„Du bes Kölle“: KEINE einfache Liebeserklärung an Köln

Der kölsche Musiker und Entertainer Tommy Engel, Bild: Manfred Esser
Der kölsche Musiker und Entertainer Tommy Engel, Bild: Manfred Esser

„Du bes Kölle“ von Tommy Engel gehört wahrscheinlich zu einem der am meisten missverstandenen Liedern über unsere Stadt. Wenn an Karneval in jeder Kneipe dieses Lied läuft, grölen alle mit und meinen, dass es sich um eine bedingungslose Liebeserklärung an die Stadt und ihre Bürger handelt.

Nein – so hat das Tommy Engel nicht gemeint.

Tommy Engel, immerhin Gründungsmitglied der Bläck Fööss und unbestrittener Kenner der kölschen Seele in einem Interview 1Kölner Stadt-Anzeiger vom 06.10.2012 „Das ist, wenn man genau hinhört, gar keine distanzlose Liebeserklärung an Köln. Obwohl das viele nicht begriffen haben. Da gibt es die Zeile „Du bist suuuuuuupertolerant“. Warum betont der Sänger das so? Weil er das so meint? Oder meint er damit vielleicht etwas ganz anderes. Es gibt nichts Langweiligeres als Texte, die man eins und zu eins nehmen kann. Die Leute müssen doch was zum Nachdenken haben, wenn sie es denn tun.“

Außerdem habe ich festgestellt, dass viele den Siegertitel der „Loss mer singe-Kneipentour 2007“ zwar lauthals mitsingen, aber keine Ahnung haben, wer zum Beispiel „Zimmermann, dat Ei“ ist oder was es mit „Oppenheim und Cie“ auf sich hat. Höchste Zeit für etwas Aufklärung.


Tommy Engel „Du bes Kölle“

Text: Thomas R. Engel & Helmut Seliger
Musik: Jürgen Fritz

Du bes Oberbürjermeister
Du bes die KVB
Du bes och dä FC

Aus dem Oberbürgermeister ist mittlerweile eine Oberbürgemeristerin geworden, die „KVB“ sind die Kölner Verkehr Betriebe, der FC hat zwischenzeitlich eine Reihe von Auf- und Abstiegen hingelegt.

Du bes Prinz, Buur un Jungfrau

Regelmäßigen Lesern des „Köln-Ding der Woche“ sollte das Dreigestirn, bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau gut bekannt sein.

Du bes Tünnes, Schäl un Meisner
D´r Heinzelmännchebrunne

Mir ist kein Lied bekannt, welches es schafft, Tünnes und Schäl, die beiden legendären Figuren aus dem Hänneschen-Puppentheater,  und unseren in der Stadt stark umstrittenen, erzkonservativen Bischof Joachim Meisner in eine Zeile zu packen. Eigentlich müsste man das Lied umtexten. Seit 2014 ist Meisners nicht minder umstrittener Nachfolger Rainer Maria Woelki im Amt. Meisner verstarb im Juli 2017, zehn Jahre nach der Veröffentlichung von „Du bes Kölle“.

Bläck Fööss, Brings un Höhner
Un dem Herrjott jot jelunge

Mit Bläck Fööss, Brings un Höhner spielt Engel auf unsere kölschen Bands an. Heute müsste die Zeile wahrscheinlich lauten:
Bläck Fööss, Brings, Kasalla, Miljö, Lupo, Planschemalöör, Cat Ballou und … und … und … „
Die kölsche Musik hat in den letzten 15 Jahren einen sagenhaften Schwung erlebt. Gut so.

Du bes Ihrefeld, Nehl un Neppes
Bes Sinnersdorf un Esch
Bes Kalk, ja joot, och Bergheim
Häs Jlöck un bes och Pesch

Hier geht es um die kölschen Veedel. Sehr schön ist, dass Tommy Engel mit einem Augenzwinkern auch Bergheim eingemeindet. „Pesch“ ist kein Schreibfehler sondern ein Stadtteil im Nordwesten von Köln.

Du bes Kölle, op de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kein Kölsche jit
Du bes Kölle, Du bes super tolerant
Nimps jeden op d´r Ärm un an de Hand

Wenn ihr das Lied hört, merkt ihr, dass Tommy Engel die Zeile „suuuuuuuper tolerant“ stark dehnt. Spätstens hier sollte klar werden, dass „Du bes Kölle“ keines der „Rhein – Dom – Sunnesching – alles super“-Lieder ist. Und die Kölschen müssen sich kritisch fragen, wie weit denn ihre doch so oft beschworene Toleranz wirklich geht.

Du bes Fastelovend
Du bes janz nevvenbei
Blootwoosch, Kölsch un Levverwosch
Un Zimmermann dat Ei

„Zimmermann – dat Ei“ ist wahrscheinlich nicht jedem bekannt. Dabei handelt es sich um Hans Zimmermann, eine Hälfte des legendären „Colonia-Duetts“. Zusammen mit dem genialen Musiker und Entertainer Hans Süper waren die beiden von 1974 bis 1990 auf Kölns Karnevalsbühnen unterwegs. Dabei traf Süpers anarchischer Witz auf die steifer angelegte Figur Zimmermanns. Der „running gag“ war die ständig wiederholte Beleidigung Supers: „Zimmermann – du Ei“.

Du bes d´r Neven un DuMont
Du bes Oppenheim und Cie

Diese Strophe widmet sich der Wirtschaft und der Kultur.
Neven DuMont ist das große Kölner Verlagshaus, hier werden unter anderem die Tageszeitungen „Kölnische Rundschau“, „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Express“ verlegt.
Oppenheim und Cie. war die große Kölner Privatbank, welche im Zuge der Quelle/Arcandor -Pleite mit in den Abgrund gerissen wurde. Nur am Rande: Auch der DuMont-Konzern erlebt gerade turbulente Zeiten. In letzter Zeit wurden drei Tageszeitungen verkauft, der Konzern ist mitten in einer Restrukturierung.

Du bes kein Weltkulturstadt
Dir deit nix mih wih

Bereits 2004 ist Kölns Bewerbung zu Kulturhauptstadt krachend gescheitert. Völlig zu Recht. Es reichte den Juroren nicht, einmal durch den Dom geführt zu werden und anschließend auf einer Bötchenfahrt Flönz und Kölsch serviert zu bekommen. Das Rennen machte damals einstimmig (!) Essen. 

Du bes och de Vringsstroß
De Nordsüdfahrt suwiesu
En Düx bes Du die Freiheit
Dat Alles dat bes Du

Diese Strophen vereint wichtige Kölner Straßen: Die Severinsstraße ist das Herz der Südstadt, die Nord-Süd-Fahrt eine in den Nachkriegsjahren brutal in die Stadt geschlagene sechsspurige Straße. Die Deutzer Freiheit ist eine Einkaufsstraße in Deutz.

Du bes Kölle, op de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kein Kölsche jit
Du bes Kölle, Du bes super tolerant
Nimps jeden op d´r Ärm un an de Hand

Du bes dat jrößte Dorf
Häs dä jeilste Arsch der Welt
Du bes Laache un och Kriesche
Un häs de Musik bestellt

Alle Kölner wissen es, wollen es aber irgendwie nicht wahr haben: Köln ist keine Metropole sondern leider nur „ein Dorf“. Aber immerhin: Das „größe Dorf“.
Der geilste Arsch der Welt ist eine Schwulen-Hymne auf unsere Stadt.

Wenn dir dat all noch nit jenoch es
Dann bes de och noch d´r Rhing
D´r Dom, d´r Zoo, d´r Bahnhofsklo
Em Hätze Sonnesching

Immer mehr, immer weiter. Tommy Engel in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers dazu „Köln ist die Stadt, die nie satt wird, die nie genug kriegt. Die immer mehr will. Die nie zufrieden ist. Wenn dir das alles nicht genügt? Du bist alles das hier. Wir alle sind Köln.“

Ne halve Hahn, ne janze Käl
Schloofmötz un Filou
Du janz allein bes Kölle
Janz Kölle dat bes Du

Du bes Kölle, op de wills oder och nit
Du bes Kölle, weil et söns kein Kölsche jit
Du bes Kölle, Du bes super tolerant
Nimps jeden op d´r Ärm un an de Hand


Hört euch das Lied in Ruhe an. Hier findet das sehenswerte YouTube-Video dazu.


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Warum rufen wir „Kölle Alaaf“?

ALAAF-Schriftzug
ALAAF-Schriftzug, Bild: Uli Kievernagel

Podcast Alaaf + Zahl 11, 24

Wir Kölner sind mit unserem Ruf „Alaaf“ zu Fastelovend nicht alleine. Quer durch Deutschland rufen alle Jecken viele unterschiedliche karnevalistische Schlachtrufe. Zu meinen persönlichen Lieblingsrufen gehören:

Hoorig, hoorig – isch dia Katz lautet der Ruf der Narrenzunft Zell am Harmersbach.

Der Ruf in Westernhausen (Hohenlohekreis) wird spätestens nach dem achten Bier auch für geübte Zungen kritisch: Houlzschlaichel ferschi.

Ha-Tschi ruft der Fellbacher Carneval Club 1981 e.V.

Im Dietfurter Chinesenfasching ruft man Kille-Wau.

Wer mal Karneval in Würzburg-Unterdürrbach gefeiert hat, kennt auch „Schnüdel Klar“.

Nicht alle Düsseldorfer rufen „Helau“: In Unterbach lautet der Ruf „I-a“

Mein persönlicher Favorit ist aber Öleme Öwwäh aus dem wunderschönen Dorf Ulmen in der Vulkaneifel. Das geht eindeutig nur nach dem zehnten Bier.

Zweigeteilter Narrenruf

Der klassische Narrenruf besteht aus zwei Teilen: Zunächst etwas, was gewürdigt werden soll, meistens ein Ort, eine Person oder ein Karnevalsverein und dann der der eigentliche Ruf. Ganz klassisch ruft ein Redner den ersten Teil und die Jecken im Saal oder auf der Straße antworten mit dem Narrenruf. Der Ruf wird in de Regel dreimal wiederholt. In Köln bedeutet das regelmäßig: Der Vorrufer ruft „Kölle“ und alle antworten „Alaaf“.

Unzählige viele falsche Herleitungen von Alaaf

Aber woher kommt dieses schöne Wort „Alaaf“? Der Kölner Philologe Heribert Augustinus Hilgers (1935-2012) hat in seinem Buch „Alaaf! Ein Kölner Hochruf“ mit allerhand Fehlinterpretationen aufgeräumt. So schön die Geschichten auch sein mögen, sie sind leider alle falsch:

  • Nicht richtig ist zum Beispiel, dass Alaaf vom keltischen Wort „alef“ („Glück“) abstammt.
  • Schön, aber ebenso falsch, ist die Geschichte, dass sich Alaaf auf das Tarotspiel bezieht, weil der jüdische Buchstabe „aleph“ der Karte des Narren zugeordnet sei.
  • Auch die Herleitungen aus dem alemannischen „A Laaf´n“, dem spanischen „alaber“ oder dem syrischen „hadegel“, sind alle, so Hilgers in seinem Buch, nicht haltbar.
  • Und auch wenn wir aus der französischen Besatzungszeit viele Wörter in die kölsche Sprache übernommen haben, stimmt es auch nicht, dass sich Alaaf von „eleve-toi, cologne“, also „Erhebe dich, Köln“ ableitet.

Alaaf ist viel älter als der institutionalisierte Karneval

Im Rheinland gab es den Begriff „Alaaf“ bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Und damit knapp 300 Jahre vor dem institutionalisierten Karneval. Tatsächlich wurde ein Krug mit der Inschrift „Allaf für einen goden Druingk“ also „Nichts geht über einen guten Trank“ gefunden. Dieser Krug stammt ungefähr aus dem Jahr 1550. Und Alaaf war ein durchaus üblicher Ruf, nicht nur als Trinkspruch.

Also – liebe Karnevalisten: Ruft gerne oft und laut Alaaf, denkt aber daran, dass dieser Ruf älter als euer wunderschönes Fest ist. Und es ist durchaus erlaubt, auch mal andere schöne Narrenrufe zu benutzen.

Darauf ein dreifaches „Öleme Öwwäh“


Eine andere Geschichte versucht, die Entstehung von „Alaaf“ und „Helau“ gleichzeitig zu erklären. Diese Legende bezieht sich auf das Stapelrecht, also die Pflicht für alle Kaufleute, alle über den Rhein transportierten Güter in Köln zu einem festgelegten Preis anzubieten. Dabei galt immer der Befehl: Alaaf – also „Alles abladen!“

Ein Kaufmann aus Mainz wollte sich mit den Worten „Ik will he lau fahrn“ dem Stapelrecht nicht unterwerfen. Der arme Mann wurde, so die Legende, bei dem Versuch, das Stapelrecht zu umgehen, tödlich verwundet und im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth beerdigt. Von ihm sei heute nur noch der Ruf „Helau“ übriggeblieben.


Eine eindrucksvolle Sammlung von Narrenrufen hat Wolfgang Schallenhofer aus Wien auf der auf der Website „Kirchenweb“ zusammengetragen.


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Mildred Scheel: Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe

Mildred Scheel, Bild: Bundesarchiv
Mildred Scheel, Bild: Bundesarchiv

Wann ist sie denn nun wirklich geboren? Der 31. Dezember stimmt. Aber welches Jahr?

Je nach Quelle wird der 31. Dezember 1931 oder der 31. Dezember 1932 als Geburtsdatum angegeben. Grund dieser Konfusion ist ein kurioser Fehler auf dem Kölner Standesamt: Der Standesbeamte war wohl bei der Eintragung wegen des gerade erfolgten Jahreswechsels verwirrt und hat das falsche Jahr eingetragen. Dieser Fehler wurde erst 1970 entdeckt, denn die Geburtsurkunde mit dem Ausstellungsdatum vom Januar 1932 konnte unmöglich eine Geburt vom Dezember 1932 bescheinigen. Ihre Tochter Cornelia Scheel schreibt in Ihrem Buch „Erinnerungen an meine Mutter“ dazu: „Fortan fand sich dieses Datum auf allen Papieren und Dokumenten wieder, und meine Mutter sah keinen Grund, daran zu zweifeln. … Meine Mutter war also bis zum Sommer 1970 sicher, dass sie zu diesem Zeitpunkt siebenunddreißig war, und sie tat einen Teufel, das jetzt noch richtigzustellen.“

Ein kölsches Mädchen

Mildred Scheel wurde als Mildred Wirtz in Köln-Ma­ri­en­burg geboren. Ihre Mutter war die gebürtige Amerikanerin Anna Elsie Brown, ihr Vater der Röntgenarzt Hans-Hu­bert Wirtz. Schon als Kind zeigte Mildred Interesse an der Medizin und begleitete ihren Vater oft in die Praxis. Wegen der zunehmenden Bombenangriffe verließ die Familie im Jahr 1944 Köln und zog in die Ober­pfalz, wo die Schwes­ter des Va­ters lebte. Eine glückliche Entscheidung, denn das Haus der Familie wurde bei einem Bombenangriff im März 1945 zerstört. Der weiterhin in Köln lebende Vater überlebte den Angriff in einem Luftschutzkeller.

Mild­red Wirtz studierte Medizin, promovierte und ab­sol­vier­te die Facharztausbil­dung als Röntgenolo­gin. Ihr Plan, die Praxis ihres Vaters zu übernehmen, scheiterte, da der Vater 1962 überraschend verstarb und die Praxis verkauft wurde. Mildred Scheel wurde schwanger und bekam 1963 ihre Tochter Cornelia. Der Vater war ein verheirateter Mann und Mildred wurde so zu einer alleinerziehenden Mutter. Und das in den 1960er Jahren. Eine Frau. Ohne Mann. Aber mit Kind. Einfach unerhört.

Ihr Geld verdiente sie als Ärztin in verschiedenen Kran­ken­häu­sern. Und das rettete dem späteren Außenminister und Bundespräsidenten Walter Scheel das Leben. Der Politiker erholte sich in einem Sanatorium in Bad Wiessee von einer Nierenoperation. Die als Urlaubsvertretung dort tätige Mildred Wirtz erkannte als einzige, dass nach einer Nierensteinoperation bei Walter Scheel Komplikationen auftraten. Die Ärztin und der Politiker wurden ein Paar und heirateten im Sommer 1969, kurz bevor Walter Schee­l im Herbst Au­ßen­mi­nis­ter und Vi­ze­kanz­ler un­ter Wil­ly Brandt wurde.

Mildred und Walter Scheel im Jahr 1976, Bild: Bundesarchiv
Mildred und Walter Scheel im Jahr 1976, Bild: Bundesarchiv

Mit den politischen Ämtern ihres Mannes veränderte sich das Leben von Mildred Scheel. Sie gab ihren Beruf als Ärztin auf und nahm zunehmend Re­prä­sen­ta­ti­ons­auf­ga­ben wahr. So ganz nebenbei absolvierte sie aber an der Bon­ner Uni­ver­si­täts­kli­nik ei­ne Aus­bil­dung zur Spe­zia­lis­tin für Mam­mo­gra­phie.

Mehr als nur „nebst Gattin“

Bis weit in die 1980er Jahre waren die Ehefrauen der Politiker nur das schmückende Beiwerk. „Petersilie“ nennt das die Bonner Gesellschaftskolumnistin Almut Metzner-Hauenschild. Die Politikerfrau als schmückende Beilage – mehr nicht. So auch die damals übliche Begrüßung „Wir begrüßen den Herrn Minister nebst Gattin“. Eine solche „nebst Gattin“ war Mildred Scheel sicherlich nicht. Sie hasste den Small Talk zu Lachshäppchen. 1974, Walter Scheel war gerade zum Bundespräsidenten gewählt, warnte Sie die Journalisten beim Einzug in die Villa Hammerschmidt: „Nennen Sie mich bloß nicht Landesmutter!“.

Mit der Familie Scheel zog auch die erste Patchworkfamilie in den Dienstsitz des Bundespräsidenten. Neben Cornelia Scheel hatte das Ehepaar noch die ge­mein­sa­me Toch­ter Gwen­d­o­lyn und den Adoptivsohn Si­mon Mar­tin, einen in­dia­ni­schen Wai­sen­jun­gen aus Bolivien.

Deutsche Krebshilfe e.V.

Ihre Popularität als First Lady nutzte Sie, um im September 1974 die Deut­sche Krebs­hil­fe zu gründen – eine Zeit, in der Krebserkrankungen oft noch tabuisiert wurden. Das Geld für die Krebshilfe sammelte sie persönlich und  regelmäßig bei Empfängen in der Villa Hammerschmidt. So wurden ausdrücklich spendierfreudige Wirtschaftsbosse eingeladen, um möglichst viele Spenden zu sammeln. Sie sprach diese Gäste persönlich an. Bei einem Staatsbesuch in Moskau bat sie Leonid Breschnew um unterschriebene Autogrammkarten, die später zugunsten der Krebshilfe versteigert wurden.

Ihre Arbeit für die Krebshilfe war erfolgreich. Nicht zuletzt auf Initiative der Krebshilfe gehören heute re­gel­mä­ßi­ge Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen zum Stan­dard.

Im Jahr 1984 wurde bei Mildred Scheel Darmkrebs diagnostiziert. Die Presse sollte von dieser Erkrankung nichts erfahren, daher wurde Sie als „Frau Meyer“ in der Kölner Uniklinik behandelt. Der Besuch kam über die Tiefgarage ins Krankenhaus, um die Diskretion zu wahren. Am 13. Mai 1985 starb Mild­red Scheel in Köln. Sie wurde in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof in Bonn bestattet.

Ihr Verdienst bleibt die Gründung der Deutschen Krebshilfe. Bis heute hat diese Stiftung weit mehr als zwei Milliarden Euro an Spenden eingenommen. Ohne Mildred Scheel wären Krebserkrankungen heute noch ein Tabu.


 

 


Mildred Scheel auf dem T-Shirt von Cornel Wachter, Bild: Cornel Wachter
Mildred Scheel auf dem T-Shirt von Cornel Wachter, Bild: Cornel Wachter

Cornel Wachter & Mildred Scheel

Das kölsche Allround-Talent Cornel Wachter hat eine ganz besondere Erinnerung an Mildred Scheel. Sein Vater Heinz Wachter war dort Oberarzt im Krankenhaus der Augustinerinnen – in der Südstadt, von den Kölnern liebevoll „Severinsklösterchen“ genannt. Heinz Wachter und Mildred Scheel kannten sich. Ihr Zitat

„Es sind nicht die großen Worte, die in der Gemeinschaft grundsätzliches bewegen: es sind die vielen kleinen Taten der Einzelnen“

zierte den Schreibtisch von Heinz Wachter.

Zu Verleihung des Ehrenamtspreises der Stadt Köln an Cornel Wachter im Jahr 2022 trug er zu Ehren von Mildred Scheel ein T-Shirt mit  ihrem Bild von Andy Warhol und genau diesem Zitat.


Rose "Mildred Scheel", Bild: Kurt Stüber, CC BY-SA 3.0
Rose „Mildred Scheel“, Bild: Kurt Stüber, CC BY-SA 3.0

Eine besondere Ehrung war, dass 1976 eine Rosensorte nach ihr benannt wurde. Die Rose „Mildred Scheel“ hat dunkelrote, sehr lange haltbare Blüten mit starkem Duft.


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Joode Chressdach 2019 met däm kölschen Weihnachts-Rap

Immer ein gutes Geschenk: Gutscheine für Stadtführungen mit dem Köln-Lotsen
Immer ein gutes Geschenk: Gutscheine für Stadtführungen mit dem Köln-Lotsen

Als ideales Weihnachtsgeschenk gibt es Gutscheine für Stadtführungen mit mir in der wunderschönen Weihnachts-Version


Jetz ävver flöck, domet ühr zo de Chressdach fäädich wäd. Bild: Petra Bork / pixelio.de

Jetz ävver flöck, domet ühr zo de Chressdach fäädich wäd. Bild: Petra Bork / pixelio.de

Wir alle kennen das: Jetzt – kurz vor knapp – bricht die große Weihnachtspanik aus. Baum schmücken. Braten. Backen. Kochen. Krippenfiguren suchen. Das ganze Programm. Juliane Poloczek hat genau diesen Weihnachts-Wahnsinn in einen wunderschönen kölschen Text gepackt: Den Weihnachts-Rap.

Juliane spricht und schreibt in einem wunderschönen Kölsch – kein Wunder, denn sie ist ein echt kölsches Mädchen und mit dieser herrlichen Sprache aufgewachsen. Falls ihr einzelne Worte nicht versteht, ist das kein Problem.  Ich habe ein paar Übersetzungen beigefügt.

Ich wünschen üch, dat ihr räächziggich mit all däm Chressdachs-Gedöns fäädich wäd.

Joode Chressdach

Uli


Weihnachts-Rap
von Juliane Poloczek

Ich stonn op dr Leider un schmück he die Tann
Och die Pänz un die Oma un och mingen Mann.
Ich bin em Weihnachtsstress wie immer öm die Zick.
Ich muss mich jetz plore, dat Fes‘ es nit mieh wick.
Ich han ald jebrode, jebacke un jekoch.
Et miehste es fäädich – ich met de Nerve och.
Wat wollt ich noch ens maache? – Ach jo, he dä Baum.
Dä wollt ich dekoriere als schöne Kressdaachsdraum.

Ich bin fäädich,
Met de Nerve su fäädich.
Leeven Här, bes mer jnäädich,
Dat ich met allem wääd fäädich.

Wo es dann dä Stään hin? – Dä sollt doch op die Spitz.
Wo es dat Lametta? Die schöne, jolde Litz?
Wat es met dä Kujele en ruut un jold un blau?
Un däm finge Engelshoor? Ich jläuv, ich han nen Hau.
Die Erzjebirchsfijürcher us Holz sin och all fott.
Jetz han ich se jefunge. Bloß nen Künning es kapott.
Dat janze Jedööns hangen ich flöck en die Äs‘.
Ich bin och baal fäädich, räächziggich zom Fes‘.

Ich bin fäädich,
Met de Nerve su fäädich.
Leeven Här, bes mer jnäädich,
Dat ich met allem wääd fäädich.

Jetz noch dat Krippche. Wo stelle mer dat op?
Met Heete, Hüng un Engele un däm Stään bovvendrop.
Och luur ens, däm eine Schoof si Bein es och ald av!
Die Falde am Maria singem Mantel sin ärch schlaff.
Ejal, de Haupsaach es, et Kresskind selver es noch do,
Dä leeve kleine Kääl met singem lockije Hoor
Wie schön da Jupp, dä Ohs un och dä Esel jetz dostonn!
Ich jläuv, et wör jetz all esu wick, et Fes‘ künnt baal losjonn.

Ich bin fäädich.
Met Kripp un Baum bin ich fäädich.
Unsen Här wor mer jnäädich,
Dat ich met allem wood fäädich.


Ein paar Erklärungen zu ausgewählten kölschen Wörtern

Leider = Leiter
Pänz = Kinder
Zick = Zeit
plore = plagen, hier im Sinne von beeilen
fäädich = fertig
Leeven Här = Der Herrgott
Stään = Sterne
Kujele = Kugeln
Künning = König
baal = bald
räächziggich = rechtzeitig
Heete = Hirten
Ohs = Ochse
wood = wurde


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Der Gürzenich und Alt St. Alban: Orte der Gegensätze

Der Gürzenich und Alt St. Alban - Orte voller Gegensätze, Bilder: Köln-Kongress (Gürzenich), Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (St. Alban)
Der Gürzenich und Alt St. Alban – Orte voller Gegensätze, Bilder: Köln-Kongress (Gürzenich), Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons (St. Alban)

Auf der eine Seite ausgelassene Party, kostümierte Menschen, laute Musik. Gleich daneben tiefste Trauer und die Erinnerung an den Tod in einer Kirchenruine. In keinem anderen Ort in Köln liegen die Gegensätze so nah beieinander wie beim Gebäudeensemble des Gürzenich und der Ruine Alt St. Alban.

Der Gürzenich ist „Kölns gute Stube“. Erbaut von 1441 bis 1447 diente dieser prächtige gotische Bau als Kauf- und Lagerhaus. Namensgeber war das Stadthaus der aus Düren stammenden „Herren der Burg Gürzenich“, welches sich an der Stelle des heutigen Gürzenichs befand. Der Gürzenich wurde als Repräsentationshaus der Stadt errichtet. Hier wurden Kaiser empfangen, feinste Bankette ausgerichtet und 1505 sogar ein Reichstag abgehalten.

Mit dem Bedeutungsverlust Kölns ab dem 16. Jahrhundert schwand auch die Bedeutung des Gürzenichs. Doch die findigen Kölner nutzten das Gebäude doppelt: Zwar wurden hier Lebensmittel, Häute, Seide, Öle oder Seife gelagert und gehandelt, aber das Obergeschoss wurde regelmäßig leergeräumt, um Platz für Feierlichkeiten aller Art zu haben. Es war also schon immer so: Der Kölner an sich feiert gerne. Und deswegen werden seit 1822 bis heute Karnevalsveranstaltungen im Gürzenich abgehalten. Von 1857 bis zur Fertigstellung der Philharmonie im Jahr 1986 war der Gürzenich auch Heimat des renommierten Gürzenich-Orchesters.

Ab 1865 wurde der Gürzenich vom kombinierten Lager- und Festsaal in einen reinen Festsaal umgewandelt. Durch Um- und Anbauten wurde der Gebäudekomplex vergrößert, zusätzliche Säle entstanden.

Bildergalerie Gürzenich

Wiederaufbau im Stil der 1950er Jahre

Im zweiten Weltkrieg wurde der Gürzenich fast vollständig zerstört, nur die Außenmauern des Gebäudes standen noch. Der Wiederaufbau und die Innenausstattung im Stil der 1950er machen das Gebäude zu einem der wichtigsten Denkmäler dieser Zeit in Köln. Dabei wurde die Ruine von Alt St. Alban mitten in den Komplex integriert. Das führt dazu, dass man vom großzügigen Foyer des Gürzenichs durch die Fenster einen direkten Blick in die Ruine hat. Dieser Blick wird auf die Figurengruppe „Trauerndes Elternpaar“, im Original von Käthe Kollwitz, gelenkt.1Das Original der Skulpturen steht heute auf dem Deutschen Soldatenfriedhof in Vladslo, Belgien. In der Ruine von Alt St. Alban steht eine Kopie, die von Joseph Beuys und Erwin Heerich angefertigt wurde. Die beiden Figuren strahlen die unendliche Trauer über den im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn aus.

Skulptur "Trauernde Eltern", Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Skulptur „Trauernde Eltern“, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die Feste des Lebens vor den Hintergrund des Todes

Und da ist er – der krasse Gegensatz. Das hat auch Holger Kirsch, Prinz Holger I. im Dreigestirn 2015, erlebt. In der Euphorie seiner bevorstehenden Proklamation ging er im vollen Ornat die Treppe hinauf in den großen Saal. Voller Freude und Glück. Und dann schaut er durch das Fenster des Gürzenichs in die Kirchenruine Alt St. Alban und sieht „dieses plötzliche Gegenüber von totalem Glück und absoluter Trauer“, so Kirsch in einem Interview des WDR.

So hat Rudolf Schwarz, einer der Architekten des Ensembles aus St. Alban und Gürzenich, Recht  behalten. Er schrieb zu dieser ganz besonderen Architektur:

„Die Feste des Lebens werden vor den Hintergrund des Todes gestellt.“


Erleben kann man diesen Gegensatz am besten von Innen. Aber auch bei einem Blick von außen in die Ruine von Alt St. Alban kann man in die Fenster des Foyers sehen. Unbedingt mal hingehen!


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Ein paar Fragen an die Macher des Düxer Bocks

Minimalistisches Design - großartiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Minimalistisches Design – großartiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

+++ UPDATE März 2022 +++

Caroline Hamacher-Linnenberg und Uli Linnenberg, die „Erfinder“ des Düxer Bock geben ihren Bock in gute Hände weiter:

Liebe Freunde,
das erste Fass unseres feinen Bockbiers haben wir vor 3 Jahren angeschlagen. Seitdem schmeckt der DÜXER BOCK immer mehr Fans im Umkreis unserer Heimatstadt. Für uns heißt das: „ZIEL ERREICHT“.
Logisch, dass der selbstbewusste Bock mit den Hufen scharrt, um Genießer in ganz Deutschland zu erobern.
Dafür übergeben wir den *DÜXER BOCK* und die *Brauerei AufRome1468* heute mit großer Überzeugung an Marian Krause und Laura-Marie Zöllter.
Sie sind leidenschaftliche Bar-Gastronomen mit Unternehmungsgeist. Aus Ihrer Erfolgsstory: Marian ist World Class Bartender of the Year 2015 und 2021 und Inhaber von „The Grid Bar“ in der Kölner Friesenstraße. Die Bar wurde 2021 als „Barteam“ und „Bar des Jahres Deutschlands“ ausgezeichnet.
Mehr über ihr KnowHow bei Premium-Getränken und ihre innovativen, erfolgreichen Projekte erfahrt ihr demnächst von Marian und Laura selbst.
Wir beide lehnen uns zurück. Danke euch allen für euer Interesse an unserem Bockbier und den Enthusiasmus seit dem ersten Schluck. Ihr habt uns stolz gemacht. Danke an alle, die mit uns teilen, dass die alte Liebesgeschichte um einen Ziegenbock in Köln-DÜX auch heute eine Erfolgsstory ist.
Marian und Laura, ihr werdet die Geschichte in dem Sinn weiterschreiben. Wir glauben an euren Erfolg!
Ein Hoch auf die Liebe
Uli Linnenberg & Caroline Hamacher-Linnenberg


Ein leises Zischen und die Flasche ist auf. Soeben hat Caroline Hamacher eine Flasche des „Düxer Bocks“ aufgemacht. Das bernsteinfarbene Bier fließt in das wunderschöne Glas, auf dem ganz dezent der Bock grüßt. Die ersten Schlücke sind herrlich: Ein vollmundiges, malziges Bier. Es schmeckt hervorragend.

Mir gegenüber sitzen die beiden Brauunternehmer Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg. Nach vielen Berufsjahren in der Werbung entschieden sich die beiden gegen den Ruhestand. Sie wollten es nochmal wissen und haben angefangen, Bier brauen zu lassen. In Köln. Ihre Brauerei AufRome produziert kein Kölsch sondern ein Bockbier, den Düxer Bock.

Bockbierbrauer in der Kölsch-Stadt: Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg, Bild: Hamacher-Linnenberg
Bockbier in der Kölsch-Stadt: Caroline Hamacher und Ulrich Linnenberg, Bild: Hamacher-Linnenberg

Schon ist mein Glas  leer, doch Ulrich Linnenberg schenkt nach. Mit dem Düxer Bock im Glas macht unser Gespräch noch mehr Spaß.

Es gibt doch schon so viele Kölschsorten. Warum braut ihr noch ein neues kölsches Bier?

Mehr Bockbier für die Stadt! Und wir wollten die Liebesgeschichte um den Düxer Bock bekannt machen.

Und warum habt gerade ihr angefangen, Bier unter die Menschen  zu bringen?

Wir sind beide passionierte Kölsch-Trinker. In und um Köln werden jährlich mehr als 1,7 Millionen Hektoliter Kölsch gebraut und getrunken. Und wir wollen zur Biervielfalt beitragen. Der Düxer Bock soll auch keine Alternative zum Kölsch sein, vielmehr eine Ergänzung. Neben Kölsch, Pils oder Weizen bietet der Düxer Bock eine weitere Geschmacksvariante an.

Schmeckt der Düxer Bock anders als normale Bockbiere?

Total anders. Unser „Bockbier für Rheinländer“ ist weniger bitter als übliche Bockbiere und hat ein feines Fruchtaroma. Durch verschiedene Malzsorten erhält es eine warme orangene Farbe und eine karamellige Note.

Bockbier ist immer so stark. Wird man davon nicht schon nach dem ersten Glas betrunken?

Nää! Unser Düxer Bock hat schließlich weniger Alkohol als Weißwein. Tatsächlich hat unser Bockbier einen Alkoholanteil von 6,9 % Vol. und ist damit zwar stärker als Kölsch mit 4,8 % aber leichter als andere Bockbiere, die bis zu zu 7,5 % Alkohol haben können.

Stimmt! Ich trinke mein zweites Glas aus und fühle mich nicht anders als nach zwei Kölsch. Fragend hebe ich den Blick – und Caroline schenkt noch einmal nach. Es wird Zeit für die „Kölschen Fragen“:

Welche kölsche Eigenschaften zeichnen euch aus?

Caroline : Mer laache jään.
Ulrich: Levve un levve looße.

Was würdet ihr morgen in unserer Stadt ändern?

Die KVB neu erfinden

Wenn nicht Köln – wo sonst könntet ihr leben?

In einer Stadt am Meer wie zum Beispiel Lissabon, aber nach drei Monaten wollen wir zurück zum Dom.

Wo ist euer Lieblingsplatz in Köln?

Caroline: Ganz klar im Stadtwald.
Ulrich: D’r Rhing erop un d’r Rhing erav, links wie räächs.

Was macht ihr zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Singen, kostümieren, Uniform anziehen, im Zug mitgehen, schunkeln, Kölsch trinken. Fisch essen. 

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Alles außer Karneval

Wenn wir 10.000 Euro für etwas spenden würde, ginge unser Geld an …

Jutta’s Suppenküche am Dom

Wodrüber laachs de dich kapott?

Caroline: Opjeblosene Fastelovends-Offizielle
Ulrich: mich selvs 

Euer kölsches Lieblingsessen?

Der Halve Hahn. Röggelchen, Butter, mittelalter Gouda, weiße Zwiebeln, Senf. Er wird leider kaum noch so klassisch serviert.

Eure Lieblingskneipe?

Da gibt es verschiedene Junkersdorfer Wohnzimmer… Mer weiß wä do es, wat et jitt un wer kütt us d’r Nohberschaff. Un mer kann zo Fooss noh Hus jonn.

Nennt einen Grunde, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Sommerkarneval

Euer Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Carline: Föttchesföhler
Ulrich: Doof Noss

Bitte vervollständigt den Satz: Köln ist ….

Caroline:  … alles us däm Leed „Du … bes die Stadt“ vun de Bläck Fööss
Ulrich: … lebenswert, weltoffen, tolerant

Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg
Ein malziges, vollmundiges Bier: Der Düxer Bock, Bild: Hamacher-Linnenberg

Schon wieder ist mein Glas leer. Wie schön wäre es doch, den Düxer Bock auch zu Hause im Kühlschrank zu haben. Daher meine letzte Frage:

Wo bekomme ich den Düxer Bock?

An unserem Probierstand, mit dem wir viel unterwegs sind. Zum Beispiel nächste Woche Sonntag auf dem Weihnachtsmarkt in RADERBERG und THAL vor dem Kloster der Benediktinerinnen.
Oder lasst euch in eine Bar oder in ein Restaurant einladen, wo unser Bier serviert wird. Oder zuhause, wenn man vorher im Handel einkaufen war. Mit Freude ergänzen wir jede Woche weitere Namen der Depots auf unserer Website. Wir haben jetzt auch einen Onlineshop.

Vielen Dank für das Gespräch – und das Bier.


Die Brauerei AufRome und „Der Kölsche Mandarin“ Adam Schall von Bell

Es gibt eine ganz erstaunliche – und mir völlig unbekannte – kölsche Querverbindung zwischen der Düxer-Bock-Brauerei AufRome und Adam Schall von Bell. Davon hat mir Uli Linnenberg erzählt:

Vermutlich ein Onkel von Adam Schall von Bell war auch von 1599-1605 Betreiber dieser Brauerei. Um genau zu sein war es seine Frau, Anna Reuffers bekannt als „die Brauersche auf Rome/up ruim“. Sie hat in dritter Ehe den Edlen Ruprecht Schall von Bell geheiratet und dann mit ihm die Brauerei geführt. Es sei sogar möglich, so Linnenberg, dass Adam Schall von Bell während seiner Zeit am Gymnasium Tricoronatum in der Marzellenstraße bei seiner Kölner Familie gewohnt haben könnte, schließlich war das Gymnasium nur ein paar Meter von der Brauerei entfernt.

Die Brauerei AufRome - ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de
Die Brauerei AufRome – ein geschichtsträchtiges kölsches Unternehmen, Bild: aufrome.de

 


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Ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus am Neumarkt

Das Bing-Haus am Neumarkt, Bild: Uli Kievernagel
Das Bing-Haus am Neumarkt, Bild: Uli Kievernagel

Was hat dieses Haus nicht alles erlebt! Ein glänzender Konsumtempel vor dem Ersten Weltkrieg, von den Nazis enteignet und als „Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege“ missbraucht, heute Gesundheitsamt der Stadt. Das Bing-Haus am Neumarkt hat wirklich eine bewegte Geschichte hinter sich.

Das Haus einer jüdischen Kaufmannsfamilie

Die namensgebende Familie Bing stammte aus Bingen am Rhein. Schon im 19. Jahrhundert liefen die Geschäfte der Firma „Gebrüder Bing & Söhne, Großhandel für Bänder, Mode und Seidenstoffe“ mit Sitz an der Ecke Neumarkt/Schildergasse hervorragend. Um neue und repräsentativere Verkaufsräume zu schaffen, wurde 1908/09 der renommierte Architekt Heinrich Müller-Erkelenz beauftragt, ein Kaufhaus im Monumentalstil der Reformarchitektur zu errichten. Dieser Stil betont die sachlichen und schlichten Formen. So ist das Bing-Haus – bis auf drei hervorspringende Erker – klar gegliedert. Ein Symbol für die Sachlichkeit der in dem Haus tätigen Händler.

Die Geschäfte der Händler liefen prächtig. Köln war vor dem Ersten Weltkrieg die wichtigste Stadt im Westen des Reiches. Die starke Befestigung durch den doppelten preußischen Verteidigungsring machte Köln faktisch uneinnehmbar. Diese Stärke fand ihren Ausdruck in regelmäßigen Militärparaden auf dem Neumarkt. Die Offiziere verkehrten im nahegelegenen Offizierskasino und bescherten den Bings satte Umsätze – das Geschäft prosperierte. Zumindest bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Mit dem ersten Schuss auf den Schlachtfeldern brachen die wichtigen Absatz- und Beschaffungsmärkte wie England oder Frankreich weg. Erst nach dem Krieg ging es wieder bergauf – zumindest bis zur Inflation. Diese zwang die Eigentümer-Familie dazu, Flächen im Bing-Haus zu vermieten.

Ein direkter Nachbar des Bing-Hauses war kein geringerer als Willi Ostermann. Und so erlebte der Neumarkt anlässlich der Silberhochzeit des populären Mundartsängers und seiner Frau Käthe Palm am 13. Januar 1936 einen selten gesehenen Menschenauflauf. Zehntausende Kölner standen vor der Tür, um Willi und seiner Käthe zu gratulieren. 

Faktische Enteignung durch die Nazis

In den 30er Jahren litten die jüdischen Eigentümer zunehmend unter den Repressalien der Nazis. Diese machten auch in Köln gute Geschäfte – regelmäßig zu Lasten enteigneter jüdischer Mitbürger. So auch beim Bing-Haus. Fritz und Otto Bing verlangten im Jahr 1939 von der Stadt 1,2 Mio. Reichsmark für das Haus. Gezahlt wurden nur 500.000 Reichsmark. Und selbst davon bekam die Familie Bing nur die Hälfte, die andere Hälfte wurde auf ein Sperrkonto überwiesen. Übrigens kein Einzelschicksal: Mehr als 700 Immobilien jüdischer Eigentümer gingen oft für einen lächerlich geringen Betrag in den Besitz der Stadt über.

Umsetzung der Nürnberger Rassengesetze

Das Haus wurde zum städtischen „Gesundheitsamt“. Allerdings ist dieser Begriff im „Dritten Reich“ etwas anders zu verstehen als heute. Ab März 1940 residierte hier die „Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege“. Diese Behörde war unter anderem auch für die Bescheinigungen zur „Ehetauglichkeit“ zuständig – die konkrete Umsetzung des in den Nürnberger Rassegesetzen festgeschriebenen „Blutschutzgesetz“, welches Eheschließungen zwischen Juden und „Deutschblütigen“ verbot. Hunderte Menschen wurden als „minderwertig“ beurteilt. Die Folge: Die gewünschte Ehe wurde schlichtweg verboten.

Gedenkplakette im Bing-Haus, Bild: Uli Kievernagel
Gedenkplakette im Bing-Haus, Bild: Uli Kievernagel

Auch erstellten Ärzte in diesem „Gesundheitsamt“ Gutachten zu Erbkrankheiten. Auf Basis dieser Einschätzung wurden mehr als 4.000 Menschen als „erbkrank“ eingestuft und zwangssterilisiert. Der leitende Stadtarzt Franz Vonessen stellte sich gegen diese Praxis – und wurde prompt von den Nazis gegen seinen Willen in den Ruhestand versetzt. Späte Genugtuung für Vonessen: Die Amerikanische Militärregierung setzte ihn 1945 als Leiter des städtischen Gesundheitsamts ein.

Diskussion um Drogenkonsumraum 

Dieses Gesundheitsamt fand dann wieder seinen Platz im Bing-Haus und residiert dort bis heute. Aktuell wird diskutiert, ob nicht direkt im Gesundheitsamt ein Drogenkonsumraum eingerichtet werden sollte. Die „Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt“ hat ein solches Hilfsangebot angeregt, um den massiven Problemen des offenen Drogenkonsums auf dem Neumarkt entgegen zu wirken. Die Stadtverwaltung sieht diesen Vorschlag positiv.

Und ein solcher Drogenkonsumraum könnte ein neues, positives Kapitel in der bewegten Geschichte des Bing-Hauses darstellen.


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.

 


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Kölsche Wörter: „hösch“

"Maat ens höösch" ist die Aufforderung, leise zu sein. Bild: Paulwip / pixelio.de
„Maat ens höösch“ ist die Aufforderung, leise zu sein. Bild: Paulwip / pixelio.de

„Maat ens hösch“ ist die Aufforderung, ruhig zu sein. Egal, ob es sich z.B. um laute Störer eines Konzerts oder um schreiende Kinder auf dem Spielplatz handelt. In jedem Fall geht es darum, Stille zu bewahren und es einfach mal etwas ruhiger angehen zu lassen.

Wie bei so vielen kölschen Wörtern ist auch bei „hösch“ eine eindeutige Übersetzung schwierig. Im Mitmachwörterbuch der rheinischen Umgangssprache wird „hösch“ als „zart, leise, still, geräuschlos“ übersetzt. Das trifft es schon recht gut. Doch die beliebte Thekenumfrage in meiner Stammkneipe bei den Urkölschen hat noch weitere Bedeutungen ergeben. So wird „hösch“ auch in der Bedeutung „langsam“ oder „vorsichtig“ verwendet. Etwa als „Jetz ävver hösch.“ was so viel bedeutet wie „Jetzt mal ganz langsam.“

Klang entspricht der Bedeutung

Das Besondere an diesem Wort ist, dass der Klang auch dem Inhalt entspricht: „hösch“ hört sich ruhig und still an. Onomatopoesie, also Lautmalerei, nennt man es, wenn Wörter dem Klang eines Vorgangs entsprechen, wie zum Beispiel „klirren“ oder „zischen“. Oder eben „hösch“. Das ist fast schon wie flüstern oder hauchen.

Kurios ist, dass das lautmalerische Wort „hösch“ tatsächlich sprachliche Wurzeln im mittelhochdeutschen hat. Das Wort „hövesch“ bedeutet „höfisch“, also „bei Hofe“. Und dass man sich dort gesittet, ruhig zurückhaltend verhält, versteht sich von selbst.

„hösch“ als Gegenbewegung

Im Zuge der „Ballermanisierung“ des kölschen Karnevals ist das Wort „hösch“ auch schon wieder zu Ehren gekommen. So gibt es „Hösch – die kölsche Miljösitzung“ bei der eben nicht die lauten Töne sondern eher die Redner und leisere Vorträge im Vordergrund stehen. Und ein unplugged (also ussjestöpselt) Album der Höhner trägt passenderweise auch den Titel “Janz höösch”. In diesem Fall steht „hösch“ für gefühlvoll und entspannt.

Sehr schön ist auch die Verwendung von „hösch“ bei dem kölschen Musiker Gerd Köster: Eine Konzertreihe im Jahr 2011 trug den Titel „Hösch Bloot“. Und das bedeutet frei übersetzt einfach „Ruhig Blut bewahren“.


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Halsbandsittiche in Köln: Grüne Plage oder Bereicherung?

Ein Halsbandsittich, Bild: Clément Bardot, CC BY-SA 4.0
Ein Halsbandsittich, Bild: Clément Bardot, CC BY-SA 4.0

Wenn man mit auswärtigen Gästen in der Stadt unterwegs ist, stehlen sie einem manchmal die Schau: „Guck mal – ganz viele Papageien“ heißt es dann immer begeistert und schnell werden die Handys gezückt, um die Vögel zu fotografieren. Fragt man allerdings die Kölschen, fällt das Urteil über die Vögel etwas nüchterner aus. Besonders von den Anwohnern, die im direkten Umfeld der Schlafbäume dieser Tiere wohnen: „Manchmal habe ich gedacht: Man muss sie alle abschießen“, so ein Anwohner der Kölner Südstadt und direkter Nachbar eines solchen Schlafbaums.

Für manche Menschen schöne Vögel, für andere schreckliche Plagegeister: Halsbandsittiche in Köln, Bild: Ingrid Beckers
Für manche Menschen schöne Vögel, für andere schreckliche Plagegeister: Halsbandsittiche in Köln, Bild: Ingrid Beckers

Die Rede ist von den etwa 40cm großen grünen Halsbandsittichen und den mit etwa 60 cm etwas größeren Alexandersittichen. Die Sittiche fliegen tagsüber in kleinen Gruppen in der Stadt herum und kommen abends in großen Schwärmen zusammen, um gemeinsam in einem Schlafbaum zu übernachten. Dabei handelt es sich um ein Instinktverhalten der Vögel. Wenn dann mehr als tausend dieser Vögel in einem Baum sitzen, geht das natürlich nicht ohne lautes Geschnatter. Schlimmer ist allerdings der Kot der Vögel. „Seit diesem Jahr ist es schlimm, jeden Tag ist alles weiß“, so ein Mitarbeiter des Wirtshauses „Im roten Ochsen“ am Rheinufer 1Kölner Stadt-Anzeiger vom 23.10.19. Dieses Gasthaus ist besonders betroffen, haben die Vögel doch vor kurzem einen Schlafbaum in unmittelbarer Nähe okkupiert.

Von privaten Vogelbesitzern freigelassen

Die ersten Halsbandsittiche in freier Wildbahn in Köln wurden etwa Ende der 60er Jahre gesichtet. Das Gerücht, dass diese damals aus dem Zoo getürmt seien, stimmt nicht. Die ursprünglich in Afrika und Asien heimischen Vögel wurden von privaten Vogelbesitzern freigelassen und vermehrten sich mangels natürlicher Feinde rasant. Heute leben etwa 2.700 dieser Tiere in Köln. Das ist kein kölsches Phänomen, in ganz NRW schätzt man den Bestand auf 4.500 Vögel.  Große Bestände der Halsbandsittiche gibt es auch in Frankfurt, Wien, Barcelona oder Amsterdam. Die Vögel stellen dabei keine Gefahr für heimischen Arten dar.

Etwa 30 cm groß, grasgrün mit rotem Schnabel: Ein Halsbandsittich, Bild: Ingrid Beckers
Etwa 30 cm groß, grasgrün mit rotem Schnabel: Ein Halsbandsittich, Bild: Ingrid Beckers
Mit Wasser und Dauerbeschallung gegen die Vögel

Getrieben von genervten Anwohnern hat die Stadt Köln einen Ornithologen beauftragt, Methoden zur Vertreibung der Vögel in der Südstadt zu finden. Dabei hat der Umweltausschuss festgelegt, dass den Tieren kein Schaden angetan werden darf. Somit fällt die Jagd auf die Vögel aus. Doch es gibt noch mehr als 30 weitere Methoden der „Vergrämung“, so das Fachwort für die Vertreibung. Dazu zählt der Einsatz von Wasser oder Schall, aber auch Raubvogelattrappen, Vogelscheuchen bis hin zu Laserstrahlen.

Bevor es jedoch in der Südstadt dazu kommen konnte, sind die Vögel von ihrem angestammten Schlafbaum in der Nähe des Bürgerhauses Stollwerck etwa einen Kilometer stadteinwärts umgezogen – in die direkte Nachbarschaft des „Roten Ochsen“. Jetzt haben zwar die Südstädter Ruhe vor den Tieren, aber in den Innenstadt wächst der Widerstand. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die menschlichen Nachbarn der Schlafbäume zu drastischeren Mitteln greifen, um die Tiere zu vertreiben. Vielleicht lohnt sich ein Anruf in der Südstadt. Dort hatte ein Anwohner eine laute Böllermaschine eingesetzt.


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Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper

Jede Woche bekomme ich einige Rückmeldungen zum jeweiligen „Ding der Woche“. Mal Korrekturen, mal ergänzende Hinweise und ganz oft Lob. Aber noch nie habe ich so viele Rückmeldungen wie letzte Woche zum Beitrag „AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen“ bekommen. Und ausnahmslos alle stimmen mir zu.

Dafür ein großes DANKE!

Ich habe mich dazu entschlossen eine repräsentative Auswahl davon zu veröffentlichen. Dabei findet ihr hier nur die Rückmeldungen, bei denen ich ausdrücklich den Namen der Absender nennen darf.

Falls ihr euch auch noch melden wollt – nur zu! Ich ergänze diese Seite gerne auch mit euren Beitrag.

Uli, der Köln-Lotse

PS Karl Küpper selber hat 1952 auf der Bühne mit ausgestrecktem Arm zu den wieder zu Ruhm & Ehre gekommen Nazis gesagt „Et eß ald widder am rääne!“. Und gleiches würde er auch heute zur AfD sagen.


Zwischenzeitlich hat auch die Abstimmung im Stadtrat zu dem Vorstoß der AfD stattgefunden. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. DANKE an alle Mitglieder des Rats, die sich nicht vor den Karren der AfD spannen lassen. Hier der Bericht aus dem Kölner Stadt-Anzeige dazu:

Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2019
Kölner Stadt-Anzeiger vom 08.11.2019

Unter dem Titel „AfD … absurd“ hat sich Ulrich Feith von den Kölner Ratsbläsern gemeldet. Diese Truppe von hervorragenden Musikern ist fester Bestandteil des Kölner Karnevals. 

Ehrlichkeit und Authentizität des Ausrufenden einer Ehrung sind maßgebend, wenn eine Ehrung ausgesprochen wird oder werden soll. 

Ehrungen sind Respektbekundungen, die nur wenn sie auch ehrlich gemeint sind ihre wohltuende Wirkung entfalten können.

Der AfD fehlt leider diese spezielle notwendige Eigenschaft den ehrwürdigen Karl Küpper zu ehren, weil sie eine vortäuschende, manipulative und scheinbare Ehrlichkeit für diese Ehrung gebrauchen, die Karl Küpper zu Lebzeiten sicher mit einer passenden pointierten Äußerung zu kommentieren gewusst hätte.

Ulrich Feith
Kölner Ratsbläser


Diese Rückmeldung kam von bekannten Karnevalisten Klaus Rupprecht. Er ist ein bekannter Büttenredner und tritt immer zusammen mit seinem „sprechenden Affen“ Willi auf:

Mein Leben lang hat mich die deutsche Vergangenheit persönlich sehr beschäftigt und ich habe mich immer bemüht, klar Stellung gegen rechtes Gedankengut zu beziehen. Auf der Bühne ist es in meiner Rolle etwas schwierig, denn bei einem kleinen Affen nimmt man politische Bemerkungen nicht wirklich ernst, aber den einen oder anderen Seitenhieb in die rechte Ecke hat es auch von Willi immer gegeben, und das wird auch weiter passieren. 
Privat bin ich der Meinung, dass es noch immer – und leider wieder – zu viele Menschen gibt, die seinerzeit unter den Nationalsozialisten gelitten haben, und denen nach dem Krieg nicht nur die nötige Anerkennung und Wiedergutmachung versagt wurde, sondern die auch noch unter der Arroganz und Ignoranz alter Nazis leiden mussten, die mit dem Persilschein rein gewaschen wurden, weil sie für den Aufbau des neuen Deutschlands offensichtlich unverzichtbar waren. Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, wie viel Zivilcourage ein Mann wie Karl Küpper gehabt haben muss, um seine Ansichten in dieser Zeit überhaupt öffentlich zu machen. Und das auch noch auf diese herrlich ironische Art, die den Charakter einer guten Büttenrede auszeichnet. Jeder Vergleich mit heutigen Rednern hinkt gewaltig, denn außer der einen oder anderen Kritik hat ein Redner heutzutage doch nichts wirklich Negatives zu erwarten. Von daher sollten wir alle den Narrenhut ziehen vor Karl Küpper.
Man fragt sich unwillkürlich, warum ausgerechnet eine Partei wie die AFD einen solchen Vorschlag unterbreitet. Der Willi sieht das übrigens genauso… und beantwortet die offene Frage so:
Laut Statistik ist einer von vier AFD- Politikern … genauso doof wie die anderen drei!
Mit affigen Grüßen
Klaus und Willi


Annette Full aus Raderberg hat sich auch gemeldet. Sie hat den Beitrag auch auf der Seite des Bürgervereins RADERBERG und -THAL e.V. veröffentlicht:

Lieber Köln-Lotse,
mal wieder ein großartiger Beitrag!
Müsste der nicht auch als Leserbrief an sämtliche Zeitungen?
Ich übernehme diesen gerne für die Website des Bürgervereins RADERBERG und -THAL.
Liebe Grüße
Annette Full

Hinweis:
Ich habe den Artikel auch als Leserbrief an den Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau. Im Stadt-Anzeiger wurde dieser am 11.11.2019 abgedruckt:

Leserbrief Karl Küpper, abgedruckt im Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.2019
Leserbrief Karl Küpper, abgedruckt im Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.2019

Diese Rückmeldung kam von Stephan Otten aus Köln:

Lieber Uli,
danke für die klaren Worte! Diese kann man nicht oft genug erheben, um dem Rechtsruck entgegenzuwirken und die Halsbandsittiche fliegen noch ein wenig länger um das Maritim Hotel.
Oft genug hat die Vergangenheit gezeigt, dass „Geschichte“ missbraucht und zu Gunsten von Machtstrebenden verändert bzw. angepasst wurde – dieser Missbrauch darf mit Karl Küpper nicht passieren!
Gerade gestern Abend ist uns auf der Museumsnacht im ELDE Haus bewusst geworden, wie der Karneval vom NS Regime genutzt – nein, missbraucht wurde. Eine dunkle Seite in Kölns Geschichte.
Politik war und ist immer im Karneval zuhause – ob auf Festwagen oder in Büttenreden, dass soll auch so bleiben finde ich – dies hat nun jedoch nichts mehr mit Politik, geschweige denn demokratischer Meinungsäußerung zu tun und ich erwarte hier genauso eine klare Stellungnahme des Festkomitees und hoffe, dass dieses Thema zumindest in den alternativen Karnevalssitzungen lautstark Einzug findet! 
Weiter so!!!!
 Gruß,
Stephan Otten


Franz-Josef Knöchel hat sich auch gemeldet. Er ist schon seit 1983 Mit-Organisator einer jährlichen Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen 1938.

Hallo Uli,
richtig so – Arsch huh! Und auch ganz gezielt die Honoratioren ansprechen mit „Höre ich Euch?!“ Ein ganz toller Beitrag über den Verdötschten, den ich als Nicht-Karnevalist und Nicht-Kölner bisher gar nicht kannte.
Korrekt und mutig v.a. auch Deine Aussagen zur AfD, die ich vollumfänglich unterschreiben würde!

Mit extra herzlichen Grüßen – keinen Handbreit den Faschisten!
Franz-Josef Knöchel


Aus Solingen hat mich diese Mail von Axel Sobek erreicht:

Super Beitrag.
Ich hoffe, dass es nie wieder regnet!
Liebe Grüße
Axel Sobek


Falls ihr euch noch dazu äußern wollt – gerne