Das neue Logo des Kölner Doms

 

Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen
Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen

Kölle ohne den Dom? Undenkbar!
Weil das so ist, findet sich der Dom mit seiner einprägsamen Silhouette auch auf T-Shirts, Taschen, Regenschirmen, Aschenbechern, Feuerzeugen, Kugelschreibern und so weiter. Und auch viele kölsche Einrichtungen, Firmen, Verbände oder Vereine verarbeiten den Dom in ihrem Logo. Egal ob Stadtverwaltung, IHK, Feuerwehr, Zoo, Dom-Kölsch – alle nutzen die charakteristischen Dom-Spitzen für ihre Selbstdarstellung. Selbst der Geißbock des ruhmreichen EffZeh stützt sich auf dem Dom ab.

Herausforderung: Logo für den Dom selber

In den vergangenen Jahren hat sich das Domkapitel die Aufgabe gestellt, ein Logo für den Dom selber zu finden. So wurde im Frühsommer 2019 eine Ausschreibung gestartet. Die Aufgabe: Konzeption des neuen Erscheinungsbilds für den Dom.

Mehr als 300 Agenturen aus aller Welt haben auf diese Ausschreibung reagiert. Gewonnen hat die Agentur jäger & jäger aus Überlingen am Bodensee mit einem aus sieben Dreiecken bestehenden Logo. Regina Jäger, Mitinhaberin der Gewinner-Agentur, war begeistert von diesem Auftrag: „Die Aufgabenstellung, für den Kölner Dom und die dazugehörigen Institutionen eine visuelle Klammer zu finden, gehört mit zu den spannendsten und faszinierendsten Aufgaben überhaupt: Die Schaffung einer visuellen Identität für ein weltweit bekanntes Gotteshaus und Wahrzeichen.“

Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen
Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen

Sieben Dreiecke bilden die Westfassade

Das neue Logo nutzt die weltbekannte Grundform der Westfassade des Doms. Diese wird aus sieben gleichschenkligen Dreiecken nachgebildet. Die Basis bilden drei goldene Dreiecke am Boden, die gemeinsam eine Krone bilden – als Symbol für den Schrein der Heiligen Drei Könige. Zwei weitere Dreiecke, in warmen Rottönen, zeigen nach oben und stellen die beiden Türme dar. Diese werden durch zwei weitere blau/lila gefärbte Dreiecke gespiegelt – vergleichbar wie der Dom, welcher sich selber im Rhein spiegelt.

Das Dreieck steht, so der Kölner Dompropst Guido Assmann, für den dreieinigen Gott: Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. Und es ist auch kein Zufall, dass es sich insgesamt um sieben Dreiecke handelt: Diese Zahl steht für Vollkommenheit. Immerhin wurde die Welt an sieben Tagen erschaffen. Doch die „sieben“ spielt auch an anderen Stellen in der Bibel eine entscheidende Rolle: Die Buchrolle in der Offenbarungsgeschichte enthält die sieben Siegel der göttlichen Bestimmungen für das Ende der Welt, es gibt sieben Sakramente und auch sieben Todsünden. Die verwendeten Farben greifen die klerikale Farblogik auf: Kardinäle sind an ihren roten, Bischöfe an ihren violetten Kappen zu erkennen.

Das Logo steht mit dem entsprechendem Schriftzug auch für die Organe des Doms und soll deren Zusammengehörigkeit symbolisieren. Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen
Das Logo steht mit dem entsprechendem Schriftzug auch für die Organe des Doms und soll deren Zusammengehörigkeit symbolisieren. Copyright: Hohe Domkirche Köln; Entwurf: jäger & jäger, Überlingen

Herleitung stimmig, Ausführung gut

Die Kritik an dem Logo ließ nicht lange auf sich warten. In den sogenannten „Sozialen Medien“ wurde sehr schnell scharf geschossen „Meister Gerhard1Meister Gerhard war der erste Dombaumeister des Kölner Domswird sich im Grabe umdrehen“ oder „grauenhaft“ sind noch die zitierfähigen Kommentare. Der oder die Nutzer*in mit dem schönen Namen „Superhörnchen“ meint sogar, dass auch Grundschüler auf das neue Logo hätten kommen können.

Es gab aber auch Zuspruch zu dem Design: „Sehr schönes Logo. Ein Logo das Namen und Dom gerecht wird.“ Oder „Die Herleitung ist stimmig, die Ausführung ist gut gemacht.“ Auch ein Fachmann wie Zeljko Cavara, Inhaber der Designagentur xyzettgraphix. | büro für visuelle kommunikation, sieht das Logo positiv: „Es ist eine große Herausforderung, für ein weltbekanntes Bauwerk ein ebenso klares, einprägsames wie auch einfaches und verständliches Logo zu entwickeln.“ Cavara weist auch darauf hin, dass solche Darstellungen ganz praktisch in jeder Größe, egal ob auf einem Bleistift oder einer Fahne, erkennbar sein müssen. Eine Bedingung, die das neue Dom-Logo erfüllt.

Logo des Nationalparks Berchtesgaden
Logo des Nationalparks Berchtesgaden

Neues Logo nur eine Kopie?

Der Kölner Express witterte gleich den ganz großen Skandal und titelte „Logo-Posse beim Kölner Dom“. Die Redakteure des Boulevard-Blattes fanden im Logo des Nationalparks Berchtesgadener Land auch sieben gestapelte Dreiecke. Kein Grund zur Aufregung, twitterte der Designer Achim Schaffrinna: „Wer sucht, wird zu JEDEM Logo ein Zeichen finden, das über gewisse Ähnlichkeiten verfügt. Deshalb ist es noch lange keine Kopie. Die einzige Posse, die ich hier zu erkennen vermag, ist die Art und Weise, wie seitens der Express-Redaktion versucht wird, ein Thema aufzubauschen.“

Der schönste und treffendste Kommentar zum neuen Logo kommt vom Kölner Designer Stefan Flach: „Alles in allem wirkt das Logo auf mich wie ein klarer, gradliniger, sauberer Ruhepol in dieser mies verbauten Stadt.“

Recht hat er!


Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen
Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen

Der Dom in Zahlen

Unser wunderschöner Dom zieht alle in seinen Bann. Und dann kommen die Fragen:
Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Antworten auf alle diese Fragen gibt der Beitrag „Von 4 bis 10 Milliarden – Der Dom in Zahlen“.


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Kölner Brücken: Die Konstantinbrücke – Kölns erste feste Rheinquerung

Darstellung der Konstantinbrcke aus dem Jahr 1608 mit viel künstlerischer Freiheit, so gab es z.B. keinen Turm in der Brückenmitte
Darstellung der Konstantinbrücke aus dem Jahr 1608 mit viel künstlerischer Freiheit, so gab es z.B. keinen Turm in der Brückenmitte

Ich ben en kölsche Bröck
üvver die halv Kölle jöck.
Ich hald‘ minge Puckel hin
für üch he am Rhing.

(Kölsche Bröck von den Bläck Fööss)

Wie schön, dass es „Köln am Rhein“ heißt. Die Stadt hat sich in den letzten 2.000 Jahren links und rechts vom Fluss gebildet. Soweit alles gut. Doch das Drama beginnt, sobald man von einer Rheinseite auf die andere wechseln will. Wenn man nicht gerade mit der Personenfähre „Krokodil“ oder der Langeler Autofähre unterwegs ist, muss man eine Brücke nehmen. Deren gibt es heute insgesamt acht. Aber es gab auch einige Vorläufer, die heute nicht mehr existieren.

Die „Konstantinbrücke“ oder auch „Römerbrücke“

Unstrittig ist, dass es diese erste Brücke über den Rhein in Köln tatsächlich gab. Strittig ist allerdings, wie sie tatsächlich ausgesehen hat und vor allem, bis wann die Konstantinbrücke genutzt wurde.


Steckbrief Konstantinbrücke

  • Konstruktion: Steinpfeiler, Holz
  • Länge: 420 m
  • Breite: 10 m
  • Fertigstellung: ca. 310 n. Chr.

Der Rhein als Grenze

Strategisch war diese Brücke ein entscheidender Vorteil für die Römer: Der Rhein bildete die Grenze zwischen den links­rhei­ni­schen von den Römern besetzten Gebieten und den rechts­rhei­ni­schen Ger­ma­nen. Während Cäsar die Gebiete links vom Rhein für „zi­vi­li­sie­rungs­fä­hig“ hielt, sprach er den „rechtsrheinischen Barbaren jegliches Ro­ma­ni­sie­rungs­po­ten­ti­al ab“1Lambrecht, Ulrich, Der Rhein im Denken der Römer

Um die wichtige Colonia Claudia Ara Agrippinensium, unser heutiges Köln, vor den „rechtsrheinischen Barbaren“ zu schützen, wurde im heutigen Deutz etwa 308 n. Chr. das Kastell Divitia als Brückenkopf errichtet.

Goldmünze, geprägt um 315 n. Chr. in Trier. Deutlich zu erkennen ist das Kastell Divitia, seitlich des Kastells sitzen ein besiegter Franke und Alemanne. Von der Konstantinbrücke sind zwei Bögen zu sehen, Bild: Radnoti-Alföldi 1991
Goldmünze, geprägt um 315 n. Chr. in Trier. Deutlich zu erkennen ist das Kastell Divitia, seitlich des Kastells sitzen ein besiegter Franke und Alemanne. Von der Konstantinbrücke sind zwei Bögen zu sehen, Bild: Radnoti-Alföldi 1991

Und dieser Schutz der linksrheinischen Gebiete war dringend notwendig. Bereits 261 n. Chr. kam es zu ersten Plünderungen durch die Franken im Römischen Reich – auf der linksrheinischen, also römischen, Seite des Flusses. Danach gab es regelmäßig weitere Überfälle von den Germanen rechtsrheinisch auf die römischen Provinzen linksrheinisch. Um auf diese Überfälle angemessen reagieren zu können, mussten schnell Truppen verlegt werden können.

So wurde 307 bis 309 n. Chr. mit dem Bau der Konstantinbrücke begonnen, was sich durch ein spezielles Verfahren zur Bestimmung des Alters von Holz mithilfe der Jahresringe nachweisen lässt.

Geborgene Eichenholzpfähle der Konstantinbrücke, heute im Römisch-Germanischen Museum, Bild: HOWI - Horsch, Willy
Geborgene Eichenholzpfähle der Konstantinbrücke, heute im Römisch-Germanischen Museum, Bild: HOWI – Horsch, Willy

Lage entspricht ungefähr der heutigen Deutzer Brücke

Es liegen keine gesicherten, endgültigen Erkenntnisse über die Konstruktion dieser ersten Rheinbrücke vor. Eindeutig ist, dass es sich um eine Brücke in Mischbauweise gehandelt hat. „Auf Pfahlrosten mit eingefüllten Steinen ruhten die aus Quadermauerwerk bestehenden Brückenpfeiler, während der Oberbau aus Hölzern mit einer hölzernen Fahrbahn errichtet war.“2 Frank/Hanel: Die Frankenfeldzüge der Kaiser Konstantin I. und Valentinian I. – Überlegungen zur spätrömischen Rheinbrücke zwischen der Colonia Agrippina und dem rechtsrheinischen castrum Divitensium anhand dendrochronologischer Daten

Die Brücke hat sich ungefähr dort befunden, wo sich heute die Deutzer Brücke über den Rhein spannt. Vermutlich lag sie linksrheinisch zwischen der Einmündung der Salzgasse in die Frankenwerft, rechtsrheinisch führte sie unmittelbar in das Kastell Deutz, heute etwa Alt St. Heribert.

Um wie viele Brückenpfeiler es sich gehandelt hat, ist unklar. 15 Pfeiler konnten nachgewiesen werden, vermutlich handelte es sich aber um 19 Pfeiler. Die These, dass die Konstantinbrücke in der Mitte tatsächlich eine Öffnung für den Schiffsverkehr gehabt haben soll, konnte bis heute nicht belegt werden.

900 Jahre bis zur nächsten Rheinquerung

Erste, umfangreichere Reparaturen der Brücke waren um etwa 335 n. Chr. fällig. Weitere Instandhaltungen können um 365 n. Chr. nachgewiesen werden. Unklar ist aber, wie lange die Brücke bestand. Dr. Marion Euskirchen vom Römisch-Germanischen Museum geht davon aus, dass die Brücke in karolingischer Zeit nicht mehr existierte. Denn: Bei einem Besuch Karls des Großen (747-814) in Köln wird Konstantinbrücke nicht erwähnt.

Und dann dauerte es fast 900 Jahre, bis Köln mit der Deutzer Schiffsbrücke wieder eine Rheinquerung bekommen sollte, allerdings nur als schwimmende Pontonbrücke.

Es bleibt die die Hoffnung, dass es jetzt nicht weitere 900 Jahre dauert, bis das aktuelle Kölner Brücken-Chaos beendet ist.


Alle bisher erschienenen Geschichten zu den Kölner Brücken 


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Der Bierbrunnen – besser bekannt als „Pippimann-“, „Pimmel-“ oder „Penis-“ Brunnen

Der Bierbunnen in Köln, Bild: Uli Kievernagel
Der Bierbrunnen in Köln, Bild: Uli Kievernagel

Podcast Bierbrunnen 13

Es ist der Schnittpunkt der beiden wichtigsten römischen Straßen Kölns: Die heutige Hohe Straße und die Schildergasse. Hier lag das Forum des römischen Kölns: Ein großer Platz von etwa 180 x 180 Meter. Prächtige Bauten säumten die Ränder.  Richtung Rhein stand eine Basilika und Richtung Westen ein ringförmiger Säulengang mit mehr als 100 Metern Durchmesser,  geschmückt mit Standbildern. Es muss ein grandioser Anblick gewesen sein.

Heute sieht man dort H&M, Sport Scheck und den Kaufhof. Der gestalterische Höhepunkt ist der Apple Store. Irgendwie ernüchternd. Und als Blickfang in der Mitte dient eine steil aufragende, schmale Granitsäule, gesäumt von neun kreisrunden Sitzflächen. Oben fließt Wasser heraus und an der Stele entlang. Es handelt sich um den Bierbrunnen.

Nur die wenigsten Kölner können den Namen dieses Gebildes korrekt benennen. Unter den Kölschen ist diese knapp acht Meter hohe Säule eher bekannt als „Pippimann-“, „Pimmel-“ oder „Penis-“ Brunnen.  Warum? Wenn man sich den Brunnen so anschaut, ist der Vergleich nicht allzu abwegig. 

Moderne Kunst in der ersten Fußgängerzone Kölns

Auch wenn an dieser Stelle ästhetisch noch eine Menge Luft nach oben ist, sieht es heute immer noch besser aus als in den 1960er Jahren. Erst am 23. Februar 1966 wurde die Schildergasse zur ersten Fußgängerzone in Köln. Bis dahin war auch dort dichter Autoverkehr üblich.

Auf der neuartigen, autofreien Fläche sollte auch Kunst ausgestellt werden. Für diese Ecke an der Schildergasse war ein Brunnen als moderne Plastik vorgesehen. 1971 wurde dazu ein Wettbewerb an der gerade neu errichteten Fachhochschule Köln ausgeschrieben. Diesen Wettbewerb gewann der damals 24 Jahre alte Harald Frehen. Sein Entwurf sah eine schlanke, etwas in sich verdrehte Granitsäule vor, welche dann am 6. Mai 1972 feierlich eingeweiht wurde.

Tatsächlich könnte die schlanke Säule irgendwie als stilisiertes Kölschglas verstanden werden. Dafür braucht es allerdings etwas Phantasie. Eigentlich hätte dieser bedeutende Platz auch eine bedeutendere Konstruktion verdient. Ronald Füllbrandt (1961 – 2021) von den Kölschgängern bezeichnete den Brunnen daher als nicht besonders aufsehenerregend

Haus Mirweiler, das Zunfthaus der Kölner Brauer in der Schildergasse, Bild: unbekannter Künstler
Haus Mirweiler, das Zunfthaus der Kölner Brauer in der Schildergasse, Bild: unbekannter Künstler

Der Bierbrunnen erinnert an das Zunfthaus der Brauer

Finanziert wurde der Bierbrunnen von der Matthias Harzheim KG, der zu dieser Zeit bedeutendsten Biergroßhandlung in Deutschland. Der Brunnen soll an das nur ein paar Meter entfernte ehemalige Haus Mirweiler erinnern. Dort war bis 1927 das Zunfthaus der Brauer. Und so erklärt sich auch der Name des Brunnens: Aus dem Bierbrunnen floss tatsächlich Kölsch. Zumindest bei der Einweihung. Möglich wurde dies durch eine versteckt angelegte, unterirdische Leitung, die bis zu einem in einer Seitenstraße stehenden Kühlwagen verlegt wurde. Leider wurde diese Leitung aber nur selten benutzt, heute fließt nur noch Wasser aus dem Brunnen.

Kinder planschen am Bierbrunnen, Bild: Uli Kievernagel
Kinder planschen am Bierbrunnen, Bild: Uli Kievernagel

Aber immerhin haben bei gutem Wetter die Pänz Spaß daran, am Bierbrunnen zu planschen. Und auch eine weitere Funktion erfüllt der Brunnen: Als eindeutiger Treffpunkt mitten in der Stadt. Denn es heißt bis heute:

„Wir treffen uns am Pippimann-Brunnen.“


Brunnen in Köln
Brunnen in Köln

Neben dem Bierbrunnen haben wir auch beeindruckendere Brunnen in Köln:


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Das Denkmal der grauen Busse – WOHIN BRINGT IHR UNS?

Das Denkmal der "Grauen Busse" in Deutz, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0
Das Denkmal der „Grauen Busse“ in Deutz, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0

Es wirkt auf den ersten Blick seltsam: Ein Bus, mitten auf einer Rasenfläche am Rhein. Aufgeschnitten in zwei Hälften, aus Beton, massiv, grau. Ohne Erläuterung erschließt sich dieses Mahnmal nicht. Auch die Inschrift im Inneren des aufgeschnitten Busses lässt den Betrachter mit Fragezeichen zurück: WOHIN BRINGT IHR UNS? 1940 / 1941

Inschrift auf dem Denkmal der "Grauen Busse", Bild: Elke Wetzig
Inschrift „WOHIN BRINGT IHR UNS? 1940 / 1941“  auf dem Denkmal der „Grauen Busse“, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0

Massenmord an Psychiatriepatienten

Dieses Mahnmal erinnert an die „Aktion T4“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit dem euphemistischen Begriff „Gnadentod“ wurde im Nazi-Jargon die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ bezeichnet.

Mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen wurden in  den Jahren 1940 und 1941 systematisch ermordet, bis 1945 fielen dieser unmenschlichen Behandlung mehr als 200.000 Menschen zum Opfer. Der Begriff „Aktion T4“ wurde erst in der Nachkriegszeit geläufig. In der Tiergartenstraße 4 in Berlin war die zentrale Verwaltungsstelle für die Leitung der Ermordung behinderter Menschen im Deutschen Reich untergebracht.

Per Erlass Hitlers, datiert auf den 1. September 1939, wird der „Gnadentod“ im NS-Staat legitimiert: Bild: Marcel (Fotograf), via Wikimedia Commons
Per Erlass Hitlers, datiert auf den 1. September 1939, wird der „Gnadentod“ im NS-Staat legitimiert: Bild: Marcel (Fotograf), via Wikimedia Commons

Die Nazis rechtfertigten die Ermordung der Menschen mit Behinderung durch ihre Vorstellung der „Rassenhygiene“:  Der „Deutsche Volkskörper“ sollte nicht durch die Fortpflanzung von unerwünschten Menschen „verunreinigt“ werden.

Ein Omnibus als Mahnmal

Elf graue Omnibusse vom Typ Mercedes-Benz O 3750 wurden von der NS-Tarnorganisation „Gemeinnützige Krankentransport GmbH“ (GEKRAT) eingesetzt, um in den Jahren 1940/41 insgesamt 691 Patienten der Heilanstalt Weißenau in das Vernichtungslager Grafeneck (Landkreis Reutlingen) zu transportieren. Das Zitat „WOHIN BRINGT IHR UNS?“ ist die überlieferte Frage eines Mannes, der von den Bussen abgeholt wurde, um in einem  Vernichtungslager umgebracht zu werden.

Ein GEKRAT Bus, ursprünglich von der Deutschen Reichspost, benutzt. Bild: Dokumentationsstelle Hartheim
Ein GEKRAT Bus, ursprünglich von der Deutschen Reichspost, benutzt. Bild: Dokumentationsstelle Hartheim

Die „Aktion T4“ lief zwar unter strikter Geheimhaltung ab. Das Schicksal der Insassen in den grauen Bussen war aber sowohl den Mitarbeitern der psychiatrischen Anstalten, den Busfahrern und auch den Bürgern in den Orten, durch welche die Busse rollten, bekannt.

So gehörte der Anblick der Busse in Nordhessen zum alltäglichen Anblick. In der NS-Tötungsanstalt Mönchsberg in Hadamar wurden fast 15.000 „lebensunwerte“ Menschen umgebracht. In dem Roman „Wenn nur der Sperber nicht kommt“ der Schriftstellerin Maria Marthi (1889-1961) wird detailliert der Weg eines solchen grauen Busses beschrieben. Als der Bus über die Nepomuk-Brücke mitten in Hadamar fährt, erkennen die Bürger in dem Bus Kindergesichter und wissen genau: „Die gehen jetzt in den Feuerofen.“.

Standort vor der Hauptverwaltung des LVR

Aus dem Rheinland wurden fast 10.000 Psychiatriepatienten umgebracht, zum Beispiel aus der Klinik Bedburg-Hau unter Verwaltung des Rheinischen Provinzialverbandes. Und so erklärt sich auch der Standort des Mahnmals: Der aufgeschnittene Bus steht in unmittelbarer Nähe der Hauptverwaltung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), welcher in der Nachfolge des Rheinischen Provinzialverbandes tätig ist.

Das Denkmal der "Grauen Busse", Bild: Uli Kievernagel
Das Denkmal der „Grauen Busse“, Bild: Uli Kievernagel

Denkmal an festen Orten und in Bewegung

Ursprünglich war geplant, neben einem fest installierten Bus-Denkmal an der Gedenkstätte in Weißenau, welches symbolisch die Einfahrt versperrt, ein zweites, transportables Bus-Denkmal an wechselnden Standorten aufzustellen.

Das Denkmal steht temporär (seit 6. Februar 2024) auf dem Hugenottenplatz in Erlangen, Bild: Monika Gohl
Das Denkmal steht temporär (seit 6. Februar 2024) auf dem Hugenottenplatz in Erlangen. Ein großes DANKE an Monika Gohl für dieses Bild.

Nach Stationen unter anderem in Berlin, Brandenburg und Stuttgart wurde der Betonbus im September 2011 vor der LVR-Hauptverwaltung in Deutz aufgestellt. Im April 2012 wurde das Denkmal in Deutz ab- und in Zwiefalten in Baden-Württemberg wieder aufgebaut. Aktuell1Stand: August 2024 steht das Denkmal in Erlangen. 

Dauerhafter Standort in Deutz

Im Februar 2012 hat sich die Landschaftsversammlung Rheinland dazu entschlossen, das Denkmal dauerhaft in Deutz stehen zu lassen. Dazu wurde ein modellgleicher Nachguss der Betonbusse in Auftrag gegeben. Der aufgeschnittene Bus steht dort in Originalgröße mit einer Länge von fast neun Metern und einem Gesamtgewicht von 70 Tonnen. Somit gibt es heute zwei dauerhafte Standorte sowie das transportable Monument der „Grauen Busse“.

Das Denkmal der "Grauen Busse", im Hintergrund die LVR-Hauptverwaltung, Bild: Uli Kievernagel
Das Denkmal der „Grauen Busse“, im Hintergrund die LVR-Hauptverwaltung, Bild: Uli Kievernagel

Vielleicht können andere Unternehmen und Institutionen vom LVR lernen:
Mit dem „Grauen Bus“ an prominenter Stelle setzt der LVR ein starkes Zeichen der Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Vorgängerinstitution während der NS-Zeit. 


LVR – Unbekannter Riese mitten in Deutz

Obwohl der Landschaftsverband Rheinland (LVR) einer der größten Arbeitgeber in Köln ist und mit dem Landeshaus (das Gebäude auf Stelzen) auch einen Teil des Rhein-Panoramas darstellt, kennen diesen Kommunalverband nur wenige Menschen. Dabei betreibt der LVR mit seinen insgesamt 20.000 Beschäftigten 41 Schulen und zehn Kliniken. Zu den 20 LVR-Museen gehören unter anderem auch das LandesMuseum in Bonn, die beiden Freilichtmuseen in Kommern und Lindlar, der Archäologische Park Xanten oder das Max-Ernst- Museum in Brühl. 

Der LVR betreibt auch das Portal „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“  (ein Informationssystem über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche kulturelle Erbe) sowie das Portal „Rheinische Geschichte“.

Das Deutzer Rheinpanorama. Prominent in der Mitte (auf Stelzen) das Landeshaus, die Hauptverwaltung des LVR, Bild: dronepicr, CC BY 2.0
Das Deutzer Rheinpanorama. Prominent in der Mitte (auf Stelzen) das Landeshaus, die Hauptverwaltung des LVR, Bild: dronepicr, CC BY 2.0

 


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Der kölsche Knast Teil II: Die Hacht – ein Knast direkt am Dom

Abbruch der Hacht (1893), Bild: Kölnisches Stadtmuseum (gemeinfrei)
Abbruch der Hacht (1893), Bild: Kölnisches Stadtmuseum (gemeinfrei)

Wenn heute Touristen über die Domplatte streifen und Selfies vor der majestätischen Kathedrale machen, ist es kaum vorstellbar, dass noch bis 1893 dort die Hacht stand – ein Gefängnis und Gericht. Unzählige Delinquenten mussten sich dort unmittelbar vor ihrer Hinrichtung diesen Spruch vom Henker anhören:

Ich stoße Dich an den blauen Stein,
Du kommst zu Vater und Mutter nimmer heim.

Diese zum Tode verurteilten Menschen verbrachten ihre letzte Nacht in der Hacht auf der (heutigen) Domplatte. Mit Sonnenaufgang kam der Henker und führte sie hinaus. Der Stab wurde sie über gebrochen. Das war damals tatsächlich wörtlich zu verstehen, denn als Zeichen der richterlichen Gewalt wurde ein dünner, zuvor eingekerbter Holzstab zerbrochen. Der besagte „blaue Stein“ war eine an der Kirche St. Johann-Evangelist1Diese Kirche wurde 1828/1829 abgebrochen. eingemauerte Schieferplatte. Unter dem Läuten des Armesünderglöckchens ging es dann zum Richtplatz, in der Regel Melaten, wo das Todesurteil vollzogen wurde.

Lage der Hacht und der Hachtpforte. Deutlich zu erkennen: Der "Blaue Stein" auf dem heutigen Roncalliplatz, Bild: Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, 1910, Bd. 2)
Lage der Hacht und der Hachtpforte. Deutlich zu erkennen: Der „Blaue Stein“ auf dem heutigen Roncalliplatz, Bild: Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, 1910, Bd. 2)

Unüberschaubare Gerichtsbarkeit

Das Hachtgericht mit Gefängnis an der heutigen Straße Am Hof gehörte zu einer unüberschaubaren Vielzahl von Gerichten in Köln. Franz-Josef Knöchel bezeichnet die Organisation der Gerichtsbarkeit in Köln als unüberschaubar: So können für das Jahr 1806 in Köln 60 Gerichte nachgewiesen werden, darunter das Bürgermeister-, Rats- und Amtsgericht, aber auch ein Turmgericht, ein Gewaltgericht, ein Fiskalgericht oder das „Unterlahngericht“, welches für Erbschaftsstreitereien zuständig war. Kurios: Auch für die Belange der Winzer und Weinhändler gab es ein eigenes Gericht.2„Gefängnis und Gericht Hacht in Altstadt-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-296981 (Abgerufen: 21. April 2021)

Basis für die spezielle Rechtsprechung des Hachtgerichts waren die vom Erzbischof auf seinen Vogt übertragenen Befugnisse. In diesem Gericht wurden alle möglichen Straftaten verhandelt, von einfachem Diebstahl bis hin zu Kapitalverbrechen. Aber auch Hexenprozesse fanden in der Hacht statt.

Ein finsterer Ort

Der Name Hacht leitet sich wahrscheinlich von dem Begriff „Haft“ ab. Mit Hacht wurde aber nicht nur das Gericht und das Gefängnis, sondern weite Teile des Bereichs um den Dom bezeichnet. Allerdings war diese Ecke, die ungefähr am heutigen Heinzelmännchenbrunnen liegt, damals wenig ansehnlich: Es stank erbärmlich, ein offener Abwasserkanal zog sich quer über das Gelände. Die heutige Straße Am Hof markierte mit dem bereits 1165 errichteten Hachttor die Grenze des bischöflichen Immunitätsbezirks.3Diese Bereiche grenzten den Bereich der Freien Reichsstadt Köln von dem juristisch eigenständigen Areal der Klöster und Kirchen ab. Wer sich in einem Immunitätsbezirk aufhielt, unterlag dem Kirchenrecht.

Die Hacht selber war ein finsterer Ort, mit engen Zellen und in die Wände eingelassenen Eisen- und Halsringen, an welche die Gefangenen gekettet wurden. 1404 brannte die Hacht ab, wurde aber wieder als schmuckloses Funktionsgebäude aufgebaut, um das sich wohl nicht ausreichend gekümmert wurde. Im Jahr 1621 war die Hacht dann so baufällig, dass das Gebäude abgerissen und neu aufgebaut wurde.

Holzmodell der Hacht von 1726, Bild: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1930, S. 346
Holzmodell der Hacht von 1726, Bild: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, 1930, S. 346

Die Hacht führt zum Streit zwischen Kurfürsten und Stadt

Und wieder wurde die Hacht vernachlässigt, und es kam 1726 zu einem Streit zwischen der kurkölnischen Verwaltung und der Stadt. Gegenstand des Streits waren die Kosten zur dringend notwendigen Renovierung der Hacht. Beide Parteien konnten sich nicht einigen, so wurde der Kaiser zum Schiedsrichter berufen. Zur Klärung des Sachverhalts wurde eigens ein Modell des Gebäudes aus Holz nachgebaut. Das Urteil des vom Kaiser eingesetzten Schiedsrichter war salomonisch: Die Reparatur des Mauerwerks hatte der Kurfürst, die des Oberhauses die Stadt zu bezahlen.

Die Hachpforte um 1890, Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln
Die Hachpforte um 1890, Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln

Heute wird wieder gebaut

In der Folgezeit waren in der Hacht eine Schnapsbrennerei und ein Antiquitätenhändler untergebracht. 1820 wurden die Gebäude abgerissen und das Hotel Francfort dort errichtet. Wie anscheinend an dieser Stelle üblich wurde auch das Hotel nicht ausreichend gepflegt. So war es kein Verlust, als das baufällige Gebäude 1893 abgerissen wurde, um eine freie Sicht auf den zwischenzeitlich fertiggestellten Dom zu ermöglichen.

Heute gibt es quer über den Roncalliplatz den freien Blick auf den Dom. Aber die Bautätigkeit dort geht wieder los: Das Dom-Hotel wird kernsaniert, das Kurienhaus an der zum Rhein gelegenen Seite und auch das gegenüberliegende Laurenz-Carré werden demnächst abgerissen. Hier wird vollständig neu gebaut.

Aber schon in 20 Jahren ist dann alles fertig.
Darauf freue ich mich schon heute.


Die Geschichte und Geschichten zum Kölschen Knast 


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Die Simultanhalle – ein dauerhaftes Provisorium

Die Simultanhalle in Volkhoven, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0
Die Simultanhalle in Volkhoven, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0

Nichts ist in Kölle so beständig wie die vielen Provisorien: Die „Blaue Mülltüte“, auch bekannt als Musical-Dome, sollte drei Jahre bestehen. Aktuell steht das hässliche Ding bereits seit 1996 neben dem Dom. Und auch die „Sackgassen-U-Bahn Linie 17“ wird uns wohl auch noch viele weitere Jahre erhalten bleiben.

Selbstverständlich können wir auf die beiden oben genannten Provisorien gerne verzichten. Aber es gibt auch besondere Dinge, die eigentlich nur auf Zeit angelegt waren, die aber trotzdem erhalten bleiben sollten. Dazu gehört zum Beispiel die Seilbahn, die eigentlich nur für die Bundesgartenschau 1957 ihre Runden drehen sollte, und auch unbedingt die Simultanhalle.

Ein „Architektur-Dummy“

Wenn man vor der Simultanhalle steht erkennt man sofort die Ähnlichkeit. „Hä?“ denkt sich der Kölsche „Dat süht jo uss wie dat Museum.“ Und damit hat er recht. Die Simultanhalle in Volkhoven sieht tatsächlich aus wie das Museum Ludwig. Nur in klein.

Das Museum Ludwig, Bild: Raimond Spekking
Unverkennbar: Die „große Schwester“ der Simultanhalle: Das Museum Ludwig, Bild: Raimond Spekking

Errichtet als Testbau im Jahr 1979 hatte dieses Gebäude den einzigen Zweck, als Modell für das große Museum Ludwig zu dienen. Mit der für ein Museum neuen Variante eines Sheddachs waren neue Herausforderungen zur Lichtführung verbunden. Bevor viel Geld in die „echte“ Konstruktion in der Innenstadt gesteckt werden sollte, wollte man die Praktikabilität dieser speziellen Dachkonstruktion in kleinem Maßstab testen. Und da man ein solches Testobjekt zur Verfügung hatte, konnte man auch gleich verschiedene Fassadenvarianten, Wand- und Bodenbeläge testen.

Gut zu erkennen: Testflächen von verschiedenen Fassadenvarianten an der Simultanhalle, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0
Gut zu erkennen: Testflächen von verschiedenen Fassadenvarianten an der Simultanhalle, Bild: Elke Wetzig (Elya), CC BY-SA 3.0

Ungewöhnlich ist dieses Vorgehen bei großen Bauvorhaben nicht. Doch während üblicherweise nur Teile von Dächern, Mauern oder Fassaden zum Test errichtet werden, baute man in Volkhoven direkt ein ganzes Haus. In der städtischen Verwaltung bürgerte sich für das Provisorium schnell der Begriff „Simultanhalle“ ein.

Ein Ort der Kultur im Norden Kölns

Mit dem Bau der Simultanhalle war der Abriss im Jahr 1983 fest eingeplant. Wenn da nicht die Künstlerin Eva Jansková den ganz besonderen Wert dieses Bauwerks entdeckt hätte. Um Fakten zu schaffen organisierte sie Ausstellungen in dieser Halle. Durchaus eine Besonderheit in der nicht durch Kunst geprägten nördlichen Peripherie Kölns. Dies wurde auch von der Stadtverwaltung erkannt, die 1984 die Trägerschaft über die Simultanhalle übernahm.

Die spektakulärste Ausstellung in der Simultanhalle fand am 6. September 1986 statt: Während in der Innenstadt das große Museum Ludwig mit Gala-Konzert, Lasershow und Feuerwerk am Rhein eröffnet wurde, fand in Volkhoven die Eröffnung des „Klaus Peter Schnüttger-Webs-Museum“ statt – ein Gag des Künstlers Ulrich Tillman. Dieses fiktive Museum schließt gleich am nächsten Tag „wegen der enormen Folgekosten“ wieder, doch die Aktion hat den gewünschten Erfolg, und die Simultanhalle wird überregional bekannt.

Schließung wegen statischer Bedenken

Bis 2017 läuft der Ausstellungsbetrieb in der zunehmend baufälliger werdenden Halle, dann schließt die Stadt das Gebäude wegen statischer Bedenken. Erstaunlich ist, dass das Provisorium überhaupt so lange durchgehalten hat. Damit der Kulturbetrieb nicht völlig zum Erliegen kommt, organisieren Künstler und ein Förderverein Ausstellungen auf dem Gelände rund um die Halle.

Eine Sanierung wurde mit 200.000 Euro veranschlagt. Die Stadt will das Geld nicht aufbringen, weil das Provisorium weder eine besondere Bedeutung für die Baugeschichte oder Stadtgeschichte habe, so die Stadt. Gleichzeitig erkennt aber das Kulturamt die Bedeutung der Simultanhalle als Ort für Kunst und Kultur an und fördert den Betrieb durch Zuschüsse.

Der Charme des Provisorischen oder eine moderne Infrastruktur?

Der Plan der Stadt ist es, das gesamte Gelände in Erbpacht an einen Investor zu vergeben. Dabei soll ein niedriger Erbbauzins, gekoppelt mit strengen Vorgaben, das Areal als Kunstort zu erhalten, um den weiteren Kulturbetrieb sicherstellen. Allerdings ohne ausdrücklich den Erhalt der Simultanhalle festzuschreiben. Stattdessen soll eine neue, moderne Halle entstehen.

Dies ist nicht im Interesse des Fördervereins, der eine Petition zur Rettung der Simultanhalle veröffentlicht hat. Abzuwarten bleibt, ob sich ein Investor findet, der beide Welten vereint: Den Charme des Provisorischen der Simultanhalle bei gleichzeitiger Schaffung einer modernen Infrastruktur.

Die Chancen stehen aktuell nicht schlecht: Im Bündnisvertrag vom 8. März 2021 des neuen Kölner Mehrheitsbündnisses aus CDU, GRÜNE und VOLT steht ausdrücklich „Für den Erhalt der Simultanhalle werden wir uns einsetzen.“1(Seite 84, Zeile 2716 des Bündnisvertrags).

Aber bis zu einer endgültigen Entscheidung läuft noch viel Wasser den Rhein herunter. Merke: Provisorien leben in Köln immer viel länger als geplant.


Gedenktafel zum Attentat in Volkhoven am 11. Juni 1964, Bild: Raimond Spekking
Gedenktafel zum Attentat in Volkhoven am 11. Juni 1964, Bild: Raimond Spekking

Das Attentat von Volkhoven

Die Simultanhalle steht auf dem Schulhof der Volksschule Volkhoven. Am  11. Juni 1964 stürmte ein 42jähriger Mann, bewaffnet mit einer Lanze und einem selbstgebauten Flammenwerfer, diese Schule und tötete acht Schulkinder und zwei Lehrerinnen. Das Ehrengrab von Ursula Kuhr, einer der beiden getöteten Lehrerinnen, befindet sich auf dem Südfriedhof.


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Hummerich: Das Millionen-Grab auf dem Südfriedhof

Die Grabstätte Hummerich - einst ein echtes "Millionen-Grab", Bild: A.Savin, CC BY-SA 3.0
Die Grabstätte Hummerich – einst ein echtes „Millionen-Grab“, Bild: A.Savin, CC BY-SA 3.0

Der Melatenfriedhof hat seine bekannte „Millionenallee“ – hier befinden sich die Gräber der kölschen (Geld-)Prominenz. Und auch auf dem Südfriedhof ist eine solche Millionenallee zu finden. Hier fanden viele reiche Kölner ihre letzte Ruhe, denn immerhin gehört das noble Viertel Marienburg zum Beerdigungsbezirk des Südfriedhofs. Tatsächlich aber trägt die Millionenallee auf dem Südfriedhof ihren Namen  mit vollem Recht, denn hier war einst ein millionenschwerer Schatz versteckt.

Bomben zerstören die Stadt – Amerikaner marschieren von Westen aus Richtung Rhein

Es ist September 1944. Der Krieg hat tiefe Wunden in der Stadt hinterlassen. Bombenangriffe haben Wohnungen verwüstet, die meisten Kölner haben ihre in vielen Teilen unbewohnbare Stadt bereits verlassen. Das VII. US-Korps überschritt am 12. September 1944 die deutsche Grenze, bereits zwei Tage später wurden Teile von Aachen eingenommen.

Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild: U.S. Department of Defense
Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild:
U.S. Department of Defense

Selbst der NSDAP-Gauleitung war klar, dass die Truppen auf dem weiteren Vormarsch sind und nur noch wenig Zeit bleibt, bis die großen Städte im Westen des Reichs, darunter auch Köln, eingenommen werden. Daher wurde befohlen, die Wertgegenstände der Stadt, insbesondere das vorhandene Bargeld und Wertpapiere, sicher in einer anderen Stadt unterzubringen.

Geniales Versteck auf dem Friedhof

Von dieser Idee hält der Kämmerer der Stadt Köln, Oskar Türk, wenig. Seit 1936 ist für die Finanzen der Stadt verantwortlich. Türk bringt das städtische Geld in Sicherheit, aber anders, als es die Gauleitung vorsieht: Er will das Geld sicher verstecken – in einem Grab.

Die Wahl fällt auf die repräsentative Grabstätte der Familie Hummerich auf dem Südfriedhof, ganz nah am Haupteingang. In der Nacht vom 13. auf den 14. September 1944 ist es dann so weit: In einer echten „Nacht-und-Nebel-Aktion“ werden insgesamt 230 Mio. Reichsmark und Wertpapiere im Wert von etwa 70 Mio. Reichsmark zum Südfriedhof geschafft. Nur drei Männer sind eingeweiht: Kämmerer Türk und zwei Sparkassendirektoren. Sie heben den Deckel der Hummerich-Gruft an und verstauen den Millionenschatz in der darunter liegenden Grabkammer. Die drei Männer vereinbaren striktes Stillschweigen. Erst nach Kriegsende sollte das Geheimnis gelüftet werden.

In den folgenden Monaten kann sich Oskar Türk bei unauffälligen Spaziergängen auf dem Südfriedhof davon überzeugen, dass das Hummerich-Grab unangetastet ist – die Kölner Stadtfinanzen sind sicher untergebracht.

Schatz war verschwunden

Nach dem Krieg forschten die amerikanischen und britischen Besatzer auch nach dem Verbleib der Wertgegenstände der Stadt. Und Türk führte sie zum Hummerich-Grab auf dem Südfriedhof. Doch das Grab war leer, der Millionenschatz verschwunden. „Die Stadtverwaltung hatte das Geld schon herausgeholt“, erklärte Türk in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers.

Und so saß die Stadt Köln in der unmittelbaren Nachkriegszeit auf einem Millionenschatz. Fraglich ist allerdings, welchen Wert dieser Schatz tatsächlich noch hatte. Dem reinen Nennwert1Dem auf den Geldscheinen aufgedruckten Werten. nach waren es tatsächlich Millionenwerte, allerdings war die echte Kaufkraft erheblich geringer. Nur zum Vergleich: Eine Zigarette kostete 1946 auf dem Schwarzmarkt bis zu 10 Reichsmark, ein Pfund Butter zwischen 150 und 250 Reichsmark, Kaffee wurde für mehr als 2.000 Reichsmark je Pfund gehandelt.

Aber immerhin kann man heute noch von einer „echten“ Millionenallee auf dem Südfriedhof sprechen.


Tatsächlich haben viele Menschen gegen Ende des Kriegs Geld Wertpapiere und sonstige Wertgegenstände versteckt: Vergraben im Garten, eingemauert im Keller, im Dachgebälk versteckt etc. Angeblich wurden auch Friedhöfe als Versteck genutzt. Allerdings will offensichtlich niemand darüber reden – es finden sich kaum belastbare Belege dafür, dass Geld oder ähnliches in Gräbern versteckt wurde.


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Die Entschuttung des Gürzenichs: Vom Aprilscherz zur Realität

Das Dreigestirn der Session 1949 mit Schüpp und Hau am Gürzenich. Bild: koelner-karneval.info
Das Dreigestirn der Session 1949 mit Schüpp und Hau am Gürzenich. Bild: koelner-karneval.info

Immer wieder schicken einen nette Mitmenschen „in den April“. Woher der Brauch kommt, ist unklar. Aber die lustigen Ideen der Zeitungen, im Fernsehen und im Radio sorgen immer wieder für Lacher – egal, ob es um Spaghetti-Bäume oder fliegende Pinguine geht. Ein ganz besonderer Coup zum 1. April 1949 ist dem damaligen Kölner Dreigestirn gelungen.  Ein Aprilscherz in fünf Akten:

1. Akt: Ein Gespräch wird belauscht – angeblich

Am 31. März 1949 erschien ein anonymer Leserbrief in der Kölnischen Rundschau. Ein aufmerksamer Leser behauptete, in einer Gaststätte zufällig ein Gespräch des Kölner Dreigestirns belauscht zu haben. Ein Gespräch, welches es nie gegeben hat.

Angeblich hätten Prinz Theo I. (Theo Röhrig), Bauer Andreas (Andreas Müller) und Jungfrau Friedel (Fred Reulen) Pläne für die nahe Zukunft geschmiedet: Man würde mit „Schüpp un Hau“ zum zerstörten Gürzenich gehen und den Schutt dort wegräumen um „… auch im grauen Alltag etwas für die Stadt Köln zu tun.“

Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild: U.S. Department of Defense
Köln im April 1945, mehr als 90% der Innenstadt sind zerstört, Bild:
U.S. Department of Defense

Und grau war der Alltag im Jahr 1949 in Köln tatsächlich. Ausgebombte Ruinen säumen die notdürftig freigeräumten Straßen. Der größte Teil aller Häuser wurde zerstört. Alle Menschen sehnen sich nach Normalität, und dazu hat auch der Karneval beigetragen: Im Williams-Bau finden seit 1947 erste Karnevalssitzungen und Bälle statt, und im Februar 1949 geht der erste Rosenmontagszug durch Köln – wegen der kritischen britischen Besatzer nicht als „D´r Zoch“ sondern als „Erweiterte Kappenfahrt“1[Dieser Titel erinnert an den ersten Rosenmontagszug nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1927, der ebenfalls den damaligen britischen Besatzern als „Kappenfahrt“ verkauft wurde.] durch die in Trümmern liegende Stadt.

In dieser grauen Zeiten sind positive Nachrichten sehr willkommen. Deswegen erregt der als Aprilscherz gedachte Leserbrief über die angebliche Aktion des Dreigestirns eine hohe Aufmerksamkeit.

Prinz Theo I., Bauer Andreas und Jungfrau Friedel bei der Arbeit am Gürzenich, Bild: Bild: koelner-karneval.info
Prinz Theo I., Bauer Andreas und Jungfrau Friedel bei der Arbeit am Gürzenich, Bild: koelner-karneval.info

2. Akt: Das Dreigestirn nimmt den Ball auf

Auch Prinz Theo I. liest in der Zeitung den Bericht über die angebliche Entschuttung des Gürzenichs und fasst sofort einen Plan: „Mer mache dat!“. Eilig werden Bauer und Jungfrau eingebunden, ein Lastwagen wird organisiert und siehe da: Am 1. April um 11 Uhr stehen die drei am Gürzenich und fangen eifrig an, Schutt zu schippen.

Regierungspräsident Wilhelm Warsch gratuliert dem Dreigestirn, Bild: koelner-karneval.info
Regierungspräsident Wilhelm Warsch gratuliert dem Dreigestirn, Bild: koelner-karneval.info

3. Akt: Auch die Medien und die Politik wollen mit dabei sein

Selbstverständlich sollte diese Aktion nicht geheim bleiben. So drängen sich am 1. April bereits die vorab informierten Reporter mit ihren Kameras vor dem Gürzenich. Und wo Kameras sind, sind auch die Politiker nicht weit entfernt. Regierungspräsident Wilhelm Warsch freute ich darüber, dass „aus einem Aprilscherz eine so beziehungsvolle Wirklichkeit geworden sei.“

4. Akt: Die ganze Stadt zieht nach

Die Entschuttung des Gürzenichs wird zu einem stadtweiten Anliegen. Karnevalsgesellschaften, Sportvereine, Unternehmen und einzelne Bürger kommen mit Schüpp und Hau zum Gürzenich. Auch Menschen, die selber in einfachsten Behausungen leben müssen, fassen mit an, um „Kölns gute Stube“ wieder zu einem Festsaal zu machen.

So wurde das Karnevalsmotto der 1949er Session

„Mer sin widder do un dun, wat mer künne.“

gelebte Realität in einer vom Krieg schwer gezeichneten Stadt. Im Zuge der Dynamik dieses Aprilscherzes beschließt der Stadtrat zügig, den Gürzenich wieder aufzubauen.

Feierliche Wiedereröffnung des Gürzenichs am 2. Oktober 1955, Bundesarchiv, B 145 Bild-F002968-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA 3.0
Feierliche Wiedereröffnung des Gürzenichs am 2. Oktober 1955, Bundesarchiv, B 145 Bild-F002968-0007 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA 3.0

5. Akt: Die Wieder-Einweihung des Gürzenichs

Es sollte noch ein paar Jahre dauern, aber am 2. Oktober 1955 war es endlich so weit: Der Gürzenich wurde wieder eingeweiht.

Und so führte ein Aprilscherz dazu, dass sich eine ganze Stadt organisierte, um „ihren“ Gürzenich wieder aufzubauen. Prinz Theo I. schrieb später dazu „Durch diesen Scherz wurde es offensichtlich, dass allen Bevölkerungsschichten Kölns der Wiederaufbau unserer guten, alten Stube mehr am Herzen liegt, als es die Stadtverwaltung und die Planer Kölns angenommen hatten.“

In diesem Sinne trifft sich das aktuelle Dreigestirn am Donnerstag, 1. April, um 11 Uhr an der Oper, um dort aufzuräumen. Um 13 Uhr geht es weiter an die Baustelle der Nord-Süd-Stadtbahn, damit es auch dort zügig weitergeht. Um 15 Uhr werden dann vom Bauer Fundamente für die Leverkusener Brücke gegossen, während Prinz und Jungfrau den hässlichen Musical-Dome abreißen. So kann es in unserer Stadt endlich mal vorangehen.


Der Gürzenich und Alt St. Alban: Orte der Gegensätze

 
Der Gürzenich und Alt St. Alban - Orte voller Gegensätze, Bilder: Köln-Kongress (Gürzenich), Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (St. Alban)
Der Gürzenich und Alt St. Alban – Orte voller Gegensätze, Bilder: Köln-Kongress (Gürzenich), Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (St. Alban)

In dem Gebäudekomplex des Gürzenichs ist auch die Ruine von Alt St. Alban als Mahnmal gegen den Krieg integriert. So liegen Freude und Trauer direkt nebeneinander.


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Am 3. März 1933: Die Elsaßstraße wehrt sich gegen Nazis

Graffito von Klaus Paier am Bunker Elsassstraße 42 - 46, Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0
Graffito von Klaus Paier am Bunker Elsaßstraße 42 – 46, Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0

Podcast Elsaßstraße, 37

Blumentöpfe, Flaschen und jede Menge Müll flogen aus den Fenstern. Und auch so mancher Nachttopf – zum Teil mit Inhalt. Getroffen wurden damit die Richtigen: SA-Truppen, die am 3. März 1933, zwei Tage vor der Reichstagswahl, mit einem Fackelzug zeigen wollten, wer das Sagen auf den Straßen Kölns hat. Doch diese Machtdemonstration wurde zunächst jäh gestoppt. Kaum in der Elsaßstraße angekommen, mussten die vermeintlichen „Herrenmenschen“ Reißaus nehmen und sich vor den Wurfgeschossen aus den oberen Etagen in Sicherheit bringen.

Es war nicht verwunderlich, dass die Nationalsozialisten ausgerechnet auf der Elsaßstraße einen „op de Mütz“ bekommen haben. Galt doch diese Ecke der Südstadt als Hochburg der Kommunisten. Und genau hier wollte die SA mit dem braunen Aufmarsch provozieren. Womit die SA-Leute aber nicht gerechnet haben, war die Wehrhaftigkeit der Nachbarschaft. Und so wurde aus dem vermeintlichen Triumphmarsch ein Desaster, und die SA musste sich zurückziehen.

Festnahmen und verwüstete Wohnungen – ein Augenzeugenbericht

Allerdings war der Sieg über die Nationalsozialisten nur von kurzer Dauer und musste von den Bewohnern der Elsaßstraße teuer bezahlt werden: Die herbeigerufene Polizei riegelte den ganzen Straßenzug für drei Tage vollständig ab, die Wohnungen wurden durchsucht. Und die SA-Truppen als „Hilfspolizisten“ gingen dabei nicht gerade zimperlich mit Menschen und Mobiliar um. Das Ergebnis waren verwüstete Wohnungen und 70 Festnahmen.

Gedenktafel in der Elsaßstraße. Bild: Uli Kievernagel
Gedenktafel in der Elsaßstraße, Bild: Uli Kievernagel

 „Ich kam mit meiner Mutter aus dem Kolonialwarenladen, da hörten wir Marschmusik in unserer Straße. Dann begann auch schon die Schlacht.“, so der Zeitzeuge Franz Lottner (Jahrgang 1927)1Quelle: https://www.kirche-koeln.de/lutherkirche-erinnerung-an-den-wohl-letzten-strassenkampf-gegen-die-sa-im-damaligen-deutschen-reich-1933-in-der-koelner-elsassstrasse„Als alles vorbei war und die Polizei mit SS-Männern die Kontrolle übernommen hatte, wurde unsere Wohnungstür aufgebrochen. Ein SS-Mann mit Pistole kam herein und warf den Schrank um, in dem wir auch unser Geschirr aufbewahrten. Vieles zerbrach. Alle Bewohner der Elsaßstraße erhielten drei Tage Hausarrest. Die Kinder durften nicht zur Schule gehen. Wer nichts zu essen im Haus hatte, der hatte Pech gehabt und musste auf die Hilfsbereitschaft der Nachbarn hoffen.“

Kunstwerk ohne Genehmigung

Heute erinnert ein Graffito des 2009 verstorbenen Künstlers Klaus Paier an die „Schlacht auf der Elsaßstraße“. Es zeigt eine zeternde Frau, die einen Blumentopf und ein Nudelholz aus dem Fenster auf einen Mann wirft, der die Hand zum Hitlergruß erhoben hat.

Graffito von Klaus Paier am Bunker Elsassstraße 42 - 46, Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0
Graffito von Klaus Paier am Bunker Elsaßstraße 42 – 46, Bild: Geolina163, CC BY-SA 4.0

Und wir wären ja nicht in Köln, wenn es nicht auch Irrungen und Wirrungen um dieses Kunstwerk gegeben hätte. Paier hatte im August 1990 im Rahmen eines Straßenfests das Bild auf die nackte Wand des Hochbunkers in der Elsaßstraße 42 gemalt. Allerdings ohne offizielle Genehmigung, was dazu führte, dass das Bild zweimal übermalt wurde. Doch auch hier zeigte sich die Nachbarschaft in der Elsaßstraße wieder wehrhaft: Das Graffito wurde mehrfach in Eigenregie restauriert und ausgebessert, zuletzt bei einer unangemeldeten Aktion 2019.

Mittlerweile ist das Graffito ein eingetragenes Denkmal und unterliegt somit dem Denkmalschutz. Was allerdings stümperhafte Sprayer nicht davon abhält, das Bild zu verunstalten. Schämt euch!


Eine aufrechte Frau aus der Elsaßstraße: Maria Eßer

Andreas Andy Artmann hat mir erlaubt, seinen kurzen Bericht über seine Großmutter veröffentlichen. Vielen Dank dafür! 

Meine Familie mütterlicherseits war dabei. Meine Mutter wurde in der Elsaßstraße geboren. Sie erlebte den Bau des Hochbunkers, versorgte die Zwangsarbeiter im Auftrag meiner Oma mit Lebensmitteln. Darauf hatten die Nazis die Todesstrafe verhängt. Kommentar dazu von meiner Großmutter: In meiner Straße verhungert keiner. Oma Maria Eßer legte sich sogar mit der Gestapo an und konnte so verhindern, dass ihre Kinder zum BDM oder zur HJ mussten. Meine Mutter sah allerdings ihre beste Freundin in einem Bombenangriff sterben. Nur unter vorgehaltener Waffe war meine Großmutter bereit »ihre Elsaß-Straße« zu verlassen. Das nannte sich Zwangsevakuierung.

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Aurora mit dem Sonnenstern: Die Ellmühle im Deutzer Hafen

 
Die Ellmühle in Deutz (2019), Bild: Franz-Josef Knöchel
Die Ellmühle in Deutz (2019), Bild: Franz-Josef Knöchel

Jeder über 40 hat direkt die Melodie im Kopf „Aurora mit dem Sonnenstern“. Man denkt sofort an Plätzchen, Kuchen und frisch gebackenes Brot. Das Aurora-Mehl für diese Leckereien wurde in Köln gemahlen: In der großen Ellmühle direkt am Rheinufer.

Doch der Aurora-Stern an dem Gebäude hat im Laufe der Jahre stark gelitten und in der Ellmühle wird auch seit Mitte Januar 2021 kein Mehl mehr gemahlen. Nach (wie könnte es in Kölle auch anders sein) 111 Jahren hat die Ellmühle ihren Dienst eingestellt. Keine Angst: Aurora mit dem Sonnenstern und die vielen weiteren Mehlsorten, die hier produziert wurden, gibt es auch weiterhin. Doch gemahlen wird ab sofort in der neuen Castellmühle in Krefeld. Das denkmalgeschützte Gebäude der Ellmühle bleibt aber stehen und wird in Wohnungen umgewandelt.

„Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ 

Über viele Jahrhunderte hinweg war Getreide das Hauptnahrungsmittel – die Kartoffel kam erst im 16. Jahrhundert nach Europa. Das Mehl für Brot und den Getreidebrei wurde vom Müller gemahlen. Üblich war es, Vollkornmehl zu produzieren. Dabei wurden, anders als heute, nicht die Randschichten des Korns vor dem Mahlen entfernt, sondern das ganze Korn gemahlen. So hatte man zwar ein nährstoffreiches Vollkornmehl, welches aber schnell ranzig wurde. Daher ließ man immer nur den Mehlvorrat für ein paar Tage mahlen. Wenn die Kunden dann zum Müller kamen, galt strikt die Reihenfolge „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“.  

Und die Müller hatten viel zu tun. Daher galt für den Müller weder das Feierabend- noch das Feiertagsgebot. Lediglich für die Dauer der Gottesdienste waren die Müller gehalten, ihre klappernden Mühlen anzuhalten.

Die Kölner Rheinmühlen

Viele Kölner Müller nutzen die Strömung des Rheins, um ihre Mühlen anzutreiben. Auf dem Fluss klapperten bis zu 36 solcher im Fluss verankerten Mühlen zur Versorgung der Stadtbevölkerung. Der Erzbischof und die Müller teilten sich das einträgliche Recht, diese Mühlen betreiben zu dürfen.

Die Kölner Rheinmühlen, Ausschnitt aus "Große Ansicht von Köln 1531" von Anton Woensam
Die Kölner Rheinmühlen, Ausschnitt aus „Große Ansicht von Köln 1531“ von Anton Woensam

Aber auch Windmühlen waren in Köln präsent. Die Bekannteste dürfte die Bottmühle sein. Zwischen dem Bayenturm und Severinstorburg, wurde diese massive Windmühle im 17. Jahrhundert gebaut. Aber auch die Ulrepforte, heute die Heimat der Roten Funken, wurde im 15. Jahrhundert als Mühle genutzt.

Die Bottmühle, Kupferstich von 1635, Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln
Die Bottmühle, Kupferstich von 1635, Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln

Deutzer Hafen als Standortvorteil

Auch der Unternehmer Heinrich Auer betrieb bereits ab etwa 1850 zwei Mühlen in der Stadt. Seine Söhne gaben diese Mühlen auf und errichteten 1909 am Deutzer Rheinufer eine neue Großmühle. Der Hafen in Deutz bot wesentliche Standortvorteile: Getreide konnte per Schiff angeliefert und das fertig gemahlene Mehl wiederum verschifft werden. Zusätzlich gab es einen Gleisanschluss.

Das bekannte Aurora Mehl mit dem Sonnenstern, Bild: Aurora Mühlen GmbH
Das bekannte Aurora Mehl mit dem Sonnenstern, Bild: Aurora Mühlen GmbH

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mühle stark beschädigt, der Betrieb konnte erst Ende 1950 wieder aufgenommen werden. Zur gleichen Zeit erkannte auch die Firma Leysieffer & Lietzmann den Standortvorteil am Rheinufer und errichte in der Nachbarschaft der Auer-Mühle eine eigene Mühle. In den 1970er Jahren wurden die beiden Betriebe verschmolzen. Nach einigen weiteren Zukäufen firmiert das Unternehmen heute als Good Mills GmbH und ist Deutschlands größtes Mühlen-Unternehmen.

Die Ellmühle war dabei mit ihrer Kapazität von 380.000 Tonnen pro Jahr eine der bedeutendsten Mühlen in ganz Europa. Alleine mit dem Mehl aus dieser Mühle lassen sich jedes Jahr mehr als 7 Milliarden Brötchen oder etwa 1,2 Milliarden Marmorkuchen backen.

So soll es ab 2030 im Deutzer Hafen aussehen, Bild: moderne stadt GmbH
So soll es ab 2030 im Deutzer Hafen aussehen, Bild: moderne stadt GmbH

Die „moderne stadt“ in Deutz

Der Betrieb der Mühle wurde im Januar 2021 eingestellt. Das Gelände wurde bereits im Jahr 2016 für 80 Millionen Euro von der Stadtentwicklungsgesellschaft „moderne stadt“, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Köln und der Stadtwerke Köln GmbH, gekauft. Und sofort ging der Ärger los. Der Stadtkonservator Dr. Thomas Werner lies 90% der Gebäude unter Denkmalschutz stellen. Dagegen klagte das Unternehmen: Die geplante Nutzung – unter anderem für neue Wohnungen – sei so nicht mehr möglich. Erst im Januar 2021 einigte man sich außergerichtlich. Der Kompromiss: Die Fassaden bleiben erhalten, dafür dürfen die Gebäude im Inneren neu beplant werden und Öffnungen für Fenster sind möglich. Den Fortgang der Bauarbeiten dokumentiert ein Blog auf der Website „Baustelle Deutzer Hafen“.

Klar – wer will schon eine Luxuswohnung wie ein Bunker ohne natürliches Licht? Immerhin bedeutet Aurora „Morgenröte“ und hat den „Sonnenstern“. Und beides sollte schon in den teuren Wohnungen auf geschichtsträchtigem Grund zu sehen sein.


Auch im Hamburger Hafen gibt es eine Aurora-Mühle, Bild: Dietmar Gessner
Auch im Hamburger Hafen gibt es eine Aurora-Mühle, Bild: Dietmar Gessner

Die Good Mills GmbH betreibt noch viele weitere große Mühlen in Deutschland, unter anderem in Berlin, Mannheim, Frankfurt und Hamburg. 


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