Kölsche Originale: Der Lehrer Welsch – Dreimol Null es Null, bliev Null

Der Lehrermangel in Deutschland ist gravierend. Bis 2028 fehlen in NRW etwa 15.000 Lehrkräfte für alle Schulformen außer den Gymnasien. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer betont: „Auf jeden Lehrer kommt es an.“

In Kölle kommt es natürlich auf einen ganz bestimmten Lehrer an: Der Lehrer Welsch. Jedes kölsche Schulkind kennt diesen Text:
„En d’r Kayjass Nummer Null steiht en steinahl Schull,
un do hammer dren studeet.
Unser Lehrer, dä hieß Welsch,
sproch en unverfälschtes Kölsch ...
… Dreimol Null es Null, bliev Null,
denn mer woren en d‘r Kayjass en d’r Schull.“

Bei dem von den „Drei Laachduve“ aus der Session 1938/39 besungenen Lehrer handelt es sich um Heinrich Welsch, und genau dieser Lehrer Welsch hat tatsächlich ein musikalisches Denkmal verdient. Allerdings war Welsch nie in der Kaygasse tätig, sondern leitete im rechtsrheinischen Kalk eine Sonderschule für Kinder, die einer besonderen Fürsorge bedurften. Man kann davon ausgehen, dass die „Drei Laachduve“ Welsch wegen des Reims in die Kaygasse versetzt haben, denn die ursprüngliche Schule lag in der Hollweghstraße . Das hätte doch das Reimschema arg strapaziert.

Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Geburtshaus von Heinrich Welsch in Arzdorf, Bild: Wolfgang Lietzau
Welsch – ein Pädagoge mit Herz

Heinrich Welsch wurde 1848 in Arzdorf, heute ein Ortsteil von Wachtberg, geboren. Er war ausgebildeter Lehrer mit einem Examen des Königlich Preußischen Lehrerseminars in Brühl. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem in Worringen und Sülz, kam er 1881, mitten in der industriellen Revolution, nach Kalk. Erschreckt über die Verhältnisse in der Arbeiterschaft erkannte Welsch sehr schnell, dass Bildung der Schlüssel zum sozialen Erfolg seiner Schüler war. Im Jahr 1905 gründete er die „Hilfsschule“ in Kalk. Der Lehrer Welsch kümmerte sich rührend um seine Schüler – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der der Rohrstock noch als pädagogisches Mittel galt. So brachte er zum Beispiel Mädchen, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft verstoßen wurden, wieder zurück zu ihren Familien.

Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin
Das Ehrengrab von Heinrich Welsch auf dem Kalker Friedhof, Bild: A.Savin

Zu seinen Bemühungen um die Bildung gehört auch, dass Welsch 1884 mit 1.700 von ansässigen Betrieben gespendeten Büchern die erste Volksbibliothek in Kalk gründete. Heinrich Welsch schied im Jahr 1914 aus dem Schuldienst aus und verstarb 1935. Sein Grab auf der dem Friedhof in Kalk ist ein Ehrengrab, die Stadt Köln kümmert sich um die Grabpflege.

Lehrer-Welsch-Preis

Neben dem bekannten Lied lebt Heinrich Welsch aber auch im Lehrer-Welsch-Sprachpreis weiter. Die Kölner Sektion des Vereins Deutsche Sprache verleiht diesen seit 2004 an Personen oder Institutionen, die sich um die Hochsprache und den Erhalt der kölschen Sprache verdient gemacht haben.  Der Sänger Ludwig Sebus, selbst Preisträger im Jahr 2008, dazu im Kölner-Stadt-Anzeiger „Das Vermächtnis des legendären Lehrers Welsch ist doch viel mehr als Drei mal Null. Er verkörperte die kölsche Seele. Als Lehrer hat er alle Menschen gleich gesehen und gleich behandelt.“.  Erster Preisträger war Alexander von Chiari der im Motto des Rosenmontagszugs 2005 das Wort „Kids“ durch „Pänz“ ersetzte. Weitere Preisträger waren unter anderem „Die Sendung mit der Maus“ oder die Wise Guys.


Zwar stammt das Lied von der „steinahl Schull“ im Original von den  „Drei Laachduve“, allerdings ist die überarbeitete Version der „Vier Botze“ die heimliche Hymne Kölns.


Ich widme dieses „Köln-Ding der Woche“ ausdrücklich meinem Vater Peter Kievernagel, ebenfalls Lehrer. Seine Schüler sprachen von ihm als „Papa gnädig“, weil er bei Prüfungen auch schon mal gerne ein Auge zudrückte. Ganz in der Tradition von Heinrich Welsch.


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Der Düxer Bock – oder Romeo und Julia auf der Schäl Sick

Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel
Der Düxer Bock, Bild: Uli Kievernagel

Obwohl es heute um einen Ziegenbock geht, handelt diese Geschichte nicht vom ruhmreichen 1. FC Köln. Vielmehr geht es, wie bei Romeo und Julia, um die Liebesgeschichte zweier junger Menschen und ihrer verfeindeten Familien. Ort der Handlung ist nicht Verona, sondern die Schäl Sick. Erfreulich ist aber, dass diese Geschichte einen weit weniger tragischen Ausgang hat als bei Shakespeare. Und es ging um profanere Dinge wie Singvögel und einen Bock.

Es war einmal in Deutz, auf der „Schäl Sick“ …

Es gab einen armen Schneider in Deutz. Um sein kärgliches Dasein aufzubessern, züchtete der Mann Singvögel. Nicht unüblich in vergangenen Zeiten. Allerdings haben Singvögel einen entscheidenden Nachteil: Sie singen. Und das bevorzugt am frühen Morgen. Dies missfiel dem Nachbarn des armen Schneiders, einem reichen Steuereintreiber. Der wollte gerne länger schlafen, konnte dies aber wegen der singenden Singvögel nicht.

Und anscheinend wurden schon in vergangenen Zeiten Nachbarschaftsstreitigkeiten ausgetragen wie heute: Erst Zank, dann Schreierei und dann ging es vor das Gericht. Doch der arme Schneider hatte Glück: Da auch der Richter Singvögel züchtete, unterlag der Steuereinnehmer vor Gericht. Doch dieser konnte noch immer nicht klein beigeben. So kaufte er sich einen Ziegenbock und setzte diesen bei geringem Futter in einen Korb vor sein Fenster. Wo heute nach zwei Stunden der Tierschutz eingeschritten wäre, war damals nur Häme zu spüren: Das Tier meckerte laut den ganzen Tag und war über die ganze Straße zu hören. Und der arme Schneider wurde nur noch „Schneidermeckmeckmeck“ gerufen. Als das bemitleidenswerte Tier verendete, hoffte der Schneider vergeblich auf Ruhe und Frieden in der Nachbarschaft. Doch da hatte er die Rechnung ohne seinen reichen Nachbarn gemacht. Der hatte zwischenzeitlich einen Steinmetz beauftragt, einen Bock aus Stein am Haus anzubringen. Alles Bitten und Flehen des Schneiders war vergeblich: Der Bock blieb genauso an der Wand wie der Spott im Veedel. Der Schneider gab klein bei und verließ Deutz.

Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Detailansicht Düxer Bock, Skulptur von Gerhard Macks, Bld: Uli Kievernagel
Aber: Wo die Liebe hinfällt

Doch es gibt noch eine Liebesgeschichte in der Geschichte vom Bock. Während sich die Väter bitter stritten, hatte Gertrud, die Tochter des Schneiders, ein Fisternöllchen mit Fritz, dem Sohn des Steuereintreibers. Als die Familie des Schneiders Deutz verließ, war Fritz unglücklich – hatte er doch seine große Liebe verloren. Da wir aber in Kölle sind, wo et noch immer jood jejange hät, kam Gertrud viele Jahre später zurück nach Köln. Anders als bei Romeo und Julia heiraten Fritz und Gertrud, kaufen das Haus des Steuereintreibers und leben glücklich zusammen.

Ein Funken Wahrheit in der Geschichte?

Tatsächlich stand schon im 16. Jahrhundert auf der (heutigen) Siegburger Straße in Deutz ein Haus „Im Bock“. Dort war ein Bock über dem Hauseingang angebracht. Dieses Gebäude wurde 1936 abgerissen, um Platz für die Auffahrten zur Deutzer Brücke zu schaffen. Die Stadt hatte damals den Deutzern versprochen, ein neues Denkmal aufzustellen, Doch es sollte noch bis 1964 dauern, bis der von Gerhard Marcks gestaltete Ziegenbock auf einer 2,5 Meter großen Säule auf einem kleinen, namenlosen Plätzchen an der Lorenzstraße aufgestellt wurde. Und noch weitere 53 Jahre, bis sich die Deutzer durchgesetzt hatten und dieser Platz den Namen „Am Düxer Bock“ erhielt. Der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke hätte den Platz gerne anders getauft „.. aber die Deutzer Bürger sind dem Bock ähnlich – ein bisschen dickköpfig. So habe ich mich denn der demokratischen Abstimmung geschlagen gegeben.“, so Hupke in einem Interview der Kölnischen Rundschau.


Initiative "Bock auf Garten" aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/
Initiative „Bock auf Garten“ aus Deutz, Bild: www.bockaufgarten.de/

Bock auf Garten

Treiber dieser Idee war die Deutzerin Olga Moldaver. Sie hat die Initiative „Bock auf Garten“ gestartet. Heute lädt der gemütliche Platz am Düxer Bock mit einem Bücherregal und einer Sitzecke ein, einfach mal ein paar Minuten oder Stunden mit und an dem Düxer Bock zu verbringen.

 


Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

Bierliebhabern kann ich auch den „Düxer Bock“ empfehlen: Ein Bock-Bier aus Köln. Mit immerhin 6,9 % Vol. Alkohol ist der „Düxer Bock“ zwar stärker als Kölsch (4,8 % Vol.) – aber im Vergleich zu anderen Bockbieren eher leicht. Übrigens: Der Düxer Bock wird klimaneutral gebraut und ist – anders als andere Bockbiere – ganzjährig zu genießen. 

Mehr Infos und Bezugsmöglichkeiten gibt es hier.


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Köln wird in CCAA umbenannt

Die Stadtverwaltung ist vorbereitet: Das neue Straßenschild der Stadt am Rhein. Bild: Uli Kievernagel
Die Stadtverwaltung ist vorbereitet: Das neue Straßenschild der Stadt am Rhein. Bild: Uli Kievernagel

Eingeweihte wissen es schon länger, doch seit heute ist es offiziell: Köln wird in CCAA umbenannt. Oberbürgermeisterin Imperatrice Henriette Reker dazu: „Wir pflegen damit die alte römische Tradition unserer Stadt. Wir stehen zu unseren römischen Wurzeln und wollen diese auch im Namen unserer schönen Stadt zum Ausdruck bringen. Salve.“

CCAA steht für “Colonia Claudia Ara Agrippinensium”, übersetzt heißt dasCarneval cünne alle. Alaaf!“ Und tatsächlich – dieser Name passt hervorragend. Reduziert er die Stadt am Rhein, ehemals als Köln bekannt, auf das, was die Kölschen wirklich können: Feiern. Tusch. Tschingbum. „Was für ein geschickter Schachzug. Der alte Name war doch verbunden mit Skandalen und Klüngel. Jetzt wäscht sich die Stadt rein und kann neu anfangen.“  so der renommierte Heimatforscher K. L Üngel aus Nippes.

Die erste Kritik der Opposition im Stadtrat verstummte schnell. Nach seiner Beförderung zum „Imperator (stellvertend)“ hatte Martin Rex Börschel nur noch lobende Wörter für den Entschluss übrig. Börschel: „Ein weiser Entschluss. Aber bitte entschuldigen Sie mich, gleich beginnt die Feier zur Umbenennung der Domplatte in Börschel-Forum.“

FC Köln freut sich – und spart Geld

Und auf einmal geht es auch in der Stadtverwaltung ganz schnell: Das ungeliebte Müngersdorfer Stadion, eh´ viel zu kleinen für den ruhmreichen 1. FC Köln, wird noch heute gesprengt. Die Stadt plant an gleicher Stelle eine Vielzweck-Arena mit Löwenkämpfen und sich gegenseitig abmurksenden Gladiatoren. FC-Präsident Spinner freut sich bereits darauf, Trainer und reichlich Spieler zusammen mit Krokodilen und Bären in der Arena zu sehen. „Das spart eine Menge Gehalt und Pensionsverpflichtungen in der 2. Liga.“, erklärt Spinner. Doch nicht nur der FC hat zahlreiche Kandidaten für die lustigen Spiele gemeldet. So sollen alle Gesellschafter des Oppenheim-Esch-Fonds bereits nächste Woche die Gelegenheit bekommen, unbewaffnet gegen ein Rudel tollwütiger Wölfe in der neuen Arema anzutreten.

Einzig die Neider aus dem Dorf an der Düssel rheinabwärts haben wieder ungefragt ihren scharfen Senf zur Umbenennung gegeben. „Das können wir auch.“, so Thomas Geisel. „Wir pflegen unsere japanischen Wurzeln und nennen uns nächste Woche in „Nippon II“ um. Ätsch!“.

Auch der Köln-Lotse folgt dem Trend. Ab sofort bin ich der CCAA-Lotse. Und freue mich drauf.


Wie aus CCAA irgendwann mal Köln wurde könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen: CCAA, Cöln, Köln – wie unsere Stadt zu ihrem Namen kam

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Kölsche Wörter „Die Schmier“ & Oskar, der Polizist

Oskar, der freundliche Polizist. Bildquelle: Otto Schwalge
Gehört zur Schmier: Oskar, der freundliche Polizist. Bildquelle: Otto Schwalge

Der Kölner spricht liebevoll von der „Schmier“, wenn er die Polizei meint. Dieses Wort ist keinesfalls eine Beleidung und es geht nicht um Schmiere oder Dreck. Tatsächlich bezeichnen sich sogar die Polizisten selber als „von dä Schmier“.

Das Wort Schmier taucht bereits 1899 in Grimms Wörterbuch auf und wird dort als Wache, Wächter oder Aufpasser definiert. Der Ursprung des Wortes liegt im hebräischen „Schmira“ und meint „Bewachung“, also „Schmiere stehen“.

Ein Denkmal für die kölsche Schmier ist „Oskar der freundliche Polizist“. Schnörres, kleiner Bierbauch und immer gut gelaunt. Diese Figur spiegelt auch wunderbar das kölsche Verständnis der Polizei wider: Nicht immer ganz so ernst, aber entschieden, wenn es darum geht, hilflosen Personen zu helfen und kleinere Vergehen auch mal nur mit einem erhobenen Zeigefinger statt direkt mit einem Knöllchen zu ahnden. Somit ist Oskar auch der Prototyp des Bezirksbeamten. Das sind die Polizisten, die Präsenz in den Veedeln zeigen, mit den Kindern den Schulweg üben und als direkter Ansprechpartner der Bürger fungieren.


Etwa 2.500 Polizisten waren zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch in Köln im Einsatz. Ein großes DANKE an die Jungs & Mädchen von der „Schmier“. Ihr habt Karneval wieder hervorragend auf uns Kölsche aufgepasst.  


Das Kölner Polizeipräsidium liegt am Walter-Pauli-Ring in Kalk. Der Polizist Walter Pauli wurde im Mai 1975 bei einer Schießerei im Alter von nur 22 Jahren tödlich getroffen. Der Walter-Pauli-Ring ist die erste Straße in Deutschland, die einem im Dienst getöteten Polizisten gewidmet wurde.


Am 19. Februar 2018 hat mich C. zu diesem Artikel angeschrieben, ein großes DANKE für die Rückmeldung:

Lieber Uli!
Als kölscher Schutzmann und somit „Betroffener“ dieses Artikels danke ich Dir! Wie immer unfassbar informativ, mit Liebe und Eifer geschrieben.
Gerade im vergangegen Karnevalseinsatz und den damit verbundenen zusätzlichen Maßnahmen gegen mögliche Terrorgefahren, habe ich wieder gemerkt, wie gut es doch tut, wenn der Bürger auch im Vorbeigehen einfach nur ein „Danke“ äußert und damit seinen Weitblick bzgl der heutigen Situation und seine Wertschätzung ggü unserer Arbeit zeigt.
Dieser Dank gilt auch Dir für diesen tollen Artikel!!!

C. aus Köln


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Kölsche Wörter: Fisternöllche

Fisternoell, Bild: Gisela Peter / pixelio.de
Die zwei haben ein Fisternoellchen, Bild: Gisela Peter / pixelio.de

Wir feiern Karneval. Und gerade der Karneval führt immer wieder zu jeder Menge Fisternöllche. Damit sind heimliche Liebeleien gemeint. Speziell an Karneval wird daraus auch gerne das „Fastelovendsfisternöll“.

Fragt man den Kölschen, woher dieses wunderbare Wort stammt, antworten viele mit dem französischen Ursprung: „fils à Noel“. Wortwörtlich übersetzt bedeutet das „Sohn zu Weihnachten“. Und eine einfache Rechnung zeigt, dass das tatsächlich halbwegs passen könnte: Karnevalszeit plus gute neun Monate – fertig ist das Söhnchen zu  Weihnachten. Doch so schön diese Erklärung auch klingt – sie ist falsch.

Tatsächlich stammt das „Fisternöll“ vom mittelhochdeutschen „fistan“ an. Das bedeutet herumbasteln. Und der „Nöll“ ist der Arnold. Es geht also um jemanden, der gerne bastelt oder sich mit etwas intensiv beschäftigt. Womit wir wieder bei der eigentlichen Bedeutung wären: Sich (gerne an Karneval, aber nicht nur dann) mit dem anderen Geschlecht intensiv beschäftigen ist dann das Fisternöllchen. Zusätzlich wird der Begriff auch für die Person der Liebelei benutzt: „Dä Jupp is bei singem Fisternöll“.

Fisternöll ist nicht immer gleich eine Liebelei

Vorsicht übrigens, wenn ihr das Wort außerhalb Kölns benutzt. Denn während in dem Dorf nördlich der schönsten Stadt der Welt mit Fisternöll tatsächlich nur eine unbedeutende Kleinarbeit gemeint ist, bezeichnet der Niederrheiner mit Fisternölleken oder Fisternölleke einen Korn mit einem Zuckerstückchen. Wer es mag …


Der Sprachwissenschaftler Peter Honnen erklärt auf YouTube den Begriff „Fisternöll“.


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Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Heidewitzka Herr Kapitän“

Das "Müllemer Böötche", Fotograf unbekannt, Bildquelle: Die Handelskammer für den Kreis Mülheim am Rhein (1871-1914) Heinz Hermanns
Das „Müllemer Böötche“, Fotograf unbekannt, Bildquelle: Die Handelskammer für den Kreis Mülheim am Rhein (1871-1914), Heinz Hermanns

Damit ihr an Fastelovend textsicher mitsingen könnt, gibt es bis Karneval die Mini-Reihe „Kölsche Tön & ihre Geschichte“. Wir starten mit dem Klassiker von Karl Berbuer „Heidewitzka Herr Kapitän“:

Vordergründig geht es um einen klassischen Ausflug von Köln-Mülheim zum Drachenfels. Dass dabei ordentlich gefeiert und getrunken wird, versteht sich von selbst, immerhin ist dä Schmitz „ald jetz su voll wie en Spritz“. Und als dann auch noch ein Sturm mit Windstärke 11 aufkommt, wird „selvs de Frau Dotz, die met dem Wallfeschformat“ davon seekrank.

Tatsächlich ist aber der Refrain von besonderer Bedeutung. Dazu muss man wissen, dass Berbuer das Lied 1936 veröffentlicht hat. Und dann bekommt „Heidewitzka“ auf einmal eine ganz andere Bedeutung – als Verhöhnung des nationalsozialistischen „Heil Hitler“ Grußes.

Das „Müllemer Böötche“ gab es übrigens tatsächlich. Bis 1888 verkehrte eine Fähre zwischen dem damals noch nicht eingemeindeten Mülheim und den linksrheinischen Kölner Stadtteilen. Erst eine Schiffsbrücke und 1929 die mächtige Mülheimer Brücke machten den Fährbetrieb überflüssig.

Das Lied kam 1949 zu besonderen Ehren: Konrad Adenauer wurde bei einem Besuch in Chicago mit „Heidewitzka“ begrüßt – eine Verlegenheitslösung der Amerikaner, da es noch keine deutsche Nationalhymne gab. Auch Berbuers Trizonesien-Lied übernahm die Funktion der Ersatz-Hymne.


Auf der Lotsentour Südfriedhof besuchen wir das Grab von Karl Berbuer.


Karl Berbuer: „Heidewitzka Herr Kapitän“

Unbedingt anhören: https://youtu.be/kMAHqLIdTqg

Eimol em Johr dann weed en Scheffstour gemaht,
denn su en Faht, hät keinen Baat.
Eimol em Johr well mer der Drachenfels sin
wo köme mer söns hin?
Liebchen ade, mer stechen he
mem Müllemer Böötche endlich en See,
un wenn et ovends spät op Heim ahn dann geiht,
dann rofe mer vör luter Freud:

Refrain:
Heidewitzka, Herr Kapitän!
Mem Müllemer Böötche fahre mer su jähn,
m’r kann su schön em Dunkle schunkele,
wenn üvver uns de Sterne funkele.
Heidewitzka, Herr Kapitän!
Mem Möllemer Böötche fahre mer su jähn.

Volldampf voraus! Et geiht d’r Rhing jetzt entlang
met Sang un Klang, de Fesch wähde bang,
met hundert Knöddele dat litt klor ob d’r Hand,
wink uns et blaue Band.
Süch ens d’r Schmitz, met singem Fitz,
die sin ald jetz su voll wie an Spritz,
hä fällt dem Zigarettenboy öm d’r Hals
brüllt met’ner Stemm su voller Schmalz

Heidewitzka, Herr Kapitän! …

Jung, ob dem Scheff ham’mer ald Windstärke 11,
bal Halver Zwölf un gar kein Hölf,
selvs de Frau Dotz, die met dem Wallfeschformat,
wood dovun seekrank grad.
Heimlich un stell bütz doch dat Bell
en der Kajütt ne knochige Böll,
nä et wed Zick met uns, mer müsse ahn Land,
mer sin jo wie us Rand und Band.

Heidewitzka, Herr Kapitän! …


Kurios: In den 1930er Jahren wurde auch eine niederländische Variante von Heidewitzka veröffentlicht. Allerdings geht es hier nicht um einen Ausflug sondern um den wachsenden Autoverkehr .


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Der Kölner Flaschenkrieg

Weingärten der Kartäuser, ca. 1571. Das Gelände liegt am heutigen Kartäuserwall.

Köln und Kölsch zusammen klingt hervorragend – Köln und Wein hingegen passt auf den ersten Blick nicht wirklich gut zusammen.

Schon den Römern war es auf die Dauer zu lästig, das Grundnahrungsmittel Wein in Amphoren aus dem Süden einzuführen. Also selber anbauen. Fraglich bleibt die Qualität der in Köln produzierten Weine – man kann wohl eher von einem „Suuren Hungk“ (Kölsch für „Saurer Hund“) als von einem Edelgewächs ausgehen.

Steuerfreier Verkauf in Klöstern missfällt Kölner Kaufleuten

Der Weinbau wurde im Laufe der Jahrhunderte professionalisiert. Für das Mittelalter sind etliche Anbauflächen in der Stadt nachgewiesen, der größte Teil davon auf dem Gelände von Klöstern. Ein einträgliches Geschäft für die Geistlichkeit: Immerhin war der Verkauf von Wein aus den Klostergärten steuerfrei. Und genau das war dem Rat der Stadt Köln mehr als nur ein Dorn im Auge. Die kölschen Kaufleute wollten den Wettbewerbsvorteil der Klöster beim Weinverkauf unterbinden. Dieser Streit im Jahr 1369 ging als „Kölner Flaschenkrieg“ in die Geschichte ein.

Während die Klöster und Stifte auf ihr Recht pochten, auch weiterhin steuerfrei Wein auszuschenken und zu verkaufen, ging der Rat gewaltsam dagegen vor und beschlagnahmte etliche Flaschen des Domstifts. Die Geistlichen wiederum wandten sich an den damals für Köln zuständigen Erzbischof Kuno von Trier. Zunächst blieb dieser untätig, doch als die Auseinandersetzungen um die Weinsteuer in Köln weiter eskalierten und viele Geistliche die Stadt verließen, verhängte Kuno ein Interdikt über Köln, die schärfste Waffe der Kirche.

Interdikt zur Verteidigung der kirchlichen Einkünfte

Das Interdikt bedeutet faktisch das Verbot der Ausübung aller kirchlichen Handlungen – inklusive aller Gottesdienste und Sakramente. Somit war das Interdikt für Menschen im Mittelalter eine direkte Gefahr für das Seelenheil. Und der Kölner Stadtrat knickte ein. Bereits im Jahr 1370 wurde das Steuerprivileg für die Klöster und Stifte vom Rat bestätigt und Kuno zog das Interdikt zurück.

Heute spielt der Weinbau in der Stadt keine Rolle mehr – Köln ist und bleibt die Stadt des Kölschs. Der nördlichste Weinberg am Rhein liegt in Königswinter – und das sind satte 35 Kilometer weiter südlich.


Mit „urban winemaking“ bezeichnet man den Anbau vom Wein in der Großstadt. Der Kölner Stadtwinzer Thomas Eichert kümmert sich um eigene und fremde Reben an Häuserwänden.


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„Lans Schmitz Backes“

Schmitz-Backes auf der Severinsstraße, Bild: Uli Kievernagel
Schmitz-Backes auf der Severinsstraße, Bild: Uli Kievernagel

Schon mal gehört? „Do bes noch nit lans Schmitz Backes“. Oder auch „Dä Jupp is och noch nit lans Schmitz Backes“.

Mit dieser Formulierung will der Kölner ausdrücken, dass etwas noch nicht überstanden ist. Der Jupp hat zum Beispiel eine ernsthafte Krankheit noch nicht überstanden.

Doch woher kommt der Spruch „Lans Schmitz Backes“?

Fangen wir zunächst mal mit der wortwörtlichen Übersetzung an: „Lans“ kann mit „vorbei“ übersetzt werden. „Schmitz Backes“ war und ist eine Backstube an der Severinstraße, direkt an der Severinstorburg gelegen und somit unmittelbar an der Grenze der mittelalterlichen Stadt. Somit ist – im wörtlichen Sinn –  unser Jupp noch nicht an der Bäckerei Schmitz vorbei. Klingt dubios, wenn man den „Staupenschlag“ nicht kennt.

Der „Staupenschlag“

Eine gängige Bestrafung im Mittelalter war der „Staupenschlag“. Stratfäter wurden dabei vom Gefängnis mitten in der Stadt bis vor die Stadtgrenzen getrieben und – ähnlich wie bei einem Spießrutenlauf – konnte jeder, der noch eine Rechnung mit dem Delinquenten offen hatte, diesen schlagen oder peitschen. Erst wenn der arme Teufel es lebend über die Stadtgrenze, das Severinstor, geschafft hatte, war die Bestrafung vorbei. Dabei ging es kurz vor der rettenden Freiheit noch vorbei an der Backstube Schmitz. Erst wenn der Verurteilte „lans“, also „vorbei“, am Schmitz Backes war, konnte er sicher sein, es überstanden zu haben.

Übersetzt für den kranken Jupp bedeutet das jetzt, dass er es – im übertragenen Sinn – geschafft hat und seine Krankheit überwunden hat.

Eine Legende ohne echte Beleg

Ob das alles so stimmt? Der renommierte Kölner Brauchtumsforscher Reinold Louis ist skeptisch: Legenden, dass die Gefangenen früher am Backes vorbei aus der Stadt geprügelt wurden, sind laut Louis falsch. „Wenn man an Schmitz Backes vorbei war, war man raus aus dem Trubel, raus aus der Stadt“, erklärt er im Kölner Express.

Und unser Jupp? Schlussendlich ist es ihm egal, solange er seine Krankheit überlebt und somit „lans Schmitz Backes“ ist.


Weitere kölsche Sprichwörter & Redewendungen gibt es auch im Kölsch Wörterbuch.


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Monte Troodelöh – der kölsche Everest

Die Erstbesteiger des Troodelöh

Im November 1999 ist in Köln LEGENDÄRES passiert. Machen wir einen Zeitspung: Wir befinden uns im Jahre 1999 AD. Es ist der 12. November. Ganz Köln ist noch vom Sessionsauftakt tags zuvor im Delirium. Ganz Köln? Nein! Eine Seilschaft von drei unbeugsamen Kölnern und ihr treuer Sherpa Llongway machen sich auf, um Kölns höchsten Punkt zu erkunden.

Die Namen dieser Hasardeure lauten Michael Troost, Friedrich Dedden und Kai Löhmer. Gemeinsam mit dem zuverlässigen Llongway kämpfen sie sich durch den unwirtlichen Königsforst bis zu einem noch unentdeckten Punkt: Der höchsten Stelle Kölns. Der rechtschaffene Llongway ermittelt exakt die richtige Stelle: Die höchste Erhebung unserer geliebten Domstadt ist genau 116,70 Meter hoch. Später wurde diese Höhe auf 118,04 Meter korrigiert – den gewissenhaften Llongway trifft hier aber keine Schuld!

Die erschöpften Männer – Entdecker im Rang eines Kolumbus, Amundsen oder Hillary – haben das schier Unmögliche erreicht: Ohne Sauerstoff, nur mit Minimalvorräten an Kölsch und Enzian, direkt ohne Basislager und Akklimatisation auf den Gipfel. Voller Stolz blicken sie sich um und errichten das erste, noch provisorische, Gipfelkreuz. Und sie taufen den kölschen Everest – im Angedenken an die Seilschaft der ruhmreichen Erstbesteigung – auf den Namen Monte Troodelöh – TROOst, DEdden, LÖHmer. Nur für den edlen Llongway blieb hier kein Platz. Das Los eines Sherpas.

Mittlerweile ist der Monte Troodelöh ein beliebtes Ausflugsziel. Das erste Gipfelkreuz wurde durch ein zweites und mittlerweile durch einen Findling ersetzt. Es gibt ein Gipfelbuch mit zahlreichen launigen Einträgen und eine Bank, um nach der Höchstleistung der Besteigung ein wenig rasten zu können. Ein Besuch auf dem „Dach von Köln“ lohnt sich!


Der Monte Troodelöh ist sogar bei Google Maps zu finden.


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