Wasserflugzeughafen auf dem Rhein

Der kleine Wasserflugzeughafen auf dem Rhein. Im Hintergrund sind die Deutzer Messehallen zu erkennen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Der kleine Wasserflugzeughafen auf dem Rhein. Im Hintergrund sind die Deutzer Messehallen zu erkennen, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Es muss ein toller Anblick gewesen sein: Auf dem Rhein, etwa in Höhe von St. Kunibert, beschleunigt ein Wasserflugzeug und hebt noch vor der Bastei ab. Zwischen 1926 und 1928 war das kein Einzelfall. Zunächst führte die Westflug GmbH Werbeflüge am Rhein durch und transportierte auch Post. Ab Mai 1927 führte die Lufthansa regelmäßige Passagierflüge auf der Linie Köln – Duisburg – Rotterdam durch.

Gestartet wurde von einem etwa 50 Quadratmetern kleinen Holzfloß auf dem Rhein in Höhe der Kunibertsgasse, direkt gegenüber dem Rheinpark. Am Ufer befand sich noch ein kleines Häuschen. Dort wurde die Post gelagert. Besonders kurios: Wenn es nicht genug Fracht oder zu wenige Passagiere gab, wurden Reichsbahnmitarbeiter von der nahe gelegenen Reichsbahndirektion als Ballast für den sicheren Flugbetrieb angefordert. Auf der Website „Geschichte der Kölner Luftfahrt“ berichtet ein Augenzeuge: „… Die angeforderten Leute flogen dann mit bis nach Frankfurt/M. und kamen anschließend mit der Eisenbahn wieder zurück. Dies erfolgte kostenlos, da die ausgesuchten Eisenbahnmitarbeiter im Besitz von Dienstfahrkarten waren …“.

Die Kabine einer Junkers F 13 - ausgestattet mit Korb und Polstersesseln sowie mit Beleuchtung und einer Heizung. Bild: Firmenarchiv Hugo Junkers
Die Kabine einer Junkers F 13 – ausgestattet mit Korb und Polstersesseln sowie mit Beleuchtung und einer Heizung. Bild: Firmenarchiv Hugo Junkers

Luxus: Flugzeuge mit Heizung

Geflogen wurde mit zu Wasserflugzeugen umgerüsteten Junkers F 13. Anders als die damals üblichen Flugzeuge aus mit Stoff bespannten Holz- oder Stahlrohr handelt es sich bei diesem Typ um das erste Ganzmetallflugzeug, welches in der zivilen Luftfahrt eingesetzt wurde. Die bis zu 190 km/h schnelle F 13 verfügte über zwei Pilotensitze und vier Passagiersitze. Als luxuriös galt damals das integrierte Heizsystem sowie die Innenbeleuchtung.

Ein Flugzeug auf dem Weg zum Wasserflugzeughafen. Das Gebäude im Hintergrund direkt am Rhein ist die Bastei, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln
Ein Flugzeug auf dem Weg zum Wasserflugzeughafen. Das Gebäude im Hintergrund direkt am Rhein ist die Bastei, Bild: Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Warum dieser kleine Wasserflugplatz betrieben wurde, ist heute unklar. Immerhin gab es schon den Flughafen Butzweilerhof. Der Luftfahrtexperte Werner Müller dazu im Kölner Stadt-Anzeiger „Ich vermute mal, dass man aus Kostengründen den Rhein bevorzugt hat“. Ein Ausbau des kleinen Wasserflughafens wurde schnell verworfen, auch wenn man sogar über eine Transatlantik-Verbindung nachdachte. Der rege Schiffsverkehr auf dem Rhein sowie sich verändernde Pegelstände mit Niedrigwasser machten den Betrieb mit großen Wasserflugzeugen unmöglich.

Im August 1927 stellte die Lufthansa den Flugbetrieb auf Rhein an St. Kunibert ein. Das Floß fand wurde in den Niehler Hafen geschleppt und für eine andere Luftpost-Verbindung genutzt.


Ein großes DANKE an Werner Müller vom Historischen Luftfahrtarchiv Köln für die Bilder. Die sehenswerte Webseite des Luftfahrtarchivs zeigt noch viel mehr von der bewegten Luftfahrtgeschichte in unsere Stadt: Vom Zeppelin über den Butzweilerhof bis zum Flughafen Wahn.


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„Am Nümaat zwei Päädsköpp“ – Richmodis von Aducht

Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Der Richmodisturm, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Podcast Richmodis 9

Es ist Mitte des 14. Jahrhundert. In ganz Europa sterben die Menschen an der Pest. Etwa 25 Millionen Tote rafft der „Schwarze Tod“ dahin. Das sind etwa ein Drittel der Einwohner Europas. Besonders stark trifft es die Städte, in denen  die Menschen eng, zum Teil mit Vieh, zusammenleben. Infizierte bekommen zunächst starkes Fieber, dann entstehen am gesamten Körper Beulen, und innerhalb weniger Tage tritt der Tod ein. Die Ärzte sind hilflos. Regelmäßig schaden sie ihren geschwächten Patienten zusätzlich, indem sie diese zur Ader lassen oder mit Brechmittel oder Einläufen behandeln.

Die Seuche erreicht im Sommer 1349 auch Köln. Das öffentliche Leben kommt – aus lauter Angst vor einer Ansteckung – zum Stillstand. Nur wenige Menschen sind bereit, den Kranken zu helfen. Darunter ist die Patrizierin Richmodis von Aducht. Sie stammt aus der angesehenen und wohlhabenden Familie Lyskirchen und heiratet 1346 den einflussreichen Kölner Bürgermeister Richolf Mennegin von Aducht, genannt Mengis. Sie pflegt Pestkranke und steht auch Sterbenden bei ohne sich anzustecken.

Zwei Schimmel auf dem Turm

Doch mit der zweiten Welle der Pest, etwa sieben Jahre später im Jahr 1356, infiziert sich auch Richmodis von Aducht und stirbt an der Krankheit – das dachten zumindest alle. Wegen der Ansteckungsgefahr muss der vermeintliche Leichnam schnell aus dem Haus am Neumarkt geschafft werden. Daher wird ihr eilends ein dünnes Totenhemd angezogen, ein Sarg wird beschafft und Richmodis wird zum nahegelegenen Friedhof an der Apostelnkirche geschafft, um am Folgetag beigesetzt zu werden.

Zwei Totengräbern entgeht dabei nicht, dass der Leichnam der reichen Kölnerin Schmuck trägt. Insbesondere ein wertvoller Ring weckt ihr Interesse. So gehen sie nachts in die Leichenhalle, öffnen den Sarg und wollen die Leiche bestehlen. Der erste Schreck kommt schnell, ist doch die Hand, von welcher einer der Diebe den Ring ziehen will, noch warm. Vollends panisch fliehen die beiden, als sich Richmodis mit den Worten „Mir ist so kalt.“ aufrichtet. Schnell wird ihr klar, wo sie sich befindet und dass sie nicht weit weg von zu Hause ist. Also läuft sie nach Hause und klopft an die Tür. Doch selbstverständlich lässt sie der vom Klopfen geweckte Knecht nicht rein – da könnte ja jeder kommen. Auch ihre Beteuerung, dass sie doch die Dame des Hauses sei, hilft nicht. Aber immerhin weckt der Knecht den vermeintlichen Witwer Mengis. Auch dieser reagiert verständlicherweise eher unwirsch und weist die Person vor der Tür an, zu verschwinden. Auf ihren Einwand, dass sie doch seine Frau sei, antwortet Mengis voller Trauer: „Meine Frau ist tot. Eher steigen meine beiden Schimmel die Treppe hinauf in den Turm und schauen aus dem Dach heraus, als dass Richmodis wiederkehrt.“

Kaum ausgesprochen sind im Treppenhaus die Hufgeräusche von Pferden zu hören, anschließend ein lautes Wiehern aus dem Turm des Hauses – und zwei Pferde schauten aus den Turmluken. Erst jetzt glaubt Mengis, dass tatsächlich seine von den Toten auferstandene Frau vor der Tür steht. Überglücklich schließt er seine totgeglaubte Frau in die Arme. Richmodis wird wieder vollständig gesund und bringt sogar noch drei Kinder zur Welt.

Ende gut – alles gut! Übrigens auch für die Pferde. Diese wurden nicht zur rheinischen Spezialität Soorbroode verarbeitet sondern mit einem Flaschenzug wieder sicher vom Turm herabgelassen. Noch heute erinnert der achteckige „Richmodis-Turm“ an der Richmodstraße an diese Sage und noch immer schauen zwei steinerne Schimmel vergnügt aus den Fenstern.

Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Die Richmodislegende, Zeichnung von Johann Bussemacher; 1604
Wahrer Kern der Sage

Wie so oft bei solchen Sagen ist irgendwo ein wahrer Kern verborgen. Tatsächlich muss in der Stadt während der Pest das totale Chaos geherrscht haben. So starben im 14. Jahrhundert etwa 20.000 Menschen in Köln an der Seuche. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Bevölkerung. Und deswegen ist davon auszugehen, dass es bei der Leichenschau nicht besonders genau zuging und so mancher vermeintlich Tote schneller in einer der zahlreichen Leichengruben landete als der Tot ihn tatsächlich ereilte.


Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH
Richmodis-Kölsch, Bild: REWE Markt GmbH

Neben dem Richmodis-Turm erinnert heute das Richmodis-Kölsch an die Sage. REWE hat die alte Marke, ursprünglich 2002 eingestellt, im Jahr 2012 wieder belebt. Das Logo zeigt die beiden Schimmel und das Gebäude.


Übrigens: Wenn der Kölsche eine Geschichte nicht glaubt, entgegnet er „Klar – un am Nümaat zwei Päädsköpp“. Und Wolfgang Niedecken hat im gleichnamigen Song die Richmodis-Sage musikalisch verarbeitet.  Den wunderschönen Text gibt es hier – auf Kölsch und auch in einer hochdeutschen Übersetzung.


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.


 

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Blog + Podcast: CCAA, Cöln, Köln – wie unsere Stadt zu ihrem Namen kam

Ansicht von „Agrippina oder Köln“, gedruckt 1499 durch Johann Koelhoff d. J.
Der Name war schon damals unklar: Ansicht von „Agrippina oder Köln“, gedruckt 1499 durch Johann Koelhoff d. J.

 

Die Kölschen benennen und besingen ihre Stadt liebevoll als „Kölle“. Unzählige Lieder haben „Kölle“ bereits im Titel. Und Kasalla besingt sogar „Stadt mit K“. Noch vor gut 100 Jahren hätte Kasalla allerdings die „Stadt mit C“ besingen müssen. Die offizielle Schreibweise für unsere Stadt lautete bis 1919 „Cöln“.

Vom Oppidum Ubiorum zu CCAA

Alles begann mit den Ubiern. Dieser ursprünglich auf der „Schäl Sick“, also der rechten Rheinseite, beheimatete Germanenstamm wurde von den Römern um 20/19 v. Chr. auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde „Oppidum Ubiorum“, also „Siedlung der Ubier“ genannt. Dank des „kölschen Mädche“ Agrippina bekam diese Siedlung am 9. Juli 50 n. Chr. den Status einer „Colonia“ und somit den Namen „Colonia Claudia Ara Agrippinensium – CCAA“, also „Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“.

CCAA - Inschrift auf dem römischen Nordtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium
CCAA – Inschrift auf dem römischen Nordtor der Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Aber das war damals für die ersten Kölschen zu lang, deswegen wurde der Name auf „Agrippina “ oder „Colonia“ verkürzt. Und das kommt einem doch schon bekannt vor. Auf der Straße wurde aber kein Latein sondern ein germanischer Dialekt gesprochen. Also das erste Kölsch1Damit meine ich Sprache, nicht das Bier. Und wahrscheinlich haben die Kölschen auch schon damals undeutlich gesprochen. So wurde aus Colonia im Laufe der Jahrhunderte Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln. Die am häufigsten verwendete Schreibweise war bis zum 15./16. Jahrhundert die Variante mit „C“ erst danach die setzten sich die „K“-Varianten durch.

Französische Besatzung: Köln wird zu Cologne

Am 6. Oktober 1794 ergab sich Köln kampflos den Franzosen. Die französischen Besatzer modernisierten Müllabfuhr und Straßenbeleuchtung und führten neben Hausnummern auch den neuen Namen „Cologne“ ein. Stellt euch vor, das wäre nicht passiert: Dann würde alle Welt nicht nach „Eau de Cologne“ sondern nach „Eau de Köln“ riechen. Klingt schon irgendwie schräg.

Nach den Franzosen kamen die Preußen. Die Kölschen wollten zur Schreibweise „Köln“ zurück, um möglichst nicht mehr an die ungeliebten französischen Besatzer erinnert zu werden. Doch Friedrich Wilhelm IV. sorgt mit einem Erlass dafür, dass ab dem 8. September 1857 unsere Stadt am Rhein den offiziellen Namen Cöln bekam. Die Preussen bezogen sich mit dem „C“ selbstverständlich nicht auf das französische Cologne, sondern auf das lateinische „Colonia“.

Die Stadtverwaltung versuchte, das ungeliebte „C“ zu ignorieren und durch die konsequente Schreibweise „Köln“ Fakten zu schaffen. Es gab sogar eine „K“-Klage der Stadt vor Gericht – vergeblich: Die Klage wurde abgewiesen. Ab November 1901 musste dann auch die Verwaltung die offizielle Schreibweise Cöln verwenden.

Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Konrad Adenauer, Kölner Oberbürgermeister, Bild: Bundesarchiv, Katherine Young, CC BY-SA 3.0 DE
Das „K“ haben wir Adenauer zu verdanken

Und dann kam Adenauer: Als Kölner Oberbürgermeister nutze er die Irrungen und Wirrungen nach dem 1. Weltkrieg geschickt aus und ließ am 1. Februar 1919 verkünden: „Der Städtenamen Köln wird von jetzt an mit „K“ geschrieben.“ Tatsächlich überschritt Adenauer damit erheblich seine Kompetenzen. Doch während man in Berlin mit Revolution und Verkündung der Weimarer Republik beschäftigt war, konnte man sich mit solchen „K“ und „C“-Jedöns im fernen Westen nicht beschäftigen.

Und so nennt sich unsere Stadt seitdem amtlich und endgültig Köln. Und Kasalla und viele andere Bands können unsere Stadt mit „K“ besingen.
Jood jemaht, Herr Oberbürgermeister Adenauer.


Der Podcast „CCAA, Cöln, Köln – wie unsere Stadt zu ihrem Namen kam“

Shownotes

Die Kölschen benennen und besingen ihre Stadt liebevoll als „Kölle“. Und Kasalla besingt sogar „Stadt mit K“.Doch noch vor gut 100 Jahren hätte Kasalla allerdings die „Stadt mit C“ besingen müssen, denn die offizielle Schreibweise für unsere Stadt lautete bis 1919 „Cöln“.

Wie aus dem „Oppidum Ubiorum“ zunächst „Colonia Claudia Ara Agrippinensum“, später „Cöln“ und heute „Köln“ wurde und welche Rolle der findige Adenauer dabei gespielt hat, erklären Frank und Uli in diesem Köln-Ding der Woche.


Text dieser Podcast-Folge

Hallo und herzlich willkommen.

Es ist wieder so weit, das Köln-Ding der Woche besucht euch zu Hause. Mir gegenüber sitzt Frank M aus Z.: Frank Mausbach aus dem schönen Köln-Zollstock.

Und mir gegenüber sitzt UKKL alias Ulrich Kiever Nagel Köln-Lotse oder auch sein hochgewohlgeborener Ulrich Kiever zu Nagel oder wie er jetzt heißt, der Leven Ulli.

Und heute geht es um die Stadt mit den 100.000 Namen: Unserer Kölle. Unser Köln schreibt sich heute K-Ö-L-N, kennt man, aber das war früher alles ganz anders.Und unser Staat hat x verschiedene Namensvarianten durchgemacht. Das fing schon bei den Römern an und geht eigentlich bis mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts noch, wo der Name sich ständig geändert hat. Und das wollen wir heute mit euch ein wenig aufdröseln.

Womit hat es angefangen?

Es hat alles angefangen, wie immer in Köln, mit den Ubiern. Dieser ursprünglich auf der Schälsick, also der rechten Rheinseite beheimatete Germanenstamm, wurde von den Römern 2019 vor Christus auf die linke Seite des Rheins umgesiedelt. Die neue Siedlung wurde Opidum Ubiorum, also Siedlung der Ubier genannt, dank des Köln-Mädchens Agrippina, bekam diese Siedlung, allerdings dann ein paar Jörsche später, den Status einer Colonia und somit den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, CCAA. Mit anderen Worten, claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser.

Also jetzt hatten wir schon mal das Opidum Ubiorum, wir hatten das CCAA, Colonia Claudia Ara Agrippinensum, also schon mal die ersten zwei Namen unserer Stadt. Wobei der zweite Name, Colonia Claudia Ara Agrippinensum, CCAA, durchaus etwas lang ist.Der Kölsch an sich ist aber durchaus etwas gemütlich und kürzt gern ab. Und so wurde aus dem Colonia Claudia Ara Agrippinensum von den Kölschern abgekürzt auf entweder Agrippina oder Colonia. Und Colonia klingt doch fast schon vertraut.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es unzählige Sprechweisen und Schreibweisen von Köln: Also Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln.

Die Franzosen

Am 6. Oktober 1794 ergab es sich dann, dass die Kölner sich kampflos den Franzosen ergaben. Was ich mir ja kaum vorstellen kann, wo sind denn die ganzen Jan von Werths, wenn man sie mal braucht.

Aber der Einmarsch der Franzosen bedeutete das Ende der Freien Reichsstadt. Bis 1815 gehörte Köln damit für gut 20 Jahre zu Frankreich. Die französischen Besatzer modernisierten die Müllabfuhr und Straßenbeleuchtung und führten neben Hausnummern auch den neuen Namen Colonia ein.

Jetzt stellt euch mal vor, die Franzosen wären nicht gekommen, sondern ich sag mal die Holländer. Dann würde alle Welt nicht nach Eau de Cologne, sondern nach „Water uit Keulen“ riechen. Das klingt durchaus etwas schräg. Eau de Cologne ist schon ein bisschen schicker, muss man sagen. Ja, es versprüht jetzt etwas internationalen Charme.

Nach den Franzosen kamen die Preußen und die Kölschen wollten tatsächlich zu der eigentlichen Schreibweise Köln, wie wir sie heute kennen, zurück. K-Ö-L-N. Das war natürlich eine Reaktion auf die ungeliebten Besatzer der Franzosen oder Besatzung der Franzosen, weil man wollte alles Französische so ein bisschen ausmerzen.

Aber was ist?

Ausgerechnet Friedrich Wilhelm IV einer der Preußenkönige, der sorgte dafür, dass Köln dann tatsächlich ab September 1857 den offiziellen Namen Cöln bekam. Übrigens, der offizielle Name war sogar Festung Cöln, weil die Preußen Köln so dermaßen ausgebaut haben als Festungsstadt, als westliche große Festungsstadt gegen die Franzosen, dass der Begriff wirklich auch Programm war.

Also hier waren so viele preußische Soldaten stationiert und Friedrich Wilhelm IV der hat dann auch gesagt, wir schreiben Köln mit C. Nicht um es an Colonia der Franzosen zu erinnern, sondern ganz tief zurück. Es sollte sich an das Colonia der Römer, also im Lateinischen, zurück erinnern.

Ja, und dann kam der joode Aale Adenauer. Als Kölner Oberbürgermeister nutzte er die Irrungen und Wirrungen nach dem Ersten Weltkrieg geschickt aus und ließ am 1.Februar 1919 verkünden, der Städternamen Köln wird hier von jetzt an mit K geschrieben. Tatsächlich überschritt Adenauer damit aber ganz erheblich seine Kompetenzen. Doch während man in Berlin sich mit Revolutionen und Verkündungen der Weimarer Republik herumschlägt, konnte man sich mit solchen Ks oder Cs im fernen Westen nicht beschäftigen. Und so kamen wir dann schlussendlich zu unserer Schreibweise Köln, wie sie heute ist.

Und es war ein langer Weg vom Opidum Ubiorum über Colonia Claudia Ara Agrippinensum, über Coelln, Coellen, Cöln, Cölln, Kollen, Kölne, Kölln bis hin zu heute Köln.

Und damit sind wir ja auch ganz glücklich, weil wie hätte Marie-Louise Nikuta denn ihre ganzen Lieder schreiben können, wenn da nicht mindestens immer einmal Köln drin vorgekommen wäre. Also, mit allen Worten, wir müssen uns beim Oberbürgermeister Adenauer danken, Hesse jood jemaht.

Vielen Dank, macht es gut und nächste Woche geht es weiter.

Vielen Dank fürs Zuhören!


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Kölsches Jubiläum: Die 111. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“

Die 111. Ausgabe des "Köln-Ding der Woche" - immer über die schönste Stadt der Welt.
Die 111. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“ – immer über die schönste Stadt der Welt.

Lasst uns feiern! Es gibt ein kölsches Jubiläum: Ihr lest das 111. Köln-Ding der Woche. Seit Juli 2017 gibt es jeden Sonntag ein Detail zur schönsten Stadt der Welt. Angefangen hat alles mit dem Artikel zu den Kölner Lichtern – meine Ausgabe Nummer 1. Diese wurde auch tatsächlich von immerhin vier Menschen gelesen. Heute lesen mehrere Hundert Menschen jede Woche meine Sonntagspost. Und das sehr aufmerksam – oft bekomme ich schon zum Frühstück e-Mails zu Tippfehlern.

Die Top-Ten wird angeführt vom „Fisternöllchen“

Zum Jubiläum habe ich noch einmal ausgewertet, welche Artikel am meisten geklickt wurden. Platz 1 ist eindeutig das Fisternöllchen. Die komplette Top-Ten sieht wie folgt aus:

  1. Kölsche Wörter: Das Fisternöllche
  2. Kölsche Schimpfwörter Teil I; Von Aaapefott bis Flabes
  3. Monte Troodelööh – der kölsche Everest
  4. Kölsche Wörter: „puddelrüh“ und Spaß dabei
  5. Kölsche Schimpfwörter Teil V: Schwaadlappe bis Tütenüggel
  6. Der Lommi – die „Kölscheste aller Kölsch-Kneipen“
  7. Kölsche Tön & ihre Geschichte: „Mer sin Eins“
  8. Rievkooche – dat es en Delikatess!
  9. Kölsche Schimpfwörter Teil IV: Pimock bis Sackjeseech
  10. Kölner Baumkataster: Weißt du wie viel Bäume stehen?

Ganz klare Tendenz: Schimpfwörter, ein (sexuelles) Verhältnis und nackt rumlaufen scheinen bei euch auf das größte Interesse zu stoßen … schon interessant, was meine Leserschaft so mag.

Ganz besondere Interviewpartner

Zu meiner Lieblingsrubrik gehört „Ein paar Fragen an …“. Bei diesen kurzen Interviews habe ich besondere Menschen kennenlernen dürfen. Für mich ganz besonders nachhaltig war dabei meine Begegnung mit Schwester Antonia, mit der mich bis zu ihrem viel zu frühen Tod eine Freundschaft verbunden hat.

Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg, Bild: Uli Kievernagel
Schwester Antonia von den Benediktinerinnen in Köln-Raderberg, Bild: Uli Kievernagel

Total cool war Mike Kremer von Miljö. Er hat, mitten in der Session, geduldig meine Fragen beantwortet. Spannend waren auch meine Gespräche mit Boris Sieverts und Cornel Wachter – Künstler haben oft eine gänzlich andere Sicht auf die Welt.

Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Barbastollen, Bild: Merle Hettesheimer
Meine persönlichen Lieblingsartikel

Zu meinen persönlichen Lieblingsartikeln gehören die Köln-Dinger der Woche, bei denen es mir gelingt, historische und aktuelle Entwicklungen zu verbinden. Dazu gehören zum Beispiel:  „Mer losse d´r Dom in Kölle“ oder „Rettet das Funkhaus in Köln-Raderthal“. Und stolz bin ich, immer dann, wenn ich etwas finde, was die meisten noch nicht kennen, wie der Artikel zu Kölns bekanntesten Unbekannten Hans Knipp, zum Garten der Religionen oder zum Barbarastollen. Und dazu gibt es sogar ein kurzes Radiointerview (mein Statement kommt ab 1 Minute 10 Sekunden).  Aber auch die Artikel über den zu Unrecht fast vergessenen Büttenredner Karl Küpper oder zur vermeintlichen Hexe Katharina Henot machen mich stolz.

Auszug aus dem Video "Highland Cathedral - eine Ode an den Dom", Quelle: www.koelner-dom.de
Auszug aus dem Video „Highland Cathedral – eine Ode an den Dom“, Quelle: www.koelner-dom.de
Regelmäßige Rückmeldungen – und der „Ritterschlag“

Regelmäßig erhalte ich auch Rückmeldungen zum „Köln-Ding der Woche“. Besonders fleißig ist Axel aus Solingen, der sich fast jede Woche meldet. Gefreut habe ich mich auch über die Nachricht des Komponisten Michael Korb. Er hat „Highland Cathedral“ komponiert – die Fööss haben daraus „Du … bess die Stadt“ gemacht. Michael Korb schreibt; „… Über Ihren wirklich sorgfältig und gewissenhaft recherchierten Artikel hatte ich mich ganz besonders gefreut, da dies leider nicht mehr oft so selbstverständlich ist. …“.

Ein echter „Ritterschlag“ war die Rückmeldung von Franz-Josef Knöchel. Er betreut beim Landschaftsverband Rheinland „KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.“ – ein Informationssystem über historische Kulturlandschaften. Mittlerweile bin ich stolzer Kooperationspartner und einige meiner Artikel sind dort zu finden, wie zum Beispiel „Der 4711-Brunnen“ oder der Artikel über das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus.

Und es geht weiter! Auch in Zukunft bekommt ihr pünktlich von mir zum Sonntagsfrühstück das „Köln-Ding der Woche“. Eine Bitte noch: Sagt es weiter! Ich freue mich über jede Leserin und jeden Leser.

Vell Jrööööß & bis nächsten Sonntag

Uli

PS: Kennt ihr schon die Karte zum „Köln-Ding der Woche“? Fast alle „Köln-Dinger der Woche“ kann man sich anschauen. Falls ihr, unabhängig von einer Lotsentour, euch diese speziellen Seiten von Köln anschauen wollt, nutzt einfach diese Karte.


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Von der Zahl „4“ bis „10 Milliarden“ – der Dom in Zahlen

Da steht er – und da bleibt er: Der Kölner Dom, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen
Der Kölner Dom in voller Pracht, Bild: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen

Es ist immer wieder ein grandioser Anblick: Ich stehe mit meinen Gruppen vor dem Dom und alle (inklusive Stadtführer) sind fasziniert.

Unser wunderschöner Dom zieht alle in seinen Bann. Und dann kommen die Fragen:
Wie hoch ist der Dom?
Wie viele Stufen sind es bis nach oben?
Wie viele Menschen kommen täglich?

Antworten auf alle diese Fragen gibt dieses „Köln-Ding der Woche“.


Das ist die Hausnummer des Doms. Falls ihr dem Dom eine Postkarte schreiben wollt: Die korrekte Adresse lautet:
Kölner Dom, Domkloster 4, 50667 Köln



20 Zentimeter würden die Domspitzen bei einem Erdbeben der Stärke 7 schwanken. Dies ist uns bis jetzt erspart geblieben. 10 Zentimeter Schwankung würde der Dom nahezu unbeschädigt aushalten, so Statiker. Selbst bei dem Erdbeben in Japan im März 2011 hat der Dom um ca. 1,5 cm geschwankt.


Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666
Schwerer Kamerad: Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666

24 Tonnen
…  und somit so viel wie fünf ausgewachsene Elefanten, wiegt die St. Petersglocke, von den Kölschen nur liebevoll „Decke Pitter“ genannt.


Kataster-Karte des Kölner Doms
Kataster-Karte des Kölner Doms

27 Euro beträgt der „Wert“ des Doms.
… zumindest gemäß dem Finanzbericht des Kölner Erzbistums. Berechnet wird 1 Euro je Grunstücksparzelle und 1 Euro für das Gebäude.


Die Dame müsste sich nur etwas bücken - dann würde sie in das Mittelschif des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel
Die Dame müsste sich nur ein wenig bücken – dann würde sie in das Mittelschiff des Doms passen, Bilder/Collage: Uli Kievernagel

43,35 Meter
… beträgt die Innenhöhe der Mittelschiffe im Dom. Damit würde fast die Freiheitsstatue in den Dom passen – diese ist 46 Meter hoch.


Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Dombaumeister Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Zwei die im Dom was zu sagen haben: Der Chef der Dombauhütte Peter Füssenich (rechts) und der Decke Pitter (im Hintergrund), Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

100 Mitarbeiter hat die Dombauhütte, davon etwa 80 Handwerker (unter anderem Steinmetze, Glasmaler, Gerüstbauer, Schreiner, Dachdecker, Maler, Elektriker, Schlosser) und ca. 20 in der Verwaltung (unter anderem Architekten, Kunsthistoriker und Archäologen). Der Chef der Dombauhütte trägt den Titel „Dombaumeister“ und das ist seit Januar 2016 Peter Füssenich.


109 Meter hoch und nicht wirklich geliebt: Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas
Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas

109 Meter … 

hoch ist der Vierungsturm des Doms. Dieser wurde sogar schon als „Warze“ bezeichnet.


123,50 Euro zahlt, wer gegen den Dom pinkelt.
Dat mäht man jo uch nit! 


Der Dom hat eine Gesamtlänge von 144,58 Meter (außen). Also könnten an der Fassade entlang 8 Gelenkbusse oder 53 Smarts parken. Oder man stellt fast 3.000 Kölschgläser nebeneinander.


Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel
Die ungleich hohen Domtürme fallen nur dem geübten Betrachter auf, Bild: Uli Kievernagel

157,38 Meter beträgt die Höhe des Nordturms. Was kaum einem auffällt:
Der Südturm ist 4 cm kleiner. Aber das sehen nur Profis. 


533 Stufen sind bis zur Turmspitze im Südturm. Gottseidank muss man nicht den 7 cm höheren Nordturm erklimmen. Der Spaß kostet übrigens 6 Euro für Erwachsene. Fast geschenkt – das ist nur etwas mehr als 1 Cent je Stufe.


Satte 632 Jahre haben – mit ein paar Unterbrechungen zwischendurch – die Kölner am Dom gebaut – von 1248 bis 1880. Dieser Rekord soll übrigens durch den Bau den Nord-Süd-Bahn übertroffen werden. Die Eröffnung dieser Strecke ist für das Jahr 2637 geplant.


1880 bis 1884 war der Dom das höchste Gebäude der Welt bis er vom Washington Monument übertroffen wurde. 


Der Dom bietet 4.000 Plätze insgesamt, davon ca. 2.800 Stehplätze und 1.200 Sitzplätze. Richtig voll wird es aber nur an Weihnachten und Dreikönige


Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.
Der Dom würde genug Platz für ein Fußballspiel bieten.

Der Dom hat eine überbaute Fläche von 7.194 Quadratmetern.
Das entspricht ziemlich genau einem Fußballfeld.


Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Das Richter-Fenster im Dom, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Dom verfügt über 10.000 Quadratmeter Fensterfläche. Und das (für mich) schönste Fenster ist das Richter-Fenster im südlichen Querhaus. Mein Tipp: Die beste Wirkung hat das Fenster bei Sonnenschein um die Mittagszeit.
Unbedingt ansehen, die Wirkung ist verblüffend.


Im Durchschnitt kommen 25.000 Besucher täglich in den Dom. 


Die Kosten für den Dom betragen 33.000 Euro täglich. Davon gehen etwa 20.000 Euro in den Bauerhalt, der Rest wird zur Deckung der laufenden Kosten benötigt.


240.000 Tonnen
wiegt der Dom. Davon entfallen ca. 120.000 Tonnen auf das Gebäude, welches man sieht. Die restlichen 120.000 Tonnen wiegt das Fundament, welches dem Dom seinen sicheren Stand verleiht. Damit ist der Dom aber immer noch ein Leichtgewicht: Das Empire State Buidling in New York wiegt 365.000 Tonnen und die Cheops-Pyramide satte 6,5 Mio. Tonnen.



10 Milliarden Euro würde es kosten, den Dom heute noch einmal neu zu bauen. Und deshalb heißt es auch: „Mer losse d´r Dom in Kölle“.


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Jan von Werth – vom Bauernsohn zum Reitergeneral

Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Griet: „Jan, wer et hät jewoss.“
Jan: „Griet, wer et hät jedonn.“

Die Sage von Jan und Griet zeigt, wohin es führt, wenn statt der Liebe nur auf das Geld geschaut wird. Sehr frei übersetzt bedeutet dieser Wortwechsel:

Griet: „Jan, hätte ich gewusst, dass du so eine Karriere machst,
hätte ich dich nicht verschmäht.“

Jan: (kurz und bündig): „Griet, du hast es schlichtweg verbockt.“

Die Sage von Jan und Griet ist Kölner Kulturgut

Die Magd Griet verschmähte einst den armen Bauernsohn Jan, weil sie auf eine bessere Partie hofft. Dieser verlässt Köln, verdingt sich als Söldner und macht eine steile Karriere. Viel später kommt er als hochdekorierter und reicher General nach Köln zurück. Aber es ist zu spät für die Liebe – Griet hat es verbockt.

Ob an der traurigen Liebesgeschichte etwas dran ist? Wahrscheinlich eher nicht, denn es gibt keine Belege dafür. Den Jan aber gab es tatsächlich. Und seine steile militärische Karriere belegen zahlreiche Quellen.

Bauernsohn macht Karriere im Militär

Jan, eigentlich Johann, kommt wahrscheinlich im Jahr 1591 auf die Welt. Wo genau, lässt sich nicht mehr ermitteln, wahrscheinlich in Büttgen am Niederrhein. Die Familie zieht 1599 nach Köln und Jan arbeitet als Pferdeknecht. Wahrlich keine gute Partie! Und die Aussichten für einen mittellosen Knecht waren auch nicht gerade rosig.

Einen Ausweg für Männer wie Jan – ohne Perspektive und Geld – boten die zahlreichen Werber: Gesucht wurden junge, starke und ungebundene Männer für die Söldnerheere. Der Bedarf an Soldaten war enorm, denn große und kleine Kriege gab es zahlreich. Spätestens mit dem Dreißigjährigen Krieg ab 1618 war jeder, der irgendeine Waffe halten konnte, als Söldner gefragt. So entschließt sich Jan im Alter von etwa 19 Jahren dazu, in das wallonische Heer unter der spanischen Flagge einzutreten.

„Franzosenschreck“ Jan von Werth

Jan war ein guter Krieger, furchtlos und ein echter Draufgänger. Schnell machte der Haudegen Jan von Werth eine steile Karriere, vom Fußsoldaten bis hin zum General. Er überlebte viele Verletzungen, so auch eine Kugel, die seine Wange durchschlug und ihm im Hals steckenblieb. Für wen er dabei kämpfte, bestimmte der, der ihn dafür bezahlte – ein klassischer Söldner eben. So zog er für die Spanier, für Kurköln, die Bayern und für Ferdinand II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ins Feld.

Jan von Werth, Gemälde im Pfarrhaus von Neersen, Repro: Udo Schmitz
Jan von Werth, Gemälde im Pfarrhaus von Neersen, Repro: Udo Schmitz

Die Kriegsgeschäfte liefen gut, sein erklärter Lieblingsgegner waren die Franzosen, gegen die er in mehr als zwei Dutzend Schlachten gewann. Das brachte ihm nicht nur den Titel „Franzosenschreck“ ein, sondern auch Ländereien, Güter und viel Geld. Sein Meisterstück war 1637 die Eroberung der von den Franzosen gehaltenen Festung Ehrenbreitstein in Koblenz durch eine Belagerung.

Kein Wunder, dass der französische König Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu sehr erfreut waren, als Jan 1638 in französische Gefangenschaft geriet. Bei der Schlacht in Rheinfelden wurde sein Pferd unter ihm weggeschossen, die Flucht zu Fuß misslang. Vier Jahre war Jan Gefangener, allerdings nicht bei Wasser und Brot, sondern er wurde – im Gegenzug zu seinem Ehrenwort, nicht zu fliehen – sehr gut behandelt und 1642 gegen den schwedischen General Gustaf Graf Horn ausgetauscht.

Gedenkplakette zum "Spill an d´r Vringspooz" direkt an der Severinstorburg, Bild: UIi Kievernagel
Gedenkplakette zum „Spill an d´r Vringspooz“ direkt an der Severinstorburg, Bild: UIi Kievernagel

Im Jahr 1650, im Alter von etwa 60 Jahren, setzte sich Jan in seinem eigenen Schloss Benatek, im heutigen Tschechien, zur Ruhe. Eigentlich war es ein Wunder, dass Jan tatsächlich dieses Alter erreichte. Die durchschnittliche Lebenserwartung im 17. Jahrhundert lag bei ungefähr 30 Jahren und Jan hatte in unzähligen Schlachten gekämpft. Am 12. September 1652 starb Jan von Werth. Er hinterließ neben einer Ehefrau, die immerhin 41 Jahre jünger war, ein großes Vermögen und zahlreiche Güter und Ländereien in Böhmen, Bayern, Köln und im Rheingau.

Tja Griet, dumm gelaufen. Ävver: „Wer et hät jewoss.“


Der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Der Jan-von-Werth-Brunnen auf dem Alter Markt, Bild: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Jan-von-Werth-Brunnen

Der Kölner Verschönerungsverein hatte bereits 1881 die Idee, zu Ehren Jan von Werths einen einen Brunnen aufzustellen. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Stadtrat diesen Brunnen genehmigte. Allerdings weigerte sich die Stadt, irgendwelche Kosten dafür zu übernehmen.  Nach zähen Verhandlungen bezahlte die Stadt dann aber doch das Fundament und die laufenden Kosten für das Wasser des Brunnens. Dieser wurde am 14. Juli 1884 eingeweiht.
 
Eigentlich hätte man den Reitergeneral Jan von Werth auf einem Pferd sitzend darstellen müssen. Da aber auf dem benachbarten Heumarkt bereits das Reiterdenkmal zu Ehren König Friedrich Wilhelm III. stand, wurde Jan von Werth stehend mit großem Schwert dargestellt.
 

Auf der Lotsentour Innenstadt besuchen wir diesen Brunnen auf dem Alter Markt.


Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel
Dat Spillche vun Jan und Griet vom Reiter-Korps Jan von Werth, zu sehen jedes Jahr an Wieverfastelovend an d´r Vringsporz, Bild: Uli Kievernagel

Jedes Jahr an Weiberfastnacht spielt das Reiter-Korps Jan von Werth, eine der Traditionsgesellschaften des kölschen Karnevals, das Aufeinandertreffen von Jan und Griet an der Severinstorburg nach. Anders als in der Sage finden sich die beiden hier aber jedes Jahr und ziehen gemeinsam mit Kölns ersten Karnevalszug des Session zum Alter Markt. Hier der entscheidende Moment aus dem Jahr 2019.


„Die Moritat vun Jan un Griet“

Auch die Kölner Band BAP hat die Sage mit „Die Moritat vun Jan un Griet“ aufgegriffen. Hier wird Jan von Griet sehr deutlich abserviert, weil er nix ahn de Fööß hät, also ein armer Schlucker ist:

„Nä Jan, du siehs bei mir kei Land,
verjess et, du kriss nie ming Hand,
wat du och deiß, wat du och lööß,
du häss nix ahn de Fööß, Mann!
Et deit mer leid, du weiß Bescheid,
dat du bei mir nit lande kanns,
Niete wie du, die hann bei mir kein Chance.“


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Die Siedlung Wilhelmsruh – sozialer Wohnungsbau im 19. Jahrhundert

Die Arbeitersiedlung "Wilhelmsruh", Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum
Die Arbeitersiedlung „Wilhelmsruh“, Aquarell von Jakob Scheiner aus dem Kölnischen Stadtmuseum

Es war eine echte Zeitenwende – und auch Köln sollte Ende des 19. Jahrhunderts in der modernen Zeit ankommen. Für die stark wachsende Zahl der Kölner Bürger wurde dringend Wohnraum benötigt – immerhin verdoppelte sich zwischen 1880 und 1890 die Einwohnerzahl Kölns von etwa 145.000 Menschen auf 282.000 Menschen.

Die enge, mittelalterlich geprägte Stadt musste also wachsen. Aber wie? Die massive Stadtmauer behinderte die Erweiterung der Stadt. Nach langen Verhandlungen mit der preußischen Regierung begann ab 1881 der Abriss der Befestigungen. Und es entstanden die Vororte und die klassischen Arbeitersiedlungen.

Früher wie heute: Knapper Wohnraum – hohe Preise

Wie sich die Zeiten gleichen: Wie auch heute war damals der Wohnraum in der Stadt knapp. Das betraf insbesondere die Menschen mit großen Familien und wenig Geld. Man lebte – nach heutigem Maßstab – viel zu beengt in völlig überfüllten Wohnungen. Bis zu sechs Personen pro Zimmer war die Normalität. In diesem Zimmer wurde gekocht, gegessen, sich gewaschen und geschlafen. Für uns heute undenkbar.

Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird.
Der Maler Heinrich Zille hat es dokumentiert: Im 19. Jahrhundert ist es völlig normal, dass in einem einzigen Zimmer geschlafen, gegessen und sich gewaschen wird, Bild: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Dies brachte Unternehmer dazu, für ihre Mitarbeiter besseren und preiswerten Wohnraum zu schaffen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die Arbeiter-Kolonie „Wilhelmsruh“ an der Bonner Straße. Der Name der Siedlung erinnert an den im Jahr des Baubeginns 1888 gestorbenen Kaiser Wilhelm I.

Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer
Die Siedlung Wilhelmsruh um ca. 1920, Bild: Klaus Krämer

Das Kapital für den Bau der Siedlung stammt aus einer Stiftung von Prof. Dr. Gerhard vom Rath, dem Mitinhaber des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“. Dieses Unternehmen betrieb unter anderem Zuckerfabriken am Holzmarkt und in der Machabäerstraße im Kunibertsviertel. Vom Rath stiftete im Jahr 1888 einen großen Teil seines Vermögens zum Bau einer Arbeiter-Kolonie an der Bonner Straße, da seine Erben bereits verstorben waren. Insgesamt handelte es sich bei der Stiftung um 450.000 Mark. Ein stolzer Betrag. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiters lag bei etwa 660 Mark.

Eine schmucke Siedlung - die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full
Eine schmucke Siedlung – die Wilhelmsruh heute, Bild: Annette Full

Gebaut wurden zweigeschossige Wohnungszeilen. Das gesamte Wohngebiet wurde mit breiten Wegen großzügig aufgeteilt, jedes Wohngebäude hatte zur Selbstversorgung einen Nutzgarten und Stallungen. In den Häusern aus rötlichen und gelben Ziegeln waren Vierzimmerwohnungen. Ursprünglich wurden auch noch eine Badeanstalt, ein Versammlungssaal, ein Lesezimmer und ein Kaufladen geplant, die allerdings nie realisiert wurden.

Der Grundsatz für die Miete der Wohnungen war, dass der Preis einer Wohnung in der Wilhelmsruh in etwa dem Preis einer Zweizimmerwohnung in der Stadt entsprechen sollte. Allerdings für eine Wohnung, die doppelt so groß war und zusätzlich über einen Keller, einen Speicher, den Garten und Stallungen verfügte.

Trotz dieser Annehmlichkeiten und dem fairen Mietpreis taten sich viele Arbeiter schwer damit, ihre geliebten Veedel, allen voran das Severinsviertel, in dem es alles gab, zu verlassen um „draußen auf das Land“ zu ziehen. Der Weg war tatsächlich weit, es gab zunächst auch keine Anbindung an die Straßenbahn. So wurden Pendelverkehre eingerichtet. Ein Arbeiter der Stollweck-Schokoladenfabrik berichtete „Wäge däm wigge Wäg leeten uns die Stollwercks noh der Arbeit fahre, die eeschte Johre met Päd und Wage, dann m´em Laßwage, wo Bänk drop stundte.“

Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Die Wilhelmsruh, Blick von der Bonner Straße, Bild: Annette Full
Gleiche Herausforderungen wie vor 140 Jahren

Die Arbeiter-Kolonie der Wilhelmsruh war ein positives Beispiel für den sozialen Wohnungsbau. Die lockere, großzügige Bauweise beweist, so der Historiker Josef Rosenzweig „ … dass es auch damals anstatt enger und dunkler Mietskasernen schon helle und schmucke Sozialwohnungen gab“.

Und da Köln heute wieder vor der großen Herausforderung steht, erschwinglichen Wohnraum für alle zu schaffen, sollten sich die Verantwortlichen daran mal ein Beispiel nehmen und sich einfach mal die Siedlung Wilhelmsruh anschauen.


Die letzte Zuckerfabrik des „Rheinischen Actienvereins für Zuckerfabrication“ am Holzmarkt wurde 1912 geschlossen, die Stadt Köln übernahm die Stiftung und auch die Häuser der Wilhelmsruh. Ein Teil der Häuser wurde in den 1980ern zugunsten eines Altenheims abgebrochen, die übrigen Häuser (heute Bonner Straße 304 und 310) wurden saniert.


Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel
Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderberg

Die Siedlung Wilhelmsruh ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


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Nicolaus Otto und der Ottomotor: Eine kölsche Erfindung

Der Erfinder Nicolaus Otto
Der Erfinder Nicolaus Otto (1832-1891)

Okay – der erste von Erfinder Nicolaus Otto gebaute Motor hatte nur 3 PS. Das war im Jahr 1877. Bei diesem Motor handelte es sich um einen sogenannten „Flugkolbenmotor“, welcher sich noch wesentlich vom Prinzip des Ottomotors unterscheidet. Wenn wir heute vom Ottomotor sprechen, geht es um einen „Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung“. Der Begriff „Ottomotor“ wurde erst 45 Jahre nach dem Tod des Erfinders eingeführt.

Weltweit erste Motorenfabrik war in Köln

Nicolaus Otto war, zusammen mit Eugen Langen, der Gründer der weltweit ersten Motorenfabrik. Diese Fabrik, gegründet am 31. März 1864 als „N.A. Otto & Cie“ in der Servasgasse gleich hinter dem Kölner Hauptbahnhof, bildete die Keimzelle der Deutz AG, heute ein Konzern mit mehr als 4.600 Mitarbeitern und etwa 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Abbildung einer Otto-Gaskraftmaschine von 1876, (aus dem Lexikon der gesamten Technik, 1904)
Abbildung einer Otto-Gaskraftmaschine von 1876, (aus dem Lexikon der gesamten Technik, 1904)
Otto, Maybach und Daimler entwickeln gemeinsam den ersten Viertaktmotor

Die Anfänge der Motorenfabrik waren eher bescheiden. Der Erfolg stellte sich erst ein, als sich das junge Unternehmen auf der Pariser Weltausstellung 1867 präsentierte. Der dort vorgestellte Motor war wesentlich sparsamer und benötige nur ein Drittel des Kraftstoffs der vergleichbaren Motoren seiner Zeit. Der Erfolg führte zum Umzug des Unternehmens und zur Gründung der „Gasmotoren-Fabrik Deutz AG“. Wesentliche Investoren waren die Brüder Eugen, Gustav und Jacob Langen sowie Emil und Valentin Pfeifer. Wem diese Namen jetzt bekannt vorkommen, der sollte mal im Küchenschrank nachschauen, ob er nicht auch Zucker von Pfeifer und Langen verwendet.

Weitere bekannten Namen waren als Mitarbeiter in dem Deutzer Unternehmen tätig: Die beiden Konstrukteure Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler waren maßgeblich an der Weiterentwicklung bis hin zur Serienreife des ersten Viertaktmotors beteiligt. Dieses im Jahr 1876 entwickelte technische Prinzip bildet bis heute die Grundlage für jeden konstruierten Verbrennungsmotor.

Nicolaus Otto – ein Autodidakt

Nikolaus Otto, geboren am 10. Juni 1832 in Holzhausen an der Haide (Taunus), hat, anders als zum Beispiel Maybach oder Daimler, nie eine Hochschule besucht. Sein Vater starb früh und so musste er seinen Teil für den Unterhalt der Familie beitragen. So arbeitete er tagsüber in einem Kolonialwarenladen. Erst abends konnte er sich seiner eigentlichen Leidenschaft widmen: der Technik. Die Zeiten waren gut für Otto. Die Welt veränderte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant: Die Telegrafie kam auf, Eisenbahnen erschlossen das Land und Maschinen übernahmen zunehmend die vorher von Mensch und Tier geleistete, kraftraubende Arbeit.

Der Erfolg seines Unternehmens führte Otto auch zu seinem privaten Glück. Er hatte bereits im Jahr 1858 an Karneval  – wie sollte es in Köln auch anders sein? – Anna Gossi-Rouply kennengelernt. Doch an eine Heirat war zunächst nicht zu denken. Der nahezu mittellose Otto konnte erst mit dem Aufstieg der Firma über ein Einkommen verfügen, welches die Familie absicherte. So heirateten Anna Gossi-Rouply und Otto erst 1868.

Briefmarke von 1952 zu "75 Jahre Otto-Motor"
Briefmarke von 1952 zu „75 Jahre Otto-Motor“
Späte Ehrung: Der Begriff Ottomotor

Im Unternehmen gab es persönliche Auseinandersetzungen zwischen Otto auf der einen Seite und Maybach und Daimler auf der anderen Seite. Beide verließen 1881 das Unternehmen. Gleichzeitig führten Patentstreitigkeiten dazu, dass 1884 Ottos Patent für den Viertaktmotor annulliert wurde. Seine Verdienste als Motoren-Entwickler sind allerdings unbestritten. Zu seinen Ehren werden seit 1936 alle Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung als Ottomotoren bezeichnet.

Nicolaus Otto starb am 26. Januar 1891 in Köln. Sein Grab ist auf dem Melatenfriedhof zu finden, seine Motoren in der ganzen Welt. Und heute auch mit wesentlich mehr als nur 3 PS.


En originaler "atmosphärischer Gasmotor“ zur Erinnerung an Nicolaus Otto am Deutzer Bahnhof Bild: Tohma [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]
En originaler „atmosphärischer Gasmotor“ zur Erinnerung an Nicolaus Otto am Deutzer Bahnhof, Bild: Tohma [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Der Ottoplatz in Deutz

Jeder Kölner kennt den Ottoplatz in Deutz. Aber kaum einem ist klar, dass es bei dem hier geehrten „Otto“ um Nicolaus Otto handelt. Und dann fragt sich auch noch jeder : „Wat is dat denn?“ Auf dem Bahnhofsvorplatz in Deutz steht ein originaler, zwei Tonnen schwerer „atmosphärischer Gasmotor“ von Nicolaus Otto. Weitere Infos zu diesem Denkmal gibt es im Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.


Das "Zeitzeichen" des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR
Das „Zeitzeichen“ des WDR ist eine Radiosendung und greift täglich historische Daten auf, Bild: WDR

WDR-ZeitZeichen zum Todestag Ottos

Der WDR hat Nicolaus August Otto anlässlich seines 130. Todestags ein hörenswertes ZeitZeichen gewidmet.  Das ZeitZeichen ist eine Radiosendung des WDR, die täglich historische Ereignisse und bedeutende Personen der Geschichte vorstellt und ist auch als Podcast verfügbar. 


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Eau de Cologne von Farina: Ein Duft, der den Geist inspiriert

Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Das Farina-Stammhaus am prominenten Platz gegenüber dem Jülichs-Platz, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Abfälle auf der Straße, geleerte Nachttöpfe im Rinnstein, Gerber, die mit Urin das Leder behandelten, kaum gekühlte Heringe auf dem Markt – in den europäischen Städten hat es noch bis zur vorletzten Jahrhundertwende bestialisch gestunken. Und glaubt man den Berichten von Zeitzeugen, war Köln die am schlimmsten stinkendste Stadt in Europa.

Dabei hatte der Stadtrat bereits sehr früh erste Versuche unternommen, die Stadt sauberer und somit geruchsfreier zu halten, auch durch die Reinigung von Wasserabflüssen und Rinnsteinen. Allerdings war dies Sache der Anlieger, die ihre Aufgaben wohl nicht so richtig ernst nahmen. In einem Ratsprotokoll vom 9. Juli 1688 lautet es: „Die Straßen seien mit Kot und Mist angefüllt, auch dieselben widerwilligs mit Umgehung dieserhalb erlassener Verordnung nicht gesäubert werden“.

Johann Maria Farina der Mann mit der „goldenen Nase“

Kein Wunder, dass in einem solchen Gestank Duftwasser sehr begehrt sind. In Köln sind um 1830 insgesamt 64 Produzenten von Duft- und Heilwasser bekannt, darunter auch das Haus Klosterfrau der geschäftstüchtigen Nonne Maria Clementine Martin und natürlich das Kölnisch Wasser von Johann Maria Farina. Und dieser Mann hatte eine „goldene Nase“.

Geboren am 8. Dezember 1685 in Norditalien wurde er bereits mit 14 Jahren zu seinem Onkel, einen Händler in Maastricht, zur Ausbildung geschickt. Bei seinen Geschäftsreisen quer durch Europa bis nach Konstantinopel erkundete er fremde Städte und Länder hauptsächlich mit seiner feinen Nase. Farina war begeistert von Düften und experimentierte mit Duftstoffen, bis er 1709 den Duft kreierte, der ihn unsterblich machen sollte und den er später im Jahr 1742 – zu Ehren seiner Wahlheimat – „Eau de Cologne“ nennen wird.

Er selber schrieb über eben diesen Duft „Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen kurz nach dem Regen erinnert, an Bergnarzissen, Orangenblüten und Kräuter meiner Heimat. Er erfrischt mich und stärkt meine Sinne und Phantasie.“

Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.
Der Mann mit der äußerst feinen Nase: Johann Maria Farina (1685-1766), Bild: Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0.

Rezept ist bis heute streng geheim

Das Rezept hält das Haus Farina streng geheim – bis heute. Dabei ist die größte Herausforderung, den richtigen Duft jedes Jahr immer wieder exakt zu reproduzieren. Denn die verwendeten Grundstoffe, unter anderem Jasmin, Lavendel, Limette, Bergamotte, sind Naturprodukte, deren Intensität mit jeder Ernte anders ausfällt.

Der Journalist und Historiker Christoph Driessen erklärt das Geheimnis der Herstellung so: „Darum ist auch nicht so sehr eine starre Rezeptur das große Geheimnis von Farina, es sind seine Arbeitsanweisungen, wie man den Duft herstellt muss, auf was man zu achten hat.“1Quelle: Eigentum aktuell, 02/2017, Seite 20

Eine Flasche kostet das halbe Jahresgehalt eines Beamten

Mit diesem Duft trifft er im allgemeinen Gestank seiner Zeit exakt den Geschmack seiner gutbetuchten Kunden. Dazu gehörten insbesondere die europäischen Königshäuser, die auch den geforderten Preis für das Eau de Cologne zahlen konnten: Eine Flasche kostet so viel, wie ein Beamter in sechs Monaten verdient.

Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH
Ein edler Duft: Farina 1709 Original Eau de Cologne, Bild: Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz GmbH

Selbstverständlich hat ein solches Produkt unmittelbar viele Nachahmer, darunter hat sich einer durch sein ganz spezielles „Marketing“ hervorgetan: Wilhelm Mülhens. Dieser gewiefte Kaufmann bezahlte einem gewissen Franz Maria Farina aus Bonn Geld dafür, dass er unter seinem Namen Duftwasser vertreiben durfte. Bis auf den Nachnamen hatte dieser Bonner Farina nichts mit Erfinder Johann Maria Farina zu tun. Aber egal: Der Markenname Farina zog die Kunden an. Übrigens hatte dieser Wilhelm Mülhens seine Produktion und Verkaufsstätte in der Glockengasse, Hausnummer 4711. Diese Geschichte wird irgendwann mal ein eigenes „Köln-Ding-Woche werden.

Johann Maria Farina, der Mann mit der goldenen Nase, starb am 25. November 1766. Sein Unternehmen hat ihn überdauert und ist bis heute in Familienbesitz. Der Name des aktuellen Chefs: Johann Maria Farina. Tradition verpflichtet!

Mit Louise Farina steht bereits die 9. Generation bereit, um nach und nach die Leitung des Unternehmens zu übernehmen. 


Louise bei der Aufnahme unseres Podcasts im Farina-Haus.
Louise bei der Aufnahme unseres Podcasts im Farina-Haus.

Ein paar Fragen an … Louise Farina: Zwischen Tradition & Innovation

Frank und ich hatten die Gelegenheit ausgiebig mit Louise
Farina über Geschichte, Gerüche, und Geschäfte zu sprechen. Louise stellt dabei auch ihre Zukunftspläne für das altehrwürdige Haus Farina vor.


Der von einem Schwert durchbohrte Kopf des (vermeintlichen) Kämpfers gegen den kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich (Bronzeplastik), Bild: Uli Kievernagel
Der von einem Schwert durchbohrte Kopf des (vermeintlichen) Kämpfers gegen den kölschen Klüngel, Nikolaus Gülich (Bronzeplastik), Bild: Uli Kievernagel

Nikolaus Gülich: „Der kölnische Rebell“

Der Platz des Stammhauses heißt heute „Gülichplatz“, benannt nach dem Kämpfer  gegen den Klüngel Nikolaus Gülich.


Im ruhigen Innenhof des Farina-Hauses findet man den Frauenbrunnen, der offizielle Name dieses Brunnens lautet „Frauen im Wandel der Zeit“. Dargestellt werden zehn Frauen in jeweilig typischen Gewändern. Jede steht dabei für eine Epoche in der Stadtgeschichte. 


 

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Köperteile auf Kölsch

Körperteile auf Kölsch, Bild: Zoonar, Walter G. Allgöwer,
Körperteile auf Kölsch, Bild: Zoonar, Walter G. Allgöwer,

Wenn der Kölsche „Buch“ sagt, meint er damit nicht unbedingt etwas zu lesen. Und „Uhr“ muss nicht zwingend die Zeit anzeigen. Hier eine Übersicht der wichtigsten kölschen Bezeichnungen für Körperteile:

Äugelche
… verniedlichend für die Augen. Wenn die nicht mehr so gut funktionieren, braucht man eine Luurmaschine (Brille).

Bross
… ist die Brust oder der Busen. Umgangssprachlich wird aus der weiblichen Brust Memme oder Vürbau.

Buch
… ist nicht zum Lesen, sondern meint den Bauch. Wenn dieser schmerzt, nennt man das Buchping.

Bläcke Fööss können in Köln so oder so aussehen, Bilder: S.. Hofschlaeger / pixelio.de, Bläck Fööss
Bläck Fööss können in Köln so oder so aussehen, Bilder: S.. Hofschlaeger / pixelio.de, Bläck Fööss

Foß
… ist der Fuss. Wenn man keine Schuhe und Strümpfe trägt, hat man „Bläck Fööss“. Und macht vielleicht kölsche Musik.

Fott
.. ist das Gesäß, Dort kann man wahlweise eren kruffe (reinkriechen) oder eren tredde (treten). Blöd ist nur, wenn man op de Fott jefalle is. Das bedeutet, man ist betrogen oder reingelegt worden. Sehr schön ist auch die Beschreibung für ein ausladendes Gesäß: „Dat hät e Fott wie Brauereipääd“. Die kleine Variante ist dat Föttche.

Janz vill Hänk, Bild: Markuks Jürgens / pixelio.de
Janz vill Hänk, Bild: Markuks Jürgens / pixelio.de

Hang oder Hänk
… ist die Hand bzw. sind die Hände.

Hoor
… damit sind die Haare gemeint, hat jemand keine Haare mehr, nennt man das Pläät oder Plaat.

Knee
… nennt man das Knie.

Küüles, oder Kopp
… ist der Kopf. Wenn dieser schmerzt, hat der Kölsche Kopping.

Maue
… jemand, der jet in de Maue hät ist stark, Maue sind die Arme.

Rögge
… isch han Rögge beschreibt Rückenschmerzen. Vorsicht: Das Röggelchen hat damit nichts zu tun, das ist ein Roggenbrötchen.

Schnüss
.. der Mund, jemand der tratscht, der „schwaad de Schnüss“.

Der Kölsche spricht von "Bein bess ahn de Ääd" und meint sehr lange, schöne Beine, Bild: Edeltraud Woydeck / pixelio.de
Der Kölsche spricht von „Bein bess ahn de Ääd“ und meint sehr lange, schöne Beine, Bild: Edeltraud Woydeck / pixelio.de

Schoche oder Schrage
… hört man nur noch ganz selten, so nennt der Ur-Kölsche ein Bein.

Seiverlappe
Seiver ist Speichel, Lappe ist der Lappen und zusammen ist das die Zunge.

Stross
… ist die Kehle. Und mit Kölsch lässt sich hervorragend der Stross öle.


Habt ihr selber noch Vorschläge für kölsche Bezeichnungen von Körperteilen? Dann immer rüber damit (uli@koeln-lotse.de) , gerne ergänze ich diesen Beitrag.


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