gemeinsam. Ich meine, ihr kennt die wahrscheinlich. Das ist sowas wie zum Beispiel Fleuten-Arnöldsche, Orjels Palm, dä Fressklötsch und so was.

Köln wächst ab 1880 gewaltig

Das sind alles Kölsche gewesen, die so im 18./19 Jahrhundert gelebt haben, tatsächlich als Köln noch überschaubar war. Also wenn wir über das Jahr 1880 reden, hatte Köln etwa 140.000 Einwohner. Und als dann richtig abging mit den Eingemeindungen, hatten wir auf einmal bis 1914 etwa 650.000 Einwohner in der Stadt. Die wurde unüberschaubar. Vorher alles schön klein und kuschelig. Und da hatten die Originale ihren Platz. Danach nicht mehr. Deswegen ist das alles, wenn man diese Originale so abklappert, alles in diesem Zeitraum vor dem großen Wachstum unserer Stadt.

Ja, es ist also heute ungemein schwierig, noch ein Original zu werden oder zumindest ein Original außerhalb des eigenen Veedels zu werden. Das haben jetzt vielleicht eine Handvoll Menschen geschafft, der Hans Süper, die Müllers Aap, auch die Plaat, also Jürgen Zeltinger. Dann wird es wahrscheinlich schon eng, naja, Tommy Engel natürlich.

Was aber schon skurril ist, ist, diese kölschen Originale werden heute so ein bisschen verehrt, vergöttert, weiß ich auch nicht genau. Kein Bierdeckel ohne kölsches Original, kein Kölschglas. Man findet die an verschiedenen Hauswänden angebracht, man findet die in ganz vielen Erzählungen. Und deswegen haben die durchaus ihren Platz. Das als kleine Vorgeschichte zu dem, was uns eigentlich heute erwartet, nämlich eine wilde Geschichte zu Scholastika Lott.

Bolze Lott

Ja, es muss also ein unglaublicher Anblick gewesen sein, als die Kölner Zöllner, sage ich mal, um 1850 herum, eine Frau auf sich zukommen haben sehen, die hatte kaum noch Zähne im Mund. Okay, damals war die Zahnhygiene, jetzt nicht so verbreitet wie heute Die hatten noch keine Boni-Hefte und keine Zahnärzte so richtig. Da ging man noch zum Medikus wahrscheinlich.

Aber sie war nach der neuesten Mode aus Paris gekleidet. Und diese neueste Mode, die hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Das war der Cul de Paris. Das ist so ein Rock mit so einer ausgestellten Fott. Also stellt euch vor, ihr habt einen Rock an und da hinten ist irgendwie bei Höhe der Fott wie so ein Fässchen draufgeschnallt. So ungefähr ist ja der Cul de Paris aus. Das war die neueste Mode damals und das war das große Glück für Bolze Lott.

Einführung Mehl- und Fleischsteuer 

Das zweite große Glück für sie war, dass 1856 in Köln die Mehl- und Fleischsteuer eingeführt worden ist. Das galt natürlich nicht außerhalb Kölns. Und die Schäl Sick war eben nicht Köln. Bis 1888, bis dann da drüben alles eingemeindet worden ist, war das nicht Köln. Und deswegen konnte man drüben billig einkaufen und dann nach Köln bringen.

Ja, dann hat Bolze Lott drüben billig gekauft und hat ihren ausladenden Reifrock, den man damals auch Königin-Hintern oder Watte-Hintern genannt hat ausgestopft mit den Sachen, die sie so gekauft hat. Das kennt man jetzt heute vielleicht, haben wir da vielleicht schon beim Film gesehen, wenn irgendwelche Frauen so tun, dass wenn sie schwanger werden, dann machen sie da was für sich, einen Luftballon rein oder wie auch immer.

So und dann ist die über diese Brücke hier watschelt und auf die Zöllner zu. Und was dann passierte war schon bemerkenswert. Die Bolze Lott hatte halt dann tatsächlich unter diesem ausladenden Rock unter Umständen ein paar Kilo Mehl und mehrere Pfund Speck versteckt und ging dann auf die Zöllner zu. Und die wollten die Dame natürlich kontrollieren, um den Zoll einzutreiben. Aber das haben die natürlich nicht ohne die Rechnung mit Bolze Lott gemacht, weil die war damit definitiv nicht einverstanden. Die zog mal richtig vom Leder.

Ja, man muss auch sagen, dass die Zöllner, die standen unter Eid, das waren jetzt nicht alles irgendwelche hergelaufenen Jungs, die den Zugang zu Zülpicher Straße am 11.11 kontrollieren und dann für fünf Euro das Türchen aufmachen, sondern die haben ihren Job wirklich ernst genommen. Also die haben angefangen zu kontrollieren. Was geschah dann, lieber Uli?

Ich will es nicht aussprechen. Ja, Bolze Lott hat die unflätig beschimpft, hat gesagt, das wären Föttchesföhler. Ein wunderschönes Schimpfwort. Wer letztes Mal aufgepasst hat, weiß noch genau, was das ist. Also die würden ihr ja an die Fott gehen, an das Gesäß gehen. Und da muss es ziemlich rüde zur Sache gegangen sein. Das ging dann auch schon bis zu Handgreiflichkeiten.

Schmugglerin

Diese Dame hat dann auch wirklich nichts gescheut, um ihrer Tätigkeit als Schmugglerin nachzugehen. Ja, zumal sie das auch sehr perfide bzw. klug eingefädelt hat. Also hat ist teilweise nichts geschmuggelt und ist über die Brücke. Wenn sie dann kontrolliert wurde, hat sie ein Riesentheater gemacht. Dann waren die schon so ein bisschen verunsichert, weil die haben ja nichts gefunden. Und dann ist sie beim nächsten Mal mit was drüber, dann haben die ja nicht kontrolliert. Also sie hat sich da immer sehr geschickt angestellt, muss man sagen.

Jetzt muss man die Dame natürlich im Zuge ihrer Zeit sehen. Also es hört jetzt alles so an, als wenn das irgendwie eine nur perfide Persönlichkeit gewesen wäre. Scholastika Botz wurde am 8.Dezember 1825 in Köln geboren. Die war natürlich schon ein Kind ihrer Zeit. Und die hatte nicht das allerschönste Leben, muss man dazu sagen.

Geboren in der wunderschönen Kotzgasse. Das war am Breslauer Platz. Also das ist dann später die Kostgasse geworden. Und das war deswegen die Kotzgasse, weil da wurde Kutt verarbeitet. Und das war das Innereien von allen möglichen Tieren. Da haben nämlich die Metzger gesessen damals. Und diese Gegend war alles andere als piekfein. Also das war schon eine ziemlich raue Gegend, wo auch die wilden Menschen gewohnt haben. Und da ist die Scholastika geschult worden.

Ja, da hat sie ihr grobes Mundwerk oder vorlautes Mundwerk auf jeden Fall da verfeinert. Ihr Vater war laut Übermittlung in Rhingroller. Also ein Tagelöhner, der seinen Lohn eher versoff, als dass er das Geld nach Hause gebracht hat.

Dann hat sie im Jahre 1846, glücklich weiß ich nicht, aber zumindest hat sie heiratet und zwar den Tagelöhner Johann Friedrich Steinhausen. Leider Gottes ist Folgendes passiert: Der war auch Tagelöhner, der war auch Ringroller. Und Rhingroller, das waren die Typen, Scheuer-Leute, das waren die Tagelöhner, die die Rheinschiffe be- und entladen haben und zwar nicht mit Kränen oder Gabelstaplern sondern mit purer Muskelkraft. Die Jungs hatten wahrscheinlich viel in de Maue, aber jetzt nicht unbedingt so unwahrscheinlich viel im Kopf.

Ehe nur von sehr kurzer Dauer

Ja, und dieser Friedrich Steinhausen und Bolze Lott haben geheiratet. Aber der war nicht nur Ringroller, sondern der hat auch noch einen anderen Ruf gehabt. Ja, der war ein stadtbekannter Schläger und ist noch während der Flitterwochen ins Gefängnis gekommen und leider Gottes auch kurz darauf gestorben.

Dann hat die mit 21 geheiratet und war mit 22 bereits Witwe und musste irgendwie für den Lebensunterhalt sorgen. Und das war für eine Frau in der damaligen Zeit nicht leicht. Wir reden jetzt über die Zeit um 1850.

Das war nicht besonders einfach und eine Gelegenheit für sie, um am Geld ranzukommen, war das als Kääze Möhn. Kääze Möhne haben Kirchen Kerzen an Gläubige verkauft, inklusive dem Service, dass sie selber in der Kirche anstecken würden. Also als Ersatz dafür, dass ich nicht selber in die Kirche gehe, zahlst man ihr das Geld, sie steckt die Kääz an und du bist von allen Sünden befreit.

Es gab nur ein kleinen Makel an dem Geschäftsmodell von ihr. Sie hat ab und an mal vergessen, das auch wirklich zu machen und hat dann ihre Kerzen, sag ich mal, doppelt, dreifach und vierfach verkauft. Das hat sich dann natürlich irgendwann mal rumgesprochen und dann blieben die Kunden aus. So und was hat sie dann gemacht?

Dann kam Gott sei Dank 1856 diese besagte Steuer für Produkte, die außerhalb der Stadt Köln produziert worden sind. Und das war diese Fleisch, Mehl und sonst was Steuer. Und das war ihre Chance, im Geld zu verdienen. Ja, dann hat sie die Zöllner mehr oder minder veräppelt und hat geschmuggelt oder auch nicht. Auf jeden Fall immer mit ziemlich viel Schreierei. Und deshalb war sie stadtbekannt als sehr, sehr loses Mundwerk.

Arbeit als Hausiererin

1874 wurde diese Mehl- und Schlachtsteuer dann abgeschafft und sozusagen hatte Bolze Lott auf einmal kein Betätigungsfeld und kein Lebensunterhalt mehr. Das war dann schon ein Problem für sie. Sie hat dann als nächstes versucht, wie so eine Art Hausierer mit einem Bauchladen irgendwelche Kääze und Bildchen von Heiligen und sonstiges Gedöns zu verkaufen. So ist dann zu diesen verschiedenen Wallfahrtsorten Sankt Ursula und auch hier am Rhein gezogen und hat dann da versucht, so die eine oder andere Mark zu machen.

Nun ist das ein bisschen schwierig. Wenn du aus der Kotzgasse kommst und mit dem Mundwerk aufgewachsen bist und Heiligenbildchen verkaufst, das passt nicht so unbedingt zusammen. Ja, also die hat auch dort auf den Kirmessen und vor den Kirchen die Kunden beleidigt, wenn sie denn dann nichts kaufen wollten.

Unter anderem hat sie mal einen Geistlichen wohl beleidigt, der ihren Tant, also für ihren Kram, nichts übrig hatte. Mit den Worten Paffjott, Raffjott, Düvel, Halt der Sack ob. Das heißt, also ich würde das jetzt mal so frei übersetzen, Pfaffe, du raffgieriger Teufel, halt den Sack auf.

76 Jahre alt geworden

Erstaunlich, dass diese Frau mit diesem Lebenswandel und mit den ganzen Umständen tatsächlich 76 Jahre alt geworden ist. Das hätte man eigentlich nicht gedacht. Damit war die weit über dem Durchschnitt ihrer Zeit. Ja, also nicht nur, dass sie in heutiger Zeit natürlich, sag ich mal, bei Google Bewertungen zu Kundenzufriedenheit, sag ich mal, relativ niedrig abschneiden würde. Aber sie ist wirklich 76 Jahre alt geworden. Das ist schon wirklich bemerkenswert.

Und sie ist im Jahre 1902 gestorben. Trotzdem hat sie auch bis zum hohen Alter ihre Schnüss, also doch ihr loses Mundwerk beibehalten. Da gibt es die schöne Geschichte noch, dass da Kesselflicker unterwegs waren. Das waren die Typen, die halt irgendwelche Kessel gelötet haben, wenn die dann leck gegangen sind. Das waren auch nicht gerade Typen, die um die Worte verlegen waren.

Aber bei der Lott kam einer von diesen Kesselflickern an und sagte dann zu ihr, Lott, ich kriege in alles jefleck, nur ding Schnüss, doch kann ich auch nix mieh machen. Ja, was auch frei übersetzt, so viel heißt, Lott, ich bekomme alles repariert, nur dein loses Mundwerk, da kann auch ich nichts dran machen.

Dann 1902 war es soweit, am 3. September 1902 ist Lott gestorben. Und es gibt ein wunderschönes Zitat von dem Arzt, der tatsächlich den Totenschein für sie ausgestellt hat, das war Josef Bayer und der hat gesagt, ob sie bis hart an der Forte des Todes ihr wüstes Schimpfen fortgesetzt hat oder ob sie, als Freund Hain sie beim Schopfe nahm, zu guter Letzt doch noch Reue und Leid erweckte, ist nicht bekannt, denn man hat sie an den genannten Tagen entseelt im Bett gefunden.

Und letztendlich würde ich diese Folge beschließen, wenn ihr mal einen blöden Spruch von einer Verkäuferin bekommt, beim Einkaufen oder was weiß ich wo. Ja, denkt dran, seid froh, dass die Bolze Lott nicht an der Kasse steht.

Was für ein schönes Schlusswort. Wir setzen diese Serie fort, mal gucken, welche Kölschen Originale wir sonst noch auspacken. Maht et jood, bleibt unanständig und bis demnächst.

 


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Der Barlach-Engel „Der Schwebende“ ist ein Friedensdenkmal

"Der Schwebende" von Ernst Barlach in der Kölner Antoniterkirche, Bild: Uli Kievernagel
„Der Schwebende“ von Ernst Barlach in der Kölner Antoniterkirche, Bild: Uli Kievernagel

Es ist eine späte Genugtuung: Dort, in der Antoniter-Kirche, wo in den braunen Zeiten Deutschlands am Seitenaltar eine Hakenkreuz-Flagge zu finden war, befindet sich seit 1952 „Der Schwebende“ von Ernst Barlach. Ausgerechnet eine Skulptur Barlachs, dessen Werke von den Nationalsozialisten als „entartet“ bezeichnet wurden, ersetzt das Symbol faschistischer Diktatur. Ein idealer Platz für dieses ganz besondere Friedensmahnmal.

Nationalsozialisten schmelzen Figur ein

Dabei war der Barlach-Engel eigentlich schon verloren. Ernst Barlach (1870 – 1938) erschuf die Figur des Engels als Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Zur 700-Jahr-Feier des Güstrower Doms im Jahr 1927 wurde die Figur der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Engel selber strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus. Friedlich schwebt er in der Kirche. Barlach selber wollte erreichen, dass der Engel einen Raum der Ruhe entstehen lässt. Die Figur trägt die Gesichtszüge der von Barlach so hoch geschätzten Käthe Kollwitz. Dazu Barlach selbst: „In den Engel ist mir das Gesicht von Käthe Kollwitz hineingekommen, ohne dass ich es mir vorgenommen hatte. Hätte ich sowas gewollt, wäre es mir wahrscheinlich missglückt.“

Der Engel lässt einen Raum der Ruhe entstehen, Bild: Uli Kievernagel
Der Engel lässt einen Raum der Ruhe entstehen, Bild: Uli Kievernagel

Dieses Mahnmal war so anders als die bis zu diesem Zeitpunkt üblichen Kriegsdenkmäler. Keine Glorifizierung, keine heldenhaften Soldaten, sondern ein Denkmal im ursprünglichen Sinne des lateinischen Wortes monumentum („gemahnen“, „erinnern“).

Wenig verwunderlich, dass die Nationalsozialisten mit diesem Ansatz und auch mit der gesamten Kunst Ernst Barlachs nicht viel anfangen konnten. So diffamierten sie auch dieses Werk als „Entartete Kunst“, und der Engel wurde am 23. August 1937 aus dem Güstrower Dom entfernt und später eingeschmolzen. Aus dem Material wurden dann ausgerechnet Rüstungsgüter, z.B. Geschosshülsen, hergestellt.

Heimlicher Zweitguss aus gerettetem Gipsmodell

Allerdings gelang es Freunden von Barlach, das originale Gipsmodell zu retten und davon heimlich im Jahr 1939 einen Zweitguss herzustellen. Dieses Exemplar wurde in der Lüneburger Heide bei dem Maler Hugo Körtinger versteckt. Das originale Gipsmodell wurde 1943 oder 1944 bei einem Bombenangriff in Berlin zerstört.

Dieser Zweitguss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Köln ausgestellt. Viele Museen waren an dem Erwerb der Skulptur interessiert, doch der Engel sollte seinen Platz wieder in einer Kirche finden. Die Gemeinde der Antoniterkirche hatte nach dem Krieg den damals unglaublichen Betrag von 10.000 Mark gesammelt1Dieser Betrag entsprach 1952 dem Gegenwert von zwei fabrikneuen VW-Käfer. um den Engel kaufen zu können.

Gedenkplatte unter dem Barlach-Engel mit den Zahlen "1914-1918 und 1933-1945", Bild: Uli Kievernagel
Gedenkplatte unter dem Barlach-Engel mit den Zahlen „1914-1918 und 1933-1945“, Bild: Uli Kievernagel

Und so hängt der Schwebende von Ernst Barlach seit 1952 in der Antoniterkirche. Genau dort, wo früher die Hakenkreuzfahne hing. Unter dem Engel befindet sich eine mit den Jahreszahlen „1914 – 1918, 1933 – 1945“ gravierte Platte. Ungewöhnlich, da in der Regel die Kriegsjahre 1939-1945 bei Kriegsdenkmälern genannt werden. Allerdings greift die Inschrift auch die Jahre der nationalsozialistischen Diktatur auf. Die Zeit, in welcher die Kunst von Barlach und vielen weiteren als „entartet“ bezeichnet wurden.

Ernst Barlach, Selbstporträt, 1928
Ernst Barlach, Selbstporträt, 1928

Barlach stirbt 1938 an Herzversagen

Barlach selber hat die Diffamierung seiner Kunst so schwer getroffen, dass auch sein Lebenswillen darunter litt. Ernst Barlach stirbt am 24. Oktober 1938 im Alter von 68 Jahren an Herzversagen. Im Jahr 1937 sagte er:

„Mein Kahn sinkt und sinkt immer rapider.
Die Zeit ist gekommen, in der ich ersaufe.“
 


"Der Schwebende" im Dom zu Güstrow, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-J0724-0301-004 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons
„Der Schwebende“ im Dom zu Güstrow, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-J0724-0301-004 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons

Drittguss der Figur wieder im Güstrower Dom

Der Guss, welcher in Köln hängt, diente bereits 1952 als Vorlage für einen Drittguss der Figur. Die Evangelische Gemeinde Köln finanzierte diesen Guss und schenkte die Skulptur 1953 der Gemeinde in Güstrow. Und so hängt „Der Schwebende“ heute auch wieder im Güstrower Dom.


„Kruzifix II“ und „Der Lehrende Christus“

Zusätzlich zu dem „Schwebenden“ beherbergt die Antoniterkirche Köln mit dem „Kruzifix II“ und „Der Lehrende Christus“ zwei weitere ‚Kunstwerke von Ernst Barlach.

Weitere Informationen dazu bietet die Website der Aniterkirche:
Barlachs Kunst in der Antoniterkirche

 


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Der Friedenswald in Rodenkirchen: Symbol für die Freundschaft der Staaten

Diese Zierkirsche im Friedenspark symbolisiert Äthiopien, Bild: Uli Kievernagel
Diese Zierkirsche im Friedenspark symbolisiert Äthiopien, Bild: Uli Kievernagel

In Eintracht stehen im Friedenswald die ehemalige Sowjetunion (Zirbelkiefer) und Polen (Lärche) nebeneinander. Nur ein paar Meter weiter findet sich die USA (Coloradotanne). Von Finnland (Sandbirke) bis nach Monaco (Esskastanie) sind es nur wenige Meter. Unterwegs kommt man noch an Kambodscha (Mammutbaum), Kolumbien (Amberbaum) und der Libanonzeder vorbei. Die ganze Welt spielt sich hier auf gerade mal 26 Hektar ab. Friedlich und in Harmonie. Der Friedenswald in Rodenkirchen, direkt am Fortbotanischen Garten gelegen, bildet mit jeweils typischen Bäumen aus aller Welt insgesamt 141 Länder ab.

Die Sibirische Zirbelkiefer, auch Sibirische Zeder genannt, symbolisiert die ehemalige Sowjetunion, Bild: Uli Kievernagel
Die Sibirische Zirbelkiefer, auch Sibirische Zeder genannt, symbolisiert die ehemalige Sowjetunion, Bild: Uli Kievernagel

Vielfalt, Offenheit und Freundschaft der Staaten

Die landestypischen Bäume stehen im Friedenswald für die Vielfalt, Offenheit und Freundschaft der Staaten. Dabei stellt diese Anpflanzung die Welt im Jahr 1980 dar. Berücksichtigt wurden Länder, zu denen die Bundesrepublik Ende im Jahr 1980 diplomatische Beziehungen unterhielt. Neue, seitdem gegründete Staaten sucht man im Friedenswald vergebens.1Deswegen ist auch die Ukraine dort nicht vertreten: Die Ukraine erklärte sich erst am 24. August 1991 unabhängig. Lediglich einzelne Tafeln wurden angepasst. So wurde z.B. aus der Sowjetunion mit der Zirbelkiefer die „ehemalige Sowjetunion“ und auch die DDR wird als „ehemalige Deutsche Demokratische Republik“ (Winterlinde) gekennzeichnet.

Da die typischen Bäume der tropischen Länder in unserem Klima nicht überleben würden, werden diese durch symbolische Bäume vertreten. Das erklärt auch den Zürgelbaum für Costa Rica oder die Schwarzbirke für Malaysia.

Die Anordnung der Bäume erfolgt nach Kontinenten. So ist es möglich, innerhalb von weniger als einer Stunde von Europa durch Afrika, weiter nach Australien und Asien bis Amerika zu spazieren. In der Mitte des Parks befindet sich ein großer, gut gepflegter Spielplatz. Und der kleine, aufgeschüttete Hügel im Friedenswald ist, sobald im Winter auch nur zwei Zentimeter Schnee in Köln fallen, ein beliebtes Rodelrevier für die Pänz.

Schöner ist es im Friedenswald allerdings im Frühling und Sommer, wenn man sich die Zeit nimmt und immer wieder rechts und links die typischen Bäume und die Flaggen der Welt anschaut. Und so auch lernt, dass die Flagge der Seychellen (Baum: Steinweichsel) zu den schönsten Flaggen der Welt gehört.

Im Friedenspark symbolisiert eine Steinweichsel (auch als Felsenkirsche oder Weichselkirsche bekannt) die Seychellen. Bild: Uli Kievernagel
Im Friedenspark symbolisiert eine Steinweichsel (auch als Felsenkirsche oder Weichselkirsche bekannt) die Seychellen. Bild: Uli Kievernagel

Der Friedenspark – ein Kind des Kalten Kriegs

Michael Waßerfuhr von den Kölschgängern hat noch vor knapp zwei Jahren, am 25. April 2020, über den Friedenswald geschrieben: „Er ist ein Kind des Kalten Krieges, der von 1947 bis 1991 ging, und der Wunsch nach Frieden wuchs. Wir wissen ja noch alle, als wir aufrüsteten, weil wir fast täglich auf Raketen aus dem Ostblock gewartet haben – die nie gekommen sind. Der Krieg blieb kalt.“

Heute haben wir auf einmal keinen „Kalten Krieg“ mehr. Der Krieg ist da. Ganz nah. Und die Aufrüstung läuft auf Hochtouren. Nur die Bäume im Friedenswald stehen in friedlicher Eintracht nebeneinander. Auch die Zirbelkiefer für die ehemalige Sowjetunion, die Lärche für Polen und die 139 anderen Bäume.


Bitte nicht verwechseln: Friedenspark und Friedenswald

Der Friedenspark mit dem Imagine-Denkmal befindet sich rund um das alte Fort I, direkt am Rheinufer, nicht weit weg von der Südbrücke. Der hier beschriebene Friedenswald ist in Rodenkirchen, direkt am Forstbotanischen Garten.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Die Kölner Friedensstraße erinnert an den „Frieden von Frankfurt“

Die Kölner Friedensstraße, gelegen zwischen Martinsfeld und Perlengraben, Bild: Uli Kievernagel
Die Kölner Friedensstraße, gelegen zwischen Martinsfeld und Perlengraben, Bild: Uli Kievernagel

In Köln erinnert die gerade einmal 200 Meter lange Friedensstraße, gelegen zwischen Martinsfeld und Perlengraben, an das Kriegsende des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71. Am 10. Mai 1871 schlossen die Französische Republik und das Deutsche Reich den „Frieden von Frankfurt“.

Blick in die Friedensstraße. Bild :Uli Kievernagel
Blick in die Friedensstraße. Bild :Uli Kievernagel

Krieg zwischen Deutschland und Frankreich

Am 19. Juli 1870 eskalierte der Streit um die spanische Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen in der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen. Das Kalkül des französischen Kaisers Napoléon III., es nur mit den Preußen aufzunehmen, ging nicht auf. Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt schlossen sich Preußen an.

So kam es am 1. und 2. September 1870 zur entscheidenden „Schlacht von Sedan“ an der Maas in den Ardennen: Etwa 200.000 Soldaten der Preußen und ihrer Verbündeten trafen auf 130.000 französische Soldaten. Insgesamt kamen dort mehr als 11.500 Soldaten ums Leben, etwa 20.000 Menschen wurden verwundet. Die deutsche Seite konnte die Schlacht für sich entscheiden, die französischen Truppen kapitulierten und Kaiser Napoléon III. wurde gefangengenommen.

Bayrische Soldaten stürmen ein Haus in Bazeilles (Vorort von Sedan), Gemälde von Carl Röchling
Bayrische Soldaten stürmen ein Haus in Bazeilles (Vorort von Sedan), Gemälde von Carl Röchling

Deutsch-französische Erzfeindschaft

Der Friedensschluss, an welchen die Kölner Friedensstraße erinnert, hatte schwerwiegende Folgen für das deutsch-französische Verhältnis. In dem Friedensvertrag wurde neben Reparationszahlungen von Frankreich an das Deutsche Reich auch festgehalten, dass Frankreich große Gebiete des Elsass und Lothringens an Deutschlands abtreten musste. Große Bevölkerungsteile sowohl in Frankreich als auch im Deutschen Reich, betrachteten sich gegenseitig als „Erzfeinde“.

"Selbsterhaltung. Man muss der Bestie die Krallen abschneiden, damit man künftig Ruhe vor ihr hat." Karikatur bezüglich der Abtrennung Elsass-Lothringens von Frankreich nach den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 aus der Zeitschrift "Kladderadatsch" vom 4. September 1870
„Selbsterhaltung. Man muss der Bestie die Krallen abschneiden, damit man künftig Ruhe vor ihr hat.“ Karikatur bezüglich der Abtrennung Elsass-Lothringens von Frankreich nach den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 aus der Zeitschrift „Kladderadatsch“ vom 4. September 1870

Angeheizt wurde diese Feindschaft auch durch Verse wie diese:

Auf, Deutschland, auf, und Gott mit dir!
Ins Feld! Der Würfel klirrt!
Wohl schnürt’s die Brust uns, denken wir
Des Bluts, das fließen wird!
Dennoch das Auge kühn empor!
Denn siegen wirst du ja:
Groß, herrlich, frei, wie nie zuvor!
Hurra Germania!
Hurra, Viktoria!
Hurra, Germania
(Ferdinand Freiligrath: Hurra, Germania!)

„Epilog zum Krieg“ von 1871 ist heute erschreckend aktuell 

Mahnende Stimmen, wie die von dem in Deutz geborenen Sozialisten und späteren Begründer der Sozialdemokratie, August Bebel (1840 -1913), zu diesen kriegstreibenden Worten, blieben ungehört. Und so ist heute das Gedicht „Epilog zum Kriege“, welches Georg Herwegh im Februar 1871 veröffentlichte, erschreckend aktuell:

Mir graut vor dir, ich glaube fast,
Daß du, in argen Wahn versunken,
Mit falscher Größe suchst zu prunken
Und daß du, gottesgnadentrunken,
Das Menschenrecht vergessen hast.

Wie gerne würde ich noch heute so manche Straße in Köln in „Friedensstraße“ umbenennen, wenn nur das Morden in der Ukraine ein Ende finden würde.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Das Imagine-Denkmal im Friedenspark am Rheinufer

Das Imagine-Denkmal im Friedenspark am Rheinufer, Bild: Uli Kievernagel
Das Imagine-Denkmal im Friedenspark am Rheinufer, Bild: Uli Kievernagel

Imagine there’s no countries,
it isn’t hard to do.
Nothing to kill or die for
and no religion, too.

Imagine all the people
living life in peace.
(John Lennon, Imagine)

Vielleicht war Lennons Utopie vom Frieden nie wichtiger als heute. Lennon beschreibt eine Welt ohne Länder und somit nichts, wofür es sich lohnt zu töten oder zu sterben. In New York erinnert daran das „Imagine“-Denkmal im Central Park. Und auch Köln erinnert mit einem eigenen Imagine-Denkmal an den großen Künstler und seine Mahnung, zusammen in Frieden zu leben.

Der Friedenspark ist ein geschichtsträchtiger Ort

Das Kölner Imagine-Denkmal befindet sich im Friedenspark am Rheinufer, fast direkt an der Südbrücke. Etwas bescheidener als das New Yorker Vorbild ist es doch an einem idealen und sehr geschichtsträchtigen Ort platziert. Denn der heutige Friedenspark befindet sich im ehemaligen Fort I des preußischen Verteidigungsrings.

Das Fort I im Friedenspark, Bild: Uli Kievernagel
Das Fort I im Friedenspark, Bild: Uli Kievernagel

Ab 1816 begannen die Preußen mit der massiven Befestigung Kölns. Als das Bauvorhaben 1863 beendet wurde, war Köln die am besten befestigte Stadt Europas. 182 einzelne Bauwerke rund um die Stadt bildeten die „Festung Cöln“.

Und mittendrin das Fort I – der heutige Friedenspark. Dieses Fort, ursprünglich als „Rheinschanze“ bezeichnet und nach dem Umbau zwischen 1882 bis 1891 „Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg“ gewidmet, wurde aber bereits 1911 als Festungsbauwerk aufgegeben und zu einer Gartenanlage umgebaut. Zwischendurch (ab 1919) diente das Fort als Mensa für die nahe gelegenen Universität.

Kriegerisch wurde es dort erst wieder im Zweiten Weltkrieg, als auf dem Dach eine Flugabwehrstellung aufgebaut wurde. In der Nachkriegszeit wurde das Fort zwischenzeitlich als Außenstelle des Finanzamts und Lager des städtischen Gartenamts genutzt,  bis 1978 durch eine Elterninitiative der Bauspielplatz  entstand.

Logo des Bauspielplatz Friedenspark. Bild: Jugendzentren Köln gGmbH
Logo des Bauspielplatz Friedenspark. Bild: Jugendzentren Köln gGmbH

Die Stadt bezeichnete die Spielplatznutzung als „Besetzung“ und ließ die hölzernen Aufbauten am Nikolaustag 1978 abbrennen. Heute geht es im Friedenspark friedlicher zu. Seit 1998 ist der Bauspielplatz ein Teil der städtischen Tochtergesellschaft Jugendzentren Köln gGmbh.  

Rekordverdächtig: Realisierung des Imagine-Denkmals in nur einem Jahr

Das Kölner Imagine-Denkmal wurde auf Initiative des ausgesprochenen Lennon-Fans und „kölschen Franzosen“ Maitre Sardou errichtet. Etwas bescheidener als das New Yorker Vorbild ist der Gestaltung des Kölner Denkmals aber ganz ähnlich: Ein Kreis aus grauen Basaltsteine – etwa vier Meter im Durchmesser –  enthält in der Mitte das Wort „Imagine“.

Obwohl für den Imagine-Schriftzug sogar Carrara-Marmor verwendet wurde, kostete das Kölner Denkmal kein Geld. Es wurde im Rahmen ihrer Ausbildung von drei Azubis, Stefan Vonnahme, Dustin Busack und Christian Blum unter Leitung des Gartenbauingenieurs Werner Becker vom Grünflächenamt angelegt. Die verwendeten Materialien waren Reste anderer städtischer Bauvorhaben. Nach nur einem Jahr Vorlaufzeit – für Köln absolut rekordverdächtig – wurde das das Imagine-Denkmal am 9. Oktober 2012 eröffnet.  

Das Imagine-Denkmal in Strawberry Fields , Central Park New York. Bild: Ralph Wilfing. pixabay
Das Imagine-Denkmal in Strawberry Fields, Central Park New York. Bild: Ralph Wilfing. pixabay

Imagine – eine zeitlose Hymne voller Trost und Hoffnung

Lennons Lied handelt von seinem aufrichtigen Glauben an eine friedliche Welt. Der „Rolling Stone“ schreibt: „Aber der Song ist noch mehr, hat eine Bedeutung bekommen, die weit über das Werk Lennons hinausweist – eine zeitlose Hymne voller Trost und Hoffnung, die ihre Hörer durch tiefe Trauer getragen hat […] Man kann sich heute eine Welt ohne „Imagine“ kaum mehr vorstellen.“

Und gerade in diesen finsteren Zeiten, in welchen der russische Despot Putin glaubt, sich über alle Grenzen der Menschlichkeit hinwegsetzen zu können, braucht es eine Welt, die einig ist. Gegen Aggression. Gegen den Krieg. Für den Frieden.

You may say I’m a dreamer,
but I’m not the only one.
I hope someday you’ll join us
and the world will be as one.
(John Lennon, Imagine)


 
Der Hans-Abraham-Ochs-Weg, offizielle Adresse des Bauspielplatzes im Friedenspark, Bild: Uli Kievernagel
Der Hans-Abraham-Ochs-Weg, offizielle Adresse des Bauspielplatzes im Friedenspark, Bild: Uli Kievernagel

Der Hans-Abraham-Ochs-Weg

Hans Abraham Ochs wurde im Alter von nur acht Jahren am 30. September 1936 im Römerpark von Mitgliedern der Hitlerjugend zu Tode geprügelt, nachdem diese sich durch den „Halbjuden“ provoziert gefühlt haben. Diese traten auf den bereits am Boden liegenden Hans Abraham immer weiter ein.

In der offiziellen Untersuchung wurde als Todesursache eine angebliche  Bauchfellentzündung festgestellt. Die Familie Ochs verzichtete – vermutlich aus Angst vor Rache der braunen Machthaber – auf eine Anzeige. In der Todesanzeige stand daher auch nur

„Am 30. September 1936, 19 Uhr, wurde mein liebes Kind, unser lieber Bruder, Neffe und Enkel Hans nach kurzer schwerer Krankheit von uns genommen. In tiefer Trauer Frau Witwe Luise Ochs und Anverwandte. Köln, 1. Oktober 1936, Trajanstraße.“

Die Mörder wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Heute erinnert der Hans- Abraham-Ochs-Weg an dieses Verbrechen. 


Der Adler im Friedenspark als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, Bild Uli Kievernagel
Der Adler im Friedenspark als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, Bild Uli Kievernagel

Bläck Fööss: „Ungerm Adler“

Auch die „kölschen Beatles“, die Bläck Fööss, haben dem Friedenspark ein Antikriegslied gewidmet. Der Song „Ungerm Adler“ bezieht sich auf den riesigen, aus eingeschmolzenen Kanonen des Ersten Weltkriegs errichteten Adler im Friedenspark. Dieses Mahnmal erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.

Die Fööss stellen in dem Lied meisterhaft den Kontrast zwischen dem friedlichen Zusammenleben auf dem Bauspielplatz und im Friedenspark auf der einen Seite und dem „fliegenden Adler“ als Symbol für den Krieg dar. So lautet es in dem Text:

Ungen ahn d’r Südbröck do ess ne Park, nit wigg vum Rhing,
do hührste Kinder laache, do blöhen dausend Ruuse im Sunnesching.
Do treffen sich die Ahle, zum Kaate un zum Schwaade,
un sitzen do die künnen uns verzälle wie et dohmols wor.

Mitten in dem Park do steiht ne Bronzeadler huh ob enem Stein
erinnert an Soldate, die kohmen uss dem Kreech nit mieh Heim.

Doch sulang der Adler steiht op dem Stein, sulang ess et jood.
Denn als he dohmols floch, jo do braat he, nur Elend un Nut.
wenn ich su vüür em stonn, in singem Schatten
dann denk ich an dich un mich und ich han nur dr eine Wunsch
dat d´r Adler nie widder flüüch.
(Bläck Fööss, Ungerm Adler)


Der Bolzplatz am Friedenspark - maßgeblich gefördert durch die Lukas-Podolski-Stiftung. Bild: Uli Kievernagel
Der Bolzplatz am Friedenspark – maßgeblich gefördert durch die Lukas-Podolski-Stiftung. Bild: Uli Kievernagel

Lukas-Podolski-Stiftung fördert Bolzplatz am Friedenspark

Poldi, Lukas Podolski, besitzt eine Wohnung in den Kranhäusern, nicht weit weg vom Friedenspark. Und seine Stiftung hat mit 300.000 Euro zu der 600.000 Euro teuren Sanierung des Bolzplatzes am Friedenspark beigetragen. Übrigens nicht die erste Spende der Stiftung zur Sanierung maroder Sportanlagen in der Stadt.

Auf die Frage, ob Poldi auch mal am Bolzplatz anzutreffen sei, antwortet er im Kölner Stadt-Anzeiger: „Ich wohne hier in der Nähe und bin ein Kind des Bolzplatzes. Ich werde sicher in den nächsten Tagen auch selber mal hier sein und ein bisschen Fußball spielen. Bolzplätze waren schon immer meine Lieblingsplätze.“

Ein Kölner Idol: Lukas Podolski, Bild: Sven Mandel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Ein Kölner Idol: Lukas Podolski, Bild: Sven Mandel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mal sehen, wann der von den Kölnern so geliebte Poldi seine Statue am Rathaus bekommt. Und Ehrenbürger wird. Und Karnevalsprinz. Mindestens.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung

Plakat „Nie wieder Krieg“ im Kölner Käthe Kollwitz Museum

Käthe Kollwitz: Nie wieder Krieg, 1924, Bild: Public domain, via Wikimedia Commons
Käthe Kollwitz: Nie wieder Krieg, 1924, Bild: Public domain, via Wikimedia Commons

Die weltweit umfangreichste Sammlung von Werken der Künstlerin Käthe Kollwitz (1867 – 1945) ist im Kölner Käthe Kollwitz Museum zu finden. Direkt am Neumarkt werden Werke der Graphikerin, Zeichnerin und Bildhauerin ausgestellt.

Käthe Kollwitz hat in ihrem eigenem Leben Leid und Trauer durch den Krieg erfahren. Ihr Sohn Peter fiel im Oktober 1914 mit nur 18 Jahren beim Kampf an der belgischen Kanalküste in Westflandern. Zur Erinnerung an ihren Sohn hat sie die Plastik „Trauerndes Elternpaar“ geschaffen. Das Original dieser Plastik steht auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Vladslo in Belgien. Eine Kopie, angefertigt von Joseph Beuys und Erwin Heerich, steht in Alt St. Alban in der Innenstadt.

Plastik "Trauerende Eltern", Kopie in Alt St. Alban, Köln. Das Original von Käthe Kollwitz steht auf dem Soldatenfriedhof in Vladslo, Belgien, Bild: Uli Kievernagel
Plastik „Trauerende Eltern“, Kopie in Alt St. Alban, Köln. Das Original von Käthe Kollwitz steht auf dem Soldatenfriedhof in Vladslo, Belgien, Bild: Uli Kievernagel

Zentrale Themen im Werk von Käthe Kollwitz sind auf der einen Seite Krieg, Armut und Tod, auf der anderen Seite aber auch das Ringen um Frieden. Dieses eindringliche Bekenntnis zum Frieden spiegelt sich auch in dem Plakat „Nie wieder Krieg“ wieder.

Plakat „Nie wieder Krieg“

Zum 10. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs finden im Jahr 1924 in Deutschland Massenkundgebungen statt, die vor den Gefahren eines neuen Kriegs warnen. Auch die Sozialistische Arbeiterjugend beteiligt sich mit dem „Mitteldeutschen Jugendtag“ an diesen Veranstaltungen. Als Auftragsarbeit fertigt Käthe Kollwitz das Plakat „Nie wieder Krieg“ an.

Es zeigt einen jungen Menschen, der laut „Nie wieder Krieg“ ausruft. Die rechte Hand ist zum Schwur erhoben, die linke Hand liegt auf seinem Herz. Der junge Mann scheint im Gegenwind zu stehen, die Haare wehen, der Gesichtsausdruck ist angestrengt. Die erhobene rechte Hand beherrscht das ganze Bild und überlagert wie ein Ausrufezeichen die handschriftliche Eintragung. Um die Eindringlichkeit der Forderung „Nie wieder Krieg“ ganz deutlich zu machen, sind die Worte unterstrichen, der Begriff „Krieg“ sogar doppelt.

Ich bin einverstanden damit, daß meine Kunst Zwecke hat.“

Käthe Kollwitz ist stark in der Friedensbewegung der 1920er Jahre engagiert. So notiert sie am 21. Oktober 1922 in ihrem Tagebuch:

„Wenn ich mich mitarbeiten weiß in einer internationalen Gemeinschaft gegen den Krieg, habe ich ein warmes, durchströmtes und befriedigtes Gefühl. … Ich bin einverstanden damit, daß meine Kunst Zwecke hat.“

Käthe Kollwitz (1906), Bild: Philipp Kester, Public domain, via Wikimedia Commons
Käthe Kollwitz (1906), Bild: Philipp Kester, Public domain, via Wikimedia Commons

Kollwitz wendet sich damit ausdrücklich gegen die Position „L’art pour l’art“ (sinngemäß „die Kunst um der Kunst willen“). Nach dieser Auffassung soll die Kunst sich selbst genügen und keinen eigenen Zweck verfolgen. Dies ist der Künstlerin Kollwitz zu wenig, sie will ausdrücklich eine nachhaltige Wirkung erzielen. Zum Plakat „Nie wieder Krieg“ schreibt sie im Dezember 1922 in einem Brief:

„Vom internationalen Gewerkschaftsbund habe ich den Auftrag bekommen, ein Plakat gegen den Krieg zu arbeiten. Das ist eine Aufgabe, die mich freut. Mag man tausendmal sagen, daß das nicht reine Kunst ist, die einen Zweck in sich schließt. Ich will mit meiner Kunst, solange ich arbeiten kann, wirken.“

Diese eindringliche Wirkung des Plakats hat die Zeit überdauert. Auch die Friedensbewegung der 1970er Jahre bis heute nutzt dieses Plakat, um für den Frieden zu werben.

Somit lag Käthe Kollwitz in ihrer Einschätzung, dass ihre „Kunst Zwecke hat.“ eindeutig richtig.


Das Käthe Kollwitz Museum am Neumarkt in Köln
Das Käthe Kollwitz Museum am Neumarkt in Köln

Das Kölner Käthe Kollwitz Museum bietet aktuell eine hochaufgelöste Version des Plakats für private, nicht kommerzielle Zwecke, kostenlos zum Download an.


E-Mail-Newsletter

Das "Köln-Ding der Woche" per E-Mail frei Haus. Jede Woche sonntags ein neues Detail zur schönsten Stadt der Welt. Zum Hören als Podcast oder zum Lesen im Blog.

Aber immer kurz & knackig, immer subjektiv & voreingenommen. Und immer kostenlos!
Datenschutz 

Für den Fall, dass dich die standardisierte Anmeldeprozedur nervt, gibt es auch die kölsche Lösung: Schick mir einfach eine Mail an uli@koeln-lotse.de und ich trage dich in den Verteiler ein.


*Datenschutzerklärung