Kölsche Wörter: „maggeln“ – illegale Geschäfte abwickeln

Beliebte "Währung" zum maggeln: Zigaretten, Bild: Bundesarchiv / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Beliebte „Währung“ zum maggeln: Zigaretten, Bild: Bundesarchiv / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Muckefuck un Rövekruck
vum Schwatze Maat met heimjebraat,
op Hamsterfahrt em Vürjebirch
ne Teppich jäjen Woosch jetuusch. 1Muckefuck und Rübenkraut
vom Schwarzmarkt mit nach Hause gebracht,
auf Hamsterfahrt im Vorgebirge
einen Teppich gegen Wurst getauscht.

(Bläck Fööss „Usjebomb“)

Nachkriegszeit in Köln. Die Menschen hungern und frieren. Um zu überleben, werden alle möglichen Gegenstände gegen Nahrungsmittel getauscht. Der im Lied der Bläck Fööss beschriebene Handel „Teppich gegen Wurst“ war kein Einzelfall. Mancher Bauer aus dem Kölner Umland kam auf diesem Weg zu hochwertigem Porzellan oder Silberbesteck. Auch der Schwarzmarkt in der zerstörten Domstadt lief auf Hochtouren. Besonders beliebt: „maggeln“ mit Zigaretten, die zu einer zweiten Währung wurden.

„maggeln“ – gegen  Gesetz und Verordnung

Mit „maggeln“ beschreibt der Kölner die Fähigkeit, zumeist illegale Geschäfte abzuwickeln. Adam Wrede2Neuer Kölnischer Wortschatz, Greven Verlag Köln 1976 erklärt „maggeln“ wie folgt: „In den Notjahren 1946 bis 1948 bedeutet das Wort: Gegen Gesetz und Verordnung Handel, Tauschhandel mit rationierten Waren treiben, Schwarzhandel treiben mit Kauf und Verkauf von Waren ohne amtliche Bezugsscheine.“

Eindeutig: „maggeln“ haftet in Köln etwas illegales an. Dabei stammt das Wort von „makeln“ ab und meint somit „vermitteln“ bzw. „Geschäfte vermitteln“. Also eine durchaus legale Tätigkeit. Für den Kölschen aber ist die Sachlage eindeutig: Der Makler als Vermittler von Geschäften ist ein ordnungsgemäßer Händler, der „Maggeler“ hingegen ist der Schwarzhändler.

Aussprache und Schreibweise

Oft wird in der kölschen Sprache das „g“ als „j“ ausgesprochen. Aber nicht immer. Steht „gg“ nach einem kurzen Vokal (wie in „maggele“ aber auch zum Beispiel in „Röggelche“). Und daher wäre grundfalsch, von „majjele“ oder dem „Majjeler“ zu sprechen.

Wenn Geld diskret den Besitzer wechselt, ist oft Maggelei im Spiel, Bild: Kiwiev, CC0, via Wikimedia Commons
Wenn Geld diskret den Besitzer wechselt, ist oft Maggelei im Spiel, Bild: Kiwiev, CC0, via Wikimedia Commons

Enge Verwandtschaft mit dem Klüngel

In einem Interview der Deutschen Welle mit dem ausgewiesenen Köln-Kenner Detlef Rick wird auch der Zusammenhang zwischen maggeln und dem Klüngel deutlich. Dort lautet es „Maggeln, klüngeln und ein Fisternöllche, eine Art kölscher Dreikampf. Und alle drei Ausdrücke haben eins gemeinsam: sie bezeichnen eine nicht ganz gradlinige Handlungsweise.“ Für den Klüngel ist die Sachlage eindeutig. Bereits 1782 wird im Zusammenhang mit der städtischen Lotterie der Begriff „Klüngel“ für „betrügerische Machenschaften“ genutzt. Und ein Fisternöllche ist auch ausdrücklich eine heimliche Liebelei, in der Regel hinter dem Rücken anderer Personen.

Und auch heute wird in unserer Stadt viel gemaggelt – nicht immer zum Besten der Bürgerschaft. Wer das irgendwie verstehen will, sollte sich den sehenswerten Film „Der König von Köln“ ansehen. Dort kann man über die Machenschaften eines ganz großen Maggelers, im Film als „Josef Asch“ bezeichnet, nur staunen.


Kölns Schwarzer Markt 1939-1949: Ein Jahrzehnt asoziale Marktwirtschaft von Werner Schäfke (Autor), Marzellen Verlag, 6,95 Euro
Kölns Schwarzer Markt 1939-1949: Ein Jahrzehnt asoziale Marktwirtschaft, Werner Schäfke, Marzellen Verlag, 6,95 Euro

Kölns Schwarzer Markt

Joachim Brokmeier, Stadtteilhistoriker aus Riehl, empfiehlt  zu diesem Thema das Buch „Kölns Schwarzer Markt 1939-1949: Ein Jahrzehnt asoziale Marktwirtschaft“ von Werner Schäfke3Marzellen Verlag, 6,95 Euro.

Verlagsinformationen:

Kölns Schwarzer Markt beherrscht seit ersten Anfängen mit Kriegsbeginn im Jahre 1939 und in den ersten Jahren unter alliierter Besatzung das Bild mancher Kölner Straßen und Plätze. Nach Schätzung der Stadtverwaltung sind bis zur Währungsreform 1948 etwa 20 000 Personen in diesem Schattenbereich des wirtschaftlichen Lebens tätig, damit – wenn auch außerhalb der Legalität – einer der größten Arbeitgeber Kölns.

In diesem Buch wird dieses Jahrzehnt Kölner Lebens erstmals wissenschaftlich dargestellt und in einer Auswahl von Bildern und Zeitungsberichten der Nachkriegszeit in seinem Elend und seinem Ausmaß sichtbar gemacht.

Werner Schäfke: Kölns Schwarzer Markt 1939-1949 –
Ein Jahrzehnt asoziale Marktwirtschaft
ca. 100 Seiten
Marzellen Verlag Köln
ISBN 978-3-937795-28-7
6,95 €


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Kölner Brücken: Die Zoobrücke – leichtes Schwanken inklusive

Die Zoobrücke Köln, Bild: Raimond Spekking
Die Zoobrücke Köln, Bild: Raimond Spekking

Heute brettern täglich bis zu 125.000 Autos über die Zoobrücke. Ausgelegt wurde dieses Bauwerk auf gerade mal 12.000 Autos pro Tag. Kein Wunder, dass der Verschleiß an der meistbefahrenen Brücke Kölns enorm ist.

Diese zehnfach höhere Beanspruchung macht sich massiv bemerkbar. Genau wie die anderen Rheinbrücken ist auch die jüngste der Kölner Brücken sanierungsbedürftig. Ein Gutachten aus dem Jahr 2021 konstatiert „… bereichsweise schwerwiegende Schädigungen an den innenliegenden Entwässerungsleitungen … Die Leitungen sind stellenweise durchrostet und gerissen, mit der Folge, dass Oberflächenwasser der Fahrbahnen in die Hohlkästen der Spannbetonbrücke gelangt und weitere Schäden am Beton der Brücke verursacht…“

Deswegen hat der Rat Anfang Februar 2022 einstimmig fast 2 Mio. Euro zur schnellen Sanierung der Brücke bewilligt. Wie man aber die Kölner Brückenverhältnisse kennt, wird dies wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs an Sanierungskosten sein. Geprüft wird auch der Verdacht, dass beim Bau der Brücke zum Teil Stahl mit ungewöhnlichen Zusammensetzungen verwendet wurde. Dieser Stahl könnte die Haltbarkeit des Bauwerks gefährden.


Steckbrief Zoobrücke

  • Länge: 597 m
  • Breite: 33 m
  • Baubeginn: 1962
  • Fertigstellung: 1966
  • Eröffnung: 22. November 1966

Brücke der kölschen Superlative

Bereits 1953 wurde die Notwendigkeit einer weiteren Rheinbrücke festgestellt. In einem 1962 veranstalteten Gestaltungswettbewerb für die neue Brücke setzte sich ein alter Bekannter durch: Es gewann der Entwurf des Kölner Architekten Gerd Lohmer (1909 – 1981). Lohmer hatte bereits maßgeblichen Anteil am Bau der Deutzer Brücke und der Severinsbrücke.

Bau des Pfeilers der Zoobrücke, Aufnahme um 1962/63, Bild: Foto Peters, Sammlung Brokmeier
Bau des Pfeilers der Zoobrücke, Aufnahme um 1962/63, Bild: Foto Peters, Sammlung Brokmeier

Der 22. November 1966 war ein kalter, nasser Dienstag im Herbst. Trotzdem kamen viele Kölner, um an diesem die Einweihung ihrer neuen Rheinüberquerung zu feiern. Nach nur vierjähriger Bauzeit war die Verbindung zwischen den rechtsrheinischen Autobahnen und der nie vollendeten linksrheinischen Stadtautobahn fertig. Lohmers Entwurf sah ein schlankes Bauwerk mit nur einem asymmetrisch stehenden Brückenpfeiler vor, um den Blick auf den Dom nicht zu beinträchtigen.

Die massiven Kästen unter der Zoobrücke erhöhen die Tragfähigkeit, Bild: Knöchel, Franz-Josef / Landschaftsverband Rheinland, CC-BY
Die massiven Kästen unter der Zoobrücke erhöhen die Tragfähigkeit, Bild: Knöchel, Franz-Josef / Landschaftsverband Rheinland, CC-BY

Die Zoobrücke ist Kölns Brücke der Superlative: Sie ist die weltweit am weitesten gespannte Kastenträgerbrücke1Kastenbrücken sind Brückenbauwerke, welche an der Unterseite mit einer kastenförmigen Konstruktion zur Erweiterung der Tragfähigkeit versehen werden.. Sie war, bis zur „Verdopplung“ der Rodenkirchener Brücke, mit 33 Meter Kölns breiteste Brücke und zur Fertigstellung im Jahr 1966 auch Kölns teuerste Brücke.

Kölner Architekturpreis 1967

Die Zoobrücke wurde im Jahr 1967 mit dem Kölner Architekturpreis augezeichnet. Dieser Preis zeichnet vorbildliche Bauten in Köln und dem Umland aus und wird für herausragende baukünstlerische Leistungen vergeben. Dabei werden nicht nur die Leistungen der beteiligten Architekten, sondern ausdrücklich auch der verantwortungsvolle Part der Bauherren gewürdigt.

An Aufgang der linksrheinischen Seite der Zoobrücke wurde die Plakette "Architekturpreis Köln 1967" angebracht. Bild: Hartleib
An Aufgang der linksrheinischen Seite der Zoobrücke wurde die Plakette „Architekturpreis Köln 1967“ angebracht. Bild: Hartleib

Wohin mit der Seilbahn?

Bereits zur Bundesgartenschau 1957 wurde die Kölner Rheinseilbahn eröffnet. Die bei den Kölner äußerst beliebte Verbindung zwischen Zoo und Rheinpark stand der Zoobrücke im Weg. Also: Weg damit, um Platz für die Brücke zu schaffen. Außerdem, so die Mutmaßung vermeintlicher Experten, würden die Gondeln der Seilbahn die Autofahrer auf der Zoobrücke irritieren.

Doch hier erfuhren die Verantwortlichen der Stadt heftigen Gegenwind aus der Bürgerschaft. So ruderte der Rat der Stadt Köln zurück und beschloss im Juli 1964 eine leicht veränderte Trassenführung der Seilbahn. Nach zwei Jahren war es soweit: Am 22. August wurde die Seilbahn wieder in Betrieb genommen. Und noch ist kein Autounfall auf der Zoobrücke bekannt, der durch einen Blick auf die bunten Gondeln ausgelöst wurde.

Die Rheinseilbahn quert die Zoobrücke, Bild: Ebertplatz, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Die Rheinseilbahn quert die Zoobrücke, Bild: Ebertplatz, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Aus der Nordbrücke wird die Zoobrücke im „Kölner Brückengrün“

Ursprünglich sollte die Zoobrücke den eher langweiligen Namen „Nordbrücke“ tragen. Doch dann wurden die Leser einer Tageszeitung befragt und stimmten ab: Das Rennen machte der Name „Zoobrücke“ – immerhin liegt der Zoo nur wenige Meter von der linksrheinischen Auffahrt entfernt.

Bei der Farbgebung konnte sich Architekt Lohmer nicht durchsetzen: Statt des ursprünglich geplanten roten Anstrichs wurde die Brücke, genau wie die Mülheimer Brücke, die Deutzer Brücke2Hier allerdings nur der ältere Stahlteil und nicht der neuere Betonteil, die Rodenkirchener Autobahnbrücke und die Severinsbrücke im „Kölner Brückengrün“ gestrichen.

Leichtes Schwanken

Wenn man zu Fuß über die Zoobrücke geht, kann man merken, dass das Bauwerk je nach Verkehr ordentlich schwankt. Tatsächlich setzte Architekt Lohmer bei diesem Bauwerk auf eine Leichtbauweise – und diese schwankt bei höherer Beanspruchung gerne etwas.

Merke: Nicht jedes Schwanken in Kölle hängt mit dem Genuss von elf Kölsch zusammen!


Alle bisher erschienenen Geschichten zu den Kölner Brücken 


Riehl - eine Sradtteilgeschichte in Postkarten, Buch von Joachim Brokmeier (18,50 Euro, in jeder Buchhandlung erhältlich). Bild: Brokmeier
Riehl – eine Sradtteilgeschichte in Postkarten, Buch von Joachim Brokmeier (18,50 Euro, in jeder Buchhandlung erhältlich). Bild: Brokmeier

Riehler Geschichten

Ein großes DANKE an Joachim Brokmeier. Der Stadtteilhistoriker hat mir Fotos für für diesen Beitrag zur zur Verfügung gestellt. Brokmeier ist ein Experte für Köln-Riehl und hat auch bereits mehrere Bücher  über diesen Stadtteil veröffentlicht.


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Balzac auf dem Neumarkt – oder: Et kütt wie kütt!

Die Statue des Künstlers Auguste Rodin stellt den Schriftsteller Honoré de Balzac dar, Bild: Uli Kievernagel
Die Statue des Künstlers Auguste Rodin stellt den Schriftsteller Honoré de Balzac dar, Bild: Uli Kievernagel

Jetzt steht er da: Balzac. Am Neumarkt. Riesig, schwarz. Mehr als vier Meter hoch und acht Tonnen schwer. Köln ist um ein Kunstwerk im öffentlichen Raum reicher: Die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac befindet sich auf der östlichen Seite des Neumarkts.

Bewegte Geschichte des Kunstwerks

Um es gleich den Kritikern vorwegzunehmen: Die Stadt hat weder für die Skulptur noch für den Sockel etwas bezahlen müssen. Henrik Hanstein, Inhaber des Kunsthauses Lempertz, hat alle Kosten getragen.

Die Statue selber hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der renommierte Bildhauer François-Auguste-René Rodin (1840 – 1917) fertigte bereits 1891 ein lebensgroßes Gipsmodell des Dichters Honoré de Balzac an. Dieses Modell wurde in Paris ausgestellt – und kam überhaupt nicht gut an. Die, so die Kritiker, groteske Darstellung des Schriftstellers Balzac wäre unangemessen. Rodin, mindestens leicht beleidigt, brachte das Gipsmodell in sein Haus in Meudon, einem Vorort von Paris.

Detailansicht der Balzac-Statue von Rodin, Bild: Uli Kievernagel
Detailansicht der Balzac-Statue von Rodin, Bild: Uli Kievernagel

Mehr oder minder vergessen lagerte dort das Gipsmodell. Erst 1939, immerhin 22 Jahre nach dem Tod Rodins, wurde die Statue erstmals in Bronze gegossen und in Paris an der Ecke Boulevard du Montparnasse, Boulevard Raspail aufgestellt. Die in Köln aufgestellte Skulptur ist ein Bronzeabdruck des in Paris ausgestellten Originals.

Der Plan, die Skulptur mitten auf dem Neumarkt aufzustellen, wurde schnell verworfen, da damit die nutzbare Fläche des Platzes stark eingeschränkt wäre. So müsste zum Beispiel der Zirkus Roncalli, welcher regelmäßig seine Zelte auf dem Neumarkt aufschlägt, seine Artisten um Balzac drumherum jonglieren lassen. Daher wurde der Bereich am Rand des Platzes gewählt – unmittelbar vor dem Ladenlokal des Stifters. 

Problemzone Neumarkt

Andere Städte würden Köln um den Neumarkt beneiden: Ein großer, repräsentativer Platz. Mitten in der Stadt. Top Lage. Und auch verkehrstechnisch perfekt angebunden. Und genau hier liegt das  wesentliche Problem: Der Neumarkt ist ein verkehrsumtoster Platz. Bis zu drei Fahrspuren trennen den Platz von den Fußgängerbereichen, der tägliche Stau ist Normalität. Die Aufenthaltsqualität dort ist gleich Null.

Der Neumarkt - eine verkehrsumtoste Insel in der Stadt, Bild: Raimond Spekking
Der Neumarkt – eine verkehrsumtoste Insel in der Stadt, Bild: Raimond Spekking

Gleichzeitig ist der Neumarkt der Hotspot für Kölns Drogenszene. Es wird gedealt, und man muss sich nicht besonders anstrengen, Junkies zu finden, die sich auf offener Straße eine Nadel in die Vene rammen.

Kurzum: Auf dem Neumarkt hält man sich – wenn überhaupt- nur auf, um auf die Bahn zu warten, oder man versucht, sich diesen Platz auf dem Weihnachtsmarkt mit reichlich Glühwein schönzutrinken.

Aufwertung Neumarkt als Teil des Speer-Masterplans

Die Skulptur ist Teil einer Initiative, den Neumarkt aufzuwerten. Und diese Aufwertung ist wiederum Teil des „Masterplan Innenstadt Köln“, auch bekannt als „Speer-Masterplan“, welcher bereits seit 2009 vorliegt.

Aus ein paar Meter Entfernung wirkt die Rodin-Statue etwas verloren zwischen Ampeln, Autos und Leuchtreklame, Bild: Uli Kievernagel
Aus ein paar Meter Entfernung wirkt die Rodin-Statue etwas verloren zwischen Ampeln, Autos und Leuchtreklame, Bild: Uli Kievernagel

Die konkrete Idee im Masterplan zum Neumarkt: Die Nordseite (die Seite, an welcher die Schildergasse einmündet) soll vollständig autofrei werden und zusammen mit der Apostelnstraße eine große Fußgängerzone werden.

Und bis dies irgendwann mal geschieht, kann Balzac dem lauten Treiben und den Staus rund um den Neumarkt zusehen. Und irgendwie war Balzac extrem weitsichtig. Ihm wird dieses Zitat zugeschrieben, welches perfekt seine Sicht auf den Neumarkt und die Aufwertung des Platzes zusammenfasst:

Alle Macht des Menschen besteht
aus einer Mischung von Zeit und Geduld.
Honoré de Balzac (1799-1850)

Die kölsche Übersetzung dazu lautet:
Et kütt wie et kütt.


Umzug der Skulptur 2026

Im Januar 2024 hat die Bezirksvertretung Innenstadt entschieden, dass die Skulptur noch maximal zwei Jahre am Standort stehen bleiben soll. Bin mal gespannt, wie lange Rodin sich das Treiben am Neumarkt noch tatsächlich ansehen wird.


Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking
Sehenswürdigkeiten rund um den Kölner Neumarkt, Bilder: Uli Kievernagel, Raimond Spekking

Rund um den Neumarkt gibt es viel zu erkunden!

Am Neumarkt steht nicht nur die riesige Eistüte von Claes Oldenburg, sondern auch die von Rodin geschaffene Skulptur des französischen Schriftstellers Balzac. Etwas versetzt hinter der Neumarktgalerie, in der Richmodstraße, findet sich der Richmodisturm mit den beiden sagenumwobenen Päädsköpp. Auf der Südseite des Platzes steht ein Gebäude mit bewegter Geschichte: Das Bing-Haus. Und zu Geschäftszeiten lohnt sich ein Abstecher in die benachbarte Schalterhalle der Kreissparkasse – dort gibt es 4711 kostenlos.


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Zum Tod von Fritz Schopps: Es wird still im Märchenwald.

Et Rumpelstilzje Fritz Schopps (1946 - 2022), Bild: Martin Schopps
Et Rumpelstilzje Fritz Schopps (1946 – 2022), Bild: Martin Schopps

Still wird es im Märchenwald
Eine Hommage an et Rumpelstilzje Fritz Schopps

Stille herrscht im Märchenwald,
Rapunzel friert, selbst Frau Holle ist kalt.

Schneewittchen und die sieben Zwerge sind ganz leise,
auch Rotkäppchen trauert auf seine eigene Art und Weise.

Jeder dort hat es mittlerweile erfahren:
Et Rumpelstilzje ist in den Märchenhimmel eingefahren.

Pinocchio weint kleine Holztränen,
der böse Wolf knirscht mit den Zähnen.

Wer, fragt Dornröschen, wird in Zukunft berichten
über die neuesten Märchenwald-Nachrichten?

Er ist jetzt fort, zieht nicht mehr den Hut,
zollt den Märchenwald-Figuren nicht mehr Tribut.

Gewitzt war er, mit spitzer Feder,
zog er auch manchmal derber vom Leder.

Getroffen hat immer die Richtigen,
ganz oft waren das die vermeintlich Hochwichtigen.

Reimen konnte er, wie kein Zweiter,
exakt auf den Punkt und immer heiter.

Im Saal hörten alle ihm aufmerksam zu,
den Meister zu stören, das war tabu!

Jetzt im Märchenhimmel ist er bei den ganz Großen,
de Doof Nuss un et Botterblömche wollen mit ihm anstoßen.

Da sitzt neben Ferdi Huick, dem Bergischen Landboten
der Toni Geller, beide lauschen Rumpelstilzchens Anekdoten.

Der ganze Märchenwald ist außer Rand und Band,
der Meister jetzt seinen Weg zu ihnen fand.

Auch der gestiefelte Kater erblasst jetzt vor Neid,
trägt doch jetzt Rumpelstilzchen die schönsten Stiefel weit und breit.

Die kunterbunte Jacke, die Feder am Hut,
jeder im Märchenwald erkennt den Fritz Schopps gut.

Ach wie gut, dass dort jeder weiß,
dass der Schopps eigentlich Rumpelstilzchen heißt.


Fritz Schopps – Et Rumpelstilzje (1946 – 2022)

Fritz Schopps wurde 1946 geboren, studierte Englisch, Geschichte und Mathematik auf Lehramt und war als Lehrer an der Willy-Brandt-Gesamtschule in Köln-Höhenhaus tätig. Ab den 1980er Jahren war er, mit roten Stiefeln, kunterbunter Flickenjacke und Hut mit großer Feder als Rumpelstilzje eine feste Größe im Kölner Karneval.

Schopps hatte mit seiner für ihn typischen Reimrede mit den neuesten Nachrichten aus dem Märchenwald immer die Gesellschaft und die Politik deutlich aber liebevoll aufs Korn genommen.

Als Rumpelstilzchen wollte er eigentlich im Jahr 2021 seine Karriere beenden, doch die Corona-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung.  So plante er, noch ein Jahr dranzuhängen, um sich auf der Bühne von seinem Publikum zu verabschieden. Doch diese Chance hat er leider nicht mehr bekommen.

Fritz Schopps – et Rumpelstilzje – ist am 5. Juni 2022 im Alter von 76 Jahren verstorben.

Und wir Kölner ziehen den Hut vor einem ganz großen in der Bütt.


Ein großes DANKE an Martin Schopps, Sohn von Fritz Schopps, der mir das Bild für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

Martin Schopps ist doppelter Hinsicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten: Er ist auch Lehrer und ist ein gern gesehener Redner und Moderator auf den (Karnevals-) Bühnen im ganzen Land..

Weitere Infos zu ihm gibt es auf seiner Website.

Martin Schopps


Wolfgang aus Köln hat mein Gedicht überarbeitet. Diese Version entspricht eher der Reimkunst von Fritz Schopps. Vielen Dank, dass ich diese Version veröffentlichen darf.

Im Märchenwald sich Stille zeigt.
Rapunzel friert, Frau Holle schweigt.
Schneewittchen mit den sieben Zwergen
trauert ratlos in den Bergen.
Rotkäppchen nimmt die Nachricht schwer:
Et Rumpelstielzche ist nicht mehr!
Pinocchio aus Holz weint Tränen,
Der  böse Wolf knirscht mit den Zähnen.
Wer, fragt Dornröschen, wird berichten die
neu‘sten Märchenwaldgeschichten?
Gezogen wird nicht mehr der Hut , 
dem Märchenwald fehlt der Tribut .
Gewitzt zog mit gespitzter Feder
auch manchmal derber er vom  Leder
Dabei traf genau die Richtigen,
 er die vermeintlich Superwichtigen !
Reimen konnt‘ er wie kein zweiter,
punktgenau und immer heiter.
Ernsthaft hörten alle zu,
Ihn zu stören, war Tabu !
Aufmerksam die Narren lauschten, 
danach stets Beifallsstürme rauschten.
Im Märchenhimmel bei den Großen 
vereint gemeinsam anzustoßen 
mem Botterblöömche und Doof Nuss
bereitet ihm jetzt Hochgenuss!
Mit Ferdi Huick, dem Landesboten
tauscht Toni Geller Anekdoten. 
Zu ihnen hat er sich gesellt
und grüßt uns aus der „ander‘n Welt“
Die schönsten Stiefel weit und breit
trägt Rumpelstielzchen, und vor Neid
erblasst der Kater und mit Graus
zieht er entnervt die Schuhe aus!
 
Die Jacke kunterbunt , die Feder
am Hut , so kennt bis heute jeder
FRITZ SCHOPPS , wie gut dass jeder weiß,
dass eigentlich er Rumpelstielzche heißt!
 

 


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Kölsche Originale: Fleuten-Arnöldche – gutmütiger Künstler mit einer ausgeprägten Schwäche für Alkohol

Der Musikant Arnold Wenger, bekannt als Fleuten-Arnöldche, auf dem Karl-Berbuer-Brunnen Bild: Uli Kievernagel
Der Musikant Arnold Wenger, bekannt als Fleuten-Arnöldche, auf dem Karl-Berbuer-Brunnen Bild: Uli Kievernagel

Eine Kölner Schankstube in den in 1860er Jahren: Eine ganze Schänke voller  fröhlicher Zecher, jeder einen vollen Becher Bier vor sich und in der Ecke steht ein kleingewachsener, pausbäckiger Mann und spielt auf seiner Flöte. Der kleine Mann mit der Flöte ist Arnold Wenger, in Köln aber als „Fleuten- Arnöldche“ bekannt: 

„In der Wirtsstube herrscht reges Leben und fast sämtliche Tische sind besetzt. Es sind nur Kölner in der Wirtsstube, Fremde sieht man nicht und man hört auch keinen fremden Dialekt; die Leute sprechen alle kölsch. … Die einzelnen Gruppen sind in lebhafter Unterhaltung begriffen, und es geht ziemlich laut dabei zu. … Doch plötzlich bemerkt man ein Getuschel an den Tischen, die Gäste stoßen sich an und aller Augen sind auf die Türe gerichtet, wo eben ein neuer Gast mit einer langen Flöte unter dem Arm hereingetreten war. Gleich am ersten Tisch wurde „Fleuten-Arnöldchen“, das war der neue Gast, festgehalten und herzlich begrüßt. Er bekam ein Glas Bier, das er in einem Zuge leerte, und dann blies er ein Stück auf seiner Flöte, während der Zappjung sein Glas wieder füllte.“1 Heinz Sartorius, ein Zeitzeuge, zitiert nach Reinhold Louis: Kölner Originale, Greven Verlag 1985, Seite 136

Gasthäuser, Flöte und der Alkohol bestimmen das Leben vom Flöten Arnöldche

Diese eindrucksvolle Schilderung beinhaltet fast alles, was das Leben von Arnold Wenger, genannt Fleuten-Arnöldche, auszeichnete: Geselligkeit, Gasthäuser, Flöte spielen und viel Alkohol. Wenger wurde am 12. Februar 1836 in Köln geboren. Sein Geburtshaus lag in der Sankt-Apern-Straße, unweit vom Römerturm. Und genau hier beginnt auch der Aufstieg und Fall des kölschen Musikanten.

Sein Vater betreibt eine Weinstube, so der frühe Zugang des jungen Arnold zum Alkohol. Außerdem ist der Vater ein talentierter Musiker, der Wert darauf legt, dass sein Sohn Noten lesen und ein Instrument, in diesem Fall Querflöte, zu spielen erlernt. Alkohol und Flöte – die Grundlagen des späteren Lebens vom Fleuten-Arnöldche wurden somit schon in frühester Kindheit gelegt.

Arnold Wenger, ermuntert vom Applaus der Zecher in der väterlichen Weinstube, beschließt, seinen Lebensunterhalt mit Musik zu bestreiten. Dabei hätte er auch die Begabung gehabt, in einem Orchester zu spielen. Allerdings entscheidet sich das Fleuten-Arnöldche dazu, als Straßenmusikant sein Geld zu verdienen. Eine fatale Entscheidung.

Er zieht mit seiner Flöte durch die kölschen Gaststuben. Der sanfte, gutmütige Flötenspieler war durchaus beliebt, und die Gäste in den Kneipen schätzten sein Flötenspiel. Seinen Lohn erhält er regelmäßig in flüssiger Form. Bis in die 1870er Jahre ging das auch noch halbwegs gut. Die Kölner Marktfrauen, eigentlich eher schroffe Naturen, schlossen den kleine Arnold ins Herz und versorgten ihn regelmäßig mit etwas zu essen – und auch zu oft mit Getränken.

Doch obwohl Fleuten-Arnöldche ein durchaus geübter Zecher war, kam es immer öfter zu „Totalausfällen“ und die Polizei musste den Trinker immer öfter von der Straße aufsammeln.

Ironie des Schicksals: Zwei Kölsche Originale begegnen sich – aber unfreiwillig

Ab 1875 eskalierte die Situation. Der völlig verwahrloste Wenger, übersät mit Eiterpusteln und gehüllt in schäbige, stinkende Kleidung, wurde in die Arbeitsanstalt Brauweiler eingewiesen. Er bekam keinen Alkohol und musste tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben körperlich arbeiten.

Genau hier kreuzen sich die Lebenswege zweier Kölscher Originale: Genau wie das Fleuten-Arnöldche ist auch das Kölsche Original Heinrich Peter Bock, besser bekannt als „Maler Bock“, in den 1870er Jahren ebenfalls unfreiwilliger Insasse in Brauweiler. Die beiden sind sich in ihrer tiefen, gegenseitigen Ablehnung einig: Der Bohémien Bock moniert, dass der eher einfältige Wenger ihm den Respekt verweigert und ihn mit „du“ anspricht. Arnold Wenger ist der abgehobene Lebemann Bock mit seiner oft gestelzten Sprache zuwider.

Et Fleuten-Arnöldche, Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer
Et Fleuten-Arnöldche, Bild: rs-bierdeckel.de, Reinhold Schäfer

Unverhoffte Erbschaft von 6.000 Mark

Doch das Fleuten-Arnöldchen hatte Glück. Er erhielt eine unverhoffte Erbschaft in Höhe von 6.000 Mark. Dieses Geld versetzte ihn in die Lage, mit der Stadt Köln einen Vertrag auszuhandeln: Er zahlte die gesamte Erbschaft an die Stadt, diese verpflichtete sich im Gegenzug dazu, ihm zeitlebens eine Unterkunft zu bieten und ihn zu verpflegen.

So zog Fleuten-Arnöldche im November 1875 in das Bürgerhospital am Neumarkt. Doch auch hier konnte es der alkoholabhängige Wenger nicht lange aushalten. Sein geringes Taschengeld setzte er umgehend in Schnaps um. Mit den bekannten Auswirkungen. Daher wurde Arnold Wenger bereits ein Jahr später in die Krankenanstalt Lindenburg verlegt. Und hier gelang es den Ärzten und Therapeuten, den kranken Arnold Wenger wieder aufzubauen.

Und alle, die das Fleuten-Arnöldchen bereits abgeschrieben hatten, wurden eines Bessern belehrt. Der dank seiner Erbschaft als „Pensionär 1. Klasse“ geführte Wenger blühte regelrecht auf. Und auch seine Flöte kam wieder zu Ehren. Regelmäßig sonntags spielte das Fleuten-Arnöldche für alle in der Lindenburg. Und bekam dafür seinen verdienten Applaus.

So konnte Arnold Wenger seine letzten Lebensjahre zufrieden und – zumindest in der Lindenburg – geachtet verbringen, bis er am 25. Oktober 1902 dort an einem Kehlkopfleiden verstarb. Er wurde 66 Jahre alt – bei seinem Lebenswandel ein durchaus bemerkenswertes Alter.

Das "Fleuten-Arnöldche" als Sgraffito (Hauswand Alte Wallgasse 27-29), Bild: Sebastian Löder / CC BY 4.0
Das „Fleuten-Arnöldche“ als Sgraffito (Hauswand Alte Wallgasse 27-29), Bild: Sebastian Löder / CC BY 4.0

Flöte wird 2019 wiederentdeckt

Seine Flöte vermachte das Fleuten-Arnöldche dem Kölner Heimatverein. Von dort aus gelang das Instrument zum Kölnischen Stadtmuseum. Und geriet in Vergessenheit. Erst bei Aufräumarbeiten im Archiv im Jahr 2019 entdeckten Mitarbeiter des Museums die Flöte, die sich noch im Originalkarton befand.

Und die irgendwann, wenn das Museum in den am Roncalliplatz geplanten Neubau einzieht, erhält die Flöte des Kölner Originals Fleuten-Arnöldche mit Sicherheit einen Ehrenplatz.


Funkrufname „Arnold“ – Herkunft unbekannt

Wenn sich die Kölner Polizisten per Funk ansprechen, nutzen sie zur Identifizierung den Funkrufnamen „Arnold“. Woher dieser Name stammt, ist unbekannt. Der Polizeisprecher Christoph Gillen im Kölner Stadt-Anzeiger2vom 5. Mai 2024 dazu: „Die Herkunft ist tatsächlich nicht eindeutig geklärt, es gibt keine Quellen dazu.“  

Die Funkrufnamen anderer Polizeibehörden sind nachvollziehbar: In München lautet dieser „Isar“, in Aachen „Printe“, in Düsseldorf „Düssel“ oder in Oberhauen „Emscher“. Nur für „Arnold“ in Köln gibt es keine Erklärung. Daher mutmaßt Tim Stinauer in Kölner Stadt-Anzeiger3vom 6. Mai 2024, dass es vielleicht vom „Fleuten-Arnöldchen“ stammt. Lustig, aber eher unwahrscheinlich.

Nur am Rande: Der Funkrufname der KVB lautet „Tünnes“. Und das ist urkölsch und bedarf keiner weiteren Erklärung.


Em Himmel es d´r Düvel loss

Da wäre ich auch gerne irgendwann mal mit dabei! In dem bekannten Schunkel-Walzer „Un et Arnöldche fleut“ von Karl Berbuer treffen sich die ganzen Kölner Originale im Himmel und feiern Karneval. Selbstverständlich mittendrin: Arnold Wenger mit seiner Flöte.

Un et Arnöldche fleut, un d´r Herrgott hät sing Freud,
und d´r Ostermanns Will dä sing so schön,
es quietschen däm Palm sing Urgelstön,
un et Arnöldche fleut, un dr Herrgott hät sing Freud,
un der Läsche Nas ehr as wed nass,
weil Kölle nit unger geiht.


Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die "Kölschen Originale"
Tief im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert: Die „Kölschen Originale“

Weitere Geschichten zu den „Kölschen Originalen“ gibt es hier:


Michael Waßerfuhr von den Kölschgängern erzählt die Geschichte vom Fleuten-Arnöldche in einem wunderschönen Kölsch. Schaut mal rein, lohnt sich!


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Die „Englische Siedlung“ in Raderthal – Gartenstadt nach britischem Vorbild

Großzügige Häuser auf Grundstücken mit viel Gartenfläche: Die "Englische Siedlung" in Köln-Raderthal, Bild: Uli Kievernagel
Großzügige Häuser auf Grundstücken mit viel Gartenfläche: Die „Englische Siedlung“ in Köln-Raderthal, Bild: Uli Kievernagel

Wer ein Haus in der einzige Englischen Siedlung kaufen will, braucht Geduld und eine Menge Geld. Diese bevorzugte Wohngegend im Kölner Süden ist extrem begehrt. Und die Häuser sind – wenn man denn überhaupt eines zum Kauf finden sollte – dementsprechend teuer. 

Wohnraum für die Soldaten aus England

Angelegt wurde diese Siedlung ab 1949, um Wohnraum für die britischen Soldaten zu schaffen. Am 6. März 1945 befreiten die Amerikaner Köln. Nur gute drei Monate später, am 21. Juni 1945, übernahm die britische Armee von den US-Truppen die Verwaltung der neuen Nord-Rheinprovinz, zu der auch Köln gehörte. Der Wohnraum in der großflächig zerstören Stadt war äußerst knapp. Um die britischen Soldaten und deren Familien unterzubringen, wurden kurzerhand Wohnungen und ganze Häuser in den vergleichsweise wenig zerstörten Vierteln Marienburg und Junkersdorf requiriert.

Für die längerfristige standesgemäße Unterbringung der Offiziere wurde 1949 das Bauprogramm “JOINT“ und 1950 das „ZECO“-Bauprogramm aufgelegt. Das Ziel: Errichtung einer Gartenstadt nach englischem Vorbild. Die Briten machten exakte Vorgaben für die Häuser, die tatsächliche Planung und Ausführung wurde vom Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Köln, der Arbeitsgemeinschaft Besatzungsbauten Köln sowie der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau Köln (GAG Köln) übernommen. Renommierte Architekten wie zum Beispiel Wilhelm Riphahn, Fritz Schaller oder Theodor Kelter entwarfen die Bauten.

Einheitliches Gesamtbild in der Englischen Siedlung, hier ein Bild aus den 1960er Jahren, Bild: Josef Rosenzweig: Zwischen Judenbüchel und Sauacker
Einheitliches Gesamtbild in der Englischen Siedlung, hier ein Bild aus den 1960er Jahren, Bild: Josef Rosenzweig: Zwischen Judenbüchel und Sauacker

147 Häuser – basierend auf lediglich fünf Haus-Grundtypen

Die Ein- und Zweifamilienhäuser der „Englischen Siedlung“ basieren auf nur fünf Haus-Grundtypen: Die größeren Häuser, im inneren Bereich der Siedlung angelegt, waren für die Offiziere, die etwas kleineren in den Randbereichen für Unteroffiziere bestimmt. Die Häuser wurden versetzt und zum Teil gespiegelt errichtet. So herrscht in der Siedlung zwar ein einheitliches Gesamtbild, welches aber an keiner Stelle einförmig wirkt. Ergänzt wird das Ensemble durch drei Mehrfamilienhäuser mit jeweils zwölf Wohnungen und ein großes siebenstöckiges Wohnhochhaus mit 73 Wohnungen.

Das von Helmut Riphahn entworfene Hochhaus in der Englischen Siedlung, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Das von Helmut Riphahn entworfene Hochhaus in der Englischen Siedlung, Bild: Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Volkspark Raderthal muss weichen

Der neuen Siedlung fielen wesentliche Teile des bereits ab 1923 errichteten Volksparks Raderthal zum Opfer. So büßte der Park etwa zwei Drittel seiner Fläche ein.

Vergleich Fritz-Encke-Volkspark damals und heute

Insgesamt entstand so eine attraktive Siedlung mit 147 freistehenden Häusern, großzügigen Gärten und geschwungene Straßen. Spezielle Versorgungseinrichtungen, wie zum Beispiel der Naafi-Shop1Navy, Army and Air Force Institutes, mit speziellen Einkaufsmöglichkeiten für die im Ausland stationierten Soldaten und eine Schule für die Kinder der Soldaten sollten den im Ausland stationierten Soldaten den „british way of life“ ermöglichen.

Ein Zeitzeuge erinnert sich

Wilfried ist in Raderthal, unweit der englischen Siedlung, aufgewachsen und erinnert sich:

In der Vernicher Straße groß geworden war die englische Siedlung stets präsent in unserem Leben. Vater und Mutter gingen täglich durch die Siedlung zur Arbeit beim Leybold bzw. zum Deutschen Städtetag in der Lindenallee in Marienburg. Für uns Pänz wurde die „Englische Siedlung“ mehr und mehr zum Spielplatz. Leere Milchflaschen vor den Türen der Häuser haben wir gelegentlich stibitzt und gegen Pfand im Lebensmittelladen auf der Bonner Straße eingetauscht.

Sonntags spazierte die Familie zum Fritz-Encke-Volkspark und im dortigen Brunnentempel haben wir als Jugendliche unsere erste Zigarette probiert. Auf dem großen Parkplatz vor dem Naafi-Shop konnten wir ungestört Rollschuh fahren, nur rein in das geheimnisvolle Kaufhaus kamen wir nie.2Der Zutritt zum Naafi-Shop (Navy, Army and Air Force Institutes) mit speziellen Einkaufsmöglichkeiten war exklusiv den im Ausland stationierten britischen Soldaten und deren Familien vorbehalten.

Für uns als Kinder fast schon ein Skandal: In den Häusern gab es keine Gardinen vor den Fenstern und die Frauen rauchten auf der Straße.

Skandale um die Nutzung der Wohnungen und Häuser

Ab 1957 wurden wesentliche Teile der britischen Armee aus Köln abgezogen3Die Royal Air Force räumte 1957 die Flugplätze Butzweilerhof und Köln-Wahn. Bis etwa Ende 1965 verließen die Briten die Wohnungen und Häuser der „Englischen Siedlung“. Der Bund als Eigentümer musste nun entscheiden, wie mit der begehrten Wohnlage im Kölner Süden umgegangen werden sollte.

Schnell wurden die Begehrlichkeiten geweckt. Die Soldaten der nur wenige Schritte entfernten Kaserne schauten aus ihren Büros sehnsüchtig auf die Villen der Siedlung – nur zu gerne wären die Offiziere sofort dort eingezogen. Doch ein Streit zwischen dem Verteidigungsministerium, dem Bundesschatzministeriums4Ein spezielles Ministerium zur Verwaltung der Gelder aus dem Marshall-Plan, welches 1969 aufgelöst wurde. und dem Bundeswohnungsministerium verhinderte eine schnelle Nutzung: Zwar gehörtem dem Bund die Immobilien, doch war die „Ausstattung der Wohnungen zu gut für die Angehörigen der Bundeswehr“5Erwin Fischer: „Für die Rheinarmee gut. Für die Bundeswehr zu gut“, Frankfurter Rundschau vom 1. Juli 1966, in: Homepage der Arbeitsgruppe Wohnungsfürsorge Heidekaul (abgerufen: 15. April 2022). Den bereits in die „Englische Siedlung“ umgezogenen Soldaten drohte zwischenzeitlich sogar eine Räumungsklage. Erst durch die Schadensersatzklage eines Oberstleutnants wurde dieser Schildbürgerstreich verhindert.

Das eigens für Wirtschaftsminister Karl Schiller umgebaute Haus Eckdorfer Straße 6, hier ein Bild aus dem Jahr 2018, Bild: Heinz Reutersberg
Das eigens für Wirtschaftsminister Karl Schiller umgebaute Haus Eckdorfer Straße 6, hier ein Bild aus dem Jahr 2018, Bild: Heinz Reutersberg

Neben den Soldaten weckten die attraktiven Villen aber auch das Interesse der führenden Bonner Politiker. Wirtschaftsminister Karl Schiller (1911 – 1994) ließ sich das Haus Eckdorfer Straße 6 gemäß seiner Wünsche umbauen und einrichten. Mit zehn Zimmern und großem Grundstück eine durchaus attraktive Immobilie – und das für gerade mal 972 DM monatliche Miete. Doch als die Öffentlichkeit darauf aufmerksam wurde, trat -Schiller schnell den Rückzug an und verzichtete auf seine Kölner Villa.

„Kraut und Rüben beim Denkmalschutz“

Der Bund hat mittlerweile fast alle Ein- und Zweifamilienhäuser der Siedlung an private Käufer veräußert, nur das Hochhaus und die Mehrfamilienhäuser sind noch im öffentlichen Besitz. Die gesamte Siedlung wurde 1995 unter Denkmalschutz gestellt. Und die Auflagen des Denkmalschutzes sorgten für den nächsten Ärger in der Siedlung.

Im Juli 2018 berichtete der WDR über die von den Bewohnern der Häuser als willkürlich empfundene Auslegung der Denkmalschutzregeln. So musste ein Besitzer ein neu gedecktes Dach umbauen lassen, weil es einen leichten Dachüberstand gab. Exakt dieser Dachüberstand wurde bei Nachbarhäusern problemlos toleriert. Fenster sind mal bodentief, mal nicht. Die Türen sehen fast alle unterschiedlich aus, die Fensterrahmen sind mal weiß und mal grau. Ein Anwohner bezeichnete diese Denkmalschutz-Auslegungen noch sehr diplomatisch als „gewisse Willkür“.

Großzügige Gärten in der Englischen Siedlung in Köln-Raderthal, Bild: Uli Kievernagel
Großzügige Gärten in der Englischen Siedlung in Köln-Raderthal, Bild: Uli Kievernagel

Und trotzdem bleibt die attraktive „Englische Siedlung“ bevorzugtes Wohngebiet. Und wenn denn dort etwas zu verkaufen zu vermieten ist, sind zwar die Preise gepfeffert, aber dank der Nachfrage findet hier jede Immobilie ihren Käufer oder Mieter.


Eines der Häuser attaktiven Häuser in der Englischen Siedlung (Rösberger Straße) in den 1960er Jahren, Bild: Simon Elliot-Kermp
In diesem Haus in der Rösberger Straße hat Simon gewohnt. Bild: Simon Elliot-Kermp

„… den ganzen Luxus hinter uns lassen“

Simon aus England hat mir geschrieben. Als Kind hat er in der Rösberger Straße gelebt, sein Vater war Schulleiter. Die Familie zog 1966 zurück nach Großbritannien:

„Es war tatsächlich ein wunderschönes, gut gebautes Haus. Das konnte selbst ein Kind zu schätzen wissen.
Als wir nach Großbritannien zogen, mussten wir den ganzen Luxus hinter uns lassen.“


 

Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel
Lotsentour Raderberg und Raderthal: Mit dem Fahrrad im Kölner Süden unterwegs, Bild: Uli Kievernagel

Lotsentour – Raderberg & Raderthal

Die „Englische Siedlung“ ist auch Bestandteil der Lotsentour Raderberg & Raderthal. Eine Stadtführung mit dem Fahrrad.


DEFA Wochenschau (1952), „Der Augenzeuge - Besuch in Köln“, ab etwa 1 Minute 30 Sekunden wird die „Englische Siedlung“ gezeigt
DEFA Wochenschau (1952), „Der Augenzeuge – Besuch in Köln“, ab etwa 1 Minute 30 Sekunden wird die „Englische Siedlung“ gezeigt

Die DEFA Wochenschau aus der DDR hat im Jahr 1952 unter dem Titel „Der Augenzeuge – Besuch in Köln“ einen Bericht über Köln in der Nachkriegszeit veröffentlicht.

Ab etwa 1 Minute 30 Sekunden geht es in dem Bericht auch ausdrücklich über die „Englische Siedlung“ und der Riphahn-Bau wird gezeigt.

Ein großes DANKE an Ralf aus Köln für diesen Hinweis.


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Auflösung: Quiz zur 250. Ausgabe des „Köln-Ding der Woche“

250 Ausgaben des "Köln-Ding der Woche" sind seit Juli 2017 erschienen.
Seit Juli 2017 sind 250 Ausgaben des „Köln-Ding der Woche“ erschienen.

Viele von euch haben bei meinem Quiz zur 250. Ausgabe des Köln-Ding der Woche mitgemacht, dafür vielen Dank. Die Gewinner der 11 x 2 Gutscheine habe ich bereits benachrichtigt. Und als kleine Anerkennung haben auch alle, die mitgemacht haben, einen kleinen Trostpreis gewonnen. 

Hier die Auflösung des Quiz

Mit Siegel: Die Kölsch-Konvention der Kölner Brauer, Bild: Kölner Brauerei-Verband e.V.
Mit Siegel: Die Kölsch-Konvention der Kölner Brauer, Bild: Kölner Brauerei-Verband e.V.

Flüssiges Gold

Kölsch ist das Lebenselixier unserer Stadt. Um dieses ganz besondere Bier vor Nachahmern und schlechten Kopien zu schützen, haben die damals 24 eigenständigen Kölschbrauer die „Kölsch Konvention“ verabschiedet. In dieser Konvention wird unter anderem festgelegt, dass Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf.1Ausnahme: Brauereien außerhalb des Stadtgebiets von Köln, die bereits vor Inkrafttreten der Konvention Kölsch gebraut haben.

1. Frage:
In welchem Jahr wurde die Kölsch-Konvention feierlich unterschrieben?

Antwort:
Die Kölsch-Konvention wurde am 6. März 1986 unterschrieben.


Der Barbarastollen unter dem Hauptgebäude der Universität zu Köln, Bild: Uli Kievernagel
Der Barbarastollen unter dem Hauptgebäude der Universität zu Köln, Bild: Uli Kievernagel

„Glück auf“ in Köln

Unter dem Hauptgebäude der Universität liegt ein für Jahrzehnte schlichtweg vergessenes Bergwerk. Dieses „Schaubergwerk“ sollte Studenten einen möglichst genauen Einblick in die harten Arbeitsbedingungen der Kumpels unter Tage bieten.

2. Frage
Wie lang ist dieses „Barbarastollen“ genannte Schau-Bergwerk?

Antwort:
Der Barbarstollen ist 40 Meter lang.


So könnte das Kamelrennen in Köln ausgesehen haben, hier ein Bild eines Rennens aus den 1940er Jahren
So könnte das Kamelrennen in Köln ausgesehen haben, hier ein Bild eines Rennens aus den 1940er Jahren

Wüstenschiffe in Weidenpesch

18.000 Besucher sahen im September 1969 ein ganz besonderes Rennen auf der Galopprennbahn in Weidenpesch. Statt edler Rennpferde liefen dort Kamele um die Wette. Der spätere Sieger bretterte zwar mitten im Rennen im vollen Lauf in eine Hecke – konnte aber trotzdem das Rennen für sich entscheiden.

3. Frage:
Wie hieß das Sieger-Kamel?

Antwort:
Das Sieger-Kamel hatte den Namen „Tuareg“


Die Erstbesteiger des Troodelöh
Die Erstbesteiger des Troodelöh

Der kölsche Everest

Am 12. November 1999 machten sich drei Bergsteiger zusammen mit ihrem treuen Sherpa Llongway auf, um Kölns höchsten Punkt zu entdecken. Ohne Sauerstoff, nur mit Minimalvorräten an Kölsch und Enzian, schafften es diese Männer– Entdecker im Rang eines Kolumbus, Amundsen oder Hillary – direkt ohne Basislager und Akklimatisation auf den Gipfel und tauften den „Kölschen Everest“ auf den Namen „Monte Troodelöh“.

4. Frage
Wie hoch ist dieser sagenhafte Berggipfel?

Antwort: 
Die höchste Erhebung unserer geliebten Domstadt ist genau 116,70 Meter hoch. Später wurde diese Höhe aber auf 118,04 Meter korrigiert.


Das Pumpwerk an der Schönhauser Straße. Die blaue Illumination bedeutet "Pegel unter 2,4 Meter", Bild: Uli Kievernagel
Das Pumpwerk an der Schönhauser Straße. Die blaue Illumination bedeutet „Pegel unter 2,4 Meter“, Bild: Uli Kievernagel

Farbenspiele am Rhein

Direkt am Rheinufer im Kölner Süden steht Kölns größter Wasserstandsmelder: Das Pumpwerk Schönhauser Straße. Dieses und weitere Pumpwerke sind unverzichtbar für den Hochwasserschutz. Der wunderschöne Clou an diesem Gebäude: Je nach Wasserstand leuchtet das gesamte Gebäude in einer ganz bestimmten Farbe.

5. Frage:
In welcher Farbe leuchtet das Pumpwerk, wenn der Wasserstand bei 3,5 bis 4 Metern liegt?

Antwort:
Bei einem Wasserstand von 3,5 bis 4 Meter leuchtet das Pumpwerk grün.


Obs und Jemös, Bild: TiM Caspary / pixelio
Obs und Jemös, Bild: TiM Caspary / pixelio

Kölsche Wörter für Obs un Jemös

Als Hilfestellung für euren Einkauf auf den Wochenmärkten hatte ich im Juli 2018 die kölschen Wörter für Obst und Gemüse veröffentlicht. Dort konnte man lernen, dass „Humpele“ Himbeeren, „Öllisch“ Zwiebeln und „Worbele“ Heidelbeeren sind.

6. Frage:
Was bezeichnet der Kölsche als „Krönzel“?

Antwort:
„Krönzel“ sind Stachelbeeren.


Der Nasenbrunnen zu Ehren des fleißigen städtischen Hundefängers Andreas Leonard Lersch, besser bekannt als "Läsche Nas", Bild: Horsch, Willy - HOWI, CC BY 3.0
Dieser Nasenbrunnen erinnert an den fleißigen städtischen Hundefänger Andreas Leonard Lersch, Bild: Horsch, Willy – HOWI, CC BY 3.0

Ein stadtbekannter (und berüchtigter) Hundefänger

Andreas Leonard Lersch war bei Hundebesitzern in der Stadt gefürchtet. Der wenig feinfühlende Mann kochte zuvor eingefangene und getötete Hunde aus und produzierte daraus ein Mittel zur Schwindsucht. Ein besonders hervorstechendes Körperteil führte zu seinem noch heute bekannten Spitznamen.

7. Frage
Wie nannten die Kölner Andreas Leonard Lersch?

Antwort:
Lersch wurde – wegen seiner übergroßen Nase – „Läsche Nas“ genannt.


Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666
Der Decke Pitter im Kölner Dom, Bild: Pappnaas666

Der Decke Pitter

Bis Ende November 2018 war die größte Glocke im Dom auch die größte freischwingende Glocke der Welt: Die St. Petersglocke, von den Kölnern liebevoll „Decke Pitter“ genannt. Seine ersten Glockenschläge erklangen am Heiligabend 1924. 

8. Frage:
Wie schwer ist der „Decke Pitter“?

Antwort:
Der „Decke Pitter“ wiegt 24 Tonnen.


Der Kölnisch-Wasser-Brunnen in der Schalterhalle der Kreissparkasse, Bild: Uli Kievernagel
Der Kölnisch-Wasser-Brunnen, Bild: Uli Kievernagel

Echt Kölnisch Wasser

Erfunden wurde „Kölnisch Wasser“ von Johann Maria Farina, dem Mann mit der „goldenen Nase“. Am bekanntesten ist heute die Marke „4711“. Wer „Eau de Cologne“ will, muss dies teuer bezahlen – oder man geht zum Kölnisch-Wasser-Brunnen und kann sich dort gratis bedienen.

9. Frage:
Wo steht der Kölnisch-Wasser-Brunnen?

Antwort:
Der Brunnen steht in der Schalterhalle der der Kreissparkasse am Neumarkt. 


Der Vierungsturm des Kölner Doms mit dem goldenen Stern von Betlehem, Bild: CEphoto, Uwe Aranas, CC-BY-SA-3.0
Der Vierungsturm des Kölner Doms, Bild: CEphoto, Uwe Aranas, CC-BY-SA-3.0

Die „Warze des Doms“

Er wird irgendwie oft vergessen: Kölns dritthöchster Kirchturm – nach den beiden mächtigen Türmen des Doms – ist der ebenfalls auf der Kathedrale befindliche Vierungsturm. Dieser Turm wurde oft in den letzten Jahren umgebaut – Kritikern zufolge nicht unbedingt zum Vorteil des Doms. So wurde der Vierungsturm auch schon als „Warze des Doms“ bezeichnet.

10. Frage:
Wie hoch ist der Vierungsturm des Kölner Doms?

Antwort:
Der Vierungsturm ist 109 Meter hoch.


Kult: Die Gaststätte Lommerzheim in Deutz, Bild: Andreas Lofner
Kult: Die berühmte Gaststätte in Deutz, Bild: Andreas Lofner

„Su lang die Leechter noch brenne“

Bereits im Jahr 2015 hat die kölsche Band Miljö den Titel „Sulang die Leechter noch brenne“ veröffentlicht. In diesem Lied steht der wohl bekannteste Wirt Kölns stellvertretend für die kölsche Lebensart. Dieser Wirt hat bis 2004 eine sagenhafte Kneipe in Deutz geführt, welche 2008 nach „behutsamer Renovierung“ wieder eröffnet wurde.

11. Frage:
Wie hieß der Wirt dieser legendären Kneipe?

Antwort:
Der Name des legendären Wirts war Hans Lommerzheim.


 

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Einladung: Lesung mit Stadtführung „vom Stuhl“ in Marienburg am 8. Juni 2022 | Eintritt FREI

So kann man sich die Marienburger Villa aus dem Roman vorstellen, Bild: Norbert Bröcheler
So kann man sich die Marienburger Villa aus dem Roman vorstellen, Bild: Norbert Bröcheler

Bitte den 8. Juni 2022, 19.30 Uhr vormerken: An diesem Tag veranstalte ich zusammen mit der erfolgreichen Autorin Ellen Jacobi eine Lesung aus einem Marienburg-Roman. Mitten in Marienburg. Eintritt FREI.

Roman: Untermieter in der Marienburger Villa einer exzentrischen Dame

Im Mai 2020 durfte ich Ellen Jacobi bei der Recherche zu Ihrem Roman „Ohne Rentner geht hier nichts“ unterstützen. Die Handlung spielt zu wesentlichen Teilen im Kölner Stadtteil Marienburg. Dieses Buch wurde im Juli 2021 bei Bastei Lübbe veröffentlicht.

Ellen Jacobi: Ohne Rentner geht hier nichts, Bastei Lübbe
Ellen Jacobi: Ohne Rentner geht hier nichts, Bastei Lübbe

Es geht um die ebenso reiche wie schwierige Ariane van Endert. Sie lebt auf großem Fuß in einer Marienburger Villa, bis ihr Stiefsohn große Teile ihres Vermögens durchbringt. Notgedrungen nimmt sie einige Untermieter auf: eine junge Studienabbrecherin ohne Perspektive, eine chaotische Rentnerin mit Stoffhund und einen Pianisten, der seit Jahren kein Klavier mehr angefasst hat. Ariane hofft sehr, ihre neuen Mitbewohner bald wieder loszuwerden und macht ihnen das Leben schwer. Irgendwann sind aber auch die letzten Reserven ausgegeben und es besteht die Gefahr, dass Ariane ihre große Villa in Marienburg verliert.
Ein heiterer Roman über das Leben in Marienburg, Neuanfänge im Alter und wahre Freundschaften.

Bitte weitersagen: Lesung eines Roman aus Marienburg mitten im Marienburg
Bitte weitersagen: Lesung eines Roman aus Marienburg mitten im Marienburg

Stadtführung und Lesung aus dem Marienburg-Buch in Marienburg

Ich habe mit Ellen Jacobi vereinbart, dass Sie für euch aus diesem Roman liest. Vorab biete ich eine kurze Stadtführung vom Stuhl an: Es gibt ein paar Geschichten zu Marienburg, den noblen Villen und der Entwicklung dieses Stadtteils. Anschließend stehen Ellen und ich noch für alle Fragen gerne zur Verfügung und wir können noch gemeinsam einen Wein, ein Kölsch oder ein Wasser trinken.  

Eintritt FREI, bitte anmelden

Die Lesung mit Stadtführung vom Stuhl findet am 8. Juni 20022, 19.30 Uhr im Martin-Luther-Haus, Mehlemer Straße 27, mitten in Marienburg, statt.
Ihr seid alle eingeladen. Der Eintritt ist FREI.

Um Anmeldung wird gebeten:

Uli Kievernagel, der Köln-Lotse
Telefon 0221. 42344825
Mobil 0162. 7973914
uli@koeln-lotse.de


Eine Veranstaltung im Rahmen des Sonderprogramms Aufgeschlagen! des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen


Eindrucksvolle Villen in Marienburg, Bild: Norbert Bröcheler
Eindrucksvolle Villen in Marienburg, Bild: Norbert Bröcheler

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Ein paar Fragen an Christiane Rath – „Grabaneignung“ auf dem Kölner Südfriedhof

Christiane Rath am Grab von Heinz und Heinzchen Rausch, Bild: Uli Kievernagel
Christiane Rath am Grab von Heinz und Heinzchen Rausch, Bild: Uli Kievernagel

Ein scheinbar herrenloses Grab auf dem Südfriedhof pflegen. Ohne irgendeine Beziehung zu den dort bestatteten Menschen. Und dann darüber ein Buch veröffentlichen. Klingt nach einer erzählenswerten Geschichte.  Deswegen treffe ich Christiane Rath direkt dort, wo alles angefangen hat: Auf dem Südfriedhof, Flur 33, gegenüber der Bestattungsgärten.

Dr. Christiane Rath ist ein eine bemerkenswerte Frau. Sie ist eine nur zufällig in Oberhausen geborene und in Düren aufgewachsene Rheinländerin, hat in Bonn Romanistik studiert und auch dort promoviert. Sie lebt seit 1988 in Köln. Neben ihrer Tätigkeit als freischaffende Künstlerin, Autorin und Redakteurin des Kölner Straßenmagazins „Draussenseiter“ leitet sie gemeinsam mit agii gosse den Kölner Kunstverein „68elf e.V.“.

Bereits 2017 reift bei einem ihrer zahlreichen Spaziergänge über den Südfriedhof die Idee, sich eines der offensichtlich verlassenen Gräber „anzueignen“. Es dauerte aber noch bis Ende 2019, bis dieser Plan in die Realität umgesetzt wurde. Jetzt stehen wir vor dem Grab von Heinz und Heinzchen Rausch mit dem bemerkenswerten Grabstein aus drei verbundenen Kreuzen.

Christiane – du hast eine Jahreskarte vom Kölner Zoo. Anscheinend ist aber der Südfriedhof für dich interessanter als Giraffen, Löwen und Erdmännchen. Warum?

Ich kenne den Zoo in- und auswendig, ich habe auch bereits zwei Bücher über den Zoo geschrieben – über Friedhöfe noch keins. Ich liebe Friedhöfe und schaue mir diese überall an. Ich bin auch viel auf dem Melaten-Friedhof unterwegs. Aber der Südfriedhof ist für mich schöner als Melaten. Er ist verwinkelter, geheimnisvoller.

Christiane Rath: "Der Kölner Zoo" und "Die Elefanten zu Köln", beide bei Kiepenheuer & Witsch erschienen
Christiane Rath: „Der Kölner Zoo“ und „Die Elefanten zu Köln“, beide bei Kiepenheuer & Witsch erschienen

Wie kommt man auf die Idee, einfach ein Grab von wildfremden Menschen zu pflegen?

Es stört mich, wenn Gräber verlassen sind und nicht gepflegt werden. Das macht mich traurig. Eigentlich zupfe ich ständig an irgendwelchen Gräbern herum, wenn ich auf Friedhöfen unterwegs bin. Tatsächlich habe ich heute auch wieder Handschuhe dabei, um Gräber von Dornen zu befreien.

Moment mal – da könnte ja jeder kommen und einfach wildfremde Gräber pflegen. Wir sind doch schließlich in Deutschland! Hier ist alles geregelt. Ist das denn überhaupt erlaubt?

Eigentlich ist das nicht so außergewöhnlich, wie man denkt. Viele Menschen pflegen auch Nachbargräber. Juristisch ist das irgendwie eine Grauzone. Man zerstört ja nichts, sondern pflegt eine Grabstelle. Wieso sollte das also verboten sein? Eine „Temporäre Grabaneignung“, wie ich sie mit dem Rausch-Grab vorgenommen habe, ist natürlich nicht mit einem Patenschaftsgrab zu vergleichen.1Anmerkung: Patenschaftsgräber sind eine kölsche Erfindung: Menschen können Patenschaften an denkmalgeschützten Grabanlagen übernehmen. Sie erhalten damit das Recht dort beigesetzt zu werden und sind im Gegenzug dazu verpflichtet, die Anlage mit Übernahme der Patenschaft in Abstimmung mit der Denkmalbehörde instand zu setzen und zu unterhalten. Die Nutzungsgebühr wird erst im Beisetzungsfall erhoben.

Auf dem Südfriedhof gibt es insgesamt 47.400 Grabmäler. Ich schätze mal, 5% davon sind verwildert und werden nicht mehr gepflegt. Macht knapp 2.400 Gräber. Warum hast du dir gerade das Rausch-Grab „angeeignet“?

Ich habe gezielt auf dem Südfriedhof nach einem Grab gesucht, das mich persönlich anzieht und stand plötzlich vor dem Rausch-Grab.

Rausch klingt nach Fröhlichkeit, nach Ausschweifung. Und dann wurde Heinz Rausch ausgerechnet am 22.2.22 geboren – diese Schnapszahl passt zum Namen „Rausch“. Heinzchen wurde nur 17 Jahre alt. Der Grabstein besteht aus drei miteinander verbundenen Kreuzen – es wurden hier aber nur zwei Personen bestattet. Es bleibt eine Leerstelle: Was ist mit der Mutter? Dieses ganz spezielle und sehr verwilderte Grab hat direkt meine Phantasie spielen lassen.

Das Rausch-Grab noch vor der Grabaneignung, Bild: Christiane Rath, aus dem Buch "Unvergessen - Eine temporäre Grabaneignung" (76 Seiten, 30 Euro, Bestellung unter christiane@rath-art.de)
Das Rausch-Grab noch vor der Grabaneignung, Bild: Christiane Rath, aus dem Buch „Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung“ (76 Seiten, 30 Euro, Bestellung unter christiane@rath-art.de)

Ein befreundeter Biologe hat, bevor ich Anfang 2020 angefangen habe, das Rausch-Grab zu pflegen, mit mir eine Bestandsaufnahe gemacht und geht davon aus, dass sich mindestens drei Jahre lang niemand mehr um dieses Grab gekümmert hat.

In deinem Buch „Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung“ beschreibst du dein Projekt. Warum geht es in dem Buch nicht um Fakten oder Lebensläufe der verstorbenen Heinz und Heinzchen Rausch, sondern um mögliche Varianten, wie sich das Leben dieser beiden Menschen abgespielt haben könnte?

Ich habe tatsächlich, bevor ich angefangen habe, das Grab zu pflegen, kurz recherchiert, ob ich hier nicht ein „Wespennest“ stoße. Aber ich habe nichts gefunden. Also habe ich angefangen mir zu überlegen, wie das Leben von Heinz und Heinzchen gewesen sein könnte.

Dabei habe ich mir keine ganzen Lebensläufe ausgedacht, sondern immer nur mögliche Episoden aus dem Leben – so wie Puzzlestücke.  

In dem Buch verschmelzen deine eigenen Erlebnisse mit den fiktiven Lebensläufen von Heinz und Heinzchen Rausch. In einer Variante ziehst du eine Parallele zwischen Heinzchen und deinem ersten Freund. Einer der beiden kommt bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Offen bleibt, ob Heinzchen Rausch oder dein erster Freund gemeint ist.

Aus realen Lebensläufen kann man sich fiktive Lebensläufe – oder Episoden wie Puzzlestücke aus dem Leben – zusammensetzen. Wir alle haben ähnliche Puzzlestücke, zum Beispiel Geburt, Weihnachtsfeiern, erster Schultag. Es gibt aber auch große Unterschiede, zum Beispiel die erste Liebe oder Verlust durch Todesfälle.

Bei dem in dem Buch erwähnten Unfall habe ich Puzzlestücke aus dem Leben zweier Personen in einer Fiktion zusammengeführt: Ich hatte einen Freund, meine erste große Liebe. Ich war 14 Jahre alt, er 17. Ständig bastelte er an seinem Moped herum. Und dann gab es den Sohn von Freunden meiner Eltern, der bei einem Unfall ums Leben kam. Eine freie Straße, schnurgeradeaus und er fährt auf der linken Spur mit seinem Motorrad frontal in einen LKW. Ob es ein Selbstmord war, ist nie geklärt worden.

In der Fiktion zu „Heinzchen“ verschmelzen diese beiden Puzzlestücke.


Christiane Rath: Unvergessen - Eine temporäre Grabaneignung
Christiane Rath: Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung

Christiane Rath: Unvergessen – Eine temporäre Grabaneignung.
76 Seiten, 30 Euro, Bestellung unter christiane@rath-art.de


Du hast zwischenzeitlich in Erfahrung bringen können, wer Heinz und Heinzchen Rausch wirklich waren. Gab es Überraschungen?

Ich bin von Bekannten der Familie angesprochen worden. Es gibt tatsächlich Überraschungen. Hinter dem Grab steckt eine urkölsche und tragische Geschichte. Aber die verrate ich nur den Menschen, die mein Buch gelesen haben, und das auch nur persönlich.

Wie geht es jetzt weiter? Wirst du dich auch weiterhin um das Rausch-Grab kümmern oder zieht es dich dann doch irgendwann lieber wieder regelmäßig in den Zoo?

In den Zoo gehe ich regelmäßig mit meinem Patenkind. Das Projekt der Grabaneignung habe ich am 29. Dezember 2020 beendet. Trotzdem lässt mich das Rausch-Grab nicht los, ich bin oft hier, um das Grab zu pflegen.

Vielleicht ist es auch eine Projektionsfläche für mich: Auch mein Vater und mein Bruder sind in einem gemeinsamen Grab in Düren beigesetzt. Unter einer Marmorplatte. Dort kann man nichts pflegen.

So spiegelt das Grab von Heinz und Heinzchen Rausch auch irgendwie Puzzlestücke aus meinem Leben wider. Aber dies war auf keinen Fall die ursprüngliche Idee der Grabaneignung.


 

Christiane Rath, eine nur zufällig in Oberhausen geborene Rheinländerin, Bild: Christiane Rath, www.rath-art.de/
Christiane Rath, eine nur zufällig in Oberhausen geborene Rheinländerin, Bild: Christiane Rath, www.rath-art.de/

Genau wie alle anderen Menschen in meiner Rubrik „Ein paar Fragen an …“ hat auch Christiane Rath zu meinen „kölschen Fragen“ Rede und Antwort gestanden. 

Wenn nicht Köln – wo sonst könntest du leben? Und warum gerade dort?

Eigentlich nur in Köln. Aber wenn ich weg muss, dann gerne nach Ligurien. Dort gibt es das Meer und hervorragendes Essen. Und Genua ist irgendwie wie Köln: Nicht überall schön.

Was machst du zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch?

Fastelovend fiere.

Und was zwischen Aschermittwoch und Weiberfastnacht?

Sehnsüchtig auf den 11.11. warten.

Nenne ein/zwei/drei Gründe, warum man Köln morgen verlassen sollte.

Kenne keine. Ich will ja auch nicht weg.

Dein Lieblingsschimpfwort auf Kölsch?

Tütenüggel

Bitte vervollständige den Satz: Köln ist …

… mein zuhause! Ich fühle: Ich muss irgendwie in Köln sein.


Diese Menschen haben bisher meine Fragen beantwortet: 


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„Allahu akbar“ – Muslime feierten 1965 das Ende des Ramadan im Kölner Dom

Der Kölner Dom und die DITIB-Zentralmoschee Köln, Bild Kölner Dom: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen, Bild Moschee: Raimond Spekking
Der Kölner Dom und die DITIB-Zentralmoschee Köln, Bild Kölner Dom: KölnTourismus GmbH, Andreas Möltgen, Bild Moschee: Raimond Spekking

Äußerst ungewohnte Töne schallten durch den Dom: „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) hieß es. Und Gläubige rollten ihre Gebetsteppiche in einem Seitenschiff der Kathedrale aus und beteten. Dass es sich dabei nicht um das übliche Publikum eines katholischen Sonntagsgottesdiensts handelte, ist offensichtlich.

Tatsächlich beteten am 3. Februar 1965 mehrere Hunderte Muslime im Kölner Dom. An diesem Tag endete der Fastenmonat Ramadan. Das Ende des Ramadan feiern die Muslime mit einem dreitägigen Fest. Dazu gehört auch das feierliche Gebet. Das Problem aber war: Es gab keine geeignete Moschee für die Gläubigen.

Kardinal Josef Frings war Gegner dieser Aktion

So gab es eine Absprache, dass die Gläubigen ihre Gebetsteppiche im Dom ausrollen durften. Doch dieses Gebet der Muslime in dem katholischen Gotteshaus war durchaus umstritten. Denn die Zusage für diese Aktion wurde nur von einem einzelnen Mitglied des Domkapitels gegeben.1Das Domkapitel ist das oberste Leitungsgremium des Doms und besteht aus Dompropst, Domdechant, zehn residierenden und vier nichtresidierenden Domkapitularen. Die nichtresidierenden Kapitulare sind Geistliche des Erzbistums Köln mit Priester- oder Bischofsweihe, von denen einer möglichst der Bonner KatholischTheologischen Fakultät angehören soll. Die residierenden Domkapitulare sind für die Gestaltung der Gottesdienste, den Erhalt des Domes und die Verwaltung des Vermögens verantwortlich.

Norbert Feldhoff, Kölner Domprobst von 2004 bis 2015, Bild: Raimond Spekking
Norbert Feldhoff, Kölner Domprobst von 2004 bis 2015, Bild: Raimond Spekking

„Sicher ist aber, dass das Domkapitel nachträglich die Entscheidung mitgetragen hat“, so der ehemalige Domprobst Norbert Feldhoff. Übrigens war der damalige Kölner Erzbischof Kardinal Josef Frings gegen dieses Gebet in der christlichen Kirche, so Feldhoff.

Einmaliges Ereignis – Dom jetzt eine Moschee?

Bleibt die Frage, ob es rechtens war, den Dom zu einem muslimischen Gebet zu öffnen. Auf der einen Seite hatte das gerade erst beendete Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ausdrücklich den Respekt gegenüber dem Islam bekundet. Es gab sogar eine Empfehlung, dass die Bistümer den Muslimen Räume zur Verfügung stellen sollten.

Auf der anderen Seite wurden hier ausdrücklich Kirchen und Kapellen ausgenommen, weil Kruzifixe, Bilder und Statuen für Muslime ein Ärgernis sein könnten. Für die Gläubigen, die im Februar 1965 im Dom beteten, stellte dies wohl kein Problem dar. Ganz im Gegenteil: Entsprechend des islamischen Gebots, auch für Gotteshäuser zu spenden, bedankten sich die Betenden, indem sie nach dem Gebet großzügig für den Erhalt des Doms spendeten.

Trotzdem blieb diese Aktion ein einmaliges Ereignis, auch wenn die Kölnische Rundschau dieses besondere Gebet als „Tag, der Religionsgeschichte gemacht hat“ bezeichnete. Denn nach dem Verständnis bestimmter muslimischer Gruppen, so Norbert Feldhoff, gehen Räume, in denen einmal gebetet würde, in ihr Eigentum über. So könnte man den Dom seit diesem Tag  im Februar 1965 auch als Moschee bezeichnen.

Debatte über den Muezzin-Ruf in Köln

Heute gehen die Meinungen über die Religionen weit auseinander, wie die zum Teil hitzig geführte Debatte über den Muezzin-Ruf zeigen: Die Stadt erlaubt in einem auf zunächst zwei Jahre befristeten Modellprojekt, dass der Gebetsruf zum Gebet am Freitag zwischen zwölf und 15 Uhr erschallen darf.

Die Kommentare in den sogenannten „Sozialen Medien“ zeigen die ganze Bandbreite: Von der „Islamisierung des Abendlands“ bis „Wenn einer religiösen Krach machen darf, dürfen es alle anderen auch.“ sind alle Meinungen vertreten.

Ich halte es da eher mit dem Kölschen Grundgesetz,
Artikel 3: „Et hätt noch immer jot jejange.


 

Das Richter-Fenster am Kölner Dom, Bild: Raimond Spekking
Das Richter-Fenster am Kölner Dom, Bild: Raimond Spekking

Kardinal Meissner: Richter-Fenster passt eher in eine Moschee

Kardinal Meissner (1933 – 2017) hatte dem wunderschönen und vielbeachteten Richter-Fenster schnell attestiert, dass dieses „eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus“ passen würde, aber nicht in eine gotische Kathedrale. 

Aber da hatte der „Gottesmann“ Meissner eindeutig Unrecht: Rund 80 Prozent aller Besucher im Dom sind von dem Richter-Fenster begeistert. 


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