Is et am rääne? – Büttenredner Karl Küpper

Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.
Gedenktafel für Karl Küpper am Haus Kalker Hauptstr. 215 in Köln-Kalk.

 

Der Karneval und das Dritte Reich sind ein dunkles Kapitel. Zu den lobenswerten Ausnahmen gehört der Büttenredner Karl Küpper. Als „Ne Verdötschte“  machte sich Küpper auf Kölns Karnevalsbühnen über die Nazis lustig. Ein Klassiker waren seine Auftritte, die Hand zum Hitlergruß ausgetreckt und die Frage in den Raum „Is et am rääne?“ oder auch „Su huh litt der Dreck bei uns im Keller.“

Seine subversiven Auftritte blieben nicht ohne Folgen. Im Jahr 1939 belegten die Nazis ihn mit einem lebenslangem Rede- und Auftrittsverbot. Einer Verhaftung umging er mit seiner freiwilligen Meldung zur Wehrmacht. Das Redeverbot wurde aufgehoben und Küpper spielte im Fronttheater.

Zurück aus Kriegsgefangenschaft war Küpper wieder Redner im Karneval – und prangerte die Einflussnahme der alten Nazis in Wirtschaft und Gesellschaft an. So hob er bei einem Auftritt im Karneval 1951 den rechten Arm und rief in den Saal „Et es widder am rähne!“. Und wieder wurde er Opfer der vermeintlichen Eliten und mit einem faktischen Auftrittsverbot im Karneval bestraft. Küpper beendete 1960 seine Karriere als Büttenredner und wurde Gastwirt in Köln-Kalk. 1970 verstarb Karl Küpper im Alter von 64 Jahren. Sein Grab ist auf Melaten zu finden.

Im Jahr 2011 hat die Stadt einen Platz in der Innenstadt nach Karl Küpper benannt. Die aber wohl schönste Ehrung für Küpper stammt von der Stunksitzung: Präsident Jürgen Becker hat eine Rede des „Verdötschten“ im originalen Wortlaut vorgetragen.


November 2019: AfD will das Gedenken an Karl Küpper missbrauchen

Gleich zweimal wurde Karl Küpper von den Nazis von den Bühnen verbannt: Zunächst 1939 mit einem ausgesprochenen Auftrittsverbot durch die braunen Machthaber. In der Nachkriegszeit wurde er zum zweiten Mal Opfer der vermeintlichen Eliten. Die alten Nazis, die es in Politik und Gesellschaft wieder zu Ruhm und Ehre gebracht haben, stellten ihn mit einem faktischen Auftrittsverbot kalt.

Und jetzt, 80 Jahre später, vergreifen sich wieder Politiker von Rechtsaußen an dem verdienten Karnevalisten. Ausgerechnet die AfD, deren Protagonist sogar laut Gerichtsbeschluss Faschist genannt werden darf, will einen „Karl Küpper Preis“ für die beste politische Büttenrede der Session ins Leben rufen. Also eine Partei, die eindeutig rechtes Gedankengut vertritt, will einen erklärten Gegner für ihre perfiden Zwecke missbrauchen.

Um eins klarzustellen: Würde Karl Küpper heute noch leben, wäre er entschiedener Gegner der widerlichen Politik der AfD. Sein Sohn, Gerhard Küpper, wendet sich auch ganz entschieden gegen diese Provokation. Er schreibt in einem Brief an unsere Oberbürgermeisterin Henriette Reker „Mein Vater war zu seinen Lebzeiten strikt gegen jede Form nationalsozialistischen Gedankenguts und hat sie mit allen Mitteln unter Lebensgefahr bekämpft; würde er heute noch leben, würde er diesen Kampf auch mit der AfD aufnehmen.“.

In aller Deutlichkeit

Wenn eine tiefbraune Partei sich ausgerechnet an einem Gegner der NS-Diktatur vergreift, um diesen für ihre populistischen Zwecke zu missbrauchen, müssen wir alle unsere Stimme dagegen erheben. Also liebes Festkomitee, liebe Präsidenten der Karnevalsgesellschaften, liebe aktive Büttenredner – höre ich euch?

Ich habe diesen Aufruf an Büttenredner und Funktionäre der Karnevalsgesellschaften geschickt. Die Rückmeldungen dazu findet ihr hier: Stimmen zum Beitrag „Is et am rääne?“ – Büttenredner Karl Küpper


Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper

Theaterstück "Der Unbeugsame - der Widerstand des Karl Küpper" in der Volksbühne am Rudolfplatz
Theaterstück „Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper“ in der Volksbühne am Rudolfplatz

In der Volksbühne am Rudolfplatz lief das Stück „Der Unbeugsame – der Widerstand des Karl Küpper“. Gerd Köster spielte Karl Küpper.

Ob und wann es weitere Vorstellungen geben wird wird auf der Website der Volksbühne veröffentlicht.


Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper

Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
Fritz Bilz: Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper

Der Historiker und Publizist Fritz Bilz hat das lesenswerte Buch „Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper“ veröffentlicht. 

Fritz Bilz
Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper
3. erweiterte Auflage, Köln 2020
20 Euro, erhältlich in jeder Buchhandlung


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30. Oktober 1944: Bombenangriff löscht Hochzeitsgesellschaft vollständig aus

Zugangstreppe vom Bunker auf Melaten, Bild: Hans Jörg Michell, www.lindenthal.blog
Zugangstreppe vom Bunker auf Melaten, Bild: Hans Jörg Michell

Und wieder heulen die Sirenen: Fliegeralarm in Köln. Es ist der 30. Oktober 1944, etwa 20.30 Uhr. Die fast schon regelmäßigen Angriffe auf die Stadt zermürben die Menschen. Und doch sucht eine Gruppe von feiernden Menschen so etwas wie Normalität in der grausamen Zeit des Kriegs und feiert eine Hochzeit. Eine Feier mit etwa 100 Menschen in einer Gaststätte in Lindenthal, mittendrin das frisch vermählte Brautpaar.

Doch der Fliegeralarm beendet die Feier vorzeitig. Die gesamte Gesellschaft sucht einen Schutzraum auf dem nahe gelegenen Friedhof Melaten auf. Bei diesem Schutzraum handelt es sich nicht um einen vollständig gesicherten und entsprechend geschützten Bunker, sondern nur um einen Deckungsgraben, so Robert Schwienbacher vom Kölner Institut für Festungsarchitektur1Quelle: Kölner-Stadt Anzeigers vom 26. November 2015. Schwienbacher: „Streng genommen handelt es sich nicht um einen Bunker sondern um einen Deckungsgraben, der Schutz vor Trümmern, Splittern Gaseinwirkung und der Druckwelle bieten sollte.“ Dies wird der Hochzeitgesellschaft zum Verhängnis. Die im Volksmund genannten „Angströhren“ waren einfacher und kostengünstiger herzustellen – aber auch wesentlich unsicherer als echte Luftschutzbunker. Eine der Schwachstellen dieser Bauwerke ist der Luftschacht. Und genau an dieser Stelle schlägt eine Fliegerbombe ein. Die Menschen in dem Bunker haben keine Chance. Die ungeheure Druckwelle der Bombe dringt nahezu ungehindert in die „Angströhre“ ein und zerfetzt sofort die Lungen der Menschen. Keiner der Schutzsuchenden überlebt diesen Tag.

Die Generalprobe zum jüngsten Gericht

Der Angriff vom 30. Oktober 1944 ist einer der verheerendsten Fliegerangriffe auf Köln. Innerhalb von weniger als zwei Stunden laden etwa 1.000 Bomber ihre tödliche Fracht ab. 200.000 Brandbomben und mehr als 4.000 Sprengbomben verwüsten vorwiegend die westlichen Stadtteile, weil sich die Bomber an der Aachener Straße orientieren. 554 Menschen sterben in dieser Nacht.

Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force
Eine Lancaster wirft eine Luftmine zusammen mit Brandbomben ab, Bild: Royal Air Force

Auch das St. Elisabeth-Krankenhaus (Hohenlind) wird schwer getroffen. Ein Pater aus dem Krankenhaus sprach in dieser Nacht von der „Generalprobe zum jüngsten Gericht“. In den folgenden Tagen kommen die Kölner kaum noch nach,  Tote und Verletzte zu zählen. Der Historiker Martin Rüther berichtet, dass die Leichen auf Müllwagen abtransportiert wurden.2 Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Darstellungen – Bilder – Quellen. Emons Verlag, Köln, 2005

20.000 tote Kölner durch Luftangriffe

Die noch folgenden Luftangriffe trafen eine fast menschenleere Stadt: Nur noch etwa 40.000 Menschen lebten zur „Stunde Null“ am 8. Mai 1945 in Köln. Vor dem Krieg, im Jahr 1939, gab es noch mehr als 760.000 Einwohner. Insgesamt fordern die 262 Luftangriffe auf Köln 20.000 Tote.
Zu diesen Toten gehören auch die in der „Angströhre“ auf Melaten Gestorbenen der Hochzeitgesellschaft. Allerdings verliert sich ihre Spur, es gibt kein Gemeinschaftsgrab und keine Aufzeichnungen dazu. Um die Erinnerung wachzuhalten, hat der Kölner Stadtkonservator Ralf Beines zum 50. Jahrestag im Jahr 1994 eine Plakette an dem noch existierenden, aber total verfallenen, Schutzraum anbringen lassen. Der Journalist Tim von Lindenau hat den Bunker besichtigt und ein beeindruckendes Video dazu veröffentlicht. 


Bereits am 29. Juni 1943 gab es den verheerenden „Peter-und-Paul-Angriff“ auf Köln.


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Kölsche Wörter: Fimpschig – Übersetzung unmöglich

Ein fimpschiger Kerl mit der tödlichen Männergrippe, Bild: vschlichting, Zoonar
Ein fimpschiger Kerl mit der tödlichen Männergrippe, Bild: vschlichting, Zoonar

Es wird kälter und grauer – und prompt sieht man sie wieder:
Fimpschige Kääls, die tirek die Pips han.
Also die typische, lebensbedrohende Männergrippe. Wichtig ist, dass die Kääls, also die Kerle, anders als die Frauen, fimpschig sind. Womit in diesem Fall so etwas wie „wehleidig“  gemeint ist.

Als kleiner Trost für uns Männer gilt aber dabei, dass alles mögliche fimpschig sein kann. Egal, ob es sich um Menschen oder Dinge handelt. Sobald etwas nicht perfekt ist, nennt es der Kölsche „fimpschig“. So kann auch ein wackeliges Möbelstück fimpschig sein. Oder ein Buch, welches nicht wirklich lesenswert ist, wird als fimpschig bezeichnet, ebenso wie ein Essen, welches nicht schmeckt. Auch ein empfindlicher Mensch kann fimpschig sein. Bei Brings klingt das in „Jeck Yeah“ so:
„Ich bin fimpschig un neidig
un vill zo schnell beleidigt.“

Eindeutige Übersetzung unmöglich

Daher ist eine eindeutige Übersetzung von fimpschig ins Hochdeutsche unmöglich. Klar ist nur, dass fimpschig negativ belegt ist. Allerdings auch nicht so negativ, dass zum Beispiel ein fimpschiges Brötchen direkt weggeschmissen werden muss. Essen kann man es noch – aber eben nicht mit Genuss. Oder ein Kind kann auch mit einem fimpschigen Spielzeug spielen – nur eben nicht lang, weil jedem klar ist, dass so etwa schnell kaputt geht. 

Nach dem Rheinischen Mitmachwörterbuch stammt fimpschig von „fimpen“  ab, welches „übel, faulig riechend“ bedeutet. Also nix Gutes. Der Kölsche bezeichnet daher auch wehleidige Menschen, in der Regel Männer, als Fimpsch. Womit wir wieder bei der tödlichen Männergrippe wären. Gute Besserung! 


Es gibt noch weitere kölsche Wörter, die sich nicht eindeutig übersetzen lassen wie zum Beispiel „Jedöns“.  


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Wasserflugzeughafen auf dem Rhein

Der kleine Wasserflugzeughafen auf dem Rhein. Im Hintergrund sind die Deutzer Messehallen zu erkennen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Der kleine Wasserflugzeughafen auf dem Rhein. Im Hintergrund sind die Deutzer Messehallen zu erkennen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Es muss ein toller Anblick gewesen sein: Auf dem Rhein, etwa in Höhe von St. Kunibert, beschleunigt ein Wasserflugzeug und hebt noch vor der Bastei ab. Zwischen 1926 und 1928 war das kein Einzelfall. Zunächst führte die Westflug GmbH Werbeflüge am Rhein durch und transportierte auch Post. Ab Mai 1927 führte die Lufthansa regelmäßige Passagierflüge auf der Linie Köln – Duisburg – Rotterdam durch.

Gestartet wurde von einem etwa 50 Quadratmetern kleinen Holzfloß auf dem Rhein in Höhe der Kunibertsgasse, direkt gegenüber dem Rheinpark. Am Ufer befand sich noch ein kleines Häuschen. Dort wurde die Post gelagert. Besonders kurios: Wenn es nicht genug Fracht oder zu wenige Passagiere gab, wurden Reichsbahnmitarbeiter von der nahe gelegenen Reichsbahndirektion als Ballast für den sicheren Flugbetrieb angefordert. Auf der Website „Geschichte der Kölner Luftfahrt“ berichtet ein Augenzeuge: „… Die angeforderten Leute flogen dann mit bis nach Frankfurt/M. und kamen anschließend mit der Eisenbahn wieder zurück. Dies erfolgte kostenlos, da die ausgesuchten Eisenbahnmitarbeiter im Besitz von Dienstfahrkarten waren …“.

Die Kabine einer Junkers F 13 - ausgestattet mit Korb und Polstersesseln sowie mit Beleuchtung und einer Heizung. Bild: Firmenarchiv Hugo Junkers
Die Kabine einer Junkers F 13 – ausgestattet mit Korb und Polstersesseln sowie mit Beleuchtung und einer Heizung. Bild: Firmenarchiv Hugo Junkers

Luxus: Flugzeuge mit Heizung

Geflogen wurde mit zu Wasserflugzeugen umgerüsteten Junkers F 13. Anders als die damals üblichen Flugzeuge aus mit Stoff bespannten Holz- oder Stahlrohr handelt es sich bei diesem Typ um das erste Ganzmetallflugzeug, welches in der zivilen Luftfahrt eingesetzt wurde. Die bis zu 190 km/h schnelle F 13 verfügte über zwei Pilotensitze und vier Passagiersitze. Als luxuriös galt damals das integrierte Heizsystem sowie die Innenbeleuchtung.

Ein Flugzeug auf dem Weg zum Wasserflugzeughafen. Das Gebäude im Hintergrund direkt am Rhein ist die Bastei, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ein Flugzeug auf dem Weg zum Wasserflugzeughafen. Das Gebäude im Hintergrund direkt am Rhein ist die Bastei, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Warum dieser kleine Wasserflugplatz betrieben wurde, ist heute unklar. Immerhin gab es schon den Flughafen Butzweilerhof. Der Luftfahrtexperte Werner Müller dazu im Kölner Stadt-Anzeiger „Ich vermute mal, dass man aus Kostengründen den Rhein bevorzugt hat“. Ein Ausbau des kleinen Wasserflughafens wurde schnell verworfen, auch wenn man sogar über eine Transatlantik-Verbindung nachdachte. Der rege Schiffsverkehr auf dem Rhein sowie sich verändernde Pegelstände mit Niedrigwasser machten den Betrieb mit großen Wasserflugzeugen unmöglich.

Im August 1927 stellte die Lufthansa den Flugbetrieb auf Rhein an St. Kunibert ein. Das Floß fand wurde in den Niehler Hafen geschleppt und für eine andere Luftpost-Verbindung genutzt.


Ein großes DANKE an Werner Müller vom Historischen Luftfahrtarchiv Köln für die Bilder. Die sehenswerte Webseite des Luftfahrtarchivs zeigt noch viel mehr von der bewegten Luftfahrtgeschichte in unsere Stadt: Vom Zeppelin über den Butzweilerhof bis zum Flughafen Wahn.


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„Am Nümaat zwei Päädsköpp“ – Richmodis von Aducht

Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Podcast Richmodis 9

Es ist Mitte des 14. Jahrhundert. In ganz Europa sterben die Menschen an der Pest. Etwa 25 Millionen Tote rafft der „Schwarze Tod“ dahin. Das sind etwa ein Drittel der Einwohner Europas. Besonders stark trifft es die Städte, in denen  die Menschen eng, zum Teil mit Vieh, zusammenleben. Infizierte bekommen zunächst starkes Fieber, dann entstehen am gesamten Körper Beulen, und innerhalb weniger Tage tritt der Tod ein. Die Ärzte sind hilflos. Regelmäßig schaden sie ihren geschwächten Patienten zusätzlich, indem sie diese zur Ader lassen oder mit Brechmittel oder Einläufen behandeln.

Die Seuche erreicht im Sommer 1349 auch Köln. Das öffentliche Leben kommt – aus lauter Angst vor einer Ansteckung – zum Stillstand. Nur wenige Menschen sind bereit, den Kranken zu helfen. Darunter ist die Patrizierin Richmodis von Aducht. Sie stammt aus der angesehenen und wohlhabenden Familie Lyskirchen und heiratet 1346 den einflussreichen Kölner Bürgermeister Richolf Mennegin von Aducht, genannt Mengis. Sie pflegt Pestkranke und steht auch Sterbenden bei ohne sich anzustecken.

Zwei Schimmel auf dem Turm

Doch mit der zweiten Welle der Pest, etwa sieben Jahre später im Jahr 1356, infiziert sich auch Richmodis von Aducht und stirbt an der Krankheit – das dachten zumindest alle. Wegen der Ansteckungsgefahr muss der vermeintliche Leichnam schnell aus dem Haus am Neumarkt geschafft werden. Daher wird ihr eilends ein dünnes Totenhemd angezogen, ein Sarg wird beschafft und Richmodis wird zum nahegelegenen Friedhof an der Apostelnkirche geschafft, um am Folgetag beigesetzt zu werden.

Zwei Totengräbern entgeht dabei nicht, dass der Leichnam der reichen Kölnerin Schmuck trägt. Insbesondere ein wertvoller Ring weckt ihr Interesse. So gehen sie nachts in die Leichenhalle, öffnen den Sarg und wollen die Leiche bestehlen. Der erste Schreck kommt schnell, ist doch die Hand, von welcher einer der Diebe den Ring ziehen will, noch warm. Vollends panisch fliehen die beiden, als sich Richmodis mit den Worten „Mir ist so kalt.“ aufrichtet. Schnell wird ihr klar, wo sie sich befindet und dass sie nicht weit weg von zu Hause ist. Also läuft sie nach Hause und klopft an die Tür. Doch selbstverständlich lässt sie der vom Klopfen geweckte Knecht nicht rein – da könnte ja jeder kommen. Auch ihre Beteuerung, dass sie doch die Dame des Hauses sei, hilft nicht. Aber immerhin weckt der Knecht den vermeintlichen Witwer Mengis. Auch dieser reagiert verständlicherweise eher unwirsch und weist die Person vor der Tür an, zu verschwinden. Auf ihren Einwand, dass sie doch seine Frau sei, antwortet Mengis voller Trauer: „Meine Frau ist tot. Eher steigen meine beiden Schimmel die Treppe hinauf in den Turm und schauen aus dem Dach heraus, als dass Richmodis wiederkehrt.“

Kaum ausgesprochen sind im Treppenhaus die Hufgeräusche von Pferden zu hören, anschließend ein lautes Wiehern aus dem Turm des Hauses – und zwei Pferde schauten aus den Turmluken. Erst jetzt glaubt Mengis, dass tatsächlich seine von den Toten auferstandene Frau vor der Tür steht. Überglücklich schließt er seine totgeglaubte Frau in die Arme. Richmodis wird wieder vollständig gesund und bringt sogar noch drei Kinder zur Welt.

Ende gut – alles gut! Übrigens auch für die Pferde. Diese wurden nicht zur rheinischen Spezialität Soorbroode verarbeitet sondern mit einem Flaschenzug wieder sicher vom Turm herabgelassen. Noch heute erinnert der achteckige „Richmodis-Turm“ an der Richmodstraße an diese Sage und noch immer schauen zwei steinerne Schimmel vergnügt aus den Fenstern.

Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Wahrer Kern der Sage

Wie so oft bei solchen Sagen ist irgendwo ein wahrer Kern verborgen. Tatsächlich muss in der Stadt während der Pest das totale Chaos geherrscht haben. So starben im 14. Jahrhundert etwa 20.000 Menschen in Köln an der Seuche. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Bevölkerung. Und deswegen ist davon auszugehen, dass es bei der Leichenschau nicht besonders genau zuging und so mancher vermeintlich Tote schneller in einer der zahlreichen Leichengruben landete als der Tot ihn tatsächlich ereilte.


Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH
Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH

Neben dem Richmodis-Turm erinnert heute das Richmodis-Kölsch an die Sage. REWE hat die alte Marke, ursprünglich 2002 eingestellt, im Jahr 2012 wieder belebt. Das Logo zeigt die beiden Schimmel und das Gebäude.


Übrigens: Wenn der Kölsche eine Geschichte nicht glaubt, entgegnet er „Klar – un am Nümaat zwei Päädsköpp“. Und Wolfgang Niedecken hat im gleichnamigen Song die Richmodis-Sage musikalisch verarbeitet.  Den wunderschönen Text gibt es hier – auf Kölsch und auch in einer hochdeutschen Übersetzung.


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.


 

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Blog + Podcast: CCAA, Cöln, Köln – wie unsere Stadt zu ihrem Namen kam

Ansicht von „Agrippina oder Köln“, gedruckt 1499 durch Johann Koelhoff d. J.
Der Name war schon damals unklar: Ansicht von „Agrippina oder Köln“, gedruckt 1499 durch Johann Koelhoff d. J.

 

Die Kölschen benennen und besingen ihre Stadt liebevoll als „Kölle“. Unzählige Lieder haben „Kölle“ bereits im Titel. Und Kasalla besingt sogar „Stadt mit K“. Noch vor gut 100 Jahren hätte Kasalla allerdings die „Stadt mit C“ besingen müssen. Die offizielle Schreibweise für unsere Stadt lautete bis 1919 „Cöln“.

Vom Oppidum Ubiorum zu CCAA

Alles begann mit den Ubiern. Dieser ursprünglich auf der „Schäl Sick“, also der rechten Rheinseite, beheimatete Germanenstamm wurde von den Römern um 20/19 v. Chr. auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde „Oppidum Ubiorum“, also „Siedlung der Ubier“ genannt. Dank des „kölschen Mädche“ Agrippina bekam diese Siedlung am 9. Juli 50 n. Chr. den Status einer „Colonia“ und somit den Namen „Colonia Claudia Ara Agrippinensium – CCAA“, also „Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“.

CCAA - Inschrift auf dem römischen Nordtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium
CCAA – Inschrift auf dem römischen Nordtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Aber das war damals für die ersten Kölschen zu lang, deswegen wurde der Name auf „Agrippina “ oder „Colonia“ verkürzt. Und das kommt einem doch schon bekannt vor. Auf der Straße wurde aber kein Latein sondern ein germanischer Dialekt gesprochen. Also das erste Kölsch1Damit meine ich Sprache, nicht das Bier. Und wahrscheinlich haben die Kölschen auch schon damals undeutlich gesprochen. So wurde aus Colonia im Laufe der Jahrhunderte Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln. Die am häufigsten verwendete Schreibweise war bis zum 15./16. Jahrhundert die Variante mit „C“ erst danach die setzten sich die „K“-Varianten durch.

Französische Besatzung: Köln wird zu Cologne

Am 6. Oktober 1794 ergab sich Köln kampflos den Franzosen. Die französischen Besatzer modernisierten Müllabfuhr und Straßenbeleuchtung und führten neben Hausnummern auch den neuen Namen „Cologne“ ein. Stellt euch vor, das wäre nicht passiert: Dann würde alle Welt nicht nach „Eau de Cologne“ sondern nach „Eau de Köln“ riechen. Klingt schon irgendwie schräg.

Nach den Franzosen kamen die Preußen. Die Kölschen wollten zur Schreibweise „Köln“ zurück, um möglichst nicht mehr an die ungeliebten französischen Besatzer erinnert zu werden. Doch Friedrich Wilhelm IV. sorgt mit einem Erlass dafür, dass ab dem 8. September 1857 unsere Stadt am Rhein den offiziellen Namen Cöln bekam. Die Preussen bezogen sich mit dem „C“ selbstverständlich nicht auf das französische Cologne, sondern auf das lateinische „Colonia“.

Die Stadtverwaltung versuchte, das ungeliebte „C“ zu ignorieren und durch die konsequente Schreibweise „Köln“ Fakten zu schaffen. Es gab sogar eine „K“-Klage der Stadt vor Gericht – vergeblich: Die Klage wurde abgewiesen. Ab November 1901 musste dann auch die Verwaltung die offizielle Schreibweise Cöln verwenden.

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Das „K“ haben wir Adenauer zu verdanken

Und dann kam Adenauer: Als Kölner Oberbürgermeister nutze er die Irrungen und Wirrungen nach dem 1. Weltkrieg geschickt aus und ließ am 1. Februar 1919 verkünden: „Der Städtenamen Köln wird von jetzt an mit „K“ geschrieben.“ Tatsächlich überschritt Adenauer damit erheblich seine Kompetenzen. Doch während man in Berlin mit Revolution und Verkündung der Weimarer Republik beschäftigt war, konnte man sich mit solchen „K“ und „C“-Jedöns im fernen Westen nicht beschäftigen.

Und so nennt sich unsere Stadt seitdem amtlich und endgültig Köln. Und Kasalla und viele andere Bands können unsere Stadt mit „K“ besingen.
Jood jemaht, Herr Oberbürgermeister Adenauer.


Der Podcast „CCAA, Cöln, Köln – wie unsere Stadt zu ihrem Namen kam“

Shownotes

Die Kölschen benennen und besingen ihre Stadt liebevoll als „Kölle“. Und Kasalla besingt sogar „Stadt mit K“.Doch noch vor gut 100 Jahren hätte Kasalla allerdings die „Stadt mit C“ besingen müssen, denn die offizielle Schreibweise für unsere Stadt lautete bis 1919 „Cöln“.

Wie aus dem „Oppidum Ubiorum“ zunächst „Colonia Claudia Ara Agrippinensum“, später „Cöln“ und heute „Köln“ wurde und welche Rolle der findige Adenauer dabei gespielt hat, erklären Frank und Uli in diesem Köln-Ding der Woche.


Text dieser Podcast-Folge

Hallo und herzlich willkommen.

Es ist wieder so weit, das Köln-Ding der Woche besucht euch zu Hause. Mir gegenüber sitzt Frank M aus Z.: Frank Mausbach aus dem schönen Köln-Zollstock.

Und mir gegenüber sitzt UKKL alias Ulrich Kiever Nagel Köln-Lotse oder auch sein hochgewohlgeborener Ulrich Kiever zu Nagel oder wie er jetzt heißt, der Leven Ulli.

Und heute geht es um die Stadt mit den 100.000 Namen: Unserer Kölle. Unser Köln schreibt sich heute K-Ö-L-N, kennt man, aber das war früher alles ganz anders.Und unser Staat hat x verschiedene Namensvarianten durchgemacht. Das fing schon bei den Römern an und geht eigentlich bis mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts noch, wo der Name sich ständig geändert hat. Und das wollen wir heute mit euch ein wenig aufdröseln.

Womit hat es angefangen?

Es hat alles angefangen, wie immer in Köln, mit den Ubiern. Dieser ursprünglich auf der Schälsick, also der rechten Rheinseite beheimatete Germanenstamm, wurde von den Römern 2019 vor Christus auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde Opidum Ubiorum, also Siedlung der Ubier genannt, dank des Köln-Mädchens Agrippina, bekam diese Siedlung, allerdings dann ein paar Jörsche später, den Status einer Colonia und somit den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, CCAA. Mit anderen Worten, claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser.

Also jetzt hatten wir schon mal das Opidum Ubiorum, wir hatten das CCAA, Colonia Claudia Ara Agrippinensum, also schon mal die ersten zwei Namen unserer Stadt. Wobei der zweite Name, Colonia Claudia Ara Agrippinensum, CCAA, durchaus etwas lang ist.Der Kölsch an sich ist aber durchaus etwas gemütlich und kürzt gern ab. Und so wurde aus dem Colonia Claudia Ara Agrippinensum von den Kölschern abgekürzt auf entweder Agrippina oder Colonia. Und Colonia klingt doch fast schon vertraut.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es unzählige Sprechweisen und Schreibweisen von Köln: Also Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln.

Die Franzosen

Am 6. Oktober 1794 ergab es sich dann, dass die Kölner sich kampflos den Franzosen ergaben. Was ich mir ja kaum vorstellen kann, wo sind denn die ganzen Jan von Werths, wenn man sie mal braucht.

Aber der Einmarsch der Franzosen bedeutete das Ende der Freien Reichsstadt. Bis 1815 gehörte Köln damit für gut 20 Jahre zu Frankreich. Die französischen Besatzer modernisierten die Müllabfuhr und Straßenbeleuchtung und führten neben Hausnummern auch den neuen Namen Colonia ein.

Jetzt stellt euch mal vor, die Franzosen wären nicht gekommen, sondern ich sag mal die Holländer. Dann würde alle Welt nicht nach Eau de Cologne, sondern nach „Water uit Keulen“ riechen. Das klingt durchaus etwas schräg. Eau de Cologne ist schon ein bisschen schicker, muss man sagen. Ja, es versprüht jetzt etwas internationalen Charme.

Nach den Franzosen kamen die Preußen und die Kölschen wollten tatsächlich zu der eigentlichen Schreibweise Köln, wie wir sie heute kennen, zurück. K-Ö-L-N. Das war natürlich eine Reaktion auf die ungeliebten Besatzer der Franzosen oder Besatzung der Franzosen, weil man wollte alles Französische so ein bisschen ausmerzen.

Aber was ist?

Ausgerechnet Friedrich Wilhelm IV einer der Preußenkönige, der sorgte dafür, dass Köln dann tatsächlich ab September 1857 den offiziellen Namen Cöln bekam. Übrigens, der offizielle Name war sogar Festung Cöln, weil die Preußen Köln so dermaßen ausgebaut haben als Festungsstadt, als westliche große Festungsstadt gegen die Franzosen, dass der Begriff wirklich auch Programm war.

Also hier waren so viele preußische Soldaten stationiert und Friedrich Wilhelm IV der hat dann auch gesagt, wir schreiben Köln mit C. Nicht um es an Colonia der Franzosen zu erinnern, sondern ganz tief zurück. Es sollte sich an das Colonia der Römer, also im Lateinischen, zurück erinnern.

Ja, und dann kam der joode Aale Adenauer. Als Kölner Oberbürgermeister nutzte er die Irrungen und Wirrungen nach dem Ersten Weltkrieg geschickt aus und ließ am 1.Februar 1919 verkünden, der Städternamen Köln wird hier von jetzt an mit K geschrieben. Tatsächlich überschritt Adenauer damit aber ganz erheblich seine Kompetenzen. Doch während man in Berlin sich mit Revolutionen und Verkündungen der Weimarer Republik herumschlägt, konnte man sich mit solchen Ks oder Cs im fernen Westen nicht beschäftigen. Und so kamen wir dann schlussendlich zu unserer Schreibweise Köln, wie sie heute ist.

Und es war ein langer Weg vom Opidum Ubiorum über Colonia Claudia Ara Agrippinensum, über Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln bis hin zu heute Köln.

Und damit sind wir ja auch ganz glücklich, weil wie hätte Marie-Louise Nikuta denn ihre ganzen Lieder schreiben können, wenn da nicht mindestens immer einmal Köln drin vorgekommen wäre. Also, mit allen Worten, wir müssen uns beim Oberbürgermeister Adenauer danken, Hesse jood jemaht.

Vielen Dank, macht es gut und nächste Woche geht es weiter.

Vielen Dank fürs Zuhören!


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Kölsches Jubiläum: Die 111. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“

Die 111. Ausgabe des "Köln-Ding der Woche" - immer über die schönste Stadt der Welt.
Die 111. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“ – immer über die schönste Stadt der Welt.

Lasst uns feiern! Es gibt ein kölsches Jubiläum: Ihr lest das 111. Köln-Ding der Woche. Seit Juli 2017 gibt es jeden Sonntag ein Detail zur schönsten Stadt der Welt. Angefangen hat alles mit dem Artikel zu den Kölner Lichtern – meine Ausgabe Nummer 1. Diese wurde auch tatsächlich von immerhin vier Menschen gelesen. Heute lesen mehrere Hundert Menschen jede Woche meine Sonntagspost. Und das sehr aufmerksam – oft bekomme ich schon zum Frühstück e-Mails zu Tippfehlern.

Die Top-Ten wird angeführt vom „Fisternöllchen“

Zum Jubiläum habe ich noch einmal ausgewertet, welche Artikel am meisten geklickt wurden. Platz 1 ist eindeutig das Fisternöllchen. Die komplette Top-Ten sieht wie folgt aus:

  1. Kölsche Wörter: Das Fisternöllche
  2. Kölsche Schimpfwörter Teil I; Von Aaapefott bis Flabes
  3. Monte Troodelööh – der kölsche Everest
  4. Kölsche Wörter: „puddelrüh“ und Spaß dabei
  5. Kölsche Schimpfwörter Teil V: Schwaadlappe bis Tütenüggel
  6. Der Lommi – die „Kölscheste aller Kölsch-Kneipen“
  7. Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Mer sin Eins“
  8. Rievkooche – dat es en Delikatess!
  9. Kölsche Schimpfwörter Teil IV: Pimock bis Sackjeseech
  10. Kölner Baumkataster: Weißt du wie viel Bäume stehen?

Ganz klare Tendenz: Schimpfwörter, ein (sexuelles) Verhältnis und nackt rumlaufen scheinen bei euch auf das größte Interesse zu stoßen … schon interessant, was meine Leserschaft so mag.

Ganz besondere Interviewpartner

Zu meiner Lieblingsrubrik gehört „Ein paar Fragen an …“. Bei diesen kurzen Interviews habe ich besondere Menschen kennenlernen dürfen. Für mich ganz besonders nachhaltig war dabei meine Begegnung mit Schwester Antonia, mit der mich bis zu ihrem viel zu frühen Tod eine Freundschaft verbunden hat.

Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg, Bild: Uli Kievernagel
Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg, Bild: Uli Kievernagel

Total cool war Mike Kremer von Miljö. Er hat, mitten in der Session, geduldig meine Fragen beantwortet. Spannend waren auch meine Gespräche mit Boris Sieverts und Cornel Wachter – Künstler haben oft eine gänzlich andere Sicht auf die Welt.

Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Meine persönlichen Lieblingsartikel

Zu meinen persönlichen Lieblingsartikeln gehören die Köln-Dinger der Woche, bei denen es mir gelingt, historische und aktuelle Entwicklungen zu verbinden. Dazu gehören zum Beispiel:  „Mer losse d´r Dom in Kölle“ oder „Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal“. Und stolz bin ich, immer dann, wenn ich etwas finde, was die meisten noch nicht kennen, wie der Artikel zu Kölns bekanntesten Unbekannten Hans Knipp, zum Garten der Religionen oder zum Barbarastollen. Und dazu gibt es sogar ein kurzes Radiointerview (mein Statement kommt ab 1 Minute 10 Sekunden).  Aber auch die Artikel über den zu Unrecht fast vergessenen Büttenredner Karl Küpper oder zur vermeintlichen Hexe Katharina Henot machen mich stolz.

Auszug aus dem Video "Highland Cathedral - eine Ode an den Dom", Quelle: www.koelner-dom.de
Auszug aus dem Video „Highland Cathedral – eine Ode an den Dom“, Quelle: www.koelner-dom.de
Regelmäßige Rückmeldungen – und der „Ritterschlag“

Regelmäßig erhalte ich auch Rückmeldungen zum „Köln-Ding der Woche“. Besonders fleißig ist Axel aus Solingen, der sich fast jede Woche meldet. Gefreut habe ich mich auch über die Nachricht des Komponisten Michael Korb. Er hat „Highland Cathedral“ komponiert – die Fööss haben daraus „Du … bess die Stadt“ gemacht. Michael Korb schreibt; „… Über Ihren wirklich sorgfältig und gewissenhaft recherchierten Artikel hatte ich mich ganz besonders gefreut, da dies leider nicht mehr oft so selbstverständlich ist. …“.

Ein echter „Ritterschlag“ war die Rückmeldung von Franz-Josef Knöchel. Er betreut beim Landschaftsverband Rheinland „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“ – ein Informationssystem über historische Kulturlandschaften. Mittlerweile bin ich stolzer Kooperationspartner und einige meiner Artikel sind dort zu finden, wie zum Beispiel „Der 4711-Brunnen“ oder der Artikel über das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus.

Und es geht weiter! Auch in Zukunft bekommt ihr pünktlich von mir zum Sonntagsfrühstück das „Köln-Ding der Woche“. Eine Bitte noch: Sagt es weiter! Ich freue mich über jede Leserin und jeden Leser.

Vell Jrööööß & bis nächsten Sonntag

Uli

PS: Kennt ihr schon die Karte zum „Köln-Ding der Woche“? Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.


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Von der Zahl „4“ bis „10 Milliarden“ – der Dom in Zahlen

Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen
Der Kölner Dom in voller Pracht, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen

Es ist immer wieder ein grandioser Anblick: Ich stehe mit meinen Gruppen vor dem Dom und alle (inklusive Stadtführer) sind fasziniert.

Unser wunderschöner Dom zieht alle in seinen Bann. Und dann kommen die Fragen:
Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Antworten auf alle diese Fragen gibt dieses „Köln-Ding der Woche“.


Das ist die Hausnummer des Doms. Falls ihr dem Dom eine Postkarte schreiben wollt: Die korrekte Adresse lautet:
Kölner Dom, Domkloster 4, 50667 Köln



20 Zentimeter würden die Domspitzen bei einem Erdbeben der Stärke 7 schwanken. Dies ist uns bis jetzt erspart geblieben. 10 Zentimeter Schwankung würde der Dom nahezu unbeschädigt aushalten, so Statiker. Selbst bei dem Erdbeben in Japan im März 2011 hat der Dom um ca. 1,5 cm geschwankt.


Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666
Schwerer Kamerad: Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666

24 Tonnen
…  und somit so viel wie fünf ausgewachsene Elefanten, wiegt die St. Petersglocke, von den Kölschen nur liebevoll „Decke Pitter“ genannt.


Kataster-Karte des Kölner Doms
Kataster-Karte des Kölner Doms

27 Euro beträgt der „Wert“ des Doms.
… zumindest gemäß dem Finanzbericht des Kölner Erzbistums. Berechnet wird 1 Euro je Grunstücksparzelle und 1 Euro für das Gebäude.


Die Dame müsste sich nur etwas bücken - dann würde sie in das Mittelschif des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel
Die Dame müsste sich nur ein wenig bücken – dann würde sie in das Mittelschiff des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel

43,35 Meter
… beträgt die Innenhöhe der Mittelschiffe im Dom. Damit würde fast die Freiheitsstatue in den Dom passen – diese ist 46 Meter hoch.


Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Dombaumeister Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Chef der Dombauhütte Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

100 Mitarbeiter hat die Dombauhütte, davon etwa 80 Handwerker (unter anderem Steinmetze, Glasmaler, Gerüstbauer, Schreiner, Dachdecker, Maler, Elektriker, Schlosser) und ca. 20 in der Verwaltung (unter anderem Architekten, Kunsthistoriker und Archäologen). Der Chef der Dombauhütte trägt den Titel „Dombaumeister“ und das ist seit Januar 2016 Peter Füssenich.


109 Meter hoch und nicht wirklich geliebt: Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas

109 Meter … 

hoch ist der Vierungsturm des Doms. Dieser wurde sogar schon als „Warze“ bezeichnet.


123,50 Euro zahlt, wer gegen den Dom pinkelt.
Dat mäht man jo uch nit! 


Der Dom hat eine Gesamtlänge von 144,58 Meter (außen). Also könnten an der Fassade entlang 8 Gelenkbusse oder 53 Smarts parken. Oder man stellt fast 3.000 Kölschgläser nebeneinander.


Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel
Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel

157,38 Meter beträgt die Höhe des Nordturms. Was kaum einem auffällt:
Der Südturm ist 4 cm kleiner. Aber das sehen nur Profis. 


533 Stufen sind bis zur Turmspitze im Südturm. Gottseidank muss man nicht den 7 cm höheren Nordturm erklimmen. Der Spaß kostet übrigens 6 Euro für Erwachsene. Fast geschenkt – das ist nur etwas mehr als 1 Cent je Stufe.


Satte 632 Jahre haben – mit ein paar Unterbrechungen zwischendurch – die Kölner am Dom gebaut – von 1248 bis 1880. Dieser Rekord soll übrigens durch den Bau den Nord-Süd-Bahn übertroffen werden. Die Eröffnung dieser Strecke ist für das Jahr 2637 geplant.


1880 bis 1884 war der Dom das höchste Gebäude der Welt bis er vom Washington Monument übertroffen wurde. 


Der Dom bietet 4.000 Plätze insgesamt, davon ca. 2.800 Stehplätze und 1.200 Sitzplätze. Richtig voll wird es aber nur an Weihnachten und Dreikönige


Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.
Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.

Der Dom hat eine überbaute Fläche von 7.194 Quadratmetern.
Das entspricht ziemlich genau einem Fußballfeld.


Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Dom verfügt über 10.000 Quadratmeter Fensterfläche. Und das (für mich) schönste Fenster ist das Richter-Fenster im südlichen Querhaus. Mein Tipp: Die beste Wirkung hat das Fenster bei Sonnenschein um die Mittagszeit.
Unbedingt ansehen, die Wirkung ist verblüffend.


Im Durchschnitt kommen 25.000 Besucher täglich in den Dom. 


Die Kosten für den Dom betragen 33.000 Euro täglich. Davon gehen etwa 20.000 Euro in den Bauerhalt, der Rest wird zur Deckung der laufenden Kosten benötigt.


240.000 Tonnen
wiegt der Dom. Davon entfallen ca. 120.000 Tonnen auf das Gebäude, welches man sieht. Die restlichen 120.000 Tonnen wiegt das Fundament, welches dem Dom seinen sicheren Stand verleiht. Damit ist der Dom aber immer noch ein Leichtgewicht: Das Empire State Buidling in New York wiegt 365.000 Tonnen und die Cheops-Pyramide satte 6,5 Mio. Tonnen.



10 Milliarden Euro würde es kosten, den Dom heute noch einmal neu zu bauen. Und deshalb heißt es auch: „Mer losse d´r Dom in Kölle“.


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Jan von Werth – vom Bauernsohn zum Reitergeneral

Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Griet: „Jan, wer et hät jewoss.“
Jan: „Griet, wer et hät jedonn.“

Die Sage von Jan und Griet zeigt, wohin es führt, wenn statt der Liebe nur auf das Geld geschaut wird. Sehr frei übersetzt bedeutet dieser Wortwechsel:

Griet: „Jan, hätte ich gewusst, dass du so eine Karriere machst,
hätte ich dich nicht verschmäht.“

Jan: (kurz und bündig): „Griet, du hast es schlichtweg verbockt.“

Die Sage von Jan und Griet ist Kölner Kulturgut

Die Magd Griet verschmähte einst den armen Bauernsohn Jan, weil sie auf eine bessere Partie hofft. Dieser verlässt Köln, verdingt sich als Söldner und macht eine steile Karriere. Viel später kommt er als hochdekorierter und reicher General nach Köln zurück. Aber es ist zu spät für die Liebe – Griet hat es verbockt.

Ob an der traurigen Liebesgeschichte etwas dran ist? Wahrscheinlich eher nicht, denn es gibt keine Belege dafür. Den Jan aber gab es tatsächlich. Und seine steile militärische Karriere belegen zahlreiche Quellen.

Bauernsohn macht Karriere im Militär

Jan, eigentlich Johann, kommt wahrscheinlich im Jahr 1591 auf die Welt. Wo genau, lässt sich nicht mehr ermitteln, wahrscheinlich in Büttgen am Niederrhein. Die Familie zieht 1599 nach Köln und Jan arbeitet als Pferdeknecht. Wahrlich keine gute Partie! Und die Aussichten für einen mittellosen Knecht waren auch nicht gerade rosig.

Einen Ausweg für Männer wie Jan – ohne Perspektive und Geld – boten die zahlreichen Werber: Gesucht wurden junge, starke und ungebundene Männer für die Söldnerheere. Der Bedarf an Soldaten war enorm, denn große und kleine Kriege gab es zahlreich. Spätestens mit dem Dreißigjährigen Krieg ab 1618 war jeder, der irgendeine Waffe halten konnte, als Söldner gefragt. So entschließt sich Jan im Alter von etwa 19 Jahren dazu, in das wallonische Heer unter der spanischen Flagge einzutreten.

„Franzosenschreck“ Jan von Werth

Jan war ein guter Krieger, furchtlos und ein echter Draufgänger. Schnell machte der Haudegen Jan von Werth eine steile Karriere, vom Fußsoldaten bis hin zum General. Er überlebte viele Verletzungen, so auch eine Kugel, die seine Wange durchschlug und ihm im Hals steckenblieb. Für wen er dabei kämpfte, bestimmte der, der ihn dafür bezahlte – ein klassischer Söldner eben. So zog er für die Spanier, für Kurköln, die Bayern und für Ferdinand II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ins Feld.

Jan von Werth, Gemälde im Pfarrhaus von Neersen, Repro: Udo Schmitz
Jan von Werth, Gemälde im Pfarrhaus von Neersen, Repro: Udo Schmitz

Die Kriegsgeschäfte liefen gut, sein erklärter Lieblingsgegner waren die Franzosen, gegen die er in mehr als zwei Dutzend Schlachten gewann. Das brachte ihm nicht nur den Titel „Franzosenschreck“ ein, sondern auch Ländereien, Güter und viel Geld. Sein Meisterstück war 1637 die Eroberung der von den Franzosen gehaltenen Festung Ehrenbreitstein in Koblenz durch eine Belagerung.

Kein Wunder, dass der französische König Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu sehr erfreut waren, als Jan 1638 in französische Gefangenschaft geriet. Bei der Schlacht in Rheinfelden wurde sein Pferd unter ihm weggeschossen, die Flucht zu Fuß misslang. Vier Jahre war Jan Gefangener, allerdings nicht bei Wasser und Brot, sondern er wurde – im Gegenzug zu seinem Ehrenwort, nicht zu fliehen – sehr gut behandelt und 1642 gegen den schwedischen General Gustaf Graf Horn ausgetauscht.

Gedenkplakette zum "Spill an d´r Vringspooz" direkt an der Severinstorburg, Bild: UIi Kievernagel
Gedenkplakette zum „Spill an d´r Vringspooz“ direkt an der Severinstorburg, Bild: UIi Kievernagel

Im Jahr 1650, im Alter von etwa 60 Jahren, setzte sich Jan in seinem eigenen Schloss Benatek, im heutigen Tschechien, zur Ruhe. Eigentlich war es ein Wunder, dass Jan tatsächlich dieses Alter erreichte. Die durchschnittliche Lebenserwartung im 17. Jahrhundert lag bei ungefähr 30 Jahren und Jan hatte in unzähligen Schlachten gekämpft. Am 12. September 1652 starb Jan von Werth. Er hinterließ neben einer Ehefrau, die immerhin 41 Jahre jünger war, ein großes Vermögen und zahlreiche Güter und Ländereien in Böhmen, Bayern, Köln und im Rheingau.

Tja Griet, dumm gelaufen. Ävver: „Wer et hät jewoss.“


Der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Jan-von-Werth-Brunnen

Der Kölner Verschönerungsverein hatte bereits 1881 die Idee, zu Ehren Jan von Werths einen einen Brunnen aufzustellen. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Stadtrat diesen Brunnen genehmigte. Allerdings weigerte sich die Stadt, irgendwelche Kosten dafür zu übernehmen.  Nach zähen Verhandlungen bezahlte die Stadt dann aber doch das Fundament und die laufenden Kosten für das Wasser des Brunnens. Dieser wurde am 14. Juli 1884 eingeweiht.
 
Eigentlich hätte man den Reitergeneral Jan von Werth auf einem Pferd sitzend darstellen müssen. Da aber auf dem benachbarten Heumarkt bereits das Reiterdenkmal zu Ehren König Friedrich Wilhelm III. stand, wurde Jan von Werth stehend mit großem Schwert dargestellt.
 

Auf der Lotsentour Innenstadt besuchen wir diesen Brunnen auf dem Alter Markt.


Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Jedes Jahr an Weiberfastnacht spielt das Reiter-Korps Jan von Werth, eine der Traditionsgesellschaften des kölschen Karnevals, das Aufeinandertreffen von Jan und Griet an der Severinstorburg nach. Anders als in der Sage finden sich die beiden hier aber jedes Jahr und ziehen gemeinsam mit Kölns ersten Karnevalszug des Session zum Alter Markt. Hier der entscheidende Moment aus dem Jahr 2019.


„Die Moritat vun Jan un Griet“

Auch die Kölner Band BAP hat die Sage mit „Die Moritat vun Jan un Griet“ aufgegriffen. Hier wird Jan von Griet sehr deutlich abserviert, weil er nix ahn de Fööß hät, also ein armer Schlucker ist:

„Nä Jan, du siehs bei mir kei Land,
verjess et, du kriss nie ming Hand,
wat du och deiß, wat du och lööß,
du häss nix ahn de Fööß, Mann!
Et deit mer leid, du weiß Bescheid,
dat du bei mir nit lande kanns,
Niete wie du, die hann bei mir kein Chance.“


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Die Siedlung Wilhelmsruh – sozialer Wohnungsbau im 19. Jahrhundert

Die Arbeitersiedlung "Wilhelmsruh", Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum
Die Arbeitersiedlung „Wilhelmsruh“, Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum

Es war eine echte Zeitenwende – und auch Köln sollte Ende des 19. Jahrhunderts in der modernen Zeit ankommen. Für die stark wachsende Zahl der Kölner Bürger wurde dringend Wohnraum benötigt – immerhin verdoppelte sich zwischen 1880 und 1890 die Einwohnerzahl Kölns von etwa 145.000 Menschen auf 282.000 Menschen.

Die enge, mittelalterlich geprägte Stadt musste also wachsen. Aber wie? Die massive Stadtmauer behinderte die Erweiterung der Stadt. Nach langen Verhandlungen mit der preußischen Regierung begann ab 1881 der Abriss der Befestigungen. Und es entstanden die Vororte und die klassischen Arbeitersiedlungen.

Früher wie heute: Knapper Wohnraum – hohe Preise

Wie sich die Zeiten gleichen: Wie auch heute war damals der Wohnraum in der Stadt knapp. Das betraf insbesondere die Menschen mit großen Familien und wenig Geld. Man lebte – nach heutigem Maßstab – viel zu beengt in völlig überfüllten Wohnungen. Bis zu sechs Personen pro Zimmer war die Normalität. In diesem Zimmer wurde gekocht, gegessen, sich gewaschen und geschlafen. Für uns heute undenkbar.

Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird.
Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal, dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird, Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Dies brachte Unternehmer dazu, für ihre Mitarbeiter besseren und preiswerten Wohnraum zu schaffen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die Arbeiter-Kolonie „Wilhelmsruh“ an der Bonner Straße. Der Name der Siedlung erinnert an den im Jahr des Baubeginns 1888 gestorbenen Kaiser Wilhelm I.

Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer
Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer

Das Kapital für den Bau der Siedlung stammt aus einer Stiftung von Prof. Dr. Gerhard vom Rath, dem Mitinhaber des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“. Dieses Unternehmen betrieb unter anderem Zuckerfabriken am Holzmarkt und in der Machabäerstraße im Kunibertsviertel. Vom Rath stiftete im Jahr 1888 einen großen Teil seines Vermögens zum Bau einer Arbeiter-Kolonie an der Bonner Straße, da seine Erben bereits verstorben waren. Insgesamt handelte es sich bei der Stiftung um 450.000 Mark. Ein stolzer Betrag. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiters lag bei etwa 660 Mark.

Eine schmucke Siedlung - die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full
Eine schmucke Siedlung – die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full

Gebaut wurden zweigeschossige Wohnungszeilen. Das gesamte Wohngebiet wurde mit breiten Wegen großzügig aufgeteilt, jedes Wohngebäude hatte zur Selbstversorgung einen Nutzgarten und Stallungen. In den Häusern aus rötlichen und gelben Ziegeln waren Vierzimmerwohnungen. Ursprünglich wurden auch noch eine Badeanstalt, ein Versammlungssaal, ein Lesezimmer und ein Kaufladen geplant, die allerdings nie realisiert wurden.

Der Grundsatz für die Miete der Wohnungen war, dass der Preis einer Wohnung in der Wilhelmsruh in etwa dem Preis einer Zweizimmerwohnung in der Stadt entsprechen sollte. Allerdings für eine Wohnung, die doppelt so groß war und zusätzlich über einen Keller, einen Speicher, den Garten und Stallungen verfügte.

Trotz dieser Annehmlichkeiten und dem fairen Mietpreis taten sich viele Arbeiter schwer damit, ihre geliebten Veedel, allen voran das Severinsviertel, in dem es alles gab, zu verlassen um „draußen auf das Land“ zu ziehen. Der Weg war tatsächlich weit, es gab zunächst auch keine Anbindung an die Straßenbahn. So wurden Pendelverkehre eingerichtet. Ein Arbeiter der Stollweck-Schokoladenfabrik berichtete „Wäge däm wigge Wäg leeten uns die Stollwercks noh der Arbeit fahre, die eeschte Johre met Päd und Wage, dann m´em Laßwage, wo Bänk drop stundte.“

Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Gleiche Herausforderungen wie vor 140 Jahren

Die Arbeiter-Kolonie der Wilhelmsruh war ein positives Beispiel für den sozialen Wohnungsbau. Die lockere, großzügige Bauweise beweist, so der Historiker Josef Rosenzweig „ … dass es auch damals anstatt enger und dunkler Mietskasernen schon helle und schmucke Sozialwohnungen gab“.

Und da Köln heute wieder vor der großen Herausforderung steht, erschwinglichen Wohnraum für alle zu schaffen, sollten sich die Verantwortlichen daran mal ein Beispiel nehmen und sich einfach mal die Siedlung Wilhelmsruh anschauen.


Die letzte Zuckerfabrik des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“ am Holzmarkt wurde 1912 geschlossen, die Stadt Köln übernahm die Stiftung und auch die Häuser der Wilhelmsruh. Ein Teil der Häuser wurde in den 1980ern zugunsten eines Altenheims abgebrochen, die übrigen Häuser (heute Bonner Straße 304 und 310) wurden saniert.


Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel
Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderberg

Die Siedlung Wilhelmsruh ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


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